Nachricliteii
von der
Königlichen Gesellschaft der Wissenschaften
zu Göttingen.
Philologisch -historische Klasse
aus dem Jahre 1913.
Berlin,
Weidmannsche Buchhandlung.
1913.
1113
Druck der Dicterichschen Univ.-Bucbdruckerei (W. Fr. Kaestner) in Göttingeü.
Register
über
die Nachrichten von der Königl. Gesellschaft der Wissenschaften
pbilologisch-historisclie Klasse
aus dem Jahre 1913.
Seite
Andreas, F. C, und J. Wackernagel, Die erste, zweite und
fünfte Ghäthä des Zura'^thusthro (Josno 28. 29. 32). Versuch
einer Herstellung der älteren Textformen nebst Uebersetzung.
I. Text und Uebersetzung 363
Borchling, C, Mittelniederdeutsche Handschriften in den Rhein-
landen und in einigen anderen Sammlungen. Vierter Reise-
bericht Beiheft.
Gerhäußer, "W. , und A. Rahlfs, Münchener Septuaginta - Fra-
gmente 72
Keil, B., Ein A0r02 STSTATIKO^ 1
Kluge, Th., Materialien zu einer Lazischen Grammatik nach Auf-
nahmen des Dialektes von Trapezunt 264
Meyer, W, Spanisches zur Geschichte der ältesten mittellateinischen
Rythmik 104
— lieber die rythmischen Preces der mozarabischen Liturgie . . 177
Niese, H., Das Bistum Catania und die sizilischen Hohenstauffen 42
Pohlenz, M., Eine byzantinische Recension Plutarchischer Schriften 338
Schröder, E., Zur Kritik des mittelhochdeutschen Gedichtes 'Von
dem Übeln Weibe' 88
Schultz, H, Zur Nebenüberlieferung der Hesiodscholien . . . 252
Wagner, H., Die literarischen Schicksale der Ferneischen Erdmes-
sung von 1527 223
AViederhold, W., Papsturkunden in Frankreich. VIT. Gascogne,
Guienne und Languedoc Beiheft.
Wissowa, G., Athenaeus und Macrobius 325
Ein AOrOS 2TSTATIK02.
Von
Brano Keil (Korresp. Mitgl.).
Vorgelegt von F. Leo am 25. Januar 1913.
Das 35. Stück in der Sammlung der Julianbriefe ^) trägt zwar
im Yossianus, der einzig in Betracht kommenden Handschrift, die
Überschrift 'looXtavöc 'ApYstoic, aber Form wie Inhalt lassen Zweifel
darüber entstehen, ob in ihm wirklich ein Brief oder nicht vielmehr
eine Rede zu erkennen ist. Hertlein hat dem Stücke daher den Titel
'AvsTüLYpa^poc oTusp ' ApYsicov vorgesetzt, während Hercher es unbezeichnet
ließ. Weder jene ausgesprochene Kritik des einen, noch diese
stillschweigende des anderen Herausgebers hat jedoch verhindern
können, daß das Schriftstück weiterhin als Zeugnis für die julia-
nische Zeit in Anspruch genommen und historisch verwertet worden
ist^). Allein jenem Zweifel einmal verfallen, ist es zugleich dem
Verdachte ausgesetzt, ein Fremdkörper in der Briefsammlung zu
sein, die ja reichlich mit Briefen nichtjulianischer Provenienz
durchsetzt ist^); dann muß das Schriftstück so lange als zeitlos
betrachtet werden, wie nicht der Beweis erbracht wird, daß es
derselben Zeit wie die Umgebung, in die die Überlieferung es
1) Die Zählung nach Hertlein; bei Hercher N. 34.
2) So von J. G. Droysen, Hermes 1879 XIV 4 und von F. Cauer, Realenzykl.
n 743. Wunderlich bei seiner Titelgebung 'AveTriypcccpou Hertlein zu . p. 530,6:
'mihi evTi{j.a lulianus scripsisse videtur'.
3) Vgl. Bidet-Cumont, Recherches sur la tradition manuscrite des Lettres
de l'empereur Julien (Bruxelles 1898) p. 19 ff. 100. Die Stellung des Briefes in
den Handschriften gibt übrigens zu Verdacht keinen Anlaß.
Kgl. Ges. d. Wiss. Nachrichten. Phil.-hist. Klasse. 1913. Heft 1. 1
2 Bruno Keil,
gesetzt hat, wirklich angehört. Keiner von denen, die sein Zeugnis
anriefen, hat diesen Beweis geliefert, überhaupt auch nur die Frage
nach dem Alter des Dokumentes gestellt: sie soll hier erörtert
werden. Die nicht unwichtigen sachlichen Angaben, die es enthält,
die Sache selbst, auf die es sich bezieht, endlich das Dokument
als literarisches Erzeugnis an sich rechtfertigen eine Sonderbe-
sprechung.
Inhalt und Aufbau.
I. npooi{jLtov 526,2 — 23: Alte wie neue Geschichte geben der
Stadt Argos den Anspruch auf Achtung: Führerin im troischen
Kriege, dann der dem ältesten der Herakliden zugefallene Losteil,
wußte sich Argos durch seine Tapferkeit gegen Sparta zu be-
haupten; an den Großtaten Philipps und Alexanders hat es als
Heimat ihrer Ahnen seinen Anteil; die Römer haben es bislang
mit schonender Achtung behandelt, indem sie ihm Freiheit und
Kechte gleich andern Griechengemeinden beließen.
IL Upod-Boiq in Form einer (Teil-)Si7]Y7]aLg 527, 1 — 7: Im
Gegensatz hierzu steht das Verhalten der Korinther: sie zwingen
seit sechs Jahren das ihnen von Rom 'zugekommene' Argos, Bei-
steuer (aovTsXsia) zur Begehung korinthischer Spiele zu entrichten.
III. Argumentation 527, 8 (vap) — 529, 21 : Es ist
a) unlogisch (ttwc— soXo^ov), 527,8 — 16, daß Olympia und Delphi
von dieser Beisteuer befreit bleiben, Argos diese ihm zu-
stehende Freiheit verlieren soll, wo es wie sie die Lasten
eines panhellenischen Festes zu tragen hat.
b) nnverständlich (Tupöc Ss toutol? . . . Tuwt; — slxdc) 527, 16 — 25, daß
Argos, welches vier Feste in vier Jahren zu bestreiten hat,
zu jener Beisteuer herangezogen wird, wo Olympia und Delphi
mit je nur einem Feste im gleichen Zeitraum frei bleiben.
c) ungerecht und gesetzwidrig (aSixa xal 7rapavo{ia) 527,25 — 528, 13,
daß die Argiver gerade zu dem Fest der Korinther beisteuern
sollen, denn
a) die Beisteuer dient nicht den alten hellenischen Agonen,
sondern den unhellenischen Tierkämpfen;
ß) die Korinther sind reicher als die Argiver.
d) ungehörig (vgl. 7rpoa'^>tov=7rp^7rov), 528, 13 — 19, daß Nachbaren
so handeln;
e) unwürdig (Tröiepov— xaXtöc ^'/etv), 528,20—529,12, daß die
Korinther die Satzungen des alten Griechenlands beiseite
schieben, um eine neue Ordnung zum Schaden der Nachbaren
auszunutzen, dies umsomehr als
Ein AOrOS SrSTATlKOS. g
— AdSyjoic in Form einer Fortsetzung der SivJYi^atc, 529, 12—21 —
ihr Rechtstitel jung und nur durch die Saumseligkeit des
Rechtsvertreters von Argos, der zur rechten Zeit Appellation
einzulegen unterließ, und durch die Befangenheit des Richters
erreicht worden ist.
IV. SotißooXTJ (Empfehlung) 529,22—531,8: So sind hier als
Abgesandte zwei unpolitische, aber vaterlandsliebende Bürger von
Argos, Lamprias und Diogenes, erschienen, um die Genehmigung
zur Wiederaufnahme des Verfahrens vor einem wohlwollenden
Richter in dieser Sache zu erbitten, die durch Unterlassung recht-
zeitiger Appellation ihre endgiltige Entscheidung zu Ungunsten der
Argiver gefunden hat.
Aoot? xat avciTrapaaTaotv der zu erwartenden ävii^sotc ('ato-
:rov' Ss oh-/^ y^p^ yo\LiC,Biv) durch das l%ßYjaö[JL£Vov (u. S. 37, 1)
531,4 — 17: Diese Bitte ist nicht für widersinnig zu halten:
unrechten Spruch mag der Einzelne, um für das kurze
Menschenleben Ruhe zu haben, hinnehmen; zwischen den
unvergänglichen Städten muß er dauernden Haß entzünden.
V. 'EttiXoyoc 531, 17 f.: Ich habe gesprochen, entscheide.
Der Sachverhalt.
Das Rechtsverhältnis zwischen Korinth und Argos, welches
die Grundlage des Konfliktes zwischen den beiden Gemeinden bildet,
bedarf zunächst der Klärung. 527, 1 KopLv^iot Ss vöv auTYjv TupooYs-
vofisvYjv aüioi? — ODTO) 7ap sItüsiv süTupsTcsaTspov — aiuo x'^c ßaoiXsoooor]^
TüöXsü)? . . . aovTsXstv av>zol<; ava^zdCoüaL: Argos hat also Abgaben
an Korinth zu zahlen auf Grund einer bestimmten Abhängigkeit,
in die es durch die römische Verwaltung zu Korinth versetzt ist.
An eine Degradierung zu einer %w[iYj von Korinth ist nicht zu
denken: politische Selbständigkeit und Unabhängigkeit der Kom-
mune Argos gegenüber Korinth ist die Voraussetzung der ganzen
Argumentation der Schrift, die sogleich mit T^sp i-^c 'ApYstfov
TüöXsco«; anhebt. Es handelt sich also nur um eine finanzielle Ab-
hängigkeit, in die Argos versetzt worden ist, um den Korinthern
die Mittel zu glänzenderer Ausstattung ihrer Feste zu gewähren.
Das folgt direkt aus den Worten des Verfassers, nur daß er natürlich
parteiisch entstellend behauptet, der Zuschuß werde allein für die
u n griechischen Tierhetzen gebraucht : 527, 23 oTuaYsa^ai %cd Tupoc
STspcav oovTsXsLav . . . aXXwc xs ouBe 7:pb<; "EXXirjvtvtYjV ou§s TuaXaiav TravTJ-
Yopiv; oü Yocp Ic ^opvjYiav aYwvwv Yuptxwv 7] [loüaiTCcüv oi Kopiv^tOL
Twv :uoXX(üv Ssovxai yp7j»JLdT(ov, eid 5s id TtüVTjYsoia xd 'koWoluk; iv xoic
•O-edxpoL; l7rixsXou[jL£va apxxoo<; %al TuapSdXsic wvoövxai. Der Verfasser
1*
Bruno Keil
verrät auch gleich darauf, daß nicht allein Argos zu dieser Bei-
steuer herangezogen werde : 528, 7 ttoXXwv ttöXewv, w? elxö^, c(x>zol(;
d<; TOÖTO aüvaipo[JL^v(öV, wvoofisvwv ^) ttjv T^ptpiv loö (ppovTJiiaTOi;, d. h. :
'es ist nur natürlich, daß andere, um schönere Spiele zu sehen zu
bekommen, ihre Selbstachtung verschachern ; mit dem Prestige von
Arges verträgt sich das nicht' (Z. 12 Sö^tjc avd|ta TreLaovuaL). Es
liegt also hier zu Gunsten von Korinth eine Ordnung vor, analog
der, die Mommsen für Rhodos und für Stratonikeia und ihren
Steuerkreis nachgewiesen, für Sparta vermutet hat. Rom über-
wies einer föderierten Stadt eine Anzahl von tributpflichtigen
römischen Untertanengemeinden zur ganzen oder teilweisen Zahlung
der dem römischen Staate geschuldeten Abgaben an jene Bundes-
stadt ^). Nur analog habe ich die hier vorliegenden Abhängigkeits-
verhältnisse genannt, weil Korinth zur Zeit dieser Vorgänge schon
römische Kolonie war (529, 6), dagegen die von Mommsen beige-
brachten Fälle auf bloße Bundesstädte gehen. Allein die staats-
rechtliche Stellung der bevorzugten Gremeinde macht keinen Unter-
schied, da es sich nur um eine finanzielle Attribuirung von Ort-
schaften handelt, deren politische oder kommunale Rechtsstellung
durch jene Zuweisung in keiner Weise betroffen wurde. Tatsächlich
erstrecken sich die argivischen Beschwerden einzig auf die Heran-
ziehung zur GovueXeta, in der sie neben der Abhängigkeit von Rom
eine weitere beschränkende Unfreiheit sehen : die Worte 528, 9
'ApYsioi . . . i^viv.^ -O-sof. xal Tiap' aXXoi? i :r t SooXsuetv finden geradezu
ihre Erklärung durch die von Mommsen aus Dios Rhodiakos heran-
gezogene Stelle ^) : (Kaovtoi) oi 7s SooXeooooi ou/ ojitv (den Rhodiem)
1) Überliefert ist konstruktionslos (ovoüvxai; Reiskes Einschub von wv davor
stellt keine Verbindung her, da der Plural beziehungslos bleibt, o-ü ist durch den
Hiat ausgeschlossen; ourep hülfe darüber hinweg, aber das Relativ verwischt die
Schärfe des Ausdrucks. Durch das drei Zeilen vorhergehende u)vo\Jv t a t ist wohl
die vielleicht abgekürzt geschriebene Partizipialform verlesen worden ; vgl. übrigens
531, 7. Horkels (Quaest. lulianeae, Diss. Berl. 1841 p. 46) von Hertlein zur Hälfte
angenommene Tilgung der Worte tovoövTai — cppov/jfxaTo; wird durch den Gegensatz
Z. 12 U^^i dcv'icta als falsch erwiesen. Vgl. Plut. praec. rp. ger. 29 (822 A)
dvaXu>|xdTU)v (AtYcz'Xiuv tovo6(j.evov tt^v 6d;av; an unserer Stelle geht dvaX(ü[j.äT(iiv
direkt vorauf; ich bemerke dies wegen der starken, S. 12 notierten, Überein-
stimmung zwischen beiden Schriften.
2) Mommsen, Rom. Staatsr. III 771 f. 668, 2. In diesen Zusammenhang
dürfte auch i^ 7:po; tö> Kpct'Yij) auvt^Xeia, Dittenberger 10. 565, zu rücken sein, be-
sonders wegen der Worte TrATjpwaavTa xal e(; xo tepiüTarov Tapetov tou; lepouc cpopoo;.
3) Dio Prus. XXXI 125 (I 256, 3 Arn.). Nichts bietet für diese Verhält-
nisse die Korinthische Rede bei Dio XXXVII, die nach Emperius und E. Maass jetzt
allgemein dem Favorin zugesprochen zu werden scheint, wogegen die Geel'sche
Ein AOrOS SYETATIKOS. 5
jiövoLc, aXXa xal Ta){jLa[oL(;, 8C üxspßoXYjv avoia? vcal [j.ox^Yjpia(; öittX'^v
auTOic TTjV SoüXsiav xaTaoxeodoavTe? Übrigens ist mit I tu löouXeueiv
Zuweisung der 2. Rede repl Tjyr^s (LXIV) an denselben Verfasser trotz Sonnys
Ausführungen (Ad Dion. Chrys. anal., Kiew 1896, p. 219f.) teils stiller Ablehnung
— so V. Arnim, Dio v. Prusa S. 159 f., der R. XXXVII übrigens in diesem Buche
gar nicht erwähnt und auch in der Ausgabe den Verfasser unbestimmt läßt —
teils ausgesprochener Zurückweisung begegnet ; die Literatur referierend W. Schmid
Realenz. VI 2082 f. Tatsächlich geht die Verwandschaft nicht über eine gewisse
Stilähnlichkeit — so treffend E. Norden, Kunstprosa S. 427,1 — hinaus;
diese besteht allerdings und gibt dem Gedanken au Favorin eine gewisse Be-
rechtigung. Jüngst hat Iw. Turzewitsch, Philolog. Studien und Bemerkungen, 3. Heft
(Sonderabdruck aus Band XXIV der Mitteilungen des Phil.-histor. Institutes des
Fürsten Besborodko in Nieschin, 1909) in der Abhandlung (S. 128—152) 'der dem
Aelius Aristides zugeschriebene Traktat über den Nil' (russisch) den AJyuTrTiaxdc
des Aristides (R. XXXVI meiner Ausgabe) dem Favorin zugesprochen. Ich kann
in keine Polemik eintreten, da Turzewitsch's sprachliche Beweise nur geringfügige
Abweichungen der Rede von Ausdrücken anderer Aristidesreden bringen, der Stil
als solcher überhaupt nicht untersucht wird, dessen Verschiedenheit von dem
jener Rede tatsächlich so groß ist, daß man die Alternative stellen darf : entweder
ist die Corinthiaca von Favorin, dann ist es die Aegyptiaca nicht, oder umgekehrt.
Die sachlichen Indizien geben keine individuellen Anhaltspunkte. Turzewitsch
verkennt außerdem die Mache; die angebliche Frage des Freundes ist nur
rhetorische Einkleidung. — Da die Schriften dieses russischen Gelehrten in
Deutschland kaum bekannt geworden sind, will ich hier noch bemerken, daß
derselbe am gleichen Publikationsorte (Band XXIII 49 ff.) im 2. Heft der Studien
(Nieschin 1907) eine Abhandlung mit dem Titel 'Eine Kaiserrede' hat erscheinen
lassen, der meinem Aufsatz in diesen Nachrichten 1905, 381 ff. entlehnt ist,
um anzudeuten, daß jene zu diesem in Konkurrenz treten soll. Die Zuweisung
der aristidischen Rede Tpo; ßaatXea an Macrinus wird von neuem bestätigt, zugleich
durch eine Geschichte der Entstehung des Aufsatzes der Anspruch auf Priorität
der Entdeckung erhoben. Mir ist Prioritätsstreit immer unverständlich gewesen;
es kommt allein auf die Sache an, und dafür kann es nur erfreulich sein,
wenn von zwei Seiten zu gleicher Zeit unabhängig dasselbe Resultat erzielt wird.
Aber hier muß ich ein Wort sagen, da Turzewitsch vorrechnet, wem er schon
vor der Drucklegung von seiner Ansicht gesprochen hätte, so daß mein Aufsatz
nur gebracht hätte, 'was bei uns schon längst bekannt war'. Den Sophismus
dieser Worte — es ist nicht der einzige in dem Aufsatz — halte ich dem etwas
verärgerten Ton zu gute, der den Aufsatz charakterisiert. Aber ich will Turze-
witsch auch etwas von der Entstehung jenes meines Aufsatzes erzählen. Im Frühjahr
1897 wurde mir die Unechtheit der Rede klar; Ende Juni oder Anfang Juli des-
selben Jahres sandte ich den ersten Entwurf eines Beweises der Unechtheit an
Wilamowitz, der den Druckbogen^des Aristidestextes mitlas und so über meine
Athetese informiert werden mußte. Er teilte den Entwurf, der damals fälschlich
auf Aurelian abzielte, Mommsen mit. Dieser wollte auf Pertinax heraus, wofür
mir entsprechende Notizen von seiner Hand zugingen; der Jurist und Historiker
Mommsen muß die Stelle über die Rechtskunde des gelobten Kaisers (§ 17)
also doch nicht so ohne weiteres entscheidend befunden haben, die Turzewitsch
als an sich beweisend betrachtet ; und Mommsen hatte bei dem Rhetoren
5 Bruno Eeil,
eine recht unvorsichtige Bezeichnung gewählt; denn so verrät der
Verfasser, daß er soeben die Wahrheit verschleiert hat, wo er t*^«;
iXeodepta? xal iwv aXXcov Sixaiwv gedachte, die die Römer Argos
♦erteilt hätten; Argos war eine civitas stipendiaria ^), besaß also das
schlechteste Recht, das die Römer den ehemaligen griechischen Poleis
zugestanden hatten. Die Argiver hatten nach Rom den Unter-
tanentribut zu zahlen und mußten nun von ihm auch an Korinth
steuern. Dessen Eigenschaft als Kolonie hat nur für uns als
Zeitbestimmung Bedeutung : 529, 3 el [i.^v . . tt]v twv ^uaXaiwv vopiijiwv
aYaTTwot oepÖTTjTa ... el dk. zoi<; vöv DizoLpiaai (Tuepl)^) ttjv ttöXlv, iTrsiS-?]
T7]v T(j)[j.ai%'r]v ocTuoi^iav ISe^avto, to/opiCö[i£Voi ttXeov s/slv a^Loöat;
höchstens kommt sie — nach der Darstellung des Verfassers —
als allgemeine Ursache der Überhebung (sie xaxiav l7rapdevTS(;
recht. Auf diesen Einspruch hin ließ ich die Rede unbezeichnet. Turze-
witsch ahnte damals noch gar nichts von der Unechtheit der Rede überhaupt,
also von der grundlegenden Erkenntnis. Der Druck des Aristidestextes ließ
nicht Zeit zur Verfolgung des Einzelproblems. Ich kam aber bald nach dem
Druckabscbluß darauf zurück und zu dem Resultate, das für die Öffentlichkeit zu
formulieren mich damals andere Interessen hinderten. Einige Zeit nach Momm-
sens Tode fragte 0. Hirschfeld an, ob ich nicht meine Ansicht darlegen wollte,
damit die in Mommsens Nachlaß vorgefundenen Notizen zu der Sache publiziert
werden könnten. Auf dieses Drängen hin habe ich dann den Aufsatz kurz vor
den großen Ferien 1905 geschrieben. Diesem äußeren Anstoß verdankt es also
auch Turzewitsch, daß er schließlich seine Ansicht zu allgemeinerer Kenntnis zu
bringen Veranlassung nahm. Ich freue mich der sachlichen Übereinstimmung mit
ihm um so mehr, als Turzewitsch zugleich den durch meinen Aufsatz hervorge-
rufenen Versuch von Domaszewski, Philolog. 1906 LXV 344 ff., zurückweisen konnte,
wonach in der Rede der IlpoacpwvrjTixo; raXXtTjVuj des Kallinikos (Suid. u. d. W.) zu
erkennen wäre, der im J. 260 in Eleusi^ gehalten worden sei. Den Hauptgrund gegen
Gallien hat. aber Turzewitsch nicht gesehen. In der Rede fehlt jede Erwähnung
der Kaiserin, und über eine Salonina wäre an sich kaum mit Stillschweigen in
einer Epideixis auf Gallien hinwegzugehen gewesen, wenn nicht auch die Techne
— den Hinweis auf dieses ausschlaggebende Moment verdanke ich H. Dessau —
die Nennung der Kaiserin zumeist gefordert hätte: ei S'e-' d;ia; eir^ xal xifATJc
jxeYt'oTT^; r^ ßaaiXt';, ipet; xi xal xaxd xaipov ivOdoe ' 5)v Oau(xdaa<; y^ycirTjaev xxX. (Menand.
376, 9 Sp. = 103 Bursian). Bei einer Salonina war diese Bedingung auf alle
Fälle erfüllt. Der Redner schweigt von der Kaiserin: Macrinus hatte als Kaiser
keine Gattin mehr.
1) S. Shebelew, 'Ayaixd (Petersburg 1903) S. 175 f.
2) Reiske hat OrcfpgaaKv £(;>xr)v roXtv vorgeschlagen, aber diese Konstruktion
ist für mich unnachweisbar; das gewöhnliche ÜTrctpEaat xf^ ttoXei, iTzeiorj wird durch
die Hiatecheu des Schriftstellers, der auch in der Pause vorsichtig ist, widerraten,
wie Hertlein wohl auch meinte, der den Dativ nur unter dem Texte vorschlug.
Bei der Vorliebe des Verfassers für Umschreibung mit Präpositionen (s. u. S. 32)
habe ich — allerdings mit einigem Vorbehalt — repl eingesetzt, das denselben
Rhythmus wie Reiskes tli ergibt (s. u. S. 27).
Ein AOrOS STSTATIK02. 7
527, 3, [XY] xwv TuaTsptov cppovslv jisiCov 529, 8) in Betracht die,
die Korinther die Forderung gegen Argos erheben ließ. Wenn
auch die Zuerteilung der cjvcsXsca an Korinth ihre rechtliche Be-
gründung nicht in dessen Eigenschaft als römischer Kolonie findet,
so wäre es doch möglich, daß diese die indirekte Veranlassung zu
der von Argos beanstandeten Ausnutzung einer Privilegierung ge-
worden ist; die Colonia Laus lulia Corinthi mochte sich als Resi-
denz des Prokonsuls von Achaia bei der rücksichtsloseren Geltend-
machung ihrer Ansprüche sicher fühlen.
Für die Beurteilung der Rechtslage ist es besonders uner-
wünscht, daß wir die ganze Institution dieser aovTsXsia einzig
durch den parteiischen Bericht des Verfassers kennen lernen.
Sicher ist eines — denn darauf beruht ein Teil der Argumen-
tation — , daß nämlich Olympia und Delphi eximiert waren;
aber sogleich beginnt auch die Unsicherheit. Der Verfasser
führt als Grund für die ateXsta der beiden Orte an, daß sie
mit den Ausgaben für einen panhellenischen Agon belastet
seien, und schließt, daß dann für Argos die von ihm übernommene
Nemeenfeier ebenfalls die azeksia begründen müsse. Diese Schluß-
folgerung setzt voraus, daß die aovTsXsia um Korinth sich soweit
über den korinthischen Meerbusen nach Norden und zugleich im
Peloponnes so weit nach Westen erstreckte, daß Delphi wie Olympia
der geographischen Lage nach ihr hätten angehören müssen, daß
somit für ihre Eximierung aus diesem geschlossenen Synteliegebiete
einzig die Pythien- und Olympienfeier den Grund bildeten. Allein
eine solche Ausdehnung ist an sich unwahrscheinlich; der Steuer-
kreis von Korinth hätte dann etwa ein Drittel von Griechenland
umfassen müssen. Wäre das wirklich der Fall gewesen, so würde
sich der Verfasser gerade da, wo sein Beweis übertreibenden Aus-
druck erheischte, nicht mit dem kläglich verschleiernden TuoXXcöy
:üöXsü)v — oovaipo[i£V(öv (s. S. 4) zufrieden gegeben haben. Ein solcher
Steuerkreis ist naturgemäß auf die nächste Rundumgebung be-
schränkt. Es ist in diesem Zusammenhange daran zu erinnern,
daß nach augusteischer Ordnung für die Vertretung in der delphi-
schen Amphiktionie Korinth, Megara, Sikyon und Argos einen
einzigen Kreis bildeten, dem eine Stimme zukam, und daß in einer
Inschrift aus Argos ein Argiver Archenus von seiner Vater-
stadt geehrt wird mit dem Zusätze, er sei der erste Vertreter
aus Argos für jenen' Verband in Delphi gewesen, nachdem die
Stadt in der Amphiktionie zum ersten Male zu ihrem Rechte ge-
kommen sei^), d. h. seit sie ihren Bürger Archenus statt eines
1) IG. IV 589 'H TToXi? ii tüjv 'Apyg^wv . . . dYwvoQexViaavTa Trpwxov Iluöioüv
^ Bruno Keil,
Korinthers — denn Megara und Sikyon machten Argos schwerlich
Konkurrenz — als Vertreter des Kreises durchgebracht hatte.
Man verliert vollends das Vertrauen zu dieser Argumentation des
Verfassers, wenn man seine Verwendung sonstiger sachlicher An-
gaben auf ihre Aufrichtigkeit hin nachprüft. Er schickt voraus,
daß Delphi und Olympia wegen der großen Feste Atelie hätten:
527, 5 GUTS TTjv AeX^wv outs tyjv 'HXsiwv dieXetav, t^q Tj^iw^Tjoav kid z(^
Staxt-ö-evai xobq itapa. o'^ioiv lepooc aYwvac, alSsoO-svie?. Diese (iteXsLa
ist die der civitates liberae et immunes ^) und erstreckt sich in
erster Linie auf das Verhältnis zu Rom; es ist selbstverständlich,
daß eine dem Reiche gegenüber tributfreie Gemeinde, wie
Olympia und Delphi, weder einer Bundesstadt noch selbst
einer Kolonie tributär gemacht werden konnte. Dagegen geht
die für Argos erstrebte Atelie nur auf das Verhältnis zu
Korinth, da jene Stadt ja zu den civitates stipendiariae ge-
hörte, deren Untertanentribut Rom z. T. an autonome Gemeinden
cedieren konnte. In dem Satze 527, 12 tziüq oov soXo^ov Ixeivoic
ji^v ojüdp^^eiv TY]V ocT^Xsiav ttjv TcdXat So^etoav, tooc ös Itüi toi? 6\Loioi<;
da3ravT5[i.aotv dfpe^^vxac TüdXat, to/ov 6s odSs ttjv dp/YjV uTca/O-svia? vöv
p-STot To dcvaaüiaat auTOv t6 otxociov ttj? cz[xcpt7.Tuovei'a? Tf^ 7:aTp{5t, wozu schon Boeckh
(CIG. 1121) auf Paus. X 8, 5 verwies IleXoTrovvTjatiov oe i^ "ApYO'j; xai Sixuöüvo; xal
KopfvOou obv Meyapeuatv la-iv cT; (sc. 'Ajj.cptxT6(uv). Ygl. Mommsen, Roem. Gesch.
V 232.
1) Mommsen a. a. 0, 239, 1 hatte die Zugehörigkeit von Elis zu den befreiten
griechischen Distrikten als wahrscheinlich angenommen, weil dort auch später noch
nach Olympiaden, nicht nach der Proviuzialära gerechnet sei; überdies sei es un-
glaublich, daß die Stadt der olympischen Feier nicht bestes Recht gehabt hätte.
Dagegen hat Shebelew, 'Ayoctxa S. 137 Einspruch erhoben und es mit dem ersten
Argument gewiß auch nicht schwer gehabt. Gegen das viel gewichtigere zweite
wendet er ein — ich setze die Stelle des bei uns wenig bekannten, russisch ge-
schriebenen Buches wörtlich her: 'A priori ist die Annahme Mommsens, daß Elis
irgend ein 'weiteres Recht' besaß, allerdings möglich; aber weder bei Schrift-
stellern der Kaiserzeit, denen sich öfter Gelegenheit bietet Olympia zu erwähnen,
noch in einem epigraphischen Denkmal ist das geringste Anzeichen davon vor-
handen. Wenn das olympische Heiligtum das Recht der libera civitas wegen
seiner Bedeutung genoß, so wären wir danach berechtigt, solche oder ähnliche
Privilegien auf andere griechische Heiligtümer auszudehnen, wovon wir jedoch
wieder nichts wissen (ausgenommen Delphi). Da wir nun einmal nicht in der
Lage sind, bestimmt nachzuweisen, daß Elis die Privilegien der civitas libera
genoß, so bleibt nur übrig zuzugeben, daß es sich im Rechtsstande der gewöhn-
lichen civitas stipendiaria befand'. Der Einwand fußt also allein auf dem Fehlen
eines Zeugnisses. Dieses bietet aber unsere Schrift, da sie die Atelie von Olympia
mit der von Delphi zusammen- und der Rechtslage der Argiver gegenüberstellt.
Mommsens aus der Gesamtanschauung deduzierte Begründung war so doch der
Induktion überlegen.
Ein AOrOS STSTATIKOS. 9
a^^pfiGd-oLi TTjv Tupovojxiav i^c Yj^tw^Tjoav ) Werden also zwei ganz ver-
schiedene Atelien parallelisiert. Das weiß der Redner, daher er
in sophistischer Weise in dem zweiten Gliede das Wort arsXsia
selbst vermeidet, aber doch den Schein za erwecken sucht, als ob
der gleiche Begriff wie im ersten Gliede vorschwebe. Das tut er
nicht bloß durch die sachliche Gegenüberstellung, sondern auch
durch den sprachlichen Ausdruck: für die Spezies aisXsta tritt das
Genus TTpovojAia^) ein; und damit man beide gleichsetze, wird bei
diesem zweiten der Zusatz ri^ Tj^iw^Tjoav wörtlich wiederholt, der
kurz vorher zu der anderen, Delphi und Olympia gewährten, azeksioi
gesetzt war. Für tooc ItuI zoZq 6\Loioiq SaTuaviQixaaLV octsXslc wird mit
vieldeutiger Allgemeinheit a^s^eviag gesagt, aber doch wieder durch
den Parallelausdruck ttjv rdcXai öo^slaav ro afps^svia^ TudXaL der An-
schein völliger Gleichheit der Verhältnisse erweckt. Hier ist alles
eitel Spiegelfechterei. Bei diesem Operieren mit Halbwahrheiten
mußte der Verfasser, falls er sich nicht von vornherein aller
Glaubwürdigkeit begeben wollte, doch ein Zugeständnis machen,
welches auf das Bechtsverhältnis zwischen Argos und Korinth
trotz jenes Verschleierungsversuches ein sehr scharfes Schlaglicht
fallen läßt. Dies geht von eben jenen Worten zobq de eid zolq
^CÖ-evxa«; vöv a'^iQp-^oO-aL aus ; denn in ihnen wird zugegeben, daß Argos
einmal aus der oüvxsXsia Korinths entlassen worden ist, also tat-
sächlich einmal ihr angehört haben muß. Das war für den Ver-
fasser naturgemäß ein sehr unbequemes Zugeständnis; denn da es
die Anerkennung grundsätzlicher Abhängigkeit der Argiver in
sich schließt, bildete es ein entscheidendes Argument in den Händen
der Gegner. So sucht er denn diese kompromittierende Schluß-
folgerung dadurch abzuschneiden, daß er dreist die Behauptung
hinwirft, Vielleicht' (to/öv) sei Argos überhaupt nie zu der Steuer
herangezogen worden^). Nimmt man zu den durch diese Analyse
erschlossenen Tatsachen noch die direkte Angabe, daß die Korinther
den Anspruch auf die Steuerpflicht von Argos seit sechs Jahren
(527, 7 %al laDTYjc Tjp^av . . . ifj? %aivoTO{iiac sß§o{j.o^ ohzoq Iviaoröc)
erhoben, so ergibt sich folgender Sachverhalt.
Um und für Korinth war eine Syntelie der Nachbarstädte
durch die römische Regierung gebildet worden ; aus ihr ist einmal,
vielleicht vor längerer Zeit, Argos ausgenommen worden; auf
1) Über diesen Terminus s. u. S. 30,3.
2) Daß für die Verbindung cpopou auv-EXeta die Belege spät sind, wird auf
Zufall beruhen. u~c(Yecj&at (527, 15. 24) steht dabei auch in der traditionell falsch
zitierten Stelle Herodian. VI 2, 1 ii cpopou auvreXetav Ü7r<aY>aY^a&at.
10 Bruno Keil,
welche Gründe hin, wissen wir nicht ^). Nach der Deduzierung
der römischen Kolonie — wie lange danach, steht nicht fest,
spätestens sechs Jahre vor dem Zeitpunkt der Rede — erheben die
Korinther den Anspruch auf den Beitrag der Argiver. Da diese
die Zahlung verweigern, kommt der Streitfall zu richterlicher Ent-
scheidung. Die Argiver werden mit ihrem Einspruch abgewiesen
und müssen zahlen. Die Gründe des römischen Richters ver-
schweigt der Verfasser natürlich; statt dessen bekommen wir zu
hören: der Richter habe den Rechtsfall nicht ordentlich unter-
sucht; er sei durch die große Zahl angesehener Synegoroi der
Korinther, wobei auch die Bedeutung der Stadt Korinth selbst
in die "Wagschale geworfen worden sei, eingeschüchtert gewesen
und habe so diesen für Argos ungünstigen Entscheid gegeben^).
Die wirklichen Rechtsgründe für den Spruch gegen die Argiver lernen
wir so nicht kennen, aber es ist nicht schwer ihn zu verstehen.
Die Analogie zu Delphi und Olympia verfing nicht; dort volle
Tributfreiheit, in Argos Tributpflichtigkeit gegen Rom, welches
diese zum Teil an Korinth cediert haben wird, so daß diese Pflicht
anf der allgemeinen Rechtslage der civitas stipendiaria beruhte.
Zweitens die auch vom Redner indirekt zugestandene Tatsache, daß
Argos wirklich einmal zur Syntelie gehörte. Drittens wird von
gegnerischer Seite hervorgehoben sein, daß die Feier der Nemeischen
Spiele von Argos nur okkupiert worden sei und eigentlich den
Kleonaeern zustünde ; eine durch diese Feiern gerechtfertigte Atelie
könnten also höchstens die rechtmäßigen Spielleiter, die Kleonaeer,
nicht die Argiver genießen. Gegen den abweisenden Spruch des
Richters hätte Berufung nach Rom stattfinden können; allein der
Rechtsvertreter von Argos legte sie innerhalb der gesetzlichen
Frist nicht ein ^), und das Urteil wurde rechtskräftig. Von dem
1) Man wird dem Verfasser gegenüber so mißtrauisch, daß man dem rotXat in
den Worten töu; o| inl zolz 6[xotot? oazav^fxaaiv a^triivTaz raXoti kaum noch zu trauen
vermag. Das ojaoioi; statt laot; wird aber wohl rein stilistischen Ursprungs sein.
2) Die Überlieferung 529, 19 töüv TioXXüiv xal Yewat'cuv to-jtcdv O'jvrjyöpwv, Ocp*
d)v ti7f.6i i<3xt Tov otxacJT7)v — TT p 0 T i Oc(jl£vou xäI toü xaxd T7)v TidXtv d^itufxaxoi; — SuOu)-
7:o6|j.evov Ta'jTTjV ttjV 'i»TjCpov i^eveyxeiv ist ganz richtig. Petavius rpo<a>Ti&., welches
die Herausgeber billigen, verdirbt den Sinn. rpoxfOecöott in der Bedeutung 'hervor-
kehren, zu Gemüte führen' ist ja gewöhnlicher polybianischer Sprachgebrauch,
3) 530, 20 X^yetv 6' oux 2vi (atj tote i^i\xcti . . xal (xr) xr^v drpaY(j.036vr^v xoü xdxe
auvei7t<Jvxoc xfj TioXei xal ttjv S^xtjv ^rixpoTreuaavxo; ; aus dieser Stelle läßt sich trotz
der Ähnlichkeit des Ausdruckes keine Ergänzung für die lückenhaften Worte
529, 13 X7)v d7:pa7jxoa'jvT^v<. . .>'j7r£p xt^; 'Apyefcuv roXew; xrjv Sixr^v eiaeXOeiv gewinnen.
Petavius' <xoO Xay(ivxo;> ist falsch, da es eJaeX^eiv syntaktisch unerklärt läßt.
Der Sinn verlangt: die Untätigkeit <de8 Anwaltes der Stadt, der es versäumte,
daß in zweiter Iustanz> für Argos der Prozeß anhängig gemacht wurde.
Ein AOTOl ST2TATIKÜ2. 11
Verfasser wird das Unterlassen der Appellation auf Indolenz des
argivischen Vertreters zurückgeführt: wie aber, wenn der Ver-
treter die Aussichtslosigkeit dieses Rechtsmittels voraussah und
es deshalb vorzog, den Einspruch gar nicht erst zu erheben?
Sechs Jahre haben die Argiver in der Syntelie gezahlt ; der Amts-
wechsel hat jetzt einen Beamten gebracht, von dem sie Geneigtheit
für sich erwarten dürfen; so versuchen sie ihre Sache noch einmal
zur Verhandlung zu bringen, also das Verfahren der 'in integrum
restitutio' zu erreichen. Da die Sache aber ihr rechtlicbes Ende
gefunden hatte, konnte das Verfahren nur mit Genehmigung der-
jenigen Stelle eröffnet werden, deren richterlicher Kompetenz das
erste Urteil seine Rechtskraft verdankte. Diese prinzipielle Ge-
nehmigung zu erwirken, sondert Argos eine Gesandtschaft an die
maßgebende Stelle ab. An sie ist das vorliegende Schriftstück
gerichtet, das ausgesprochenermaßen nicht eigentlich in die Rechts-
fragen selbst eingehen, sondern nur über den Fall im Allgemeinen
und über die Gesandtschaft orientieren wilP). Es kann also nicht
als Gerichtsrede angesprochen werden: welcher unter den tradi-
tionellen literarischen Gattungen es zuzusprechen ist, ob es über-
baupt in eine von ihnen sich fügt, wird außer von dem Stil-
charakter des Schriftstückes auch von der Bestimmung der an der
Sache beteiligten Personen abhängen. Doch kann über diese, zumal
über den Richter im ersten Prozeß und über den Magistrat, an
den sie gerichtet ist, erst gehandelt werden, wenn ihre Zeit hat
festgestellt werden können. Denn da der Instanzenzug in dem
vordiokletianischen und dem diokletianisch-konstantinischen Appel-
lationsverfahren verschieden war, hängt die Bestimmung der beiden
Magistrate von der Chronologie der Rede ab.
. Die Zeit.
Das erste aufmerksamere Lesen ergibt schon Beobachtungen,
die die Rede aus einer Zeit heraus verweisen, in der das ganze
politische Leben auf den Monarchen als die Verkörperung des
Staatsgedankens und der Staatsgewalt sowie als die Quelle alles
Rechtes konzentriert erscheint. Nirgend in der Rede wird der
oder überhaupt ein Kaiser erwähnt, nicht einmal bei der Er-
wähnung der Appellationsmöglichkeit : el Yap Icp-^Ttsv s^co t"^? 'EXXaSoc
ocTüdYojv r?jv Sixt^v (529, 16). Die Zuweisung der Argiver zum korin-
thischen Syntelieverbande wird nicht auf den Kaiser zurückgeführt;
1) 529, 22 dXXä xa (jlev urrep xr)? u&'Xetos S(xata xaX twv ^y]T(Jpu>v . . . TreuaT]
011 Se ^p7] xal ToT; ttjv 'Tipeaßetav xa-jxrjv TTpocayouci xxX.
12 Bruno Keil,
es heißt vielmehr: TrpooYsvoii^vTjv ahxoiQ . . . a:rö tfj? ßaatXsooooT]«;
TZoXeidQ und {vo\ii\iOi(; . . .) ol^ zvcL'^yoQ Soxoöoi Tuapa t-^c ßaatXsüOuoY]«;
TrapetXTjfp^vai ::öXeü)c (527, 2; 529, 2). Diese Ausdrucks weisen rücken
* die Rede ohne weiteres vor die Zeit der diokletianischen Monarchie.
Man überlege ferner, wie der Redner argumentiert haben würde
und müßte, wenn das den Argivern bestrittene Privileg fast 400
Jahre lang unter den Kaisern bestanden und von ihnen die ganze
Zeit hindurch immer wieder Bestätigung gefunden hätte, was doch,
falls die Rede in julianische Zeit gehörte, notwendig der Fall ge-
wesen wäre, da die Gemeinden beim Thronwechsel sich regelmäßig
ihre Privilegien bestätigen ließen ^), die Argiver aber ihres Privilegs
erst seit sechs Jahren verlustig gegangen waren: sie mußten sich
demgegenüber geradezu auf diese vielhundertjährige Anerkennung
ihrer Atelie durch die Kaiser berufen. Keine Spur davon in der
Rede. Besonders bezeichnend sind endlich noch die Schlußworte
des Prooimion 526,21 {isTet/e xal autY] xa^djrep ai XoiTüal ttJc iXeo-
^epia? xal twv aXXwv Stxatwv, oTröaa V8[JLOoaL xaig Trspl tyjv ""EXXdSa
::öXsotv Ol xpaToijvTsc dsi. Die schmucklose Bezeichnung ol
ocpatoüVTsc für die Kaiser wäre in der Monarchie des 4. Jhds. un-
möglich. Mir ist dieser Ausdruck besonders aus dem 1. Jhd.
bekannt^): Philo in Place. 4 (520 M.) alaia ö'oux satt (50i id aizh
Toö xparoövTOc (= Gaius), los. Ant. XVI 161 r^? StaO-eoscoc, "^v so^ov
üjcsp r^jjLwv avcoO-ev ol xparoüvTsc (also vor 93 n. Chr.); besonders
nahe steht Plut. praec. ger. reip. 32 (824 C; vgl. o. S. 4,1)
iXeu^spiac 8' oaov ol xpaioövTJc vspLoooi tolc StJijloi? ixstsou (bald nach
Domitian). In einem solchen Zusammenhange wäre zu Julians Zeit
eine Wendung mit ol deiöratoi ßaaiX£L(;' oder ä. unvermeidlich ge-
1) Delphi von Septimius Severus : Bourguet, De rebus Delphicis imperatoriae
aetatis p. 91 xd; So9erjaot; ufxtv rapa tcLv [-po r^{X(Jüv autoxpocTopiojv Srnpsd; xai fJt^/pt
T^fxöiv [dtel a-jy/tupouix^va;] xat ravTa xd HuOixd Si'xaia [xal r^fj-ei; ßeßaioüixejv. Die
Ergänzungen Bourgets treffen jedenfalls durchgehends den Sinn. — Aphrodisias
(von Decius nach Waddington) CIG. 2743 (besser Waddington, Asie min. n. 1G24,
darnach Lafoscode, De epistulis Imperatorum magistratuumque Romanorum n. 80),
y.ai i^/ftel? hl t/^v xe ^Xeut)ep{av OjAeTv cp'jXd'xxojxev X7)v ü-cfp/ouiav xal xd ctXXa 8i
oujjiravxa o^xaia, ordöiov (= 526,21, also Amtsstil) rapd xüiv irpo i^/fi-wv auxoxpa-
Xfipiov xexoyr^xaxe, öuvaü^etv Ixotfxu); Ij^ovxe; üjj.«Lv xal xd; Tipo; x6 fxdXXov iXz{6ac.
Vergl. loseph. Ant. XVI 160. 162.
2) Ich habe hierfür nur Reminiszenzen aus der Lektüre, keine Sammlungen.
Magie, De Romanorum iuris publici sacrique vocabulis solemnibus q. s. G3 gibt
mir noch Cass. Dio LXX 33,2 ^tiI x^ xoü xpocxoOvxoc l^oujta, aber die Gewähr des
Exzerptes kann fraglich scheinen; vereinzeltes späteres Auftauchen — außer in
rhethorisch-archaisierender Diktion — ist natürlich möglich. — Plut. a. a. 0. 17. 19
(813 E. 814 E) geht ot xpaToDvxe« wohl mehr auf die römischen Verwaltungsbeamten.
Ein AOrOS SITTATIKOS. 13
wesen. Und was sollte zu dieser Spätzeit noch das Praesens
vejioooi, das in unserem Schriftstück gerade wie bei Plutarch er-
scheint? Um 350 ist ja alles schon in feste Ordnung eingealtert.
Fast noch weniger als zu der Zeit Julians will sich das Schrift-
stück zu der Person des Julian selbst stellen. Oder sind die Worte
spYOL? a:roXoYOÖ[L£Voi la (ptXoao^ia? ovsiSt] xal zb Soxslv a)(p7]oroo(; slvat zct.iq
iröXeoi Too? {i£TtövTa(; rpikoGO(p(.oL)f tfsööoc iXsYXOvrsc (530, 10) vor einem
Julian nicht völlig deplaziert ? Ist dieser der Adressat, so versteht
man auch nicht die "Wendung, daß die Argiver jetzt Richter nach
Wunsch hätten (xa twv SizaaTwv oTcap^si xai' shy&Q 530,20; s. u.
S. 21), was von ihrem Standpunkte aus nur besagen kann, daß
Argos zu den neuen Beamten bessere Beziehungen hat als Korinth.
Aber aus Libanios' K-ede für den Korinther Aristophanes (XIV
Förster) geht hervor, daß Julian schon von seinem Vater her
gerade Korinth verbunden war und dies auch in einem Schreiben
bekundet hatte, aus dem der Sophist die Worte zitiert : Tzazpt^oL
\Loi 7rpö<; u\Lä<; U7rap)(£t rpikia' xal ^ap tpTtTjoe Trap' 6{jllv 6 B\Lb<; nazr^p
xtX. . . . Ivuaö^a 6 TuarTjp avsTraocJaro (§ 30 ; II p. 98 Förster) ^).
Vor den Ausgang des 3. Jhs. fällt das Schriftstück also sicher,
und schon die eine der vorgebrachten Beobachtungen wird dazu
bestimmen, mit ihm sogar erheblich über jenen terminus post
quem non hinaufzugehen. Denn wenn die Argiver die Eximierung
von der korinthischen Syntelie auch nur bis in das 3. Jhd. hinein
von den jeweiligen Kaisern bestätigt erhalten hätten, so mußten
1) Ich hege Zweifel, oh zu Julians Zeit die Nemeen wirklich noch gefeiert
wurden. Libanios in seiner Selbstbiographie (or. I) sagt, er sei als Student von
Athen nach Argos gegangen xa Trap' auxoT? [xuYjadfj.evos, d. h. um die Weihen der
Koremysterien zu empfangen (vgl. Nilsson, Griech. Feste S. 361, wo diese Stelle
fehlt); von den Nemeen spricht er an dieser Stelle nicht, die übrigens das
Bestehen der Ephebengeißelung am Altar der Artemis Orthia in Sparta für diese
späte Zeit bezeugt (icp' lopxTjv AaxtüvtxT^v, xa? fxa'cxtya?, ^reiYoixevo?). Bemerkenswert
scheint immerhin die Aufzählung bei Lib. XIV 70 (II p. 112) Iv AeXcpoT?, h IlföTf),
■Tiap' 'AOrjvaiot?, Trapd xoT; xoüoe rcoX^xats (Korinth) Tiavxa^^oa x^? 'EXXaoo? xxX., wo die
Nemeen fehlen. Aber aus Julian p. 106,25 vt'xa? 'OXufAnaxas r] Ilu&txd? r) xwv
7roXefjLf/.üiv dytüvojv -/txX. wird man keinen Schluß auf das Eingehen der Isthmien und
Nemeen ziehen wollen. — Andererseits würde das Vorhandensein von Philosophen
in Argos auf die julianische Zeit auch zutreffen : p. 153, 14 T]xtaxa o^ iaxt<xo6xu)v>
Twv TTjYtöv (d. h. xTj? cpiXoaocp{a;) e-/.rjxt x6 "Apyos 7roXuB(t|;tov xxX. ; aber diese Über-
einstimmung beweist natürlich^ nach keiner Seite hin. — Daß Julian im Pane-
gyrikos auf die Makedonierin Eusebia, die zweite Frau des Kaisers Konstantin IL,
die Genealogie Argos-Makedonien heranzieht (p. 136,23), auf die ja auch unser Stück
anspielt (526, 17), beweist bei der Trivialität dieser Tradition für die Urheberschaft
nichts ; und die Ineptheit, mit welcher sie hier in die Argumentation hineingezerrt
wird, bildet ein sonderndes Spezifikum unseres Autors.
14 Bruno Keil,
sie dies erwähnen. Beweisender ist aber der allgemeine Eindruck.
Es geht durch das ganze Schriftstück ein so merkwürdig un-
monarchischer, fast republikanischer Ton, der in die soUennen
Devotionsakkorde der Rhetorik schon der trajanisch-hadrianischen
Zeit nicht mehr einklingt. Aber im 1. Jhd., wo auch — besonders
aus philosophischen Kreisen — die Luft der Opposition noch wehen
kann, wird er durchaus verständlich^). Sehr bemerkenswert ist
in dieser Hinsicht das Führungsattest, das den beiden argivischen
Abgesandten ausgestellt wird : 530, 4 <piXooo(poöai [xsv etTrep ziq aXkoq
Twv xa-O-' r^[JLä?, t*^? :roXii:stac Se xa ^^pTJaijxa^) v.al xspSaXsa SiaTuscpeüYaoiv
x-^ Tzazpldi Bk iTrapxetv ael xaxa §6va[j.iv ^rpo-O-oiioGpLevoi, otav -q izokic;
Iv XpsiQ^ jiSYdXij] Y^VTjTat, töis pTjTOpeoooot xal :roXtT£DOVTai v.cd Tüpsoßeoooat
%al SaTravwoiv 4% twv uTrap^^övrwv :rpo^6[j.co(;, spYO'-C a:üoXoYo{)|isvoi y.tX.
(s. 0. S. 13). Das heißt mit andern Worten: es sind zwar Philo-
sophen, aber keine Berufspolitiker; sie machen keine Opposition,
sondern nur durch Not der Vaterstadt veranlaßt, treten sie in die
Öffentlichkeit. Wie es mit der öffentlichen Tätigkeit dieser Männer
in Wahrheit stand, hört ja jedes an den Tenor der späteren Ehren-
inschriften gewöhnte Ohr aus den Sätzen des Redners ohne weiteres
heraus. Fast Wort für Wort findet in jenen Inschriften sein Ent-
sprechen: oiav 1^ tzoXk; iv X9^^^ l^^T^^^Ti TSVTjtai ro lv Tudaaic zaiQ zfi<;
iraTpiSoc "xpeiaic yvyjoiü)? ^rpovoTJoavta (Iv dva^xaiotdroK; xaipoic u. ä.);
TcoXiTSüovTai rv» apLota TToXtTeoöjisvov, wobei wohl die Verbindung prjTO-
peuoüaL Ttal %tX. zugleich dem stereotypen XsYOvra %al ^rpaiTovia ent-
sprechen soll. Das Tupsoßsosiv erläutern die so häufigen Wendungen
wie el? Ta)[j.7]v TrpsaßsDoavTe?, :roXXdxt(; OTüsp zr^z izoLxpiBoQ Ttpöc toü?
SeßaoToix; Tcpsoß., u. a., auch SaTravwaiv Ix twv ü7rap)(övT(j)v das inschrift-
liche h, Td>v iStwv £7ri§£Sü)XÖTa -h octtö iSiwv Sa7rav7]ji.dT(j)v (ISa:rdvY]a£V Tuap'
laoToö u. ä.). Endlich das Trpo^ujiüx; am Schlüsse. Dieses kehrt
ja einfach so oder in den verschiedensten Variationen ([xstd ^rdoY]?
7rpoO-ü|j.ia<; u. a.) auf den Steinen wieder und bot sich dem Redner
ohne weiteres dar; allein er hätte es gerade hier aus stilistischen
Gründen vermeiden sollen. Denn kurz vorher hat er erst Wendungen
der offiziellen Sprache wie l%T£vd)(; xal :rpo6'üpLü)(; £U£pY£Tr]oavTa
((b'fEXTJoavTa) T7]v TratpiSa oder ^rpoaipoo'isvo? ad ttjv TtatpiSa £0£pY£r£iv
OÄ0üSf)(; Tcal Trpo^ojita? o68^v IXXsCttcov in sein t-g TratplSt iTrapxEiv d£l
1) Der jüngste Rest 'heidnischer Märtyrerakten' (A. Bauer, Arch. f. Papyrus-
forsch. I 29flF.) führt zwar in die Zeit des Commodus, aber das ist ungeschickte
literarische Mache; die Verhältnisse, die diese Literatur werden ließen, und die
Entstehung des literarischen Typus gehören durchaus dem 1. Jhd. an. Vgl.
Reitzenstein, Nachr. Gott. G. 1904, 327 ff. und Hellenist. Wundererzählungen S. 37, 3.
2) 8. u. S. 27.
Ein AOrOS 2T2TATIK02. 15
Tcara Sava{j.tv 7:po^D[io6[t£voi umgesetzt; er klebt also so an dem in-
schriftliclien Schema, daß nach dem :rp£aßs6eiv Tcal SaTuavav 1% täv ISlwv
sich ihm das :rpo'0'ü{JL{O(; trotz jenes Tupo^ufioüjisvoi wieder aufzwingt.
Männer, deren öffentliche Tätigkeit in solcher Weise mit den Formeln
der offiziellen Ehrendekrete charakterisiert werden kann, nahmen im
öffentlichen Leben ihrer Heimat eine andere Stellung ein, als der
Redner offen zugestehen will. Daß den argivischen Gesandten
als beste Empfehlung vor dem römischen Magistrate das Zeugnis
erteilt wird, sie seien eigentlich unpolitische Lämmlein, wenn sie
jetzt auch in politischer Mission vor ihm stünden, ist für die Zeit
der Eede doch höchst charakteristisch. Der Grieche ist noch ver-
dächtig, der sich politisch betätigt: dahinter stehen Stimmungen,
wie wir sie aus dem Schluß von Tuepl ü(j;ou<; kennen.
Ich habe die chronologische Untersuchung bisher absichtlich
nur aus Indizien geführt, um so den indirekten Beweis lediglich
durch die direkte Zeitangabe bestätigen zu lassen, die die Hede
in den schon angeführten Worten 529, 5 ei Ss toig vöv üTudp^aat (Tuspl)
TT]V :röXLv, IttsiSy] rrjv Tü){iatxYjV aTuoLVtiav ISs^avto, la)(upLCö[i£Vot ttXsov
l')(eiv a^ioöai, Tiapai'CTjaöfiS'ö'a [isTpiüx; auTou? {J-v] twv Tuaispcov cppovsiv [lef-
Cov [i7]Se ooa . . . Ixsivoi . . . StscpöXa^av . . . S'O'tjj.a, laöia xaiaXoetv %al
TtaivoTO'istv bietet; denn vöv und IttsiSy] stehen nicht bloß in einem
logisch-sachlichen, sondern auch in einem zeitlichen Korrelations-
verhältnis zu einander. Zwar wird niemand aus dieser Verbindung
schließen wollen, daß die Hede nur ganz wenige Jahre nach der
Deduzierung der römischen Kolonie fiele, aber jedermann wird
auch zugestehen, daß die Begründung der korinthischen Privilegien
mit der Aufnahme der römischen Kolonisten in die Stadt, nament-
lich in der Form, in die diese Begründung hier gekleidet ist, nur
so lange Sinn und Verstand hat, wie die Erinnerung an die Dedu-
zierung der Kolonie und die damit gegebenen Vorrechte Korinths
noch lebendig war. Dies ist aber für das 2. Jhd., also 150 Jahre
nach der Deduzierung der Kolonie, nicht mehr anzunehmen. Wo
wir nun sicher nicht über die hadrianische Zeit herabgehen dürfen,
gewinnt eine zweite Stelle datierende Bedeutung nach vorwärts
wie rückwärts : 527, 18 Sirm S' kazl Nsjisa Tuapa zoU 'ApYSLOic, %a^a-
Tüsp ^lo'ö'jiia Tuapa Kopiv-ö-toic- ^v [xsviot TOOTcp Tcji xpövcp (d. i. -jusviae-
TYjpiSi) %cd Sdo 7rpö(a)>t£LVi:ai ^) Tzapä zol<^ ^Äp^Bioiq stspoi zoioids, wars
etvai Tsoaapag (xoix;) Tudvcag (Iv) Ivtaoioic Tsaoapaiv. Diese Angabe
über die vier argivischen Agonalfeiern ist längst mit der argivischen
1) Diese Korrektur erzwingt der Sinn, denn der Redner addiert. — Die beiden
andern Ergänzungen von Hertlein.
16 Bruno Keil,
Inschrift IGr. IV 590 durch Corsini^) in Verbindung gesetzt worden,
die einen «Ycovo^srav 'Hpaitov xal Nsjislwv xal Ssßaotsiwv xal Nejisicüv
xal 'AvTivoEitov Iv ""Ap^si ehrt. Da die Fünfzahl der Feste durch
die erst nach dem Jahre 130 hinzugetretenen Antinoeia — denn die
anderen Feste sind älter — erreicht wird, die Rede aber, wie gezeigt,
nicht in die Zeit nach Abschaffung dieses Festes fallen kann, so ergibt
sich als terminus ante quem das Jahr 130 n. Chr. Als terminus post
quem muß man theoretisch das Jahr 20 v. Chr. ansetzen ; denn für
die Begründung der Seßdoisia ist das Jahr 27 v. Chr. der terminns
a quo. Dieses Fest bestand aber ersichtlich schon, als die Korinther
den Anspruch auf die Syntelie der Argiver erhoben; andererseits
zahlen diese bereits seit 6 Jahren. In Wirklichkeit muß das
Schriftstück natürlich noch in das 1. Jhd. n. Chr. fallen; das
scheint mir die wiederholt gebrauchte Bezeichnung ii ßaaiXsoooaa
tioXk; für Rom zu verlangen. Über sie ist ein besonderes Wort
nötig.
Diese Bezeichnung wird möglich von der Zeit ab, wo für das
römische Imperator das grichische ßaoiXeoc eintreten kann. Den
ältesten inschriftlichen Beleg scheint zur Zeit die athenische In-
schrift IGr. III 12 hadrianeischer Epoche zu bieten; der Purismus
der Literatur läßt ßaaiXeü«; = Imperator schon bei losephos und
Plutarch auftreten^), aber schwerlich geben diese für uns ältesten
Bezeugungen die obere Altersgrenze des Wortgebrauches über-
haupt ab. Andererseits ist zu beobachten, daß Dionys v. Hali-
karnass, Strabo und Philo nur die offiziellen Titel SsßaaTÖc, Kataap,
AoToxpaTcop zusammen oder einzeln verwenden; bei dem letzteren
heißt der Tetrarch Herodes Agrippa noch ßaoiXsoc im Gegensatz
zu dem mit Kaiaap bezeichneten Kaiser Gaius ^). Die Umschreibung
1^ ßaoiXsüooaa tzoXk; selbst weist der Thesaurus aus Athenaios nach,
bei dem der Beleg für seine Zeit gilt*). Den ältesten inschrift-
lichen Beleg für die in justinianischer Zeit für Konstantinopel
1) Quaest. agon. III 16; J. G. Droysen, Hermes 1879 XIV 4.
2) Magie a. a. 0. (s. S. 12, 2) S. 33. 62, vgl. Mommsen, Rom. Staatsr. II 764,3.
Aristides bezeichnet in dem in Rom selbst gehaltenen Panegyrikos ei; 'PtufxTjv,
seiner ältesten erhaltenen Rede, Pius mit 6 vOv apywv (§ 107), später und vor
Griechen sagt er ßaaiXeu;.
3) Dion. Hai. Arch. I 7, 2. Strabo z. B. 235 ^leßaa-o; Kaiaxp, aber 236 mit
Scheidung 6 8e6; Kotlaotp xal 6 XeßaOTÖ;, nur Kaiaap 675. — Philo in Flacc. 5 Fdio«
Kaiffap ^AfpiitKCf. 74) 'HptüSou ßaaiX^w; ulüiviji und a. E. ei U {xt; ßaatXcu«: t^v aUa' xi;
Toiv ix TT^c Ka(aapo5 oixia;, oux wcpetXe rpovofi.(av riva xal tiixyjv l'/ti"*-
4) Also für die Zeit um 195: Dittenberger im Apophoreton (Berlin 1903)
8. 26. — *H ßaoi>.e6ouaa 'PJjfxT) Inscr. RR. II 1211, diocletianischer Zeit aus
Ägypten.
AOrOS irSTATIKOS. 17
übliche Bezeichnung (Dittenberger zu 10. 521 not. 12) ij ßaciXlc
Tü!)[j.T] (Iv T*^ ßaatXtSi TcüfxiQ) bieten mir die Akten der ursprünglich
in Sardes begründeten cövoöo? ^ootizt] twv Tuepl töv 'HpaxXsa a^XYj-
Twv; nach Rom übergesiedelt bezeichnet sie sich um 155 als Iv z"^
ßaaiXiSt Tü)[i.'(] xaToixoövcec- Etwa zwanzig Jahre später (173) ge-
braucht die Tyrierkolonie in Puteoli die gleiche Benennung für
Rom ^). Es wird kein Zufall sein, daß diese ältesten Belege gerade
auf Asien zurückgehen ; aber diese Generation selbst hat die Wen-
dung nicht erst erfunden, sondern sie sicherlich schon übernommen.
Wie leicht die Übertragung der Benennung der Kaiser auf die
Kaiserstadt war, mögen die Worte des Redners Aristides in seiner
Romrede, die unter Pius fällt, klar machen, wo es von den Römern
als Einwohnern der Stadt heißt (XIV 10 K.) : ouS' ItiI lazToic opotc
ßaoiXsösTS oüS' STspoc npooL^opemi [J-s/pt oo dtl % p a t s t v , aXX' -q
|j,sv "ö-dXaxra woTTsp Cwvt] xi<; Iv [xsatj) zfi^ oI%oü[isv7]c ojjlolcöc %al zfi^ opLs-
Tspac ri'^B\i.ovioL(; 'üBzcny.xoLi. Von den drei hier durch den Druck
hervorgehobenen Synonymen wendet Dionys v. Halikarnass das
zweite in der Einleitung zu IIspl ap)(ai(j)V pTjiöpwv (§ 3) auf Rom
an: -q TcdvKov zparoöoa Twjitj , das dritte im Beginne seiner
Archaeologie (I 9, 1) : tyjv t^ y s jj. ö v a y^c %al ^aXdacYjc aTcdarjc ;röXiv,
Yjv vöv zatoixoöoi 'Pwiiaiot. Daß das erste, welches unsere Rede in
il ßactXsüOüoa ttöXi? bietet, eintreten konnte, sobald die xpaioüvcsc
selbst ßaaiXsig hießen, versteht sich. Es konnte dies um so eher
geschehen als die Dichter hier vorgearbeitet hatten. Denn bei
Melinno, also schon in v o r mithridatischer ^) Zeit, heißt es von Rom:
Gol [lövcf, TCpeoßiaTa, SsSooTts Moipa
xöSo? dppifjz'uw ß a 0 i X "^ 0 V apyäq,
oippa %oipav^ov syoiGOL % d p t o g
dYsixovsuif]«;.
Hier haben wir wieder alle jene Synonyme auf Rom vereinigt.
Die Benennung tj ßaaiXsDouaa tüöXlc hindert also nicht, die Rede in
das 1. Jhd. n. Chr. zu setzen; nur wird vorsichtiges Urteil es
vorziehen, mit ihr in die 2. Hälfte des Jahrhunderts herabzugehen,
nicht sowohl wegen des späteren Auftretens von ßaciXsü? für Im-
perator, als weil, wie dargelegt, die ganze Situation und die
Wendung ol xpaioüvcst; d s l einigen Abstand von dem frühesten
Grenztermin verlangen. Die Besprechung der Personen wird diese
Zeitbestimmung bestätigen.
1) Die Belege in den Akten des Vereins IG. XIV 1109. 1105. 1107; alle
zusammen jetzt Inscr. RR. I 146—157. — Tyrierinschrift IG. XIV 830 = Ditten-
berger 10. 595 (Inscr. RR. I 421).
2) Stob. 1117,12 (III 312 H.); zur Zeit: von Wilamowitz, Timotheos S. 71,1.
Kgl. Ges. d. Wiss. Nachrichten. Phil.-hist. Klasse. 1913. Heft 1. 2
18 Bruno Keil,
Die Personen.
Die beiden Abgeordneten der Argiver, Diogenes und Lamprias,
gehörten zweifellos den vornehmsten Familien ihrer Vaterstadt
an. Nur aus solchen werden naturgemäß die Vertreter der Gre-
meinde genommen, und nicht zufällig ließ sich vorher in der
Charakteristik ihrer öffentlichen Betätigung die Terminologie der
Inschriften nachweisen, die der Ehrung und dem Andenken der
ersten Männer in den Gemeinden galten. Man darf fast erwarten,
den Spuren wenn auch nicht des einen oder des andern selbst,
so doch einer der beiden Familien in den Inschriften zu begegnen.
In den Jahren 66 — 68 n. Chr. starb in Epidauros Tupö topag
(IGr. IV 938, 6) und iQpTraoixsvoc otuö toö Sai{iovog ocTrö {xsYiaTwv IXttlScöv
Iv xf^i TüpwTYji Toü ßioD i^XixiaL (a. a. 0. 937, 5), also etwa im Alter
von 16 Jahren, Tixog StaTsiXiog SraTStXLOo olb<; TetfxoxpdTOüc A a [j. -
Tupiac Athen (a. a. 0. 936—38) und Sparta (939. 940) übersenden
den Eltern T. Statilius Timokrates und Timosthenis und zugleich
auch dem noch lebenden Großvater Aa\L'Kpiaz Beileidsadressen,
Musterstücke der bekannten 'Trostbeschlüsse'. In dem einen der
beiden auf diesen Fall bezüglichen athenischen Aktenstücke
(937, 4) heißt es von der Familie allgemein 'veaviou . . . eDYevsiat
X£"/p7][JLSV0ü e;cl aTcdarjc x^c 'EXXd§0(; anö ts twv TzoLp' iQjiiv kizifOL'
veatdicov dvSpwv %ai äizb twv IvSo^oTdrcov ev t-^i TXXdSi TröXewv.
Dies wird durch das andere Stück so erläutert (938,8): eoYsvstai ts
xf^i 'AO-T^VYjaiv aTTÖ xwv dp^^aiwv zal Tcpcorcov dvöpwv . . , oh jiövov Ss
vfii 'AO-YJvTjaiv suYsvsiat zal Xa[X7üpöxr^Tt xezoa[jLTj[JL£vov, dXXd xal h zal<;
hdoiozdzoLK; y.cd eoYsvsoTdTaK; x-^c 'EXXdSo? jröXeai Aax£§at[j.ovL xal
''A p Y £ t xal Iv TTjt i£päi 'E7ri§a6pü)i oi)S£VÖc oTxoo ÖEutspov y£vö(1£vov. Die
spartanische Adresse (940) macht ganz gleichartige Angaben, die
sogleich zur Besprechung kommen werden. Die Familie mit den
Charakternamen Lamprias-Timokrates ist uns nun durch die epi-
dauriscben Inschriften in mindestens 7 männlichen und 3 weiblichen
Vertretern bekannt *), deren Gesamtlebenszeit sich etwa von
der augusteischen Zeit bis in die Mitte des 2. Jhs. erstreckt.
Darunter erscheint der Name Lamprias fünfmal. Aus Argos
selbst stammt die schon bei der Erörterung der Festfeiern (s. S. 15 f.)
herangezogene Inschrift IG. IV 590, die so beginnt: d ttöXk; d töv
'ApY£ttov T. SiariXiov Aa(X7rptoü uöv TitLoxpdTT] Msixjxiavöv, n£po£o^
xal Atooxoupwv aTuÖYovov, und nach langer Aufzählung aller Amter
1) Die Stammbäume von augusteischer Zeit ab bat Fränkel zu n. 934. 935
(dazu Korrektur zu n. 1444) chronologisch im allgemeinen zutreffend aufgestellt;
Einzelheiten müssen unsicher bleiben.
Ein AOrOS 2TSTATIK05:. 1^
schließt: %al TrpsoßeuoavTa uTrsp ts zS<; TuaipiSoc xal twv ""EXXavwv Ttpöc
TS xav qöyxXtj'cov xal Ttpöc ßaoiX^ac xal la aXXa xal Xo^oiq Ttal spYOtc
::oX£i'C£oaa[i£vov apiora %al cpiXoTeLiiÖTaia, apexag Ivsxa. Daß nun die
Familie dieses Sohnes eines Argivers Lamprias zu der großen epidau-
rischen Lamprias-Familie gehörte, beweist jene spartanische Beileids-
adresse : (940, 3) bI^ wv täc 'EXXaöo? eoYsvsic^ Iv rote [xaXiara . . . ^iib
[isv Twv 'A^Tjvwv To IvSo^oTaiov K'rjpÖXCöV Ysvo? . . ., aTTÖ §£ 'ETTtSaöpoo
tö Elva/tScöv, ocTuö Ss ''ApYOO? xo üspaeo? xal ^opwvsoc, anb [jlsv täc
AaxsSaijtovia? . . . ^HpazX-^c %al AoaavSpo«; o5 7üL^a[v . . 'c]ca[v] ^pövwv . . . ;
denn hier liegt prinzipielle Grieichheit des Stammbaumes vor^).
Noch beweisender aber ist es, daß mit Ausnahme des ältesten be-
kannten Familienmitgliedes , des Großvaters des verstorbenen
jungen Mannes, alle Mitglieder das römische Gentilicium Statilius
tragen und weiterhin das Cognomen Memmianus bei den durch die
epidaurischen Inschriften bezeugten Statiliern der Lamprias-Familie
ebenfalls vertreten ist. Die Inschriften bieten nicht genügende
Indizien, um einen einwandfreien Stammbaum der weitverzweigten
Familie aufzustellen; nur soviel scheint das Versagen ihrer Zeug-
nisse für die Statilii-Lamprias-Timokrates erkennen zu lassen, daß
dieser Zweig der Familie in der 2. Eälfte des 2. Jhs. n. Chr.
erlostjh oder wenigstens von der sozialen Höhe herabsank, die ihr
früher einen hervorragenden Platz in Argos und Epidauros ge-
1) Die drei peloponnesischen Stammbäume geben wohl die argivische Tradition,
wenigstens gewinnen sie aus der von Paus. II 15, 4 ff. gegebenen argivischen
Genealogie Zusammenhang: Inachos (epidaurische Linie) — Phoroneus —
Niobe — Argos — Triopas — lasos — lo — Epaphos — Libye —
Belos ! ^^OT*^^ - Lynkeus+ ) ^^^^ i Proitos (?)
{ Danaos — Hypermestra ) I Akrisios — Danae — Perseus —
( Alkaios — Amphitryon -f )
Elektryon - Alkmene \ Herakles . . . Lysandros (spartanische Linie)
( Gorgophone — Tyndareos (-f Leda) — Dioskuren (argivische Linie).
Die Ergänzung Fränkels 940, 6 cuvYEv[etav Opjoltov ist ganz unsicher, vielleicht
fehlt sogar der äußere Raum dafür; das muß Nachprüfung des Steines ergeben.
Am interessantesten ist die Angabe über den spartanischen Stammbaum; denn
der Lysandros ist niemand anders als der bekannte Feldherr, wie der Anfang
des angeschlossenen Relativsatzes bezeugt : von hier ab ist die Zeitrechnung 'zuver-
lässig' (KiOa[v . . .]). Damit erhält Plutarchs Angabe, Lys. 2, X^yexai 6 AuadvSpoo
TraxTjp 'AptaxoxXeiTos (falsch für -xpixo?) oixi'a; p-ev 06 Yevea&oti ßaatÄtzr^c, oXkoa 8s
Y^vou? elvai xoü xüiv 'HpaxXeiSöiv, aus einem um ein Menschenalter älterem
Zeugnis Beglaubigung — denn die Inschriften fallen um 66 — 68 v. Chr., die
Plutarchbiographien sind erst unter Trajan geschrieben — , zugleich Belochs Kritik
(Griech. Gesch. II 94, 2) der Phylarchtradition von dem Mothax Lysandros Be-
stätigung, wie sie denn schon von Busolt (Griech. Gesch. III 2, 1569, 3) und von
anderen Seiten Zustimmung gefunden hatte.
2*
^ Bruno Keil,
geben hatte. Den Lamprias unserer Rede init einem der inscbriftlicli
bekannten Lamprias zu identifizieren, ist also unmöglich ; das Vor-
kommen des Namens in dem bestimmenden sachlichen Zusammenhange
genügt aber an sich, um unser Schriftstück in eine Epoche zu ver-
weisen, deren Grenzen die nach anderen Indizien bestimmte Zeit
ihrer Abfassung umschließen; so findet von dieser Seite aus die
hier vertretene Datierung eine direkte Bestätigung insofern, als
die Rede aus dem 4. Jhd. heraus- und um mindestens zwei Jahr-
hunderte hinaufgerückt wird. Nichts hindert also, die vorher be-
gründete Limitation auf die 2. Hälfte des 1. Jhs. in ihr Recht
treten zu lassen; denn die Inschriften ließen ja für den Namen
Lamprias einen Spielraum bis in die augusteische Zeit.
Schwer und nicht ganz sicher zu beantworten ist die Frage
nach der Amtsstellung der beiden in dem Schriftstücke genannten
römischen Magistrate, des Richters, der den für Argos ungünstigen
Spruch fällte, und des zweiten Beamten, an den es sich richtet;
das schließt auch ein volles Verständnis des ersten Prozesses für
uns aus. Zwar ist jetzt soviel sicher, daß die Rechtsverfahren der
diokletianisch-konstantinischen Ordnung nicht mehr in Rechnung
zu ziehen sind ; allein die Angaben des Verfassers sind — wohl nicht
unabsichtlich — so allgemein gehalten, daß sie bei der Möglichkeit
verschiedenen Prozeßverfahrens, wie sie die provinziale Rechtspflege
für den vorliegenden Fall zuließ, auch für die hier allein noch in
Betracht kommende, begrenzte Zeit zu keiner klaren Erkenntnis
gelangen lassen. Der urteilende Beamte wird einfach SixaoTYJc
(529, 19; 0. S. 10, 2) genannt, also iudex; darunter hat man denn den
vom Statthalter, hier dem Prokonsul von Achaia, für den bestimmten
Fall eingesetzten Richter zu verstehen, einen *iudex datus' ^). Von
diesem, so behauptet der Verfasser, wäre Appellation an höhere
Stelle möglich gewesen : e^o) t-^c 'EXXaSoc ocTraYODV tyjv öixtjv (529, 18j.
Aber war der SixaaTTJ(; nur Mandatar des Prokonsuls, so wäre die
nächste Instanz der Mandant, also eben der Prokonsul, gewesen. Eine
etwaige Appellation hätte sich also gegen diesen richten müssen. An
welche Instanz? In der senatorischen Provinz Achaia konkurrierte
im Appellationsverfahren auch der Senat mit dem Kaiser, welcher
selbst wieder nach der zur Zeit dieses Rechtshandels noch geltenden
augusteischen Ordnung die Appellationen aus den Provinzen 'be-
sonderen für jede einzelne Provinz aus den Consularen bestellten*
Beauftragten zuwies. Vielleicht ist also das Vorhandensein dieser
1) Mommsen, Rom. Staatsr. II 984 f. — Den ersten Hinweis auf den iudex
datus für unseren Rechtsfall verdanke ich Prof. 0. Gradenwitz.
Ein Aoros srrrATiKOs. 21
doppelten Appellationsinstanz der Grrund für den zweideutigen
Ausdruck l'^co i-^c 'EXXdSoc: da der argivisclie Vertreter keine Be-
rufung eingelegt, also keine der beiden Instanzen angegeben hatte,
ließ sich auch die besondere Stelle nicht nennen.
Der Angabe, daß ein Richter den Prozeß entschied, scheinen
nun die Worte der Rede, welche auf die bevorstehende Verhand-
lung gehen, zu widersprechen : 530, 19 ItüsiSyj vöv i^jjliv xa jisv t w v
^iTtaoTwv ü7:ap/£i zar' SDyaq, Xi-^Biv S' o\}% l'vi |iYj töts Icpsvuac,
Ä^ioöai TODTo TTpwTov cühzolq avs^^vat. Man könnte vielleicht sagen,
daß der Redner, der den Hiat ängstlich meidet (u. S. 24 f.), toö
StxaoToö üTüdp/st durch den Plural umgehen wollte, oder auch daß
einfache rhetorische Ersetzung des Singulars durch den Plural
vorliege, weil dies als Attizismus galt^): allein das hieße im
G-runde nur Ausflüchte machen, weil eine wirkliche sachliche
Erklärung fehlte. Für die Lösung jenes Widerspruches hat man
529, 22 aXkci. za {isv oTusp t"^? ttöXswc ötxaia %al iwv pTjTÖpwv, sl [lövov
otxoöeiv l^eXoi? v.aX Xs^eiv aiizoiQ sTTiTpaTTsiY] tyjv ölztjv , 1^ hizapyriq
Tusücj-j] ... ozi ÖS y^pTi Ttal xot;; tyjv Tüpeaßeiav TaüXYjV TcpoadYOoat Si' i^jxwv
TueiG^-T^vai, [iixpd Tupoa^sivai )(p7] Tuspl auTwv mit jener ersten Stelle und
dem Schlußworte: xpivot? av aozoQ zä ösovua zu verbinden. Die
Gewährung der Möglichkeit einer neuen Verhandlung kann von
dem Beamten, an den die erste Klage gekommen war, ausge-
sprochen werden, wenn er durch sein Amt prätorische Kompetenz
hat, um durch ein decretum die in integrum restitutio zu voll-
ziehen. Das ist bei dem Prokonsul von Achaia als Provinzial-
statthalter der Eall. Er wird sie aber nur vollziehen, wenn er
geprüft hat, ob die Voraussetzungen der in integrum restitutio
gegeben sind. Allein auf diese Prüfung des Prokonsuls geht das
TtpLVOK; dv id Seovca des Schlußsatzes und so auch das Enthymem
530, 15 zobzo Ydp jxövov XeiTusxaL toi? dSixoDjxevot? ei? lö owö-^vai t6
znyslv div.cf.Gzoo xpiveiv zs I^sXovtoc xal öova{i£Voo xaXw?. Von den
beiden Formen, in denen die restitutio erteilt werden kann^),
scheidet die eine, nach der ohne ein weiteres Verfahren der frühere
Zustand wieder hergestellt wird, hier aus; so mußte also — dies
ist die andere Form — ein weiteres Rechts verfahren, ein Judicium
rescissorium', angeordnet werden, in welchem die Rechtsansprüche
— xd Sixaia — der beiden Parteien, von ihren Vertretern — täv
pYjTÖpcov — vorgebracht und von neuem, als ob der erste Prozeß
1) Galen. XVI 67 K. Vgl. Schmid, Atticisra. IV 47; Herbst, Galeui Perg.
de atticissantium studns testim. p. 71.
2) Salkowski, Institutionen « S. 111.
22 Bruno Keil,
nicht stattgefunden hätte, geprüft wurden; daher 531,4 aroTrov dh
00 y^pri vojiiCetv xb tyjv Sixyjv a v a S t % o v ;roi£iv. Der Verfasser setzt
voraus, daß wie für das erste Verfahren so auch für das erbetene
zweite ein besonderer SixaaiTJc, iudex, ernannt würde ^) und daß
dieser als Mandatar des Prokonsuls den Argivern die gleiche
Geneigtheit entgegenbringen werde wie dieser selbst, dessen Wohl-
wollen vorausgesetzt wird. Indem er nun den zunächst über die
restitutio in integrum befindenden Mandanten mit dessen voraus-
gesetztem Mandatar für das iudicium rescissorium zusammenfaßt,
sagt er pluralisch ta töv SixaoTwv oTudp^fst xa-c' so/dc. Sind die
beiden Richter hier zutreffend bestimmt, so ist die Situation diese.
Durch einen iudex datus sind die Argiver unter einem früheren
Statthalter verurteilt worden. Der Amtswechsel hat etwa sechs
Jahre später eiuen für Argos gestimmten Statthalter nach Achaia
gebracht; an ihn wenden sich die Argiver um Wiederaufnahme
des Verfahrens durch eine Gresandtschaft, welche der Verfasser
des Schriftstückes bei dem Prokonsul einführt.
Wer ist dieser Verfasser? Wir haben folgende Indizien.
Erstens: er ist kein Argiver. In dem gesamten Schriftstücke ge-
braucht er nur objektive Bezeichnungen für Argos oder dessen
Bürger: i^ ttöXic, t^ iwv 'Ap^sicov Tzokiq, 'ApYsiot, nirgend findet sich
ein 7] TTöXic i^fj-wv, tq ^rarpic oder %£i<; in dem Sinne, daß der
Sprecher sich damit als Argiver ausgeben wollte; von Argos
wird eben stets in der 3. Person gesprochen. Ferner stellt er
530, 4 ff. Lamprias und Diogenes deutlich so vor, daß sie nicht als
seine Mitbürger erscheinen. Den stärksten Beweis bildet das wc
(poLGi in dem Satze xaoTYjc "^p^av, w (; (p a a t , f^c %atvoTO[j.iac eßSo[i.O(;
ouTog IviaoTÖc (527, 4). Das ist klärlich die Aussage der Argiver,
die durch genaue Angabe der kurzen Frist die xaLV0T0[JLLa diskre-
ditieren soll. Dem Verfasser ist von ihnen diese Angabe gemacht
worden; mit fühlbarer Reserve gibt er sie weiter. Ein Argiver
konnte so nicht sprechen. — Zweitens: er nimmt aber deutlich
Partei für die Argiver, identifiziert sich mit ihnen, wenn er sagt
flüapatTYjadji.S'ö'a pi£Tpiö)(; aurou^ (die Korinther) jiy] twv Trat^pwv
^povetv [xsiCov (529, 8) und ItteiSy] vöv i^[ilv td [i^v twv ^ixaotwv
üTcdpxei xaXü)^ (o. S. 20). — Drittens: er ist nicht einer der von
Argos für die dvaSixta bestellten Anwälte, denn sehr scharf zieht
er die Grenze zwischen sich und diesen, indem er nach Erörterung
der rechtlichen Verhältnisse abbricht mit den Worten dXXd id . . .
5txaia xal twv pYjTÖpwv . , . Ü oTrap/rjc jceuoij) (529,22). — Viertens:
1) Daher 529, 24 ei . . . >iyeiv im-cparMri . . . xpiOVjöeTat.
Ein AOrOS STSTATIKO^. 23
er stellt vermittelnd zwischen der durch die Abordnung vertretenen
Gemeinde und dem Prokonsul : TusipÄviaL (die Abgesandten) ßorjO-siv
ahz^i TÖ Sixaiov Sl'iqjjlwv, i^iietcS' au^tc Sia coö (530, 14). Der Plural
wird als der rhetorische des Spreclienden durcli sTpYjtat ...07'
k\ib<; XÖYo<; des Schlusses erwiesen, wenn dies auch eine hier übel
angebrachte Wendung ist (u. S. 41, 1), und so ist er auch an
der vorhergehenden Stelle (530, 1) zu verstehen : ozi Ss )(p7] toic
T7]V Tipsoßsiav TaoTTjv TupoaaYOOoc Si' T^jiwv Tcsta^'^vai, [J.i7tpa :upoa^sivaL
XPY] Tcspl ahim, die allerdings nicht nur wegen der zweideutigen
Stellung von öl' t^jjiwv einer Erläuterung bedarf. Der Zusammen-
hang ist dieser: über die Rechtsfrage werden auch die Rhetoren
sprechen, wenn ihnen in einem neuen Verfahren die Gelegenheit
dazu geboten wird; weil aber die Führer dieser Gesandtschaft
Glauben finden (glaubwürdig erscheinen) müssen, muß ich kurz
noch über sie orientieren. Es sind unpolitische, vaterlandsliebende
Männer, die der Vaterstadt zu ihrem Recht durch mich verhelfen
wollen, und ich wieder durch dich. Es ist klar, daß §l' t^jj^cöv zu ;üpoad-
YODOL gehört; denn würde es mit TusLo^-^vat verbunden, ergäbe sich
der Widerspruch, daß ihnen allein aus der Person des empfehlenden
Sprechers hier Glaubwürdigkeit erwirkt werden soll, unmittelbar
darauf aber der Nachweis der Glaubwürdigkeit aus ihrem eigenen
Leben angetreten wird ^). Da nun die beiden genannten Vertreter
von Argos, Lamprias und Diogenes, selbst die übrige Gesandtschaft
vor den Prokonsul führen, kann der Verfasser nicht der TupooaYcov
sein, nicht die Rolle des ehemaligen ^rpö^svoc spielen, dem das
1) Die Worte ttjv 7rpecßs{av xa'jxr^v TTpoGciyouai lassen in abstracto zwiefache
Deutung zu, je nachdem man Trpeaße^av TrpoaocYetv in eigentlichem oder in über-
tragenem Sinne faßt. In jenem ist die Verbindung uralt, z. B. schon im athenischen
Chalkidierpsephisma IG. I suppl. p. 11 n. 27 a 12 (= Dittenberger Syll. 17);
7:peaße6etv im Sinne von Ixexe'jetv belegt der Thesaurus erst mit Phalar. ep. 33
^TTjCfiyopw 7rpeaßeuaa[j.£vt)i 8ia xwv ftuyateptüv. Wenn man das Verb auch so gebrauchen
mochte, so bezweifle ich doch, daß das Substantiv rpeaßeta gerade neben Ttpoaotystv
sich seiner eigentlichen Bedeutung entäußern konnte. Die phrygische Inschrift aus
der Zeit des Philippus Arabs, Dittenberger 10. 519, 12, sagt daher x/jvoe xrjv txexet [av
u][j.eTv 7rpoaaYop.ev £Xe[YYuot xoü otxai'ou xr)? oej/jaecu; <ibs> ^v xouxots (wo ich (u?
eingeschoben habe 'nach Maßgabe dieser unserer Verhältnisse'). Also wird an
unserer Stelle TTpooccyetv xr^v TTpsaßeiav im eigentlichen Sinne zu fassen sein. Ich
weiß wohl, daß gemeinhin nur ein Gesandter oder zwei an die Kaiser abgeordnet
werden, wofür der sollenne Schluß kaiserlicher Antwortschreiben: iTrpiaßeuov . . .,
ois x6 i(^o8iov 8o&/|X{ü, zi fxr] 7:poTxa uTria^^r^vxat zahlreiche Beispiele liefert; allein
hier geht die Gesandtschaft augenscheinlich in die nächste Nähe von Argos, so
daß sie wohl eine größere Anzahl von Mitgliedern zählen konnte, deren Führer
eben Diogenes und Lamprias waren.
24 Bruno Keil,
TTpoodYsiv TipbQ ßouXTJv u. s. w. oblag. In welcher Eigenschaft redet
er also? Wäre er ein Römer, würde er ohne weiteres als der
patronus von Argos zu rekognoszieren sein; aber er ist sicher
Grieche (T(j)[iatoi<; 526, 19 ; TwjiaixTjV ocTcoixiav 529, 6). Mit dem be-
quemen Namen aDVTJYOpo«; ist auch nicht geholfen; denn die Sache
ist ja noch gar nicht in dem Stadium, in dem ein solcher das
Wort ergreift. Man wird also in ihm einen vornehmen, vielleicht
mit römischem Bürgerrecht ausgestatteten Griechen zu erkennen
haben, der in näheren persönlichen Verhältnissen zum Prokonsul
stand, so daß er sich bei diesem der argivischen Gemeinde annehmen
konnte. Vielleicht ist man geneigt, das Fehlen jeder Motivierung
seines Auftretens für Argos von diesem Gesichtspunkt aus zu
erklären. Gehörte er etwa zu dem größeren Gefolge des Statt-
halters, in das dieser gerade auch vornehme, kundige und ver-
trauenswürdige Provinzialen zur Unterstützung seiner Amtsführung
zu berufen pflegte^), so war seine Stellung zu Argos dem Statt-
halter bekannt und jener Motivierung bedurfte es vor diesem nicht.
Allein wo ist die Gewähr dafür, daß wir den wirklichen Beginn
des Schriftstückes besitzen? Gewiß, was wir als ersten Teil jetzt
lesen, ist ein sachliches Prooimion; schließt dieses einen persönlichen
Eingang aus ? und es fehlt doch auch jede Anrede an den Richter.
Also das Fehlen der persönlichen Motivierung läßt nichts für die
Charakterisierung des Verfassers erschließen : ein kurzes Eingangs-
wort, das nebst der Anrede auch sie enthielt, könnte abgefallen
oder weggestrichen sein.
Muß nun auch die Person des Verfassers*) in dieser Hinsicht
unbestimmt bleiben, der Zweck seiner Komposition ist umso deut-
licher: sie soll die Sache, die zu vertreten die Gesandten erschienen
sind, beim Statthalter befürwortend einführen und die Führer der
Gesandtschaft selbst empfehlend vorstellen. Das heißt griechisch
ODviaiavai. Haben wir nun eine IttigtoXy] aüOTaiixif) vor uns?
Die Technik.
Der Verfasser will sich von den pKJTOpe«; unterschieden wissen
(s. S. 22); das ist vielleicht Pose. Rhetorische Fachbildung hat er
jedenfalls; seine Technik zeigt es. Am^ beweisendsten ist die
Behandlung des Hiatus. Der Verfasser vermeidet ihn so ängstlich,
daß abgesehen von den sogenannten entschuldigten Hiaten, die
eben keine sind % nur ein einziger in dem überlieferten Texte sich
1) Wie aus dem Brief des Fronto an Antoninus Pius, p. 169 N., erbellt.
2) Oder Entsenders; das bleibt sieb gleich.
3) Am auffallendsten am Schlüsse des durch absolute Partizipialkonstruktion
Ein AOrOS SrSTATIKOI. 25
findet und zwar bei einem Eigennamen: Kopiv^ioi eXariov 529, 16. 17,
wo der Sinn die Umstellung eXaiTÖv is ia)^6£iv s[j.eXXov ol Kopiv^toi
oder die Streichung des Namens verlangt^). Die Wortstellung
verrät oft die Hiatscheu : 526, 6 ist sp^oo ganz beirrend an den
Schluß des Satzes verbannt, um es nicht auf Tpcoixoö oder MtjSixoö
folgen zu lassen; Z. 13 ocSoöXcotov asl statt asl aS.; ebenso ist wohl
die Stellung Z. 23 ol xpatoövTsc asi zu erklären, obwohl hier rhyth-
mische Rücksichten mitgewirkt haben (u. S. 26. 29) ; 527, 14 ocfp^evra«;
TüdXai statt TuaXai a(p., wozu das normal angeordnete TraXai öo-O-sloav
parallel steht; 531, 2 akiav aui^ statt aur^ alr. Es heißt ferner
526, 4 TpcöLXoü xa^dcTüsp, 21 aoTT] y.a^., aber 7 a^iov S(s) woTTsp,
allerdings 527, 19 xa^dTusp auch im Beginne eines Kolons. Selbst
bei der Elision wird Vorsicht geübt: Formwörter wie sizeiza
werden elidiert (531, 2), aber s7riT£XoD[isv(a) apy.Tooc 528, 4 ist
das einzige Beispiel seiner Art ; ein zweites hat er 526, 9. 10 in
apycda Tiiüq eivat durch ein Flickwort vermieden^).
Zweitens zeigt sich die Kunstsprache am Eythmus. Über ihn
ist vorweg zu sagen, daß vom Meyerschen Gresetz sich noch keine
Spur findet. Wäre es anders, könnte die Rede nicht in die für sie
hier in Anspruch genommene Zeit gehören. Selbstverständlich läßt
sich in jeder Kunstprosa ein größerer Prozentsatz von Klauseln
nach diesem Gresetze lesen; das ist durch die Akzentgesetze des
Grriechischen gegeben ; es kommt auf die Verstöße gegen das Gesetz
an. Hier genügt es eigentlich den ersten Satz zu lesen : TuoXXd [j.sv
av TIC siTüELV s)(OL | a£{JLv6v£iv aDTTjV l^eXcöV I TzaloLia zal vsa 'iip6L^\Laza ]
soviel Einschnitte, soviel Verstöße. Der nächste Satz schließt mit
ly.sivoic spYo^; dann Z. 15 dvSpeiat; r^v, 19 Tuaiplg f^v aotYj. 527 begegnen
aips^svcac TcdXai, tsXslv slw'ö-aatv und gar Iviaüioic xeaaapoi, ebenso
528,10 iBViV."^ ■ö-sof, 529 auvreXsiv TTpooT^xst, cppovsiv [JlsiCov, üTKXpyriq tüsdo-j],
530 6p6-W(; xpiO-TjOsrai, [xs^aXir] Y^VTjtai u. s. w. Was von dem Ver-
hältnis dieser Rhythmik zum Meyerschen Gesetz gilt, besteht
natürlich erst recht in Bezug auf die von F. Maas^j beobachtete
gebildeten Vordersatzes 531,8 ovxo? — ßt'ou, rfih [xsv; vgl. auch bei Disjunktion
531, 12 v^fAiau ri.
1) Die überlieferte Wortstellung führt zunächst zu der irrigen Annahme,
daß ol Kop{v&ioi das gemeinsame Subjekt zu dem mit xe — xal disjungierten Satze
sein solle.
2) Den singulären Fall einer Krasis wie <xat a»a>7isp hat erst moderne Er-
gänzung hineingebracht; es ist <o0£v>7rep zu lesen: sie ergab sich den Römern
durch Symmachievertrag, woher denn auch sie wie die andern Staaten u. s. w.
Vgl. u. S. 31, 5.
3) Wochenschr. f. klass. Philolog. 1911, 1254 f. 1258.
527, 2.
26 Bruno Keil,
Klauselteclinik, welche nur zwei oder vier unbetonte Silben zwischen
den beiden letzten Akzenten duldet.
Die Rhythmik der Rede ist eben durchaus noch quantitierend.
In wie starkem Maße eine solche überhaupt vorhanden ist, mögen
folgende Beispiele zeigen.
Aus dem Schlüsse des Prooimion
526,18.9 Twv Tüdvü twv ^rpo^övcov _uu_uu — uua._^
TrdtpK; "^v auTT]
19/20 7J xaxd ^u{i[j.a/tav ütttj- ^uu_wu__u_«__i_T7
xooasv
22 Twv aXXcov Sixaiwv uu_l^ ,1-,-r,-,
oo f - ^ ^ r Parallel-Klauseln.
23 Ol xpaiouviec aei — u _ w u _ J
Ferner
oStö) Y^P sItCSLV SüTUpeTÜSOTSpOV ^) u-_u — u — u —
cLTib xyjQ ßaaiXeoouaYjc ^röXsoöc va^-_uu jzuu-_
528, 5 auxol ^sv elxörcog (pspooaL u-^u_u^uöö ,
ötd TÖv ;üXoötov
6 Twv avaX(j)[jLdTa)v t6 [i^y^^o^ I — ^—, —»-'—, ^^^'ü
8 j' ü)VOD{JLSV(OV TTjV TSprf IV TOÖ u u_u"ü
^pov75[iaTO(; I
S/OVTSC IvSsSOTSpOV
Hier herrscht also von Z. 5 ab durchaus der jambisch - tro-
chäische Rhythmus, unterbrochen nur durch die mit Trochaeen ja
auch im Drama zusammen [verwandten Kretiker; das letzte Bei-
spiel ist ein trochaeischer katalektischer Tetrameter, allerdings
ohne die legitime Diaerese nach dem zweiten Metrum. Der gleiche
Rhythmus klingt schon vorher durch
528, 1 00 Y^p l? yop7]Yiav aYwvwv _u__u — u_u
YOptXWV Tj [J.OUOlZü)V ^yj u _
ol KoplV^lOt TüoXXÄV S^OV- _w^u u u_
Tat )(p'/j{xdxtj)v
Nach jenem Tetrameter schlägt der Rhythmus , der schon
etwas lange innegehalten ist, plötzlich um
528, 9 %at ^Evtx'^ ^^c^ xal jrap' ÄX-
Xotc iTctSooXeösiv avaY-
%aCö[j.£VOt
xal 7cap(Ävo|j.a |
_uu u__
\j yj u u
1) Die natürliche Wortstellung vjr.pzz. tir.. verdürbe den Rhythmus.
Ein AOrOS 2TSTATIK0S. 27
528, 9 T*^«; ^k TTspl tyjv tcöXiv apyoLi-
ava^ia Tusiaovuat u _ u u _
Die Kürzen steigern sich und schwellen wieder ab. —
529, 1 [sTüsa^ai vo|ii[ioL? | ^ u u _
3 LTrpoostXYj^psvai ttöXsüdc | u- — u^uu__
3 TY]v Twv :üaXa'.(öv vojiijxwv oiYa- uu_^uu_uu
4 [iaXXov ek Köpiv^ov t) Ko- _u_^u_u_u_^u ,
GOVTSXSLV 7rpoa7]%£t >_u^u
Dann wiegt sich direkt anschließend die Rede auf Kretikern : 5. 6
el ÖS Toic vöv üTcap^aoi (Tuspl) iyjv tuöXlv^).
Von 10 ab beginnen die Rhythmen zu jagen:
ZOXq TTSpl TTjV ^'EXXa§a _ uu uu uuu uuu u uu |
5L£(p6Xa^av TröXsaiv £9-t[ia
voTojisiv ItuI ßXaßiQ
Ganz ähnlich geht es von den reinen Jamben plötzlich in er-
regten Rhythmus über
530, 5 siTcsp Tt? aXXoc Twv %a'9'' __ ^ u _, u _, u —
6 TSiaC §£ Ta [1£V )(p7]0t[JLa Ttal uu uu uu c:6 u u ^ _L T7
7C£pSaX£a §ia7ü£(p£UYaatv
6. 7 x^ TrarpiSt h{k) l7:ap%£LV _ v^uuu ^ u _ wuuu -^ u _z. jl u_-
a£l xaia Sovajiiv Tipo-
'9'0{J.o6[JL£VOl
In 6 bietet für la {j.£V ^^pTJaijJia die Vulgata m jjlev 1'vvojj.a, was
keinen Sinn giebt ; im Vossianus ist nur [xa erhalten ;
Hertlein verlangte l'vti^a. Das stört die Rhythmen. Mit yj^i\(M]LCL
erhält man Choriamben, die auch ebenso auslaufen wie in dem
allerdings ohne die gebrochene Klausel -«- j_ u schließenden Kolon
531,11.12 7^ 7r£pl Toö Tiaviöc aYCti- _uu uu uuc6uu —
viCölJ^£Vov a7ro^av£LV
Schließlich fallen vernehmlich ins Ohr auch die Rhythmen
1) Man ist versucht iz "Apyos (s. u. S. 31, 3) zu schreiben, dann ergibt sich
ein hyperkatalektischer trochaeischer Tetrameter mit einem Ithyphallikos als
Klausel, der sein genaueres Entsprechen im vorhergehenden Kolon hat.
2) S. 0. S. 6, 2.
28 Bruno Keil,
531, 2 akiav aoT-jj Ysvda^-at _ u u -_ T7
SIC TÖv s7r£tT(a) al- _ u o _ ^
#
527, 15. 16 Toxöv a(l) o68^ ttjv ap- u u _^ _
vöv a'fdp^o^aL _«-u_L_^ —
TY]v :rpovojiiav i^*; _uuu
Yj^tw^Tjoav ^ u _L ^ U
Soviel zum Erweis und zur Erläuterung der rhythmischen
Komposition des Schriftstückes im Allgemeinen. Unter den
Klauseln im besonderen ist die kretisch - antispastische Form
-z. u jL -«- X7, die eben 527, 15. 16 dreimal zeigte, stark vertreten, doch
nicht so, daß sie auffallend überwöge: 526,13 TüXYjaiov :rapoixoövTa(;,
527, 1 :rpoGY£vo[isvir]V aoToi? (_^ «Jj u j_ .z. _), 3 el? ocaxiav iTuap^^vTc?
528, 21 ToöTO TTpoo^eiT] ,* 29, 7 aTTOLXiav ISe^avco, 9 TuaTepwv «ppovelv
jistCov; 530,6 SiaTrs^peoYaaiv (uuu_l^w), 9 sie tö ocö^-^vai ; 531 aO-avd-
Too<; ouaa<; (dgl.), 15 «piXoveiy.ia«; a:raXXa^ai, 16 7ravT()D(; avaYxatov.
Der reine Doppelkretikus _u u_ ist nicht zu häufig ver-
treten: 526,2 av TIC el^reiv £X°^' 528,6 (avajXwjidTwv tö jt^Ys^o«; (o.
S. 26), 16.17 (7uoXo7rpaY(xov)Gü[i£voi ßoiStou, 18 (ix£Yd)Xwv dvaXcojidTwv ;
529, 6 ('EXXd)So(; djrdYoov tyjv Sl%7]V ; 530, 7 (Süva)[j-tv ;rpo^D[io6}x£vot,
17 xal Süva»i£VOD xaXtöc.
Hierher stelle ich auch die gebrochene Klauselform _z_ u u -t. jl ü,
die sich übrigens nur 528, 12 dvd^ta ;r£iaovTai, 19 £lalv ü:r£Dd'OVot,
530, 12 (];£öSo? IXdYXovTE? findet.
Gebrochenen Rhythmus möchte ich aber nicht mehr in den
Klauseln annehmen , wo auf den Kretikus ein Molosser folgt :
_ u — . , eine Form, welche immerhin sechsmal vorliegt : 526, 6
7rX£ov l%£LVOic lpYO'-> ; 527, 7 (dJYwvac atS£a^^vT£<; ; 528, 5 7rapSdX£tc
d)voöv'uaL ; 529, 13 /pwiidvoo? T-g ^Ti<p(p , 18 (l4£TaCö[JL£)vov xaxwc ^ai-
veodat, 24 hi ü7rapx^(; 7r£ua'y]. Ich ziehe hier die Lesung ^ u ^ — t. —
vor, da jambisch-trochäische Ausgänge hier häufiger sind; die schwere
Silbenfolge entspricht der Vorliebe des Verfassers für schwere
Klauseln , wie 526, 15 zyi<; Tü/ouair]<; fjV dv6p£ta(; _u
oder 527, 22 Iviautoic idooapatv uw . TJ] solche Klauseln halte
ich teils für rhythmenlos, wie die der letzten Stelle, wo ersicht-
lich logische, nicht rhythmische Wortstellung gewollt ist, teils für
nicht analysierbar, da wir nicM wissen, wie die Deklamation die
Tempi genommen hat.
Bei dem nicht seltenen jambisch-trochäischen Rhythmus finden
sich naturgemäß auch die entsprechenden Klauseln häufiger, und
Ein AOrOS :£Y2TATIK02:. 29
zwar überwiegend mit jambiscliem Ausgang z. B. Yspac i^ijjps^Y]
526, 11, (pviXdiai ttjv ttöXiv 14, Sedviai /pYjjJidTwv 528, 3, (sTrij-upaTrstir]
T7]V ÖLXYjV 529, 23.
An Zahl halten den Klauseln mit Contretempo .jlu _l -i. uj_,
_z.uu_v_-i-uj_, wt.u^_^"J, _^uu_i.-i.u" fast das Grleichge wicht die sog.
logaödischen:
527, 6 oüTs tYjv 'HXsLO)v axsXetav — u u_uu_u
530, 3 Tupoo^eivat ^p7] Tuspl aoTwv — ^- uu — ^
530, 20 ou>c hl [lYj z6z(b) l^psvuac _-.uu — uu>_u j
21 a^tOÖai TOÖTO TipWIOV _u_u__u^u >
531, 18 xpivotg S' av ao-iöc la Seovta u __, _ uu — u;
im Grlykoneion mit kretischem Schluß:
526, 4 ;:aXaia xal vsa 7rpdY{J.aTa u_u — uu_uT7
527. 11 Twv Ncjtewv ooYXpoioöai
526. 12 Ixsi-ö-sv dTTotXLa u _ uu __ u _
531, 8 svTog Yap auToi«; oXi^oo ßioo u_, -.uu-_u-_ (wie akata-
lektisch zu dem eben ange-
führten Kolon 531, 18)
529, 15 spfJLaLov s/ovrac t";^? TuXsovs^iac (u_uu_) uvj_w_
Besonders beliebt ist der choriambische Schluß z. B. :
526, 22 f>j 23, iwv aXXwv Sixaicöv rv oc xpaioövTsc asi.
531, 10 roll aTToXea^at %pivö[JL£Vov nu tyjv Sl%y]V axsX-^
529, 1 rv 3 sTTsaö-aL vo[jli[xoic r\j TupoaeiXYj^psvai tüoXsw?.
Ferner 527, 23 XsiToopYoövuac ajra^ ; 528, 10 dvaY%aCö[JL£Voi (o. S. 26) ;
Besonders bezeichnend ist, daß in diese Klausel sowohl das Prooi-
nuon (526,23) wie die Gresamtargumentation (531,7) ausläuft;
'/CpaioüVTs? dsi wie TtpaTOVöjisvov.
Diese Rhythmik entspricht durchaus der Rhetorik eben der
Zeit, in welche hier das Schriftstück verwiesen worden ist. Nur
hält sich der Verfasser zu seinem Vorteil von Einseitigkeiten und
Übertreibungen in der Verwendung eines einzelnen Rhythmus
frei, wie solche Norden an Musterbeispielen aufgezeigt hat. Er
hat Maß gehalten, und dieses Maßhalten wird die folgende Ana-
lyse auch an seiner sonstigen Technik aufweisen.
Jeder 'Schriftsteller' jener Zeit ist Atticist oder will es sein,
weil er es sein muß ; auch der Verfasser unseres Schriftstückes ist
es. Das wird nicht so sehr durch Orthographika, für die keine
handschriftliche Überlieferung Grewähr bietet — wie etwa durch
StTxd, TSTidpcov (527,18.8), woneben Tsooaps«;, isaaapoi (527,21.22)
30 Bruno Keil,
und xpsiooov (531,11; xpsitTov 531,6 fehlt jetzt im Vossianus), oder
4u[i[iaxLav, 4ü[i<p£p£i (526,20; 531,5), woneben aü^xpoTstv, covreXeiv
u. s. w. steht — als vielmehr durch Wortformen, Wortwahl, Wort-
bedeutung und durch die Syntax bewiesen. Gegen die ersten finde
ich keinen Anstoß ; denn l'vi = heazi 530, 21 , falls man es hier er-
wähnen will, ist trotz der Verpönung ^), die es durch die Atticisten
— aber erst nach der Mitte des 2. Jhd. n. Chr. — erfahren hat,
unbeanstandbar. Bezeichnend das att. la[jL£v 527,8. — Die Wort-
wahl gibt zu Bemerkungen Veranlassung. aSoüXeoTo? 526,13 hat
zwar der Kyniker Krates (Frg. VI Wachsm.) gebraucht, es ist
also vorhellenistisch, so daß es wohl nur zufällig für uns zuerst
bei Diodor auftaucht, aber es ist eben aus Attikern nicht belegt^).
Anders steht es — um dies der Bedeutung wegen gleich anzu-
schließen — mit iTri^ooXeosiv 528,10; dies hat der Verfasser, wie
es jeder Schrift.steller zu jeder Zeit tun konnte, selbst gebildet,
sprachlich richtig und sachlich sehr treffend (o. S. 4 f.). Unattisch
ist irpoTiO-so^-ai 'hervorkehren' 529, 20 (o. S. 10, 2) und Trpovojiia
527, 15. In der Bedeutung 'Vorweiderecht' kommt dies Wort schon
anfangs des 4. Jhd. v. Chr. in Akarnanien vor, in der von 'Privileg',
wie hier, für uns zuerst in augusteischer Zeit ; es ist natürlich ein
anderes Wort als jenes. Daß es ein hellenistischer Terminus war,
ist anzunehmen, aber er scheint erst späthellenistischer Prägung ^) ;
1) Schmid, Atticism. II 105. III 121. Die Zurückhaltung der späteren Atti-
cisten beruht auf falscher Verallgemeinerung der Verpönung von evt =: hxi und
Übertragung auf evt = eveatt. Diese läßt sich noch nicht aus LXX nachweisen,
wie es nach Brugmann-Thumb, Gr. Gr. 320 erscheinen könnte, wo auf Helbing,
Gram. d. LXX 108 verwiesen wird ; an beiden Stellen — Sir. 37, 2 ; IV. Macc.
4, 22 (so) — liegt die ältere Bedeutung vor. Auch £ve3fj.ev Ath. Mitt. 1908 XXXIII
147 n. 3 a. E. ist nicht ^a|j.^v, wie Kretschmer, Glotta 1910 II 332 angibt, sondern
heißt 'wir sind in dem Grabe'; der Erblasser denkt an die Zeit nach seinem
eigenen Tode.
2) Doch wird darauf Niemand mehr viel Gewicht legen, der sich durch die
Papyrusfunde Jahr für Jahr belehren läßt, eine wie zufällige Auswahl aus dem
attischen Wortschatz wir haben. Es genügt auf die 'lyveutaf hinzuweisen.
3) Den ältesten Beleg für 7Tpovo(j.(a Privilegium bietet anscheinend Strabo 709.
Es folgt Philo ; den von Sophocles, Lex. Rom.-Byz. Per. angeführten Beispielen (de
mundi op. 30 [I p. 9 C.-W.], de Abr. 150 [IV 34] ; de spec. legg. II 157 [V 123]; de
virt. 107 [V 297]) füge ich, weil datierbar, hinzu Philo in Flacc. 5 (522 M.) TipovojA^av
Ttvd xal TijjLTjv f/etv. Das Stobaeusexzerpt II 48, 25W. ist nicht zu datieren, kann
aber älter sein als diese beiden Zeugnisse. losephos, Plutarch u. a. schließen sich
an. Das Alter der Photios(-Suidas)glosse rpovo[j.{ac und der Hesychglosse ist un-
bestimmbar. Aus Inschriften kann ich es nur aus Delphi um 120 n. Chr. nach-
weisen : Bourguet, De rebus Delphicis q. s. S. 34 TipopiavTefav, 7rpovo|x{av, •jii xal oi-
x(ac fpcTijotv (seine Ergänzung S. 78 ist ganz unsicher) ; es steht hier für die alte
Ein AOrOS ETSTATIKOS. 31
die alte Terminologie hat der Verfasser in anderem Zusammen-
hang 526,11 Yspac l^iQps^T] ^). — In der "Wortbedeutung be-
obacbtet man aucli nur wenig Auffallendes, tf fj^ov llsve^xsiv 529, 21
vom Richterspruch ist eine verunglückte Mischbildung aus dem
alten 4;7](pov (pspsiv und dem späten tsXoc ezcpspsLV (Dion. Hai., Plu-
tarch)^). öüO(ö7üsio^aL 529, 21 steht in der von den Atticisten (z.B.
Moeris u. d. "W. ; mehr Schmid a.a.O. III 111) als hellenistisch
verbotenen Bedeutung von alösia^at. Nicht belegt ist aus alter
Zeit xpatuvsa^ai in der übertragenen Bedeutung von 'sich fest ver-
dichten', die es 531, 16 in {iiaoc (ko) ^) iG'/ppbv . . . ■zpa'uovöjxsvov hat ;
aber es fehlt nicht an überleitenden Belegen, die die Wörterbücher
bieten. In ;rav7J7upLV oüYv.poTSLV 527, 11 ist das einzelne Wort atti-
cistisch probat, aber GOYxpoTsiv vom Zusammenbringen von Massen
ist doch nur hellenischer Gebrauch*). Wenn »jTraYso^ai Trpöc aovi;^-
Xeiav (527, 24) durch die Präposition Tipög statt sie befremdet , so
liegt nicht später Sprachgebrauch vor, sondern stilistische Willkür
des Verfassers ^) ; denn auch jener kennt anscheinend (nach den
Lexika) allein üTudYsa^at bXq ti. — Man muß also schon schärfer zu-
Formel (TTpouiavTetav) TipoeSptav TrpoStxiav, (vgl. Lucian. Abdic. 23 xtfj.ac -/ai Trpoeoptag
xat ctxeXet'a? xczl 7upovo{i.ta;) bedeutet also wirklich Privileg, nicht 'das Vorweide-
recht', in welchem Sinne ich es Anon. Arg. 312 Anm. für Stratos (IG. IX
1, 442, 5) nachgewiesen habe. CIG 4892, 1 (diokletianische Zeit) ist Tipovo^xitüv wahr-
scheinliche Ergänzung, dem späteren Sprachgebrauche gemäß. So bieten auch
die Papyri nur 7rpovo|j.tov : das älteste sichere Beispiel P. Fior. I 57, 14 ist von
223/5. Dann P. Oxyr. I n. 136, 38 vom J. 583 und ebenso, was mir Herr Preisigke
freundlich nachweist, aus den P. Cairo (ed. J. Maspe'ro) n. 67002 Col. III 8;
67009 ▼ 10; 67019, 5; 67032, 94 aus spätbyzantinischer Zeit. Der Beleg aus den
P. Societä Ital. n. 56, 9 vom J. 107 n. Chr., der der älteste sein würde (ebenfalls Nach-
weis Preisigkes), 7:povofjii(. . .) tottou wird, da es sich hier um Schafweiden handelt,
TrpovopLtot oder 7:povo[j.tov eine Weidegerechtsamkeit bedeuten. — npovo[j.ia ist keine
Übersetzung des römischen Privilegium, sondern rein griechische Terminologie
(7:po8ixia, rpoeSpia u. s. w.). Der Terminus muß also älter als unsere Belege sein.
1) OtXtTTTrou . . . xx\ 'AXe^avSpou twv Tiavu 526, 18 kann man ihm nicht als
späte Sprache vorrücken, da er an Thuk. VIII 1. 89 und Xenoph. Mem. III 5, 1
Vorbilder hatte, auf die sich Lukian und Aristides für ihre Verwendung von 6
zavu berufen haben werden.
2) Daß ti^Tjcpov dxcpipeiv sonst erst aus Theodoret. h. e. I. 21,8 (p. 71 Parm.)
belegt wird, beweist nichts.
3) xai t6 [xXaoi . . . {a/upov röj XP'^'^M^ xpa-uvo{j.£vov im Voss. ; gegen die Ein-
setzung der Vulgatlesung U bemerkt Dübner, daß os nicht dagestanden zu haben
scheine ; xat — U widerspricht auch der Simplizität des Partikelgebrauches hier.
Ich habe i? (die Form auch 528, 1 überliefert) in adverbialer Bedeutung einge-
setzt, durch den Rhythmus geleitet: %cd xb {j.Tao; ii hyypb^ r>j z^ X9^^'^? xpaxuvd-
[Aevov. Vgl. 0. S. 27, 1.
4) Schmid, Atticism. II 151.
5) Er vermeidet so selbst die leichte Krasis xai eh ; s. o. S. 25, 2.
32 BrunoKeil,
sehen, um Mer Anstöße zu finden. Dagegen liegt ein direkter
syntaktischer Fehler 528, 18 offen zu Tage : oTrep ttoXXwv xal
[jLSYdXcov avaX(ü[j.d'C(j)V, oIq oh Sizatwc elolv oTrsü^ovoi. Der Sinn ist: die
Argiver sind zu den vielen schweren Aufwendungen nicht ver-
pflichtet ; also muß es wv — oTceoOovoi heißen. An Korruptel wird
man nicht denken, da nach dvaXoi){j.a'C(ov oic in wv, aber nicht wohl
wv in oIc verschrieben sein würde. Falsche Korrektur infolge von
Mißverständnis wäre möglich, aber es gilt ja nicht den Verfasser
rein zu waschen. Ein entschiedenes Zeichen hellenistischer Sprache
ist die Vorliebe für präpositionalen Ausdruck an Stelle des ein-
fachen Genetivs : lai«; Tuspl tyjv 'EXXdSa ;röXsoiv 529, 10, ebenso dYw-
vöiv TTspl TTjv 'EXX. 527, 9 ; xoö xara tyjv iröXtv d^tw^iato? 529, 20, t-^c
Tüspl TYjv TTöXiv . . . Süvd[jL£(0(; 528,11, beides für tyjc tcöXswc und viel-
leicht so TOig ojrdp^aci (Tcepl) r?jv ;:öXiv 529, 6 (o. S. 6, 2).
Der äußere attische Anstrich ist also alles in allem nicht übel
erreicht, und zwar so, daß die Absicht attisch zu schreiben, nicht
durch das Auftragen dicker Schönpflästerchen aus der Offizin der
Atticisten zur Schau getragen wird. Der Verfasser hat eben auch
in dieser Hinsicht Maß zu halten gesucht, drdp 528, 5 , welches
Eeiske aus ocTusp hergestellt hat, würde ein sehr kräftiger Atticis-
mus sein und sich außerdem von seiner an sich nicht häufigen An-
wendung bei den Atticisten unterscheiden; denn diese (Aristides,
Lukian) setzen das einfache dxdp nur vor direkte Anrede (dtap (J>,
eks [loi) oder (Dio Prus., Lukian) verbinden es mit andern Par-
tikeln (oüv, Sy] %ai)^); hier stünde es allein und nicht in Anrede,
wofür ja allerdings Piaton und Xenophon Vorbild sein könnten.
Ich ziehe es daher vor, oTiusp zu schreiben, zumal da der Schriftsteller
auch im Partikelgebrauch sonst alles Aufi'allende vermieden hat.
Mit aXka., ji.£V — Ss, fdp, ouv , je einem %aizoi und waxe (528,20;
531, 11) bestreitet er alle Satzverbindungen, so daß die Häufung
dXXd §7] zal 526, 15 auffällt, die übrigens aus den Atticisten sonst
nicht belegt wird und den Attikern fremd zu sein scheint, aber
bei Philodem öfter vorkommt (Schmid a. a. 0. II 301). Der Dual
a\xfisi rechnet nicht als Atticismus, da diese Kasusform sich stets auch
in der hellenistischen Literatursprache gehalten hat. Dagegen sind
Süovota 531,15 (Soph. Eurip. Plat., allerdings auch Plutarch) und
Xü^iY] atticistischer Aufputz, was der Verfasser bei Xojiirj selbst
dadurch verrät, daß er zu dem alten Worte, das er übrigens nur in
1) So auch lulian selbst or. III a. E. dtctp St] xat (Ilorkel a. a. 0. S. 47). —
Nach Schmid a. a. 0. I 181 f. 424; II 303; lU 302; Doch finden sich bei
Lukian vereinzelte Ausnahmen, z. B. Tox. 3.
Ein AOrOS ST^TATIKOS. 33
der seit dem 5. Jhd. (Aeschyl., Herodot) üblichen Verbindung IttI
Xoii.'iQ, also nicht auffällig, anwendet, sofort die Interpretation ßXdßY]
hinzufügt : IttI ßXaß-o Tcal Xuixif), und zwar die sollenne ; denn Eustath.
IL 108, 30 (zu A 314) hat -q \b\Lri ItüI ßXdßyjc U^bzoli und Hesych.
X6{i7]' ßXdßT] (p^opd, was dann wieder bei Philo vit. Mos. I § 119 (IV
148, 2 C.-W.) hitl XüjJL'o xal ^d-opöi. begreiflich macht. Unter die Ru-
brik 'misverständliche Weiterbildungen attischen Gebrauches' ^)
gehört der Dativ des Zweckes izviy.xi ^^ iTutSouXsüstv 528, 10 ('für
ein ungriechisches Schauspiel') und Tupöc täv .... oovYjYöpwv 529, 18
beim Passiv l^sTaCöiisvov; daß die Hiatscheu zu diesem bei Lukian
häufigeren Pseudoatticismus greifen ließ, ist klar. — Die wenigen
sprachlichen Erscheinungen, die hier aufzuführen waren, geben
weder jede einzelne für sich noch alle zusammen der Rede irgend-
wie das Grepräge der aufgeputzten Rhetorik. Besonders ist das
völlige Fehlen dichterischer Wörter und Wendungen zu bemerken ;
nüchternste Prosasprache hat der Verfasser beliebt.
Grewiß trägt die Einfachheit und Schmucklosigkeit des Aus-
drucks viel zu dem Eindruck der Schlichtheit des Gänzen bei;
aber das entscheidende Moment für den Gesamteindruck ist ein
andres. Dieses besteht in der Abwesenheit, ja fast ängstlichen
Meidung aller starken rhetorischen Kunstmittel und in
der Einfachheit der Satzbildung.
Klangspielereien wie Paronomasie, Homoioptoton u. s. w. fehlen
eigentlich ganz ; daß dies auf Absicht beruht, zeigt 531, 8
i^§ü [isv %al TÖ 1;:' öXi^ov i^oo/ia^ djuoXaüoat
(poßspöv 8s xal TÖ Tupöc twv SiTtaaTcov dTuoXso^at %ptvö[isvov.
Hier hätten wir bis aTroXsa^ai eise rhetorische Antithese, deren
Parallelkola durch eine stark in die Ohren fallende Wort-
ähnlichkeit abgeschlossen wären, wenn der Redner den Paral-
lelismus nicht selbst durch die Anflickung von xpivö[i£Vov zerstört
hätte, welche inhaltlich, aber auch rhythmisch, erst das zweite
Kolon abschließt; denn das folgende Kolon %al Tratol 7rapa7re[i.(^ai
TY]V 6i%Y]v d-ceX-^ schließt korrespondierend choriambisch (o. S. 29).
Hier ist also die. Spielerei verschleiert. Vermieden ist sie
527, 13. 14 TidXaL Sodsioav r^ afps^svia? naXai und noch deutlicher
durch künstliche Wortstellung 530, 3 t^jjlwv Tceia^'^vaL, \Li%pä Tupo-
o^sivai ypT] TTspl aoTwv, wo ein ^reia^'^vaL r\j {xixpd y^py] tu. oluz.
Tüpoa^etvai nahe lag. Ob man 527, 18 ölttoc 8' lad Nsfisa Tuapd lot^
'Ap7£ioi(;, I Tta^dTTsp ''la^jiia Tiapd Kopiv^LOL«; einen Endreim hören
soll, ist mir sehr zweifelhaft, da hier rein logische Satzgliederung
1) Schmid a. a. 0. lY 616,4, I 400.
Kgl. Oes. d. Wiss. Nachrichten. Phil.-hist. Klasse. 1913. Heft 1.
34 BrunoKeil,
vorliegt; dann müßte auch 527,9.10 'HXetot jjlsv 'OX6{i7rta, AsX^oi
Ss IlüO-ia so gefaßt werden, was Niemand tun wird. Die Aufzäh-
lung pYiTopEüouoi %al TToXitsüovtaL %cd Tupsoßeuouoi Y.CLI SaTTavwoi 530, 8
fällt unter den gleichen Gesichtspunkt. Rhetorisch dagegen ist die
Epanalepse la? ttöXslc Ss a^avarooc oooac . ., a^dvarov e^etv 531, 13. 15;
sie steht aber in dem einzigen großen Enthymem der Rede, welches
den ganzen Schlußteil füllt und auch sonst rhetorischer gehalten
ist. Denn ihm gehört auch die eben angeführte Antithese an, die
mit dem verschleierten Paromoion selbst wieder in die das ganze
Enthj'mem zusammenhaltende Antithese 531, 5 zol<; {jl^v — 13 tac
Tzo^BiQ dk eingeschachtelt ist. Was sich sonst an Antithesen findet,
ist durch den Gegensatz von Argos und Korinth in den argumen-
tierenden Teilen gegeben, wird also nicht als rhetorische Künstelei
empfunden. Ixeivoic {xsv — -zobq 8s u. a. 527, 12. 16. 22. 23; 528, 5. 9;
dazu die dilemmatische Argamentation si (xsv — et 6s 529, 3. 5. Von
den Sinnfiguren begegnet dreimal die rhetorische Frage, doch nur
in der stereotypen Form der "Widerlegung ;rä)<; (odv soXo^ov , oov
elxöc, 00% aScxa) 527,12.22, 528,11, also in der Argumentation;
femer die Correctio 527, 2 (o. S. 3). Verhältnismäßig stark ist
das Hyperbaton vertreten, weil der Verfasser aus doppeltem
Grunde — um den Hiat zu vermeiden und Rhythmen zu erzielen
— oft zu gekünstelter Wortstellung greift; Beispiele sind z. t.
schon bei der Hiatbehandlung beigebracht ; rhythmische Rücksicht
wirkt z. B. 526, 19 Trarplc r^v axn-q oder 530,20 UTidpysi xar' eo/dc;
sie hat wohl stark die Sucht unterstützt, das Verb vom Ende des
Kolons durch ein folgendes Wort fern zu halten: aoYxpotoöoi tzol-
VTJYüptv, d'fiQp'^a^at ty]v 7rpovo[j.iav, ösoviat -/pTjixdKüV, oiYaTräoO-ai piaXXov,
sjTsodai vo(itjj-oi<; , TTpooe^Xr^^svat ttöXswc u. ö. (527,11.15; 528,3.14;
529, 1. 3). — Besonders nüchtern wirkt die vollkommen durchge-
führte xupia Xs^ic. Es gibt keinen Tropos, keine Metapher, nicht
einmal einen Vergleich ; denn 7.aivoTO|ita, xaLvoiojiciv (527, 4. 529, 11)
und oüYXpoTttv (527, 11) werden nicht mehr als bildliche Ausdrücke em-
pfunden. Diese Xs^tc erzeugt neben der durchsichtigen xd^ic die aatpTJveia.
Der Satzbau ist von denkbarster Einfachheit; es kommen
von den kurzen Relativsätzen abgerechnet, auf die Seite im
Durchschnitt je nur zwei Nebensätze^). Das rhetorische Ele-
ment der Periodisierung ist also vermieden; dazu stimmt die An-
wendung der die Peiiudisierung störenden Parenthese 527, 2 und
der stellenweis schleppende Satzbau (z. B. 529, 18 ff. , 530, 9 ff.).
1) Mit wate 527,21, clxav 530,7, creio)) 529,6; 530, 10, ^xt 530,1, ttntp 528,
14; 530, 5, e( jjiev — e{ li 529, 3. 5, ti 629, 15. 23; 531, 14.
Ein AOTOl iriTATlKOl. 35
Alle diese Eigenschaften geben der Diktion etwas Temperament-
loses, aber doch sinkt sie dadurch nicht zu platter suisXeta herab.
Dafür enthalten die argumentierenden Teile trotz der vorsichtigen
Art und Weise, wie die Schlüsse anhaltend nur als wahrscheinlich
hingestellt werden^), doch zuviel des aYwvtarixöv ; auch ist die tüi-
TcpÖTYj? in der Correctio odtw — soTups^soTspov 527, 2 deutlich
spürbar, und vor allem kommt an mehr als einer Stelle ein auch
rhetorisch markiertes Ethos zum Durchbruch: da wo der Ver-
fasser den Korinthern vorwirft, schlechte Nachbarn zu sein, wo
er sie wählen heißt zwischen Pietät vor den Ansichten der Vor-
fahren und eigennütziger Ausnutzung der römischen Privilegien,
wo er von dem gerechten Eichter als letzter Hoffnung der Ge-
schädigten spricht, endlich im Schlußteil, wo er vor der Schürung
unvergänglichen Hasses zwischen den beiden Gremeinden warnt
(528,13; 529,1; 530,15; 531,13). An der ersten dieser Stellen
unterstreicht der Verfasser das Ethos durch das offene Hesiodzitat
'oüS' av ßoä<; aTTÖXoiTO, el \Lri diä xaviav YcLtövwv (OD. 348 r\j sl ^-q
7ctT(oy xay.ö? sit]) und an der letzten durch die deutliche Hesiod-
reminiszenz xpsioaov slvai t6 xal oTicoaoöv TupooXaßeiv tjjjlioo, t] Tcepl toü
Tiaviöc a7ü)ViCö[i£vov aTuo^avsiv (OD. 40 oood tuXsov 7][j.loo :ravTÖc). So ist
auch dieses rhetorische Moment in dem Schlußteil vertreten, der schon
die beiden versteckten Assonanzen und die in einander geschobenen
Antithesen enthielt, und der, wie bereits hervorgehoben, ein einziges
und zugleich das einzig große Enthymem des Stückes bildet. Um
der Schluß Wirkung willen hat der Verfasser eben stärkere Register
gezogen; diese standen ihm also zu Gebote. Mithin ist Absicht
darin zu erkennen, nicht Unfähigkeit des Verfassers, wenn das
Ganze sonst auf so maßvollen Ton herabgestimmt ist; man muß
daher fragen, ob diese Absicht durch das sachliche Ziel bedingt
wurde oder eine stilistische Begründung hat. Das heißt die Erage
nach dem literarischen Charakter des Schriftstückes stellen.
Die literarische Eorm.
Der Aufbau der Schrift folgt ersichtlich dem eines rhetorischen
XÖYO(;; es fragt sich ob eines Sixavixöc oder oo{xßoDXsoTi%ö<;. Faßt man die
äußere Gliederung ins Auge, so sondern sich deutlich das völlig
1) eUrk 527,22; 528,7; 529,19; £{vtoTü>; 528,5.20. Zu dieser Argumen-
tationsart gehören auch T-avxw; dv^Yzif] 530, 19: r.d-^xoi^ dvayxarov 531, 16. Solche
Wiederholungen verraten allerdings zugleich eine gewisse Beschränktheit der
Ausdrucksfähigkeit ; so auch die dichte Aufeinanderfolge der Übergangs form aXkoa
T£ (zu Hertleins Beispielen besonders Vahlen, Hermes 1895 XXX 31 f.) . . .
ctXXüj? xe xa{.
s*
36 B r u n 0 K e i 1 ,
selbständige :rpootj).tov und der IttiXo^oc ab. Auf jenes folgt ein
Stück SiTJ^Tjai?, von dem es sofort in die Argumentation übergeht.
Diese selbst ist zweigeteilt: einmal soll die sachliche Unbilligkeit
der Ansprüche der Korinther dargetan werden, zweitens wendet
sie sich mehr subjektiv zugespitzt gegen die Korinther als schlechte
Nachbaren und pietätlose Enkel der großen Vorfahren. Man könnte
hier sehr wohl die alte Form der Doppelbeweisführung des öixavixoc
XÖYog nach tcIgzbiq und ta Tupö«; xoix; avTi8ixoü(; durchfühlen, zumal
es 528,20 ausdrücklich heißt: Tupöc tooc KoptvO-tooc slxötwc äv Tt<;
xal Toöro ;rpood£iY] ; es geht bereits vorher (Z. 17) zabza Tupög
Touc Kopiv-ö-iouc altiäo^ai. Dieser Abschnitt läuft deutlich in eine
Fortsetzung der Diegesis aus, indem erst hier von dem für Argos
unglücklichen Ausgange des ersten Prozesses berichtet wird. Eine
gewisse Analogie zu solcher Zerreissung der Diegesis bietet ja
die demosthenische Technik, besonders die Technik der Reden im
Dokimasieverfahren, wo die Erzählung — selbst ohne einen kurzen,
geschlossenen Ansatz — in die Argumentation verwoben und nur
stückweis, aber stets in der gewollt parteiischen Belichtung sicht-
bar wird. Man würde bei Zugrundelegung einer Disposition nach
dem SiTcavtxöc Xo^oq femer die Zerteilung der Erzählung als einen
technisch geschickten Kunstgriff betrachten können, durch den der
Abschnitt mit der Empfehlung der Gesandtschaft als Exkurs an die
Argumentation angeknüpft wird. Der zweite Teil der Erzählung
würde dann an diese Stelle gerückt sein, weil die in ihm enthal-
tene Angabe über den Verfall der Appellation die sachliche Vor-
aussetzung für die argivische Maßregel ist, die im Folgenden em-
pfohlen ist.
Allein eben diese Empfehlung ist die Hauptsache, der Zweck
des Schriftstückes; dieser kann aber nicht in einem Exkurse zum
Ausdrucke gebracht sein. Folglich läßt sich trotz der Fassung des
Schlusses slpYjxai ... o y' I^öc Xö^oc, xpivotg S' av ahxoQ zol S^ovra *),
die. ganz dem Stile der Gerichtsrede angehört, die Disposition des
Schriftstückes nicht auf die des Stxavtxö«; Xö^o«; zurückführen. Mit-
hin liegt das Schema des oofißooXeoiixö«; zu Grande — wie ja das
Empfehlen tatsächlich ein oü[j.ßoi)X£U£iv ist — , soweit bei einem
solchen von einem ausgebildeten Dispositionsschema überhaupt die
Rede sein kann^). Eine Erzählung fehlt im Symbuleutikos zu-
1) Lys. XII; [Demosth.] XXXIII: Aristot rhet. III a. E.
2) Daß für den Symbuleutikos kein festes Schema bestand und die Disposi-
tionen mehr oder weniger au die der Gerichtsrede sich anlehnten, ist bekannt;
daher sich hier bis zu einem gewissen Grade die Disposition der Gerichtsrede
verfolgen ließ.
Ein AOrOX 2r2TATlK02. 37
meist, da Kenntnis der realen Dinge vorausgesetzt wird, oder diese
zumeist in die Argumentation parteiisch - willkürlich ausgewählt
ver woben werden; dafür pflegt aber eine mehr oder weniger klar
zum Ausdruck gebrachte TcpöO-saic, welche das Thema angibt, zu
stehen. Die Argumentation erfolgt der Regel nach im Rahmen
der xs'faXaia tsXixa, soweit die Beweismomente nicht aus den realen
Verhältnissen entnommen werden. Daß hier eine geschlossene StTJ-
Y7]aic fehlt, ist schon gesagt ; die zu Anfang gegebene Inhaltsüber-
sicht läßt die xs'f dXaia TsXixd der Beweisführung erkennen, ebenso
daß ein Teil der SiTJY'rjai? argumentierend am Schlüsse des Beweis-
teils verwandt ist. Die jupö^satc erscheint weniger scharf heraus-
gearbeitet und erstreckt sich nur auf den einen Abschnitt, der der
eigentlichen ao[ißouXYi vorausgeht, allerdings den umfangreichsten
Teil des Schriftstückes ausmacht. Den Grund hierfür wird seine
weitere Analyse ergeben. Die Argumentation stellt den Schritt
der Argiver von den verschiedensten Seiten als begreiflich
dar, ohne sich jedoch in eine eigentliche Erörterung der Rechts-
fragen einzulassen ^) ; sie bereitet mithin den die Empfehlung brin-
genden Teil vor, so daß dieser, obwohl nicht der längste Abschnitt,
tatsächlich als der Hauptteil erscheint, auf den das Granze zustrebt.
Jetzt stellt sich die Rede als eine straff gegliederte, nicht
durch die unorganische Erweiterung eines Exkurses zerdehnte Kom-
position dar, deren einzelne Teile auch durch geschickte Über-
gänge miteinander verschliffen sind. So ist der Übergang vom
Prooimion zur Argumentation sehr gewandt dadurch verdeckt, daß^
in jenem von Anfang an die zeitliche Abfolge stark betont wurde :
apyaia . . . IttI xouiok; . . . ociepov . . . (526, 9. 10. 19) , wodurch der
zur Erörterung stehende Fall mit vöv (527, 1) eingeführt werden
kann und so in der natürlichsten Abfolge erscheinen muß. Ge-
wandt ist auch die Überleitung zu dem zweiten Stücke der §iy]-
7Yjat^ in der Argumentation und damit zur eigentlichen Empfeh-
lung : 'die Korinther sollen nicht die Anschauungen der Väter miß-
achten, zumal sie sich nur auf einen jungen Richterspruch stützen
können ; denn — ' damit setzt die Teilerzählung ein, welche wieder
die Empfehlung vorbereitet. Der Eindruck der abgeschlossenen
rednerischen Einheit wird endlich vor allem durch den Schluß ver-
stärkt, auf dessen besondere formale Ausgestaltung schon aufmerk-
sam gemacht worden ist. Er gehört innerlich ja nur zu der Em-
pfehlung, da er die politisch- ethische Begründung für die Bitte
1) Darum bricht er 529, 22 ab mit dXXd td (xev br.kp tt)? TioXew; hUaii xxX. i
ein deutliches Zeichen, daß der 8ixavix6; X(5yo; hier nicht in Betracht kommt.
38 Bruno Keil,
der Argiver in der Form der Widerlegung einer etwaigen Bean-
standung dieser Bitte ^) bringt; aber indem er, zumal an den
, Schluß des Ganzen gestellt, sich durch die reichlicher in ihm ver-
arbeiteten Kunstmittel über die anderen Teile erhebt, erscheint er
als der wirkungsvoll abschließende Höhepunkt, unter dem sich die
ganze Rede als eine Einheit darstellt.
Ich habe in den letzten Ausführungen unser Schriftstück
wiederholt eine Rede genannt; Gliederung und Aufbau nach dem
Symbuleutikos geben dazu zweifellos ein Recht. Aber sie allein be-
stimmen den Charakter eines Schriftwerkes nicht ; es fragt sich, ob
Sprache und Stil die gleiche Aussage machen.
Der sprachliche Ausdruck war durch folgende Eigenheiten charak-
terisiert : atticistische Tendenz, doch Unterlaufen von vereinzelten
Vulgarismen in Wortwahl und Bedeutung, daher kein übertriebenes
Atticisieren ; Vermeidung aller dichterischen Worte, Tropen u. s.w.,
daher einfache, nüchterne Sprache — Io/vöty]? — , aber im Ausdruck
kein Herabsinken zur Plattheit, euteXeta. Hierzu vergleiche man
Demetrios :r. kp\L. 223 6 hiziozoXiY.b^ )(apaxT7]p Ssirat ioxvötyjto? und die
Kritik, die Philostratos (II 258 K.) am Briefstil des Herodes Atti-
kos übt: pTjtöpwv apiora . . . iTreotsXXev, o^rspa-üTixtCtüV ^h xal uTisp-
XaXwv IxTCtTCTEt iroXXa/oö loö TzpiizoyzoQ kzioxok^ /apaxt'^poc* Set ^ap
^aiveoO-at iwv ItuioioXcöv rrjv IS^av artixcoTepav [i^v aovTj^eiac» oov-
TjdeaTEpav (xttlxiosü)?. Femer wurde die Beschränkung im
Gebrauch aller stark rhetorischen Figuren beobachtet, von denen
nur die einfachste, die Antithesis, mehrfach Verwendung findet.
Dazu vgl. Philostratos a.a.O. lyßziü Se tö BoaxW^"^ ^'^ '^V l^"^ -"^X^"
ttaTio^ar el ^ap (3yY][xaTtoö[jL£V, (pikoii[LBiad-oLi 8ö^o[i£V, tpikoxi^lix Se iv
ItciotoX'^ {jLeipaxiwSsc, und Gregor Naz. bei Hercher, Epistologr. Gr.
p. 16 TpoTtac TTapaSe^öjie^a [i^v oXt^a^ S§, xal laotac oux avaia/6v-
Too<:* avxiO-exa xal Tidpioa xal loöxwXa oo'fiotaic a7:oppi<|;o{i£V. Wenn
gesagt werden mußte, daß dadurch die eureXeta vermieden werde,
so stimmt dazu die Vorschrift des Isidor v. Pelusion: 6 dTutoToXt-
jtaio? )(apaxT7;p iitjts TuavTdiuaoiv dxöa{j.'ir]Toc sotco {xf^te |iTjv ei<; O-pu^'iv
X6Xoa[i.73|j.£voc ri tpu^^f^v tö jt^v ^ap 6üTeX£<;, tö 8h a;ü£ipöxaXov ^). Die
1) «TOTTov hi o'!> ypT) vofxfCetv xo ttjv 8{xt^v oviöi; avafitxov ttoieIv 531,4; der
die X'j3ic gebende Schluß stellt nach rhetorischer Terminologie ein ^vOjfir^fjia
Ö.EYvtTtx'iv dar: Aristot. rhet. II 1396 b 25 u. ö. Die Verwendung des ixß7)a'i|xevov
hier entspricht der von Quint. V 13,21 für die refutatio gegebene Regel *for-
tissime invaseris, quod est . . omnibus periculosum'.
2) Ep. V 133; ich habe auf diese Stelle bei Strzygowski, Kleinasien, ein
Neuland der Kunstgeschichte 68 hingewiesen ; sie steht denn jetzt auch bei
Weichert, Demetrii et Libanii q. f. xurroi IttigtoX. p. XVI.
Ein AOrOS STSTATIKO^:. 39
große Periode, die dem aDjißooXsoTrxöc eignen würde, ist vermieden :
Demetrios tu. kp\L. 229 id^st [jsvtoi XeXua^o) {xäXXov* ysXoiov ^ap tüs-
p 1 0 S 6 6 s L V woTTsp ooz iTTcoToXifjv, ttXXot Si%Y]v '^poL^ovzoL ] nur am ScKlusse
findet sich ein umfangreiches Satzgebilde , genau so wie Philo-
stratos (a. a. 0.) lehrt: xoxXov ös aTüOTOpvsöeiv Iv [jlsv Tat? ßpa^^orspaK;
T(öv IitiotoXäv ^uY/(j)pw . . . Twv ÖS Ic {i-^xo? 7rpo7]Y[i£V(ov IttioxoXwv
l^atpstv )(p7]ZuyvXoo<; — aYtoViorixtütspov ^ap t) zara iTciaroXrjV
TOÖTO — , TrX-rjv sl [iy] tcoo stuI tsXsot^C "^wv i^rsaraX^jisvcüv t) ^üXXaßsiv
§sot ta 7:poetp7j[JLdva v) ^oY^Xsioat t6 ItcI Ttäai vöyj(ia. Philostratos fährt
fort : oa^pTJveia §£ a'^a^y] [isv fjY£[JLü)V aTuavTOc Xö^oo , [xaXiara 6s sm-
GToX'^c : diese Eigenschaft hat der Schrift ebenfalls zugesprochen
werden müssen. Ferner beobachteten wir einiges f^6-oc des Red-
ners : wenn Demetrios :u. Ipjt. 227 vorschreibt tiXslotov §' hyßxcd zb
Yj^ixov -q ItüiotoXt] * . . . xal soxt [isv xal 1^ aXXoo Xö^oo TuavTÖg l§siv lö
•^O-o^ Toö YpacpovToc , 1^ ooSsvö*; Ss outw? wc ImoioXf^c, so entspricht
dem die Schrift nicht. Der Grund für diese wie für einzelne
andere Abweichungen von den technischen Vorschriften über den
Briefstil wird sich sofort ergeben; ihr Vorkommen kann jeden-
falls die llaupterkenntnis nicht trüben, daß die Eegeln des i;riGro-
Xi\Lcdo(; xapay-t'i^p im weitesten Maße für Sprache und Stil der Rede
bestimmend gewesen sind.
Fassen wir zusammen : Tektonik des Symbuleutikos , Stil des
Briefes, Zweck eine Empfehlung. Damit ist die Bedeutung der Worte
Toic TY]V TTpsoßeiav TaDTYjv TupoaaYOooL BC fjiiwy TTsioO-^vat endgiltig fest-
gestellt und so die Antwort auf die Frage nach dem eigentlichen
Wesen unseres Schriftstückes bestimmt sowie die Aufnahme des
Schriftstückes in die Briefsammlung erklärt. Es ist eine IttiotoX*?]
ouaTaTtTtT] mit der vollen Disposition eines richtigen Xöyoc ao[i.ßou-
XeoTixöc. Ist es aber ein Brief, so wurde er von den Führern der
Gesandschaft als Empfehlungsschreiben bei der Audienz überreicht,
nicht von seinem Verfasser vor dem Prokonsul gesprochen. Weil es
ein Brief ist, hat es in eine Briefsammlung Aufnahme finden können.
Der Verfasser hat also eine Mischung zweier verschiedener
literarischer £i§7], des oüiißoüX£üTix6c Xo-^o^ und der sTZiGioXri vorge-
nommen. Solches Verfahren ist nicht singulär. Die Ekphrasis im
Brief, die Ekphrasis als Predigt ^), früh der Bios in Dialog- ^), spät
in Briefform liegen vor ; bemerkenswert äußert sich über die letzte
1) ^g^- jetzt P. Friedläßder, lohannes v. Gaza u. Paulus Silentiarius S. 69 f.
— Predigt: Asterios, vgl. bei Strzygowski. Orient oder Rom S. 120 f.
2) Satyros Pap. Oxyr. IX 124 flf. ; vgl. Leo, Nachr. Gott. Ges. 1912, 273;
B. Keil, Hermes 1913 XL VIII 136,1. Die poetischen Mischformen lasse ich hier
bei Seite.
^ Bruno Keil,
Art der Einkleidung Gregor von Nyssa im Eingang des Bios seiner
Schwester Marina: zb [isv sISo? toö ßtßXioo, ooov Iv tip t^c ^po-
Ypa^*^? Tu:r({), IicioioXy] elvat Soxei, tö 8s 7rX^^0(; üTiep töv l;rtaToXi{j.aiov
*^pov lauv el(; ouYYpacpi%7]v [jLaxpYjYopLav ;üapaT£iyö[L£vov ^). Diese Grattungs-
mischung erklärt nun gewisse Eigenschaften des Schriftstückes,
die sich mit den technischen Vorschriften weder für den Brief
noch für die symbuleutische Rede vertragen. Seine Länge wider-
streitet den eben angeführten Worten Gregors so gut wie der
Regel des Demetrios tz. ip^. 228 : tö Ss \l^'^b^o^ aovsoxaX^ü) f^c ^^t-
OToX^C woTCsp %al T-^? X^^ecoc; die Schuld trägt der XöYOt;. Derselbe
hat auch das persönliche r^^oi;, das der Brief zeigen soll, zurücktreten
lassen, dagegen das gnomische Element, das Demetrios dem Brief fern
gehalten wissen will (§ 232), zugelassen. Von hieraus erklärt sich
endlich das Fehlen all der subjektiven Charakteristika eines Briefes
am Eingange oder am Schluß (s. o. S. 24); der Xöyoc überwiegt. Die
Rücksicht auf die Erfordernisse des Briefstils andererseits hat von
einer eigentlichen :rpöO-£oi<; für das ganze Schreiben (s. o. S. 36)
absehen lassen; damit wäre von vornherein sein Brief charakter auf-
gehoben gewesen. Unter der gleichen Rücksicht litt ferner die Kraft
der Sprache des Xöyoc, umgekehrt wieder hat dieser dem Briefe die
)^dpt{; abstreifen lassen, so daß von beiden Eigenschaften der £p[i7]-
veta, die der Brief haben solP), dem ^ap^sv und toyvöv, nur das
letztere übrig geblieben ist. So gewandt immerhin der Verfasser
in sachlicher Hinsicht das Schema des aD[j.i3ooXsoTixö(; mit dem Briefe
vereinigte, der Ausgleich zwischen den Stilerfordernissen der beiden
eiSt] ist ihm nicht gelungen ; er opferte lebendige Eigenschaften
beider. Die Einheitlichkeit eines unplastischen Grau trat an die
Stelle der den beiden literarischen Gattungen eignenden besonderen
Stilfärbungen.
Der Verfasser war augenscheinlich im Besitze der vollen rhe-
torischen Ausbildung, zu der auch die Beherrschung des Briefstils
gehörte; ein großer Meister der Redekunst war er aber keines-
falls. Ob er nun die Regeln für diesen Stil nur mehr äußerlich be-
herrschte oder ob seine Beanlagung nach der anderen Seite ging,
jedenfalls hat er es nicht verstanden, seinem Schreiben den Cha-
rakter des Briefes so aufzuprägen, daß man es als solchen ohne
weiteres erkennt. Im Gegenteil, unbefangenes Urteil kann es zu-
nächst nur als einen Xöyo? nach allen Regeln der Kunst hinnehmen.
Balken und Füllung des ganzen Aufbaues drängen sich so stark
1) Migne XLVI 960; 8. bei Strzygowski, Kleinasien u. s. w. S. 86.
2) Demetr. § 235 ; vgl. Greg. Naz. bei Ilercber, Epistologr. p. 15.
Ein AOrOS SYSTATIKOS. 41
der Auffassung ein, daß die blasse Tünche des Stils kaum wahr-
genommen wird. So ist das Schreiben, wie es überhaupt keine
Musterleistung darstellt, im Grunde keine ItulotoXt] aoata-uixT] ge-
worden ^). Allein interessant bleibt es doch: denn so haben wir
ein literarisches siSoc erhalten, für das in dem Fächerwerk der
traditionellen Griiederung der rhetorischen Prosaliteratur kein Platz
vorgesehen war: dieser Brief ist, wie ich in der Überschrift es
angedeutet habe, in Wahrheit ein Xo^o^ ooaraTiTtd^.
1) Man muß auch die Geschmacklosigkeit der Schlußworte unterstreichen:
efpTjTat, cpaalv ol [jr^xope;, o )' Ijxo; Xo'yo;, xpt'vot; 6' av auxo; xd S^ovxa. Um den für
einen Brief ungehörigen Schluß zu rechtfertigen, wird die Entschuldigung ©aalv
ol ^T^x. hinzugefügt; aber diese Wendung ist hier unpassend, weil sie einen xo'tto;
der Gerichtsrede bildet, also gegen den Stil des aujxßouXeuxixds verstößt.
Straßburg i. E. Bruno Keil.
Das Bistum Catania und die sizilischen Hohenstaufen.
Von
Hans Niese.
Vorgelegt in der Sitzung am 8. Februar 1913 von K. Brandi.
Im folgenden soll der Versuch gemacht werden, die Geschichte
einer einzelnen Eeichskirche unter den sizilischen Königen schwä-
bischer Dynastie im Zusammenhang mit der Geschichte des Reiches
gewissermaßen als ein durchlaufendes Beispiel für die Regierungs-
weise dieser Könige zu behandeln. Daß ich gerade die bischöfliche
Kirche der h. Agatha zu Catania herausgegriffen habe, ist zwar
zu einem guten Teil durch die besonders günstige Lage der
äußeren Überlieferung bestimmt, entbehrt aber doch nicht der
inneren Berechtigung. Denn einmal besaß das Bistum eine Aus-
stattung, die über das sonst im Königreich übliche Maß hinausging,
andererseits sind seine Schicksale durch die Person eines sehr be-
kannten Bischofs, des Kanzlers Walther von Pagliara, mit der
allgemeinen Reichspolitik enger verknüpft und beanspruchen auch
unter diesem Gesichtspunkt Beachtung. Überhaupt zwingt schon
die Natur des erhaltenen Materiales das Gewicht des Interesses in
die Zeit Friedrichs 11. Und hier setzt ein wirkliches Verstehen-
wollen dieser regionalen Vorgänge voraus, daß man den Blick
auch auf andere Kirchen richte. Denn ob das, was dem Bistum
Catania durch Friedrich widerfuhr, für dessen Kirchenpolitik
typisch ist oder nicht, inwieweit da prinzipielle Regeln befolgt
wurden, inwieweit und warum sich etwa Verschiedenheiten geltend
machten, sind Fragen, die sich von selbst aufdrängen und durch
den Vergleich mit den Schicksalen anderer Kirchen sehr wohl be-
antwortet werden können.
Unsere Überlieferung ist für Catania, wie schon bemerkt, be-
sonders günstig. Die Privilegien der Kirche, die in den Werken
das Bistum Catania und die sizilischen Hohenstaufen. 43
von Bonadies ^), De Grrossis ^) ,Amico ^) und Pirro *) vorliegen, sind
zwar nicht besonders zahlreich und Privaturkunden sind aus Ca-
tania nur wenige erhalten, aber das Capitelarchiv des Domes
birgt eine unveröffentlichte Quelle von höchstem Wert, wie wir
eine ähnliche meines Wissens für keine Kirche des Königreichs
besitzen. Zuerst wurde ich durch Zitate bei de Grossist) und
Amico ^) auf Aufzeichnungen aufmerksam, welche Nachrichten über
Ereignisse in Catania zur Zeit Heinrichs VI. und aus dem Jahre
1201 enthalten sollten. Dann verzeichnete Winkelmann '^) „Zeugenver-
höre von 1266 und 1267'^ im Capitelarchiv, die auch für mich im
übrigen maßgebenden Berichte von P. Kehr ^) ergaben keinen bestimm-
teren Anhalt. Gelegentlich meiner Arbeiten in Catania fand ich zwei
ungewöhnlich lange Rollen (nicht Hefte) Zeugenverhöre im Capitel-
archiv ^). Mit der von de Grossis und Amico benutzten Quelle sind sie
indessen nicht identisch ^®). Die Zeugen, deren Aussagen die Rollen
enthalten, wurden in einem Prozeß vorgeführt, den die Kirche Catania
vordem Cardinallegaten Radulf anstrengte, um von Karl I. als Rechts-
nachfolger der Hohenstaufen die Zurückstellung gewisser Besitz-
stücke zu erlangen. Die Vernehmung fand im April 1267 vor
Bischof Matthaeus von Syrakus statt, den Radulf unter dem 20.
Februar 1267 delegiert hatte ^^). Die Rollen sind notarielle Ko-
pieen ^^) aus den Akten Radulfs und waren von diesem besiegelt ^^).
Mancherlei Irrtümer in der Namengebung erklären sich aus diesem
nichtoriginalen Charakter der Aufzeichnung. Die eine der Rollen
enthält die Aussagen über den Besitz von Burg und Orts bezirk
1) Collectanea nonnuUorum privilegiorum spectantium ad ecclesiam Catanen-
sem. Catanae 1682.
2) Catana sacra. Catania 1654.
3) Catana illustrata. 1741.
4) Sicüia sacra.
5) 130.
6) II 65.
7) Neues Archiv III 642.
8) Göttinger Nachrichten 1898, 307.
9) Das von Kehr genannte ;,Registrum 1370—1391" enthält zwar das gleich
zu erwähnende Urteil des Legaten Radulf, nicht aber die Zeugenaussagen.
10) De Grossis berichtet von Kämpfen innerhalb der Bürgerschaft, die wahr-
scheinlich 1195 fallen und durch die Vermittelung des Grafen Albert von Spon-
heim beigelegt wurden, und von einem Aufstand, der zu 1201 angesetzt wird.
Er will ein „instrumentum pacis" gesehen haben. Die Protokolle erzählen nur
Ton einem Aufstand und haben andere Details als de Grossis.
11) Die Delegationsurkunde ist in beiden Rollen eingerückt.
12) Notar Nicolaus von Anagni.
13) Die Siegel fehlen heute.
44 Hans Niese,
(terra) Calatabiano, die andere die Aussagen über den Besitz der
Criminaljurisdiktion^) in der Stadt Catania und den Orten (terrae)
Aci, Mascali und S. Anastasia^). Die Erinnerung der Zeugen
reicht bis in die Zeit Heinrich VI. (1197) zurück und verfolgt die
Schicksale der eingeklagten Berechtigungen bis in die Zeit Karls 1.
Die Fülle der zufällig beigebrachten Einzelzüge macht diese Pro-
tokolle zu einer allgemein wertvollen Quelle. Durch die Länge
der besprochenen Zeit stehen sie einzig da : Wir besitzen für keine
andere Kirche Angaben über die Geschichte ihrer wichtigsten
weltlichen Gerechtsame für einen so ausgedehnten Zeitraum, denn
die am ehesten vergleichbaren Akten des Prozesses des Bischofs
Arduin von Cefalü umfassen nur wenige Jahre.
Die scheinbar reine „Aktenmäßigkeit" der Quelle darf die
Kritik nicht zum Schweigen bringen. Freilich die selbst beob-
achteten äußeren Vorfälle sind, wie bei jeder Zeugenaussage,
verhältnismäßig gut gesichert. Aber über die Ursachen der Er-
eignisse und über die Motive der handelnden Personen bringen die
Zeugen manches vor, was sich als Klatsch oder unbegründete
Kombination herausstellt, wenn es auch einen an sich interessanten
Einblick in die öffentliche Meinung der Zeit gewährt. Rechtsver-
hältnisse werden von den meist rechtsunkundigen Zeugen vielfach
fehlerhaft oder doch ungenau wiedergegeben. Sehr häufig ist die
Erinnerung einzelner Zeugen unvollständig und muß durch die
bessere anderer ergänzt werden.
Das Bistum Catania nahm verfassungsgeschichtlich eine be-
sondere Stellung ein. Die Ausstattung der neu errichteten sizili-
schen Bistümer war nämlich im allgemeinen nach einem fest-
stehenden Prinzip geregelt ; sie erhielten den aus dem fränkischen
Staatsrecht entlehnten Kirchenzehnt und ein oder mehrere casalia,
d. h. Großgrundherrschaften außerhalb der Städte mit vorwiegend
sarazenischer Kolonenbevölkerung. Es fehlte ihnen also die Herr-
schaft in der Bischofsstadt selbst, die innerhalb des fränkisch-
italienischen Reiches eine so häufige Erscheinung war.
Von dieser Norm ging Graf Roger I. zuerst bei der Aus-
stattung Catanias ab. Schon dem Zeitgenossen Malaterra fiel es
auf, daß dem Kloster Catania, das 1091 gegründet und im folgen-
1) cognito causarum crimindlium, imperium mistum et menini.
2) Das Urteil des Legaten, das der Klage der Kirclie in vollem Umfange
stattgab, wurde am 10. September 12G7 beurkundet. Das Urteil Pirro 535, de
Grossis 1G7. Die Execution durch Karl I. ib, 167.
das Bistum Catania und die sizilischen Hohenstaufen. 45
den Jahre zum Biscliofssitz erhoben wnrde^), die ganze Stadt Ca^
tania verliehen wurde ^). In der Tat gewährte die Urkunde des
Grroßgrafen vom 9. Dezember 1091 totam civitatem Catanensium cum
pertinentiis suis et cum haereditatibus suis, quas ipsa civitas tunc
temporis hdbebat vel olim Imbuerat secundum suam ndbilitatem et in
terra et in mari et in sylvis et in montibus et in planis locis et in
aquis dulcihus et in lacis, videlicet ut dbhas et monachi haberent civi-
tatem cum Omnibus pertinentiis, sicut Saraceni eandem. civitatem tene-
bant. Von besonderer Bedeutung für die Zukunft war ein Nach-
satz: Insuper concessi abbati et successoribus eins omnia illa iudicia
terrena in tota terra monasterii et in portibus et in litoribus maris^).
Der Bischof erhielt also nicht nur die Stadt Catania mit nicht
näher definierten Hoheitsrechten, sondern auch die gesamte welt-
liche Gerichtsbarkeit in allen seinen Herrschaften. Der Passus
schloß den Besitz der hohen Criminalgerichtsbarkeit ein, den das
Staatsrecht der Großgrafschaft sonst dem Souverän reservierte^).
Mit dem Besitz dieses außergewöhnlichen Rechtes ist das Bistum
lange Zeit allein geblieben. Zwar entwickelte auch das Bistum
Patti eine eigentliche Stadtherrschaft über die Cathedralstadt
Patti^), aber Patti war als Stadt eine Neugründung auf dem
Boden der Kirche^) und von Ausübung der hohen Gerichtsbarkeit
durch den Bischof war nie die Rede. Der Ausstattung Catanias
näher steht die des Bistums Cefalü durch Roger 11. Dem 1132 neu
gegründeten Bistum wurde 1145 die bis dahin königliche Stadt
Cefalü^) mit der dazu gehörigen Gerichtsbarkeit geschenkt, aber
1) Erich Caspar Roger II 613 ff.
2) cit. ib. 615.
3) Pirro 522 f.
4) Niese, Gesetzgebung 104 ff. Die Sonderstellung Catanias ist bereits er-
kannt von Orlando, Feudalismo in Sicilia 175 ff.
5) Über Patti vgl. S c i a c c a Patti e l'amministrazione del comune nel medio
evo. Documenti per servire alla storia di Sicilia, Serie II vol. VI. Palermo
1907. Der Verf. irrt aber, wenn er S. 9 ff. die Stadtberrschaft des Bischofs
leugnet. Die Schenkung von 1094 umfaßt den Boden der heutigen Stadt Patti,
wie Sciacca S. 10 selbst erkennt. Aus dem S. 217 gedruckten ludikat Rogers II.
von 1133 (= Caspar n. 80) ergibt sich, daß die Stadt Patti eine von der Kirche
auf eigenem Boden neugegründete Siedelung war. Die Urkunde des Königs von
1134 Caspar n. 97 bestätigt außer den liparischen Inseln auch Pactas. Die Ho-
heitsrechte des Bischofs sind aufgezählt in den S. 226. 230 f. 238. 240 ff. 248 ge-
druckten Urkunden des 13. Jahrhunderts.
6) Vgl. Anm. 5.
7) Cefalü ist als Stadt Gründung des Königs von 1132 wie Patti Gründung
des Abt-Bischofs von Lipari-Patti. Die Bürger erhielten 1132 einen merkwürdigen
Freibrief (Caspar Regest n. 70), von dem sich ein vollständiger Text im Codex
n. 5 (saec. XIV) f. 15' des Staatsarchivs zu Palermo findet.
46 Hans Niese,
die hohe Gerichtsbarkeit behielt sich der König diesmal ausdrück-
lich vor*). Erst 1176 erhielt Catania einen gleichgestellten Ge-
nossen in dem neugegründeten Monreale, indem dessen Abt
(Erzbischof) die Befugnis erhielt, in seinen gegenwärtigen und
zukünftigen Besitzungen Justitiar zu sein^). Es darf beachtet
werden, daß hier die Formel, in der die hohe Gerichtsbarkeit ver-
liehen wurde, mit Rücksicht auf das Institut des Justiarates,
das Roger geschaffen hatte, und auf die Gesetzgebung über
dies Amt^) umgebogen erscheint. Die Lage, die durch die Ju-
stitiaratsgesetzgebung geschaffen war, muß hier kurz dargelegt
werden, denn sie ist gerade für die Beurteilung der Stellung des
Bistums Catania von Bedeutung.
Bereits im Kernland des Reiches, der alten Großgrafschaft,
war die hohe Gerichtsbarkeit ein tatsächliches Reservat des Groß-
grafen gewesen, wahrscheinlich als Folge der Landfriedensgesetz-
gebung ^). Das Prinzip ließ sich in diesem Eroberungsland ohne
Schwierigkeit durchführen und aufrechterhalten. Zu den seltenen
Ausnahmen nicht königlicher Hochgerichte gehörte eben das Ter-
ritorium des Bischofs von Catania. Als unter Roger IL das Her-
zogtum Apulien mit der Großgrafschaft vereinigt wurde, sah sich
der Herrscher einer Fülle von längst bestehenden, zum Teil in
die Zeit der fränkisch-deutschen Herrschaft hinaufreichenden Hoch-
gerichten gegenüber, die in der Hand kirchlicher und weltlicher
Großer lagen. Es war ein scharfer Schnitt, als die Gesetzgebung
zunächst alle hohe Criminalgerichtsbarkeit in den Begriff des iu-
stitiaratus goß und später — in den siebziger Jahren — dessen
Ausübung durch Ordonnanz den Justitiaren des Königs vorbehielt,
den weltlichen und geistlichen Großen im eigenen Territorium ver-
bot *). Die vollständige Durchführung dieser förmlichen Enteignung
erwies sich als unmöglich. Das Königtum half sich in den Fällen,
in denen es eine fremde Hochgerichtsbarkeit anerkennen wollte
oder mußte, mit der Formel, daß es den Justitiarat auf Lebenszeit
oder unter Ausdehnung auf die Rechtsnachfolger übertrug ^). Der
Hochgerichtsherr wurde damit fiktiv königlicher Beamter. Keine
1) Caspar ih 194.
2) Documenti per servire alla storia di Sicilia 1. Serie vol. XVIII n. 73.
3) Niese, Gesetzgebung 170 f.
4) Niese a.a.O. 16. 23. 107 ff.
5) ib. 170 ff.
6) Documenti 1. Serie vol. XVIII n. 73 (1176). Scheffer-Boichorst, Zur Go-
«chichte des 12. und 13. Jabrimnderts 249 (1197). Guillaume, L'abbaye de Cave
app. n. XLI (1209). Huillard, Hist. Dipl. 1799 (1219). ib. II 359 (1223).
das Bistum Catania und die sizilischen Hohenstaufen. 47
Anwendung konnte das Gesetz auf diejenigen finden, die durch
ausdrückliche königliche Verleihung das Hochgericht erhalten
hatten. Zwar sah die Regierung auch in diesen Fällen etwas
anormales, wich aber vor rechtsgültigen königlichen Privilegien
zurück^). So hat denn Catania — neben Monreale — die hohe
Gerichtsbarkeit weiter ausgeübt, sogar, wie sich zeigen wird, unter
dem Regiment Friedrichs II., das gerade an diesem Punkt die
ganze Schärfe seiner durchdachten Auffassung der Kronrechte ein-
setzte^).
Wie das hohe Gericht im Territorium des Bistums geübt
wurde, berichten die Zeugenaussagen für die Zeit seit 1197 mit
vielen Einzelbelegen. Räumlich erstreckte sich das Territorium
auf die Stadt Catania und den Ortsbezirk Aci — letzteres gehörte
schon zu den Schenkungen des Jahres 1091 — ferner auf die Orts-
bezirke S. Anastasia^) und Mascali^). Der Bischof übte die Gerichts-
barkeit nicht persönlich, sondern durch einen beamteten Justitiar^),
1) Bezeichnend die Urkunde Heinrich VI. vom 22. April 1197 für Monreale.
Scheffer-Boiehorst a.a.O. 249: Die kaiserlichen Justitiare hatten auf das Gebiet
des Erzhischofs übergegriifen ; Heinrich befiehlt das abzustellen, nachdem er sich
aus dem Privileg Wilhelms II. überzeugt hat, daß dem Erzbistum die iusticiaria
verliehen sei.
2) Niese a.a.O. 173 3). Quellen und Forschungen 1X225.
3) Das Urteil Radulfs restituiert die Criminalgerichtsbarkeit in Catania, Aci,
S. Anastasia und Mascali. Die Aussagen der einen Rolle betonen, daß die ver-
schiedenen Justitiare die Criminaljurisdiktion in den genannten Ortschaften aus-
geübt hätten. S. Anastasia zuerst genannt in Urkunde Alexanders III. 1168.
Pirro 530.
4) Geschenkt 1124 Caspar n. 44.
5) Die Zeugen nennen folgende Justitiare: Unter Bischof Roger (1195—1207)
dessen Bruder Philipp us Orbus; unter Walther von Pagliara Bartholo-
maeus de Anicito, nach dessen Tod (1228/1231) blieb er Justitiar unter dem
Erwählten Heinrich, er starb, noch ehe der Erwählte Heinrich durch die Curie
entfernt wurde: Quo mortuo et amoto ab ejßiscöpatus administratione memorato
Menrico per ecclesiam Bomanam, also vor Ende 1232 ; unter den Prokuratoren
des Stiftes war Maccharonus, cognatus des (königlichen) Justitiars Arturius
Kirchenjustitiar bis April 1233 ; damals cessit, quia captus ftiit a diclo imperatore
propter suspicionem proditionis, que facta fuerat in Messana (der Aufstand in
Messina fällt 1232, die Bestrafung in persönlicher Anwesenheit Friedrichs April
1233, vgl. Winkelmann, Jahrbücher Friedrichs II. Bd. II 402. 413); an seine Stelle
trat Wilhelm von Tropea, der wohl identisch ist mit Wilhelm Ruffo,
dem Bruder des Peter Ruffo, unter Conrad IV. als Stratigot von Messina und
Vertreter seines Bruders, des Statthalters, nachweisbar; er wurde zu einer uns
unbekannten Zeit, jedoch vor 1239, Stratigot von Messina, und an seine Stelle als
Kirchenjustitiar trat Matheus Piscis. Das ist der letzte von den Zeugen er-
wähnte Justitiar: In der Tat wurde die Criminaljurisdiktion des Bistums, wie
48 Hans Niese,
wie das auch für Monreale bezeugt ist^), konnte aber gegen
dessen Urteil begnadigen. Die von den Justitiaren des Bischofs
verhängten Strafen decken sich nicht immer mit dem Strafrecht
der Constitutionen und beweisen, daß sich das Strafrecht einzelner
Herrschaftsgebiete^), obwohl die Constitutionen für das gesamte
Reichsgebiet ausnahmslos gelten sollten, zu halten vermochte. Wir
hören, daß Fälle des Hochverrates am Bischof (proditio), wie An-
schläge gegen seine Person, Versuch, seine Schlössser seinen Fein-
den auszuliefern, durch den Justitiar mit Hängen bestraft wur-
den ^). Die gleiche Strafe wurde wegen Raubmordes ^), Notzucht ^),
Totschlags ^) und gegen offenkundige Räuber ^) (publicus latro) ver-
hängt. Wegen Sodomie wurde verbrannt, wegen Diebstahls und
Raubes (furta et rapinas) geblendet^), wegen Waffentragens eine
unten nachzuweisen sein wird, zwischen 1236 und 1239 eingezogen. Belege für
die beiden letzten: Postea (nach Maccharonus) vidit dominum Guillelmum de
Trqpia creatum iustitiarum a conventu, quo GuilUlmo assumpto ad officium stra-
ticotie in Messana trat an seine Stelle MatJieus Piscis. Über Wilhelms Stratigotie
1252 vgl. Garufi Arch. stör. Messinese V 34. Für die Zeit von 1226—1246 kennen
wir nur für 1236 einen Stratigoten (Riccardus Chiriolus), es ist also Raum für
eine erste Stratigotie Wilhelms. Vgl. ib. 33 f.
1) Urkunde von 1186 Neapel Arch. di Stato, Monasteri soppressi IV n. 293:
in curia Guillelmi Montis Begalis arcMejjiscopi apud civitatem suam Bitecti pre-
sidente in ea et regente Johanne fratre et iustitiario archiepiscopi. Zur Einsetzung
eines vertretenden Justitiars bedurfte es besonderer königlicher Erlaubnis, da es den
Justitiaren verboten war, sich in der Gerichtsbarkeit vertreten zu lassen: Const. I 58.
2) Für solche lokale strafrechtliche Satzungen vgl. Niese, Gesetzgebung 30 ^).
3) Frater Nicolaus de Catania hat gehört, daß zur Zeit Bischof Rogers
(1195 — 1207), cum aliqui homines de Cathania conspirassent in episcopum et eum
interficere intendissent in die ramorum palmarum , de mandato episcopi iu-
stitiarius memoratus cepit IV homines de maioribus terra, die dann hingerichtet
werden. Weiß, daß Bartholomeus de Anicito 4 Leute von Aci aufhängen ließ,
weil sie terra und Castell dem Grafen Alamannus übergeben wollten. Vincentius
de Jacio erinnert sich, daß vor mehr als 60 Jahren Philipp der Justitiar und
Bruder Bischof Rogers eine ganze Reihe von Cataneser Bürgern wegen proditio
aufhängen ließ. B. iustitiarius fecit suspendi apud lacium quendam nomine Mar-
colphum, quia volebat prodere castrum ipsius terre coviiti Alamanno.
4) Scivit quendam civem Cathania fuisse suspensum per gulam de mandato
iusticiarii memorati wegen Raubmordes in strata publica in nemore MongibeUi.
5) Ein Mann, der auf der Straße eine Jungfrau vergewaltigt hatte, wird
gehenkt.
6) Ein gewisser Fivicanella, der einen Joculator getötet hatte, wird auf Be-
fehl des Justitiars gehenkt.
7) Marchuardus de Aprutio, einst valettus Walthers von Pagliara, hat ge-
sehen, daß auf Befehl des Justitiars Bartholomeus de Anicito ein pvhlicus latro
gehenkt wurde.
8) Der Justitiar Philipp verurteilt wegen furta et rapinas zu exoculatio.
das Bistum Catania und die sizilischen Hohenstaufen. 49
Hand abgehauen ^). Im Gegensatz zu den königliclien Justitiaren
scheint der bischöfliche Justitiar auch mit der Aburteilung ge-
ringerer Vergehen befaßt^).
Außer diesen Hoheitsrechten werden unter den Gerechtsamen
des Bischofs erwähnt die custodia portus zu Catania, die sich offen-
bar aus der Schenkung des zur Stadt gehörigen Meeres im großen
Privileg Rogers I. ergab, und ein Drittel des Zollamtes (dohanae) ^).
Es kann auffallend erscheinen, daß der Zoll dem Bischof als Stadt-
herrn nicht ganz gehörte. Vermutlich ist das aber so zu erklären,
daß zur Zeit der Schenkung Rogers ein Hafenzoll noch nicht be-
stand, und dann auf Grand des allgemeinen königlichen Zollregales
ein königliches Zollamt nachträglich errichtet wurde, von dem
dann der Bischof einen Anteil erhielt. Denn die Einrichtung
königlicher Regalbetriebe innerhalb nichtköniglicher Herrschafts-
gebiete kommt auch sonst vor*). Ein stadtherrliches Ca stell,
um das sich der bekannte Konflikt Friedrichs II. mit Bischof Har-
duin von Cefalü zuerst entzündete^), scheint in Catania nicht be-
standen zu haben ^). Wohl aber waren die Orte Aci und S. Ana-
stasia mit Burgen versehen '). Wenn man daz-u die ungemein
günstige geographische Lage des Territoriums in Betracht zieht,
die ihnen eine hohe strategische Bedeutung verlieh, ferner an die
Fruchtbarkeit gerade Ostsiziliens und an den schon damals nicht
unbedeutenden Handel Catanias^) denkt, so wird man das Bistum
vielleicht als die am reichsten ausgestattete Herrschaft der Insel
überhaupt bezeichnen dürfen. Catania war derjenige Ort Siziliens,
den später der Hof Friedrichs II. am längsten aufgesucht hat.
1) Der Kirchenjustitiar Wilhelm von Tropea läßt einem Bürger von Catania
die Hand abhauen pro eo, quod portaverit contra proJiibitionem cultellum ad latus.
Die damals bereits gültige Const. 1 10 setzte auf Überschreiten des Waifenverbotes
nur Geldstrafe.
2) Einer, der agnum furtive suhtraxit, wurde auf Befehl des Justitiars aus-
gepeitscht und ihm dabei das Lamm um den Hals gehängt. Jemand, der einen
toten Hund in einen Brunnen warf, erhielt auf Befehl des Justitiars die Prügel-
strafe.
3) Werden 1267 ebenfalls restituiert.
4) In Patti war die Färberei bis 1207 königlich. Vgl. Sciacca in Do-
cumenti 2. serie vol. 6 S. 21, wo aber eine unrichtige Erklärung dafür gegeben ist^
5) Mitteilungen des Österreich. Institutes. Ergänzungsband 1299.
6) Friedrich II. baute dort später ein königliches Castell.
7) Einer der Zeugen berichtet, daß Friedrich bei der (angeblichen) Ein-
ziehung des Kirchenbesitzes die castra lacii et Sancte Anastasie schleifen ließ.
8) Schaube, Handelsgeschichte 473 f.
Kgl. Ges. d. Wiss, Nachrichten. Phil-hist. Klasse. 1913. Heft 1. 4
50 Hans Niese,
Die lange Dauer des kaiserlichen Hof lagers begreift sicli vielleicht
aus geographischen Gesichtspunkten, ertragen werden konnten sie
nur von einem sehr reichen Territorium, denn zum wenigsten ein
Teil der Kosten des Hofhaltes fiel dem Gastgeber zur Last^).
II.
Als sich die Feldhauptleute Heinrichs VI. im Herbst 1194 der
Ostküste Siziliens bemächtigt hatten, verschwand der bisherige
Bischof von Catania, Leo von Ravenna, der bis zuletzt Widerstand
geleistet hatte ^). An seine Stelle trat ein Catanese, Roger Or-
bus^). Am 23. April 1195 erhielt er eine in allgemeinen Wen-
dungen gehaltene kaiserliche Bestätigung des Besitzstandes seines
Bistums*). Intervenient des Diplomes war einer der am meisten
genannten deutschen Magnaten aus der Umgebung des Kaisers,
Graf Albert von Sponheim. Nähere Beziehungen des deutschen
Grafen zum Bistum lassen sich in der Tat auch anderweitig er-
kennen. Bischof Roger vermochte ebensowenig wie später sein
Nachfolger Walther in ein gutes Verhältnis zur Bürgerschaft
der Hauptstadt zu kommen. Wie die 1168 von Bischof Johann
gewährten Zugeständnisse^) erkennen lassen, wurde die bischöf-
liche Stadtherrschaft keineswegs milde geübt und zur Ausbildung
von allerhand Finanzrechten benutzt, die den Bürgern ungerecht-
fertigt erscheinen mochten. Als es in dieser Zeit zu Streitig-
keiten innerhalb der Bürgerschaft kam, scheint der Bischof der Lage
allein nicht gewachsen gewesen zu sein. Er bediente sich zur
Herstellung des Friedens der Hülfe des Grafen Albert^). Obwohl
also Bischof Roger durch die deutsche Herrschaft eingesetzt und
unterstützt worden war, nahm er an der berühmten Verschwörung
des Jahres 1197 gegen Heinrich teil. Catania war geradezu der
Mittelpunkt für die Unternehmungen der Rebellen^). Damals
wurde die Stadt von den Kaiserlichen genommen, der Bischof und
sein Bruder, der Kirchenjustitiar Philipp, gefangen. Wir wissen
1) Der König besaß das Recht auf corredum. Vgl. Niese, Gesetzgebung 110.
2) Vgl. Toeche, Heinrich VI, 338 f. 453 fif. 582 ff. Toeche nennt den Bischof
S. 352 unrichtig Johann. Vgl. Pirro 531 f.
3) Als civis Catanensis bezeichnet ihn seine Grabschrift De Grossis 130.
Sein Familienname ergibt sich daraus, daß die Protokolle von 1267 den Justitiar
Philii)pus Orbus als Bruder Bischof Rogers einführen.
4) Stumpf 5924.
5) De Grossis 88 f.
6) ib. 130.
7) Toeche 582 ff. J. Caro, Beziehungen Heinrichs VI. zur römischen Curie
(Rostocker Diss. 1902) S. 55 ff.
das Bistum Catania und die sizilischen Hohenstaufen. 51
nicht, welche Strafe den Prälaten traf; Philipp wurde, wie wir
aus den Zeugenaussagen hören, geblendet^). Es ist bezeichnend
für die dunkle Geschichte dieser Verschwörung — die Kaiserin
selbst soll die Hand im Spiele gehabt haben — , daß nach des
Kaisers Tod der von diesem bestrafte Justitiar Philipp sein Amt
zurückerhalten konnte. Bischof Roger finden wir seit 1200 bis zu
seinem Tod (1207) als Familiären an der Regierung für den min-
derjährigen Friedrich II. beteiligt^). Er ist politisch wenig her-
vorgetreten und hatte 1201 einen gefährlichen Aufstand der Bürger-
schaft niederzukämpfen, der ihm beinahe das Leben gekostet hätte,
aber durch die Energie seines geblendeten Bruders, des Justitiars,
unterdrückt wurde. "Wie gefährdet die Lage des Bischofs aber
immer noch war, läßt sich daraus erkennen, daß Roger dem Haupt-
rädelsführer das Leben schenken mußte ^).
III.
Mit dem Episcopat des Kanzlers Walther von Pagliara*)
gewinnt die Geschichte des Bistums an allgemeinem Interesse.
"Walther erhielt das Bistum, als die Zeit der Mündigkeit des
Königs (26. Dezember 1208) nicht mehr weit entfernt war. Aus
den Jahren 1208 und 1209 wissen wir wenig von ihm. Es ist aber
aus der Datumzeile der Königsurkunden zu schließen, daß er den
Hof begleitete, der im Juni und Juli 1209 auch Catania besuchte.
1) Zur Zeit Bischof Rogers übte dessen Bruder den Justitiarat, anteqiiam
fuisset exeecatus ab imperatore Henrico et etiam postg[uam fuit cecus.
2) Er gehörte nicht zu den von Constanze testamentarisch eingesetzten Fa-
miliären, sondern begegnet als solcher seit 1200. Lejeune, Walther von Palearia
57. 64. Für 1205 : Urkunde des Bischofs für S. Maria Licodia, Catania Archivio
provinciale, Fundatione del monastero di S. Leone f. 46. Als Familiären bezeichnet
ihn noch seine Grabschrift, De Grossis 130.
3) Für diese Vorgänge gibt es zwei Quellen, nämlich die Protokolle, die eine
Jahresangabe nicht bieten, und die Notiz bei De Grossis 130, wonach 1201 ein
Anschlag gegen das Leben des Bischofs geplant worden sei. Während andere
Teilnehmer bestraft wurden, habe der Bischof gerade dem Anführer, Rogerius de
Marotta, das Leben geschenkt. Die Stelle der Protokolle von 1267 lautet: Frater
Nicolaus prior Cathaniensis hat gehört, daß zur Zeit Bischof Rogers, cum dliqui
homines de Cathania conspirassent in episcopum Mogerium et eum interßcere in-
tendissent in die ramorum pdlmarum, qiiando episcopus venturus erat processiona-
liter in ecciesiam S. Marie de Elemosina et episcopus id presen[sisset ],
episcopus reddiens ad episcopatum cum clero et populo eiusdem terre clausis ianuis
ecclesie supradicte de mandato episcopi iustitiarius memoratus cepit quattuor lio-
mines de maioribus terre, die dann vom Justitiar hingerichtet werden.
4) Ich habe mich im folgenden der Dissertation von Lejeune, Walther
von Palearia, Bonn 1906, vielfach mit Nutzen bedient.
4*
52 Hans Niese,
Dennoch war sein einst beherrschender Einfluß schon damals im
Sinken. Das ergibt sich daraus, daß nunmehr, zuerst März 1209,
ein erklärter Feind des Kanzlers, Paganus de Parisio, Grraf
von Avellino und Butera, im Collegium der Familiären nachweisbar
ist ^). Seit 1195 Graf von Butera, saß er dem Bistum bedenklich
nahe, weil er auch die Herrschaft Paterno besaß ^). Seine Gregner-
schaft gegen den Kanzler ging so weit, daß er und sein Bruder
Walther de Parisio, damals Herr des unfern von Catania gelegenen
Calatabiano, der Kirche und den Bürgern von Catania einen
Sicherheitseid geleistet hatten und trotzdem die Fehde, der jener
Eid offenbar ein Ende hatte machen sollen, fortsetzten^). Über
die Ursachen des Zwistes fehlt es an unmittelbaren Nachrichten,
man kann nur seine Spur mehrere Jahre zurück verfolgen. Zunächst
muß man erwägen, daß die beiden Brüder schon durch ihre Ab-
stammung beachtenswerte Persönlichkeiten waren. Ihr Vater,
Bartholomaeus de Parisio, war unter Wilhem I. und II. wiederholt
hervorgetreten und galt namentlich als sehr einflußreich in der
Stadt Messina ^). Sein Reichtum war so bedeutend, daß er von
der Krone die Demanialherrschaft Calatabiano ankaufen konnte,
mit der er seinen jüngeren Sohn Walther ausstattete ^). Der ältere,
Pagan, gelangte, wie es scheint, erst durch Heinrich VI. in den
Besitz der Grafschaften Alife und Butera ^). Es ist nun zunächst
zu beachten, daß sich im Januar 1201 die Grafschaft Butera nicht
mehr im Besitz Pagans findet, sondern in der Hand des Berard
1) Als Familiär 1209 März und August K. J. n. 600. Winkelmann Acta I
n. 102.
2) Seit 1194 Graf von Avellino: Mongitore Monumenta Sanctissimae Trinitatis
11; seit 1195 auch von Butera: Toeche 335, Gregorio Considerazioni II 155 ; Pa-
lermo Bibl. Comunale H 10 f. 81 (1195), H 12 f. 96 (1195), f. 100 (1208), Winkel-
mann Acta I n. 102 (1200). Wenn einige nichtoriginale Urkunden Alifie statt
Avellini und Avelline haben, so scheint das ein Versehen, da gleichzeitig,
1195 — 1197, als Graf von Alife Johannes de Rupecanina nachweisbar ist (Neapel
Societä di storia patria, S. Maria di Grotta, Busta I n. 21, 25, 26, 29, 31, 37—
39). Als Herr von Paterno erscheint Pagan 1208 Palermo Bibl. comunale H 12
f. 100.
3) Wir verdanken diese Nachricht der Urkunde Constanzes und Heinrichs
(VII) für Catania von 1213, R. J. 3838, Huillard I 253.
4) Falcandus ed. Siragusa p. 86. 105. 132. 142. Garufi Catalogo del tabu-
lario di S. Maria Nuova p. 163.
5) Das berichten die Protokolle von 1267: Nicolaus de Missitono: se vidisse
comüem JBartholomeum et filiutn eius eomitem Gualterium teuere castrum Calata-
hiani, quod emerat pater suus a rege Guillelmo pro centum milibus tarenorum.
6) Vgl. oben Anm. 2.
das Bistum Catania und die sizilischen Hohenstaufen. 53
von Ocre, eines Abruzzesen und also Landsmannes des Kanzlers^)»
im Juni des gleichen Jahres schenkten ferner die Familiären —
formell der König — die Herrschaft Calatabiano einem aus ihrer
Mitte, dem Erzbischof Berard von Messina ^). Man kann aus
diesem Tatbestand nur schließen, daß die beiden de Parisio es
mit den Familiären verdorben hatten und ihrer Besitzungen
beraubt worden waren. Da Pagan noch im Dezember 1200 als
Graf von Butera erwähnt wird^), muß sein Sturz und die Ein-
ziehung seiner Grüter in den letzten Monat des Jahres 1200
fallen. Man wird den Eindruck aussprechen dürfen, daß dies
Ereignis irgendwie mit dem damals erfolgten Ausgleich zwischen
Mark ward und den Bäten zusammenhängt, etwa so, daß Mark-
ward den Pagan preisgab, der wohl zu seinen Anhängern ge-
hört hatte ^). Im Januar 1208 war dann Pagan — wir wissen
nicht, infolge welcher Ereignisse^) — wieder im Besitz seiner
beiden Grrafschaften ^), und sein Bruder "Walther wird gleichzeitig
Calatabiano zurückerhalten haben ^). Die Aufnahme eines Mannes,
an dessen Sturz der Kanzler ohne Frage einst wesentlich Anteil
genommen hatte, in den königlichen Bat kann nur als ein Zeichen
erheblicher Abschwächung des Einflusses gedeutet werden, den
Walther von Pagliara bisher geübt hatte. Es ist von einem ge-
wissen Interesse, zu erfahren, daß sich der Sturz des Kanz-
lers fast unmittelbar seit dem Ablauf der Minder-
jährigkeit Friedrichs IL vorbereitete. Andere, später
gegen den Kanzler wirkende Umstände, wie die Bevokationen von
1209 und der offenbar recht starke Einfluß der Königin Con-
stanze, fanden also seine Stellung bereits erschüttert.
Dennoch erlebte Walther zunächst noch einen vorübergehenden
Erfolg. Die de Parisio hatten die Fehde gegen den Bischof wieder-
1) Catania Arch. provinciale, Fundatione del monastero di S. Leone f. 27
1200, Januar, ind. IV, Nos Berardus de Orca comitatus Butere dominus.
2) Documenti etc. 1. serie vol. I n. 43. Vgl. Lejeune 64.
3) Winkelmann, Acta I n. 82.
4) Wenigstens war Armaleo Monaldeschi, der Schwiegersohn seines Bruders,
ein Anhänger Markwards. Winkelmann, Otto IV. Nachträge zu I 356. R. J. 556
Lejeune 87.
5) Man könnte daran denken, daß das eine Folge der illegitimen Macht
Capparones war.
6) Palermo Bibl. com. H 12 f. 100.
7) Protokolle von 1267 : Nicolaus de Missitono : se vidisse comitem Bartholo-
meuni et filium eins comitem Gualterium tenere casirum Calatdbiani , postea
"cidit comitem Armaleonem tenere. Dazu unten S. 58.
54' Hans Niese,
um eröffnet, als der nunmelir vermählte König') mit seiner Gre-
mahlin im Oktober 1209 Ostsizilien besuchte und meist in Catania
Hof hielt. Schon diese allererste Periode der selbständigen Re-
gierung Friedrichs II. ist durch die Wiederaufnahme gesetzgeberi-
scher Gedanken des normannischen Hauses gekennzeichnet, und
das erste, was die neue Regierung unternahm, war die Herstellung
des Landfriedens, dessen unnachsichtliche Durchführung das
ältere Reich bei den Nachbarn berühmt gemacht hatte ^). Es war
eine bemerkenswerte Erhebung über persönliche Rücksichten, daß
der König in diesem Bestreben auch gegenüber seinem eigenen
Rat und mächtigen Vasallen Pagan de Parisio nicht Halt machte :
Er gebot den Brüdern Friede in ihrer Fehde mit dem Bischof.
Aber hier kam für Friedrich zum ersten Mal zum Ausdruck, daß
die Barone — wie ihre Väter und Großväter — das schwerste
Hindernis für die Durchführung der königlichen Verordnungen
waren. Pagan und Walther kamen dem Friedgebot des Königs
nicht nach, rüsteten sich zu bewaffnetem Widerstand und machten
sich damit des Vergehens des Hochverrates schuldig. Der König
hat gleich hier — obwohl seine militärische Kraft geschwächt
war^), — fest zugegriffen und, wie bald darauf gegen den auf-
sässigen Grafen Alfons de Roto, einen vollständigen Erfolg erzielt.
Walther, der Herr von Calatabiano, starb, ehe man seiner habhaft
werden konnte, Pagan wurde gefangen und verschwindet für uns,
sämtliche Besitzungen der beiden wurden konfisziert. Aus den
Gütern gewährte der König dem Dom zu Catania zum Ersatz des
Schadens, den ihr die Fehde gebracht hatte, sogleich die Herr-
schaft Calatabiano^).
1) Ende August 1209 ; vgl. Hampe, Historische Vierteljahrsschrift IV 161 flf.
2) Schon vor der Hochzeit, ib. 172 aus einem Schreiben des Königs vom
August 1209: Nam cum in potentatu magno equitaverimus per Siciliam, fiUos
quosdam reprehensionis, qui oderant pacem, ita nostra fortitudinis fecit for-
mido pacificos, quod in omni devocione iugum nostri susceperunt dominii et se
nostre subiecerunt Immiliter potestati. Unde nunc tota terra pacificata
letatur et exultat populus in hahundancia pacis securus.
3) Infolge der unter den Aragonesischen Hüfskontingenten ausgebrochenen
Seuche. a.a.O. 169.
4) Über alles dies die Urkunde der Constanze von 1213, Huillard 1253.
Besser als der Text bei Huülard ist der bei de Grossis 132. Es heißt dort, daß
der König in Catania von den Raubzügen der Brüder gegen das Bistum hörte,
dann fährt der Text fort : Interim autem comite Gualtherio suhlato de medio, cum
ex mentis perfidia comitis Pagani venerit, ut dominus et vir noster ipsum tanquam
perßdum proditorem capi fecerit ex eo, quod .vc maiestati suae opposuit et contra
personam regiam arma sumere non expavit, universa bona sua . . . publicari man-
das Bistum Catania und die sizilischen Hohenstaufen. 55
Jedoch nur für kurze Zeit. Kurz darauf, Ende 1209, fanden
Revokationen statt ^), zu deren Wirkungen wahrscheinlich auch der
Verlust Calatabianos für das Bistum gehörte. Schon von anderer
Seite ist bemerkt worden, daß mit diesen Revokationen
augenscheinlich die Entfernung des Kanzlers vom Hofe
im Februar 1210 in Zusammenhang steht^). Getroffen
wurden ja in erster Linie die Akte der vormundschaftlichen Re-
gierung, in der der Einfluß des Kanzlers vorgewaltet hatte, und
daß er und seine Amtsgenossen mit den königlichen Rechten und
Gütern unverantwortlich geschaltet hatten, ist in Anbetracht der
gleichzeitigen Vorwürfe Innocenz' III. nicht zu bezweifeln; elf
Jahre später, , als Walther einen zweiten, tieferen Sturz erlebte,
wiederholte sich die gleiche Situation^).
In diese Zeit der Machtlosigkeit Bischof Walthers dürfte ein
merkwürdiger Handstreich der Genuesen gegen den Bestand
seines Territoriums fallen. Damals besaß Genua nicht nur durch
die Überlegenheit seiner Elotte die Vorherrschaft in den sizilischen
Gewässern, sondern war auch fraglos der stärkste Machtfaktor
innerhalb des Königreichs selbst. Die Festsetzung der Genuesen
im Süden geht auf die Zeit Heinrichs VI. zurück, dem sie das
Königreich hatten erobern helfen. Denn obwohl das Verhältnis
zwischen dem Kaiser und der Stadt zuletzt gespannt war, so blieb
doch das Amt des Admirals der sizilischen Flotte und die Graf-
davit et ea stätuit perpetualiter confiscari. Quia igitur dicti comes Paganus et
GualÜierius nominatae Gataniensi ecclesiae afflictiones et damna multa intulerant,
nullam aut erga regiam maiestatem aut iuramentum, quod praestiteranty
reverentiam exhihentes .... Daß es sich bei dem bewaffneten Widerstand des
Pagan nicht um eine Rebellion aus irgend welchen anderen Motiven, sondern um
Ungehorsam gegen ein Friedgebot des Königs handelt, beweist der Nachsatz :
nullam . . . erga regiam maiestatem . . . reverentiam exhihentes.
1) Rice. Sangerm. ed. Gaudenzi S. 75. Lejeune 138 spricht geradezu von
einem damals erlassenen Revokationsedikt. Wie mich Herr Baethgeu-Heidel-
berg aufmerksam macht, läßt sich der Erlaß eines Ediktes aus dem Text bei
Richard nicht beweisen; Friedrich sagt nur, daß ihm die Empörung des Alfons
Gelegenheit gegeben habe, einen großen Teil des Deraaniums wieder einzu-
ziehen. Der Revokationsge danke war also jedenfalls schon gefaßt.
2) Lejeune 141 f.
3) Wenn 1209 ,Graf Alfons de Roto von den Revokationen betroffen
wurde, so hatte gerade er Walther nahe gestanden und war Familiär gewesen.
Vgl. Winkelmann, Otto 56 2). 722-) Lejeune 126^). — Die enge Verbindung,
welche R. J. 14 647 a und 48 zwischen den Empörungen des Pagan und des Alfons
hergestellt wird, scheint mir nicht so sicher. Pagan widersetzte sich dem Fried-
gebot, Alfons rebellierte aus anderen Gründen.
56 Hans Niese,
Schaft Malta im Besitz eines Genuesen, des Wilhelm Grrassus^).
Nur diese Beherrschung Maltas ermöglichte den Genuesen 1204 die
berühmte Festsetzung in Syrakus unter Alamannus de Costa, der
dann den Titel eines Grafen von Syrakus führte und von der
sizilischen Regierung anerkannt wurde ''^). Die Genuesen haben
später gemeint, daß ihre in Sizilien lebenden Landsleute dem König
treu gedient, aber wenig Dank geemtet hätten. Es liegt etwas
richtiges darin ; die Krone hat sich aufs kräftigste auf die Genuesen
stützen können und ich möchte fast meinen, daß nicht nur die
Erfolge gegen Otto IV., sondern auch die Erfolge im Inneren des
Königreiches zu einem guten Teil auf Rechnung dieses Bündnisses
zu setzen sind. Als Ende 1209 Graf Alfons de Roto rebellierte,
muß sich diese Sachlage klar herausgestellt haben. Denn wenn
damals der Graf unter anderem das Amt eines Admirals für sich
verlangte^), so konnte er mit Sicherheit darauf rechnen, daß er
die Genuesen zu Gegnern haben würde. Im Vertrauen auf ihre
Machtstellung und ihre Unentbehrlichkeit werden sie dann das
Territorium des vom Hofe entfernten Kanzlers, der sie doch noch
1207 mit den Waffen gegen die Pisaner entscheidend unterstützt
hatte ^), angegriffen haben. Zu nicht näher bekannter Zeit be-
setzten sie einen wichtigen Punkt an der sizilischen Ostküste,
nämlich das heute Isola de'Ciclopi, damals Insula Sancti Salva-
toris genannte Felsenriff dicht vor Aci Castello. Von hier aus
mochten sie die Fahrten der Pisaner in diesen Gegenden über-
wachen wollen. Von hier aus machte Alamannus auch einen
Versuch auf Aci selbst, der ihm allerdings mißlang, obwohl er
sich mit einigen Bewohnern des Ortes in Verbindung gesetzt
hatte ^). Es war einer der Übergriffe, die 1221 zum Fall der
1) Er ist noch unmittelbar vor dem Tod des Kaisers Admiral und Graf von
Malta. N. Arch. 24, 156.
2) Schaube, Handelsgeschichte 478 ff. Wilhelm Grassus scheint vor 1203
gestorben zu sein, da damals ein normannischer Baron, Wilhelm Malconvenant,
Admiral war (Palermo Bibl. comunale H 12 f. 73). Die Grafschaft Malta erbte
des Grassus Schwiegersohn, der Genuese Heinrich Piscator. Ein Admiral ist dann
wieder März 1208 in der Person eines Wilhelm (Malconvenant oder Porcus?)
nachweisbar (Cod. Caiet. II n. 373), 1215 erscheint Wilhelm Porcus (Palermo
Bibl. com. E 142, nicht foliiert).
3) Vgl. Lejeune 138 f.
4) Schaube 482.
5) Zeugenprotokolle von 1267: Frater Nicolaus prior Cathaniensis weiß, daß
der Justitiar Walthers, Bartholomeus de Anicito, vier Leute von Aci aufhängen
ließ, weil sie Terra und Castell dem Grafen Alamannus übergeben wollten. Vincen-
tius de Jacio : itistiiiarius fecit susjpendi apud lacium quendam nomine Marcölphum,
das Bistum Catania und die sizilischen Hohenstaufen. 57
genuesischen Vormacht in Sizilien und zur Absetzung des Grafen
Alamannus geführt haben.
Das Verhältnis des Bischofs von Catania zum Hofe scheint
sich wieder gebessert zu haben, als Friedrich nach Deutschland
ging. Wahrscheinlich wollte der König den durch seine persön-
lichen Verbindungen noch immer mächtigen Mann nicht als Feind
zurücklassen- Irgend einen Einfluß auf die Regierung hat er kaum
mehr geübt ^). Er betätigte sich als Bischof von Catania und da
gelang ihm noch eine Erwerbung für seine Kirche : Jene Herrschaft
Calatabiano, die er 1209 vorübergehend schon besessen hatte, war
von der Krone nicht behalten worden. Es hatte sich nämlich ein
Schwiegersohn des verstorbenen Walther de Parisio mit Erban-
sprüchen gemeldet, Graf Armaleo Monaldeschi. Er war
einer von den adeligen Abenteurern aus Eeichsitalien, die die
deutsche Herrschaft nach dem Süden verschlagen hatte, stammte
aus der Linie des Hauses Monaldeschi, die in der Gegend von
Foligno gesessen war und die kaiserliche Sache wiederholt unter-
stützt hatte ^), gedachte sich im Süden wohl vor allem finanziell
zu rangieren, und hat das auch schließlich erreicht. Er und sein
Bruder Verleonus waren im Jahre 1200 an den sizilischen Ereig-
nissen tätig beteiligt und zwar auf Seiten Markwards ^). Er hei-
quia volehat prodere castrum ipsius terre comiti Älamanno. Ein anderer : Der
Justitiar hat einige homines lacii aufiiängen lassen pi'opter proditionem, quam in-
iendehant committere de tradendo castrum lacii in manus lanuensium, qui erant
in insula s. Salvatoris pro parte comitis Alamanni. Für die Insula Sancti Sal-
vatoris kommt nur die Isola de'Ciclopi in Betracht, weil es keine andere Insel in
der Nähe gibt.
1) Ich muß Lejeune widersprechen, wenn er 146 sagt, Friedrich habe der
Constanze den Bischof als Ratgeber zur Seite gesetzt. Wir haben dafür keinen
Beleg. Titel und Einkünfte eines Kanzlers sind Walther formell nie entzogen
worden, sein Sturz im Februar 1210 beraubte ihn vor allem seiner Stellung als
Familiär und der tatsächlichen Geschäftsleitung in der Kanzlei.
2) Das Buch von Ceccarelli Dell' historia di casa Monaldesca (Ascoli
1580) enthält über diese Linie des Hauses nichts. Über Armaleo : R. J. 556.
12290. Einer der Brüder des Armaleo schloß sich 1211 an Otto IV. an: R. J.
450. 454. 1013.
3) Dezember 1200 bestätigt Friedrich II. den Söhnen des Grafen Rainald de
Monaldo, Armaleus und Verleonus, eine Burg bei Foligno propter servitia, que
vos comes Armaleo (et) Verleonus frater tuus maiestati nostre exihuistis. R. J.
556 = Ficker Forschungen IV n. 206. Ich möchte die Tatsache, daß hier der
König von Sizilien einen Ort im Herzogtum Spoleto verleiht, nicht mit Ficker auf
den Bruch des Kanzlers Walther mit dem Papst, sondern mit Lejeune 87 darauf
zurückführen, daß das Diplom im Namen Markwards ausgestellt ist. Es trägt die
Datierungsformel des Kanzlers nicht.
58 Hans Niese,
ratete die Tochter Walthers de Parisio, die die Herrschaft Cala-
tabiano als Mitgift erhielt und sie ihrem Manne letztwillig schenkte ^).
Die Rechtslage ist nicht ganz klar, jedenfalls standen sich der
Anspruch der Krone aus der Einziehung der Güter Walthers und
der des Armaleo als Erben der Tochter gegenüber. Der Ausgleich
trat in der Form ein, daß Armaleo die Herrschaft, welche seines
Schwiegervaters Eigengut gewesen war, zu Lehen erhielt^). Er
wurde aber seines Besitzes nicht recht froh und war in seiner
Armut genötigt, seine Untertanen — ganz gegen das Gresetz —
mit Steuern zu drücken^). Da hat er denn sein Lehen für die
Summe von 15 000 Tari an das Bistum verkauft, hat an der Marine
von Calatabiano seine Fahrhabe auf eine Graleere geladen und ist
in seine Heimat zurückgekehrt *). Der Bischof hat die Kauf summe
durch eine Steuer von den Untertanen seines bisherigen Territoriums
aufgebracht ^). Die beim Erwerb eines Kronlehens notwendige Zu-
stimmung des Souveräns wurde durch die Regentin Constanze im
März 1213 in liebenswürdiger Form erteilt^). Es ist übrigens zu
bemerken, daß Calatabiano ohne die hohe Grerichtsbarkeit, die den
königlichen Justitiaren wie bisher verblieb, in den Besitz des Bis-
tums überging '). Die Einwohner leisteten dem neuen Herrn den
üblichen Untertaneneid ^).
1) Protokolle von 1267: Vincentius de lathio vidit, quod comes Armaleo
hdbuit in uxorem fiUam comitis Gualterii de Parisio filii comitis Bartholomei de
Parisio et ipsum comitem habuisse in dotem castruni Calatdbiani, quod erat ho-
num matrimoniale comitis Gualterii, cuius filia in ultimis suis feeit donationem de
ipso Castro Armaleoni viro suo.
2) Urkunde der Constanze von 1213 De Grossis 132: Licet castrum ipsum
comes Armaleo de regia concessione teneret et vellet vendere aliis, per quos
servitia nostra impediri possent ....
3) Protokolle von 1267: Peregrinus de Dyana: comes Armaleo pro nimia
paupertate, qua laborahat, affligehat populum ipsius terre collectis.
4) Die Kaufsumme wird von einem der Zeugen auf 15000, von einem anderen
auf 13 000 Tarene angegeben. Den Ausschlag gibt die Urkunde der Constanze
De Grossis 132. Einer der Zeugen von 1267 sagt, daß comes Aimaleo intendehat
in patriam suam redire. Darauf bot ihm Bischof Walther an, er wolle Calata-
biano kaufen. Der Graf übergibt das Schloß, post paucos dies oneravit galeam in
maritima ipsius terre de rebus suis et recessit de Sicilia.
5) Johannes Balcanus vidit, quod pecunia, quae danda erat in pretio ipsius
castri fuit collecta per terras ecclesie Cathaniensis, scilicet S. Anastasia, Jathio et
Mascalis, ita quod vidit patrem suum solventem portionem suam, in ipsa collecta.
Das war gesetzlich erlaubt, denn die Steuer diente den Zwecken eines augmentum
feudi. Vgl. Niese, Gesetzgebung 109 ^.
6) R. J. 3838. De Grossis 131 f.
7) In dem Prozeß vor dem Legaten wurde die Zurückstellung der hohen
Gerichtsbarkeit nur für Catania, Aci, S. Anastasia und Mascali verlangt.
8) Dominus Constantinus de Fimi hat gesehen, daß die homines von Cala-
das Bistum Catania und die sizilischen Hohenstaufen. 59
Einige Nachrichten haben wir ans dieser Zeit über die Ver-
waltung des bischöflichen Territoriums. Das Amt des Kirchen-
justitiars wurde damals von Bartholomaeus de Anicito bekleidet.
Daneben errichtete Walther für die finanzielle Zentral Verwaltung
des Qesamtterritoriums das Amt eines magister procurator
und übertrug es einem Neffen, Oderisius de Achano^). Castellan
von Calatabiano wurde Jonathas de Aprutio^), auch er ein Lands-
mann des Bischofs. In der neu erworbenen Herrschaft wurden
landwirtschaftliche Eigenbetriebe errichtet').
IV.
Von Bischof Walther hört man zwischen den Jahren 1213
und 1220 nur sehr wenig. Als Friedrich sich dem Königreich
wieder näherte und die bekannten Reformen sich vorbereiteten,
erschien Walther am Hofe, ohne vor anderen Prälaten hervorzutreten
und ohne etwa den Titel eines Familiären zu führen^). Kaum
war der Kaiser im Frühjahr 1221 nach Sizilien hinübergegangen,
als Walther den seltsamen Auftrag erhielt, zusammen mit dem
Admiral Grafen Heinrich von Malta ^) die sizilische Flotte zum
Entsatz nach Damiette zu führen^). Es ist bekannt, daß er nach
dem Scheitern des Unternehmens es nicht gewagt hat, das König-
reich wieder zu betreten, während Grraf Heinrich, sein gleich ver-
antwortlicher Kollege, ruhig zurückgekehrt, Amt und Lehen behielt ').
tabiano den Bischof als ihren Herrn aufgenommen und ihm tamquam vassalU ge-
schworen haben.
1) Der gleiche Zeuge, damals Knappe des Bischofs, nennt Jonathas de A-
prutio als Castellan von Calatabiano, Oderisius als magister procurator ipsius
castri Calatabiani, Mascalarum, Jathii, S. Änastasie et Cathanie. Ein anderer
Zeuge, Constantinus Grecus, nennt den Oderisius de Achano nepos Walthers.
2) Vgl. Anm. 8.
3) Episcopus in Calatabiano faciehat fieri massarias et cannamelUtum.
4) Lejeune 154.
5) Der bisherige Admiral, Wilhelm Porcus, verlor anläßlich des allgemeinen
Umschwungs von 1220/21 sein Amt: Winkelmann, Jahrbücher I 142. Es ist
immerhin bezeichnend, daß trotz der Ungnade, die damals fast alle Genuesen im
Königreich traf, das Flottenkommando doch wieder an einen Genuesen gegeben
wurde.
6) Winkelmann a. a. 0. 151.
7) über Heinrich a. a. 0. 159. Dort die Ansicht, daß auch Heinrich wegen
des Verlustes von Damiette eine Bestrafung erlitten habe, indem ihm der Kaiser
seine Lehen entzogen habe. Scheinbar wird das durch eine Stelle Richards von
S. Germano gedeckt. In der Tat hat die jüngere Redaktion: ei dictus comes
60 Hans Niese,
Diese auffallende Tatsache bedarf der Erklärung und weist zugleich
auf tiefer liegende Zusammenhänge, die in den Quellen nicht un-
mittelbar zum Ausdruck kommen. Wenn der Bischof angeblich
dem Lande fernblieb, weil er den Zorn des Kaisers fürchtete, so
geschah das durchaus nicht freiwillig, sondern Andeutungen in
einem späteren Brief Honorius' III. ergeben, daß Friedrich den
Bischof zwar ohne förmliches Gerichtsverfahren aber ausdrücklich
des Landes verwiesen hatte ^). Und zwar rechtfertigte der Kaiser
sein Vorgehen mit der verschwenderischen Amtsführung Walthers
während der Regentschaft, nicht etwa mit Fehlern, die der Bischof
während des Feldzuges begangen hätte. Mit Recht hat man darum
die Entsendung Walthers nach Damiette als einen Vorwand be-
trachtet, um ihn aus dem Bereich des Königreichs zu entfernen.
Auch die abweichende Behandlung Heinrichs von Malta spricht
dafür. Dagegen ist es nicht ohne weiteres klar, warum sich
Friedrich des Kanzlers zu entledigen suchte. Man könnte daran
denken, daß sich die Regierung noch nicht stark genug fühlte, um
einen Prozeß gegen Walther offen anzustrengen und daß man
deshalb es vorzog, den Abwesenden zu verbannen. Indessen
wird man dieser Erwägung mit der Frage begegnen, ob wirklich
gerade die Bestrafung allein ein so dringendes politisches Bedürf-
nis war, um einen höchst auffallenden Schritt zu rechtfertigen.
Da kommen die Zeugenprotokolle von 1267 zur Hilfe. Zwar
werden sich ihre Aussagen über die Politik Friedrichs im ganzen
hier als ein bloßes Grerede herausstellen, aber einzelne tatsächliche
redit in regnum, qui ah imperatore captus est et terranif quam tenebat, ammisit
(Gaudenzi p. 104). Anders die ältere Redaktion: Uenricus de Malta in Si-
ciliam redit, qui non sine causa postniodum ab imperatore captus est et terratn
ammisit. Mit dem postmodum weist der Chronist deutlich genug auf die vorüber-
gehende Einziehung der Grafschaft im Jahre 1223 hin, die von den Genueser
Jahrbüchern berichtet, von ihm selbst ausgelassen wird. Die Einziehung von
1223 hatte einen ganz anderen Grund, auch wurde sie bald rückgängig gemacht
mit Ausnahme des Gas teils von Malta, das der Kaiser behielt (Mon. Germ. SS.
XVIll, 153: set demum, nulla restitutione facta de Castro Malte, in
8ua gratia reconciliavit. Dazu R. J. n. 1496 a.). Heinrich hat noch 1232 gelebt,
weil er damals, nach dem Tode Berards von Messina, die Herrschaft Calatabiano
erhielt. Wenn 1230 Malta in Kronverwaltung ist, so war Heinrich gestorben,
denn im gleichen Jahre war das Admiralsarat mit Nicolaus Spinola besetzt (R. J.
2490) und Nicolosus, Heinrichs Sohn, konnte nicht erben, weil er auf Seite Genuas
stand (SS. XVUI, 209), das 1238 mit Friedrich gebrochen hatte. Erst 1258 wurde
er restituiert : Liber iurium Jan. 1, 1293.
1) Mon. Germ. Epp. sei. I n. 296.
das Bistum Catania und die sizilischen Hohenstaufen. 61
Angaben bieten einen Anhalt zur Lösung der Frage. Einer der
Zeugen spricht sicli sebeinbar sebr bestimmt und vertrauenswürdig
aus : Die Bürger von Catania bätten sieb mit Waltber scblecbt
gestanden und deshalb dem Kaiser eine Geldsumme geschickt, da-
mit er den Bischof von der Stadtberrschaft in Catania entferne.
So habe denn Friedrich den Bischof unter dem Verwände des Kreuz-
zuges nach Damiette geschickt. Von da sei dieser nicht zurück-
gekehrt, habe an der Curie gelebt, aber durch seine Beamten die
Einkünfte aus dem Territorium erhalten^). Die Aussage liefert
uns zwar die interessante Tatsache, daß die Stadt Catania damals
den Versuch machte, sich in die Stellung einer unmittelbaren, einer
Demanialstadt, einzukaufen, eine Nachricht, die durch spätere
Vorgänge bestätigt wird, aber als ganzes betrachtet ist sie
durchaus widerspruchsvoll. Denn selbst angenommen, die Re-
gierung wäre auf das Ansinnen der Stadt eingegangen, so ließ
sich der Zweck doch nicht durch einfache Entsendung auf den
Feldzug erreichen, und nach den Aussagen des Zeugen selbst blieb
ja der Bischof Landesherr. Noch merkwürdigere Dinge weiß der
Mönch Simon von Paterno. Er stellt den Besitz der Herrschaft
von Calatabiano in den Mittelpunkt der Frage. In der Zeit, als
der Bischof abwesend war, sei Erzbischof Berard von Messina des
Kaisers Rat gewesen. Der Kaiser habe mit der Nichte des Erz-
bischofs, Manna, ein Liebesverhältnis gehabt, und um dem Erz-
bischof und seiner Nichte eine Gunst zu erweisen, habe er Cala-
tabiano an sich gezogen und an Berard gegeben^). Der Zeuge
1) Leonus de Ärchono dixit se scire, quando liomines Catlianie male se ge-
rentes cum domino G. Cathaniensi episcopo miserunt domino imperatori quandam
quantitatem pecunie, ut amoveret episcopum G. a dominio terre Cathanie et sie
dominus Imperator sub pretextu succursus Terre Sande misit eum cum galeis ultra
mare in suhsidium Christianorum, qui tenebant Damiatam, ubi cum appUcuisset,
invenit terram deperditam, ttnde rediens ivit ad ecclesiam Momanam, ubi morabatur
et percipiebat proventus ecclesie Cathaniensis et terrarum subiectarum ei et etiam
provenius Calatdbiani per manus procuratorum ipsius, qui procurabant dictam
terram, mortuo vero memorato G. episcopo Cathaniensi Borne F. imp)erator revo-
cävit dictas terras ad se et expoliavit ecclesiam possessione Calatabiani et faciebat
suo nomine procurari.
2) Frater Symon de Paternione: Episcopo in remotis agente archiepiscopus
Berardus Messanensis, qui tunc temporis erat familiaris domini imperatoris et
habebat quandam neptem suam nomine Mannam in camera ipsius, quam ipse im-
peratoi' valde diligebat, favore et convenientia utnusque dictus imperator expulit
dictum Ofderisium de Ächano) [den Beamten Bischof Waltbers] de predicta terra
Calatabiani et sie B. archiepiscopus occupavit dictam terram Calatabiani et temiit
eam sibi, quo B. mortuo imperator terram Calatdbiani et Catjj^aniensem ecclesiam
cum suo districtu revocavit ad manus suas.
62 Hans Niese,
sagt nicht, daß der Kaiser durch diese persönlichen Beziehungen
und Eücksichten zur zunächst vorläufigen, dann dauernden Ent-
fernung des Kanzlers bewogen wurde. Der Verdacht indessen, daß
dem so gewesen sei, läßt sich nun nicht mit der einfachen Behauptung
abschütteln, daß Derartiges dem Kaiser nicht zuzutrauen sei. Zu-
nächst ist Berard zur Zeit der Minderjährigkeit, dann 1212, 1213,
1218, 1220, 1225 und später öfters als Familiär nachweisbar^).
Wir finden [ihn 1219 beim Kaiser in Deutschland''^), und es ist
sehr wohl möglich, ja wahrscheinlich, daß er zu denjenigen gehörte,
die die Maßregeln der Jahre 1220 und 1221 vorbereiten halfen.
Aber der Übergang Calatabianos in seine Hand erklärt sich anders
als aus der Liebschaft des Kaisers mit Manna : Der Erzbischof hatte
ja die Herrschaft schon einmal, zwischen 1201 und 1208, besessen
und nun wählte sie der Kaiser, um seinen Ratgeber auf Lebenszeit
damit zu belohnen^). Es ist also nicht der Einfluß einer kaiser-
lichen Greliebten gewesen, der den Kanzler außer Landes trieb.
Festzuhalten ist aber zunächst an der Einziehung Cala-
tabianos nach der Abreise Walthers, und zwar wird
dieser Vorgang von zwei Zeugen, die besonders ausführliche sach-
liche Einzelangaben machen, und von denen der eine damals Knappe
im Dienste Walthers war, in das Frühjahr 1221 gesetzt, als der
Kaiser in Catania Hof hielt *). Andere Zeugen sprechen nun sogar
von einer Einziehung des gesamten Besitzes der Kirche zu Catania
und setzen sie bald in die Zeit der ägyptischen Flottenexpedition,
bald nach dem Tode Walthers, bald in die Zeit der zweiten Ban-
nung Friedrichs^). Vielleicht hätte also der Kaiser den Bischof
1) Lejeune 64. 102. Documenti etc. I n. 45. 46. 52. 58. Cusa I 341.
2) R. J. n. 1060.
3) Die Zeugen sagen, daß nach dem Tode Berards die Herrschaft an andere
kam. Es handelt sich also nicht um eine Verleihung an die Kirche.
4) Dominus Constantinus de Fimi. Seine Mutter hat ihn im Alter von 14
Jahren als vallectus bei Walther von Pagliara in Dienst gegeben. Dücit, quod in
adventu Fnderici imperatoris in Sicilia dictus episcopus de mandato dicti impera-
toris ivä in Damiatam cum galerio et tunc ipse imperator eunie dicto episcopo
ultra mare äbstulit ipsum castrum Calaidbiani et amovit inde Odorisium.
6) Einer der Zeugen sagt aus, daß Friedrich gelegentlich der Abwesenheit
Walthers in Damiette Cathanam et alias terras sibi suhiectas revocavit — Leonus
de Archono: mortuo G. episcopo - . . imperator revocavit dictas terras ad se et
expoliavit ecclesiam possessione Calatabiani (vgl. S. 61 ^)). — Urso Canella spricht
zunächst nur von der Revokation der Criminaljurisdiktion, dann aber doch auch
der redditus et proventus ecclesie. Ein anderer spricht von Einziehung der dicta
iura et omnia alia hona sua. Die Einziehung der Criminaljurisdiktion setzt ein
dritter in die Zeit postquam (imperator) cepit escandcscere contra Eomanam ecclesiam.
das Bistum Catania und die sizilischen Hohenstaufen. 63
entfernt, um sich in dessen Abwesenheit — ohne den Schatten
eines Eechtes — in den Besitz des ganzen, reichen Kirchenterri-
toriums zu setzen: In Wahrheit hat eine vollständige Ein-
ziehung, wie andere Nachrichten auf das bestimmteste ergeben,
weder damals noch später stattgefunden, und die Erinnerung der
Zeugen ist in diesen Punkten ungenau. Es handelt sich also 1221
nur um die Einziehung von Calatabiano. Und sie war berechtigt.
Denn im Dezember 1220 war das Eevokationsgesetz erlassen
worden ^), und die Erwerbung Calatabianos gründete sich auf eine
königliche Konzession von 1213, fiel also unter das Gesetz. Man
wird demnach schließen können, daß die Entfernung Walthers
nach Damiette sich daraus erklärt, daß von ihm
Widerstand gegen die Durchführung des Revokations-
gesetzes zu erwarten war, Widerstand aus doppeltem Grunde:
einmal weil sich das Gesetz gegen eigene frühere Verfügungen Walthers
richtete, zweitens weil Erwerbungen seines eigenen Bistums von
dem Gesetz bedroht waren. Es kann wohl keinem Zweifel unter-
liegen, daß eine dauernde Ausweisung von vornherein beab-
sichtigt war. Die Entsendung nach Damiette hatte nur den Zweck,
die Aufregung zu vermeiden, die diese Maßregel erregt hätte,
wenn sie den Kanzler im Königreich getroffen hätte.
Walther hörte damit keineswegs auf, Herr der weltlichen Be-
sitzungen seines Bistums zu sein. Wie dem später ebenfalls ohne
Urteil verwiesenen Bischof Harduin von Cefalü hat die Regierung
auch Walther, der zunächst nach Venedig gegangen war, dann
aber in Rom lebte und dort auch starb, den Bezug der Einkünfte
seines Territoriums nicht verwehrt^). Die Procuratoren, die die
Verwaltung an Stelle des Bischofs besorgten, waren von ihm selbst
ernannt ^). Wenn Walther, wie eine kuriale Quelle behauptet, im
Elend starb*), so hatte er das selbst verschuldet: seit 1221 finden
wir ihn in den Händen römischer Wucherer^). Sein Tod fällt
nach dem 5. Februar 1228 und vor Ende 1231 ß).
1) Richard v. Germano ed. Gaudenzi S, 102 § XV.
2) Vgl. S. 61^). — Über Harduin: Mitteilungen des Institutes Supplement
I 306.
3) per manus procuratorum ipsius. Oben 61^).
4) Lejeune 159.
5) Pressutti 3467. — Catania Capitelarchiv n. 13 Original vom 5. Februar
1228 Zahlung an löhannes de Maiheo Bomano creditor domini cancellarii.
6) Den Terminus post quem ergibt die in Anm. 5 zitierte Urkunde. Da sein
Nachfolger Heinrich noch mit dem sizilischen Großjustitiar Adenulf de Aquino zu
tun hatte, dieser aber Ende 1231 dem Richard de Montenigrb Platz machte, ist
damit der terminus ante quem gegeben.
ß4 Hans Niese,
V.
Es ist nun für die Beurteilung der damaligen Kirchenpolitik
Friedrichs ü. nicht unwesentlich, daß keineswegs, wie spätere päpst-
liche Vorwürfe nahe legen könnten, der Kaiser den Versuch machte,
das Bistum unbesetzt zu halten, um es für die Krone zu verwalten,
sondern sich bemühte, einen zuverlässigen Anhänger hineinzubringen.
Seine Wahl fiel auf einen Deutschen, den Ostfranken Heinrich
MönchvonBilversheim, aus ritterlichem und wahrscheinlich reichs-
ministerialem Geschlecht, das mit mehreren hervorragenden Persön-
lichkeiten der deutschen Reichsverwaltung verwandt war. Heinrich
war damals wahrscheinlich Domherr zu Bamberg, dürfte bereits in der
sizilischen Kanzlei gedient haben und also mit den Verhältnissen des
Landes nicht unvertraut gewesen sein^). Schon 1231 als Erwählter
von Catania erwähnt, muß er bereits im Laufe des nächsten Jahres
dem Widerspruch der Curie gewichen sein, um fortan als Familiär,
dann als Protonotar, endlich als Probst von Aachen und Bischof
von Bamberg seinem kaiserlichen Herrn zu dienen. Denn als
Friedrich im April 1233 auf die Insel kam, wurde das Stift bereits
durch die für den Fall der Vakanz in den Constitutionen vorge-
sehenen Prokuratoren verwaltet^). Die Vakanz wuchs sich zu
1) Über ihn und seine Familie namentlich: Krenzer, Heinrich I. von Bil-
versheim Bischof von Bamberg. Programm Bamberg 1907. AI ding er, Die
Neubesetzung der deutschen Bistümer unter Innocenz IV. S.S. Bossert, Würt-
tembergische Vierteljahrshefte für Landesgeschichte VI 142 ff. Blind ib. XII 46.
Sein Bruder war Konrad Mönch kaiserlicher Vogt von Wimpfen, Konrad von
Schmiedelfeld sein consanguineus. — Die Zeugenprotokolle nennen ihn Henricus
de Palimberga, was für Pabinberga (Bamberg) verlesen ist. Schwerlich
wußte man in Catania, daß Heinrich 1242 Bischof von Bamberg wurde, man wird
ihn so genannt haben, weil er bereits als er nach Catania kam, unter diesem
Namen ging. Denn daß in dem Palimberga Ballenberg bei Mosbach zu suchen
sei, glaube ich nicht, weil sich Heinrich einmal in eigener Urkunde nach Bilvers-
heim nennt.
2) In der S. 47 Anm. 5 zitierten Zeugenaussage heißt es von dem Justitiar
Bartholomaeus : tempore magistri Henrici Tlieotonici, qui se in ecclesia Cathaniensi
pro electo gerebat .... Dann weiter : Quo mortuo et amoto ab episcopatus ad-
ministratione memorato Henrico per ecclesiam Bonianam .... Daraus ergibt sich
das Ende von Heinrichs Verwaltung, vgl. dazu die Zeitansätze p. 8 Anm. 5, auf
etwa Ende 1232. Noch im Mai 1232 wird er R. J. n. 1986 als Elekt erwähnt.
Daß er vor Ende 1231 bereits Elekt war, ergibt sein unten zu berichtender Zu-
sammenstoß mit Adenulf von Aquino. — Als Protonotar: R. J. n. 3241. Daß
läßt schon vermuten, daß er der Kanzlei bereits angehört hatte. Nun findet sich
1223 ein Notar Heinrich in der sizilischen Kanzlei, und da der Name Heinrich
im Süden selten ist, möchte ich ihn mit dem unseren identifizieren. R. J. n. 1499.
Derj Notar Heinrich war auch Prokurator des Kaisers im Prozeß gegen Ilar-
duin von Cefalü MIÖG Suppl. I 304.
das Bistum Catania und die sizilischen Hohenstaufen. 65
einer dauernden aus. Der 1256 erwähnte, vom Papst ernannte
Bischof Oddo Caputius hat sein Bistum schwerlich je betreten^).
Auch dessen Nachfolger, Angelus, lebte 1262 an der Curie ^). Er
hat dann zur Zeit der angiovinischen Eroberung Besitz ergreifen
können.
Was wurde nun aus dem Kirchengut von Catania? Das
1221 eingezogene Calatabiano blieb nur kurze Zeit in der Hand
der Krone, die es, wie e,s scheint, durch einen Neffen Walthers,
den Grafen Berard von Manopello, königlichen Castellan von Ta-
ormina, verwalten ließ ^). Dann wurde es, wie erwähnt, auf Lebens-
zeit an den Familiären Erzbischof Berard von Messina gegeben*)
und nach dessen Tod (1232) an einen der bedeutendsten Finanz-
beamten des Kaisers, den Sekreten Johannes de Romania
aus Scala bei Ravello, dessen Amtsführung in die Jahre 1229 — 1239
fällt ^). Schon ehe dessen Amt 1239 zu Ende war, ging die Herr-
schaft an den Admiral Grafen Heinrich von Malta über, der
spätestens 1239 gestorben ist ^). Da derartige Ausstattungen über-
haupt nicht erblich verliehen wurden und außerdem Heinrichs
Sohn Nicolosus seine sizilischen Besitzungen verlor, weil er nach
dem Bruche Genuas mit Friedrich (1238) auf der Seite seiner
Vaterstadt verharrte^), wurde Calatabiano wiederum frei und nun-
mehr an einen vornehmen Messineser Bürger von offenbar toska-
nischer Abstammung, Octavian de Camullia^), gegeben. Er
1) Epp. sei. III 386 Anm. 1.
2) ib. 561 ').
3) So dürfte eine Aussage im Protokoll von 1267 zu deuten sein: Presbyter
Caruheni audivit, quod com es Berardus nepos domini G. Cathaniensis episcopi
tenehat terram Cdlatcibiani, q^iiia ipse comes erat tunc castellanus Taurömenii.
Über die Grafen von Manopello Lejeune37. Berard fiel 1232 in Syrien, Winkel-
mann I 396.
4) Vgl. S. 61 2).
5) Johannes de Romania begegnet zuerst 1229 als Sekret: Quellen und
Forschungen 12, 242 f. Weitere Belege : R. J. 1827. Huillard V 446. For-
schungen zur deutschen Geschichte XII 563. Matthaeus de Romania, ebenfalls
Sekret, war wohl ein Bruder des Johannes (R. J. 1479). Dessen Sohn Bartholo-
maeus bezeichnet sich in Urkunde von 1259 als habitator Scale (Original im Museo
Campano zu Capua).
6) Oben S. 59 Anm. 7. Die Zeugenprotokolle, welche sämtliche Inhaber
von Calatabiano aufzählen, nennen ihn Henrictts ammiraius.
7) Oben S. 59').
8) Die Zeugenprotokolle nennen ihn dominus Ottavianus de Camüla. Mes-
sina besaß ein reiches Patriziat, welches Ritterdienste leistete: Jamsilla Muratori
VIII 552 f. Über die Familie hat Gallo Annali di Messina II 2, 7, 84, 104 aller-
hand Unverbürgtes.
Kgl. Ges. d. Wiss. Nachrichten. Phil.-hist. Klasse. 1913. Heft 1. 5
ßß Hans Niese,
erscheint cim Dezember 1239 als Besitzer ^) und wird 1246 als tot
erwähnt'-'). Wir hören dann, daß Conrad IV. die Herrschaft
an den bekannten Johannes Morus^) verlieh, und daß sie nach
dessen Tod (Ende 1254) durch Manfred bezeichnender Weise an
einen Lombarden, einen sonst nicht weiter bekannten Heinrich
von Monte marzino, kam*). So ist also Calatabiano zur nicht
erblichen Belohnung von Beamten oder Anhängern benutzt worden.
Möglicherweise hat Friedrich 1221 außer der Herrschaft Cala-
tabiano auch das dem Bischof gehörige Drittel des Zolles zu Ca-
tania und die custodia portus revociert, Dinge, die gleichfalls 1267
zurückgegeben wurden. Denn gerade die Hafenbewachung in der
Hand von Feudataren zu belassen, war, wie die Erfahrung zeigte,
gefährlich^). Vielleicht vermochte sich das Bistum gelegentlich
der nach 1220 vorgenommenen allgemeinen Untersuchung nicht ge-
nügend über diese Berechtigungen auszuweisen. Wenn endlich
1239 die Castelle von Aci und S. Anastasia für die Krone ver-
waltet wurden^), so handelt es sich da nicht um Einziehung, son-
dern um Bewachung für die Krone. Denn das Befestigungsregal
war im Königreich aufs schärfste durchgebildet, und schon vorher
war es üblich, daß nicht nur Castelle, sondern alle irgendwie als
Stützpunkte verwendbaren Gebäude im Interesse der Landesver-
teidigung der Krone zur Besetzung überlassen werden mußten').
Im übrigen blieb die Kirche 1221 im Besitz ihrer we-
sentlichsten territorialen Eechte, namentlich der
Criminaljurisdiktion. Der Erwählte Heinrich setzte es
gegenüber dem Großjustitiar der Insel, Adenulf von Aquino (1228
— 1231), durch, daß dieser, als er nach Catania kam, dort nicht
judicierte, und zwar mit der Begründung, daß im Kirchenterri-
torium nur der Kirchenjustitiar Gericht halten dürfe ^). Justitiare
1) Carcani 306.
2) Palermo Arch. di stato, S. Maria di Malfino, Urkunde vom 29. September
1246 erwähnt Paula quondam Attaviani de CamulUa civis Messane.
3) Johamies Maui-us in den Protokollen.
4) Die Schreibung des Namens in den Protokollen schwankt stark : de Monte
Moncino, Montemoricino, Montemoriano. Ich denke, man wird am ehesten an
Montemarzino, Provinz Alessandria, zu denken Laben.
5) In Cefalü wäre beinahe ein mit Verrätern besetztes Schiff gelandet. Hier
gehörte die Hafen wacht dem Bischof. MIÖG Suppl. I 301.
6) Huillard V414. 721 f.
7) Vgl. MIÖG Suppl. I 309. 318. 343 (Cefalü). — Cappelletti Chiese d'Italia
XIX 779 f. (eine Kirche bei Castellamare di Stabia). — R. J. n. 1794. 3718 (das
der Cathedrale Salerno gehörige castellum Olibani).
8) Protokolle von 1267: Presbyter Guillelmus: Cum Ädenulphus de Aquino
das Bistum Catania und die sizilischen Holienstaufen. 67
der Kirche lassen sich bis nach 1233 nachweisen*). Sie wurden
zur Zeit der Vakanz, während das Bistum sonst durch Prokura-
toren verwaltet wurde, sogar vom Domkapitel ernannt^). Da trat
ein Umschwung mit der zunehmenden Spannung des Verhältnisses
zwischen Kaiser und Papst ein. Damals — nach den Protokollen
zwischen 1236 und 1239 — nahm der Kaiser zunächst die Cri-
minal Jurisdiktion an sich, die nun mit einem Male unverein-
bar mit den sonst geltenden Normen gefunden wurde ^).
Außer von der Einziehung des Justitiarates ist nun in den
Protokollen gelegentlich von der Einziehung des gesamten
Kirchenbesitzes die Eede*). Diese Behauptung kehrt in der
Eorm einer fast völligen Beraubung in den Beschwerdeartikeln
Grregors IX. wieder, die der Kaiser im Oktober 1238 zu Cremona
beantwortete^). Er gab nur zu, daß das Gesetz über die Revo-
kation der Demanialuntertanen für Catania besonders unangenehme
Folgen gehabt habe, so daß er eine Milderung habe eintreten lassen.
Daß die Behauptung des Kaisers jedenfalls der Wahrheit näher
kam als die gegenteilige, ergibt nun das Urteil Radulfs von 1267,
denn restituiert wurden damals nur die Cr iminal Jurisdiktion, die
Herrschaft Calatabiano, ein Drittel des Zolles und die custodia
portus. Die Zeugenaussagen stehen also im Widerspruch zum
richterlichen Erkenntnis. Indessen dieser Widerspruch löst sich.
qui tune temporis erat magister iustitiarius totius Sicilie per dominum Fr. impera-
torem, venisset Cathaniam et homines provincie sequerentur eum ad habendam iu-
stitiam et vellent in Cathania de causis litigare, qui accesserant ad eum de Sicilia,
dictus magister Hemicus Cathaniensis electus prohihuit ei, ne curiam regeret in
Cathania nee redderet aliciii ius, quia terra erat ecclesie et ibidem non licebat iu-
stitiaratus ei officium exercere, quia ecclesia habebat iustitiarium suum, et ille non
redidit ius ibi.
1) Oben S. 47 Anm. 5.
2) Oben S. 47 Anm. 5 : Postea vidit dominum Guillehnum de Tropia creatum
iusiitianum a conrentu.
3) Nach der Einziehung der Criminaljurisdiktion durch Friedrich hat ein
Zeuge gesehen plures iustitiarios et magistros iuratos per diver sa tempora exercentes
predicta iura in predictis terris nomine Friderici, Conradi, Manfredi. Ferner:
Fr. expoliavit et destituit dictam ecclesiam dictis iuribus, postquam cepit es-
candescere contra Bomanam ecclesiam. Am bezeichnendsten die Aus-
sage des dominus Nicolaus de Trayna : cum ipse esset de familia domini Fr. olim
imperatoi'is et sciret negotia, que fiebant in ea, hat von Friedrich Besitzungen in
dicta terra erhalten und gesehen, daß der Kaiser nicht duldete, daß ein
Beamter der Kirche sich in die Criminaljurisdiktion mische.
Hat 30 Jahre lang dort die Amtsführung der iustitiarii regionis beobachtet,
l^icolaus von Troina ist bekannt aus R. J. 2634 (1239), 3519 (1245).
4) Vgl. p. 61 1). 62 %
5) Winkelmann, Geschichte II 1, 102. Huillard V 249 ff.
58 Hans Niese,
Die Verwaltung des vakanten Bistums fand nämlicli zunächst in
den relativ freien Formen statt, die das Gresetz Wilhelms II. (Con-
stitutiones III 31) eingeführt hatte. Die uns bekannten Prokura-
toren gehörten entsprechend den Bestimmungen dieses Gesetzes
der verwalteten Kirche selbst an^), die Ernennung des Justitiars
vnirde, wie wir sahen, sogar dem Domkapitel überlassen, und da-
mit waren der Kirche Catania Dinge gewährt, die z. B. der Kirche
Cefalu nicht zu teil wurden, als sie zu Anfang der zwanziger
Jahre durch Prokuratoren verwaltet wurde, denn die damaligen
Prokuratoren von Cefalu gehörten der verwalteten Kirche nicht
an und waren überwiegend Laien und Beamte '^).
Nach der zweiten Bannung aber (20. März 1239) wurden alle
diese Dinge straffer gehandhabt. Am 10. Oktober 1239 erging
eine Ordonnanz über die Verwaltung der vakanten Kirchen, unter
denen Catania ausdrücklich genannt wird^). Sie bezeichnet die
veränderte Richtung deutlich. Hatten schon bisher die Kirchen-
prokuratoren während ihrer Amtsführung den königlichen Finanz-
beamten unterstanden und die Überschüsse aus der Kirchenver-
waltung vorläufig an den Fiskus abgeführt*), so sollte das nun
noch strenger durchgeführt werden. Vor allem sollte bei der Ein-
setzung der Prokuratoren Vorsicht geübt, zwei fidel es et probi
genommen werden, während nicht mehr gesagt wird, daß sie der
verwalteten Kirche selbst angehören müssen. Bei der zunehmen-
den Zuspitzung des Gegensatzes zwischen Staat und Kirche ist es
nicht verwunderlich, daß wir von nun an in den Kirchen des
Königreiches als Prokuratoren meist Laien oder Angehörige anderer,
zuverlässiger Kirchen finden*), ja daß die Kirchenverwaltung ge-
legentlich den örtlichen Verwaltern anderer Kronrechte, den pro-
curatores rerum curiae, mit übertragen wurde ^). Offenbar haben die
rechtsunkundigen Zeugen aus Catania diese Verschärfung der Praxis,
die bestimmtere Einordnung in die rein königliche Verwaltung, die
gelegentlichen Änderungen in der Art, die Kirchen zu finanzieren,
die von den königlichen Verwaltern an anderen Orten nachweisbar
vorgenommen wurden®) und auch hier vorgekommen sein mögen,
1) Die Zeugenprotokolle nennen nach der Entfernung des Elekten Heinrich
als Procuratoren Sanso archidiaconus eiusdem ecclesie und frater David monachus
eiusdem ecclesie.
2) MIÖG Suppl. I 331 werden als Procuratoren genannt: notarius Simon,
dbhas Roccadie, secretus, Ealiel castellanm.
3) Huülard V 437 f.
4) Vgl. Quellen und Forschungen X p. 78flf.
5) ib. 80. 88.
6) ib. 81 f.
das Bistum Catania und die sizilischen Hohenstaufen. 69
als einfache Revokation des Kirchengutes aufgefaßt. Dazu kam,
daß die Stadt Catania in ihrem Bestreben, Demanialstadt zu wer-
den, fortfuhr. Offenbar diesem Zweck diente es, wenn sie dem
Kaiser 1239 ein freiwilliges Geldgeschenk überreichen ließ ^). In
der Tat hat sie es durchgesetzt, daß sie 1240 mit den Demanial-
städten zusammen eine Einladung zum Parlament nach Foggia erhielt,
während die Städte Cefalü und Monreale — deren Bistümer waren
damals ebenfalls vakant — fehlen ^). Endlich hat Friedrich damals
zu Catania ein königliches Castell neu errichtet^) und die stifti-
schen Castelle zu Aci und S. Anastasia niederreißen lassen^). Alle
diese Umstände haben die Zeugen zu der Meinung gebracht, [es
liege eine förmliche Einziehung vor. Daß das nicht der Fall war,
zeigt eben das Urteil Radulfs. Als bei der angiovinischen Er-
oberung die Vakanz erlosch, traten die Prokuratoren zurück und
der Bischof übernahm wieder die Verwaltung. Das war möglich,
weil eine Vermischung der verwalteten Kirchen mit den Domänen
nicht eintrat, sondern die Selbständigkeit der kirchlichen Ver-
waltungskörper gewahrt blieb, sodaß sogar unter Manfred, wie
früher, Abrechnungen der Prokuratoren mit den neuen Prälaten
nach der Vakanz stattfinden konnten^).
VI.
Die Schicksale des Bistums Catania, wie sie eben festgestellt
sind, bieten für die Kirchenpolitik Friedrichs II. doch manche
Aufklärung. Vor allem denke ich, kann man für die Zeit vor 1239
den Vorwurf nicht aufrecht erhalten, der Kaiser habe die Besetzung
von Kirchen nur deshalb verhindert, um sich finanzielle Vorteile
zu verschaffen: Wir sahen, daß er sich in Catania, einem Bistum,
dessen Reichtum seine Begehrlichkeit besonders hätte reizen müssen,
um die Einsetzung eines Anhängers bemühte. Was ferner die
Einziehungen betrifi't, so verlor Catania das, was es vor 1236
verlor, auf Grrund von Gesetzen, die auf alle Untertanen und auf
alle Kirchen des Reiches angewandt werden konnten, auch ander-
wärts dem Kirchengut erhebliche Verluste beibrachten^), freilich
1) Huillard V 528.
2) ib. 797.
3) ib. 510.
4) Erst nach dem 5. Februar 1240, denn damals wurden sie noch für die
Krone verwaltet. Die Zeugenprotokolle berichten, daß Friedrich die castra Jacii
et S. Anastasie bei der Einziehung des Kirchenbesitzes habe zerstören lassen.
5) Codice dipl. Barese I n. 102 (1255).
6) Z. B. Montecassino.
70 Hans Niese,
aber ohne Frage in ihrer praktischen Durchführung nicht alle
wirklichen Rechte der Kirche bestehen ließen, sondern vielfach zu
Unbilligkeiten führten ^). Die staatliche Verwaltung in Fällen der
Vakanz war in dieser älteren Zeit, wie wir gesehen haben, von
verschiedener Strenge je nach der Lage des Falles. Granz anders
seit dem Ende der dreißiger Jahre. Die Einziehung der Criminal-
jurisdiktion des Bistums Catania war rechtlich nicht zu halten,
aber sie ist immerhin aus den sonst herrschenden Prinzipien zu
erklären, nach denen das Besteben einer solchen Gerichtsbarkeit
als Anomalie erscheinen mußte. Seit 1239 findet ferner eine ganz
gleichmäßige und gegen früher strengere Verwaltung der vakanten
Kirchen statt. Wenn deren Zahl bedenklich anwuchs, so sind da-
für nach den politischen zweifellos auch finanzielle Gründe maß-
gebend gewesen, obwohl am Ende, wenn der Stuhl wieder besetzt
wurde, eine Rückzahlung der Überschüsse eintreten sollte % Aber
infolge der langen Dauer der Vakanzen gewöhnte sich die Regie-
rung denn doch an den vorläufigen Bezug der Überschüsse, und
unter Manfred ist es vorgekommen, daß ein königstreuer Bischof
nur teilweise in seine Temporalien restituiert wurde; den Rest
behielt der Staat zurück und ließ ihn weiterhin wie vor der Va-
kanz verwalten, ohne eine Rechtfertigung auch nur zu versuchen ^).
Abgesehen von dieser zweideutigen Behandlung der vakanten
Kirchen hat man ferner in dieser späteren Zeit einzelne Be-
sitzungen sowohl von vakanten wie von nicht vakanten Kirchen
losgetrennt und für die Zwecke der Krone entweder als Domänen
oder als Lehen verwandt, ohne daß da eine Aberkennung im
Rechts verfahren — etwa auf Grund des Revokationsgesetzes oder
des Gesetzes über die tote Hand — stattgefunden hätte. Sogar
durchaus zuverlässige kirchliche Körperschaften wie das Kloster
La Cava oder der Deutschorden konnten davon getroffen werden *).
Hatte schon Friedrichs II. Testament ein Eingeständnis dieser
Übelstände enthalten, als es die Zurückstellung des den Kirchen
zustehenden Gutes befahl, so wurde die Sache unter Manfred da-
durch noch schlimmer, daß seine Beamten und Anhänger in ge-
radezu kolossalem Umfange mit Lehen aus Kirchengut ausgestattet
1) Es waren die iniquae inquisitiones, die der Papst später einmal beklagt.
Ein Beispiel bietet Cod. dipl. Bar. I n. 100.
2) ib. n. 102 für Rückzahlung der Überschüsse, für das Gegenteil, deren
Einbehaltung, Winkelmann, Acta I n. 868.
3) Cod. Bar. I n. 102.
4) R. J. n. 4637. — 3543.
das Bistum Catania und die sizilisclien Hohenstaufen. 71
wurden^). Andererseits kann man auch nicht sagen, daß diese
mehr oder minder gewalttätige Losreißung einzelner Stücke des
Kirchengutes nun auch alle Kirchen getroffen hätte: Gerade Ca-
tania blieb davon verschont und ist mit dem Besitzstand von 1239
unter die Herrschaft der neuen Dynastie getreten.
Manchem, der auf die Behandlung der Reichskirchen durch die
Hohenstaufen zurückblickt, mag das Wort „Säkularisation" als
Charakterisierung wenigstens der Zeit nach 1239 auf den Lippen
schweben. Aber wer es gebraucht, muß sich klar machen, daß es
hier keine einheitliche, einmal durch Beschluß festgestellte Maß-
regel bezeichnen kann, sondern teils eine drückende Anwendung
bestehender Gesetze, teils ein unregelmäßiges und unrechtmäßiges
Zugreifen. Eine Säkularisation im Sinne der dauernden Ver-
staatlichung der Hoheitsrechte auch nur einer einzelnen Kirche
hat nie stattgefunden.
1) Quellen und Forschungen X p. 78.
Münchener Septuaginta - Fragmente.
Von
Wilhelm Gerhäußer und Alfred ßahlfs.
Mit einer Lichtdrucktafel.
Vorgelegt von P. Wendland in der Sitzung vom 21. Dezember 1912.
Ulrich Wilcken erwähnt in seinem Aufsatz über die griechi-
schen Papyri der Hof- und Staatsbibliothek zu München, Archiv
für Papyrusforschung 1 (1901), S. 471 u. a. drei Septuaginta-Frag-
mente, von denen zwei von ihm selbst, das dritte von Franz Boll
identifiziert wurden. Eine eingehendere Behandlung ist ihnen
indes bis heute nicht zuteil geworden. Da es sich aber um Stücke
von sehr beträchtlichem Alter handelt, da sich zudem vielleicht
anderswo zugehörige Stücke finden mögen, so bedarf es kaum
besonderer Rechtfertigung, wenn hier eine genauere Mitteilung
darüber gegeben wird.
Die drei Bruchstücke, die heute als Cod. gr. 610 Nr. 1, 2, 3
unter Grlas aufbewahrt werden, sind nicht, wie man nach Wilckens
Bericht zunächst vermuten könnte, auf Papyrus, sondern auf Per-
gament in Unzialen geschrieben. Sie wurden im Jahre 1900 durch
Hermann Thiersch in Ägypten angekauft; ihr Fundort ist unbe-
kannt.
1.
Nr. 1 enthält einige Worte aus der Geschichte Josephs und
seiner Brüder Gen. 37 und 38.
Vorderseite.
Linke Kolumne (Gen. 3786). Rechte Kolumne (Gen. 38 1).
paxaXeoai aorö" ü)<; [npo^ avov]
x[a]t oox 7]^£ c[tva oSoXXaji-t]
{■■■■]?[ ] <n^ J
Münchener Septuaginta- Fragmente. 73
Eückseite.
Linke Kolumne (Gen. 38 5). Rechte Kolumne (Gen. 38 9).
[etsxsv aoTo]üc xa tot) a§£[X]
[ ]? ?[°'-> ]
Das ßruclistück ist der oberste Teil eines Blattes aus einem
in zwei Kolumnen geschriebenen Kodex. Es ist etwa 3,8 cm hoch
und etwa 9 cm breit; von der Hohe kommen 2.5 cm auf den oberen
Rand, der, von einigen kleinen Löchern und Flecken abgesehen,
unversehrt erhalten ist. Die Breite einer Kolumne beträgt, nach
den eingeritzten Yertikallinien gemessen, 4,2 cm, die des leeren
Raumes zwischen den Kolumnen 1,2 cm. Die Zahl der Buchstaben
war in den ersten drei Kolumnen unsers Blattes, wenn man sie
nach Swetes Septuaginta- Ausgabe berechnet und auf die möglichen
Kürzungen Rücksicht nimmt,
Vorderseite, linke Kolumne: mindestens 245
„ , rechte Kolumne: mindestens 270
Rückseite, linke Kolumne: mindestens 290.
Die Verschiedenheit ist auiFällig und macht jede genauere Berech-
nung unmöglich. Legt man die mittlere Zahl zugrunde, so kommt
man, da die erhaltenen Zeilen durchschnittlich 11 Buchstaben ent-
halten, auf etwa 25 Zeilen in der Kolumne und bei einem Zeilen-
abstand von 0,0 cm auf eine Kolumnenlänge von etwa 12,5 cm.
Nimmt man den unteren Rand in der Breite des oberen (2,5 cm)
an , so ergibt sich als Blattlänge 12,5 + 5 = 17,5 cm. In der
Breite hat das Blatt, wenn man für den äußeren Rand auch 2,5 cm,
für den inneren 1 cm weniger rechnen darf, (2 x 4,2) -f- 1,2 + 2,5
+ 1,5, also rund 13,5 cm gemessen. Wir haben uns also ein recht
kleines Quartformat vorzustellen. Vorausgegangen dürften unserem
Blatt etwa 90 Blätter sein, gefolgt bis zum Schluß der Genesis
etwa 38 (6 Zeilen bei Swete = 1 Kolumne und eine Seite bei Swete
= 30 Zeilen gerechnet). Ob damit der volle Umfang unserer Hs.
angegeben ist, oder ob sie noch mehr enthalten hat, muß zweifel-
haft bleiben. Daß der ganze Oktateuch darin stand, ist unwahr-
scheinlich, weil ein Kodex vom bezeichneten Format mit etwa
650 Blättern nicht nur unschön ausgesehen hätte, sondern auch
unbequem zu benützen gewesen wäre.
Das Pergament ist ziemlich kräftig. Die Vorderseite, die
mit der Haarseite zusammenfällt, hat eine gelbliche Tönung gegen-
über der mehr weißen Rückseite. Auf der letzteren, also der
Fleischseite, sind die Linien eingeritzt; die horizontalen waren
74: Wilhelm Gerhäußer und Alfred Rahlfs,
offenbar nur für jede zweite Zeile gezogen, wie wir es auch sonst
finden, z. B. beim codex Sinaiticus. Nach der Darstellung in den
Handbüchern von Wattenbach {Schriftwesen im Mittelalter ^ S. 215)
und Gardthausen (Griech. Palaeographie ^ I, S. 184) wären die Linien
stets auf der Haarseite eingegraben worden. Unser Fragment,
auch die von Rahlfs herausgegebene Berliner Handschrift des sahi-
dischen Psalters (Abhandlungen der Ges. d. Wiss. zu Göttingen,
Phil.-hist. Kl., N. F. IV 4 [1901], S. 12) und die von Glaue und
Rahlfs herausgegebenen „Fragmente einer griechischen Übersetzung
des samaritanischen Pentateuchs" (Nachrichten der Ges. d. Wiss.
zu Göttingen, 1911, S. 169) beweisen aber zum mindesten, daß es
gelegentlich auch anders gemacht wurde. Da, wo der untere Rand
unseres Fragments halbkreisförmig abbricht, war schon, bevor das
Pergament beschrieben wurde, ein etwa 2 cm breites Loch, über
das einfach hinweggeschrieben ist.
Die Schrift zeigt in der Größe und den Formen der Buch-
staben die größte Ähnlichkeit mit der des berühmten Vaticanus
1209 (= B). Der Vaticanus wird allgemein dem 4. Jahrhundert zu-
gewiesen, und dieser Zeit wird wohl auch das Münchener Fragment
angehören. Akzente und Interpunktionszeichen fehlen. Der Hori-
zontalstrich als Ersatz für v am Schluß der Zeile findet sich bei
auTo"; die Buchstaben to dieses Wortes hat der Schreiber, um die
Vertikallinie nicht allzu weit zu überschreiten, in etwas kleinerer
Schrift zusammengedrängt. Ebenso machte er es wohl am Schluß
der dritten Zeile auf der Rückseite (Knke KoL), wo ein undeut-
licher Buchstabenrest ziemlich außerhalb der vorgezeichneten Grenze
zu sehen ist.
In den wenigen erhaltenen Worten findet sich keine charakte-
ristische Lesart, die erkennen Keße, mit welchem Zweig der Über-
lieferung wir es zu tun haben. Trotzdem ist das Fragment wegen
seines ehrwürdigen Alters nicht ganz zu verachten, zumal da unsere
Genesispartie in den großen Bibelhss. des 4. Jahrhunderts, im Sinai-
ticus und Vaticanus, fehlt. Ja, das Münchener Fragment bietet
sogar, wenn unsere Datierung zutrifft, zur Zeit die älteste
handschriftliche Aufzeichnung jener Stelle in griechi-
scher Sprache.
Münchener Septuaginta - Fragmente. 75
Nr. 2 enthält ebenfalls Bruchstücke aus dem Oktateuch und
zwar aus den Opfervor Schriften in Lev. 1 und 2.
Vorderseite (Lev. 1 u-is).
sav S* a;u[o xwv tts] Lev. 1 14
TStvwv %[ap7r(0{xa :rpoa]*
9£pYj(; Sü)[poy T(j) öüö]
zai ;rpoao[io£i a:ro t(ö~]
5 TpoYovw[y 7) a;ro twv]
§(opov ao[TOO y.at Ttpoc] 15
oiasi aoTO [0 ispsix;]
TCpOC TO [^UOtaOTTj]
10 piov vtai [a;roxvi(3£i]
TYjv [xs(paX7]v zat]
Rückseite (Lev. 210-12).
[^oaiac aapjwv /tat tote Lev. 2 10
[oioLC aot]oo a^ta xöö"
[aYicov a7r]o tcov xap
[:r(öjjLaT(o]v x5 TuaaöT 11
5 [^oatav 7]]v av Tupoo
[«pSp'rjTS tJo) TÜÖ 00 TTOt
[tQOSTB C]opLO)TOV
[Tcaoav '(OLp] Co[j.7]v %(at)
[irav [xsXt] od ;rpoaot
10 [o£T£ aTt aojToo xap
[^(üaat zw] S[(o]pov 12
[a7rapy^7]C :rpooo]tos
Auch dieses zweite Stück (Grröße etwa 7 x 3,5 cm) gehörte
einst einem Kodex an, und zwar bildete es gewiß den oberen
inneren Eckteil eines Blattes. Der obere und innere Rand siod,
wenn auch etwas zerfetzt, erhalten, der erstere etwa 2,1 cm, der
letztere etwa 1 cm breit. Nach den beiden anderen Seiten ist das
Pergament mitten im Text abgerissen. Zwischen den beiden Text-
partien auf der Vorder- und Rückseite sind etwa 84 Zeilen zer-
stört (eine Zeile bei Swete = 3V2 Zeilen der Hs.). Diese hohe
Zeilenzahl und vor allem die Schmalheit der Kolumne (etwa 4,5 cm)
schließt die Möglichkeit, daß die Blätter des Kodex in einer
Kolumne beschrieben gewesen wären, von vornherein aus. Wir
76 Wilhelm Gerhäußer und Alfred Rahlfs,
werden also, indem wir von dem Gedanken an den seltenen Drei-
kolumnenbrauch absehen, zwei Kolumnen zu etwa (84 + 11) : 3
= 32 Zeilen annehmen dürfen. Die Länge einer Kolumne betrug
somit bei einem Zeilenabstand von 0,5 cm rund 16 cm, die Blatt-
länge etwa 20 cm, die Blattbreite etwa 13,5 cm (Kolumnenzwischen-
raum = 1 cm, äußerer Seitenrand = 2,5 cm gerechnet). Daraus
ergibt sich, daß der Kodex ungefähr das Format der Sweteschen
Septuaginta hatte. Wenn er den ganzen Oktateuch enthielt, um-
faßte er ca. 440 Blätter.
Das Pergament ist gegenüber Nr. 1 dünner und macht
darum einen feineren Eindrnck. Die hellere Vorderseite wird die
Fleischseite sein. Die Linien sind auf der anderen Seite eingeritzt,
die horizontalen diesmal für jede Zeile.
Die Schrift, die auf der Rückseite besser erhalten ist als
auf der Vorderseite, hat ein gefälliges Aussehen und gleicht in
vielen Punkten der des Vaticanns 1288 saec. V (P. Franchi de'
Cavalieri und H. Lietzmann, Specimina cod. Graec. Vat. Taf. 2).
In diese Zeit möchten wir auch unser Fragment weisen. Das
7. fällt nämlich mit einer Ausnahme bereits in zwei Hälften aus-
einander, eine Erscheinung, die auch in jenem Vaticanns begeg-
net. Das auffällig kleine, wie ein Haken aussehende s vor dem i
im Worte [TtsjTstvcüv (Vorderseite Z. 2) findet sich in demselben
Wort auch im Codex Alexandrinus, der gleichfalls dem 5. Jahr-
hundert zugewiesen wird. An Kürzungen finden sich: 1) xö =
y.opiou und xw = v.opiw, 2) % mit angehängter kleiner Wellenlinie
= y.ai (Rückseite Z. 8, am Schluß der Zeile), 3) der horizontale
Strich als Ersatz für v am Schluß der Zeile in töö" und ;raoör.
Akzente und Interpunktionszeichen fehlen.
Über den Text ist wenig zu sagen, da die Verse, um die es
sich handelt, sehr arm an charakteristischen Varianten sind. In
Lev. 1 14 [Trpooj^cpTj? stimmt das Fragment mit AB und einigen
Minuskeln überein; FGM und die meisten Minuskeln haben Trpoa^spYj.
Dagegen geht es in der allerdings sehr wenig bedeutenden Hinzu-
fügung des Artikels vor dem ersten xw in Lev. 2ii (Rückseite
Z. 6) mit M und mehreren Minuskeln gegen ABFG und die Mehr-
zahl der Minuskeln zusammen. Ob es in 1 u die hexaplarische Les-
art ;:£p'.oT£pio£ü>v (== G und 3 oder 4 Minuskeln) oder die gewöhn-
liche Lesart Trcpiorspwy vertritt, ist leider nicht sicher auszumachen.
Der hinter dem zweiten p gebliebene Buchstabenrest kann ebenso-
gut ein t sein wie der Anfangsstrich eines w. TuepiorepiSewv verdient
aber insofern den Vorzug, als damit eine den übrigen Zeilen mehr
entsprechende Buchstabenzahl erreicht wird.
Mimcliener Septuaginta - Fragmente. 77
s.
Auch Nr. 3 enthält ein Fragment aus dem Oktateuch und
zwar aus dem Lied der Debora Jud. 5 8-12.
Vorderseite (Jud. 5 8-10).
ospaxovta •/ikicu. Jud. Ss
aiv ev T(o toX*
H %ap5ta {JLOO sjri 9
5 To) iTjX* Ol Sova
Gtai Too Xaoo so
Xo^StTS TOV %V
ETrißeßYjxoTst; stti 10
ö;:oCoYtov •j.sarjii.
10 ßpia? %ai Xa^iTTY]
v(öv %at Tüopcuo
[iSVOl £711 0§OOC
aovsSpcov •
E,ückseite (Jud. 5 10-12).
£'f oSü) ^^£|a Jud 5 10 (11)
o^at <p(öV7]V ava 11
%pOOO[JL£V(OV
ava [isaov eofppai
5 VOJJLSVWV o%ol
Swoooaiv §L%aL
OGDVYJV %(J)
Sixaioouvag ev
rox^oov SV lYjX •
10 ToTs y.aTsßr] sie 'cag
TüoXsic 0 Xaoc %ö*
'G^SYsipoo S^SYsi 12
poo Ssßßcopa
"Wie schon das vollständige Fehlen von Ergänzungen erkennen
läßt, haben wir hier ein verhältnismäßig recht gut erhaltenes Stück
vor uns. Es stammt wiederum aus einem Kodex und hat eine Grröße
von etwa 9 x 15 cm. Eines fällt bei diesem Blatt sofort in die
Augen : der breite leere Raum, auf der Vorderseite links, auf der
Eückseite rechts der Kolumne. In diesem leeren Raum, etwa
1 cm seitlich der Kolumnen, ist ein senkrechter Bruch zu sehen,
der die Annahme nahe legt, daß es sich um ein Doppelblatt han-
delt, dessen eine, heute nicht mehr vollständig erhaltene Hälfte
78 Wilhelm Gerhäußer und Alfred ßahlfs,
unbeschrieben geblieben ist. Zwei Gründe könnten freilich dagegen
sprechen. Erstens pflegte man, wie die Beobachtung lehrt, leere
Pergamentblätter wegen der Kostbarkeit des Materials nicht zu be-
lassen, sondern auszuschneiden. Zweitens ist an dem Bruch keine
Spur von Heftlöchern zu entdecken. Wollte man aber deswegen
in unserem Stück ein Einzelblatt sehen, so ergäben sich erst recht
Schwierigkeiten, einmal ein ganz ungewöhnliches Format (die Breite
wäre doppelt so groß als die Höhe), sodann ein zum ganzen Blatt
in keinem Verhältnis stehender 7,3 cm breiter Innenrand. Da beides
unseres Wissens sonst nie vorkommt, so ist diese zweite Annahme
abzulehnen. Die gegen das Doppelblatt vorgebrachten Einwände
lassen sich übrigens beseitigen, wenn wir uns vorstellen, daß der
Schreiber aus irgend einem Anlaß seine Arbeit unterbrochen und
später nicht mehr zum Abschluß gebracht hat. Da also unser
Kodex wahrscheinlich von Anfang an ein Torso gewesen ist, halten
wir es für müßig, über seinen Umfang Berechnungen anzustellen.
Vorder- und Rückseite zählen je 13 Zeilen. Die Breite der
Kolumnen ist nicht bei jeder Zeile gleich; sie schwankt zwischen
ca. 5,5 und 6 cm. Die Länge der Kolumnen bemißt sich auf 6,2
bis 6,5 cm. Der äußere Rand ist ungleichmäßig beschnitten, des-
gleichen der obere und untere; die Breite des äußeren Randes
differiert zwischen 1,5 und 2 cm, die des oberen zwischen 1,1 und
1,3 cm, die des unteren zwischen 0,3 und 1,2 cm. Die Länge des
Blattes beträgt etwa 9 cm, die Breite ebenfalls. Unsere Hs. ist
demnach eine Vertreterin jener Grruppe von Formaten, bei der
die beiden Dimensionen gleiche Größe haben (vgl. W. Schubart,
Das Buch bei den Griechen und Römern, S. 119).
Das Pergament steht in seiner Stärke zwischen Nr. 1 und 2.
Die Vorderseite fällt mit der Haarseite zusammen. Eingeritzte
Linien fehlen. Wohl aber finden sich am äußeren Rand in einer
gegenseitigen Entfernung von 0,4 bis 0,6 cm deutliche Zirkelstiche.
Der Schreiber hatte also Bleilinien gezogen, die er hernach wieder
entfernte, oder die sich im Laufe der Zeit von selbst verloren.
Von größerem Interesse ist eine andere Beobachtung. Wenn man
die Zirkelstiche mit den Zeilen durch ideale Linien verbindet, so
ergibt sich, daß die Buchstaben zu einem geringeren Teile auf den
Linien stehen, einige von den Linien durchschnitten werden, die
meisten hingegen an den Linien hängen. Hängende Unzialen
aber sind eine seltene Erscheinung. Gardthausen, Gr. Pal. ^ I,
S. 187 kennt nur wenige Beispiele. Diesen ist jetzt das Münchener
Fragment anzureihen*).
1) Hängende Unzialen zeigen auch die acht Schutzblätter (saec. X/XI) am
Münchener Septuaginta - Fragmente. 79
Die Schrift ist niclit durcliaus gleichmäßig. Im unteren Teil
der Kolumnen werden die Buchstaben etwas kleiner, im oberen
Teil der Rückseite haben sie eine ausgesprochene Neigung nach
links. Sie zeigen, wie die beigegebene Tafel lehrt, den sogenannten
'koptischen Duktus'; auf der nicht abgebildeten Rückseite findet
sich auch das große, weit über die anderen Buchstaben hinaus-
ragende 4>, dessen Rundung sich nach unten etwas zuspitzt. Unter
den bisher bekannten Vertretern jenes Duktus') steht unser Frag-
ment einerseits dem von Cozza-Luzi (Rom 1890) in Lichtdruck
herausgegebenen Codex Marchalianus (eine Probe auch bei Franchi
de' Cavalieri-Lietzmann Taf. 4), andrerseits dem Osterfestbrief des
Patriarchen Alexander (Berliner Klassikertexte 6 (1910), Taf. 1
und 2 und W. Schubart, Papyri Graecae Berolinenses Taf. 50) am
nächsten. Mit letzterem teilt es das K mit den beiden langen, ge-
bogenen Schenkeln und das A, dessen Grundlinie und rechte Seite
beträchtlich über die linke Seite hinausgehen und beide in einen
kräftigen, nach unten gezogenen Punkt endigen. Dagegen gleicht
es in seinem H, dessen horizontaler Strich nicht wie im Osterfest-
brief sehr hoch hinaufgerückt ist, sondern nur wenig über der
Mitte steht, und in seinem nicht unter die Zeile hinabreichenden
X mehr dem Marchalianus. Der Marchalianus stammt nach ver-
breitetster Annahme aus dem VI., nach anderer aus dem VII.
Jahrhundert ^), der Osterfestbrief aus dem Anfang des VIII. Jahr-
hunderts. Daher werden wir kaum fehlgehen, wenn wir für unser
paläographisch in der Mitte stehendes Fragment als Entstehungs-
zeit das VII. Jahrhundert annehmen. Sonst sind in paläographi-
scher Hinsicht noch einige Einzelheiten aufzuzählen. Es begegnen
die Kürzungen lak und iy]X = lapayjX, m = zoptoü, xw = zupico,
%y = xopiov. Als Interpunktionszeichen kennt der Schreiber nur
den Punkt oben; meist folgt darauf ein größerer freier Raum, so
recto Z. 2 hinter taX, Z. 5 hinter t7]X, Z. 13 hinter oovsSpcov, verso
Z. 11 hinter tö). Einmal kommt ein solches Spatium auch ohne
Interpunktion vor, verso Z. 7 hinter tüö. Zwei größere Absätze
Anfang und Ende des Cod. Monac. graec. 443. Näheres über diese Fragmente
bei Sara Murray, A Study of the Life of Andreas, the Fool for the Sake of
Christ, Münchener Diss. 1910, p. 81—82, 120—121 (mit einer Tafel aus Monac. 443).
1) Vgl. A. Ceriani, De codice Marchaliano, Rom 1890, S. 34 ff. Neuerdings
sind außer dem Osterfestbrief des Alexander noch ein anderer Osterfestbrief, der
vermutungsweise ins Jahr 577 gesetzt wird (New Palaeographical Society, Taf. 48),
und ein liturgischer Papyrus saec. VI/VII (mit Abbildung herausgegeben von D.
P. de Puniet in der Revue Benedictine 26 [1909], S. 34—51) hinzugekommen.
2) Vgl. jetzt auch P. Vierecks Besprechung von Schubarts Papyri Gr. Berol.
in der Berliner philol. Wochenschrift 32 (1912), Sp. 1632.
80 Wilhelm Gerhäußer und Alfred Kahlfs,
sind recto Z. 3 und verso Z. 12 durch herausgesetzte größere Buch-
staben gekennzeichnet; die vorhergehende Zeile schließt beidemal
mit Punkt und Spatium. Ein dritter größerer Absatz scheint
recto Z. 5 angezeigt zu sein; denn das auf Punkt und Spatium
mitten in der Zeile folgende o ist etwas höher und sehr viel
breiter, als es sonst in dieser Schrift gemacht zu werden pflegt.
Das gleiche gilt für den Anfang der 10. Zeile verso. Hier ist
das erste t im Worte tots nicht nur etwas größer als gewöhnlich,
sondern es ist auch etwas vor die Kolumne gestellt, und die vor-
ausgehende Zeile schließt wiederum mit Punkt und Spatium. Ak-
zente fehlen vollständig; dagegen findet sich ein spiritus lenis bei
'€^£Y£tpoi> verso Z. 12. Doppelpunkte bezeichnen bei ü:roCoYiov recto
Z. 9, ein Haken bei svTo/oaov verso Z. 8/9 den Silbenanfang. Die
Tinte sieht heute im allgemeinen braun aus; sie hatte aber, wie
einzelne Partien erkennen lassen, ehemals eine dunklere Farbe.
Über den Text ist hier bedeutend mehr zu sagen als bei
Nr. 1 und 2, da das erhaltene Bruchstück nicht nur umfangreicher
ist, sondern auch einem Kapitel angehört, in welchem sich die
Varianten in ungewöhnlicher Weise häufen.
Im Richterbuche gibt es zwei Texttypen, die eigentlich zwei
verschiedene Übersetzungen darstellen; der eine liegt in A und
seinen Verwandten vor, der andere in B und seinen Verwandten.
Lagarde hat im ersten Teil seiner SeptuagintaStudien (Abhand-
lungen der K. Ges. d. Wiss. zu GÖttingen, 37. Band, 1891) den
A- und B-Text von Jud. 1 — 5 in Parallelkolumnen nebeneinander
drucken lassen und einen freilich sehr beschränkten, aber sehr zu-
verlässigen textkritischen Apparat hinzugefügt. Schon dieser Ap-
parat, noch mehr der sehr viel umfangreichere bei Holmes-Parsons
zeigt, daß sich innerhalb der beiden Typen, namentlich innerhalb
des A-Typus, verschiedene Spielarten voneinander abheben. Wollen
wir also unserm Fragment den ihm gebührenden Platz anweisen,
so wird es sich empfehlen, zuerst diejenigen Stellen ins Auge zu
fassen, an welchen jeder der beiden Typen im großen und ganzen
einheitlich ist, und dann die Stellen, an welchen sich Unterschiede
innerhalb der Typen zeigen. Doch können Sonderlesarten, die für
die Beurteilung unser s Fragments gar keine Bedeutung haben, wie
V. 11 xupis B statt des sonst auch im B- Typus allgemein über-
lieferten '/.optw, füglich ebenso unberücksichtigt bleiben wie itazi-
stische Schreibungen.
Angeführt werden hier in der Regel nur die griechischen
Handschriften, und zwar werden sie abgesehen von den Unzialen
A, B, M, V mit den von Holmes-Parsons verwendeten Zahlen be-
Münchener Septuaginta- Fragmente. 81
zeichnet. Die einzige Handschrift, welche bei Lagarde neu hinzu-
gekommen ist, London Brit. Mus. Addit. 20002, von Lagarde mit
„g'*, von Brooke-M^Lean mit „a2" bezeichnet, trägt nach der vom
Septuaginta - Unternehmen eingeführten Praxis die Sigel „509".
Für Holmes-Parsons „XI" = Vatic. graec. 2106, gewöhnlich nach
dem Vorschlage Lagardes (Genesis graece, Lips. 1868, Vorrede
S. 12) „ÜST" genannt, wird nach derselben Praxis die Sigel „V"
verwendet, da „XI" der erste Teil des allgemein als „V" be-
zeichneten Venet. graec. 1 ist, und der Buchstabe „V^ für eine
Handschrift, die sich aus einem Vaticanus und einem Venetus
zusammensetzt, besonders gut paßt. Demnach sind die für
unsern Abschnitt zur Verfügung stehenden Handschriften: A. B.
M (Holmes-Parsons „X^O- V (Holmes-Parsons „XI"). 15. 16. 18. 19
(Lagarde „h"). 29 (Lagarde „x"j. 30. 4A. 52. 53. 54 (Lagarde „k").
55. 56. 57. 58. 59. 63. 64. 71. 75. 76. 77. 82. 84. 85^). 106. 108
(Lagarde „d"). 118 (Lagarde „p"). 120. 121. 128. 131. 134. 144.
209. 236. 237. 509 (Lagarde „g"), im ganzen einundvierzig ^). —
Von den Kirchenvätern wird nur Theodoret, von den Übersetzungen
nur Syrohex. in einigen besonders wichtigen Fällen genannt.
An den Stellen, wo die beiden Haupttypen einander im großen
und ganzen einheitlich gegenüberstehen, geht das Münchener Frag-
ment regelmäßig mit dem A- Typus zusammen. Es liest nämlich
9 sTTi = M. V. 15. 18. 19. 29. 44. 54. 58. 59. 64. 71. 75. 84.
106. 108. 118. 121. 128. 134 (der B-Typus und auch die
Handschrift A haben sk;)
Ol Sovaatat^) too Xaoo*) = A. M. V. 15. 18. 19. 29. 30. 44.
54. 58. 59. 64. 71. 75. 84. 106. 108. 118. 121. 128. 134
(B-Typus Ol svtouaiaCo^svot sv Xaw)
Tov xopiov = A. 19. 29. 53. 54. 58. 59. 64. 75. 76. 84. 106.
108. 118. 120. 121. 128. 134 (B-Typus ohne Artikel)
1) Die Eandlesarten von 85, die bei Holmes-Parsons nur teilweise, bei Field
vollständig mitgeteilt sind, bleiben unberücksichtigt.
2) Außerdem wird bei Holmes-Parsons in der Vorrede zum Kichterbuch die
Handschrift 107 ohne nähere Angabe aufgeführt, kommt aber im Apparat zu
unserer Stelle nicht vor. Auch 118 kommt nicht vor, ist jedoch aus Lagardes
Kollation bekannt. Für die bei Holmes-Parsons sehr schlecht kollationierten Hand-
schriften M und 59 hat Norman M^Lean freundlichst seine eigene Kollation zur
Verfügung gestellt.
3) 71 hat Suvatoi statt oi ouvaaxat. Solche kleinen Varianten wer-
den, um die Übersieh t^ nicht zu stören, hier nur in den Anmer-
kungen angeführt.
4) 44. 64. 128 würden, wenn man aus dem Stillschweigen von Holmes-Par-
sons schließen dürfte, sv lona statt tou Xaou haben. Aber der Schluß ex silentio
ist hier ganz unwahrscheinlich.
Kgl. Ges. d. Wiss. NachrichteB. Phil.-hist. Klasse. 1913. Heft .1 Q
g2 Wilhelm Gerhäußer und Alfred Rahlfs,
10 üTrofoYtov^) = A. M. V. 15. 18. 19. 29. 44. 54. 58. 59. 64.
71. 75. 84. 106. 108. 118. 121. 128. 134 (B-Typus oyoo(<;)
11 <pd£<Y)4ao^ai2) (pcovYjv^) = A. M. V. 15. 18. 19. 29. 30. 44.
54. 58. 59. 64. 71. 75. 84. 106. 108. 118. 121. 128. 134
(B-Typus StYjYsiaO-s aTuo (pwvrjc)
sü^paivoilsvwv^) = A. M. V. 15. 18. 19. 29. 44. 54. 58. 59.
64. 71. 75. 84. 106. 108. 118. 121. 128. 134 (B-Typus
oSpeoo{j.£VWv)
gwoouoiv Stx7.iooovY]v = M. V. 15. 18. 19. 29. 30. 44. 53. 54.
55. 58. 59. 64. 71. 75. 84. 106. 108. 118. 121. 134. 209.
509 (B-Typus und auch die Hs. A Swaooatv Stzaioaova^)
svtoxooov^) = A. M. V. 15. 18. 19. 29. 44. 54. 58. 59. 64.
71. 75. 84. 106. 108. 118. 121. 128. 134 (ß- Typus ao-
4t^oov).
Unser Fragment stimmt also zwar mit A nur an sechs Stellen
überein, aber mit 19. 29. 54. 58. 59. 64. 75. 84. 106. 108. 118. 121.
134 an allen acht, mit M. V. 15. 18. 44. 71. 128 wenigstens an
sieben Stellen (die zuletzt genannten Handschriften fehlen mit
Ausnahme von 128 bei tov y.optov v. 9, wo es sich nur um Setzung
oder Nichtsetzung des Artikels handelt). Diese Handschriften
bilden hier den A-Typus. Die übrigen scheiden sich deutlich von
ihnen: die meisten haben überhaupt keine der angeführten Les-
arten des A-Typus (B. 16. 52. 56. 57. 63. 77. 82. 85. 131. 144.
236. 237) oder doch bloß eine (55. 76. 120. 209. 509), nur 53 tritt
zweimal und 30 sogar dreimal zum A-Typus über. Unser vor-
läufiges Resultat ist also, um es nochmals zusammenzufassen:
das Münchener Fragment stimmt in den angeführten
Fällen meistens mit A, immer mit dem A-Typus über-
ein, wie er in den Handschriften M. V. 15. 18. 19. 29. 44.
54. 58. 59. 64. 71. 75. 84. 106. 108. 118. 121. 128. 134 vorliegt.
Über die genauere Stellung des Münchener Fragments inner-
halb des A-Typus können wir schon aus den in den Anmerkungen
notierten Varianten zwei Schlüsse ziehen : 1) Das Fragment gehört
nicht zu der von Field und Lagarde mit Unrecht für lukianisch
gehaltenen Familie 19. 108; denn es hat die Sonderlesarten nicht,
1) uitoC'JTiov haben nur 44. 54. 76, die übrigen richtiger o7toC«Ti<*»'' == ni3nfc<-
2) Statt cpÖey?aa»ai haben viele Hss. richtiger cp»eY$aaOe = in^tJ^, 19- 108
ecpOeySa^öott (so!).
8) Statt tf-wvr^v würde 30 ex sil. atro cpcüvr^; haben.
4) Statt eu^ppatvofxeviov haben lü. 108 eucppaivcuv.
5) evtax«<5ov haben nur M. V. 29. 71. 121, die übrigen evwpwv.
Münchener Septuaginta - Fragmente. 83
welche diese Familie in v. 11 bei «p^sY^aa^ai und sDtppatvojxsvwv auf-
weist. 2) Es steht in näherer Beziehung zu der schon von Fritz-
sehe ^) ausgesonderten Grruppe M. V. 29. 71. 121 ; denn nur mit
ihr teilt es die Lesart svta/oaov v. 11, und diese ist um so bedeut-
samer, als sich schon hier eine charakteristische Spaltung inner-
halb des A-Typus beobachten läßt:
SiTcatooova«; svio/oaav A
Stxaiooovac £via)(üGov M. V. 29. 71. 121 und das Fragment:
andere Yerbalform als in A
Siy.atoi evLaxuaav 15. 18. 19. 44. 54. 58. 59. 64. 75. 84. 106.
108. 118. 128. 134, d. h. alle übrigen Vertreter des A-
Typus: anderes Nomen als in A.
Mehr ergibt sich aus den übrigen Fällen, in welchen sich
weitere charakteristische Unterschiede innerhalb des A-Typus
zeigen.
Das Münchener Fragment beginnt mit dem Schlaß von v. 8:
[Tsajospay.ovra )<iXiaoLV sv ico taparjX. Die Worte ev tu) topa7]X, die
sich auch in den meisten Handschriften des A-Typus und im B-
Typus finden^), fehlen in A und der wirklichen Lukiangruppe
54. 59. 75 (= Theodoret) und stehen im syrohexaplarischen Texte
sub asterisco. Das heißt: sv tco taparjX hat im vororigenianischen
Texte, den auch Lukian in diesem Punkte nicht änderte, gefehlt
und ist erst von Origenes nach dem Hebräischen hinzugefügt.
Wenn unser Fragment also diesen Zusatz hat, so repräsentiert es
eine jüngere Ausgestaltung des A-Typus, die entweder
vom hexaplarischen Septuagintatexte oder vom B-Texte beeinflußt
ist. Allerdings geht es darin mit der großen Masse der Hand-
schriften des A-Typus zusammen, scheidet sich aber deutlich von
A selbst und von der Lukiangruppe 54. 59. 75, wie es sich oben
von 19. 108 geschieden hatte.
Ferner ist wichtig, daß unser Fragment in v. 11 bloß sie "cac
^oXsic hat, während die meisten Vertreter des A-Typus aoroo
(A. 18. 19. 44. 54. 64. 75. 84. 106. 108. 118. 128. 134) oder aorcöv
(15. 59) hinzufügen. Dieser Zusatz fehlt in allen übrigen Hand-
schriften, also einerseits im B- Typus, andrerseits auch in M. V.
29. 58. 71. 121, die wir oben als Vertreter des A-Typus kennen
gelernt haben. Allerdings ist das Fehlen von aotoo nur für M. 29
durch Angaben von Lagarde und M^Lean (s. oben S. 81 Anm. 2)
ausdrücklich bezeugt und für V. 58. 71. 121 bloß aus dem Still-
1) Vgl. Lagarde, SeptuagintaStudien I, S. 4.
2) B selbst hat £v i3pa7]X ohne Artikel, aber 509 und andere Handschriften
des B-Typus haben den Artikel ebenso wie das Gros des A-Typus.
6*
84 Wilhelm Gerhäußer und Alfred Rahlfs,
schweigen von Holmes - Parsons erschlossen ; aber wenn wir be-
denken, daß unser Fragment schon in dem dicht vorhergehenden
Stxaioaovac svioxoaov mit M. V. 29. 71. 121 übereinstimmte, so er-
scheint doch der Schluß ex silentio hier völlig unbedenklich, und
wir werden in der Annahme bestärkt, daß unser Fragment in der
Tat mit M. V. 29. 71. 121 näher verwandt ist.
Schließlich muß noch ein besonders variantenreicher Passus
besprochen werden: v. 10 jjLscrjjjLßpiac xat Xa{x;rrf;(öv vtai Tropsoofievot
ETTt oSoo? öov£§poDv* s^ Qoiü. Um dicsc Stelle richtig zu beurteilen,
müssen wir auf den hebräischen Urtext selbst zurückgehen. Der
Vers beginnt im Hebräischen mit nisni^ '»SDn = A-Typus sTitßsßY;-
XOTSC £3Ct o;coCüY^**^Vj ß " Typus sTrtßsßyjxoTsc sizi ovoo(<;) ^"iQXsiac (vgl.
oben S. 82). Dann folgt nnnns; dies fehlt der Handschrift A, den
Lukianhandschriften 54. 59. 75 (= Theodoret) und, wie sich unten
zeigen wird, auch der Vorlage des Origenes, also genau denselben
Zeugen, denen auch sv tw tapaTjX am Schluß von v. 8 fehlte, woraus
wir mit Sicherheit schließen dürfen, daß A. 54. 59. 75 hier wie dort
den ursprünglichen A-Typus darstellen ; in B dagegen ist das ajia^
XsYÖjisvov tmm durch {isavjiißptac wiedergegeben, wobei der Über-
setzer natürlich an C'nns dachte. "Weiter folgt 1^1)2 b:? ^^W^ = A
und 54. 59. 75 (= Theodoret) xa^Tjjisvoi stti^) Xa{jL;rr^vcov, B vta^r]-
|j-£vot sTTi xpiTYjptoo; dcr A - Übersetzer deutete das rätselhafte pTa
als ;, Reise wagen ^, der B- Übersetzer leitete es von )^1 ;,richten^
ab. Hier haben wir also für die vier Worte 'j'^1^ br '^niö'i mnns
zwei untereinander ganz verschiedene, in sich einheitliche Über-
setzungen :
A. 54. 59. 75 xa^T^jisvo'. £;ri Xajx^Yjvcov
B (und ex sil. 56) [j-soTjiißpiac xaO-rj^svoi £;ri xpiTYjpioü.
Aber diese beiden Übersetzungen sind dann auf die verschiedensten
Weisen miteinander kombiniert. Einerseits ist der B-Text in 16.
30. 52. 53. 57. 63. 76. 77. 82. 85. 120. 131. 144. 209. 236. 237.
509 durch Hinzufügung von xai Xa^ATuoüowv (so!) hinter jisoTjiJ.ßpiac
erweitert, vgl. auch 55 £V {j-£aY]»ißpia v.ai XafiTnrjvr^ ^). Andrerseits
hat schon Origenes den A-Text durch zwei aus B stammende oder
wenigstens in B ebenso vorkommende Worte erweitert:
Syrohex. 19. 108 (xat) £7rt Xa[j.7tYjVü)v (xai) xad-rjiJvSvot btii xpiTTj-
pioo^): das vorgefundene xa^7j[i£V0i £;r'. Xa[i7rr/;(j)v ist umge-
1) Statt eri hat 75 angeblich uro.
2) ev hat auch 509, der aber dahinter p.ear^fjißpta; xai Xo(a7:&'ji(ov beibehält
und daher zur großen Masse gezählt ist.
3) Die beiden eingeklammerten /cti stehen im Syrischen, sind aber etwas
Ycrdächtig, da sie kein Äquivalent im Hebräischen haben; in 19. 108 fehlen sie.
Münchener Septuagiiita - Fragmente. 85
stellt; sodaß £:ri Xa[j.7U7]Vü)v jetzt wenigstens äußerlich dem
fehlenden mnns entspricht, und als Übersetzung von 'j^'Ta bS'
ist ejüi TcpiTYjptoo = B hinzugefügt.
Bei den übrigen oben ermittelten Vertretern des A- Typus finden
wir folgende Mischungen aus A und B:
44. 84. 106. 134 Tta^TjfjLsvoi stci Xa[jL7rYjV(ov {isaTjixßptac sTut xpttY]-
ptoo: der A-Text ist unverändert beibehalten, aber der
ganze B-Text mit Ausnahme des in A schon vorhandenen
y.a^Yjiisvoi hinzugefügt.
M. V. 29. 71. 121 {j.£aY][j.ßpta<; v.ai Xaj/.7:rjV0)v stüi vtpitYipioo: hier
ist sonderbarerweise gerade das dem A- und B- Texte ge-
meinsame 7ta^Y]{j£Voi ausgefallen, sonst aber das Xa[jL;üY]V(ov
des A- Textes (unter Fortlassung des vorhergehenden stci)
mit dem [jLeoYj{ißpiac und stti xpiTYjpioo des B-Textes kombi-
niert.
15. 18. 64. 118. 128 haben genau dieselbe Kombination wie
M. V. 29. 71. 121, fügen aber nachher hinter covsSpwv noch
£711 Xa|j.7üY]V(oy y.a^Yj[JL£voi hinzu.
58 [jL£GYj(j.ßpta(; %at £7üi%a'9-Y]{j.£V0i ettl Xa{j.7rtv(ov : in den drei letzten
Worten haben wir den alten A-Text, nur ist vor v.a^ri\Lsvoi
noch ein £7ui hinzugefügt; [JLcaYjjxßpiac kann direkt aus dem
B-Text stammen, y,ai wäre dann ein verbindender Zusatz,
aber \lBGr^\L^pla<; kann auch mit dem folgenden xai aus dem
jüngeren A-Text, wie er in M. V etc. vorliegt, über-
nommen sein.
Alle diese Mischlesarten gehen offenbar nicht auf den hexaplari-
schen Septuagintatext zurück, da sie sämtlich das in jenem fehlende
[jL£OY]tißptac enthalten, sondern sind aus jüngerer Kombination des
A- und B-Textes entstanden. Unser Münchener Fragment schließt
sich am engsten an M. V. 29. 71. 121 an, hat aber nur [A£a7j{jLßpta?
V.OLI Xaji.7rr^vo)v ohne £;c'. TtptTYjptoo. Da nun etui zpitYjpioo aus B stammt,
könnte man hierin einen Vorzug des Fragments vor seinen Ge-
fährten erblicken; sicher ist das jedoch nicht, denn da schon das
bloße ji£a7][j.ßpiac >cai Xajj^TcrjVwv eine offenkundige Mischung aus A-
und B-Text ist, so macht es keinen großen Unterschied, ob auch
noch £7üi zpitTjpioD aus B hinzugefügt ist oder nicht. Wichtig ist
dagegen, daß unser Fragment sich auch hier wieder, wie schon
zweimal, als nächsten Verwandten von M. V. 29. 71. 121
erweist.
Auf y^1l2 b:P 'intD"» folgt im Hebräischen noch ^n^J b2? 'iDbm^).
1) Das im Hebräischen den Vers schließende *)n''tt^ kommt nicht mehr in
Betracht, es ist = A-Typus cp^cy^aaOs, B-Typus otrjeta&e (vgl. oben).
86 Wilhelm Gerhäußer und Alfred Rahlfs,
Diese Worte fehlen wiederum dem alten A- Typus, wie er in A
selbst und den Lukianhandschriften 54. 59. 75 (= Theodoret) vor-
liegt. Der gesamte B- Typus außer 55. 509 (s. unten) liest xat
7ropsoo[j.£vot £7ti ^) oSooc auv£§pü)v £(p oSü) : hier ist xai ::op£Do«j,£Voi =
''Dbm, £'^ o§(ö und wohl auch £:ri oSoo? = '^"i^ b:?; mit auv£Spü)v ist
schwer etwas anzufangen, am ehesten kann es noch eine zweite
"Wiedergabe des vorhergehenden 1''^^ sein, vgl. oDV£§ptov = 'j'^^ rr^a
Prov. 22 10 (Lagarde, Anmerkungen zur griechischen Übersetzung
der Proverbien, Leipzig 1863, S. 70). Der überarbeitete A-Typus
zeigt die verschiedensten Spielarten:
Syrohex. 19. 108 xat 7rop£oo{JL£Vot £'f ooo) ^) : so auch 55 (mit
oSooc statt oSco) und 509
44. 106 7r0p£O0[l£V0l BTZI ODV£Sp(J)V
M. V. 29. 71. 84. 121. 134 7rop£DO{i£voi ») aov£Sp(ov*)
15. 18. 64. 118. 128 aov£Sp(j)v (dahinter haben sie das oben
bereits angeführte etui XafiTnQvwv xaO-73{j.£voi).
Wieder trennen sich die Handschriften des A-Typus außer 19. 108
von der hexaplarischen Bearbeitung dieses Typus; denn sie haben
nicht £'f oS(o, wohl aber oovESpwv, was nur direkt aus dem B-Text
herübergenommen sein kann. 55 und 509, sonst Vertreter des
B- Typus, gehen hier mit dem hexaplarischen Texte zusammen,
doch kann das Zusammentreffen zufällig sein. 58, sonst ein Ver-
treter des A-Typus, stimmt hier mit B überein und hat nur auv£-
§pi(üv statt ooy£Sp(j)v (ebenso 71 in einer ganz anderen Textform,
s. oben). Unser Münchener Fragment stimmt völlig mit B über-
ein; es trennt sich hier also noch schärfer als bei den vorher-
gehenden Worten von der Gruppe M. V. 29. 71. 121 und tritt
ganz zu B über.
Somit können wir als Endergebnis feststellen: Das Münche-
her Fragment gehört zu einer bisher durch M. V. 29. 71. 121 ver-
tretenen Gruppe des A-Typus, in welcher dieser Typus nicht mehr
in seiner ursprünglichen Form erhalten ist, sondern, besonders
wohl unter dem Einfluß des B- Typus, mancherlei Abänderungen
erfahren hat. Indessen geht es mit der Gruppe M. V. 29. 71.
121 doch nicht überall zusammen, sondern weicht von ihr in v. 10
zweimal erheblich ab: es hat das in der Gruppe vorhandene, aus
B stammende £7ri xpitYjpioo nicht, stimmt dagegen in xat 7:op£uo{JL£Voi
1) en fehlt in IG*. 30. 53. 57. G3. 77. 85. 131. 144. 209. 236. Sonst finden
sich hier nur unbedeutende Varianten.
2) 19. 108 haben cpootu (so!) statt ecp o5(i>.
3) V soll nach Holmes-Parsons o|j.evot statt -opeuojxevot haben.
4) 71 ayveofittov.
Münchener Septuaginta - Fragmente. 87
sTTi oSooc oüvsSpcöv £9 oSo) völlig mit B überein, während die Gruppe
bloß TTopsDopisvoi aov»Spo)v bietet^). Ob das Müncbener Fragment
auch zu 58, mit dem es in xai jcopsoojjisvoi %tX. zusammentrifft, in
engeren Beziehungen steht, muß dahingestellt bleiben; 58 kam
zwar auch bei sie Tag ttoXslc v. 11 (oben S. 83) als Begleiter des
Fragments und der Gruppe M. V. 29. 71. 121 vor, war dort aber
nur ex silentio erschlossen und zeigt sonst keine intimeren Be-
ziehungen zu dem Fragment, z. B. hat 58 in v. 11 hinter ava^/tpoo-
0(jL£V(tiv den singulären Zusatz sv opYavotc, dieser findet sich aber in
dem Fragment ebensowenig wie in den übrigen Handschriften.
Das Münchener Fragment stammt aus Ägypten und hat, wie
die Schrift lehrt, in Ägypten auch seine ursprüngliche Heimat.
Daraus folgt wieder einmal, daß wir die bekannte Verteilung der
Septuaginta - Rezensionen auf die Kirchenprovinzen, welche Hiero-
nymus für die Zeit um 400 bezeugt, nicht ohne weiteres auf die
spätere Zeit übertragen dürfen. Denn daß der Text unsers Frag-
ments die Rezension Hesychs darstellen soUte, scheint nach dem,
was schon Grabe über diese Rezension ermittelt hat (vgl. Lagarde,
SeptuagintaStudien I, S. 3 f.), völlig ausgeschlossen.
1) Ein dritter, aber wenig besagender Unterschied zwischen dem Münchener
Fragment und der Gruppe M. V. 29. 71. 121 ist: v. 11 Fragm. = B. 509 und ex
silentio 30. 52. 55. 56. 63. 71. 76. 82. 120. 209 ev lapctr^X, alle übrigen Hss. ev tu>
Zur Kritik des mittelhochdeutschen Gedichtes
*Von dem Übeln Weibe'.
Von
Edward Schröder.
Vorgelegt in der Sitzung vom 8. März 1913.
Der ausgelassene Schwank, welchen zuerst Jos. Bergmann im
'Anzeige-Blatt für Wissenschaft und Kunst' der Wiener 'Jahr-
bücher für Litteratur' Bd. 94 (1841) ohne jeden kritischen Eingriff
und, wie die Worterklärungen zeigen, mit recht mangelhaftem
Verständnis herausgab, hat das Griück gehabt, vor den Augen
V. d. Hagens keine Gnade zu finden, und ist so von der Mißhand-
lung verschont geblieben, der im 'Gresamtabenteuer' die gereimten
Novellen der mittelhochdeutschen Zeit anheimfielen. Für Moriz
Haupt, der mit sicherem Blick für das litterarisch Wertvolle dem
verwahrlosten Texte früh seine Aufmerksamkeit geschenkt hatte,
ist das gewiß eine heimliche Genugtuung gewesen. Als er im
Jahre 1871 nach einer längeren Pause seiner germanistischen Be-
tätigung die zweite Ausgabe des 'Erec' zurüstete, da hat er auch
den Text des 'Übeln Weibes', den uns derselbe Schreiber Hans
Ried überliefert hat, wieder hervorgeholt und ihn nach nochmaliger
Revision in einem zierlichen Bändchen herausgegeben, dem Salomon
Hirzel seine sichtbare Liebe zugewendet hat : gieng ihm doch eine
Widmung voraus an den gemeinsamen Freund Gustav Freytag.
Diese Ausgabe Haupts ist jetzt, nach mehr als 40 Jahren
vergrifi'en, und ich hab es gern übernommen das Gedicht neu zu
bearbeiten. Mein Handexemplar weist seit langen Jahren eine
Reihe von recht einfachen Besserungen auf; dazu ist in der letzten
Zeit die eingehende Beschäftigung mit verschiedenen Texten ge-
treten, die uns ausschließlich oder doch am besten in der gleichen
Zur Kritik des Gedichtes 'Von dem Übeln Weibe'. 89
Ambraser Hs. überliefert sind: ^Kudrun', 'Biterolf, 'Moriz von
Craon' ; 'Helmbrecht' ; sie hat mir eine größere Sicherheit gegeben
zu entscheiden, was von Fehlern dem Schreiber selbst zuzutrauen,
was seiner Vorlage zur Last zu legen ist.
Zuletzt hab ich mir dann von den Blättern 215 und 216 der
Handschrift mit gütiger Zustimmung der Direction der K. K. Hof-
bibliothek Schwarz-weiß-Drucke anfertigen lassen, um eine völlig
sichere Grundlage zu besitzen. Im allgemeinen hat sich der Ab-
druck Bergmanns als zuverlässig erwiesen; ich notiere von Ab-
weichungen nur: Plusvers nach 64 (65 B.) vnns^ (st. vnns) — 132
(133 B.) ^un wenden (st. jnnwenden), womit eine Conjectur Haupts
(Zs. f. d. Alt. 15,467) bestätigt wird — 319 (320 B.) nider -~
322 (323 B.) mein' (st. mein) ~ V. 369 (370 B.) ist wiederholt:
laffe naher rucJcen. laße naher riigJcen — 466 (467 B.) nynnd&rt —
581 (582 B.) Fer avifen — 674 i n (st. ir, von Hpt. schon gebessert)
— 735 als (st. also) — 813 dein (st. dem).
Grieich nach dem Erscheinen von Haupts Ausgabe hat
F. Zarncke im Litterar. Centralbl. 1871 Nr. 49 Sp. 1238 f. auf ein
paar Abweichungen von der Hs. hingewiesen, die wohl nicht be-
absichtigt und jedenfalls nicht begründet waren (38. 287. 328. 346.
445.): es sind Lässigkeiten wie sie sich bei Haupt häufiger finden
als man glauben möchte; auch der Vorwurf, daß die Angabe der
Lesarten ungenau sei, war nicht unberechtigt. Gegen Haupt ver-
teidigte Z. mit Recht die hsl. Lesart (dem) 562 ; weiter machte er
Vorschläge zu 353. 404. 642, die ich unbedenklich aufgenommen
habe.
Ein paarmal berührte er sich mit F. Bech , der in Pfeiffer-
Bartschs Germania 17, 41 — 50 aus seiner unvergleichlichen Kennt-
nis des mittelhochdeutschen Wortschatzes heraus eine Reihe treff-
licher Erläuterungen spendete, das dcere 412 rettete, für 719 die
Besserung fand, auch die verderbte Stelle 353. 54 vollständiger
als Zarncke heilte.
Seitdem hat sich nur K. Helm in Paul u. Braunes Beiträgen
34, 292 — 306 eingehender mit dem Gedichte beschäftigt : er hat
allerlei zur Erklärung beigesteuert, gelegentlich wohl auch Unnö-
tiges, und für die Lokalisierung in Tirol neue Gründe beigebracht.
Gegen Haupts Interpunktion erhebt er widerholt Einsprache, ver-
teidigt auch in einigen Fällen den hsl. Text gegen den Heraus-
geber; ich stimme ihm — wenn auch nicht immer seinen Gründen —
zu in Bezug auf 64. 84 (s. u.). 722 ; auch seine eigenen Vorschläge
zu 312. 469. 633 treffen das richtige — ja was 312 anlangt, so
hab ich früher angenommen, daß vahs st. vlahs (für tvachts der Hs.)
90 Edward Schröder,
bei Haupt nur eben ein Druckfebler sei: allerdings bin ich mir
nicht sicher, ob man dann ein ichiige^ vlahs stehn lassen dürfe
und nicht vielmehr iveniger ändern müsse*).
Im einzelnen böten die Ausführungen Helms vielfach Anlaß
zur Bestreitung oder Diskussion — ich will mich hier ganz auf
die Textkritik beschränken, und nur das hereinziehen was dafür
unumgänglich ist. Ich denke den Beweis zu liefern, daß an dem
Text noch sehr viel zu tun ist, und ich hoffe für die größere Zahl
der anstößigen Stellen auch das Heilmittel gefunden zu haben.
Nicht alle Abweichungen meines Textes von Haupt und den
Vorschlägen von Zarncke, Bech und Helm will ich hier rechtfer-
tigen, sondern es den leichtern Korrekturen überlassen, sich an
Ort und Stelle zu bewähren.
Ich habe über meine Vorgänger hinaus den hsl. Text wieder
eingesetzt: V. 22 f., wo es Hpt. offenbar gestört hat, daß der
Ehemann sagt : sit die teile ich liän den lipj und dabei doch nur die
Zeit seit seiner Verheiratung meinen kann; an so etwas darf man
sich aber bei einem mhd. Dichter nicht stoßen ! — V. 52 — V. 147
— V. 249 — V. 327 und cüten e vil man ig er tage Viel zu früh
alt werden' — V. 426 — V. 506 — V. 591 (s. u.) — V. 640 —
V. 733 — V. 743 — V. 766. Ich glaube nicht, daß ich bei heu-
tigen Lesern hier irgendwo Widerspruch finden werde. Auch daß
ich für das claufendre der Hs. V. 230 clüsencere (st. Idösencere H.)
einsetze, wird man billigen.
Zwei Stellen verlangen eine nähere Erläuterung, denn hier ist
die Änderung Haupts geradezu verhängnisvoll. V. 546 ff. lauten
nach der Handschrift umgeschrieben:
ez geschuof nie kein hischof H. gesluoc
[den] sündceren so gedihte H. deti sünder
mit besmen an der hiJite
so si mich mit dem schite sluoc.
d. h. 'kein Bischof verordnete je in der Beichte [den] Sündern so
viel Ratenhiebe, wie sie mich mit dem Scheite schlug'. Haupt macht
den Bischof zum Profoss, und Helm S. 300, der offenbar hier die
hsl. La. übersehen hat, bemüht sich, diese Ungeheuerlichkeit, daß
der Bischof (in der Beichte I) selbst prügelt, durch legendarische
und historische Einzelfälle der Geiselbuße ('disciplina flagelli') zu
rechtfertigen.
1) Hat Haupt aber ra/w mit Absiebt gesetzt, so bat er es selbstverständlich
nicht anders verstanden als Helm: 'Flachsfaser'.
Zur Kritik des Gedichtes 'Von dem Übeln Weibe'. 91
V. 604 iF. schreib ich mit der Hs.:
vil scdiclichen ich gewarf:*)
mit dem stechen ich st traf
daz ir daz hluotige saf
üz wischte durch ganzes vel: H. ir glanzez
Das Blut dringt durch die unverletzte Haut hervor : darauf deutet
ja auch das Verbum nz ivischen. Haupts Änderung stört zugleich
die künstlerische Ökonomie des Dichters : kein Zug in dem ganzen
Werkchen klärt uns darüber auf, ob wir uns das böse Weib
schön oder häßlich zu denken haben — und das ist Absicht!
In einigen Fällen geb ich Haupt den metrischen Anstoß zu,
glaube ihn aber in anderer Weise beseitigen zu müssen, oder ein-
facher heilen zu können. So schreib ich
V. 72 slah ich si eins, st sieht mich zwir H. ichs einest
V. 84 seht ivelh geselleschaft daz si H. wie ein selleschaft
das tvie ein der Hs. ist ein jüngerer Ersatz, den Haupt selbst nur
aus dem Wolfdietrich A (der Ambraser Hs. !) 465, 2 zu belegen
vermag; auch hier verlangt der Yers die gleiche Besserung: hväfen''
sprach der Krieche, hvelh ungefüeger bach P
V. 101 gefreut er sich niht halben tac H. freut — nimmer
V. 137 sin herze enivwre steinen H. enst von
In der Hs. steht wäre dann von steinen : nachdem das jüngere dann
als Eindringling beseitigt ist, bleibt der weitere Anstoß, daß ein
Herz zwar von steine (^ex lapide') oder steinen ('lapideus'), aber
nicht von steinen ('ex lapidibus') sein kann, und da die Form steinen
vom Reim gefordert wird, wäre der Vers mit der Streichung des
V071 leichter und besser kuriert, als mit ensi für emvcere. Die Än-
derung müest{e) für muoz im folgenden Vers ist deshalb keineswegs
nötig.
Y. 239 Dill, rede ist leider mir ein spei H. mir leider ist
V. 761 als einer frouwen tuot ir Jcneht H. froun ir eigen Je.
Ich will hier gleich die wenigen Stellen anreihen, wo ich über
Haupt hinaus durch einen metrischen Anstoß auf eine Änderung
geführt worden bin, die sich aber auch sprachlich oder sachlich
rechtfertigen wird. Ich schreibe also:
*) So ist zu interpungieren : 'felicissime rem gessi' ; geivarf zu bair. werven,
nicht zu icerfenl
92 Edward Schröder,
V. 317 daz deJisschU^) über minen köpf
V. 550 st sluoc daz ie der slac g e truoc d. h. 'daß jeder
Schlag seine Wirkung tat'
V. 662 mm roc^ {mm} wamhis noch min pJieit.
Metrisch unerträglich ist femer der Vers 73 Swaz ie daz ander
tiiot , {daz dünJcet uns^) dcivederz guot) denn ich vermag ihn nicht
anders als dreihebig zu lesen; sivaz so zu schreiben, dazu scheint
mir das Gedicht zu jung: ich schlage also vor
swaz ie daz (ein und) ander hiof.
Und nun möge ein rundes Dutzend Stellen folgen, wo der An-
stoß allein vom Sinn und "Wortlaut herkommt.
Daß ich V. 62. 63 ausgeglichen habe
stcaz mir üwt icol daz tiiot ir we ;
swaz ir tiiot we daz tuet mir wol st. daz
bedarf wohl keiner Verteidigung.
V. 80 f. spriche ich Tcriimp alsam ein swühel,
st spricJiet sieht alsam ein zein st. reht.
Der G-egensatz zu Tcrump ist nicht reht sondern sieht (Helmbr. 667
ez tccere h-ump ez tvcere sieht), und dieses ist auch das feste Bei-
wort für den 'Zein': vgl. die bekannten Waltherstellen 15,32;
30, 28 und etwa noch Tristan 6710 strac und sieht alsam ein zein.
V. 184 und den man durch diu reder tvant st. lant.
Es heißt wohl uf daz rat binden (vgl. Walther 85, 15), aber hier
ist von 'rotae implicare', 'rotae innectere' (J. Grimm, RA. S. 688 ff.)
die Rede; merkwürdig bleibt der Plural: 'durch die Radspeichen
flocht' ?
V. 233. 34 ändere ich das stet iget der Hs. in den Konjunctiv:
ir heider rimve, ob diu so ste
daz diu sin durch ir herze ge,
V. 279. 80 ist das 'Stoßen gegen den Kropf höchst anstößig:
soll der Mann seinen eigenen Hals als 'Kropf bezeichnen? und
sind denn Stöße gegen den Hals überhaupt etwas so gewöhnliches
wie es hier hingestellt wird? Dazu kommt, daß auch das Haar-
ausraufen 'aus dem Kopfe' keineswegs eine natürliche Ausdrucks-
weise ist; wenn auch in unserem Gedichte, wie Haupt bemerkt
hat, köpf schon mehrfach für 'caput' steht, so ist doch damit immer
der Schädel gemeint : Haare aber rauft man Hz der swarte oder —
1) Schon von Bech erwogen. 2) oder unser 7
Zur Kritik des Gedichtes 'Von dem Übeln Weibe'. 93
tU dem schöpfe \ Ich schreibe also:
äne stöben gen dem Jcopfe
und roufen här üz dem schöpfe.
^die Kopfnüsse nnd ausgerissenen Haare ungerechnet'. Nach V.
688 ff. hat er ja im Jahre 3 x 365 Schläge nach dem 'köpfe bezogen !
V. 322 f. würden nach der Hs. lauten
st nam se miner gesihte
in die Jmnt daz vorig schtt
'daz vorige Scheit', wie es der Schreiber zweifellos verstand, ist das
317 genannte (dehs)schU — aber vorig ist unmöglich; Bechs über-
schtt ist ein Yerlegenheitseinfall und Haupts veige schtt zwar geist-
reich, aber unwahrscheinlich. Beachten wir, daß der Dichter eine
ausgesprochene Neigung hat für das 'stoffliche' im engsten Sinne:
die tsenmen Mle 182, der hirzine vezzel 656, der stähelme spiez 700 ;
namentlich auch bei den Prügelwerkzeugen: 515 ein eicJien üher-
sticJce, 300 f. diu swinge hagenhiiochm , so werden wir auch hier
etwas ähnliches erwarten: das dehsschtt (das gleich darauf nach
seinem Eisenbeschlag auch dehsisen heißt) ^) war vorhin: 'von
Föhrenholz', und der Schreiber, der das Adjektivum als 'vor-hin'
verlas, hat es in vorig umgesetzt.
V. 464 5^ spranc vil ühellich hindersich :
'boshaft springen' ist etwas sonderbar, und obendrein paßt der
Sprung nicht in die Situation. Nun ist sprancili) ein gar nicht
seltener hsl. Fehler für sprach^), und dies ist unzweifelhaft richtig :
460 hat sie ihn scheel angesehen, jetzt redet sie giftig über die
Schulter weg zu ihm; das ist eine gute Steigerung.
V. 536 f. noch dristunt dicker den der sne
üz den lüften erliehet sich
ist der bare Unsinn : der Schnee 'erhebt sich' — 'aus den Lüften' ?
Ich weiß keine andere Besserung als die Änderung ins Gegenteil:
liz den lüften reret sich.
Über sich reren, sich nider reren s. die Wbb. ; dazu vgl. (Gott) der
den sne von himel reret Mariengr. 504.
V. 551 st sliioc daz ie der slac truoc 1. getruoc (s. 92)
slac nach slage über rugge
So schreibt Haupt: in der Hs. steht fchlach fchlage. Nun ist die
Orthographie Kieds in gewissen Punkten eine überaus feste: aus-
1) Vgl. auch die Bedeutungsentwickelung von 'Grabscheit' und ähnlichen
Werkzeugnamen. 2) und umgekehrt.
94 Edward Schröder,
lautendes g schreibt er niemals ch\ das Prät. sluoc kommt gegen
40 mal als fclilüg oder flüg vor, ebenso hat das Subst. slac stets g :
speziell die Wendung flag nach flag{e) kehrt mit dieser Schrei-
bung dreimal wieder 365. 540. 626. fcUach hingegen ist die Form
der 1 P. Sg. Präs. (72 fchlach ich, 747 ich fchlach) und kann selbst-
verständlich ebensogut für den Imperativ stehen. Ich stelle also,
statt ein nach einzufügen, die Imperativform und zwar als Kampf-
ruf her: 's l aha slachP (= Helmbr. 1029).
V. 653 {ich enphie von ir hende)
vil hüJiel nnde reise
schreibt Haupt mit der Handschrift: aber der starken Hyperbel,
die in hühel liegen müßte, entspricht wieder nicht das einfache
reise 'Hitze' — und schließlich liegt doch biule{n) wahrlich zu
nahe, um nicht an ein Verhören (des inneren Obres) zu denken;
diese hiule kehren auch V. 715 wieder.
730 ff. du mäht ezzen ungesoten
nätern zagele unde Jcrofen
und alliu eiter trinken.
'Natternschwänze' sind doch wahrlich nicht gerade das giftige an
dem Reptil, und obendrein erwartet man hier eine Dreiheit: diese
erhält man wenn man schreibt
nätern, egel unde h'oten.
Über die giftige Natur der Blutegel und ihre Ursache vgl. Konrad
von Megenberg S. 306 f.
Eine recht böse Stelle eröffnet den Schlußabschnitt : V. 801. 802.
In der Hs. steht Do tvir also gefniten, vnd daj fy geßritcn {den-
strit zwischen tins beiden). Haupt ließ den Vers 801 unangetastet,
obwohl er das gesniten unverständlich fand^) und änderte V. 802
ivären unde sus gesfriten — diese Herstellung schien ihm aber selbst
nur ein Notbehelf. Der Fehler liegt zweifellos im Reimband, und
zwar sind beide Reimwörter falsch : wir müssen sie radikal ändern,
brauchen aber darüber hinaus keinen Eingriff vorzunehmen. Ob
ich freilich die richtige Eintauschung vornehme, indem ich schreibe :
Do wir also gerihten
und das si gesUMen
den strit zwischen uns heidetij
dö wurden wir gesclieiden,
1) "Wie sich Helm S. 304 damit abfindet, hab ich nicht verstanden. Nach
der Überlieferung müßte doch sniden absolut sein und 'fechten' bedeuten; bei
Haupts Änderung hieße gesniten 'verwundet': das erste ist nicht bezeugt und
das zweite höchst unpassend: man hat nur mit stumpfen Waffen gekämpft!
Zur Kritik des Gedichtes 'You dem Übeln Weibe'. 95
darüber bin ich mir noch nicht klar. Und dann vermag ich selbst
nicht zu entscheiden, wie man diese Fassuog zu übersetzen haben
würde: ob rihten absolut zu nehmen ist, also 'als wir Gericht ge-
halten, den Zweikampf durchgeführt hatten' — oder transitiv:
'als wir den Streit ausgeführt und jene ihn geschlichtet hatten';
ich glaube das letztere.
Ich schließe hier noch ein paar Bemerkungen zur Interpretation
an, hauptsächlich um zu rechtfertigen, warum ich mehrfach von
den Vorschlägen Helms keinen Gebrauch machen konnte. Da-
zwischen schalte ich Hinweise auf Stellen ein, deren Überlieferung
mir verdächtig erscheint, ohne daß ich den Text vorläufig zu ändern
wage oder bei der Änderung sicher bin.
V. 39 ff. ez tcas getempert in ein vaz
beide zorn unde haz,
darsno geiverre unde nit,
beide hazzen unde strit.
Der Dichter schwelgt hier wie vielfach in der Variation, es ist
daher ganz ausgeschlossen, daß er haz — haszen unmittelbar wieder-
holt habe. Aber was soll man in V. 42 einsetzen? kriegen (oder
l'riec) wäre eben nur ein Notbehelf.
Zu V. 50 f. 58 f. 66—69. 79. 80 ff. bemerkt Hm.: 'die Adjectiva
sind natürlich direkte E^ede und wären besser durch die Inter-
punktion als solche zu kennzeichnen' — aber Haupt hat hier gar
nicht Adjektiva, sondern Substantiva (substantivierte Neutra) ge-
sehen, und ich bleibe bei seiner Auffassung. — 64. 'Da ivonen einen
guten Sinn gibt, so ist Haupts Änderung türeyi nicht nötig' (Helm).
Auch ich habe mich nicht entschließen können, sie aufzunehmen,
und zwar aus dem Grunde den Hm. weiterhin anführt. Aber
dieser hat doch übersehen, daß Haupts Vorschlag dem scharf-
sinnigen Versuch entsprang, die Entstehung des sehr auffälligen
Zusatzverses vnns^baider trew also ivefen foll zu erklären. — 105.
Wegen des Und bin ich jetzt geneigt ieman st. nieman zu vermuten:
'Und wenn mich auch Jemand einen Affen schälte . . .' — 165 u.
193. die von Bech und Helm vorgeschlagene Negationspartikel im
negativ exzipierenden Satz ist nicht notwendig: sie fehlt schon
vielfach in ausgezeichneten Hss. des 12. Jhs., wie in der Vorauer
Hs. der Kaiserchronik, in der Heidelberger Hs. des Rolandsliedes. —
211. Ried setzt sehr oft die Vollformen von haben ein wo die Vor-
lage die Kurzformen hatte, also häntP — 250. Ich ziehe noch
immer die von Bergmann z. St. empfohlene Erklärung: 'mein
Können ist ver Schnitzer t', 'ist in Stücke gegangen' vor. — 377 f.
96 Edward Schröder,
Ich sluoc ie den andern slac daz er für den erren (resp. erren) tvac
(st. ersten)'^ — 469. genüis^est Hm. für hsl. geneu/feßy das seit langen
Jahren in meinem Handexemplar steht, rechtfertigt sich auch
durch die Beobachtung, daß Ried oft bei den Verben der 1. u. 2.
st. abl. Konjugation in der diphthongierten Umschrift Präsens und
Präteritum verwechselt, so z. B. in unserm Text V. 356 greyffen
für griffen. — 482 if. Isalde, das im Vers steht, würde für Eilard
nichts beweisen^), wohl aber Tristranden im Reim 486! — 489.
hin se tal st. nie ze tal ? — 498. des wart ich herre maneges slages,
leider guotes leere wird offenbar als 'Besitzer manches Schlages'
gedeutet (= gewan manegen slac), aber mir ist dabei doch unbe-
haglich; ob herte? — 571. so wcere ich {gar} ein töre oder (woT)?
— 589 if. Die Einführung der hsl. La. 591 verlangt Änderung der
Interpunktion :
Hie gät ez an ein striten H. strUen.
mit prügeln und mit scliUen. H. schtten
gesähet ir solch vehten ie? Hs. !
mit drischelslegen ez hie gie.
Haupt interpungiert nicht selten aus der Tendenz heraus, die Reim-
brechung zu bewirken, die aber unserm Dichter gar nicht so geläufig
ist. — 649. An gebort 'gebohrt' darf nicht gerührt werden: bei
der Herstellung des Stuhles (vgl. 'Stuhldreher') erscheint die
Drechslerarbeit (das Drehen und Bohren) als das wesentliche. Und
was hätte es denn für einen Sinn (mit Helm) zu sagen: 'ein bes-
serer Stuhl wurde nie als Schild benutzt', wo doch dieser Kampf
mit dem Stuhle eben als eine groteske Singularität hingestellt
wird! 'Ein besserer Stuhl ward nie fabriziert' — als der der sich
mir als Schild tauglich erwies. — 718. nu ist mir guot noch {der)
lip. — 737. des tag es? — 773 u. 783 f. verdient die Interpunktion
Helms den Vorzug, ich habe sie eingesetzt.
Über die Heimat des Gedichtes konnte schon nach Haupts
Ausführungen kein Zweifel sein: das Interesse, welches Lexer,
Hintner, J. V. Zingerle dem charakteristischen Wortschatz schenkten,
vermehrte die Anzeichen des tirolischen Ursprungs, den zuletzt
noch Helm weiter gefestigt hat.
Über das Alter hat sich bisher nur Haupt im Vorwort aus-
gesprochen : er setzte das Werkchen 'in die Mitte oder in die zweite
Hälfte des 13. Jahrhunderts', hauptsächlich wohl aut Grrund ge-
1) Wenn nicht in Isalde der Salden hrotie ein Wortspiel beabsichtigt ist?
Zur Kritik des Gedichtes 'Von dem Übeln Weibe'. 97
wisser Erscheinungen in der Sprache, wie des Reims erbaret : gevdret
733. 34 und der Jüngern Bedeutung von Icopf, vielleicht auch eben
wegen der Ironie mit der es der Kultur der Blütezeit gegenüber-
zutreten scheint.
Nichts anzufangen ist mit den direkten litterarischen Bezie-
hungen, ja es ist vielleicht von IN'utzen, wenn ich ausdrücklich
darauf hinweise, daß sie uns eher irreführen könnten. Außer dem
König Eother (156) und drei Gredichten aus dem Kreise der Helden-
sage: Walther u. Hildegund (305 ff.), Dietrich und Witege (257 ff.
527 ff.) und Dietleib und das Meerweib (696 ff.) kannte der Verfasser
den Parzival (409. 580 ff.), Hartmanns Erec (413) und einen Tristan
(483 ff). Pyramus und Tisbe braucht er nicht aus Albrecht von
Halberstedt und Eneas (385) und Dido (439 ff.) nicht unbedingt
aus Heinrich von Veldeke zu kennen — aber man beachte: sein
Tristanroman ist den Namensformen nach der des Eilard von
Oberg, von Hartmann citiert er gerade das frühste Werk, und
seine Kenntnis der Parzival brauchte nach V. 580 ff. nicht über die
ersten sechs Bücher hinauszugehen! Danach könnten seine litte-
rarischen Kenntnisse in den ersten Jahren des 13. Jahrhunderts
erworben sein. Aber das trügt und ist Zufall — die versteckten
litterarischen Beziehungen führen hier weiter als die offenliegenden
Zitate. Schon Bock Q.-F. 33, 56 ff. hat gezeigt, daß sich die Re-
miniszenzen und Anspielungen auch auf den 'Willehalm' erstrecken.
Erste Voraussetzung unseres Gedichtes ist aber die Neidhar-
tische Richtung in der Litteratur! Ich weiß nicht, ob man sich
die Kontrastkomik der Situation wirklich klar gemacht hat. Die
'böse Frau' — so müßten wir eigentlich das Hibele wip' wieder-
geben — ist eine Bäuerin und ohne jede gesellschaftliche Bildung.
Sie handhabt die Flachsschwinge (300), sie kann spinnen (446),
dehsen (311), nntiven (334) — also alle die häuslichen Arbeiten,
welche das bäuerliche Liebchen eines Neidhart von Reuental oder
Gottfried von Neifen ausführt, dieselben i^rbeiten, welche der
Bauernsohn Helmbrecht seiner Schwester Gotelind zu verekeln
strebt : V. 1359 f. &? dem muost du nünuen, dehsen, sivingen, hliuwen.
Und Helm hat überzeugend ausgeführt, daß der Schauplatz des
Kampfes die Hauptstube eines oberdeutschen bäuerlichen Anwesens
ist (S. 298). Der traurige Held der Geschichte aber, der sich selbst
mit grotesker Ironie in immer neuen Szenen des ehelichen Krieges
vorführt, dessen Phantasie ist erfüllt von Heldengeschichten
und Liebespaaren, klassischen und romantischen — er sehnt sich
aus diesen Prügelszenen hinweg zu den Standesgenossen in der Inns-
brucker Weinkneipe (552 ff.) oder zu einem höfischen Tanze (406 f.),
Kgl. Ges. d. Wiss. Nachrichten. Phil.-hist. Klasse. 1913. Heftl. 7
98 Edward Schröder,
oder gar in einen beschaulichen Winkel : od ich Mete tmscJie gelesen
von dem iverden Par^ifäle (408 f.). Man sieht, das Gedicht zieht mit aus-
gelassener Laune die Konsequenz der 'höfischen Dorfpoesie' : es
zeigt den flotten Junker eingefangen im Bauernhause und in einem
höchst prosaischen Ehestand allen Derbheiten und Roheiten seines
Hausdrachen ausgesetzt. Nur ein Publikum das die Dichtungen
Neidharts von Reuental kannte und mit der ganzen Richtung
wohlvertraut war, besaß das volle Verständnis sowohl für die
Situationskomik wie für den satirischen Gehalt des Gedichtes.
Man hat neuerdings von verschiedenen Seiten nachgewiesen,
daß auch für die Geschichte von dem Bauernsohne 'Helmbrecht'
nicht nur die allgemeinen Kulturbedingungen der Neidhartischen
Richtung die Voraussetzung bilden, sondern auch eine direkte litte-
rarische Abhängigkeit vorhanden sei, die wohl auch schon über-
trieben worden ist. Nun bestehen zwischen dem 'Übeln Weib'
und dem 'Helmbrecht' unleugbare Beziehungen, die nicht so weit
gehn, daß man die beiden Gedichte in ein ganz bestimmtes Ver-
hältnis setzen könnte, aber doch deutlich genug sind, um sie dem
gleichen litterarischen Milieu und dem gleichen, eng begrenzten
Zeitabschnitt zuzuweisen: ich denke an das sechste Jahrzehnt des
13. Jahrhunderts. In dem einen Gedicht führt das Herabsteigen
des Junkers in die bäuerliche Sphäre zur Tragikomödie, in dem
andern endigt das Hinwegstreben des Bauernsohnes von Haus und
Beruf des Vaters mit einer tragischen Katastrophe. In beiden
Werken haben wir die gleiche lebhafte, gelegentlich aufgeregte
Erzählungsmanier mit den zahlreichen Parenthesen (die sich gleich
durch die Klammersetzungen unserer Ausgaben herausheben), mit
den beständigen Beteuerungen und Anreden an die Zuhörer, die
z. Tl. in dieselben Formeln gekleidet sind. Man vergleiche etwa
Helmbrecht Üb. Weib
57 weit ir nii liceren me (vgl. 20. 72) 495 Welt ir nu liceren mere
74 ejs ist war daz ich iu lise 366 ez ist war daz ich iu sage
697 Hie hebet sich ein nioere 512 (589) Hie gät ez an ein dcere
{striten)
Es fehlt auch nicht an Versen, die man als Reminiszenzen
ansprechen kann, sobald einmal die Beziehungen zugestanden sind :
73 von ener nestel her in diso 539 hz disem winket hin in jenen
409 ich bin so muotes roize^) 154 so ist si so rmiotes rceze
719 f. diu swester im engegen lief, 449 f. gegen mir st balde lief^
mit den armen si in um- mit den armen st mich um-
beswief beswief
1549 swie man ez briet oder söt IS^ swie man inbriet,swie man in söt
1) Lieblingswort Wernhers d. Gärtners: 106. 154. 1260.
Zur Kritik des Gedichtes 'Von dem Übeln Weibe'. 99
Dazu begegnen vielfach die gleichen Reimwörter und Reimbänder,
auch so ungewöhnliche wie drlu : sibeniu H. 401 f. ÜW. 85 f.
Ich bin durchaus geneigt, den 'Helmbrecht' als das ältere Gre-
dicht anzusehen, dem aber das 'Übele Weib' in kurzer Frist ge-
folgt ist. Dafür glaub ich folgenden Anhaltspunkt zu haben. Der
junge Helmbrecht spottet über die weisen Lehren seines Vaters
V. 563 ff.
und ob tiz dir worden tvcere
ein rehter predigcere,
du hrcehtest Hute wol ein her
mit dtner predige über mer.
Für den der so schrieb lagen die Kreuzzüge noch in der Luft.
Xun hab ich anderwärts gezeigt, daß den terminus ante quem non
für den Helmbrecht das Aussterben der Babenberger (1246) be-
zeichnet : der cechische Gruß 'dobra ytra' (V. 728) kann südlich der
Donau nicht Mode geworden sein, ehe dort die Premysliden Fuß
gefaßt hatten. Folglich kann mit dem Kreuzzug der Wernher
dem Grärtner vorschwebte, nur der letzte Kreuzzug gemeint sein,
den Ludwig IX. der Heilige von Frankreich 1248 unternahm —
die tunesische Expedition des gleichen Königs vom Jahre 1270
kommt gewiß nicht mehr in Betracht. "Wie sehr man sich aber
fitr die überseeischen Unternehmungen der Jahre 1248 — 1250 auch
im deutschen Südosten interessierte, das zeigen z. B. die Annalen
von S. Rudbrecht in Salzburg MG. SS. IX 789—792.
Und nun hat auch das Gedicht von der bösen Frau einen
Hinweis auf den Kreuzzug, der mir nicht bedeutungslos scheint;
nachdem die Bäuerin ihren Mann glücklich untergekriegt hat, sagt
sie in überheblichem Kraftgefühl V. 798 ff.
vceM ich mit al der Jieidenschaft
so gar dne sorgen^
ich nceme daz Jcriuze morgen.
^Morgen am Tage nahm ich das Kreuz' kann man doch nur in
einer Zeit sagen, wo der Gedanke an einen neuen Kreuzzug den
Menschen geläufig ist. Und das mag recht wohl für die 50 er
Jahre des dreizehnten Jahrhunderts zutreffen, kaum für eine we-
sentlich spätere Zeit.
Auch Wernher, der Verfasser des Helmbrecht besitzt allerlei litte-
rarische Kenntnisse, und er zeigt sie gern, nur ist es bei ihm
kein Kontrastmittel mit angestrebter komischer Wirkung. Wohl
aber treffen wir dasselbe Mittel angewendet in einer dritten Dich-
tung, die ich darum in noch nähere Beziehung zum Übeln Weibe
7*
100 Edward Schröder,
stellen möchte, im 'Wein schwelg'. Im ÜW. setzt der Held,
in dessen Rolle der Dichter spricht, seine häuslichen Kämpfe in
Parallele zu den Kämpfen der alten Recken und in Kontrast zu
dem Liebesglück der Romanhelden. Im Weinschwelg spottet ein
gewaltiger Zecher über alle Torheiten und über die tragischen
Schicksale berühmter Liebender. Gewiß ist das eine ganz anders
gewendete Ironie, aber doch nicht derart, daß nicht der eine
Dichter vom andern angeregt sein — ja daß sie nicht beide eine
Person sein könnten. Granz Zufall kann es doch kaum sein, wenn
hier der Trinker renommiert (W. 337 ff.):
Pyramus und Tlspe
den ivart von minne so ive
daz st sich rigen an ein sivert,
mm minne ist hezzers Jones ivert
und dort der geprügelte Ehemann klagt (ÜW. 385 ff.):
Tispe unde Fyramus
gevohten wenic habent sus,
die sich durch minne stächen
und enwesten tvas si rächen.
Beziehungen liegen hier unstreitig vor, und es ist möglich, daß
es die allerintimsten sind. Von Seiten der Sprache und Technik
steht nichts im Wege, die beiden Gedichte aufs engste zusammen-
zurücken. Der Hinweis auf die hohe Schule von Treviso (Wschw.
300) zeigt, daß das Gedicht nach 1260 fällt, und macht es zugleich
wahrscheinlich, daß sein Verfasser ein Tiroler war. Der Wschw.
hat etwa halb so viele Reimpaare (208) wie das ÜW. (410). In
beiden Gedichten herrscht nahezu absolute Reinheit der Bindung:
im Wschw. kann man nur allenfalls Tuscän : man 301 f. ^), aber
kaum noch erreten : treten 235 f. ^) als Vertreter der beiden dialek-
tischen Typen ansprechen, die im ÜW. durch man : Aspriän 155 f. ^),
möraz : icäz 37 f. ^) und stetie) : het^e) 219 vertreten sind. Darüber
hinaus treffen wir in dem umfangreichern ÜW. nur eben h/W : mer
76 f., verre imerre 19Sf. und erbaret : yeväret 733 f. an. Von den
Reimformen des Wschw. ist ^nr (: se) 391 im ÜW. nicht bezeugt.
Die Differenzen sind so gering und so natürlich, daß sie der Gleich-
setzung der Verfasser jedenfalls nicht im Wege stehn würden.
Für eine solche spricht aber anderes. In beiden Gedichten
1) Tuscan als Fremdwort kann anceps sein.
2) treten kommt auch schwach vor — und dann ergibt die IIs. erjeten !
3) Auch hier wieder Fremdwörter!
Zur Kritik des Gedichtes 'Von dem Übeln Weibe'. 101
ist die Prozentzahl der klingenden Reime sehr hoch: über 34 7o
im Wschw., fast 40% im ÜW. Nehmen wir einen etwa gleich-
zeitigen höfischen Epiker aus österreichischen Landen wie den
Pleier: er bringt es im ganzen nur wenig über 20 Vo! Dies
Schwelgen im klingenden Reim, der gelegentlich auf kurzem
Strecken gehäuft erscheint (Wschw. 258—277: 6 von 10 Reim-
paaren) ist in dieser Zeit stets ein Zeichen von formellem Ehr-
geiz^). Und nun haben beide Gedichte auch eine Eigenart, die
sonst leicht als Lässigkeit erscheint, es hier aber durchaus nicht
ist: den Vierreim. Der Wschw. setzt mit einem Vierreim (-ehen)
ein und bietet 315 — 318 einen zweiten {-iuset)] das ÜW. zeigt
Vierreim 37—40 (-a^) und 275—78 {-unt).
Auch auf ein eigentümliches Paar von Doppelformen, das in
der Überlieferung bewahrt ist, möcht ich hinweisen. ÜW. hat
im Reim ^;/"awwe;^ 35, im Vers phancU 28 ; Wschw. im Reim hannen
7, im Versinnem lianel 13. 260. 379; ich erinnere daran, daß es
sich um verschiedene Handschriften handelt.
Von sachlichen Berührungen und wörtlichen Anklängen findet
sich außer den litterarischen Anspielungen wenig. Daß der Zecher
Ungenoß einen hirzhdls (404), der geplagte Ehemann einen hir^tnen
vezzel (656) trägt, soll nicht verschwiegen werden ; die Schläge des
Weibes bewirken, äaz er zarte sich (658), und gleich darauf heißt
es wieder von dem Pf eit : daß sluoc sl deiz sich zarte (664) — ganz
ähnlich im Wschw. (400) daz sich daz hemde zarte. Der Zecher
preist seinen Wein : ich emphienge dich gerne, künde ich, haz (Wschw.
223), der bedrängte Gatte seine Schutzwaffe: ich lobte den stuol,
und Mnde ich, haz (ÜW. 647).
Daß auch der Weinschwelg' die Dichtung Neidharts und
seiner Richtung als bekannt voraussetzt, hab ich bereit^ im Anz.
f. d. Alt. 13, 120 hervorgehoben, wo auch Beziehungen zu Ulrich
V. Lichtenstein angedeutet sind. Die übermütige Wendung V. 180 ff.
ichn urliuge noch enbdge
noch enruoche ivie blöz der ivalt ste.
mim schadet der wint noch der sne,
der rife noch der anehanc
ironisiert deutlich die Winterklagen Neidharts (ts und anehanc
76, 8) und Neifens {rife nnd anehanc 37, 2).
1) Die Reimkunst des Dichters ist gut gewürdigt von Ludwig Bock Q.-F.
33,59, dessen These, das Gedicht sei direkt eine Parodie Wolframs, freilich übers
Ziel hinausschießt.
102
Anhang. Zur Kritik des 'Weinschwelgs'.
Nachdem ich micli auf Anregung des Verlegers entschlossen
habe, der neuen Ausgabe der 'Bösen Frau' den 'Weinschwelg' bei-
zugeben^), lasse ich hier noch einige kritische Bemerkungen zu
solchen Stellen folgen, in denen meine Ausgabe dieses Gedichtes
von den frühern abweicht.
Der Text fußt auf dem Cod. vind. 2705, der vortrefflichen
Hs. der kleinen Gredichte des Strickers, die noch dem Ausgang
des 13. Jahrhunderts angehören muß. Die von Wackernagel in
seinem 'Lesebuch' gebotene Rezension haben Hahn, Vernaleken,
SchrÖer mit geringen Änderungen wiederholt. Dann zog K. Bartsch
in s. 'Beiträgen z. Quellenkunde der altdeutschen Litteratur' (1886)
S. 87 — 94 aus der Karlsruher Hs. Durlach 481 eine verstümmelte
Fassung ans Licht, die — das hat Lucae richtig gesehen — auf
eine Aufzeichnung und Ergänzung aus dem Gedächtnis zurück-
geht. Bei dem Versuch, diesen völlig entstellten Text für die
Kritik auszupressen, ist Bartsch freilich unmethodisch verfahren,
denn für solche Dinge wie das Fehlen und Vorhandensein von
Füllwörtchen bietet eine solche Sudelei keinen Anhalt. Immerbin
durfte der Hs., wie ich mich jetzt überzeugt habe, mehr entnommen
werden als es Lucae (1886) getan hat: ich weise hin auf V. 67
— Y. 7b grölen und so starc (vgl. 213 langen und so gros) —
V. 87 — V. 90 — V. 120, wo ick der Karlsruher Hs. gefolgt bin,
ohne daß mir eine Rechtfertigung nötig erscheint. Für V. 111 naht
unde tac ergibt die Einsicht der Wiener Hs. die Bestätigung,
denn hier steht nach un, während bisher hartnäckig noch (nach)
immer gelesen wurde; immer erscheint mehr als ein dutzendmal
abgekürzt, aber stets als imm^, nie als im^ oder gar als im.
Gewiß ist die Wiener Überlieferung gut, aber wenn auf eine
so kurze Strecke der grob entstellte Karlsruher Torso so viele
Besserungen ergibt, dann muß unser Vertrauen doch erschüttert,
unsere Wachsamkeit geweckt werden.
Zunächst freilich will ich eine Stelle verteidigen, wo Wacker-
nagel und Lucae die Hs. ohne Not verlassen. Ich schreibe 260 f.
swie vol diu Izannel wcere, si was meinem trunke niht volgroz, wäh-
rend jene gröjs einsetzen. Die Wiener Hs. hat den Fehler wol,
das vol gehört also schon der Vorlage an, und es gibt einen guten
Sinn, ja, einen stärkern als die Änderung: 'obwohl die Kanne bis
zum Rande gefüllt war, reichte sie nicht für 6inen Trunk aus'.
1) Die beiden Gedichte erscheinen nunmehr unter dem Titel 'Zwei altdeutsche
Schwanke'.
Zur Kritik des 'Weinschwelgs'. 103
VV. 272—274 lauten in den Ausgaben nach der Überlieferung
er singet mere süezer doene
denn aller slalite Idingen
und dller vögele singen.
Das ist nicht zu halten, denn zu aller slaJite Mingen gehört auch
der Vogelsang: vgl. Konrad v. Würzbg. Eng. 3166. 5339; Lieder
4,20. Ich schreibe darum denn aller seilen Mingen] vgl. auch
V. 55 denne sagen, singen, seitenManc.
Wackernagel und Lucae haben eine Menge Sjmkopen und
Apokopen eingeführt, um zweisilbige Senkungen zu beseitigen. Ich
habe mich hier von der österreichischen Hs. möglichst wenig ent-
fernt und glaube, daß man diese beschwerten Senkungen, die beim
richtigen Vortrag gar nicht störend wirken, ja z. Tl. direkt be-
absichtigt waren (wie die zweisilbigen Auftakte), nicht antasten darf.
Dagegen hab ich mich nicht (wie zuletzt ausdrücklich Lucae)
entschließen können, Verse bloß darum anzuerkennen, weil sie sich
mit den nötigen Hebungen lesen lassen. Zeilen wie
251 ich ivart nie \ trinhens sät
386 dä^ ich tüon \ däz ich teil
403 ich Jean tvöl \ wdfen mich
sind eben keine Verse ! die Änderungen tr inJcennes — (niac) tuon
— tväfenen werden unbedingt gefordert.
Auch V. 72 sin lop hat immer jugent ist nicht vollständig : die
Änderung immer (ivernde) jugent braucht kaum durch einen Hin-
weis auf die Häufigkeit von iemer wem begründet zu werden.
Mit sprachlichen Ausgleichungen bin ich vorsichtig gewesen:
die Feinheit des Konjunktivs V. 371 und trünke da, den ich früher
durch den Indikativ (trinket wie gät 369) ersetzen wollte, ist mir
erst bei der letzten Lektüre aufgegangen ; und ist relativ : 'um da
zu trinken'. — V. 386 siua^ st. da^ ist durch V. 387 direkt ge-
fordert. — V. 333 von minne st. minnen der Ausgaben hab ich
nicht nur deshalb gesetzt, weil so V. 326. 338. 345 steht, sondern
auch weil die Hs. minen bietet, das ebensogut Schreibfehler für
minne wie für minnen sein kann.
Zum Schlüsse muß ich meinen Zweifel gegenüber der richtigen
Überlieferung des Eingangs bekennen: Sivaz ich . . . hdn gesehen
— ich hdn . . . gesehen ist gar zu wenig als der Kontrast formu-
liert den man braucht: etwa 'was ich bisher gesehen hatte —
kürzlich aber hab ich gesehen'. Aber freilich zu der Änderung
Suajs ir trinkens hat gesehen hab ich vorläufig kein rechtes Vertrauen.
Spanisches zur Geschichte
der ältesten mittellateinischen Rythmik.
Von
Wilhelm Meyer aus Speyer.
Professor in Göttingen.
Vorgelegt in der Sitzung vom 24. Mai 1913.
Die drei Schriftstücke, welche ich hier besprechen will, sind
von Marias Ferotin 1912 veröffentlicht worden. In dem Liber
Mozarabicus Sacramentorum (= Monumenta ecclesiae liturgica
Vol. VI) beschreibt er Col. 913—921 eine Handschrift der Kathedral-
kirche in Leon, welche das mozarabische Antiphonar mit
reichen Neumen enthält. Die Hft ist geschrieben im Jahre 1066;
aber ein Computus, der sie eröffnet, beginnt mit den Worten: Ab
incarnatione domini usque ad presentem et primum gloriosissimi
Wambanis (672 — 680) principis annum, qui est era 710, sunt anni
672 (vgl. Ferotin, Liber ordinum p. XXXII). Daraus schließt Fe-
rotin, daß der ganze Text in der zweiten Hälfte des 7. Jahrhun-
derts entstanden sei, also in einer Zeit, wo noch kein Araber
Spanien betreten hatte. Das ist nicht sicher, aber möglich und
wahrscheinlich. Die Neumen können natürlich nur aus späterer
Zeit stammen. Ich will hier die 3 Prologe untersuchen, welche in
jener Hft von Leon dem Antiphonar vorgesetzt sind und welche
ich deßhalb bezeichne mit Prolog I *Ex natura', Prolog II 'Tra-
ditio Toletana', in rythmischen Versen, und Prolog III 'Iste pro-
logus', in lythmischen Distichen. Diese 3 Prologe berühren sich
im Inhalt und durch gleiche Ausdrücke so vielfach, daß sie offen-
bar von ^inem Mann verfaßt sind und zusammengehören. Der erste
Prolog ist in rythmischer Prosa geschrieben, wie sie im 7. Jahr-
hundert noch in Spanien geschrieben wurde (vgl. meine Ges. Ab-
Spanisches zur Geschichte der ältesten mittellateinischen Rythmik. 105
handlungen II 278 —282). Darnach ist es allerdings wahrscheinlich,
daß Ferotin Recht hat und daß diese Prologe im Ende des 7. Jahr-
hunderts entstanden sind.
Ich muß diese wichtigen Texte nach Ferotin' s Abdruck geben.
Ich habe mich bemüht eine Photographie der 4 Seiten zu erlangen;
doch vergeblich. Aber ich habe Grrund zu glauben, daß F^rotin's
Abdruck sorgfältig ist und nicht viele Fehler enthält.
I. INCIPIT PROLOGUS IN LIBRO ANTIPHOXARIUM OFFICIORUM (CodeX fol. 2).
Ex vatum prisca oräcula et rudi apostolorum sectus ^) doctrma,
quod provida sanctorum patrum industria, prout diversa fuere
(fruere Fer.) per tempora, licet diversa suavitatum modulatione
id proflugarat '"^j : nil tarnen devium e catholica iide in eodem suo
studio quicquam peregit: sed cuncta nihilhominus diversorum li-
brorum säle percondita^) et celestium gratiarum carismatibus
picmentata. Ibi*) enim tristia corda dulci solatione fobentur; ibi
copia peccaminum desperate mentes soliciantur ^) ; ibi carnales et
saxibus duriores änimos revolvüntur, adque etiam militum Christi
trophea celebria miris laiidibus adtolliintur. Quod opus quisquis
cum affectu actionis sedula meditatione censerit ^), profecto illius
prophete testimonio condignus erit qui dixit : 'Benedicam dominum
in omni tempore; semper laus eins in ore meo' {Ps.33,1).
Principium autem huius libri ab adventu domini nostri Jhesu
Christi, a sanctorum videlicet Aciscli et Victorie natalicia glo-
riösa, que per totius anni abeuntis et redeuntis disponuntur or-
bital) unicuique tempora congruentia adsignans misterio^) se-
cundum quod viridica et sancta et tam^) synodali robore firmata
nobis auctoritas tradidit Toletana.
At nunc quod imperitia nostra facultas habuit de sanctorum
meritis de multis paucis in hanc prefatio dictandi, iam impen-
damus fastigium in eorum honore quod dictum est scribendi^^).
Der rythmisclie Schluß, dessen 3 bis 4 Formen ich in der S. 131
folgenden Einleitung zu den Hergebeten skizzirt habe, steht ver-
einigt mit dem Schlußreim in den Sinnespausen, soweit diese nicht
unsicher sind. Die sichern habe ich durch Wortaccente notirt.
Der unsichern oder wenigstens mir unverständlichen Stellen gibt
es hier leider sehr viele. Denn der Text ist nicht nur durch Bar-
barismen des altspanischen Lateins verdunkelt, wie 'saxibus duri-
ores animos revolvüntur' statt 'saxis duriores animi r.', sondern
viele Wörter scheinen auch von dem Schreiber der Hft entstellt
zu sein.
1) Der eigentliche Anfang scheint zu fehlen. 2) prefulgurat
Fer, ; profligarit = perf ecerit ? 3) hier scheint der seltene Schluß
106 Wilhelm Meyer,
mit 3 Senkungen angewendet zu sein 4) die 3 mit 'ibi' begin-
nenden und mit tur reimenden Sätze bestehen aus je 6 vollbe-
tonten "Wörtern ; zu diesen rechne ich ^enim' nicht. 5) solatiantur
Fer. 6) censuerit'? 7) qui . . disponitur orbitam? 8) tempori . .
mysteria? 9) ueridica et sancta, etiam? 10) Dieser Schlußsatz
ist arg zerrüttet, facultatem ? pauca und prefatione Fer. E,yth-
misch richtig wäre der Schluß 'conscribendi'* Allein, was folgt,
der II. Prolog, handelt von den Kirchensängern, nicht von den
Heiligen.
Den II. Prolog 'Traditio Toletana' werde ich nach dem fol-
genden III. Prolog behandeln (S. 119).
ITI. Prolog: incipit peefatio libri antiphonaru sub metro eroicüm
ELEGiACüM DiCTATus. (gegen Ende des 2, Blattes der Handschrift; hei
Ferotinj Sacramentar Sp, 918).
Iste prologus in principio libri sepe ponendus est,
qui ideo proprietatem veraciter denuntiat.
1 0 quam dulciter promes' armonia suavi panges,
tu codex magne* antiphonari sacre!
1 promes dulciter?
3 Omnia conpones* hominis sensus tu foves;
dura precordia* tu leni fluxu moUis.
5 In sublime arcem* in cunctis abbicem tenes.
codicibus sacris* tu Carmen sacrum promes.
5 apicem Feroiin.
7 Principumque corda' tu flectis audire divina,
precepta servare* sollerter in mentibus.
9 Pontificalis ordine • abbicem per te resplendet
sublime in caput* cunctorum ordinibus.
9 ordine scheint zu tilgen.
11 Clerumque toga* per te coruscat in aula;
leviticus ordo* pollet immensum cetu.
11 clerique?
13 Canora concrepat* per te pusilla et magna
ad instar angelicis* dulcifluis vocibus.
13 canora scheint hier und II 8 Substantiv zu sein = canor. Dann vgl. dul-
cifluis vocibus III 116 und dulcifluas voces II 8.
15 Tu, Sacra que templa* consonibus vocibus ornas,
celestium coros* ad instar pangis melos.
15 Tu sacraque Fer.
17 Compares producunt* canendo dulcia verba
murmureque suo* duria corda mulcet.
17 vgl. II 3 sonoras compares, III 115 compari sonora 18 ^= dura corda
mulcent? Denn 'Doria chorda mulcet' verstünde ich hier nicM.
spanisches zur Geschichte der ältesten mittellateinischen Rythmik. 107
19 Victimasque sacras* per te offerunt ad aram
Laudesque deo* te iubilando reddunt.
19 offerunt per te ad aram ? 20 vgl. II 9 precinendo laudes iubilum Carmen
u. III 64.
21 Matutinis oris* sacrificiis vespertinis
iugiter in templo* per te persolvunt laudes.
21 Vespestinis Fer. vgl. II 13 responsuria canunt vespertinos et laudes.
23 Ecclesiaque cuncta* per te sollerter resultat.
te quoque pariter* discere querunt omnes.
23 ecclesiaque viersilbig?
25 Omnia que pangis, * musica, artis est dulcis,
a pluribus compta* te fatet ecclesia.
25 oh musicae artis ? {vgl III 73). Dann ist te = codex antiphonare sacre
(m 2 und 28).
27 Non unus est auctor* qui te sub uno dictavit:
a plurimis sacris* virornm inventus es.
29 Tempore illo* hanc artem communem habentes
in laudem dei* dictarunt te plurimi.
31 Tempore te prisco* per coros canebant antiqui:
conexi nunc psallant* exules a docmatu.
32 dogmate Fer.
33 Figuram gereutes* veteribus testamenti,
quando archam domini* portabant cum canticis.
35 Stipati canebant* in coris diversis psallentes,
vicissim reddentes* carmina in iubilo.
37 Imago et isti* ad instar terrentesque normam
canebant in templo* triplici coris sacris.
37 versteh ich nicht] ivenigstens scheint zu schreiben tenentesque.
39 Unusque canebat* alter vero subpsalmabat,
tertiusque Gloria* trinum deum laudabat.
vgl. II 17 uni incipientes • et alii subpsalmantes, tertio post Gloriam pariter
cantantes 40 trinum laudabat deum gibt den richtigen Schluß.
41 Pariter post Gloria* antiphone subpsalmantes.
sie templa sanctorum* fulgebat carminibus.
vgl. II 17. 42 Ob fulgebant ? vgl. II 5 cameras fulgentes.
43 Corus ad aram* corus in pulpitum stabat
corusque in templo* resonabat saabiter.
45 Fulgebat per singulis* sollennitatibus Christi,
sicque et in certis* sanctorumque festibus.
47 Tunc omnesque ordines* ecclesia recte tenebat:
nunc proculque distant* adhuic viventibus.
"Wie sonst Vieles, so ist mir hier in 45 per und in 48 adhuic unverständlich ;
que ist in 46 und 48 ein bloßes Füllwort ohne jede Bedeutung.
108 Wilhelm Meyer,
49 Disparesque modos • nunc te ecclesia canet,
finitam habentes' hanc artem prefulgidam.
51 Plerasque sedes' inlustras dogma antiqua
multique viri* te viciatum tenent.
53 Non eis ad culpam* tantum pertinere valet,
doctrinam servantes* pedagogorum suis.
53 pertingere välet? 54 sui?
55 Si qui te puro* corde canere decrevit.
parem cum sanctis* mercedem accipiet.
55 canere cörde decrevit gibt den richtigen Tonfall.
57 Non tumidus mente* non iactans canere te debet;
sed simplex et rectus* modestus et humilis.
57 te canere debet gibt den richtigen Tonfall.
59 Plurimos perducis* humiles ad regna celorum:
milia elatos* in stagnum igni demergis.
60 ignis mergis gibt richtige Silbenzahl und Schlußcadenz.
61 Sinceris et mitibus* tesauros pandes Celestes:
superbis et turgidis* condemnas crudeliter.
63 Coris angelicis* coniungis humiles corde,
qui te in deum* iubilant concorditer.
64 in evum? vgl III 20.
65 Qui te simpliciter • psallant spiritu et ore,
fulgidas a domino' cboronas accipiunt.
65 spiritu psallant et öre gibt den richtigen Tonfall.
ITEM ADMONITIO CANTORIS.
Sub metro eroico elegiacum.
Qualiter letiferam pestem vane glorie refugiat
et cor mundum labiaque in deum canendo exibeat.
18 4- 18 Silben oder 6 + 6 Wörter.
67 Quisquis doctor ille es* qui hunc codicem perlustras,
disce benigne* humilitatis dona.
67 stelle: codicem qui hunc perlustras.
69 Humilis esto* in Lac doctrina preclara;
non te extollant* laudes humanas vanas.
70 = humanae vanae.
71 Benignus hac pius* pacificus adque moderatus,
simplex et carus * in omnibus appare.
71 äc moderatus gibt den richtigen Neunsilber. 72 appare in omnibus gibt
den richtigen Schluß.
73 Musicam hanc artem* [corde] contritoque pange,
consona voce* dulciter prome tua.
73 so Fer., der corde eingesetzt zu haben scheint ; que ist dann nur rythmi-
Spanisches zur Geschichte der ältesten mittellateinischen Kythmik. 109
sches Füllwort, ohne Bedeutung ; es steht hier icie oft selbständig und ändert nicht
den Aceent von contrito.
75 Non adpetas laudem* humanam que nocituraro,
qui animam trait* in ignis atrocibus.
76 que?
77 Apparet in oculis* ut uter tensus a vento,
vacuus et inanis* conplectitur manibus.
77 vacuus ziveisilbig.
79 Non eleves tua* carmina quoram adstantes,
ut laudem adpetas* quoram audientium.
81 Spernitur deus* talique carmine vocem,
qui quoram hominibus* eminus emittitur.
81 spernitur = aspernatur? 82 que?
83 Congruum non erit* nee acceptabilis deo,
qui quoram adstantium* afFectat sonum vocis.
83 congruus?
85 Placereque stude* aures divinas canendo,
ut possis ab ipso* mercedem recipere.
87 Quid tibi proderunt* adolantiumque linguarum,
si pauper effectus es* bonorum virtutibus?
89 Quod ore depromes* pariter corde coniunge;
meditetur mente,* quod lingua sonat voca.
90 meditetur passivisch. voce?
91 Concessumque tibi* talentum stude largire,
dum in hac luce* perfruis vitam bonam.
91 largare = ampliare?
93 Ecce festinus* veniet rex sempiternus,
qui tibi talenti* usuram exquiritur.
95 Lucrare non pigeas* in hac vita peritura
et permansura* in patriam teneas, '
95 vita non peritura?
97 Grratiam a domino* tibi concessa custodi,
substractam ne tibi* impudentibus socies.
97 concessam? 98 subtracta und impudentes?
99 Sententia Pauli* adtende tibi dicenti:
quis in qua vocatus est* in ipso permaneat.
100 Corinth. I 7, 20 Unusquisque in qua vocatione vocatus est, in ea perma-
neat.
101 Plurimos exemplo* tuo edifica bono,
ut omnes qui viderint* glorificent dominum.
103 Tene rectitudinem * in omnibus disciplinis;
nunquam te non deserat* discretio inclita.
104 non vacat.
110 Wilhelm Meyer,
105 Modumque serva* in omni vita que tua.
equum adque iustum* temperamentum tene.
107 Sic place hominibus,* ut deo nunquam displiceas.
diligeque proximum* magis plus deo semper.
107 displiceas dreisilbig. 108 deum?
109 Inpende honorem* ut merita singulorum.
infimum te deputa* omnibus hominibus.
109 et mer.?
111 In hac disciplina* quotidieque resplende;
plurimosque instrue* discipulos inclitos.
113 Socios inquire* qui donnm vocis haben tur,
ut dum canueris* edifices alios.
113 habentur = habebunt?
1 1 5 Compari sonora • in aula templi concrepet,
redundet carminibus' dulcifluis vocibus.
115 vgl. II 3 sonoras conpares u. III 17 conpares. concrepet templi gibt
den richtigen Tonfall. 116 vgl. II 8 dulcifluas voces u. III 14 canora concrepat .,
dulcifluis vocibus.
117 Doce quam plurimos' in hoc dono tibi datom
et quod docueris • opere non dextruas.
117 dato? 118 destruas.
119 Remove a corum* raucedini deditos voce
nee adplicare* ibidem precipias.
119 coro? 120 adplicari?
121 E-umpunt pulmonum* fibras, discerpitur guttar;
miserum postremo* anelum pectus perdet.
123 Dissonum ragitum* signat ut aselli grunnitum,
gannit ut vulpis' orrida voce promet.
125 Desine iam talis* desine emittere vocem.
quod homo aborret* hoc deus non recipit.
127 Inquireque tibi' artem, ut placeas Christo
et quoram hominibus* modum placendi serva.
128 tacendi?
Ich habe zuerst 1882 von rythmischen Hexametern gesprochen
und habe zuletzt in meinen Gesammelten Abhandlungen (I 1904,
229—236) die rythmischen Hexameter, welche ich kannte, zusam-
mengestellt.
Zu tilgen ist dort S. 234 No. 19, die Hisperica famina.
Hier herrscht nur ein seltsames grammatisch - rhetorisches Prinzip.
Es sind einzelne Zeilen. Diese bestehen aus einem von einem Ad-
jektiv begleiteten Substantiv und einem Verbam oder aus 2 von
je einem Adjektiv begleiteten Substantiven und einem Verbum. Das
Spanisches zur Geschichte der ältesten mittellateinischen Rythmik. Hl
Seltsame ist nun, 1) daß in der Regel das Adjektiv oder die beiden
Adjektive beginnen, das Verbum in der Mitte steht und dann das
Substantiv oder die beiden Substantive schließen, 2) daß in der
Regel das Adjektiv mit dem dazu gehörigen Substantiv reimt oder
die beiden Adjektiva mit den beiden Substantiven reimen. Hilfs-
wörter, wie nee, qui, cum, sed, num, seu, an tisiv., zählen nicht.
Also sind die beiden Hauptschemata: B 126 (nach Jenkinson, The
Hisperica Famina 1908): Sublimew posco* rectorem, und A561:
SupernMw vasti' posco* herum pol?. Es werden dann oft andere
Zusätze gemacht, meistens nach dem Adjektiv, selten vor demselben:
B 151 Trinos • ^^?o imbrium vapore observavit in fornacis estw natos.
A 611 Hinc reduci tramite paternum * remeantes • in solum. Der
Beim bindet nicht immer das Adjektiv und das dazu gehörige Sub-
stantiv, aber doch so überwiegend oft, daß man z. B. in A 596
Tum frondens • irruente caterva frangoricat (fragoricat) • saltws sicher
'frondews' corrigiren darf. Aber rythmische Hexameter sind diese
Zeilen nicht. Doch muß man bei Untersuchung von Denkmälern
der ältesten Rythmik diese seltsame Reimprosa der Hisperica Fa-
mina stets im Auge behalten.
Neu einzusetzen sind in jene meine Liste von 1905 zunächst
die 16 Zeilen, mit denen Jonas um 642 seine Vita Columbani er-
öffnete (Scriptores rerum Germanicarum, Jonae vitae Sanctorum,
ed. Krusch 1905 S. 152). Sie nehmen noch ziemlich viel Rücksicht
auf die Quantität.
Eine besondere Bereicherung der Liste sind die oben gedruckten
Verse, welche ich aus Ferotin's mozarabischem Sacramentar (1912
Sp. 919) copirt habe. Denn der Verfasser will selbst seine Zeilen
'sub metro eroico elegiaco' geschrieben haben. Er wollte also die
quantitir enden Hexameter und Pentameter nachbilden. Hier zum
ersten Male begegnen wir den rythmischen Pentametern. Von
Quantität ist keine Spur zu finden, dagegen regirt in den Schluß-
cadenzen durchaus der Wortaccent.
Die rythmischen Hexameter und Pentameter sind für die Gre-
schichte der ältesten Rythmik sehr wichtig. Die landläufige
Ansicht war früher, in alle mit Versictus belegten Stellen seien
mit dem Wortaccent belegte Silben eingerückt. Diese Theorie wird
bei den rythmischen Hexametern noch mehr zu Schanden als sonst
überall.
Ich habe dann gelehrt: die frühesten Rythmiker haben zu-
nächst die Caesuren beachtet, welche die Langzeilen der quanti-
tirenden Dichtung in Kiirsseüen zerlegten; dann haben sie die
Silben dieser Kurzzeilen abgezählt und dann deren ScJilußJcaden^en
112 Wilhelm Meyer,
nachgemacht, so daß sie im Schluß Paroxytonon setzten, wenn der
quantitirende Schluß die vorletzte Silbe lang hatte, aber Proparoxy-
tonon, wenn der quant. Schluß die vorletzte Silbe kurz hatte;
dabei waren gewichtige einsilbige Schlußwörter verboten. Dies
Verfahren ist meistens sehr einfach. Der jambische Senar wird
zu 5 Silben mit sinkendem + 7 Silben mit steigendem Schluß =
5 - u + 7 u _ :
Felix per omnes * festum mundi cardines.
Clara refülgent* huius templi ciilmina.
So war die rythmische Fachbildung der gebräuchlichsten quanti-
tirenden Zeilen des 4. — 6. Jahrhunderts nach Christus eine einfache
Sache. Es drängt sich dann bei unsern Gelehrten auch wieder
die Lehre vor, dieser Übergang von der quantitirenden Dichtung
zur rythmischen habe sich, besonders in der Hymnendichtung, an
der Hand des Gesanges fast ohne das Bewußtsein der Dichter
vollzogen. Ich glaube, daß die lateinischen Schulmeister der galli-
schen, germanischen, spanischen und britannischen Provinzen des
spätesten römischen Reiches und der hier folgenden germanischen
Reiche auf die Entwicklung der rythmischen Dichtungsformen
einen bedeutenden Einfluß gehabt haben. Dafür liefern den ein-
fachsten Beweis solch complicirte Gebilde, wie es die rythmischen
Hexameter und Pentameter sein können. Viele der von mir auf-
gezählten Gedichte sind sehr kurz ; andere gehen den schwierigen
Verlegenheiten dadurch aus dem Wege, daß sie von den vielen
Möglichkeiten nur eine oder zwei wählen, daß sie z. B. nur Zeilen
von 6 + 8 Silben bauen. Da könnte man sogar oft zweifeln, ob
der Dichter beabsichtigt habe, rythmische Hexameter zu bilden.
Das entscheidende Merkmal ist dann, daß die Schlußcadenz des
quantitirenden Hexameters stets oder beinahe stets nachgeahmt
ist, d. h. daß nicht allein die vorletzte, sondern auch die fünftletzte
Silbe mit Wortaccent belegt ist:
Compares producunt* canendo dulcia verba;
Principumque corda* tu flectis audire divma.
Die vorliegenden 64 Distichen sind für die rythmische Unter-
suchung ein vortreffliches Material. Der Inhalt mag für die Ge-
schichte des liturgischen Gesangs wichtig sein; der Dichter war
jedenfalls Sachkenner durch und durch. Die Sprache ist aber in
hohem Grade barbarisch und, statt die Gedanken auszudrücken,
verhüllt sie oft dieselben. Aber die rythmischen Formen sind sehr
interessant. Sie sind eine genaue und meistens verständige Nach-
ahmung der Form des quantitirenden Hexameters und Pentameters,
Spanisches zur Geschichte der ältesten mittellateinischen Rythmik. 113
die nicht selten beweisen, daß die barbarischen oder unverständ-
lichen "Wörter wirklich so von dem Dichter geschrieben sind.
Der Mann, welcher die Formen dieser rythmischen Distichen
aufgestellt hat, muß den Bau der quantitirenden Distichen ziemlich
gut verstanden haben, muß also ein ziemlich tüchtiger lateinischer
Schulmeister gewesen sein. Das Latein aber, das in diesen regel-
rechten Formen steckt, verletzt oft die Grammatik und den Sprach-
gebrauch schwer und nähert sich der Volkssprache. So drängt sich
die Frage vor: hat der Dichter dieser rythmischen Distichen die
rythmischen Gesetze sich selbst zurecht gemacht, oder hat er von
einem andern in metrisch- rythmischen Dingen erfahrenen Gelehrten
die rythmischen Eegeln sich zusammen stellen lassen, in die dann
er seine Lehren über den liturgischen Antiphonen-Gesang gebunden
hat? Er mag ein trefflicher Chor-Dirigent gewesen sein; ein
Meister der lateinischen Sprache ist er durchaus nicht gewesen.
Der Bau der 64 rythmischen Distichen.
Wie wird der Anfang des Hexameters und des Penta-
meters hier rythmisch nachgebildet? Der Theil des
quantitirenden Hexameters und der entsprechende des Pentameters^
welcher der Caesur vorangeht, ist vollkommen gleich. Er kann
4 Formen haben : ^_^^a., u.ukj u.^^, -i._>^uu^, _i.vju^uu^:
luctantes ventos, fluctibus oppressos, in dumis häbitänt, turbine
corripiünt. Diese 4 metrischen Fälle hat der Rythmiker genau
nachgebildet: 5 Silben mit vorletzter Länge, 5_u: multique viri;
6 Silben mit vorletzter langer Silbe, 6 _ u : principumque cörda ;
6 Silben mit vorletzter kurzer Silbe, 6u_: dura praecördia und
endlich 7 Silben mit vorletzter kurzer, 7 w __ : superbis et turgidis.
Die Häufigkeit ist folgende : 24 x 5 — u. 64 x 6 _ u. 10 x 6 u _
(4. 13. 24. 63. 65. 80. 87. 114. 117. 118). 26 x 7u_.
(Einzelnes) 8 Silben sind unrichtig; wie der falsche An-
fang 9 pontificalis ordine zu corrigiren ist, weiß ich noch nicht;
vielleicht ist ordine zu tilgen. Zeilen zu 7_u sind hier un-
richtig; also sind zu bessern: 1 o quam dulciter promes (o quam
promes dulciter?); 23 ecclesiaque cuncta (ecclesiaque ?) und ebenso
78 vacuus et inanis? In steigendem Schlüsse finden sich
Wörter von 3, 4 oder 5 Silben. Im sinkenden Schlüsse finden
sich nur die Fünfsilber 96 et permansura; 120 nee adplicare. In
den zahlreichen Zeilen zu 6_u finden sich sehr viele Schlußwörter
von 2 oder 3 Silben, aber nur 1 Schlußwort von 4 Silben: 111 in
hac disciplina. Vor dem zweisilbigen Schlußwort steht selten ein
paroxytones Wort (5 in sublime arcem, 21 matutinis oris, 90, 106;
Kgl. Ges. d. Wiss. Nachrichten. Phil-hist. Klasse. 1913. Heft 1. 8
114 Wilhelm Meyer,
dazu die Fälle mit que: 7. 19. 48. 49. 91, die unsicher sind, da
que diesem Dichter meistens als einzelnes Wort gilt). Das ist zu
beachten, da im Pentameterschluß das Umgekehrte der Fall ist.
Über den Bau der zweitenHälfte des lateinischen Hexa-
meters haben schon Viele geschrieben (auch ich: 'Zur Greschichte
des lateinischen und griech. Hexameters', in den Sitzungsberichten
der münchener Akademie, 1884 II S. 979 — 1089). In diesen späten
Zeiten kommt es hauptsächlich auf Zweierlei an: der Hexameter
schließt nur mit einem Worte von 2 oder 3 Silben: 'magna' oder
'creabat'; selten mit einem Worte von 4 Silben: 'memorando' ; viel
seltener mit 2 zweisilbigen Wörtern; 'habet omnes'. Zweitens
fallen in den letzten 5 Silben die metrischen Icten mit den Wort-
accenten zusammen: spoliatus amictu, dulcedine plenus. Die Sil-
benzahl des quantitirenden Hexameters schwankt in diesem Stück
von 8 zu 10 Silben: 8: spumis incanduit ünda; 9: volitantem flä-
mine cürrum; 9: quae proxima littora cürsu; 10: scopulö levat ipse
trid^ntem.
Unser Rythmiker hat die Form zu 10 Silben nicht nachge-
bildet. In dem einzigen Falle '71 pacificus adque moderatus' ist
'ac' zu ändern. Da im Anfang der rythmischen Zeilen der Ton-
fall in keiner Weise beachtet wird, sondern nur Silben gezählt
werden, so fallen die beiden quantitirenden Formen zu 9 Silben
für den Rythmiker zusammen. Er hat also 2 Formen: eine zu 8,
eine zu 9 Silben.
Selbstverständlich muß die Zeile sinkend, mit Paroxytonon
schließen. Also ist in 107 ut deo nünquam displiceas Synizese
anzunehmen; 115 in aula templi cöncrepet ist umzustellen.
Die mit einem Worte von 2 oder 3 Silben schließenden Hexa-
meterhälften haben alle auf der 2. und 5. Silbe vor dem Schlüsse
volle Wortaccente. Die Silben, welche den letzten 5 Silben voran-
gehen, können beliebig accentuirt sein: 17 canendo I dulcia verba;
25 müsica | ärtis est dulcis; 31 per coros can^bant antiqui; 125
desine e|mittere vocem.
Einige Verse scheinen die 5. Silbe vor dem Schlüsse nicht zu
accentuiren: 19 per te offerunt ad aram: es ist wohl zu stellen
'offerunt pör te ad aram; 55 corde canere decrevit: canere corde
decr^vit?; 57 non iactans canere te debet: non iactans te canere
d^bet?: 65 psallant spiritu et ore: spiritu psallant et ore?; 67 qui
hune codicem perlustras: codicem qui hunc perlüstras?
Sehr selten schließen 2 Wörter von 2 Silben: 117 in hoc dono
tibi datum und vielleicht 1 armonia suavi panges. Weniger selten
schließt ein viersilbiges Wort: 93 veniet r^x sempitörnus, 75 hu-
I
Spanisches zur Geschichte der ältesten mittellateinischen Kythmik. 115
manam que nocitüram (71 äc moderatus ?). Öfter geht ein stei-
gender Wortschluß voran, also vielleicht mit Nebenaccent anf der
letzten Silbe: 33 veteribüs testamenti; ebenso 21. 103. 109. Un-
sicher ist die Betonung in 41 antiphone subpsalmantes. Anderer
Art sind die 2 Verse: 39 alter vero subpsalmabat und 95 in hac
vita peritura. Kein Hexameter ist mit einem fünfsilbigen Wort
geschlossen.
unser Rythmiker hat also nur die Form zu 10 Silben weg-
gelassen. Sonst hat er die zweite Hälfte des quantitirenden Hexa-
meters rythmisch genau nachzubilden versucht.
Wie hat unser Eythmiker die zweite Hälfte des quan-
titirenden Pentameters nachgebildet? Hier waren ganz
seltsame Verhältnisse zu überwinden. Dieser Theil des quanti-
tirenden Pentameters besteht stets aus 2 Daktylen und 1 Schluß-
silbe: ömne geniis pereät, sidera temporibüs, millia mülta bibi. Der
Schluß des quant. Pentameters besteht also immer aus 7 Silben,
wie oft der erste Theil des Hexameters und des Pentameters.
Auch unser Rythmiker setzt stets 7 Silben. Gefälscht sind also:
60 in stagnum igni demergis und 98 impudentibus socies. Aber
die Schlußkadenz? Der quant. Schluß wie temporibüs hat Ictus
auf der viertletzten und auf der letzten Silbe; beide Betonungen
gibt es in lateinischen Wörtern nicht. Die lateinischen Wörter sind
entweder auf der vorletzten oder auf der drittvorletzten Silbe
accentuirt. Die Rythmiker verfahren nun allgemein so, daß sie
sagen : die metrischen choriambischen Schlüsse, wie Maecenas atavis,
Sunt quos cürriculö, Turbine cörripuit, haben die vorletzte Silbe
kurz; also wäre es falsch in der rythmischen Nachbildung hier
ein paroxytones Wort zu setzen. Es bleibt also nur übrig, in der
rythmischen Nachbildung solcher choriambischen Schlüsse die dritt-
letzte Silbe zu accentuiren. Das geschieht ja auch, wenn man
solche Schlüsse als Prosa liest: Maecenas atavis; Sunt quos cur-
riculo; Turbine corripuit. Deßhalb schließen die Kurzzeilen aller
Alexandriner mit Proparoxytonon. Auch unser Rythmiker hat,
wie oben gesagt, die Anfangsstücke des Hexameters und des Pen-
tameters u u _^ und _ u u _ u u _ 'in dumis habitänt' und 'tur-
bine cörripiünt' nachgebildet mit 6 oder 7 Silben, deren drittletzte
Wortaccent hat: 4 dura praecördia, 14 ad instar angelicis. Grenau
ebenso verfährt er meistens bei der Nachbildung des zweiten Pen-
tameterstückes; er setzt meistens 7 Silben mit proparoxytonem
Schlußwort: 44 resonabat suaviter; 14 dulcifluis vöcibus; 34 por-
tabant cum cänticis ; 88 bonorum virtütibus ; 80 quoram audientium.
Aber mit solchen proparoxytonen, also mindestens 3 Silben
8*
116 Wilhelm Meyer,
umfassenden Wörtern schließen von den 64 Pentametern nur 39.
Nicht weniger als 25 Pentameter schließen mit einem paroxytonen
Worte. Diese paroxytonen Wörter bestehen aber alle nur aus
2 Silben : vanas, tua, perdet, serva. Kannte der Rythmiker viel-
leicht die alte Eegel des klassischen Pentameters, daß er nur mit
einem zweisilbigen, also jambischen Worte schließen solle, und hat
er deßhalb, da er sich um die Quantität der Silben nichts zu küm-
mern hatte, überhaupt alle möglichen zweisilbigen Wörter zuge-
lassen? Allein, weßhalb setzt unser Rythmiker auch vor das
zweisilbige, also paroxytone, Wort immer ein paroxytones Wort
oder einen paroxytonen Wortschluß? Sonst thut er das nicht.
Von den etwa 65 Hexameter- und Pentameter -Anfängen zu
6 — u schließt 111 mit disciplina und schließen etwa 42 Verse mit
einem dreisilbigen Wort ; wie 'praecepta servare' oder 'plurimos
exemplo'. Von den etwa 22 Fällen mit zweisilbigem Schlußwort
in der Caesur haben etwa 13 vor demselben einen proparoxytonen
Schluß, wie 57 non tumidus mente oder 6 codicibus sacris ; aber
von den übrigen zweisilbigen Schlußwörtern haben neben 5 un-
sichem Fällen mit que (7 principum que corda, 19, 48, 49, 91) nur
4 einen paroxytonen Wortschluß vor dem paroxytonen Schlußwort :
5 in sublime ärcem, 21 matutinis oris, 90 meditetur mente, 106 equum
adque iüstum. Dagegen in den 25 Pentameter Schlüssen mit
paroxytonem Schlußwort hat unser Rythmiker stets ein zweisil-
biges, also paroxytones, Schlußwort und vor dasselbe wieder ein
paroxytones Wort oder paroxytonen Wortschluß gesetzt, also stets :
6 tu Carmen sacrum prömes oder 122 anelum pectus perdet;
24 discere querunt omnes; 12 pollet immensum cetu; 68 humilitatis
dona. Darnach ist zu corrigiren: 40 trinum deum laudabat j^ti
trinum laudabat d^um ; 72 in omnibus appare ^u appare in Omnibus.
Aber was wollte unser Rythmiker mit diesen seltsamen dop-
pelten sinkenden Wortschlüssen im Pentameter? Ich glaube, er
hatte dabei ein ganz bestimmtes, nur rythmisches, Ziel. Den chor-
iambischen Zeilenschluß mit Ictus auf der viertletzten Silbe con-
ficiünt hat er meistens, wie die andern mir bekannten Rythmiker
alle, durch proparoxytonen Wortschluß nachgebildet ; aber er that
das nur meistens, d. h. in 39 von 64 Pentametern. In 25 Penta-
metern versuchte er einen neuen Weg ; da wollte er den Wortaccent
wirklich auf die vierte Silbe bringen. Da kein lateinisches Wort
Accent auf der viertletzten Silbe hat, aber auch keines auf der
letzten, da anderseits keine Verszeile mit einem einsilbigen Wort
schließen soll, also ein Schluß, wie omnia fäciunt haec, verboten
war, so blieb ihm nur der eine Weg, daß er die 4. Silbe mit der
Spanisches zur Geschichte der ältesten mittellateinischen E-ythmik. 117
Tonsilbe eines paroxytonen Schlusses füllte, wie querunt oder im-
mensum. Die übrigen 2 letzten Silben konnten jetzt nur ein zweisil-
biges Wort bilden : querunt omnes, inmensum cetu. Sobald der
Rythmiker die 4. Silbe mit Wortaccent belegen wollte, blieb ihm
keine andere Bildung übrig. Die Hauptsache ist also unserm Ryth-
miker hier die Betonung der 4. Silbe gewesen ; an der Betonung der
vorletzten Silbe lag ihm gar nichts; sie war eine unvermeidlich^
Nothwendigkeit.
Es ist wahr, den choriambischen Schluß des Anfangs der Hexa-
meter und Pentameter zu 7u— ^Turbine cörripiünt' bildet unser
Rythmiker nur nach durch 7 Silben mit Proparoxytonon, nicht
durch paroxytonen Schluß oder gar durch 2 paroxytone Wort-
schlüsse. Doch von den 64 Pentameterschlüssen bildet er 25 in
dieser höchst auffallenden Weise. Kann diese merkwürdige That-
sache Jemand in anderer Weise genügend erklären, gut. Ich finde
bis jetzt nur die oben entwickelte Erklärung. Sie paßt, meine
ich, zu dem ganzen Arbeiten dieses westgothischen Eythmikers.
Der Anfang seiner rythmischen Hexameter und Pentameter wird ge-
bildet durch 5_u, 6_u, 6u_ und 7 u ._ : also eine genaue Nachbil-
dung der verschiedenen Spielarten des quantitirenden Vorbildes.
Die zweite Hexameterhälfte bildet er aus 8_u oder 9_u mit
Wortaccent auf der vorletzten und auf der fünftletzten Silbe : also
auch hier bildet er den quantitirenden Hexameter genau nach;
nur läßt er die eine Form zu 10 Silben weg. In der zweiten
Pentameterhälfte bildet er das quantitirende Vorbild meistens in
der gewöhnlichen Art durch 7u _ rythmisch nach; doch hat er
sich, um den Iktus auf der viertletzten Silbe nachzubilden, noch
eine besondere Bildung des Pentameterschlusses (zu 7-^u, ^u) er-
funden.
Diese rythmischen Gesetze muß man zunächst kennen,
wenn man dies Gredicht, voll seltsamer Wortformen und Konstruk-
tionen, kritisch behandeln will. 18 Murmureque suo * duria corda
mulcet: dura wäre rythmisch falsch. Ebenso geht V. 26 nur te
fatet ecclesia, nicht idii^biv ] 28 a plurimis sacris * virorum inventus
es, iiicJit viris ; 33 figuram gereutes * veteribus testamenti, nicht
veteris; 38 canebant in templo* triplici coris sacris, nicht triplici-
bus ; 46 sicque et in certis • sanctorumque festibus, nicht festis ;
76 qui animam trait* in ignis atrocibus, nicht atroces;'79 non
eleves tua • carmina cor am adstantes, nicht adstantibus ; 92 dum
in hac luce* perfruis vitam bonam, nicht perfrueris; 94 qui tibi
talenti' usuram exquiritur, nicht exquiret ; 110 infimum te deputa*
Omnibus hominibus, nicht omnium hominum; 113 socios inquire*
118 Wilhelm Meyer,
qui donum vocis habentur, nicht habent. Bleiben diese sprach-
lichen Ungeheuer stehen, so bleibt der rythmische Bau richtig;
werden sie corrigirt, so werden die rythmischen Versgesetze zer-
stört. Also bat der ursprüngliche Dichter diese sprachlichen Un-
geheuer geschaffen, nicht etwa ein späterer Abschreiber.
Der ganze Complex dieser verschiedenartigen Formen des
rythmischen Hexameters und Pentameters ist mit vielem Klügeln
den verschiedenartigen Formen des quantitirend gebauten Hexa-
meters und Pentameters nachgebildet. Nicht der Gresang, nicht
eine bestimmte Melodie hat Ohr und Mund des Dichters von den
Formen der quantitirend gebauten Verse hinüber geführt zu den
vorliegenden rythmisch gebauten, sondern klügelnde und rechnende
Gelehrsamkeit. Diese Thatsache beweisen die sonst unbedeutenden
64 rythmischen Distichen.
Allein von welchem Grundsatz sind diese Rythmiker bei ihren
Gebilden ausgegangen ? Davon, daß die sich entsprechenden Kurz-
zeilen gleich viele Silben enthalten und daß sie im Schlüsse
denselben Tonfall haben müssen. Diese Grundlage der la-
teinischen Rythmik hatte ich 1884 erkannt. Damals behauptete
ich weiter, die europäischen Christen hätten das Prinzip des Sil-
benzählens von den semitischen Christen gelernt und angenommen,
und wies besonders auf den verbreiteten Ruhm des syrischen Dich-
ters Ephrem hin; dieser habe vielleicht das silbenzählende Dich-
tungsprinzip den griechischen und römischen Christen empfohlen
(Ges. Abhandlungen II 114). Diese Ahnung ist dann durch die
Thatsachen bestätigt worden. In griechischen Übersetzungen des
Ephrem, die schon Hieronymus kannte, sind um 12 000 Kurzzeilen
enthalten, welche aus 4 oder aus 7 Silben bestehen, deren Veröf-
fentlichung durch Gius. Silvio Mercati eben jetzt beginnt.
Diese griechischen Kurzzeilen werden meistens zu bestimmten
Langzeilen und diese Langzeilen zu bestimmten Gruppen oder
Strophen zusammen gefügt; allein es werden hier absolut die
Silben nur gezählt; es wird absolut keine Rücksicht genommen
auf Quantität oder Accent der Silben.
Aber die rythmische Dichtung in lateinischer und griechischer
Sprache beobachtet in allen Kurzzeilen bestimmte Schlußca-
denzen der Wortaccente. Woher sind diese bezogen? In
der Abhandlung über die rythmischen Jamben des Auspicius (Göt-
tinger Nachrichten 1906 S. 214) habe ich hingewiesen, welch außer-
ordentliche Rolle der rythmische Satzschluß in der lateinischen
und griechischen christlichen Prosa des 3.-6. Jahrhunderts ge-
spielt hat, und habe behauptet, daß die rythmischen christlichen
Spanisches zur Geschichte der ältesten mittellateinischen Rythmik. 119
Dichter der Lateiner und Grrieclien eben daher die Schlußcadenzen
zum Schmuck ihrer silbenzählenden Verse entlehnt hätten.
Auf diesen Grundlagen fast aller lateinischen Rythmik stehen
auch die oben besprochenen 64 rythmischen Distichen.
So habe ich in dem Dunkel der lateinischen Rythmik mich
mühsam vorwärts getastet. Natürlich dachte ich dabei wenig an
die Möglichkeit, daß es auch lateinische rythmische Verse geben
könne, die nach einem andern Prinzip gebaut seien. Doch die Macht
der Thatsachen ließ mich schon 1906 in der Abhandlung über
Auspicius (in der Note zu S. 214) auf Gedichte hinweisen, in denen
ein Wirrwarr von Zeilen zu 6 _ u, 7 u _, 7 — 0 und 8 u _ sich fände,
der vielleicht als Nachahmung des mittelhochdeutschen Baus der
vierhebigen Zeile zu erklären sei. Dann habe ich 1908 eine
Anzahl von Gedichten vorgelegt, in deren Zeilen die Accenthebungen
gezählt werden, während die Senkungen frei gegeben sind, wo also
alle folgenden Zeilen als vierhebige sich gleich sind : exeant peccatä.
dies meos neglexi. gravia quaerunt lamentä. dönum dei habui.
tibi refero grätiam. audi me deus piissime. kalümnia super ca-
lümnia; siehe diese Nachrichten 1908 S. 45ffl.
Hierbei muß nicht nur mit Vollaccenten gerechnet werden,
sondern auch mit Nebenaccenten, wie in exeant peccatä oder aliena
cöngregavi auf den Silben ant und con : doch das geschieht fast in
aller Rythmik. Dann wird die letzte Silbe jeder Zeile als Hebung
verrechnet, peccatä wie piissime. Das gilt als Regel der alten
deutschen Rythmik. Mehrere der von mir untersuchten lateini-
schen Gedichte gingen sicher weit ins 9. Jahrhundert hinauf. Also
gab ich 1908 der Abhandlung den Titel 'Altdeutsche Rythmik in
lateinischen Versen'. Allein bei diesem ersten Schritt in ein neues
dunkles Gebiet stieß ich an manches Hinderniß, wie z. B. bei den
Versen der Dhuoda (1908 S. 59—70). Bedächtig bei diesen Unter-
suchungen vorzugehen, dazu mahnt auch die folgende Untersuchung,
welche eine fast unbekannte Sorte von Hebungsversen nachweisen will.
Der II. Prolog des mozarabischen Antiphonars
in Leon 'Traditio Toletana'.
Ferotin (Liber Mozarabicus Sacramentorum, 1912 Sp. 917)
druckt vor der eben besprochenen Praefatio von 64 rythmischen
Distichen folgendes Stück, das ich zuerst aus Ferotin's Druck
genau wiedergebe:
(II) ITEM ALIUS PROLOQUS EIUSDEM.
Traditio Toletana institutioque sancta melodie cantus mirifice
promserunt oracula: concentos dulces sonoras conpares resonant in
120 Wilhelm Meyer,
choro diversorum modulis [per] cameras fulgentes ninguide splen-
dentes auribus demulcent pre suavitate sonum, splendida doctrina
et pulcra canora, dulcifluas voces rutilant in choro. In summis
attollunt precinendo laudes, iubilum carmen mirifice promentes : ad
instar celestium militie angelorum, ordines parant in conspectu se-
niorum. Bini aut terni Responsuria canunt, Vespertinos et Landes
similiter et psalmos: ad dextera levaque coros consistunt: anti-
phone modos reciprocatos canunt: uni incipientes et alii subpsalm-
antes, tertio post Gloriam pariter cantantes. Ordinem angelicum
tenent institutum, nitentes consistunt pariter in coro. Benignes
componunt melodie cantos in laude, divinaque promulgantes. Ilares
properant in sancta sanctorum, officium divinum sumunt gaudentes.
Nulla ventilantes otiosa verba ; sed saltim divina eloquia canentes,
lectiones sanctas pariter aubscultantes. Strepitum vulgi nullo
modo ibi sonat.
Ferotin nennt dieses Stück eine 'etrange prose'. Allerdings,
dieses Stück der Einleitung zum Antipbonar ist dunkel und schwer
verständlich, wie die beiden andern : allein die Form dieses Stückes
zu verstehen, das gelang mir nach vielem Suchen, Ich gebe zu-
nächst das Ganze:
(II) Item alius prologus eiusdem.
Traditio Toletana institutio que sancta
2 melodie cantus mirifice promserunt [oracula].
Concentos diilces, sonoras conpares
4 resonant in chöro diversorum modulis.
Cameras fulgentes ninguide splendentes
6 auribus demulcent pre suavitate sonum.
Splendida doctrina et pulcra canora
8 dulcifluas voces rutilant in choro.
In summis attollunt precinendo laudes
10 iubilum Carmen mirifice promentes.
Ad instar celestium militie angelorum
12 ordines parant in conspectu seniorum.
Bini aut t^rni responsuria canunt,
14 vespertmos et laudes, similiter et psalmos.
A d(!^xtera l(5vaque cöros consistunt,
16 antiphöne modos reciprocatos canunt:
Uni incipientes et alii subpsalmantes,
18 törtio post G16riam pdriter cantdntes.
Ordinem angelicum tenent institutum,
20 nit(^'ntes consistunt pariter in coro.
Benignos componunt melodie cdntos
Spanisches zur Geschichte der ältesten mittellateinischen Rythmik. 121
22 in laude divina que promulgäntes*.
Ilares properant in sancta sanctorum,
24 officium divinum sumunt gaudentes.
Nulla ventilantes otiösa verba,
26 sed saltim divina elöquia canentes,
Lectiones sanctas pariter aubscultantes.
28 strepitum vülgi nullomodo ibi sonat.
Für meine Untersuchung ist die Form dieser Zeilen die Haupt-
sache. Doch ist dazu einiges Verständniß der Worte nothwendig ;
aber dieser Text ist sehr dunkel und oft fast unverständlich. Der
Hauptinhalt ist ja deutlich: die Schilderung und das Lob des
kunstreichen Kirchengesangs; das ist allgemein ausgeführt, nicht
an bestimmte Personen gerichtet. Allein die einzelnen Verse sind
oft dunkel. Dann ist die Frage wichtig, ob dieser II. Prolog
von demselben Mann geschrieben ist v^ie der I. 'Ex vatum' und
der III. '0 quam'. Das kann man dadurch beweisen, daß man
hier die Gredanken oder Wörter notirt, die sich auch in jenen
Stücken finden. Deßhalb will ich noch einmal die einzelnen Zeilen-
paare dieses Textes durchnehmen.
Für die Wortkritik ist eine Orientirung nothwendig über die
rythmische Form, die ich hier annehme. Meiner Ansicht nach sind
hier die vollbetontenWörter gezählt und je zu 4 gereiht.
Je 2 vollbetonte Wörter bilden eine Kurzzeile, je 2 Kurzzeilen
eine Langzeile und je 2 Langzeilen bilden eine Gruppe oder Strophe.
Am Schluß dieser Strophen ist also eine kräftige Sinnespaiise am
Platz; am Schluß der 1. Langzeile kann auch eine solche stehen,
doch meistens stehen da nur schwache Sinnespausen. Jedes voll-
betonte Wort hat nur einen Accent ; von Nebenaccenten ist hier
nicht die Rede. Hilfswörter der Sprache, wie a ad in pre post
oder et que aut sed, werden nicht gerechnet.
1 Traditio Toletana institutio que sancta
melodie cäntus mirifice promserunt oräcula.
1 vgl. den I. Prolog (gegen Schluß) : sancta synodali robore firmata nobis
auctoritas tradidit Toletana. 2 vgl. 21 componunt melodie cantos, dann 10 iu-
bilum Carmen mirifice promentes. promere ist hier ein Lieblingswort : vgl. II 10 ;
III 1, 6, 74, 124 (89). Die Kurzzeile 'mirifice promserunt oracula' ist von diesen
56 die einzige, welche 3 vollbetonte Wörter enthält. Sie kann nicht richtig über-
liefert sein. 'Oracula' bedeutet im Anfang des I. Prologs *Ex vatum prisca ora-
cula' richtig die 'Vorhersagungen' der Propheten ; hier müßte es die Geheimlehren
bezeichnen. Das geht nicht an. Oracula ist zu tilgen und 'cantus' hier wie in
21 als Accusativ zu fassen.
122 Wilhelm Meyer,
3 Concentos dülces, sonoras conpares
r^sonant in choro diversörum modulis.
3 compares kann III 17 Adjektiv oder Substantiv sein; III 115 steht: Com-
pari sonora in aula concrepet templi. Mir scheint sonora ein Substantiv zu sein
= sonor oder sonus, und concentos wie sonoras spanisch gebildete Nominative des
Plurals und die Subjekte zu resonant.
5 [perj Cameras fulgentes ninguide splendentes
aüribus demülcent pre suavitäte sönum.
5 per scheint nur von Fer. zugesetzt zu sein. Mir scheint cameras Nomi-
nativ und Subjekt, auribus = aures und sonum = sonorum. Vgl. III 18 mur-
mure suo duria corda mulcent.
7 Spl^ndida doctrma et pülcra canöra
dulcifluas voces rütilant in chöro.
7 vgl. III 13 Canora concrepat per te pusilla et magna ad instar angelicis
dulcifluis vocibus und III 116 redundet carminibus dulcifluis vocibus. Darnach
scheint canora (= canor) ein Substantiv zu sein, wie 3 sonora, und nebst doc-
trina Subjekt zu rütilant.
9 In sümmis attöUunt precinendo laiides,
iubilum Carmen mirifice promentes.
9 Eine örtliche Bedeutung von 'in summis' kann ich nicht finden; es ist
wohl = in summis f estis. Vgl. III 20 laudesque deo te iubilando reddunt ; III 36
vicissim reddentes carmina in iubilo ; III 64 te in deum iubilant concorditer. Dann
vgl. 2 cantus mirifice promserunt.
11 Ad instar celestium militie angelörum
ordines parant in conspectu seniörum.
Dies Distichon ist wohl geformt nach Joh. Apokalypse VII Omnes angeli
stabant in circuitu throni et seniörum et quatuor animalium et ceciderunt in con-
spectu throni in facies suas. Vgl. 19 ordinem angelicum tenent %ind III 47 omnes
ordines ecclesia tenebat.
13 Bini aut terni responsnria canunt,
vespertinos et laüdes, similiter et psalmos.
Vgl. ni 21 matutinis oris, sacrificiis vespertinis, iugiter in templo persol-
vunt laudes.
15 A dextera lövaque cöros consistunt;
antiphöne mödos reciprocatos canunt:
17 Lni incipi^ntes et alii snbpsalmantes,
tertio post Gloriam päriter cantantes.
15 Färotin druckt 'ad', ich habe 'a' geändert. Dann ist wohl 'coros' No-
minativ. Weiter vgl. III 38 canebant in templo triplici coris sacris, 39 unusque
canebat, alter vero subpsalmabat tertiusque Gloria trinum laudabat deum ; 41 pä-
riter post Gloria antiphöne snbpsalmantes. 43 Corus ad aram, corus in pulpitum
stabat, corusque in templo resonabat suabiter. 18 tertii?
19 drdinem angölicum tenent institütum,
nit(5ntes consistunt pariter in coro,
ordinem: ob 1112 und 11147 zu vergleichen sind? nitentes: wohl von
niti, sich anstrengen, nicht von niteo.
Spanisches zur Geschichte der ältesten mittellateinischen Rythmik. 123
21 Benignes compönunt melodie cäntos
in laiide divina que promulgantes.
21 vgl. 2 melodie cantus. In V 22 steht ein Wort zu wenig. Das wäre mit
'usque oder queque promulgantes' zu gewinnen; doch wünscht man zu promul-
gantes ein kräftiges Objekt.
23 Ilares proper ant in sancta sanctörum,
officium divinum siimunt gaudentes :
25 Niilla ventiläntes otiösa verba,
sed saltim divina elöquia canentes,
27 Lectiones sanctas pariter aubscultantes.
strepitum vülgi nullömodo ibi sönat.
Wenn die V. 25, 26 u. 27 zu 24 sumunt gehören, so zerreißt die schwere
Interpunction nach 27 aubscultantes das letzte Distichon. Doch vielleicht beginnt
nach 24 gaudentes ein neuer Satz und vielleicht gehören ventiläntes canentes und
auscultantes als absolute Participien (= dum ventilant) zu dem Hauptsatz 'stre-
pitus nullömodo ibi sonat' 28 Das wie quömodo gebildete nullömodo ist nicht
selten. Auffällig ist das unbetonte zweisilbige ibi, ferner die Kurzzeile von
8 Silben. Ich dachte deßhalb an 'nullömodo insonat' = tönt dazwischen.
Für uns ist die Hauptsacbe, daß die Formen dieser 28 Lang-
oder 56 Kurzzeilen festgestellt werden. Wie oben gesagt, bilden
je 2 gewichtige Wörter eine Kurzzeile, 2 solche Kurzzeilen eine
Langzeile und 2 Langzeilen eine Grruppe, ein Distichon. Nach
jeder 2. Langzeile steht also kräftige Sinnespause ; nach der ersten
Langzeile jeder Gruppe steht gern eine mittelstarke Sinnespause.
Ebenmaß und Wohlklang ist das Ziel dichterischer Form. Es
gilt also die einschränkenden Regeln zu erkennen, durch welche
jenes Ziel des Ebenmaßes und des Wohlklangs erreicht wird. 'Mors
acerbissima' sind 2 gewichtige Wörter, doch paßt das Paar nicht
zusammen; 'urbs magna' gibt ein passendes Paar; 4mperatores in-
clytissimi' ebenso; wollte man aber diese beiden Kurzzeilen zu-
sammen als eine Langzeile recitiren, entstände ein mißtönendes
Ganze. Dagegen sind hier folgende Schranken aufgerichtet.
Als Hebungs Wörter werden n«cA^ gebraucht einsilbige,
wie mons dux. Dagegen werden die Verse fast ganz aufgebaut
aus Wörtern von 2 oder 3 oder 4 Silben. Wörter von 6 Silben
fehlen hier ; die von 5 Silben sind selten : 1 und 13 institutio und
responguria, 16 und 17 reciprocatos und incipientes und 6 pre sua-
vitate. Auch fünf silbige Wörter sind in diesen Versen sehr be-
hindert durch die Silbenzahl.
Die Silbenzahl dieser Kurzzeilen ist nemlich eine beschränkte,
beschränkt nach unten und nach oben. Solche von 3 oder 4 Silben,
wie mons altus, vultus laetus sind verboten; ebenso sind solche
von 5 Silben mit proparoxytonem Schluß, wie cantus mödulis, ver-
124 Wilhelm Meyer,
boten. Dagegen zugelassen sind Kurzzeilen zu 5 Silben mit
paroxytonem Schluß (5 _ u), zu 6 und zu 7 Silben mit paroxytonem,
wie mit proparoxytonem Schluß. Kurzzeilen von 9 oder mehr
Silben finden sich nicht. Die Kurzzeilen zu 8 Silben sind zweifel-
haft. Es sind folgende 5: 1 Traditio Toletana institütio que
sancta, 11 militiae angelorum, 12 in conspectu seniörum, 17 et alii
subpsalmantes. Aber auch in all diesen 5 Kurzzeilen stehen nur
7 Silben, wenn wir die Vokale ie ii io mit Verschleifung als eine
einzige Silbe sprechen, was in der alten Rythmik sehr oft ge-
schieht. Der 6. Achtsilber, der übrig bleibt, 28 nullomodo ibi
sonat, ist bedenklich, weil dies ibi das einzige accentlose Hilfs-
wort von ßwei Silben wäre, das in diesen Versen vorkäme. Deß-
halb habe ich 'insonat' statt 'ibi sonat' vorgeschlagen.
Ehe ich die Zeilenarten aufzähle, ist die Schlußcadenz
zu besprechen. Der Dichter bevorzugt entschieden den sinkenden,
paroxytonen, Schluß der Kurzzeilen. Unter den 28 Schlüssen der
ersten Kurzzeilen finden sich nur die folgenden steigenden Schlüsse :
11 ad instar celestium, (15 a dextera levaque), 18 tertio post G16-
riam, 19 ördinem angelicum, 23 llares pröperant. Im Schlüsse
der Langzeilen sind die steigenden, proparoxytonen Cadenzen noch
seltener : 3 sonöras cömpares und 4 diversorum mödulis ; (in 2 habe
ich das Schlußwort oracula getilgt, aber in 28 statt 'ibi sonat' ver-
muthet 'insonat').
Abgesehen von dem verstümmelten V. 22 ergeben sich also
folgende Arten von zweihebigen Kurzzeilen:
5 — u iübilum Carmen, sümunt gaudentes, concentus diilces 7
Zeilen
6_u splendida doctrina, nitentes consistunt 24 Zeilen
nülla ventilantes, lectiönes sanctas
7 _ u üni incipientes, pariter auscultäntes 12 Zeilen
mirifice prom^ntes, vespertinos et laüdes
reciprocätos cänunt.
Hiezu kommen vielleicht noch die 6 achtsilbigen (5 Zeilen)
Zeilen V. 1, 11, 12 und 17, falls in denselben Ver-
schleifung des ie ii und io angenommen wird.
6 u _ V. 3 sonoras cömpares und 23 ilares pröperant 2 Zeilen
7u_ 4 diversorum mödulis, 11 ad instar celöstium 4 Zeilen.
18 tertio post Glöriam, 19 ördinem angölicum.
(? 28 nullomodo insonat).
Diese Kurzzeilen werden ohne weitere Rücksichten zu Lang-
zeilen vereinigt. So ist es natürlich, daß 13 Langzeilen 12 Silben
Spanisches zur Geschichte der ältesten mittellateinischen Rythmik. 125
zählen und 10 Langzeilen 13 Silben; aber nur je eine oder 2 Lang-
zeilen zählen 11 oder 14 oder 15 Silben.
Wie steht es mit den unbetonten Silben, den Senkungen?
Zunächst werden die einsilbigen Hilfswörter der Sprache
nur als Senkungen verwendet. Es sind 7 in, je 1 a ad post und
pre ; dann 4 et, 3 que und je 1 aut und sed : also 20 Fälle. Wenn
die Schlußzeile nullomodo ibi sonat richtig ist, so ist dies 'ibi' das
einzige tonlose Hilfswort von 2 Silben.
Wie gruppiren sich nun um die 2 Hebungen die Senkungen,
welche in jeder Kurzzeile 3, 4 oder 5 sind? In der gewöhn-
lichen Rythmik der Prosa und der Dichtung, nicht nur des La-
teinischen, werden ein oder zwei Senkungen zwischen 2 Hebungen
gesprochen; aber sobald 3 oder mehr Senkungen hinter einander
folgen sollten, tritt auf eine Mittelsenkung ein Nebenaccent, welcher
diese Silbe im Versbau einer vollbetonten gleich stellen kann : 'vita
nostra brevis est und in mundo fuere'; aber mit Nebenaccent 'iu-
venes dum sümus und brevi finietur; iüssu imperatöris und iüsserat
Imperator. Die merkwürdigste Eigenschaft der hier vorliegenden
Rythmik ist nun die, daß mit Nehenaccenten nicht gerechnet wird,
also die Wellenbewegung der Aussprache aufgegeben ist; der Vor-
trag fließt nicht, sondern bricht ruck- und stoßweise sich Bahn.
Im Schlüsse unserer Kurzzeilen kann sich das nicht zeigen; denn
im Wortschluß können nur 1 oder 2 Senkungen stehen (Toletäna
oder angelicum), und zwar steht hier im Schluß der Zeilen in der
Regel nur eine Senkung. Aber zwischen den beiden Hebungen
und im Anfang der Zeilen ist dies seltene Vortragsprinzip zu hören.
In der Mitte der Zeile muß die Zunge sehr oft 3 Silben über-
springen, selten natürlich 4, da ja die ganze Zeile nicht mehr als
7 Silben zählen soll. So sehr oft splendidä dÖctrina, resönänt m
chöro und ten^nt institutum; selten aber paritör aüscültantes. Im
Anfang der Kurzzeile, also vor der ersten Accenthebung, steht
häufig überhaupt keine Senkung; sonst stehen, so viele stehen
können. So ördines parant, ördinem angelicum ; nitöntes consistunt,
löctiones sanctas, rgcipröcatos canunt.
Beim scheint nicht beabsichtigt. Hiat ist nicht häufig, doch
findet er sich, sowohl innerhalb der Kurzzeile als zwischen den
2 Kurzzeilen : bini aut terni ; sed saltim divina eloquia canentes.
Die Verschleifung von ie, ii und io ist, wie gesagt, vielleicht in
5 Zeilen anzunehmen, welche sonst 8 Silben zählen würden.
Nun könnte man sagen, eine lateinische Rythmik mit gänz-
licher Abweisung aller Nebenaccent e sei an und für sich ein Un-
ding; wenn man beim gewöhnlichen Sprechen lateinischer Sätze
126 Wilhelm Meyer,
Nebenaccente setze, so müßten sie auch in rythmischen Versen
stehen; und hier seien mit ihrer Zulassung die von mir 1908 (Nach-
richten S. 47) nachgewiesenen vierhebigen lateinischen rythmischen
Zeilen angewendet. Also sei zu lesen: 6_u splendidä doctrinä,
nüUa ventilantes, lectiones sanctäs ; 7 _ u päriter aüscultäntes, mi-
rifice promentes, vespertinos et laüdes, responsüria canünt, recipro-
cätos canünt; diversorum mödulis, ördinem angelicüm.
Allein die 7 Zeilen zu 5 _ vj und die 2 zu 6 u _ könnten nur
3 Hebungen liefern: iübilum cärmen, sümunt gaudentes, concentus
dülces und ilares pröperänt; ebenso die Zeilen zu 6 — u und 7u_^,
welche Taktwechsel haben: nitentes consistimt (8 Yerse) und ad
instar celestiüm (2 Yerse). Also etwa 20 Verse unter 56 würden
nur 3 Hebungen liefern. Noch wichtiger ist ein anderer Grund.
Dem, der vierhebige Zeilen bauen will — nach Art der Ambrosia-
nischen — , stellen sich erstlich viele Verse zur Verfügung, die aus
3 vollaccentuirten Wörtern bestehen. Z. B. Poetae aevi Karolini II
S. 426 (kurz vor 800) : neben Cernite conspicuüm oft : sacris aedibus
ältär ; hie ägni crüor caroque ; dicite rogo alme ; sede felix in aeviim.
Allein unter unsern 56 Kurzzeilen ließe sich nur vielleicht die
letzte (nuUomodo ibi sönät) dafür anführen (nicht die 4.: mirifice
prompserunt oracula). Und dann, wenn der Dichter vierhebige
Verse liefern wollte, welchen Sinn hatte es da, auf 7 Silben in
der Zeile sich zu beschränken? All die vierhebigen rythmischen
Nachahmungen der ambrosianischen Zeile lassen Zeilen zu 8 Silben
zu, nicht wenige auch Zeilen von mehr Silben.
Demnach müssen wir den Gedanken an Nebenaccente aufgeben
und hier nur mit gewichtigen Wörtern mit einem VoUaccent rechnen.
Unser Hythmiker hat 2 solche mindestens zweisilbigen Vollwörter
zu einer Kurzzeile vereinigt. Diesen Kurzzeilen hat er, damit in
der Kette nicht zu ungleiche Glieder vorkämen, noch gewisse gleich-
mäßige Eigenschaften mitgegeben, so daß sie nicht weniger als 5
und nicht mehr als 7 Silben zählen und vorwiegend mit sinkender,
paroxytoner Cadenz schließen sollten.
Dieser Rythmiker hat bei der Einrichtung seiner rythmischen
Distichen im III. Prolog '0 quam' die quantitirenden Zeilen stu-
dirt und nachgeahmt und hat dabei Fleiß und Gelehrsamkeit be-
wiesen. Wie hat nun dieser Rythmiker hier gearbeitet? Hat er
etwa die ambrosianische Strophe nachgeahmt? Die ambrosia-
nische Strophe bindet allerdings auch von den 4 Kurzzeilen, aus
denen sie besteht, die erste mit der zweiten und die dritte mit
der vierten und schafft so zwei Langzeilen, nach denen das
Strophenende eintritt, genau wie hier. Allein diese Gliederung
Spanisches zur Geschichte der ältesten mittellateinischen Rythmik. 127
(2 + 2) + (2 + 2) ist für allen Gresang und Tanz die nächstliegende,
einfachste und schönste. Diese Ähnlichkeit der Strophen beweist
also nicht, daß unser Rythmiker die ambrosianische Strophe nach-
geahmt habe.
Entschieden dagegen spricht die Unähnlichkeit der Zeilen.
Statt 4 Hebungen stehen hier nur 2; die 8 Silben der ambrosia-
nischen Zeile sind hier, wie es scheint, verboten, jedenfalls wenig
beliebt. Deßhalb ist der Gredanke aufzugeben, daß die vorliegenden
lateinischen Zeilen den ambrosianischen nachgeahmt seien.
Ich kann aber überhaupt keine spätlateinische quantitirende
Zeile finden, welche der grammatisch gebildete Rythmiker mit den
vorliegenden Kurzzeilen von je 2 vollbetonten Wörtern hätte nach-
ahmen wollen können. Ja, mir scheint ein Umstand überhaupt gegen
Nachahmung quantitirender Zeilen der späten römischen Zeit zu
sprechen. Abgesehen von den daktylischen haben all diese quan-
titirenden Zeilen stets gleich viele Silben und gleiche Schlußcadenz.
Diese Zeile aber zeigt steten Wechsel der Silbenzahl und neben
etwa 50 sinkenden Schlüssen sicher 6 steigende. Deßhalb kann
ich überhaupt nicht glauben, daß eine spätlateinische Zeilenart
hier nachgeahmt ist.
Dann aber ist diese Art von Zeilen zum Gresang nicht zu
brauchen. Bald fängt die erste Hebung die Zeile an, bald gehen
der ersten Hebung 1 oder 2 oder 3 wenig betonte Silben voran;
zwischen den 2 Hebungen stehen bald 1 Senkung, bald 2 oder 3
oder auch 4. An einen Chorgesang nach einer bestimmten Melodie
war da nicht zu denken. Nun ist ja allerdings in unserer Vorzeit
ein voller Liedtext so gut wie nie von einem Clior vorgetragen
worden. Fast immer trug nur ein Einzelner, der Vorsänger, den
Text vor und ein Chor stimmte höchstens nach den einzelnen
Strophen oder Absätzen eines Liedes einen immer gleichen kurzen
Refrän an. Der einzelne Vorsänger, ein geübter Mann, konnte
leichter diese ungefügen verschiedenen Zeilen meistern ; aber wirk-
licher Gresang war auch ihm doch kaum möglich und im Interesse
des Verständnisses auch unnöthig.
Solcher Versbau wie hier oder wie im Beowulf paßt nur für
die Recitation, den Halbgesang, den feierlichen Vortrag. Die Stimme
schwebt leicht steigend von der ersten Hebung zur zweiten ; nach
einer leichten Pause schwebt sie leicht sinkend von der dritten
Hebung zur vierten. Was wir hören, ist nicht die sprachliche
Unterlage von fest und schön gegliederten Tönen. Wer statt
dieser Wörter mit Hebungen und Senkungen nur mit la la die
Melodie derselben singen wollte, hätte nur eine verwirrende Fülle
128 Wilhelm Meyer,
von Möglichkeiten vor sich; nicht eine bestimmte Melodie, sondern
eine Menge verschiedener. Es liegen hier nicht fein gegliederte
Gesangstexte vor, sondern rythmisirte Prosa, die mit er-
hobener Stimme recitirt werden kann, zu der man auch der Feier-
lichkeit halber etliche Saiten rühren mag. Deßhalb sei mir eine
Abschweifung in das Gebiet der lateinischen Prosa Spaniens im
frühesten Mittelalter gestattet.
Gleiche Wörterreihen in der alten spanischen
Prosa.
Eeihen von gleich vielen voll betonten Wörtern sind zum fei-
nern Gesang wenig geeignet. Das bewirkt der unsichere Ort und
die unsichere Zahl der Senkungen, welche doch auch gesungen sein
wollen. Aber wohl geeignet sind sie zum Halbgesang, zur würde-
vollen Recitation. So kam mir der Gedanke, ob vielleicht die
spanischen Westgothen, welche Meister des würdevollen Vortrags
waren und diese Meisterschaft auf ihre Nachkommen vererbt haben,
in ihrer feierlichsten Prosa auch das Kunstmittel der gleichen
Wortreihen angewendet hätten, wie sie den rythmischen Satz-
schluß und die Reimprosa oft angewendet haben (vgl. meine Ges.
Abhandlungen II 278). Daß das wirklich geschehen ist, werden,
wie ich glaube, die folgenden Proben beweisen.
Natürlich darf man in dieser Prosa nicht lange Ketten von
Zeilen mit gleich vielen vollbetonten Wörtern erwarten ; auf ein
Paar oder auf eine Gruppe von Zeilen, welche aus 3 vollbetonten
Wörtern bestehen, folgt eine ähnliche Zahl von Reihen, die aus je
4 Wörtern bestehen oder aus je 5 oder aus je 6. Bei recitirendem,
dahinroUendem Vortrag muß die architektonische Gleichmäßigkeit
der einzelnen Theile des Redebaues dem Hörer wohlthuend das
Ohr gefüllt und in ihm das Gefühl von ernster Harmonie ge-
schaffen haben. Das Ziel des antiken Isokolon war ein rein
rhetorisches. Rutilius Lupus II 15 bringt die Beispiele:
Nequaquam mihi dives est,
quamvis multa possideat,
qui neque finem habet cupiendi
neque modum statuit utendi.
nam et multum desiderare egentis est signum,
et nihil parcere egestatis est initium.
Die einzelnen Wortreihen haben nicht nur eine genau entsprechende
Zahl von Wörtern, sondern jedes Wort der einen Reihe entspricht
geistig dem entsprechenden Wort der andern Reihe. Diese Gegen-
Spanisches zur Geschichte der ältesten mittellateinischen Rythmik. 129
Sätze der einzelnen Wörter sollen den Gedanken scharf beleuchten.
Das ist der Zweck dieses rhetorischen Kunstmittels.
Die Langzeilen-Paare des II. Antiphonar-Prologs 'Tra-
ditio Toletana' enthalten je 4 vollbetonte Wörter. Das Ziel ist
durchaus kein rhetorisches, sondern das Ziel jeder poetischen
Form: Schönheit im Ebenmaße:
Bini äut terni responsuria canunt
vespertinos et laüdes similiter et psälmos.
A dextera leuaque coros consistunt,
antiphöne modos reciprocatos canunt.
Was wollen nun die gleichen Wortreihen in der altspani-
sch e n P r o s a ? Ist ihr Ziel das rhetorische, welches durch die
Schärfe der Antithesen den Gredanken hell beleuchten will, oder
ist es das declamatorische der Dichtung, welches durch den har-
monischen Bau der einzelnen Zeilen den Wohlklang des ganzen
Wortgebäudes fördern will?
Natürlich haben die altspanischen Meister der Beredsamkeit
nicht verzichtet auf die natürlichen und allbekannten rhetorischen
Vortheile des Isokolon. Besonders gern benützen sie dasselbe zur
würdevollen volltönenden Ausmalung des Gredankes. Z. B. Sacram.
54, 26 : rogamus,
ut adsis pärcas miserearis ignöscas ; 4
des in cörde vota, que cömpleas ; 4
des in ore verba, que exaudias; 4
des in öpere facta, que benedicas. 4
Aber sie benützen auch das Isokolon zur scharfen Zeichnung von
Gegensätzen; so die Absätze mit illa (Maria) und ista (Ecclesia)
Sacram. 56, 18—30; mit tunc und nunc Sacram. 255, 3 — 14. In dem
Erlaß der toledaner Synode bringt das Zeilenpaar *Quae ergo' An-
tithesen ; die mit 'in' beginnende Zeilenreihe dient der breiten Aus-
malung durch parallele Worte. Natürlich haben solch gewandte
Eedner den Nutzen der Antithesen und Parallelismen gekannt.
Hier ist aber die Frage, ob sie die parallelen Wortreihen auch da
benützt haben, wo nicht die Rede ist von rhetorischer Antithese
oder Ausmalung. Lauem rhetorische Künste hinter solchen gleichen
Wortreihen? wie Sacram. 255, 15:
Propter quod humillimi sine cessatiöne rogamus, 4
ut, dönec nos tiia curatiöne perficias, 4
nöstris tuam vulneribus non siibtrahas medicinam. 4
Oder Sacram. 257,34—38: Ad te clamantes exaudi:
quo resurrectionis tiie hilaritate gaudentium 4
öra repleäntur iiibilo laüdis 4
Kgl. Ges. d. Wiss. Nachrichten, Phil,-hist. Klasse. 1913, Heft 1. 9
130 Wilhelm Meyer,
et corda efF^ctum percipiant exorationis, 4
cum nunc exoraverint ea que precepisti, 4
clamantes atque ita dicentes e terris: Pater etc. 4
Oder die fünf wortigen Reihen 'Fuerint licet' Sacram. 326, 12 —
15, oder Sacram. 324,14—19 die folgenden:
Döus, qui adsiimptum hominem evectürus ad c^los, 5
inter praecipua mandatöriim tuörum mysteria 5
concordissimam pacem tuis sanctis reliqnisti apostolis: 5
süscipe inlata sacro altario münera, 5
in höstiam pacificam largiente tua grätia reputanda. 5
Auch die 6 Reihen von je 4 vollbetonten Wörtern Tönderi
etenim', welche ich aus dem toledaner Edict ausgeschrieben habe,
ergehen sich nicht in scharfen Antithesen und malen nicht einen
Gedanken in 6 parallel gebauten Sätzen aus, sondern sie geben in
3 Verspaaren den Hauptsatz und die 2 mit si eingeleiteten Neben-
sätze. Dem Redner ist die Hauptsache, daß seine "Worte in jeder
Zeile auf 4 Stützpunkten dahin rollen und daß seine Stimme in
diesem harmonischen Wohlklang sich austönen kann. Wer hier ir-
gend einen Zweifel hegt, lese das Gebet am Krankenbett, das ich
aus Ferotin's Liber ordinum genommen habe. Die 25 Reihen von
je 4 vollbetonten Wörtern stehen fest : aber nirgends ist eine Spur
von Antithese oder von einem andern rhetorischen Kunstgriff.
Aber allerdings lädt solch barmonischer Bau der Satzstücke
ein, Antithesen oder parallele Gedanken als geeignetste Füllung
zu verwenden. So ist es kein Wunder, wenn die poetische vier-
wortige Reihenform einfach dahinläuft, aber der Inhalt plötzlich
die rhetorische Form annimmt. So Sacram. 255, 28
Et quia imbecilla est nöstre infirmitätis oratio, 4
üt quid ordre oporteat nesciämus, 4
advocämus in suffragio pröcum nosträrum 4
susceptos in cel^sti coll(5gio patriärchas, 4
repl^tos divino spiritu proph^tas; 4
martyres confessionis floribus coronatos, 4
apostolos ad officium predicationis electos. 4
Die Hauptsache ist hier die poetische Form, daß in allen
7 Zeilen je 4 vollbetonte Wörter stehen. Hiezu kommt in den
4 letzten Zeilen die rhetorische Nebensache, daß 4 parallele Ge-
danken mit parallel gestellten Wörtern ausgedrückt werden. Poe-
tische Isokola sind alle 7 Zeilen, rhetorische Isokola sind nur die
4 letzten Zeilen ^).
1) In der Gebetmühle, den Synonyma (vgl. meine Ges. Abhandlungen II 181).
Spanisches zur Geschichte der ältesten mittellateinischen Rythmik. 131
Ich habe an zweiter Stelle Proben gegeben aus dem Erlaß der
8. Synode zu Toledo vom Jahre 653, an erster aber Stücke
aus den Meßgebeten an den höchsten Feiertagen. Sätze aus
diesen Meßgebeten wurden schon im Jahre 793 von Elipandus, dem
Primas von Toledo, in seinem Briefe an Alcuin citirt (Ferotin, Sa-
crament. p. XXX). Dann ist der Synodalerlaß von 653 in dem
rythmischen und gereimten Satzschluß und in der Anwendung der
gleichen Wortreihen so ähnlich diesen Meßgebeten, daß man auch
ihre Entstehung in das 7. Jahrhundert, also vor die eigentliche
mozarabische Zeit, hinaufsetzen darf.
Ich entnahm diese Proben Ferotin: Le Liber Mozarabicus
Sacramentorum (= Monumenta ecclesiae liturgica Vol. VI, Paris
1912), womit ich die Ausgabe des Missale mixtum von Lesleius im
85. Band der Migne'schen Patrologie verglich. Dann fand ich,
blätternd, eine Probe dieser Kunst in Ferotin's Liber ordinum
Sp. 72 (= Monumenta eccl. liturgica V 1904). An den Rand
setze ich die Zahl der vollbetonten Wörter, auf die es hier an-
kommt. In Klammern und in kleineren Zahlen notire ich die Art
des rythmischen Schlusses. Ausführlicher habe ich über
diesen gehandelt in meinen Gesammelten Abhandlungen II S. 259
und sonst. Es sind 3 oder 4 Arten. 1) <<> r^j^r^ dj r^ oder sel-
tener r^ r>^ r^ ^ ri, rsj \ regua subiecit oder interior pastus. 2) rlj r^,
rsj rL> n^ r^ oder seltener rL> r\j ro ^ r^ r^ rsj \ indivisa sancfcificet oder
lilia virgines. 3) (^ r\j r^^r^ r-^ rL> r^\ perierat invenitur oder
dätus est hunc sumämus. Selten ist die 4. Form : r^ r^^r^ r^ t^ r^\
eum redamavit. Schlußwörter von mehr als 4 Silben, wie vivi-
ficantur * acceptabile • supplicationis " omnipotentia , sind seltene
Ausnahmen.
IVlissa de nativitate domini.
Zuerst gebe ich ein Beispiel, wo Zeilen von ganz verschiedener
Wortzahl einander entsprechen. Es ist aus der Inlatio der Weih-
nachtsmesse genommen, Sacramentar 56, 18—30 = Missale 85 Sp.
188. Maria und die Ecclesia werden mit einander verglichen:
lila (Maria) salütem pöpulis creavit, hec (ecclesia) pöpulos: 5
illa utero vitam portavit, hec lavacro. 5
In illius membris Christus infüsus est: 4
4 in istius aquis Christus indütus est. 4
ist Isidor eigentlich gezwungen, die Fülle der parallelen Gedanken durch pa-
rallel gebaute Sätze auszudrücken. Doch springt er oft genug ab und setzt
Wörter mehr oder weniger als er setzen durfte, wenn er die hier besprochene
Wohlklangsformel befolgen wollte.
9*
132 Wilhelm Meyer,
Per lUam qui erat nascitur : 3
6 per istam qni perierat invenitur. 3
In illa red^mptor gentium vivificatur: 4
8 in ista gentes vivificantur. 3
Per illam v^nit nt peccata tolleret: 4
10 per istam tiilit peccata [propter que venit]. 3
Per illam nös ploravit: 3
per istam nös curavit. 3
13 In illa infans : in ista gigans. 2 + 2
14 ibi eiulat : hie triumphat. 2 + 2
Per illam crepündia gestavit: 3
16 per istam regna subiecit. 3
Illam parvuli iocunditate demülsit: 4
18 istam spönsi credulitäte despondit. 4
In 1 steht salutem in Mi, fehlt in Toi. 35, 8 u. 7 10 propter que venit :
scheint ein späterer Zusatz zu sein. 14 exulat Mi. 18 dispondit Toi. 35, 3
u. 7. Der rythmische Schluß fehlt oft in dem Vorder gliede (5, 9, 11, 15); smist
in 12 u. 13; m 8 besteht er aus einem fünfsilbigen Wort. Der Beim fehlt nur
in 9 oder 10.
Missa de nativitate. Sacramentar. 54, 4 — 11 ; Missale 85, 186.
Ecce nunc tempus acceptabile, 3
ecce nunc dies salntis(i). 3
Lux a terra prodiit: exeämus a tenebris(2), 3 + 2
Advocatus e celo descendit : quod oportet agamus (i). 3 + 2
Red^mptor miindi apparuit: pro libertate clamemus(i). 3 + 2
Venit ad egrötos medicus : vülnera proferämus (3). 3 + 2
Pänis vivus credentibus datus est : Mnc suraamus (3). 4 +.2
Föns perennis fidelibus ortus est : animas impleämus (3). 4 + 2
Abgesehen von dem Vorderglied in Z. 1 steht überall Reim und rythmischer
Schluß.
Missa de nativitate. Sacram. 54, 23—34, Miss. 85, 187 A.
Te domine Christe Jesu*
te d^um: pluräliter homines salväntem, 4
et hominem : in d^o singulariter potentem 4
4 invocamus, laudamus, rogamus*
ut ddsis pdrcas misereäris ignöscas(i), 4
6 d^s in corde vota que c6mpleas(2); 4
d^s in ore v^rba que exaüdias; 4
d^s in öpere facta que benedicas (s). 4
9 Non p^timus renovari nobis 3
(sicut in hac die olim acta est*),
corporalem nativitatem tüam; 3
Spanisches zur Geschichte der ältesten mittellateinischen Rythmik. 133
12 Sed petinms incorporäri nobis 3
invisibilem divinitatem tüam. 3
14 Quodprestitum est carnaliter sed singulariter tunc Marie (3), 4
nunc spiritaliter prestetur ecclesie(2). 4
5 Sacram. hat adsis ut; 11 corporalis nativitas tua Mi.. Der rythmische
Schluß fehlt in Z. 2, 3, 7, 11, 13. Die Reimkette ist vollständig.
Die nativitate, Post nomina. Sacram. 55, 20— 28 ; Missale 85, 187 C.
Höstia enim inmaculata vivit et vivens iügiter inmolatur (3) 6
höstia que sola deum placare prevalet, quia deus est. 6
3 Hänc tibi summe pater offerimus(2) 4
4 pro säncta ecclesia tüa(i) 3
pro satisfactiöne seculi delinquentis (3) 3
pro emendatiöne animarum nostrarum(i) 3
7 pro sanitäte omnium infirmörum(3) 3
8 ac requie vel indulgentia fidelium defunctörum (3), 4
ut mutata sörte tristium mansi6num(3) 4
10 felici perfruantur societate iustörum(i). 4
Besser wäre es, wenn in Z. 8 das unnöthige vel indulgentia getilgt und so
diese 8. Zeile mit den Zeilen 4 — 7 verbunden werden könnte. Der rythmische
Schluß ist schlecht in Z. 2, der Reim fehlt in Z. 1 — 5.
De nativitate, Inlatio. Sacrament. 57, 4—19 ; Missale 85, 188 C.
Promisit ei se Uli datüram regnum eternum(i); 6
ipsam pollicitus est statuendam in dextere sue parte reginam (1). 6
3 Concessit et ipsi, quod concessum est genetrici (3) : 4
impleri, non violari; parere, non corrumpi(3); 4
5 illi semel. et isti semper: 4
sedere tamquam spönsam in thalamo pulcbritudinis 4
et multiplicare filios gremio pietatis (3) ; 4
8 fetösam esse pröle, non fetidam voluptate (3). 4
Sic et ipsa in ipso per ipsum dives effecta 5
sponso ac domino suo humilia refert munera, 5
11 hoc ei de proprio suo offerendo quod credidit(2), 4
hoc de exemplo quod eum redamavit (4) ; 4
13 hoc de döno ipsius(i) 3
id ipsum potuisse quod völuit(2), 3
15 id ipsud voluisse quod pötuit(2). 3
Dedit illi*
17 tamquam rosas martyres, 3
völut lilia virgines(2), 3
19 quasi violas continentes (3). 3
14 und 15 hat Mi 'id ipsam'. Rythmischer Schluß ist entbehrlich in Z. 5,
134 "Wilhelm Meyer,
6 u. 17; man sucht ihn in Z. 10; in Z. 12 steht die seltenere Form mit 3 Sen-
kungen. Öfter steht Innenreim; so Z. 1, 2 — 5 und 8.
De nativitate, Post Pridie. Sacrament. 57, 34—58, 18; Missale 85, 189.
Hec dömine dona tua ac precepta serväntes(i) 4
in altare tünm panis ac vini holocaiista proponimus (2), 6
3 rogantes profusissimam tue misericördie pietaiem(3), 4
nt eodem spiritu, quo te in cärne virginitas incorrupta concepit (1), 6
5 has höstias trmitas indivisa sanctificet (2), 4
ut cum a nöbis füerint non minori trepidatione qnam veneratione
percepte(i), 6
7 quidquid contra animam (male) vivit intereat(2) 4
et quidquid interierit nullatenus reviviseat (3). 4
Z. 7 male scheint zu tilgen. Reim nur in Z. 7 und 8. Rythmischer
Schluß stets.
Ad orationem domlnicam. (Sacrament. 58, 5).
Quod via nt sequeremur ostendit(i), 3
quod vita ut loqueremur edöcuit(2), 3
quod veritas ut teneremus instituit(2) 3
tibi summe pater* cum tremore cordis*
proclamemus e terris (i). Pater etc. 3x2
Benedictio. Dominus Jesus Christus*,
qui ölim pro nöbis dignatus est nasci(i), 4
ipse vos süa nativitate purificet (2). Amen. 4
Et qui infäntiam sümens humanitatis, 3
vilibus indütus est pännis(i), 3
celestium virtütum vos vestiat indumöntis (3). Amen. 4
Sitque veströrum cordium intörior pastus(i), 4
qui in pres^pio positus*
cred^ntibus se voluit • monstrari vesc^ndus (1). Amen. 3x2
Vor dignatus hat Mi 'hodie', Ferotin's Hft 'de virgine'. Reim und ryth-
mischer Schluß fast immer.
Missa in hilaria Paschae: Sacrament. 253,3—6; Missale 85, 482 A.
Letötur c^lum et exültet terra; 4
rideat märe, sol fulgeat(2). 4
Ser^nitas rediit, p^stis fügit; 4
temp^stas desiit, cössit obscüritas (2). 4
Aerem crüx purgävit(3); 3
tellürem sanguis abst^rsit(i); 3
* * lignum corr6xit(i). 3
In der letzten Zeile scheint ein Wort, wie mare, zu fehlen.
Spanisches ziir Geschichte der ältesten mittellateinischen Rythmik. 135
Pascha: Sacrament. 255,3—18 u. 23— 256, 3 = Missale 85, 482 D.
Die beiden folgenden Stellen sind niclit scharf parallel ausge-
arbeitet. Vielleicht ist die bandschriftlicbe Überlieferung niclit
ganz richtig. Dennoch sind die beiden Stellen lehrreich, besonders
die erste, durch die mit tunc und nunc scharf markirten Gregen-
sätze.
Tiinc servi dicebamur futuri: 4
nunc filii(2). 2
Tünc oboedientibus inmortalitas promittebatur : 4
nunc augetur et dignitas(2). 3
Tünc portio habenda cum deliciis: 4
nunc commünio futüra cum ängelis(2). 4
Tünc cum creatüra vivendum: 3
nunc cum Creatore regnändum(i). 3
Tünc evitandus diabolus (2) : 3
nunc et subiciendus edicitur(2). 3
Tünc erat admonitio de cautela precepti(i): 4
nunc hortatio de pömpa iudicii(2). 4
Tünc proponebatur in lege metus : 4
nunc in voluntäte suggestus (1). 3
Tünc non licuit paradisum habere per cülpam(i): 5
nunc celum datur sperare per gratiam(2). 5
Melius ergo* multöque melius* crövimus post ruinam(3). 6
Pröpter quod humillimi sine cessatione rogamus (1), 4
ut, donec nos tüa curatione perficias (2), 4
nöstris tuam vulneribus non sübtrahas medicinam (3). 4
Rythmischer Schluß stets in den Hauptschlüssen, Reim fast immer.
Pascha: Post nomlna. (Sacrament. 255, 23).
Auditis nominibus offerentium 3
te pietatis dominum deprecamur (3), 4
ut digneris nöbis oratus adsistere (2), 4
adesse quesitus' aperire pulsatus(i). 4
Offerentium nömina: celestibus scribas in paginis(2); 5
promissiönem tuam • manifestes in sanctis (1) ; 3
misericördiam • ostendas in perditis(2). 3
Et quia* imbecilla est nostre infirmitatis oratio (2) 4
vel quid oräre oppörteat nescimus, 4
advocamus in suiFragio precum nostrarum(i) 4
susceptos in celesti collegio patriarchas (3), 4
repletos divino spiritu prophetas, 4
märtyres confessionis floribus coronatos (3), 4
136 Willielm Meyer,
apöstolos ad officium predicationis el^ctos(i). 4
Per quös oramus te dominum n6strum(i). 4
ut omnes*
m^tu territos* inopia afflictos* 4
tribulatiöne vexatos * morbis obrutos • 4
suppliciis deditos* debitis obligatos(3) 4
presentia tue resurrectionis absölvas(i). 4
Spirituum quöque pausäntium 3
memor esse digneris(i), 3
ut Ulis* criminum suörum indulgentia relaxata(3) 4
ad sinum patriarcbarum liceat pervenire(3). 4
Ferotin | 'vel quid', Missale 'ut quid'; ut quid., nesciamus? Dann ha;
Ferotin 'suppliciis deditis obligatos'; wohl Druckfehler. Rythmischer Schluß in
den Hauptschlüssen; sehr oft Reim.
Ad orationem dominicam, Sacrament. 257, 32—38 = Missale 85, 486.
Christe Jhesu bone, 3
qui ad pätrem de cruce clamästi(i): 3
tu nos in bac die, 3
qua ipse de tümulo surrexisti (3), 3
ad te clamantes exaüdi(i): 3
quo resurrectionis tiie bilaritate gaudentium (2) 4
öra repleäntur iiibilo laudis(i) 4
et cor da effectum percipiant exoratiönis, 4
cum nunc exoräverint ea que precepisti (3), 4
clamantes atque ita dicentes e terris(i):
Pater etc.
Färotin's Handschrift bietet 'hilaritate perfusi gaud.', dann läßt sie die letzte
Zeile 'clamantes a. i. d. e. t.' weg. Stets rythmischer Schluß, meistens Reim.
Missa de ascensione, Sacrament. 323, 14—24 = Missale 85, 602 B.
Petamus (igitur) ab omnipotentia patris(i) 3
per nomen filii salvatoris (3) 3
grätie spiritalis ingressum(i) 3
et^rne beatitüdinis d6num(i) 3
bedte mansionis ascensum(i) 3
catbolice credulitätis augmentum(i) 3
her(^'tice infidelitätis excidium(2). 3
Aüdiet prof^cto in confessione, 3
quös in perditione que.?ivit(i). 3
Adstäbit suis, qui non döstitit ali(5nis(3). 5
dderit ägnitus, qui non döfuit agnosc^ndus (3). 5
Spanisches zur Geschichte der ältesten mittellateinischen Rythmik. 137
Non patietur orphanos esse devötos(i), 4
qui filios dignatus est fäcere inimicos(3). 4
Däbit effectum supplicationis, 3
qui promisit spiritum sanctitätis (s). 3
Immer rythmischer Schluß, fast immer Reim.
Ascensio. Post nomina. Sacrament. 324, 1 — 12 = Missale 85, 603 D.
Domine rex glorie,*
qui patefactis prophetärum oräculis (2) 3
tamquam elevatis eternalibus p6rtis(i) 3
paternam repetis sedem(i), 3
quia dum*
tua deitas eo quo nümquam discedit regreditur (2), 5
humano generi celörum äditus aperitur (3) : 5
dona,*
ut illic extendätur nöstra intentio(2), 4
quo precessit nöstra redemptio (2) ; 4
nee inhereamus captiva delectatione terrenis(i), 4
qui te regnantem confitemur in cölis(i). 4
Quo, prece humilitatis nöstre placatus(i), 4
ex illa maiestatis qua resides sede(i) 4
et viventes repleas d6nis(i) 3
et pausäntium spiritus consoleris(3). 3
Das Missale hat mehrere Varianten : patefactis et adimpletis ; quo dum
discessit; processit. Stets rythmischer Schluß, fast stets Reim.
Ascensio. Ad pacem. Sacrament. 324, 14 — 22 = Missale 85, 603 A.
Deus qui adsumptum hominem evectiirus ad celos(i) 5
inter precipua mandatörum tuörum mysteria(2) 5
concordissimam pacem tuis sanctis reliquisti apöstolis(2): 5
siiscipe inlata sacro altario münera(2) 5
in höstiam pacificam largiente tua gratia reputanda(3). 5
nobisque*
tuis famulis tribue sectari per exteriöris hominis ösculum(2) 6
interiöris kominis indisriiptum päcis et gratiae sacramentum(3). 6
Fast immer rythmischer Schluß, meistens Reim.
Ascensio. Inlatlo. Sacrament. 824, 24—325, 6 = Missale 85, 603 A.
Dignum et iiistum est, omnipotens päter, 4
nos tibi agere gratias per Jhesutn Christum, 4
filium tüum dominum nöstrum(i). 4
Qui: post secunde nativitätis verissimum sacramentum(3), 4
post humane passionis gloriosum triümphum (1), 4
138 Wilhelm Meyer,
post dignabilem suscepte mortis ad inferna descensum (i), 5
post vivificäntem resiimpte resurrectionis ad superna
regr^ssum (i), 5
post manifestatam mirabilium virtüte potentiam (2), 4
post inmensam * m- infirmantium inediciDam(3),
post celebratam in apostolorum communiöne doctrinain(i), 4
ad illam eqnalem sibi maiestatis tue sedem 5
ereptam de inimici faucibus predam repörtans(i) 5
captivam diaboli 2
süum söcium tüum bospitem fecit(i). 5
Dignnm celi babitatiöne constituit(2)j 4
qui perfrui paradysi iucunditate non inerQit(2). 4
opus tiium onus süum est, 4
cum nee illa laböri nee ista sint p6nderi(2). 4
Das Missale hat : dominum nostrum fehlt ; reassumpte ; captivum diabolum ;
tuum fehlt vor hospitem; non potuit statt non meruit. Vor infirmantium fehlt
ivohl ein Wort loie cunctorum. Fast immer rythmischer Schluß, meistens Reim.
Ascenslo. Inlatlo. Sacrament. 325, 16—326, 5 = Missale 85, 603 C.
Non süffieit abundantissime bonitati(3), 3
quod ad cruciandam spoliati böstis invidiam(2) 4
faciendis virtütibus potestate permissa(i), 4
venire ad se super äquas discipulo cupienti(3) 5
famuläntia contra natüram elementa subiecit(i): 5
dum gravem gradientis cörporei pönderis mölem(i) 5
nequaquam cedentium undärum dörsa portarent(i), 5
cum ad imperantis obs^quium fieret itineris soliditas, non
liquoris (3), 7
et 6quor iussiöne librätum non mutaret ciirsum sed mutaret
officium (2), 7
atque ad vocantis edictum eüntes vie cürrerent 5
et progredientis vestigia freta insignita sorberent(i). 5
inmensümque pelagus accid^ntis limitem
inviolata equalitate nesciret(i) 7
et figöntis pMem plenitüdine in se manente ** non mergeret(2).
Non in aliquam rätem matöria gelu stricta concreverat (2) 7
nee flüminum more superi^cta flu^ntis
frigore tegum^nta pendöbant (1), 7
quum natdlis illa mobilitas p^rvia et völis patöret et pläntis (1), 7
inestimataque profunditas simul et viatorem f^rret et
remigem (2,) 6
maiore miraculo bominem päti iüssa quam ndvem(i) 6
uberiöri d^i laude grössibus adita quam ratibus(2). 6
Spanisches zur Geschichte der ältesten mittellateinischen Kythmik. 139
venire ad te 3Ii; nee aquara ierotin, credentium Mi\ proregredientis ier.',
imersumque pel. ascendentis Mi\ manente aqua non mergeret?; aliquam cratem
Mi, nicht übel ; concreverant Fer., statt natalis hat Mi natabilis, eine Hft nata-
tilis ; adita? Fast immer rythmischer Schluß, sehr oft Reim, bez. Innenreim.
Einige Zeilen tveiter {Sacrament. 326 ^ 12) :
Fuerint licet magna ista vel grändia(2), 5
cedant tarnen his beneficiis illa miräcula (2) : 5
qnod invisibili deo tomo visibilis corporätus (3) 5
a^rium iter non gradu siiperat sed volatu(3). 5
Immer rythmischer Schluß und Reim.
Ascensio. Ad orationem dominicam. Sacrament. 328, 20— 24;
Missale 85, 605 A.
Ad liumana descendisti* celestia non relmquens (3), 2 + 2
ad superna regressus * humäna non deserens (2), 2 + 2
ubique totus * nbique mirabilis (2), 2 + 2
non interceptus cärne* ut non esses in patre(i). 2 + 2
non ereptus ascensione * ut non esses in bomine (2). 2 + 2
Immer rythmischer Schluß, meistens Reim.
Penlecoste. Inlatio. Sacrament. 340, 8—24 = Missale 85, 618 B.
Quis enim narrare
väleat hüins bodierno die ignis inlapsum (1) ; 6
sie distribiita discipulis genera universa linguarum (1), 6
nt nee Latinus Hebreo nee Grrecus Egyptio nee Scitba Indo, 6
propria dum quisque et peregrina audiens löquitur lingua(i), 6
detrimentum vel alieni fecerit vel siii senserit intellectus (3) ? 6
Quäque virtüte sit actum, quod diremptis veritatis preconibus (2) 6
per spatia inmensa terrarum unius atque indivisibilis 6
dönum doctrine celestis pro potestate voluntaria partiretur(3), 6
nicbil ägens unitati fidei dissonum(2) 5
quamvis multiplici sit scientie distributione pulcbörrimum (2), 5
et multimoda mirificum extiterit varietäte sermönum(i), 5
ostendens quia
confessiöni dominice non impedit diversitas lingue(i) 5
nee interest quam vario quis sermone fateatur(4), 4
diimmodo ünus sit ille qui creditur(2). 4
enarrare valet Missale ; alienigeni Mi ; diremptis : dicentis Mi ; unius : unus
Ferotin-j pre potestate Fei'.-, multiplicis scientie Mi-, ostendens qnod Mi; interest
quod vario Mi. Reim oft, rythmischer Schluß stets.
Ferotln, LIber Ordinum, 1914 Sp. 71 : Ordo ad visitandum vel
perunguendum infirmum, aus 2 Handschriften: der Handschrift
1
140 Wilhelm Meyer,
in Silos (a. 1052 geschrieben) und der Handschrift in Madrid
(11. Jahrh.). Oratio:
Ih^su salvator noster et domine,
qni es v^ra salus et medicma,
et a quo et cuius est vera salus et medicina,
4 qui apöstoli tüi voce nos mstruis,
ut morbides olei liquore tangentes
tüam postulemus misericördiam pietatis:
aspice propitius super hunc famulum tuum ill.
8 ab illa miräbili summitäte celorum;
üt, quem languor cürvat ad exitum
et virium defectio iam pertrahit ad occasum,
medella tue gratie restituat castigatum.
12 et extingue in eum, domine, libidinum et febrium estus,
dolorum stimulos ac vitiörum öbtere cruciatus.
Egritüdinum et cupiditatum torraenta dissolve.
superbie inflationem tumoresque compesce.
16 ülcerum vanitatiimque putredines evacua.
viscerum interna cordiümque tranquilla.
medullärum et cogitationum sana discrimina.
conscientiärum atque plagärum abducito cicatrices.
20 fisicis tipicisque ad^sto periculis.
veteres inmensäsque römove passiones.
Opera carnis ac sanguinis materiamque conpone
ac delictorum illi veniam propitiätus adtribue.
24 Sicque illum tua iügiter custodiat pietas,
ut nee ad correptionem aliquändo sanitas
nee ad perditionem (te auxiliante) nunc perdücat infirmitas;
fiatque illi hec olei sacra perunctio
28 cöncita mörbi presentis expulsio
et peccatörum ömnium exoptata remissio.
3 Das überflüssige 'et cuius ist wohl zu tilgen 13 Da 'ac' nicht voll be-
tont werden kann, so ist V. 12 'domine' zu tilgen 15 Die madrider Hft hat tu-
moremque 19 obducito? 26 'te auxiliante' und 27 'illi' sind wohl zugesetzt.
Der Beim fehlt nur in Z. 1 ; is es is schließt Z. 4—6, es is es Z. 19—21; Der
rythmische Schluß fehlt ohne Grund in Z. 16 (putredines väcua?); in Z. 25, zwi-
schen nee— nee, ist er nicht nothwendig.
Erlass der Synode zu Toledo a. 653.
Ld meinen Gesammelten Abhandlungen zur mittellateinischen
Rythmik II 279 (= S. 12 der gesondert hieraus abgedruckten
^Übungsbeispiele über die Satzschlüsse') habe ich den Erlaß der
8. Synode zu Toledo vom Jahr 6B3 abgedruckt, zum Beweis, wie
Spanisches zur Geschichte der ältesten mittellateinischen Rythmik. 141
sehr die spanischen Westgothen rythmische und gereimte Prosa ge-
liebt haben. Dasselbe Stück beweist auch ihre Vorliebe für gleiche
"Wortreihen. Ich gebe hier einige Proben.
Decretum iudicii universalis 3
editum in nomine principis. 3
Soliditatem reddidisse fractürae(i) 3
ätque fecisse consiirgere (2), 3
quod extiterat concidisse (3) : 3
et incrementum est usitatae merced*5(i) 3
et plenitiido consummatae perfectionfs. 3
Pönderi etenim collidentis ruinae(i) 4
si aequalium (proximorum) ciiram convenit obviare(3): 4
quanto grandioris erit ciilpae 4
praelatos incüriae discrimen inciirrere (2), 4
si non quo välent excommunicatiönis onere 4
commissos procürent pöpulos subleväre (3) ? 4
Properandum ergo est:
inter ruinas collisiöni^m catervas eripere coUisort^m (3) 6
ut ^x hoc iiigiter et ultra 3
nee vigorem nocendi häbeat execranda pressura(i), 6
et ömnis compressus noverit 3
Sanctae sanctionis esse säcra sibi coUata remedia(2). 6
Als Gegensatz zu praelatos genügt eines der beiden synonymen Wörter
aequalium = proximorum.
Eegalis proinde ordo
ex hoc cüncta sibi deberi convinci^ (i), 4-
ex quo se regere cüncta cognosc«^ (1) ; 4
et inde conquisita non alteri quam sibi iüste d.Qfendit(i), 6
linde non persönae * sed potentiae süae • haec deberi non ambig^^ (2). 6
Regem enim iura fäciunt non persona (3), 4
quia nee constat sui mediocritate sed sublimitatis honöre(i). 4
Quae ergo honori debent (debentur ?), honöri deserviaw^ (2), 4
et quae reges accümula«^, regno relinquaw^(i). 4
ut quia eos gloria regni decorat (r. gloria decorat (2) ?), 5
ipsi quoque gloriam regni non extenuent sed exörnent(3). 5
Häbeant deinceps iure cönditi reges (1) 5
in regendo corda sollicita (2), 3
in operando facta modesta(i), 3
in decern^ndo iudicia iüsta(i), 3
in parcendo pöctora prompt« (1), 3
in conquirendo stüdia parca(i) 3
in conservando vota sincera(i)j 3
142 Wilhelm Meyer,
ut tänto gloriam r^gni: cum felicitate retentent(i), 3 + 2
quanto iura regiminis ; et mansuetudine conservaveriii^
et aequitate diTexerint(2). 3 + 2 + 2
Der Ursprung der wortzählenden Rythmik.
In den Beispielen aus der alt spanischen Prosa, welche ich als
Reihen gleich vieler Wörter angeführt habe, habe ich mehr Frei-
heiten in Anspruch genommen, als in dem IL toledaner Prolog
'Traditio toletana'. Ich habe öfter zweisilbige Hilfswörter der
Sprache, als unbetont, nicht gerechnet und einleitende oder über-
leitende Formeln ^) bei Seite gelassen. Aus diesen oder aus andern
Gründen mag deßhalb dieses oder jenes der von mir gegebenen
Prosa-Beispiele angezweifelt werden. Doch die große sichere Masse
der Beispiele beweist, daß die altspanischen Prosaiker des 6. und
7. Jahrhunderts oft Reihen von gleich vielen gewichtigen Wörtern
sich folgen ließen. Das thaten sie jedenfalls, um durch den har-
monischen Bau der Sätze ihren Wortgebäuden einen schönen, oft
erhabenen Klang zu geben.
Dasselbe rythmische Prinzip liegt den 28 Langzeilen des Leoner
Antiphonars zu Grund. Diese letzteren wollen unstreitig ein Ge-
dicht sein und ich werde noch weiterhin Gedichte bringen, in denen
nicht die Silben, sondern die Wörter gezählt werden. Nun stellt
sich die Frage vor uns: ist das Prinzip desWortzählens
zuerst in der spätlateinischen Prosa vorhanden gewesen und
von da in diese Dichtung übergegangen oder umgekehrt?
Nach meiner Überzeugung ist es aus der Prosa in die Dich-
tung gewandert.
Im 2. — 4. Jahrhundert blühte in den heißen Köpfen der asia-
tischen Griechen und Semiten die Rhetorik gewaltig auf. Die
Scheu vor der römischen und vor der attischen Schule war über-
wunden. Diese 'Jugend' hatte volles Vertrauen in sich und wollte
Alles neu machen. Die veraltete Aussprache nach der Quantität
fiel und der Wortaccent trat an ihre Stelle. Die rythmischen
Satzschlüsse der Prosa wurden aus den quantitir enden Formen
umgeformt in solche, die nach dem Wortaccent betont wurden. Aus
diesem Hexenkessel der neuen asiatischen Rhetorik tranken auch
die Gebildeten anderer Provinzen und besonders die Christen. In
Predigten und in ähnlichen Schriften der christlichen Schriftsteller
des 5. und 6. Jahrhunderts finden sich Orgien dieser übertriebenen
1) Z.B. Sacram. 324,1—12 Domine rex gloriae; quia dum; dona. 324,14
nobisque. 255, 23 auditis nominibus oflferentium ; ut omnes. 58 Dominus lesus
Christus. 57, 19 dedit üli. 54, 23 Te domine lesu Christe.
Spanisches zur Geschichte der ältesten mittellateinischen Eythmik. 143
Rhetorik. Zu den Mitteln derselben gehörte auch das Isokolon
und so findet es sich in späten Schriftstücken oft angewendet,
allerdings hauptsächlich in Antithesen, so, daß in 2 Reihen von
Wörtern sich Wort um Wort genau entspricht. Im 5. und 6. Jahr-
hundert mühten die lateinischen Schriftsteller sich außerordentlich
mit dem IQang ihrer Sätze. Selbst vor kleinen Sinnespausen gaben
sie den Schlußwörtern nur bestimmte Cadenzen der Wortaccente
und schmückten diese noch gern mit dem Reim.
Da war es sehr natürlich, daß manche sich auch darum küm-
merten, wie das Innere ihrer Sätze klang, und da lag es fast zu-
nächst, daß, was ja auch bei der Zusammenstellung von Soldaten
zuerst geschieht, zuerst auf die Größe der Sätze geachtet wurde.
Die Größe der Sätze wird aber hauptsächlich durch die Zahl der
gewichtigen Wörter bestimmt. Es ist klar, daß parallele Reihen
von gleich vielen Wörtern der Rede den Eindruck von Ruhe und
Würde geben, während die Aneinanderreihung von kurzen uud
langen Wortreihen die Rede unruhig macht, also am besten leiden-
schaftliche Wallungen des Sprechenden ausdrückt.
Würde aber war vor Allem das Ziel der spätesten Stilistik.
Besonders die kaiserliche Kanzlei ging hierin den übrigen voran.
Von den Völkern hat das spanische am meisten den würdevollen
Stil geliebt und liebt ihn noch heute. So scheint es natürlich, daß
die spanischen Redekünstler des 6. und 7. Jahrhunderts in ihrer
Rede gern Reihen von gleich vielen Wörtern angewendet haben.
Dabei wurden natürlich nur gewichtige Wörter berechnet, die bei
der Declamation ins Ohr fielen, nicht die Hilfswörter, die im
Schatten bleiben.
Dem Wortaccent verhalfen besonders die occidentalischen
Christen zum Sieg. Ich habe den Satz verfochten, daß sie auch
aus der Dichtung die Quantität vertrieben und, zuerst den semiti-
schen Christen folgend, in ihren Versen nur Silben zählten, dann
aus ihrer eigenen schönen Prosa den Schmuck der nach Accenten
geregelten Schlußcadenzen herüber nahmen. Im Innern und im
Anfang ihrer rythmischen Verse zählten sie nur die Silben. So ist
es auch fast durch das ganze Mittelalter geblieben. Aber ist es
zu wundern, wenn in diesen Jahrhunderten der Grärung, wo man
viel Neues versuchte, Einer auch im Versbau noch weitere Neue-
rungen versuchte? Er wußte, daß man der Prosa dadurch beson-
dern Wohlklang gab, daß in sich entsprechenden Sätzen oder Satz-
gliedern gleich viele gewichtige Wörter gesetzt wurden. Ebenmaß
ist aber der Urgrund und das Hauptziel jeder Dichtungsform.
Also wandte er jenes Prinzip, mit dem in der Prosa ebenmäßige
144 Wilhelm Meyer,
Formen geschaffen wurden, in Dichtungen an, indem er in alle
sich entsprechenden Zeilen gleich viel gewichtige Wörter setzte.
Jedes lateinische "Wort hat aber nur einen vollen Accent, auf der
drittletzten oder auf der vorletzten Silbe. Nur auf diese voll be-
tonten Wörter achtete der, welcher zuerst solche Verse baute, nicht
auf irgend welche Nebenaccente. Der Wohlklang brachte dann
weitere Wünsche in Bezug auf Silbenzahl und Schlußcadenzen der
einzelnen Zeilen.
Ich glaube also, daß das Prinzip der aus gleich vielen Wörtern
bestehenden Reihen sich in der späten lateinischen Prosa gebildet
und in Spanien verbreitet hat, daß dann ein resoluter Mann dies
Prinzip in den Versbau übertragen hat. Der, welcher die Prologe
des leoner Antiphonars geschrieben hat, hat den I. Prolog in Prosa
geschrieben. Den II. Prolog 'Traditio Toletana' hat er nach dem
eben skizzirten, halb prosaischen Prinzip gedichtet, indem er die
voll betonten Wörter zählte und je 2 solche voll betonten Wörter
in eine Kurzzeile stellte, dann je 2 solche Kurzzeilen eine Lang-
zeile und 2 Langzeilen eine Gruppe oder Strophe bilden ließ. Den
III. Prolog, die 64 rythmischen Distichen, hat der Verfasser nach
dem gewöhnlichen Prinzip der rythmischen Dichtung geschrieben,
indem er die Silben zählte und bestimmte Schlußcadenzen einhielt.
Aber er hat sich da so ziemlich die schwierigste Aufgabe gestellt,
indem er die vielfachen Möglichkeiten des quantitir enden Hexa-
meters und Pentameters mit dem silbenzählenden Prinzip derRythmik
nachzubilden unternommen hat. Er hat also im II. Prolog mit
dem wortzählenden Prinzip gearbeitet, im III. Prolog mit dem
silbenzählenden Prinzip. Seine Ausdrucksweise ist voll sprach-
licher Barbarismen, aber seine rythmischen Kunststücke sind beide
Raritäten und sorgfältig ausgeführt.
Zur Geschichte der wortzählenden Rythmik.
Wir haben von der wortzählenden Rythmik bis jetzt fast
Nichts gewußt. F^rotin hat den II. Prolog copirt und edirt und
doch nur als Prosa erklärt. So darf man hoffen, daß noch manches
Gedicht auftaucht, in dessen Zeilen die Wörter gezählt werden.
Den GrammatikerVirgilius Maro habe ich schon vor
mehr als 30 Jahren als den ersten und merkwürdigen Theoretiker
der lateinischen Rythmik nachgewiesen (Ges. Abhandlungen 1, 199 —
203). Als solcher bewährt er sich auch hier. Maro bezeichnet
mit 'fonum' das Wort. Er sagt nun (ed. Huemer S. 15): sunt qui
adiciunt trifonos et quadrifonos versus, quibus quidem non
est derogandum, quia poetis libertas quaedam suos conponendi
Spanisches zur Geschichte der ältesten mittellateinischen Rythmik. 145
versus a veteribus nostris permissa est ; sed tarnen indubitata fides
non est bis adbibenda, quia auctoritate canorum soifatorum (= can-
tatorum sopborum?) nulla suffulti permissum magis sequi quam
exemplum voluerunt. quorum versus in medio proferemus. Don
quidem, discentis mei Donati germanus frater, duum versuum can-
ticum in laude Arcae, regis Arcadum, posuit dicens:
Arcbadius rex terrificus
laudabilis laude dignissimus.
G-ergessusque in commentariis suis, quos de sole luna astris et
praecipue caeli arcu septem uienti (septemvienti ?) voluminibus
edidit, quadrifonis persepe usus est versibus, quorum uno
tantum in prineipio posito exempli et ego gratia utar. dicit enim:
S61 maxitnus mundi lucifer
ömnia aera inlüstrat pariter.
Horum ordines versuum, quia non ad certam auctoritatem, sed ad
varietates poeticorum cantuum manifestandas, positi sunt, indagari
me necesse non est, praesertim cum omnis qui voluerit eos pensare
facillime valeat.
Maro lebte im Anfang des 6. Jahrhunderts in Südfrankreich.
Damals wurden also dort schon wortzählende Verse gemacht. Das
ist sicher. Unsicher ist, wie viel Maro dazu phantasirt hat.
Zeitlich folgt wahrscheinlich der oben behandelte II. Prolog
des leoner Antiphonars: Traditio Toletana. Denn er scheint
um 670 verfaßt zu sein. Die Form der vierwortigen Verse ist rein.
Pabst Hadrian I hat um 774 Karl dem Großen eine Ab-
schrift des Kirchenrechts übersendet mit einer Dedication in
45 Zeilen, deren Anfangsbuchstaben das Akrostichon bilden: Do-
mino excell iilio Carulo magno regi Hadrianus papa. Diese 45 Zeilen
sind von Dümmler gedruckt in den Poetae aevi Karolini 1 90. Die
Sprache ist höchst dunkel und barbarisch, fast mehr als im II. Anti-
phonar - Prolog. Die Silbenzahl der Langzeilen schwankt von
14 bis 17; die Zeilen zerfallen in 2 Halbzeilen, von denen die
erste meistens ein wenig kürzer ist als die zweite. Die Langzeile
schließt in 31 oder 32 von den 45 Zeilen mit der Cadenz rLx^n^rL r^
(genitüra beata), aber auch in den übrigen wenigstens mit Par-
oxytonon (praecellit regni) und stets mit einem Worte von 2 oder
3 Silben ; nur Z. 36 schließt mit pro te dimicantes und 44 cum tuis
hie in futuroque sobolis ^). Aus diesen Gründen hielt ich früher
(Ges. Abhandlungen I 235) für möglich, daß es rythmische Hexa-
1) Es ist wohl zu stellen : cum tuis hie sobolis in futuroque. In dieser Schluß-
formel findet sich oft suholis statt des Plural. So Mon. Epp. III 594 una cum
praecellentissimis subolis vestris ; ebenso S. 590, 597, 601, 604, 607.
Kgl. Ges. d. Wiss. Kachrichten. Phil.-hist. Klasse. 1913. Heft 1. 10
146 Wilhelm Meyer,
meter sein sollten, allerdings rohester Art. Denn es zählen die
ersten Halbzeilen oft ebenso viele Silben wie die zweiten, einige
Male mehr, und auch von diesen ersten Halbzeilen schließen nur 2
mit Proparoxytonon (11 und 26), aber die andern mit Paroxytonon.
Dagegen haben diese 45 Zeilen eine andere seltsame Eigenschaft.
Jede Halbzeile enthält 3 gewichtige Wörter :
1 Divina fulgens doctrina sceptra praecellit regni*
Origo regum felix semper genitiira beata*
Molem perspicimus legis gratiam laudis habere.
Iiisto gignitur regi ecclesiae almae defensor.
5 Nümquam enim vi'nci potest disciplina cael^stis.
Man sehe irgendwelche Hexameterreihen an: stets wechselt im
Hexameter die Zahl der gewichtigen Wörter von 5 zu 6, hie und
da fällt sie auf 4. Sollte der Verfasser seinen rythmischen Hexa-
metern eine besondere Feinheit haben geben wollen durch folgende
Berechnung?: der quantitirende Hexameter enthält voi und nach
der Caesur je 3 schwere Versicte. Wenn in diesen Langzeilen vor
und nach der Caesur je 3 gewichtige Wörter stehen, so sind sie
deutlich als Ersatz der qu an titir enden Hexameter gekennzeichnet.
Da es eine wichtige Sache wäre, wenn die päpstliche Kanzlei
um 774 in Versen Wörter gezählt hätte — quantitirende Hexa-
meter brachte sie allerdings damals kaum fertig — , so will ich
die Verse bezeichnen, die meiner Ansicht widersprechen:
8 Christo iuvante ac beato clavigero Petro.
11 Laeta deum colere, legem semper amäre divinam.
16 in haue sänctam sedem mägnus rex Cärulus splendit.
29 Redimi sibi noxa ä iuventüte commissa.
In 8 ist wohl zuzusetzen Christo Jesu iuvante; in 11 scheint
semper zu tilgen; in 16 ist das einsilbige Titelwort rex als Sen-
kung zu fassen; in 29 ist die volle Hebung a auffallend, aber
nicht unmöglich. Auffallende Hebungen bilden die einsilbigen Pro-
nomina : quo in V. 7, quam in V. 23 und haec in V. 45 ; dann be-
sonders, weil unmittelbar neben der Hebung stehend:
10 en radix beata instar contulit prole.
Vers 24 Magna prosapia ha^c in toto rutilat örbe ist wohl ver-
derbt. Denn von den 90 Halbzeilen schließt keine andere mit
einem einzelnen einsilbigen Worte, wie diese mit haec (ecce ?).
In diesen Wörter zählenden Zeilen stellt sich auch die natür-
liche Folge ein: abgesehen von den zahlreichen Senkungen zu 1
oder 2 Silben stehen in 17 Kurzzeilen zwischen den beiden He-
bungen drei Silben in der Senkung, ja in 3 Zeilen wird die Sen-
kung sogar durch vier wenig betonte Silben gefüllt. Von den
Spanisches zur Geschichte der ältesten mittellateinischen Rythmik. l-J.?
dreisilbigen Senkungen sind 7 gebildet, wie 2 semper genitura
beäta ; 10 sind gebildet, wie 12 laudabilöm sörvare fidem. Die vier-
silbigen Senkungen lauten: 26 venit äpöstölorum söspes; 27 popttlö
cölßbratur ab omni; 33 in eiüs cönfössione libavit. Nebenac-
cent gibt es hier nicht. Das ist wohl zu beachten wegen des
folgenden Gedichtes.
Die rythmische Vita des h. Eligius.
In dem Catalogus codicum hagiographicorum bibliothecae re-
giae Bruxellensis I 1886 S. 470 — 483 ist ein Gedicht gedruckt^
welches das Leben des h. Eligius schildert. Krusch hat es in den
Scriptores rerum Merovingicarum IV S. 654/5, 657 und 742 er-
wähnt und V. Winterfeld im Philologus 62, 1903, S. 478/80 eine
Stelle behandelt. Strecker wird dasselbe in dem Rythmenbande der
Poetae in den Monumenta Germ. Historica neu herausgeben. Ich
durfte seine Sammlungen und Vorstudien benützen und citire deß-
halb die von Strecker beigesetzten Verszahlen.
Das Gedicht ist umfangreich. Die Zahl von 498 Langzeilen
ist auiFallend; die mittellateinischen Dichter lieben runde Zahlen.
Ich glaube, daß von der prosaischen Subscriptio der Anfang noch
zum Gedicht zu ziehen ist als V. 499 und 500, wie ich es in den
gleich zu citirenden Schlußversen thue. Der Verfasser, welcher
nicht vor der Karolingerzeit geschrieben hat, hat sich Gedanken
und Worte massenweise von Andern geborgt. Besonders Dichter
hat er ausgeschrieben. luvencus und Sedulius hat er an vielen
Stellen benützt; von Fortunat scheint er nur das Lob der pariser
Geistlichkeit (119) gekannt zu haben, hat aber dies an verschie-
denen Stellen fast ganz ausgenützt. Die einzelnen Nachweise
gibt Strecker.
(Form) Die Überschrift nennt die Vita 'rethorice atque
commatice (= in Kurzzeilen?) expolita'. Dann sagt der Verfasser
am Schluß seiner Arbeit:
495 Satis fecisse me reor succmcto carmine plectro;
plüra nam referre grävor, necesse quoque nee opinor.
497 Haec paüca hexametris reciprocässe studui versiculis,
ädludentibus digitis tanti amore antestitis.
499 Cur autem haec metrica voliierim immoque perpaiica
500 rätione componere non differam breyiter explanare.
Also 1000 Kurzzeilen stehen der Untersuchung zu Gebot, und
doch liegen hier ganz besondere Schwierigkeiten vor.
(Reim und Alliteration) Die 500 Langzeilen zerfallen alle
in 2 Kurzzeilen, deren Endsilben durch Reim gebunden sind, aber
10*
148 Wilhelm Meyer,
nicht immerj sondern nur meistens, wie das ja in der mittellatei-
nischen Dichtung vor 1100 Mode ist. Alliteration galt in
der lateinischen Stilistik des sechsten Jahrhunderts und später als
Feinheit. Ich setze auch aus diesem Gedicht einige Proben hierher.
11 Nitor arripere modo opus olimque optätum,
conor componere novam canendi congruam liram.
234 Confestimque morbus mortem, mörbidus accepit saliitem.
247 Post dictum viduata suis arbüsta aruit sucis
et siccis demum medüllis permansit mortua ramis.
324 Liistrat pässibus ägros päradysi amoenos.
419 Dives nunc municipius nomen nänctus Noviömo.
435 säni remeant propere salütem miräntes celerem,
CÜrsitant inde oväntque confessörem ubique praedicant.
Quos ergo tibi pro tantis dignos demus honores,
beatissimi bonis Christi referte dönis.
454 mens cüius stabilis sapientia, comis et cönsiliatrix
Prudentia nempe sagax älacer et fortis änimo,
deo sübditus söli, sümmo süpplex tonänti.
Te nam ditavit honore alto quem Christus amasti
458 throno tonans sublimi sümmi filius dei.
Öfter zieht die Alliteration sich durch eine Eeihe von Zeilen,
wie z. ß. V. 209-217.
Je 2 Kurzzeilen bilden eine Langzeile, je 2 Langzeilen ein
Paar, nach dem fast immer kräftige Sinnespause eintritt.
Zeilenbau. Die Kurzzeilen, die ersten wie die zweiten,
schließen meistens sinkend, doch auch so oft steigend, daß keine
Regel zu Tage tritt. Vor der letzten Hebung stehen recht oft
2 Senkungen (Christus amasti), doch auch Schlüsse, wie summi pa-
tris verbum, sind nicht selten. Dagegen der innere Bau der
Zeilen stellt Räthsel. Der Dichter sagt, in den oben citirten
Schluß versen, er schreibe Hexameter; handgreiflich ist, daß das
keine quantitirenden sind. Anderseits theilt er jeden seiner Hexa-
meter durch Reim in 2 gleiche Kurzzeilen. So kam Traube leicht
zu dem Urtheile (Script. Merov. IV, 1902, 655): S-ersus ratione
rythmica ita compositi sunt, ut vox sexies attollatur, factaque in-
cisione temae sublationes sibi respondentes eadem syllaba termi-
nentur'. Winterfeld stimmt (im Philologus 62, 1903, S. 479) Trau-
be's Urtheil völlig bei. ^
Allein, was für Hebungen (sublationes) sind dies? In den
Wörter zählenden Gedichten, die ich hier behandle, gibt es nur
eine Art von Hebung, den vollen Wortaccent. Ein Wort, und wäre
es imperatorum oder exportaveramus, hat nur t^inen vollen Ac-
Spanisches zur Geschichte der ältesten mittellateinischen Rythmik. 149
Cent, also nur eine Hebung ; in der Zeile stehen nur so viel He-
bungen, als gewichtige Wörter. So lautet das Gesetz in dem
II. Prolog des Antiphonars und bei Dhuoda, so in der Widmung
des Hadrian und in den kleinern Gedichten, welche hier zur Sprache
kommen. Anderseits werde ich gegen Ende dieser Untersuchung
darauf hinweisen, daß schon vor 700 in der vierhebigen Nachah-
mung der ambrosianischen Zeile, welche ich 1908 nachgewiesen
habe, zuerst der Kebenaccent anerkannt worden ist. Er be-
ruht auf der Wellenbewegung des Sprechens und er bewirkt, daß
von 3 unwichtigen Silben die mittlere, von 4 oder mehr unwich-
tigen Silben die zweite oder die dritte durch einen Nebenaccent
zur Trägerin einer Hebung nicht nur erhoben werden kann, son-
dern erhoben werden muß. Dies Gesetz herrschte dann in der
ganzen mittellateinischen Dichtung : gaudeamus igitür, iuvenes dum
siimus; imperatörum, exportaverämus.
Wie macht es nun der Verfasser der Vita Eligii ? Zählt er,
wie der Brief des Hadrian nur die vollen Accente, also die ge-
wichtigen Wörter, gestattet folglich in den Senkungen beliebig
viele unwichtigen Silben? Oder anerkennt er den Nebenaccent,
zählt also die Hebungen, erlaubt also in der Senkung nicht mehr
als 2 unwichtige Silben?
Die Antwort ist eine merkwürdige : der Verfasser dieses Rythmus
mengt Alles. Erstens kümmert er sich nichts um den Neben-
accent und zählt nur gewichtige Wörter, also volle Hebungen, mit
beliebig vielen Silben in der Senkung:
81 idemque ülcörä cicätricum more fövßns övängelico.
Zweitens rechnet er den Nebenaccent:
19 non quaeras hie aut fiimos Donatistarum vanissimos.
Ja, drittens hat der Mann sogar manchmal die Icte des quant.
Hexameters als Hebungen verrechnet. Z. B. die erste Kurzzeile von
182 progenitum caeli regnum vocäbit sublime
bringt nur 2 vqlle Wortaccente, und keinerlei Nebenaccent ist vor-
handen. Dagegen hat dieser Hexameter 3 Versicte. wie bei Ju-
vencus I 795:
progenitos caeli regnum sublime vocabit.
Dieses Gemengsei von drei verschiedenen Prinzipien der Betonung
ist so seltsam, daß ich für gut halte, es im Einzelnen zu belegen.
I Nur gewichtige Wörter werden gezählt ; von Nebenaccent
ist keine "Rede ; die Silbenzahl der Senkungen ist nicht beschränkt.
Derartige Zeilen bilden weitaus die Mehrzahl. Einsilbige
Wörter können die Hebung tragen, können aber auch neben einer
betonten Silbe in die Senkung rücken:
150 Wilhelm Meyer,
57 ät contra superbos pugnaci mente rebelles.
310 haec verba extrema fundebat poscens in höra.
454 mens cüius stabilis säpientia comis et consiliatrix.
In den sehr zahlreichen Zeilen dieser Betonungsart stehen
meistens einsilbige oder zweisilbige Senkungen. Allein auch oft
stellen dreisilbige, manchmal viersilbige, ja hie und da fünfsilbige
Senkungen sich ein:
14 vix animis cömmitto potentem meis cärpere trämen.
15 öpto quoquö üt sanctificus ädsit narranti Spiritus
16 puroque inrigöt üt mentem canentis pectore ämne.
31 idcirco celöri völätu adgr^diar iämque propösitum.
33 fiiit igitiir in diebus Lothärii regis venörandus.
65 purgarö ölabörans prius 64 di'ctis cÖrripiebat sölum.
83 sed inter haec hoc mirandum ündö tot thösauri pörögrino.
87 a cuiüs lärgitate pösiti nee lönge äbsentäverunt se monachi.
88 et sicubi pede (ire) non poterat misso mün^rö circüibat.
92 iit quae construxörät co6n6bia nullam patör6nt indigentiam.
95 is inter epülas öptimatum more triüm püörörum.
152 ex baptismö et paönitentia pollicöns äbÖleri peccata
259 patör pörögrinorum pius defensor paüperum providus.
329 ibi possidet regnum, cui tempörä nön süccedunt per aevum.
500 rätione componere. non dilFeram brevitör explänare.
432 quae ibi iugiter misericordis Christi öpßrätur dementia.
Im Anfang der Halbzeilen stehen oft 1 oder 2 Senkungen, wie
373 grätülatur dominus Christus ; ja sogar 3 scheinen zugelassen in :
84 ut iugiter ministraret übgriusque et abundaret.
344 erumna omnino procul nee viöl^nta subripit (subrepit?)
fämis.
In all diesen Stücken entspricht der Zeilenbau dieses Rythmus
über Eligius den andern Wörter zählenden Gedichten : keinerlei
Kebenaccent und keine Beschränkung der Senkungen.
II Nebenaccente in dem Eligius-Rythmus. Viele Kurz-
zeilen dieses Rythmus enthalten nur 2 gewichtige Wörter, z. B.
34 speculum vocitätus sui nominis Eligius.
Hie cbristiana prosäpia saeculariter nätus
36 Äquitaniae Gälliae originaliter g^nitus
Lemoveceno in caespite liberäliter 6rtus.
DerVerfasser will 2x3 Hebungen in jeder Langzeile geben. Diese
sind hier vorhanden, wenn wir außer den vollen Wortaccenten auch
noch die Nebenaccente, — 1 in jeder Kurzzeile, — rechnen, welche
ich mit dem Accent Gravis bezeichne. So laufen allerdings in
demselben Gedicht zwei Principe neben einander: in der einen
Spanisches zur Geschichte der ältesten mittellateinischen Rythmik. 151
Zeilenmasse werden nur volle Accente gerechnet und 3, auch 4
und 5, Silben in der Senkung zugelassen; nach dem andern kann
auch Nebenaccent eine Hebung stützen und stehen in der Senkung
nur 1 oder 2 Silben. Die natürliche Folge ist häufige Unklarheit.
Der Stern, welcher meistens daraus leitet, ist der Grrundsatz, daß
in jeder Kurzzeile 3 Hebungen stehen sollen.
95 is inter epulas optimatum more trium puerorum.
47 sedibüsque externis exulavit pluribus annis.
257 Füit Salus orfanorum redemptorque cäptivorum.
consolätor debüium munerator lärgus egenum,
259 pater peregrinorum pius defensor paüperum providus.
247 Post dictum viduata suis arbiista aruit siicis.
All die viersilbigen oder fünfsilbigen Wörter hier können auf
der ersten Silbe Nebenaccent erhalten und dort die erste Hebung
tragen. Allein optimatum, puerorum, exulavit, orfanorum, mune-
rator, peregrinorum und viduata dürfen hier diesen Nebenaccent
nicht erhalten, weil die Kurzzeilen sonst 4 Hebungen zählen; da-
gegen sedibüsque und consolätor müssen den Nebenaccent erhalten,
weil sonst die Zeile nur 2 Hebungen zählt; endlich 257 ist ent-
weder redemptorque cäptivorum zu betonen oder redemptorque
cäptivorum.
Eine andere Unsicherheit entsteht oft, wenn einsilbige Wörter
im Verse stehen :
91 et illud qua pietate 101 strato in pävimento.
102 hoc reputabat pro lecto ex consuetüdine noctu.
174 hos grädiendo movens moderando et illos trahens.
198 ipsum täm confessorem. 200 verborum näm largitate.
252 virtute mens obtinebit. Etwas anders:
167 haec monitä Eligius 179 is omnia legitime.
Erhält in den ersteren Beispielen das einsilbige Wort qua, in,
nam etc. einen Nebenaccent, so darf die erste Silbe des folgenden
größeren Wortes einen solchen nicht erhalten, und umgekehrt. Erhält
in den beiden letzten Beispielen die Endsilbe ta und a einen Neben-
accent, so muß haec und is unbetont bleiben, und umgekehrt. Frei-
lich ist hier Nebenaccent auf der Endsilbe selten.
Sehr zahlreich sind die Zeilen, in denen die erste Hebung
durch Nebenaccent auf dem Anfang eines längeren Wortes ersetzt
wird. Dies Wort schließt meistens mit Paroxytonon :
69 ädventässet vel monachus. 70 replebätur conlata.
72 lässabunda vestigia. 118 träheretur ad poenam.
52 centiplicata capiet. 73 augmentabätur in melius.
80 fämulabätur ut servus. 114 diligebätur a rege.
152 Wilhelm Meyer,
Zahlreich sind die Zeilen, in denen der Schluß des Anfangs-
wortes durch que accentuirt wird und nun der ursprüngliche Haupt-
accent des Wortes bald bleibt, bald gerückt wird.
60 änimoque fortissimus häbituque conspicuus.
111 praesentiaque refellens. 125 äliaque quam plürima.
68 operibiisque eximiis. 384 nectareösque odöres.
226 vesanique spiritus. 379 rubentesque et rösas.
Seltener schließt das erste große Wort mit Proparoxytonon :
242 imperaverit fructiferae. 262 sitientibus haüstum.
362 modolamina cäntus. 476 exuperantia favos.
Nicht oft schließt die Zeile mit dem längeren Wort, so daß
die zweite Hebung der Zeile durch Nebenaccent gebildet wird :
34 speculum vocitatus. 63 delictöque commaculatum.
166 iustissimae retributiones. 269 semperque circumspiciens.
371 omnimodis consummatione. 416 se deus diligentibus.
Sehr selten wird die letzte Silbe eines Proparoxytonon, wie
in iuvenes dum sumus, durch Nebenaccent zur Hebung erhoben;
180 nöminis exemplo. 305 igitur Eligius. 333 florigera in sede.
III Die Hebungen durch metrische Vershebungen
ersetzt. Der Verfasser des Eligiusrythmus hat aus Sedulius,
Fortunat, Lactanz de Phoenice und aus Juvencus sehr viele Hexa-
meter entlehnt, diese aber fast immer so hergerichtet, daß die
entlehnte Zeile entweder 3 volle Wortaccente enthielt oder 2 volle
Accente und einen Nebenaccent. Wenn sich aber nun eine Anzahl
von ersten Kurzzeilen finden, deren Anfang nicht 3 volle Accente
oder Nebenaccente enthält, aber wörtlich aus einem Dichter abge-
schrieben ist, so folgt, daß dem Verfasser des Rythmus hier die
Autorität des Dichters genügte, daß er also hier die 3 rythmischen
Hebungen durch die 3 Versicte des entlehnten Hexameterstückes
für ersetzt hielt. Z. B.
145 assiduis monitis ad pascua vitae invitans
enthält in der ersten Kurzzeile nur 2 volle Accente und keinen
Nebenaccent, ist also eigentlich falsch. Aber Fortunat II 9, 40
bietet äsßiduis monitis* ad pascua salsa vocatus; hier enthalten die
2 benützten Wörter 3 metrische Versicten.
158 stipatus celsa iudex in s^de paterna
enthält im Anfang absolut nur 2 Hebungen der Wortaccente : aber
bei Juvencus IV 260 stfpatüs celsa* iudex in sede sedebit ent-
halten die 2 Wörter 3 volle Vershebungen. So wird man meine
Annahme gerechtfertigt finden. Immerhin ist sie so sonderbar,
daß ich die Fälle hier aufzähle. Sie bilden bei unserm rythmischen
Dichter alle den Versanfang; ebenso bei den ausgeschriebenen
Spanisches zur Geschichte der ältesten mittellateinischen Rythmik. 153
Dichtern, mit Ausnahme gerade des I.Verses innumerös homines;
denn Juv. Praef. 6 lautet: sed tarnen innumerös homines. 182 prö-
genitüm caeli regnum vocabit sublime = Juv. I 795 progenitos
caeli regnum sublime vocabit 286 his similis mitis quos man-
suetudo coronat = Juv. I 492. 315 magnificäs laudes = Juv.
I 131. Zweifeln kann man in Anfängen wie 320 qua levis aerios
= Sedulius I 180; betont man hier das einsilbige Wort qua levis
aerios, so sind die gewöhnlichen 3 vollen Accenthebungen vor-
handen. Eben der Art sind 291 huc veniat athleta = Juv. IV 269
huc veniant sancti. 322 quam bene lulmineos = Sed. 1 184. 341 non
scelus infandum u. 348 nee cadit ex alto == Lact. Phoen. Die
folgenden Verse sind so deutliche Entlehnungen, so daß die me-
trischen Anfänge in 467 u. 468 (477?) nicht befremden können:
465 cuius (nempe) stelliferum fecit sapientia polum,
fundavit (et) terras vestivit floribus agros.
Förmavit hominem, solum ratione replevit,
468 vivificans siccüm sacro spiramine lutum.
477 quas tibi persolvet tanto pro munere grates.
In den Schlußversen 487—494 hat der Verfasser asklepiadeische
Verse des Prudentius abgeschrieben, theils so wörtlich, daß sie
seinen Versregeln sich nicht fügen, theils mit solchen Zusätzen,
daß sie den gewöhnlichen gleichen.
Außerdem scheinen noch etliche Zeilen 4 volle Wortaccente zu
enthalten statt 3: 8^8^86^ (ipse?). 88* (ire?). 90*90^ 112\ 123\
124*124\ 194\ 212*22o\ 243^ 272\ 303^ 365». 412. 427 (sancta?).
440 (viribus?). 451 (sola?). 463. Die hier vorliegenden Schwierig-
keiten weiß ich nicht zu lösen.
Wenn meine Ansicht von den rythmischen Formen dieser
Eligius-Vita richtig ist, so gehören dieselben allerdings zu den
sonderbarsten und verwickeisten dieser Zeiten.
Die Verse der Dhuoda.
Als ich 1908 die mittellateinischen Hebungsverse untersuchte,
kam ich auch zu den Versen der Dhuoda; vgl. diese Nachrichten
1908 S. 59 — 70. Diese vornehme Frau hat 824 in Aachen ge-
heirathet, war dann Herzogin in Septimanien und hat als Witwe
842 in Uzes nahe der untern Rhone ein Handbuch für ihren Sohn
Wilhelm geschrieben. Ihre Ausdrucksweise ist unbeholfen und
incorrekt. In das Buch, das Ed. Bondurand 1887 zum ersten Mal
herausgab (Le Manuel de Dhuoda, Paris), hat sie auch 4 Gredichte
eingesetzt, im Ganzen etwa 380 Kurzzeilen. Ludwig Traube hat
3 dieser Gedichte wieder herausgegeben und ihren Bau besprochen
154 Wilhelm Meyer,
in seinen ^Karolingischen Dichtungen' = Schriften zur germanischen
Philologie, 1. Heft 1888. Aus dem ersten Gedicht (Bondurand
S. 47, Traube S. 141) will ich einige Strophen hersetzen:
2 Hoc a me ceptum tu p^rfice clemens.
quamquam ignara, a (ad cod.) te perquiro sensum.
6 Adi te, ut väleo, poplite flexo (flexu cod,)
gratias refero conditöri lärgas.
9 Licet sim indigna fragilis et exul,
limo revolüta trähens ad yma.
11 Centrum qui poli cöntinens giro (girum cod)
pöntum et arva concliidis palmo.
17 Jübilet iocündus (-dos cod.) ciirsu felici,
pergat cum virtute fulgens ad süpra.
18 Omnia semper a te äpta petat:
qui das sine fastu döna illi sensum.
20 Veniat in eum lärga tua grätia
pax et securitas corporis et mentis.
Zeilen, wie die der 11. Strophe, stehen in den Gedichten sehr
viele, ja in der Überzahl. So kam Traube ganz natürlich zu dem
Gedanken, dies seien rythmische Adonier. Aber sehr viele dieser
Kurzzeilen haben mehr als 5 Silben, oder richtiger mehr als 3 Sen-
kungen, indem sie vor der ersten Accenthebung eine oder mehr
Senkungen zulassen, zwischen den beiden Accenthebungen oft 3,
ja 4 Senkungen einschieben und den Schluß der Kurzzeile statt
mit Paroxytonon ziemlich oft mit Proparoxytonon ausklingen lassen.
Nun hatte ich freilich nachgewiesen, daß in den alten Rythmen
oft eine Silbe der Zeile vorgesetzt wurde. Dies benützte Traube
und erklärte all diese Zeilen für rythmische Adonier, theils regel-
rechte zu 5_u, theils erweiterte. Allein für solch schrankenlose
Erweiterung hat er keinen Grund und keinen Beleg beigebracht.
Denn dann müßte man jede Kurzzeile, welche 2 Accenthebungen
in sich schließt, Adonier nennen.
Ich rang 1908 mich mit vielen Mühen von Traube's Adonier-
theorie los und erkannte, daß Dhuoda's Kurzzeilen auf 2 voll-
betonten Hebungen ruhen, um welche sich die Senkungen mit
großer Freiheit bewegen. Nebenaccent gibt es nicht, und die
letzte Silbe der Kurzzeile wird nicht als Hebung gerechnet. Ich
kann mich freuen, daß die 'Übersicht der Zeilenarten Dhuoda's',
welche ich 1908 S. 66/67 gegeben habe, sich völlig mit dem deckt,
was ich aus dem II. Prolog des leoner Antiphonars hervor geholt
habe, die neue Art der Rythmik, welche die gewichtigen, voll-
betonten Wörter abzählt.
Spanisches zur Geschichte der ältesten mittellateinischen Rythmik. 155
Dhuoda ist aber nicht so reinlich in dieser rythmischen Form,
wie der, welcher den Prolog des Leoner Antiphonars geschrieben
hat. Es ist erfreulich für mich, daß die Erscheinungen in den
Kurzzeilen der Dhuoda, welche ich 1908 auf S. 66 als 'Ausnahmen'
getadelt habe, im Prolog gar nicht vorkommen. Als Ausnahmen
habe ich aus Dhuoda wenige Viersilber, wie clemens deus, und
3 Fünf Silber wie diri vulneris, notirt : im Prolog steht kein solcher
Vers. Als sehr seltene Ausnahme habe ich bei Dhuoda notirt
die Kurzzeile 'ad genitörem' oder den Nebenaccent 'resölutiönis' :
im Prolog findet sich nichts der Art. Dann habe ich als Rauh-
heit des Dhuodanischen Zeilenbaus notirt, daß sie ein zweisilbiges
Hilfswort der Sprache oder 2 einsilbige oft als unbetont über-
springt (s. oben Str. 2 ä tö; 18 ä tö, sinö, illi; 20 tüä), ja daß hie
und da gewichtige zweisilbige Wörter (etwa 7 Mal) in Senkungen
übersprungen werden: im Prolog findet sich nichts derartiges,
außer daß vielleicht in der letzten Zeile ibi übersprungen wird.
Im Übrigen stimmt Alles überein, ja sogar' der Argwohn
gegen die Achtsilber. Im Prolog habe ich notirt (oben S. 124),
daß von 6 Achtsilbern des Druckes 5 durch Verschleifung von
ie ii und io siebensilbig werden können und daß der 6. aus einem
andern Grund zweifelhaft ist: aus Dhuoda's 380 Zeilen habe ich
überhaupt nur 5 Achtsilber notirt.
(Strophen). Der Prolog bindet 2 Langzeilen von je 2 Kurz-
zeilen zu einer Strophe. Ganz ebenso das 1. Gedicht der Dhuoda
(s. die gegebene Probe). In dem 3. Gedicht, Dhuoda's Grabschrift
(Bondurand S. 240, Traube S. 148), stehen dieselben Paare von
2 Langzeilen; doch steht hinter jedem Paar als Eefrän eine Lang-
zeile, deren erste Halbzeile meist nur 4 Silben in 2 Wörtern
zählt. In dem 4. Gedicht (Bondurand S. 225, bei mir S. 69) ver-
mochte ich nicht einmal bestimmte Langzeilen auszuscheiden, noch
weniger bestimmte Strophen. In dem 2. Gedicht (Bond. S. 228,
Traube S. 145) war Dhuoda durch ihre Gelehrsamkeit beeinflußt.
Sie schreibt in Strophen von 7 Kurzzeilen = S^j^ Langzeilen ; das
soll gewiß eine Nachahmung der sapphischen Strophe sein, die ja
in diesen Zeiten das Paraderoß der quantitirenden und der ryth-
mischen Dichter war.
Zu bemerken bleibt, daß Dhuoda's Gedichte in dem nördlichen
Theil des ehemaligen Westgothenreichs (Gothia) entstanden sind,
der Prolog in dessen südlichem Theile.
156 Wilhelm Meyer,
Die Preces 'Amara nobis'.
Martin Gerbert, Monumenta veteris liturgiae Alemannicae,
II 1779, hat S. 89 aus der Wiener Handschrift 1888 (Denis I
S. 302B) fol. 109* folgendes Stück gedruckt:
PRECES ANTE ALTARE PRIMA DIE.
Clamemus ömnes üna voce: Dömine miserere.
1 Amara nobis est vita nostra. D. mis.
Precamur excelse fidem largire. D. mis.
3 Curvamur peceätis obprimimur malis. D. mis.
Delicta dele pater concede. D. mis.
0 Excelsus respice pius indülge. D. mis.
Flagella remove veniam tribue. D. mis.
7 Exaiidi nos deus päter pie. D. mis.
Niinc et in aevum sälva mündnm. D. mis.
9 Ymnum dicamus tibi Ghriste. D. mis.
Gloria tibi aeterno pätri. Domine miserere.
Clamemus.
Der Text ist in der Handschrift in diesen abgesetzten Zeilen
mit Neumen geschrieben. Der Schluß ist stets geschrieben dfie
miserere. In Z. 1 ist Amara verwischt und schwer zu lesen.
Gerbert ließ drucken: 'Deipara'. Vgl. Eccles. 30,17 melior est
mors quam vita amara. Z. 7 Gerbert übersah 'deus'. Z. 9 hat
die Hft: dfie dne miserere; schon Gerbert hat das eine dne weg-
gelassen. 10 die Hft hat nur loria.
Die Wiener Handschrift ist in der Ottonenzeit in Mainz ge-
schrieben- Aber dennoch stammt dies Gebet vielleicht auch aus
dem Westgothenland. Denn im ßreviarium Mozarabicum (Migne
Patrologia 86) steht sowohl Sp. 167 ad sextam secundo die ieiunio-
rum kal. Januar., wie Sp. 294 ad sextam quarta feria primae do-
minicae in quadragesima folgender Text: Preces.
Clamemus omnes una voce: Dömine miserere
1 Amara nobis est vita nostra. D. mis.
Delicta dele pacem concede. D. mis.
Inclma aürem tuam ad precem nöstram. D. mis.
Pärce delictis et siibveni de caelis. D. mis.
'Domine miserere' ist mit P bezeichnet, weil dieser Refrän
von einem Andern gesprochen wird.
'Clamemus omnes una voce domine miserere' ist eine Einleitung,
welche auch andern Bußgebeten vorgesetzt ist. Die folgenden
Bitten waren alphabetisch geordnet; davon hat die wiener Hft
einen magern Auszug, das mozarabische Brevier einen kläglichen
Rest.
Spanisches zur Geschichte der ältesten mittellateinischen Rythmik. 157
Der wiener Text bietet 22 Kurzzeilen, das Brevier noch 4
neue. Von den wiener Kurzzeilen sind 4 zu 4_u, 11 zu 5_u, 3 zu
6u_^ und 4 zu 6_u. Die 2 neuen mozarabisclien sind mir ver-
dächtig ; denn 'inclina aurem tuam' wie 'et subveni de caelis' geben
7— u; dazu ist sowohl 'tuam' wie 'et' überflüssig und gegen den
Stil dieser Grebete.
Die Paare von Kurzzeilen entsprechen den obigen Unter-
suchungen. Nur die 4 Viersilber wie 'iina voce' finden sich im
Prolog gar nicht, bei Dhuoda sind sie als Ausnahmen zu bezeichnen.
"Wenn auch die Praxis sowohl diese Viersilber 'sälva mundum'
wie die Fünfsilber mit steigendem Schlüsse 'diri viilneris' gemieden
hat, so sind sie doch nach der Theorie zulässig; denn sie ent-
halten zwei gewichtige Wörter. Da sowohl der Prolog wie Dhuoda
diese Zeilen von 4_v- und 5u_ meiden, scheinen sie von den ryth-
mischen Dichtern, welche in ihren Zeilen die vollbetonten "Wörter
zählten, als zu kurz mit Mißtrauen behandelt worden zu sein.
Und doch gab es eine Seitenthür, durch welche auch solche Vier-
und Fünfsilber in großer Zahl hinaus gelangten und zum Gehör
des Volkes.
Der Litaneien-Ry thmus.
Es ist eine neue ßythmik, die ich hier darlege; allein in der
Praxis war und ist sie fast verbreiteter als die andern. In und
außerhalb der Kirchen erschollen früher oft die Litaneien. Da
wurde hinter einander vielleicht 100—200 Mal dieselbe Zeilenart
wiederholt und zwar in der für das Volk eindringlichsten Weise.
Denn die erste Halbzeile recitirte der Priester, die zweite Halb-
zeile das Volk. Der Priester hob an 'Sancta Maria', das Volk
respondirte: Ora pro nobis. Dann nahm der Priester einen neuen
Namen 'Sancte Johannes', das Volk respondirte wieder 'ora pro
nobis'. Die wechselnden Namen waren freilich von verschiedener
Länge z. ß. Juste, Justine, Justiniane. In Wahrheit laufen in den
Litaneien ohne irgend welche Rücksicht die Namen der verschie-
densten Größe durcheinander. Z. B.
Sancte Paule: Thoma, Line.
Sancte Stephane: Bärnabas, Eiistice.
Sancte Philippe: Silvester, Corneli.
Sancte Hippolyte: Chrysögone, Cyriace.
Sancte Cypriane: Tranquilline, Valentine.
Sancta Anastasia: Hieronyme, Theodosia.
Sancte Sebastiane: Valeriäne, ApoUinäris.
Sancta Emerentiäna.
158 Wilhelm Meyer,
All diese Litaneienrufe: 'Sancte Paule ()ra pro nobis' bis
'Sancte Valeriane ora pro nobis' sind gleich nur nach dem Gesetz
der Rythmik, welche die Wortgrößen in der Zeile zählt. Natürlich
aber wurden all diese Litaneienzeilen in demselben Tonfall reci-
tirt. Die oben gedruckten Preces sind den Litaneien sehr nahe
verwandt, und wenistens nahe verwandt ist das folgende Grebet,
das in der Handschrift mit Laetania betitelt ist.
Die Litanei 'Rex salvator alme'.
In der Wiener Hft 1888 fol. 108^ steht vor den eben be-
sprochenen Preces 'Amara nobis' das folgende Stück, und Martin
Gerbert hat deßhalb in seinen Monumenta vet. liturgiae Ale-
mannicae II 89 es unmittelbar vor jenen Preces gedruckt. Die
dichterische Form scheint er nicht bemerkt zu haben. Die Laug-
zeilen sind in der Hft abgesetzt und beginnen alle mit einer Ma-
juskel, doch sind alle zweiten Zeilen (also 2 4 6 usw.) etwas ein-
gerückt, so daß je 2 Langzeilen ein Paar zu bilden scheinen. Ich
drucke deshalb alle zweiten Langzeilen mit einem kleinen Anfangs-
buchstaben. Alle Zeilen sind neumirt : aber, so viel ich sehe, haben
alle Langzeilen dieselben Neumen.
LAETANIA
a b c
Rex salvator älme* süscipe nostrarum* munüscula precum.
2 indulgere nobis * ässis tuis servis ' schiere gravätis.
O säncta Maria ' mäter atque virgo • pöstula pro nobis
4 archdngele summe ' Michahel ut ddi * pöstula pro nobis.
Condigne Gabrihel' fortitüdo dei* pöstula pro nöbis.
6 o cÖESors ßaphahel* medicina d^i* pöstula pro nöbis.
O almitas säncta* patriarchärum • pöstula pro nöbis.
8 0 sörs impldta deo * virtütis proph^ticae ' pöstula pro nöbis.
O principälitas • apostolörum * pöstula pro nöbis.
1 0 o mdrtyres säncti * veniam precämini ' pro peccätis nöstiiß.
Confessöres säncti * precibus assiduis * pöscite pro nöbis.
12 o celsi patröni* mönachi beäti' pöscite pro nöbis.
O sanctärum chöri* virginum corüsci* pöscite pro nöbis.
14 faventes sanctärum* viduärum pröces* nobismet nunc prösint.
Insöntes pueroli* märtyrum flor^tum* pöscite pro nöbis.
16 0 säncti vos ömnes • virtütes innümere* pöscite pro nöbis.
Maligno ab hoste* ut ddus defendat* nos hfc et in aevum.
18 a gönte pagäna* ut d6u8 defendat* nos hie et in aevum.
Ab omni terröre* ut deus defendat* nos hie et in a^vum.
20 ab omni periculo* ut deus defendat* nos hfc et in aevum.
Ut aürae temperiem * bönam ac frugiferam * det nöbis salvator.
22 ut cbmmoditätem * äeris roräntis * det nöbis salvator.
Ut imbrem fctösum* bona germinäntem* det nöbis salvator.
Spanisches zur Geschichte der ältesten mittellateinischen Eythmik. 159
24 ut tranquillam vitam * päcem et perennem • det nöbis salvätor.
Ut indulgentiam * criminum noströrum * det nöbis salvätor.
26 ut sümmum pastörem* apostölicum* dominus conservet.
Ut dignum pontificem * N. dominum * dominus conservet.
28 ut Ottönem regem * et eins exercitum * dominus conservet.
Ut per tötum örbem * aeclesiam sdnctam * dominus conservet.
(Noten zum Texte) Z. 1 Die Handschrift hat 'precum*,
Gerbert druckt pr. 4 Die Hft hat: Michahel ut di^ (dei). Ger-
bert druckte: Michahel virtus dei. Das scheint sehr gut, verstößt
aber gegen meine rythmische Regel. Deßhalb quälte ich mich,
bis ich sah, daß Virtus' sicher falsch ist. Isidor, Orig. VII 5, 12
erklärt in § 10 Gabrihel vertitur fortitudo dei, § 13 Raphahel
interpretatur curatio vel medicina dei und in § 12 Michahel inter-
pretatur Quis ut deus, und bei Gerbert selbst wird S. 91 a unten
aus derselben Wiener Hft eine Litanei gedruckt, worin nach der
Maria Michael angerufen wird mit den Worten 'Summe sedis
minister- quis ut deus Michahel' cum supernis civibus* nös
iuvato precibus. In unserem Verse ist also 'ut' sicher echt. Aber
den Genitiv 'dei' versteh ich nicht; und weiter: muß 'quis' einge-
setzt und muß 'deus' geschrieben werden ? Z 12 o celsi : Gerbert
hat diese ganze Langzeile weggelassen. Z 16 vos {vor omnes)
hat Gerbert weggelassen. Die Zeile 20 (Ab omni periculo) steht
bei Gerbert zwei Mal, vor der Zeile 19 und nach derselben. Z. 22
statt 'rorantis' druckt Gerbert 'roris' ; s. nachher.
(Zeilenpaare?) Wie bemerkt, haben alle Langzeilen die-
selben Neumen. Aber alle zweiten Langzeilen sind in der Hft
eingerückt; ich habe dieselben mit kleinem Anfangsbuchstaben
drucken lassen. Das deutet darauf, daß je 2 Langzeilen ein Paar
bilden. Vielleicht wurde das durch den Vortrag markirt, z. B.
indem je die erste Zeile durch den Priester, je die zweite durch
seinen Gehilfen vorgetragen wurde. Eine wichtige Frage ist,
ob die paarweise Anordnung der Langzeilen durch den Inhalt be-
stätigt wird. Allerdings. Das erste Paar redet Christus an. Dann
werden in Z. 3 — 16 die Patroni angerufen und zwar in den Z. 3- — 6
Maria und die Erzengel, in den Z. 7 — 15 die gewöhnlichen Kate-
gorien ; Z. 16 faßt zum Abschluß die himmlischen Geister (virtutes)
und die einstigen Menschen (sancti) zusammen. Die Zeilen 13/14
rufen Frauen an, virgines und viduae, bilden also ein richtiges
Paar. Ebenso ist es natürlich, daß eine neue Sache auch mit der
1. Zeile eines Paares begonnen wird. So beginnt mit Z. 3 die
Anrufung der Patroni, mit Z. 7 die der Sancti.
Mit Z 17 beginnen die Bitten und gehen bis Z. 29. Die Bitten
umfassen also 13 Zeilen. Das ist verdächtig. Wir haben hier
160 Wilhelm Meyer,
noch ein weiteres Hilfsmittel dadurch, daß dieselben Kurzzeilen
im Schluß mehrerer Langzeilen wiederholt werden. Die 4 Lang-
zeilen 17 — 20 geben oflPenbar 2 richtige Paare (gegen Feinde und
Heiden, gegen Schrecken und Gefahr). Die 4 letzten Zeilen des
Gedichtes, Z. 26 — 29, geben offenbar auch 2 richtige Paare : Pabst
und Bischof, Kaiser und Volk dominus conservet. Also ist hier
die Abtheilung der Hft falsch: die beiden letzten Zeilenpaare
müssen beginnen mit 'Ut summum' und mit 'Ut Ottonem'.
In den übrig bleibenden 5 Zeilen 21 — 25 ist also eine Zeile
zu viel oder zu wenig. Die beiden Zeilen 24 und 25 geben ein
erträgliches Paar. Aber die 3 Zeilen 21 22 und 23 bereiten
Schwierigkeiten. Um gutes Wetter und um Fruchtbarkeit wird
in den Fürbitten oft gebeten (vgl. diese Nachrichten 1912 S. 89 — 108,
bes. S. 100 und 105). So 'Pro iocunditate serenitatis et oppor-
tunitate pluviae atque aurarum vitalium blandimentis ac diversorum
temporum prospero cursu; oder: Pro aeris temperie (ac fructu) et
f ecunditate terrarum ; oder : Pro abundantia f rugum et tranquillitate
aerum ; oder aus unserer wiener Hft bei Gerbert II 91 : aeris
temperies terraeque fertilitas. Gegen die Zeilen 21 und 23 unserer
Litanei ist also nichts einzuwenden. Neu und selten ist Z. 22,
welche commoditatem aeris rorantis erwähnt. Eine Fürbitte um
reichlichen Thau kenne ich sonst nicht. Fehlt Z. 22, so ist das
Paar 21 und 23 tadellos. Doch der Verfasser dieses Gebetes ist
kein schlechter Stilist und hat eigene Gedanken und, wenn er ein
Südländer war, wo die starken Thaufälle wichtig sind ^), so kann
die Zeile echt sein. Dann aber müßte eine Zeile mit einer ähn-
lichen Fürbitte ausgefallen sein und, da Z. 22 inhaltlich der Z. 23
sehr nahe rückt, wäre die Lücke wohl nach 21 zu setzen. Er-
gänzen wir eine Z. 21*, so ergibt sich noch ein anderer Vorteil.
Das Paar 1 und 2, die Anrede Gottes, leiten die Litanei ein;
7 Zeilenpaare (Z. 3 — 16) rufen die Patroni an und, wenn wir Z. 21*
ergänzen, geben wiederum 7 Paare der mit 'ut' beginnenden Zeilen
den Inhalt der Bitten. Solch architektonischer Bau läßt sich in
manchem mittellateinischen Gedicht nachweisen.
Die rythmische Form der Litanei 'Rex salvator alme'.
Sicher ist, daß die Form dieser Litanei eine dichterische sein soll.
Die 29 Langzeilen lassen sich in je 3 fast gleiche Kurzzeilen zer-
legen. Klar ist auch, daß die 87 Kurzzeilen fast stets aus 6 oder
7 Silben bestehen und daß die Sechssilber fast stets sinkend
schließen.
1) In der Bibel wird Thau und Regen oft verbunden, wie 'Nee ros nee
pluvia veniant super vos*.
Spanisches zur Geschichte der ältesten mittellateinischen Rythmik. Ißl
Zunächst ist das Versmaterial zu sichten. Natürlich kann die
Zeile 26^ N. dominum nicht gerechnet werden. Auch die 3 auf-
fallenden und technische Wörter enthaltenden fünfsilbigen Zeilen:
7^ Patriarch arum, 9^ apostolorum und 26^ apostolicum, rechne ich
nicht mit. Unter den bleibenden 83 Kurzzeilen sind 6, welche
oft wiederholt werden. 7 Mal postula pro nobis, 5 Mal poscite
pro nobis, 5 Mal det nobis salvator, 4 Mal nos hie et in aevum,
4 Mal dominus conservet, 4 Mal ut deus conservet. Diese 29 Kurz-
zeilen repräsentiren also nur 6 verschiedene Zeilen. Folglich
bleiben zur Untersuchung 60 verschiedene Zeilen. Von diesen
zählen 11 Kurzzeilen 7 Silben, 49 zählen 6 Silben.
Von den Siebensilbern schließt nur einer sinkend; er ist auch
sonst nicht unverdächtig: 8 '0 sors impleta deo' virtutis prophe-
ticae'. Das o könnte ja fehlen, wie in Z. 11, 14 und 15; doch
was heißt sors (= cohors)? Von den 49 Sechssilbern schließen
nur 2 steigend: 9 o principalitas und 25 ut indulgentia. Da die
Betonung der griechischen und hebräischen Namen frei gegeben
ist, so fallen für die Untersuchung weg 5 condigne Grabrihel und
6 0 consors Rapbahel.
"Weßhalb behaupte ich nun, daß in diesen Kurzzeilen nicht,
wie sonst fast überall, die Silben gezählt werden oder, wie manchmal,
die Accenthebungen (Haupt- und Nebenhebungen) gezählt werden,
sondern daß die gewichtigen Wörter gezählt werden?
Wenn diese beiden Zeilen zu 6 _t- ^ und zu 7 u _ gebaut sind
nach der gewöhnlichen Art, daß die Silben gezählt und nur eine
bestimmte Schlußcadenz beobachtet wird, so sind die 3 ersten
Silben frei; dagegen die 5. Silbe ist stets voll accentuirt, während
die 4. und 6. Silbe keinen Accent haben. Meum est | pröpositum
in tabernä möri. Nach der Wellenbewegung der lateinischen Wort-
accente können nun die ersten 3 Silben nur zweierlei Betonung
haben, entweder _u_ oder u_u; also:
Tales verjsus fäcio quäle vijnum bibo
oder, was ich Taktwechsel genannt habe:
Cantantes | pro mortuis und Cupido | tenendi.
Statt der vollen Accente treten dann in der 1. und 3. Silbe sehr
oft Nebenaccente ein
Aestuäns | interius ira vejhementi
in amaritudine. volupta'tis immemor. püellä|rum decus.
Von den 10 Siebensilbern unserer Litanei haben sieben
(8. 15. 16. 20. 21. 27. 28) Tacktwechsel 'virtutis | propheticae';
hier kann kein Nebenaccent vorkommen. Die übrigen 3 sind:
10 veniäm | precamini, 11 precibiis | assiduis und 21 bonam ac | fru-
Kgl. Ges. d. Wiss. Nachrichten. Phil.-hist. Klasse. 1913. Heft 1. 11
162 Wilhelm Meyer,
giferam. Hier kann auf der 3. Silbe Nebenaccent stehen; dagegen
keiner dieser 10 Siebensilber bat 3 volle Accente, wie Tales versus
fäcio.
Ebenso steht es bei den Sechssilbern. Da diese hier die
Hauptsache sind, untersuche ich zuerst zur Vergleichung die 40
Sechssilber, welche Gotschalh in seinem 5. Gredichte '0 deus miseri'
(Poetae karol. III 729) bringt. Von diesen 40 Zeilen haben fünf
Zeilen 3 voUaccentuirte Wörter, wie 'sancte Petre regni- preces
fiinde patri'; aber 25 Zeilen haben denselben Tonfall mit Neben-
accent; und zwar 11, wie in vänitäte päsci oder pro me infelici
und 14 nach der Art animo libenti oder pectore ferventi. Diesen
30 Zeilen stehen 10 Zeilen mit Taktwechsel gegenüber, wie iam
manu clementi oder medere languenti. Also von 30 Sechssilbern
mit trochäischem Tonfall haben 5 = ^/e drei voll accentuirte
Wörter. Sonst zeigen diese Sechssilber noch viel öfter 3 voll
accentuirte Wörter, z. ß. Ave märis Stella, dei mater älma, ätque
semper virgo, felix cell pörta.
Wie steht es nun in unsem 44 Sechssilbern? 18 dieser Sechs-
silber haben Taktwechsel, also nur 2 voll accentuirte Wörter, ohne
jeden Nebenaccent, und zwar 13 nach der Art, wie in Z. 17 Ma-
ligne ab hoste* ut deus defendat, und 5 Zeilen nach der Art von
1 munüscula precum und 7 o älmitas säncta. Diesen 18 Zeilen
mit nur 2 vollbetonten Silben stehen 22 gegenüber die 2 volle
Accente und einen Nebenaccent Laben können, und zwar 11 nach
der Art süscipe nostrarum und 11 nach der Art indulgere nobis
oder bona germinantem. Fragen wir nach den Zeilen mit drei
voll accentuirten Wörtern, wie äve maris stella, so finden wir unter
26 Kurzzeilen, welche trochäischen Takt haben können, keine
einzige der gesuchten Art. Denn die genannten 22 Zeilen zeigen
alle Nebenaccent. Es bleiben nur die 4 Zeilen: 1 rex salvator
alme ; 2 assis tuis servis ; 3 mater atque virgo und 29 ut per totum
orbem. Aber tuis und atque sind Hilfswörter der Sprache, welche
auch Senkungen sein können; ebenso ut per und das einsilbige
Wort rex.
Also unter den 10 Siebensilbern und unter den 26 Sechssilbern
dieses Gedichtes finden wir keine einzige Zeile mit 3 voll betonten
Wörtern, wie Vita vetus displicet: mores placent novi ^). Da in
der gewöhnlichen Rythmik solche Zeilen häufig sich einstellen, hier
aber keine sich findet, so sind sie hier absichtlich gemieden. Das
Fehlen solcher Zeilen mit 3 sichern Hebungen erklärt sich, wenn
1) Die einzige in Gerbert's Text stehende Zeile mit 3 voll betonten Wörtern
'Michahel virtus dei' — ist Gerbert's falsche Conjectur!
Spanisches zur Geschichte der ältesten mittellateinischen Rythmik. 163
der Dichter in jede Halbzeile überhaupt nur zwei volle He-
bungen, d. h. nur 2 gewichtige Wörter mit einem vollen Accent,
ohne jeden Nebenaccent, hat setzen wollen. Seine Eigenthümlichkeit
war es, daß er sich ];iiebei weitere Schranken setzte: er bevor-
zugte die Sechssilber mit sinkendem Schluß; außerdem setzte er
nur Siebensilber mit steigendem Schluß.
Best eht vielleicht die Litanei aus vierh ebigen
Zeilen? Man könnte sagen, solche Sechs- und Siebensilber kämen
unter den vierhebigen rythmischen Zeilen, die ich 1908 nachge-
wiesen habe, genug vor, und solche vierhebigen Zeilen lägen auch
hier vor: rex salvator alme, suscipe nostrarum; veniäm precamini,
bönam äc frugiferäm. Das kann nicht sein, ebenso wenig, als die
Kurz Zeilen des II. Prologs vi erhebige rythmische Zeilen sein können
(s. oben S. 126). Denn erstens hat es keinen Sinn, in den vierhebigen
Zeilen sich der Achtsilber zu enthalten, und das geschieht auch
nicht. Dann werden dort 3 voll accentuirte Wörter nicht gemieden,
die hier gemieden werden; dort finden sich, oft Zeilen, wie Cüius
täcta hüiüs; donum dei habui, lassae mentis viscerä. Noch ent-
scheidender ist der Umstand, daß die vielen Sechs- und Siebensilber
mit Taktwechsel (25) eine Hebung zu wenig hätten : die 18 Zeilen
wie 'maligno ab hoste' und die 7 Zeilen wie 'virtiitis propheticae'.
Unter 54 Zeilen stünden also 25 dreihebige.
Der Zeilenbau dieser Litanei ist also nur zu verstehen, wenn
wir annehmen, daß der Dichter in jede Kurzzeile 2 voll betonte
Wörter hat setzen wollen. In der Silbenzahl setzte er sich Grenzen ;
er nahm nicht mehr als 7 Silben : 8 Silben haben auch, der Prolog
und Dhuoda gemieden. Er nahm nicht weniger als 6 Silben,
während Dhuoda die Zeilen zu 5_u sehr liebt und der Prolog sie
nicht meidet. Das sind aber persönliche Liebhabereien. So
werden z. B. in den altern vierhebigen Rythmen 6 — 10 Silben zu-
gelassen. Aber später wurde das Ansehen der Silbenzahl immer
mächtiger. So hat dann Wipo in dem 1039 verfaßten Planctus
auf Konrad II (Gesta Konradi 40) zwar stets 4 Hebungen gesetzt,
aber sich in der Silbenzahl an die heilige Acht gebunden.
Diese wortzählenden lateinischen Verse haben
zwar eine sichere Anzahl von Hebungen. Aber die Senkungen
sind ganz unsicher; bald steht keine, bald 1 bald 2 bald 3. So
wechselnde Verse kann man nicht nach einer bestimmten Melodie
singen (vgl. oben S. 127 und 1908 S. 51 und 71). Aber trefflich
geeignet sind solche Verse für den Halbgesang, für declamatorische
Recitation.
11*
164 Wilhelm Meyer,
Ein lehrreiches modernes Beispiel solcher ßythmik gibt ein
Gedicht, das Osterjahr, das der Meister in Bild und Wort, Hermann
Vogel, neulich in den Fliegenden Blättern (no. 3530; 21. März 1913)
veröffentlicht hat. Ich gebe hier den Anfang wieder, indem ich
Accente auf die Hebungen setze und die Halbzeilen, die Caesuren,
markire, welche der Dichter nicht angedeutet, aber gefühlt hat.
Die Ostermahnung* geht durch's Land:
steh auf, wie einst* der Herr erstand!
Da regt sich, was winter-verschlafen war,
da reckt sich, was eis-begraben war:
Die Knospe sprengt* der drängende Saft,
der Waldbach probt* seine schwellende Kraft;
Der Strom bricht das Eis * mit krachendem Schall
und jagt seiner Knechtschaft" Trümmer zu Thal:
Die Lerche steigt* gegen das Himmelsgezelt
und 'Freiheit' jauchzt sie * in die grünende Welt.
Der Bauer pflügt* ein Oedland um —
seit des Urahns Zeit* spinnt die Säge d'rüm:
Zur Nachtzeit hallt's da * wie Schwerterschlägen —
den Fränkenbühl heisst man's * seit alten Tagen.
Tief schneidet die Pflugschar * und hebt aus dem Grund
eine fränkische Kugel, rostig und rund,
Und das da, das mocht wohl * ein Ländwehrkreuz sein —
Wäffenrockknoepfe * und Totengebein!
Ich citire noch einige, einzelnen Zellen:
Bis sie von Schmach * und Nöth genesen. —
Droben der Herrgott * sah es in Ruh
und gab seinen himmlischen * Segen dazu. —
Doch draüssen an Wäsgauwald * Memel und Saar
der Grenzstein steht * mit dem deutschen Aar.
Diese gefühlte, nicht studirte Rythmik, Paare von Zeilen zu
je 4 starkbetonten Hebungen, hat viele Ähnlichkeit mit den Zeilen-
paaren des Antiphonar-Prologs. Ich will hier nur einen Punkt
hervorheben. Lateinische Rythmen fließen stets leicht und wohl-
klingend, weü nie 2 starkbetonte Silben zusammen stoßen. Da-
gegen in den logischen Sprachen stoßen 2 schwer betonte Silben
gar leicht und oft zusammen, und besonders geben die zusammen-
gesetzten Wörter dazu oft Gelegenheit. In Wörtern wie lucifluus,
mirificus sind gerade die zwei Stammsilben wenig, die Ableitungs-
silben stark betont, als wenn wir betonen wollten: lichtorfüllt,
wunderbar. Unsere Vorfahren haben offenbar bei Fehlen der
Senkungen die beiden Hebungen auch im Vortrag hart aufeinander
Spanisches zur Geschichte der ältesten mittellateinischen Rythmik. 165
stoßen lassen, und dieser ruck-stoßweise Gang ihrer Verse war
gewiß eine auffallende Eigenart derselben. Recitiren ließen sich
solche Verse, aber nicht singen. Doch die Musik entwickelte sich
mächtig im 11. und 12. Jahrhundert. Der altdeutsche Recitations-
vers drehte und erweichte sich zum Gesangsvers und im deutschen
Versbau zeigte sich mehr und mehr das Streben, zwischen 2 He-
bungen eine oder mehrere Senkungen zu setzen oder, negativ gesagt,
das Zusammenstoßen zweier Hebungen zu vermeiden. In Vogel' s
Versen stoßen nie 2 Hebungen auf einander, und es fehlt etwas
von dem Salz und Pfeffer der altdeutschen Verse ; Vogel's E-ythmen
eilen stets, oft mit 3 oder mit 4 Senkungen beflügelt, von einer
Hebung zur andern. Bei der Entwicklung des deutschen Versbaus
haben die zusammengesetzten Wörter wegen der gehäuften Hebungen
stets Schwierigkeiten bereitet; sie waren, so zu sagen, die schiefe
Ebene ; aber ein alter Deutscher würde den Kopf geschüttelt haben
bei dem Vortrage: 'Den Fränkenbübl heißt man' s; Ein Landwehr-
kreuz sein; Wäffenrockknoepfe ; Wäsgauwald Memel und Aar'.
Anderseits sind es gerade diese zu Senkungen erniedrigten eigent-
lichen Hebungen, welche den zu flattrigen Senkungen dieser Verse
etwas Kraft geben, wie hindernde Felsblöcke einem strömenden
Bache. Dieses starken Unterschiedes der alten Aussprache und
Recitationsweise müssen wir uns bewußt bleiben bei Studien über
die älteste lateinische und germanische Rythmik.
Entwicklung der mittellateinischen Rythmik.
Das, was ich über den Zeilenbau der lateinischen Rythmen
des Mittelalters früher oft, z. ß. in der Abhandlung über Auspicius
(in diesen Nachrichten 1906 S. 221), dann in der Abhandlung von
1908 und endlich in dieser vorliegenden dargelegt habe, läßt sich
vielleicht so zusammenfassen.
Um 400 bildete sich bei den Lateinern der gewöhnliche
Bau der rythmischen Zeilen: die Silben wurden gezählt und in
deren Schluß die Cadenz des Wortaccentes (Paroxyton oder Pro-
paroxytonon) beachtet. So wurden durch das ganze Mittelalter
die gewöhnlichsten quantitirten Zeilen nachgebildet und neue ge-
schaffen. Um die Versicte der quantitirten Vorbilder kümmerte
man sich weiter nicht. Zu dieser gewöhnlichen Art gehört die
seltsame Abart der rythmischen Hexameter und Pentameter des
oben (S. 106 ff.) besprochenen IIL Antiphonar-Prologs '0 quam dul-
citer', die Kenntniß der Metrik und ziemliche Überlegung zeigt.
Auf dieser Entwicklungsstufe des rythmischen Zeilenbaues
— Silbenzählung und Beachtung der Schlußcadenzen — stand
166 Wilhelm Meyer,
und stellt der Zeilenbau der romanischen Sprachen. Zunächst der
französische, der kurz vor 900 unter dem Einfluß der Sequenzen-
dichtung sich bildete; viel später der italienische und zuletzt der
spanische. Die frühere oder spätere Entstehung der nationalen
Dichtungen hing ja ab von der größeren oder geringeren Ver-
sebiedenheit der betreffenden nationalen Sprache von der latei-
nischen; am raschesten brauchten die Grermanen eine Literatur in
ihrer Nationalsprache, am spätesten die Italiener und die Spanier.
(Wertzahl) Im 5. oder 6. Jahrhundert begannen lateinische
Redner sich entsprechende Satzglieder auch im Klang sich ent-
sprechen zu lassen, dadurch daß sie in jedes Glied gleich viel ge-
wichtige Wörter setzten:
Advocamus in suffrägio precum nostrarum
susceptos in celesti collegio patriarchas,
repletos divino spiritu prophetas,
märtyres confessiönis floribus coronatos,
apöstolos ad officium predicationis electos.
Diesen rhetorisch declamatorischen Kunstgriff benützte ein sinn-
reicher Kopf für den Versbau. So ergab sich leicht der wort-
zählende Bau der rythmischen Zeilen, wie ich ihn bei Dhuoda
(1908 S. 59 — 70) geahnt und jetzt in dieser Abhandlung dargelegt
habe:
Bini aut terni responsuria canunt
vespertinos et laudes, similiter et psälmos.
A dextera leväque coros consistunt,
antiphone modos reciproeatos canunt.
Der Wortaccent hat hier durchaus gesiegt; in den Kurzzeilen
zu 2 und in den Langzeilen zu 4 Hebungen werden nur die vollen
Wortaccente, d. h. die gewichtigen Wörter, gezählt. Nebenaccente
werden nicht gerechnet. Die Senkungen sind eigentlich frei; doch
werden sie durch Wohlklangsregeln überwacht. Denn die Kurz-
zeile zu 2 Hebungen darf doch nicht etwa durch trux mors oder
ätra nox gebildet werden, sondern sie soll mindestens 5 Silben
und nur selten mehr als 7 Silben zählen, wobei mitunter eine be-
stimmte Schlußcadenz bevorzugt wird. Dieser Zeilenbau findet
sich schon im 7. Jahrhundert und noch im 10. Jahrhundert.
Dieser Bau lateinischer Zeilen ist parallel dem Bau des alten
germanischen Verses, von dem wir wohl das älteste und am wenig-
sten abgeänderte Beispiel im Beowulf haben. Eine Langzeile be-
steht aus zwei Kurzzeilen. Jede Kurzzeile besteht aus 2 Haupt-
hebungen. Nach dem Charakter der angelsächsischen Sprache fehlen
oft Senkungen und stoßen oft die Silben auf einander, welche die
Spanisches zur Geschichte der ältesten mittellateinischen Rythmik. 167
Haupthebungen tragen. Nach der Theorie könnten 2 einsilbige
Wörter, welche Haupthebungen tragen , eine Kurzzeile bilden ;
allein die Praxis verlangt als Mindestmaß für eine Kurzzeile 4
Silben. Der Charakter der Sprache bringt es mit sich, daß die
beiden Haupthebungen in einem zusammengesetzten Worte stecken
können und so durch ein einziges Wort die ganze Kurzzeile ge-
bildet werden kann. Die letzte Silbe der Kurzzeile hat keinerlei
Vorrecht; sie kann durch die zweite Haupthebung gefüllt sein;
sie kann aber auch durch eine unbedeutende Nebensilbe gebildet
sein. Diese Zeilen sind mit Alliteration geschmückt (vgl. Ges. Abb.
II 366 und 1908 S. 44).
Die vierhebige Nachbildung der ambrosianischen
Zeile, das Vorbild des althochdeutschen Reimverses.
1908 habe ich die Existenz einer lateinischen rythmischen Zeile
nachgewiesen, in welcher die Hebungen gezählt werden. Diese
Hebungen sind 4 in jeder Kurzzeile und 4 solche vierhebigen Kurz-
zeilen bilden eine Strophe, wobei jedoch je die erste Kurzzeile
mit der zweiten, die dritte mit der vierten zu einer Langzeile
sich vereinigte, in der Declamation und im Schreiben.
Während in den gewöhnlichen Silben zählenden rythmischen
ambrosianischen Zeilen 8 Silben stehen, werden hier nur die 4
Hebungen gezählt. Dabei sind 2 Regeln. Die letzte Silbe der
Zeile gilt als Hebung, wie ja auch in den quantitirenden Zeilen
des Ambrosius die letzte Silbe der Zeile den Ictus des
4. Jambus trägt, folglich, wenn sie auch kurz ist, doch als lang
verrechnet wird, ferner nach dem allgemeinen Satz der quanti-
tirenden lateinischen Metrik 'ultima syllaba anceps est'. Zum
Zweiten gilt durchaus der Nebenaccent. Jede Silbe, welche
durch eine oder 2 Senkungen von der nächsten Hebung getrennt
ist, kann als Hebung verrechnet werden.
Dabei treten zwei Regeln ein. Statt einer Senkung können
überall auch 2 Senkungen stehen, aber an zwei Stellen der Zeile
können die Senkungen auch gänzlich fehlen. Erstens im
Zeilen- Anfang: donum dei häbui gilt so viel als pgccata mea ligant
me. Zweitens im Zeilenschluß : Audite deum omnes gilt so viel als
audite deum hömines. Die 2. und die 3. Senkung kann nach dem
Charakter der lateinischen Sprache nicht ausfallen. Denn dann
würde eine Hebung verschwinden; die 4 Hebungen Tunc homines
conv^neränt würden in Tunc omnes conveneränt zu 3 Hebungen
zusammenschwinden, usw. In Folge dessen können statt der
Normalzeile zu 8u_: Redemptor vitae maxime erstens verkürzte
Zeilen stehen :
1(5^ Wilhelm Meyer,
6 — u : ^xeant peccätä
7 _ u : qni siirsum sedes vide
Ikj^: donum dei häbui.
Eine noch größere Mannigfaltigkeit kann sich ergeben durch Ver-
mehrung der Senkungen, wie in
8_u: gravia quaerunt lamentä
9 w - : audi me deus piissime
10v^_: kahimnia super kakimnia usw.
Der althochdeutsche Reimvers, wie er bei Otfrid auf-
tritt, ist der. Zwilling dieser vierhebigen lateinischen Zeile. Auch
hier bilden 4 vierhebige Zeilen die Strophe, auch hier wird die
erste Kurzzeile mit der zweiten, dann die dritte mit der vierten
zu je einer Langzeile verbunden, beim Recitiren wie beim Schreiben.
In der Zeile gilt auch hier die letzte Silbe stets als Hebung. Was
die Senkungen betrifft, so kann nicht nur die Senkung vor der
ersten und vor der letzten Hebung fehlen, sondern wie es der
Charakter der Sprache erlaubt und oft genug mit sich bringt,
kann auch die erste Hebung mit der zweiten, die zweite Hebung
mit der dritten zusammenstoßen; endlich kann ein zusammenge-
setztes Wort mehrere Hebungen in sich schließen, wie im Latei-
nischen mehrere Nebenaccente : imperävi, imperaverämus. Die
Zeilen der Strophen sind durch Reim gebunden. Dieser wird hier
regelmäßig, in dem Vorbild, in der lateinischen rythmischen Dich-
tung, nur nach Belieben gesetzt.
(Die Anfänge der vierhebigen ambrosianischen
Zeilen). Die vierhebigen lateinischen rythmischen Zeilen, welche
ich 1908 untersuchte, waren nicht sicher zu datiren. Doch schienen
die Anfänge in das 9. Jahrhundert zu fallen und wiesen nach
Deutschland. Da diese vierhebigen lateinischen Zeilen und Strophen
und die Otfrids offenbar verwandt sind, so nahm ich damals an,
dieser lateinische Zeilenbau sei dem althochdeutschen nachgeahmt
und betitelte 1908 meine Abhandlung 'altdeutsche Rytlimik in
lateinischen Versen'.
Jetzt aber stehen die Thatsachen anders. Zwei Gedichte von
je 6 ambrosianischen Strophen (Poetae kar. II 42G no 111 und IV),
welche in vierhebigen Zeilen verfaßt sind, sind in der Reichenau
etliche Jahre vor 800 gedichtet. Ein anderes, allerdings schwer
verständliches Gedicht ist mit Majuskeln, sicher nicht nach 725,
im Merowingerreich geschrieben. Es lobt einen lebenden hohen
Priester : die Initialen ergeben aber den Namen Basinus ; also lobt
das Gedicht, so gut wie sicher, den kurz vor 700 verstorbenen,
wenig bekannten Heiligen, den Bischof Basinus von Trier.
Spanisches zur Geschichte der ältesten mittellateinischen Rythmik. 169
Der Bau der lateinischen vierhebigen ambrosianischen Zeilen
war also um 700 schon geordnet. Otfried sagt ja auch, daß er an
seinem Versbau Vieles selbst eingerichtet habe. Der Bau der
vierhebigen ambrosianischen lateinischen Zeilen kann also nicht
dem althochdeutschen nachgeahmt sein.
Der natürliche Grang der Entwicklung war hier folgender.
Im 6. Jahrhundert war der Sieg des Wortaccentes entschieden.
Schon längst machte man Verse, in denen man sich um die Quan-
tität nichts kümmerte. Jetzt machte man sogar Verse, deren
Hebungen ganz und gar nur an die voll betonten Accentsilben
der Wörter gebunden waren:
Bini aut terni responsuria canunt,
vespertinos et laudes, similiter et psälmos.
Die Vershebung, das was in den quantitirenden Zeilen der Ictus
gewesen war, fiel also zusammen mit dem vollen Accent eines
Wortes. Von Nebenaccent wußte man nichts. Auch um die Sen-
kungen, ihre Zahl und ihre Lage, kümmerte man sich nicht.
Da dachte, sagen wir, um 600 Einer daran, quantitirende am-
brosianische Zeilen, wie Aeterne rerum cönditör oder Qui temporüm
das temporä, so nachzumachen, daß die 4 Icte durch 4 accentuirte
Silben wieder gegeben würden. Vier Accente waren für ihn
eigentlich vier gewichtige Wörter, wie 'officium divinum sumunt
gaudentes'. Das ging hier nicht; denn es gab zu viele Neben-
silben, hier im G-anzen 12 statt 8. Besonders thöricht war es,
daß die 4. Hebung, in der letzten Silbe ror, ra, durch ein eigenes
Wort wieder gegeben werden sollte. Das Schlußwort des Vor-
bildes temporä trug 2 Icten. Die Schlußsilbe rä ist absolut kurz
und hätte im Innern des quantitirenden Verses keine Hebung
tragen können. Aber im Zeilenschluß konnte sie es, weil sie durch
die im Zeilenschluß folgende Pause verlängert wurde ; daher stammte
auch die allgemeine Lehre für die quantitirenden Zeilen 'ultima
syllaba anceps est' d. h. die letzte Zeilensilbe kann kurz sein, sie
wird eben durch die folgende Pause gelängt. So wurde unser
Rythmiker fast von selbst zu der Regel gebracht, daß die letzte
Silbe der Zeile, sei sie wie sie wolle, eine Hebung enthalte. Da
nun die lateinischen rythmischen Zeilen nicht mit einem einsilbigen,
sondern nur mit einem mehrsilbigen Worte schließen, so enthält
jedes letzte Wort der rythmischen vierhebigen ambrosianischen
Zeilen zwei Hebungen, wie corporä oder mundo. Diese erste Regel
herrscht überall in den lateinischen und deutschen vierhebigen
ambrosianischen Zeilen. In den wortzählenden lateinischen Zeilen
oder in den älteren, sogenannten alliterirenden germanischen Zeilen
\YQ Wilhelm Meyer,
ist keine Spur von einem solchen character indelebilis der letzten
Verssilbe.
In der Wörter zählenden lateinischen Rythmik wurde auf die
Senkungen nicht viel geachtet. Im Anfang der Zeile konnten sie
ganz fehlen (bini aut t^rni), in der Mitte konnte 1, konnten 2 und 3,
mitunter auch 4 stehen: concentus dulces, in summis ättollunt
ten^nt mstitütum , officium divinum , pariter aüscültantes. Die
erste Hebung konnte die Zeile beginnen ; es konnten ihr aber auch
Senkungen voran gehen: aiiribus demulcent; in säncta sanctorum,
ötiösa verba, ja sogar röcipröcatos canunt, pro suävitäte sönum.
Mit solchem Schwanken der Zahl und des Ortes der Senkungen
konnten quantitirende Zeilen nicht wieder gegeben werden, in
denen neben der Zahl der Icten fast immer auch Ort und Zahl
der Senkungen genau geregelt ist. Aber diese Ungebundenheit
der Senkungen widersprach und widerspricht eigentlich auch der
lateinischen Aussprache. Deren Grundgesetz ist die Wellenbe-
wegung der Betonung. Zwischen 2 betonten Silben oder He-
bungen muß mindestens 1 unbetonte Silbe oder Senkung stehen,
es können auch 2 stehen, aber mehr als zwei nicht. Also:
otiösä verba, hilärgs properant. Aber sobald 3 unbetonte Silben
sich folgen sollten, bewirkt die natürliche Wellenbewegung der
Betonung, daß die mittlere Silbe betont wird und so durch einen
Nebenaccent befähigt wird, eine Hebung zu tragen : t^nent
institütum, officium divinum. Stehen zwischen 2 sichern x\ccent-
hebungen 4 unsichere Silben, so bekommt von diesen die 2. oder
die 3. den Nebenaccent und damit die Fähigkeit, eine Hebung zu
tragen: pariter aüscültantes. Wer hier mit der Stimme von einer
Hebung zur andern über 3 und mehr Silben hinweg springt, wie
das in der Wörter zählenden lateinischen und besonders in der
germanischen Rythmik oft geschehen muß, der muß seiner Stimme
Gewalt anthun und die natürliche Modulation des Vortrags ver-
ändern.
Derjenige, welcher zuerst die vierhebige Nachahmung der
quantitirenden ambrosianischen Zeile rythmisirt hat, hat den wich-
tigsten Fortschritt dadurch gemacht, daß er den Nebenaccent
anerkannt hat und in seine Zeilen nur Senkungen von einer oder
von zwei Silben zugelassen hat. Vor der 1. Hebung hat er
wie in dem Vorgänger, dem Wörter zählenden Vers, bald keine
Senkung gesetzt, bald eine einsilbige. Setzt er zwei unsichere
Silben, wie in propiatis ad aram, so wäre ja anapästischer Anfang,
wie pröpTdtis ad äram, nicht gegen die gewöhnliche Aussprache;
aber in der vierhebigen lateinischen ambrosianischen Zeile scheint
Spanisches zur Geschichte der ältesten mittellateinischen Rythmik. 171
fast immer von 2 unsichern Anfangssilben die erste mit Neben-
accent belegt und zur Hebung erhoben worden zu sein; also: pro-
piätis ad aräm.
Als Probe für diese Behauptungen, besonders über den Xeben-
accent, will ich das in der Reichenau wenige Jahre vor 800, also
50 Jahre vor Otfrid, geschriebene Gredicht rythmisch zerlegen, das
Dümmler in den Poetae aevi kar. II 426 als no III 'Prosa ryth-
mica ad altare sanctae Mariae' gedruckt hat ; den vierhebigen Bau
hat vor Kurzem Strecker erkannt. Es sind 6 klare ambrosianische
Strophen ; ebenso wie das dort folgende Gedicht no IV ^).
Wenige Zeilen haben lauter sichere Hebungen : 4, 1 hie agni
criior cäroque; 4,4 sacrantur läminae äxis; 5,3 dicite rögo alme;
2,2 sacris aedibus ältär ; 6,2 ornat virginis templüm und 6,4 sede
felix in aevum (so, nicht felix sede haben die Hften) ; 4,3 cuius tactu
hüius.
Das sind 7 Verse mit sichern 4 Hebungen. Die Zeile 3,2 hat
nur 5 Silben und ihre Überlieferung ist unsicher (almo podori und
alvo pudoris) "). Die übrigen 16 Zeilen haben alle eine unsichere
Silbe. Diese Zeilen sind richtig und haben 4 Hebungen, wenn
diese unsichere Silbe Nebenaccent bekommt und eine Hebung trägt ;
sie haben nur 3 Hebungen, sind also falsch, wenn die unsichere
Silbe den Nebenaccent nicht erhält. Am interessantesten sind die
9 Zeilen, die mit 2 unsichern Silben beginnen. Hier wird stets
die erste unsichere Silbe durch Nebenaccent zur Hebung erhoben:
5,4 miserere Gerolto; 1,2 convenitis ad aüläm; 1,4 propiatis ad
aram; 4,2 propinatur ex ara; 5,2 penetratis ad aräm. Ebenso:
1) Xoch 1903 hat Winterfeld (Philologus 62, 480) das Gedicht citirt als
Beweis, daß zur Zeit Karl des Großen in rythmischen Dingen 'balbutire pergunt
monachi Augienses'. Dagegen hat neulich Strecker erkannt, daß no III sich den
Regeln fügt, die ich 1908 gefunden habe. Man beachte, wie genau diese Regeln
durchgeführt sind, besonders die über den Nebenaccent. Auch die folgende
'Prosa rythmica' no IV ist in der Reichenau und in denselben Jahren entstanden.
Es sind ebenfalls 6 ambrosianische Strophen und der Zeilenbau ist ebenfalls der
vierhebige. Doch der Rythmiker arbeitet etwas anders. Er begünstigt sehr den
Reim (3,3 ist wohl zu stellen : ne indigne potätä säcra vomätur päterä) ; dann
meidet er die sechssilbige Zeile und nimmt nur solche zu 7 oder 8 Silben (4 x
7u— , 6x 7 — ^, 12 X 8^—, 2x 8— u); endlich sucht er die vollen Accente
und meidet offenbar den Nebenaccent (nur 2,1 reficite; 4,2 ne tränseät; 6,3 ütri-
üsque). Zu ändern ist wohl 4,2 suo hunc (thesaurum), und in 6,4 'ütriüsque sed
ünä mänet merces futürä polorum' ist die Glosse 'polorum' zu tilgen.
2) Ist 3,2 almo pudori richtig, so ist wohl in der Verscaesur zu betonen,
wie im Versschluß : älmö pudori ; vgl. 1908 S. 56 (post fletüm post gemitüm), dann
S. 73 und 74.
172 Wilhelm Meyer.
1,1 Hänc quicümque devoti; 5,1 huc quiciimque cum prece und 3,3
sübque voto Mariae. Darnach ist wohl auch 1,3 puplitibiisque flexis
zu betonen und nicht poplitibüsque flexis. An und für sich wäre
es ja leicht, mit der Stimme über die beiden ersten Senkungen
wegzueilen 'pröpiätis ad aram', aber es geschieht hier nie.
In 7 Zeilen ist die erste Hebung durch vollen Accent ge-
sichert, allein ihr folgen 3 unsichere Silben. Von diesen 3 unsichern
Silben wird stets die mittlere durch Nebenaccent zur (2.) Hebung
erhoben: 2,4 lämina nitenti; 3,4 intulit in aülam; 6,1 titulo qui
tali; dann 2,1 cernite conspicuum; 2,3 Gerolto quod condecet^);
3,1 virgineo quod condecet und 6,3 aetheriä fruatür.
Also : lesen wir diese 24 Zeilen nach dem gewöhnlichen, Silben
zählenden Prinzip der lateinischen Rythmik, so enthalten sie ein
unerklärliches Gemengsei von Zeilen zu 6, 7 oder 8 Silben, von
steigenden und fallenden Zeilenschlüssen. Lesen wir sie nach dem
Prinzip der Wörter zählenden Rythmik, so bestehen 7 aus drei,
17 aus 2 gewichtigen Wörtern. Lesen wir sie aber nach dem
Prinzip der Hebungen zählenden Rythmik, wornach die letzte
Verssilbe als Hebung gilt und von 3 oder 4 unwichtigen Silben
durch Nebenaccent eine mittlere zur Hebung erhoben wird, so
enthalten alle diese 24 Zeilen je 4 Hebungen.
Ich denke, die rythmischen Gesetze der lateinischen vierhebigen
Zeile sind jetzt klar. Sie ist vor 700 nördlich der Alpen geschaffen
worden. Der Ordner — denn von einem solchen muß ich auch
hier ausgeben, wie einst bei der Besprechung der altlateinischen
Metrik — hat seinem Schaffen die Zeile von 4 gewichtigen Wörtern
zu Grunde gelegt, hat aber in den Zeilenbau zwei starke Neue-
rungen eingeführt, erstens daß die letzte Silbe der Zeile als
Hebung gilt, zweitens daß die Senkung nicht mehr als 2 Silben
zählen darf und daß von 3 oder mehr unbetonten Silben eine
mittlere mit Nebenaccent belegt und so zur Hebung erhoben
wird. Keine dieser Neuerungen stammt aus der älteren ger-
manischen Rythmik, der des Alliterationsverses. Also ist weder
die Wörter, noch die Hebungen zählende lateinische Rythmik der
germanischen nachgeahmt.
Der althochdeutsche Reimvers , wie Otfrid ihn eingerichtet
hat, ahmt vielfach den dargelegten Bau der lateinischen vierhebigen
ambrosianischen Zeile nach. Der Reim ist ebenfalls aus der latei-
1) Die gewohnte Betonung Gerolto quod condecet würde den Vers zerstören
und nur 3 Hebungen liefern. Die obige, deutsche, Betonung paßt auch in 5,4
miserc-re Gerolto.
Spanisches zur Geschichte der ältesten mittellateinischen Rythmik. 173
nischen Dichtung geholt; aber, was bei dem Vorbild ein beliebter
Schmuck war, ist im Nachbild Gesetz geworden. Was sollen wir
nun von dem älteren germanischen Verse denken, dessen älteste
Beispiele wir um 700 finden? Um 850 hat die althochdeutsche
E-eimstrophe sich gebildet und hat bald den germanischen Allite-
rationsvers verdrängt. Wann der Alliterationsvers, bei dem übri-
gens die Alliteration nur eine Zugabe ist, gebildet worden ist,
dafür haben wir kein sicheres Zeugniß. Dichtungsformen sind
keine Petrefacte, sondern lebendige Organismen, die sich stets
ändern und weiterbilden mit der sie umgebenden Kultur. Die
ältesten Römer haben gewiß stets gedichtet und gesungen. Allein
wir wissen nicht, wie ? Waren jene alten Lieder der Römer schon
in Saturniern abgefaßt? waren die Saturnier schon unter grie-
chischem Einfluß gemodelt? Gewiß aber haben um 250 vor Christus,
als die Römer begannen die Schatzkammern der griechischen Dich-
tung auszuplündern, sie dabei auch aus den allseitig ausgebildeten
griechischen Dichtungsformen sich geholt, was ihren schlichten
Bedürfnissen paßte, und haben das Entlehnte einheitlich, aber ein-
fach zusammengeformt. Dann, als die Gelehrsamkeit in Italien
mächtig geworden war, setzte zur Zeit des Caesar und Augustus
eine neue Strömung ein, welche die griechischen Dichtungsformen
genauer nachahmte. Die Germanen haben gewiß schon 700 vor
Christus gesungen und dazu gedichtet, wie sie dies zur Zeit des
Tacitus thaten, und gewiß haben sie auch in den ersten 7 Jahr-
hunderten unserer Zeitrechnung gedichtet und gesungen. Allein
wer kann etwas Sicheres nachweisen über die Entwicklung des
germanischen Verses in diesen langen und erregten Zeiten, bis
dahin, wo wir im Beowulf den ersten festen Boden für solche
Untersuchungen erreichen ?
Die Germanen haben in allen Stücken von der allseitig ge-
festigten spätrömischen Kultur gewaltige Einwirkungen gehabt.
Kleidung und Waffen, Staatseinrichtungen und Religion und Schrift
haben sie nach deren Beispiel geändert. Weßhalb sollen nach der
Völkerwanderung in den jungen germanischen Staaten, wo bei ein-
kehrender Ruhe die ganze römische Kultur bewundert und nach-
geahmt wurde, nicht auch Männer, welche zur Recitation Erzäh-
lungen in Versen machten, darnach getrachtet haben, von der be-
rühmten lateinischen Kunst Etwas zu erhaschen?
Unter den lateinischen Schulmeistern fand sich damals mancher,
der sich mühte, die neuberühmte lateinische Rythmik zu pflegen
und z. B. nach quantitirendem Muster neue Zeilen zu machen und
diese in Gedichten zu verwenden, wie ich dies an den künstlich
j^74 Wilhelm Meyer,
construirten Formen des III. Antiphonar-Prologs (oben S. 111 — 118)
nachgewiesen habe. Ist es da nicht zu erwarten, daß solche latei-
nischen E-ythmiker den germanischen Dichter-Sängern gute Lehren
gaben ?
Der uns seit 700 n. Chr. vorliegende Alliterationsvers zählt
Hebungen und setzt sie in Kurz- und Lang-Zeilen zusammen, dann
schmückt er von diesen Hebungen manche mit gleichen Anfangs-
buchstaben. Oben habe ich gezeigt, daß trotz des verschiedenen
Betonungsprinzipes der lateinischen und der germanischen Sprachen
der Aufbau der älteren germanischen Zeile in seiner Grundlage
mit der Wörter zählenden lateinischen viele Ähnlichkeit hat. Von
der Alliteration habe ich schon 1901 gezeigt (Gres. Abhandlungen
II 366), daß sie in der späten lateinischen Prosa und Dichtung
ein beliebter Schmuck gewesen ist, und habe als wahrscheinlich
erklärt, daß die germanischen Dichter im 6./7. Jahrhundert die
Alliteration aus der schönen lateinischen Literatur übernommen,
aber aus dem beliebten Schmuck ein Versgesetz gemacht haben,
wie sie dies im 9. Jahrhundert mit dem Heim gethan haben.
Demnach halte ich es für möglich, daß auch der Bau des vor-
liegenden älteren germanischen Verses durch die Wörter zählende
lateinische Rythmik beeinflußt worden ist.
Sicherlich aber ist die Einrichtung des althochdeutschen Reim-
verses in der Mitte des 9. Jahrhunderts ziemlich stark beeinflußt
von dem voran gehenden Bau der lateinischen vierhebigen ryth-
mischen Zeile. Diese habe ich 1908 zuerst nachgewiesen, Seitdem
sind wichtige Denkmäler dieser rythmischen Zeile bekannt geworden
von dem Loblied des Basinus vor 700 an bis zu Wipo's Planctus
vom Jahre 1039. Vielleicht werde ich in einer andern Abhand-
lung diese und andere Gedichte in der ambrosianischen Zeile zu-
sammen stellen und besprechen. Denn da sind noch seltsame
Lücken. So haben oft Andere und ich (z. B. Ges. Abhandlungen
II 344) nachgewiesen, daß die Römer vor Christus jambische und
trochäische Zeilen gebaut hatten, in denen — außer der letzten
Senkung — alle Senkungen durch lange Silben gefüllt sein konnten
(altlate'nischer Bau), daß dann gegen das Ende des römischen
Reiches und nachher wiederum derartige trochäische Septenare
und jambische Trimeter gemacht wurden (archaistischer Bau) ; allein
Niemand hat darnach gefragt, ob nicht auch die quantitirenden
jambischen Dimeter, d. h. eben die ambrosianischen Zeilen, von
Manchen archaistisch gebaut worden seien. Und doch ist die Ent-
wicklung der ambrosianischen Zeile, des Hymnenverses, auf das
Spanisches zur Geschichte der ältesten mittellateinischen Rythmik. j[75
Innigste verbunden mit der frühen Entwicklung der rythmischen
Dichtungsformen des Mittelalters.
Übersicht des Inhalts.
S. 104 Die 3 Prologe des Antiphonars in Leon (c. 670).
S. 105 der I. prosaische Prolog 'Ex vatum'.
S. 106—119 der III. Prolog 'o quam dulciter': S. 106 Text mit
Koten. S. 110 die rythmischen Hexameter u. Pentameter (S. 110 Hisperica
Famina. S. 111 Hexam. des Jonas in der Vita Columbani). S. 113 die
Formen dieser 64 Distichen (S. 117 die Barbarismen).
S. 119—128 der IL Prolog 'Traditio Toletana': S. 120 Text; S. 121
Text mit Noten; S. 123/7 die Wörter zählende Rythmik.
S. 128 — 142 Grleiche Wörterreihen in den alten spanischen Meßgebeten,
S. 139 im Krankengebet, S. 140 im Erlaß der toledaner Synode von 653.
S. 142 — 144 Ursprung der Wörter zählenden Pythmik aus der ähn-
lichen Prosa.
S. 144—163 Denkmäler der Wörter zählenden Pythmik: S. 144
der Grammatiker Virgilius Maro. S. 145 Pabst Hadrian I um 774 an
Karl d. Gr. S. 147—152 die Vita des h. Eligius. S. 153/5 die
Verse der Dhuoda. S. 156 die Preces 'Amara nobis'. S. 157 der
Litaneien-Pythmus. S. 158 — 163 die Litanei 'Pex salvator alme'.
S. 163 Verse H. Vogel's.
S. 165 — 175 Die Entwicklung der mittellateinischen Rythmik : S. 165
die Silben zählende Rythmik. S. 166 die Wörter zählende Prosa und
Rythmik (S. 166 u. 173 Vorbild des germanischen Verses?). S. 167
die vierhebige Nachbildung der ambrosianischen Zeile (S. 168 Basinus vor
700, S. 168 u. 171 aus der Reichenau vor 800): das Vorbild des alt-
hochdeutschen Reimverses Otfrids.
über die rytlimischen Preces der mozarabischen
Liturgie.
Von
Wilhelm Meyer aus Speyer.
Professor in Göttingen.
Vorgelegt in der Sitzung vom 8. Juni 1912.
(Die Entdeckung) Als ich 1911/12 die Deprecatio papae
Gelasii bearbeitete, jene Reihe von Fürbitten, welche ich dann als
Anhang zum Eeisegebet des Gildas (in diesen Nachrichten 1912
S. 100) herausgegeben habe, da las ich bei Ferd. Probst, 'die abend-
ländische Messe vom fünften bis zum achten Jahrhundert', im 5.
Abschnitt über die spanische Messe jener Jahrhunderte S. 408 § 3 :
'Oratio pro fidelibus. Eingangs der Messe des ersten Fasten-
sonntags bemerkt das Missale mixtum (Migne, Cursus Patrologiae
latinae , Vol. 85. 297 B) : Hie sacerdos debet praeparare calicem
cum vino et aqua et hostiam in patena posita super calicem et
accipiat illud; et prosternat se ad pedem altaris flexis genibus et
dicat has preces, quae sequuntur. Preces. Tndulgentiam postula-
mus. Christe exaudi. Placare et miserere. Vs. (= Versiculus)
lesu unigenite Dei patris filius : qui es immense bonitatis Dominus.
P. Placare. Vs. Cuncti te gemitibus exorantes poscimus : cunctique
simul deprecantes quesumus. P. Placare. Vs. Tua iam dementia
mala nostra superet : tuo iam sereno vultu in nos respice. P. Pla-
care.. Vs. Remove propicius tuam iracundiam: da peccatis finem:
da laboris requiem. P. Placare. Vs. Tranquillitatem temporum:
rerum abundantiam : pacis quietem : et salutis copiam. P. Placare.
Vs. Illius Pontificis porrige praesidium: atque universo supplicanti
populo. P. Placare. Vs. Remissionem omnium peccatorum que-
sumus: indulge clemens mala que commisimus. P. Placare. Hiq
Kgl. Ges. d. Wiss. Nachrichten. Phil.-hist. Klasse. 1913. Heft 2. 12
178 Wilhelm Meyer,
dicit Sacerdos orationefn submissa voce: Exaudi orationem nostram
Domine etc.
Als ich diesen Text las, der also aus dem 5. — 8. Jahrhundert
stammen sollte, stutzte ich. Reim war offenbar ziemlich viel da;
aber den hatte ich ja in der altspanischen Prosa oft genug ge-
funden und studirt (Ges. Abhandlungen II 279). Aber unter
dieser Prosa war etwas Anderes zu spüren, ein bestimmter Ryth-
mus, ein Wechsel von bestimmten Gruppen von Silben. Bald ge-
lang es mir 7 Strophen von bestimmtem, gleichmäßigem Bau fest-
zustellen, denen eine anders gebaute Einleitung voran geht. Doch
der Refrän der Einleitung schließt dann auch die 7 Strophen.
Dann fand ich denselben Text eingesetzt im Mozarabischen Brevier
und zwar an 2 Stellen (Br. 1 und Br. 2): (no. 13 =) Brev. Sp. 252
in der Terz quartae feriae in capite ieiunii und (no. 42 =) Brev.
377 sabbato secundae dominicae Quadragesimae ad tertiam. Dar-
nach ergibt sich folgender Text:
Preces. Indulgentiam postulamus* Christe exaudi.
P. Placare et miserere.
1 lesu unigenite * dei patris filius
qui es immensae* bonitatis dominus
P. Placare et miserere.
2 Cuncti te gemitibus' exorantes poscimus
cunctique simul* deprecantes quaesumus
P. Placare et miserere.
3 Tua iam dementia* mala nostra superet.
tuo iam sereno' vultu in nos respice
P. Placare et miserere.
4 Remove propitius' tuam iracundiam,
da peccatis finem* da laboris requiem
P. Placare.
5 Tranquillitatem temporum* rerum abundantiam
pacis quietem* et salutis copiam
• P. Placare.
6 Illius pontificis* porrige praesidium
atque universo* supplicanti populo
P. Placare.
7 Remissionem omnium* peccatorum quaesumus.
indulge clemens* mala quae commisimus.
P. Placare et miserere.
Die Ausgaben zeigen an den 3 verschiedenen Stellen (Missale
Sp.298, Brevier 1) Sp. 252, 2) Sp. 377) folgende Verschiedenheiten :
Str. 1 qui est Br. 2 bei Ortiz = Ausgabe von 1502 domine Br. 1
über die rythmischen Preces der mozarabischen Liturgie. 179
und 2 Str. 2 Cuncti de Br. 1 Str. 3 vulto Missale Leslei
und Migne Str. 4, 5 und 6 fehlen in Br. 1 und Br. 2 Str. 6
Zu 'illius pontificis' notirt Lesleus 'Olim loco vocis illiiis, quam
litterae lU. exprimebant, nomen episcopi distincte recitabant'. Es
muß aber doch heißen : Uli pontifici Str. 7 hat Br. 2 : quaesumus :
indulge, quaesumus, clemens.
(Inhalt) Vor uns steht ein Bußlied mit Fürbitten, wie sie
oft und in den verschiedensten Fassungen sich finden. Dies Bußlied
ist durchaus an Grott gerichtet, den es mit Du anspricht. Die
Hauptsache ist uns die Form. Es sind 7 Strophen. Jede Strophe
besteht aus 3 Kurzzeilen zu 7 Silben mit steigendem Schlüsse,
7u_, und 1 Kurzzeile zu 5 Silben mit sinkendem Schlüsse, 5— u.
Diese Kurzzeilen sind geordnet in 2 Langzeilen: eine erste zu
7u_ + 7u — , eine zweite zu 5 — u + 7 v.— ; diese ist also gleich
dem jambischen Senar. Xach der ersten Langzeile tritt stets eine
kräftige Sinnespause ein, welche also die Strophe in 2 ähnlich große
Theile zerlegt. Reim ist da, aber sein Band ist nach der alten
spanischen Art nur lax. Er ist einsilbig, ja, in Str. 3 nur Assonanz
(ret : ce). Er bindet bald die Langzeilen, bald einige Kurzzeilen.
Prüfen wir den Bau der einzelnen Zeilen, so ist das Auf-
fallendste, daß die SühenzaJil verletzt wird. Statt des Siebensilbers,
welcher die erste Langzeile beginnt, steht in Str. 5 und 7 ein
Achtsilber (8 u _) ; statt des Fünfsilbers, 5 — u , welcher die 2. Lang-
zeile beginnt, steht in Str. 3, 4 und 6 ein Sechssilber, 6 — u. Zu
bemerken ist, daß diese Ausnahmen im Anfang der Langzeilen zu-
gelassen sind.
In den Fünf silbern ist Tahtivechsel gestattet: pacis quietem
und indulge clemens. Um so bemerkenswerther ist, daß in den
19 Siebensilbern, 7 u — , und in den 2 Achtsilbern, 8 u — , Itein Takt-
wechsel sich findet, wo er doch sonst in diesen Zeilen so häufig
ist. Hiate finden sich 2 schwere (lesu unigenite und qui es) in
der 1. Strophe, sonst nur zwei, also ziemlich wenige.
Die 3 Textquellen, das Missal, das Brevier Sp. 252 und das
Brevier Sp. 377, unterscheiden sich durchaus zu Gunsten des Missal-
textes. Dieser enthält alle 7 Strophen, das Brevier nur einen
Auszug von 4 Strophen; dann hat er in Str. 1 das richtige 'do-
minus', das Brev. dagegen das falsche 'domine'. Wiederum bietet
Br. 1 (Sp. 252) das falsche 'de' statt 'te' in Str. 2, dagegen Br. 2
(Sp. 377) die falsche Verdoppelung des 'quesumus' in Str. 7.
In Migne 86 (Brevier) Sp. 480 ist in dem Officium der Terz
am Donnerstag der 4. Fastenwoche ein Gebet eingesetzt, das ich
aus der Prosa hier umschreibe zum Lied:
12*
180 Wilhelm Meyer,
(no. 66) P r e c e s Indulgentiam postulamus • Christe exaudi.
P. Placare et miserere.
1 Eedemptorum pretium redemptor sanctiiica.
in cruce tua dele nostra crimina.
P. Placare et miserere.
2 Qui humana sustines iudicia innocens,
tua nos exalta iudicii gloria. P. Placare.
3 Qui de cruce inspicis matrem et discipulum,
tu nos de celo clementer iam respice. P. Placare.
Str. 1 redemptos? 2 sustines iudicia, innocens tua inter-
pungiren die Ausgaben tua nos : tu oder tui scheint besser.
Dies Lied hat dieselbe Einleitung und dieselbe Strophenform,
wie das vorige 'lesu unigenite'. Unter den 9 Siebensilbern findet
sich kein Achtsilber, aber unter den 3 Fünfsilbem vielleicht in
der 2. Strophe ein Sechssilber. Die Siebensilber sind nicht, wie
merkwürdiger Weise in dem Gedicht 'lesu unigenite' frei von Takt-
wechsel, sondern so wie meistens. Von den 9 Zeilen haben 5
trochäischen Takt, wie redemptorum pretium ; 4 wechseln den Takt
und betonen die zweite Silbe, wie: redemptor sanctifica und cle-
menter iam respice; ja in 2 Zeilen bilden die 2 Senkungen sogar
Wortschluß : iudicia innocens und iudicn gloria, welch daktylischer
Wortschluß sonst meistens vermieden wird.
Wie gesagt, als ich diese Verse entdeckte, erstaunte ich. Zu-
nächst weniger deßhalb, weil ich unter der Hülle der Prosa Verse
entdeckte, als vielmehr über die Art der dabei zum Vorschein
gekommenen Verse. Derartig gebaute Strophen finden sich durch-
aus nicht im 27. Bande der Analecta hymnica, in welchem Blume
die Reste der alten spanischen geistlichen Dichtung zu sammeln
versucht hat. Ja, ich darf sagen, solcher Strophenbau ist über-
haupt vor der Zeit der Sequenzen, also vor c. 900, im lateinischen
Europa fast unerhört.
Das veranlaßte mich weiter zu suchen und, was ich dabei
fand, steigerte mein Staunen noch weit mehr. Von den wenigen
Preces, welche in das mozarabische Missale (Migne 85) eingesetzt
sind, und von den sehr vielen Preces, welche in das mozarabische
Brevier (Migne 86), besonders in der Fastenzeit und an den zahl-
reichen Fastentagen (s. F^rotin, Sacramentar 1912, p. LIV), ein-
gesetzt sind, ist die größere Masse rythmisch verfaßt.
Diese Bußlieder bestehen zum Theil aus Gruppen ein und derselben
Kurzzeile, zum Theil aus kurzen Strophen, welche durch Ver-
über die rythmischen Preces der mozarabischen Liturgie. 181
bindung verschiedener Kurzzeilen gebildet sind, wie das vorgelegte
'lesu unigenite'.
Diese Strophenformen wieder zu erkennen hat mich, obwohl
ich in diesen Dingen einige Übung habe, oft ziemliche Mühe ge-
kostet und vielleicht kann manch Anderer weiter kommen als ich,
zumal wenn neues, handschriftliches Material zu Tage kommen
sollte. Um weitere Arbeiten zu erleichtern, habe ich eine Samm-
lung aller Preces bearbeitet und will sie bald veröffentlichen.
Darin werden die Preces durchgezählt sein. Dies sind die Nummern,
welche ich in dieser vorbereitenden Arbeit den hier mitgetheilten
Preces vorsetze.
Zuerst sollen Lieder hier mitgetheilt werden, die aus ein-
fachen Zeilen zusammengesetzt sind.
Brevier 981 B (no. 138): Agenda mortuorum.
Ähicidaria: Dens miserere
deus miserere
in peccatis eius.
Eeiteretur Deus miserere
1 2
Ecce nunc advenit Vos amici mei
dirae mortis dies sorores et matres
et hora extrema super nie dolentes
vitae ut cum eius ad dominum pie
patribus locatus supplices fundite
simul iam quiescat. dignas pro me preces,
P. Deus miserere. P. Deus miserere.
1, 4 Lorenzana u. Migne cum eis ; ahei' Ortiz cum eius. Dies
ist richtig. Die erste Strophe spricht der Priester, die zweite der
Todte. Dies ist auffallend; doch z. B. syrische Grrablieder bilden
Dialoge. Die Strophe ist aus 6 Sechssilbern mit sinkendem
Schlüsse gebildet (6x6_u). Die Form ist rauh; Reim wenig; in
2, 5 falscher Schluß; in 2, 4 und 5 Taktwechsel mit daktylischem
Wortschluß (dominum).
Brev. 584 A und 585 B (no. 88 u. no. 89):
3*. feria post dominicam in R-amis. Preces:
ad Tertiam ad Sextam
Parce lesu redemptor Parce lesu redemptor
et subveni redemptis et subveni redemptis
delens peccata nostra delens peccata nostra
P. Pretio sanguinis tid. P. Pretio sanguinis tui.
Ig2 Wilhelm Meyer,
1 Sacratae manus illae 1 Corpus nostrum, quod cruci
quae cruci sunt adlixae, affigi voluisti,
nos a delicto purgent te iudicante salva
P. Pretio P. Pretio
2 Vox quae oravit patrem, 2 Non iudices in ira,
ut hostibus parceret, pro quibus iudicatus
haec nos tibi commendet et alapis es caesus
delens peccata nostra delens peccata nostra
P. Pretio P. Pretio
3 Omni nos reple bono 3 Quorum peccata tuis
et fac carere malo, in humeris portasti,
ut satiemur omnes hos ne ruant custodi
P. Pretio P. Pretio
4 Hodie finem nostris 4 Hodie in nobis
pone Christe delictis, purga omnem fetoris
ut cras reficiamur sentinam et cras reple
(delens peccata nostra) delens peccata nostra
P. Pretio P. Pretio
(no. 88 Terz) Einleitung: et und tui hat WM aus no. 89
zugesetzt. 2, 3 Orti^ hoc; haec besserte Lorenzana 4, 4 del.
p. p. WM aus no. 89. {no. 89 Sext) : 1, 2 affigi d. h. ipse
2, 3 et alapis es WM, es al. es edd. (est cesus Ortü: dann 2, 4
dolens Ortü; Lorensana besserte). 4, 1 fehlt eine Silbe. 4, 2 Ortiz
hat', purgajöem fetoris sentiä; das verlas Lorenzana (Migne) zu:
purgationem foetoris sentiant; WM besserte.
(Form) Die Einleitung hat dieselbe Form wie die Strophen
des Liedes. Das ist oft der Fall, z. B. in dem vorigen Liede
no. 138. Das Lied besteht aus Siebensilbern mit sinkendem Schluß
(7— u). Der Bau ist ziemlich rauh. Li 88, 2 ist der falsche Schluß
pärceret zugelassen. Taktwechsel ist häufig, sowohl Delens pec-
cata nostra wie Pürga omnem fetoris. Reim oder Assonanz
meistens, nicht immer; einige Hiate. Schwierig ist die Gliede-
rung der Strophen. Es scheinen mir 2 Doppelstrophen vor-
zuliegen : Str. 1+2 und 3 + 4 ; am Schluß jeder Doppelstrophe,
also nach Str. 2 und nach Str. 4. wird der Refrän 'Delens peccata
nostra* pretio sanguinis tui* gesungen, dagegen am Schluß der
ersten Halbstrophen, also nach der 1. und 3. Strophe, wird nur
der Refrän Pretio sanguinis tui gesungen. Der Refrän Delens
p. n. würde z. B. nach der 1. Strophe von no. 88 nicht passen.
Allerdings ist ein so wechselnder Refrän aus andern altspanischen
Büßliedern mir nicht bekannt.
Die wichtige und häufige ambrosianische Zeile zu 8 Silben
über die rythmischen Preces der mozarabischen Liturgie.
183
mit steigendem Schluß, 8w«., der eigentliche Hynmenvers, findet
sich auch in den Bußliedern selbständig. Ich stelle 2 Beispiele
nebeneinander. Sie sind nach derselben Schablone gedichtet; beide
haben viel Reim oder Assonanz. Der Zeilenbau ist sehr ver-
schieden. In no. 107 scheint 3 Mal im Anfang eine Silbe zu fehlen ;
in no. 74 sind von den 16 Schlüssen 5 sinkend statt steigend.
no. 107: Brev. 669. no. 74: Brev. 512.
4* feria leiuniorum ante Pentec. 2* feria quintae domin. Quadrag.
ad Nonam. Preces: ad Tertiam. Preces:
Acclives te oramus Christe. parce nobis.
P. Et miserere.
1 Placare supplicantibus
salvator unigenite
nostrisque favens precibus
propitius inlabere
P. Et miserere.
2 Delicta nostra pandimus
scelera cognoscimus
extensis caelo manibus
veniam exposcimus.
P. Et miserere.
3 Remissionem omnium
tribue facinorum
concede indulgentiam
quam omnes a te postulant.
P. Et miserere.
4 Infirmos omnes visita
captivos redde patriae
oppressos cunctos alleva
benigna tua dextera.
P. Et miserere.
1 Qui in forma servi apparens
mundum salvare venisti:
reform a quod perierat
tuae crucis potentia.
P. Et miserere.
2 Qui mortem vincis moriens
et flagellaris innocens:
nos ab aeterno erue
suppliciorum dolore.
P. Et miserere.
3 Qui confitenti latroni
das requiem paradisi:
nobis da indulgentiam
per crucis tuae gloriam.
P. Et miserere.
4 Tu pro nobis vocem accipe
huius latronis domine:
memento nostri domine
et parce cum veneris ut iudices.
P. Et miserere.
Zu no. 74, 1, 1 in del 3, 2 vgl. Luc. 23, 43 amen dico tibi: hodie me-
cum eris in paradiso. 4, 1 Tu del ; 4, 4 et parce del. Vgl. Luc. 23, 42 de
latronibus . . alter . . dicebat ad lesum : Domine, memento mei, cum veneris in
regnum tuum.
Die Zeilen zu 8 Silben mit sinkendem Schlüsse, 8— u, sind
häufig und wichtig. In vielen ausländischen Gredichten sind diese
Achtsilber durch Caesur in 2 gleiche Viersilber (4_u + 4_u) zer-
legt : Stabat mater * dolorosa ; in Spanien ist das selten. Hier wird
meistens nicht einmal der trochäische Takt (cuius animäm dolentem)
eingebalten, sondern alle möglichen Taktwechsel zugelassen. Ich
gebe 2 Beispiele. Die einfachen Strophen von no. 142 bestehn
184: Wilhelm Meyer,
aas 4 Achtsilbern. Die Strophen von no. 36 sind künstlicher :
4u'j^, 8 — <^j 4— u, 8 — w, 5— u.
no. 142, Brevier 987 (Officium mortuorum, in tertio nocturno):
Abicidaria Miserere miserere
*" miserere illi deus.
malis eins finem pone
et dolentes consolare.
P. lam domine miserere.
1 Audite me omnes fratres
seu defunctorum matres :
ordo fratrum et sorores
pia voce eiulantes.
P. lam domine miserere.
2 Libera me de inferno,
tu filius dei patris.
propter temetipsum Christe
pone finem malis meis.
P. lam domine
3 Bona umbra nos tegebat,
quando arbor hie adstabat.
intus foris nos ornabat
et nos omnes gubernabat.
P. lam domine.
Einleitung : finem pone, pone et : so edd. 2, 2 filius W3I, fili Ortis Lor^
filii Migne In Str. 1 und 2 spricht der Todte (AbtV), in der Einleitung und
in Str. 3 die Brüder; vgl. S. 181 zu no. 138. Die Form der Einleitung ist der
Form der Strophen gleich, wie oft.
No. 36 : Brev. 354 4* feria secundae domin. Quadrag., ad tertiana,
no. 117: Brev. 715 1^ die ieiuniorum ante festum S. Cypriani,
ad nonam.
Tu misericors domine, eripe nos a flagello irae tuae. Propitiare.
P. Et miserere.
1 Ecclesiam* quam praeelegisti, defende*
sacerdotum- vota suscipe libenter* exaudi precem. P. Et mi.
2 Omnipotens' aeteme rector coelorum
summe deus* cerne gemitum ac fletum* praebe auditum. P. Et mi.
3 Seniores* iuvenes atque lactentes
dira morte* perimuntur in dolore* redemptor parce. P. Et mi.
4 Peccavimus* iniquitates commisimus'
tu redemptor * ablue omne delictum * solve reatum. P. Et mi.
Einleitung: no. 36 Et miserere nobis crhi. 3, 1 lactantes
MO. 117 4, 1 iniquitates nostras comm. 7io. 117 Die Strophe
über die rythmischen Preces der mozarabischen Liturgie. 185
besteht aus 2 Langzeilen: die erste zu 4w— + 8-_u, die zweite
zu 4_u + 8_u4-5_u; nur die 3. Strophe wechselt mit dem An-
fang 4 — u statt 4 ^ — Vielleicht hat auch der 2. Theil der Ein-
leitung 'Eripe nos* a flagello irae tuae* propitiare' die Melodie
der zweiten Langzeile. In 1, 1 ist wohl praeelegisti viersilbig
zu lesen; aber 4, 1 steht 9 — u statt 8— u.
Von den zusammengesetzten Zeilen finden sich hier
einige, welche im frühen Mittelalter nicht selten waren: ryth-
mische Senare (5_u4-7u— ) und sapphische Zeilen (5— u + 6_u).
In no. 82 (Brev. 555) finden sich Grruppen von 3 Senaren. Die-
selben dreizeiligen Gruppen mit derselben Einleitung finden sich
Brev. 255 (= 392) und Brev. 401 (= 728).
no. 82: Brev. 555 6* feria quintae dominicae in Quadra-
gesima (ad tertiam).
Preces. Miserere et parce, clementissime domine. populo tuo.
P. Quia peccavimus tibi.
1 De crucis throno* aspice nos miseros
et passionum* compeditos vinculis
nostris absolve* redemptor suppliciis. P. Quia.
2 Passus flagella* et crucis iniuriam
persecutorum • sustinens convicia
dona delictis* nostris penitentiam. P. Quia.
3 Qui iustus iudex* male iudicatus es
et poenas crucis* suscepisti innocens,
tu nos a poenis* nostris salva redimens. P. Quia.
4 Vox tua patrem* pro nobis expostulet,
quae silens fuit* olim ante iudicem,
ut te regnante* perfruamur domino. P. Quia.
Lehrreicher ist die Anwendung der sapphischen Zeile (5_u-f-
6— u) oder Strophe in no. 79 = Brev. 534, 4^ feria quintae do-
minicae Quadragesimae ad sextam.
Preces. Ad te redemptor* omnium rex summe
oculos nostros* sublevamus flentes
exaudi Christe * supplicantum preces
P. Et miserere.
1 Dextera patris* lapis angularis
via salutis * ianua celestis
ablue nostri* maculas delicti
P. Et miserere.
2 ßogamus deus ' tuam maiestatem:
auribus sacris * gemitus exaudi,
^QQ Wilhelm Meyer,
crimina nostra* placidus indulge
P. Et miserere.
3 Tibi fatemur" crimina admissa.
contrito corde* pandimus occulta.
tua redemptor" pietas ignoscat
P. Et miserere.
4 Innocens captus' nee repugnans duetus
testibus falsis* impiis damnatus,
quos redemisti* tu conserva Christe
P. Et miserere.
Die sapphische Form der Strophen ist klar; ebenso daß auch
die Einleitung eine sapphische Strophe bildet. Deßhalb habe ich
die Fehler des gedruckten Textes corrigiren können. Einleitung:
flentes WM : fluentes edd. supplicantium edd. I 1 Dextra edd.
4, 2 pro impiis edd. Während Reim oder Assonanz in Str. 1
reich angewendet ist und ziemlich viel davon in der Einleitung
und in Str. 3, findet er sich wenig in Str. 4 und noch weniger in
Str. 2; das ist altspanische Art.
Die Frage, wo hören die Kurzzeilen auf und wo beginnen die
Langzeilen, kann im Allgemeinen dahin beantwortet werden, daß
die acMsilbigen Zeilen die Grenze bilden. Die achtsilbigen Zeilen
mit jambischem Schlüsse wurden im 4. und 5. Jahrhundert einige
Male durch Caesur des 2. oder 3. Fußes in 2 Kurzzeilen zerlegt
(minister • altaris dei ; magnas caelesti • domino bei Prudentius und
Auspicius) ; später ist das kaum noch geschehen. Den Achtsilber
mit sinkendem Schluß theilt zuerst Hilarius in 2 gleiche Theile:
Gaudet aris* gaudet templis; Gaudet caeli* conditorem; und im
ganzen Mittelalter war diese Theilung sehr beliebt, oft gesetz-
mäßig. Aber Reihen von mehr als 8 Silben sollten immer durch
Caesur in 2 Kurzzeilen zerlegt werden. Zunächst kommen dabei die
Reihen von 9 Silben in Frage. Die alten Spanier waren ziemlich
rauhe Rythmiker. In dem Bußlied (no. 133), das ich zunächst
mittheile, ist der Neunsilber regelmäßig zerlegt; doch in den
nächst folgenden Liedern ist er entweder überhaupt nicht zerlegt
oder die Caesur wechselt.
no. 133: Brev. 970 B Sexta feria. Miserationes.
Domine • miserere nobis
Domine* miserere nobis
P. Et averte iram tuam a nobis.
1 Domine* audi lacrimantes
domine* veniam petentes. P. Et averte
2 Domine* pupillorum precibus
über die rythmischen Preces der mozarabischen Liturgie. 187
sabveni* misertus et clemens. P. Et averte
3 Domine* propter temetipsum
suscipe* singulorum preces. P. Et averte
4 Domine* ne spernas plebem
qui tuam* rogant pietatem. P. Et averte iram.
Eine stark abweichende Fassung stellt im Codex 1 von Silos
(bei Ferotin Sacram. Sp. 778). Eine Copie verdanke ich Ferotin's
Güte ; doch citire ich nur Einiges. Einleitung : a nobis fehlt in
Sil. 2, 1 Auffallend ist, daß nur die pupilli genannt werden
sollen; doch auch Sil. nennt nur orfanorum fletus. Im Gegensatz
zu 3, 2 singulorum preces erwartet man hier: populorum pre-
cibus. Seltsam ist, daß Brev. 541 D der Refrän lautet 'supplicanti
pupillo miserere', dagegen Brev. 411 B 'supplicanti populo Christe
miserer e' und 436 C 'populo tuo supplicanti miserere'. 4, 2 tuam
pietatem exquirunt Brev.; Silos hat: ne spernas plebem qui tuam
rogant pietatem. spernas : espernas ?
no. 32: Brev. 338 A 2* feria secundae domin. Quadr. ad tertiam.
no. 111: Brev. 682 B 6*^ feria ieiuniorum ante Pentec. ad tertiam.
Preces. Christe redemptor* pius animarum
exaudi gemitus llentium
P. Et miserere.
1 Ne derelinquas * plebem supplicantem •
exaudi precem et respice •
quae postulamus adtribue P. Et miserere.
2 Parce rogamus* parce tandem fessis*
moerores nostros laetiiica*
diffusam vitam iam revoca P. Et miserere.
3 Salvator noster* intuere terram*
coelestem largire pluviam,
ut victum nobis parturiat P. Et miserere.
4 Indulge nostrum* facinus horrendum*
quo te oifenso defecimus,
dimitte nobis hoc debitum P. Et miserere.
Der Text ist an beiden Stellen des Breviers gleich; nur 2, 2
hat Br. 682 memores (memor es Lorenzana und Migne) nostri. In
3, 3 haben beide Stellen des Breviers 'et victum n. p. gratia
tua', was ich geändert habe. Reim oder Assonanz ist reichlich.
Die Strophe ist gebildet aus einer sapphischen Zeile (5_u + 6_u)
und 2 Neunsilbern mit steigendem Ende (9u_). Von diesen Neun-
silbern können 6 nach der 3. Silbe Einschnitt haben, 2 nicht oder
7 können nach der 5. Silbe Einschnitt haben, 1 nicht.
j[33 Wilhelm Meyer,
Dieselbe Form hat das Bußlied no. 58: Brev. 418 (5* feria
tertiae dominicae Quadragesimae ad sextam). Einleitung und Refrän
sind dieselben. Die Form der 4 Strophen soll dieselbe sein. Die
sapphischen Zeilen sind gleich gebaut; doch als Neunsilber treten
folgende auf:
et cunctis dona indulgentiam
pro quibus pietatem postulamus
iterum in terram redigimur.
Auch no. 78 = Brev. 532 D (4* feria quintae domin. Quadr.
ad tertiam) ist nach derselben Schablone gearbeitet. Es sind eben-
falls 4 Strophen; jede Strophe besteht aus der sapphischen Zeile
und aus 2 Neunsilbern. Doch von den 8 Neunsilbern schließen nur
2 steigend, dagegen 6 schließen sinkend. Strophe 3 schließt alle
3 Zeilen mit i, Strophe 4 mit a; aber Str. 1 mit um um ur. Str. 2
mit am am a: ein Beweis für die Griltigkeit der Assonanz.
In den vorhergehenden Liedern hat die sapphische Zeile zur
Construction einer neuartigen Strophe gedient. Aach die ver-
wandte und berühmte alca ei sehe Zeile (5_u + 6u_) ist benützt
zur Construction einer neuen Strophenart, die öfter gebraucht ist.
no. 68: Brev. 491 6* fer. quartae domin. Quadr. ad tertiam.
Free es. Rogamus te rex saeculorum deus sancte.
P. lam miserere* peccavimus tibi.
1 lesu redemptor* qui solus victima
factus es mundo* patri gratissima
nos Clemens tu libera. P. lam
2 Quo moriente * terra contremuit
e monumentis' sepultos pariens
ad fidem credentium. P. lam
3 Qui in sepulcro* quiescis positus
tua quiete * mortuos refoves
inferna percutiens. P. lam
4 Qui sepulcrali* lapide clauderis
et resurgis custodibus nesciis*
purga nos a vitiis. P. lam.
Str. 3, 2 refovens V 4, 2 Die Caesur fehlt. Weßhalb hat der
gewandte Dichter sie nicht hereingebracht, indem er schrieb : custo-
dibusque* resurgis nesciis?
Eigentlich sind nur die Strophen von drei Senaten und die
sapphische Strophe nach älteren Mustern verfaßt. Schon die beiden
letzten Strophenarten, die aus der sapphischen Zeile und 2 Neun-
silbern und die aus 2 alcaeischen Zeilen und dem Siebensilber zu-
sammengesetzten Strophen sind neu gemacht. So kommen wir zu
über die rythmischen Preces der mozarabischen Liturgie. 189
der auffallendsten Eigentümlichkeit dieser Bußliederdichtung, der
Lust neuartige Strophen zu formen. Diese Strophen sind
nicht so umfangreich, wie die mancher Sequenzen, sondern stets
ziemlich kurz; allein die bekannten Kurzzeilen von 4—8 Silben
mit steigendem oder sinkendem Schlüsse sind in mannigfacher Weise
zusammengesetzt. Was hat bei diesen zahlreichen, ganz eigen-
artigen Zusammensetzungen der Kurzzeilen zu Langzeilen und zu
Strophen den Dichter geleitet? Das kann nur eine Melodie ge-
wesen sein, die der Dichtersänger sich entwarf und in beliebig
vielen Strophen in Worte setzte.
Schon zu Anfang dieser Untersuchung habe ich in no. 13 (lesu
unigenite) und no. 66 (Redemptorum pretium) die Form 7u_»
7u--, 5— u, 7u_ nachgewiesen; s. S. 178 u. 180. Ehe ich auf
andere Fragen über diese Bußliederdichtung eingehe, will ich noch
etliche künstlichen Strophenformen aus der trockenen Prosa der
Drucke wieder auferwecken.
no. 90; Brev. 593 C 4* feria domin. in Ramis palm. ad tertiam.
Preces. Tu pastor bone* qui pro ovibus
animam fZeposuisti
memento nostri. P. Placare et miserere.
1 Virtus perennis • sapientia
dei summi* verbum patris
memento nostri. F. Placare
2 Conditor rerum * vita omnium
dominator* angelorum
memento nostri. P. Placare
3 Tu dei agnus • tu pro nobis es
velut Ovis* immolatus
memento nostri. P. Placare.
4 Innocens captus* caesus colaphis
latronibus * C2rc?«»idatus
memento nostri. P. Placare
0 Qui solus mortem • nostri criminis
tua morte* devicisti
memento nostri. P. Placare.
Die Drucke haben in der Einleitung -posuisti' und Str. 4, 2
datus; ich änderte. Die Einleitung hat dieselbe Form, wie die
Strophen, nemlich 5_u, 5u_^; 4_u, 4_u; 5-^u.
no. 38: Brev. 362 C 5* feria secundae domin. Quadr., ad tertiam.
no. 118: Brev. 718 2^ die ieiuniorum ante festum S. Cy-
priani, ad tertiam.
190 Wilhelm Meyer,
Preces Fac nobiscum domine misericordiam,
da veniam, dona indulgentiam
P. Et miserere placatus.
1 Omnipotens ingenite, unigeniti
genitor sanctissime,
precem nostram suscipe. P. Et miserere
2 Parce rogamus omnibus aegrotantibus,
adsiste lugentibus.
indulge penitentibus. P. Et miserere
3 Animas quiscentium, sancte domine,
ab inferno erue,
paradiso restitue. P. Et miserere
4 Christe, qui coelos possides mundum redimens,
tu deus clementissime
peccata nostra ablue. P Et miserere
In Str. 2, 2 hat Br. 362 parce rogantibus, Br. 718 parce aegro-
tantibus ; ich habe dies ^parce' weggelassen. Reim und Assonanz ist
reichlich. Die Strophenform ist 8 u _ , 5 u _ , 7 (8) u _ , 8 (7) u —
Die 3. Zeile hat 8u_ nur in Str. 4; die 4. Zeile hat 7u_ nur
in Str. 1.
no. 84: Brev. 562 D Sabbato quintae dominicae Quadr., ad tertiam.
no. 173: Brit. Mus. 30846 (= L) f. 147* 5» feria ieiuniorum
ante Pentecosten, ad sextam.
Im Brevier stehen Einleitung und Strophe 13 5 6; in L:
Einleitung und Strophe 12 3 4.
Preces Verus dei filius Christe,
P. Exaudi' populo supplicanti miserere.
1 Qui triumpho crucis tuae
salvasti solus orbem*
tu crucis tuae pena nos libera. P. Exaudi
L hat triumbo, salbasti, crucis tui penas; Br. hat lythmisch richtig: tu
cruoris tui pena. Dann L : libera exaudi ppli , dagegen Brev. stets : P. Et
exaudi.
2 Qui delicta nostra cruci
conpassus adfixisti
et mortis nostre ruinam portas daram ex.
steht nur in L
3 Qui moriens mortem damnas
resurgens vitam praestas
sustinens pro nobis penam indebitam. P. Exaudi
L: resurges, prestas, indeuitam. ex
über die rythmischen Preces der mozarabisclien Liturgie. 191
4 Vestis tue sacro tactu
nos terge a reatu
et ligno crucis beate nos protege. ex.
L hat tacto, arreatu.
5 Passionis tuae dies
celebremus indemnes,
ut per hoc (hos ?) dulcedo tua nos foveat. P. Exaudi
6 Pro qaibus passus es crucem,
non permittas perire,
sed per crucem duc ad vitam perpetuam. P. Exaudi
Beim ist meistens reichlich vorhanden. Die Form der
Strophe ist klar: 8._u, 7— u, 8_u, 4u — Dagegen die Einlei-
tung und der Eefrän sind nicht sicher. Vor anderer Strophenform
steht Brev. 411 B : Yerus deus misericors. P. Supplicanti populo,
Christe , miserer e ; und der ßefrän : P. Supplicanti. Dagegen
Brev. 541 D : Verus deus misericors. P. Supplicanti pupillo mise-
rere, und der Eefrän: P. Supplicanti.
Dagegen Brev. 436 C steht genau dieselbe Strophenform und
sehr ähnliche Einleitung:
no. 56: Brev. 436 C Sabbato tertiae domin. Quadr., ad tertiam.
Preces. Verus deus filius dei Christe,
P. Exaudi et populo tuo supplicanti miserere.
1 Propter temetipsum deus
inclina aurem tuam
ad orationem nostram misericors. P. Exaudi
nostram habe ich zugesetzt; in den Drucken fehlt es.
2 Precibus adesto nostris
et cuncta quae rogaris,
dona afEuenter nobis placabilis. P. Exaudi et populo
3 Parce iam summe redemptor
indulge exoratus
et petitiones supple propitius.
P. Exaudi et populo tuo supplicanti miserere.
Die freie Strophenfindung ist der interessanteste, aber auch
der schwierigste Punkt bei dieser Bußliederdichtung. Sie wird deß-
halb noch mehrfach besprochen werden müssen. Jetzt sind einige
andere Eigentümlichkeiten dieser Dichtung zu erwähnen.
Beliebt waren in der alten rythmischen Dichtung die Akro-
sticha. In den Bußliedern finde ich nur die simpelste Art der
Akrosticha, nemlich die ABCdarien.
no. 57: Brev. 437/8. Sabbato tertiae dominicae Quadr., ad sextam.
192 Wilhelm Meyer,
Preces. Ad te clamantes P. Dens exaudi.
Afflictos corde P. Deus exaudi IVIala paventes P. Deus exaudi
Bellis attritos P. Deus exaudi Noxam deflentes P. Deus exaudi
Confractos malis P. Deus exaudi Optantes pacem P. Deus
De tuis celis P. Deus exaudi Pulsantum voces P Deus
Flentium voces P. Deus exaudi Qui solus vivis P Deus
Gementum corda P. Deus exaudi Rex omnis terrae P Deus
Onere pressos P Deus exaudi Simul rogamus P Deus
In te sperantes P Deus exaudi Te deprecamur P Deus
Lugentes mala P Deus exaudi Voce et corde P Deus
Orti^ Uelis statt Bellis Confractis eäd. Gementium edd.
Onere, d. h. Honere. Pulsantium edd. Die Form ist die gewöhn-
liche der Litanei: 2 Adonier = Säncta Maria: öra pro nöbis. In
dem ABCdar bei Ferotin, Liber Ordinum Sp. 114 beginnt die Reihe
mit Ad te clamantes exaudi Christe, was hier die Einleitung bildet-
dann kommt bei Ferotin unter C und G der Ausdruck vor *rex
omnis terrae'. Ausgefallen ist hier nur die E- Reihe. Solche
ABCdarien sind in den Bußliedern meistens nur Bruchstücke und
geben so oft Zeugniß für die schlechte Überlieferung, in der diese
Dichtung uns vorliegt. Ein Beweis hierfür ist zunächst das Buß-
lied:
n 0. 9 : Brev. 198 D (tertia feria post octavam Epiphaniae, ad
tertiam), das in den Drucken so lautet: Preces. Exaudi nos,
Deus. P. Exaudi. V. Ad te clamantes, Deus. P Exaudi. V. Bone
Redemptor Deus. P. Exaudi. V. Contritos corde, Deus. P Exaudi.
V. De tuis coelis, Deus. P Exaudi. Dieser Text ist nach no. 57
also abzucorrigiren :
Preces. Exaudi nos (, deus?) P. Deus exaudi.
Ad te clamantes P Deus exaudi.
Bone redemptor P Deus exaudi.
Contritos corde P Deus exaudi.
De tuis coelis P. Deus exaudi.
Mitunter bildeten die Anfangsbuchstaben der Strophen ein ABC-
dar. Im Verlauf dieser Untersuchung werde ich mehrere Bruch-
stücke eines einzigen solchen ABCdars nachweisen können. Akro-
sticha, deren Buchstaben ein Wort oder mehrere Wörter bilden,
habe ich in den Büßliedern nicht gefunden. Das einzige Beispiel,
das also gebildete Wort PASSIO, wird später besprochen werden.
(Wechsel der Silbenzahl). Schon (S. 179) habe ich zu dem
Gedichte no. 13 Jesu unigenite bemerkt, daß im Anfang der ersten
Langzeile statt des Siebensilbers zwei Male ein Achtsilber stehe
wie : Tranquillitatem temporum, und ebenso^im Anfang der zweiten
über die rythmischen Preces der mozarabischen Liturgie. 193
Langzeile statt des Fünfsilbers Pacis quietem drei Mal ein Sechs-
silber, wie: Da peccatis finem. Dieser bedenkliche Fall ist nicht
häufig, aber er scheint sicher auch sonst vorzukommen. So in:
no. 2 = Br. 158 (1): primo die ieiuniorum kal. Januarii, ad sextam.
no. 19 = Br. 275 (2): 2* feria primae domin. Quadr., ad sextam.
Preces. Ad te clamamus domine.
P. Precamur ut exaudias.
1 Audi vocem supplicum
et da vitae remedium. P. Precamur.
2 Causas peccati amove
et da locum veniae. P. Precamur.
3 Da nobis auxilium,
quod superet periculum. P. Precamur.
4 Audi deus viduas
et orphanorum lacrimas. P. Precamur.
Br. 2 hat stets den vollen Kefrän: Precamur ut exaudias.
3 quod superet Br. 2 : qui tollis Br. 1. Reim schließt alle Kurz-
zeilen ; allein die also sicher gestellten Zeilen zeigen 3 Mal 7 u _
+ 8 u _ Silben, 1 Mal, in der 2. Strophe, 8 u _ -f 7 w _ Silben. Nach
der Einleitung von 8u_ + 8u_ = 16 Silben, sollte man gleiche
Strophen erwarten, nicht solche zu 15 Silben.
Seltsamer wird die Sache, wenn man no. 6 = no. 21 (Brev.
169 = 284) betrachtet. Einleitung und E,efrän ist durch dieselben
zwei Achtsilber gebildet. Dagegen die 4 Strophen sind einerseits
sehr ähnlich, anderseits nach der andern Richtung verschieden:
1 Christe reden^ptor omnium
exaudi preces supplicum. P. Precamur.
2 Concede nobis donum gratiae
et fructum penitentiae. P. Precamur.
3 Remove a nobis gladium
famem et pestilentiam. P. Precamur.
4 Solve delicti piaculum
et dona indulgentiam. P. Precamur.
Die einzige Textverschiedenheit findet sich in Str. 4, wo Brev.
284 hat: delicti periculum. Hier seheint doch die Strophenform
richtig zu sein, welche die Einleitung und die 1. Strophe bieten,
nemlich 2 ambrosianische Achtsilber. Aber die folgenden Strophen
zeigen 2 Zeilen zu 9 und 1 zu 10 Silben. Da ist doch wohl in
Str. 2 'nobis', in 3, 1 'a' zu tilgen und in 4, 1 zu schreiben : solve
delicti vinculum; vgl. Brev. 206 D: delictorum vinculis absolve nos,
domine.
Einen ähnlichen Fall bietet zunächst das Bußlied:
Kgl. Ges. d. Wiss. Nachrichten. Phil-hist. Klasse. 1913. Heft 2. 13
194 Wilhelm Meyer,
no. 50 = ßrev. 409 D: 4* feria tertiae domin. Quadr., ad tertiana.
Preces. Penitentiam agimus pro malis nostris.
P. Tu Christe miserere: peccavimus.
1 Patris dextera virtus sapientia,
placatus da veniam. P. Tu Christe miserere
2 Gremitus omnium attende domine ;
quae petimus, tribue. P. Tu Christe miserere
3 Nos peccavimus, nos inique egimus,
nos impie gessimus. P. Ta Christe miserere
4 Vitam et veniam dona propitius
et parce penitentibus. P. Tu Christe miserere.
Str. 3: vgl. Brev. 346 C u. 713 A: Nos peccavimus, nos inique
egimus, nos impie gessimus.
Die Strophenform ist : 12 u __ -f 7 u — Aber die Langzeile 12
u__ besteht in Str. 1 und 3 aus 5u_ + 7u_, in Str. 2 und 4 aus
6 v^ _ + 6 u Dagegen bei Ferotin, Liber ordinum Sp. 114 lautet
die Zeile stets 5u_ + 7u_: 'Rex altissime et perennis domine'
und verlängert , in Brev. 166 und 293 B: 5w_4-7u_ + 7u_-|-
3 u -_ : Rex altissime et perennis domine precem quam eiFun-
dimus accipe. Vgl. unten S. 196 zu no. 81 = Br. 542. Also
ist eine kleine Verschiedenheit der Kurzzeilen, um eine Silbe mehr
oder weniger oder eine wechselnde Caesur der Langzeile in diesen
Bußliedern nicht gemieden, wenn auch nur selten zugelassen.
( W örter zählende Rythmen). In der Abhandlung 'Spa-
nisches zur Geschichte der ältesten mittellateinischen Rythmik (in
diesen Nachrichten 1913) habe ich seltene r^-thmische Zeilen nach-
gewiesen, in denen nicht die SUben, sondern die gewichtigen Wörter
gezählt werden. Daselbst habe ich (S. 156) aus der Wiener, aus
Mainz stammenden, lateinischen Hft 1888 f. 109 Treces ante al-
tare prima die' gedruckt, welche schon Martin Grerbert, Monumenta
veteris liturgiae Alemannicae II S. 89, gedruckt hatte, und habe
notirt, daß der Anfang sich auch im mozarabischen Brevier findet,
nemlich :
no. 5 = Brev. 167 A: 2^ die ieiuniorum kal. Januar., ad sextam.
no. 23 = Brev. 294 C: 4* feria primae domin. Quadr., ad tertiam.
Preces Clame^mus omnes una voce* P. Domine miseröre.
1 Amdra nobis est vita nöstra. P. Domine miserere.
Delicta d^^le, pacem conc^de. P. Domine miser(^re.
3 Inclina aürem tuam ad pr(5cem nostram. P. Domine miserere.
Pärce delictis et sübveni de ca^lis. P. Dömine miserere.
Die Einleitung und Z. 1 und 2 stehen in der Wiener Hft, wo
über die rythmischen Preces der mozarabischen Liturgie. 195
aber noch 8 andere Zeilen stehen. Mit Z. 2 vgl. Brev. 194 pacem
concede ; Br. 202 D Concede pacem . . Delicta dele , veniam con-
cede. Die neuen Zeilen, 3 und 4, sind nicht unverdächtig.
Die Frage ist nun, ob in dem mozarabischen Brevier noch an-
dere Preces zu finden sind, welche diesen seltenen rythmischen Bau
haben. Einige kleinere Preces der Art habe ich gefunden ; sie be-
stehen aus Langzeilen, deren 2 Kurzzeilen je 2 gewichtige Wörter
enthalten.
n 0. 8 = Brev. 194 : 2* feria post octavam Epiphaniae, ad tertiam.
Die Ausgaben bieten hier den Text: Freces: Alius non est,
qui rogetur, pie Domine : Vs. (versmdus) Alleva iugum, coUa pre-
mentum inclina. P. Pie, bella reprime, pacem concede. Vs. Cap-
tivos eripe, demersos erige. P. Pie, bella. Vs. Dona veniam,
praesta gratiam, pie Domine, Reiteret ur ])yimus Vs. Preces sciUcet:
Alius non est. Dies ist also umzuschreiben :
Preces. Alius non est qui rogetur. P. Pie domine.
1 Alleva iügum cöUa prementem. P. Pie
Bella reprime pacem concede. P. Pie
3 Captivos eripe demersos erige. P. Pie
Dona veniam praesta gratiam. P. Pie dömine.
Einleitung: vgl. Brev. 210D: Non est alius, P. Nisi tu deus,
Vs. Qui orari possit. 1 vgl. iugus, i. Form: abgesehen von
der Einleitung finden sich :3x5u^, 3x5_u, 2x6u_; aber
stets 2 voll betonte Wörter und weder Zeilen wie periculorum
noch wie praesta pacem bönam.
Derselbe Rythmus scheint auch im folgenden Bußlied ange-
wandt zu sein:
n 0. 1 2 = Brev. 210 D : 6* feria post octavam Epiphaniae, ad tertiam.
no. 136 = Brev. 976 B Officium infirmorum, ad tertiam:
Preces. Non est alius P. Nisi tu deus
1 Qui orari possit P. Nisi tu deus
Qui misereri possit P. Nisi
3 Qui contritos sanet P. Nisi
Qui infirmos visitet P. Nisi
5 Qui captivos liberet P. Nisi
Beiteretur Non est alius.
Außer der Zeile 5u_ findet sich 2x6_u, 2x7 u_, 1 x: 7
_w; aber stets nur 2 voll betonte Wörter. 1 Quae or. poscit
und 2 poscit Brev. 1.
Weil diese Art des rythmischen Zeilenbaus sehr selten ist,
will ich noch einige unsicheren Beispiele besprechen, obschon ich
dabei über den Rahmen dieser Untersuchung hinausgehe.
13*
196 Wilhelm Meyer,
no. 135 = Brev. 970 C Horae canonicae. In tempore tra-
ditionis domini Miserationes.
Deus miserere deus miserere miserere deus miserere.
P. Christe miserere.
1 3
Tu caecis lumen Audi viduas
surdis auditum rege pupillos.
3 mütis elöquium (Srphanis et vinctis
atque claüdis gressum fidelibus cunctis
virtus debilium. solamen tribue.
2 4
Tu pastor et ovis Adtende et audi
in (tu?) via salutis precantes sübveni
tu pässus pro nobis furorem remove
tu Victor perennis praesidium praebe
Christe parce nobis. redemptor aeterne.
Der Güte Ferotin's verdanke ich (n o. 15 6) die Copie der Hft
Silos 1 f. 108, welche er Sacramentar Sp. 778 erwähnt hat. Es
sind 6 Strophen, von denen die beiden ersten mit 2 obigen stimmen :
(2) Tu pastor et obis, tu viam salutis, tu victor perennis, tu tra-
ditus pro nobis, Christe parce nobis. (1) Tu cecis visum, tu
surdis auditum, tu mutis elöquium adque claudis gressum, Christe
dei filius. Die 4 neuen Strophen haben in jeder Zeile 2 Wörter.
In der obigen Einleitung ist wohl zwischen den beiden miserere
ein deus einzuschieben, so daß die Einleitung, wie die Strophen,
aus 5 Kurzzeilen besteht. In den Strophen finden sich folgende
Kurzzeilen : lx5u_, 4x5_u, 5x6u-_; 10x6_w. Davon
hat nur Christe parce nobis 3 betonte Wörter; 'atque claudis
gressum' und 'orphanis et vinctis' sind unsicher. Alle andern
Zeilen bestehen aus 2 gewichtigen Wörtern.
no. 8 1 = Brev. 542/3. 5* feria quintae domin. Quadr., ad sextam.
Preces. Penitentiam agimus pro malis nostris.
P. Tu Christe miserere: peccavimus.
1 Qui ut Ovis ad victimam düctus es dömine,
clementer nos protege. P. Tu Christe
2 Qui crücem pateris et sepülcro elauderis,
sdlva nos a vitiis. P. Tu Christe
3 Quo in cruce moriente terra contremuit,
trem^ntes nos respice. P. Tu Christe
4 Ut tüa in morte consepulti domine
vivämus perönniter. P. Tu Christe.
über die rythmischen Preces der mozarabischen Liturgie. 197
Str. 3 Qui in cruce moriente te terra edd.: ich änderte; vgl. oben S. 188
no. 68 = Br. 491 Str. 2 Quo moriente terra contremuit.
Die Form dieses Bußliedes muß verglichen werden mit der von
no. 50 = Brev. 409, das oben (S. 194) gedruckt ist. Die Ein-
leitung und der Refrän haben denselben Wortlaut ; auch der Schluß
der Strophe besteht hier wie dort aus 7u — Aber die erste Lang-
zeile ist verschieden. In no. 50 besteht sie zweimal aus 5u_ +
7^^_, zweimal aus 6w_4-6u — Dagegen hier in no. 81 besteht
sie in Str. 1 aus 8u_+6u_, Str. 2 aus 6u-. + 7u — , Str. 3 aus
8_u + 6u— und in Str. 4 aus 6_u + 7vj — Ein einheitlicher ryth-
mischer Bau ergibt sich nur, wenn wir beachten, daß die 12 Kurz-
zeilen von no. 81 stets 2 gewichtige Wörter enthalten. Von sich
aus hat der Dichter die weitere Schranke aufgerichtet, daß die
letzte Kurzzeile stets 7 Silben zählen soll. In no. 50 variiren
die beiden Kurzzeilen der ersten Langzeile in der Silbenzahl (5 + 7
oder 6 + 6), doch die gesamte Silbenzahl der Langzeilen ist stets 12.
Die Kurzzeilen der 5 zuletzt besprochenen Lieder hatten un-
gleich viel Silben und auch ungleiche Schlußcadenz. Ein anderer
Fall gibt sich in dem folgenden Gredicht. Die gewöhnlichen, Silben
zählenden Zeilen haben geregelte Schlußcadenz, aber im Anfang
der Zeilen fallen die Wortaccente, wie sie eben können: meistens
mit der Wellenbewegung der vollen Accente oder der Nebenac-
cente 'mala nostra siiperet', 'remove propitius' oder 'peccatörum
veniam'; minder oft mit Taktwechsel, so daß 2 Senkungen sich
folgen: 'auditum piissimum', 'quae pöscimus tribue'. Fast immer
sind Zeilen der beiden Arten gemischt.
Ich habe schon bei no. 13 (oben S. 179) als auffallend hervor-
gehoben, daß unter den 21 Sieben- und Achtsilbern dieses Gedichtes
keine Zeile mit Taktwechsel sich findet. Viel auffallender ist das
folgende Gedicht, weil von seinen 8 Siebensilbern jeder Takt-
wechsel hat.
no. 49 = Brev. 402. 3* feria tertiae domin. Quadr., ad sextam.
no. 123 = Brev. 730. 2" die ieiuniorum ante s. Martini, ad sextam.
Preces. Misericors domine exaudi supplices.
P. Et miserere.
1 Excelse perpetue quae poscimus tribue. P. Et miserere.
2 Auditum piissimum inclina oräntibus. P. Et miserere.
3 Virtiitis praesidio redemptor defende nos. P. Et miserere.
4 Superna potentia peccatis da veniam. P. Et miserere.
Die 2. Str. fehlt Br. 730. Hier ist stets die 2. Silbe, nicht
die 1., voll accentuirt. Das kann eine charakteristische Melodie
veranlaßt haben, die starken Ton auf die 2. Silbe legte. Allein
198 Wilhelm Meyer,
sonst ist im Zeilenanfang von einem Einfluß der Melodie nichts zu
merken: nach derselben Melodie werden die Zeilen ohne und die
mit Takt Wechsel gesungen.
Die Überlieferung der Preces.
Ich suchte und untersuchte die Preces im mozarabischen Mis-
sale und Brevier zunächst in der Ausgabe von Migne, Band 85 und
86, dann in der ersten Ausgabe von Ortiz , Toledo 1502 , und in
der von Lesleus (Missale 1755) und von Lorenzana (Brevier 1775).
Die Drucke stimmen überall eng überein. Alle Preces sind als
Prosa gedruckt. Für viele Fragen erwartete ich hauptsächlich
Antwort aus den Handschriften. Da erschien 1912 das von
Ferotin bearbeitete mozarabische Sacramentar, dem Ferotin Sp.
673—964 unter dem Titel Les Manuscrits Mozarabes eine
Aufzählung und Inventarisirung der Handschriften der mozarabi-
schen Liturgie beigegeben hat, die sein unermüdlicher Eifer hat
aufspüren können.
Natürlich studirte ich dieses Inventar mit Eifer, um die
Quellen zu finden, aus denen Ortiz die Preces geholt hat. Doch
leider vergeblich. Das Meiste hatte ich erhofft von Toledo
35, 2 (Ferotin 688 — 690) Officia feriarum in Quadragesima' : doch
hier fand ich keine einzige der Precesformeln. Fast ebenso viel
Hoffnung setzte ich auf Toledo 35, 5 (Ferotin 722 — 735) Varia Of-
ficia et Missae, zumal da Ferotin Sp. 738 selbst bemerkt, daß diese
Hft 'a servi de base au travail des editeurs du missel, pour les
messes du Careme jusqu' au mardi de la fete de Päques\ Doch
außer wenigen Preces der Sonntage der Fastenzeit war auch hier
nichts zu finden. Das Ergebniß ist: die Quelle, aus der Ortiz
die Preces geschöpft hat, ist verloren oder noch nicht
wieder gefunden. Bis jetzt ist der Druck des Ortiz die ein-
zige oder die weitaus wichtigste Quelle.
Die von Ortiz gedruckten Precesformeln müssen auf eine Fa-
brik und auf einen Grundstock zurückgehen, der von Ortiz oder
einem mittelalterlichen Redactor des mozarabischen Breviers aus-
genützt worden ist. Die wenigen Precesformeln des mozarabiscben
Missais sind (außer 2) alle auch in 1 (oder 2) Gottesdienste des
Breviers eingesetzt, aber dabei meistens gekürzt worden. Wie-
derum war die vorhandene Preces -Masse nicht genügend, um alle
Bußtage des Breviers mit einer besonderen Precesformel auszu-
statten. Also half man sich etwa wie mit den Hymnen. Von be-
stimmten Festen ab wird einfach die Preceskette einer früheren
Reihe von Bußtagen wiederholt. So kommt es, daß die meisten
über die rythmischen Preces der mozarabischen Liturgie. 199
Precesformeln an 2 Stellen, einzelne sogar an 3 Stellen des Bre-
viers gedruckt sind. Bei dieser Wiederholung wurde der Text
ziemlich genau copirt. Das beweist aber nicht, daß dieser Text
besonders gut sei; in dem ausgenützten Grundstock von Preces-
formeln kann Vieles weggelassen, Vieles geändert gewesen sein.
Aber die vielen von Ferotin beschriebenen Hften bringen doch
hie und da eine Precesformel. Das beweist, daß zur Zeit als diese
Hften geschrieben wurden, rythmische Preces vorhanden waren.
Ein neues Bußlied habe ich in diesen Hften so gut wie nicht ge-
funden. Allein aus solch anderweitiger Überlieferung l^rnt man
doch die Texte, welche Ortiz liefert, beurtheilen. Ich gebe also
noch einige Bußlieder in ihrer verschiedenartigen
Überlieferung. Das ist ja eine unerfreuliche Arbeit ; aber nur
so kann man diese räthselhafte Dichtung etwas genauer beur-
theilen.
no. 54 = Brevier 427 C. 6* feria tertiae domin. Quadr., ad tertiam.
no. 146 = Missale 336 B. tertio dominico Quadr., ad missam.
Die Überlieferung theilt sich in 2 Aste : 1) das Missale, 2) das
Brevier. Das Missale hat die Einleitung 'Rogamus', dann die
Strophen : Audi Bone Emitte Fertilitatem Indulge (Assistant) Ge-
mitus Hanc. Dagegen das Brevier hat die Einleitung 'Roga-
mus', dann die Strophen: Audi Indulge Ne und Omnes.
Zuerst ist die Missalüberlieferung etwas zu klären. Nach der
Strophe Indulge folgt in der Ausgabe des Lesleius (1775, p. 117)
und bei Migne 86, 336 sofort die Strophe Gemitus. Aber bei Mar-
tene, der im Tractatus de antiqua ecclesiae disciplina, 1706 p. 182,
diesen Text aus der ersten Ausgabe abgedruckt hat, steht eine
Strophe, welche ich dann, als ich mir aus dem Londoner Exemplar
das Blatt CXVII hatte photographiren lassen, auch in der ersten
Ausgabe des Ortiz wieder fand. Also war die Strophe offenbar von
dem Setzer des Lesleus ausgelassen worden, indem sein Auge von
dem Schluß der Strophe Indulge: 'tu libera' auf den Schluß der
Strophe Assistant: 'nos libera' gesprungen war; natürlich fehlt
das Stück dann auch bei Migne , der ja nur die Ausgabe des
Lesleus abgedruckt hat. i^ber, damit die Schwierigkeiten kein
Ende nähmen, der neue Text gab keinen Sinn. Er lautet bei Or-
tiz : Y(ersiculiis) Assistant bona : discedant hostes. pessime in-
cumbunt clades inopia. tu Christe nos libera. p. Jam. Martene
interpungirt : Assistant bona, discedant hostes; pessimae incum-
bunt etc. Allein damit kommen keine alcaeischen Zeilen zu Stande.
Zwei Wörter sind umzustellen und es ist zu schreiben :
200 Wilhelm Meyer,
Assistant bona* discedant pessima*
hostes incumbunt ' clades * inopia.
Ich gebe nun zuerst den Text von no. 146, der Fassung im
Missale. Davon fand ich auch in der Handschrift Toledo 35,5
die Einleitung und die Strophen 1 — 7.
Et hae (be Ortiz ^ hie Lesl. Miyne) sequentes preces dicantur
modo ut dictum est in primo dominico quadragesi. foli. XCIIII.
Davon steht nicJiis in Toi. 35. 5.
Preces. Eogamus te rex seculorum deus sancte.
(P.) Jam miserere. peccavimus tibi.
Dieselbe Einleitung steht z. B. in no. 68 = Brev. 491 (oben
S. 188). Dort und im Brevier hier steht P., welches im Miss, hier
fehlt.
1 Audi clamantes * pater altissime
et quae precamur* clemens attribue.
exaudi nos domine. P. Jam miserere
2 Bone redemptor* supplices quaesumus
de toto corde* flentes requirimus.
adsiste propitius. P. Jam
Toi. 35, 5 hat te toto, was icohl richtig ist.
3 Emitte manum* deus omnipotens
et invocantes ' potenter protege
ex alto piissime. P. Jam
4 Fertilitatem * et pacem tribue
remove bella* et famem cohibe,
redemptor sanctissime. P. Jam
remobe Toi So, 5 famen Ortiz.
5 Indulge lapsis* indulge perditis.
dimitte noxam* ablue crimina,
acclines tu libera. P. Jam
noxam Brev. : noxia Missale. acclines Maiiene Lesleus : accliues Brev.
und Ortiz im Miss. libera Miss.: subleva Brev.
6 Assistant bona* discedant pessima.
hostes incumbunt* clades inopia:
tu Christe nos libera. P. Jam
Steht nur im Miss, von Ortiz und daraus bei Martene; ist ausgefallen bei
Lesleus und Migne ; s. oben. discedant hostes pessime ine. Ortiz und (pessi-
mae) Martene.
7 Gemitus vide* fletus intellige
extende manum* peccantes redime,
salvator omnipotens. P. Jam
Martene hat geändert: 'flectus intellige' und 'precantes' Mit redime
schließt unvollständig die Strophe bei Ortiz, Martene, Lesleus und Migne. Nur
über die rythmischen Preces der mozarabisclien Liturgie. 201
die Hft Toi. 35,5 hat den richtigen Schluß: Salbator omnipotens. iam. Dann
folgt hier das Gebet Exaudi orationera etc.
8 Hanc nostram deus * hanc pacem suscipe
supplicum voces' placatus suscipe
et parce piissime. P. Rogamus
'pacem suscipe' ist unrichtig, da auch die nächste Zeile mit suscipe schließt ;
ob precem accipe ? vgl. no. 4, 1 precem accipe ; no. 38, 1 precem nostram suscipe.
Rogamus, nicht *Jam'; die ganze Einleitung wird wiederholt.
IL Das Brevier (no. 54 = Sp. 427C) enthält:
Preces. Rogamus . . . tibi. Audi . . miserere
Indulge . . noxam . . accliues tu subleva. P. Jam miserere
Ne recorderis* nostra facinora
sed indulgendo' nos omnes adiuva.
prostratos tu releva. P. Jam miserere
Omnes in unum* te sancte poscimus.
quae postulamus* tu dona largius,
exaudi propitius. P. Jam miserere; peccavimus tibi.
Unzweifelhaft stammen die beiden Bußlieder, sowohl no. 146,
wie no. 54 aus einem Grrundstock, dessen Strophen ein ABCdar
bildeten. Aber wie ist es diesem Grundstock ergangen 1 In no. 146
endet das ABC mit H: die Strophen C und D sind weggelassen
und die Strophe I ist umgestellt; und wie steht es mit der stö-
renden Strophe Assistant ? ist sie später zugedichtet ? In no. 54
des Breviers ist von den mit B — M anfangenden Strophen nur die
Strophe Indulge aufgenommen ; alle andern weggelassen. Das laßt
ahnen, welch verstümmelten Reste dieser Bußliederdichtung uns
erhalten sind.
Sonst halte ich es für die erste Pflicht des Philologen, die Gre-
danken des Dichters zu verfolgen, wie sie von Strophe zu Strophe
sich verbinden und sich entwickeln. In diesen Bußliedern habe ich
das fast aufgegeben. Man kann die Strophen umstellen, wie man
will; man kann anfangen, man kann aufhören, wo man will. Die
Lieder bestehen fast immer nur aus einzelnen Nothschreien.
Die rythmische Form der Strophen ist schon S. 188 bei no. 68
= Brevier 491 besprochen: zwei alcaeische Zeilen zu 5 _w + 6u —
werden durch einen Siebensilber mit steigendem Schluß zu einer
Strophe zusammengeschlossen.
Schlimmere Verschiedenheiten zeigt die Überlieferung des fol-
genden Liedes.
I no. 110 = Brev.678. 5* feria ieiuniorum ante Pentec, ad sextam.
II no. 171 = Brit. Mus. 30846 (Z), f. 140^ (Ferotin Sacram. Sp.
865) 4* feria ante Pentec, ad sextam.
202 Wilhelm Meyer,
III no. 168 = Silos 1, f. 112 Ordo post conpleta, Sabbato.
I no. 110 = Brev. 678 enthält die Einleitung und die Strophen:
Bone Iram Luctam Miserere.
Free es. Ad te pie* exclamamus deus.
superant nos* pessima flagella.
P. Miserere* finis noster adest.
suceurre Christe.
Diese Einleitung steht auch in L; doch fehlt da P. Dann hat L clame-
mus; superat nos pessimis flagelis. In Br. steht P. vor Finis.
I 1 Bone pastor- moriens i^ro grege
oves tuas * a malo defende. P. Miserere
vgl. II 1 und III 1 pro grege L und Sil: protege Br. obes L Sil.
statt a malo def. hat 5t7 veniam concede ; vgl. vers. 2 und 3 nach defende hat
Br. Miserere P. Finis, L mir misere, Sil miserere nobis.
I 2 Iram tuam * a nobis repelle.
plebem tuam* a malo defende. P. Miserere.
1 vgl. III 6 2 vgl. I 1, 2 und I 3, 2 und III Einleitung. Br. schließt
Miserere. P. Finis.
I 3 Luctum nostrum* in gaudiam verte.
plebem tuam* a malo defende. P. Miserere
vgl. I 2 Br. schließt Miserere. P. Finis.
I 4 Miserere * plebi tuae Christe.
consolare * nos qui sumus tristes. P. Miserere,
nos qui Meyer, nos pro quo Br. Br. scJiließt Miserere. P. Finis.
II no. 171 = Brit. Mus. 30846 (L) f. U0\
Einleitung, wie bei I notirt.
II 1 Bone, wie bei I 1 notirt.
II 2 Circumdat nos * iam undique plaga
et timemus * cuncta nostra mala. miserere.
II 3 Durum tempus* et vicinum luctus.
non est nullus * ad precandum dignus. miserere
tempus est vic. ?, so daß luctus Genitiv ist; vgl. dies luctus (Vulgata)
2 = nullus nostrum dignus est qui precetur.
II 4 Ecce adest* novissimum tempus.
superat nos * crudelis infernus. mise
nobissimum L.
II 5 Fletus crescit* gaudium defecit.
finis urguet* et vita defecit.
(P.) miserere * finis noster adest.
Eines der beiden defecit ist unrichtig. P. fehlt in L.
III no. 168 = Silos 1 f. 112 (s. Förotin Sacrament. 778);
nach einer Copie, die ich der Güte Ferotin's verdanke. Ein schreck-
licher Text !
über die rythmischen Preces der mozarabischen Liturgie. 203
Alia. Miserere' deus miserere.
plebi tue* a malo defende. miserere nobis.
Über die 2. Zeile vgl. zu I 2, 2.
III 1 Bone: vgl. zu 11; Schluß in Silos: veniam concede.
miserere nobis.
III 2 Pro peccatis * bac (ac) delictis nostris
adclines te * exoramus Christe. miserere nobis.
III 3 Rector rerum * omnibus succurre
et plebem tuam * a clade defende, mise
vgl. die Einleitung Z. 2, dann zu 1 2, 2.
III 4 Virtus magna- potentia salus
libera nos * a gentiles malos. mise
III 5 Mitte domine de celis tuis. (Tuis mitte' domine de celis?)
libera nos * de gentis paganis. mis
III 6 Zeli iram* repelle a nobis
et gratiam * inpertire cunetis. miserere nobis
vgl. I 2 Iram tuam a nobis repelle.
III 7 Ne derelinquas* plebem supplicantem
quam creasti* tu domine sancte. miserere nobis
Ne relinquas gibt die richtige Sübenzahl.
III 8 Christe deus ' tu sana infirmis
et requiem* tribue defunetis. miserere nobis.
Wir haben also 3 Fassungen. Die I. enthält die Einleitung
Ad te und die Strophen Bone Iram Luctum Miserere. Die II. ent-
hält dieselbe Einleitung Ad te und die Strophe Bone ganz wie I. ;
dann aber die Strophen Circumdat Durum Ecce und Fletus.
Offenbar sind I. und II. Auslesen desselben ABCdars. III. hat
mit I. und II. nur die rythmische Form der Strophen, 2x(4_u
+ 6_w), und den Wortlaut der Strophe Bone gemeinsam, dann
wenige einzelnen Ausdrücke. Die Strophen III 2— III 8 sind fast
alle neu. Man fragt natürlich: können diese Strophen zu dem
ABCdar gehört haben, aus welchem die I. und IL Sammlung aus-
gelesen ist ? Da ist zu bedenken, daß III 5 Mitte domine de celis
tuis sicher ein verderbter Text ist, und daß III 8 Christe = XPE
= mit X beginnen kann. So haben wir die Initialen PRV(M)ZNX :
alle nach M (I 4 Miserere plebi tuae Christe). Wenn wirklich
diese 3 so verschiedenen Sammlungen aus ein und demselben ABC-
dar geflossen sind, — so daß I und II die Einleitung liefern, alle
drei das B, dann II die CDEF, I die ILM und endlich III die
(verstellten) PRV.ZN.X, — in welch heillosem Zustande ist die
Überlieferung dieser Bußlieder !
204
Wilhelm Meyer,
Kleine Liedchen, die aus kurzen Strophen bestehen und eher
einzelnen Wehrufen gleichen, wurden oft gebraucht und manche
von ihnen sind mehrfach überliefert. Sie sind freilich wie eine
viel gebrauchte Münze, abgebraucht und oft in jämmerlichem Zu-
stande. Weder Inhalt noch Form erweckt besonderes Interesse;
aber dennoch will ich von ihnen einige Beispiele bringen, damit
klar werde, daß auf die von Ortiz gedruckten Texte kein unbe-
dingter Verlaß ist.
no. 134 = Brev. 970B Horae cänonicae, Sabbato, Miserationes.
no. 157 = Silos 1 f. 108/9 (Ferotin, Sacrament. p. 778): Septima
feria. Die Copie verdanke ich der Güte Ferotin's.
Die beiden Texte enthalten fast dieselben Strophen. Ich setze
sie deßhalb neben einander, indem ich in Silos die Varianten durch
schiefen Druck notire.
no. 134 (Brev. 970 B) no. 157 (Silos 1 fol. 108)
Miserere miserere Miserere miserere
miserere Jesu bone. miserere Jhesu bone.
P. Peccatis nostris finem pone. peccatis nostris finem pone.
1
Audi pie et intende
et gementes consolare,
pater pie rex aeterne.
2
Auetor noster et redemptor,
plebis tuae sis protector
peccatorumque indultor.
3
Prostrati omnes rogamus ;
ut agnoscas supplicamus;
ut dimittas exoraraus.
4
Qui pro nobis formam servi
induere voluisti,
poenitentes iam exaudi.
5
Qui latronem confitentem
paradiso collocasti
et alium condemnasti.
6
Qui pro nobis sustulisti
passionem quoque crucis,
iam memento servis tuis.
(3)
Frosternati omnes rogamus;
ut ignoscas, supplicamus,
et dimittas exoratiis. miserere
(1)
Audi Christe et intende
et gementes consolare,
pater pie rex aeterne. miserere
(2)
Factor noster et redemptor,
plehi tue sis protector
peccatorumque indultor. miserere.
(4,1 u. 2; 6,3)
Tu pro nobis formam serbi
adsummere voluisti,
iam memento servis tuis. miserere.
(8)
Qui Lazarum quadriduammi
de sepulcro suscitasti
qJoriam tnam rnamfestasti, miserere.
(5)
Qui latronem confitentem
paradiso conlocasti
et alium condemnasti. miserere
über die rythmischen Preces der mozarabischen Liturgie.
205
Cruce tua iam protege.
quos per eam redemisti,
dextera tua iam custodi.
(7)
Crucis tue nos protege
quos per eam redemisti
dextera tua nos custodi.
?
Peregrinis seu (e)genis
viduis adque pupillis
protector pius esto illis.
miserere
miserere
(10)
Defunctis requiem dona
paradisique concede
in eterna amenitate. miserere.
6, 3 ursprünglich tcohl : servi tui 7, 3 lies
8
Qui Lazarum iam putentem
de sepulcro suscitasti,
oves tuas tu custodi.
9
E-ex aeteme Jesu bone,
a macula nos absolve
et in bonis nos confirma.
10
Defunctis requiem dona
et paradiso colloca
iunctos sanctorum catervae.
no. 134: 3,2 lies ignoscas
dextra 10 lautet hei Ortiz: Defunctis dona requiem: dona paradisum: colloca
vinctos sanctorumque catervae; que tilgte Lesleus; das Üdnge änderte Meyer.
Der folgende Text ist an 4 Stellen überliefert. Die Überlie-
ferung zerfällt offenbar in 2 Aste. Zunächst
no. 153 = Ferotin, Liber Ordinum Sp. 115, aus einem Ordo
in finem hominis, aus 2 Handschriften, in denen
diese Preces neumirt sind,
no. 167 = Codex in Silos 1 f. 113; Ordo post completa,
Sabbato (vgl. Ferotin Sacrament. 779); nach
einer Copie, die ich der Grüte Ferotin's verdanke.
Ordo: Alias Preces. Indulgentia, dicamus omnes, domine.
Tu dona ei (eis) veniam. — K[irie eleison].
Silos : Alia :
1 Rex altissime et perennis domine
(Ordo:) Tu dona ei (eis) veniam. Indulgentia.
{Silos :) Tu miserere.
2 Sacerdotibus auditum adcommoda
{Ordo :) et dona ei (eis) veniam. Kprie eleison] hat
die eine Hft Ferotin's; die andere hat hier und
im Folgenden: veniam. Indulg.
206 Wilhelm Meyer,
(Silos :) et miserere.
3 Unigenite quem timemus iudicem
(Ordo :) tu dona ei (eis) veniam. K. (Indulg.)
^ (Silos :) miserere
4 Quem angelice potestates metuunt
(Ordo:) tu dona ei (eis) veniam. K. (Indulg.)
(Silos :) tu miserere.
5 Egros visita et captivos revoca
(Ordo :) et dona ei (eis) veniam. K. (Indulg.)
(Silos :) tu miserere.
6 Nos peccavimus et a te recessimus
(Ordo:) sed dona ei (eis) veniam. K. (Indulg.)
(Silos :) tu miserere.
7 Tu piissime tu prostratos subleva
(Ordo:) et dona ei (eis) veniam. K. (Indulg.)
(Silos :) tu miserere
8 Penitentibus miserere domine
(Ordo :) et dona ei (eis) veniam. K. (Indulg.)
(Silos :) tu miserere.
1 perenni Sil. 5 captibos Sil. 6 peccabimus et ad te Sil. in Sil
steht Vers 8 vor Veis 7. 7 tu prostratus subleba hat die eine Hft Ferotin's',
tu subiectos releba Sil. 8 Et peccantibus mis. Sil.
Die andere Überlieferung ist im gedruckten Brevier zu
finden :
n 0. 4 = Br. 166 : seeundo die ieiuniorum kal. Januar., ad tertiam.
no. 22 = Br. 293: 4* feria secundae domin. Quadr., ad tertiam:
Preces. Clamamus ad te domine* tu miserere nobis.
P. Et dona indulgentiam.
1 Rex altissime et perennis domine
precem quam efFundimus accipe ! P. Et dona ind.
2 (5) Aegros visita et captivos revoca,
pupillos et viduas adiuva ! P. Et dona ind.
3 (6) Nos peccavimus et a te recessimus;
tu redemptor omnium salva nos ! P. Et dona ind.
4 (8) Poenitentibus miserere domine
et peccati maculas ablue! P. Et dona ind.
Brev. 166 hat Str. 4 maculas, Brev. 293 maculam.
Die wichtigste Frage ist: wie verhalten die 4 kunstreichen
Strophen des Breviers (5w_, 7u_, 7u_, 3u— ) sich zu den 8
kurzen kunstlosen Rufen der andern Fassung. Ich meine, wenn
Jemand die 4 langen Bitten, um zu kürzen, zurecht geschnitten
hätte, weßhalb hätte er dann noch 4 zusetzen sollen. Waren da-
über die rythmischen Preces der mozarabischen Liturgie. 207
gegen jene 8 kurzen Bitten altes Kirchengut, so konnte ein litur-
gischer Dichter auf den Gedanken kommen, diese einfachen Ruf-
zeilen zu einer kleinen Strophe zu erweitern, dafür aber statt 8
nur 4 auszuarbeiten.
Die fiinifache Überlieferung des folgenden Liedes ist eine drei-
spaltige: I no. 1 = no. 2; II no. 3 ähnlich no. 4; III no. 5.
1) no. 40 = Brev. 371 : 6* feria secundae domin. Quadr., ad tertiam.
2) no. 121 = Brev. 724: 3° die ieiuniorum ante s. Cypriani,
ad tertiam.
3) no. 140 = Brev. 984: Officium mortuorum. Abicidaria.
4) no. 154 = Ferotin, Liber ordinum Sp. 115 Ordo in finem ho-
minis diei: Alias preces. Mit Neumen.
5) no. 159 = Silos 1 f. 110 Ordo post conpleta. IUI feria alia
(Ferotin, Sacrament. 778).
I: Brev. 371 (1) und Brev. 724 (2).
Preces. Dicamus omnes: Miserere nobis deus.
P. Miserere nobis.
omnes fehlt Brev. 734. Miserere . . nobis ? = 'Jesu . . nobis' = 8 — ^ + 6 — ^
1 1 Mundi rector et redemptor
Jesu Christe rerum auctor. P. Miserere nobis.
actor Br. 371. Br. 724 läßt in Str. 1—4 nobis lüeg.
I 2 Qui exaudis obsecrantes
et gementes intueris. P. Miserere nobis.
I 3 Parce nostris iam delictis
favens vultu pietatis. P. Miserere nobis.
Yultum hat Br. 371.
I 4* Huius urbis atque plebis
conservator esto vigil. P. Miserere nobis.
I 5 Peccavimus tibi deus.
indulgentiam postulamus. P. Miserere nobis.
II: Brev. 984 (3) und Ferotin Ordines 115 (4).
Abicidaria Br. 984, Alias Preces Ordines.
Miserere miserere * miserere illi deus '
P. Christe redemptor veniam ei concede.
concede. — Mise[rere] . . . druckt Ferotin.
II 1 Mundi . . actor. P. Christe redemptor 3 , Mundi . .
auctor. Christe K[irie eleison] Ferotin, P. steht
nirgends hei Ferotin. Vgl. I 1, III 1.
II 2 Qui . . intueris. P. Christe redemptor. 5, Qui . . in-
tueris. Christe K. Feroti^i. Vgl. I 2, III 2.
II 3 Qui expectas poenitentes
208 Wilhelm Meyer,
et peccata deplorantes. P. Christe redemptor.
redemptor fehlt in 3 ; Christe K. Feroiin. Vgl. III 3.
II 4 Parce . . pietatis. Christe K.
Steht nur hei Ferotin (mit fabens), fehlt in 3. Vgl. I 3 und III 5.
II 5 Sacerdotum audi preces
aures tuas implorantes. P. Christe redemptor.
in Brev. 984 hat Ortiz sacerdotem . . implorantem , Lorenzana und Migne
sacerdotum . . implorantum ; dann hat Ferotin Christe K. Vgl. III 4.
II 6* Sepultura domus mea
tenebrosa et dolorosa. P. Christe.
Steht nur Br. 984 am Ende. Ziemlich sicher ein falscher Zusatz ; es spricht
der Todte.
III: Silos 1 f. 110 (5); vgl. Ferotin Sacrament. Sp. 778: IUI
feria alia.
Miserere miserer e miserere nobis deus.
ne nos iudices in ira. Vgl. II.
III 1 Mundi . . . auctor. ne nos k mi. Vgl. II, II 1.
III 2 Qui . . . intueris. ne nos k mi. Vgl. I 2, II 2.
III 3 Qui . . . deplorantes. ne nos k mi. Vgl. II 3.
III 4 Sacerdotum . . . inplorantes. ne nos k mi. Vgl. II 5.
III 5 Parce . . fabens . . pietatis. ne nos k mi. Vgl. I 3, II 4.
III 6* Regem nostrum adque plebem
intuere de excelsis.
ne nos k mi.
III 7 Peccabimus . . . postulamus. ne nos. Vgl. I 5.
Die 5 Texte ergeben also folgende 3 Strophenreihen:
II. III.
1 Mundi 1 Mundi
2 Qui exau 2 Qui exau
3 Qui exp. 3 Qui exp.
4 Parce 4 Sacerdotum
5 Sacerdotum 5 Parce
6* Regem
7 Peccavimus
5* Sepultura
uns nur die 3 Auslesen einer ursprüng-
2 Qui exaudis ; 3 Qui expectas ; 4 Parce ;
5 Sacerdotum. Die Strophen Huius und Regem schließen sich aus :
in jeder wird für die plebs gebetet ; die Strophe Huius paßte in eine
Stadt, die unter maurischer Herrschaft stand, die Strophe Regem
nostrum nicht. Die Strophe 'Peccavimus tibi deus. Indulgentiam
postulamus' schloß das Bußlied gut ab. Dagegen II 6 ist später
I.
1 Mundi
2 Qui exau
3 Parce
4* Huius
5 Peccavimus
t
Wir haben also vor
liehen Reihe : 1 Mundi ;
über die rythmischen Preces der mozarabischen Liturgie. 209
zugesetzt, als das Lied in dem Officium mortuorum gebraucht
werden sollte; denn hier spricht der Todte selbst.
Also auch hier ergibt sich, daß die Überlieferung dieser Preces
eine durchaus unsichere, oft verstümmelte oder stark geänderte ist.
Dabei ist besonders ein Umstand wichtig. Die meisten und wich-
tigsten Bußlieder sind uns nur in dem von Ortiz herausgegebenen
Brevier überliefert ; nur für sehr wenige Bußlieder haben wir eine
handschriftliche Überlieferung. ITun fragt es sich natürlich: sind
die Texte dieser Bußlieder in der Ausgabe des Ortiz verlässig
oder nicht?
Da könnte man nun leicht folgenden Schluß machen. Sehr
viele Bußlieder kommen im Brevier an 2 verschiedenen Stellen vor,
und die so zwiefach gedruckten Texte stimmen, wie sich oben an
vielen Beispielen zeigt, eng zusammen, auch da, wo andere, hand-
schriftliche Überlieferung starke Verschiedenheiten zeigt. Folg-
lich, könnte man schließen wollen, ist der Text bei Ortiz ausge-
zeichnet überliefert. Aber es hat sich oben vielfach ergeben, daß
die Texte des Ortiz, auch wenn sie an 2 Stellen ganz gleich waren,
doch vielfach beschädigt waren.
Das klärt sich , wie schon oben angedeutet (S. 198) , wohl so
auf. Jemand, der das Brevier an allen Tagen der Fastenzeiten
mit Preces versehen wollte und der einen ansehnlichen Grundstock
von solchen Preces vor sich hatte, sah doch, daß diese nicht hin-
reichten, jeden einzelnen dieser Tage mit einer besondern Preces-
formel zu versehen. Wie man nun denselben Hymnus an etlichen
Festtagen sang, so half sich jener Redactor des Breviers. Er setzte
dieselben Precesformeln bei verschiedenen Bußtagen ein. Dabei
ging es ziemlich mechanisch zu. Z. B. die im Brevier (Migne) Sp.
157 — 255 eingesetzten Preces wiederholen sich Sp. 269 — 302; noch
deutlicher wiederholt die von 303 ab gehende Reihe sich von 666
ab. Der Mann schrieb aber natürlich beim zweiten oder dritten
Mal die Precesformel aus derselben kleinen Precessammlung ab,
aus der er sie das erste Mal abgeschrieben hatte. So beweist die
Übereinstimmung der im gedruckten Brevier wiederholten Texte
weiter nichts als daß jener Mann ziemlich sorgfältig abschrieb.
Fragen wir nach der Art und dem Werth der also ausge-
nutzten und dem Druck des Ortiz zu Grunde liegenden Sammlung,
so scheint der Inhalt ziemlich reichhaltig und der Text ziemlich
gut abgeschrieben gewesen zu sein. Ist dies Urtheil richtig, so
ist es wichtig, da die meisten und wichtigsten Precesformeln uns
nur durch das von Ortiz gedruckte Brevier erhalten sind.
Kgl. Ges. d. Wiss. Nachrichten. Phil.-hist. Klasse. 1913. Heft 2. 14
210 Wilhelm Meyer,
Das Alter dieser Bußlieder und ihre Entstehung.
Die letzten der obigen Beispiele sollten nur orientiren über
die Überlieferung der mozarabischen Bußlieder. Die beträchtliche
Menge der vorangehenden Beispiele sollte orientiren über die ryth-
mische Eigenart dieser neu auftretenden Art von Kirchengesängen.
Sie ist überraschend, zunächst für den, der die lateinische Dichtung
Spaniens prüft. Hymnen sind in die mozarabische Liturgie sehr
viele eingesetzt. Sie sind zum großen Theil ausländische; manche
von bekannten Verfassern, die meisten anonym; aus verschiedenen
Jahrhunderten; viele quantitirend gebaut, die meisten rythmisch;
die rythmischen sind zum Theil sehr rauh gebaut. Es sind die im
Ausgang des Alterthums bei den christlichen Dichtern verbreiteten
Zeilen- und Strophenarten. Die Sammlung dieser von Blume im
27. Band der Analecta zusammengestellten mozarabischen Hymnen
ist für den Rythmiker ziemlich einförmig.
Ganz anderes Leben ist in diesen Bußliedern. Obwohl ihre
Zahl nicht groß ist, so finden sich doch viele einfachen Grruppen,
die aus den gewöhnlichen Kurzzeilen zusammengestellt sind. Viel
interessanter sind die neuen Strophen, welche hier auftreten. Selten
sind hier Nachahmungen: nur einmal findet sich eine sapphische
Strophe ; einige Male wird die sapphische Langzeile (5 _ u -f 6 _ u)
oder die alcaeische (5 _ u + 6 w ._) benützt , um mit andern Kurz-
zeilen verbunden eine neue Strophenart zu bilden. Oft werden
verschiedenartige Kurzzeilen zu neuartigen Langzeilen und, was
wichtiger ist, zu neuen Strophengebäuden verbunden. Alles das
hat einen musikalischen Zweck, wie ja manche dieser Lieder in
dieser oder jener Handschrift neumirt sind.
Es machte mir freilich Freude, aus der einförmigen Prosa der
Drucke die dichterischen Formen wieder entstehen zu lassen, in
welche die G-edanken ursprünglich gefaßt sind. Allein mehr fes-
selte mich eine höhere rythmisch e Frage.
Die Bythmik dieser Bußlieder ist in der Literatur Spaniens eine
ganz neue Erscheinung. Aber sie ist auch überhaupt in der Ent-
wicklung der mittelalterlichen europäischen Dichtungsformen eine
neue und seltsame Erscheinung, und es wird eine schwierige Auf-
gabe sein, diesem Gliede seine Stelle in der ganzen Entwicklung
anzuweisen.
Was ich oben von den Formen der mittellateinischen ryth-
mischen Dichtung im alten Spanien gesagt habe, das gilt auch von
der mittellateinischen Dichtung in ganz Europa. Bis zum Ende
der Ki,rolingerzeit kennen die rythmischen Dichter nur wenige
über die rythmischen Preces der mozarabischen Liturgie. 211
einfachen Zeilen und Strophenarten, welche alle den spätlateinischen
quantitirenden Zeilenarten nachgeahmt sind. Ich konnte in dieser
alten Zeit nur ganz wenige Versuche finden (Gres. Abhandlungen
I 241) eine neue Strophe zu bilden, wie dies z. B. Grotschalk ge-
than hat.
Erlösung von dieser beengenden Armuth und neues freies
Schaffen brachte die Sequenzendichtung. Sie lehrte die Dichter,
sich nichts zu kümmern um überlieferte Zeilenarten, sondern nur
dem musikalischen Gefühle folgend selbständig ihre Worte in neue
Zeilen und Strophen zu fügen. Dies, nach meiner Ansicht wich-
tigste, Ereigniß in der mittelalterlichen Entwicklung der Dicht-
kunst war in der Hauptsache die Findung neuer Zeilen und be-
sonders neuer Strophenarten, wie ich das mehrfach zu schildern
versucht habe, besonders in meinen Gres. Abhandlungen I S. 30 — 46.
Auch die mozarabischen Bußlieder zeigen viele neu erfundenen
Strophen. Wie verhält nun diese mozarabische Strophenfindung
sich zu jener Strophenfindung, welche mit der Sequenzendichtung
verknüpft ist? Notker von S. Gallen gibt an, wie er zur Se-
quenzendichtong gekommen ist, und schildert seine Anfänge und
seine Fortschritte. Die erste Sammlung hat er vor 887 veröffent-
licht. Clemens Blume im Vorwort zu seiner Sammlung der älte-
sten Sequenzen, Analecta hymnica Bd. 53, 1911, bestreitet diese
Angaben Notker's und behauptet, schon vor Notker seien in fran-
zösischen Klöstern Sequenzen gebaut worden. Einen zwingenden
Beweis finde ich nicht ; vor Allem ist nicht zu begreifen, wie ISTot-
ker den so eigenartigen und doch innerlich wahrscheinlichen Be-
richt über seine Erfindung hätte erfinden und niederschreiben
können.
Die Sequenzen sind aus den Modulationen, den Coloraturen
über einzelne Silben des Alleluia hervorgegangen und in ihrem
Aufbau sehr kunstreich. Einer Strophe von mehr oder weniger
künstlichem Gefüge der Kurzzeilen folgt eine zweite, welche ganz
denselben Bau hat. Diesem Strophenpaar folgt ein zweites Paar,
das aber ganz andern Bau hat, usw. Die mozarabischen Bußlieder-
strophen haben alle den gleichen Bau; es sind gleichstrophische
Lieder.
Wie steht nun die mozarabische Strophenfindung zu der in
den Sequenzen? Ist sie die ältere und hat sie vielleicht den An-
laß zur Sequenzendichtung gegeben? Nach Notkers Schilderung
kann die Sequenzendichtung einen solchen Vorläufer nicht gehabt
haben.
Das Alter der einzelnen Theile der mozarabischen Liturgie ist
14*
212 Wilhelm Meyer,
sehr strittig. Die gewöhnliche und im Ganzen wohl richtige An-
sicht ist ja die, daß die Haupt bestandtheile der mozarabischen Li-
turgie im 6. bis 8. Jahrhundert verfaßt worden seien. Und da, wo
Probst den Preces-Text citirt, von dem meine Entdeckung ausging,
spricht er von der spanischen Messe des 5. bis 8. Jahrhunderts.
Aber ich kenne keinen Beweis dafür, daß eine der rythmischen
Precesformeln in jenen Jahrhunderten schon existirt hat.
Entscheidend scheint folgende Thatsache. Zwei Preces, welche
im Missale Sp. 355 und 373 gedruckt sind, fand ich schon längst
gedruckt aus der berühmten Handschrift des 'Sacramentarium Gal-
licanum', welche in dem 7. oder 8. Jahrhundert geschrieben ist;
ferner sind im Missale manche Stellen dieser beiden Gedichte im
Texte richtig, welche in jener Handschrift verderbt sind; ja, das
Missale enthält in beiden Liedern neue Strophen, im Ganzen 5,
welche die alte Handschrift nicht kennt. Da scheint sicher, daß
jene beiden Preces schon im 7. Jahrhundert im spanischen Missale
standen und damals nach Frankreich exportirt und dabei ver-
stümmelt und verderbt worden seien. Doch eine genaue Prüfung,
welche ich im Anhang S. 214 — 221 vornehme, zeigt, daß das
Verhältniß umgekehrt ist. Die neuen Strophen des Missale passen
nicht in die Lieder und sind gewiß interpolirt. Die beiden Lieder
können also in Frankreich entstanden sein und sind, wer weiß
wann, in das mozarabische Missale eingesetzt worden.
Die Handschriften, in denen rythmische Bußlieder vorkommen,
sind nach den mehr oder minder sicheren Angaben im 11. oder 10.
Jahrhundert geschrieben. Die meisten Bußlieder sind ja überhaupt
uns nur durch den Druck des Ortiz bekannt. Die wenigen Hand-
schriften, welche die Officien enthalten, in welchen der Druck diese
Preces bringt, enthalten da höchstens eine kleine Formel, wie Toi.
35, 2: Preces. Flectamus genua. Deprecemur dominum. Kirie-
leison. Christeleison. Kirieleison. Erigite vos. Das Eine scheint
hiernach sicher zu sein, daß die rythmischen und gesungenen Preces,
mit denen diese Untersuchungen sich beschäftigen, durchaus nicht
ein so altes und selbstverständliches Stück des Gottesdienstes
waren, wie z. B. die Hymnen, vielmehr eine an manchem Orte
vielleicht recht beliebte, aber nicht notwendige Zuthat, wie dies
die Sequenzen vielerorts gewesen sind.
Die ganz eigenartige Strophik der mozarabischen Preces ist
nach meiner Ansicht also aufgekommen: Schon im Anfang des
10. Jahrhunderts wurden an manchen Orten Frankreich's Sequenzen
gedichtet und abgeschrieben, besonders eifrig in S. Martial in Li-
moges. Überhaupt muß diese neue Erfindung mit Begeisterung
über die rythmischen Preces der mozarabischen Liturgie. 213
aufgenommen und weiter verbreitet worden sein. Ein mit
Singen und Dichten vertrauter Spanier wurde im 10. Jahrhundert
mit den Sequenzen bekannt; er wagte sich aber nicht an diese
ihm schwierige und hohe Kunst. Doch ersann er neue, aber nur
kurze Strophenformen ; er schuf auch nicht für jedes Strophenpaar
eine neue Strophenform, sondern band alle Strophen eines Liedes
in dieselbe Form. Der Dichter dieser Bußlieder hat auch wohl
nur eine bescheidene Zahl von solchen Liedern geschaiFen. Jeden-
falls, als Jemand dann das Brevier mit den Bußliedern versehen
wollte, enthielt das von ihm benützte Sammelheft lange nicht für
jeden Bußtag ein besonderes Lied; sondern dieser Mann benützte
die meisten Lieder zweimal; aber auch so reichten sie nicht aus
und für manchen Bußtag wurde eine prosaische Precesformel ge-
nommen , vielfach Sätze mit 'Qui' oder kurze Sätzchen aus der
Bibel, besonders aus den Psalmen.
Sonderbar ist der Gegensatz zu der Sequenzendichtung. Diese
ist hervorgegangen aus dem Alleluia, und immer ist die Sequenz
ein Jubellied geblieben. Dagegen diese spanische strophische Dich-
tung ist bei dem andern Extrem angekommen und da geblieben,
bei der Buße und der Bitte um Vergebung der Sünden.
Der Handschriften, in welcher diese rythmischen Preces in das
Brevier eingesetzt waren, sind gewiß nur sehr wenige gewesen.
Eine solche Hft. ist für die Ausgabe des Ortiz benützt worden.
Aber bis jetzt ist noch keine Hft. der Art wieder gefunden. Da-
gegen in einzelnen Handschriften finden sich einzelne rythmische
Preces, besonders die sogenannten Miserationes, zerstreut einge-
schoben.
Diese rythmischen Preces scheinen in der mozarabischen Li-
turgie durchaus nicht allgemein gebraucht worden zu sein. Auch
ihre eigenartige Rythmik scheint nicht weiter angewendet worden
zu sein, z. B. nicht in Liedern weltlichen Inhalts. So ist auch
kaum zu hoffen, daß die Räthsel der ältesten spanischen E-ythmik
des 11. /12. Jahrhunderts, z. B. des Cid-Liedes, durch die Verglei-
chung der Rythmik dieser Bußlieder gelöst werden können.
214 Wilhelm Meyer,
Anhang.
Waren die mozarabischen rythmischen Preces schon
im 7. oder 8. Jahrhundert vorhanden?
Sehr überrascht wurde ich, als ich bemerkte, daß zwei im
Missale mozarabicum gedruckten Preces schon in einer Handschrift
des achten Jahrhunderts sich finden. In den Publications de la
Societe pour l'etude des Langues romanes hat A. Boucherie 1875
ein Heft mit dem Titel 'Melanges Latins et bas-latins' veröffent-
licht. Darin hat er S. 6 und 7 zwei Gredichte aus der Pariser
Hft latin. 13246 (fol. 106 und 107) abgedruckt und besprochen.
Der Inhalt dieser Hft ist von Mabillon im 2. Theil des 1. Bandes
des Museum Italicum (Paris 1724) S. 278 — 397 zum ersten Mal
gedruckt worden unter dem Titel 'Sacramentarium Gallicanum';
auch Muratori 'Liturgia romana vetus' hat dasselbe im 2. Band
Sp. 761 — 968 abgedruckt. Die beiden Preces stehen bei Mabillon
S. 319, bei Muratori Sp. 842/43. Sie sind die einzigen poetischen
Stücke dieses Sacramentars, dabei so geschrieben, daß die Absätze
der Strophen deutlich sind. Die greuliche Merowinger Orthographie
haftet nicht nur den beiden Gredichten an, sondern sie entstellt
die ganze Handschrift.
Die Sabbato' (Karsamstag) ist zuerst die kleine Lection ge-
schrieben 'Altera autem die bis cum custodibus' (Matth. 27, 62 —
66); dann beginnen gegen Ende des Bl. 105 die beiden Gedichte
mit 'INCIPIT PRECIS DE EODEM DIEI. Sie sind von der-
selben Hand geschrieben, welche die übrige Hft geschrieben hat,
mit einer sehr deutlichen Halbunciale. Delisle spricht im Memoire
sur d'anciens Sacramentaires 1886 S. 79 über diese Hft. Sie sei
im 7. Jhdt. geschrieben, habe lange in Bobbio gelegen und sei aus
Saint - Germain in die pariser Bibliothek gekommen. Ich habe
schon 1884 die Form beider Gedichte besprochen (s. Ges. Abhand-
lungen I S. 223 und 241), nicht ohne Irrthümer, da ich mich auf
Boucherie verließ.
Beide Gedichte fand ich nun wieder im Missale mozara-
bicum (Migne 85); im Brevier und im Liber Ordinum (F^rotin
1906) finden sie sich nicht. Das I. 'Portatus sum' ist eingesetzt
ßligne 85, 372/3) ^In quinto dominico Quadragesimae. Ad missam',
nach dem Abschnitt Tsallendo' (Ps. 37, 28. 8. 18. 20/21). Das II.
'A patre missus' ist eingesetzt (Migne 85, 355) 'In quarto dominico
Quadragesimae. Mediante die festo. Ad missam', ebenfalls nach
dem Abschnitt Psallendo (Ps. 70, 5. 19. 20. 10. 11. 12. 3. 4. 5).
über die rythmischcD Preces der mozarabischen Liturgie. 215
Ich gebe nachher die Bobbienser Fassung (nach einer Photo-
graphie) nnd gegenüber die Fassung des mozarabischen Missale's
als Grundlage für die weiteren Untersuchungen.
(Siehe die 4 Texte auf S. 218 und 219, 220 und 221.)
Die beiden Preces liegen offenbar in 2 stark verschiedenen
Fassungen vor uns; verschieden erstens in dem Wortlaut der
beiden Überlieferungen gemeinsamen 7 Strophen, aber auch ver-
schieden dadurch, daß die mozarabische Überlieferung 5 Strophen
bringt, von denen in der Hft des 8. Jahrhunderts keine Spur zu
sehen ist.
Der mozarabische Text der 7 gemeinsamen Strophen
ist unstreitig besser als der Bobbio-Text, ja viel besser. Ich will
nicht reden von der greulichen Merowinger Orthographie, welche
die Hft aus Bobbio entstellt hat, von Fehlern, wie 'aceruo pucolum'
statt 'acerbo poculo^ oder 'confusus gladio honorifico' statt 'confossus
gladio horrifico'; denn das sind Schreibfehler, die ein kluger Ab-
schreiber der Karolinger Zeit merken und bessern konnte, wie Mabillon
bei der ersten Ausgabe sie bemerkt und gebessert hat. Aber auch
bei stärkeren Verschiedenheiten, wie 'illic confluit aqua' {Boh.) oder
'illico fluit latex' {Moz.), wie 'proferre falsum testimonium' {Boh.)
oder 'falsa proferre testimonia' {Mos.) und 'adfligor suppliciis' {Bob,)
oder 'afficior suppliciis' (Jfo<.), bezeugt der Sinn oder die Rythmik
fast stets, daß der mozarabische Text der echte, der von Bobbio
der unrichtige ist. Die wenigen schlimmen Verderbnisse des moz-
arabischen Textes, wie II 7 noxia und ignorantium, gehen auf die
Herausgeber zurück.
Dazu kommt aber, daß das mozarabische Missale im I. Gedicht
drei, im IL Gedicht zwei neue Strophen enthält. Der sprach-
liche Ausdruck dieser neuen Strophen ist correct, ihre rythmische
Form ist richtig. Von diesen 5 Strophen ist in der Hft aus Bobbio
nichts zu lesen.
Aus diesen Thatsachen scheint sich das Resultat zu er-
geben: die Handschrift von Bobbio bringt einen Auszug aus dem
mozarabischen Missale, der noch obendrein durch orthographische
Fehler und kleine Textänderungen entstellt ist.
Aber die Hft. von Bobbio ist spätestens im 8. Jhdt. geschrieben !
Folglich müßte ihre Vorlage, aus welcher sie die beiden Gedichte
abgeschrieben hat, d. h. das mozarabische Missale, die beiden Preces
schon im 8. Jhdt. enthalten haben. Das mozarabische Missale ent-
hält, wie gesagt, noch 4 andere Preces von ähnlichem rythmi-
schem Bau. Diese aber finden sich alle auch im Brevier unter den
216 Wilhelm Meyer,
ziemlich vielen Preces, welche alle ähnlichen, seltenen Strophenbau
aufzeigen, während von diesen beiden Preces des Missales im moz-
arabischen Brevier keine Spur zu finden ist.
Hier ist ein unsicherer Factor verwendet. Das sind die 5
neuen Strophen, welche sich nur im mozarabischen Missale
finden. Ich bin überzeugt, daß sie nicht mit den je 7 Strophen
der Handschrift von Bobbio ursprünglich zusammen gedichtet,
sondern erst später in die siebenstrophischen Gredichte
eingeschoben worden sind. Die bobbienser Fassung der
beiden Lieder ist klar und einheitlich: Christus selbst be-
richtet die einzelnen Ereignisse seiner Leidensgeschichte. Der
Schluß wird in beiden Gedichten gebildet mit einem aus Lucas
23, 34 geholten Gredanken: Christus bittet den Vater, seinen Pei-
nigern zu verzeihen.
Und nun die 3 neuen Strophen (6* 6^ 6*^) im I. Hymnus^).
Die alte 6. Strophe schließt: 'dimersum in sepulcro; adposuerunt
lapidem' ; dagegen die neue Str. 6* springt zurück und berichtet:
'palluerunt sidera, dies obtenebratur' ; die Strophe 6^ geht vor-
wärts: 'ludaei deposcunt a Pilato milites pro custodia'; dagegen
die folgende Str. 6*^ springt wieder weit zurück: 'milites dividunt
vestem meam, cernentes (caedentes?) in me flagra iniusta et se-
vissima'. Noch schlimmer gestört wird das klare II. Gedicht
durch die eingeschobenen Strophen. Christus selbst hat seine
Schicksale chronologisch erzählt bis 'lancea percusserunt me'. Da
auf einmal beginnt ein Mensch zu reden 6^ : 'tu solve vincla nostra
et relaxa crimina, salva nos cruce tua'. In der folgenden Strophe
6^ erzählt wieder Christus; aber er erzählt Dinge, die gar nicht
in diese seine Klagerede passen: confregi portas inferi, eieci vin-
culatos et reduxi ad superos, ostendi in victima(?). Thöricht
schließt sich jetzt mit 'illis' die Bitte der 7. Strophe an: 'Dimitte
illis noxam, pater'. Es ergibt sich: die bobbienser Fassung,
worin die beiden Gedichte aus je 7 Strophen bestehen, ist gut
und untadelhaft ; dagegen die im mozarabischen Missale erhaltene
Fassung von 10 und von 9 Strophen ist verderbt und unecht.
Damit fallen die oben gezogenen Folgerungen. Es ergibt sich
vielmehr folgende Entwicklung. Die beiden Passionslieder sind im
8. oder 7. Jahrhundert, wohl in Frankreich, entstanden und wurden
1) Dieses I. Lied hat sicher das Akrostichon: PASSIO. Die Hft. von
Bobbio fügt in Str. 7 noch I hinzu, das mozar. Missale CSTI. In den mozara-
bischen Bußliedern finde ich oft ABCdarien (s. oben S. 192), aber keine durch
Wörter gebildeten Akrosticha.
über die rythmischen Preces der mozarabischen Liturgie. 217
im 8. Jahrhundert mit der merowinger Nachlässigkeit in die bob-
bienser Handschrift (Paris latin. 13246) eingeschrieben. Eine an-
dere, etwas bessere Abschrift wurde einem spanischen
Priester bekannt und wurde von ihm in das mozarabische Missale
eingefügt. Der Mann verstand Latein , er konnte auch neue
Strophen nach der Form der 7 alten dichten; so setzte er die 5
neuen Strophen zu. "Wer die Einleitung Blumes zum 27. Band der
Analecta hymnica (die mozarabischen Hymnen, bes. S. 32ffl.) liest
oder die Hymnentexte selbst durchfliegt, kann sehen, daß sehr
viele ausländische Hymnen in die mozarabische Liturgie aufge-
nommen und manche dabei verändert worden sind, gekürzt oder
verlängert (vgl. Aeterne rex altissime in Bd. 27 p. 96 und Bd. 51
p. 94). Ich habe neulich die Reisegebete des mozarabischen Mis-
sale (Migne 85, 994/7) mit denen der andern westeuropäischen
Völker verglichen (s. diese Nachrichten 1912 S. 83). Da zeigten
sich auch in der spanischen Liturgie schlimme Entstellungen aus-
ländischer Texte.
So wird der Weg frei. In den beiden Liedern aus Bobbio
spricht Christus selbst; sie sind also fremd dem Wesen aller spa-
nischen Bußlieder, in denen stets der reuige Sünder Grott mit 'Du'
anspricht. Will der Dichter hiebei Christi Passion schildern, so
beginnt er seine Strophen mit dem Relativ, wie 'Qui cruce tua
mundum redemisti' ; vgl. im Brevier (Migne 86) Sp. 601 | 473 | 482 |
491 I 499 I 512 | 522 | 523 | 532 | 541 | 542 | 563 | 574 usw.^)
Die Strophenform dieser beiden Gedichte ist allerdings
für ihre Zeit merkwürdig. Boucherie hat die Strophenform des
I. G-edichtes falsch beurtheilt; sie ist: 7 _w -f 7 u_ a; 7 _u + 8 u — a.
Die Form des IL Gedichtes ist: 7_u4- 7u_a; 7 — u -f 7u_a; 7u_a.
Beide hätte ich zu den neuen Arten von Strophen rechnen sollen
(siehe Ges. Abhandl. I 241, wo jetzt nur das zweite genannt ist).
Ganz vereinzelt tauchen solche Versuche, eine Strophenform zu
bilden, auch in der Zeit vor der Sequenzendichtung auf.
Darnach sind diese beiden Gedichte im Laufe des 10. Jahr-
hunderts aus der gallischen Literatur entlehnt und in das moz-
arabische Missale eingefügt und dabei erweitert worden. Während
die (wenigen) übrigen Bußlieder des mozarabischen Missais alle
auch im Brevier sich aufgenommen finden und zwar alle in ver-
kürzter Fassung, sind diese zwei Preces des Missais nicht im Bre-
vier wieder zu finden.
1) Nur in dem Officium infirmi oder mortui spricht nach syrischer Art wenige
Male der Kranke oder Todte die Brüder oder seine Angehörigen an (Brev. 981 B
und 986 A ; vgl. oben S. 181 u. 184).
218 Wilhelm Meyer,
(I) INCIPIT PEECIS DE EODEM DIEI.
a Insidiati sunt mihi aduersarii mei* magis gratis*
b tu pater sancte miserire et libera me.
1 Portatus sum ut agnus innocens ad uictimam*
captus ab inimicis ut auis in muscipola mag
2 Aperuerunt omnes ora sua contra me*
dentibus fremuerunt querentes degluttire me
3 Siuilantes clamabant et mouebant capita*
tractantis de me proferre falsum testimonium. ma
4 Suspensum cruce damnant" fixum clauis ferreis*
uenditum a ludeis propter xxx argenteis*
5 In latere confusus gladio honorifico
illic confluit aqua cum sanguene innoxium mg*
6 Omnes inundauerunt • sicut aqua super me
dimersum in sepulcrum adposuerunt lapidem mg
7 Intende pie pater et succurre miseris*
pro quibus tam aceruis adfligor suppliciis
magis gratis tu pater sancte m L.
So lautet Paris. Latin. 13 246 f. 105^ und 106». Einiges hat Mabillon,
Museum Italicum I, 1724, p. 319 (Ma.) = Muratori, Liturgia romana II 842
(1748) corrigirt. Boucherie (Bo.), Melanges latins et bas-latins (Publications
de la Societe pour l'etude des langues romanes), 1875 p. 7 meinte, daß beide
Zeilen der Strophe gleich seien (7 _ u + 7 ^^ _) und hat darnach Manches corri-
girt. edd. = Ma. -f Muratori + Bo.
Corrigirt haben: in der Überschrift : die edd. Die Einleitung 'Insidiati bis
me, ebenso den Refrain 'magis' iisto. ließ Bo. tceg. mei magis gratis. Tu p. s.
miserere et 1. me Ma. 1 in om. Bo. 1 mag : Ma. notirt : 'Repetitio est ver-
siculi primi : Magis gratis, tu pater sancte etc., quae repetitio pluries ß in conse-
quentibus'. Bo. läßt All das weg, au^h in Str. 7. 2 mit Aperuerunt beginnt
fol. 106 deglutire 3fa., glutire Bo., 3 Sibilantes und traetantes edd.
3 ferre falsa testimonia Bo. 4 propter xxx argenteos Ma.; triginta argenteis
Bo. 5 confossus gladio horrifico edd. 5 cum om. Bo. 5 sanguine innoxio
edd. 6 demerso Bo. 6 posuerunt Bo. 7 acerbis edd.
Missale mixtum (Migne 85, Sp. 372): in der Einleitung miserere. Vor
den einzelnen Strophen steht das Zeichen v. = versus oder versiculus; am Ende
jeder Strophe steht: magis gratis. P. Tu pater. 1 muscipulam 2 deglutire
3 Sibilantes und traetantes 3 me falsa proferre testimonia 4 cruci
4 pro triginta argenteis 5 confossus gl. horrifico 5 illico fluit
latex c. sangine innoxio 6quasiaque 6 sepulchro 7 acerbis affi-
cior 6 suppliciis: magis gratis. P. Tu pater. Ende.
über die rythmischen Preces der mozarabischen Liturgie. 219
(I) Missale mixtum secundum regulam b. Isidori (Migne 85
Sp. 372).
In quinto dominico Quadragesimae. Ad missam . . .
no. 148 Freces sequentes dicantur modo ut scriptum est in
primo dominico Quadragesimae:
Insidiati sunt mihi adversarii mei magis gratis.
P. Tu pater sancte miserere et libera me.
V. Portatus sum ut agnus innocens ad victimam:
1 captus ab inimicis ut avis in muscipulam: magis gratis. P. Tu
V. Aperuerunt omnes ora sua contra me : [pater.
2 dentibus fremuerunt querentes deglutire me: magis gratis. P.
V, Sibilantes clamabant et movebant capita: [Tu pater.
3 tractantes de me falsa proferre testimonia: magis gratis
V. Suspensum cruci damnant fixum clavis ferreis: [P. Tu pater.
4 venditum a Judeis pro tringinta argenteis : magis gratis. P. Tu
V. In latere confossus gladio horrifico: [pater.
5 illicofluitlatex cum sanguine innoxio : magis gratis. P. Tu
V, Omnes inundaverunt quasi aque super me [pater.
6 dimersum in sepulcro : adposuerunt lapidem : magis gratis. P. Tu
V, Confusa palluerunt cuncta celi sidera: [pater.
6* dies obtenebratur, cum vidit pati dominum: magis
gratis. P Tu pater.
V. Sic ludeorum turba ceca diffidentia
6^ deposcunt a Pilato milites pro custodia: magis gratis.
P. Tu pater.
V. Tunc milites dividunt vestem meam sortibus:
6^ cernentes in me flagra iniusta et sevissima: magis
V, Intende, pie pater, et succurre miseris : [gratis. P. Tu pater.
7 pro quibus tam acerbis afficior suppliciis: magis gratis. P.
Tu pater.
In der Hft. Toledo 35, 5 (T) f. 94 fehlt im Anfang 'Sequentes bis Quadra-
gesime'; nach der Einleitung 'Insidiati' (Lesleius und Migne ließen 'magis' weg)
stehen in T mit Neumen die Versikel 1, 2; 4, 5, 6; 6c und 7: es fehlen 3, 6» u. 6i>.
Die Zeichen P und v. fehlen in T ; der Refrän ist in verschiedener Weise gekürzt.
In V. 6 scheint 'quasi aquae' echter zu sein als sicut aqua: vgl. Gen. 7, 6 und 10;
Job. 3, 24; Thren. 3, 54.
Wilhelm Meyer,
(II) ITEM ALIA DE EODEM DIE
Vede domine humilitatem meam quia erectus est inimicus.
miserire pater iuste et omnibus indulgencia dona.
p 1 A patre missus ueni perditus requirere
et hostem captivatus sanguenem redemere
plebs dira abiecit me. miser pat iuste.
2 Predictus ad prophetis natus sum ex uirgene
adsumpsi formam serui dispersus coUegere
uenantes ceperunt me.
3 Mihi pro bonis mala reddita sunt plurima
aduersus me dedirunt iniqua consilia
uindetus pecunia.
4 Spiniam coronam posuerunt capite
sputis sordidatum inluserunt impie
adflictum crudeliter.
5 Cum noxiis latronibus suspensus patibolum
amaro cibo pastus et aceruo pucolum
traditus suppliciis.
6 Quos uini liberare accusauerunt me
flagellis uerberatum cruce adfixerunt me
lancia percusserunt me.
7 Dimitte illis noxa pater clementissime
cuneta dele peccata et relaxa crimina
ignorant quid faciunt.
So lautet Paris latin. 13246; mit Item beginnt fol. 106''; in Str. 5 nach
pati 1 beginnt fol. 107 mit bolum. edd. = Mabillon, Muratori; Boucherie.
CorrigiH haben : de eadem 3Ia. Mu. ; vide, miserere und indulgentiam edd.
vgl. Tlireni 1, 9 vide d. afflictionem m. q. er. e. in. 1 perditos edd. 1 hoste
captivatos sanguine redimere edd. 2 a pr. edd. 2 virgine edd. 2 dispersos
coUigere edd. 3 iniqua dederunt Ma. Mu. 3 venditus edd. 4 spineam edd.
{lies espineam und esputis) capiti Ma. Mu. ; Coronam pos. spineam <in> ca-
pite Bo. <me> sputis Bo. 5 Cum noxios latrones Bo. 5 patibulo edd.
5 acerbo poculo edd. 5 supplicio Bo. 6 veni edd. 6 hi accus, siipplevit
Bo. 6 cruci Ma. Mu. 6 lancea 3Ia. Mu. , hasta Bo. 7 noxam edd.
7 peccata dele cuneta Bo. faciant Bo.
Missale mixtum (Migne 85, 354): in der Einleitung: (P.) Miserere und
ebenso im Ende jeder Strophe 1 perditos hoste captivatos 2 dispersos
3 venditum 4 capiti, sordidato, impii 5 suspensum, pastum, traditum sup-
plicio 6 hi accusaverunt, cruci 7 noxia 7 ignorantium quid faciant.
über die rythmischen Preces der mozarabischen Liturgie. 221
(II) Missale mixtum secundum regulam Isidori (Migne 85, 354).
In quarto dominico Quadragesime. Ad missam . . .
Hie dicat presbyter preces (no. 147) seqttentes modo uf supra
scriptum est in primo dominico Quadragesimae (Hie . . . Quadr. fehlt in T)
Vide, domine, humilitatem meam, quia erectus est inimicus.
P. Miserere, pater iuste, et omnibus indulgentiam dona.
Die Zeichen P und v. fehlen stets in T (= Codex Tolet. 35, 5)
V, A patre missus veni perditos requirere
1 et hoste captivatos sanguine redimere:
plebs dira abiecit me. P. Miserere
V, Predictus a prophetis natus sum ex virgine*
2 adsumpsi formam servi dispersos coUigere:
venantes ceperunt me. P. Miserere
V, Mihi pro bonis mala reddita sunt plurima:
3 adversum me dederunt iniqua consilia
venditum peeunia. P. Miserere
V, Spineam coronam posuerunt capiti:
4 sputis sordidato inluserunt impii
afflictum crudeliter. P. Miserere.
4, 2 sordidati T Die Lesmien der pariser Hft. 'capite, sordidatum und
impie' scheinen hesser.
V. Cum noxiis latronibus suspensum patibulo,
5 amaro cibo pastum et acerbo poculo,
traditum supplicio. P. Miserere
Die 5. Strophe fehlt in T cum noxio latrone? Ortis hat: pastus.
V, Quos veni liberare hi aecusaverunt me:
6 flagellis verberatum cruci affixerunt me:
lancea percusserunt me. P. Miserere
(T hat hü).
V, Qui impio latroni dimisisti scelera,
6* tu solve vincla nostra et relaxa crimina,
salva nos cruce tua. P. Miserere.
Die Drucke haben: vincula Die Strophe 6» fehlt in T.
V, Traditus sum sepulcro, confregi portas inferi:
6^ eieci vinculatos et reduxi ad superos.
ostendi in victima P. Miserere
Statt ostendi hat die madnder Abschrift von T: ascendi.
V. Dimitte illis noxam, pater clementissime :
7 euneta dele peccata et relaxa crimina:
ignorant quid faciant. P. Miserere
noxa r, noxia die Drucke des Missale cuncta. dele die Drucke igno-
rantium quid Lesleus und Migne faciunt T.
222 Wilhelm Meyer, Über d. rythm. Preces d. mozarabischen Liturgie.
Inhaltsübersicht.
S. 177 Die Entdeckung der rythmischen Bußlieder. S. 181 Ein-
fache Gruppen von Zeilen. S. 185 Senare, S. 185 sapphische Strophe,
S. 188 alcaeische Zeilen. S. 189 Neue Strophenarten. S. 192 ABCdar.
S. 193 Schwankende Zeilen. S. 194 Wörter zählende Zeilen. S. 198
Art der Überlieferung. S. 210 Alter und Entstehung der Bußlieder.
S. 214 Anhang über die Lieder des Sacramentarium Gallicanum 'Portatns
sum ut agnus' und 'A patre missus'.
Hier besprochen sind folgende Preces-Formel :
Breviarium mozarabicum, Migne Patrologiae latinae Tom. 86
(1891) Spalte: 158 no. 2: s. Seite 193 Br. 166 no. 4: S. 206.
Br. 167 no. 5: S. 194. Br. 169 no. 6: S. 193. Br. 194 no. 8
S. 195. Br. 198 D no. 9: S. 192. Br. 210 D no. 12: S. 195.
Br. 252 no. 13: S. 178. Br. 275 no. 19: S. 193. Br. 284 no. 21
S. 193. Br. 293 no. 22: S. 206. Br. 294 no. 23: S. 194. Br. 338 A
no. 32: S. 187. Br. 354 no. 36: S. 184. Br. 362 C no. 38: S. 190
Br. 371 no. 40: S. 207. Br. 377 no. 42: S. 178. Br. 402 no. 49
S. 197. Br. 409 no. 50: S. 194 (197). Br. 418 no. 53: S. 188.
Br. 427 no. 54: S. 199. Br. 436 no. 56: S. 191. Br. 437 no. 57
S. 192. Br. 480 no. 66: S. 180. Br. 491 no. 68: S. 188 (200).
Br. 512 no. 74: S. 183. Br. 532 no. 78: S. 188. Br. 534 no. 79
8. 185. Br. 542 no. 81: S. 196. Br. 555 no. 82: S. 185. Br. 562
no. 84: S. 190. Br. 584 no 88: S. 181. Br. 585 no. 89: S. 181
Br. 593 no. 90: S. 189. Br. 669 no. 107: S. 183. Br. 678 no. 110:
S. 202. Br. 682 no. 111: S. 187. Br. 715 no. 117: S. 184. Br
718 no. 118: S. 190. Br. 724 no. 121: S. 207. Br. 730 no. 123
S. 197. Br. 970 no. 133: S. 186. Br. 970 no. 134: S. 204. Br,
970 no. 135: S. 196. Br. 976 no. 136: S. 195. Br. 981 no. 138
S. 181. Br. 984 no. 140: S. 207. Br. 987 no. 142: S. 184.
Missale mozar.: Migne 86, 298 no. 144: S. 178. Mi. 336 no
146: S. 199. Mi. 355 no. 147: S. 221. Ali. 372 no. 148: S. 219
Ferotin, Liber Ordinum 1904, p. 115 Rex alt. no. 153: S. 205
p. 115 Mundi. no. 154: S. 207.
Handschrift von Silos 1 (citirt von Ferotin, Sacramentar 1912 Sp
778) fol. 108—114; mitgetheilt von Ferotin; no. 156: S. 196. no. 157
S. 204. no. 159: S. 207. no. 167: S. 205. no. 168: S. 202.
Handschrift im Brit. Museum Add. 3 0846 (citirt als Silos 7
von Ferotin Sacramentar Sp. 865. Nach Photogi*aphie), no. 171: S. 202.
no. 173: S. 190.
Die literarischen Schicksale der Ferneischen Erd-
messung von 1527.
Von
Hermann Wagner.
Vorgelegt in der Sitzung vom 5. Juli 1913.
1. Es ist bekannt, daß der französische Arzt Johannes Fer-
nel seinen Versuch, die Größe eines Erdgrades zwischen Paris und
Amiens zu bestimmen, nicht, wie S. Grünther annahm (Handb. d.
math. Geographie 1890, 227), in einem eigenen Werke beschrieben
hat, sondern ihm in seiner Schrift „Joannis Fernelii Ambianatis
Cosmotheoria, libros duos complexa, Parisiis 1528" ^) nur wenige
Seiten widmet. Als Ergebnis wollte er, wie man in allen nach-
maligen Berichten stets wiederholt, 68096 Schritte oder, den Schritt
zu 5 Fuß gerechnet, 340480 Fuß für den Erdgrad erhalten haben.
An der Diskussion über den Wert oder Unwert dieses Ergeb-
nisses im Verhältnis zur Größe des Erdgrades, wie sie in den
jeweiligen Zeiten der kritisierenden Autoren angenommen ward,
haben sich u. A. : Willebrord Snellius (1617), Riccioli (1661), Jean
Picard (1671), Montucla (1758), Lacaille (1763), Lalande (1787),
Delambre (1819), A. de Morgan (1841), Th. Galloway (1842), Lo-
renz Posch (1860), 0. Peschel (1865), Rud. Wolf (1877 und 1892),
Sigm. Günther (1890 und 1899), W. Jordan (1890) beteiligt oder
es ist in deren Werken wenigstens kürzer oder länger über die
Ferneische Erdmessung berichtet. Seltsamer Weise haben aber
unter dieser großen Zahl, die sich leicht vermehren ließe, nur
Snellius, Eiccioli, Lalande, Delambre, de Morgan, Galloway die
Quellenschrift wirklich zur Hand genommen, aber auch dann
1) Woher K. Wolf, Geschichte d. Astronomie 1877, 168 und nach ihm S.
Günther bis in die jüngste Zeit (Gesch. d. Erdkunde 1904, 146, Anm. 5) den Titel :
„Cosmotheoria seu de forma mundi et de corporibus coelestibus libri duo" haben,
ist mir unbekannt. Im Handb. d. Astronomie v. Wolf 1892, II, 169 ist der Titel
berichtigt.
224 Hermann Wagner,
nicht immer vollständig die Worte gelesen, welche Fernel in ihr
seinem Versuche und dessen Ergebnissen widmet. Kein Wunder,
daß er den verschiedenartigsten Beurteilungen unterworfen worden
ist. Bald sollte Fernel, wie zuerst Snellius und diesem zustimmend
0. Peschel annahm, die ganze Operation fingiert haben, so daß
man Mißtrauen gegen die Gewissenhaftigkeit ihres Urhebers hegen
müsse, bald ward von sehr hervorragenden Astronomen von dem
erstaunlich genauen Resultat gesprochen, das er erzielt habe (La-
lande und nach ihm E,. Wolf 1877 und nach diesem S. Günther
1890), bald wurde es ganz verworfen, da es um mehr als ein
Viertel zu klein gewesen sei (De Morgan 1841 und nach ihm R. Wolf
1892 und S. Günther 1899).
I.
Die Art und Weise, eine wissenschaftliche Tatsache einfach dem
nächst vorhergehenden oder auch einem früheren Berichterstatter zu
entnehmen, ohne auf die eigentliche authentische Quelle zurück-
zugehen, führt, wie sich aus zahlreichen Beispielen gerade im Ge-
biet der Geschichte der mathematischen Geographie nachweisen
läßt, nur zu leicht zu einer förmlichen Mythenbildung. Es er-
scheint daher erforderlich zunächst einmal Fernel selbst in extenso
sprechen zu lassen und zu hören, was und mit welchen Worten
er uns über seinen verfrühten Versuch, die Größe der Erde durch
eigene Messung zu bestimmen, berichtet. In ähnlicher Weise ist
bisher nur Snellius (1617) vorgegangen.
Für die Zeitbestimmung der dem Femel zugeschriebenen
Gradmessung ist wichtig zu wissen, daß er in seiner etwas altern
Schrift: Monalos phaerium, Parisiis 1526, von derselben nicht nur
noch nicht spricht, sondern sich (vergl. Lib. III, prop. V, p. 15)
bei den für seinen Zweck notwendigen Beispielen noch an die
damals schon ziemlich weit verbreitete Ausdrucksweise hielt:
„Gradiä cuique (terrae) sexayinta Italica milUaria dehentur^. Da
andererseits das Vorwort zur Cosmotheorie, in welcher allein er
über jene Erdmessung berichtet, „ex Alma Parisiorum academia
pridie nonas Februarias anno MDXXVIII" datiert ist, so kann
wohl kaum ein Zweifel sein, daß die Operation selbst im 'August
des Jahres 1527 stattgefunden haben muß. Wenn dieselbe in
manchen Werken auf das Jahr 1525 bezogen wird, so rührt dies
sicher von Riccioli her, der in seiner Geographia reformata (Bono-
niae 1661 und 1672, p. 146) mit den Worten beginnt: Anno, ni fallor,
1525. Augusti 25. Parisiis per Regulas parallacticas Fernelius ob-
servavit Solis Meridianam altitudinem Gr. 49° 13' etc.
die literarischen Schicksale der Ferneischen Erdmessung von 1527. 225
In der Cosmotheoria kommt Femel gleich im Kap. I des
ersten Buches auf die Frage der Grroße der Erde zu sprechen.
Und nachdem er kurz die verschiedenen Ansichten eines Erato-
sthenes (1^ = 700 Stadien), Eegiomontan (640 Stadien), Ptole-
maeus (500 Stadien oder 62^/2 milliaria Italica), Campanus, Alphra-
ganus (56^/3 Meilen) namhaft gemacht hat, fährt er fort : Nee {guod
judicio primo oceurrit seriptis demandantes) opinionum varietate seien-
tiam haue infestare verentur: sie ut nemo fere sit quem non lateat,
ciiinam authorum qui inter caeteros multa pollent authoritate sit ad-
haerendum. Ob id ergo eausae, idipsum experimento comprobanSj de-
prehendi aecurata supputatione, cuique gradui circidi majoris tam in
terrae quam in maris convexo 68 Italica milliaria, passus 95 cum una
quarta respondere. Haee autem stadia Romana 544 j passus 45^)
cum una quarta vel exactius cum septemdeeim septuagesimissecundis
efficiunt (1. c. p. 2).
Hanc tandem experientiam (diligenti collatione peracta) opinionibus
Campani, Älmaeonis et aliorum proxime accedere dignovi. Cuivis enim
gradui 56 milliaria cum duabus tertiis tribuentes, ajunt milliarium
quodque 4000 cubitis, seil passibus 1200 constare. Milliariormn itaqiie
56 cum duabus tertiis quos ajunt unico gradui respondere, passus erunt
68000, qui per 1000 distributi, plane declarant cuilibet gradui 68 milli-
aria Italica ad amussim deberi: eritque differentia passuum prope 95.
Hinc profecto promptum fuerit terrae ambitum per mtdtiplicationem,
ex eo subinde et diametrum et convexam superficiem, ipsamque corpo-
raturam preceptis quibusdam discutere. Ducto nempe circumferentiae
numero per 7, ac producto per 22 distributo, diametri quantitas numerus-
que succrescit: inversaque operatione, diametri inqiiam numero per 22
multiplicato, si consurgens per 7 secetur, ambitus circumferentiaque pro-
siliet. Caeterum diameter in circuitum ducta, convexam superficiem efficit
metiturque.
Bignosces igitur harumsce regularum ope, subjectae figurae quanti-
tates terrae in unguem deberi
milliaria
persona
Cuivis gradui ambitus terrae
Totus terrae et maris ambitus
68
24514
95^U
285' li
Terrae diameter
Ejusdem semidiameter, sequentium basis
7800
3900
00
00
1) Offenbar einfacher Druckfehler statt 95.
Kgl. Ges. d. Wiss. Nachrichten. Phil.-hist. Klasse. 1913. Heft 2.
15
226 Hermann Wagner,
Quo facile slt cuiqiie arithmetices officio, cunctas quantitafes milli-
ariis et passibus expressas, in caeteras mensuras resolvere, tabeUam
supposuimus mensurarum varietate refertam.
Granum hordei mensurarum omnium minima
Digitus grana habet 4
Palmus digitis constat 4
Fes palmos habet 4
Cubitus sesquipes est palmos
habens 6
Passus Simplex palmos kaufet 10
Passus geometricus pedes habet 5
Pertica est pedum 10
Stadium Italicum passus habet 125
Milliarium Italicum stadia ha-
bet 8
seu ptccssus 1000
Milliarium Germanicum habet
passus 4000
Milliarium Suevicum habet
passus 5000
Aus diesem Absclmitt erfahren wir nur die eine Tatsache, daß
Fernel „durch einen Versuch bestätigend" und „durch eine genaue
Berechnung" den Erdgrad zu 68 milliaria Italica und 95^4 Schritte
gefunden haben will. Absichtlich habe ich aber seine übrigen
Worte hinzugefügt, um die allgemeinen Anschauungen über das,
was Fernel zunächst mit seinem Resultat über die Erdgröße glaubt
sagen zu müssen, zu kennzeichnen. Man sieht, daß er sich über
die absolute Größe des von ihm angewandten Fußmaßes oder das
Verhältnis desselben zu andern Fußmaßen hier nicht ausspricht.
Andererseits ist wichtig, daß er den arabischen Meilen nicht etwa
1000, sondern 1200 Schritt gibt, wodurch sich sein eigenes Er-
gebnis dem der arabischen Erdmessung, d. h. so wie er das Er-
gebnis auffaßte, ungemein nahe kommt. In diesen Worten kann
von verschieden großen Schritten und Füßen nicht wohl die Rede sein.
Alle diejenigen Kritiker Femels, welche an der Tatsache eines
Messungsversuches von Seiten Ferneis nicht gezweifelt haben,
knüpfen an der Frage, welcher Fuß hier zugrunde gelegt sei,
bezw. welche Größe man diesem Femeischen Fuße zuzuweisen
habe, an.
II.
Es ist klar, daß sich Fernel kaum einen Namen unter den
wenigen Forschem, die vor dem Ende des 17. Jahrh. selbständige
Versuche gemacht haben, die Größe des Erdgrades zu bestimmen,
erworben hätte, wenn nichts anderes über den seinigen bekannt
geworden wäre, als die Werte „experimento comprobans".
Indessen das Scholion zu dem I. Kapitel der Cosmotheoria
geht näher auf die Sache ein (1. c. p. 3^). „Ordo et modus Terrae
commensurationis subjungetur, quo quivis experimento rem ipsam confir-
mei: probetque sit ne res ipsa ad amussim discussa.^ Mit diesen
die literarischen Schicksale der Ferneischen Erdmessung von 2157. 227
Worten leitet Fernel die Beschreibung des von ihm angewandten
Verfahrens ein. Sie zerfällt rationell in drei Teile: den astrono-
mischen zur Bestimmung der Bogenlänge des zu messenden Stücks
eines größten Kugelkreises, den geodätischen Teil, in welchem die
Streckenmessung beschrieben wird, und endlich den Nachweis über
die absolute Größe der angewandten Schritte.
1. Nachdem Eernel mit wenigen durch eine Figur erläuterten
"Worten die Ptolemäische Regula beschrieben, mit denen die Sonnen-
höhen gemessen seien, fährt er fort: „Porro electa die per quam
serena qiiae fiiit Aiigusti vlcesimaqiiinta, hie Parisiis solis in meri-
diano constituti elevationem per regulas deprehendi esse gr. 49, min. 13.
Quam igitur sol eo die undecimum virginis gradum teneret, cujus de-
clinatio est horedlis 7 gr., 51 m. judicavi ex doctrina tertiae proposi-
tionis tertiae partis de usu monalosplmerii aequatoris elevationem partes
41 et m. 22 confinere: qiiare et Parisiorum latitudinem esse 48 gr. et
38 m. Observavi demum, priusquam Her aggrederer, ex tahulis decli-
natiomim pro sequenti die quae est vicesimasexta in latitudine regionis
49 gr. et 38 m. quae magis uno gradu quam Parisii vergit in hoream,
deheret esse meridiana solis elevatio 47 gr. et 51 m. ; idque partim ob
variatam regionis latitudinem, ^)«r^«m ob mutatam solis declinationem.
Die autem vicesimaseptima eodem loco meridianam solis elevationem
oportebat esse 47 gr. et 26 m. At vicesimaoctava 47 gr. et 5 m. Bur-
sumque nona et vicesima die erat futura elevatio 46 gr. 41 m.: simi-
lemque supputationem ad dies plurimos paravi ne in posterum labor
tantus esset operis.
Hinc subinde ad aquilonem, quo directius fieri potuit, profectus,
Her diei unius cum semisse confeci; sumptaque ut prins solis in meri-
diano stantis sublimitas, major ea, quam pro die vicesimaseptima calcula-
t'eram, compefta est: erat quippe 48 gr. 6 m. Censui eapropter longius
esse progrediendum: quod cum effecissem, nee tamen subsequenti die
octava inquam et vicesima pro mitu successisset operatio, prope verum
cognovi quo esset progrediendum. Eo igitur profectus in meridie diei
vicesimaenonae nactus sum quod pridem venabar: solis utpote altitu-
dinem 46 gr. et 41 minutorum: quam in suppiiiatione, diei vicesimaenonae
dedicaveram. In Jiis autem nostro semper usus sum horario, ad meri-
diei horarumque inv estig ationem accommodatissimo.
So roh und unvollkommen nun das hier beschriebene Verfah-
ren ohne Zweifel ist, so scheinen mir seine Worte durchaus dafür
zu sprechen, daß es sich um wirklich durchgeführte Beobachtungen
und nicht etwa blos um in der Studierstube angestellte künstliche
Berechnungen handelt. Über die Breitenbestimmung von Paris
15*
228 Hermann Wagner,
selbst wird es zweckmäßig sein zu sprechen, wenn Peschels Ein-
würfe zur Erörterung stehen (S. 231).
2. Über die auf dem Rückweg nach Paris ausgeführte geo-
dätische Operation gibt Femel allerdings nur einen sehr
kurzen Bericht in unmittelbarem Anschluß an die letzten Worte:
Caeterum quantum locus ille a Parisiorum Lutetia absisteret per-
quirens, accepi vulgi testimonio intercapidinem esse 25 leucarum. Nee
tarnen vulgi supputatione satiatus, vehiculum quod Parisios recta via
petebat conscendi: in eoque residens tota via 17024 fere rotae circum-
volutiones collegi, vallihus et montibus ad aequalitatetn quoad facultas
nostra ferebat, redactis. Erat autem rotae illius diameter 6 pedmn sex-
que paulo magis digitorum geometricorum : ob idque ejus ambitus pediim
erat 20, seu passuum 4. His ergo revolutionibus per 4 ductis, reperi
porssus 68096 qui milliaria sunt Italica 68. cum passibus 96. Malui
tarnen hos passus, in passus 95 cum uno quarto convertere: ne quae-
piam fractio foret in terrae dlametro praefigenda. Proinde quum
aequalis sit operationis ratio ubivis locorum sive in terra sive in mari
ut affatim demonstratum est, statim concUisi cuique gradui circuli ma-
joris tantunde^n deberi. Ex Jus demum percepi leucam Gallicam majo-
rem esse duobus milliariis Itdlicis, quod et alio experimento probavi.
Auf die Mängel des Messungsverfahrens kommen wir sogleich
im Anschluß an die Einwendungen von Snellius zu sprechen. Da-
gegen sei besonders auf den Zwischensatz aufmerksam gemacht,
der die volle Absicht von Femel kundgibt, den Überschuß von
96 Schritten über die 68 Milliarien durch den nur scheinbar ge-
nauem Wert von 95^/4 zu ersetzen „we quaepiam fractio foret in
terrae diametro praefigenda^. Ihm kommt es also offenbar im Be-
wußtsein, daß das Ergebnis seines Experiments nur sehr ange-
nähert der Wahrheit entspricht, auf eine starke Abrundung an.
Er bringt dieselbe aber nicht am Erdgrad oder am Erdumfang an,
etwa wie Eratosthenes einst seine 250000 Stadien für letztem auf
252000 erhöhte, damit sie durch 30 bezw. 360 teilbar wären, und
er so für den Erdgrad die runde Zahl von 700 Stadien erhielte.
Vielmehr will Femel die Abrundung, wogegen sich grundsätzlich
nichts sagen läßt, am Durchmesser bezw. Halbmesser der Erde
vorgenommen wissen. In der Tat ergibt die Einstellung von 3900
Mill. für den Halbmesser die angegebene Zahl des Erdumfangs
2.3900.22 ^ 2^g^^ ^^.^^ ^g^, ,^ ^^^^^^
3. Zuletzt teilt Fcrnel noch mit, auf welchem andern Wege
er sich überzeugt habe, daß eine Grallische leuca größer als
zwei Italische Meilen sei.
die literarischen Schicksale der Ferneischen Erdmessung von 1527. 229
Nam a regio iJalatio ad aedem sacram divi Dionisii passiis 5950
dinumeravi: et inter ambas civitates passus mediant 4450, Honim
autem passimm (qui mei et cujusque hominis staturae mediocris sunt)
quinque, sex geometricos passus efficiunt: et mille, mille et ducentos
geometricos seil ciibitos quadringentos componunt: quod maxime conso-
num est opinioni Campani et caeterorum ponentium milliarium passihus
1200 geometricis constare, seit mille passihus vulgarihus. Hancque
veram existimarim milliarii quantitatem. Per id temporis Farisiorum
longittidinem dimensi, Jianc ohservavimus esse passuum geometricorum
2110. Latitudinetn vero passuum 2030. Ac tandem amhitum passuum
esse 7650.
III.
Der erste, der sich eingehender mit Ferneis Versuch der Erd-
messung befaßt hat, ist bekanntlich Willebrordus Snellius.
In seinem Werke „Eratosthenes Batavus, de Terrae ambitus vera
quantitate, a. W. Sn. suscitatus, Lugd. Bat. 1617" zitiert er einen
großen Teil der oben mitgeteilten Ausführungen von Fernel v^ört-
lich und knüpft daran (Lib. I, Cap. XXI, p. 116) eine kurze Kritik.
Ferneis Versuch sei eher zu loben, als sein Ergebnis zu billigen,
da bei seinem Werke kaum alles im Zusammenhang stehe. Man
sieht, daß hier ein Zweifel an der Durchführung des Versuchs
noch nicht ausgesprochen wird.
Er tadelt weniger die Polhöhenbestimmung für Paris, deren
Wert Orontius und Vieta anders gefunden hätten, als die Art
und Weise, wie er von dort weiter operiert habe. Am 28. August
ausgehend habe er seihen Standpunkt am 29. nur vermutungsweise
festgelegt, den Abstand der einzelnen Orte nur nach der Schätzung
des Volks angenommen. Allerdings sei die Idee der Messung durch
die Umdrehung eines Rades geistreich, aber bei so großer Ent-
fernung dies Verfahren nicht anwendbar. Auch sei die Zahl (der
Umdrehungen) nicht durch Beobachtungen festgestellt, sondern sei
von ihm (Fernel) selbst berichtigt (emendatus), indem er die Uneben-
heit der Täler und Berge und Krümmungen der Wege schätzungs-
weise (divinando) ;in eine ganz gerade und kürzeste Linie zu-
sammengezogen habe. Was sei das anders, als seine eigenen Be-
obachtungen nach fremder Richtschnur zu modeln. Er wolle die
Lage des Meridians, die nicht beschrieben sei, übergehen, ferner
daß die ganze Stadt Paris statt des Endpunktes der Messung ge-
nannt sei, während die andere Station keine Erwähnung gefunden
habe; man erfahre nichts über Grau, oder Burg oder Stadt, die in
der Nähe gelegen seien, und anderes mehr.
230 Hermann Wagner,
Man sieht, daß Snellius eine Reihe durchaus berechtigter Ein-
würfe gegen die mangelhafte Beschreibung des Ferneischen Ver-
suchs, der an sich zu loben sei, macht, aber noch mit keinem Wort
einen Zweifel durchblicken läßt, die ganze Operation beruhe viel-
leicht auf einer Täuschung des „medicus alioquin doctissimus".
Im II. Buch, Cap. XI (p. 210) kommt Snellius bei Betrachtung
der von den Arabern durchgeführten G-radmessung nochmals auf
Fernel zu sprechen. „Et si rem totam diligentius examinemus, pla-
num erit Fernelium ex Arabihus sua compiJavisse, non autein ohser-
vando ex coelo legitime derivavisse. nam ille quem in gradu assumit,
passuum numerus sunt pedes 340480. atqiii Arabihus sunt pedes 840000,
quam numerorum vicinitatem ex rudi illa, quam ipse profert gaeodaesia
nunquam esset assecutus. Verum, opinor, pedetn Bomanum Ärabico
parem supposuit^ et Budaeus Bomanum Parisiensi aequalem censuit,
unde in pedum summa ab Arabihus aliquantillum abludere caput rei
est Fernelio, medico alioquin doctissimo, visum. Sed utrumque Ferne-
lium fefellit, certe Parisiensem Bomano aut Bhijnlandico nostro multo
majorem antea demonstravi.^
Man erkennt, daß Snellius die Vermutung, Fernel habe seinen
Messungsversuch nur fingiert, jetzt zwar durchblicken läßt, aber
doch auch einen Irrtum von seiner Seite zuläßt. y^Fernelium fe-
fellit"" heißt, daß Fernel sich hat täuschen lassen, nicht, daß er
getäuscht habe. Grelegentlich klingen bei späten Autoren Äuße-
rungen des Zweifels an Snellius an. Delambre meinte, nachdem
er eine Reihe von Mängeln aufgezählt hat ^) : Vous aurez droit de
soup^onner que Fernel a verifie la mesure des Arabes comme
ceux-ci avaient verifie celle de Ptolemee. Viel schärfer spricht
sich dagegen Oscar Peschel-) aus: „Das Urteil des Snellius,
daß Femelius nur das Ergebnis der arabischen Gradmessung will-
kürlich in geometrische Schritte umgewandelt, seine Zeitgenossen
aber durch ein Blendwerk getäuscht habe, ist nur zu begründet^.
„Da er uns völlig im Dunkel läßt, auf welche Art er die Wirkung
der wagerechten wie senkrechten Krümmungen der Straße aus dem
Ergebnis beseitigte, so hat von jeher (?) Mißtrauen gegen die Ge-
wissenhaftigkeit dieses mathematischen Beweises geherrscht." Kein
Zweifel, Peschel hat den Originaltext nicht eingesehen.
Der zweite Grund zu Mißtrauen liegt bei Peschel in den
Breitenbestimmungen Ferneis. Er habe für Paris dieselbe
zu 48° 38' gefunden, also um 12 Bogenminuten zu südlich. „Welches
1) Bist, de l'astronoraie du moyen äge Paris, 1819, 385.
2) Geschichte d. Erdkunde, München 1865, S. 355; 1877, S. 394.
die literarischen Schicksale der Ferneischen Erdmessung von 1527. 231
Vertrauen können uns also seine Sonnenhöhen einflößen?" Hier zeigt
sich Peschel wieder, wie an andern Stellen, nicht genügend in der
Geschichte der mathematischen Geographie jener Zeiten bewandert.
Er vergißt, daß es sich um den Anfang des 16. Jahrh. handelt.
Man muß sich erinnern, das Ptolemaeus, der für die damalige Zeit
noch vielfach maßgebend war, Paris auf 48^ 10' verlegte, daß
Schoener (1515) und Peter Apian (Liber Cosmogr. 1524)
dafür 47^55' annahmen und Fernel selbst 1526 in seinem Monalo-
sphaerium von 48^ 30' (I Propositio V, p. 14), dem Werte, dem auch
sein Zeitgenosse Orontius Finaeus gehuldigt hatte, ausging. Danach
war die Hinaufrückung der Breite durch Ferneis eigene Beobach-
tung auf 48^ 38' immer schon ein anerkennenswerter Fortschritt.
Erst später sehen wir Orontius Finaeus auf 48^ 40' übergehen und
gegen Ende des 16. Jahrh. findet sich bei Yieta 48^ 43' ; sodaß die
richtige Breite von 48^ 50' kaum vor Beginn des 17. Jahrh. erkannt
ward. Lalande hat 1787 (s. u.) als Hauptgrund der falschen Breiten-
bestimmung das zu Ferneis Zeiten allgemein übliche Festhalten an
der Ptolemaischen Schiefe der Ekliptik angegeben. Kurz aus der
noch mangelhaften Breitenbestimmung dem französischen Arzte
einen Strick drehen zu wollen, erscheint unbillig.
Gehen wir auf das Verfahren der terrestrischen Mes-
sung noch mit einigen Worten ein, so ist die Fabel eines Wagens
mit hodometrischem Zählwerk sicher auf Ricci oli zurückzuführen.
In seiner älteren Schrift, dem Almagestum novum (Bononiae 1651,
Pars n, T. I, p. 589) sagt er, übrigens sehr kurz bei Fernel ver-
weilend, „Praeparato vero jam curru cum rota quadam cuius revo-
lutiones singulae singulis tympani ictihus numeratae iter Parisiis
rectum versus Boream docerent, pervenit . . . Von einer solchen
ingeniösen Vorrichtung erzählt uns Fernel selbst nichts, wie aus
dem mitgeteilten Text (S. 228) hervorgeht. Im Jahre 1661 ver-
öffentlichte Riccioli dann seine in geographischen Kreisen be-
kanntere Geographia et Hydrographia reformata, die 1672 unbe-
deutend vermehrt von neuem ausgegeben ward. Inzwischen hatte
Hiccioli — und dies scheint späteren Autoren über Fernel ent-
gangen zu sein — Einsicht von der Cosmotheria des letztern ge-
nommen. Er berichtet nun weit ausführlicher über Ferneis Grad-
messung, läßt aber das Rad mit der tönenden Glocke ganz bei
Seite: Es heißt bei Riccioli (1. c. 1672, p. 126):
Etsi vulgi testimonio locum illum {i. e. uno gradu Parisüs di-
stantem) 25 leucis distare Parisiis audier at, liis tarnen non acquies-
cenSj veJiiculum, quod inde reda via Parisiis petebatj conscendit, et
rotae unitis tota via circumvolutiones 17024. fere numeravit, Vallibus
232 Hermann Wagner,
et Montibiis ad aequalitaiem, qitoad facultas nostra (inquit) ferebat
redactis"".
Für die spätere Betrachtung wird es aber wichtig sein, schon
hier darauf aufmerksam zu machen, daß das Rad, dessen Um-
drehungen von Fernel gezählt wurden um die Länge des zurück-
gelegten Weges zu bestimmen, nicht eines der Wagenräder selbst
gewesen sein kann, welches dem vehiculum angehörte, auf dem er
sich selbst befand. Dagegen dürfte gewiß seine beträchtliche Größe
mit einem Umfang von 20 Fuß oder einem Durchmesser von 6^/3
Fuß sprechen. Fernel spricht nicht von den revolutiones rotae uniuSy
wie es bei Riccioli heißt, d. h. eines der Wagenräder, sondern sagt:
veliiculo residens tota via rotae circumvolutiones collegi. Das Rad muß
also wohl mit einer 3V2 Fuß über dem Boden befindlichen Achse
am Wagen befestigt gewesen sein und wird eine Marke gehabt
haben, um die Umdrehungen leichter mit dem Auge feststellen
und sie so zählen zu können. Gegen den Ausdruck eines „Meß-
rades" läßt sich daher nicht viel einwenden, aber von einem „ho-
dometrischen" Zählwerk, das am Wagen angebracht gewesen sei
und die Umdrehungen eines bestimmten Rades gezählt habe, wie
S. Günther noch 1890 erzählt, kann nicht die Rede sein.
IV.
Interessant ist nun, die Wandlungen zu verfolgen, die
das Messungsergebnis des Fernel im Laufe der Zeit durch-
gemacht hat. Alle diejenigen, die sich an der Interpretation
desselben beteiligt haben, stellen sich stillschweigend auf den
Standpunkt, daß es sich um eine zielbewußte Erdmessung ge-
handelt habe, verweilen kaum noch bei dem Verfahren selbst.
Vollkommen korrekt berichtet Ricci oli darüber (Geogr. ref.
1672, p. 146). „Jam vero ex assertione Fernelii ohtinemus milliare
vulgare Italicum ex opinione Campani continuisse 2^cissus geomctricos
1200. Ergo milUaria 68 Italica, quae Campanus, et cum eo Fernelius
dixit aequalia esse Arabicis 66^1%.^
Aber indem er seinerseits diese 56V3 arabischen Meilen gleich
81^5 römischen setzt, vergrößert er das Femeische Ergebnis ge-
waltig, ja wie Lalande 1787 nachweist, bis auf 62726 Toisen.
Tatsächlich tritt erst im Jahre 1671 das Ferneische Resultat
im Gewände von Toisen auf. Es ist Jean Picard, der in seiner
Schrift „Mesure de la Terre" 1671 Art. 1 nur mit wenigen Worten
über Fernel berichtet und schließt: „II jugea qu'un Degr(5 d'un
grand cercle de la Terre contenoit 68096 pas g^om(!'triques (sie) qui
Selon notre fa^on de mesurer valent 56746 Toises 4 pieds de Paris".
\
die literarischen Schicksale der Ferneischen Erdmessnng von 1527. 233
Hier werden also erstens die Schritte , von denen Fernel
spricht, ohne weiteres „pas g^ometriques" und sodann diese gleich
5 Pariser Fuß gesetzt. Da nun diese Toise 6 Pariser Fuß hat,
folgt die oben genannte Zahl. Aus Peschels^) Worten: „Fernel
erhielt einen Längengrad von 68096 geometrischen Schritten zu
5 Fuß (pieds du Eoi) oder 56747 Toisen für einen Grrad im größten
Kreise" müßte man folgern die Toisenangabe finde sich schon bei
Fernel, was aber, um es nochmals zu betonen, nicht der Fall ist. Ja
Lorenz P 0 s c h ^) (1860) dreht die Sache vollkommen um. „Aus den
Umdrehungen des Rades ergab sich ihm die Länge des Grades zu
340480 Fuß = 56747 Toisen. Fernel selbst aber reduziert diese
Anzahl Fuß; indem er irrtümlich den Pariser Fuß dem römischen
gleichsetzt und somit 5 Fuß auf 1 Schritt rechnet, auf 68096
Schritt oder 68 italienische Meilen und 96 Schritt."
Picard selbst hatte den Erdgrad zu 57060 Toisen gefunden.
Danach hatte Fernel in den Augen Picards und aller der ihm
hierin Folgenden den Erdgrad nur um 0,6 Prozent zu klein ge-
funden. Doch verhehlten sich manche französische Forscher, die
im 18. Jahrhundert über Fernel berichteten, nicht, daß nur ein
glücklicher Zufall solche Annäherung an die Wahrheit habe be-
dingen können. So sagt Montucla in seiner großen „Histoire
des Mathematiques" (Paris 1758, T. II, 231), nachdem er die eben
genannten Zahlen wiederholt hat: „Cette exactitude seroit beau-
coup d'honneur ä Fernel, si eile etoit un effet de la bonte de la
methode, car on scait aujourdhui que ce degre est de 57060 toises
environ. Mais qui ne voit que ce fut seulement un heureux
hazard qui l'approcha si fort de la verite et ä apprecier le procede
qu'il suivit qui auroit ose le soupconner?".
Aber derartige Bedenken haben nicht verhindert, daß man
dem Ferneischen Ergebnis noch eine weit bessere Note erteilte.
Dafür ist der ältere Lalande (Joseph Jerome f 1807) verant-
wortlich zu machen. In der 2. Auflage seiner großen Astro-
nomie (Paris 1777 — 81) ist Lalande noch so wenig über die
Sachlage orientiert, daß er Fernel den Erdmessungs versuch erst
im Jahre 1550 ausführen läßt. Mittlerweile hat er Einsicht von
der Originalschrift genommen, und legt in seinem „Memoire sur
la mesure de la Terre, que Fernel publia en 1528" ^) seine An-
sichten ausführlich nieder. Man kann nicht leugnen, daß der
1) Gesch. d. Erdkunde 1865, S. 355, 2. Aufl., 1877, S. 394.
2) Gesch. u. System d. Breitengradmessungen, Freysing 1860, 31.
3) Me'moires de Mathematiques et de Physique , tires des Registres de
l'Academie Roy. des Sciences. Annee 1787, p. 216 — 222.
234 Hermann Wagner,
Glaube an die Objektivität seines Urteils durch die Eingangsworte
etwas erschüttert wird: „Jean Fernel est le premier qui nous
ait fait connoitre exactement la grandeur de la Terre; sa mesure
fait honneur ä la France, comme celle de Picard, qui fut la premiere
executee avec la grande precision de Tastronomie moderne". Laplace
verschließt sich nicht gegen die Bedenken, die man gegen den
mangelhaften Bericht Fernels über seine Messung erhoben hat.
„Mais on ne doit pas opposer des conjectures vagues ä l'assertion
formelle d'un auteur estime d'ailleurs." Er schildert Eemel zu-
gleich als Mann, der sich gern mit dem Bau kostspieliger Instru-
mente beschäftigt habe, sodaß man ihn von Seiten der Verwandten
mit allen Kräften zur Ausübung der Medizin gedrängt habe.
In der Sache selbst verteidigt Lalande seinen Landsmann
vor allem rücksichtlich der astronomischen Breitenbestimmungen,
die falsch geworden sei, weil er, wie alle seine Zeitgenossen, an
der Ptolemaischen zu großen Annahme der Schiefe der Ekliptik
festgehalten habe. Snellius erwähnt er nicht, dagegen wendet er
sich energisch gegen Riccioli's Interpretation des Ferneischen Er-
gebnisses. II n'y a dans le recit de Fernel qu'une chose certaine;
savoir 68096 pas de cinque pieds de France, c'est a cela qu'il faut
s'entenir." „Nous ne pouvous douter" heißt es an anderer
Stelle (p. 219) „queces pieds nesoient des Pieds de Paris".
Das sei ja auch Picards Meinung gewesen. „Mais cette exactitude
dejä si singuliere, devient bien plus etonnante lorsque l'on tient
compte du changement fait au pied de Paris depuis le temps de
Fernel. Nous savons positivement par le temoignage de Picard,
d'Anzout et de la Hire (Mem. 1714), que la toise de Paris fut
raccourcie de 5 lignes en 1668; donc il faut ajouter 323 toises ä
la mesure de Fernel et l'on aura 57070 toises, c'est-a-dire, ä 1 toise
pres, comme nous le trouvons aujourd'hui" (d. h. je 5 Linien auf
56746 Toisen nach Picardscher Interpretation ergeben 283730:864
Linien = 323 Toisen).
Auf diese Weise war nun in der Tat für das Ferneische Er-
gebnis eine wahrhaft bewundernswerte Übereinstimmung mit dem
Breitengrad von Paris erzielt, den man zu Lalandes Zeiten
zu 57069 Toisen annahm. Delambre wiederholt das Gleiche
1814 (Astronomie III, 576), gibt dann aber in seiner Histoire de
l'astronomie du moyen äge (1819, p. 380) eine ziemlich wörtliche
Übersetzung des Textes der Cosmotheorie und kritisiert dabei
allein den astronomischen Teil der Operation, läßt, wie oben ge-
zeigt, einige Zweifel über das ganze Verfahren durchblicken, be-
richtet dann aber von der großen Genauigkeit des Resultates,
die literarischen Schicksale der Ferneischen Erdmessung von 1527. 235
ohne Stellung zu der Sache zu nehmen: „On a trouve que le degre
de Fernel differait peu du degre de Picard et guere plus du degre
de la Caille. C'est un grand bonheur; c'est la seule reflexion que
je me permettrai sur la mesure de mon compatriote". Aber die
Autorität eines Lalande hatte für mehr als ein Jahrhundert ihre
Wirkung. Sowohl Rud. Wolf spricht in seiner Greschichte der
Astronomie (München 1877, 169) von „einem zum Verwundern guten
Resultat", als Sigm. Grünt her, der des letztern Ausführungen
wörtlich wiederholt.
Jedoch als Wolf sich zu der Lalandeschen Interpretation des
Fernelschen Ergebnisses bekannte, war bereits ein Menschenalter
zuvor der ernsthafte Versuch einer Widerlegung gemacht worden.
Aber die eingehende Erörterung, welche die Astronomen Augustus
De Morgan^) und Thomas Galloway über Eernel in Briefen
an die Herausgeber des Philosophical Magazine von 1841 und 1842
führten, ist durch Jahrzehnte in Deutschland offenbar ganz unbe-
kannt geblieben. Sie ward 1841 von De Morgan eröffnet; er sucht
zu beweisen, daß die Angaben Montuclas (1758) und Delambres
(1819) weder unter sich noch mit denen, die Fernel mitteilt, stimmen.
Die erste Erwiederung Gallo ways ^) enthält eine Reihe interessanter
metrologischer Bemerkungen, auf die wir zurückkommen. Nirgends
ist früher oder später das Verhältnis der passus vulgares und
passus geometrici, die bei der Entscheidung über den Näherungs-
wert, den Fernel erzielte, eine besondere Wichtigkeit haben, so
gründlich erörtert worden, als zwischen den beiden britischen
Forschern. Die Sache erhielt aber eine andere Wendung, als De
Morgan bei Verfolg der Studien über Schriftsteller des 16. Jahrh.
im Britischen Museum zuerst das Monalosphaerium von Fernel aus
dem Jahre 1526 in die Hände bekam und hier die „Figuratio pecUs
geometrici'^ entdeckte^). Er ließ alsbald eine vierte Notiz im Philos.
Mag. erscheinen.
Die Abbildung findet sich im IV. Teile: Corporum magnitu-
dines (Blatt 25, 2. S.) ; in dem ganz kurzen nebenstehenden Text
wird direkt auf die Figur nicht hingewiesen. Es werden die Scalae
des Monalosphaeriums beschrieben: „Scalariwi partes punda aut
digitos saepiusade vocitari dignovimus : earionque suhdivisiones {si qiiae
1) Philos. Magazine and Journal of Science. Vol. XII. London 1841, 445—
47. On the history of Ferneis Measure of a Degree. — XX, 1842, 116—17. Addi-
tional Note. — ib. 230—33. In Reply to Mr. Galloway's Remarks.
2) Ib. XX, 90 — 98. Remarks on Ferneis Measure of a Degree.
3) Ib. XX, 1842, 408—11. On Ferneis Measure of a Degree.
236 Hermann Wagner,
sint, digitorum minuta. Caeterum virga quaedam mensoria omni moU-
mine nohis deligenda est, mmsurarum diversitate locupletafa. Hac
qiiippe duce faciliori negocio in omnes provehemiir operationes: magno-
que usui fiitura est, si qumtupedalem quantitatem toti concesseris:
ceterasque mensuras sequenti tabeUa declaratas"" :
Granum, omnium mensurarum minima.
Digitus grana 4
complectitur. Haec nostro instituto sufficient.
Palmus digitos 4
Pes palmos 4
Passus Pedes 5
De Morgan hat den abgebildeten Fuß gemessen, findet ihn
mit Rücksicht auf die mögliche Verkleinerung in Folge der Ein-
schrumpfung des Papiers zu 9,9 engl. Zoll, oder in runder Zahl
zu 10 inches. Demnach sind nach seiner Rechnung die 340480 Fuß,
welche Fernel für den Grrad fand, nicht mehr als 3404800 Inches
oder 53^/4 engl, miles, während der Grad bekanntlich mehr als
69 (Statute) miles enthält. Denn darüber könne doch kein
Zweifel sein, daß Fernel diesen von ihm selbst abge'-
bildetenFuß bei seiner Messung zugrunde gelegthabe.
Weit entfernt also, daß sein Resultat der Wahrheit so nahe ge-
kommen wäre, wie Lalande u. A. vermutet haben, bleibt Fernel
weit hinter derselben zurück. In der Tat würde er den Erdgrad
um volle 28 Proz. (54 gegen 69 miles) zu klein gefunden haben.
Von diesem Ergebnis Morgans erfuhr Rud. Wolf erst nach
fünfzig Jahren. Er kommt weit ausführlicher als früher in seinem
„Handbuch der Astronomie, ihrer Geschichte und Literatur" (Zürich
1892, II, S. 169) auf die Ferneische Erdmessung zurück, gibt die
wichtigsten Ausführungen Morgans und schließt : „Da es nun kaum
einem Zweifel unterliegt, daß der von Fernel in seiner Cosmotheoria
angewandte Passus mit demjenigen des Monalosphaerium überein-
stimmt, so ist damit in der Tat die neuere Berechnung der Fernei-
schen Messung hinfällig geworden, ja letztere selbst im Sinne des
Snellius in Frage gestellt, da ein um ein volles Viertel zu kleines
Resultat wirklich verdächtig erscheint^. Aus den frühern Be-
wunderern sind jetzt scharfe Gegner geworden. Ohne seiner eigenen
Worte von 1890 zu gedenken, wirft auch Günther in seinem Hand-
buch der Geophysik (I, 1897, 148) mit Hinweis auf Wolf Fernel zu den
Todten. „Das Experiment des Pariser Arztes Fernel hat die neuere
Kritik, zumal jene Morgans, als auf bloßer Selbsttäuschung be-
ruhend oder gar zur Täuschung anderer angestellt nachgewiesen".
Mir ist in der Literatur des 19. Jahrh. bisher nur ein Mann
bekannt geworden, der sich gegen die Morgansche Auffassung und
die literarischen Schicksale der Ferneischen Erdmessung von 1527. 237
damit gegen die Behauptung gänzlicher "Wertlosigkeit der Jb'ernel-
schen Erdmessung gewandt hat: der bereits genannte Thomas
Galloway u. zwar schon im J. 1842. Aber seine Eeplik gegen
De Morgan, welche erst im 2. Bande des Philosophical Magazine
von 1842 (Bd. XXI, 22—25) abgedruckt ist, scheint auch Wolf,
geschweige allen von ihm abhängigen Autoren, entgangen zu sein.
Seinem Hauptargument, daß es keineswegs bewiesen sei, Fernel
habe bei seiner Erdmessung und den sich anschließenden Berech-
nungen über die Größe der Erde den Fuß zugrunde gelegt, welchen
er im Monalosphaerium abgebildet hat, möchte ich mich durchaus
anschließen. Aber wir müssen nun die Frage im Zusammenhang
erörtern.
Meines Erachtens muß der Ferneische Versuch, wenn man
seine Bedeutung recht ermessen will, durchaus im Lichte seiner
Zeit| d. h. unter Berücksichtigung der kosmographi-
schen Anschauungen seiner Zeit betrachtet werden. Das
aber geschieht von keinem einzigen der angeführten Autoren. Das
Ergebnis an sich, ob es der wahren Erdgröße sehr nahe gekommen
oder nicht, sollte nicht im Vordergrund des Interesses des Histo-
rikers der mathematischen Geographie stehn.
Ferneis Versuch datiert aus dem Jahre 1527. Diese Zeit ge-
hört noch jener schon im 15. Jahrh. beginnenden Periode an, wo
sich sowohl die Kosmographen, wie die N"autiker ernstlich mit der
Frage von der Größe der Erde beschäftigten und wo man zugleich
die Wegemaße wieder mehr zum Erdgrad in Beziehung zu setzen
suchte.
Aus dem Altertum waren die Eratosthenische (1° = 700 Sta-
dien) und die durch Ptolemaeus am bekanntesten gewordene An-
nahme des Erdgrades (1^ = 500 Stadien) überliefert, traten in
der arabischen und mittelalterlichen Literatur aber bekanntlich
immer im Gewände der römischen Meilen (mille passuum = 8 Sta-
dien) mit 87 V2 und 62^2 Meilen auf. Dazu kam das Ergebnis der
sogenannten arabischen Erdmessung, zumeist dem Abendland in der
Form von 56^/3 Meilen für den Erdgrad überliefert. Durch die
verschiedene Interpretation dieser drei Grundzahlen, wenn ich sie
einmal so nennen darf, entstanden weitere Annahmen, auf deren
mannigfaltige Form ich jedoch, um nicht abzuschweifen, hier ab-
sichtlich nicht eingehe.
Gegen das Ende des 15. Jahrh. gelangt unter den Kosmo-
graphen Italiens, Frankreichs, Deutschlands einer der überlieferten
238 Hermann "Wagner,
"Werte zur Herrschaft, der Ptolemäische, aber nicht in der Form
10 = 62^/2 milliaria italica, sondern in der von
60« M. = 1^
Denn ich bin überzeugt, daß es sich dabei zuerst nur um eine
bessere Anpassung der Milliarienzahl an den Erdgrad gehandelt
hat. Der Fehler einer Reduktion des Erdgrades von 6272 auf
60 Milliarien war bei der sonstigen Unsicherheit der Kenntnisse
von unwesentlicher Bedeutung für jene Kosmographen. Es steht
noch nicht fest, von wem die Annahme 60 Mill. = 1° herrührt,
ich vermute von dem eifrigen Herausgeber des Ptolemaeus, N i c 0 -
laus Germanus, in dessen Ulmer Ausgabe von 1482 ich zuerst
am Äquator die Bezeichnung finde „Unus gradus habet 60 milliaria".
Wie dem auch sei, die Annahme bürgert sich zu Beginn des 16.
Jahrh. mehr und mehr in der kosmographischen Literatur ein,
zugleich mit der Abänderung, daß man in Deutschland (15 Meilen
= 1«), Frankreich (25 Lieues = 1^), und Spanien (17 V2 Leguas
= 1°) die heimischen Wegemaße an Stelle des Milliare Italicum
setzt. Der Standpunkt, der mir für die Zeiten Ferneis maßgebend
zu sein scheint, wird m. E. am besten durch den Auszug aus dem
Caput XI von Peter Apians Cosmographicus liber (Erste Ausgabe
1524): De partibus mensurae, seu speciebus Greometriae practicae
bezeichnet :
Et secundum aliquos 480 stadia tun gradui aequinoctialis corre-
spondent. Quae 15 Miliaria Germana, auf 60 italica mensiirant,
Galli sive Franci 25 leucas uni gradui trihuenint.
Es sei daran erinnert, daß Femel 1526 im Monalosphaerium
ausdrücklich hervorhebt (s. 0. S. 224): Gradui ciiique {terrae) sexa-
ginta Italica milliaria dehentur. Daß diese Verhältniszahlen, die
sich in der gleichen Form durch vier Jahrhunderte erhalten haben,
bis die verschiedenen Meilen im Binnenland durch das metrische
Wegemaß ersetzt wurden , irgendwie bereits auf eine richtige
Kenntnis der Größe der Erde schließen ließen, ist freilich eine
Meinung, die zahlreiche Historiker der mathematischen Geo-
graphie stillschweigend und gleichsam als selbstverständlich ge-
hegt haben, die aber nichtsdestoweniger falsch ist und daher
einen der verhängnisvollsten Irrtümer in sich schließt.
Scheinbar ist die Anpassung der Wegemaße an den Erdgrad ein
wissenschaftlicher Fortschritt, in Wahrheit kann man ihn insofern
einen Rückschritt nennen, als den ursprünglich aus Zeitmaßen —
oder (später) aus Fußmaßen — in jedem Lande entwickelten Einheiten
der Wegemaße damit der Stempel des Naturmaßes aufgedrückt
die literarischen Schicksale der Ferneischen Erdmessung von 1527. 239
wurde. Ihre Grröße mußte mit der sich entwickelnden Kenntnis
von der Größe des Erdgrades schwanken. Das einzige nicht von
der Zeitdauer bei Zurücklegang einer Wegestrecke abhängige
Streckenmaß war in der Periode, von der wir reden, die Tau-
send-Schrittmeile, das Milliare Italicum. Kein Wunder, daß
dieses unter den Kosmographen des Zeitalters der Entdeckungen
mehr oder weniger das allgemeine Verständigungsmittel, das Ver-
gleichsobjekt ward. Ebenso hält man daran fest, daß der Schritt
dieses Milliare Italicum 5 Fuß habe. Im einheitlichen Maßsystem
der Kosmographen verstand man unter dem Schritt den Passus
duplex, quem Geometricum ap2)eUare libuit, wie sich Apian ausdrückt.
In seiner Maßtabelle, die der oben aus Fernels Werk mitgeteilten
durchaus gleicht, heißt es:
„Fassus geometricus quo utitiir Cosmometra habet 5 pedes^. Bis
soweit dürfte jeder Kritiker der Fernelschen Erdmessung zustim-
men. Aus der obigen Darstellung geht deutlich hervor, daß die
gesamten Erörterungen sich um die Frage drehen, welchen Fuß
Fernel bei seinem Versuch der Grradmessung zugrunde gelegt habe.
Allgemein muß die Behauptung vorweg aufgestellt werden, daß
die Kosmographen jener Zeit, soweit für sie eine Definition des
Passus in Betracht kam, immer den römischen Fuß dabei
ideell zugrunde legten, wenn gleich ihnen dessen genaue
Größe selbstverständlich nicht bekannt sein konnte; in der Praxis
ersetzte man ihn mehr oder weniger durch den heimischen Fuß.
Das 16. Jahrh. ist bekanntlich noch äußerst arm an metro-
logischen Untersuchungen über die Beziehungen der verschiedenen
Fußmaße, wie sie als höchst wichtige Grundlage für die Geo-
daesie von Snellius 1615 durchgeführt wurde. Gemäß der Ge-
nügsamkeit der altern Zeiten in Betreff der Schärfe der Maße
tritt um 1500 das Bedürfnis zu solchen Vergleichen der Fußmaße
noch nicht stark hervor, — wiewohl es nicht ganz fehlt; anders
steht es beim Vielfachen des Fußmaßes, dem Schritt und der
Meile.
Von diesem Standpunkt aus muß es meines Erachtens dem
Fernel als ein Verdienst angerechnet werden, daß er einerseits
den Unterschied zweier Schrittmaße (Passus vulgares und Passus
geometrici) erkennt und betont, und andererseits dementsprechend
einen kleinern und größern Fuß unterscheidet.
Aber zuvor muß noch darauf hingewiesen werden, daß, welchen
Fuß, den römischen, französischen, rheinländischen oder sonstigen,
man auch dem Passus von 5 Fuß zugrunde legen mag, um daraus
die 1000-Schrittmeile oder 5000-Fußmeile zu bilden, sämtliche zur
240 Hermann Wagner,
Zeit Ferneis gebräuchliche Annahmen für die Größe des Erd-
grades die Erde beträchtlich zu klein erscheinen ließen.
Nimmt man
5 Französische Fuß = l'",624 so sind 60 Milliaria = 97,4 km
5 Rheinland. Fuß = 1",569 „ „ 60 „ = 94,1 „
5 Römische Fuß = 1™, 48 „ „ 60 „ = 88,8 „
statt 111 Kilometer. Selbstverständlich wird nichts dadurch ge-
ändert, wenn man den Erdgrad = 15 deutsche Meilen zu 4000
Schritt oder 20000 Fuß setzt.
Die Nautiker des Entdeckungszeitalters hatten daher be-
reits eine richtigere Vorstellung von der Grröße der
Erde, da sie schon im 15. Jahrh. dem Erdgrad 70 Miglien gaben;
falls man diesen, wie es gewiß das richtigste ist, römische Meilen
zu 1,48 Kilometer unterlegt, gaben sie dem Erdgrad daher
70 X 1,48 = 103,6 km.
Endlich muß ein dritter Punkt erörtert werden. Das betrifft
die Bezeichnung „Geometricus" für den Passus, Pes oder dessen
Unterabteilungen bis zum Digitus. Mit dieser Frage haben sich
De Morgan und Galloway schon 1841/42 eingehend beschäftigt.
Auf den ersten Blick ist es eine Bezeichnung, die nur einem Fuß
von ganz bestimmter Länge zukommt. Fernel unterscheidet im
Anschluß an Campanus (s. o. S. 229) die
passus vulgares und passiis geometrici.
Das Milliarium italicum soll aus 1000 passus vulgares oder
1200 passus geometrici bestehen. Man muß indirekt daraus schließen,
daß diesen Schrittmaßen zwei verschiedene Fußmaße, die im Ver-
hältnis von 6 : 5 stehen, zugrunde liegen, pes vulgaris und pes
geometricus. Denn daß es sich etwa um zwei Schrittmaße von je
6 oder 5 Fuß handeln sollte, ist ausgeschlossen, weil man einen
Passus von 6 Fuß nicht kannte. In der Tat bildet Fernel im
Monalosphaerium einen Fuß ab, der mit 246 — 247 Millimeter nur
^/e des römischen Fusses ist, so bald man letzterm ca. 296 Milli-
meter an Länge gibt. Und diesen Fuß nennt Fernel „pes geome-
tricus".
Aber daß dies kein nomen proprium ist, zeigt sich an der
Tabelle von Peter Apian, der den üblichen Passus von 5 Fuß als
Passus geometricus bezeichnet, vom passus duplex, quem geometri-
cum appellare libuit, spricht. Daß Apian jenen kleinen Fuß, wie ihn
Fernel abbildet, nicht gemeint haben kann, ergibt sich aus dem Satz :
„lyiiliare Italicum habet 1000 passus ; 60 Miliaria Italica uni gradui
correspondent". Denn würde er hierbei den kleinen Passus von
die literarischen Schicksale der Ferneischen Erdmessung von 1527. 241
1,23 Kilometer im Auge gehabt haben, so hätte er sich den Erd-
grad nur zu
= 60 . 5000 . 0,246 m = 73,8 km
oder 56 Proz. zu klein vorgestellt. Hieraus geht also hervor, daß
durch den Zasatz „geometricus" weder dem passus, noch dem pes,
noch dem digitus eine bestimmte Größe zugewiesen wird.
Die Leuca. Da im Text Ferneis zweimal von einer Leuca
die Rede ist, muß auch zu dieser Stellung genommen werden. Er
will die Entfernung eines nicht genannten Ortes von Lutetia Pari-
siorum neu bestimmen, die vulgi testimonio 25 leucarum entfernt
von einander waren. Nach der Messung findet Fernel, daß die
„leuca Gallica" größer als zwei Milliaria Italica sein müsse.
Man muß m. E. vier verschiedene Arten von Leucae unter-
scheiden. D'Anville^) hat sich mit der Frage der Leuca Gallica
schon 1769 viel beschäftigt, von andern Autoren zu schweigen.
Hier nur ein kurzer Überblick, so weit ihn unsere Hauptfrage er-
heischt.
a. Die alte Leuca Gallica oder 1500-Schrittmeile.
Diese fanden die Römer bei den Galliern vor, sie erhält sich durch
Jahrhunderte auch nach dem Eindringen der Franken. Peter Apian
führt sie in seinem Kanon von 1524 noch auf, aber nur unter dem
schlichten Namen „Leuca".
b. Die Gallische Leuca zu 2000 Schritt. Diese will
D'Anville (1. c. p. 109) nicht anerkennen, trotzdem er sie in Ber-
giers Traite des grands Chemins de l'Empire (Paris 1638, Lib. III,
eh. 12) angegeben findet. Aus Ferneis Äußerung, daß er durch
seine Messung gefunden habe, die Leuca Gallica sei größer als
2 Milliaria Italica, geht klar hervor, daß er dabei von der 2000-
Schritt-Leuca spricht.
c. Die Leuca der Kosmographen des 16. Jahrh. zu
2400 Schritt. Fast gleichzeitig mit der Anpassung der italischen
(60 = 1^) und deutschen (15 = V) Meile an den Erdgrad, tritt
auch die Beziehung 25 leucae = 1^ auf. Peter Apian sagt an
der oft erwähnten Stelle: Galli sive Franci 25 leucas uni gradui
trihuerunt. Da er in unmittelbarem Anschluß davon spricht, daß
„wwi gradui correspondent 60 Miliaria Italica^, so kann er damit
keinen andern Begriff verbunden haben als
25 leucae = 60 Milliaria Italica = 60000 Passus,
1) Traite des mesures itineraires anciennes et modernes. Paris 1769. VIII
Lieue Gauloise, Raste, ou Lieue Frangoise, p. 101 — 112.
Kgl. Ges. d. Wisa. Nachrichten. Phil.-hist. Klasse. 1913. Heft 2. 16
24:2 Hermann "Wagner,
also
1 leuca = — ^^ — = 2400 Passus.
Diese Leuca scheint Femel unbekannt geblieben zu sein, wenig-
stens spricht er nicht von ihr. Aus dieser Leuca ist die spätere
Landmeile „Lieue frangaise"' hervorgegangen, 25 = V, als Natur-
maß wachsend mit den Vorstellungen von der Größe der Erde.
d. Die lieue francaise marine = 3000 Schritte oder
3 ^miUes marines'^ scheint sich in der Nautik auch bereits im
16. Jahrh. eingebürgert zu haben. Sie steht zur Landmeile im
Verhältnis von 5 : 4 und ist identisch mit dem Naturmaß : 20 lieues
= 1^. Auch diese ist mit den Vorstellungen von der Größe der
Erde im Verhältnis von 4 : 5 im Laufe des 17. Jahrh. gewachsen,
bis sie im 18. die heutige Größe erhielt. Diese lieue francaise
spielt für unsere Frage keine Rolle.
VI.
Kehren wir nach diesen vorbereitenden Betrachtungen zu
Eernels eigenen Worten zurück.
1. Ihm ist die Annahme, daß der Erdgrad = 60 Milliaria
Italica oder = 300000 Fuß lang sei, geläufig. Er führt sie im
Monalosphaerium selbst an. Daß daneben noch andere Annahmen
in der zeitgenössischen kosmographischen Literatur kursieren, er-
wähnt er in der Cosmotheoria ausdrücklich (s. o. S. 225). Nach
seiner Messung stößt er bei Durchforschung der Literatur, — falls
er diese Durchforschung wirklich erst nachher angestellt hat — ,
auf die Angaben der Araber, die bald 56-/3, bald 68 Meilen für
den Grad annehmen.
Was kann ihn nun wohl zur Prüfung dieser Widersprüche
veranlaßt haben, als der Wunsch durch eine eigene Mes-
sung zu erfahren, welche dieser landläufigen An-
nahmen die größere Wahrscheinlichkeit für sich habe?
Darin liegt die Bedeutung seines Versuches, den Snellius deshalb
durchaus als lobenswert anerkennt, wenn auch die Durchführung
bemängelt wird. Den gleichen Wunsch haben Orontius Finaeus,
Snellius, Norwood, Riccioli u. A. gezeigt. Wenn Fernel unter
diesen, wie es scheint, der erste war, so kann ihm dieser Ruhm
nicht streitig gemacht werden, ganz unabhängig von
dem Ergebnis.
2. Daß Fernel bei dem Versuch mit klarem Verständnis der
grundsätzlich notwendigen Vorgänge vorgeht, kann niemand leug-
nen, der seine Beschreibung mit ruhiger Überlegung liest. Wäre
die literarischen Schicksale der Fernelscben Erdmessung von 1527. 243
es ihm darauf angekommen als der erste zu gelten, der seit der
Zeit der Araber eine neue Erdmessung versucht habe, so hätte er
über dieselbe nicht ganz nebensächlich in den Schollen davon einiges
mitgeteilt, sondern wie Snellius ein eigenes Buch darüber ge-
schrieben; dieser hat im Hochgefühl seiner Leistung sich im Titel
seines Werkes ja indirekt selbst als den batavischen Eratosthenes
bezeichnet.
3. Wenn Paris der südliche Endpunkt der Ferneischen Grad-
messung ist, so ist man über den nördlichen im Zweifel, da er ihn
nicht nennt und nicht näher beschreibt. Er wird nur als „locus ille
vulgi testimonio a Parisiorum Lutetia 25 leucis absistens" be-
zeichnet. Man hat meist Amiens als den Ausgangspunkt ange-
nommen. Amiens liegt ca. 1 Grad nördlich von Paris. Man nahm
unter Kosmographen, wie oben (S. 241) angedeutet, zu Ferneis
Zeiten, den Erdgrad auch zu 25 Leucae an. Daß die von Fernel
erwähnte Distanz von 25 Leucae mit dieser sozusagen wissen-
schaftlichen Annahme 25 L. = P zusammenhänge, ist wenig wahr-
scheinlich. Denn erstens spricht er von ;, vulgi testimonio", nicht
„cosmographorum sive mathematicorum testimonio", und dann hätte
er sich von vornherein sagen müssen, daß jene kosmographischen
leucae selbstverständlich größer als 2 Milliaria Italica sein müßten,
da 1*^ gleichzeitig 60 Milliarien enthielt. Fernel hat aber erst
hinterher sich überzeugt, daß die „Leuca Gallica" größer als
2 Milliaria Italica sei.
4. Fernel hat bei seinen Messungen mit einem
größern Fuß gemessen und nicht mit dem kleinern
„Pes geometricus" der Figur atio im Monalosphaerium. Dies
ist gegenüber der letzten Phase in der geschichtlichen Entwicklung
der Fernel-Interpretationen mein Hauptpunkt.
Die Figuratio pedis geometrici im Monalosphaerium von 1526
hat meines Wissen dreimal in der Literatur der Geschichte der
mathematischen Geographie Beachtung gefunden.
Zuerst in der Geographia reformata von Eiccioli (Lib. II,
Cap. II, 1672, p. 33); am Schluß des Kapitels: de Pede et cubito
antiquo Romano, minoribusque Mensoribus cum eo connexis heißt
es : „Neqiie audiendus est Fernelius qui . . . {i)arte 4. Praxis Geome-
tricae) pedem Geometricum exponit, qui ad Botnanum Vespasianium est
ut 1030 ad 1200^. Diese Praxis Geometrica ist nichts anderes als
der 4. Teil der Schrift „Monalosphaerium" (auf dem Titel heißt es:
Quarta pars geometricam praxin breviusculis demonstrationibus
dilucidat), also der Teil, in welchem sich die Figuratio pedis geo-
metrici findet. Offenbar hat Riccioli die Länge der Figur seiner-
16*
244 Hermann Wagner,
zeit gemessen und mit seiner Abbildung des „Semipes Romanus sub
Vespaniano et Aug. usitatus, ehartae huic prius siccatae seorsim
impressus" verglichen und daraus das Verhältnis 1030 : 1200 ge-
funden. Legt man dem römischen Fuß wieder 296 Millimeter zu-
grunde, so ergibt sich aus x : 296 = 1030 : 1200 allerdings 254
Millimeter für den Pes geometricus. Die Differenz von 254 —
246 := 8 Millimeter kann nicht wohl auf den Unterschied der
Papiereinschrumpfung in verschiedenen Exemplaren zurückgeführt
werden. E-iccioli hat sicher den römischen Fuß größer ange-
nommen. Der Semipes, den er selbst abbildet, mißt 151 Milli-
meter, der Pes also 302 Millimeter. Daraus erhält man für den
Pes geometricus 246 : 302 = 0,814 des römischen Fußes, denselben
Wert, den De Morgan fand.
Sodann entdeckte De Morgan die Figuratio im J. 1841, wo-
durch, wie oben geschildert, Fernel seines angedichteten Ruhmes,
bereits 1527 einen höchst genauen Wert des Erdgrades gefunden
zu haben, beraubt wurde.
Zum dritten Male bin ich selbst im J. 1899 zu einer Zeit, in
der ich von De Morgans Entdeckung dieser Abbildung noch nichts
wußte, auf eben dieselbe gestoßen. Ich habe sie alsbald für den
Nachweis der Realität der Existenz einer von dem Milliare italicum
abweichenden kleinern Mittelmeermeile von ca. 1,23 Kilometer Länge
verwertet ^). Schon damals hatte ich (Gott. Nachr. 1900, 280) hin-
sichtlich des pes geometricus hinzugefügt: „Er spielt irrtümlich
eine Rolle bei der sogenannten Ferneischen Erdmessung, wie ich
demnächst nachweisen werde". Eben dies soll im folgenden, aller-
dings etwas verspätet, nachgeholt werden.
Sowohl Riccioli als De Morgan und ich selbst sind dabei von
der Ansicht ausgegangen, Fernel habe in jener Figuratio pedis
geometrici einen bestimmt ihm vorliegenden oder ihm in seiner
absoluten Länge nachweisbaren Fuß abbilden wollen. Er mißt
nach meiner wiederholten Messung in dem in der K. Universitäts-
Bibliothek zu Göttingen befindlichen Exemplar (Philos. I, 935)
= 246 Millimeter. Ich schloß daraus, daß es sich also bei diesem
pes geometricus um das handle , was man bei den Lateinern
einen dextans nannte, den Ve Fuß; denn wenn der römische Fuß
= 296 Millimeter ist, so verhält sich jener sehr nahe wie
246 : 296 = 5 : 6.
1) Die Realität der Existenz der kleinen Mittelmeermeile auf d. italienischen
Seekarten des Mittelalters. Verhandl. d. VII. Internat. Geographenkongresses zu
Berlin 1899, 877—83 und „Der Ursprung der kleinen Seemeile auf den mittel-
alterlichen Seekarten der Italiener. Nachr. d. k. Ges. d. Wiss. zu Göttingen,
Phil.-hist. Kl., 1900, 271—285.
die literarischen Schicksale der Ferneischen Erdmessung von 1527. 245
Morgan fand ihn nach einem Exemplar des Monalosphaerium
im Britischen Museum allerdings etwas kleiner, nämlich nur zu
9^/3 inches und nahm ihn in der Voraussetzung, daß das Papier
sich im Verhältnis von 42 auf 41 durch Eintrocknung verkürzt
haben könnte, zu 9,9 inches (= 241,3 Millimeter) an. Bei der
Unsicherheit derartiger Holzschnittabmessungen wird dadurch an
meiner Annahme kaum etwas geändert. 246 : 296 = 0,83 und
241,3 : 296 = 0,81, während 5:6 = 0,833 ergibt.
Erst bei der jetzigen Wiederaufnahme der vorliegenden Studie
finde ich, daß Th. G-alloway schon 1842 dagegen Bedenken er-
hoben hat, daß man die Figuratio pedis geometrici im Monalo-
sphaerium als korrekte Abbildung eines dem Femel in natura
vorliegenden Fußmaßes ansehen dürfe: „Femel does not say that
his diagram was intended to define the length of the geometrical
foot, or that it corresponded in dimension with any actual scale;
on the contrary, there is no allusion to it in the text at all, and
unless the title printed under it „Figuratio pedis geometrici", be
held to have reference to magnitude, there is nothing to lead us
to infer that he had any other object in view than simply to re-
present by a diagram the divisions which should be cut on a mea-
suring rod^.
Was den ersten Punkt betrifft, daß im Text nicht von einem
besondern Fuß die E-ede sei, so vermag ich die Werte Ferneis:
„ Caeterum virga quaedam mensoria omni moUmine nohis deligenda est,
mensurarum diver sitate locupletata"' doch nicht anders zu verstehen
als daß er damit deutlich die ungewöhnliche Auswahl, die er ge-
troffen habe, begründen will. Allerdings kann mit dem Worte
virga nicht der abgebildete Pes geometricus selbst gemeint sein,
immerhin aber wäre es möglich, daß er gerade diesen letztern aus-
wählte, damit er in das Format seines Werkes passe.
Denn Gralloway macht zuerst auch darauf aufmerksam, daß
die Figur des pes geometricus am Rand der betreffenden Seite
des Monalosphaerium genau von der obern Linie des Textes bis
fast unter die unterste reicht, und damit der Gedanke nahe liegt,
daß die Figur der Höhe der Druckseite angepaßt oder so lang
als irgend möglich gemacht sei, um die kleinen Abteilungen (Digiti,
grana) noch zu zeigen.
Ich kann nicht verschweigen, daß kürzlich ganz unabhängig
von Gralloways Darlegungen einer meiner Schüler, Fr. Bohne, ge-
legentlich einer Prüfungsarbeit über die geographischen Wegemaße
zu der gleichen Auffassung gekommen ist, die Figuratio pedis geo-
metrici entspreche bei ihrer Anpassung an das Format des Werkes
246 Hermann Wagner,
und bei dem Mangel einer Bezugnahme auf die Figur im Text
nicht einem anerkannten Fußmaß von bestimmter Länge.
Ich gestehe, daß ich mich diesen, mir erst nach Veröffentlichung
der Arbeit von 1899 bekannt gewordenen Bedenken nicht ganz
verschließen kann. Dennoch muß ich meine frühere Behauptung,
daß es sich bei dieser Figuratio pedis geometrici in Femels Monalo-
sphaerium um ein sichtbares Dokument der Existenz eines solchen
Fußes von ca. 246 Millimeter Länge handle, mit der Bestimmt-
heit aufrecht erhalten, wie ich sie 1899 in voller Überzeugung
der Richtigkeit aussprechen zu dürfen glaubte. Denn erstens wäre
es ein ganz seltsamer Zufall, daß der abgebildete Fuß so nahe
dem Ve römischen Fuß und damit demjenigen entspräche, nach
welchem ich seit Jahren fahndete, um die Realität seiner einstigen
Existenz nachzuweisen. Sodann spielt dieser kleinere Fuß bei den
Angaben über die Ausdehnung von Paris, die Fernel im Anschluß
an sein Messungsergebnis, wenn auch ohne alle Beziehungen zu
demselben, in seiner Cosmotheoria mitteilt, doch, wie unten nach-
gewiesen werden soll, eine unverkennbare Rolle.
Zunächst steht aber gewiß das Eine fest. Wenn der pes geo-
metricus der Figuratio überhaupt keine Realität hat, so kann ihn
Fernel bei seiner geodätischen Operation auch nicht angewandt
haben und De Morgans Einwurf von 1841, Fernel habe für den
Erdgrad nur 53^/4 english miles (= 86,5 Kil.) gefunden, ist dann
von vornherein hinfällig.
Indessen macht bereits Gralloway auf eine Reihe von Grründen
aufmerksam, weshalb jener abgebildete pes geometricus nicht für
die Femeische Gradmessung in Betracht kommen könne.
Vor allem sei in der Cosmotheoria mit keinem Worte von
dem im Monalosphaerium abgebildeten Fuß die Rede. Sodann
werde — und das scheint mir ein sehr wichtiger Punkt — in dem-
selben Werke (Prop. V, p. 15, Quanta quorumcumque locorum ter-
restris sit distantia, dimetiri) bei der Verwandlung von Graden
und Minuten, durch welche die Lage der Orte bezeichnet werde,
ausschließlich von dem Verhältnis 1° = 60 milliara Italica und
1 Minute = 1 Milliare gesprochen. Ich füge hinzu, daß dieses
Kapitel eine kleine „Tabula conversionis graduum in Italica milli-
aria extra aequatorem" d. h. der abnehmenden Längengrade in
italischen Meilen enthält.
In dem uns interessierenden Abschnitt der Cosmotheoria spricht
Fernel ausschließlich von Milliaria Italica. Er findet den Grad zu
68 Italica milliaria cum 95 V* passibus, verwandelt die ersten nach
dem althergebrachten Verhältnis, 1 Milliare = 8 Stadien, in 544
die literarischen Schicksale der Ferneischen Erdmessung von 1527. 247
Stadia Romana. Die Tabelle der Wegemaße (s. o. S. 236) unter-
scheidet sich in nichts von derjenigen Peter Apians.
Fernel findet zum Schluß, daß die Leuca gallica größer als
2 Milliaria Italica sei. Indem er die Zahl der Umdrehungen seines
Meßrades (17024) mit 4 multipliziert hat, findet er für den Weg
68096 passus qui milliaria Italica 68 cum passibus 96. Wie sollte
er zu letzterm Ausdruck kommen, wenn das Meßrad einen Umfang
von 20 kleinern pedes der Figuratio oder 4 kleinern passus geo-
metrici, deren 1200 auf das Milliare Italicum gehen, gehabt hätte?
Diesen zahlreichen Wiederholungen gegenüber kann der einzige
Ausdruck, erat rotae illius diameter 6 pedum sexque paulo magis
digitorum geometricorum, gewiß nicht ins Grewicht fallen, um diese
6^/8 Fuß zu solchen zu stempeln, die in der Figuratio abgebildet sind.
Fernel spricht sich nicht nur im Anschluß an Campanus und
Andere auf das deutlichste über das Verhältnis der gewöhnlichen
Schritte zu den (kleinern) geometrischen Schritten aus. Vielmehr fügt
er zum Schluß seiner Ausführungen noch gewisse zahlenmäßige Be-
weise über diese Unterschiede an, die seltsamerweise bisher, soviel ich
ersehe, noch niemals in die Erörterung gezogen sind, es aber durch-
aus verdienen. Sie sind zwiefacher Art. Fernel teilt das Ergebnis
einer eigenen Schrittmessung — alles ganz unabhängig von der
Grradmessung — zwischen gewissen namhaft gemachten Punkten
in der Umgebung von Paris mit, und fügt eigene Bestimmungen
über die Ausdehnung von Paris hinzu. Das erstere erfolgte, was
besonders beachtet werden muß, in passus vulgares, das letztere
in passus geometrici. Sobald es gelingt die von Fernel angeführten
Entfernungen auf heutigen Karten in ihrer wahren oder wenig-
stens annähernd richtigen Größe zu bestimmen, wird man eine
Vorstellung davon gewinnen können, wie groß ihm die beiden Arten
von Schritten selbst erscheinen.
Fernel will, nach den oben S. 229 angeführten Worten, durch
ein anderes Experiment prüfen, ob wirklich die gallische Leuca
größer sei als zwei italische Meilen. Zu diesem Zweck bestimmt
er durch Schrittzählung die Entfernung vom Königs - Palast zur
Abtei des heil. Dionysius (St. Denis) und findet dafür 5950 Schritte.
Ebenso gibt er die Größe eines Teils des zurückgelegten Weges,
nämlich die Entfernung zwischen den Städten Paris und St. Denis,
mit 4450 Schritt an. Horum autem passuuni {qui mei et cujusque
liominis staturae meäiocris sunt) quinque sex geometricos passus efficiunt.
Die Lage des Königs - Palastes oder des älteren Louvre, der
erst 1541 von Franz I. demoliert ward, um dem größern Louvre
Platz zu machen, steht fest, ebenso die damalige Ummauerung von
248 Hermann Wagner,
Paris noch herrührend von Charles V. vom J. 1370, sowie der Aus-
tritt des Weges nach St. Denis an der Porta S. Dionysii (Porte
St. Denis). Nach altern Plänen läßt sich die Straße vom Louvre
zur Porta S. Dionysii verfolgen und in St. Denis wird man die
Entfernung der Kathedrale von der einstigen Stadtmauer auf V2
Kilometer annehmen dürfen. Kurz man kann die erstgenannte
Distanz mit ziemlicher Genauigkeit zu 8900, den Abstand der
Stadtmauern beider Städte auf 6800 Meter annehmen. Danach ist
der passus vulgaris
. ^ ,, 8900 1 rn • u 6800 , ^^
im ersten!^ all = >^>^ = 1,50m, im zweiten = -ttüt-- := 1,53m
59o0 4450
im Durchschnitt = 1,515 Meter. Dies entspricht annähernd dem
römischen Schritt von 1 ,48 Meter, und diesem auch mehr als einem
Schritt von 5 französischen Fuß (1,624 Meter), in keinem Fall
aber dem kleinem passus oder dem fünffachen Fuß der Figuratio.
Aber noch bleibt der Schlußsatz zu beachten: Per id temporis
Farisiorum longituäinem dimensi, hanc ohservavimus esse passtmm geo-
metricorum 2110. Latitudineni vero passuum 2030. Ac tandem amhitum
2)assuum esse 7650. Hier wie bei der vorigen Angabe wird Nie-
mand von fingierten Zahlen sprechen dürfen, denn sie konnten
sämtlich von jeden Leser in Paris selbst nachgeprüft werden. Aus-
drücklich muß hervorgehoben werden, daß Fernel bei der neuen
Angabe nicht mehr von passus vulgares, sondern von passus geo-
metrici spricht. Und während er vorher die Zahl der Schritte
zwischen dem Königs - Palast und der Basilika von St. Denis ge-
zählt hat {passus 5950 dinumeravi) hat er jetzt die Länge von
Paris gemessen (longitudimmi dimensi). Daraus scheint mir mit
Sicherheit hervorzugehen, daß diese „Messung" nicht in der Natur,
sondern auf einem Plane der Stadt Paris ausgeführt ist. Ich
schließe dies aus dem Umstand, daß eine Nachmessung für die von
Fernel ziffernmäßig mitgeteilten drei Dimensionen 2110, 2030, 7650
passus geometrici durchweg auf dem kleinern passus von ca. 1,23
Meter, nicht auf den passus vulgaris führt. Zur Abmessung in
der Natur hätte ihm wieder nur der eigene Schritt zur Verfügung
gestanden. Sein Schritt war aber rund 1,5 Meter nicht 1,23 Meter
groß. Freilich erfahren wir nicht, auf welche Weise Fernel diese
kartometrische Aufgabe gelöst hat. Pläne der Stadt dürfte es zu
seiner Zeit bereits gegeben haben, wenn auch einer der ältesten,
der bekannt ist, erst aus dem Jahre 1548 stammen soll ^). Es ist
1) Vivien de St. Martin, Nouy. Dict. de g^ogr. univ. Vol. IV. Paris 1890,
p. 612.
die literarischen Schicksale der Ferneischen Erdmessung von 1527. 249
derjenige, den Balthasar Arnoullet entwarf, und der zuerst
in Grueroults Werk Les figures et portraits des villes les plus
celebres de l'Europe (Lyon 1552) publiziert ward. Eine schlechte
Kopie desselben ist in Seb. Münsters Kosmographie von 1550
enthalten, während die Originalkarte ArnouUets der spätem fran-
zösischen Ausgabe der Münsterschen Kosmographie^) beigegeben
ist. Letzterer Plan hat etwa den Maßstab 1 : 9000. Am einfach-
sten ist es, anzunehmen, daß der Plan, den Fernel benutzte, einen
graphischen Schrittmaßstab mit der Bezeichnung der ihm zugehörigen
Schritte als passus geometrici enthalten habe, und daß Fernel an
der Hand desselben die Querdimensionen und den Umfang der rings-
ummauerten Stadt mit dem Zirkel in derselben Weise abgeschritten
sei, wie wir heute Entfernungsmessungen auf unsern Karten vor-
nehmen. Enthielt der Plan keinen Schrittmaßstab, dann wäre
denkbar, daß Fernel die Strecken zwischen solchen Lokalitäten,
deren Entfernung ihm anderweit, vielleicht wieder viilgi testimonio,
bekannt war, auf dem Plane mit seinem Pes geometricus und dessen
Unterabteilungen ausmaß und nun Vergleiche anstellte. Nur ist
nicht erfindlich, wie er auf diese Weise zu den passus geometrici
gekommen sein sollte. Auch hier faßt sich Fernel eben zu kurz
und läßt uns im Ungewissen.
Daß aber an dieser Stelle allein die passus geometrici in Frage
kommen, ergibt sich aus folgendem. Wir kennen die von Charles
V. erbaute Ummauerung von Paris von 1370 ziemlich genau, sie
läßt sich also gut auf moderne Pläne übertragen. Sie hat das
Weichbild der Stadt auch noch zu Ferneis Zeiten umschlossen.
Die Grundfläche^) besteht aus zwei Halbkreisen, je auf der Nord-
und Südseite der Seine von ungleichem Radius. Der kleinere liegt
im Süden. Die äußersten Durchmesser sind fast gleich lang. Doch
kann kein Zweifel darüber herrschen, welche Linien als Länge
oder als Breite von Fernel angenommen sind. Als longitudo galt
ihm unzweifelhaft die Linie von der Porta S. Jacobi (Porte St.
Jaques unweit des Pantheon) im Süden bis zur Porta S. Martini
(Porte St. Martin) im Norden; sie mißt ca. 2700 Meter; als
Breite kann nur die Querlinie von der Porta S. Honorii, etwas
westlich vom Louvre, bis zur spätem Bastille im Osten mit rund
2650 Meter gelten. Schreitet man endlich der damaligen Mauer
entlang, so beträgt der Umfang von Paris ca. 8800—9000 Meter.
1) La cosmographie universelle de tout le monde. Auteur par partie Mün-
ster, mais augmente par Frangois de Belle-Forest. Paris 1574. Yol. I, p. 174.
2) Vergl. den Plan mit den verschiedenen Ummauerungen von Paris in
Joanne, Dictionnaire geogr. de la France. Vol. V, 1899, p. 3388, 1:82000.
250 Hermann Wagner,
Demnach ergibt sich ans den drei Angaben Ferneis, die sicher
einem noch ziemlich unvollkommenen Plane entnommen sind, für
den passus geometricus
2700 m . ^Q 2650 m . ^^ 8800 m , „_
-2110-=^'^^^' -203^ = ^'^^°^' -765Ör = l'27m;
also eine Größe, die keinesfalls als passus von o römischen oder
gar 5 französischen Füßen, d. h. als passus vulgaris aufgefaßt
werden kann, sondern zur Größenordnung jener Schritte gehört,
deren 1200 auf das Milliare italicum gingen, und die zu dem Schritt
von 1,23 Meter passen.
Dies Ergebnis kann m. E. nur den Beweis dafür liefern, daß
Fernel sehr wohl den Unterschied zwischen den beiden ihm be-
kannten Schrittmaßen zu würdigen wußte, kann aber, da die ganze
Notiz in keiner Weise mit der sog. Gradmessung zusammenhängt,
die Tatsache nicht erschüttern, daß er bei allen ziffermäßigen An-
gaben für diese letztere immer die Milliaria italica von 1000 größern
Schritt im Auge gehabt hat.
Das allerdings scheint sicher, daß sich Fernel über den Unter-
schied des französischen und römischen Fußes keine Rechenschaft
gegeben hat. Der Gedanke liegt durchaus nahe, daß er für ge-
wöhnlich mit französischen Fuß hantierte und also sein Meßrad
einen Umfang von 20 Pariser Fuß hatte. Das haben ja auch alle
Autoren bis zu den Zeiten De Morgans angenommen. Bedenklich
freüich bleibt dabei die Größe eines solchen Fußes gegenüber dem
Pes geometricus der Figuratio und der entsprechenden Schritte.
Denn es besteht zwischen beiden Füßen nicht mehr das Verhältnis
wie 5 : 6 sondern wie
246 : 324,8 = 5 : ß^/s = 1000 : 1333
und nicht , wie er oft selbst hervorhebt, wie 1000 : 1200. Die
Annahme, daß Fernel bei seiner Gradmessung den kleinen geo-
metrischen Fuß von 246 Mill. zugrunde gelegt habe, scheint mir,
nm es zum Schluß noch einmal deutlich auszusprechen, deshalb
ausgeschlossen, weil er dann den Erdgrad kleiner gefunden hätte
— nämlich 83,8 Kilometer — als sich aus den 60 italischen Meilen
ergibt (88,8 Kilometer S. 240), während er doch immer davon
spricht, der Erdgrad enthalte mehr Milliaria italica, nämlich 68.
Vorausgesetzt, daß er der Meile 1000 Schritte zu 5 französi-
schen Fuß gab, so näherte sich sein Resultat mit
P = 110,6 Kilometer
allerdings dem wahren Wert beträchtlich.
die literarischen Schicksale der Ferneischen Erdmessung von 1527. 251
Aber nicht darin, daß sein Ergebnis dann nur noch V2 Proz. hinter
der Wahrheit zurückblieb, scheint mir der Wert desselben zu liegen,
sondern in der Tatsache, daß er zuerst gewagt hat, sich von der
allgemeinen Annahme des Erdgrades zu 60 italischen Meilen, welche
diesen beträchtlich zu klein erscheinen ließ, loszusagen und sich
zu dem größeren Werte von 68 derartigen Meilen
bewußtvoll zu bekennen. Hätte er sich dabei begnügt
einfach zu erklären, er halte das Ergebnis der arabischen Erd-
messung in der Form von 1^ = 68 Miliarien für wahrscheinlicher,
so wäre sein Name unter der EüUe kompilierender Kosmographen
kaum weiter genannt worden. Aber indem er zu dieser Ansicht
auf Grund eines ganz rationellen, wenn auch in der Ausführung
höchst mangelhaften Verfahrens eigener Messung gelangte, gebührt
ihm in der Geschichte der mathematischen Geographie ein höherer
Platz; er verdient die Verurteilung durch seine neuern Kritiker,
De Morgan, Rud. Wolf, S. Günther etc. nicht.
Zur Nebenüberlieferung der Hesiodscholien.
Von
Hermann Schnitz.
Vorgelegt durch Herrn F. Leo in der Sitzung vom 19. Juli 1913.
Bei der Dürftigkeit der direkten tJberlieferung besonders der
Theogonie- und Aspis-Scholien, die sich als das Resultat meiner
Untersuckung der Hss. herausstellte ^), durfte von der Heranziehung
der Nebenüberlieferung eine Erweiterung des Materials erhofft
werden. A. Rzach gibt in seiner größeren Hesiodausgabe eine
mit ungeheurem Fleiß zusammengebrachte, gewaltige Stellensamm-
lung; sie wird auch für die Schollen als Kontrolle und Ergän-
zung höchst wertvoll sein, obgleich natürlich die Mehrzahl der
Zitate nur für den Text, nicht für die antike gelehrte Erklärung
etwas ausgibt. Meine Absicht ist an dieser Stelle in tunlichster
Kürze darzulegen, was eine systematische, mehrmalige Durchfor-
schung des unedierten Et. Gren. und der unedierten Teile des Et.
Gud., die mir die Grüte von R. E-eitzenstein und E. L. De Stefani
ermöglichte, daneben die Durcharbeitung vor allem der Homer-
scholien für die Hesiodscholien ergeben hat. Eine Entlastung der
Prolegomena und der Testimonia wird hoffentlich eintreten, wenn
die scheinbare Vielfältigkeit der Redaktionen der Hesiodscholien in
der lexikographischen Überlieferung in ihrem gegenseitigen Ab-
hängigkeitsverhältnis deutlich wird.
1) Die handschriftliche Überlieferung der Hesiod-Scholien, Abhandl. dieser
Ges. Philol.-histor. Klasse XII, 4 (1910); eine Reihe von fremden und eigenen
Verbesserungen und Nachträgen gebe ich im Anhang.
Hermann Schultz, zur Nebenüberlieferung der Hesiodscholien. 253
I. Die Etymologika.
Hesiod war Schnlscliriftsteller, dessen kommentierte Ausgaben
den antiken wie den byzantinischen Gelehrten jederzeit zur Hand
waren ; trotzdem läßt sich fixieren, wo die Hauptmasse der Hesiod-
glossen in die lexikalische Überlieferung eingedrungen ist. Die
Etymologika stehen rein äußerlich durch die Menge der Hesiod-
artikel voran, unter ihnen gebührt wieder dem Et. Gen. der Vor-
rang. Eeitzenstein hatte Gesch. d. gr. Et. S. 47 bereits aus-
gesprochen, daß dem Verfasser des Et. Gen. kommentierte Aus-
gaben der 3 Hesiodeischen Gedichte vorlagen; S. 50 A. 1 wird an
zwei Beispielen, die sich leicht vermehren ließen, gezeigt, in
welchem Umfang Hesiodscholien aufgenommen wurden. Für die
Schollen zur Theogonie (und wie ich hinzufüge, zur Aspis) war
die Vorlage des Et. Gen. besser als unsere Hss. ; dagegen soll bei
den Erga-Scholien nach Reitzenstein der wertvollere Bestandteil
völlig fehlen, nur die Paraphrase reicher sein (S. 210 A. 3), Aller-
dings geben die im Et. Gen. bewahrten Erga-Scholien nicht eine
Eülle von gelehrten Notizen mit Beifügung der Gewährsmänner
in der Art der A-Scholien zur Hias; sie sind exegetisch, ein
antikes Beispiel dieser Art von Kommentaren ist der Ammonius-
Kommentar zu ^. So ist der relative Wert für die Textgeschichte
größer als der absolute.
Eine genaue Vorstellung von dem Aussehen des Erga-Kom-
mentars, den das Et. Gen. benutzte, kann uns Et. Gen. cod. A
aXs^idpY] geben. Auf die Verse Erga 464 — 466 folgt:
<o)(öXiov add. Reitzenstein> eoaeßstv ScSdazst töv YsoöpYOövra.
vstöy (464) T7]v dvav£ou[JLsvrjV ^-^v, yjyoov ttjv v£Vsaa[JL£vr]v.
süTCTjX'/JTsipav (464) Ss tyjv i^ao^^dccpiav.
dXe^idpTj (464) <'i^ add. Schultz> dTuaXs^ooaa %al d7:sipYOoaa ty]v
dpT]V TOOTSaXL lYjV S% TOÖ Xl[I.OÖ ßXdpYjV Y.OLI
<:caL5ü)v sozYjXTJtsipa (464) -q add. Schultz> zodq izcddoLQ YJSooaa (TJdooaa
cod. corr. ex Et. Magn. Eeitzenstein) zal ^dXXooaa.
otoD^pi'Cooaav ös apoopav (463) dvil toö zsTtoo^tojisvTjv, dTcaXTJv.
Für das Verhältnis des Et. Gen. zu den jüngeren Fassungen
ist charakteristisch, daß das Et. Magn. nur den Mittelteil (von
dXs^idpY] bis '9'dXXoooa) hat, mit dem Zusatz : süxyjXoc (in Anlehnung
an das eoTCTjXrjTsipa des Textes) fpo/daxpta tq dvav£oo[j.£VY] 7^ = Et. Gen.
Das Et. Voss, fügt den letzten Satz des Et. Gen. in leicht ver-
änderter Redaktion bei; das ist natürlich sekundär und hat für
unsere Zwecke keine Bedeutung.
254 Hermann Schultz,
Das Verfahren des Et. Gren. ist deutlich; auf den Komplex
der drei Hesiodverse ließ es zunächst das neue Scholion zu v. 465
folgen, das für den Zusammenhang hier ganz bedeutungslos ist.
Dann folgen die Interlinearglossen, die in seinem Hesiod über
V. 464 und 463 standen, in typischer Weise mit %oov, avtl toö,
TooTsoii eingeleitet. Und zwar hat erst der Verfasser des Et. Gren.
diese Interlinearglossen zusammengestellt, nicht etwa schon in
einer Paraphrase zusammengefunden. Das beweist positiv am an-
schaulichsten Et. Gen. [tan^siv, wo in dem ausgehobenen Komplex
Aspis 229 — 231 Ippwovro v. 230 übergeschrieben wp[jLwv hat, also
die Glosse ; negativ ein zweites Beispiel, wo die Paraphrase des
Textes anders, ohne Wiederholung der Textworte gegeben wird:
S£t7rvoXö)(Y]<(; add. Schultz> xXsTTTorpö'foo (sie A,' TtXeTüTÖTpo^ov B).
ouTü>c supov ei? xö pTjTopixöv. cfXka. "Acd 'HaioSoc Iv l'pYoic %al rj[j.£patc
AB oüTWc s)(si : oh jidv — T^fipai Stöxsv (v. 702 — 705). o)(öXtov. ohBk
Yocp 7CTf^|j.a o£[i.vÖTepov xaX-^c Yovatxöc ü)? ouSs yslpoy i"^c xax^?, ^uc
^(üplc SaXoö TÖv avSpa xaisi xal YYjpaaaL jrpö wpag ttolei xa^oXo/oöca.
SetTrvoXdxTjc (704) Ss t"^? XdO-pa IoO-ioöoyjc; xal [j.y] ^avepwc A.
Hier führt die Quellenangabe oütok eopov el^ t6 pvjtoptxöv weiter.
Die Glosse, die der Verfasser des Et. Gen. an erster Stelle an-
führt, kehrt genau identisch noch zweimal, soviel ich weiß, in
unsrer lexikographischen Überlieferung wieder, bei Suidas und in
den An. Bachm. I 190, gehört also in die SuvaYWY'/j Xs^scov XpTjoi-
ji.(i)v, diese „Erscheinungsform des proteusartigen Kyrillos-Glossars^
(Reitzenstein Anfang des Lex. d. Photios XXX), die nach den
Untersuchungen von Reitzenstein und Wentzel bei Photios, Suidas,
dem 6. Bekkerschen Lexikon und dem Bachmannschen Lexikon in
verschiedenen Redaktionen zugrunde liegt, in den Hesych nach-
träglich eingearbeitet ist (vgl. meinen Hesych-Artikel bei Pauly-
Wissowa S. 1320). Wieder greift der Verfasser des Et. Gen. zu
den Hesiodscholien und gibt einen Verskomplex mit den para-
phrastischen Scholien, aus denen sich übrigens eine sonst verschol-
lene Variante ergibt für v. 704, SsivoXö/yj«; aus der Paraphrase
xaxoXoxouoTjc, wie aus dem Excerpt im Et. Magn. (ein anderes
Excerpt steht im Et. Tittm. 479) schon Sylburg richtig gesehen
hatte; vielleicht wäre es praktisch gewesen, wenn Rzach dies
Zeugnis, das er anführt, ausdrücklich für die Variante benutzt
hätte.
Also hatte der Verfasser des Et. Gen. eine Hesiod-Hs. mit
paraphrastischen, wie es scheint ziemlich spärlichen Scholien am
Rande und reichen, trivialen Interlinearglossen; seine Hs. erweist
sich durch eine gemeinsame Korruptel (Et. Gen. codd. CD axtvYjtov
zur Nebenüberlieferung der Hesiodscholien. 255
und S. 408, 8 Graisford) als verwandt mit unsrer gesamten Über-
lieferung. Innerhalb der Klassen der Hss. tritt sie für die Erga,
und das ist wichtig, zur Klasse b, für deren selbständigen Wert
ich Hsliche Überl. S. 72 (vgl. den Nachtrag hier S. 263) versucht
habe den Beweis zu erbringen. Es ist klar, daß die Übereinstim-
mung mit der Vorlage des Et. Gen. dieser nur durch Humanisten-
Hss. repräsentierten Klasse ein größeres Grewicht gibt. Die an
sich mögliche Annahme, daß diese jungen Hss. aus dem Et. Gren.
diese Schollen entnommen hätten, wird durch verschiedene Erwä-
gungen als unwahrscheinlich erwiesen : das Et. Gren. benutzt, wie
wir sahen, einen kommentierten Hesiod; bei den Konkordanzen
erscheinen von der b-Klasse verschiedene Vertreter, bald in Grrup-
pen, bald isoliert; die Redaktionsänderungen sind so stark, wie
sie bei Übernahme eines Lexikon- Artikels in einen Scholienkomplex
nicht zu sein pflegen.
Wenn also von dem bei Gaisford S. 160 Anm. t abgedruckten
Hesiodscholion des Et. Gen. cod. CD, das in D auch mit a/öXiov
eingeleitet ist, ein Stück in LR sich gefunden hat und zwar ab-
weichend redigiert und etwas reicher, so scheint mir das für die
Bewertung der b-Klasse entscheidend:
Et. Gen. alw Hesiod-Scholien, b-Klasse
o^öXtov D üßptc — ßpoTtj) (Erga oßpic — ßpoxtp (Erga 214). aX-
214) 7)v oüSsl? T^Ssooc sy^Bi üßpiCö- Xw?. ooSsl? eysi oßpiCöfisvo^ t^Ssö)?,
{isvoc, oüTs TZBvriQ GUTS 7rXoüaio<; oo ttsvyjc oü tzXougioq 00 [iwpöc 00
ooTs (X(opö? ooTS (ppövi[ioc, ocXXa (ppdvi[j.oc, aXXa ßapsw? s/sl 6 Iv-
ßapso)? ^spsi 6 IvToycöV aoT-^. Toy^wv ao-u-J, tootsotlv ßXaTtTS'uai
CD ott' aoT'^c. LR
Die Fassung des Et. Gen. ist deutlich schlechter, das 7]v am An-
fang unverständlich. Die Häufung der Kontrastworte findet sich
ebenso (im Anschluß an den Text) in dem Scholion 39, 24 Gaisf.
Das sonstige Material, das ich nicht vorlege, bestätigt diesen
Schluß; ich habe nichts gefunden, was gegen ihn spräche. Die
betreifenden Artikel im Et. Gen. sind:
alp£6{j.svov = R schol. zu Erga 475.
«{jia^a (abgedruckt bei Reitzenstein Gesch. d. gr. Et. 19) stimmt
in der Reihenfolge (deren Abweichung von der Vulgata R. an-
merkt) mit L zu Erga 455.
ddiixi stimmt in einem Zusatz zu AL-schol. Erga 354.
iTüdyvwasv hat einen noch unedierten Zusatz in den F-schol.
Erga 360.
eooy^scov stimmt in einer Auslassung zu den FL-schol. Erga
477, in einem Zusatz zu den F-schol.
256 Hermann Schultz,
ATjvaiwva hat einen Zusatz = LR-schol. Erga 504.
•läCa hat einen Zusatz = L-schol. Erga 590.
{laopoüat gibt in einem großen Komplex von Scholien zu Erga
314 — 326 ein nur in der b-Klasse erhaltenes Scholion in Überein-
stimmung mit LRF, LR und F.
In dem oben behandelten Artikel SetTrvoXöxTjc sahen wir schon
die beiden Bestandteile des Et. Gen., den „Kyrill" und die neu
herangezogenen Scholiencorpora, in unserem Fall Hesiod. Die
persönliche Arbeit des Verfassers des Et. Gen. wird deutlicher
durch Vergleichung der Vorstufen.
Das Et. Parvum hat nur vier Hesiodglossen k'^pBy.ii8oi\Lo^,
"'E)^tSva, Koio?, [LCLkaLyrfi ; allerdings ist es für die Zufälligkeit unsrer
Überlieferung charakteristisch, daß die Paraphrase lYp£Xü§oi[toc im
Et. Parvum Gud. Magn. Tittm. steht, nicht im Et. Gen. und daß
ebenso "E/tSva im Et. Gen. fehlt, das endlich in dem Artikel Koiov
Et. Parvum Magn. reicher sind als Gen. Gud.
Orion stimmt zum Et. Gen. oder einem anderen etymologi-
schen Lexikon in einer langen Reihe von Artikeln ^) ; isoliert
bleibt Orion in den Artikeln eiXo^aCsi (wo die Et. Gen. Magn. Tittm.
abweichende Etymologie haben), lSdXt[j.O(; (mit der Quellenangabe
Philoxenos), Ko^epeia, [leCsa, ojiTjpeöaat, op^^ö?, (popjiöc, wpeusiv.
Das aifWöSslv-Lexikon stimmt zum Et. Gen. in den Artikeln
al[toXiot(3t, 'AXxjj-TJvY], a{iapoYac, avTi<p£piCö>, {xäCa, [jLsjioxdvat ; es hat
keine isolierten Hesiod- Artikel.
Um schließlich auch die anderen etymologischen Lexika in
ihrer Bedeutung für die Hesiodscholien kurz zu bezeichnen, so
gibt das Et. Gud. viel weniger aus als das Et. Gen., bestätigt
also Reitzensteins Urteil (Real-Enc. VI 815); aber an einer Stelle
hat es das Stück der Scholien erhalten, durch das eine Polemik
in den direkt überlieferten Scholien erst verständlich wird. Ich
stelle nebeneinander:
ATjvaiwv ^vo{i.a {iyjvöc xata Botw- {i-^va 8h ATjvatwva (Erga 502) . . .
TOÖ?, xaxa Se ^'Iwva? ATfjXatwv. ''Iwve? Se toörov o^§' ÄXXo)?, aXXa
AYjvaiwva xaXoöot.
Et. Gud. 307, 16 Gaisford.
Für das Et. Magn. ist charakteristisch 71, 34, wo statt des
großen Scholienkomplexes zu Theog. 521/22 einfach steht: CTJtet
1) alfxuXfotc, alvo;, «(xa^a, d(xap6(j!jetv, d(A^{ßX7]aTpov, 'Avaupoc, oipfxaXta, ap7n],
'AzXai, ßuwooofxejwv, AftuvT), o<ii; dyaO/j [wo Orion allein Philoxenos nennt], OeXTjjjirJ?,
icoyjjLoc, x^ßtaic, Xax^puC«, fA^C«, uaypoOot, pi^p{xepa, <5(a:xeTv, ojpav^c, rf^fx«, rföo;, ttTXo;,
::Xciu)v, irjcptX'^v, 5up<;peT<5;, TCcXac = CtxäfXXwv.
zur Nebenüberlieferung der Hesiodscholien. 257
SIC xYiv 'HoiöSoo -O-eoYoviav. Da ist also die Fassung des Et. Gen.
maßgebend und wird in den Testimonia der Ausgabe allein er-
scheinen.
Scbließlicli mit aller Reserve eine Vermutung über die An-
ordnung der Grlossen bei „Kyrill'', die ich noch nicht ausgesprochen
finde. Aus der Glosse ;uYj[i.aiV£Lv des Et. Gen., die ich mit der
Nebenüberlieferung vorlege, läßt sich m. E. alphabetische Anord-
nung der Glossen wahrscheinlich machen. ;u7][jLaLV£L <;üYjiJ.atvstv AB,
corr. Schultz> ßXaTUTsi Et. Gen. Aß.
Diese Glosse gehört za Ilias 0 42 und steht in verschiedenen
Redaktionen auch bei Hesych Suidas Lex. Bachm. 342, 17 Et. Gud.
Tittm. 1547 (die Glosse bei Et. Magn. 679, 48 stammt aus den
D-scholien zu r299); also gehört dieser erste Teil in den ^Kyrill".
Es folgt im Et. Gen.:
zb 6s nsjppYjSü) 'HaioSog sv ■ö-soyovlg^ (273) ns<pp7]§a) — zpoxöTusTrXov
ovöiiam dswv. 6 [isv 'HoioSoc 'Evow [xiav <l>opz6v(j)v Xsysi, ^'0{j.7jpoc Ss
7roX£[j.izöv Tiva dsöv. 'q IIsjKppYjöü) tyjv IvaXiav tco^itutjv %oCi töv :cXoöv
XsYSw. *HaioSo? k%sl oov — 7ca%(j) = schol.
Et. Gen. AB.
Zwischen diesen beiden Glossen besteht kein sachlicher Zu-
sammenhang; also waren sie alphabetisch nach dem ersten Buch-
staben geordnet und „Kyrill" enthielt schon Hesiodglossen.
n. „Kyrill" und seine Benutzer.
Daß „Kyrill" wirklich schon Hesiodglossen enthielt, läßt sich
exakt beweisen, wenn sich eine Glosse aufzeigen läßt, die bei
sämtlichen „Kyrill" -Benutzem vorliegt; denn was nur von einer
Gruppe dieser Zeugen oder gar nur isoliert überliefert ist, kann
sowohl aus der Vorlage als aus selbständiger Benutzung eines
kommentierten Hesiod stammen. Es liegt in der Natur der Sache,
daß eine Rekonstruktion der Vorlage aus sämtlichen Benutzern
nur selten möglich sein wird; in der Regel wird es erforderlich
sein die verschiedenen Zeugnisse neben einander zu drucken, even-
tuell mit den Zeichen + und — , wie sie Maaß bei den T-scholien
zu Homer verwendet.
Das gesamte Material für die Rekonstruktion liegt m. W.
nur an einer Stelle vor, bei der Erklärung der beiden nahe ver-
wandten Stellen aipXioioi XöYOiai Theog. 890 und atpLüXa xcoiiXXetv
Erga 372. Bei „Kyrill" stand eine doppelte Erklärung:
Kgl. Ges. d. Wiss. Nachrichten. Phil.-hist. Klasse. 1913. Heft 2. 17
258 Hermann Schultz,
1) xoXaxeoTtxoi^ Lex. aiji^wöetv Et. Gen. Gud. Voss. Magn. He-
sych; Sjmonyme verwenden Suidas (aTrateibv) Photios = Athana-
sius (xdXa4 aTcatewv) An. ßekk. = An. Bachm. = Et. Magn. (SoXtotc
xal TrapaXoYioTixoi?) ; das ist alles sekundär. Ganz neu ist die Er-
klärung im Et. Magn. ooyysvixoi? xal euvoixoic (mit Etymologie von
at[ia?); sie scheint auch bei Hesych und im An. Bekk. und An.
Bachm. zugrunde zu liegen (TüpooYjveoi).
2) Orions Erklärung, erhalten direkt und als Vorlage im Et.
Gen. bezeichnet, das ausführlichste Exzerpt im Et. Gud. lautet
TzapcL t6 Sa-^vat Satfiwv xal ajtoßoX'^ toö 8 aT[i.(riv, tootoo tö OTroxopiotixöv
alfiuXo?, 0 lativ sfiTtsipoc xal oovsrö?. Die Paraphrase steht auch
im Et. Magn., im An. Bekk. Bachm., bei Hesych. Also wird die
Angabe in den Testimonia der Ausgabe lauten zu Erga 372 und
Theogonie 890:
Cyrillus habuit triplicem vocum ai[XüXoc atjJLoXioc interpreta-
tionem.
I. xoXaxsoTixotc Lex. alfj-wSstv 620, 4 Et. Gen. CD Et. Magn.
35, 27 Et. Voss. 94, H Et. Gud. 47, 6 Hesychius ; similes glossas
habent Suidas (aTratewv) Phot. 51, 30 Reitz. Athaniasius 213 (xöXa^
dTüatscov) An. Bekk. I 362, 31 = An. Bachm. I 52, 6 = Et. Magn. 1. 1.
(SoXiotc v.cd ^uapaXwYtoTLXOic).
n. l|j.7:sipoic xal aav£Toi(; est Orionis, cuius interpretationem
servavit Et. Gud.; nomen habet Orion 12,20 et Et. Gen. CD =
Et. Magn. 1. 1. ; ipsam parapbrasim IjiTceipoic xal aoveToi? servant
Orion Et. Gen. Magn. An. Bekk. Bachm. Hesychius.
m. aoYYevixot<; xal suvotxotc Et. Magn. 1. 1. (derivare videtur
a voce at{j-a); similis esse videtur interpretatio Hesychii et An.
Bekk. et Bachm. (Trpooirjv^oL) cf. Schultz, Nachr. p. 257.
Ganz einfach ist die Scheidung des „Kyrill" und des Eigen-
tums des Et. Gen. auch bei der Glosse l/diXir] (Erga 465) hyßzXfi
xb xpdtrjiia toö apö-upou Et. Gen. A Gud. Tittm. 939 Magn. 404, 15;
An. Bachm. I 245 Photios Suidas ähnlich redigiert bei Hesych;
das ist also „Kyrill". Das Et. Gen. hat den Zusatz: od l/etoti t-g
Xetpl 6 apOTpiwv. w? Trapa t6 ^Joarai ^ooipa. outo)? <7rapa tö l/etat
add. Reitzenstein> l^^stpa i/et^XT] xal xata ooyxotttjv I/^iXy] (Ex-
zerpt im Et. Tittm. ; Zusatz im Et. Magn.) ; abweichend findet
sich im Et. Gud. : Tuapa tö I'/w tö xpatw xal zb tXw tö ßaoraCw und
im Et. Magn. an zweiter Stelle: ri Trapa xb l'/co xal zb teXw (od
IXÖ{ievo<; 6 apoTptwv teXet ta toö Ip^oo) iftvetat iy^BziXfi xal I/^tXt].
Also wird die Fassung zu Erga 465 lauten: i/^tXY] tö xpA-
triiioL TOÖ äpÖTpoo interpretatas est Cyrillus, habent Et. Gen. A
(quod addit: oo l/sTat t-^ x*^P^ ^ apÖTptwv) Gud. Tittm. 939 Magn.
zur Nebenüberlieferung der Hesiodscholien. ^§9
404, 15 An. Bachm. I 245 Photius Suidas, Hesychius r^j. De con-
formatione addit Et. Gen. haec: ohq 7:apa t6 l'^^^otai loorpa, ootoöc
<7rapa tö l/srat add. Reitzenstein) s/stpa I)(st^Xy] %al xata ooYvtojUTjV
IxetXt] (Et. Tittm. -, Et. Magn. +); aliter explicant Et. Gud. :
'KapoL TÖ s'/cö TÖ xpaTü) %al tö tXw tö ßaoTdCü) et Et. Magn. loco
secundo t] Tuapa tö s/w %al tö tsXö) (oo I)(°1^^^°^ ° apoTptwv TsXst Ta
Toö spYoo) Y^vsTat s/stsXyj %al l/^'^^''] ^f- Schultz Nachr. p. 258.
Ebenso sondern sich die beiden Bestandteile des Et. Gen. bei
der Erklärung der Glosse zazo/apToc zu Erga 28 und 126. Mit
Ttazoic xaipiov (maskulin, weil C^Xo? 126) interpretiert es „Kyrill",
der vorliegt bei Hesych Suidas Photios An. Bachm. I 266 Et.
Tittm. 1142 ; im Et. Gen. = Et. Magn. 484, 47 (Exzerpt im Et.
Tittm. 1155) steht eine doppelte Erklärung : a{i?pißoXoc • tjtoi ^ap
71 IttI xazoLc xo^ipouoa (sc. ""EpK; 126) y) hf -q ol %ay.ol )(aipooat. Nur
im Et. Gen. folgt dann die Hesiodstelle mit Schollen; die Vorlage
war der aXXcoc-Artikel zu Erga 28.
Für xaXid (Erga 301 u. Ö.) findet sich in der lexikographischen
Überlieferung eine dreifache Erklärung :
1) vooaid Hesych Suidas Photios An. Bachm. I 267 Et. Tittm.
1151, bezieht sich nach Suidas auf Anth. Pal. VI 253.
2) xopiü)? 1^ Ix xaXcov o Ioti ^oXcov %aTaax£uaCo[isvYj olxLa Et.
Gen. Magn. 485, 52 Tittm. 1155 Hesych Suidas An. Bachm. Nur das
Et. Gen. fügt hinzu: jiK^Tuo) eops-d-evTcöv Xi^wv etg Ip^aaiav.
3) xaTa)(pYjaTtXö)(; 6s xai sttI twv Xi^ivwv oixwv Et. Gen. Magn.
Tittm. Da sind also die Erklärungen unter 1) und 2) „Kyrill",
die unter 3) gehört dem Et. Gen.
Endlich wird xvwSaXa (Theogonie 582) doppelt erklärt :
1) XDptwc Toc ^aXdo3La ^Yjpta öta tö Iv aXi xivsla^ai, xtvwSaXa
Ttva ovTa.
2) xaTa)(pYj(3TLX(i)(; xal sjcl TravTwv täv -ö-Yipicöv i^ Xs^lc Ti^sTai, xovö-
^aXa Tiva ovTa Sia tö ottö xuvwv aXtaxsaO-ai. Diese doppelte Erklä-
rung steht im Et. Gen. Magn. 522, 38 Gud. Tittm. 1225, bei He-
sych Suidas und als Exzerpt im An. Bachm. I 279, 29, geht also
auf „Kyrill" zurück. Isoliert und falsch ist die Quellenangabe
'"'OjxTjpoc bei Hesych und die Erklärung Cwov jj-ixpöv bei Suidas und
ähnlich im Et. Gud., wo sich auch die isolierte Ableitung findet
izapoL TÖ xvwaao) tö xoi[JLü)[iai.
Dies sind die Hesiod-Glossen, die m. W. in einer größeren
Anzahl von Benutzern des „KyrilP^ sich finden; es gibt keine
Hesiodglossen, die sich mit Ausschluß der etymologischen Lexika
nur in den anderen Benutzern des „Kyrill" nachweisen lassen;
17*
250 Hermann Schultz,
also haben die etymologischen Lexika ihrer Vorlage alle literari-
schen Glossen entnommen.
Schließlich darf vielleicht noch auf die merkwürdige Tatsache
hingewiesen werden, daß Hesych und Suidas so viel mehr Hesiod-
glossen haben als die anderen „Kyrill" -Benutzer, aber dabei sehr
viele Grlossen isoliert überliefern oder auch bei gleichem Lemma
nicht übereinstimmende Glossen bringen^). Ich würde mir das so
erklären, das in den Hesych die Hesiodglossen nicht erst mit der
„Kyrill" -Überarbeitung nachträglich hineingekommen sind, son-
dern z. T. schon zum alten Bestand gehören. Deshalb auch die
häufigen Doppelglossen mit redaktionellen Veränderungen.
m. Die Homerschölien.
Bei der nahen Verwandtschaft zwischen den beiden Schollen-
Corpora gebe ich kurz an, was die Homerschölien für die Hesiod-
scholien ergeben haben, wobei ich die neuen Scholien, die Über-
einstimmungen und endlich die Abweichungen vorlege, natürlich
nur ganz kurz, da es sich um ediertes und bequem zugängliches
Material handelt.
Neues Material für die Erklärung Hesiods, das offenbar aus
reicherer Fassung der Hesiodscholien stammt, ergeben folgende
Homerschölien :
ABT schol. A 59 zu Theogonie 454; A schol. E 269 zu Erga
675, zu Theogonie 60 steht in unseren Hesiodscholien eine ver-
sprengte Notiz, aber ursprünglich war die Erscheinung an allen
(z. B. bei Kühner - Blaß , Griech. Formenlehre I 28 aufgezählten)
Stellen behandelt; AT schol. 0 455 zu Erga 198; ABT schol. K 431
und A schol. M 22 sind heranzuziehen für die Stelle des Tzetzes-
Bios des Hesiod über das chronologische Verhältnis zwischen
Homer und Hesiod 16. 10 Gaisford ; A Genav. schol. N 588 zu
Erga 314, mit Heranziehung von Suidas Ifi und Et. Magn. 800, 5 ;
A schol. 0 189 = B schol. 0 21 bringen allegorische Erklärung
von Theogonie 453 ff., die in unseren Scholien abweichend erklärt
werden; AT schol. H 748 geben einen Zusatz zur Erklärung von
Erga 618; BT schol. E 880 und Z 181 kommen als Material für
die oben genannte Stelle des Tzetzes-Bios in Betracht; BT schol.
S 107 = QRS schol. a 406 zu Erga 351 ; BT schol. P 197 zu Erga
186; BT schol. ^ 683 ist wichtig für den Tzetzes-Bios; T schol.
1) Beispiele für verschiedene Glossen bei gleichem Lemma ayaupo; d^vvaoj
zur Nebenüberlieferung der Hesiodscholien. 261
E 526 ergibt einen Zusatz zum Schol. Theog. 875; T schol. H 328
(r^ BT schol. Z 181) zu Theogonie 319. Endlich erklärt das neue
Scholion des P. Ox. 1087 zu H 76 auch Erga 470. Die kümmer-
lichen und ungenügend bekannten Odyssee-Scholien ergeben fast
nichts ; höchstens könnte man das B schol. v 204 zu Aspis 397 und
die Polemik gegen die Hesiodeische Ableitung der Kyklopen im
HQ schol. i 106 anführen.
Von den Übereinstimmungen sind die wichtigsten, die ein
Scholion der b-Klasse der Hesiodscholien bringen, also B schol.
K 252 = LR schol. Erga 696 und BT schol. T 1 = FWX schol.
Aspis 7 und Et. Gen. octto zoavsövTcuv. Mit der Vulgata stimmen
die ABT schol. H 34, AT schol. zu U 748, ABT schol. S 100, AT
schol. W 160, B schol. B 649, B schol. 1 160, T schol. P 147 und 550.
Von Abweichungen sind mir nur zwei aufgefallen, A schol.
ß 45 und BT schol. T 342, zu Erga 318 und Aspis 1.
Anhang. Verbesserungen und Nachträge zur „Handschrift-
lichen Überlieferung der Hesiod-Scholien Abh. Gott. Ges. d. W.
Phil.-hist. KL Xn, 4(1910):
Zu S. 1. Es scheint fast die Regel zu sein, daß die für die
editio princeps benutzten Hss. untergehen, wie es Wendel Byz. Zt.
XIX (1910) 334 und Wegehaupt Charites f. Leo 151 aussprechen.
Einige Fälle führt Gudemann Grundriß d. Gesch. d. kl. Philol.^ 1909
S. 154 A. 6 an, ich nenne noch die Vorlage der Aldina des Arat
1499, des Juvenal des Valla 1499, des Et. Magn. von 1499 (Reitzen-
stein Real-Enc. V 815, 62 = Gesch. d. gr. Et. 220), der Laskaris-
Ausg. der D schol. zu Homer (Schimberg Philol. 49, 423), den Ve-
netus der Athenaeus- Aldina (Kaibel praefatio I, XIII), die Hs. d des
Kallimachos (Wilamowitz praef. ed. III S. 11). Vgl. auch Lehrs
Pindarscholien 1873 S. 1 und über die Mißhandlung der Druck-
vorlagen Glöckner Progr. Bunzlau 1913 S. 9.
Zu S. 5. Zu den verlorenen Hss. kommen hinzu zwei Hss.
aus Tarragona (in Antoni Augustini Tarraconensium antistitis bibl.
ms. gr. anacephaleosis 1587 Nr. 240 und 245), verloren nach E.
Volger Phüol. XIV (1859) 161 und Graux-Martin Nouv. Arch. Miss,
scient. II (1892) 228.
Zu S. 6. Arezzo Biblioteca Conimnnale. Beschreibung bei
C. E. Gammurrini in Mazzatinti Inventari delle bibl. d'Italia VI
(1896) 218.
262 Hermann Schultz,
gr. 330 s. XV, 10, 5 zu 15, 5 cm. Auf den ersten nicht nu-
merierten 5 Seiten (von denen f . 1 r durch Aufkleben als Vorsatz-
blatt verloren, f. 5v leer ist) Hesiod Erga 208—301, 208—238
interlinear (rot) mit Moschopulos 159, 5 — 176, 10 Gaisford. Unter-
sucht 1910.
Zu S. 10. Die Genfer Hs. Nr. 45 ist, wie mich C. Wendel
belehrt, wichtig in der Geschichte der Theokritscholien und
wird schon 1584 von Casaubonus in den Lect. Theocriteae er-
wähnt, gehört also wohl zum Grundstock der 1551 begründeten
Bibliothek.
Der Palat. gr. 18 beschrieben von 0. Dähnhardt Scholia in
Aeschyli Persas (1894) S. X.
Zu S. 15. Der Mon. gr. 158 enthält anfangs auch Proklos
wie der Genav. 45, läßt ihn aber bald als lückenhaft weg. Unter-
sucht 1911.
Zu S. 16. Mon. gr. 510 s. XIV enthält f. 349 das Hesiod-
lexikon des Dresd. Da 37; die Hs. war früher in Augsburg (Reier
Ind. ms. bibl. August. 1675 S. 80 Nr. 2). Erwähnt ist die Hs.
von Tittmann Zonaras (1808) Prol. X, identifiziert hat sie gütiger
"Weise für mich J. Heeg.
Zu S. 20. Par. gr. 2708 ist in den in A fehlenden Partieen
1911 in Göttigen nach verglichen worden.
Zu S. 23. Perugia Biblioteca Communäle. Beschreibung
bei Mazzatinti (vgl. oben zu S. 6) v. (1895) 174.
667 (J 63) s. XVI 15 zu 19, 7 cm f. 3r-38r Erga ohne Scho-
llen, interlinear Moschopulos. Untersucht 1911.
Z u S. 24. Die Hs. Nr. 4 der Biblioteca Centrale V. E. in Rom
ist von dem Schreiber des Par. gr. 2691, Sebastianos Dukios ge-
schrieben, also s. XV/XVI (Wendel).
Zu S. 25. Bei Vat. gr. 904 fehlen zwischen f. 81 und 82 Erga
318 exkl.— 346 exkl. Untersucht 1911.
Zu S. 29. Die im Marc. 464 f. 218 stehende Allegorie zu
A 1 — 4 (so ist auch S. 60 der Schreibfehler E 1 — 4 zu korrigieren)
gehört dem Psellos, wie Reinhardt De Graec. Theol. 41 A. 1 aus
Tzetzes Exeg. II. 4, 25 Herm gezeigt hat.
Zu S. 33. Die Etymologie des Namens steht im Et. Gud.,
ist also von dort wohl in den Vat. gr. 50 gekommen.
Z u S. 65. Der Georgos des Menander ist, wie mich A. Körte
erinnert, schon 1897 von Nicole gefunden und in dem links stehen-
den Text nach Gaisford fehlt nokXob<; vor ^/eiv.
zur Nebenüberlieferung der Hesiodscholien. 263
Zu S. 75. Die in LR erscheinende Fassung des Scholions zu
Erga 299 ist beweisend dafür, daß die b-Klasse die Vorlage besser
bewahrt; in der Vorlage der a-Klasse ist der Satz ausgefallen.
Unrichtig war es, wenn ich sagte, der Satz fehle auch in den
anderen Vertretern der b-Klasse ; in denen steht das Scholion
überhaupt nicht. Damit entfällt eine Schwierigkeit, auf die R.
Laqueur mich brieflich hingewiesen hat.
Zu S. 92. Das Aspis- Scholion steht im Et. Grud. 90,14 und
91,17 De Stefani; zu vergl. ist schol. Apoll. Rhod. IV 1614,
M. Schmidt Didymi fragmenta (1854) 71, A schol. P 657 und BT
schol. r 170.
Materialien zu einer Lazischen Grammatik
nach Aufnahmen des Dialektes von Trapezunt.
Von
Theodor Klage.
Vorgelegt durch Herrn Andreas in der Sitzung am 24. Mai 1913.
Die hier vorgelegten Materialien zur Grammatik des Lazischen
sind im Frühjahr und Sommer 1911 während eines mehrmonat-
lichen Aufenthaltes im Lazistan gesammelt worden. Sie beschränken
sich auf den in Trapezunt gesprochenen Dialekt. Zwei Reisen,
die eine von Trapezunt in das Innere, die andere über Olty nach
Tortun, waren resultatlos, da die von mir angetroffenen Lazen
nicht mehr ihre Muttersprache sprachen, sondern griechisch oder
türkisch.
Eine vor drei Jahren unternommene Reise von Batum über
Artwin war von keinem besseren Erfolg begleitet gewesen.
In Trapezunt selbst ist das Lazische in großem Umfange teils
von dem pontischen Griechisch, teils von dem Türkischen verdrängt
worden und wird nur noch von den untersten Volksschichten
gesprochen. Meine Versuche, dort geeignete originale Texte auf-
zuzeichnen, mißlangen.
Das zusammengestellte Material beruht auf Mitteilungen des
in Trapezunt geborenen englischen Konsulatskawassen Achmed und
ist mit Hilfe des Türkischen aufgenommen. Es ist mindestens
zweimal kontrolliert. Bei der Niederschrift ist für jeden Laut
nur ein einziger Buchstabe verwendet worden.
Das einfachste wäre gewesen, zur Bezeichnung der lazischen
Laute das georgische Alphabet zu verwenden. Aber georgische
Typen fehlen in den meisten deutschen Druckereien und ihre Ver-
wendung hätte den Druck verteuert. Überdies besitzt das Lazi-
Theodor Kluge, Materialien zu einer Grammatik des Lazischen etc. 265
sehe mehrere Laute, die im Greorgischen nicht vorkommen und
deshalb durch besondere georgische Transskriptionsbuchstaben hätten
dargestellt werden müssen.
Ich habe daher für die Wiedergabe der lazischen Laute das
Transskriptionsalphabet benutzt, das F. N. Finck und ich kurz
vor Fincks Tode für die von uns geplante „vergleichende Grram-
matik der südkaukasischen Sprachen" festgestellt hatten.
In der Hauptsache stimmt es mit dem von H. Hübschmann
in seiner „Armenischen Grammatik" verwendeten Alphabet über-
ein, von dem es nur in einigen Punkten abweicht. So schreiben
wir c für c, c' für c.
Die Mittel zu diesen Untersuchungen sind mir teils von Seiner
Excellenz dem Herrn Kultusminister, teils vom Kuratorium der
Eudolph Virchow- Stiftung bewilligt worden, wofür ich Beiden
meinen tiefgefühlten Dank ausspreche. Gleichen Dank schulde ich
dem deutschen und dem englischen Konsul in Trapezunt, dem
Herrn Dr. Bergfeld und Mr. Longworth, für die Bemühungen,
durch -die sie meine Arbeit unterstützt haben.
Nauen Bez. Potsdam Theodor Kluge.
Dez. 1911.
Die bisher das Lazische behandelnden Arbeiten sind:
Erckert: Die Sprachen des kaukasischen Stammes. Wien 1895.
Rosen, G. : Über die Sprache der Lazen, (phil.-hist. Abh. der kgl.
Akad. d. W. zu Berlin . . . 1843), (1844).
Peacock : Original vocabularies of iive West Caucasian Languages.
(Journ. Royal Asiatic Soc, London. New Series XIX. 1887).
Adjarian, M. H. : Etüde sur la langue laze. (Mem. de la Soc. de
Ling. de Paris, t. X, 1898).
MappTb, H. : rpaMMaxiKa H'aHCKaro (.lascKaro) a3BiKa Cn6. 1910.
(MaxepiaJBi no H^eTHTHecKOMY ^SBiKosHaHiio. II).
In dieser Arbeit beschränke ich mich auf die Wiedergabe
meiner Aufzeichnungen, ohne die Arbeiten meiner Vorgänger zu
berücksichtigen.
gßß Theodor Kluge,
§ 1. Lautlehre.
Unter Lazistan versteht man denjenigen Teil des heutigen
Vilajets „Tyrabzun", der sich zwischen Batum und Rize von der
Küste des Schwarzen Meeres bis zum Kamm des Gebirges er-
streckt. In früheren Jahrhunderten muß das Gebiet der Lazischen
Sprache viel ausgedehnter gewesen sein, denn es gibt heute noch
Lazen an der Küste bis Sinope und vereinzelt auch landeinwärts
bis ßaiburt und Erzerum. Die Sprache, die, soweit wir wissen,
niemals Schriftsprache gewesen ist (Kirchensprache war das Geor-
gische), zerfällt in eine große Zahl von Dialekten, die nach Westen
zu immer mehr vom Georgischen abweichen, und von denen die
von Batum und Atina die wichtigsten sind.
Die Lazen sind zum großen Teil Muhammedaner geworden.
Durch diesen Umstand sowie durch den steten Verkehr mit Türken
hat das Türkische einen großen Einfluß auf das Lazische gewonnen,
der sich zunächst im Lautstand bemerkbar macht.
a) Vokale.
a bezeichnet immer kurzes a wie in „Tag".
e wird am Ende der Wörter und in den Suffixen meist wie ein
kurzes ä (offen) ausgesprochen, während es am Anfang der Wörter
wie ein geschlossenes e lautet.
e bezeichnet ein kurzes gutturales ä, das außer in der Pluralendung
§p^e und einigen Verbalformen kaum vorkommt.
d ist ein dumpfes i und gleicht dem Türkischen gutturalen y;
gelegentlich wird es auch wie i ausgesprochen wie im Geor-
gischen; kitahd = lätdbi (auch kitabe).
i wird kurz ausgesprochen, wie in „Tisch".
0 ist kurz und offen, wie in „offen".
u ist ebenfalls kurz und offen.
ö kommt fast nur in türkischen Lehnwörtern vor.
ü ist deutsches ü.
ß) Diphthonge.
Aufeinanderfolgende Vokale werden in echt lazischen
Wörtern getrennt ausgesprochen, sodaß das Lazische ursprüng-
lich keine Diphthonge kennt. Doch entstehen sie gelegentlich
beim schnellen Sprechen, so z. B. kai aus ka-i ;,gut".
Materialien zu einer Grammatik des Lazischen Dialekts von Trapezunt. 267
y) Konsonanten.
Die folgenden Laute werden ebenso ausgesprochen wie im
Georgischen und Mingrelischen : h, k% c(ts), c\fs), J {da), c (ts),
c' {fs), j {(h\ t, t\ d, p, p% b, s] i, n, m, l.
Für die drei ursprünglichen Aspiraten ]c% t% j>' treten häufig die
entsprechenden unaspirierten stimmlosen Verschlußlaute 7c, t, p ein.
Hinsichtlich der übrigen Laute ist Folgendes zu bemerken:
h ist das deutsche „ch" in „Dach".
5 ist das deutsche „ß" in „Straße".
0 das deutsche „s" in „Eose".
r ist gutturales r.
g entspricht dem norddeutschen „g" in „Wagen", dem neugriechi-
schen „y" vor „a, o, u" und ist stellenweise so erweicht, daß
es kaum hörbar ist.
Je, g, q. Diese drei Laute wechseln in ein und demselben Wort
miteinander. Eine bestimmte Regel für das Auftreten eines
jeden von ihnen ließ sich nicht feststellen. Auffallend ist z. B.
die wechselnde Aussprache des anlautenden h in dem Worte
kai „gut", das bald kai bald gai (Adjarian) gesprochen wird.
f, V] auch diese beiden Laute sind schwer von einander zu unter-
scheiden.
Ji ist unser h und findet sich nur im Wortanlaut.
; wird ebenso ausgesprochen wie das deutsche j in „Jagd" ;
zwischen zwei Vokalen wird es, namentlich in Verbalendungen,
bald gesprochen, bald ausgelassen:
. . . moffijis: als ich kam,
mohfuis: als er kam;
ebenso in der fragenden Form:
ogodiji: hast du eingeladen?
§ 2. Accent.
a) Wortaccent.
In echt lazischen Wörtern ruht der Ton auf der Paenultima,
z. B. köc'i: „Mensch", koc'ep^e: „Menschen". Dies gilt auch beim
Verbum für den Infinitiv.
Dagegen liegt beim Präsens und Futurum I der Ton auf der
ersten Silbe. So sagt man moMimu „kommen", aber „ich komme"
möbtdur, „ich werde kommen" möffare.
Längere Verbalformen haben häufig zwei Accente, von denen
der erste in der Regel auf der ersten Silbe liegt, die ent-
weder Präpositional- oder Pronominalpräfix ist, der zweite dagegen
268
Theodor Kluge,
wie gewöhnlich auf der vorletzten. Doch kommen auch hiervon
Ausnahmen vor ; so wird bei den Verbalformen, die verneinend oder
fragend sind, das Suffix betont , durch das Frage oder Verneinung
zum Ausdruck gebracht wird.
Die griechischen Lehnwörter haben wie die echt lazischen
Wörter durchweg den Ton auf der vorletzten Silbe, während die
zahlreichen türkischen Lehnwörter, die offenbar eine jüngere Lehn-
wörterschicht bilden, ihren ursprünglichen Accent, der auf der
letzten Silbe liegt, behalten. Auch wenn sie durch Anfügung von
i, d oder e verlängert werden, bleibt der ursprüngliche Accent un-
verändert, dessen Stelle nunmehr genau der lazischen Betonung
entspricht.
ß) Satzaccent.
Das "Wort, worauf es ankommt, hat den Hauptaccent, in Fragen
meist das letzte Wort. Unter den am Schluß mitgeteilten Bei-
spielen sind eine Anzahl mit Accenten versehen, so: 152, 153, 187,
188, 191—193, 195—198, 200, 201, 203, 207, 208, 211, 216, 217,
228, 229, 234, 237, 238 u. a. m. Man sieht aus diesen, daß sich
einstweilen bestimmte Regeln nicht aufstellen lassen. Im allge-
meinen ist das Tempo ein recht rasches, aber monotones, die
Silben sind alle von nahezu gleicher Länge.
§ 3. Nomen.
1. Geschlecht.
Das Lazische kennt kein grammatisches Geschlecht. Doch
giebt es für einzelne menschliche und tierische Wesen besondere
Ausdrücke für das männliche und weibliche Individuum. Wo dies
nicht der Fall ist, wird das weibliche Geschlecht durch Hinza-
fügung von mosari, ganjugi^ guruni zum Ausdruck gebracht.
Löwe :
; arslani
Löwin
: mosari arslani,
ganjugi-
Esel :
eseri
Eselin :
: guruni e§eri
[arslani
Kater :
hato
Katze
: suha
Ochse :
hoji
Stier :
monka
Kuh :
puß
Hahn :
mamule
Huhn
: hotume (georg.:
kat'ami)
Hund :
: laköti, Jogöri
Hündin ;
; suka
Pferd :
; c'heni
Stute
; kisgagi
Mann :
hodH
Frau :
: ohorja
Sohn :
hm
Mädchen :
: bojs;o.
Materialien zu einer Grammatik des Lazischen Dialekts von Trapezunt. 269
2. Numerus.
Der Plural wird gebildet durch Anfügung von -p'e an den
Singular nach folgenden Eegeln:
a) Auslautendes i geht vor der Pluralendung in e über:
Stadt : sehir{i) PI.: sehirSp^e
Mann : kocH Jcoc'ep'e
Brot : c'hidi clmdefe.
Bei dem einsilbigen Wort fi „Kopf" lautet der Plural fip'^e, an-
geblich zum Unterschied von tepe Berg.
ß) Auslautendes e bleibt:
Strumpf: c^eneke c'enehep^e
Brot : gjare gjarepe
Garten : letvädd^) lewadep^e.
y) Wörter auf a: 1) a bleibt, z. B.
monka PL: monkap^e]
2) vor der Pluralendung wird -le- eingeschoben:
Stein : qva PI.: qvcäepe
Bruder: juma jumalep^e
Milch : mza mäalep^'e, u. a. m.
ö) Auslautendes o bleibt:
Mädchen: ho^o PL: hosop'e,
s) Worte auf u gibt es angeblich nicht.
Q Lazische Wörter, die auf einen Konsonanten auslauten, sind
mir nicht begegnet. Die auf einen Konsonanten endigenden Lehn-
wörter aus dem Grriechischen und Türkischen erhalten regelmäßig
ein i oder d als Endung; die Pluralbildung erfolgt dann nach a),
3. Deklination.
a) Allgemeines,
Es gibt nur eine Deklination, die für alle Wörter gleich ist.
Da das Lazische eine kaukasische Sprache ist, so fehlt ihm
eine besondere Form sowohl für den Nominativ als auch für den
Akkusativ. Subjekt oder Objekt werden zum großen Teil ^) durch
1) Dieser Laut steht am nächsten dem y in türkisch u*^ qys „Winter".
2) Außerdem können auch die unserem Dativ und Ablativ entsprechenden
Casus als Subjekt- und Objektkasus fungieren.
270 Theodor Kluge,
die nackte, einer besonderen Endung entbehrende Form des No-
mens, die ich als „Stammform" bezeichne, zum Ausdruck gebracht^):
z. B. Stamm von t'^oU „Auge" fol- „Stammform" foU,
, fi „Kopf" fi „ fi.
ß) Die Kasus,
1) Grenitiv.
Der Genitiv Sing, wird gebildet durch Anhängen von -si an
die „Stammform" ho^o, Mädchen; Gen. ho^osi. Der Gen. Plur. durch
Anhängen von -sl an die Pluralform: c'/iome-p''e-si: „der Fische".
Beispiel 1, 2, 12, 13.
2) Dativ.
Der Dativ wird gebildet durch Anhängen von -s an die
„Stammform"; „sein Sohn" hicH-musi. D. : bic''Mnusi'S. PL ent-
sprechend gebildet. Beisp. 14.
3) Aktiv.
Der „Aktiv" nach Finck (nach Dirr „7>?a/2-Fall", nach Adjarian
„Narrativ") wird gebildet durch Anfügung von ¥ an die ,, Stamm-
form". Dieser „Aktiv" der südkaukasischen Sprache bedarf noch
sehr der Aufklärung. Ich beschränke mich hier auf die Mitteilung
der von mir beobachteten Tatsachen. Beim Verbum komme ich
darauf zurück.
Beisp. 169 haha-V ar saati Icomomc^u: der Vater hat mir eine Uhr
gegeben.
„ 170 ]mrdnsep'e-¥ tele para hemic'opes: die Diebe haben all
mein Geld genommen.
„ 173 ma jogori-k" nemisJiomu : der Hund hat mich gebissen.
Dagegen fehlt das -/c' auffallenderweise in Beisp. 172.
4) Lokative.
Durch verschiedene Suffixe werden Kasus gebildet, die als
Lokative zusammengefaßt werden können:
a) in auf die Frage wo? -s:
meliebis : in der Schule ; ^eheris : in der Stadt ;
lewadds: im Garten;
here c'qaris ukapo: das Kind fieP) ins Wasser;
1) Für diese Form hat Dirr die Bezeichnung „Stammfall" (Grammatik der
georgischen Sprache S 40, 77, 85 u. a.) eingeführt, die aber zu Mißverständnissen
Anlaß gibt, da der auslautende Vokal zum Stamm gehören kann; z.B. das t in t'i.
2) „Fallen« ist im Lazischen kein Verbum, das eine Bewegung ausdrückt.
Materialien zu einer Grammatik des Lazischen Dialekts von Trapezunt. 271
in (mit „Akk.") wohin -se, sa:
haha komoMii Idwadase, varmohfu'^) hic'imusi: der Vater,
nicht sein Sohn ging in den Grarten;
Jxöisa: in's Dorf; hammanisa: ins Bad;
b) von, aus: -se (woher), si:
meJctehise: aus der Schule; seherise: aus der Stadt;
Beisp. 9: ohorisi mohidur: ich komme von Hause; c'henise . . .: vom
Pferde (fallen);
c) nach: -sa:
Iwmohfu Seherisa: er ging nach der Stadt; ismirisa: nach
Smyma ;
d) über: -äin:
diskaiin: über dem Hause; daguäin: über dem Berg;
damiMn: über dem Dach;
e) auf: -s (Ort); -sa (Richtung):
tis fezi gegoturtu : er hatte einen Fez auf dem Kopfe ;
sol'aris: auf der Straße, Beisp. 256 ; c'arsisa: auf den Markt;
f) an: -se: ohorise: an dem Hause;
g) bis (nach) : -sa-Jcis : ismirisaJcis : bis nach Smyrna ;
h) bei: -s : tuc'ans: beim Kaufmann;
i) zu: -s: diskas: zu Haus;
k) durch: -se: seherise: durch die Stadt.
Hieran schließen sich die durch Postpositionen gebildeten Orts-
bestimmungen (zusammengestellt sind die Postpositionen auf S. 273
unter y.)
1) innerhalb: kutis dolohe: im Kasten;
(seherisi dolohe: das Innere der Stadt);
ferner c'qaris dolohe ... er fiel ins (im !) Wasser ;
Postposition: dolohe mit dem „Genitiv" und „Dativ" ^);
2) vor : -s, -si : seheris ogune, seherisi ogune : vor der Stadt ;
sarais ogune: vor dem Palast;
3) zwischen: diskai/esi aras: zwischen den Häusern;
jalepesi alas: zwischen den Bäumen;
4) hinter : dmvardsi kapidas : hinter der Mauer ;
jasi kapidas: hinter den Bäumen;
5) neben: hwaddsi janii: neben dem Grarten;
6) unter: -s, si:
jataris tude: unter dem Bett; seherisi tudele: unter der
Stadt ; hagenis tude : unter dem Dach ;
1) Die einzelne Form heißt: var komoMu.
2) Eins von beiden ist offenbar falsch, eine Klarstellung ließ sich aber
nicht erreichen.
272 Theodor Kluge,
Jogori sufraH tude Jans : der Hund liegt unter dem Tisch ;
Postposition: tudej tudele mit dem „Gen."-u. „Dat.";
7) um : dagesi gomtumani : um den Wald ;
8) gegenüber: deresi meJendofu{?), dore: dem Fluß gegenüber;
9) diesseits : cqaris haJcole : diesseits des Wassers ;
10) jenseits: msugas hekole: jenseits des Meeres.
5) Instrumental.
Grebildet durch die Endung fe:
hamife mepTcvaü'. mit dem Messer habe ich geschnitten;
demirife: mit dem Eisen.
6) Temporale.
Zeitbestimmimgen werden teils durch Suffixe, teils durch Post-
positionen zum Ausdruck gebracht.
1) Durch Suffixe gebildet:
a) von: vifdo hufise ecHdo hufisa: vom 15. — 25;
b) bis: vifdo kufise ec^ido hufisa: vom 15. — 25:
liac'epskomit'' \ bis jetzt;
c) seit: zur fufas: seit zwei Monaten;
d) in: heharis; im Frühling; Mmdgalep^es : in diesen Tagen.
2) Durch Postpositionen ausgedrückt:
a) vor: j§tir fufas ogune: vor zwei Monaten;
b) nach: zur fufa uTzac^he: nach zwei Monaten.
7) Soziativ.
mit: dostep'e-Jiala igzalu, hogomohti: mit den Freunden ist er ge-
kommen, bist du gegangen;
8) Art und Weise.
a) aus: -se: diska, di§kase: aus Holz; demirise: aus Eisen;
b) wegen, für, um: sehehife: wegen der Ursache;
ckaniseni ar kitdb nwgeri: ich habe ein Buch für Dich gebracht;
eiarvtseni mofti; ich bin zu Besuch gekommen;
c) in: esaisi senil in Ruhe;
d) bei: -iin: maäin para var mi^un: ich habe kein Geld bei mir;
e) über, in Betreff: -<?«:
hajaäa dido Jares: darüber haben sie viel geschrieben.
f) ohne: Sapkaeuzi: ohne Hut [türkisch].
Materialien zu einer Grammatik des Lazischen Dialekts von Trapeziint. 273
In anderen Fällen werden Postpositionen verwendet, z. B. :
a) wegen (Ursache): goma tvirise ustune posta var mohtu:
gestern ist die Post wegen des Schnees nicht angekommen.
b) wie: heja sisteri: wie er; c^kimi s ister i: wie sie;
c'kimi konare: soviel wie icli.
y) Zusammenstellung der Postpositionen.
1) dolohej innen, das Innere, mit dem „Genitiv'^ nnd „Dativ".
2) ogune [türk.], vor, mit dem „Genitiv".
3) tude, nnter, mit dem „Genitiv" und „Dativ".
4) alas, aras, [türk.] zwischen „
5) kapulas, hinter „
6) janüs, [türk.] neben „
7) gomtumani, um „
8) melendotu (?), dore, gegenüber „
9) Jiakole, [? türk. qol „Arm, Seite, Richtung"] diesseits, m. d. Genitiv.
10) hekolej [ „ ] jenseits, „
11) ukac'he, nach, mit der „Stammform".
12) ustune, [türk.] wegen, mit dem ^Ablativ*'.
13) sisteri, wie, gleichwie, mit der ^Stammform".
Die meisten Postpositionen regieren, wie man sieht, den ^Ge-
nitiv"; zwei, 1) u. 3), außerdem den Dativ. Eine, 12), regiert
den Ablativ und zwei, 11) u. 13), haben die „Stammform" nach sich.
6) Paradigma der Deklination.
Da keine Unregelmäßigkeiten vorkommen, so genügt es, ein
Nomen durchzudeklinieren.
Auge: foli, Stamm fol-, „Stammform" foli.
Sing.
Gen.: t'oli-si,
foli-s
Instr.
: mit
foli-fe
Dat.: foli-s
Ablativ :
-se(n)
Aktiv.: foli-¥
von
-sa
in (wo)
foli-s
bis
-se
in (wohin)
'se, -sa
Temporale
seit
-s
von, aus
'Se, -si
in
-s
nach
-sa
auf (Ort)
'S
Soziativ: mit
'kdla
T yvl-, (
auf (Richtung)
'sa
IjOK.
an
•se
gemäß
-s
bis, nach
-sakis
über, in Betreff -sa
bei
-s
Art u. Weise <
in
-seni
zu
'S
bei
-£in
durch
-se
von, aus
-se
über
-äin
Kgl. Ges. d. WiEB. KachrichteB. PhU.-liiit. Klasse. 1913. Heft 2.
18
274 Theodor Kluge,
Im Plural genau so : folepH, folep'esi, folep^es u. s. w. ; ebenso
flektieren die Wörter auf -a, -o, -e.
§ 4. Präpositionen.
Es gibt im Lazischen keine Präpositionen.
§ 5. Artikel.
Das Laziscbe hat keinen bestimmten Artikel, ihn ersetzen die
Demonstrativpronomina „dieser" Imja und „jener" Ji'eja.
Als unbestimmter Artikel dient das Zahlwort ar „ein".
§ 6. Adjelctiv.
Das attributive Adjektiv steht vor dem Substantiv und nimmt
keinerlei Endung an.
Nur wo es als Substantiv verwendet ist, wird es wie ein
solches behandelt.
Unbestimmte Pronomina stehen bald vor, bald hinter dem
dazugehörigen Substantiv.
§ 7. Komparation.
Besondere Formen für den Komparativ und Superlativ besitzt
das Lazische nicht. Sowohl der Komparativ wie der Superlativ
werden durch das vorangestellte dido, groß, zum Ausdruck gebracht :
schwarz: wc'a; schwärzer: dido u^a; am schwärzesten: dido uc^a,
der lange Weg: gunce gza\ der längere Weg: dido gunce gea]
der längste Weg: dido gunce gza.
Der verglichene Gegenstand wird in den Ablativ gesetzt z. B. :
}ogori cheni-se cotaren: der Hund ist kleiner als das Pferd, Bei-
spiel 16.
ma ckanisen didi vorejhore: ich bin größer als du, Beisp. 32.
qelemi^kimi skani^en kairen: meine Feder ist besser als deine,
Beisp. 42.
saatic'kimi fqvanisen daha njuzeren: meine Uhr ist billiger als
Ihre (eure), Beisp. 45.
Gelegentlich wird der Komparativ durch das Türkische dalia
und der Superlativ durch das Türkische qh wiedergegeben, z. B. :
nam c^id^^eki Qni psqvare? welche Blume ist die schönste? Beisp. 52.
i^ic'ekep^si §n psqva güliren: die schönste der Blumen ist die Rose,
Beisp. 18.
güli teli ^i^ekep^en §ni kairen: die Rose ist die schönste von
allen Blumen, Beisp. 17.
I
Materialien zu einer Grammatik des Lazischen Dialekts von Trapezunt. 275
§ 8. Adverbia.
Es gibt im Lazischen keine besondere Form für das Adver-
bium, für das das Adjektiv gebraucht wird.
hai JcoeH: ein guter Mann; Jcai TiOcHren: der Mann ist gut;
Tcai Soprans: er spricht gut.
dolohe: innerhalb
gale: außerhalb
soren: wo?
soulur: wohin?
b. Adverbia des Orts:
c'kaieris var: nirgends
sagisa [türk.]: nach rechts
soUsa [türk.] : nach links
Mn: oberhalb
solemulur: woher? tude: unterhalb
Jiaq: hier heja haja: hin und her
haksa: hierher jan janisa\iüvkl\'. nebeneinander
hakole: von hier weg [? türk. s.S.273] emtumani, emtl, oqti: bergauf
hekole: dorthin [ » ] gemtumani, gemti: bergab.
hülieris: überall
c. Adverb
mtioga, naimto, nmogas: wann
hac'e: jetzt
banda, c^gar var: immer
ogune, ogiinde [türk.] : früher
uqac^he: später, endlich
]agunep^es [türk.] : bald
ogimde [türk.] : zuerst
handra: heute
handra Jumani: heute morgen
goma: gestern
goman liimji: gestern abend
jumanisi: morgen
ia der Zeit:
ogunen [türk.] dges: vorgestern
mazugen dgas: übermorgen
isoras: gegen Abend
seri: nachts
dgaleri: tags
ondgeri: mittags
qusis [türk.] : im "Winter
jasQs [türk.] : im Sonmier
gdsds: im Herbst
ogune [türk.] : früh
ukac'ha: nachts.
d. Adverbia
mutjo: wie
heso, haso: so
nakonare: wieviel
he-haJconari : soviel
halxo: wieviele
kortoko: höchstens
kortasa: ziemlich
hakonare : soviel
tamman [türk.] : gerade
der Art und "Weise:
helki [türk.] : vielleicht
quc'hesHn : in Eile
nafde [türk.] : vergeblich
tisäin : mit Vergnügen
hedatva [türk.] : gratis
aröinis: auf einmal
dogusu [türk.], qarsi [türk.], miiHs
in der Tat
h9tun [türk.]: ganz, gänzlich.
18*
276
Theodor Kluge,
0 sdfdr [tiirk.]
1 ar
2 äur
3 zum
4 ofho
5 huf
6 as
7 sUf
8 ovro
9 c'Äoro
10 vif
11 vifvar
12 vf^'«^ ^wr
13 vtV'^o ^wm
14 vifd'ofho
15 «;?^*(?o Ä«*^'
16 vifvas{i)
17 t'i^'(?o sÄ:i^'
18 vifcTovro
Substantiva
gülar.
§ 9. Zahlwörter.
1. Cardinalia:
19 vifdo clioro
20 ec\i)
21 ec^ido ar
30 ecHdo vif
31 ec^ido vifvar
40 iiirnec'i
50 äurnec^ido vif
60 zumenec'i
70 zumenec'ido vit
80 ofhenec^i
90 ofhnec'ido vit
100 osi
101 osie?o ar
200 iurosi
500 hufosi
1 000 5i/^a [griech.]
2 000 iMr siZia
1000000 ar mi7iow
in Verbindung mit Zahlwörtern bleiben im Sin-
2. Ordinalia:
1. arisi] 2. Surisi] 3. mmisi u. s. w.
Der erste : wwewi ; der letzte : ganiac^ odiner i.
3. Distributiva:
je einer: tito; je zwei: iwr i?<r; je drei: ^««w ^r^m.
4. Bruchzahlen:
V« gverdi) ^Ji gverdiä gverdi) Vs ^^w^'^ «^i
7* srnmis ofho^).
5. Zahladverbia:
einmal: arfara] zweimal: iur qatd [tiirk.].
Über die Zahlwörter ist zu bemerken, daß ihnen das Vigesi-
malsystem zugrunde liegt.
1) Ob diese beiden Ausdrücke richtig sind, scheint mir fraglich.
1
Materialien zu einer Grammatik des Lazischen Dialekts von Trapezunt. 277
§ 10. Pronomina.
1. Personalpronomina.
1. Person: rna „ich" S.Person: mu,mu¥, „er, sie, es"
Sing. Gen. : c'kHmi, s¥imi, c^kimi, skimi Sing. Gen. : musi
Aktiv.: ma Aktiv.: mu¥
Dat.: ma Dat.: mus
Loc. : c^'kHma, c'kHnda Loc. : musa
Abi.: c'kHmis€,c^kHnde U.S.W. Abi.: muse
Plur. : c'¥i,c'ku,c'kinep'e,skH,sk'u Plur. : minfe,munfe,munfep%
Qen.: c^kHni, skhmi [»wir^ munfep^e¥ „sie"
Aktiv. : c^k'^u Gen. : munfep'esi
Dat. : cTw, c^kH Dat. : munfep'es
Loc. : ^Uunda Loc. : munfep'esa
Abi. : c^kHnise Abi. : munfep'ese
2. Person: s^ „du" 3. Pers.: heja,heja¥ „er, sie, es**
Sing. Gen. : skani, ckani Sing. Gen. : hejasi
Aktiv.: si Dat.: hejas
Dat.: si Loc: hejasa
Loc. : skanda Abi. : Jiejasen, u. s. w.
Abi. : skande,skanise(n),ckamse(n)
Plur. : fg'm „ihr" Plur. : henfep^e „sie"
Gen.: fqvani Gen.: henfep'^esi
Dat.: ^'gva, fqvanis Dat.: henfep^es
Loc. : fqvanda Loc. : henfep^esa
Abi.: fqvande Abi.: henfep^esen.
Sollen die Pronomina hervorgehoben werden, so werden sie
durch -A' verstärkt: mafi „auch ich".
2. Possessivpronomina.
Als Possessivpronomina fungieren die Genitive der ent-
sprechenden Personalpronomina. Sie können dem Substantiv, zu
dem sie gehören, sowohl vor- als nachgestellt werden. Stehen sie
vor dem Substantiv, so treten die Flexionsendungen, Plural und
Kasussuffixe, wie gewöhnlich an das Substantiv. Folgen die
Possessivpronomina dem Substantiv, so erhält dieses das Plural-
zeichen, das also zwischen Substantiv und Pronomen eingeschoben
wird, während die Kasussuffixe an das Pronomen treten.
278
Theodor Kluge,
mein:
dein:
sein :
c'kHmi
shani, ckani
muäij henfesi
Gen. c'kHmiäa
ckanise
musi
Dat. c^¥imis
ckanis
mus
Abi. d'h^imise, u. s. w.
ckanise
muisi§e.
nnser:
euer:
ihr:
sk'uni
fqvani
henfep^ese, munt'eäi, ninfep'^H
Gen. §¥unisi
fqvanisi
hent'ep'eäiä
Dat. s¥unis
fqvanis
hent'ep'eäis
u. s. w.
Beispiele :
mein Vater: hahac^¥imi
Plnr
meine Freunde : dostep'ec'k'imi
dein „ : hahashani
',
deine Freunde: dostep'^eskani
sein „ : musibaba
5
Plur
. seine Väter: henfesi babap'e.
sein
„ : Jiemusibaba
sein Freund : dostimusi
in unsere Stadt: seheri c'khmise,
das Buch, das dein Vater mir gab
habaskaniU mamomc'a kitahd.
3. Demonstrativpronomina.
dieser: liaja, harn
Gen. hajasi
Activ. haja¥
Dat. hajas
Loc. hajasa
Abi. hajdse
Plur. hanfep^e
hanfep'ese
hanfep'eF
hanfep^es
hanfepesa
hanfep^e§e.
jener: heja
Gen. hejasi
Dat. hejas u. s. w.
4. Relativpronomen.
welcher: namu, nam.
Gen. namusi
Dat. namus
Loc. namu§a
Abi. namuSe
namufe
namukala
namu§eni u. s. w.
Plur. namup'ese
namup'e§e§i
namup'eäis.
Materialien zu einer Grammatik des Lazischen Dialekts von Trapezunt. 279
5. Interrogativa.
Wer: mi PI. mip'e Was: muia, mu
Gen. misi Gen. musi
Dat. mis Dat. mus
Loc. misa Loc. niusa
Abi. mise u. s. w. Abi. muse
wozu: musen
6. Pronomen reflexivum.
Selbst: mu, mu¥] PI. mufep'e.
7. Indefinita.
Jemand : heja mi (wörtl. : dieser wer).
Niemand : var mi (wörtl. : nicht wer).
Ein anderer : heja var (wörtl. : dieser nicht),
maäura (eigentlich: der zweite).
Einige: iwr, ^um (cfr. Cardinalia).
Viel : dido.
Wenig : c'ika.
All, alles: fei.
Nichts: c^lcar var.
Etwas: mufu.
Jeder : Icafa.
§ 11. Interjektionen.
Die Interjektionen sind zum großen Teil türkischen Ursprungs.
aferin: bravo! [türkisch.] raste: richtig! [türk.]
jasdk: schade ! [türk.] goc'ohfi: vorgesehen!
waj: weh! au! [türk.].
§ 12. Das Verbum.
1. Allgemeines.
Zu den schwierigsten Kapiteln der kaukasischen Grammatik
gehört die Darstellung des Verbums, die bisher überhaupt noch
nicht einwandfrei gelungen ist. Nun liegen die Verhältnisse im
Lazischen allerdings günstiger als im Georgischen, weil das Lazi-
sche auf einer älteren Entwickelungsstufe stehen geblieben ist.
Aber anderseits scheint das türkische Verbum einen Einfluß auf
das lazische Verbum ausgeübt zu haben, dessen Umfang sich einst-
280 Theodor Kluge,
weilen nicht genauer bestimmen läßt, weil unsere Kenntnis der
übrigen südkaukasischen Sprachen für eine vergleichende Betrach-
tung des Verbums noch nicht ausreicht.
Ich habe gerade auf die Untersuchung des Verbums den
Hauptwert gelegt und soviel Material gesammelt, als irgend mög-
lich war.
2. Arten von Verben.
Im Lazischen lassen sich folgende Arten von Verben unter-
scheiden :
1. Hilfsverba: Hierher gehört zunächst das Verbum „sein", s.S.310f.,
dann vielleicht auch das Verbum „wollen", s. S. 295, 16,
2. aktive oder transitive,
3. intransitive,
4. kausative oder faktitive,
5. reflexive,
6. unpersönliche.
Beispiele für die einzelnen Arten sind in den entsprechenden
Abschnitten aufgeführt.
3. Die Konjugation.
a. Allgemeines.
Wie alle südkaukasischen Sprachen hat auch das Lazische
zwei Konjugationen, die „direkte" Konjugation und die „indirekte",
die jedoch weit seltener ist als im Georgischen. In welcher Weise
sich beide unterscheiden wird weiter unten gezeigt werden. Im
allgemeinen hat jedes Verbum nur eine Konjugation, doch gibt
es eine Anzahl Verba, die ihre Tempora teils nach der einen teils
nach der anderen Konjugation bilden.
b. Genera Verhi.
Das Lazische besitzt zwei Grenera Verbi: das Aktivum und
das Passivum. Das Passivum hat dieselben Tempora wie das
Aktivum, wird aber verhältnismäßig wenig gebraucht.
c. Modi.
Es hat 6 Modi: 1. Indikativ, 2. Imperativ, 3. Prohibitiv,
4. Konjunktiv, 5. Konditional, 6. Permissiv.
d. Tempora.
Indikativ: 1. Präsens, 2. Imperfektum, 3. unbestimmtes Imper-
fektum ^), 4. Aorist, 5. Perfektum, 6. Plusquamperfektum, 7. Futu-
rum I, 8. Futurum II, 9. unbestimmtes Futurum.
1) 8. 8. 290, 4, 5.
Materialien zu einer Grammatik des Lazischen Dialekts von Trapezunt. 281
Konjunktiv: I.Präsens, 2. Imperfektum, S.Aorist, 4. Futurum,
5. Perfekt um, 6. Plusquamperfektum.
Der Konditional hat dieselben Zeiten wie der Indikativ.
Der Permissiv wird von allen Verbalformen gebildet.
Bemerkung: Die Bildung der unbestimmten Tempora ist eine den süd-
kaukasischen Sprachen völlig fremde Erscheinung und vielleicht auf den Einfluß
des türkischen Verbums zurückzuführen.
e. Verbalnomina.
1) Partizipien: Partizipium Praesentis, Perfekti und Futuri,
die alle sowohl eine bestimmte als eine unbestimmte Form haben.
2) Infinitiv.
3) Gerundivum.
f. Numerus.
Das Lazische Verbum hat zwei Numeri: Singular und Plural.
g. Person,
Die Personalpronomina müssen stets gesetzt werden, wenn kein
anderes Subjekt vorhanden ist: ich nm, du si, er heja, hejaJc% wir
c^k% c^k^u, ihr fqva, sie henfep^eh,", henfep^es, henfep'e, henfi, munfe,
minfe.
Wichtig ist, daß der aus den übrigen südkaukasischen Sprachen
bekannte Gebrauch verschiedener Kasus des Pronomens der drit-
ten Person je nach den verschiedenen Tempora im Lazischen
so gut wie verschwunden ist. Es folgen zwei Beispiele für alle
Tempora, denen ich das im Georgischen dabei verwendete Pro-
nomen zur Vergleichung beifüge.
Der Vater baut ein Haus : er sucht : Georgisch :
haha¥ ohori iJcoms heja¥ goroms is (Stammform) Präsens
'tu is „ Imperfektum
goru iman (Aktiv) Aorist
„ äore imas (Dativ) Perfektum
„ dortu imas „ Plusquamperf.
gorasere is (Stammform) Futurum I.
gorastu — Futurum II.
h. Die Verhalf orm.
Jede Lazische Verbalform besteht aus einer Reihe von Ele-
menten, von denen die Wurzel {\J) das wichtigste ist. Um sie
»
„ -tu
n
„ dovo ^)
häba
„ daudore
r (^')
„ daudortu
. m
„ idi
T)
„ (v)astu
1) Diese Form und die folgenden sind Tempora des unregelmäßigen Ver_
bums ohenu „machen" ; s. die Liste der Verba 40.
282 Theodor Kluge,
herum gruppieren sich die temporalen und personalen Suffixe
sowie die präpositionalen, temporalen und personalen Präfixe. Die
Wurzel bleibt entweder unverändert oder erleidet geringfügige
lautliche Veränderungen beim Antreten von Präfixen und Suffixen.
Dem Formensystem eines Verbums können gelegentlich zwei Wur-
zeln zugrunde liegen. Ein Verbum ist ferner einfach oder von
vornherein mit einem präpositionalen Präfix verbunden. Die Ver-
balformen haben in den meisten Fällen ein Temporal- und ein
Personal präf ix sowie ein Temporal- und Personal suf fix; von
diesen können in bestimmten Tempora die Temporalpräfixe und
-Suffixe fehlen.
1) Präpositionalpräfixe.
Der Gebrauch von Präpositionalpräfixen zur Modifikation des
Verbalbegriifs scheint sich im Lazischen nur noch bei Verben der
Bewegung nachweisen zu lassen. Im Folgenden habe ich das
zusammengestellt, was sich aus etwa 500 Verben ergeben hat.
Zunächst einige Beispiele, wo die Bedeutung des Präpositional-
präfixes ohne weiteres klar ist, weil das betreffende Verbum eine
Ortsbezeichnung durch eine Präposition verlangt:
heTS,u{ jin: ßn-erapu heraufbringen, [Jin]-esahtimu heraufkommen,
heraus gale: gale-mogapii herausbringen, gale-gamahtinu heraus-
kommen,
herbei haJw: hako-mogapii herbeibringen, [mecHsinuy^ herbeikommen,
herein dolohe: dolohe morapu hereinbringen, dolohe moJjtimu herein-
kommen.
Weit schwieriger ist die Behandlung einer anderen Reihe von
Präfixen, die Adjarian „Prefixes proprement dits" genannt hat.
Einige von ihnen bestehen nur aus einem einzigen Buchstaben,
andere aus einer Silbe oder aus zweien. Solcher Präfixe kann
ein Verbum bis zu vieren haben. Art und Weise der Verbindung
ist fast unbeschränkt. Im folgenden eine Reihe von Beispielen.
Wo eine Erklärung möglich ist, habe ich sie gegeben.
a: ? a-o-ropa lieben.
e: auf, fort, e-c'opinu „nehmen, kaufen", q-sqIo „aufstehen", e-äa-
nahu „aufbewahren", e-sdapu „entfernen, fortschaff'en".
o: ist ein Präfix, das fast an alle Verba tritt, die kein weiteres
Präpositionalpräfix haben.
c?o: ? „be"? „an"? do-guru „lernen", do-gurapu „lehren", do-hunu
Materialien zu einer Grammatik des Lazischen Dialekts von Trapezunt. 283
;,besetzen", do-lo-kuno „ankleiden", do-c'¥inapu „anstrengen",
do-hvapu „beendigen", do-u-dvapu „bestellen", do-dginu „stehen".
i: Passivpräfix (s. unter Passiv, S. 313).
u: ? do-u-dvapu „bestellen".
ga: fort, ver. ga-ma-c^amu „verkaufen", ga-ma-htinu „ausgehen",
ga-ma-tinu „laufen", ga-ma-rapu „ziehen".
hi: ? Jca-d'kinu (ka-od'kinu) wissen.
ge: „an"? ge-c'kapii „anfangen", ge-dgapu „greifen", ge-gapu „ge-
wöhnen" (trans.), ge-la-hidti (trans.) „hängen", ge-htimu „hinab-
kommen".
Tee : ? ke-c^amu „stoßen, jem."
go: „ver-, aus-", go-c^kondinii „vergessen", go-c'vapu „ausziehen",
gO'c'kumu „ausziehen", go-chimu „berauben".
ko: ko-camtinu „entwischen".
la : ? ge-la-kidu „hängen (trans.) ^
oÄ:? oh'O-m-bimi „vertrocknen^, oh-ma-rapu „treiben".
m: ? o-m-dinapu „verjagen", o-m-tinu „ablegen, legen".
ma: ? ga-ma-c^amu „verkaufen", gale ga-ma-htinu „ausgehen ^^ ga-
ma-tinu „laufen".
me:? 1) „her, hin", me-c'opu „kaufen", me-lapu „fallen", me-sqvapu
„lassen, zulassen", me-kedinu „anfassen", me-c'aho „anmachen",
Jiaberi me-c'amu „anmelden", me-c'islmu „einholen, erreichen",
me-c'apu „geben".
2) „aus, fort, weg", me-hvapa „ausgießen", me-cHnapu „aus-
halten", me-skurinu „auslöschen, löschen", me-skvapu „loslassen",
me-)akapinu „springen", me-hiru „stehen", me-c'apu „wegstoßen".
mo\ „hin, her", mo-htimu (o-htimu) „kommen, gehen", mo-gapu
„bringen, forttragen", mo-htimu „zurückkommen", mo-svasinu
„ausziehen".
mu\ ? mu-c'apu „bezahlen", u. s. w. ^).
2) Temporalpräfixe.
Der Gebrauch der Temporalpräfixe ist im Lazischen be-
schränkter als im Georgischen. Im allgemeinen haben weder das
Futurum noch die Imperfekta noch die anderen Tempora der Ver-
gangenheit ein sogenanntes „Yollendungspräfix". Nur der Aorist
hat meistens ein solches Präfix. Die Bemerkung Rosen's, der
Aorist habe immer das Präfix do u. s. w. beruht vermutlich auf
angenügender Material- Sammlung und brauchte von Adjarian nicht
1) Im vorliegenden Verzeichnis handelt es sich nur um Infinitive, und nicht
um alle möglichen Formen, wie sie Adjarian 1. c. S. 421 if., § 94 ff. zusammengestellt
hat, dann wird die Frage freilich unlösbar.
284 Theodor Kluge,
moniert zu werden. Ich selbst habe Aoristformen ohne Präfix,
und dann einige Tage später mit Präfix gehört; auf Vorhaltung
erhält man gewöhnlich die Antwort: das ist alles einerlei.
Das Temporalpräfix des Aorists ist ^-, g-, d-, das teils ohne
Vokal, teils mit Vokal — meist o — auftritt. Ein Gresetz hat
sich hier nicht ermitteln lassen. Wo das Temporalpräfix fehlt,
ist die Feststellung der Form nur durch die Suffixe möglich.
3) Personalpräfixe.
1) Direkte Konjugation:
Da in jedem lazischen Tempus die 1. u. 2. Pers. Sing, und die
1. u. 2.Pers.Plur. übereinstimmen, so werden die Personen durch Per-
sonalpräfixe unterschieden, die zwischen der Präposition oder dem
„Vollendungspräfix" einerseits und dem vor der Wurzel stehenden
„Charakter vokal" oder der reinen Wurzel anderseits eingefügt
werden. Auch hier läßt sich kein Gresetz über die bei den ein-
zelnen Verben anzuwendenden Präfixe aufstellen.
Sing. 1. Pers. 1) (->'-, 2) (-)b-, 3) (•)v^,
2. _ -„ _
3. _ _ _
Plur. 1. (->'- (-)b' (-)v-
2. _ _ _
3. _ _ —
In einer großen Anzahl von Fällen folgt auf diese Präfixe
noch ein Vokal (a, e, i, o, m), ohne daß es gelungen wäre, für das
Auftreten dieser Vokale ein Gesetz ausfindig zu machen.
2) Indirekte Konjugation:
Die Personalpräfixe bei der indirekten Konjugation lauten
sowohl im Singular wie im Plural:
1. Pers. {-)m- (ma-, me-, mi-, mo-, m«-),
2. « {-)g- {ga-, ge-, gi- . . .)
3. „ {•)u-.
Für die Wahl des Vokals ließ sich keine Regel feststellen.
4) Temporalsuffixe.
Die Temporalsuffixe werden bei den einzelnen Tempora auf-
geführt werden.
5) Personalsuffixe.
Dasselbe gilt von den Personalsuffixen.
4) (-)/•-
5) (-)m-
(-)Ä-
(-)«-
(-)Ä-
(-)«-
(-)/•-
{.)m-
(-)Ä-
(-)«-
(-)Ä-
(-)«-.
Materialien zu einer Grammatik des Lazischen Dialekts von Trapezunt. 285
i. Aussageformen.
a) Bejahende Form.
ß) Verneinende Form.
Die Verneinung wird durch das vor die Verbalform tretende
Wort var „nicht" ausgedrückt, dessen auslautendes r vor der Ko-
pula re{n) „ist" schwindet:
ich liebe: ma borom, . . , nicht: ma var boroniy
du liebst: si horomi, ... „ si var boromi u. s. w.
Einige Verben gehen, wenn sie verneint sind, nach der in-
direkten Konjugation:
ich nehme: ma ep^c^op^um, ich nehme nicht: var e-ma-c^op^em
du nimmst: si e^op^um^ du nimmst nicht : var e-ga-c^op^em u. s. w.,
andere dagegen verlieren das Präpositional-Präfix, so z. B. :
Jco-tnic^kin „ich weiß", var mic'kin „ich weiß nicht".
Dies scheint indessen nur auf das Präsens beschränkt zu sein.
y) Fragende Form.
Die fragende Form wird durch Anfügung von -i an die Ver-
balform gebildet:
ich liebe: ma horom, ma boromi?
Dieses i wird in der gewöhnlichen Rede sehr oft fortgelassen
und die Frage nur durch den Tonfall angedeutet. Wo die Ver-
balform auf einen Vokal auslautet, wird zwischen den auslautenden
Vokal und das i der Frage ein j eingeschoben. Ist der auslau-
tende Vokal i, so tritt jedoch für gewöhnlich eine Verschmelzung
der beiden i ein.
k. Bildung der Modi und Tempora.
Um Wiederholungen zu vermeiden werden beide zusammen
behandelt.
1. Infinitiv.
Da bis zu einem gewissen Grade die Möglichkeit ein Verbum
zu konjugieren von der Kenntnis der Bildungsgesetze des Infinitivs
abhängt, so werden diese zunächst besprochen.
Der Infinitiv wird aus der Wurzel gebildet durch Anfügung
286 Theodor Kluge,
des Suffixes -u und des Präfixes o, abgesehen von noch anderen
Suffixen, die weiter unten aufgeführt werden.
I. Klasse. \/, Präfix o-, (do-?), Suffix -u:
* }Jkifh, fragen: o-lcifh-ti,
^gifh, lesen: o-gifh-u,
yjjar, schreiben: o-Jar-u,
^gur, lernen: do-gur-u,
}Jqvart, schneiden: o-qva{r)t-u,
\]c, nähen: o-c^-u,
\Jtah, zerbrechen: o-tah-^,
\/sum, trinken: o-sum-ii
y/pel, nützen : o-pel-u, was natürlich griech. d)(pEk6tv ist,
aber genau so wie ein lazisches Verbum behandelt wird.
II. Klasse, a) yj, verschiedene Präfixe, Infix -m-, Suffix -u:
yjhf, kommen: tTto-hf-in-u,
\/c'op, nehmen, kaufen: e-c''op-in-u,
^c'k, wissen: Ico-c'^k-in-u,
yjc'kond, vergessen: (igo)-^kond-in-u,
}Jmat, laufen: {gaymat-in-u,
yjdg^ anhalten: {do)-dg-in-n,
ß) y/, Präfix 0-, Infix -in-, Suffix -u:
yjjoh, rufen: o-Jok-in-u,
yjc'k, verstehen: o-c'k-in-u,
\J^i), lachen: o-^i)-in-u,
\Jhga{r), weinen: o-bgar-in-u,
^mt, legen: o-mt-in-u,
^c'od, beendigen: o-c'od-in-u.
y) y/, Infix in-, Suffix -w, Präfix g-on-?:
yjc'k, aufmachen: gon-c'k-in-u.
III. Klasse, a) y^, Präfix o- oder Präposition, Infix -ow-, -wn-,
Suffix u :
\Jhj setzen: do-h-un-u,
yjc'^h, kämmen: o-c'h-on-u,
yjh, waschen, sich : o-b-on-u,
yjn^g, schicken: me-nS§-onru^
yjlag, kauen: o-lag-un-u.
ß) y/, Präfix 0-, Infix -an-j Suffix w:
^jik, sich vermindern: o-m-)ih-an-u^
\]guns, verzögern: o-guns-an-u.
Materialien zu einer Grammatik des Lazischen Dialekts von Trapezunt. 287
IV. Klasse, a) y/, Infix -ap-, Suffix -u:
\Jmec\ geben : mec^-ap-u.
ß) \J, Präfix 0-, (do-, mo-), Infix -ap-, Suffix -u:
\Jgn, sehen: o-gn-ap-u,
yjgur, lehren: do-gur-ap-ii,
\jg, bringen: mo-g-ap-u,
yjl, fallen: me-l-ap-u,
\Jc\v), warten: o-c'v-ap-ii,
\/c'7c, anfangen: g(e)-c''Jc-ap'ti,
y/pc% füllen : o-pc-ap-ii,
\/ck, sk(v), lassen: yne-ckv-ap-ii^
die Verben auf -apa, -opa sind unregelmäßig : oropa „lieben", otqvapa
„sagen".
V. Klasse, a) Präf. o-, Infix -am-, Suffix -u\
\l]ir, sehen : o-)ir-am-u,
yjcir, finden: o-cir-am-u,
\/c^er, zeigen: o-c'er-am-u.
ß) Präfix oder Präposition ga, Infix -am-, Suffix -ti :
yjmac^, verkaufen : ga-muc-am-u.
y) Präfix 0- (und Präposition), Infix -m-, Suffix -u :
^ht, gehen: o-ht-im-u,
\]ht^ kommen: m-o-ht-im-u.
VI. Klasse, y/, Präfix o-, Infix -mel-, -mil-, Suffix ti :
\Jtq{6), werfen: o-tqo-mel-u.
}JtJc(o), werfen: o-tko-mü-u.
VII. Klasse. \/, verschiedene Präfixe oder Präpositionen, Suf-
fix -o:
y/kolj schließen: gem-kol-o,
}Jsel, aufstehen: e-sel-o.
yjgor, suchen: o-gor-o.
Vm. Klasse. Zusammengesetzte Suffixe :
yjjak^ springen: me-)ak-ap-in-u.
2. Präsens.
Die Personalpräfixe der ersten Person Sing, sind h-, v-, p\
Von diesen wird h- mit geringen Ausnahmen mit einem Vokal
gesprochen, und zwar mit -?, -o oder -u, v- aber immer mit -i. Da-
gegen ist p" stets vokallos. Jedes Verbum hat nur einen bestimmten
Vokal für das Präfix. Die Form des Personalpräfixes für das
Präsens ist von der Porm des Infinitivs völlig unabhängig. Man
288
Theodor Kluge,
lernt die Bildung eines jeden Präsens nur durch den Gebrauch
kennen.
1) Direkte Konjugation:
Die Personalendungen des Präsens sind:
1. Pers. Sing. — 1. Pers. Plur. -f
2. — 2. -f
3. s 3. -ow.
Das Präsens hat etwa 15 verschiedene Endungen, die weiter
unten zusammengestellt sind. Nur durch den Gebrauch kann man
ersehen, welche dieser Endungen an ein jedes Verbum tritt.
Folgende Klassen lassen sich unterscheiden:
1. vokalische Endungen:
1. P. Sg. -0, -«/, -e{r),
2. -0, -w, '€{r\
3. 'Onis, -ums, -ums,
1. P. PI. -mnt\ 'umt\ —
2. 'Omt\ 'Umt\
3. -an,
3. M-Klasse:
l.P. Sg. -an,
■uman, —
2. r-Klasse:
1. P. Sg. -ar, -er, -ir,
2. -ar,
3. -as,
1. P. PI. -art\
2. -arf,
3.
'Or, -Mr,
-er, -ir, -or, -ur,
■es, 'in, -OS, -un,
■ef, -irt\ -ort", -urt%
-et\ 'irt% -orf, -urf,
-arnan, -enan, -inan, -ornan, -unan,
4. m-Klasse:
1. P. Sg. -am,
2. -am,
3. -ams,
l.P. PI. -amt\
2. -amf,
3, -aman.
-om,
-oni,
-onis,
-omf.
-um,
-UM,
-umSj
-umf,
IS, -an,
3. -ans,
l.P. PL -ant\
2. -ant% 2. -amf, -omf, -umf
3. -anan, 3. -aman, -onan, -uman,
2) Indirekte Konjugation:
Die indirekte Konjugation kennt nur eine Klasse, die n-Klasse,
die besondere Präfixe hat.
1. Pers. Sing.
2.
3.
1. Pers. Plur.
2.
3.
Präfix :
m{i, -a)-
9{h -«)-
u-
m{i, -a)-
u-
Endung:
-\l -in
„ -in
„ -in
„ -in-an
„ -in-an
„ -in-an.
•\J-uh
„ -un, u. s. w.
Außerdem weist das Präsens der beiden folgenden Verba eine
doppelte Endung, -om, -um -f- -er auf:
otkomilu: werfen, bo-yjtk-mn-er : ich werfe,
mecvapu: lassen, me-ha-\J >^k-um-er : ich lasse.
Materialien zu einer Grammatik des Lazischen Dialekts von Trapezunt. 289
Ln Folgenden gebe ich das Paradigm«
l einer Anzahl von Verbe
geniliölo:
bedecken Sing.
1. genkolo 2. genJcolo
3. genkoloms
p'thau :
zerbrechen
p^tahu{m)
tahu(m)
tahums
ohgarinu :
wissen
hihgar
ibgar
ibgas
rnec'vapu :
lassen
mehaskumer
maskmner
askumes
oc'kotmi :
essen
bimhor
imhor
imhos
dodginu :
anhalten
hdgir
dgir
dgirs
ohfimu :
gehen
hulur
idur
idiin
o^ijimt:
lachen
hüijam
idjam
izijams
aoropa :
lieben
horom
orom
oroms
ojiramu:
sehen
bjirum
prum
jirums
oqvanda :
wollen
bigvan
igvan
igvans
opelu {[) :
nützen
bipel
ipel
ipels
Vlur. 1. gemkolomf 2. genkolomf 3. genkolan
pHahmnf tahumf tahuman
bibgarf
ibgarf
ibgarnan
mebaskiimef
maskumef
maskumenan
bimhorf
imhort''
imhornan
bdgirt'
dgirf
dgirnan
bidurf
ulurf
idunan
bisijamf
izijamf
isijanen
boronif
oromf
boronan
b]irnmf
prumf
jiruman
bigvanf
igvanf
igvanan
Upelafe
ipelafe
ipelanen.
Beispiel eines indirekten Verbums:
oi^kimi: wissen 1. Pers. Sing, mac'kin
2. gaclän
3. Henkln
1. Pers. Plur. mac'kinan
2. gac^kinan
3. uc'kinan.
3. Imperfektum.
Das Imperfektum wird gebildet durch Anfügung von 4i an
die erste Person Singularis des Präsens.
z. B. : bimhor, ich esse, bimhorti ich aß,
pHahuiin), ich zerbreche, pHahumti ich zerbrach.
In einigen Fällen wechseln die Pronominalpräfixe; auch sonst
kommen Unregelmäßigkeiten vor.
Egl. Ges. d. Wiss. Nachrichten. Phil.-hist. Klasse. 1913. Heft 2,
19
290 Theodor Kluge,
Die Personalendungen sind der Reihe nach:
-ü, -ti, -tu, 'ti-f, -ti-f, -te-s
z.B.: 1. Per s. Sing. pHahumti 1. Pers. Plur. pHahumtif
2. tahumti 2. tahumtW
3. tahumtii 3. tahumtes.
4. Unbestimmtes Imperfektum.
Dieses Tempus scheint nach dem türkischen unbestimmten Im-
perfektum {seivijor imisim) und dem unbestimmten Aoristpräteritum
{sewer imisim)^) aus dem Imperfektum durch Anfügung von dore
„ist" gebildet zu sein.
Die Form müßte also übersetzt werden:
hulurti dore: ich ging (wahrscheinlich, überhaupt).
5. Aorist.
Wie beim Präsens, so gibt es auch hier Suffixe und Präfixe.
Als Temporalpräfix wird k-, d-, ko-, do- verwendet. Hat das
Präsens oder der Infinitiv bereits ein Präfix, so hat der Aorist in
den meisten Fällen dasselbe. Von der Verwendung der Personal-
präfixe gilt dasselbe, was beim Präsens gesagt worden ist. Ein-
zelne Verba gehen im Aorist nach der „indirekten" Konjugation,
auch wenn das Präsens direkt konjugiert wird. Ein besonderes
Tempussuffix hat der Aorist nicht ; die Endungen werden direkt an
die Wurzel des Verbums angehängt und lauten : -i, -i, -u, -ify -ifj -es.
z.B.: okturu: ändern, dop'kturi, dokturi, dokturuy dop'kturif, dokturif,
doktures,
o^u: nähen, dop^svi, dosvi, dosu, dop^Svif, dosvif, doäves,
ojaru : schreiben, dotnjari, domp^jari, donjari, donjaru, — , — , donjares
eselo: aufstehen, kebiseli, kejiseli, kejiselu, — , — , kejiseles.
otquma : sprechen, dobti^vi, duc^vi u. s. w.
ohenu: tun, dop'i, dovi, dovu, dop'vH% dovit% doves').
6. Futurum.
Das Lazische hat vier Futura, von denen zwei wahrscheinlich
auf türkischen Einfluß zurückzuführen sind.
z. B. : bidare : ich wül, ich werde gehen. Fut. I.
bidarti, bidati: ich wollte, ich würde gehen. Fut. ü.
1) S. Jelitschka: Türkische Grammatik p. 132 u. 1Ö4.
2) Ausdrücklich mache ich noch einmal darauf aufmerksam, daß das Lazi-
sche keine Schriftsprache ist, und daß Schwankungen zwischen verwandten Lauten
bestehen ; insbesondere wechseln d/t, o/u, öjü, »fiie, g/k u. a., ohne daß ein festes
Gesetz zu erkennen wäre.
I
Materialien zu einer Grammatik des Lazischen Dialekts von Trapezunt. 291
bidati dore: ich wollte wohl gehen. UnbestimmtesFut.il.
hidati dortu(?).
Die beiden letzten Formen sind mit Hilfe von dore „ist" und
dortu „war" gebildet.
Die Präfixe
Die Suffixe
les Futurums I und II sind :
des Futurums I sind:
1. Pers. Sing. KO. f^ /
1. Pers. Sing, -are, -ere
2. - Ä, -
2. -are, -ere
3. - Ä, -
3. -ase, -asere
1. Pers. Plur. &(i), f, p'
2. - h, -
3. — h, —
1. Pers. Plur. -ate(n), -anere
2. -at€(n)j -anere
3. -anen, -aneren.
Die Suffixe des Fut. II. lauten:
1. Pers. Sing. -a(r)ti, -asti 1. Pers. Plur. -a(r)tit\ -astif
2.
-a(r)ti,
-asti
2.
-a(r)tit\
-astif
3.
-astu,
-astu
3.
-astes,
-astes.
Die Personalpräfixe der beiden Futura sind, wie man sieht,
die des Präsens. Die Suffixe des Fut. II dagegen sind zusammen-
gesetzt aus dem Suffix des Futurums I, -ar- oder -as-, dem
Imperfektsuffix -t- und den dazu gehörigen Personalsuffixen -^, -ii
n. s. w.
In einigen Fällen erhält das Futurum ein anderes Präfix als
das Präsens:
onjiru ;, schlafen" Präs. p'jan Fut. hinjirare: ich werde schlafen.
Die Präfixe und Suffixe der indirekten Konjugation lauten
im Futurum I. und II. anders als im Präsens. Der besseren
Übersicht wegen stelle ich hier alles zusammen.
Futurum I
Futurum 11
Präfix: Suffix:
Präfix: Suffix:
1. Pers.
2.
3.
Sing. )fia- yj -ase(n)
ga- yj -ase{n)
a- yj -ase{n)
1. Pers. Sing, ma- yJ -astu, -asere
2. ga- yJ -astu, -asere
3. a- }J -astu, -asere
1. Pers.
2.
3.
Plur. ma- \J -ane(n)
ga- yJ -ane(n)
a- ^ -ane(n)
1. Pers. Plur. ma- \/ -ates, -ate{re)
2. ga- yJ -ates, -ate{re)
3. a- \l -ates, -ateren
292 Theodor Kluge,
7. Perfektum.
Das Perfektum bestellt im Lazischen aus dem Aorist + dore
„ist".
z. B. : do-hi-Jcith-i dore: „ich habe gelesen".
8. Plusquamperfektum.
Es besteht aus dem Aorist + dortii „war".
z.B.: hu-joh-i dortu: „ich hatte gerufen".
9. Partizipia.
Im G-egensatz zu den kaukasischen Sprachen, die nur ein
Partizipium haben, hat das T^azische deren sechs, die wie im tür-
kischen in bestimmte und unbestimmte zerfallen.
a) Partizipium Praesentis:
Die unbestimmte Form lautet wie die 3. Pers. Sing. Präs. :
Jwja ec'opums: „er kauft", Part. Praes. ec'opunis.
heja p'c'ums: er wartet, „ c'um{e)s.
Bemerkenswert ist, daß in der folgenden Form o für a und
n für m eintritt.
Jieja hsopams: er spricht, Part. Praes. sopons.
Die bestimmte Form des Partizipium Praesentis scheint aus
der unbestimmten durch das Präfix na gebildet zu sein, wobei das
auslautende ms bleiben oder abfallen kann.
Unbestimmtes Part. Präs.: Bestimmtes Part. Präs.:
gamac'oms: verkaufend nagamacams
nasJcomes: lassend nanasku
ulmn: gehend naidu^)
mulum : kommend namoMu ^).
ß) Partizipium Perfekti:
Das Partizipium Perfekti wird aus dem Infinitiv gebildet, in-
dem an die Stelle des Suffixes u das Suffix erl tritt. Hat der
Infinitiv das Präfix o, so fällt es im Partizipium Perfekti ab;
z. Beisp. :
1) Diese beiden Formen sind in ihrer Bildung unklar.
I
Materialien zu einer Grammatik des Lazischen Dialekts von Trapezunt. 293
Infinitiv Partiz. Perfekti : Infinitiv Part.Perf.:
lieben : aoropa : aoropori sehen : ojiramu : praiiieri
gehen : oMimii : hfineri hören : ognapu : ognaperi
kommen : mohfimii : mohfineri anfangen : oc'komu : ö^komeri
lassen : mesJcvapu : meshvineri trinken : osunm : asveri
kaufen : ec^opimi : ec'opineri lachen : o^ijinu : ^ijineri
kaufen : mec'apu : mec'amer'i schlafen : onjiru : ßreri
sagen : otquma, otqvapa : tqveri tun : ohenu : heneri,
y) Partizipium Futuri:
Der Unterschied zwischen bestimmter und unbestimmter Form
ist im Part. Fut. nicht vorhanden. Seine Bildung ist der der
beiden anderen ähnlich: Präfix ist na-, Suffix -ase oder -asere.
z. B. : Inf. \J aoropa: lieben, \Joro = na-aoropase, naoropasere [aus
na-a^'ojMsere].
so
schreiben : oja^'ii
jarasere
tun : ohemt
y/pjv.
vasere
sagen: otquma, tqvapa
y/c'v
c'vasere
nehmen : ec^opinu
ec'^opasere.
10. Infinitiv.
Der Infinitiv ist bereits besprochen worden; s. S. 285 ff.
11. Imperativ.
Die zweite Pers. Sing, des Imperativs ist gewöhnlich mit der
2. Pers. Sing, des Aoristes identisch.
1. Pers. Sing. Aor. higsali'. „ich ging" ;
„ „ ep^copi: „ich kaufte";
Imperativ igsal\\ ;,.geh", (du gingst).
„ ec'opi: ^^ kaufe", (du kauftest).
Doch fällt gelegentlich das Temporalpräfix ab, z. B. :
ich kaufte : kogamap^cH : kaufe : gamacH
ich nahm: kormp^cH : nimm: komecH
ich fragte: dobikifhi : frage: ikifhi
2. Pers. Plur. -if : geht: igsalif.
Die dritte Person Singular und Plural des Imperativs ist iden-
tisch mit den entsprechenden Personen des Konjunktivs.
aoropas: er soll lieben = 3. Pers. Sing. Konj. Praes.
aoropan: sie sollen lieben = 3. Pers. Plur. ., „ .
294
Theodor Kluge,
12. Prohibitiv.
Der Proliibitiv wird aus der 2. Pers. Sing, des Praes. durch vor-
gesetztes modjt gebildet:
z. Beisp. :
lieben
kommen :
verkaufen ;
sehen
Infinitiv
aoropa,
gamac^amu,
opramUj
Präsens
oronif
mulur,
gamacam^
prunty
Prohibitiv
mot'Orum,
mot'Ulur.
mod-gamac'am.
mod-jirum.
13. Konjunktiv.
Das Präsens des Konjunktivs wird aus dem Aorist gebildet,
dessen Personalsuffix -i in -a verwandelt wird:
z. Beisp. : haoropi, ich liebte
big^ali, ich ging
komoftiy ich kam
7n€ha§Jcvi, ich ließ
haoropa, ich möge lieben
bigjsala, ich möge gehen
komofta, ich möge kommen
mebaskva, ich möge lassen.
Das Imperfektum des Konjunktivs wird aus dem Imperfektum
des Indikativs gebildet durch denselben Übergang des auslautenden
-i in -a:
horomta, oromta, oromtas^ horomtat\ oromtaf, oromtan{a).
Der Aorist des Konjunktivs wird aus dem Aorist des Indi-
kativs durch Anfügung von -Jco gebildet:
bdoropikOf aoropiko, aoropuko, baoropit^ko, aoropifko, aropesko.
Das Perfektum des Konjunktivs wird gebildet durch das Par-
tizipium Perfekti und das Imperfektum Konjunktivi des Hilf s ver-
bums ;,sein" :
htineri horta: „daß ich gekommen sei".
Das Plusquamperfektum des Konjunktivs wird in entsprechender
Weise mit dem Aorist des Konjunktivs des Hilf sver bums „sein"
gebildet:
beneri bortuko: „daß er getan hätte".
14. Konditional.
Der Konditional, der auch den Begriff des „SoUens" aus-
drückt, wird durch Anfügung von -na an die Tempora des In-
dikativs gebildet. Formen, die schon auf -n ausgehen, haben
dann doppeltes n.
Materialien zu einer Grammatik des Lazischen Dialekts von Trapezunt. 295
15. Permissiv.
Durch Antritt der Silbe ni an das Ende aller Verbalformen
drückt das Lazische den Begriff des „Dürfens" aus.
16. Hilfsverbum.
Als ein Hilfsverbum kann oqvandmu „wollen" bezeichnet
werden , das nach Adjarian (a. a. 0. S. 424 ff.) zur Bildung des
Futurums dient.
17. Eormentabelle.
Die folgende Tabelle liefert für die vorstehende systematische
Übersicht die Lazischen Verbalformen.
296
Thec
)dor Kluge,
Infinitiv
Präsens
Futurum I Futurum ]
1. Pers. Sing.
1. Pers. Sing. 1. Pers. Sin
1 gehen
ohtimu
hidur
bidare bidarti
2 kommen
moktimu
mohidur
moftare moftart
3 verlassen
oc'komilu
hic'ker
boc'kedare
4 kaufen
ec^opinu
Qp'^c'opam
5 verkaufen
ganiac'amu
gamap^c^om
gamap^c^are
6 geben
mec^apti
mep'c'am
mep'^^are
7 nehmen
ec'opinu
ep^c'opum
8 sprechen
otquma
bsopam
gic'vare gic'vart
9 sagen
otqvapa
n
10 rufen
ojohimi
btijoham
bujohare
11 sehen
ojiramii
hjiriim
hjirare
12 hören
ognapu
bognam
13 verstehen
oc'hinu
mic'kin
mac^kinase
14 wissen
hac'hinu
kac^kinase
15 lesen
ogithu
bigitham
16 schreiben
ojaru
mjaru
p^jarare
17 vergessen
goc'kondinu
gomoc'kondum
göbic'kondinam !
18 lieben
aoropa
borom
19 essen
oc'kmmi
bimhor
bskomare
20 trinken
osumu
p'sum
21 schlafen
onjiru
p'jan
binßrare
22 aufstehen
eselo
ebisel
ebiselare
23 laufen
gamatinu
gamaptiir
gamaptare
24 anhalten
dodginu
bdgir
dobdgitare
25 lachen
ozijinu
bizi)am
bizijare
26 weinen
ohgarinu
bibgar
bibgarare
27 lernen
doguru
dobiguram
dobigurare
28 lehren
dogurapu
doboguram
dobogurare
29 legen
omtinu
botntinam
30 aufmachen
gonc'kinu
gomc'ku
31 schließen
gemkolo
gembkolum
32 schicken
men^gonu
mebunigonam
mebun^gonare
33 bringen
mogapu
mobigam
34 schneiden
oqvartu
pqvatu
35 nähen
o^u
pYu
p^ö^are
36 setzen
dohunu
dobh^dur
37 fallen
w§lapu
moblam
meblare
38 suchen
ogoro
gorom
39 finden
ociranu
bcirwn
40 tun
ohenu
bikom
pare
Materialien zu einer Grammatik des Lazischen Dialekts von Trapezunt. 297
;timmtes
Unbestimmtes
Plusquam-
rum II Aorist
Imperfektum
Imperfektum
Perfektum
perfektum
ImperatiT
rs.Sing. l.Pers.Sing
l.Pers.Sing.
1. Pers. Sing.
1. Pers. Sing.
1. Pers. Sing.
ii dore higzali
bidurti
bulurti dore bigsdli dor€(?) i
Ugsali dortu(?) igmli
hmnofti
niobulurti
komohti u. s. w.
me'baskvi
mebaskumerti
naskvi
epcopH
ej/c'^opumti
ec^opi
kogamap''cH
gamac'amti
gamacH
komep'cH
mep'camti
komecH
kep'c'opH
p^fqvi
bsoponti
tqvi
diiboc'vi
bujohi
hijohamti
kohpri
bjiriimti
kojiri
kobogni
bognamti
ogni
kohoboc^oni
ohoboc^onamti
ohoc^oni
komac'kini
dobikithi
bigithamti
ikitJii
domjari
bjarumti
jari
gomoc'kondo gomoc'kondurti
baoropi
boromti
aoropi
op'c'gomi
bimhorti
c'gomi
, {o)p'cvi
p^sumti
c'pvi
f dobinjiri
binjirti, bjanti
kebisali
ebiselti
[ gamapti
gamapturti
^- dobdgiti
bdgirti
bmp
bi^ijamü
bibgari
bibgarti
ibgari
(li6)döbigur\
\ dobiguramti
doboguri
doboguramti
bomtini
gomc'ki
gomc^kumti
gemkoli
komebunironi
komobori
mepqvati
mepqvatumti
dop'cH
pc'umti
cS
kodobJiedi
bherti
mebli
nublamti
meli
bgori
bgoromti
kobäri
dopi
bikomti
vi
298
Theo
dor Kluge,
Infinitiv
Präsens
Futurum I
Futurum II
l.Pers. Sing.
l.Pers. Sing.
l.Pers. Sing
41 warten
oc^vapu
p^c'uni(ere)
c'vare
p'c'vare
42 werfen
otJcomelii
hotkomer
43 zeigen
oc'eramu
hoc^eram
44 zerbrechen(trans.öfaÄM
pHdhu{m)
45 fragen[u.intrans.)o^?Y'Äi*
vikifham
46 anfangen
gec'kapu
gehac^kum
47 beendigen
o^odinu
hoc'odinu
48 erfüllen
opc'apu
ohopc'am
obopcare
49 lassen
mec'vapu
mebaskumer
bic'kadare
50 abbrecllen(e.Haus)^;öÄ:to^^<
51 brechen (s.!N"o.44)o^ö[Äii
52 abfahren
gamahtimu
magamabulur
53 abholen
ohtimu, ec'opinu ep^^opum
54 abladen
moc'odinu
moboc^odinu
55 ablegen
omtinu
bomtinam
56 abnutzen
osirapu
osirapam
p'sirare
57 achten
gais ohenu
gais bogodam
58 anbrennen
oc'u
p^c^um
59 ändern
oJcturu
kturum
kturare
^. [anfassen
oc'apu
mekedinu
boch^apam
mebobur
62 angreifen
gedgapu
gebdgikum
63 anhängen
enc^'u
enbonc^am
64 anmachen
mec^aho
meboc'^abam
65 anmelden
haberi mec'amu
66 anstrengen
doc'kindapti
67 ausgießen
mehvapu
nwp'humer
68 aushalten
mecHnapu
69 auslöschen
meskurino
[me]boskuriiiu
_. ausziehen
gamarapu
goc umii
72
-o bedecken
motqvapu
mobotume
mobotvare
gemkolo
gemkolo
gemkolare
74 beerdigen
dohvapu
dobohumer
75 beendigen
oc'odinu
76 begreifen
obojonu
oM)opnu
ohobojonare
77 aufbewahren
esanahu
e§ebinaham
78 belasten
mokidinu
mobohidam
Materialien zu einer Grammatik des Lazischen Dialekts von Trapezunt. 299
)estimmtes
iturum II Aorist
Pers. Sing. 1. Pers. Sing.
Imperfektum
1. Pers. Sing.
Unbestimmtes
Imperfektum Perfektum
1. Pers. Sing. 1. Pers. Sing.
Plusquam-
perfektum
1. Pers. Sing.
pc'vi
botkocH
kohc'eni
doptahi
ptahunüi
dohkühi
Ukithamti
kogebuc^ki
gohoc'kamti
doboc'odini
ohopcH
mehaskui
mebaskumerti
Imperativ
bomtini
dop'siri
dokturi
mebakeri
gebudgi
meboburti
gebdgumti
mep'hvi mep'humti
mobotvi
gemkoli
kodobohvi
doboc^dini
mobotumerti
esebinahi esebinahamü
300
Theodor Kluge,
Infinitiv
79 berauben gocumu
80 beruhigen mogordimi
81 bestellen (trans.) dondvaxm
82 braten oguhu
83 sterben ogugu
Q^ l brennen (trans. oc^vapu
^^ J [uintrans.)
86 drängen osdapu
87 einfallen oncHru
88 einholen, errei- mecHsimu
89 einschließen [eben g&inhdlo
90 einstecken omtinu
91 einsteigen omahtimu
92 entfernen (etwas) esdapu
93 fliehen omtinua
94 entwischen omünapu
95 aufbrechen, öffnen o^aAw
96 fassen, nehmen ec'opu
97 fortschaffen esdapu
98 führen mogapu
99 gelten menthapii
100 gewöhnen (trans.) ^e^o^J«^
101 glauben swpes ohenu
102 glühen oc'm
103 hängen (intr ans.) enc^aperi
104 hängen (trans.) gelahidu
105 irren mogordinu
106 jucken onc'aminii
107 kauen olagunu
108 kochen (trans. u. o^aftif
109 leben [intrans.) me^icHnu
110 lügen on^iru
111 löschen mesJcurino
112 loslassen meskvapu, medsht,
Futurum I Futurum H
l.Pers.Sing. l.Pers.Sing.
Präsens
1. Pers. Sing.
magop^c'^umer
ombogordinam mohogordinare
dohandumer dobandvare
bguhum
obusdam
amdbulur
obsdum
bunter
mmntinu
ebsdum ebsdare
mobigam
mebontham
gebogam gebogare
p^c'^iim
ebonc'am
gelabohidam gelaboJcidare
binc'aminan
blagunu
mibinc^er
hinjir
113 mögen
114 nützen
115 packen
116 pissen
117 reiten
oqvanda
opelu
(zusam- okorobu
[men) c^karis dobapii
c'heni.H ohenu
oc'ku
bigvan
bipel
dobobam
gakvandare
bipelare
Materialien zu einer Grammatik des Lazischen Dialekts von Trapezunt. 301
stimrates Unbestimmtes Plusquam-
irum II Aorist Imperfektum Imperfektum Perfektum perfektum imnAra+iv
^rs.Sing. l.Pers. Sing. l.Pers. Sing. l.Pers.Sing. l.Pers.Sing. l.Pers. Sing. ^mperauv
gop'c^vi
hohogordini
kobodvapi
dohgugi
hugumti
hebsdi
Icebsdi
esdi
hohevanhonthi
hogebogi
keboncH
ebonc'amti
bin^amini
doblugimi blagunumti
JcotneboncH
binjirti
dobigvandi
dobipeli
bigvanti
kodobobi
dopi
302
Theodor Kluge,
Infinitiv
Präsens Futurum I Futurum ]
1. Pers. Sing. 1 . Pers. Sing. 1 . Pers. Sir
118 rufen
ojoJiinu
119 schreien
ohejginu
120 scheinen
ociramu
121 schwindeln
mogordinu
122 springen
meiaJcapinu
123 stehen
dodginu
124 stehlen
mehiru
125 stoßen (jemand)
gec'amu
gebe am
126 wegstoßen
mec'apu
127 zerstoßen
ora okohu
128 tauchen
gelapu
gebilam
129 taugen
opelu
bipel
130 trennen
oJcojUj oJcoßUf oJco^Jcimu olcop'jhum okop^jlcare
131 trüben
ohmaraparu
hohmarapam
132 überlegen
odusunu
183 übertreiben
ordapu
134 übertreten
osdapu
bsdum
135 umarmen
goJcoru, goqoru
gobagorer
136 umkehren (intr.)
137 umkehren (trans.)
\ oJctapu
bikter
boktam
138 umschlagen
139 umstürzen
1 dolobrapu
l melapu
dolobobram
meblam
{ gjöklapu
geboktam
140 umwechseln
okohu
141 untergehen
gelapu
142 unterschlagen
mehiru
143 unterschreiben
imsas ohenu
144 verändern
okturapu
- ... 1 verbrennen
1 (trans. u. intr.)
oc'vapu
trans. (pV'wfM(6r)
intrans.[6?<ft;er
146 vergießen
mehvapu
147 vergrößern
ordapu
148 schwimmen
om.fviru
bim^vir
149 verheiraten
ocilu
bic'il
150 vermehren
didos ovapu
(ma)dido maven
151 vermeiden
kocaktu
gocobikter
152 sich vermindern
omjikanu
153 versammeln
okorohu
bgorobim
154 versinken
golapu
155 verteilen
oltu
hultam
bc'vare
biö^vare
bUSlare
bultare
Materialien zu einer Grammatik des Lazischen Dialekts von Trapezunt. 303
timmtes
rum II Aorist Imperfektum
rs. Sing. l.Pers. Sing. l.Pers. Sing.
Unbestimmtes Plusquam-
Imperfektum Perfektum perfektum
l.Pers. Sing. 1. Pers. Sing. 1. Pers. Sing.
Imperativ
gebcH
okop^ßi pJ^osumti
dobihmari
gdbiUi
gohokti
dop'c^vi
ohi^vi
pc^umti
bic'verti
doUmsvi
dohulti
304
Thec
► dor Kluge,
Ttl TIVI1^1\7
Präsens
Futurum I Futurum 11
lIlUUIllV
1. Pers. Sing.
1 . Pers. Sing. 1 . Pers. Sing.
156 vertreiben
omptinapu
157 vertrocknen
ohomhinu
hohomhinam !
158 verwahren
esanahu
esehinaham
159 verwesen
oJccinu
160 verwischen
okosu
hkosum
161 verzögern
ogunsanu
bogunsanam
162 vorzeigen
0)iru
163 wechseln, sich
verändern .,^
hicturu
164 (ver)wechseln,
utvourLqni
veränderi
1
hohturapam
165 verwenden
goktapu
gobiUer
166 1 .ß
, ^_ zerreißen
lb7
gondinu (irajis
,)gohondinain
oharu (intr.) p'haru
168 zerstören
ohohu
169 zerstreuen
goltu
gobuUam
göbultare
170 ziehen
ofmd'u
bojinc'apam !
b]inc'are
171 zunehmen
onjinu
binjam
172 gleichen
umgapu
umgams{d.'P,S.)
mebungamdare
173 stellen
dolodrapu
19. Verbalparadigmata.
1) Direkte Konjugation.
1) nehmen: ec'opi yjc'opjec'op:
Indikativ.
Präs. 1. P. Sg. e-p'^'^op-u Verneinend (in- var e-m-a-c^op-em
2. „ 'U [direkt konjugiert) var e-g-a-c'^op-em
3. „ -u-m-s
var-j-a-^op-em
l.P.Pl. , -a-t'eO)
var'e'm'a-(fop-en'an
2. „ .a-fe(1)
var e-g-orc^op-en-an
3. , -a-neQ)
var-j-a-^op-en-an.
Imperf. 1. P. Sg. ^p'-i'op-um-ti
Aor. T&'e-p'-c'op'i
2. „ „ -ti
k-^-ö'op'i
3. , „ -tu
k'ß-(^op-u
1. P. PI. , , -tu-
krQ'P''<f0P'if
2. „ „ -tu'
k-^'(fop-it"
3. , , -tes
{ky^'^op-es.
Perf. 1. P. Sg. e-c'op-ineri-hore
vgl.
S. 292 unter 9. ß.
2. , , -re
daneben: Perf. kep'd^ojn dore
3. , „ -ren
Plusquamperf. kep'copi dortu.
l.P.Pl. „ , 4>oret'
t
2. , , -horet'i^)
3. » » -hore-nanQ)
Materialien zu einer Grammatik des Lazischen Dialekts von Trapezunt. 305
timmtes Unbestimmtes Plusquam-
rum II Aorist Imperfektum Imperfektum Perfektum perfektum Imneratir
rs. Sing. l.Pers. Sing. l.Pers. Sing. 1. Pers. Sing. l.Pers. Sing. l.Pers. Sing. ^
dohoiohomdini
goboJctamU
dobbari
hjinc^umti
Put. I. 1. P. Sg. e-p'-^op-are Fut. II. 1. P. Sg. e-p'-cop-aü
2. e-ö^op-are 2. e-^op-aii
3. e-ö^op-ase 3. e-^op-atu
1. P. PL e-p'-c'op-aten 1. P. PI. e-p'-c'op-ate (?)
2. Q-c^op-aten 2. Q-c'op'ate(?)
3. §-c^op-ane(n) 3. e-c^op-ane (?)
Imperativ 2. Pers. Sing, eö'ope ; 2. Pers. Plur. ec'opif.
Konjunktiv.
Präs. 1. P. Sg. e-p'-c'op-a Aor. 1. P. Sg. Ic-e-p-c^op-a
2. e-c^op-a 2. Jc-e-c^op-a
3. e-c'op-as 3. h-Q-c'op-as
1. P. PL e-p'-c'op-at' 1. P. PL k-e-p-ö^op-af
2. e-c^op-af 2. Tc-e-c^op-af
3. e-c'op'an 3. k-e-c^op-ates^).
1) Die dritte Person Pluralis hätte regelrecht Tc-Q-c'op-a-s lauten müssen,
also genau so wie die dritte Person Singularis, lautet aber anstatt dessen Tc-i-
S'op-a-tes. Ihr ist, offenbar zur Unterscheidung vom Singularis, die Endung der
dritten Person Pluralis des Imperfektums Indikativi, -tes, angehängt worden.
Kgl. Gea. d. Wisa. Nachrichten. Phil.-hiat. Klasse. 1913. Heft 2. 20
306 Theodor Kluge,
Konditional.
Präs. 1. P. Sg. e-p-^op-um-na Aor. 1. P. Sg. k-^-p^-c^op-i-na
2. e-cop-um-na 2. h-Q-^op-i-na
^ 3. e-c'op-um-s-na 3. h-e-c'op'U'na
1. P. PL e-p-cop-im-f-na 1. P. PI. h-Q-p'-eop-if-na
2. e-c'op'uni'f'na 2. k-e-c^op-if-na
3. e-c^op-um-an-na 3. Jc-e-c^op-es-na.
2) aoropa „lieben", a-o-ro-pa^) s/oro:
Indikativ.
Präs. 1. P. Sg. wa b-oro-m „ich liebe nicht" : ma t;ar boromj
si var horom u. s. w;
2. si oro'm-{i) liebe ich? ma horomi{?)
3. /ie;a^ oro-ni'S liebe ich nicht? ?wa var horomi.
1. P. PL c^A;M/i h'Oro-m-f
2. f gm orO'M-f
3. henfepeh oro-m-on
Imperf. 1. P. Sg. b-oro-m-ti Aor. 1. P. Sg. b-a-oro-pi
2. oro-m-ü 2. a-oro-pi
3. oro-m-to 3. a-oro-pu
1. P. PL b-oro-m-fi 1. P. PL b-a-oro-pi-f
2. oro-m-fi 2. a-oro-pi-f
3. hemirep'es^) oro-m-tes 3. a-oro-p-es,
Fat. I. 1. P.Sg 6-a-oro-;?a-re Fut. IL 1. P. Sg. ft-o-oro-pa-fe
2. a-oro-pa-re 2. a-oro-pa-te
3. a-oro-m-s (eigentl. Präs.) 3. a-oro-pa-stu
1. P. PL b{-a)-oro-m-f (ebenso) 1. P. PL b-a-oro-pa-tit"
2. a-oro-m-f (ebenso) 2. a-oro-pa4if
3. a-oro-m-an (ebenso) 3. a-oro-pa-nen.
Imperativ 2. Sg. a-oro-pi] 2. PL a-oro-pi-te.
Konjunktiv.
Präsens Imperfektum
1. P. Sg. b-a-oro-pa 1. P. Sg. b-oro-m-ta
2. a-oro-pa 2. oro-m-ta
3. a-oro-pa-s 3. oro-m-ta-s
X. P. PL b'{aya'0r(hpa-m4' 1. P. PI. b-oro-m-ta-t"
2. a-oro-pa-m-f 2. oro-m-ta-f
3. a-oro-pa-m-an 3. oro-m-ta-n.
1) Zusammengesetzt mit |)arc, dem Futurum von oÄeww „machen" ; s. Formen-
tabelle 40.
2) hemirep'es, ebenso wie hent'ep'es (S. 277, § 10), der Dativ eines Prono-
mens der dritten Person Pluralis; s. S. 281, unter g.
Materialien zu einer Grammatik des Lazischen Dialekts von Trapezunt. 307
r
Konditional.
Präs. 1. P. Sg. h-oro-m-na Imperf. b-oro-m-ti-na
2. oro-m-na oro-m-ti-na
3. oro-m-s-na oro-m-to-na
1. P. PI. b'Oro-m-f-na h-oro-m-ti-f -na
2. oro-m-f-na oro-m-ti-f -na
3. oro-m-an-na oro-m-te-s-na
Bestimmtes Partizip. Präs. na-oro-m-s
3) gehen ohtimu \I{u)l^ ulu, g.ml:
Präs. Sg. 1. h-uhir Imperf. h-idurii
2. uhir tilurti
3. ulur ulurto
PL 1. h-uluf . b-idurtif
2. lauf ulurtif
3. ulunan ulurtes
Unbestimmtes Imperfektum h-ulurti dore
ulurti dore
uliirtu dore u.
b'tdurtif dore
tdmiif dore
idurtes dore
Plusquamperf. b-ig^ali-dortii Fut. I. b-igzdl-are Fat. II.
igsali-dortii igsal-are
ig^alu-dortu igzal-ase
b-igsalif'dortu
igsalif-dortu
igsaliS'dortu
Unbestimmtes Futurum II
b-igzalaü dore
igsalati dore
ig^alatii dore
b-igzalate dore
igzalate dore
igzalatu dore{?)
4) kommen, mohtimu:
Futurum im Sinne des Präsens
1. P. Sg. mo-f-t-are
2. mo-h-t-are
Aor. b-a-oro-pi-na.
Aor. b'igmU
igzali
ig^ala (?)
b-ig^alif
ig^alif
igsdlis
Perf. b-igzdli dore
igzcdi dore
u. s. w.
b-iggal-ati
ig^al-ati
ig^al-atu
Bestimmtes Partizip. na-ig.zalu
8.
l.P.
2.
3.
PI.
mo-h-f-ase
mo-f-t-ate
mo-h-t-ate
mo-h-t-asen
Präsens
mo-b-id'Ur
m-ul-nr
m-id-un
mo-b-id'nf
m-id-iif
m-id'Unan
Verneinend
var mobulor
„ midur
„ mulim
„ möbuluf
„ nmluf
„ mtdtman
20*
308
Theodor Kluge,
Bestimmtes Imperfektum
Unbestimmtes Imperfektum
1. P. Sg. mo'h-ul-urti
mo-h'Ul'urti dore
2. mulurti
3. mulurtu
l.F.m.mO'b-tdurf(;?)\i.i
s.w.
'■■
Aor. 1. P. Sg. ko-movti
Perf.
ko-movti dore
2. ko-nwhti
Plusq.
ko-mavü dorlu
3. Jco-mohto
1. P. PL ko-moviif
2. ko-mohtif
3. ko-mohtes
Fut. 11. mo/*^a^i
moÄ^a^i
mohtastti
moftatif
mohtaüt"
mohtates
Grerundivum moli-tisa (s. Beisp.
254 u. :
270). Imperativ 2. P. PL ?>^oÄ^/^^
Futurum im Sinne des Präsens
Präsens verneinend
1. P. Sg. go-f-t-are (i/a)
t'ar go-b-ul'Or
2. go-h-t-are
„ y-wZ-Mr
3. go-h-t-ase{n)
„ g-id'Un
1. P. PI. go-f't-ate
„ yO'h'ul'Ut"
2. go-h-t-ate
9'ui'ue
3. go-b't-ane
j, g-td-un-an.
Imperf. 1. P. Sg. go-b-ul-ur-de
Aor.
l.F.Sg. go-f-t4
2. g-ul-tir-de
2. gO'h-t-i
3. g-ul-ur-to
3. go-h't-u
1. P. PI. go-h'ul-ur-ti-f
1. P. PL (70-/'-i(-«r
2. g-ul-ur-ü-t"
2. go-h-t-W
3. g-ul-U'des
3. go-i-t-es.
Fut.I. l.P.Sg. ^o-/-^are Fut.II. l.P
.Sg.
go-f't-aü
2. go'h-t-ane {?)
2.
go-h-i-ati
3. go-b't-anere (?)
3.
go-h-t-anereij)
1. P. PI. go-t't-ate
l.P. PI.
go-f'i'Otere (?)
2. gO'h-t-ate
2.
go-h-t-atere(?)
3. gO'i-t-ane
3. h€nte,munte,minte^) go-b-t-ancren (?)
1) Personal pronomina der dritten Person Pluralis; s. S. 277, § 10.
Materialien zu einer Grammatik des Lazischen Dialekts von Trapezunt. 309
Konditional.
Präs. l.P. Sg. go-b-ul'tir-na Imperfektum 1. P. Sg. go-b-ol-ur-ti-na
2. g-iü-ur-na 2. g-ul-ur-ü-na
3. g-ul-un-na u. s. w.
l.V.Vl.go-b-ul-nf-na
2, g-ul-uf-na
3. g-ul-un-an-na
Bestimmtes Partizipium Präsentis na-g-ul-mu
2) Indirekte Konjugation.
1) wissen: yja^h.
Präs. l.V.^g, (Tioymi-c'k'in
2. Qco)-gi'c'Jc-in
3. (koygi'C'k'in
1. P. PL (Jcoymi-c'k-in-an
2. {koygi-c'k'in-an
3. (koyc'k-in'an
Verneinend var mi-c^k-in
„ gi-c'k-in
„ u-ck-in
„ mi-c^k-in-an
„ gi'C'k-in-an
« u-c'k-in-an.
lmipeT{.ko-mi-^k-ir4u Perf. ko-mi-^k-ir-tu dore Aor. ko-ma-c^k-inu
Plusquamperf. ko-^ni-ffk-ir-tu dm'tu ko-ga-c^k-inu
k-a-c^k-inu^
u. s. w.
Fut. II ma-c^k'in-astu
Unbestimmtes
Futurum II ma-d^k-in-astu dore.
Fut. I 1. P. Sg. ma-c'k-in-ase
2. ga-c'k'in-ase
3. a-clc-in-ase
1. P. PI. ma-c'k-in-ane
2. ga-c'k-in-ane
3. a-c^k-in-anen
2) haben: y^^.
Diese Wurzel wird im Mingrelischen nur in Verbindung mit
einem belebten Objekt gebraucht, wogegen diese Beschränkung
im Lazischen nicht mehr vorhanden ist.
Präs. 1. P. Sg. {kaymi-g-un
2. {koygi-g-un
3. (/co)- ^-wn
1. P. PI. {koymi-g'Unan
2. {koygi-g-unan
3. (Äo)- g-unan
Fut. I. l.P. Sg. mi-g-utas
2. gi-g-utas
3. u-g-utas
Imp. 1. P. Sg. ko-mi-g-ntu
2. ko-gi-g-utu
3. (Ä;o+ «) = ku-g-utu
1. P. PL ko-mi-g-utes
2. ko-gi-g-utes
3. (Ä-ö + m) = ku-g-utes.
Fut. II. 1. P. Sg. mi-g-urtastu
2. gi-g-urtastu
3. u-g-urtastu
310
Theodor Kluge,
Fnt. I. 1. P. PI. mi-g-uton Fat. II. 1. P. PI. ml-g-nrtastes
2. gi-g-utan 2. gi-^-urfastes
3. u-g-utan 3. n-g-urtastes.
Das Verbum „sein" : \Jr,
Diese Wurzel dient auch in Verbindung mit einem Genitiv,
um den Begriff des „Habens" auszudrücken, z. B. c^Mmi para ren,
„ich habe Geld".
Die fehlenden Tempora werden wahrscheinlich mit Hilfe des
Verbums oherm „machen" gebildet.
Präs. l.P.Sg. ma b-ore „ich bin" Präs.
2. si nore, re
re
3.
3. he ja arc7i, ren^
1. P. PI. d'kilu b'oret'
2. fqva norei\ naref
3. hentepe ren
Imperf. 1. P. Sg. b-orti
2. {o)rti
3. (o)rtu, rdu
1. P. PI. b-ortif
2. ortit'
3. ortes
Perf. 1. P. Sg. b-orti dore (!) Plusquamperf.
2. orti dore
3. orto/u dore
1. P. PI. b-ortif dore
2. ortif dore
3. ortes dore
Tut. I. 1. P. Sg. b-ortare b-ortare
2. dare ortare 2.
3. dasen ortase{n) 3.
l.T.^l.b-ortate b'Ortatere{?) 1. P
2. ortate ortatereij) 2.
3. ortanen ortaner€(n) (?) 3.
1. P. Sg. varbore „ich bin nicht'
2. varore
3. ^;are7^
1. P. PI. varboref
2.
varoref
3.
varorenan, varenan.
Aor.
l.P.Sg.
2.
Jw-b-orti
korti
kortu, dortu
l.P.Pl. ko-b-orfe
2. ^ori*e
3. kortes.
1. P. Sg. ko-b'Orti dore([)
2. itor^i c^ore
3. Äor/w dore
l.P.Pl. ko-b'ortif dore
2. kortif dore
3. A:o^'^e5 rfore
Fut. II. l.P.Sg. 6-or^a^i b-ortate
ort^ti ortate
ortastu da^stu
b-ortatit'
ortatif
ortates.
PL
Präs. l.P. Sg. ?wa borta
2. orta
3. orta^
1. P. PI. b'Ortat
2. or^a^
3. ortan
Konjunktiv.
Imperf. l.P.Sg.
ma b-ortiko
2.
ortiko
3.
ortuko
1. P. PI.
b-ortikot'
2.
ortikot'
3.
ort^sko.
Materialien zu einer Grammatik des Lazischen Dialekts von Trapezunt. 311
Konditional.
Präs. ma b-ortana Aor.
si ortana
,sein" = „vorhanden sein, existieren'
ma ko-b-ortana
si korfana u. s. w.
, gekennzeichnet durch
das Temporalpräfix ko.
Präs. 1. P. Sg. kO'b'Ore
2.
köre
a.
koren
1.
p.
PL
ko-b-oref
2.
köret"
3.
korenan
Aor.
l.P.Sg.
ko-b-orti
2.
karti
3.
kortu
1. P. PL
ko-b-ortif
2.
kortif
3.
kortes.
ko'b-orti dore u. s. w.
KonditionaL
Präs. 1. P. Sg. kO'b'Orena
Aor. 1
. P. Sg. ko-b-ortina
2. korena
2
kortina u. s. w.
3. koremia
1. P. PL ko-b-orefna
2. koret'na.
ivare „sein" = werden, gekennzeichnet durch den Charakter-
vokal des Passivs i; s. S. 312.
Präs. 1. P. Sg. ma b-iver
Imperf.
1. P. Sg.
b-ivti
2. iver
2.
ivti
3. ivens
3.
ivtu
1. P. PL h-ivef
1. P. PL
b-ivtif
2. ivef
2.
ivtif
3. iven(an ?)
3.
ivtes
Aor. 1. P. Sg. do-b-ivi b-ivi
Fut. I.
1. P. Sg.
b'ivare
2. divi ivi
2.
ivare
3. divu, daii ivu
3.
ivase(n)
1. P. PL do-b-ivif b-ivif
1. P. PL
b-iva(e, b-ivatere
2. divif ivit"
2.
ivate, ivatere
3. divites ives
3.
ivanere{n)
Fut. II. 1. P. Sg. b-ivarti
1. P. PL
b-ivartif
2. Ivarti
2.
ivartif
3. ivartu
3.
ivartes
Perf. 1. P. Sg. do-b-ivi dore
2. divi dore u. s. w.
Plusquamperf. l.P.Sg. do-b-ivi dortu = b-ivi dortii u. s. w.
Unbestimmtes Futurum II b-ivarti dore u. s. w.
312
Theodor Kluge,
Konjunktiv.
js. 1. P. Sg.
h-iva Imperf.
l.P.Sg.
b-iviko
2.
iva
2.
iviko
3.
ivas
3.
ivulco
1. P. PL
b'ivat'
1. P. PI.
b-ivikof
2.
ivaf
2.
ivikof
3.
ivan
Konditional.
3.
ivesho.
ma b-ivana n. s. w.
Partizipia.
Partizipium Präsentis: b-oren, diven.
Partizipium Perfekti: 7iaivu, divu, nakortu.
Partizipium Futuri: naivasere^ nabortare.
2. P. Sg. korii ivi
3. P. Sg. ortase ivase,
(eigentlicH Fut. I).
Imperativ.
2. P. PL kortit' ivif
3. P. PL or tariere ivaner e,
(eigentlich Fut. I).
m. Passiv.
Das Passiv ist
im Tjazischen wenig entwickelt.
Die folgenden
Beispiele zeigen
die Bildung des
Infinitivs :
zerbrechen
otahu Passivum
: {m)etdhu zerbroch(
schneiden
oqvatu
{n)iqvatu ei
wissen
ockinu
{kWkinu
lesen
ogithu (okifbu)
(g)igithu {{g)ikitbu)
suchen
ogoru
(d)igoru
reden
otquma
(d)itqu
vergessen
(jod^kondinu
goi^kondinu
verschlucken
ikapinu
ikapinu.
passiven
Der Charaktervokal des Passivs ist ein ?, das vor der Wurzel
eingefügt wird. Steht dort schon ein i, so verschmelzen die beiden
i. "Wie der Infinitiv Passivi aus dem Infinitiv Aktivi gebildet
wird, läßt sich nur aus dem G-ebrauch lernen. Meistens tritt eine
Veränderung der Präfixe ein.
Materialien zu einer Grammatik des Lazischen Dialekts von Trapezunt. 313
Das Präsens Passivi wird aus dem Präsens Aktivi gebildet
durch Einfügung des Charaktervokals i vor der "Wurzel und durch
Ersetzung der aktiven Personalendungen durch €r(en) :
ga-ma-p'^-c-am: ich kaufe ga-ma-h-'t-c'-cr: ich werde gekauft
§'p'-c'op'am: ich nehme e-b-i-cop-er: ich werde genommen
p^-tah-um: ich zerbreche b-i-tah-er: ich werde zerbrochen.
Konjugiert wird dann in der folgenden Weise:
1. P. Sg. h-itaher : ich werde zerbrochen l.P. PL h-itaherf
2. itaher 2. itahert'
3. ifahen 3. itahenan.
Beim Imperfektum wird -// an die Endung des Präsens an-
gehängt :
1. P. Sg. h'itaherti: ich wurde zerbrochen
2. itaherti
3. itahertu u. s. w.
Der Aorist wird dadurch gebildet, daß -i an die Stelle der Prä-
sensendung -e?- tritt; außerdem erhält das Tempus ein besonderes
Präfix, das in der Mehrzahl der Fälle weder mit dem des Infinitivs
Aktivi noch dem des Infinitivs Passivi noch dem des Aorist Aktivi
übereinstimmt ; z. B. :
Aorist.
do-h'itahi: ich wurde zerbrochen do-h-igori: ich wurde gesucht
me-b-iqvati: ich wurde geschnittten r/o-?>-i^^i'?/ ; es wurde gesagt
ko-b-iclcimt : es wurde genannt go-b-iclcondi : ich wurde vergessen
do'b'igithu: es wurde gelesen b-ikapini: ich wurde verschluckt.
In den beiden Futura treten -are und -arfi an Stelle der Prä-
sensendungen -er: z. B. :
Fut. I. do-b-igithare: ich werde gelesen werden, Fut. IL do-b-igitharti.
n. Kausaüva.
Inf. Kaus. Inf.
Trinken : osumu tränken : osvapu, gebapu
fliehen : omtinu omtinapu
täuschen: mogordimi mogordinapu
saugen: ocnconu säugen: ocuconapii
arbeiten: oc'alisa arbeiten lassen: ocaliSapu
fragen: okifhu (ogithu) okifhapu (ogithapu)
314 Theodor Kluge,
lachen: ozijina ojsijinapu
tun: ohenti ohenapti
spazieren: (johtinm gorapu
sterben:, ogugu oguyinapu
weinen: obgarinu ohgarinapu
suchen: ogoru ogurapu.
Die erste Pers. Sg. Präs. wird aus dem Infinitiv gebildet, in
dem die Endung -am an Stelle von -apu tritt: ogorapu (Inf.), hguram
l.P. Sg. Präs. „ich lasse fragen", doch bleibt gelegentlich das ^
der Infinitivendung erhalten, z. B. :
Inf. Präs. 1. Pers. Sing.
otqvapu : sagen ; ma h-ofqvopam : ich lasse sagen.
0. Reflexiv a.
Soweit für die Reflexiva kein besonderes Verbum vorhanden
ist, z. B.:
waschen: dologapu, sich waschen: oh(niu
ausziehen: gochimu, sich ausziehen: mockapu
wird das Kausativum oder das Passivnm verwendet.
Ein Beweis dafür, wie verwickelt das Verbum im einzelnen
ist, liefert folgendes Verbum: «
ich ziehe aus: ich werde ausgezogen, ich wickle aus:
1. P. Sg. ma go-p'^-cUim Passivum: go-v-i-cva
2.
si goc^um
go-i-c^va
3.
hejas goc'ums
go-i-c'vas
ich ziehe mich aus:
einen anderen ausziehen:
mo-lHi-ckam
mo-h'ockam
mo-i-ckam
inoclcam
mo-i-ckams
moc^kams.
p. Verla Impersonalia.
cHmam cHms: es regnet
iviri tums: es schneit
ÄO.S' kakale: es hagelt
busi [türk.] divu: es friert
simsegi [türk.] divalams: es blitzt.
Materialien zu einer Grammatik des Laziscbeu Dialekts von Trapezunt. 315
§ 14. Konjunktionen.
Für „und" und „oder** werden die türkischen Wörter benutzt
oder man stellt die zu verbindenden Wörter ohne weiteres neben
einander mit einem entsprechenden Tonfall. Konditionalsätze
werden im Lazischen durch die Verbalform ausgedrückt.
Temporalsätze scheinen durch Verbalnomina (Grerundiva ?) in
Verbindung mit Postpositionen wiedergegeben zu werden, z. B. :
-kula: h'idiskula: als ich ging.
-JcoJe: dicodaslwle: nachdem du beendigt hast.
Nachträge.
-do: evopudo: nehmend (cfr. Rosen S. 16) (Gerundium?).
Durst haben: chais aom'mu (Inf.), cl^ari maominer Präs. 1. P. Sg.
frieren : ok^rotapu (Inf.), Aor. 1. P. Sg. do-h-k^roti.
„ich friere" : Präs. 1. P. Sg. ma itri mavu, si ini gavUj heja ini avu.
gebrauchen: (Inf.) ohmarinu, Präs. l.P. Sg. ma h-ihmar
zittern: orahimu, „ h-irahim
gefallen: mo)ondinu „ komottjondo
Präs. 2. P. Sg. komogjondu Präs. 3. P. Sg. komojondu
ärgern, sich: (Inf.) obfjrimi, ich ärgere (direkt): ma bu-brjram
mich ärgert das (indirekt): ma mibejrams.
singen: (Inf.) otragudu, Präs. 1. P. Sg. ma tragudum.
gewöhnt sein: Präs. 1. P. Sg. koge-b-agi, 2. kokeagi, 3. kogeagu.
es schickt sich nicht: haja var meyomskun.
ich habe mich erkältet: ini kc-iZ-c^opi (Aor.), (wörtl., ich habe Kälte
genommen).
sich erinnern : Präs., indirekte Konjugation, 1. P. Sg. ma mimialems,
2. P. Sg. si magalems.
316 Theodor Kluge,
Lazische Texte.
I. Beispiele für die Deklination.
Adjectiva, Adverbia.
1 Das Buch des Freundes: hitah? dostisi.
2 Die Nase des Pferdes: c'henisi c'hendi.
3 Der Himmel ist trübe: c'a niugejiren.
4 Der blaue Himmel: c'a niava.
5 Die Söhne deines Vaters: habackanis bic^epe.
6 Des Mädchens Mutter : bo^osl nana.
7 Ein schönes Mädchen habe ich gesehen : ar bozo 2)sqva kop'jiri.
8 Soldaten haben viel Pulver nötig: askerep^es dido baruti uqoyemon.
9 Ich komme von Hause: ohorsi mobulur.
10 Ich gehe nach Hause: ohorisa bulur.
11 Brot gieb mir : gari lomurnc^i.
12 Der Kopf des Fisches: c%omisi fi.
13 Die Köpfe der Fische: c'homep'esi fip'^e.
14 Der Vater hat seinem Sohn ein Buch gegeben: haba bicimiiäis
ar Jcitabd koniec'u.
15 Sehr groß: dido didi (reu).
16 Der Hund ist kleiner als das Pferd : jogori c'henise cotarm.
17 Die Rose ist die schönste von allen Blumen : güli teil (flc'eJcep^en
§ni Icairen.
18 Die schönste von den Blumen ist die Rose: cic'kepeSi §n psqva
güliren.
19 Die Birne ist besser als der Apfel: psquli ii§kurUen Jcairen.
II. Pronomina.
20 Ich brauche ein Buch: w?a ar kitabd mikogems.
21 Ich habe einen Brief geschrieben: itia ar kurtali dowjari.
22 Ich schicke Dir ein Buch: ?//a ar kiiahd meginjgonam.
23 Lesen Sie in der Zeitung? Ja! gazeta ikithante? ko!
24 Das weiß ich auch : he ja mafi komickin.
25 Ich kenne sie: ma henf^e biöHnam.
Materialien zu einer Grammatik des Lazischen Dialekts von Trapezunt. 317
26 Ich liebe dich: 7na si bm'om.
27 Liebt Ihr mich? fqva ma oromfi?
28 Da ist er: heja ren.
29 Davon sprechen wir: hejasi hisinapamf.
30 Er wollte Geld von mir leihen: ma odansi para maqvando,
31 Ich werde dich auf den Markt schicken: ma c'arsisa gosqvare.
32 Ich bin größer als Du: ma clmnisen didi vore/bore.
33 Seinetwegen bin ich gekommen: hejaseni mofti.
34 Ist euer Haus gToß? ohori fqvani didi reni?
35 Wo ist mein Hut? saplcac'kimi soren?
36 Ich habe deinen Hut nicht gesehen: sapkaskani vabjire.
37 Ist sein Freund hier? hemusi dosti hakreni?
38 Ich habe meine Uhr verloren: saatic'kimi gomindunu.
39 Meine Bücher sind hier: kitahep^^ec^kimi Jiakren] aber wo sind
deine Bücher? lakiri ckani kitabep^e soren?
40 Der Kaiser ist durch unsere Stadt gekommen: padisahi sehe-
risk^ u n ise kogo leiht u .
41 Der Sohn unseres Nachbarn ist krank: gomicHsk^unise bisi sa-
buneren.
42 Meine Feder ist besser als Deine: qelemic^kHmi skanisen kairen.
43 Euer Lehrer ist gekommen: hojafqvani komöhto.
44 Ihre Brüder sind nach Smyrna abgereist: hentepese Jumalep'e
ismirisa igzdlas.
45 Meine Uhr ist billiger als Ihre: saaiic'kimi fqvanisen daha
ujuzeren.
46 Wer sind diese Herren? ham efendepe miiiorenan?
47 Wem geben Sie diesen Brief? ham mektubd mis mec'af.
48 Wessen Kind (Buch) ist das? hajamisi Qiajamusi) bere {kitabd) ren.
Es sind meine Bücher! hentep'e misi kitabep^eren.
49 Woran denkst Du? mu idiis unam?
50 Wovon sprechen Sie? musi isinapamt?
51 Wozu dient das? haja mus ipelen?
52 Welche Blume ist die schönste? nam cHc'eki eni psqvare.
53 Das sind meine Schwestern: hanfepe daleped^kimi ren.
54 Welches ist Ihr Pferd, dieses, oder jenes ? Dies ist mein Pferd,
jenes ist das meines Bruders: nam chenic^kani najaren? haja
jokse mojura ? haja ckimiren majura Jumackimiren.
55 Der eine ist jung , der andere alt : arteri glujido majxira
baddren.
56 Ich habe alles gesehen: heko teli kob)eri.
57 Wie heißt die Straße ? ham sokarisi Joho munore.
68 Was für Wein hast Du gekauft? mu Jinsi (§arapi) ^c^opi.
31g Tlieodor Kluge,
III. Konjugation:
Sein.
59 dojikm{dcyi)hore: ich bin müde.
60 dojil'in{den)refi: sind Sie müde?
61 doJiliin{deri) vdrhore: ich bin müde.
62 c'arsd mendrareni: ist der Markt weit?
63 c'arsQ mendrdvaren: er ist nicht weit.
64 hajase mukederl bore: es tut mir leid.
65 bala sahune{f)du : der Vater war krank.
66 gomas artit" : wo wäret Ihr gestern?
67 ohoris bortif : wir waren zu Hause.
68 mutu ec'oimmfi, gamalHner; ep'opinn (/inunani mufu: wollen Sie
(du) etwas kaufen?
69 hwadds dido dido güUrcn: im Garten sind sehr viele Rosen.
70 ma c^ota bore : ich bin klein
71 rmi didi varbore: ich bin nicht groß.
72 si didire: du bist groß.
73 hejo badircn: er ist alt.
74 sabuni varboret', mohiase: wenn ihr nicht krank seid, wird er
kommen.
75 hasdrireti: seid Ihr bereit?
76 tenbeliref : Ihr seid faul.
77 tenbelire: du bist faul.
78 mesyidi ortif : ihr wäret beschäftigt.
79 sandugis parah ortuji: war Geld in der Truhe?
80 vartn: es war keins.
Haben.
81 ma para komigun: ich habe Geld (bei mir).
82 c'kHmi para-, ich habe (besitze) Geld.
83 nid hwala dostd lonnjonnn: ich habe nur einen Freund (s. 94).
84 fqva kai wza kogignnani : haben Sie gute Milch?
85 wa dido komigonun: ich habe viel.
86 hem locis mü ngun: was hat der Mann?
87 hammal ivakdtiliogiguni? Lastträger, hast du Zeit? tvakQÜ komigun :
ich habe Zeit.
88 waqdti kogiguna, violjti c^k^imilaJa: wenn du Zeit hast, komm mit.
89 ^he ugun: er hat Fieber.
90 ^ubie varmigun: ich habe keinen Zweifel.
91 ma hami migun: ich habe ein Messer.
92 f^k'imi hami rem ich habe ein Messer.
Materialien zu einer Grammatik des Lazischen Dialekts von Trapezunt. 319
93 habas ar c'heni hiononi: hat dein Vater ein Pferd?
94 ar jjuma ar da hmiijonnm: ich habe einen Bruder und eine
Schwester.
95 fqva diclo usJ^urs gigunan: ihr habt viele Apfel.
96 c'himi qcdemt fqvanis reni: Haben Sie meine Feder?
97 armidhd komigun : ich habe etwas.
98 keja.s c^ka mutu varoyun : er hat nichts.
99 ar dostis naavare^ didb kai ren : einen Freund zu haben, ist eine
gute Sache.
Andere Verba:
Präsens.
100 mu ikomi: was machst Du?
101 mu hikomi : was mache ich ?
102 so iduri: wohin gehst Du?
103 hamnmnisa hnhir: ich gehe ins Bad.
104 mii digurami: was lernst Du?
105 Arahse/a dobiguram: ich lerije Arabisch.
106 musen köisä varidur: warum gehst Du nicht ins Dorf?
107 c^huli imhos: er ißt eine Birne.
108 dostosk^ini psumeC' : wir erwarten unseren Freund.
109 hivaddsa garmidim: ich komme aus dem Garten.
110 üh hehnrts c'alepe jesih vlrenan ivenan: im Frühling sind die
Bäume grün.
111 hejase gobisaser: das wundert mich.
112 mu idus unan: woran denkst du?
113 bo^o i ZI] ans: das Mädchen lacht.
114 dewe eivedi ulun : das Kamel geht schnell.
115 sole ulur: woher kommst Du?
116 ini gavenafii: friert Sie?
117 ma vdrmaven: mich friert nicht.
118 ttic'a gavenani johse ini gaveni: ist Ihnen heiß oder kalt?
119 gashirinenani : Fürchten Sie sich?
120 maskurinu: ich fürchte mich.
121 var maskurinu: ich fürchte mich nicht.
122 c^homepe c'kdris ninc^enan: die Fische leben im Wasser.
123 sagidepe mekfebsa ulunan: die Schüler kommen aus der Schule.
124 sume bursasa bulur: morgen früh gehe ich nach Brussa.
125 bikithare jarum : ich lese und schreibe.
126 caldsamsi: arbeitet er?
127 tenbelireni: ist er faul?
128 c'drmutu vdrikoms : gar nichts macht er.
320 Theodor Kluge,
129 heja hichnam: ich kenne ihn.
130 ma heja rar hicHnam: ich kenne ihn nicht.
131 haja diveni: läßt sich das machen?
132 haja vairen: das läßt sich nicht machen.
133 Jcata dges imhon: was ißt Du gewöhnlich?
Imperfektum.
134 musen izijamtu: warum lachte er?
135 so iilurtif : wohin wollten Sie?
136 ohorisa hulurti: ich wollte nach Hause.
137 homHs¥tmisi psqva hwadcsi hisinapamtif : wir sprachen von dem
schönen Garten unseres Nachbarn.
138 hoja mu sopontu: was sagte der Lehrer?
139 sagiäepe meläehise mulurtes: die Schüler kamen aus der Schule.
140 ar mekiM Jarumtu : er schrieb einen Brief.
141 turja var sopontu: türkisch sprach er nicht.
142 kata dges ohorc'klmise golides : sie gingen jeden Tag an meinem
Hause vorbei.
143 urceni dido kai dac'onertu: er liebte die Trauben sehr.
144 hejase var maskuinertu: ich fürchtete ihn nicht.
145 kata dges iur mektuhs dovjarumtu: jeden Tag schrieb er zwei
Briefe.
Aorist.
146 Mehmed efendi komchtui: ist Herr Mehemed gekommen?
147 daha varmohtu: er ist noch nicht gekommen.
148 hamdga c^arHsa igzaliji : bist du heute auf dem Markte gewesen ?
149 var vidi : ich bin nicht dagewesen ; var igsalu : ich bin nicht
hingekommen.
150 iur fara higisali: zwei mal bin ich dagewesen.
151 mSora kertu: die Sonne ist aufgegangen.
152 neknes nebogang), var gomincges: ich klopfte an die Tür, aber
man Öffnete nicht.
IbS jümac'kHmi kopriti: haben Sie meinen Bruder gesehen?
154 heja varjiri: ich habe ihn nicht gesehen.
155 janu mohti: du bist spät gekommen.
156 domackindu: ich bin müde geworden.
157 gazeta dobigithi: ich habe die Zeitung gelesen.
158 t'qva haja dogicvcf : ihr habt Ihnen das erzählt?
159 ma mutu vaptqvi: ich habe nichts gesagt.
Materialien zu einer Grammatik des Lazischen Dialekts von Trapezunt. 321
160 mu vif: was haben Sie getan?
161 mutu varpi: nichts habe ich getan.
162 c^Jcamtitu vdrbogni: ich habe nichts gehört.
163 äur tutasen heri jumac'himise hoher is varepc'opi : seit 2 Monaten
habe ich von meinem Bruder keine Nachricht erhalten.
164 kodgikijiP ist er aufgestanden?
165 var dodgiti? bist du nicht aufgestanden?
166 dalia var eselo: er ist noch nicht aufgestanden.
167 ma qaive opsvi: ich habe einen Kaifee getrunken.
168 fehiJcase Iwgamahtu: er trat aus dem Boot.
169 hdbä¥ ar sadti Iccmomc^u: der Vater hat mir eine Uhr gegeben.
170 hürdusep'eY tele para Jcemic^opes: die Diebe haben all mein Greld
genommen.
171 soJcaris huf grusi Tcöhciri: ich habe 5 Piaster auf der Straße
gefunden.
172 düsmani seherisa homohtu : der Feind ist in die Stadt gedrungen.
173 ma Jogorih nemic^komu : der Hund hat mich gebissen.
174 dostuskanis honünjariji : hast Du Deinem Freund geschrieben?
175 daha varmibimjari : ich habe ihm noch nicht geschrieben.
176 c^karis ukapo: er fiel ins Wasser.
177 heja niogordines: man hat ihn betrogen.
178 jogoris miisen gec'i : warum hast du den Hund geschlagen ?
179 jewdbi varmomc^u: er gab keine Antwort.
180 gale hogamahtui: ist er hinausgegangen?
181 dulijaclämis daha vargjöc'ki : ich habe meine Arbeit noch nicht
angefangen.
Perf ektum , Plusquamperfektum.
182 mu ivu: was ist (aus ihm geworden)?
183 dostiskanis daweti varogodi dortuni: hattest Du Deinen Freund
nicht eingeladen?
184 hep'^e mintesi varibones dorüi: er hatte seine Hände nicht ge-
waschen.
185 metvepe vac^komes dordui : hatten Sie die Früchte nicht gegessen ?
186 dido mendre doskidu dortu: er war sehr zurückgeblieben.
187 mendra jerise möhtu dortu: er war von einem fem liegenden
Ort gekommen.
188 Jumamiisi c'henisi melu dortu : sein Bruder war vom Pferde ge-
fallen.
189 Johoc^kimi gogoc'kondes dortui: hatten Sie seinen Namen ver-
gessen ?
190 kitabdpesi tel dikitiu dortu: er hatte alle Bücher gelesen.
Kgl. Ges. d. Wiss. Nachrichten. Phil.-hist. Klasse. 1918. Heft 2. 21
322 Theodor Kluge,
Futurum I, II.
191 junianiäe sdbahtan moftare: morgen früh werde ich kommen.
192 liaja vargobi^Jcöndinam : das werde ich nicht vergessen.
193 Mmseri mü vare: was werde ich heute abend machen?
194: Jarare bigitharc: ich werde schreiben und lesen.
195 carc'dsa nundes idare: wann wirst du auf den Markt gehen?
196 hasiri iväse: er wird bereit sein.
197 memnüni bivate: wir werden froh sein.
198 sengini ivdtere: er würde reich sein.
199 liartali ma vaseni: werde ich Papier haben?
200 arahävär ma vase: ich werde keinen Wagen haben.
201 Jiaja faidesu/si iväsiu: er würde Unrecht haben.
202 kabaheti ivanet'e: sie würden schuldig sein.
203 hosnud varivdsere: würde er nicht zufrieden sein?
204 tel disJcape vac'vanereni : werden sie nicht alles Holz verbrennen?
205 para esebinahatere : wir würden unser Geld aufbewahren.
206 c'henic'kimi gamapcare: ich werde mein Pferd verkaufen.
207 fqvd jewabe var meksane: er wird euch keine Antwort geben.
208 c^karmiti vap^umere: ich werde auf niemanden warten.
209 Jumac'k'imikala moftati, disabunu : ich würde mit meinem Bruder
gekommen sein, aber er wurde krank.
210 äur haftashile, mdhtanere: nach 2 Wochen werden sie zurück-
kehren.
211 hako nakondges dohadase? heja gopc'vare: wie lange wird er
sich hier aufhalten? ich werde ihn fragen.
212 ep^c^opati: ich würde ihn nehmen.
213 mekhibi terjme pare : ich werde den Brief übersetzen.
Imperativ, Prohibitiv.
214 köiSa igzali: geh in's Dorf.
215 mohti, ohorisa igzalif: komm, laßt uns zu Hause gehen.
216 hako modohedtir: sitze hier nicht.
217 dägisa igzalän: sie sollen auf den Berg gehen.
218 gari momcH: gieb mir Brot.
219 ma jardumi mogodan: sie sollen mir helfen.
Konjunktiv, Optativ.
220 fqva mu mogirai" : was soll ich Ihnen bringen?
221 psqva ar mutha kogojirat" : soll ich ihnen was schönes zeigen?
222 boc^kedaf: laßt uns sehen.
223 nakole bidat' : welchen Weg sollen wir gehen?
224 gomo komohtigot' : wären Sie doch gestern gekommen!
225 ogune dofqvigof (mif^vigot'): hätten Sie doch zuerst gesprochen.
Materialien zu einer Grammatik des Lazisclien Dialekts von Trapezunt. 323
Konditional.
226 hoö^i tiic'as ewwedi idasna, dac'kinda: wer in der Hitze schnell
geht, wird müde. .
227 l'omUjuduTio, fqva ineMadi: wenn ich besäße, würde ich Ihnen
geben.
Futurum, gebraucht mit der Bedeutung der Notwendigkeit.
228 Jumanise Jcäisa idare: morgen früh mußt Du ins Dorf gehen.
229 memnum iväre: du mußt zufrieden sein.
230 onjgole gavase: du mußt dich schämen.
231 liaja var goickondlncdi: das hättest du nicht vergessen sollen.
232 he ja mob]irare: ich muß ihn sehen.
233 hcmdra idanere: heute müssen sie abreisen.
Infinitiv, Partizipia Grerundivum, Konjunktionen.
234 skani oßrarmisa, mofti : ich bin gekommen, um dich zu besuchen.
235 ozijinu ohgarinusen gairen: lachen ist besser als weinen.
236 nbgarimis kogöclm: er fing an zu weinen.
237 kohtimusa gamdhtu: er ist spazieren gegangen.
238 var idus unasä jeivahi, mödmejam: gieb keine Antwort, ohne
zu denken (wörtl. : eine nicht zu denkende Antwort nicht gieb).
239 ogiihus rem er ist beim Lesen.
240 fqva nagoromsteri gini: hier ist der von Ihnen verlangte Wein.
241 ohorisd hidiskula, skanda gomohtit dortu: Als ich nach Hause
ging, war er zu Dir gekommen.
242 agnarti var miskirtu: ich wußte nicht, daß er hier war.
243 mekUibd nanjari dortu kohomapmi: er glaubte, daß er den
Brief geschrieben hätte.
244 dosti mohtuis: als sein Freund kam.
245 liaja dic^daskole, ohorisa igisali: nachdem du das beendigt hast,
geh nach Hause.
246 ma (mhjiruis) bjireskole, imtu: sowie ich ihn sah, lief er davon.
247 mektuh9 mebimjareskole : als ich den Brief schrieb.
248 ohenuse kogigunani {navate) mutu, napare c'kar mutu varmigun:
haben Sie etwas zu tun? ich habe nichts zu tun.
249 saatiskani naec'opu kocH kiciru: man hat den Mann gefunden,
der deine Uhr genommen hat.
250 nabprif ohori jumac'k^imiHren : das Haus, das wir gesehen haben,
gehört meinem Bruder.
251 oc^alisü navargorums koö'i, menc^apds laiqi vären: der Mensch,
der nicht arbeiten will, verdient nicht zu leben.
324 Theodor Kluge, Materialien zu einer Grammatik des Lazischen etc.
252 mu pare varmic'^hin: ich weiß nicht, was ich tun werde.
253 hak mohtusen her), habakmusi var minjaru: seit dem Tage, an
dem er hierhergekommen ist, habe ich seinem Vater nicht
geschrieben.
254 ()oma lumji sokaris gobitim, vif gruH gomindono : als ich gestern
auf der Straße spazieren ging, verlor ich 10 Piaster.
255 komiclcinduko, harpati: wenn ich das gewußt hätte, hätte ich
es nicht getan.
256 ohori didi nangim (nanc^umenan) kocH: der Mann, dessen Haus
groß ist.
257 ismü' 7ianc^umenan ar seJiir: eine Stadt deren Name Smyrna ist.
258 ohormusis c'kar miti navarijiren (navoromm) : ein Mann, in dessen
Haus sich niemand befindet.
259 ma moftijis: in dem Augenblick, als ich kam.
260 dostic'kHmi mohtuis: als mein Freund kam.
261 nabjiri koc'i: der Mann, den ich gesehen habe.
262 nahoromtif hozo: das Mädchen, das wir geliebt haben.
263 hahaskani¥ mamomc'ä kitabd: das Buch, das mir dein Vater
gegeben hat.
264 hdbamusi nabori bere: das Kind, dessen Vater ich bin.
265 nabidi sehiri: die Stadt, in die ich ging.
266 nagamac^kare c'heni: das Pferd, das ich verkaufen werde.
267 komohiu, ig^alu: er kam und ging.
268 dgindo naic'gankin: er schaut fortwährend.
269 ma mic'kindenderi: seitdem ich weiß.
270 moftisakis: bis ich komme.
271 mohtase: sobald er kommt.
Athenaeus iind Macrobius.
Von
Georg Wissowa.
Vorgelegt in der Sitzung am 22. November 1913 von Herrn F. Leo.
Die Geschichte der antiken Vergilkritik — das Wort in seiner
umfassendsten Bedeutung genommen — bleibt trotz ßibbecks Pro-
legomena und den fleißigen Arbeiten H. Georgiis noch zu schreiben.
Wer sich einmal der Lösung dieser Aufgabe unterzieht, wird neben
den Vergilscholien in viel weiterem Umfange und viel gründlicher,
als es bisher geschehen ist, die durch das Saturnalienwerk des
Macrobius erhaltenen Eeste gelehrter Vergilerklärung heranziehen
und vor allem sich bemühen müssen, die verschiedenen Bestand-
teile dieser Kompilation nach Zeit und Richtung zu scheiden und
damit wichtige Grundlagen für die Erkenntnis der Ziele und Wege
der antiken Vergilforschung zu gewinnen, eine Untersuchung, von
der gegenwärtig nur bescheidene Anfänge vorliegen^).
Unter den auf Vergil bezüglichen Abschnitten des Macrobius
ist der reichhaltigste und wertvollste wohl die in den Schluß-
kapiteln 18—22 des fünften Buches wiedergegebene Erörterung
de hiSy quae a penitissima Graecorum doctrina transtuUsset Vergüius
(c. 22, 15) , die sich durch erlesene griechische Gelehrsamkeit und
zahlreiche Belegstellen aus zum Teil entlegenen Gebieten der grie-
chischen Literatur auszeichnet: außer Bruchstücken aus Tragödie,
Komödie, Lyrik und alexandriniscber Dichtung werden längere
Textstellen aus Ephorus (mit Angabe der Buchziffer, c. 18, 6. 20, 7),
1) H. Linke, Quaestiones de Macrobii Saturnaliorum fontibus, Diss. Vratis-
laviae 1880 und dazu meine Bemerkungen Gesamm. Abhandl. z. röm. Religions-
und Stadtgeschichte S. 103, 1.
Kgl. Ges. d. Wiss, Nachrichten. Phil-hist. Klasse. 1913. Heft 3. 22
326 Georg Wissowa,
Aristoteles de poetis (c. 18, 19), Kallias in septhna Jästona de rebus
Siculis (c. 19, 25), Polemon in lihro qui inscrihitur Tuspl xm Iv Stxs-
XiQ^ <8'aD{iaCo[JL£Vü)v 7:oTa[jL(öv (c. 19, 26) , Xenagoras in tertia historia
(c. 19, 30) , Phileas in eo lihro qui inscrihitur Asia (c. 20, 7) und
andre Seltenheiten mehr angeführt, um den Nachweis zu erbringen,
daß Vergil allenthalben die intimste Bekanntschaft mit griechischer
Sage und Dichtung verrate, die sich freilich nur dem Kenner
offenbare. Mitten in diesem Zusammenhange steht ein Kapitel
(c. 21) über die bei Vergil vorkommenden griechischen Becher-
namen, das unverkennbare inhaltliche Übereinstimmungen mit Ab-
schnitten aus dem elften Buche des Athenaeus aufweist, und zwar
in der Weise, daß im allgemeinen Macrobius nur einen kleinen
Bruchteil des von Athenaeus vorgeführten Materiales wiedergibt,
an einigen Stellen aber auch ihm gegenüber ein Mehr aufweist.
Im Anschlüsse an P. Victorius hat darum neuerdings Gr. Kaibel
(Athen. I p. XXXI ff.) direkte Benutzung des Athenaeus durch
Macrobius behauptet und das Plus des Letzteren durch die An-
nahme erklärt, daß ihm noch die unverkürzte Fassung der Deipno-
sophisten in 30 Büchern vorgelegen habe , die wir aus den Rand-
notizen des Marcianus kennen und von der die auf uns gekommene
Ausgabe in 15 Büchern nur ein Auszug sei; Kaibel hat daher
nicht nur den Text bei Athenaeus verstümmelter Zitate aus Ma-
crobius verbessert und ergänzt, sondern auch kein Bedenken ge-
tragen, an zwei Stellen (XI 475 A. 481 E) ganze bei Athenaeus
fehlende Fragmente aus den Saturnalien einzusetzen. Bei dieser
Annahme muß zunächst befremdlich erscheinen, daß Macrobius
nicht, wie es sonst seine Art ist, ganze Kapitel seiner Vorlage im
Zusammenhange abgeschrieben oder exzerpiert, sondern sich seinen
Text aus ganz verschiedenen, durch große Zwischenräume ge-
trennten Partien der Deipnosophisten zusammengesucht hätte. So
hätte er die vier Paragraphen (c. 21, 16 — 19) , in denen er über
den scyphus des Hercules (Verg. Aen. VIII 278) spricht, nicht dem
von ay.ö(poc handelnden Kapitel des Athenaeus (XI 498 Äff.) ent-
nommen, sondern dafür drei verschiedene Stellen des 10. und 11.
Buches (X442D. XI 461 F. 469 D. 470 C) benutzt, von denen noch
dazu die beiden ersten für ihn sehr schwer auffindbar waren, da
Athenaeus X 442 D das Zitat aus dem Busiris des Ephippus nicht,
wie Macrobius, als Belegstelle für die Trunksucht des Herakles
anführt, sondern im Rahmen einer Auseinandersetzung über die
Trunkfestigkeit der einzelnen griechischen Stämme, und auch XI
461 F die Kylikranes in ganz anderm Zusammenhange erwähnt
werden als bei Macrobius. Weiterhin aber muß es auffallen, wie
Athenaeus und Macrobius. 327
stark Macrobius, wenn Athenaeus seine Vorlage war, diese ver-
kürzt haben müßte, wobei insbesondre die in ihr angeführten Be-
legstellen in ihrer Mehrzahl weggelassen oder doch im Texte
stark zusammengestrichen wären. Der Abschnitt über das %u[j.ßCov
z.B. Athen. XI 481 D— 482 E ist bei Macr. V 21,7—10 auf ein
knappes Drittel des früheren Umfanges zusammengeschrumpft, und
von den 20 Sclirif tstellerzitaten , mit denen Athenaeus seine Aus-
führungen belegt, erscheinen bei Macrobius ganze vier, von denen
drei gegenüber Athenaeus starke Verkürzungen aufweisen, das
vierte aber überhaupt zu Athenaeus nicht stimmt, indem zwar so-
wohl Athenaeus wie Macrobius sich auf die Midiana des Demo-
sthenes berufen, aber den Wortlaut verschiedener Stellen aus dieser
Rede anfühlten, Athenaeus § 158, Macrobius § 133. Ein solches
Verfahren will garnicht zu dem Bilde stimmen, das wir uns nach
einem Vergleiche der Saturnalien mit ihren erhaltenen Vorlagen,
vor allem den Noctes Atticae des Grellius und den SopLTuootaxd Plu-
tarchs, von der Arbeitsweise des Macrobius machen müssen: wenn
er auch z. B. die Gedankenfolge eines ausgeschriebenen Grellius-
kapitels zuweilen abändert und unter den dort gebotenen Beleg-
stellen eine Auswahl trifft , so sind die Abweichungen und Ver-
kürzungen nirgendwo auch nur annähernd so stark, wie wir es
bei der Annahme einer Benutzung des Athenaeus voraussetzen
müßten, und für das Zusammenholen des Textes aus weit von ein-
ander abgelegenen Stellen der Vorlage fehlt es überhaupt an Bei-
spielen. Dafür aber, daß Macrobius gegenüber Athenaeus ein ganz
anderes Verfahren der Quellenbenutzung angewendet haben sollte
als gegenüber Gellius, dessen Werk doch denselben kompilato-
rischen Charakter trägt wie das des Athenaeus und darum dem
Ausschreiber dieselben Vorbedingungen bot, ist ein vernünftiger
Grund nicht abzusehen.
Es gibt aber eine von Kaibel übersehene Tatsache, durch
welche der Gedanke an eine direkte Benutzung des Athenaeus
durch Macrobius unbedingt ausgeschlossen wird: mit aller Ent-
schiedenheit kann behauptet werden, daß die unmittelbare Vorlage
des Macrobius in diesem wie in den benachbarten Kapiteln nicht
^ine griechische war, sondern ein lateinischer Vergilkommentar.
Man mag ja vielleicht verschiedener Meinung darüber sein können,
inwieweit Macrobius selber imstande und geneigt gewesen sein
könnte, sich das zur Erklärung der vergilischen Bechernamen nö-
tige Material aus einem Sammelwerke wie dem des Athenaeus zu-
sammenzusuchen und zu den einzelnen Versen in Beziehung zu
setzen, obwohl wer den Autor in seiner ganzen Unselbständigkeit
22*
328 Georg AVissowa,
kennt, nicht leicht geneigt sein wird, ihm ein solches Maß eigenen
Vorgehens zuzutrauen; aber entscheidend ist eine Stelle wie
c. 21,3, wo der Überlieferung des Pherekydes in libris historiarum
von dem goldenen xap/f/otov, das Zeus der Alkmene als Morgen-
gabe geschenkt habe (= Athen. XI 474 F), die Notiz gegenüber-
gestellt wird, daß Plautus im Amphitruo das Gefäß nicht carche-
sium sondern patera nenne, obwohl doch die Formen ganz ver-
schiedene seien. Bei dem engen sachlichen Zusammenhange ist der
Gedanke, daß Macrobius sein Athenaeusexzerpt durch eine Ent-
lehnung aus einer andern Quelle ergänzt habe, ebenso ausge-
schlossen, wie der, daß er selber einen in seiner Zeit schon so
selten gewordenen Dichter wie Plautus nachgeschlagen und das
Zitat aus Eigenem hinzugefügt haben könnte; vielmehr ist die
Sachlage hier offenbar dieselbe wie z. B. c. 19, 12 , wo Macrobius
mit dem Zitate aus den TiCoTö(j.ot des Sophokles in seiner Vorlage
die Anführung einer Stelle aus einer verlorenen Komödie des
Plautus (ine. 52 Leo) sowie des Vergilverses Georg. IV 151 ver-
bunden vorfand ').
Überhaupt aber wird sich, wer die Kapitel 18—22 in einem
Zuge durchliest, des sehr bestimmten Eindruckes nicht erwehren
können, daß diese ganze Partie von Anfang bis zu Ende^) einer
und derselben Quelle entlehnt ist und c. 21 keineswegs eine Sonder-
stellung innerhalb dieses Zusammenhanges einnimmt. Ich will auf
Einzelheiten, wie darauf, daß Nikander im ganzen Werke des Ma-
crobius nur an zwei Stellen dieses Abschnittes zitiert wird (c. 21,
12. 22,10), von denen eine in dem mit Athenaeus verglichenen
Kapitel steht, keinen übertriebenen Wert legen ; entscheidend aber
ist die Tatsache, daß durch alle diese Kapitel einschließlich des
21. die gleiche Tendenz und das gleiche Verfahren der Vergilexe-
gese hindurchgeht: es sollen nicht, wie dies in den in c. 2 — 17
desselben Buches ausgeschriebenen 6\Loi6irixs<; geschieht, einzelne
Vergilstellen auf bestimmte griechische Vorbilder zurückgeführt,
sondern gezeigt werden, daß ein tieferes Verständnis Vergils nur
auf Grund gründlicher Vertrautheit mit der griechischen Literatur
1) Ob das Zitat aus Carminius in lihro de Italia secundo (§13 f.) ebenfalls
in der Vorlage stand oder von Macrobius aus anderer Quelle hinzugefügt ist, mag
dahingestellt bleiben ; doch scheint mir jetzt die erstere Mögli(;hkeit wahrschein-
licher.
2) Eine Ausnahme macht nur c. 20, 17 f., aus einem der im 3. Buche der
Saturnalien benutzten Vergilkommentare eingeschoben, wie ja Macrobius solche
kleine Einschiebsel liebt, z.B. I 16,26 mitten in einen aus Sueton entnommenen
Abschnitt ein Stückchen aus Gell. V 17, 3 — 5 einsetzt.
Athenaeus und Macrobius. 329
zu erreichen sei {quae de graecarum litteranim penetralihus eruta
nullis cognita sunt nisi qui graecam doctrinam diligenter hauserunt
c. 18, 1) ; diesem Zwecke dienen die Ausführungen des c. 21 über
die vergilischen Bechernamen und deren ganz im Sinne der griechi-
schen Überlieferung erfolgte Verwendung (vgl. c. 21, 14. 16) ganz
ebenso, wie z.B. die Darlegungen über Gargara als Urbild der
Fruchtbarkeit (c. 20, 1 — 16) oder über die verlegene Sage von dem
Liebesabenteuer zwischen Pan und Selene (c. 22, 9 f.). Daß diese
Tendenz nicht erst durch den Kompilator hineingetragen sein
kann, bedarf keines Beweises ; vielmehr ist es ganz unverkennbar,
daß schon seine Vorlage ihr aus guten griechischen Quellen ge-
schöpftes gelehrtes Material für die Vergilerklärung fruchtbar ge-
macht und nach Bedarf auch mit lateinischen Zeugnissen kombi-
niert hatte. So wird c. 20, 13 neben dem aristophanischen tJ;a[X{i,a-
TtooioYapYapa im Sinne von 'unzählig' auf die gleiche Verwendung
von (|)a[i[JLavtöoia in Varros menippeischen Satiren hingewiesen, und
c. 18, 16 wird zu dem Zeugnisse des euripideischen Meleager, wo
die Aetoler ebenso am linken Fuße unbeschuht erscheinen wie das
Aufgebot der Hemiker bei Verg. Aen. VII 689, eine Berufung auf
Julius Hyginus in libro secundo Urbium hinzugefügt, durch welche
erst die Brücke zwischen Euripides und Vergil geschlagen wird,
insofern nach Hygin die Herniker Pelasger, also den Aetolern ur-
verwandt waren: hier ist die Möglichkeit, daß erst Macrobius das
Zitat aus Eigenem oder aus anderer Quelle hinzugesetzt habe,
ausgeschlossen. Die Vorlage des Macrobius war also bestimmt
ein Lateiner, u. zw., wie die Polemik gegen Cornutus (c. 19,2)
und Valerius Probus (c. 22, 9) zeigt, ein nach Probus schreibender
Vergilerklärer. Da die gediegene Grelehrsamkeit seiner Erklärung
rät, ihn nicht zu weit unter diesen Terminus post quem hinabzu-
rücken, könnte man vielleicht an Terentius Scaurus denken ; wenig-
stens stimmt das Wenige , was uns über seine Vergilstudien be-
kannt ist, recht wohl zu dem Bilde, das wir aus Macrobius von
dessen Gewährsmann erhalten. Bei dem Zeitgenossen des Hadrian
und Sueton {Terentius Scaurus divi Hadriani temporibus grammaticus
vel nobilissimus Gell. XI 15, 3) würde die höchst achtungswerte
Kenntnis griechischer Dichtung und Geschichtschreibung nicht über-
raschen, und einem Manne, der für die Erklärung von Aen. IV
146 die Einwanderung der Kreter in Delphi unter Berufung auf
Phylarchos heranzog (Schol. Veron.) und die Erscheinung der aus
dem Grabhügel des Anchises auftauchenden Schlange durch die
pythagoreische Lehre von der Entstehung der Schlangen aus dem
330 Georg Wissowa,
Rückenmark verwester Menschenleichen erläuterte ^), möchten wir
gerne auch die gelehrten Erörterungen über die sicilischen Paliken
(c, 19, 15 ff.) oder über die Verwendung des Erzes im Zauber (c.
19, 6 ff.) zutrauen.
Selbstverständlich aber hat der römische Vergilerklärer, gleich-
viel wer er war, die Menge von Zeugnissen griechischer Dichter,
Historiker und Grammatiker, auf die er seine Beweisführung auf-
baut, nicht durch eigene Belesenheit zusammengebracht, sondern
durch Nachschlagen an geeigneten Stellen der griechischen ge-
lehrten Sammelliteratur beschafft. Seine Hauptquelle läßt sich
noch mit Sicherheit feststellen. Wenn c. 18, 11 am Ende der Zi-
tatenreihe, durch welche der metonymische Grebrauch des Namens
'AxeXq)o? für jedes fiießende Wasser belegt wird, als letzter und
zugleich als zeitlich jüngster aller in dem ganzen Abschnitte c. 18
— 22 erwähnten griechischen Autoren Dldymus grammaticus in his
libris qiios TpaYtpSoofxsvYjc Xs^swc scripsit erscheint, so wird niemand
daran zweifeln , daß dieser dem Vergilerklärer nicht nur die aus-
drücklich aus ihm zitierte Stelle der euripideischen Hypsipyle, son-
dern auch die vorausgehenden xAnführungen aus Aristophanes' Ko-
kalos und Ephoros^) übermittelt hat, also die Quelle der ganzen
Darlegung ist, und daß das Gleiche auch für andere Teile dieses
ganzen Abschnitts gilt, beweist der Nachdruck, mit dem Didymus
an zwei Stellen desselben als grammatkornm mnnium facile erudi-
tissimus (c. 18, 9) und yrammaticorum mnnium qniqiie sint qiäque fue-
rint instrudissimus (c. 22, 10) hervorgehoben wird. Ich habe vor
33 Jahren, als ich mich zum ersten Male mit dieser Frage be-
schäftigte (De Macrobii Saturnaliorum fontibus quaestiones selectae
S. 45 ff.), eine Menge von Parallelstellen aus den Schollen zu den
Tragikern und zu Aristophanes und aus Hesychios beigebracht,
welche die Zurückführung dieses ganzen Abschnittes auf Didymus
im höchsten Grade wahrscheinlich machen, und wüßte dem da-
mals Gesagten heute nichts Wesentliches hinzuzufügen noch an
meinen Folgerungen etwas zu ändern. Wenn der römische Vergil-
erklärer, als er den Spuren versteckter Beziehungen auf griechische
Überlieferungen bei seinem Dichter nachging, sich dabei namentlich
an die Dichterscholien und lexikalischen Werke des Didymus hielt,
die in sonst selten erreichter Vollständigkeit das ganze bisher be-
1) Schol. Veron. Aen. V 95 ; vgl. Serv. z. d. St. Ovid. met. XV 389 f. Plin.
n. b. X 188.
2) Deutlich ausgesprocheu § 9 Didymus enim . . . posita causa , quam supe-
irus Ejihorus dixit^ aUeram quoque adiecit.
Athenaeus und Macrobius. 331
kannte Material zusammenfaßten, so hat er damit ein durchaus
verständiges Urteil bewiesen. Das Meiste, was Macrobius in dem
behandelten Abschnitte bietet, könnte ohne Weiteres in der TpaYixT]
oder xwjjLLZ'?] XiiiQ seinen Platz gehabt haben (man vergleiche auch
das Fragment der 7t(io[j.txYj Xi^iq über bpBiyjyXv.oq Schol. Apoll. Rhod.
IV 973) ; nur zwei Erörterungen, über Artemis Opis (c. 22, 4) und
über das Liebesabenteuer von Pan und Selene (c. 22, 10), knüpfen
nicht an Stellen der Tragödie oder Komödie , sondern an solche
der hellenistischen Poesie (Alexander Aetolus und Nikander) an,
aber gerade von diesen ist wenigstens die zweite ausdrücklich als
Eigentum des Didymus bezeichnet. Die Abhängigkeit von Didy-
mus erstreckt sich aber ganz in gleicher Weise wie über die
übrigen Bestandteile dieses Abschnittes auch über das mit Athe-
naeus sich berührende Becherkapitel. Athenaeus zitiert in diesem
Zusammenhange den Didymus, der namentlich in der zwjiivtYj Xs^tc
reichlich G-elegenheit hatte von den Bechernamen zu handeln, mehr-
fach (bei M. Schmidt, Didym. Chalcent. fragm. S. 42. 73. 75. 89.
314), und das einzige dieser Bruchstücke , das in den von Macro-
bius behandelten Inhalt fällt, zeigt wörtliche Übereinstimmung mit
diesem (Ath. XI 481 F (pyjol os Ai§i)jj.O(; 6 ^pa\L\LOLziY.b(; d7üi{jLTf]X£<; slvat
10 TcoTTJplov xal OTsvöv T(j) G^^'^jJLait, 7üapö{i.otov irXotcj) vgl. mit Macr. c.
21, 9 i(t haec cymhia pocula procera ac navibus simüia). Danach ist
in diesem Kapitel Didymus die gemeinsame Quelle für Athenaeus
und Macrobius, dem letzteren vermittelt durch den oben genauer
charakterisierten Vergilerklärer , dem ersteren wohl sicher durch
das Lexikon des Pamphilus *) , worauf XI 487 C direkt hinweist
(nach einem Zitat aus dem KL^ap(j)Söc des Nikon: Tuape^sto ta ta[i-
ßsia %al Ai§o(jLo? %al Wd^^f^Ckoq) ; der erheblich größere Reichtum
des Athenaeus erklärt sich daraus, daß einerseits der Vergiler-
klärer den Didymus wohl nicht vollständig ausschrieb, andererseits
sowohl Pamphilus das didymeische Grut durch Exzerpte aus andern
Quellen ergänzte als auch Athenaeus mancherlei aus eigner Lek-
türe hinzufügte.
Das gewonnene Ergebnis ist zunächst für die Textgeschichte
des Athenaeus von Bedeutung. Denn wenn das Becherkapitel des
Macrobius nicht aus ihm ausgeschrieben ist, so verlieren wir nicht
nur die Berechtigung, den Athenaeustext in so weitem Umfange,
wie es Kaibel getan hat, aus Macrobius zu ergänzen, da ja Athe-
1) J. Schoeuemann , De lexicographis antiquis, qui rerum ordinem secuti
sunt, quaestiones praecursoriae (Diss. Bonnae 1886) S. 78 ff. M. Wellmann, Her-
mes XXIII 1888 S. 179 ff.
332 Georg Wissowa,
naeus (oder auch schon Pamphilas) die eine oder die andre der
von Didymus angeführten Stellen weggelassen haben kann, son-
dern es kommt überhaupt der einzige Zeuge für die Existenz eines
vollständigeren und umfangreicheren Athenaeustextes in Wegfall;
denn daß Aelian in dieser Hinsicht nicht in Betracht kommen
kann , hat Kaibel a. a. 0. S. XXXI angedeutet und M. Wellmann
(Hermes XXVI 1891 S. 483 ff.) bewiesen. Damit kommt aber die
ganze Hypothese , daß unser 15-bändiger Athenaeus nur die Epi-
tome eines einstmals doppelt so starken Textes darstelle, ins
Wanken. Denn die Randnoten des Marcianus bezeugen nichts
weiter als eine abweichende Bucheinteilung (in 30 Bücher) , die
doch auch ohne größeren Umfang des Textes denkbar wäre, etwa
wie für das Geschichtswerk des Florus die zweibändige Ausgabe
des Codex Bambergensis neben der vierbändigen des Nazarianus
steht. Im Texte des Athenaeus findet die Annahme, daß wir nur
einen etwa auf die Hälfte des ursprünglichen Umfanges reduzierten
Auszug vor uns hätten , kaum eine Stütze ; denn daß die den
Rahmen der ganzen Kompilation bildende Dialogform sehr un-
gleichmäßig durchgeführt und stellenweise ganz außer Acht ge-
lassen ist, läßt sich besser als durch die Annahme einer Epitome
durch die Nachlässigkeit des Verfassers erklären, dem die frei-
willig angelegte Zwangsjacke nachgrade lästig wurde (vgl. Hirzel,
Dialog II 354, 1) ; können doch so grobe Verletzungen der dialo-
gischen Einkleidung, wie sie die Buchschlüsse vom Typus ItcI toö-
xoi<; TsXoc ly^TüD zal rßs r^ ßtßXo«; . . . ixavöv slX-zj^^oia »j/^xoc (IV 185 A)
darstellen, in keinem Falle auf die Rechnung des angenommenen
Epitomators gesetzt werden.
Für Macrobius bleibt, nachdem die behauptete Benutzung des
Athenaeus in dem Becherkapitel widerlegt ist, noch die Frage zu
beantworten, ob er an andern Stellen seines Werkes Bekannt-
schaft mit den Deipnosophisten zeige. Kaibel hat diese Frage be-
jaht und in den allgemeinen Voraussetzungen und der Rahmener-
zählung der Saturnalien so wesentliche Übereinstimmungen mit
Athenaeus nachweisen zu können geglaubt, daß sie nur durch die
Annahme direkter Entlehnung eine befriedigende Erklärung fänden.
Aber seine Beweise halten, wie mir scheint, einer eindringenden
Prüfung nicht Stand. Wenn er mit besonderem Nachdruck her-
vorhebt, daß der von Macrobius als sacrorum omnium unice conscius
(I 7, 17) geschilderte Hausherr seines Gastmahls Vettius Praetex-
tatus ein Abbild des bei Athenaeus im Mittelpunkte stehenden
Gastgebers Larensis sei, an dem ebenfalls die Vertrautheit mit
griechischem und römischem Kultbrauche betont werde, so trägt
Athenaeus und Macrobius. 338
er der Tatsache nicht genügend Rechnung, daß doch Praetextatus
nicht eine erfundene und über irgend einem literarischen Vorbilde
geformte Figur ist, sondern einer der berühmtesten und bekannte-
sten Zeitgenossen des Erzählers (Seeck. Symmach. p. LXXXIII iF.).
Die Absicht, einen großen Teil seines Werkes der Erörterung von
Fragen der Religion und des Kultus zu widmen, verdankt Macro-
bius gewiß nicht der Anregung des Athenaeus; hatte er aber
diese Absicht, so mußte er in den Mittelpunkt seines Werkes eine
Person stellen, die in den religiösen Interessen und Kämpfen der
damaligen Zeit im Vordergrunde stand , und das war eben der
princeps religiosorum (1 11,1) und sacrorum omniiim praesul (I 17,1)
Praetextatus : ich wüßte nicht , was für die Wahl oder die Schil-
derung dieser Person der recht ärmliche Larensis des Athenaeus
hätte beitragen können. Weiterhin sieht Kaibel in der Person
des als ungebetener Grast erscheinenden vorlauten und böshaften
Euangelus bei Macrobius ein Abbild des Kynikers Kynulkos der
Deipnosophisten und erblickt in dem Umstände, daß zusammen mit
Euangelus der Kyniker Horus auftritt (17,3), eine Bestätigung
dieser Vermutung. Aber er unterschätzt dabei die Bedeutung der
festen Tradition und Typik der Symposienliteratur. Wie in diesem
ganzen sISoc von Piaton bis auf das odjittöoiov twv Ssxa Trap^svwv
des Methodius die gebotene Darstellungsform die Wiedererzählung
sei es des Grehörten sei es des Selbsterlebten ist, wie vom plato-
nischen Eryximachos an bis zum Disarius der Saturnalien der Arzt
seinen festen Platz und seine besonderen Gesprächsgegenstände
hat, so hat auch der axXyjtoc des platonischen Gastmahls und seine
Berufung auf den homerischen Menelaos JB 408 die gesamte spä-
tere Symposienliteratur beeinflußt und ist zum nahezu notwendigen
Bestandteil der Rahmenerzählung geworden ^). Im Verlaufe der
Zeit ist diese Figur einerseits zur Repräsentation des störenden
Elementes und taktlosen Gesellen ausgestaltet worden, anderer-
seits fiel dieser Platz beim Philosophengastmahle von selber dem
natürlichen Outsider, dem Vertreter der kynischen Weltanschau-
ung, zu; vielleicht hat Menippos selber in seinem Symposion dem
Kyniker diese nicht schmeichelhafte, aber dankbare Rolle zuge-
wiesen. Daß schon lange vor der Zeit des Athenaeus der Kyniker
als axXY]Toc und Störenfried zur festen Tradition des Symposion
1) Der Chairephon im 'A-cxixöv oetTivov des Matron (v. 9. 98) ist ein be-
rühmter axXTjTö: der Komödie (ApoUod. Caryst. frg. 24, 2 K.). Als axXr^To; erschien
auch Ascouius bei dem in seinem Symposion geschilderten Gastmahle des Apicius,
Suid, s. 'Aiiivcio; Motpxo;.
334 Georg Wissowa,
gehört, zeigt das Auftreten des Kynikers Alkidamas in Lucians
Dialog 2ü{X7rda'.ov t^ Aa^ri^-at ^) , und es ist wohl auch kein Zufall,
wenn es gerade der Kyniker Demonax ist, von dem Lucian Demon.
63 erzählt : lo T^Xeotaiov Ss TjSy] ^TrepYifipctx; cov axÄYjxog =1? 7]v TO/ot.
Trapiwv olxiav iSsiTuvsi xal sxa^soSs. Diesen festen tö;co<; des Sympo-
sionschemas füllt bei Macrobius Euangelus mit seinen Begleitern
aus, und sowohl die schnoddrige Respektlosigkeit des Euangelus
wie die Charakterisierung seiner Begleiter als Arzt und als Ky-
niker haben ihre Wurzeln in einer Überlieferung, die viel alter
ist als Athenaeus. Aus demselben tralaticischen Charakter der
Rahmenerzählung der Symposien, dessen Bedeutung man nicht
leicht zu hoch einschätzen kann^), erklären sich auch die beiden
letzten Stellen , an denen Kaibel eine Benutzung des Athenaeus
durch Macrobius konstatieren wollte. Wenn Avienus bei Macr. II
1,5 die Behauptung, daß die Teilnehmer am Mable des Praetex-
tatus den Genossen des platonischen Symposion sittlich überlegen
seien, mit den Worten begründet quia sub illorum supercilio non
defuit , qui psaltriam intromitü peteret , ut imella ex industria supra
naturam mollior canora dulcedine et saltationis luhrico exerceret inle-
cehris phüosophantes, so führt das Kaibel auf ein Misverständis der
Athenaeusstelle V 188 C 6 ös Sü)%paT7j(; -uivo? X^P^^ '^^'^ aüXyjTpiSwv
ave/ö[j.£VO<; xal toö op)(oo[i.svoo izaiBiq xal xi^apiCovco?, In 8s x'q^ xoßt-
1) Die Berufung auf den homerischen Menelaos, auf den ja auch Euangelus
bei Macr. I 7, 10 anspielt, gehört ebenfalls zum festen Bestände ; das zeigen die
Erörtei-ungen darüber bei Plut. quaest. conv. VII 6 und Athen. V 177 C ff. und
der Umstand, daß bei Lucian conv. 12 die übrigen Gäste zur Abwehr von ^xeTvo
TO xoivdv schon mit andern Homerversen wie dcppafvet; Mev^Xote (H 109) und dtXX'
oux 'AxpeiOT) 'Aya|jie|Avovt -^vootve 9'j(j.oj (A 24) gerüstet sind.
2) Wie dauerhaft die Nachwirkung einzelner Motive des platonischen Sym-
posion war, beweist u. a. die Cena Trimalchionis, deren Beziehungen zur Sympo-
sienliteratur Hirzel, Dialog II 40 nur Hüchtig streift. Ich will an dieser Stelle
nur darauf hinweisen, daß das Erscheinen des Habinnas c. 65 in allen Einzel-
heiten eine Travestie der platonischen Erzählung vom Auftreten des Alkibiades
p. 212 C. D darstellt; man vergleiche den Wortlaut: i^oti'fvr^? r>]v aüXetov ^-ipav
TtpouofAevYjv tioVjv «|»(>cpov zapotayeiv w; x(u|ji.aaT(üv . . . ä'yeiv ouv auxov Trctpd acpa; tt/jv
Te aOXr^xptoa ÖTroX-aißoyaav xai ä'XXou; Tivdi Tuiv dxoXou^iüv xai ^Triat^vai ivX Tdc öupa;
^axecpaviüfA^vov auxov xixxoO "zi xivi axecpdvn) Saaet xal i'cuv xal xaivfas efj^ovxa ItzX x^s
xecpaXr^; rdvu nöXXdc xal stTreiv * dvope« yalpzxt ' (Jieö'jovxa dvSpa Trdvu Gcpdopa o^^gcOe
<i\i[l.^:6'ZT^w u. s. w. <~^ inter haec tricUnii valvas lictor percusait amictusque veste
alba cum imjenti frequentia comissator intravit . . . ille aiitem tarn ehritis nxoris
8uae umeris imposuerat manus oneraiusque aliquot coronia et unguento per fron-
tem in oculos fluente (vgl. p. 21 3 A Trepioipoyfuvov Äfxa xdc xatvfac w; dva^aovxa
ETrCirpoiOe xuiv 'J<pOaX[x(Ijv ^/'3vxa) praetorio loco se posuit continuoque vinum et cal-
dam poposcit u. s. w.
Athenaeus und Macrobius. 335
OTwaTiC vovaiv.öc aTrpsTrto? tö {lopov aTreiTrato; zurück, indem er meint,
daß Macrobius das, was Athenaeus auf Grund des xenophontischen
Symposion ausführe, fälschlich auf das platonische bezogen habe.
Aber ich gestehe nicht zu sehen, wie Macrobius zu einem solchen
Misverständnisse hätte kommen können, da die Worte des Athe-
naeus nicht nur in einem ganz andern Zusammenhange stehen^
sondern auch, wie bereits Hirzel, Dialog II 357, 3 hervorgehoben
hat, eine ganz andre Beziehung haben, als das, was Macrobius
sagen wollte und sagt : die Athenaeusstelle redet nur von Sokrates,
während Macrobius diesen selber ausdrücklich ausnimmt (§ 4) und
seinen Tadel ausschließlich gegen seine Tischgenossen richtet und
ihn damit begründet, daß einer von ihnen den Versuch gemacht
habe (illic Jwc fieri temptatiim est § 6), eine Lautenspielerin hinzu-
zuziehen ; das geht doch ganz offenbar, wenn auch in etwas freier
Wiedergabe, auf die Stelle des platonischen Symposion p. 176 E,
wo Eryximachos die Flötenspielerin hinausweist, die — so ver-
stand es Macrobius oder sein Grewährsmann — auf Geheiß des
Agathon oder eines der Gäste hereingekommen war. Größere Be-
weiskraft scheint auf den ersten Blick einer andern Stelle zuzu-
kommen, an der die inhaltliche Übereinstimmung zwischen Athe-
naeus und Macrobius in die Augen springt. Es handelt sich um
die Beispiele von Anachronismen in den platonischen Dialogen, auf
die sich Macr. I 1 , 5 f . beruft, um es zu entschuldigen, si uni aut
alteri ex Ins qiws coetus coegit matura aetas posterior saeculo Fraetex-
tati fuit, während Athen. XI 505 Ff. diese Frage im Zusammen-
hange mit heftigen Angriffen auf die historische Zuverlässigkeit
Piatons behandelt. Wenn nun Kaibel a. a. 0. S. XXXIII folgende
Stellen einander gegenüberstellt:
7OÜ? TÖV TOÖ IIXdTwvoc ScöxpdT'rjv
{xöXk; 1^ fikmia, aoY^^wpst, 00^ ox;
xai ToioÖToo? eiTücLV tj dxoüaat \6-
70ÜC . . • aXXd (X'rjv oh öovavTai 11 d-
paXoc v.cd Edv^iTTTTOc 01 IlsptxXsooc
otoi [TsXsor/jaavTSc; itj) Xoi[XcT)] Upo)-
laYÖpo^ BicLki'^zGd-'xi, ots Seoispov stts-
Skjjiyjos zcdQ 'A^7jvai(;, ot <7roX>^i<;>
STSOt TCpÖTSpOV TEXsüTTJOaVTSc; <'C^
Xot{JL({)>
so kann man allerdings den Eindruck erhalten, als schriebe Ma-
crobius den Athenaeus aus, wenn auch seine Worte iit htiius pue-
Socrate ita Farmenides antiqiiior,
nt huius pueritia vix illius aäpre-
henderit senectutem, et tarnen inter
illos de rebus arduis disputatiir . . .
Faralus vero et Xanthipptis, qui-
bus Fericles pater fuit, cum Frota-
gora apud Flatonem disserunt se-
cundo adventii Athenis morante,
qttos multo ante infamis illa pesti-
lentia Ätheniensis absumpsit,
336 Georg Wissowa,
ritia rix illius adxwehenäerit senectiitem an Grenauigkeit über das
bei Athenaeus Gebotene hinausgehen. Aber die Sache bekommt
sofort ein ganz andres Gresicht, sobald wir in beiden Texten das
dritte, zwischen den beiden angeführten stehende Beispiel hinzu-
fügen, das Kaibel nur durch Punkte angedeutet hat:
aSovaiov Zk %al ^aiSpov ou {idvov | inclitum dialogum Socrafes habita
Y.az6i SwxpaTYjv slvai, fj itoii y* xal 1 cum Timaeo disputatione consumit,
quos constat eodem saecido non
fuisse.
£pa)[j.£VOV aoTOÖ YSY^^^vai.
Es ist doch wohl klar, daß Macrobius alle drei Beispiele plato-
nischer Anachronismen (Parmenides , Timaeus, Protagoras) einer
und derselben Quelle entnahm, die Athenaeus nicht gewesen sein
kann, da bei ihm an Stelle des Timaeus vielmehr Phaedrus er-
scheint. Das methodisch verwerfliche Verfahren älterer Kritiker,
bei Macrobius einfach Timaeo in Phaedro zu korrigieren, wird heut-
zutage schwerlich noch Verteidiger finden, und wenn man — wo-
zu meines Erachtens kein Grund vorliegt — ein von Macrobius
beim Ausschreiben begangenes Versehen annehmen wollte , so
würde das wieder gegen Athenaeus als Quelle sprechen, bei dem
die zugesetzten Worte t^ ;ro6 72 lp(b[JL£VQV aoroö '^B^o'jB'jai die Person
des Phaedrus völlig sicherstellen und eine Verwechslung mit Ti-
maeus ausschließen. Die Sachlage ist also die, daß aus einem län-
geren Sündenregister platonischer Anachronismen ^) Athenaeus und
der Gewährsmann des Macrobius je drei auswählten, der eine Par-
menides, Phaedrus, Protagoras, der andre Parmenides, Timaeus,
Protagoras. Als Quelle des Athenaeus ist das Werk des Krate-
teers Herodikos Ttpöc töv 4>iXoa(oxpdrrjV gesichert, die unmittelbare
Vorlage des Macrobius dürfte ein älteres Symposion gewesen sein,
in dessen Rahmenerzälilung auch die Frage der platonischen Ana-
chronismen zur Rechtfertigung eigener Verstöße herangezogen
war; daß solche Erörterungen an dieser Stelle wohl am Platze
waren, zeigt auch Athen. V 186 E, der den Epikur tadelt, weil er
in seinem Symposion oh töttov ou xp^vov a^poptCsi. Leider ist es un-
möglich, von dem Inhalt und der Anlage der Quaestiones convi-
vales des Apuleius, die Macr. VII 3,24 erwähnt und die ihm
sicher vorgelegen haben, eine Vorstellung zu gewinnen; nach dem
Zeugnisse des Sidonius ApoUinaris (epist. IX 13, 3) müssen sie in
den Zeiten des Ausgangs der Antike vorbildliches Ansehen ge-
1) Andre Beispiele (Menexenos, Symposion) führt Aristid. or. 4G p. 370 f.
Dind. an.
Athenaeus und Macrobius. 337
nossen haben, und ein Gegenstand wie die platonischen Anachro-
nismen würde zu dem Platoniker Apuleius sehr gut passen. Jeden-
falls scheidet auch für diesen Punkt Athenaeus als Quelle aus, und
damit ist alles, was für die Annahme einer Benutzung der Deipno-
sophisten durch Macrobius ins Feld geführt worden ist, erledigt*
Denn wenn Hirzel (a. a. 0. II 358), allerdings mit der vorsichtigen
Einschränkung 'sobald man überhaupt eine Beziehung des Macro-
bius auf Athenaios zugibt', in der Wahl von Themen wie über
die angemessene Zahl der Graste (I 7, 12) und über die Verwerf-
lichkeit der ludkrae voluptates beim Symposion (II 1,7 ff.) eine ver-
steckte Polemik des Macrobius gegen Athenaeus erblicken möchte ')y
so wird dieser Vermutung dadurch der Boden entzogen, daß diese
— von Macrobius übrigens nur flüchtig berührten — Fragen, wie
Plutarchs quaest. conv. V 5 (vgl. auch IV 3) und VII 9 (vgl. auch
VII 8) zeigen, zum eisernen Bestände der oo[i.7coaiavta TupoßXYJjiara
gehören, so daß ihre Behandlung keiner besonderen Motivierung
durch polemische Rücksichten bedurfte, zumal Macrobius die Notiz
über die Zahl der Gäste bei Gellius (XIII 11) gebrauchsfertig vor-
fand und einfach abschreiben konnte.
1) Daß Macr. I 2, 12 mit Bezugnahme auf Athenaeus einen Tadel des Redens
über Essen und Trinken (d. h. der Erörterung culinarischer und verwandter
Fragen) ausspreche, ist nicht richtig; die Worte narrabo nutem tibi non cibum
aut potum, tametsi ea quoque ubertim casteque adfuerint, sed et quae vel in con-
mviis vel maxime extra mensam ab isdem per tot dies dicta sunt, in quantum
potero, animo repetam besagen doch nur, daß der Berichterstatter von den gebo-
tenen Genüssen an Speise und Trank nicht erzählen wolle, sondern nur von den
gepflogenen Gesprächen; diese selbst aber behandeln im 7. Buche sehr ausgiebig
auf Essen und Trinken bezügliche Fragen.
Eine byzantinische Recension Plutarchischer Schriften.
Von
M. Pohlenz.
Vorgelegt in der Sitzung am 20. Dezember 1913 von F. Leo.
Im Jahre 1867 machte Max Treu in dem Grymnasialprogramm
von Jauer de Plutarchi libellis qui in codice Tischendorfiano VII
insunt auf eine Leipziger Handschrift aufmerksam, die außer anderm
Plutarchs Schriften de profectibus in virtute (im Corpus Planudeum
und der in dieses aufgenommenen Sammlung der eigentlichen Mo-
ralia Nr. 3) und de curiositate (Nr. 10) enthält. Die Überlieferung
schien ihm in beiden Abhandlungen sehr verschieden. Während
nämlich der Text in 10 recht schlecht sei und Interpolationen
zeige, sei der von 3 so vorzüglich, daß der Codex unter die besten
Textzeugen gerechnet werden müsse. Dem Urteil über 3 pflichtete
Hercher bei und zog daraus die Folgerungen in seiner ersten Aus-
gabe des ersten Bandes der Moralia. Anders urteilte Bernardakis
(I praef. XXXI), Er gewann die Überzeugung, der Text sei in
3 und 10 sowie in der Abhandlung de adulatore et araico (7), die
in dem mit dem Lipsiensis eng verwandten Parisinus 1211 (cf. Treu
de codicibus nonnullis Parisinis Plut. Moralium Jauer 1871 S. 5 ff.)
mit 3 und 10 verbunden ist, aus derselben Quelle geflossen. Diese
Quelle sei vortrefflich, aber doch nur mit Vorsicht zu benutzen,
da es an Interpolationen nicht fehle.
Für die kritische Ausgabe der Moralia, die demnächst in der
Bibliotheca Teubneriana zu erscheinen beginnt, hat W. R. Paton
die Bearbeitung der Schriften 3 und 7 übernommen, während mir
de curiositate zufiel. Wir kamen beide bald zu der Überzeugung,
daß in diesem Falle Bernardakis theoretisch richtiger geurteilt hat
als Treu, der die Überlieferung noch nicht genügend überschauen
M. Pohlenz, eine byzantinische Recension PlutarcWscber Schriften. 339
konnte, daß er aber die Bedeutung dieser Überlieferung noch weit
überschätzt und ihr praktisch besonders in de profectibus viel zu
großen Einfluß auf die Herstellung des Textes eingeräumt hat.
Der Text der drei Abhandlungen 3. 7. 10, wie er uns im Lipsien-
sis, Paris. 1211 und andern Handschriften vorliegt, stammt tat-
sächlich aus derselben Quelle. Diese Quelle ist eine byzantinische
Recension etwa des dreizehnten Jahrhunderts, die einen Text für
den höheren Unterricht liefern wollte und Plutarchs Worte nach
ihren Bedürfnissen willkürlich zurechtstutzte. Für die Plutarch-
ausgabe kommen daher ihre Lesarten nur da in Betracht, wo sie
aus der noch nicht interpolierten Vorlage stammen oder eine
richtige Conjectur enthalten.
Da wir nach diesen Grundsätzen bei der kritischen Ausgabe
verfahren und die Recension — wir nennen sie A — in de curio-
sitate nur in ganz seltenen Fällen und auch in den beiden andern
Abhandlungen nur teilweise erwähnen, so sollen hier die Beweise
für die Richtigkeit unseres Urteils vorgelegt werden. Ich gehe
naturgemäß zunächst von de curiositate aus, benutze aber dabei
stets das Material, das Paton aus 3 und 7 mir zur Verfügung
stellt, und überhaupt gehören die folgenden Ausführungen inhalt-
lich im selben Maße Paton wie mir.
Zunächst gebe ich eine Liste der Handschriften, die diese
Recension enthalten:
3. 7. 10 stehen in
Laur. 56, 3 s. XV. Bandini II S. 295.
Paris. 1211 s. XIV. Treu de codicibus nonn. Parisinis Jauer
1871 S. 5.
Vat. 1534 A s. XIV. Försters Libanius I p. 336
Vat. 2243 s. XIV. Förster I p. 281,
3. 10. 7 in
Laur. Redi 110 s. XV. Vitelli Studi italiani I S. 220. Wege-
haupt Plutarchstudien Progr. Cuxhaven 1906 S. 30,
3. 10 im
Tischendorfianus VII s. XIV. Treus S. 338 genanntes Pro-
gramm,
10. 3 im
Vaticanus 199 s. XIV. Wegehaupt a. a. 0. S. 19. Försters Li-
banius II p. 200, Haase Serapeum XII S. 159 n. 126. Aischinis
ep. ed. Drerup p. 7,
10. 7 im
Harleianus 5660 s. XV. Drerup Isokrates p. XXXII,
Vaticanus 2250 s. XV,
340 ^^- Pohlenz,
10 in
Berol. gr. 1617 (Verz. d. griech. Hdschr. I S. 92).
Das sind alles Miscellanhandschriften. Daneben ist die Re-
cension auch in eigentliche Plutarchhandschriften eingedrungen;-
Matr, N 60 s. XIV, gehört zur Planudesrecension, aber jeden-
falls in 10 zu A^),
Neapel, gr. 350 III E 28, s. XV, Wegehaupt S. 25. Conta-
minierter Text, in 10. 7 (diese so zusammen) zu A,
Vatic. 1012 s. XIV, vgl. Wegehaupt S. 22, Text aus verschie-
denen Vorlagen, in 3. 7 (so zusammen am Anfang des zweiten
Teiles) zu A.
Teilweise sind die Lesarten der Recension aufgenommen in 7 in
Bern. 297 s. XV. Hagen I S. 315,
Berol. oct. gr. 15 s. XV, Verz. d. griech. Hdschr. II S. 226^
ebenso in 10 und 7 im
Ottob. 286 s. XVI/XVII, Feron-Battaglini S. 156,
Riccard. 86 s. XV/XVI, Vitelli Studi italiani II S. 529, beide
Male unter Contamination mit dem Planudestext ^*).
Endlich ist 3 im Ambr. 859 (C 126 inf.), dem Stammvater der
Planudeshandschriften, später nach A corrigiert.
Dagegen gehören nicht zu dieser ßecension nach den Proben,
die ich habe, Laur. 57, 29 und Rice. 49, obwohl sie auch die Folge
7. 10 und 3. 10 haben.
Zwei Punkte verdienen hier gleich hervorgehoben zu werden.
Einmal läßt wohl die Tatsache, daß diese Textgestalt nirgends vor
dem vierzehnten Jahrhundert, dann aber sofort in einer großen
Anzahl von Handschriften auftritt, einen Wahrscheinlichkeitsschluß
auf den Zeitpunkt zu, wo sie entstanden oder jedenfalls zuerst
aufgetaucht ist. Zweitens ist es recht wichtig, daß sie uns ganz
vorwiegend in Miscellanhandschriften begegnet und offenbar von
da aus erst in die reinen Plutarchhandschriften eingedrungen ist.
Interessant ist dabei, daß die drei oder zwei Plutarch Schriften uns
meist in ganz bestimmter Verbindung mit andern Autoren begegnen.
Auf die Plutarchschriften 3. 7. 10 folgen nämlich unmittelbar
Aristides' Panegyricus in Kyzikos, das Sendschreiben und die
1) Er bringt die Schriften in der Folge 10. 7. 3. Für 7. 3 ist sein Text
nicht nachgeprüft.
2) Umgekehrt hat der Harleianus oft die Lesarten der Vulgata von erster
Hand am Hände.
eine byzantinische Recension Plutarchischer Schriften. 341
Palinodie über Smyrna (27. 19. 20 Keil) in Laur. 56, 3 Vat. 1534 A
2243 Tisch. 1).
In beiden Vaticani treten dazu Libanius' Legatio Menelai,
TT. aTT^Yjariac, ;rpoa'f(ov'/jVTi%6c looXtavij) und Briefe (collectio Lacape-
niana). Diese stehen auch im Sinaiticus, der ursprünglich mit dem
Tischendorfianus eine Handschrift bildete (Tischendorf Wiener
Jahrb. 1845 vgl. Förster Libanius I S. 335). Laur. 56, 3 hat diese
Schriften nicht, dafür außer grammatischen Abhandlungen, einem
Fragmente von Demosthenes' tu. TuapaTupsoßsiac und anderen
Schriften Epigramme und Briefe wie Vat. 1534 A, unter anderen
Brutusbriefe, die auch in diesem stehen, andrerseits die Vita Li-
banii des Eunapius, die auch im Vat. 2243 sich findet.
Libanius' Briefe treffen wir neben den Plutarch Schriften
auch im Kiccard. 86, der sonst nichts enthält, sowie im Vat. 199,
hier neben der Legatio Menelai, seiner {lovtpSta ItuI 'looXtavtp und
ItcI Nixo[i.Y]S£ia, zu denen vonAristides wieder die Palinodie über
Smyrna, diesmal mit der Monodie über Smyrna und der Rede
xaia Twv iiop5(ou{iev(ov, ferner außer anderm einige andre Schriften
Plutarchs und Schriften Lukians treten.
Mit Libanius' Apologie und Schriften von Lukian und
Aristides (sowie Piatos Phaidon, Demosthenes' Kranzrede
und christlichen Autoren, z.B. Basilius) verbinden sich Plutarch
10. 7 in Vat. 2250. Aristides' de rhetorica Xöyoc i:pmo<; tritt
auch im Rice. 49 zu Plutarch.
Im Vat. 1534 A steht noch Basilius' Rede de legendis libris
gentilium. Mit dieser und mit Plutarch 10. 7 finden wir im Har-
leianus 5660 Isokrates ad Nicoclem, ad Demon. und Nicocles
zusammen. Granz eng verwandt mit diesem Harleianus ist Laur.
57, 29, der von Plutarch (7. 10) und Isokrates dieselben Schriften
bringt, dazu Dialoge Lukians, die olynthischen Reden des De-
mosthenes sowie Epigramme, aber merkwürdigerweise (jedenfalls
in 10) nicht den Text der A-Recension angenommen, sondern den
Vulgatatext des Planudes vorgezogen hat.
Abseits steht Par. 1211, der außer den Plutarch Schriften Ho-
milien, Verse und die Grammatik des Planudes hat. Aber
wenigstens diese Grammatik treffen wir im Laur. 56,3 wieder^).
1) Tisch, gehört also, obwohl er 7 ausläßt, ganz eng mit den drei übrigen
Handschriften zusammen.
2) Laur. Redi 110 hat 3. 10. 7 für sich und dann (von anderer Hand) Plut.
de Alexandri und de ßomanorum fortuna, Ottob. 286 enthält nur Plutarch 3. 10,
Berol. 1617 hat 10 inmitten aller möglichen Excerpte und Schriften, Berol. oct. 15
Kgl. Ges. d. Wiss. Nachrichten. Phil.-hist. Klasse. 1913. Heft 3. 23
342 M. Pohlenz,
Ich denke, dieser Überblick legt von vornherein den Gredanken
nahe, daß wir es hier mit Zusammenstellungen zu tun haben, wie
wir sie auf griechischem wie auf römischem G-ebiete im Mittelalter
oft genug treffen, Zusammenstellungen, die für die Zwecke des
höheren Unterrichts Schriften beliebter Autoren vereinigen, in
sich dabei aber natürlich je nach den Neigungen der benutzenden
Lehrer variabel sind^).
Für den Text Plutarchs erweckt diese Herkunft nicht großes
Vertrauen. Das enthebt uns aber nicht der Pflicht ihn genau zu
prüfen. Um eine sichere Grundlage zu haben, habe ich de curio-
sitate in Tisch. Par. 1211 Vat. 1534 A 2243 Harl. vollständig
collationiert, eine Collation des Berol. 1617 verdanke ich Nach-
städt, von den übrigen habe ich mir die Lesarten an einer Reihe
von wichtigen Stellen besorgt. Für de ad. et amico hat Paton
Paris. 1211 vollständig, Harl. Vat. 1534. 2243. 2250 Ott. Berol. 15
Bern, teilweise, in de profectibus Paris. 1211 und Tisch, vollständig
verglichen. Die Abweichungen dieser Handschriften unter einander
sind so gering^), daß wir im Folgenden ganz davon absehen und
einfach mit dem A-Texte rechnen können, der sich überall mit
voller Sicherheit herstellen läßt.
Wenden wir uns diesem nun zu, so sei zunächst gleich auf
eine Eigentümlichkeit hingewiesen, die deutlich zeigt, daß der
Text für bestimmte Zwecke bearbeitet ist. Wie nämlich unsre
castrierten Schulausgaben Stellen weglassen, die an die geistigen
Fähigkeiten des Schülers oder Lehrers zu hohe Anforderungen
stellen oder sonst Anstoß erregen, so finden sich auch im Texte
unsrer Recension Lücken, die nur durch bewußte Streichung her-
vorgerufen sein können. So fehlt in de curiositate 3 III p. 337, 20
Bern, der für den Zusammenhang entbehrliche Hexameter ivd-a y^
jcoo otacpaivsO"' at' h zoTrpiiQ {j.ia xpi^KJ vollständig, in c. 7 p. 343, 21
die Verse bIzöl \loi oxdTüTüov spst,
k^' oic Ys^övaaiv ai StaXoaetc' xaöta Y^p
TüoXoTTpaYiiovcüv vuv 6 7ca'cdpaT0(; Tcspuratsi^)
Plutarchschriften nebst einer griechischen Übersetzung von Ciceros Cato maior,
Bemensis 297 hat 7 allein nebst Excerpten und Thukydidesreden.
1) Eine lehrreiche Parallele liefert in mehr als einer Hinsicht das von Tafel
Die Überlief erungsgeschichte von Ovids Carmina amatoria verfolgt bis zum II.
Jahrhundert München 1910 nachgewiesene Corpus, in dem Ovids Amores oder
andere Liebesgedichte mit anderen heidnischen und christlichen Gedichten ver-
einigt waren.
2) Zu beachten ist dabei, daß Berol. 15 Bern. Ott., wie gesagt, die Lesarten
der Recension nur zum Teüe aufgenommen haben.
3) zoXu7:pa7(j.ovtöv vjv, wie Emperius herstellte, haben Ambr. C 195 (I) und
Vat. 1309 (K), die übrigen vyv TToXuKpaYJjLovuiv.
eine byzantinische Recension Plutarchischer Schriften. 343
mitsamt dem einleitenden Xsycov, und ebenso ist in de ad. et am. 27
(I p. 164 j 17) aXX' 0 xi oi sioaito ysXouov 'ApYstoiatv gestrichen. Aucli
das Fehlen des ganzen Satzes ooSs ^ap xb oovstSsvat xolq (pikoK; zol
alo/pd, TTÖ^-sv 7s §7j xb oo[JL7:paTT£iv %al aovaaxi^{J-ov£iv aipstöv lortv (ib.
23 p. 155, 23 — 6) oder eines Passus wie Äp)(ö[xsvot — (ScTuoTi^svTat, de
prof. 10 (I p. 196, 3—5) ist gewiß nicht durch bloßes Schreibver-
sehen zu erklären, da jeder äußere Anlaß zum Ausfall fehlte.
Freilich sind die Grründe, die zur Weglassung bestimmt haben,
hier nicht für uns zu erkennen. Klarer liegt die Sache de curios.
7 (III p. 342, 22). Dort bieten die meisten Handschriften: ^dps
YÄp "Hpö^iXov Tj 'EpaaioTpaxQy y) töv 'AoxX'^TTtöv aoröv, ot' f^v av^pwTuof?,
M^^ovia xoL ^apjxaxa %äl xä op'{avoL, v.olx'' oixiav 7:aptord[J.£Vov avaxpivstv,
\Lri xi<; s/£t oopiYVa Trspl SavtTÖXtov 7] yovy] Ttapxtvov Iv oaripoj. Wenn
hier A nicht bloß iv ootspo^ wegläßt, sondern auch SaztuXtov (6 6s
öaxToXio«; ivtspoo [i.sv tsXoc oSö? ös twv 1% xoiXiac TuspitTcöv Pollux
II, 210) in 8d*/tToXov ändert, so ist die Ausgabe in usum Delphini
wohl nicht zu verkennen (so schon Treu). Amüsanter ist noch
eine Stelle in de ad. et am. 32 (I p. 171,26): TjZtOTa ös TupsTüsi Ya-
jjLstfjC dxooo6o'/]c; avöpa Ttal ;üai§(oy Iv ot|>ei Tuatspa xai lpaoTY]v IpcojJL^voo
^apövuo? 7] Yvwpi»i(dv §t§doxaXov d;ro%aX6;rT£iv * s^tatavTaL y^^P ^'^o Xu^üy];;
7cal öpY'^? iX£YXÖ[j.£voi Tuap' oic £?)ooxt[j.£iv d|ioöaiv. Denn wenn hier
in A die Worte Y; 'i'Ji^pi\L(ü'j öiSaoxaXov fehlen, so sieht darin Paton
gewiß mit Recht das Werk des humorlosen Schulmeisters, der die
Gefährdung seiner Autorität befürchtete.
Prüfen wir nun den Text der Recension im ganzen, so ist auf
den ersten Blick d'eutlich, daß dieser aus derselben Quelle stammt
wie unsre sonstigen Handschriften. Um nur einen Fehler zu er-
wähnen, den er mit dieser gemeinsam hat, lesen wir auch hier in
de curios. 1 (p. 335, 6) oaoov uSwp vcai' 'AXtCövog tj öpoöc a[i^l tcs-
TTjXa. Daß dieser Vers corrapt ist, zeigt das Fehlen der Cäsur.
Deshalb ist sehr bemerkenswert eine Variante, die sich in Marc.
427 und in 250 findet, wo die Stelle freilich nur auf einem jungen
Ersatzblatte in einer mit 427 eng verwandten Gestalt steht. Dort
ist nämlich nach 'AXiCövoc eingefügt shp^yopoio, und es könnte wohl
bei dem Dichter etwa gestanden haben:
^ooov o§<öp xat' 'AXiCövoc £opo/öpoio,
Tj §ptjöc o,\Lrpl 7r£T7jXa . . .
Aber solange wir mit 'AXiCövoc nichts anzufangen wissen ^), bleibt
das natürlich unsicher.
1) An sich kann sehr wohl hier der Name einer stark bewässerten Talland-
^chaft stehen.
23*
344 M. Pohlenz,
Innerhalb unsrer Überlieferung gehörte die Vorlage von A in
10 zusammen mit den voitreiiliehen Handschriften G (Barb. II, 3),
X (Marc. 250), I (Ambr. C 195 inf.), K (Vat. 1309). So bieten
A G X I K 337, 25 xaitoi to 75 (vtaiiot 75 tö rell.), 343, 16 jiäXXov
IpißXeTrouöL (ipißX. [xaXXov rell.), 344, 8 oöSs jrapsXfjXoO-ag (06 Trap. rell.),
354, 19 Y£vsodat (Ys^sv^odai rell.). Mit G X bietet A außer 336, 8
TcoXoTüpaYfxovwv (7roXo7:pdY[i.()i)v rell.) besonders das von Heiske mit
Recht geforderte IxTCTwostc r^V£[i.oviü)v 341, 3 (rj7e[j.öv(üv rell.). Auch
das von Treu hervorgehobene jJLYjxavTJoaa^ai am Anfang der Schrift
(334. 6) ist eine alte Variante für IpYaaaoö-ai, die A mit G und K
(der aber am Rande von erster Hand auch ip^daac^ai bietet) ge-
mein hat ^). Daß endlich G in 10 der nächste Verwandte ist, zeigt
außer der Form '/caTavTjXwas 340, 5 besonders c. 15 (p. 353, 7), wo
G A lesen : zob<; 8zG\i.ob<; loic ööoöat SiaßLßpcoaxovTsc, während alle
übrigen die Stellung tote öSoöot tou? Ö£0[j.o6c S. bieten. Endlich sei
hier noch der Schluß von c. 11 (348, 21 ff.) besprochen: woTrsp Y^p
oE dsTol xal Ol XsovTsc ^v iq) TrepiTratsiv aoatpecpoootv siao) loug oW/ac,
iva [J.7] TTjv ax{iY]v auTcöv xal t'?jv o^oTYjTa xaiaTpißwaiv, ootcd x6 ttoXu-
:rpaY[i&v toö (piko^oL^ob<; dx{j.fjV xiva xal OTÖjj.wjj.a vo[j.iCovt£(; eysiv [it]
xaTavaX'loxwjisv [itjS' d7üa{j.ßX6vw[X£V iv loig d^pnjaTotc- So bietet den
Schluß der Stelle richtig G. In X ist im letzten Worte das a
ausgefallen und sv loio/pYjaTot? geschrieben. Dieses Versehen hat
in den übrigen Handschriften zur Corruptel /eiptaroi? geführt. Nur
in A ist noch das richtige d/p'/jaroK; bewahrt, das außerdem sich
bloß als Variante in A findet und in X durch die kritische Be-
arbeitung des Correctors X^ hergestellt ist^). Außerdem war u.yj§'
dÄa[JLßX6v(ü|j.£v nach xaxavaXtoxwixsv im Archetypon der Handschriften
ausgefallen und fehlt deshalb in einem großen Teile von diesen
(den beiden Moscuenses, dem Florentiner Palimpsest, C * Vind. al.),
im ersten Moscuensis ist es an richtiger Stelle eingefügt und steht
dort auch in G X K I, während A und D, denen ßernardakis folgt,
es fälschlich am Schluß nachtragen.
Dasselbe Manuscript war die Vorlage von A üi de adulatore
et amico. Hier tritt die Verwandtschaft mit G sogar noch viel
stärker hervor, und hier liegt die Sache so, daß A, wo es seine
Vorlage wiedergibt, zu den besten Zeugen der Überlieferung gehört
und der Text häufig auf G A basiert werden muß und in manchen
1) Richtig ist aber fjLT|yavr^aaaöcii nicht, da dieses nicht neben dem Objekt
einen Prädikatsaccusativ zu sich nimmt.
2) Unsicher ist der Florentiner Palimpsest (L). Nach der für mich ange-
fertigten CoUation von Mose. 1 müßte auch dieser dryo/^i-coic liaben, doch bedarf
die Stelle der Nachprüfung.
eine byzantinische Recension Plutarchisclier Schriften. 3^
Fällen, wo G Versehen hat, gezweifelt werden kann, ob hier nicht
A allein aus Überlieferung das Richtige hat. In de profectibus
dagegen stammte die Vorlage von A selbst schon aus einer Re-
cension, deren Lesarten besonders im Parisinus 1955 (C) und im
Venetus X von den Correctoren C^ X^ eingetragen sind. Auf das
Vorlegen von Einzelstellen können wir hier an dieser Stelle ver-
zichten, da diese Lesarten im Apparat Berücksichtigung finden
müssen und der erste Band der Moralia, der diese beiden Ab-
handlungen enthält, schon demnächst erscheinen wird.
Die Recension, aus der die Vorlage von A in de profectibus
stammte, war von einem tüchtigen Grelehrten gemacht, und seine
Conjecturen sind es, die vor allem in de profectibus in modemer
Zeit Beifall gefunden haben. Aber auch in 7 und 10 sind es fast
ausschließlich die aus der Vorlage von A stammenden Lesarten,
die seinen Ruf begründet haben, weil man sie fälschlich für Sonder-
lesarten dieser Recension hielt. Unser Urteil über diese muß aber
natürlich von den zahlreichen Varianten abhängen, die sich aus-
schließlich in ihr finden. Absehen werden wir dabei von den zu-
fälligen Verschreibungen (wie la jidv lauiv aizb (pO-övoo xaxa %epa
für Ttay.a X£L[j.£va de cur. 1 p. 335, 13) wie auch Weglassungen.
Diese sind allerdings so zahlreich, daß man auch abgesehen von
den schon vorhin S. 342 berührten Fällen häufig an eine Absicht,
sei es auch nur die der Kürzung, glauben möchte, besonders wenn
es sich um das Weglassen der Hälfte eines zweigliedrigen Aus-
drucks handelt^). Jedenfalls tritt uns diese Eigentümlichkeit in
allen drei Schriften in derselben Weise entgegen, sodaß sich auch
darin die Einheitlichkeit dieser Überlieferung zeigt. Um einige
Beispiele anzuführen, fehlen in de ad. et am. 2 (I p. 119, 19) ts
Ttal 7üpaY«j.dT(ov nach oixwv, 3 p. 123, 1 av [i.yj 7üaps/(ö{i£V, 9 p. 129, 5
v.al aovfj^eiav nach §i' ojJLtXiav, 11p. 133, 11 der zweite Teil des
Verses o §tj ptYiorov oScoSsv, 13 p. 137, 25 t^c avata^-Yjoiac, in de
prof. 5 p. 188, 11 potSiooc töv aXov %al zwischen StaXöwai und tt]v
aÖY][JLOviav, 9 p. 193, 27 v.cd T£to(po)[i£vov, 10 p. 194, 21 sxaorov, p. 195, 1
%al axpoatwv nach litai'^BzöiiV, 12 p. 200, 13 zal aXoYOV nach ^avtaart-
%öv und 16 6 vö'aoc, 14 p. 204, 7 (piX£lv >cal vor a^aizöLy , endlich in
de curiositate z. B. in c. 9 III p. 345, 17 %al Ypd{i[JLaTa %al o^paYtSa?
nach iTctotoXac; und 27 %a\ Juapa^poaovYjc nach ptavCac, 12 p. 349, 3
za6-d7r£p y£ipl z^ izepispY^^ nach ixyjSs twv Ivtö? l7üiSpdir£0^at und v. 20
%al :r£piaYO[t^voo<; nach tpa^'^XtCoasvoo?, 351, 26 £i? aTuavua. In c. 10
1) Teilweise können auch die nachher zu besprechenden rhythmischen Gründe
mitsprechen.
346 ^I- Pohlenz,
schreibt Plutarch : .Wenn jemand sich aus den Schriften der Alten
die schlechtesten Stellen aussuchen wollte, 7.7rps;rTj? 7.al avw^eXrjc
6 dY]oaüpto{iö? aoTOö -cwv aXXorptwv a{xapTir]{j.dT(j)v'. So lesen tadelfrei
die meisten Handschriften. Die interpolierte Überlieferung von D
und der 6-Klasse (Brux. 40 Ambr. Q 89 Ven. 511), der ßernar-
dakis folgt, bietet schlechter drjoaopöc aoroö (0 aoicj)) ys[j.(idv aXXotpiwv
a(jLapTY][j.a'C(ov. A hat auch -O-Tjoaopö? aoToö, läßt aber die drei letzten
Worte einfach weg.
Der wahre Charakter von A tritt aber erst da zu Tage, wo
zweifellos bewußte Abweichungen von der Vulgata vorliegen.
Verhältnismäßig harmlos ist es dabei, wenn de curios. 8 p. 344, 17
6 Twv Oooptwv voixo^err^c: zum Gesetzgeber der Tyrier gemacht wird
oder wenn mehrfach die Stellung des attributiven Grenetivs ge-
ändert wird (z. B de ad. 10, I p. 131,8 tö toö xöXay.oc oö'^'.o{j.a für
TÖ oöfptofxa Toö % , de cur. 3 p. 338, 23 6 toö 7roXo7rpaY{j.ovo? voö? für
Toö icoX. 6 voöc, 9 p. 345, 20 r^c toO ßaotXsöx; IiciotoX-^c; für t^? Itti-
otoXtJc toö ßao.). Ebenso wird es nicht wundernehmen, wenn im
Homervers de prof. 11 p. 199, 21 oox' ^/fpovi 'fwil iotxa? das pro-
saische dv§pl eingesetzt ist oder wenn gelegentlich eine Partikel
zugefügt wird. So setzt A de cur. 4 p. 339, 12 in xd yap TJStata
xal xdXXtaxa twy ßaaiXswv s^w ;rpöy.£iTai mit Rücksicht auf das fol-
gende el Ss ein [j.sv vor ^dp ein, und das Gleiche findet sich noch
viel öfter in den beiden andern Schriften. In de profectibus zählt
Paton acht Eälle, wo ein solches [jiv interpoliert ist (z. B. I
p. 203, 11, wo für -dvxa^ 72 ein Tudviac {Jiv eingesetzt ist), in de
adnlatore sechs. In c. 8 schildert Plutarch plastisch den Eifer
des Neugierigen, der nach der Stadt kommt und jeden Bekannten
stürmisch ausfragt — 00 [jltjv dXX' dv ^isv zu; £•/•(] zi toioötov ct:reiv,
xaiaßdc oLnb loö itttcoo Ss^twadixsvoc xata^tXiijoa«; ioTrj/,£v dxpowji.svoc.
A hat hier das malende dreigliedrige Asyndeton ^) nicht verstanden
und fügt %al vor %aTa'^iX-/joac zu, das von da aus seinen Eingang
in die Ausgaben gefunden hat.
Wichtiger ist die Stelle, die im Anfang von c. 8 unmittelbar
vorhergeht. Da heißt es p. 344, 1 von den Neugierigen: £i<; tö
d6iY[j.a %al TTjv d^opd-v y.al touc Xi(xsva? wO^oöviai. Das Wort osiYfJ-a
hat den Byzantinern, denen die Bedeutung ^ Warenbörse' unbekannt
war, viele Schwierigkeiten gemacht. Während daher die alten
Handschriften (Palimpsest L und Paris. C, ferner X^ XJrb. 98 Y W
Mose. 2 und wohl auch 1 von erster Hand) das Wort unangetastet
1) Vgl. etwa de ad. 20 (I p. 150, 4) ti |xtj />av8avo(j.ev soiutou; iTTil) j|j.oOvtc;
eine byzantinische Recension Plutarchischer Schriften. 347
lassen, findet sich im Mazarineus am Eande die Conjectur oifiai
ß'^[ia ^£ö)y, und diese Worte sind in Ss (Vat. 264 und 1212) in
den Text gedrungen, sodaß dort steht S£iY{xa oI^oli ß'^fxa dswv %al
TTjV etc. Der engste Verwandte dieser Handschriften D hat einfach
die Conjectur jSfjjia eingesetzt und dieselbe findet sich dann in I K,
der 0 -Klasse, sowie im Moscuensis von zweiter Hand und dem-
entsprechend im Planudeum. A dagegen hat eine andre Conjectur,
TÖv S'^ji.ov, die auch von dem Corrector von C und X aufgenommen ist.
In c. 2 p. 337, 1 bieten G W (Vind. 73), 0 und das Planudeum
nach der zweiten Hand des Moscuensis: xal 'ApiattTUTuoc '0Xo[i,7rtdoiv
'I(3)(0{JLa/(5) aü[j-ßaXü)v '/jpwia zt ScoxpaTYjc SiaXsYÖjJLsvoc ootcö zobq vsoü?
d'.ot.zid"fiGi. Für vsooc, das vortreiFlich die empfängliche Jugend be-
zeichnet, haben L C^ X YM (Mose. 1) N (Mose. 2) sowie Maz. S und
andre die leichte Corruptel d-soo? oder ^soo?. Daraufhin ist einmal
die Conjectur xoac 'A^'/jvaioog gemacht worden (IK Marc. 427 D
und danach ßernardakis ^)) ; hübscher ist zodq d-^azd^, das in A steht
und tatsächlich, wie Treu im Anschluß an Wyttenbach zu Mor. 41a
hervorhebt, der Bedeutung ^Hörer' gelegentlich nahe kommt, frei-
lich aber doch dann nur den Hörer einer Epideixis, nicht den
Gesprächspartner des Sokrates bezeichnen könnte. — In c. 12
p. 350, 8 hatte die Vorlage von A gewiß wie die meisten Hand-
schriften : o^sv Ixsivo [Jvsv ^ebBoQ kozi, zb AYj{iöxpiTOV izo'jotco? oßsoai
Ta<; o^B'.Q aTüspsioajisvoy sie iooTUTpov Tropw^sv Ttal tyjv octü' aoTwv ava-
VvXaatv d£^a[j.£vov. Mit Recht nahm der Urheber der Recension hier
Anstoß, änderte aber an falscher Stelle, indem er ahzoü für aotwv
einsetzte, das wegen des Hiates unmöglich ist. Das Richtige bieten
G I K mit sGonzpoL Tuopw^svTa (X hat saoTccpov, aber hinter TEopoD^ev
eine Rasur von 2 Buchstaben, also ursprünglich wohl auch Tropco-
'^8VTa)'0. — Interessant ist auch eine Stelle im letzten Kapitel.
Dort heißt es in den meisten Handschriften p. 354, 2: coia%ooaTä<;
jjLSV ouv Tzpöizoq sax-v ö vsoc Aapeio?. Daß hier vso^ nicht die scharfe
Bezeichnung des Regenten gibt, die man erwartet^), hat der By-
zantiner ganz richtig empfunden, aber sein jrpwTo? wird niemand
1) Ein Gegensatz zwischen Olympia und Athen ist von Plutarch natürlich
nicht beabsichtigt.
2) An saoTtTpa rupwö^vx«, wofür Diels in den Vors.^ eaoTtTpov -upl avTixeSsv
mit unzulässigem Hiat (und wohl auch zu schwachem Sinn) bietet, ist kaum An-
stoß zu nehmen. Gedacht ist an Hohlspiegel, von denen Plutarch de facie 937 a
sagt: xä 'AoX\a xtöv ^ooTcrptuv e^TOvcoT^pctv Trotet xfjS 7:porjyou{^.£VTj; auyTJ? Trjv dvaxXw-
fA^vTjv, wöxe xal «pXdya; ötvaTrifjLTceiv TcoXXctxts.
3) jDarius minor*, das die Übersetzungen bieten, paßt schon deshalb nicht,
weil es drei Herrscher des Namens gab. AvTt'yovo; 6 y^pwv ist anders zu beurteilen.
348 ^^- Pohlenz,
annehmen. Um so einleuchtender ist die Lesart von Gr, der auch
sonst nicht selten aus einem Seitenkanal allein das Ursprüngliche
bewahrt hat^), 6 vöO-o? Aapsloc (über diesen Beinamen des zweiten
Dareios vgl. Swoboda in der Realencyclopädie IV, 2200), zumal
dabei auch die Verderbnis zu N€OC sich leicht erklärt^). Unmittel-
bar darauf hat A das durch v. Dionis 28 gesicherte tooc §s Trpooa-
7töY.i§ac aus begreiflichen Gründen durch tooc §s TrpoaaYWYsa? ersetzt*).
Endlich sei wenigstens eine Stelle aus de adulatore angeführt.
Dort hat A p. 158, 28 ff. : outw? 6 rpikoQ, av ziq t) SaTrdvTjV t] zivSovov
7j ;rövov s'/ooaa ypsiv. zaTaXa{j.ßdvirj, TupöjToc ä^iot xaXsioi^at, offenbar
aus der Vorlage, da auch Gr W a^iol bieten, während alle übrigen
a^twv richtig haben. Der Redactor von A zog daraus die Con-
sec[uenz und änderte auch im Folgenden: ottoo Sb Tüpdasottv ala/ovY]
{J.ÖVOV, lav xal (psiSso^at 7rapaL'uo6[i.£voc in TrapaiTsttai.
Die Conjecturen von A, die wir bisher besprochen haben,
waren unrichtig; aber die Art, wie der Byzantiner an Lesarten
seiner Vorlage Anstoß nahm und sie zu bessern suchte, zeugte
jedenfalls von gewissem Scharfsinn und Überlegung. Es ist zu
erwarten, daß einem solchen Manne auch gelegentlich eine wirk-
liche Verbesserung gelang. Hierhin rechne ich in de curios. be-
sonders in c. 10 (346, 14) : lato? av aoT(|> xb TrpäYfia ;rpooataiY], wo,
1) Eine große Anzahl von Belegen wird der erste Band der Moralia bieten.
Sonst führe ich an de coh. ira 2 (III p. 181, 13) ucp* exipou Suax^xo; 6 öufxo; Av
(die übrigen mit Hiat ucp' etepou 6 öu{ao? 6. wv), 6 (p. 186, 5) (5-/^öy)v (= S ^, die
übr. ay^olri^), ^^ (1^4:, 2) 2a-6pou toü SafjLt'ou wie Stobaeus 20, 58 (toü }La{x{ou fehlt
sonst), de frat. am. 13 (259, 5) dveXei^epov aTt|j.ov (oct. dveX. die übr., vgl. nachher
iXeu&^ptov evTiftov).
2) Erst bei der Lesart vd&o; tritt hervor, warum Plutarch hinzufügt : 7-t!JT(Lv
eaoTijj xat ravT«; ü'^optbfjiEvo; xctl 8eooiy.u>;.
3) In den Sophokles versen p. 517 D (fr. 787), wo Menelaos sein Geschick
mit dem Wechsel des ^Mondes vergleicht, der
iz doVjXou TipÄTOv Ip/etai via
T.podtur.a xa)A'jvou5a xai 7rXr]pou|JLivr; *
^(Tjxav irep otuTr^; e'jyEveaTotTT] cpavT^
rotXtv oiappst xdirl (atjO^v Epyetai,
hat A für a^xri; die Interpolation ayöt;. Dagegen bietet es gleich darauf eüyevea-
Tot-nj mit der Mehrzahl der Handschriften. D 6 haben hier die Lesart eOTtpeTrearotTTj,
die auch von modernen Philologen vermutet worden ist. Sie ist an sich unan-
stößig, wenn auch nicht sehr bezeichnend. Aber da auch vita Demetr. 45 und
Act. Rom. 282 b nur eOyeveöTd-rTj in den Handschriften steht, kann man nur dieses
als Überlieferung ansehen. Ist es zu kühn eu^avesTaxTi vorzuschlagen, das zwar
nirgends belegt, aber durch yolvo; und die zahlreichen von diesem Worte bei den
Tragikern vorkommenden Ableitungen nahegelegt wird? (Im selben Sinne hat
Plutarch Sept. Sap. Conv. p. IGl e vom Monde eycpcyy/,;.).
eine byzantinische Recension Plutarchischer Schriften. 349
wie es scheint, alle übrigen Handschriften Ttpooialr^ bieten. Dazu
kommt der Anfang von c. 7: Odtw S' svcaauj) XujuiQpdv iortv r^ täv
^cpl aDTÖv %a7.(iav ava7caXo(];i{;, wate ;uoXXoi)c a;ro^av£tv Jüpörspov tj ösi^ai
Tt Twv aTüopp'/^Twv voa7]»idTü)v larpoic. So liest man in den meisten
Handschriften. Aber hätte Plutarch eine Tatsache aus der Ver-
gangenheit anführen wollen, so hätte er gewiß etwa gesagt (öot;'
äTTS^avov rßr^ tuoXXol Soll aber der Satz allgemein gelten, läßt
sich beim Infinitiv das av, das A zufügt, nicht wohl entbehren.
Daß aber dieses av in A nicht aus der Vorlage stammt, sondern
nachträglich zugefügt ist, gewiß aus Conjectur, das spricht sich
hier deutlich darin aus, daß das av an verschiedenen Stellen ein-
gesetzt ist. Der Tischendorfianus und der Berolinensis haben es
vor, die übrigen — wohl richtiger, da dadurch ein stärkerer Ton
auf das Verbum fällt — nach aTuoO-avsiv. In derselben Weise ist
auch in de profectibus 10 (197, 1) das av in cp^2YYO[J-svoo S'av azoöoai
TToO-Tjasiac; richtig in A ergänzt ^). Sicher richtig ist endlich in c. 12
p. 349, 4 die Lesung t6 toö Ssvoy.patouc s'/(ö[j.5V :rpö/£tpov, og Uf-q
jj."/]§ev §ia^sp£iv xoo? :rö§ac r^ todc 6'^^aX{j.o{)C sl? aXXoTptav olxiav -ci-ö-e-
vai, wo die meisten Handschriften auch vor zobQ itodoLq fälschlich
ein y) haben. Aber hier steht A wohl unter dem Einfluß der
0-Klasse, in der auch das t) fehlt. Mit © und D hat A auch das
richtige zal aveo Se zt^q xarapac taoTYjc in c. 10 p. 346, 24, wo die
übrigen bi weglassen. Dagegen ist eine andre Lesart, die A mit
0 D und X bietet und Bernardakis aufgenommen hat, zu verwerfen.
In c. 2 schildert nämlich Plutarch p. 336, 19 iF. die Neugier fol-
gendermaßen : ri\i.BlQ öl . . . sTspooc Y£V*aXoYoä[X£V, on toö y^^'^ovo? 6
TzäTiTzoQ '^v X'jpoc, 0päTTa 0 -q TTJ^Yj (tit^'/] A falsch mit anderen
Hdschr.), 6 Ssiva §' o'fsiXsi TdXavua ipia zal zobg TÖywOo? ou% octtoSs-
S(o%£V. Hier malt am Schluß doch das Perfektum so anschaulich
den Zustand, wo der andre die Zinsen noch schuldig ist, daß es
entschieden dem a7:£§coy.£v von A 0 D X vorzuziehen ist. Im
nächsten Kapitel wäre p. 337, 17 an sich die Lesart von A durch-
aus brauchbar: w? y^P opv^c £v oivcia zpo'friQ tcoXXyj? 7üapax£i[X£VY]^ s\q
Ycov'lav y.aiaoöaa oxaX£D£i xtX. Aber da alle übrigen Handschriften
die tadellose Lesart haben 7roXXaxi<; zpomi^ ;:apa%£'.[jivY]g ''^), so müssen
wir in A nach seiner sonstigen Beschaffenheit eine willkürliche
Änderung annehmen, die damit zusammenhängt, daß A nach oxa-
1) Andre Conjeeturen von A, die Paton dort in den Text aufnimmt, sind
183, 27 Toü Xoyo'j für u-o toö X^Jyoy, 189, 14 iq 'AOr^vwv für Ix 6r^ßwv, 197, 14 yt'vsaOoti
für yev^aöai, 202, 8 vüv dTitO. für vöv jasv iziS.
2) Der Corrector von X liat axt; ausradiert und nach dem Texte von A
r^(; übergeschrieben.
350 ^^- Pohlenz,
Xeösi, wie schon S. 342 erwähnt, den Vers ivd^a '(s ttoo §ia(patve^'
ar' iv xoTrpti;] jiia xpi^vj gestrichen hat^). Jedenfalls ist es un-
methodisch, wenn Bernardakis hier beide Lesarten contaminiert
und TcoXXdxtc xpo^*^? zolXfiq schreibt. Er verfährt damit nicht
besser als der Ottob. 286, der die Lesarten von A und der Vul-
gata öfter contaminiert, hier aber icoXXaxig wie ::ok\riq streicht,
weil beide in je einer Klasse fehlten.
Bisher haben wir aber den Punkt noch garnicht berührt, der
erst der A-Recension ihren eigentlichen Charakter aufdrückt. Das
sind die Abweichungen in der Wortstellung, die sich durch alle
drei Abhandlungen Plutarchs gleichmäßig hindurchziehen. Ich lege
für einige Partieen das vollständige Material vor, zunächst aus
dem Ajifang von de adulatore et amico:
I, 118, 5 "^^j^ixaLOv o68' äSsxaaTOv sivat Vulgo — S. aivai ouö' a§e-
xaoTov A
10 so'füsc s/ovTi TTjv ^tXaoTiav — T7]v ^tX. so'^osc s/ovr.
119, 1 *£l Bk St] ^slov 'fi aXKj^sia — et ös ri aXifj^sta ^slov
11 *ou% av "i^v ouTO) Ssivöv ooSs Soa^oXaziov — oox av "^v Setvöv
120, 15 *bI^ tyjv zpiatv aTuoXXuvTSf; iaotoüg xal Sia^dstpovtes — ätüoX-
XovTsc iaoTOÖc sie ty]v Ttptotv %al Sta^O-.
121, 6 *67r£8Ö£TO lai? i^Sovatc — xal? 'i^öovat<; GttsSusto
13 *wc %oX7.y.=6ovTac aTcXw? o^popatsov — »V^opareov w? xoXaxsu-
23 *{j.Tfj^' rioo^xi [i-7]'c' sTtatvq) Sta^spoooiv — {xifjt' sjratvtj) jJLYJd'
24 £V üTüOüpYiatc xal dLaxovtatg TuoXXaxtc — iv ott. xoXXdxtg xal
Staxoviaic
122, 2 *xöXaxa? vo[j.tCö>{i£v — vo{iiC(«)(i.£v xöXaxa?
4 *Yi7V£xaL xataÖYjXoc — xaia§'/]Xo(; Yivsiai
9 ipaTceCav £YXoxXoütJ.£VOüc — iYXOxXoopLevooc Tpd7r£Cav
10 *o8<; 00 ;röp o6 otSapo? ouSe xaXxö(; £tjpY£i ({J.*^ ^ottäv ewl Ssi-
;rvov) — o'k out£ )(aXxöc oote Tcöp out£ oiSapog EipYei
123, 25 *07rot)§aoTtx6(; dfil <paiv£0^at xal äoxvo<; xal 7rpö^o{j,0(; — o. d.
xal d. xal tc. «patvEod-at
1) Ohne die Änderung tioXXtj? würde nach dem Wegbleiben von fxfa xpiö/^
der Gegensatz von Fülle und Einzelheit, der wegen des Hauptsatzes erwünscht
ist, tatsächlich nicht herauskommen.
2) Über die Bedeutung von + und * nachher.
3) 119,22 hat die Vulgata 8e(>(jievov Trpovofac, A, aber auch W irpovote« dttJ-
|Aevov. Ebenso nachher 121,6 t6 r^h\J ixr^Safxoy TrpoateiAivr^v vulgo, (j.Tr)8ofxoo t6 f|8v>
zpooufx^vTjv A mit G. Solche Stellen dürfen natürlich nicht mitgezählt werden.
eine byzantinische Recension Plutarchischer Schriften. 351
125, 1 "^'/olIijo^^ol'^ l^:lxr^^Bii\LOLGl — £7riTYjÖ£6|iaGt /atpooaav
22 *oox wv o\LOiOQ oo§s Yt^vöjisvo? — 00% ü)v oü§^ Y-V- ot^oto<;
126, 16 *sx(3aY'irjV£U£t v.al TrspißaXXstat tov '/.^y/ri^(6v — rov %ov/]yöv Ixo.
%al TTSplß.
127, 8 *%ai XYJd-Yj %al s'JTJO-sia Tcaiso^^s — xal soTJ^sia y»at Xtj^y]
xaTSoys
12 *[i.£t' £'kpa;:sX'a? Cwv %ai yapiTOt; — [i.£r' £ot. %at '/^pitoc Cwv
20 *TÖ TTpoof^xov T^O-o«; aoroig aTravta/oö — tö 7rp. aotot^ "^O-o?
a;cavTa)(oö
128, 1 *<dc apdazovTa? I^ccwvyjc :Tpoo'.£{i£VO<; — 1^. ;rpoa. w? ocpso-
v.ovTa«;
129, 10 '^Tpa/uTYj'ca r^c «fojv^c — if^C cpcov^C TayoiYjxa
11 ■*"a7rö Twv '?j^cov xal aTio rwv ßitov avaXajJLßavoviE? — a7c6 twv
ß'lcdv X. a. T. t]6-wv avaX.
16 *oo§£V a7üoX£i7r£L Twv atoypwv a|JLi|j.7]Toy — icüv aloypwv ooSsv
a[J.l{JL7]T0V aLTZOksilZBl
26 *ayO'£aO'ai xal §oaxoXatV£tv toi? aji^apTf/jXaai twv (piXcov —
ayö-EcO-ai toic aji.. t. '^iXwv xal §oax.
131, 5 *(!)(; EuTToXit; (pyjoiv — wc «pvjotv EutcoXk;
8 *i:6 od'^LOfia loö xöXaxoc — tö toö xöXaxoc aöcpio|JLa
9 [JLtji'^Tai ToO xoXax£00[X£Voo — TOÖ xoXax. {Jiiji^Tat
10 *§ia?poXaTT£i TTjV ö7r£poy'rjv lx£'lv(}) — tyjv 6Ä£poyfjV £X£ivij)
5ta(pDXaTT£'.
11 00T£ C'^Xog ohdz'lQ koZl TTpÖ? aXX'/jXoDC 0'JT£ (pi>ÖVOC 00T£ ...
SGTtv ooT£ wd-oyoQ TTpö? aXXifjXoo?
20 jJLaiVsaO-ai S' aoTÖv — auTov §s •xaLV£a^at.
Aus de profectibus wäUe ich eine Partie aus der Mitte, p. 192 — 198:
192, 13 '^ol Ss 6-£(0{j.£voi ßowaiv Vulgo — ol d'S(ii\isyoi Bk ßowoLV A
18 *£4£ßaX£ zf^Q nripoL^ tö ;:oT7Jpiov — zriq 7:ripoi<; i^£ßaX£ tö nox.
27 §ÖY[J-aTa :roio5vT£? — :roioövT£? ^ÖYl^-aTa
193, 8 *Sta TOÖ OTÖjjLaTOc Trpoo'fspwv — 7rpo<3<p£p(ov Sia toö az6iiazo<;
26 *[iavixoö xal avoTJToo — avoYJTOt) xal [i^avtxoö
194, 14 a[X£Tpov £|£y£YX(i)V — i^£V£YXwv a[i£Tpoy
16 TaÖTTQ Z"^ TTpOOYJYOpia T^ TTpOO'/JYOptO^ TaÖTTQ
23 *£y£<3Ti TÖ Tüpöc: aX'/jO'Etav — tö Trpöc aX7J^£tav sveoti
195, 9 *lv £i§wXo'.(; xal oxiai? p£|jLßö[JL£VO<; — h axtai? xal EiSwXotc
p£{Xß.
23 *Tac T£p(l>ta<; EÖ-iCojiLevov Xa[j.ßdv£tv — XajJißavciv Ta(; Tsptftac
l^tCÖ{J.£VOV
197, 2 *7rpöc aXX'/]Xoi)<; w^-oöjAfivoi aoviaotv — ooviaai Tüpöc aXXvjXoüc
W^0ü[l£V0t
6 *xal ^paooTT^Ta xal XaXtdv — xal XaXtay xal ^paouTYjTa
352 M. Pohlenz,
197, 24 *ü7c6 TO'j o'f 6§pa voosiv (jlyjS' oti voooöoiv atoO'avö[j.£voi — {jl7]§'
OTi voooöaLV OTTO To5 o^ö§pa voosiv aia^avö[i.£Voi
198, 9 *lx^eüYOi tyjv xaxiav — tyjv xaxtav Iv.fso'foi
14 *%al (pO-övoüc %al zaxoYjO-siac zal (xtxpoXoYia? xal «ptXYjSovia?
— xal {jLixpoXoYtac >tal ^iX-rjSovta? xal xaxoYjO-sia? zal (pO-övoo;
19 *aXYüV£CV TS xal xaxiCsiv «[xaptdvovra — aXYovsiv a{j.apTd-
vovra xal y.axiCsiv
25 *Tf^<; (lo/^Tjpia? {xötXXov — {xäXXov r^g |xoyi)T]piac.
In de curiositate bieten die letzten Seiten folgende Beispiele :
347, 6 *{iv75[ir^v Trspi^pspoootv Vulgo — TCsp'/fspoooi |j.v7J{jl7]v A
15 *eav Govsywc Tt? s:rofYaY"(j (so X Gr u. a., l7rdY*(] andre, X
läßt Ti? weg) TOI? ToioÖTOtc aoTo5 (so X G u. a., aotooc
richtig M I K 0) 0-£d{xaoi — idv aov£y(ö(; l;raYdYijj ta toi-
aöra laic ö'tj^sat
24 ^laoTYjv rr^v sY^po^'^^^^v — tyjv Iy^« "caDr/jv
348, 6 *z^ 6'(J>£t ;üapaTp£y£tv — 7üapaTp§y£iv T-y) ot)'--
(über 348, 26 vgl. oben S. ^344)
349, 14 *^£aod{X£VO(; £la£Xa6vovTa töv 6Xo[JL7üiovi%rjV ALw^tTUTrov Icp' ap-
[lato? — dfiao. i'f' apii.aio? eIo. t. 6. A.
23 e^(o p£[j.ߣa^ai tyjv alaO-Yjaiv — t. alo^Yjoiv s^w p^iiß^oO-ai
351,1.2 *ü7ua%ou£'.v uo XoYtojK]) aov£0'LCö|j.£yov — t. Xoy« oov£^tCö|j-£Voy
üTraxoDEiv
21 *£i? o^l^iv fjX^£ Ti^'C Aap£ioo Y'^vaixöc ly.7rp£7r£<3TdrY]? eivai X£-
YojisvYjc — I. 6. f;. Tfj Aap£ioo Y'^vaixl £07rp£7:£0'cdT'(j XEYOfxdvfj
TDYXav£'.v
23 *'CT)V vsav >cal %aXY]v ISsiv — tyjv zaXr^v xal veav ISsiv
352, 6 svta :rapa%oöaaL ttot« xal 7üapi§£ty — tu. jt. xai TrapiSfiiv Ivia
353, 10 */p'i^(3t[xov s/etc y) w^dXi{xov — y. t) orfeXifj^ov £y£tc
18 *i^a6{xaaav tö 3dpo? toö dvSpö? — zb toü dv5p6? l^a6[taoav
ßdpoc
20 *toyüp6v d7:£pYdarjTai zal ßia'.ov — to/Dpöv %at ß^ßaiov d7C£p-
YdoTjTaL
26 *ßao'.Xtxo6c dv£p£0vwat — dv£peovü)Ot ßaotXixQU?
354, 16 *£i(; [xdoov oo ^spövTwv — od cp£pövT(ov eig |jiaov
18 *dXir/jptoi irpooYjYOpEoö-Tfjoav — 7rpooY]Yop£'^^^iOav dXiT.
19 Toi)vo{i.a YsvdoO-at (so G X I K, '^B'fv^fp^oLi rell.) — ysv^'^^*^
TODVOfXa
22 xal TOur' oov oux aypYjoröv lariv ^vvostv to'x :roXuÄpdYt^ova;
— xal toöt' ouv lvvo£tv odx äypYjotöv lartv too«; TcoXoTupdYixova?.
Man braucht sich diese Liste nur anzusehen, um zu erkennen,
wie unmethodisch es war, wenn Bernardakis, obwohl er die Ein-
heitlichkeit der Überlieferung für alle drei Abhandlungen erkannte,
eine byzantinische Recension Plutarchischer Schriften. 353
trotzdem in de profectibus an einer ganzen Anzahl Stellen die
Wortstellung von A aufnahm, während er sie in den beiden andern
Schriften verschmähte. Tatsächlich muß doch in allen drei Schriften
entweder A oder die Vulgata bewußt geändert haben, und wofür
wir uns dabei zu entscheiden haben, kann doch wohl nicht zweifel-
haft sein.
Nur die eine Frage werden wir aufwerfen, nach welchen
Grundsätzen etwa A die Änderungen vorgenommen hat. Das ist
freilich eine Frage, die für den Plutarchherausgeber weniger
wichtig ist als für die byzantinische Philologie ; sie soll aber doch
hier erörtert werden, und dazu erschien es auch nötig, das Ma-
terial in diesem Umfange vorzulegen. Da dabei in allen Fällen
durch die Wortänderung der Schluß des Kolons beeinflußt wird,
so lag es von vornherein nahe, daß in dieser Eecension E/ücksichten
auf den rhythmischen Satzschluß walten. Für diese Annahme
sprach noch, daß sich auch Änderungen finden, die den Schluß der
Kola durch Zufügung oder Tilgung einer Silbe beeinflussen, ohne
daß sich ein sachlicher Grund für die Änderung finden läßt. Ich
führe an aus de adulatore:
120, 10 *67rö zfi<; xpsiag IXsY/öfj-svov vulgo — 6. t. /. I^sXsyxöjjlsvov A
133, 7 *|iYjSs zobxo (psü^wv — [X7]§£ Toöro Ix^psoYWV
162, 18 *i:öv IlXatcova %al StsX^siv — t. II. z. Sis^eX^siv,
aus de profectibus:
182, 7 *£iai^vir]c aTuoTTStpsüYS — l^ai^virjc Ixtus^sdys
192, 21 *9£pöv'C(j)v 7uavTa)(ö^£V — (p, a7:av'ca)^ö^£V
195, 6 *;r£pi<p£p(oy tzolvzol'/ogb — iz. aTzayxayoGB,
aus de curiositate:
336, 10 *(pDXa^aa^aL %aX Siop^cöoat — f. '/.cd iTravop^waat
341, 21 *£aTiv £ip7jix£Vov aXTj^w? (so G, £lp. lailv okri^GiQ X al.) —
laiiv £lpTrj{i£yov dx; aXYj6'(ö<;
353, 14 *l7üiaToX7jv aoicp Kataapo? a7r^Scovt£V (so G X, ItteSwxev al.)
— £. a. K. £S(ö%£.
354, 7 *aoXXa[igdvovT£<; aTTETojiTudviCov (wie Vita Dionis 28) —
aaXX. £TD[j.7:dvtCov.
Endlich gehören hierher auch einige Fälle, in denen ohne er-
sichtlichen Grund ein Wort durch ein Synonymen von anderer
Silbenzahl ersetzt ist:
de prof . 1 95, 18 *xa'caa)(£tv zal atcoTc^oat — v.azaa-)(BVJ ^o^'^ oiYr^oai
203, 12 ^TÖX'j.av %al dv§p£iav — töX^iav xal pcb[JLY]v
de ad. 168, 14 *t6 t£Xo<; opäv X£X£6aac — t. t. opäv oü{j.ßooX£uaac.
Paton legte deshalb das gesamte Material von 3. 7 Paul Maas
vor und erhielt von ihm die freundliche Auskunft:
354 ^I- Pohlenz,
^Die Vermutung, daß der mit A bezeichnete Zweig der Über-
lieferung von Plutarchs de adulatore et amico und de prof. in
virtute um des byzantinischen Klauselgesetzes willen Umarbei-
tungen erfahren habe, bestätigt sich bei näherem Zusehen voll-
kommen. Nur liegt nicht das berühmte von Wilh. Meyer formu-
lierte Gesetz zugrunde, daß ^vor der letzten Hebung mindestens
zwei Senkungen stehen sollen' ^), sondern das von mir in den letzten
Jahren bei den verschiedensten Autoren vom 4. — 14. Jahrh. nach-
gewiesene Gesetz, daß ,das Intervall zwischen den letzten beiden
Volltönen jedes Satzgliedes 2 oder 4 oder (selten) 6 Silben be-
tragen soir^).
Maas stellt weiter fest, daß die Umarbeitung ziemlich gleich-
mäßig erfolgt ist. Ich gebe hier zunächst die Zahlen für die
Partieen, für die ich wie gesagt vorher das Material vollständig
vorgelegt habe, und füge in Klammern die Zahlen für die ganze
Schrift hinzu.
In de ad. et amico kommen in Betracht 31 (132) Varianten.
Bezeichnet man die dem Maas'schen Gesetz entsprechenden Klauseln
als rhythmisch, die andern als unrhythmisch, so haben wir
a. Varianten, die einen unrhythmischen Schluß rhyth-
misch gestalten (von mir mit * bezeichnet) 22 (99)
b. solche, die einen rhythmischen Schluß unrhythmisch
machen (von mir mit "^ bezeichnet) 3 (4)^)
C. solche, die einen unrhythmischen Schluß durch einen
andern unrhythmischen ersetzen
d. solche, wo beide Male rhythmischer Schluß vorliegt
In den erstgenannten Fällen sind
dreisilbige Intervalle beseitigt
fünfsilbige
einsilbige
5
(27)
1
(2)^)
3
(62)
4
(30)
4
(7)
1) Der akzentuierte Satzschluß in der griechischen Prosa 1891 S. Gif.
[Übrigens sieht auch W. Meyer die Zahl der vor der letzten Hebung im ganzen
stehenden Senkungen nicht als gleichgültig an und betrachtet es als ungewöhnlich,
wenn vor dieser drei unbetonte Silben stehen; doch zeigt er Abhandlungen II
S. 227, daß einzelne Byzantiner, die den Satzschluß rhythmisch bilden, z. B.
Agathias, bewußt Klauseln wie aTpaTr^yoT; oiotxoijLiaa; zulassen, indem sie die erste
der drei Senkungen mit einem ^falsch gebildeten Nebenaccent' versehen.]
2) Byz. Zeitschrift XI (1902) 505, vgl. zuletzt Woch. f. klass. Philol. 1911,
254 f. Byz. Zeitschr. XXI (1912) 52.
3) Zu 118,5; 129,10. 1 kommt hinzu 154,21 7:a0r^ Sie^twv ixzfxka (fxey^fXa
tA^Tj ?te$twv Vulgo).
4) Außer 131, 9 (2 Silben für 6 Süben Intervall) noch 143, 4 rf^; IlTjXta'So;
diyetv c{)x IxfJXfxT^ae (für oux ir6hii.ri<si rij; rirjXtcitdo; ötyeiv).
eine byzantinische Recension Plutarchischer Schriften. 355
wozu noch 122, 10 kommt, wo die Vulgata mit ooSI yjyXY.b<; slpYS'-
schließt.
Zweisilbige Intervalle sind hergestellt
viersilbige
sechssilbige
In de profectibus sind die Zahlen:
Varianten im ganzen
Davon Klasse a
b
c
d
Bei a sind
dreisilbige Intervalle beseitigt
fünfsilbige
einsilbige
Zweisilbige Intervalle sind hergestellt
viersilbige
sechssilbige
De cnriositate:
Varianten im ganzen
Davon Klasse a
b
c
d
Bei a sind
dreisilbige Intervalle beseitigt
fünfsilbige
einsilbige
zweisilbige hergestellt
viersilbige
Im ganzen ist also die Zahl der Varianten
Dabei a (rhythmischer Satzschluß für unrhythmischen
hergestellt)
b (rhythmischer durch unrhythmischen ersetzt)
C (unrhythmischer durch unrhythmischen ersetzt)
d (beide Male liegt rhythmischer Schluß vor)
1) 199, 24 xpii^ai; TiapeYxexuf^ivat? d^jjJLivw; (für dC[Ji£vtu; xpidaTc iia^t'CAZ')(}i[>.i'^ai(;).
2) Zweifelhaft ist 335, 8, wo söprjaei? aij.c(pTr|[j.aTojv h tä ß(u) wie in der Vul-
gata auch in Berol. Harl. Par. Matr. Vat. 2243 steht, während in L. 56, 3 Tat.
1534 und 2250 0!|j.apTrja:ätT(ov vor eoprjaet;, im Tisch, und Yat. 199 hinter ß(t|i ge-
stellt ist.
13 (60)
9 (38)
- (1)
17 (60)
14 (46)
— \ — )
3(13)
- (1)')
9(31)
3(12)
2 (3)
7(27)
7(18)
- (1)
18 (32)
14 (23)
-(-)
4 (9)
- (-)')
11 (16)
1 (5)
2 (2)
10 (15)
4 (8)
224
l
168
) 4
) 49
3.
356 ^^- Po h lenz,
Dazu kommen dann noch die von mir S. 353 angeführten Fälle,
in denen der Tonfall des Schlusses nicht durch Umstellung, sondern
durch Zusatz oder Wegnahme einer Silbe geändert ist, Es sind
im ganzen aus de adulatcre et amico 11, aus de profectibus 8, aus
de curiositate 4, zusammen also 23 Fälle, die alle zu Klasse a zu
rechnen sind.
Maas schreibt auf Grund des Materials zu 3. 7 : ^Diese Zahlen
beweisen unwiderleglich, daß die Herstellung des dem byzantinischen
Klauselgesetz entsprechenden Rhythmus ein Hauptzweck der Re-
cension A ist. Die Umarbeitung ist freilich äußerst mangelhaft.
Sie betrifft nur einen verhältnismäßig geringen Teil der .unrhytbmi-
schen' Klauseln Plutarchs. Aber das ist begreiflich, denn bei
Plutarch ist wie bei allen vorbyzantinischen Schriftstellern die
Hälfte aller Klauseln ^unrhythmisch'. Da nun jede Textzeile
durchschnittlich zwei Satzglieder (in byzantinischem Sinn) enthält,
so hätten die Redaktoren, wenn sie consequent sein wollten, fast
anhaltend ändern müssen. Sie haben sich also mit einer Auswahl
begnügt; nach welchen Gesichtspunkten diese getroffen wurde, ist
mir unklar. Es lohnt sich wohl auch kaum danach zu forschen,
da die Umarbeitung offenbar eilig und sorglos geschehen ist'.
Gewisse Bedenken bleiben gegenüber dieser Auffassung be-
stehen. So ist es natürlich auffallend, daß gerade am Anfang von
de ad. et am. (I p. 118, 5. 10) und am Schluß von de curiositate
(III p. 354, 19. 22), wo man die größte Sorgfalt erwarten würde,
die Umarbeitung zu unrhythmischen Satzschlüssen führt ^). Doch
müssen wir auch damit rechnen, daß nicht überall die Absichten
des Redaktors von seinen Schreibern verstanden worden sind.
Dafür liefert eine Stelle einen deutlichen Beleg. De cur. 14
(352, 10) hat die Vulgata: xal vap xöv Ol^iTioSa toic [asyiotoic xaxoic
71 TuepispYta ^spisßaXs mit dreisilbigem Intervall vor dem letzten
Vollton. Statt der drei letzten Worte bieten Par. 1211 Vat. 1534
2243 Laur. 56, 3 die merkwürdige Lesart itepisßaXev i^ (oder tj)
;:epi§ßaX£. Daß das Unsinn war, mußte natürlich jedem einleuchten,
und hier gehen deshalb einmal die Handschriften der Recension
auseinander. Vat. 2250 hat jrsptdßaXsv y) Trept^ßaXs, Tisch, hat Tte-
ptißaXsv fi irsptspYia, Berol. Laur. Redi Matr. Harl. ;rept£ßaXev YJ
«oXoÄpaY{jLooüVY] (t^ Trepiep^ia am Rande Harl.') eingesetzt. Aber wie
ist der Unsinn, der ursprünglich in A stand, zu erklären? Offen-
bar hatte der Redaktor in dem Exemplar, das als Vorlage dienen
sollte, die Umsetzungszeichen ß-a übergeschrieben (•/] Tcep tep^ta Tuepcs-
1) III p. 364, 19 war aber vielleicht -(tyia^at x6 ^vofxa (nicht Tojvofx«) gemeint.
I
eine byzantinische Recension Plutarchischer Schriften. 357
ßaXs), und durch ein Versehen des ersten Schreibers ist die Um-
setzung nur halb erfolgt, das Tcspt^ßaXs hinten stehen geblieben.
Mit solchen Versehen werden wir überhaupt zu rechnen haben.
Aber auch wenn wir uns an die sicheren Fälle halten, ist die Zahl
der Fälle, die für Maas' Annahme sprechen, so groß (168), daß an
Zufall kaum zu denken ist. Und man würde nur etwa fragen
können, ob nicht bei den 49 Fällen, wo ein in Maas' Sinne un-
rhythmischer Satzschluß erzielt wird, doch noch andre rhythmische
oder sonstige Absichten im Spiele sind^). In jedem Falle aber ist
— und das ist für den Plutarchherausgeber das Wesentliche —
darüber kein Zweifel möglich, daß wir es bei A mit einer durch-
greifenden Textbearbeitung aus Rücksicht auf den accentuierten
Satzschluß zu tun haben, daß also alle diese Lesarten für den
Plutarchtext nicht in Betracht kommen.
jEine ähnliche Erscheinung in der Uberlieferungsgeschichte
eines andern Prosatextes', fügt Maas hinzu, ^ist mir nicht bekannt ;
aber es sollte mich wundern, wenn man jetzt, da ein sicherer Fall
vorliegt, nicht Parallelen finden würde. Einstweilen mag zum
Vergleich dienen, daß viele jambische Trimeter des Hexaemeron
des Georgios Pisides (ed. Hercher, Aelian vol. II) und des Jo-
hannes Tzetzes de comoedia (ed. Kaibel Comici Graeci I), die durch
1) Um für etwaige weitere Untersuchungen die Grundlage zu bieten, führe
ich kurz die Lesarten von A aus diesen Stellen an:
De ad. 118, 10; 121, 24; 122, 9; 131, 11. 20 s. oben. 134, 19 xal dvmefveiv 86-
vr)xai 137, 21 cpuXaxxecOai xo uttottxov Seivos wv 140, 19 xaxacpavif]? yivexat 141, 5 e{7retv
ßouX6[j.evov 145, 15 xt^i TrapprjaiaCecOai xal t^^^yeiv ^püivxat 145, 28 (xy)8^v xüiv öufxcpepov-
xü)v ÜTToax^AXeaöai [irfi' aTioatcüirav 146, 9 dTioxxevsi xov d'vöpioTtov 146, 12 xou? dvoi^xous
Xopiatv^fAeva 147, 3 ^Titx^öevxai xat 7:poöex-/a{ouciv xoTc xoXotxeuofjiivots 150, 4 xeXeutov
cpe^SecOai 150,6 6 xdXa$ iiiidii oh Xr^aexai (so Bern.; oh X-i^aexai -fjfxdts 6 xdXa^ vulgo)
153, 17 eixoat opa^^p-d? s/wv 154, 7 Strjy/jCaxo x6 TTpctypia 154, 24 eOOu? x6 ^7:ove(8iaxov
xal 8uaü>iioüv Iveaxiv 157, 6 xtjv cpiX(av dStxoOvxa 158, 5 xtjs StaßoXTi? (Aevet 165, 17
(XTjxuvEtv TTEpl xo'jXüDV 'ki'fo^ia 167, 23 xal da5(oXiüJv ^>celv(üv 168, 26 xr]v *Axa8r](j.^av
eixXea H^<5u 169, 24 {jia^oufxevos ^ßdoiCs 175, 15 8tacpopdv uotcT 177, 7 hr.b xüiv ^Tra^-
vüjv ouaiv.
De prof. 181, 17 Trpoxoirrjv o-jxe xtvd B (B = von Bernardakis aufgenommen,
Tivd TrpoxoTifjv ouxe vulgo) 185, 11 ßaSt'Cois ^ttI x6 XeiTrd|jLevov B (IttI x6 X. ß.) 188,12
Sei vojjifCeiv xyjv TrpoxoTrriv elvai 191, 1 xd i/vrj vj e^w 192, 27 194, 14. 16 (s. oben)
199, 19 TTpoxoTtxeiv ol'eaSai 200, 12 x6 cpavxaöxixov oTa xaxd xou; utivouc 8p^ (oXa xaxd
xou? uTTvous 8p(jc x6 cpavxaaxixov xal aXo^ov vulgo) 202, 8 ^^pcopteSa jAaXaxwx^pats B.
(p.aX. yp.) 202,20 ar^pLeldv eJatv oh cpaijXov B ((3Tjp.eTov oh cpaijXdv eJaiv) 202,25 Trapa-
cyeTv i^iX&i (i^iXti TiapaayeTv) 205,2 xtjV dpexTjV iifohixtyoi (iiy. xt^v dpex-i^v).
De curios. 334, 7 xtjv 7Taxp{8a xtjv ^[xtjv (xtjv ^{jltjv 7:axp(8a vulgo) 336, 2 dr^o-
xetfjL^vouc eyouaav 341, 10 döxiv dxpoaxTji; xal ^aöupios (x. p. dxpoaxT^? hxi vulgo)
24 ^7:ia7:dxat Xoyou; 343, 26 t))v aYpoixfav <pe6yovxe? (cp. x. dyp.).
Kgl. Ges. d. Wiss. Nachrichten. Phil.-hist. Klasse. i913. Heft 3. 24
358 ^^- Pohleuz,
Auflösungen Schwierigkeiten bereiteten, in einzelnen Handschriften
zu Zwölfsilblern umgearbeitet worden sind'. Etwas Ähnliches ist
es natürlich auch, wenn in lateinischen Florilegien des Mittelalters
aus metrischen Gründen Änderungen vorgenommen werden, etwa
der Pentameterausgang auf ein jambisches Wort durchgeführt
wird ^).
Zum Schluß noch ein Wort über die Zeit der Recension. Daß
diese erst kurz vor dem vierzehnten Jahrhundert entstanden ist,
haben wir S. 340 aus dem Handschriftenbefunde im allgemeinen
erschlossen. Aber auch der Text weist nach derselben Richtung.
Denn wenn eine ganze Anzahl der zum praktischen Gebrauch be-
stimmten Handschriften de cur. 14 den Unsinn TusptdßaXev ii irsptd-
ßaXe bewahrt (vgl. S. 356), kann das Arche typon der Recension
nicht weit davon abliegen. Dasselbe zeigt uns eine zweite Stelle
des gleichen Kapitels (III p. 352, 19). In dem Sophoklesverse
otiioL npoQ aoTtj) y' sl[il ti]) dsivt]) Xs^siv (Oed. 1169) bereitete dem
Byzantiner die Syntax Schwierigkeiten. Er vermutete öeivdc, und
im Tisch. Berol. Laur. Redi ist dieses eingesetzt; aber in Paris.
Laur. 56, 3 Vat. 1534. 2243. 2250 steht überall von erster Hand
noch Sstvw. Hier sehen wir die Recension vor unsern Augen ent-
stehen.
Nach alledem wird man es wohl billigen, wenn in unsrer
Plutarchausgabe das Zeichen A nur da auftreten wird, wo die
Vorlage von A gute Überlieferung oder A selbst eine gate Kon-
jektur bietet.
Anhangsweise sei hier noch ein Fall besprochen, der uns zeigt,
daß Plutarchs Moralia in der Byzantinerzeit für den Unterricht
herangezogen wurden.
In der kleinen Schrift Trepl toö iauiöv l7:aiveiv avejri^ö-övwc er-
örtert Plutarch unter allgemeinen Gesichtspunkten ein Thema, das
in den Rhetorenschulen mit specieller Anwendung auf den Redner
behandelt wurde. Das hat Radermacher Rh. Mus. 52 S. 419 ff.
gut gezeigt und dabei auch schon erwiesen, wie Plutarch auch im
einzelnen sich an die rhetorischen Erörterungen anlehnt. Ich hebe
einen sehr bezeichnenden Punkt hervor, den Radermacher S. 423
nur kurz streift. In c. 12 führt Plutarch eine Stelle aus Demo-
1) Interessant wäre natürlich zu wissen, ob in den Texten des Libanius und
Aristides, die mit den Plutarchschriften zusammen gelesen wurden, dieselbe Um-
arbeitung vorgenommen ist. — Über Vat. 2243 bemerkt Förster Libanius I S. 282 :
Hie quoque codex e genere scholasticorura neque uUius pretii est.
eine byzantinische Recension Plutarchicher Schriften. 359
sthenes' Ivranzrede (§ 299) folgendermaßen an : oh Xid-oiQ keiytaa tT)v
sopTijasic oTüXa^) y.al iättoo? xal ooiifid/oo?. Dieselbe Stelle führt
flemiogenes ^) tu. [as^öSoo SsivöttjToc in c. 25, wo er irspi xoö avsiua-
yO-w^ saoTov l;üatv£iv handelt, p. 442, 14 R. genau in derselben Aus-
dehnung an, nur bringt er den zweiten Teil so: aXXa töv I[i.öv
T£L)(to'^6v £1 ßo6X£L oxoTTEiv, sDpTJGstc oTuXa %al TTÖXs'-c zal cu[X{xaxoo?. Bei
Demosthenes selbst aber lautet die Stelle: ou XiO-otc — ^Tw, oöS'
sttI TOüTOic {jLSYtatov xtov i{j.aoToö ^povw, aXX' lav töv I|J.öv
T£i/to[i-6v ßoüXiQ 6 1 y. a t (0 c ozottslv, sDpKJosic OTiXa xal TcöXstc 5tal töttooc
Ttal Xi^svac %al vaöc %al lttttouc %al touc oTusp toütcöv a{iovo[i.£Voo?.
Namentlich wenn man beachtet, daß Plutarch und Hermogenes die
von mir gesperrten Worte des Demosthenes weglassen und daß
beide die Schlußworte in oi){j.{ia)(Oü(; zusammenziehen, kann kein
Zweifel sein, daß beide eng zusammenhängen; und da Abhängig-
keit des Ehetors von Plutarch nicht in Frage kommt, so ist es
sicher, daß Plutarch hier mit einem festen Beispiel der Rhetoren-
schule arbeitet. Das bestätigt sich auch dadurch, daß dieses in
Plutarchs Gredankengang sich garnicht recht fügt. In c. 12 will
Plutarch nämlich zeigen, wie man ein von andern gezolltes Lob
corrigierend nach andrer Seite wenden kann. Dazu paßt vortreff-
lich das auch in der Vita c. 38 stehende Beispiel des sterbenden
Perikles, der seine Freunde mahnt, sie sollten nicht seine Siege
rühmen, sondern oti oi aotöv 0D§£l? 'A^r^vatcov [JLsXav i[xauov avEiXyj^e,
aber nicht das Beispiel des Demosthenes, der nicht ein Lob corri-
giert, sondern gegen Angriffe des Aischines sich wendet^).
1) xai vor oTtXa hat nur M und danach das Planudeum.
2) Die Frage, in welchem Verhältnis die Schrift zu Hermogenes steht, können
Avir hier natürlich auf sich beruhen lassen. Vgl. Rabe in der Praefatio zur Ausg.
des Hermogenes und Radermacher Realenc. VHI Sp. 873.
3) Auf die Entstehung von Plutarchs Schrift kann ich nicht genauer ein-
gehen und hebe nur hervor, daß sie oft an Demosthenes und Cicero exemplificiert
und ihre Gedanken sich eng mit der Synkrisis von Demosthenes und Cicero 2
berühren. Und wenn es dort heißt : "Ext xoivuv ^v xoT? cuyYpötp-ixaat xaxiSeiv eaxt xov
{A£V ^|j.[xeÄüJS v,(x\ dveTtayOüi? xöiv e(? auxov (^7:x(5{i,evov lYxa)(ji.{(üv, ßxe xouxou Sei^oat Tcpo;
Extpov XI (j-slCov, xaXXa §s soXaßYj xal fx^xptov, f^ 5s Kix^pwvos dv xoTs Xoyot; dixsxpfa x^;
zepiot'JxoX&yia? dxpaat'av xivd xccxr^YOpet ßowvxo; ü>{ xd oTiXa ?6ei xf] xr^ß^wip xal x^
7Xü)xxT[] xTjv Opia{j.ßixT]v uTier/.eiv ^a'cpvr^v, so zeigt nicht bloß das dvETiax^tu;, das bei
den Rhetoren, besonders bei Hermogenes, als Stichwort erscheint, in welcher
Sphäre wir uns wieder befinden. Wichtiger sind noch die letzten Worte. Denn
in Quintilians Abhandlung über das Selbstlob (XI, 1, 15—26), deren starke Be-
rührung mit Plutarchs gleichnamiger Schrift Radermacher dargetan hat, wird
Ciceros repiauxoXoyf« besonders behandelt und mit Bedauern zugegeben, daß das
24*
360 M. Po h lenz,
Diese Übereinstimmung ist den Byzantinern nicht entgangen.
Im Vat. 264 s. XIV bemerkt der Korrektor zu Plut. c. 12 am
oberen Rande von fol. 132 v.: toötotc o[xoia xal(ta?)Toö 'Ep[ioYdvoo?
SV T(j> Tcepl {i£^ö§OD SetvÖTTjTO?. Viel wichtiger aber ist, daß in dem
Hermogeneskommentar des Johannes Diakonos, den Hugo Rabe im
Vat. 2228 s. XIV gefunden und im Rh. M. 63 besprochen hat,
Plutarchs Schrift ausführlich benutzt ist. Rabe stellte mir mit
großer Liebenswürdigkeit auf meine Bitte von seinen Photogra-
phieen des Vaticanus fol. 472 v— 476 v zur Verfügung, die den
Kommentar zu tu. [ledöSoü Seivötyjto? 25 enthalten. Gleich nach
dem Hermogeneslemma lesen wir hier Folgendes: 'EttsiStj tö [jisYa-
XrjYopeiv xal Xd^eiv Trepl saoTOÖ sTua/^ec ^ozi xal aYjSsg [läXXov Ss xal
aveXeoO-epov xal Trapa Tudvicov [j.tooü{x£VOV ot' av obx Iv xaipip YsvotTO,
l^eöpov fj[j.iv xal Trepl todtoo [ie^ö§ou<; ol :raXa'-ol xal TrapaSeSwxaoi
xatpODC xal xpTfjostc, St' wv av xi<; atjjaiTO tf^c xaXooiidvY]<; TuspiaüroXoYia«;
xal 00 Soests cpopxixöc. Travil |i^v y^^P o ^o^p' aXXwv sTuatvog ^§lotov
axoüa[jLaTiöv (ex. tcöv ut v. corr.) lativ woTüsp slpTjxsv 6 Ssvofpwv, lTepoi(;
Bb 6 TTSpl SaOTOÖ XoTCTIpÖTaTOV. TüpCOIOV [1£V YO'p avai(3)(6vTOüc "tODC laOTOÜC
STratvoövuac t^y^^I^^^^^» Ssoispov Ss aÖLXotx;, a Xa{xßdv£tv l'Sei Trap' si^pcov,
a6'coi<; ^) StSövrac. ttXtjv laitv ottoo xal )rprjai{j.a)Taiov xal dvaYxaiÖTaxov
Cedant arma iogae, concedat laurea laudi eine dxpaata Tipo? 8d$av zeige (24).
Unmittelbar vorher (23) sagt Quintilian: Et M. TulUus saepe dicit de oppressa
coniuratione Catilinae; sed modo id virluti senatus modo providentiae deorum
immortalium assignat. Plutarch kennt dieses Verfahren, einen Teil des Verdienstes
anderen Menschen oder den Göttera zuzuschreiben, sehr genau (c. 9. 11). Aber
bei Cicero fügt er nicht wie dessen römischer Bewunderer eine Beschönigung
hinzu, sondern sagt kurzweg : ' P(ü|xato». Kix^pcüvi (jlev dSua^^paivov ifxuiind-
CovTi TToXXctxis ^auToO T«; Trepl Kaxdivotv Tipa^et; (540 F). Das ist einfach ein
Nachhall aus der Vita 24: tioXXoT; iTr^cpftovov ^autov ^Tro^Tjaev öIti' ouSevo; ^pyou Tiovr^
poO, Tiji o' I t: a i V e I V d e t xal fxeyaX'Jvetv auxo; 4 a u x 6 v utio TToXXüiv 8'ja^epaivd-
ftevoc O'jxe Y-ip ßouXyjv o'jxe 8fj[j.ov .*. f^v auvsXOeiv, Iv (|) (j.tj KotxiXfvotv eSei OpuXöu-
fievov dxoüaat. Da sich auch sonst in de laude ipsius Anklänge an die Viten des
Cicero (aus c. 26 stammt die Ciceroanekdote in de laude 8) und Demosthenes
finden (vgl. das Beispiel der Augenkranken v. Dem. 22 und de laude 13, freilich
auch de frat. am. 19 und de tranq. 8), so dürfen wir uns den Sachverhalt so vor-
stellen : Plutarch wurde bei der Ausarbeitung der Vita des Cicero natürlich auch
auf dessen TieptauxoXoYi'a aufmerksam. Aus dem rhetorischen Unterricht war ihm
vertraut, daß man bei den Vorschriften über das Selbstlob wie ja auch sonst
(Cäcilius!) Cicero und Demosthenes einander gegenüberstellte (wie dies Quintilian
XI, 1, 22—4 tut, und zwar auch mit Hinweis auf die Kranzrede, cf. Plutarch de
laude 7—9. 22). Dieses Moment verwertete er daher für seine Synkrisis. Zugleich
aber kam ihm der Gedanke, das Thema des Selbstlobs in einer besonderen Ab-
handlung unter allgemeineren Gesichtspunkten zu bearbeiten, natürlich unter
Verwertung der aus dem rhetorischen Unterricht stammenden Anregungen.
1) So auch die Plutarchcodd. 395,15. <auxo'j;> ajxoic?
eine byzantinische Recension Plutarchischer Schriften. 361
t6 oTcsp laotoö X^Ysiv %aO-£atY]xe* xal auröc (asv 6 ^Ep[JLOY£VTr]c TpeK
jjLs^öSooc Toö iTratvsiv sautooc avs7üa)^^(ö? TuapaSsSwxsv, ol Ss TcaXoftol
xal itspac Tivd<;, Tuspl wv ooTspov lpoö[JL£V ta autoö oxoTTTJaavTsc TupÖTSpov.
Das ist in der Hauptsache nichts als ein Cento aus Plutarchs
erstem Kapitel (bes. p. 394,3, 395,9-15. 23 Bern.).
Entsprechend der Ankündigung folgt nun zunächst eine kurze
Erläuterung der Hermogenesworte. Dann heißt es fol. 473 v: zol
|i£V TTspl TOÖ lauTÖv l;raiv£iv xoö 'EpjJiOYsvooc TOiaöia* 6 Ss IIXoDiap^o«;
TüoXXoDc oISs TpÖTTOoc TOü avsTua/^-wg iTuatvstv saoiöv Iva {i.sv, iQvtxa
TIC xaTYjYOpo6[i£VO(; xal sk; aTuoXoYiav xaraora? I| am^Y.fi^ BiBiipyßxai
zoL xaTüDp^(ü[X£va aoTcj), xal «pyjalv wc latt tcoXX'?] toic avO-pwTcotc i^ toi-
aoTYj Xp^o^C, odS£V tod^ axpoaxa? TuapaXoTuoöaa loO-' ot£ §£ xal ^dXYOUoa.
WC nEptxX-^c ,xatTot xtX.' Es folgt Plutarch 4 p. 397, 17—398, 12
mit geringen Auslassungen. Darauf: Iva {X£v toöiov löv TpÖTüov «piQolv,
oI|JLat S^ ax; oüÖ£V Ioilv aXXo 6 ipÖTuoc ohxoQ t] o X£Y£t '£p{JL0Y£V7]? dvdY-
XY]? TUpOOTTOlTJOlV. S£6'C£pOV §£, iTUElSdv TIC 8oOTO)(TJ[JLaai TTEptTrEOTQ Ü)C 6
^(oxicöv. Jetzt folgt die Anekdote aus Plutarch 4 a E. Und nun
gibt der Rhetor weiter ein Excerpt aus Plutarch unter besonderer
Berücksichtigung der Beispiele^). Dieses zieht sich bis fol. 476 r
hin, wo wir nach den letzten Worten von Plutarchs c. 20 den
Abschluß lesen : xal TaöTa {xsv aovTSfxwv töv toö oo'f (OTdTOO nXooTdp/oo
XÖYOV TÖV Tcepl TOÖ saoTÖv iTuatvslv dvsTTtcpdövwc l^sO-sjiTjV, iva Seilw xal
ET^poüc TpÖTCooc, OD TOÖTOO? [J.ÖVOOC 00? 6 Ts/v^xöc i^jJ-tv TuapaSsSwxsv, olq
ypa)[j.evoc av Tic avsTra/^w«; at>TÖv (sie) l^raivdostsv.
Die Excerpte sind wörtlich und so umfangreich, daß Johannes
im Apparat der Plutarchausgabe neben den Handschriften citiert
werden muß. Besondere Überraschungen bietet sein Text nicht.
Er stammt aus derselben Quelle wie der unsrer Überlieferung und
teilt selbst kleine Schreibfehler mit ihr. Wertvoll ist etwa, daß
er p. 540 e in der Erzählung von Epaminondas' Proceß die Stellung
TYjV AaxtoviXYjV ötsTTÖp^Tjos xal MsooTJVYjv $XLoe xal oüVsoTY]osv 'AxpaSiav
(vgl. Apophth. 194 = Ael. V. h. XIII, 42) bestätigt (gegen D S hi
Bern. : tyjv Msoavjvrjv $xios xal t. A. S.), andererseits p. 547 a die
Lesart von D h i stützt : oo y^P avaxpeXec aXXa \Li^ct., C'^Xov Ijjltcoioöv
a[jLa xal ^iXoTijilav Tiva xtX., wo die übrigen ein neben Ttva unmög-
liches [i^Yav bieten (vgl. j^sy« Tüpöc ttigtiv v. Dem. 11). In c. 4 führt
Plutarch als Beleg für die Berechtigung des Selbstlobs bei der
Verteidigung ein Wort des Perikles an. Dann heißt es in den
Handschriften : oo y^P [J-övov aXaCovstav . . • Ixtc^^soys t6 X^ys'.v tyjvi-
1) Darunter befindet sich die Lykurganekdote aus c. 8, die Rabe Rh. M. 63
S. 143 als Probe gibt. Daß sie aus Plutarch stammt, bemerkte Fuhr Berl. ph.
Woch. 1913 Sp. 992.
362 M. Pohlenz, eine byzantinische Recension Plutarchischer Schriften.
xaöta jrepl aotoö aejivöv, aXXa xal (ppövYjjJ.a . . . ö'.aSsixvoot. Hier ist
zb X^Y^^v (so auch Job.) vortrefflich, während Kp X. (so die Vulgata
nach IKAldina) unpassend ans dem allgemeinen Gedanken einen
Satz mit Perikles als Subjekt macht (vgl. dötxoDixsvq) t(j) tzoXiziy.^
didozai xb Xsysiv zi Tcspl aoroö 6 Anf.). Dagegen fehlt zu cspöv
ein Tt. D 0 haben dieses vor ospöv, Johannes wohl mit Recht
vor xr^vixaöta, wo es leicht ausfallen konnte (zur Stellung von xi
vgl. z. B. 510a iXxsi zi xal oovavci iwv axoppv^Twv oder 544 d, wo
die gute Überlieferung Tüspl TcpaötTjTÖ«; ti — nicht ts — %al ötxaio-
a6v7]<; autoö jrapprjatdaaaO-ai hat). Endlich sei noch eine Lesart
erwähnt, die sich mir schon vorher als Vermutung aufgedrängt
hatte. In c. 10 bieten unsre Handschriften nämlich: stwO-aoiv evtoi
toüc taoia TCpoaipoo[i.svooc xal Tcpairovra? aototc xal oXw^ öjAotorpÖTroo^
iiratvoövTs? iv xaipto aovoixsioüv xal aovstrioTpscpbiv Trpöc iaurooc töv
äxpoaTTJv • IfftYivcboxst ^) 7ap süö-ix; ev tcj) Xd^ovri, xav :r£pi aXXou X^y'^I^^^^
8t'6pLOtdT7]Ta apsT-^c twv aoiwv a^tav Ijratvwv oooav^). Statt
der gesperrten Worte bietet allein D die Conjectur ttjv ojxotÖTTjTa
f?j<; Äpef^c, fälschlich, denn nicht die 6\).oi6z'q^ verdient die An-
erkennung, sondern die apetii]. Also ist zu lesen: BC 6[iotÖTY]ta tyjv
dtpsTTJv ^). So hat schon ein humanistischer Corrector von Gr ge-
schrieben und so lesen wir es jetzt tatsächlich bei Johannes.
Die Zeit des Johannes steht nicht fest. Rabe hält, wie er
mir schreibt, an sich das sechste oder etwa das zehnte Jahrhundert
für möglich, neigt aber dem späteren Ansatz zu. Für diesen spricht
durchaus auch das Verhältnis seines Textes zu dem der Plutarch-
handschriften.
1) SoWZD, ^riytvoxjxei Ij X, iTriyivtüCJxstv die übrigen und Joh. Doch wäre der
Infinitiv hier hart, wenn auch der Gedanke aus dem Sinne des eviot gesprochen
sein könnte.
2) (i^totv om. hi, ^-at'vuiv a$(av P K C Z, ^Trafvcov twv «utäv (5${av V, ^Ttafvwv
om. Joh.!
3) 8i' ifioiÖTTjxa dpet/^v Reiske, aber der Artikel ttjv ist nicht zu entbehren.
In X steht 6fxoi({TT^Ta ötf/erf,; mit einer Rasur von 2 Buchstaben vorher. Da ist
ein Korrektor einen ähnlichen Weg gegangen wie D.
Die erste, zweite und fünfte Ghatha des Zura^thusthro
(Josno 28. 29. 32).
Versuch einer Herstellung der älteren Textformen
nebst Übersetzung.
Von
F. C. Andreas und J. Wackernagel.
Vorgelegt in der Sitzung vom 2. März 1912.
Zum dritten und wohl zum letzten Male gedenken wir hiermit
die Andreas'sche Theorie über die Textgeschichte des Awesta
durch Proben aus den Grhäthäs zu exemplifizieren^). Wie bei der
zweiten VeröiFentlichung (Nachrichten der Göttinger Ges. d. Wiss.
1911, 1 &.) geben wir in der ersten Kolumne den Vulgatatext im
Awesta-Alphabet. Neben diesen stellen wir in der zweiten Ko-
lumne die arsacidische Textform, aus der der Vulgatatext in der
Sassanidenzeit transskribiert wurde, und die aus diesem Vulgata-
text mit fast völliger Sicherheit rekonstruiert werden kann. Darauf
folgt in der dritten Kolumne wiederum der Vulgatatext, aber in
Umschrift, endlich in der vierten Kolumne ein „Urtext'', durch
welchen dargestellt werden soll, was für Formen hinter der un-
bestimmten und mehrdeutigen Lautbezeichnung des arsacidischen
Textes verborgen sind, wie also die Ghäthäs im Munde ihres Ver-
fassers wirklich lauteten. Daß die Rekonstruktion dieses Urtextes
problematischer ist als die des arsacidischen Textes, entgeht uns
nicht. Aber sie ist eine dringende Aufgabe der Forschung und
eine notwendige Vorbedingung für Gewinnung des grammatischen
und exegetischen Verständnisses der zurathusthrischen Ghäthäs.
Bei der Feststellung der Textformen befolgten wir im ganzen
dieselben Grundsätze, wie in den früheren Publikationen. Für das
Einzelne verweisen wir auf die Anmerkungen, die in einem der
nächsten Hefte der Nachrichten erscheinen werden.
1) Wir bemerken, daß die kritische und exegetische Arbeit an den Ghäthäs
uns beiden gemeinsam angehört; im übrigen für alles Iranische und Armenische
Andreas, für das andere Wackernagel in der Hauptsache die Verantwortung
trägt. Mit Dank gedenken wir der Mitarbeit der Frau Dr. von der Pahlen in Potsdam,
und der Herren Dr. Herman Lommel und stud. phil. R. Clemens hier. Die beiden
letzteren leisteten auch bei der Drucklegung wertvolle Dienste. Herrn Oldenberg
schulden wir Dank für freundliche Belehrung über Vedisches; hiermit soll ihm
irgendwelche Verantwortung für das, was wir nach dieser Richtung bringen, nicht
aufgebürdet werden.
364
F. C, Andreas und J. Wackernagel,
Vulgata in Awestaschrift.
38.
1.
3.
Arsacidischer Text.
38.
1.
im:o Dinin t^^iimi
2.
3.
^JN'JDIN S^Ü)S INI V
omns NvoiNirö
NHDv pir 'NiniDn no nn
Übersetzung.
Y. 38.
1. In Anbetung die Hände ausstreckend, erbitte ich mir, o
Weiser, durch die Wahrheit als erstes alle Werke dieses (mich)
emporhebenden Segenspendenden Geistes, damit ich den Willen des
Guten Sinnes und die Seele des Stiers zufrieden stelle.
die erste, zweite und fünfte Ghäthä des Zura'^thuSthro. — Y. 28, 1—3. 365
Talgata in Umschrift.
38.
1.
Ahyä yäsä nema*?hä
ustänazastö rafeSrahyä
manyeus mazdä pourvim
spantahyä a§ä vispöng syao-O-anä
va»li9us xratüm manawhö
yä xSnevisä g9ugcä urvf^nem.
2.
yä vä mazdä aliurä
pairi.jasäi vohü mana^hä
maibyö dävöi ahvä
astvatascä hyatcä manawhö
äyaptä asät hacä
3^äis rapentö daidit x^äOre.
3.
yö vä asä ufyäni
manascä vohü apaourvim
mazd^mcä ahuram
yaeibyö xsaOremcä aYzaonvam-
varedaiti ärmaitiS [nem
ä möi rafeSräi zavöng jasatä.
Urtext.
1.
Ohyo yä^sä^ nomohä^
iistönozusto ra^fturohyo
monyoug muz§a^ pürviyom
spontohyo urtä"^ vispön Sya^uOnä'
vohous xra^tum monoho
yä^ xsnovisä^ Y^us ca^ urvönom.
yo vö muzSä'^ ohura^
pa^riznsä^i vohü monohä^
ma^ßyo Sä^voi ohuvö
a^stvuta^s ca^ yot ca'^ monoho
ä^ya^ftä^ urtä^t ha^cä^
yä^is ra^ponto §ita* huvä^&roi.
3.
yo vö urtä^ ufyöni
mona^s ca^ vohn upurviyom
muzööm ca'^ ohurom
yoißyo xsa^^^rom ca'^ u^zinvom-
va^rSaHi a^romutis [nom
ä* moi ra^f&rä^i za^vön ^usa^ta^.
2. Der ich euch verehren v^^ill, 0 Weiser Herr, (dich) mitsamt
dem Guten Sinne, gebt mir entsprechend den Anordnungen der
Wahrheit die Gaben der beiden Welten, sowohl der körperhaften
als der des Geistes, durch die ihr (mich) emporheben und so in
Seligkeit versetzen möget.
3. Der ich euch (alle), den Weisen Herrn und den Guten Sinn
samt der Wahrheit, wie nie zuvor verherrlichen will und ebenso
die, denen die Frömmigkeit ihr Reich wachsen läßt, ohne daß es sich
je mindert, kommt herbei auf meinen Ruf, um mich emporzuheben.
366
F. C. Andreas und J. Wackernagel
O.
6.
• -»»c-^ **-»•»')>-»«• .
>-"<? • H'(JÜj(Ü-»>>J • W-*»^*\*-^ • -^vo
7.
snijo sinn m inii
oiNJinv^tr N^i^^nms
N^nnins isiro t^iTi
s^Kin ^ND^s nv
K^ninis ^ti^'K ^NDn ms
o.
^jNDm S3n nD sinis
^Niins Nvoin^:»
oint:^no simo sjs
6.
sm^o ni:i mit
vs:im 1S1 Sims ns-r
Nirü ti^^NnniK in t:^^Nii:^nis
iJiDi nmn^tfis ^sinirimr
Sims svs^aons
sorslnin ist:^m initi^^ai s»
onnis Disn sims nst
imio sns^ss i^nnii
mois in nsT
4. Der ich eins mit dem Guten Sinne darauf bedacht bin,
daß die Seele wach sei, und der ich die Belohnungen des Weisen
Herrn für die Taten kenne, ich will, solang ich kann und vermag,,
lehren nach der Wahrheit zu streben.
5. Werd ich dich und den Guten Sinn samt der Wahrheit
erschauen als ein zum Wissen Gelangter und den Thron (?) (und)
Diener des mächtigsten Weisen Herrn? Mögen wir durch jenen
die erste, zweite und fünfte Ghäthä des Zura^thiisthro. — Y. 28, i— 7. 367
4.
yä urvf^nem man gaire
vohü dade haörä manawhä
aSiScä syao^anan^m
vidus mazdä ahurahyä
yavat isäi taväca
avat xsäi aese asahyä.
o.
a§ä kat ^wä darasänl
manascä vohü vaedemnö
gätümcä ahuräi
S9vistäi seraosam mazdäi
anä m^^^rä mazistem
väuröimaidi xrafsträ hizvä.
6.
vohü gaidi mana*?hä
däidi asä da daragäyu
8resväi§ tu uxSäis mazdä
zaradusträi aojö^^hvat rafenö
ahmaibyäcä ahurä
yä daibisvatö dvaesä taurvayämä.
däidi a§ä tspi agim
va»häus äyaptä mana^hö
däidi tu ärmaite
4.
yo urvönom mon yaroi
vohü SiSoi hu8rä'^ monohä'^
nrtiS öa^ sya^uönönöm
viSus muzöo ohurohyo
yä^va'^t isä^i ta^vä^ öa^
ä'^va'^t xsp^i a^iSoi urtohyo.
5.
nrtä* ka^t d-vä^ Sa*rs5ni
mona^s ca* vohu viSomono
Yä^öum (Yä^tam) ca^ ohura^i (-ra^ya*)
sovigta^i (-tä^ya^) sra^uSom muzSa^i
[onä^ mon&rä'^ ma'^zigtom
va^vroima'^Si xFa^fsörä"^ hizuvä*.]
6.
vobii YuSi monohä^
Sä^Si urtä^ So SürYä^ya
urSvä^is tft uxtä'^is muzda*
zura'^Ousürä^i a^uzohvut ra'^fno
uhma'^ßyo ca'^ ohura'^
yä^ SviSato öva*isö ta^roima'^.
§ä*3i urtä^ töm urtim
vohöus ä^ya^ftä^ monoho
Sä^§i in a^romuti
Spruch, indem wir ihn aussprechen, die schädlichen Tiere Jcräftigst ab-
wehren.
6. Komm mit dem Guten Sinn, gib du, o Weiser Herr, durch
die Wahrheit als langdauemde Gabe gemäß deinen erhabenen
Worten (?) dem ZurathuSthro und uns mächtige Erhebung, damit
wir die Feindseligkeiten des Feindes überwinden mögen.
7. Gib durch die Wahrheit jene Belohnung, die Gaben des
368
F. C. Andreas und J. Wackernagel,
8.
10.
INIKI NOnnD NinJO 11 K^
8.
Nnti^'ni NDD Dint^^^m
Dit:^irn Nnt:^^ni siniK dv
ti^^uiNi NDN> oninN
Nvs^^o ^s"intriti^iiD nii
nniniiNi n^K nvd'3^^
ini:o t:^iinii n^ ^ndd^
9.
NiinN nnj 1K1 ty^KjN
Dint^^^ni n^ nvdjo
oisnino ^öiDi Noin^v ii m^
imiN^ntrniT Di^v
DiKniiD K^onnt^^n w^^s
10.
NDD^ii N^nsnniK ]v n»
inijo pnsi Nvtr^iimi
NninN Niro pannw
NT1 n:idk [N^3ot:^n] ii n»
iNiiD N'DJi N^niin
Guten Sinnes; gib durch die Frömmigkeit dem Vi^täspo und mir
Stärkung; mögest du das geben, o Weiser, und mögest du durch
deine Herrschermacht es fügen, daß wir eure Worte hören.
8. Um das Beste bitte ich, o Bester, dich den Herrn, der
gleichen Willens ist mit der Besten Wahrheit, indem ich es wünsche
für den Helden FraSauSthro und für mich und für die, denen du
für alle Zeit Anteil am Guten Sinn gewähren wirst.
9. Um dieser Gunstbeweise willen möchten wir euch, o Herr^
die erste, zweite und fünfte Ghathä des Zura'^thusthro. — Y. 28, 7—10. 369
visto^-a^'spä^ isom ma^ßyo ca*
85s tu muzSä^ xsa^yä^ ca^
yä^ vo monOrä^ sruvlma^ rä^Sö.
vi^täspäi isam maibyäcä
dästü mazdä xsayäcä
yä V9 m^^rä srevimä rädä.
8.
vahistem ^wä vaMstä
yäm a§ä vahiStä hazaogam
ahurem yäsä väunus
naröi ferasaosträi maibyäcä
yaeibyascä it räwha^höi
vispäi yave vawhäus mana^hö.
9.
anäig vä nöit ahurä
mazdä asemcä yänäis zaranaemä
manascä hyat vahiStam
yöi vä yöi^emä dasemö stüt^m
yüzäm zavlstiyä^bö
T§ö xSa^ramcä sava^h^m.
10.
at yäng asäatcä vöistä
va^häugcä dä^äng manai^hö
ere^wäng mazdä ahurä
aeibyö peranä äpanäis kämem
at vä x^maibyä asünä vaedä
x^arai^yä vaintyä sravä.
8.
va^hiStom i>vä'^ va^bista^
yom urtä'^ va^histä^ buza^usom
oburom yä'^sä^ va^vnus
na'^roi fra^o-u§9rä^i ma'^ßyo ca^
yoißya^s ca'' it röhoboi
vispä^i ya^voi vohous monoho.
9.
[onä^is vö noit obura^
urtom ca'^ yönä^is zurnima^
mona^s ca^ yot va%i§tom
yoi vo yoituma'^ dä^smoi stutöm
yüzom zovistiyöbo
iso xga'^örom ca^ sa^voböm.]
10.
[äH yön urtä^t ca^ voista^
vobouS ca^ 8äHön (Sä'^^'ön?) mo-
ur8vön muzSa^ obura* [noho
aißyo purnä^ ä^ponä^is kömom
äH vo ä^sunä^ voiSa^
hnvar-O-iyä^ vontiyä'^ sra^vö.]
dich und die Wahrheit und den Besten Sinn nicht erzürnen, die ivir
uns um die Darhringung von Lobgesängen für euch bemühen. Ihr
fördert am meisten die Lebenslcräfte und den Besitz der Seligkeiten.
10. Und die du an ihrer Wahrhaftigkeit und ihrem guten Sinn
als würdige Fromme erJcannt hast, 0 Weiser Herr, denen erfülle den
Willen und lasse sie (das Gewünschte) erlangen. Ich weiß ja, daß
die an euch gerichteten flehentlichen Worte, ivenn sie ein gutes Ziel
erstreben, von Erfolg begleitet sind.
370
F. C. Andreas und J. Wackernagel,
11.
39.
1.
Y-X3*»J<? • -^r^i\^
2.
3.
11.
39.
1.
«vorn ioit:^^N no nk
N^ti^mn [N^]t:^nn K^st^^^n [ns] lon
noniD t:^ii;i Ki^^n «ix
it:^n3n VKni;i k-iddki Nin
onins Nni^^is ^in ü)d
11. Der tc7t desJuüb die Wahrlieit und den guten Sinn für alle
Zeit heivahren ivill, lehre mich du, o Weiser Herr, aus deinem Geiste
durch deinen Mund, damit ich sagen kann, wie das erste Sein ge-
worden ist.
Y. 29.
1. Euch klagte die Seele des Stieres : „Für wen habt ihr mich
^gebildet? wer hat mich geschaffen? Mich haben zornige Erregung
„und Vergewaltigung, Blutdurst, Frechheit und rohe Kraft in
die erste, zweite imd fünfte Ghäthä des Zura^thusthro
11.
ye äi§ asam nipäwhe
manascä voliü yavaetäite
tvem mazdä ahurä
frö mä sisä ^wahmät vaocawlie
manyöus hacä ^wä äaä^^hä
yäis ä a^hus pourvyö bavat.
39.
1.
Xsmaibyä göns urvä gorazdä
kahmäi mä ^warözdüm kö mä
ä mä aeterno hazascä [tasat
romö ähiSäyä dereScä teviscä
nöit möi västä xsmat anyö
a-O-ä m^öi sf^stä voliü västryä.
2.
adä taSä gäug porosat
asam kaO-ä töi gavöi ratus
hyat him data xSayantö
hadä västrä gaodäyö '8'waxsö
kam höi ustä ahurem
yö dregvödebis aesemom vädäyöit.
3.
akmäi asä nöit sarejä
advaesö gavöi paiti.mravat
Y. 28, 11—29, 3. 371
11.
[yo ä'^is urtom nipöhoi
mona'^s ca'^ voliu ya^va^itä'^toi
tuvom muzöä'^ ohura^
fro mä sisa^ OvohmäH va'^ucohoi
monyous ha^cä^ ^vä^ öhä'^
yä^'is ä'^ ohus parviyo ßavat (ßüt).]
39.
1.
Xsma^ßyo yous urvä'^ Yurzöa^
kohmä^i mä'^ ^vurzSvom ko mä*
ä^ mä'^ a^ismo ba'^za^s ca* [ta^sa^t
römo hisä^ya^ öur§ tovis ca^
noit moi vä'^stä^ xsma^t onyo
ä'^t moi somsta^ vohü vä^s^riyä*.
2.
a^§ä^ ta^sä'^ Yous pursa^t
urtom ku^ä^ toi Yovoi ra'^tus
yot bim SäHa* xsa'^yonto
huSa'^ vä'^s^rä* YOiiSä'^yo •O'va^xso
kom boi usta'^ oburom
yo öruYVii§ßi§ a^ismom vä^Sä'^yoit.
3.
obmä^i urtä^ noit sa^rzä^
uöva^iso YOvoi paHimra'^va'^t
„Banden gescblagen. leb babe keinen andern Hirten als eucb; so
„sprecbt mir die Wobltaten der Weide zu".
2. Da fragte der Scböpfer des Rindes die Wabrbeit: ^Wie
,,stebt es mit deiner Anordnung für das Rind, wonacb ibr ibm als
„seine Besitzer außer der Weide aucb die ibm zukommende eifrige
„Pflege geben sollt? Wen wolltet ibr ibm zum Herrn, der den Zorn
„mitsamt den Lügnern zurückstoße?"
3. Ibm antwortete sie: „Infolge der (Bestimmung durcb die)
372
F. C. Andreas und J. Wackernagel,
6.
4.
5.
NinS l^^^KJKDDIN INI HN
N^sninN NJounD tr^^snor
V31ND11D nn oiNiTo n>
6.
inon IHN Nvs n^u
Nmj^i^^D San n dn
„Wahrheit gibt es für das Rind keinen Gefährten, der ihm nicht
„Leid brächte. (Denn) man weiß nicht, wie unter jenen die Hoch-
„ stehenden mit Niedrigerstehenden umgehen. Der Seienden Stärkster
ist der, auf dessen lluf ich mit komme.
4. Der Weise erinnert sich aufs genaueste an das,
was von Teufeln und Menschen früher getan wurde und künftig getan
werden wird. Er, der Herr, hat die Entscheidung; so wird es
„sein, wie er will".
5. (Die Seele des Stieres spricht:) „So beten wir zu euch mit
die erste, zweite und fünfte Ghäthä des Zura^thusthro. — Y. 29, 3—6. 373
a^va^iscm noit vi§oi
j8i^ syavuta'^i ä^Srön ursvöho
[imtöm ho a^uzisto
yohmä^i za^vön zimä'^ kurSuSä^.]
avaes^m nöit viduye
yä savaite ädräng eresvänhö
häti^m hvö aojistö
yahmäi zaväng jimä karedusä.
4.
mazdä sax'^ärä mairiStö
yäzl väv9r9zöi pairT ci^-it
daeväiscä masyäiscä
yäcä varesaite aipici^it
hvö vicirö ahurö
ad-änä awhat ya^ä hvö vasat.
5.
at vä ustänäi§ ahvä
zastäis frmemnä ahuräi ä
mä urvä gauScä azyä.
hyat mazd^^m dvaidi ferasäbyö
nöit erezajyöi frajyäitis
nöit ßuyente dregvasü pairi.
6.
at ä vaocat ahurö
mazdä vidvä vafüs vyänayä
nöit aevä ahü vistö
naedä ratus asätcit hacä
at ZI -ö-wä ßuyantaecä
västryäicä ^wörastä tatasä.
4.
[muzSö sohva^r ma^riSto
yä^ zi vä^vurzoi puri cit it
Sa^ivä'^is ca^ murtiyä^is ca^
yä^ ca"" va^rsa^^ta^'i a^pi cit it]
ho viciro ohuro
a'^öä^ oha'^t yoöä'^ ho va^sa^t.
5.
äH vö ustönä^is ohva'^
zustä'^iS frinomnä^ ohurä^ya^
mo urvä^ you§ ca^ a^zyö
yot muzSöm Sva'^Si frosößyo
noit urzziyoi frozyäHiS
noit fsuyontoi SruYVusu pa'^ri.
6.
ä^t ova'^uca^t ohuro
muzSö viSvö va^pus vyönoi ä^
noit a^ivä^ ohü visto
noiSa^ ra^tuS urtäH öit ha^cä^
äH zi Ovä'^ ßüyontoi ca^
vä^si>riyä'^i ca^ Ovorstä^ ta^ta^a^
„zum Herrn erhobenen Händen, wir beide, meine Seele und die der
„Mutterkuh, um den Weisen zu Anordnungen zu bewegen, damit
„nicht für Rechtlebende (wie wir) noch auch für den Heger des
„Viehs Bedrückung (sei), inmitten der Lügner, die ringsum sind".
6. Da sprach der Weise Herr, der die Welt der Erschei-
nungen (?) in seiner Seele kennt: „Nicht gibt es (für dich) einen
„Herrn noch auch einen Richter nach der Anordnung der Wahr-
„heit; denn dich hat der Bildner für den geschaffen, der sowohl
„das Vieh hegt als auch für seine Weide sorgt.
Kgl. Ges. d. Wiss. Nachrichten. Phil.-hist. Klasse. 1913. Heft 3. 25
374
F. C. Andreas und J,
7.
•o ♦ Vi) *UJ^S!»{^--C • --»»--^ • ty^i^ ' r?-^>*0
8.
9.
10.
-1-yjj.Jj.C.^eyl^.gj
»»J»
Wackernagel,
7.
it^^irn Nim« ni:^n onmo
V3^nnO «INIIN DN^Nl ^N V
inO^I Nl'N no DVN
Nnt^^i: in:dnd ivn ij v
lONn^DD i-int:^innr
Nv^NnniN ^nt:^i Niro ij i^n
^nviNiD Ninmonv
N^nimni ^nh oionin nn n^
9.
Nnon NniN tt^ii:i n^hn
OHNi ^:5ioit:^n dii^^^jn v
N^niiDN t:^m: divni
onnt:^n ki^^^n ^didi no v
nniN iin nv nid
11N ninor mi nn v
10.
NiinN va^N nivv
Nvonnt^^n NnmN nhni i:iin
Nnijo imi niN
7. „Für die Kuh schuf der mit der Wahrheit gl eichgesinnte
Weise Herr den Zauberspruch, kraft dessen sie Butter und Milch
liefert zu gunsten der Essenden, er der Segenspendende durch
sein Gebot". (Die Seele des Stieres spricht:) „Wen hast Du, der
mit Hilfe des Guten Sinnes uns beide (mich und die Mutterkuh)
pflegen wird den Menschen zum Nutzen?"
8. (Der Gute Sinn spricht:) „Dieser hier ist mir bekannt, der
einzige, der unsere Lehren hörte : Zurathu^thro Spitömo ; er will
unsem Ruhm, o Weiser, und den der Wahrheit, verkünden.
die erste, zweite und fünfte Ghäthä des Zura^thusthro. — Y. 29, 7—10. 375
7.
täm äzütöis ahurö
mi^^ram taSat asä hazao§ö
mazdä gavöi xsvldamcä
hvö uruSaeibyö spentö säsnayä
käste vohfi maiiai?hä
yö i däyät 5oävä maretaeibyö.
8.
aem möi idä vistö
yä nä aevö säsnä güsatä
zaraduströ spitämö
hvö ne mazdä vasti asäicä
carekere^Tä srävayawhe
hyat höi hademäm dyäi vaxaSra-
[hyä.
9.
atcä g9us urvä raostä
yö anaeSem xsqnmäne rädam
väöem naros asürahyä
yäm ä vasami isä xsaOrlm
kadä yavä hvö a;ahat
yä höi dadat zastavat avö.
10.
yüzäm aeibyö ahurä
aogö data asä xsaOramcä
avat vohü manawhä
tom ä'^zutois ohuro
monilrom ta'^saH urtä^ huza'^i^o
muzSö Yovoi xsviSöm ca*
hvorus(o)ißyo sponto sä'^sna'^yä^
ka^s toi vohü monohä'^
yo i Bä^yäH öva'^ murtoißyo.
8.
a'^yom moi ioa'^ visto
yo no oivo sä'^snö ^usa^ta^
zura^öus&ro spitömo
ho no muzSi^^ va'^sti urtä^i ca"^
ca'^rkur^rä^ srä^va'^yohoi
yot hoi hü§mom (hvä^mom) §i-
[yä^i va'^x^rohyo.
9.
ä'^t ca^ Yous urvä^ rusta''
yo unisom xsonmonoi rä'^Som
vä'^com nurs usürohyo
yo mä^ va'^smi iSä'^ x§a^{>riyom
ka'^Sä^ ya^^ä^ ho oha^t
yo hoi Siöa'^t zusta^vut a^vo.
10.
[yü^om a'^ißyo ohura^
a^uYO Sä'^ta'^ urtä'' xsa'^&rom ca*
a^va'^t vohü monohä'^
^ Darum soll ihm gegeben werden Süße des Mundes".
9. Da klagte die Seele des Stieres: ^(Weh), daß ich einen
„kraftlosen Fürsorger, die Stimme eines schwachen Mannes hin-
nehmen mnß. der ich doch einen kraftvollen Herrscher wünsche".
(Der Dichter spricht:) „Wird jemals der erscheinen, der ihm (dem
„Rinde) handfeste Hilfe leiste?"
10. Gebt ihnen, 0 Herr, durch die Wahrheit Kraft und durch
den Guten Sinn jene Herrschaft, durch die er gute Wohnstätten und
25*
376 F. C. Andreas und J. Wackernagel,
11.
S2.
1.
2.
D1T1 D^niD ^miü Dwan
11.
N^inii Dnnis nid
'Jijti^n NID Niro Di^v
33.
1.
iNiro NoiiNniN Kamins
^n:it:^^3i INI "»v inNt pn
2.
niHN iNiro va^N
Nmjo inn uötind
nr.o^riD N^fn riNnntrn
NnNi:iin Nntrin nihin
nmN u Nn nom o^imi
<ite Segnungen des Friedens schafft. Ich für mein Teil habe dich, o
Weiser^ erkannt als den uranfänglichen Spender dieser Dinge.
11. Wo ist die Wahrheit und der Gute Sinn und die Herr-
schaft? Erkennet mich als würdig an, o Weiser , durch die Wahrheit
die große Gabe eu erkennen. 0 Herr, nun sie uns geholfen hahcn^
wollen tüir Diener von Euresgleichen sein.
Y. 83.
1. Und dieses, des weisen Herrn, Seligkeit erstrebte in dem-
die erste, zweite und fünfte Ghathä des Zura'^thusthro. — Y. 29, lo. ii — 32, i. 2. 377
yä^ husitis römön ca'^ Sä^t
yä husitis räm^^mca dät
azämöit ahyä mazdä
^wf^m mäwhi paourvlm vaedam.
11.
kudä asem vohucä
manö xsa^ramcä at mä ma^ä
ynzäm mazdä fräxsnane
mazöi magäi ä paiti.zänatä
ahurä nü nä avare
öhmä rätöis yüsmävatf^m.
32.
1.
Ahyäcä x^'aetus yäsat
ahyä verezänem mat airyamnä
ahyä daevä mahml manöi
ahurahyä urväzemä mazdä
^wöi dütä^hö ä^ihämä
töng därayö yöi vä daibisenti.
2.
aeibyö mazdä ahurö
säremnö vohü mana^^hä
x^aOrät hacä paiti.mraot
asä hushaxä x^änvätä
spent^^m V9 ärmaitlm
va?^uhim varemaidi hä nä a*?hat.
a^zom cit ohyo muz§l'
tuvöm momhi parviyom va'^iSom.]
11.
[kuSa'^ urtom voha ca^
mono xsa^örom ca^ ä'^t mä* urtä*
yüzom muzSa* froxsnönoi
ma'^zoi ma'^ä^ya* pa^tizönta*
ohura'' nü nö ä^vur
ohöma'^ räHois yosmä^viitöm.]
1.
Ohyo ca'^ hva^'itus yä^sa^t
ohyo vurzonom maH a^ryomnä'
ohyo öa^ivä* homoi mnoi
ohurohyo vra^zumä* mnzSö
^voi Sütöho ohöma*
tön Sä^ra'^yo yoi vö Svisonti.
2.
a^ißyo muzSö ohuro
sä^romono vohü monohä*
xsa^&rä^t ha^cä^ pa^timra^ut
urtä'^ husa'^xä* huvonvutä*
spontöm vo a^romutim
vohvim vurma^Si hä* no ohaH.
selben Sinne einerseits das Familienmitglied (und) das Geschlecht
mit dem Stammverwandten, (anderseits) die Teufel; (indem beide
Parteien sagten:) „deine Boten wollen wir sein, um die abzuhalten,
„die euch hassen".
2. Ihnen antwortete der Weise Herr, der mit dem Guten Sinne
vereint und mit der leuchtenden Wahrheit eng befreundet ist, aus
seiner Machtfülle heraus : „Für eure segenspendende gute Fröm-
„migkeit haben wir uns entschieden; sie sei unser.
378
F. C. Andreas und J. Wackernagel,
3.
4.
6.
^nt^ ti^o INI NVD'
5.
Nm:o NDN INI n'
Nni^i Dijnv^i:^ n3n
6.
NnirnN^iN iN:^N«mD
t^^'Nn nv^ w^mN-iD t^^^N'
NIIHN ^JNIO NDNn >nN]
3. „Aber ihr Teufel alle, und wer euch hoch verehrt, seid
aSprößlinge des bösen Geistes, der Lüge und des Hochmuts. Auch
;,eure Taten sind zweideutig, durch die ihr großen Ruf erworben
»habt im Siebentel der Erde.
4t, „Dadurch daß ihr die schlechtesten Dinge befehlt, durch
„deren Vollzug die Menschen als Teufelslieblinge zunehmen und
die erste, zweite und fünfte Ghäthä
3.
at yüs daevä vispä«?hö
akät manawho stä ci^ram
yascä vä mas yazaite
drüjascä pairimatoiscä
syaom^m aipi daibitänä
yäis asrüzdüm bümyä haptai^e.
yät yüstä framima^ä
yä masyä acistä dantö
vaxsente daevözustä
va^häus slzdyamnä mana)^ho
mazdä ahurahyä
xratäas nasyanto asäatcä.
5.
tä debonaotä masim
hujyätöis amaretätascä
hyat vä akä mana^^hä
yäng daeväng akascä mainyus
akä gyao^anem vaca^hä
yä fracinas dregvantem xsayö.
6.
pourü-aenä änäxstä
yäis srävaliyeiti yezi täis
a^ä hätä maräne ahurä
des Zura^thusthro. — Y. 32, 3—6. 379
3.
ä*t yüs Sa^ivä^ vispöho
a%äH monoho sta^ ciörom
yos ca^ vö ma^s yozaHa'^i
Sruza^s ca'^ pa'^rimutöis ca^
sya'^amön a^pi Svitönä*
yä^is a^sr(a^)uz§vom ßümyö ha^f-
[tu^oi.
4.
yäH yüs tä'' fromiinita^(-^a^ ?)
yä^ murtiyä'^ a^cistä^ §onto
va'^xgonta'^i öa^ivo-zuStä*
vohous sizSyomonä'' monoho
muzSö ohurohyo
xra^tous na'^syonto urtä^t ca*,
5.
tä^ §ußnuta''(-^a''?) murtiyom
Irnzyätols umurtri''ta''s ca'^
yot vö a'^kä'' monohä*
yön öa^ivön a^a'^s c(ina^s?) mon-
a^kä'^ sya^uönom va'^cohä^ [yu§
yä^ frocina'^s SruYvontom x^a'^yo.
6.
puru-a^inö onä^xsta'
yä'^iS sra^vohyoti yozi tä'^is
hä^tä^ ma^^rona'^i ohura'^
„vom Guten Sinn abfallen und von den Gedanken des Weisen
Herrn und von der Wahrheit abkommen,
5. „betrügt ihr den Menschen um Lebensglück und Unsterblich-
„keit, welches Tun euch Teufel der Böse Geist durch den bösen
„Sinn gelehrt hat und durch das böse Wort, mit dem er ver-
„ sprechen hat, daß der Lügner herrschen solle".
6. Wenn (auch) der vielfrevelnde Mensch so wie er es erstrebt,
zum Ziele gelangt, so weißt du (dochj, o gedächtnisstarker Herr,
880
F. C. Andreas und J. Wackernagel,
8.
9.
Nm^o NDoni Nni:^^ni
N^msn n^i» iKnn n^vu
KnvN Njnn nsiD ir^N'
Nmns in oistr''
^ns inim>i Niro Dinnn^K
8.
iirut^n^^ pnnio v
NW[SN1 D^ni^^^N NO ISN
imjo tt^nmi o^nNn Disnnnu
N^no w^v^'o NnmK nh
durch den Besten Sinn, was ein solcher verdient. Denn in deinem
Reiche, o Weiser, und in dem der Wahrheit soll euer Wort Geltung
haben.
7. Zu jenen Frevlern soll sich kein Wissender stellen
, die, wie kundgetan, mittelst des flüssigen glänzenden
Metalls das Urteil spricht, (zu jenen Frevlern,) deren Lebensfazit
du, o weiser Herr, am besten kennst.
8. Als einer dieser Frevler wurde zumal bekannt Yomo der
die erste, zweite und fünfte Ghätha des Zura^thusthro. — Y. 32, 6—9. 381
vahistä vöistä mana^^hä
-O-wahmi vä mazdä xsa^röi
asäiöä säi^hö vid^m.
aess^m aenawh^,m
naecit vidvä aojöi hädröyä
yä jöyä säJ^liaite
yäis srävi x^'aenä ayawhä
yaes^m tu aliurä
irixtem mazdä vaedistö ahi.
8.
aes^;m aenawh^m
viva^hugö srävi yimascit
y9 masyöng cixsnusö
ahmäköng gäus bagä x^äremno
aes^mcit ä ahmi
Owahml mazdä vici^^öi aipi.
dus-sastis sravä mörendat
hvö jyätäus säwhanäis xratüm
apö mä istim apayantä
l)9r9x§am liäitim va«?häas mananliö
tä uxSä manyöus mahyä
mazdä asäicä yüsmaibyä geraze.
va^histä'^ voista'^ monohä'^
övohmi vo muzSä^ xsa^öroi
urtä'^i (-tä^ya'^) ca'^ somho viSöm.
7.
a'^isom a^inohöm
noi cit viSvö a'^uzoi hä*Sröyä^
yä'^ ziviyä^ somliaHi
yä^is srä'^vi huva^inä'^ a^yohä^
ya'^isöm tn ohura'^
rix^om muzSä^ va^iSisto a^hi.
8.
a'^isöm a^inohom
v(ä^jivohuso srä^vi yoma'^s cit
yo murtiyön cixsnüso
ulimä%ön yous ßa^^-ä^ hva^romno
a'^isöm citä'^ ohmi
^vohmi rnuzSä"^ vicitoi a^pi.
9.
§ussustis sra^vö mumSa^t
ho zyötöus somhonä'^is xra^tum
a^po mä'' Istim yonta'^
ßurxtöm häHim vohons monoho
tä^ uxtä^ monyous mohyo
muzöä^ urtä'^i ca^ sma^ßyo Yurzoi.
Sohn des Vivohvont, der den zu uns gehörigen Menschen zu ge-
fallen suchte, indem er Stücke vom Rinde aß. Bei deren Bestrafung
bin ich alsdann, o Weiser, unter deinen Auserwählten.
9. Der Lästerer zernichtet die (heilige) Lehre, er durch seine
Reden weise Lebensführung. Er hält fem den Besitz des guten
Sinnes und dessen liebe Erlangung. Mt diesen Worten, die der
Ausdruck meiner Gesinnung sind, klage ich euch und der Wahrheit,
0 Weiser.
382 F. C. Andreas und J. Wackernagel,
10.
11.
12.
oo •*
13.
10.
r\i^)y\i:i m^)iü s: so im
Nti:iiN mii^i oint:^^vN v
nKi-t ini:im pn^i nvd^
11.
onn iniJinn ^nv^DK
12.
lisnnD nw^nv^ir nNnt:^m>
nno NDN iKiro va^K
Dinvv ^nniK^trnNniK pijmo tt^ii:i n^
Nmi nNiniN Nomij c^^n^
13.
nDt:^^ ionm;i Kini^^n «^
N^N nsnnio itniniK
10. Der Mann fürwahr zernichtet die Lehre, der das Rind und
die Sonne für den schlimmsten Greuel erklärt, den die Augen sehen
können, und der die Frommen zu Lügnern macht, und der das Gras
von den Weiden raubt, und der die Waffe zückt gegen den Frommen.
11. Alle die zernichten das Leben, die als Lügner angele-
gentlich darauf bedacht sind , Hausfrauen und Hausherrn um den
Besitz ihres Erbes zu bringen, sie, die sich, o Weiser, vom besten
Sinne, der dem Wahrhaften eignet, abwenden.
die erste, zweite und fünfte Ghätha des Zura^thusthro. — Y. 32, 10—13. 383
10.
hvö mä nä sravä mörendat
yä acistem vaena^^he aogedä
gs^m asibyä hvarecä
yascä däOäng dregvatö dadät
yascä västrä viväpat
yascä vadarä vöizdat asävne.
11.
taecit mä mörendan jyötüm
yöi dragvanto mazibis ciköiteres
aisuhiscä awhvascä
apayeiti raexanawhö vaedem
yöi vahistät asäunö
mazdä räresyj^n manawhö
12.
yä räwhayen sravawhä
vahistät gyao^anät maratänö
aeibyö mazda akä mraot
yöi göus mörendanurväxsuxti jyö-
yäis grähmä asät varatä [tum
karapä xsaöramcä isans^m drujom.
13.
yä xsa^rä gräbmö hiSasat
aci^tabyä demäne mana*?hö
a*?häus maraxtärö ahyä
10.
ho ma^ nä^ sra^vö murnSa^t
yo a^cistom va^inohoi a'^uYÖa*
Yöm a'^sißyä* huva^r ca*
yos ca^ §äHön(-^ön?) Sru^vato Siöä^t
yos ca"" vä'^s^rä'^ viva^paH
yos ca"" va^Sa^r voizSa^t urtä^vnoi.
11.
toi cit mä^ mumSon zyötam
yoi SruYVonto ma^zßis cikoiturs
ohvis ca^ ohuva^s ca^
a^po^yuti ra^ixnoho va^iSom
yoi va%istat urtä^vno
muzSä'^ rä^rusyon monoho.
12.
yä^ röha'^yon sra^vohä^
U) (~)
va'^bigtäH sya^ui)nä*t murtöno
a^'ißyo muzSö a%ä^ mra^'at
yoi 70US murnSon vrä^xsuxti zyötum
yä*is Yrohmä^ urtäH vurta^
ka^'rpä^ xsa'^i^rom ca^ iSnöm Srnzom.
13.
yä^ xsa^^rä^ Y^^ohmo hissaH
a^cistohyo Smönoi monoho
ohous ma^rxtä^ro ohyo
12. Weil sie durch ihr Wort die Menschen vom besten Tun
abwendig machen, verflucht sie der Weise, sie die das Leben des
Eindes unter Freudenrufen zernichten, mit denen zusammen der
Opferpriester den Opferfraß und die Herrschaft
. . . die Lüge der Wahrheit vorzog.
13. Durch diese Herrschaft sucht sich der Opferfresser im
Hause des Bösesten Sinnes einen Platz, und (mit ibm) die Zer-
störer dieses Lebens, die dort, o Weiser, nach Herzenslust jam-
384
F. C. Andreas und J. Wackernagel,
14.
.\>
gu,,,
c^tai-
i-ii»
{}*0
15.
16.
14.
nno ^NH^ 1:^1^:1 Nvn^
15.
16.
N^nom n^^D^D vnnii:^iN v
N>nis jvi^^'N i:niik
mem mögen über deines Propheten Boten, der sie ausschließt vom
(seligen) Schauen der Wahrheit.
14. Auf dessen Hemmung richten der Opferfresser und ins-
gesamt die Kovi's schon längst ihre Überlegungen und Kräfte,
weil sie darauf ausgehen, dem Lügner zu helfen, und weil gesagt
wurde : „Das Rind ist von dem zu töten, der den todfernhaltenden
„(Hauma) bei der Kelterung aufleuchten läßt".
die erste, zweite und fünfte Ghäthä des Zura^thusthro. — Y. 32, 13— le. 385
yaecä mazdä jTgerezat käme
öwahyä m^Oräno dütäm
yä Is pät daresät a§ahyä.
14.
ahyä grähmö ä.höi^öi
ni kävayascit xratü§ ni dadat
varacä hiöä fraidivä
hyat visentä dragvantem avö
hyatcä gäus Jaidyäi mraoi
yä düraosem saocayat avö.
15.
anäi§ ä vi.nänäsä
yä karapötäscä kävitäscä
aväis aibi yöng dainti
nöit jyätäus xSayamnäng vasö
töi äbyä bairyänte
vai^höuS ä damäne mana^ho.
16.
hamäm tat vahistä cit
yä usuruye syasci| dakmahyä
xsay^s mazdä ahurä
yehyä mä aiöiscit dvaeöä
hyat aena^he dregvatö
öeänü iSyäng a^hayä.
yoi ca^ muzSa^ ziYurzut kömoi
-ö-vohyo mon^röno Sütom
yo i§ pä^t Sa^rsä^t urtohyo.
14.
ohyo Yrohmo ä%oitoi
ni kova^ya^s cit xraHüs SiSut
va^rcöhi ca^ froSivä^
yot visonta^ SruYVontom a^vo
yot ca^ Yöus zaSya'^i mra^vi
yo Süra^usom sa^uca^yaH ha^vo(i>.
15.
onä^is ä* vinonä'^sa'^
yä^ ka'^rpotös ca^ kovitös ca*
a^vä^is a'^ßi yön Sonti
noit zyötous xga'^yomonön va^so
toi afßi ä^ ßaryönta^i
vohoüS ä^ Smönoi monoho.
16.
homom ta^fc va'^hista^ cit
4
yo sya^s cit Sohmohyo
xsa^yons muzöa'^ ohura^
yohyo mä^ ä^i>is cit Sva^ya^i^ä'^
yot a^inohoi öruYVuto
önu (ovä^ nu?) iSiyön oha^yä'^.
15. Wegen dieses ihres Tuns ist dem Untergang verfallen die
ganze Sippschaft der Opferpriester und der Kovi's; wegen jenes
ihres Tuns werden anderseits ins Haus des guten Sinnes gebracht
werden die, von denen man sagt, daß sie nicht frei über ihr Leben
verfügen.
16
\
Papsturkunden in Frankreich.
VII.
Gascogne, Guienne und Languedoc.
Von
Wimelm Wiederhold.
In Druck gegeben von F. Leo am 9. März 1913.
Indem ich hier den dritten und letzten Bericht über meine
zweite Reise in Frankreich vorlege, kann ich mit besonderer Freude
feststellen, daß das Interesse für unsere Arbeiten sich in Frank-
reich immer lebhafter entwickelt hat. Selbst die Tagespresse hat
mehrfach — besonders ist mir ein Artikel des Journal des Debats
aufgefallen — unsere Arbeiten anerkennend besprochen und ihnen
dadurch eine nicht gering zu schätzende Förderung erwiesen.
Gerade dieses Interesse verbürgt uns ja überhaupt erst den vollen
Erfolg unserer Arbeit, und so können wir nur hoffen, daß es sich
immer mehr betätigen möge.
Die Zahl der von mir im Anhang gegebenen Urkunden ist
wieder eine ungewöhnlich große, und doch möchte ich nicht be-
haupten, daß meine Sammlung alles vorhandene Material erschöpft
habe. Die Gründe, weshalb das nicht der Fall sein kann, sind
bekannt; namentlich aber bieten die privaten Sammlungen sicher-
lich noch wichtiges Material, und sie sind in vielen Fällen doch
recht schwer zugänglich. So sind auch mir einige Türen ver-
schlossen geblieben, hinter denen noch Schätze für uns liegen oder
zu vermuten sind.
An Nachträgen für unsere Sammlungen wird es auch in
Frankreich nicht mangeln. Mehrfach sind die Nachforschungen
unserer Freunde schon erfolgreich gewesen. Herr Jacotin in Le
Kgl. Ges. d. Wiss. Nachrichten. Phil.-hist. Klasse. 1913. Beiheft. 1
2 Wilhelm Wieder hold,
Puy hat unlängst in der Soci^te scientifique et agricole de la
Haute-Loire über die Erwerbung eines Originals von Alexander
III. 1170 I 22 für die Collegiale Saint-Georges berichtet, Herr
Gandilhon in Bourges fand im Fonds d'Orsan ein kleines Chartular
s. XVII mit einer Urkunde Alexanders III. 1174 III 8 für Font-
evraud . von der ich allerdings noch eine bessere Überlieferung
zu finden hoffe ^), und ich selbst habe bei meinen Pariser Arbeiten
nicht nur meine Liste der Überlieferungen erheblich vermehren
können, sondern auch einige noch unbekannte Urkunden für Süd-
frankreich gefunden. Übersehen hatte ich seiner Zeit Eugen III.
J-L. 8843 (s. Anhang), und dazu kann ich jetzt noch geben die
wichtige Urkunde Hadrians IV. 1155 XI 7 für Saint -Mari de
Forcalquier (s. Anhang) und zwei Urkunden der Karthause Seillon,
Lucius III. 1183 V 16 (s. Anhang) und Celestin III. 1191 VI 6
(s. Anhang), die den Freunden der Geschichte der ehemaligen
Bresse und Bugey willkommen sein werden.
Nicht das ganze Languedoc umfaßt dieser Bericht; ich habe
seiner Zeit das Departement de l'Ardeche mit dem Dauphin^ (Papst-
urkunden in Frankreich III p. 6) und das Departement du Gard
mit der Provence (ebenda IV p. 38) verbinden müssen. Demnach
verteilen sich die hierher gehörigen Materialien gegenwärtig auf
die Departementalarchive von Montpellier, Carcassonne, Mende,
Rodez, Albi, Montauban, Toulouse, Foix, Perpignan, Tarbes, Pau,
Mont-de-Marsan, Auch, Agen, Cahors und Bordeaux, auf die
Kommunalbibliotheken derselben Städte und von Bayonne, die
Kommunalarchive von Montpellier, Perpignan, Karbonne, Millau,
Moissac, Condom, Bordeaux und La Röole, die Bibliothek der
medizinischen Fakultät in Montpellier, die Bibliotheken der archäo-
logischen Gesellschaften von Montpellier, llodez und Toulouse,
das Archiv des Herzogs von Levis-Mirepoix auf Leran (Ariege),
die Bibliothek der Frau Gräfin de Villele auf Merville bei Tou-
louse und die Nationalbibliothek zu Paris.
1) Maurice Prou hat im Bulletin der Archäologischen Gesellschaft von Sens
meinen fünften Bericht besprochen und darauf aufmerksam gemacht, daß sich
das Original von Innocenz II. J-L. 7863 und ein Originalfragmeut von Lucius IL
J-L. 8G88 für Saint-Pierre-le-Vif in Sens in der CoUection Tarbt^ in der Stadt-
bibliotbek zu Reims befinden. In Bourges hat Herr Gandilhon den Fonds Chapitre
m^'tropolitain Saint-Etienne de Bourges, über dessen Zustand ich Papsturkunden
in Frankreich V p. G Anm. 5 noch sehr klagen mußte, noch einmal durchsucht
und mehrere Überlieferungen gefunden, die ich nicht gesehen habe: Eugen IIL
J-L. 8883 Kopien von 1401 und 1524 (G. 28), Hadrian IV. J-L. 102G9 Orig.
(G. 223W»), Alexander IIL J-L. 13262 Orig. (G. 319) und Lucius III. J-L. 14969
Orig. (G. 28).
Papsturkunden in Frankreich VII. 3
Zum Schluß aber möclite ich nochmals, wie ich es schon im
Anfange meines fünften Berichts getan habe, der freundlichen
Unterstützung und Förderung dankbar gedenken, die mir die Leiter
dieser Institute haben zu teil werden lassen, namentlich die Herren
Berthelet in Montpellier, Brutails in Bordeaux, Pasquier in Tou-
louse, Gardere in Condom, Lempereur in E-odez, Palam^ in Cahors,
Tissier in Narbonne und J. A. Herbert vom British Museum in
London. Besonderen Dank schulde ich wieder Herrn H. Omont
in Paris und Dom Eobert Trilhe 0. C. in Toulouse.
Departement de l'Herault.
Eveche d'Agde. Inventar von 1618. Chartular von 1764:
Paris Bibl. Nat. Ms. lat. 9999 (Stein Nr. 25). Mss. lat. 12760,
12770. — Hadrian IV. J-L. 10219 0-
Eveche de Lodeve. Inventar von 1498 ^). Inventar von
1766 (solche von 1607, 1608, 1626, 1658 und 59, 1665 sind ver-
loren). — Eugen III. 1145 IV 10 (s. Anhang). — Hadrian IV.
(1155) IV 14^). — (1155) IV 16*). — 1158 VI 4 (s. Anhang). —
1155-59'). — Alexander III. 1162 X— 1163 I (s. Anhang). —
1) Vgl. Anhang Nr. 46. Gallia Christiana VI 677 „exstat in Agathensi
tabulario bulla Adriani IV summi pontificis ad Ademarura Agathensem episcopum,
data Rome VI id. decemb. 1158, qua ei abbatiam santi Seueri pluresque alias
confirmat ecclesias."
2) „Repertorium privilegiorum iurium aliorumque documentorum reverendi in
Christo patris et domini, domini Lodouensis et Montisbruni comitis, factum anno
domini 1498", mit zwei Abschriften s. XVII und XVIII. Dessen Hauptquellen
waren der verlorene „Liber privilegiorum" (Stein Nr. 2208) und der ebenfalls
verlorene „Liber viridis" (Stein Nr. 2209). J. Plantavitius de la Pause Chrono-
logia praesulum Lodovensium (Aramontis 1734) hat anscheinend auch nur das
Repertorium gekannt, die Urkunden aber ziemlich verwirrt, so daß schon Gallia
Chr. VI 538 an seinen Angaben Kritik übt. Die angeblichen Urkunden Johanns
XIII. (p. 42), Johanns XX. (p. 76), Clemens' IL (p. 76) und Alexanders IL (p. 78)
gehören wohl zu späteren Päpsten (vgl. Gallia Christiana VI 532, 534 und 535).
3) „Adrianus papa donauit domno P(etro) episcopo Lodouensi ecclesiam et
locum de Cornilio ad habendum disponendumque in canonicorum habitu seu mona-
chorum, archidiaconatum etc. sancti Petri. Datum Rome XVIII kal. maii" (Rep.
f. 4, f. 8 und (aus dem Lib. priv. f. 2) f. 143. Gallia Christiana VI 537 setzt die
Urkunde zu Anastasius IV. 1154 XVIII kal. iunii.
4) „Adrianus papa iuxta querimoniam sibi factam per domnum P(etrum)
Loduensem episcopum mandauit eidem, quatinus canonicos ecclesie Lodouensis qui
ipso inconsulto in aliis ecclesiis prebendas receperunt compellat alias dimittere
aut ita retinere, ut occasione huius modi assiduum seruicium ab eadem Lodouensi
ecclesia nullatenus subtrahatur. Apud sanctum Petrum XVI kal. maii" (Rep.
f. 143' aus Lib. priv. f. 2). Gallia Chr. VI 537 zu Anastasius IV.
5) „Adrianus papa precipit R(ichardo) Gellonensi abbati, ut de munitione
1*
4 Wilhelm Wiederhold,
(1163) 12 0. — (1162-81) IX 17^). — 1162-81^). — Celestin
III. 1193—940.
Evech^ de Maguelone-Montpellier. Inventar von
1610—1719. Chartular in 6 Bänden von 1368 (A— F). Bullaire
von 1368 (H)'). Inventar der Bände A— F sign. Liber L. — Bullae
et privilegia s. XIV Paris Ms. lat. 14688 Bibl. Nat. (Stein Nr. 2301).
— Johann XIX. J-L. 4101 '). — Alexander II. J-L. 4713. — Ur-
ban II. J-L. 5375. — J-L. 5588. — J-L. 5775. — Anastasius IV.
J-L. 9778. — Hadrian IV. J-L. 10338 (s. Anhang). — Alexander
IIL J-L. 11463 0. — J-L. 11473. — J-L. 11545 (s. Anhang). —
J-L. 11549. — (1168—70) I 3 (s. Anhang). — Lucius III. J-L.
14802 (s. Anhang). — J-L. 14824«). — Urban III. J-L. 15501. —
Celestin III. J-L. 17362 0. — J-Ii. 17363.
Eveche de Saint-Pons. Mss. lat. 12758 und 12771 Paris
Bibl. Nat. (Stein Nr. 3531 und 3532). — Urban IL J-L. 5400. —
J-L. 5418. — J-L. 5419. — Paschalis IL J-L. 6140. — Lucius III.
J-L. 15190^°).
sancti Johannis et de quadam turri contra uoluntatem domni G(aucelini) Lodouensis
episcopi et canonicorum constructam eidem episcopo suisque fratribus respondeat,
precepit insuper eidem abbati episcopo obedientiam exhibere et promittere et ab
eodem episcopo interdictos uel excommunicatos ad officia diuina non recipere et
interdictum ecclesiarum ab ipso episcopo facere obseruari" (Rep. f. 143' aus Lib.
priv. f. 2).
1) „Alexander papa mandauit canonicis Lodouensis ecclesie, (ut) in omni
reuerentia obedientiam domno Gaucelino Lodouensi episcopo impendant neque in
aliquo rebelies in bis que ad Deum pertinent existere presumant. Dat. Turon. Uli
non. ianuarii« (Rep. f. 143' aus Lib. priv. f. 2). Vgl. auch Gallia Chr. VI 538.
2) „Alexander papa concessit domno Gaucelino Lodouensi episcopo uillam
que dicitur Lodoua cum pertinentiis et corroborando concessiones Lu(douici) et
aliorum illas confirmauit. XV kal. octob." (Rep. f. 144 aus Lib. priv. f. 6 und 7).
3) „Alexander papa dispensauit cum domno Gaucelino Lodouensi episcopo,
ut simul cum episcopatu obtineret abbatiara Aniane, quam prius obtinebat ipse
episcopus et litteras ipsius et dispensationis misit ad predictum episcopum et
conuentum Anianensem" (Rep. f. 145 aus Lib. priv. f. 12).
4) Rep. f. 145 (aus Lib. priv. f. 11), vgl. auch Gallia Chr. VI 540.
5) Das Chartular G ist verloren, es war (Inventar v. 1610 f. 4) ein Band
von 178 Pergamentblättern. — Der Liber H ist ein Band von 130 Bl., aber f. 72
beginnt ein zweites Exemplar. — Das Ms. lat. 14688 der Bibl. Nat. gehörte ur-
sprünglich auch zu diesen Bänden.
6) Nur überliefert in der Chronik des Arnaldus de Verdala, alle übrigen
Urkunden stehen in den Chartularen.
7) Ed. Mc^moires de la sod6t6 de Montpellier VII p. 635 aus Chartular B
f. 268' mit III id. decemb.
8) Das Incipit lautet: Cum omnium Christiane professionis.
9) Ed. M^moires VII p. 637 aus Chartular B f. 268 und F f. 156.
10) Kopie von 1591 Toulouse Arch. Ddp. (Notre-Dame de la Daurade). Ed.
Papsturkunden in Frankreich VII. 5
Chapitre cathedral d'Agde. Chartular s. XVIII (Stein
Nr. 24} Montpellier Bibl. Comm. Ms. 33. — Hadrian IV. 1156
XII 9 (s. Anhang). — Alexander III. (1160—76) I 3 (s. Anhang).
Chapitre cathedral de Beziers. Li vre noir s. XVIII
(Stein Nr. 482),, Kopien der Coli. Doat 61—63 Paris Bibl. Nat.
(Stein Nr. 484). — Eugen III. J-L. 9716 (s. Anhang). — Hadrian
IV. J-L. 10343. — J-L. 10349^). — J-L. 10355 (s. Anhang). —
Alexander III. (1171—72) I 26 (s. Anhang). — (1166—79) III 13
(s. Anhang). — (1166—79) IV 19 (s. Anhang). — J-L. 13288'). —
J-L. 14249^).
Chapitre cathedral de Lodeve. Alexander IL 1173
—1174*).
Chapitre cathedral de Maguelone- Montpellier.
Inventare von 1637, 1663, 1703, 1704. Livre des privileges de
Maguelone s. XIV. — Urban IL J-L. 5377. — J-L. 5550. —
Paschalis IL J-L. 6507. — Calixt IL J-L. 7093 '). — Hadrian IV.
J-L. 10027. — J-L. 10335"). — J-L. 10341'). — Alexander IIL
J-L. 10746. — J-L. 10748. — J-L. 10774. — J-L. 10775. — J-L.
10894. — J-L. 11028. — J-L. 11242. — J-L. 11261. — J-L. 11262.
— J-L. 11462«). — J-L. 11468^). — J-L. 11471. — J-L. 11476.
— (1168-69) V 15^°). — J-L. 11534. — J-L. 11535. — J-L. 11536.
auch bei J. Semat La ville et le pays de Saint -Pons de Thomieres p. 411 aus
Gallia Chr. und Soupairac Petit Dict. p. 119. Dieses Buch von Soupairac habe
ich nicht gesehen. Die von Pius II. 1459 XI 22 neben Lucius III. noch zitierte
Vorurkunde Hadrians II., das heißt wohl IV. scheint verloren.
1) Auch A. Crouzat Histoire de la ville de Roujau et du prieure de Cassan
(Beziers 1859) p. 107 kennt die Urkunde nur aus Gallia Chr. VI Instr. 138 (ex
arch. Cassiani).
2) Die hier zitierte Vorurkunde Hadrians IV. ist verloren.
3) Ed. Delaville le Roulx Cartulaire de Saint-Jean I p. 294 Nr. 424 aus der
Kopie von 1668 IX 12 in Coli. Doat 61 f. 98 (aus Original aux archives de
l'evesche).
4) Zit. Plantavit p. 92 ex registro privilegiorum capituli, das jetzt verloren
ist und wohl identisch war mit dem bei Plantavit p. 84 erwähnten Chartularium
Capituli.
5) Die Vorurkunde Alexanders II. ist verloren.
6) Im Registre pour le chapitre Saint-Pierre de Maguelone s. XV f. 148.
Das Incipit: Ecclesiastica utilitas hoc exposcit.
7) Gariel I p. 199 zitiert einen ähnlichen Brief Raimundo Magalonensi
episcopo Dat. IV id. novembris (1156—58) XI 10. Der ist aber nicht aufzufinden.
8) Auch im Chartular F f. 148 und im Bullaire de l'e'veche f. 6'.
9) Ed. Me'moires de la societe d'histoire et d'archeologie de Montpellier VII
638 ex Chartular B f. 227 und Bullaire f. 5.
10) Privileges s. XIV f. 9. Ed. Gallia Christiana VI Instr. 360.
Q Wilhelm Wiederhold,
— J-L. 12101. — J-L. 12651. — Lucius III. J-L. 14753. — Ur-
ban III. J-L. 15788. — J-L. 15816. — J-L. 15817. — J-L. 15818.
— J-L. 15819. — J-L. 15822. — J-L. 15897. — J-L. 15947. —
Clemens IIL J-L. 16127^). — J-L. 16128 O- — J-L. 16129 0. ~
J-L. 16130*). — J-L. 16131^). — J-L. 16216. - J-L. 16217^ —
J-L. 16218. - 1188 V 27 (s. Anhang). — J-L. 16381. — Celestin
III. J-L. 17008 0. — J-L. 17010«). — J-L. 17159^). - J-L. 17167. —
J-L. 17364. — J-L. 17541 ''). — J-L. 17542 ''). — J-L. 17543. -
J-L. 17544^^). — J-L. 17545. — J-L. 17547. — J-L. 17548. -
J-L. 17549. — J-L. 17550. — J-L. 17551. — Honorius IL J-L.
7355 und Alexander IIL J-L. 11312, J-L. 11313 und J-L. 11317
gehören wohl zu Honorius III. und Alexander IV.
Collegiale Notre-Dame du Palais. Die von Charles
d'Aigrefeuille Histoire de la ville de Montpellier (2 ed. Mont-
pellier 1879) III p. 351 zitierte Urkunde Alexanders III. von
1162, wo die Kapelle von Notre-Dame du Palais erwähnt werde,
ist anscheinend nicht erhalten.
Collegiale de Joncels. Inventar von 1732. — Gregor
VIL J-L. 5281. — Paschalis IL zit. in Innocenz II. J-L. 7703
Paris Bibl. Nat. Coli. Doat 60f. 316 (von 1669 X 8) aus Trans-
1) Das Incipit: Ad nostram noueris audientiam (Wiederholung von J-L.
15819). Dat. Pisis XVII kal. febr., indictione VI.
2) Incipit: Ad aures nostras (Wiederholung von J-L, 15816). Dat. Pisis
XVII kal. febr., indictione VI.
3) Incipit: Cum inter uos et (Wiederholung von J-L. 15817), Dat. Pisis
XVII kal. febr., indictione VI.
4) Incipit: Cum sit religioni contrarium (Wiederholung von J-L. 15818).
Dat. Pisis XVII kal. febr., indictione VI.
5) Incipit: Cum pro negotiis (Wiederholung von J-L. 15822). Dat. Pisis
XVII kal. febr., indictione VI.
6) Incipit: Mirabile gerimus et (Wiederholung von J-L, 15897). Dat. Lateran.
X kal. maii, pontificatus nostri anno primo.
7) Incipit: Cum pro negotiis (Wiederholung von J-L, 15822). Dat. Lateran.
XII kal. iunii, pontificatus nostri anno III.
8) Incipit: Cum olim inter uos (Wiederholung von J-L. 15817), Dat. Lateran.
X kal. iunii, pontificatus nostri anno III.
9) Incipit: Licet de uniuersis (Wiederholung von J-L. 16381). Dat. Lateran,
id. nouembr., pontificatus nostri anno quarto.
10) Incipit: Deuotionis et fidei (Wiederholung von J-L. 11262). Dat. Rome
apud sanctum Petrum XI kal, iunii, pontificatus nostri anno septimo.
11) Incipit: Ad nostram noueris audientiam (Wiederholung von J-L. 15819).
Dat. Rome apud sanctum Petrum XI kal, iunii, pontificatus nostri anno VII.
12) Incipit: Licet de uniuersis (Wiederholung von J-L. 16381). Dat. Rome
apud sanctum Petrum XI kal. iuni., pontificatus nostri anno VII.
Papsturkunden in Frankreich VII. 7
sumpt des Bischofs E,. von Lodeve im Archive von La Daurade
(Toulouse). — J-L. 8001 (s. Anhang). — Lucius IIL J-L. 14943
(s. Anhang).
Collegiale de Quarante. Coli. Doat 58 Paris Bibl. Nat.
— Innocenz IL J-L. 7731^). — Alexander IIL J-L. 11517. —
Abbaye d'Aniane. Inventar von 1 790. Chartular s. XII ^).
— Paris Bibl. Nat. Mss. lat. 12660, 12672, 12760, 12770, 12772,
12777, 13816 und Coli. Baluze 19 (Stein Nr. 154-156). — Johann
XV. J-L. 3844 Kopie s. XL — Nicolaus IL J-L. 4466. — Alex-
ander IL J-L. 4597 Orig. und Kopie von 1380 I 11. — Urban IL
J-L. 5786 Kopie s. XII und Kopie von 1318 I 12. — Paschal IL
J-L. 5826. — J-L. 6032. — J-L. 6123. — J-L. 6166. — (1107)
YII 2V). — (1107) XI 1^. — J-L. 6348. — J-L. 6349. — J-L.
6388. — J-L. 6409. — J-L. 6410. ~ Calixt IL J-L. 6687. — J-L.
6712. — J-L. 6714. — J-L. 6715. — J-L. 6716. — Honorius IL
J-L. 7290. — J-L. 7291. — J-L. 7330. — Innocenz IL J-L. 7431.
— J-L. 7432. — Eugen IIL J-L. 8953. — J-L. 8954. - J-L. 8955.
-- J-L. 9237. — J-L. 9238. — (1152) XI 9-^j. - J-L. 9663. —
J-L. 9733. — Anastasius IV. (1154) IX 1 '). — J-L. 9933. — J-L.
9934. - (1154) XI 28 0. — J-L- 9939. — J-L. 9940. — Hadrian
IV. J-L. 9944 Orig.^ — (1154) XII 12 0. — (1154) XII 12^«). —
J-L. 9945. — J-L. 9981. — (1155) I 19 ^^ — J-L. 9987. — J-L.
10033. — J-L. 10034. — (1154-58) ^0. — Alexander III. J-L.
11227. — J-L. 11228. — (1160—76) IX 15 ^0.
Abbaye de Saint-Guilhem-le-Desert. Inventar
1) Ed. L. Vabre Sainte-Marie de Quarante (B^ziers 1907) p. 35 aus Doat.
2) Publiziert von Cassan und E. Meynial Cartulaires des abbayes d'Aniane
et Gellone vol. II (Montpellier 1900). Da es alle Papsturkunden der Abtei enthält,
erübrigt es sich für jede Urkunde den bei Jafife-Loewenfeld noch nicht verzeich-
neten Druckort anzugeben. Wegen der älteren Urkunden vgl. besonders noch
W. Puckert Aniane und Gellone. Diplomatisch-kritische Untersuchungen (Leipzig
1899).
3) Ed. ohne den Namen des Papstes Cassan und Meynial p. 125. Es kann
sich aber nur um Paschal II. handeln.
4) Ed. ebenso Cassan und Meynial p. 126.
5) Ed. Cassan und Meynial p. 113
6) Ed. ebenda p. 118.
7) Fragment bei Cassan und Meynial p. 116.
8) J-L. 9943 ist zu streichen.
9) Ed. Cassan und Meynial p. 129.
10) Ed. ebenda p. 121.
11) Ed. ebenda p. 120.
12) Ed. ebenda p. 122.
13) Ed. ebenda p. 131. '
g Wilhelm Wiederhold,
von 1782. Chartular s. XII ') (Stein Nr. 1558) und Kopie dieses
Chartulars von 1690. Mss. lat. 11899, 12761, 12770, 12778 Paris
Bibl. Nat. (Stein Nr. 1559)'). — Alexander II. J-L. 4592. — J-L.
4645. — s. d.') — Gregor VII. s. d., Urban II. s. d.*) und
Paschal IL s. d. zitiert in Calixt II. J-L. 7044 Orig. — Eugen III.
J-L. 8947 Orig. — Hadrian IV. s. d. zitiert in Alexander III.
J-L. 10769 Kopie s. XIII (s. Anhang). — (1160—76) I 26^).
Abbaye de Saint-Thibery. Mss. lat. 12760, 12700,
Coli. Languedoc 77, Coli. Baluze 7 Paris Bibl. Nat. (Stein Nr. 3576,
3577). — Sergius IL J-E. + 2595. — Pascbal IL J-L. 6514. —
Calixt IL J-L. 7088 (s. Anhang). ~ Innocenz IL 1134"). — Eugen
III. s. d. und Alexander III. s. d. zitiert von Innocenz III. ed.
Gallia Christiana VI Instrumenta 332.
Abbaye de Foncaude. Das Chartular Stein Nr. 1383
ist ein Registre de reconnaissances. Nach Grallia Christiana VI
p. 266 hatte das Kloster Urkunden Alexanders III. (1162—65),
(1163—65) und J-L. 11229 und kam durch Lucius III. 1184 unter
den Erzbischof von Narbonne.
Abbaye de Valmagne. Das Chartular Stein Nr. 4021
habe ich nicht sehen können'). Mss. lat. 12760, 12770, Coli. Baluze
24 Paris Bibl. Nat. — Eugen IIL J-L.* 9197«). — J-L. 9335. —
Hadrian IV. J-L. 10503. - Alexander III. J-L. 10732 (s. Anhang).
— J-L. 11225. - J-L. 12435. — Lucius III. J-L. 15247. — J-L.
15430 (s. Anhang).
1) Publiziert von P. Alaus, Cassan und E. Meynial Cartulaires des abbayes
d'Aniane et Gellone vol. I (Montpellier 1898).
2) Die Annales Gellonenses von Dom Joseph Sort von 1705 haben nur
Zitate der Urkunden.
3) Ed. Alaus, Cassan und Meynial Cartulaires I p. 317.
4) Diese verlorene Urkunde setzen die Memoires de Montpellier VI 512 zu
1092 nach Vinas Visite retrospective ä Saint-Guilhem-du Desert. Vinas (Mont-
pellier 1875) ,p. 119 erwähnt die Urkunde aber nur nach dem Zitat bei Calixt II.
5) Ed. Alaus, Cassan und Meynial Cartulaires I p. 475.
6) Zitiert Histoire gc^nerale de Languedoc IV (1872) p. 556. Wegen zweier
verlorener Mandate Innocenz' II. vgl. Monumenta pontificia Arverniae p. 187.
7) J. Renouvier Monuments de quelques anciens dioceses de Bas-Languedoc
(Montpellier 1840; p. 1 zitiert zwei Chartulare von Valmagne im Besitze von
Herrn Mazel in Pdzenas.
8) „Breue Eugenii pape ad Petrum abbatem Magneuallis, quo monasterium
prefatum sub sua et sancti Petri protectione suscipit et concessa confirmat.
Datum Remis per manum Guidonis sancte Romane ecclesie diaconi cardinalis et
cancellarü, XV kal. aprilis, indictione XI, anno ab incarnatione Domini MCXLVII,
pontificatus domni Eugenii pape III anno IV" (Ms. lat. 12760 f. 438 Paris
Bibl. Nat.). Vgl. auch Gallia Chr. VI 720.
Papsturkunden in Frankreich VII. 9
Prieure de Cassan. Hadrian IV. J-L. 10349.
Abbaye duVignogoul. Inventar von 1751. — Alexander
III. 1178 IV 30 Orig. (s. Anhang).
Abbaye de Gigean. Inventar von 1695. — Alexander
III. 1162 V 16 Orig. (s. Anhang). — 1162 VI 22 Orig. (s. Anhang).
— (1171—72) I 22 Orig. (s. Anhang). — Lucius III. (1184—85)
IX 2 Orig.^.
Ordre de Malte. Inventar s. XVIII. — Celestin III. 1196
VII 23 Orig. (s. Anhang).
Die Abtei Saint-Sauveur in Lodeve hatte Urkunden
von Calixt II. J-L. 6985 und Alexander III. 1165 VIII 3, von
denen Kopien s. XVII im Fonds von Saint -Victor in Marseille
sind (vgl. Papsturkunden in Frankreich IV p. 123 Nr. 41). Von
den Urkunden von Saint-Andre in Agde (vgl. ebenda p. 48
Anm. 6 und 9) ist nichts erhalten. Das Buch von B. Jordan
Histoire de la ville d'Agde (Montpellier 1824) behandelt p. 141
Saint-Andre, sagt aber nichts von den Urkunden.
Im Kommunalarchiv von Montpellier befindet sich
das „Memorial des nobles" s. XIII (Stein Nr. 2574) publiziert als
,,Liber instrumentorum memorialium" (Montpellier 1884 — 86) mit
vielen Papsturkunden, deren Originale sämtlich fehlen. — Honorius
IL J-L. 7345. — Innocenz IL J-L. 7559. — J-L. 7564. — J-L. 7850.
— J-L. 8154. — J-L. 8186. — J-L. 8187. - (1142) I 1. — J-L.
8203. — (1142) VI 23. — (1142) X 5. — J-L. 8305. — J-L. 8338.
— Celestin IL J-L. 8453. — J-L. 8457. - J-L. 8458. - Eugen
III. J-L. 8732. — Hadrian IV. J-L. 10514. — Alexander III. (1162)
VI 27. — J-L. 10734. — J-L. 10747. — J-L. 11104. — J-L. 11232.
— J-L. 13151. — J-L. 13152. — Victor IV. J-L. 14440. — Ce-
lestin IIL J-L. 16777. — 1194 XI 17 2).
1) LVCIVS episcopus seruus seruorum Del. Venerabilibus fratribus arcbi-
episcopis episcopis et dilectis filiis abbatibus prioribus archidiaconis decanis pres-
byteris et aliis ecclesiarum prelatis, ad quos littere iste peruenerint, salutem et
apostolicam benedictionem. Audiuimus et audientes mirati sumus (folgt das be-
kannte Zehntenprivileg). Dat. Veron. IUI non. septembr. (B. dep.)-
2) Unter den Manuskripten der Bibliotheque de l'ecole de mede-
cine zu Montpellier sind mehrere für die Überlieferung von älteren Papst-
urkunden von Bedeutung (Ms. 13 Paparum decretalia s. XIII, Ms. 231 Ivonis
Carnotensis epistolae s. XIII, Ms. 280 Sammelband s. XIII); besonders wichtig
sind die 34 Bände Sammlungen des Samuel Guichenon (darunter H. 256 Lugdu-
num sacroprofanum (vgl. Papsturkunden in Frankreich III p. 2) mit vielen Ab-
schriften von Urkunden aus Savoyen und seinen Grenzgebieten. Unbekannte sind
nicht darunter.
10 Wilhelm Wiederhold,
Departement de l'Aude.
Archeveche de Narbonne. Inventar von 1639 in 4
Bänden im Communalarchiv von Narbonne ^). Coli. Baluze 82 und
374 Paris Bibl. Nat. — Stephan VI. J-L. 3511. — Jobann X. J-L.
3554. — Jobann X. J-L. 3577'*). — Jobann XII. 955^). — Gregor
VII. J-L. 5191. - J-L. 5192. — Urban II. J-L. 5417. — ürban
n. J-L. 5420. — J-L. 5688. — J-L. 5689. — J-L. 5690. ~ Pascbal
IL J-L. 5808. — J-L. 6157. — Eugen IL J-L. 9472. — J-L. 9719
(s. Anbang). — J-L. 9720. — J-L. 9721. — Hadrian IV. J-L.
10182. — J-L. 10217. - J-L. 10218 (s. Anbang). — Alexander
III. (1160) III 7'). — (1160) III 7^. — (1161) V 2^). — (1162)
IX 20^). — 1162«). — J-L. 11104. — J-L. 14220 0- — Lucius IIL
1) Dieses außerordentlich wichtige Inventar enthält in vol. I f. 650 die Be-
schreibungen der Chartulare, namentlich der als Registre I und II verzeichneten
(Stein Nr. 2680 und 2681 kennt diese Angaben nicht), in vol. II von f. 12 an
eine Aufzählung der Papsturkunden nach dem Registre II und weiterhin eine
Aufzählung der Urkunden nach den Archivabteilungen (Saint-Just, Saint-Paul,
Cannes, Alet).
2) Ed. Gallia Christiana VI Instr. 16 ex Cod. Colb. 5080, das müßte jetzt
das Ms. lat. 11015 der Bibl. Nat. sein.
3) „Lettre du pape Jean douziesme de l'an 955 contenant memes Privileges
par le pape Jean addressee ä Aimeric archeveque de Narbonne" (Inventar von
1639 vol. II f. 13 aus Registre II f. 25).
4) „Lettres du pape Alexandre troisiesme des nones de mars 1160, dressantes
a Pons, archevesque de Narbonne, dans lesquelles il est dict que l'ordonnance et
disposition de l'esglise de Saint-Paul de Narbonne appartenoit audict archevesque
et partant Sa Sainctete ordonna qu'aucun abbe ne seroit institue en laditc esglise
Sans le conseil et consantement dudit archevesque" (Inventar von 1639 vol. II
f. 116').
5) „Lettres du pape Alexandre troisiesme des nones de mars 1160, dressantes
ä l'abbe et freres de l'esglise de Saint-Paul, leur faisant s^avoir comme Pons
archevesque de Narbonne luy avoit faict appareoir par escritures des pontifes
romains et des roys que la ditc esglise de Saint-Paul appartenoit par ung droict
de propri^td ä l'eglise dudit archevesque et ä sa libre disposition. A ceste cause
Sa Sainctete leur commanda luy obeir et prester obeissance et subiection comme
ä leur pere et seigneur et de n'alliener ny disposer aucunement des biens de leur
esglise, comme appert plus ä piain desdites lettres" (Inventar von 1639 vol. II
f. 116).
6) „Lettres du pape Alexandre troisiesme du sixiesme des nones de may
1161, par lesquelles Sa Sainctetö ordonne, qu'il ne seroit procede ä l'eslection
de Pabbe de Saint Paul dudite Narbonne, sans le conseil et consantement de
Parchevesque de Narbonne" (Inventar von 1639 vol. II f. 116').
7) „Lettres du pape Alexandre troisiesme du doutziesme des calendes
d'octobre 1162, dressantes a Pons archevesque de Narbonne, par lesquelles Sa
Sainctetd veut que ledit archevesque et ses successeurs eussent la pure administra-
Papsturkunden in Frankreich VIL 11
(1181) IX 27^). — (1182) I 3O0. — (1182) IV 27^). - (1184) IV
28*). — (1184) IV 28 (s. Anhang). — (1184) V 13^). — 1181—85«).
tion et disposition de l'esglise de Saint-Paul dudit Xarbonne et qu'aucun autre
que luy n'eust la iurisdiction d'icelle" (Inventar von 1639 vol. II f. 116').
8) Zitiert Gallia Christiana VI 54 und Inventar von 1639 vol. II f. 61'.
9) Zitiert Inventar von 1639 vol. II f. 116 mit „neufvieme des calendes de
ianvier".
1) „Lettre missive du pape Lucius troisiesme du cinquiesme des calendes
d'octobre 1181, dressante a l'archevesque de Narbonne, dans laquelle il est dict
estre venu ä sa notice que l'abbe de Saint-Paul de Narbonne n'avoit rejette un
certain garde de ladite esglise ä cause du sacrilege par luy commis contre l'insti-
tution des pontifes romains et pour n'estre canoniquement reconcilie sans le con-
santement dudit archevesque. Pour ces causes^^Sa Sainctete commanda, sy la
cause estoit ainsin, que ledit garde feust destitue par ledit archevesque et mis
par luy au lieu et place d'icelluy autre personne capable" (Inventar von 1639
vol. II f. 117 (aus Registre II f. 140).
2) „Lettres du pape Lucius troisiesme du 3 des calendes de fevrier 1182,
dressantes aux evesques de Maguellone et d'Agde, dans lesquelles est narr^ comme
l'abbe de Saint-Paul de Narbonne avoit faict nouvelles institutions au prejudice
de l'esglise de Narbonne au temps qu'elle vacoit, lesquelles Sa Sainctete avoit
revoquees par ses lettres apostoliques et, ce faisant, baille puissance audit arche-
vesque de faire ordonnance et Institution de personnes en ladite esglise de Saint-
Paul avec injonction ä l'abbe de n'entreprendre telles choses, de quoy ledit abbe
n'avoit tenu nul compte, partant Sa Sainctete manda audit archevesque de pro-
c^der ä la veriffication de tels faicts en denonceant excommunies tous ses ad-
he'rans jusques ä ce que ledit abbe eust cesse et se feust pr^sante devant Sa
Sainctete pour respondre de ceste desobeissance" (Inventar von 1639 vol. II
f. 117).
3) „Lettres de Lucius troisiesme datte'es du cinquiesme des calendes de
may an mil cent huictante deux, par lesquelles il concede faculte ä l'archevesque
de Narbonne de reunir au droict de son esglise les biens que le seigneur Pons
archevesque son predecesseur avoit infeaude ou aliene" (Inventar von 1639 vol. II.
f. 523).
4) Ed. Nachrichten der Kgl. Gesellschaft der Wissenschaften zu Göttingen
1902 p. 477 Nr. 18 aus Reg. Avin. t. 67 f. 64 u. 70 Rom Vatikanisches Archiv.
Zitiert im Inventar von 1639 vol. II f. 118 mit „du troisiesme des calendes de may".
5) „Lettres apostoliques du pape Lucius troisiesme donne'es ä Verulis le
troisiesme des ides de may l'an MCLXXXIIII et troisiesme annee de son ponti-
ficat, contenant la mesme cause que les susdites^' (J-L. 9719) „y etant de surplus
exprime l'abbaye de Saint-Agnian, l'abbaye de Quarante, l'abbaye d'Allet, l'abbaye
de Saint-Policarpe, l'abbaye de Fontcaude, le prieure de Saint-Eugene, le village
del Verral, le village d'Albieres et le lieu de las Egues. Contient aussy de sur-
plus confirmation de la transaction faite entre Bringuier archevesque, prede-
cesseur de Bernard, archevesque de Narbonne, a quy les lettres furent dressees
par Sa Sainctete, et noble femme Ermengarde, viscomtesse de Narbonne, sur la
porte et tour episcopale, la moytie du moys d'octobre et moytie des leaudes, con-
formemant ä ladite transaction, avec ample pouvoir audit archevesque de Narbonne
12 Wilhelm Wiederhold,
-• (1181—85)^). — (1182—85) IV 26^). — (1182—85) V 3 ^). —
J-L. 15266. — Urban III. 1185 0- — 1185^). — Clemens III. J-L.
16316 (s. Anhang) Orig. Coli. Baluze 380 Nr. 22 Paris Bibl. Nat.
— Clemens III. 1188 VI 10 (J-L. 16577) (s. Anhang). — Celestin
IIL (1191—97) VII 21«).
de faire l'office dans son esglise en pontiffical ä la solemnite des messes aux jours
de la Nativit^ Nostre Seigneur, aux festes de Saint-Estienne et de l'octave de la
Noel, le jour des Roys, Purification Nostre Dame, dimanche des Rameaux, Judy
sainct, Sammedy sainct, Pasques et aux deux jours suivans, Assension, aux troys
festivites de Nostre Dame, Nativite Saint-Jean, solemnites des apostres et princi-
palles festes de l'esglise, aux dedications des esglises, consecrations des evesques,
ordonnances des prestres et en l'an de sa consecration, enjoignant aux prestres
de ladite esglise de luy obeyr pour ce regard et en toutes autres choses raison-
nables, comme plus ä piain est contenu dans lesdites lettres" (Inventar von 1639
vol. II f. 59'. Vgl. Gallia Christiana Yl 57).
6) „Lettre de Lucius troisiesme dressante ä l'evesque de Nismes, oü il est
dit que, quoy que l'abbe de Saint-Paul de Narbonne ne puisse instituer ny rejetter
un chanoine en ladite esglise sans le consantement de l'archevesque de Narbonnei
neanmoings ledit abbe ayaut faict le contraire, Sa Sainctete donna pouvoir audit
evesque de Nismes de revoquer le tout quy seroit faict au contraire par le dit
abb^ au prejudice dudit archevesque" (Inventar von 1639 vol. II f. 117').
1) „Lucius III Aucun prestre soumis ä l'archevesque se faisant religieux
ne peut apporter le bien d'eglise ailleurs sans le consantement de l'archevesque"
(Inventar von 1639 vol. II f. 15).
2) „Lettres apostoliques du pape Lucius troisiesme" (Ms. quatriesme) „par
lesquelles il concede ä l'archevesque de Narbonne de pouvoir disposer ä sa volonte
de l'esglise de Saint-Pierre del Cla, ensemble de la chapelle construite dans le
pallais viscomtal de Narbonne, comme plus ä piain appert desdites lettres datt^es
du sixiesme des calendes de may" (Inventar von 1639 vol. II f. 522').
3) „Lettres de Lucius troisiesme du cinquiesme des nones de may, dressantes
k l'abbe et chanoines de Saint-Paul de Narbonne, leur disant avoir apprins par
escriptures publiques leur esglise appartenir au droict et propriete de l'esglise
de Narbonne et subjecte ä l'ordonnance d'icelle, ä cause de quoy il ne leur estoit
pennis, d'instituer ny rejetter un chanoine ny faire dispositions canoniquement,
vendre ny ali^ner les biens de l'esglise sans le consentement de l'archevesque de
Narbonne, partant il leur enjoignoit de prester obt^issance audit archevesque,
cassant et annuUant tout ce qu'ils avoint faict contre la teneur des lettres du
pape Alexandre son predecesseur, leur prohibant de rien faire sans le conseil
dudid archevesque et de ses successeurs" (Inventar von 1639 vol. II f. 117').
4) „Urbain III 1185 defense ä l'abbe de Sainct-Pons d'usurper ä l'archeves-
que de Narbonne les esglises de son diocese par puissance st^culiere et de rece-
voir les excommunicjs du dit archevesque^ (Inventar von 1639 vol. II f. 15).
5) „Urbain III 1185 recommandation ä Guillaume abbt^ de Saint-Paul et ä
868 freres de vivre selon la regle monacale" (Inventar von 1639 vol. II f. 16).
C) „Extrait des lettres du pape Celestin troisiesme du doutziesme des
calendes d'aoust, dressantes a l'evesque d'Elne et l'abbe^* de Montpelier, leur
comettant par icelies la faction, Inquisition et preuve des causes y exprim^es quy
Papsturkunden in Frankreich VII. 13
Chapitre Saint-Just et S ain t - P a s t e ur de
Narbonne. Coli. Doat 55 Paris Bibl. Nat. — Lucius III. J-L.
14775. — Celestin III. J-L. 16731.
Chapitre Saint-Nazaire de Carcassonne. In-
ventar von 1564 (Gr. 68) mit Kopie von 1575, Inventar von 1718.
Der wichtige Liber privilegiorum et regestrum unionum von 32
Blättern (Pergamentchartular beginnend mit Hadrian IV. In-
ventar von 1564 f. 2') ist verloren. Coli. Doat 65 Paris Bibl. Nat.
(Stein Nr. 789). - Urban IL J-L. 5565. — Paschal IL J-L. 6451.
— Calixt IL 1119 VII 15 0. — Anastasius IV. J-L. 9856. — Ha-
drian IV. J-L. 9958. — J-L. 9967^).
Collegiale Saint-Paul de Narbonne. Coli. Doat
57 (Stein Nr. 2685), Coli. Baluze 82, Mss. lat. 12760 und 12761
Paris Bibl. Nat. — Urban IL J-L. 5482^). — Gelasius IL 1118
XII 15^). —
Eveche (Abbaye) d'Alet'). Coli. Languedoc 76 Ms.
lat. 11899. — Agapit IL J-L. 3670. — Leo IX. J-L. 4211 Kopie
s. XIII Paris Bibl. Nat. Coli. Baluze 380 Nr. 4. — Paschalis IL
J-L. 6158. — J-L. 6531. — Calixt IL J-L. 6701 Kopie s. XIII
Coli. Baluze 380 Nr. 15. — J-L. 6710. — Eugen III. 1145 (s. An-
ne regardent pas autrement ledit archevesque de Narbonne, partant n'en sera icy
faicte autre mention" (Inventar von 1639 vol. II f. 118). — Die Urkunden Urbans
III. hoffte ich zu finden in dem Ms. Harleian 3570 London Mus. Brit. „Kegistrum
bullarum ad archiepiscopatum Narbonensem, liber olim Helnensis episcopi", aber
nach der liebenswürdigen Mitteilung von Herrn J. A. Herbert vom British Museum
enthält dieses Papiermanuskript s. XV nur Abschriften von Stephan Y. J-L. -{- 3462,
Johann X. J-L. 3554, Urban II. J-L. 5417, J-L. 5688, Paschalis IL J-L. 5808,
J-L. 6157, Eugen III. J-L. 9719 und Hadrian IV. J-L. 10218. — Zu erwähnen
ist noch, daß nach einer von dem Stadtarchivar Herrn Tissier in Narbonne ge-
fundenen Notiz 1673 alle Papsturkunden vor 1200 aus dem erzbischöflichen Archiv
genommen seien.
1) Zitiert in Inventaires sommaires p. 123 zu G. 77 nach einem Registre
s. XVII V. 22 Blättern, aber dieses Register fehlt. Vgl. Robert Bullaire II p. 256
Nr. 444 nach dem Zitat in J-L. 9958.
2) Zitiert G. de Vic Chronicon ecclesiae Carcassonensis (1667) p. 72. Wegen
der Weihe der Kirche durch Urban II. 1096 VI 11 vgl. auch die Notiz in dem
Martyrologium s. XII f. 154' Paris Bibl. Nat. Ms. lat. 5256.
3) Die Urkunde stand auch im Registre I des Erzbischofs f. 49 (Inventar
von 1639 vol. II f. 115').
4) Vgl. Gallia Christiana VI p. 144. Daselbst werden auch Lucius III. und
Celestin III. erwähnt, die aber wohl nicht für Saint-Paul ausgestellt sind. Zitiert
danach auch bei Sabarthes Etüde bist, sur Saint-Paul de Narbonne (1893) p. 303.
5) 1639 waren die meisten Urkunden im erzbischöflichen Archiv von Nar-
bonne (vgl, Inventar von 1639 vol. II f. 340).
j^^ "Wilhelm Wieder hold,
hang). — Alexander III. J-L. 10714 Kopie s. XIII Coli. Baluze
380 Nr. 17 0-
Abbaye de Cannes. Coli. Doat 58, Ms. lat. 12760 Paris
Bibl. Nat. (Stein Nr. 808, 809). — Urban II. s. d. zitiert in Gela-
sius II. J-L. 6670!).
Abbaye de Lagrasse. Inventar von 1494. Li vre verd
A s. XVL Livre verd B s. XVI. Livre noir s. XVIII (Stein
Kr. 1820 und 1821), Ms. lat. 12857 v. 1677. Coli. Doat 66^). —
Hadrian III. J-L. 3402 Kopie s. XVII Paris Bibl. Nat. Ms. lat.
5455 Nr. 2*). — Agapit IL J-L. 3656 Facsimile von 1855. —
Victor IL J-L. 4361 (s. Anhang). — Alexander II. 1061—73
(s. Anhang). — Gregor VII. J-L. 5223. — Paschal IL J-L. 6413
Orig. Coli. Baluze 380 Nr. 11. — Gelasius IL J-L. 6663 Orig. Coli.
Baluze 398 Nr. 12^). — Calixt IL J-L. 6718 Transsumpt Gregors
IX. Orig. und Kopie s. XIII Coli. Baluze 380 Nr. 39 und 40. —
J-L. 6719 Orig. Coli. Baluze 380 Nr. 14. — J-L. 6720. — 1119
—24«). — Hadrian IV. J-L. 10405. — Alexander III. J-L. 10896
Orig. (H. 16). — J-L. 12988 Orig. Coli. Baluze 380 Nr. 18. —
Lucius III. J-L. 15035 Orig. Coli. Baluze 380 Nr. 19.
Abbaye de Fontfroide. Inventar s. XVII (H. 211)^.
Coli. Doat 59. — Eugen III. 1147 X 4«j. — Alexander III. 1162
1) Ed. Gallia Chr. VI Instr. 109 „ex autographo ecclesie Alectensis".
2) Auch diese Urkunde war 1639 (Inventar vol. II f. 219) im erzbischöflichen
Archiv.
3) Ferner sind Urkunden kopiert im Ms. lat. 5455, 12761, 12857, Coli. Doat
66—68 und 71 Paris Bibl. Nat. und in einem kleinen Bullaire s. XVII in Per-
pignan Arch. D^p. B. 2 (Stein Nr. 1823—1826).
4) Das wird auch die Gallia Chr. VI 936 zitierte Urkunde Leos III. sein.
5) Transsumpt Gregors IX. Orig. Coli. Baluze 380 Nr. 38. Aus diesem
Transsumpt stammen dann eine Reihe von Kopien. Die zitierte Vorurkunde Ur-
bans II. ist verloren.
6) Regest des Inventars von 1494 f. 9 (Robert Bullaire II p. 256 Nr. 443).
7) Von Privilegien des Cistercienserordens werden zitiert Innocenz II. J-L.
7537 (f. 1), Lucius III. J-L. 14990 (f. 1), J-L. 15118 (f. 2), Urban III. J-L. 15806
(f. 9) und J-L. 15807 (f. 9).
8) „Eugene III, 4 octobris 1147 prend le monastere de B'ondfroide sous la
protection du Saint-Siege et la sienne avec tous ses biens, particulierement les
terres de Liviere, d'Ausson et Pradines. 11 anathematise ceux qui exigeront les
dixmes des terres que les religieux dudit monastere cultiveront propriis manibus
aut expensis comm' aussi de la nourriture de leurs troupeaux. Donnö ä Auxerre
de 6on pontificat le 3«". Vgl. H. Faure Notes et documents sur les archives des
hospires k Narbonne (1886) vol I p. 188 aus dem Inventar s. XVII f. 1'. Gallia
Christiana VI p. 200.
Papsturkunden in Frankreich VII. 15
VI 27^). - (1162-65) VII 17^. — (1177) X 6 (s. Anhang). —
(1177) X 6^). — Celestin III. 1195 V 5^\
Abbaye de Saint-Hilaire. Memoires des antiquites
s. XVII (H. 201). Coli. Doat 71, Coli. Baluze 81 und Ms. lat.
13845 Paris Bibl. Nat. — Benedict VII. J-L. 3812 = J-L. 3850.
— Calixt II. J-L. 6833.
1) „5 kal. iuillet (Alexandre III) anammatise ceux qui troubleront le mona-
stere, qui retiieront les religieux fugitifs, qui usurperont ses biens, qu'il exempte
des dixmes et premices, scavoir des terres que les religieux cultiveront propriis
manibus aut expensis comm' aussi de la nourriture de leur betail, prend ledit
monastere sous la protection du Saint-Siege avec les granges de Pradines, Poniols,
Benediction Dieu, le champ de Matafer et de Liniere, les possessions d'Ausson,
Montredon, Roussilon et Sainte Croix. Donne ä Montpelier de son pontificat le
3e". (Inventar s. XVII f. 2). Nach dem Inventar zitiert auch E. Cauvet Etüde
historique sur Fontfroide (Montpellier 1875) p. 243 die Urkunde, aber mit 5 kal. iuin.
2) „16 kal. aug. 1159 (Alexandre III) exhorte les archevesque de Narbonne
et l'eveque d'Elne d' empecher que leurs diozesains n'exigent du monastere les
dixmes des terres qu'il cultive. Donne a Montpelier" (Inventar s. XVII f. 2).
3) „2 non. octobris 1159 (Alexandre III) commande a l'archeveque de Nar-
bonne et a ses suffragans d'excommunier ceux de leurs dioceses de quels les
abbes et religieux se pleindront pour les avoir maltraittes ou enleve quelque
chose de leur bien, voulant que cette excommunication aye lieu iusqu'aux satis-
faction. Donnö ä Venise" (Inventar s. XVII f. 1').
4) „Vidimus d'une bulle de Celestin III de Pan 1195 par laquelle Sa
Sainctete ordonne que la regle de Sainct-Benoit seroit en tout temps inviolablement
observe'e dans le monastere de Fontfroide, confirmant auxdits religieux tous les
biens ä eux donnes ou autrement par eux acquis en quelle sorte que ce fut, qui
^taient les biens suivants, savoir la grange de Pradines, la grange de la Bene-
diction-Dieu, le champ de Malefer, le pre de Liviere, les possessions de Montredon,
les possessions d'Alsonne, les olivettes et possessions de Roussillon, la grange
d'Auterive, la grange del Terral, le fief de Pech Esteve, la grange de Sainte-
Eugenie, le fief de Bieufraut et de Bouquecert, la grange de Gaussan, le fief de
Genegals, de Vedillan, de Coursan et de Tauran avec toutes leurs appartenances,
libertes et franchises, les rendant quittes et immunes du payement de la dime et
premisse de leur betail ensemble de leurs terres, les tenant ä leur main, per-
mettant ä l'abbe dudit monastere de se faire benir par teL eveque que hon lui
semblerait, si toutefois teile benediction lui etait denie'e par l'eveque dans la
paroisse duquel est fonde ledit monastere, et que il in le dit monastere ne serait
tenu rien payer pour la cons^cration des autels ou des eglises ou pour les saintes
huiles, mais que le tout serait faict gratuitement par l'eveque diocesain" (Inventar
des erzbischöflichen Archivs Narbonne von 1639 vol. III f. 113')- Nach dem In-
ventar s. XVII f. 2 wurde die Urkunde ausgestellt : 3 non. may, donne au Latran,
de son pontificat le 5e. Nach einem anderen Inventar s. XVIII (Bibl. Comm. Ms.
259) berand sich im Klosterarchiv auch eine Kopie von Alexander III. J-L. 12361
(Saint-Michel de la Cluse). Das Inventar von 1699 in Paris Bibl. Nat. Ms. fran^ais
8661 habe ich noch nicht gesehen.
j[ß Wilhelm Wiederhold,
Departement de la Lozere.
Chapitre de Mende. Inventar von 1768. Chartular :
♦„Compositions Nr. 6" s. XIV (Gr. 632) von 10 Blättern. — Calixt II.
J-L. 7025 Comp. s. XIV f. 4', Kopie von 1671 V 27 (aus Kopie
von 1524 IX 12).
Prieur^ de Langogne. Silvester II. J-L. 3931 (s. An-
hang).
Prieur^ d'Ispagnac. Innocenz II. J-L. 8228 für
Aurillac mit III kal. marcii Ms. s. XV (H. 140) f. 2.
Departement de l'Aveyron.
College de Rodez (Prienr^ du Monastier en Grevau-
dan). Inventar von 1725. Chartular s. XVI in 3 Bänden (Stein
Nr. 2005). — Von Urkunden für Saint- Victor in Marseille') sind
da: Johann XVIII. J-L. 3963 Kopie von 1294 IV 2 (aus Trans-
sumpt Nicolaus' IV. von 1289 II 9). — Calixt IL J-L. 7063 Kopie
s. XII. — Alexander III. (1170) V 20 Orig. (s. Anhang). — J-L.
12548 Orig. (s. Anhang). — Clemens III. J-L. 16293 Chartular
s. XVI vol. I f. 76.
Eveche de Rodez. Inventar von 1478 VI 15 -). — Alex-
ander III. J-L. 11793^). — Lucius IIL (1182—83) V 23 Orig. (s.
Anhang). — (1182—83) V 25 Orig. (s. Anhang).
Chapitre de Rodez. Urban IL J-L. 5805 Orig.*)- —
Eugen m. 1147 X 12 Orig. (s. Anhang). — Alexander III. 1162
VII 11 Kopie s. XIV (s. Anhang). — (1170) V 18 Orig. (s. An-
hang). — (1160— 76) VI 27 Orig. (s. Anhang). — Lucius III. (1183)
I 25 Orig. (s. Anhang).
Chapitre de Vabres. Coli. Doat 148 (aus dem ver-
lorenen Chartular) Paris Bibl. Nat. (Stein Nr. 3999). — Paschal IL
1116 IV 12 (s. Anhang). — J-L. 6521.
1) Die in Inv. somm. Serie D. 377 zitierte Kopie von Paschalis II. für
Saint-Victor war nicht aufzufinden.
2) Die Chartulare s. XV (Stein Nr. 3222 und 3223) enthalten keine Papst-
urkunden.
3) Überliefert in den in vielen Exemplaren erhaltenen Episcopi Ruthenenses
des Ant. Bonal z. B. Ms. frangais 2637, 2638 und 11644 Paris Bibl. Nat.
4) Dazu Kopie s. XIV und Kopie s. XVIII. Im „Inv. des copies des tiltres
des archifs du thrdsor de Rodez envoyez ä Paris le 18« decembre 1666" (Coli. Doat 1
f. 180 Paris Bibl. Nat.) heißt es „Bulles du pape Clement par lesquelles il permet
ä Hugues comte de Rodez de tenir chapelles en ses maisons et y faire dire messe,
du XII kal. februarii, de son pontifficat anno III, environ 1191", aber ich habe
nichts von dieser Urkunde gesehen.
Papsturkunden in Frankreich VII. 17
Abbaye de ßonnecombe. Inventar von 1777. Coli.
Doat 138 (Stein Nr. 519). — Alexander III. J-L. 13340 (s. Anhang).
Abbaye de Bonneva 1. CoU. Doat 140 (Stein Nr. 532)
Paris Bibl. Nat. „Pieces remises au senechal de Rouergue" s. XVI
Montauban Arcb. Dep. A. 113. — Alexander III. J-L. 10751 (s.
Anhang). — Lucius III. J-L. 15248 (s. Anhang). — J-L. 15249
(s. Anhang). — J-L. 15470 0- — J-L. 15472 (s. Anhang).
Chapitre de Conques. Inventar s. XV (Gr. 420). Coli.
Doat 143 und 144 (Stein Nr. 1044). — Gregor VII. J-L. 5267. —
Calixt IL 1119 VII 17 (s. Anhang). — Urban IL J-L. 5802 Kopie
s. XII (Gc. 410). — Paschal IL J-L. 6218 Fälschung s. XII (G. 4100-
— Eugen III. J-L. 9729 Registre des titres du prieure de Sainte-
Foy de Peyrollieres s. XVII (1603 III 23) f. 1 Toulouse Arch.
Dep. Serie D. 52. — Die Coli. Doat 11 f. 1 aus dem Orig. in
Conques 1667 III 3 kopierte Urkunde Calixts IIL J-L. 14498 für
S. Fides in Schlettstadt ist nicht mehr im Fonds.
Abbaye de Nant. Coli. Doat 149 (Stein Nr. 2663). —
Innocenz IL J-L. 7710 Kopie von 1724 I 10 Nimes Arch. Dep.
G. 39.
Abbaye de Sylvanes. Chartular s. XII ^). Coli. Doat
150 (Stein Nr. 3795). — Paschalis IL J-L. 6254. — Innocenz IL
J-L. 8097. — Eugen IIL s. d. — Anastasius IV. J-L. 9929. —
Alexander IIL J-L. 10717. — J-L. 10718. - J-L. 10735.
Prieure de Millau. Urban IL (1095) IV 7 0- — Ha-
drian IV. (1157) VI 10 0- — Alexander III. (1170) VI 12*^).
Abbaye de Nonenque. Wegen des Chartulars vgl.
1) Lucius episcopus seruus seruorum Dei. Venerabilibus fratribus archi-
episcopis episcopis et dilectis filiis abbatibus prioribus et aliis ecclesiarum prelatis,
ad quos littere iste peruenerint, salutem et apostolicam benedictionem, Audiuimus
et audientes (folgt das bekannte Zehntenprivileg). Dat. Verone VI id. nouembris
(Kopie von 1667 IV 30 in Coli. Doat 140 f. 68). Zu dem Fonds vgl. auch Papst-
urkunden in Frankreich III p. 9 unter Abbaye de Bonnevaux.
2) Das Original der Erneuerung durch Gregor XI. von 1372 XII 12 ist ver-
loren (Inventar s. XV f. 2). Die Urkunde steht auch im Reg. Avin. 187 f. 414
und Reg. Vat. 283 f. 209 im Vatikanischen Archiv.
3) Ist jetzt publiziert von Verlaguet, eure von Notre-Dame de Vanc bei
Rode^; es enthält die sämtlichen Papsturkunden.
4) Ed. J. Rouquette Histoire du prieure et de la paroisse Notre-Dame de
l'Espinasse de Millau (Villefranche 1866) p. 423 aus Kopie im Kommunalarchiv
von Millau.
5) Ed. Rouquette p. 423 ebendaher.
6) Ed. Rouquette p. 424 ebendaher. Vgl. P. Kehr in Nachrichten 1902
p. 460 Nr. 5 und p. 461 Nr. 7 aus dem Register ürbans V.
Kgl, Ges. d. Wiss. Nachrichten. Phil.-hist. Klasse. 1913. Beiheft. 2
lg Wilhelm Wiederhold,
Stein Nr. 2750 und 2751. — Alexander III. vor 1162 V 3 '). —
1164^).
Ordre de Malte. Lucius III. (1184) XII 20 Kopie von
1356 III 18^).
Abbaye ou hopital d'Aubrac. Coli. Doat 72 und
134 (Stein Nr. 254). Ms. lat. 11899 f. 158 Paris Bibl. Nat. —
Alexander III. J-L. 10715. — 11620-
Die Kirche Notre-Dame de Beaumont (Diözese
Vabres) hatte Urkunden von Eugen III. J-L. 9609 und Hadrian
IV. J-L. 10716 (s. Anhang). Die Abtei L o c - D i e u besaß eine
Urkunde von Lucius III. (1184—85) IX 7^.
Departement du Tarn.
Chapitre cathedral d'Albi. Inventar von 1787.
Coli. Doat 105 (Stein Nr. 59). Bullarium sanctae ecclesiae Al-
biensis s. XVIII Albi Bibl. Comm. Ms. 1. — Sergius IV. J-L.
3967 '^). — Innocenz IL J-L. 7709 0 Ms. s. XII Bibl. Comm. Ms. 20.
Chapitre cathedral de Castres. Inventar von
1720. — Paschal IL s. d. zit. in Calixt IL J-L. 6970 Orig. Fonds
Carrere'). — J-L. 7094 Kopie von 1313 CoU. Doat 117 p. 56. —
Alexander III. J-L. 12629 (s. Anhang).
Chapitre collegial de Saint-Salvi d'Albi.
Calixt IL s. d.«j.
1) Zit. GaUia Christiana VI p. 405. Vgl. Coli. Doat 149 f. 146.
2) Zit. ebenda I p. 291.
3) Ed. Delaville Cartul. de Tordre de St. Jean I p. 466 Nr. 714 ohne diese
Überlieferung.
4) Zitiert L. Servieres Histoire de l'eglise du Rouergue (1874) p. 188 als
unterschrieben von 13 Kardinälen. Nach Innocenz IV. 1245 IV 2 (Coli. Doat 134
• f. 70) hatte das Hospital Schutzprivilegien von Alexander III., Lucius III. und
Celestin III.
5) Ed. Documents sur l'ancienne abbaye de Loc-Dieu (1892) p. 75 aus einer
von mir nicht gefundenen Kopie von liltienne Cabrol.
6) Bullarium p. 1 aus Cencius. Ebenda p. 10 folgt dann Innocenz III.
(anno XV, cp. 188, wo Sergius IV. und die offenbar verlorenen Urkunden Calixts II.,
Innocenz' II., Hadrians IV. und Alexanders III. zitiert werden (ed. Compayrö
ifitudes historiques (Albi 1841) p. 295. — Vgl. auch Gregor VII. J-L. + 5308,
Wibert J-L. 3516 und die im Ms. Isidori Etymologia s. XIII f. 172' Paris* Bibl.
Nat. überlieferten Urkunden Alexanders III. J-L. 11223 und J-L. 11224.
7) Dazu Kopie s. XVII und XVIII.
8) Ed. Nachrichten 1902 p. 512 Nr. 1 aus Reg. Lat. 218 f. 232 im Vati-
kanischen Archiv. Vgl. auch Gallia Christiana I 49 und danach H. Crozes Mono-
graphie de l'insigne collc^^giale de Saint-Sahi d'Albi (1857) p. 44. In Coli. Doat
118 f. 19 wird die Urkunde zitiert in einer Urkunde Bischof Wilhelms von Albi.
Papsturkunden in Frankreich VII. 19
Abbaye d'Ardorel. Innocenz IL 1138^). — Alexander
IIL 1165 0.
Abbaye de Candeil. Inventar von 1739. Coli. Doat
17 und 114 (Stein Nr. 784). — Alexander III. J-L. 10878 O- —
Clemens III. J-L. 16243 0.
Abbaye de Soreze. Calixt IL J-L. 6708. — Innocenz
IL J-L. 8359 (s. Anhang).
Departement de Tarn-et-Garonne.
Chapitre cathedral de Montauban. Inventar s.
XYIII (Gr. 401). Wegen der Chartulare vgl. Stein Nr. 2501—2503.
CoU. Doat 89 (Stein Nr. 2500) 0. — Eugen IIL J-L. 8772.
Doyenne de Cayrac. Calixt IL J-L. 6698 und Inno-
cenz IL J-L. 8228 für AuriHac in Kopien von 1457 I 24 (G-. 463).
Chapitre abbatial de Moissac^. Inventar des
E. Andurandy in Moissac Arch. Comm. JJ. 1. Zwei Reste von
zwei Chartularen s. XII (G. 569 Nr. 1 und 2). Vgl. Stein Nr. 2467
1) „Anno Domini ÄPC^XXXVIIP Innocentius papa II confirmauit et priuilegio
communiuit abbatiam beate Marie de Ardorello Cisterciensis ordinis, Albiensis
diocesis tunc, nunc uero Castrensis, Fulcone primo abbate tunc existente ibidem,
pontificatus ipsius Innocentii anno IX, prefatamque confirmationem succedente
tempo -e iterauit et ampliori gracia communiuit Alexander papa III, anno Domini
M^CLXV, pontificatus ipsius Alexandri anno VP et in Montepessulano" (Pergament-
blatt s. XV in H. 3). Vgl. auch Gallia Christiana I p. 79 und Instr. 14 (ex
chartario Ardorelli) und Kevue du Tarn II (1878 — 79) p. 191.
2) Ed. Rossignol Monographies du Tarn I p. 327 aus Coli. Doat.
3) Ed. Rossignol I p. 364 aus Coli. Doat 115 f. 201 als Clemens VI. zu
1342. — Wegen des Blattes des Chartulars in Arch. Dep. vgl. Stein Nr. 783.
Nach dem Inventar von 1739 f. 48 war es ein Pergamentband von 175 Blättern
mit Urkunden von 1150—1234. In Coli. Doat 17 f. 14 steht Hadrian IV. J-L.
10260 aus Kopie von 1486 im Archiv von Candeil und f. 24 Alexander III. J-L.
11587 aus dem Chartular, beide für den Cisterzienserorden. Auch Lucius III.
J-L. 15118 in dem Transsumpt Clemens' V. war da. — Für das Kloster Segur
gab Nicolaus II. ein Privileg, J-L. 4448 Kopie s. XII Paris Bibl. Nat. Coli. Lan-
guedoc 193 Nr. 1. Die Kirche S. Petri Ferranicen. Albensis diocesis soll
eine Urkunde Gregors VIII. gehabt haben (zitiert im Reg. Vat. 644 f. 315 und
648 f. 43' nach Innocenz III. 1210), ich habe aber über diese Kirche nichts er-
fahren können.
4) Das Chartular G. 239 war nach Paris verliehen; so habe ich es nicht
gesehen.
5) Im Archiv war auch die bekannte Kreuzzugsbulle Sergius' IV. J-L. -\- 3972
in Kopie s. XI (jetzt Paris Bibl. Nat. Coli. Baluze 380 Nr. 2) und Kopie s. XVIII,
die noch vorhanden ist (G. 538). Vgl. dazu noch J. Lair Bulle du pape Sergius IV.
Lettres de Gerbert (Paris 1899).
2*
20 Wilhelm Wiederhold,
— 2469. — Johann XIX. J-L. 4100 Chartular s. XII^). — Gregor
VII. J-L. 5239. — Urban II. J-L. 5534 Kopie von 1274'). — J-L.
,5535. — J-L. 5646 Chartular s. XII ^). — Paschalis II. 1107 VII
19 Kopie s. XII (s. Anhang). — Eugen III. J-L. 8877 Kopie s.
XII. — Alexander IIL J-L. 11685. — Dazu Urkunden für Cluny:
Urban II. J-L. 5372 Kopie s. XII und Kopie s. XIII (aus Kopie
von 1208 IX 1), J-L. 5682 Kopie s. XII, Paschal II. J-L. 5845
Nachzeichnung s. XII, Kopie s. XII und Kopie s. XIII, Innocenz
n. J-L. 7548 Kopie s. XII, Clemens III. 1188 III 1 Kopie von 1279
IV 140.
Chapitre collegial de Saint-Antonin. Coli.
Doat 124 (Stein Nr. 3306). — Urban IL J-L. 5430. — Calixt IL
s. d. zit. in Alexander III. J-L. 12525 (s. Anhang). — (1159—79)
XI 28 Kopie von 1668 VI 5 (s. Anhang). — Lucius III. J-L. 15066
Orig. (s. Anhang).
Abbaye de la Grarde-Dieu. Alexander IIL 1162 VI
19 (s. Anhang).
Abbaye de Grandselve. Inventar s. XVIII im Besitz
der Society d'archeologie in Toulouse^). Wegen der Chartulare
vgl. Stein Nr. 1606—1611. — Innocenz IL J-L. 8219 Kopie s. XVII
Toulouse Arch. Dep. (College de Saint-Bernard Nr. 4^'^). — Alex-
ander IIL (1159) V 10 0. — 1162 VI 26 Orig. (s. Anhang).
1) Auch in der Chronik des Aymeric de Peyrat s. XV f. 175 Paris Bibl.
Nat. Ms. lat. 4991 A.
2) Ebenda f. 58'. — Kopie von 1638 I 8 Toulouse Arch. Dep. (La Daurade
Nr. 5).
3) Kopie s. XVI Toulouse Arch. D^p. (La Daurade Nr. 74).
4) Andere bekannte Urkunden für Cluny, die das Repertorium des Andu-
randy noch verzeichnet, sind nicht mehr da z. 11 Alexander 111. J-L. 11222 ed.
Bruel Recueil des chartes de Cluny V Nr. 4221 aus Kopie s. XII in Coli.
Bourgogne 78 Nr. 150 und Abschriften in Coli. Doat 128 f. 200' und 129 f. 40.
Die Urkunde Clemens' IIL ist gedruckt Nachrichten 1904 p. 451 Nr. 12 aus Kopie
von 1332 IV 23 im Staatsarchiv zu SchaflFhausen. Mehrere Kardinalsurkunden
gebe ich im Anhange.
5) Das Original dieses Inventars war von 1685. Eine Kopie s. XIX ist im
Departementalarchiv.
6) „Bulle du pape Alexandre 3»« portant contirmation de l'accord pass^ entre
Mr. l'abbci et les religieux de Granselve et Bernard evesque de Toulouse, touchant
les dimes et premices des terres de leur labourage, la ditte bulle est dattt^e du
6™e des ides de may 1159 et cottde sur l'original Nr. 3" (Inventar s. XVIII f. 2.
Vgl. R. Rumeau Notes sur l'abbaye de Grandselve p. 249). Das Inventar s. XVI II
zitiert f. 39 einige^ Papsturkunden für den Cistercienserorden, die aber nicht mebr
da sind. Unbekannt scheint mir nur die „bulle du pape Clement III portant
mandement aux abbes de lOrdre de Citeaux de defendre sous peine d'anath(»me
Papsturkunden in Frankreich VII. 21
Departement de la Haute-Garonne.
E V e c h e , puis archeveche de Toulouse. Inventare von
1646 und 1688. Wegen der Chartulare vgl. Stein Nr. 3860-3862.
— Johann XVIII. J-L. 3935 Kopie s. XII in „Droits et Privi-
leges" vol. I f. 338 {Gr. 343). — Celestin III. J-L. 16680« Kopie
von 1191 XI (G-. 407).
Chapitre m e t r o p o li t ain S ain t - E t i enn e de
Toulouse. Inventar von 1734 in 8 Bänden, Inventar von 1630.
Wegen der Chartulare vgl. Stein Nr. 3863-3865. — Paschalis II.
1105 XI 8^). — Innocenz II. 1137 II 15 Kopie s. XIII (s. An-
hang). — J-L. 8225. — J-L. 8226. — Alexander III. J-L. 10739^).
— J-L. 11489. — Lucius III. (1184-85) IX 27 Orig. (s. Anhang).
— Clemens III. 1188^). — Celestin III. 1191 V 1 Orig. (s. Anhang).
A b b a y e , puis chapitre abbatial de Saint-Sernin, ä
Toulouse. Inventar von 1728 in 3 Bänden. Chartular s. XII
jetzt im Departementalarchiv (Stein Nr. 3857). — Gregor VII.
J-L. 5305« Kopie s. XVII. - Urban IL J-L. 5430« Orig.'). —
J-L. 5501 Chartular s. XII. — J-L. 5658 Orig.^). — J-L. 5660
Orig. und Chartular s. XII. — Paschalis II. J-L. 5850 Orig.'). —
J-L. 5961 Chartular s. XII. — J-L. 5962 ebenso. — J-L. 5963
ebenso. — Gelasius IL J-L. 6678 a Orig. '). ~ Calixt IL J-L. 7121 «
ä leurs religieux et freres convers d'aller ä Jerusalem sous pretexte de la croi-
sade. La ditte bulle est dattee du 9 des calendes de iuin 1188 et cottee sur
l'original Nr. 3."
1) Zitiert Gallia Christiana XIII p. 75.
2) Orig. und Kopie sind verloren. Auch stand die Urkunde im „Livre rouge"
von 463 Bl. f. 7 (Inventar von 1734 vol. I f. 53').
3) „Bulle du pape Clement III de l'an 1188 contenant inhibitions de donner
sentence d'excommunication contre le chapitre sans cause evidente, et s'il y a
interdit general, Sa Saintete permet audit chapitre de recevoir aux divins offices
leurs prebendiers a moins qu'ils ne soyent excommuniez, les portes estant fermees
et de chanter ä hasse voix comm' aussy d'ensevelir les corps des deffunts sauf le
droit des autres eglises" (Inventar von 1734 vol. I f. 53'). Eine ebenda f. 126
verzeichnete Urkunde Clemens' II. von 1053 gehört zu einem späteren Clemens.
Von den Catel Memoires de l'histoire du Languedoc p. 867 und 875 erwähnten
Entscheidungen Gregors VII. und Urbans II. ist nichts erhalten.
4) Dazu Kopien s. XIII, von 1617 I 30 und s. XVII.
5) Dazu Kopie s. XVII, und die Urkunde steht auch im „Livre des sindics"
s. XV vol. 1 f. 1 (das ist offenbar das Ms. bei Stein Nr. 3858).
6) Und Kopie s. XII. In Coli. Baluze 75 f. 281 „ex veteri codice ms. bi-
bliothecae Mazarine".
7) Und Kopie von 1648 III 23.
22 Wilhelm Wiederhold,
Kopie s. XIII 0- — Innocenz IL J-L. 8215« Orig. -). — Alexander
in. J-L. 11621« Orig. — J-L. 11621^ Orig.^). — J-L. 12690«
Orig.*). — (1174—76) ni 13 Orig. (s. Anhang). — Lucius III.
J-L. 14805 Chartular s. XIII. — J-L. 15266 « Orig. — Dazu für
Saint-Caprais in Agen Urban 11. J-L. 5648 « Kopie s. XIII (s. An-
hang) und Alexander III. J-L. 11621 y Kopie s. XIII (s. Anhang) ").
Prieure de Notre-Dame de La Daurade a Tou-
louse. Inventare von 1660 und 1684. — Clemens III. J-L. 16526
Orig. ^). — Von Urkunden für Cluny ist noch da Urban IL J-L.
5534 (J-L. 5733) in Kopie von 1638 I 8, J-L. 5372 und 5676 in
Kopie s. XYII, Paschalis IL J-L. 6049 Kopien von 1308 und von
1638 I 8, beide auch in Kopien s. XVI und von 1527 X 10 (aus
Kopie von 1313 II 2), Lucius in. J-L. 14621 Kopien s. XV und
s. xvno.
Abbaye de Bonnefont. Eugen III. 1152 zit. Gall.
Chr. I 1115. — Alexander III. J-L. 11220. — Wegen des Char-
tulars vgl. Stein Nr. 523.
Abbaye de Boulbonne. Inventar s. XVIII (des archives
de Foix) Bibl. Comm. Ms. 638. Coli. Doat 17 und 83—86 (Stein
Nr. 565). — Lucius in. J-L. 14694. — J-L. 14703 (s. Anhang).
— Urban in. J-L. 15680. — J-L. 15683 (s. Anhang). — (1186)
X 31 (s. Anhang). — Clemens III. J-L. 16280 (s. Anhang). —
Celestin III. (1191—98) s. Anhang. —
Abbaye deCalers. Alexander in. 1165 VII 21 ').
Ordre de Malte. Der Fonds ist . von Delaville le Roulx
für sein Cartulaire g^n^ral de l'ordre des Hospitaliers de Saint-
Jean de Jerusalem (Paris 1894) ausgebeutet worden; einige Über-
1) Vgl. auch J-L. 7003 (Paris Bibl. Nat. Coli. Moreau 51 f. 49 aus Kopie
von 1283 X 6 in archivio castri sancti Angeli).
2) Und Kopie von 1500 XII 19.
3) Und Kopie von 1617 II 15.
4) Kopien s. XIII, von 1500 XII 19 und 1634 XII 23.
5) Nach dem Inventar von Saint-Etienne von 1630 f. 15' stand Urban II.
J-L. 5660 auch in dem Chartular von Saint-Etienne von 293 Bl. : „Incipit Privi-
legium Karoli", aber dieses Chartular ist verloren.
6) Und Kopien von 1527 X 10, 1581 VIII 17 und s. XVI. In CoU. Doat 73
p. 230. Eine Kopie von 1313 ist verloren.
7) Außerdem sind noch einige Kopien für verschiedene benachbarte Klöster
da, z. B. Chirac, Joncels, Saint-Guilhem, Saint-Pons, die ich bei den betreffenden
Urkunden verzeichne.
8) Zitiert Gallia Christiana XIII p. 221. Daher nahm C. Barri^re-Flavy
L'abbaye de Calers (Toulouse 1887) p. 101 offenbar sein Zitat. Vgl. auch Als.
lat. 12774 p. 326 Paris Bibl. Nat.
Papsturkunden in Frankreich VII. 23
lieferungen ihm aber sonst bekannter Urkunden hat er wohl über-
sehen. Ich verzeichne nur die Templerurkunden: Hadrian IV.
(1155) IV 27 Orig. '). — Alexander III. (1165) VIII 11 Orig. (s.
Anhang). — (1170) V 10 Orig. (s. Anhang). — (1175) IX 26^). —
(1159—79) XI 11 % — Lucius III. (1182—83) V 17 (s. Anhang).
— (1184—85) X 30^). — Urban III. (1186—87) IV 28 Orig. (s.
Anhang). — Celestin III. 1192 V 9 ').
Die wichtige Bib. Communale in Toulouse enthält
namentlich das Ms. 590 „Privileges de l'eglise de Chartres" s. XV
(Stein Nr. 886), das neben vielen bekannten eineg anze Reihe un-
gedruckter Urkunden für Chartres enthält: Honorius II. (1125 — 29)
III 15, Lucius IL 1144 IV 5, Alexander III. 1168 X 9 (J-L. 14225),
1177 VI 9 (J-L. 12866«), 1178 VII 18 (J-L. 13085«), (1166-79)
V 22, (1179) III 5 (J-L. 13317«), (1179) V 22, Lucius III. (1183)
1 16 (J-L. 14818), 1183 XII 11, (1184— 85) VIII 23 und Clemens III.
1190 VI 4 (J-L. 16503), die ich im Anhang gebe. — Die Schloß-
bibliothek von M e r V i 1 1 e bei Toulouse (vgl. Douai Manuscrits
du chäteau de Merville 1890) enthält die „Confirmationes statu-
torum et libertatum ordinis Premonstratensis" s. XIII, wo neben
bekannten Urkunden (z. B. J-L. 12583, aber mit Dat. Anagnie XVI
kal. iunii, Alexander III. (1160—76) IV 30, (1171—81) V 10 und
(1171—81) V 14 kopiert sind (s. Anhang).
1) Adrianus episcopus seruus seruorum Dei. Venerabilibus fratribus archi-
episcopis episcopis et dilectis filiis abbatibus principibus atque aliis Dei | fidelibus,
ad quos littere iste peruenerint, salutem et apostolicam benedictionem. Sicut sacra
euangelii (wörtlich wie Papsturkunden in Frankreich IV p. 114 Nr. 34). Dat. Rom.
apud sanctum Petrum V kal. maii (B).
2) Kopie Yon 1454 III 23. Ygl. Nachrichten 1899 p. 392 Nr. 9.
3) Alexander episcopus seruus seruorum Dei. Venerabilibus fratribus archi-
episcopis episcopis et dilectis filiis abbatibus prioribus archidiaconis decanis pres-
byteris et aliis ecclesiarum prelatis, ad quos littere iste peruenerint, salutem et
apostolicam benedictionem. Audiuimus et audientes (das bekannte Zehntenprivileg).
Dat. Anagnie III id. nouembris (Kopie s. XIII).
4) Lucius episcopus seruus seruorum Dei. Venerabilibus fratribus archi-
episcopis episcopis et dilectis filiis abbatibus prioribus et aliis ecclesiarum prelatis,
ad quos littere iste peruenerint, salutem et apostolicam benedictionem. Religiosos
uiros fratres domus milicie (wie J-L. 14740). Dat. Veron. III kal. nouembr.
(Kopie von 1291 IX 4).
5) Celestinus episcopus seruus seruorum Dei. Venerabilibus fratribus archi-
episcopis episcopis et dilectis filiis abbatibus prioribus archidiachouis decanis
presbyteris et aliis ecclesiarum prelatis, ad quos littere iste peruenerint, salutem
et apostolicam benedictionem. Audiuimus et audientes (folgt das bekannte
Zehntenprivileg). Dat. Lateran. VII id. maii, pontificatus nostri anno secundo
(Kopie von 1270 IX 1).
24 Wilhelm Wieder hold,
Departement de l'Ariege.
Archives de la Tour ronde. Inventar von 1760.
Coli. Doat 61. — Engen III. J-L. 9350 Cliartular s. Xn f. 203
Bibliothek der Societe d'arch^ologie de Montpellier (Stein Nr. 1373).
Chapitre episcopal de Couserans. Coli. Baluze
20. — Celestin III. J-L. 17284 (s. Anhang).
Abbaye de [L^zat. Chartular s. XIII Paris Bibl. Nat.
Ms. lat. 9189, Coli. Doat 98—102 (Stein Nr. 2096 und 2097). —
Johann XV. J-L. 3850 ').
Abbaye de Saint-Volusien de Foix. Die Gallia
Christiana XIII Instr. 91 gedruckte Urkunde Honorius' III. 1224
XII 6 zitiert Vorurkunden von Alexander III. und Urban III.
Im Archiv des Herzogs von Levis-Mirepoix auf Löran be-
finden sich Papiere der Karthause Arviere (Ain), unter denen
Lucius IL J-L.* 8591 (s. Anhang) in Abschrift s. XVIII erhalten ist.
Departement des Pyrönees-Orientales.
Eveche d'Elne. Wegen des verlorenen Chartulars s. XII
vgl. Stein Nr. 1250. — Romanus J-L. 3515.
Coll^giale Notre-Dame de la Real. Celestin
in. 1194^).
Collegiale Saint-Paul de Fenouillet. Inventar
von 1690 (G. 467)^). — Sergius IV. J-L. 3975 0 Coli. Doat 55,
Ms. lat. 12761 f. 436 Paris Bibl. Nat.
Prieure del Camp. Alexander IIL J-L. 10999.
Abbaye Sainte- Marie d'Arles. Coli. Baluze 108
und 117 Paris Bibl. Nat. — Johann XIIL J-L. 3734. — Silvester
IL J-L.* 3937 („P. Siluester seruus seruorum Dei. Omnibus archi-
diachonis episcopis etc. Est fere omnimode lacerata propter uetustatem"'
(Coli. Baluze 117 f. 267)). — Sergius IV. J-L. 3977^).
Abbaye de Saint- Michel de Cuxa. Coli. Baluze
107 und 117 (vgl. Stein Nr. 1109-1112). — Agapit IL J-L. 3651
1) Ed. Bruel Recueil des chartes de Cluny III p. 165 Nr. 1950 ex Chartul.
Cluniac. B. 32 und Ms. lat. 3780 f. 186'.
2) Zitiert Gallia Cbristiana VI p. 1113 und Coli. Languedoc 42 f. 251.
3) Zitiert keine Paptsurkunden vor 1317.
4) Die Urkunde war zuletzt im erzbischöfiichen Archiv in Narbonne.
5) Die bei Stein Nr. 193 erwähnte Abschrift des alten liber privilegiorum
ist ein Akt von 1601 II 27 mit Kopie einer Urkunde von 1250 VI 28, wo auch
Urban II. für Abt Wilhelm von Cluny zitiert wird (H. 52). Die Urkunden sind
auch gedruckt bei D. Francisco Monsalvatje y Fossas Monasterio di Santa Maria
de Arles (Olot 1896) p. 28 und 43.
Papsturkunden in Frankreich YII. 25
Kopie von 1680 IX 20 '). — Johann XIII. J-L. 3735 Kopie von
1679 VII 12^). — Sergius IV. J-L. 3973^), — Innocenz II. J-L.
7430*).
Abbaye Saint-Martin de Canigou. Chartular s.
XII'). — Sergius IV. J-L. 3976 Orig. Bibl. Comm. Perpignan. —
Alexander III. J-L. 10887 Chartular s. XII — (1171) I 6 (s. An-
hang)! — (1178-79) IV 22 (s. Anhang).
Im Archiv der Stadt Perpignan befindet sich der
^. Li vre vert mineur" s. XIV (A. A. 4), wo vol. II f. 465 Gregor VII.
J-L. + 5257 und f. 466 Urban IL J-L + 5562 aus den angeblichen
Originalen im Archiv in Barcelona abgeschrieben sind. Aus diesem
Livre vert stammen dann die Kopien im „Liber estillorum" s. XV
(Arch. Dep. B. 346) f. 43' und f. 157 und im „Regestrum XXXI^
(s. XVI) f. 48 (ebenda B. 350) und Abschriften s. XVII in G. 38.
— Andere Urkunden für den Grafen von E;Oussillon sind noch
Eugen III. zitiert in Hadrian IV. J-L. 10468, Alexander III. J-L.
11235 und J-L. 11236, von denen Abschriften in der Coli. Baluze,
ältere Überlieferungen aber wohl im Staatsarchiv in Barcelona sind.
Departement des Hautes-Pyrenees.
Abbaye de l'Escaledieu. Inventar von 1715. —
Alexander III. zit. in Gregor VIII. 1187 X 31').
1) Aus Kopie von 1662 XI 22 in „Processus in archivio regii domiuii" (ex
antiquissimo libro pergam. von 126 Blättern f. 9 im Klosterarchiv). Ed. Font
Histoire de l'abbaye de Saint-Michel de Cuxa (Perpignan 1882) aus Kopie von
1740 X 11 (aus Kopie von 1640 VII 4 in „Liber diversas scripturas ad iurisdictionem
abbatis sancti Michaelis pertinentes continens").
2) Aus Kopie von 1670 VI 10 in Liber diversas scripturas (aus Kopie von
1267 I 12). — Ed. Font p. 381 aus Kopie von 1740 X 10 (aus Kopie von 1670
VI 10). Die Urkunde steht auch im Eegistrum Clemens' IV. a III f. 138 n. 19
Kom Vatik. Archiv Reg. Vat. 32.
3) Font p. 386 aus Kopie von 1740 X 1 (aus Kopie von 1671 IX 5).
4) Auch im Reg. Clemens' IV. a III f. 137' n. 18 Rom Vatik. Archiv Reg. 32.
Ed. Font p. 393 aus Kopie von 1740 X 1 (aus Kopie von 1671 IX 5). Woher
Font seine Kopien bekommen hat, vermochte ich nicht festzustellen. — Das Buch
p]. Delamont Histoire de la ville de Prades (1878) hat keine besonderen Angaben.
5) Ein Inventar von 1785 (Kopie eines Inv. von 1586) war 1885 im Besitz
des Obersten Puiggari (vgl. Comite des travaux historiques 1885 p. 160 Anm. 3).
F. Font Histoire de Saint-Martin du Canigou (Perpignan 1903) zitiert aus ihm
mehrere Urkunden Alexanders IIL, über die ich keine Angaben habe finden können.
Über das Inventar konnte mir niemand Auskunft geben. Die Urkunden sind auch
gedruckt bei D. Francisco Monsalvatje y Fossas Monasterio de San Martin de
Canigö (Olot 1899) p. 208, 269 und 270 aus anderen Drucken.
6) Ed. G. Bascle de Lagreze Monographie de l'Escale-Dieu (Paris 1850)
26 Wilhelm Wiederhold,
Abbaye de Saint-Savin de Lavedan. Inventar
von 1768. Wegen des Chartulars vgl. Stein Nr. 3562 und 3563. —
Alexander in. J-L. 11341 Orig. Pau Arch. Dep. (H. 148)0- —
Alexander III. (1171—80) VII 22 Orig. ebenda (s. Anhang). —
J-L. 13549. — J-L. 13579.
Hierher gehört vielleicht auch die Urkunde Gregors VIII.
J-L. 16025 für de Caritate Fuliense, für die ich keinerlei An-
gaben gefunden habe^.
Departement des Basses-Pyrenees.
Chapitre ^piscopal de Bayonne. Inventare s.
XVIL „Livre d'or" s. XIV (Stein Nr. 371). — Paschal II. J-L.
6024 Livre d'or f. 2. — Celestin IIL J-L. 17155 ebenda f. 31^).
Chapitre episcopal de Lescar. Wegen des Char-
tulars vgl. Stein Nr. 2045. — Paschal n. J-L. 6390.
Abbaye de Saint-Savin de Lavedan. Vgl. oben.
Prieure de Sainte-Foi de Morlaas. Chartular
s. Xn Paris Bibl. Nat. Ms. lat. 10936 (Stein Nr. 2607). — Gela-
sius IL J-L. 6666 Chartular f. 5. — Dazu f. 10 und 11 Lucius n.
J-L. 8621 für Cluny*).
Departement des Landes.
Chapitre de Dax. Paschal IL J-L. 5833.
Abbaye de Saint-Sever. Wegen der Chartulare vgl.
Stein Nr. 3566—3570. - Gregor VII. (1085?) IV 25 (s. Anhang).
— Paschal n. J-L. 5951. — J-L. 6066. — J-L. 6089 (s. Anhang).
— Alexander III. (1165) VIII 13 0.
p. 104: „conservee dans les archives du couvent et aujourd' hui us^e par les siecles,
est ^crite sur parchemin".
1) Kopie von 1663 VII 17 ebenda. Kopie s. XVI Tarbes Arch. Ddp. H. 97.
J-L. nach Ms. lat. 12695 f. 345. Vgl. auch Ms. lat. 11899 f. 168 und Ms. lat.
12751 p. 679 (Kopie von 1637 VIII IG). Ed. Bascie-Lagreze Monographie de
Saint-Savin p. 79.
2) Larcher Cartulaire de Comminges s. XVIII (Archives D^p. F. 18) p. 25
zitiert die Urkunde ebenfalls ohne jede Angabe.
3) Auch in einem Fragment eines Chartulars s. XIII f. 1. Dazu Kopien
von 1637 VII 19, 1654 VII 31, 1694 VII 13, s. XVII und s. XVIII, alle aus dem
Livre d'or.
4) In H. 159 liegt ein Heft s. XVII von 10 Blättern mit f. 1 Innocenz IL
J-L. 7927 und f. 1 Alexander III. J-L. 12813 für die Praemonstratenser.
5) Ed. Buisson Historia sancti Severi I p. 106 als Alexander V. Eine ver-
lorene Urkunde Paschalis' II. wird zitiert. Ebenso zitiert Buisson I p. 161 Schutz-
privilegien von Alexander II. und Gregor VII. Die sind verloren, die ProtektioJis-
Papsturkunden in Frankreich VII. 27
Abbaye de Sorde. Wegen des Chartulars vgl. Stein
Nr. 3740. — Eugen III. (1153) VII 7 (s. Anhang).
Departement du Gers.
Chapitre metropolitain d'Auch. Die wicbtigste
Quelle ist die Histoire de la Gascogne Mongaillards s. XVII in
Toulouse Bibl. Comm. Ms. 718. — „Livre noir" s. XIII (Stein Nr.
255) '). — ürban II. 1097 X 28 (s. Anhang). — Calixt II. s. d.
zit. in Honorius IL 1127 VI 23 (s. Anhang). — Innocenz 11. 1131
119 0 — (1132—37) I 30 (s. Anhang). — Celestin IL 1144 II 2b').
— Lucius IL 1144 III 23'). — Eugen III. (1148) IV 6 (s. Anhang).
— (1151) II 20 (s. Anhang). — Hadrian IV. 1155 V 24^. —
(1155—59) V 26 (s. Anhang). — Alexander III. (1159—81) Livre
noir f. 105' 0. — Celestin III. J-L. 17283 Kopie von 1731 II 3
(Chapitre de Jegun G. 89) 0-
Chapitre cathedral de Condom. Chartular s. XIV
Paris Bibl. Nat. Ms. lat. 5652. Chartular von 1784 (G. 61). Lareher
Cartulaire de Condom s. XVIII Arch. Comm. (Stein Nr. 1035 —
1036) 0. — Gregor VII. J-L. 4981. — Alexander III. J-L. 10879
(s. Anhang). — (1160—76) VI 24 (s. Anhang).
Chapitre collegia] de Jegun. Celestin III. J-L.
17283 Kopie von 1731 II 3.
Chapitre collegial de Saint-Orens d'Auch.
Die Urkunden stehen im Livre noir des Kapitels von Auch. —
Leo IX. J-L. 4318. — Urban IL J-L. 5647. — J-L. 5684. —
Paschal IL J-L. 5985. - Gelasius IL J-L. 6664.
Abbaye de Flaran. Alexander III. J-L. 1 0756 ').
bulle Paschais II. ist J-L. 5951 (vgl. auch Buisson II p. 165). In H. 86 liegt
eine Art Inventar s. XVIII des Chartulars.
1) Das ist der sogenannte „Compilator" , es fehlt aber der sogenannte
„Collector" oder „alius Compilator".
2) Hinter der Urkunde Honorius' II. sagt Mongaillard f. 330 (vgl. Brugeles
p. 107) „post hoc id ipsum confirmauit Innocentius II in bulla data XIV kal.
febr. MCXXX, et Celestinus II in bulla data VI kal. martii MCXLIII, et Lucius
II in bulla data X kal. april. MCXLIII, et Adrianus IV in bulla data IX kal. iunii
MCLV", deren Originale 1612 sämtlich im Kathedralarchiv gewesen seien.
3) Ed. Cartulaire du chapitre d'Auch p. 75; eine verlorene Urkunde Ana-
stasius' IV. wird zitiert.
4) Danach waren auch von Eugen III., Anastasius IV. und Alexander III.
Schutzprivilegien ausgestellt, die jetzt verloren sind.
5) Das von Gallia Christiana II p. 955 erwähnte Privileg für Abt Hugo,
ausgestellt um das Jahr 1000, habe ich sonst nicht erwähnt gefunden.
6) Ed. P. Benouville et Phil. Lauzun L'abbaye de Flaran en Armagnac
(Auch 1890) p. 43 aus Ms. lat. 12752.
28 Wilhelm Wiederhold,
Abbaye de Gimont. Wegen des Chartulars s. XIII
(jetzt in Arch. D^p.) vgl. Stein Nr. 1575. — Eugen III. J-L. 9712
^(s. Anhang). — Alexander III. J-L. 10716 (s. Anhang). — J-L.
10983. — Lucius III. J-L. 15262.
Abbaye de Lacase-Dieu. Inventar von 1749. —
Celestin n. J-L. 8472 (s. Anhang).
Prieur^ de Saint-Mont. Chartular s. XII Schloß-
bibliothek von Saint-Germe (Gers)^. Vgl. Stein Nr. 3503 und
3504. — CaUxt IL J-L. 7095.
Das Kloster Saint-Niclas de Nugarolo hatte Alex-
ander IIL J-L. 11607 0, die Abtei Berdoues (vgl. Stein Nr. 448)
ebenfalls eine Urkunde Alexanders IIL').
Departement de Lot et Garonne.
Wegen Saint-Caprais d'Agen vgl. p. 22 und für
Sainte-Livrade d'Agen vgl. Papsturkunden in Frankreich
VI p. 6 und p. 91 Nr. 53*).
Departement du Lot.
Eveche de Gabors. Chartular s. XIV Bibl. Comm. Ms.
41. Coli. Doat 120 (Stein Nr. 729 und 730). — Urban IL J-L.
5573. — Paschalis IL J-L. 6025. — J-L.* 6092. — Calixt n.
J-L. 6721. — Celestin III. J-L. 17489 Chartular s. XIV (aus
Kopie von 1313 XII 1).
Abbaye de Figeac. Coli. Doat 126 (Stein Nr. 1325).
Wichtig sind auch die „Privileges du comt^ de Rouergue" s. XV
Montauban Arch. Dep. A. 111. — Stephan IL J-E. + 2321. —
Paschalis L J-E. -f 2554. — Benedict VIL J-L. -H 3785^). - Ur-
1) Dieses Chartular habe ich nicht gesehen.
2) Abschrift bei Mongaillard f. 340.
3) Zitiert Brugeles Chroniques d'Auch p. 297 als an Abt Arnald gerichtet,
ohne Datum. Gallia Christiana I 1020 zitiert zu Bardum (Berdona) Urkunden
von Lucius II. 1143 IV 4, Eugen III. 1152 und Hadrian IV. mit der falschen
Datierung 1162 X 6 (vgl. Ms. lat. 12752 p. 109 Paris Bibl. Nat., wo die Ur-
kunde Lucius' II. zu 1143 IV 9 gesetzt wird).
4) Ein Fragment eines Chartulars s. XVII des Bistums Agen befindet sich
jetzt in Arch. D^p. G. 26. — Das Ms. 4 der Bibl. Comm. „Ad doctriuam dicta-
minum accedentes et dantes" s. XIII hat nur eine Reihe von Beispielen für
Adressen aus päpstlichen Schreiben.
5) Ed. Neues Archiv XI p. 387 aus Paris Bibl. Nat. Coli. Baluze vol. 269
f. 70 (ex archivio monasterii Fontensis in diocesi Caturcensi). — Die Urkunden
für Figeac sind auch oft von späteren Päpsten transsumiert worden; in den Re-
gistern des Vatikanischen Archivs hat sich aber anscheinend keine derartige Ab-
schrift erhalten.
Papsturkunden in Frankreich VII. 29
ban II. J-L. + 5481. — J-L. 5607. — J-L. 5654. Kopie s. XII
Coli. Bourgogne 79 f. 12 Paris Bibl. Nat. — Eugen III. J-L. 8994
(s. Anhang).
Abbaye de Carennac. Vgl. Stein Nr. 790. — Alex-
ander III. J-L. 12482 (s. Anhang).
Prieure du Mont-Saint-Jean (Saint- Jean de Grour-
don). „Documenta^' s. XVI Gabors Bibl. Comm., Salvat Chronique
du Quercy s. XVIII ebenda Ms. 63 und Dominici Eist, du Quercy
s. XVIII Montauban Arcb. Dep. — Calixt II. 1120 II 23 0. —
Hadrian IV. 1156 II 25 (s. Anhang) % — In Coli. Doat 2 f. 169
wird aus dem Archiv von Leime zitiert: „Bulle du pape
TJrbain II par laquelle il ordonne aux eveques de Cahors, Rodez
et Limoges de prester la main au recouvrement des biens qu'on
avoit ostes aux religieux de Ligiac et excommunier tous les deten-
teurs, II kal. martii, anno MXCV, pontificatus domini Vrbani
anno V", aber eine Kopie dieser Urkunde habe ich nicht gefanden;
auch nicht in Coli. Doat 124, wo die Urkunden aus Leime und
Lissac kopiert sind. Vielleicht handelt es sich um einen späteren
Urban.
Departement de la Gironde.
Archeveche de Bordeaux. Inventar v. 1732 (in G. 265
u. 266). Ein ^.grand livre rouge" von mindestens 389 Blättern ist ver-
loren (Inv. von 1732 vol. II p. 582). — Alexander IL J-L. 4715.
— Innocenz IL J-L. 8015 Orig. — Lucius IL J-L. 8533^). —
(1144) ni 21*). — Eugen III. J-L. 8910 Kopie von 1522 VI 27
Paris Bibl. Nat. Ms. lat. 9131. — (1146) V 1 Orig. (s. Anhang).
1) Ed. Robert Bullaire I p. 212 Nr. 144 aus Salvat. Das Manuscrit fran^ais
6046 der Bibl. Nat. in Paris, wo f. 314 die Urkunde auch stehen soll, kenne ich
nur nach der Angabe des Katalogs.
2) Ich bemerke noch, daß eine große Zahl der in den Inventaires sommaires
zitierten Urkunden aus Drucken genommen ist; diese Angaben sind also wertlos.
3) Kopie von 1521 VIII 27 Poitiers Arch. Dep. G. 156. Vgl. Papsturkunden
in Frankreich VI p. 14 Anm. 3. Ed. Lopes L'eglise metropolitaine et primatiale
Saint-Andre de Bordeaux (1668) p. 147, (1882) vol. II p. 63.
4) „Bulle de Lucius II pape contenent permission a tous les pretres du
diocese de Bourdeaux des prendre en leur parrochies les oblations de ceux qui
se presantent a la confession et de ce qu'on presente aux nopces et purifications
des femmes et les autres choses qui appartiennent a leur droit. XII kal. april."
(Inventar von Saint-Andre von 1596 f. 46). Mit dem Regest ebenda f. 46 ,, Bulle
de Lucius II pape contenent confirmation des octroyes aux de Saint-Andre et de
Saint-Seurin par les pappes ses predecesseurs roys princes et autres. Datum Roma
1503" vermag ich nichts anzufangen.
30 Wilhelm Wiederhold,
— Anastasius IV. J-L. 9876. — Hadrian IV. (1155) V 7 0- —
(1159) V 29 Orig. (Gr. 267)^).
Chapitre metropolitain Saint-Andre de Bor-
deaux. Inventar von 1596. Chartular s. XIII (Stein Nr. 545.
Vgl. auch Nr. 546). - Urban II. J-L. 5800 Kopie s. XIII. —
Eugen in. s. d.'). — Anastasius IV. s. d. Kopie von 1623 XI 29*).
— Alexander HI. (1170) VI 3^). — J-L. 12230 Kopie s. XIII«).
— 1175 VI 30 (s. Anhang). — (1160—76) IV 26 Orig. (s. Anhang).
— J-L. 13008 Orig. — Lucius III. J-L. 14537 Kopie s. XIII').
Evechö et chapitre de Bazas. „Chronique" ed.
Archives historiques de la Grironde XV (1874) zitiert Papsturkunden
von Urban IL, Calixt IL, Innocenz IL, Lucius IL, Eugen IIL
(aus „Liber rubeus vetustissimus in archiviis capituli" f. 2), Hadrian
IV. 1155 und Alexander III. 1162.
Chapitre collegial Saint-Seurin de Bor-
deaux. Inventar von 1732. Chartular s. XIII (Stein Nr. 548)
publiziert von J. A. Brutails (Bordeaux 1897)^). Die Urkunden
stehen sämtlich in dem Chartular. — Alexander III. (1166—67)
III 22. — (1166-67) III 22. — (1170) V 8. — (1166-78) VII 18.
— (1159-81)^). — Lucius nL J-L. 15338^). — Urban IIL (1186
—87) V 3. — Clemens IIL 1190 VI 28. — s. d.^°).
1) „Bulle de Adrianus IV contenant confirmation d'une donnation faicte par
l'abbe et religieux de Sainte-Croix a l'archevesque de Bourdeaux de la moytie de
toutes les oblations de l'esglise de Soulac. Datum Rome apud sanctum Petrum
nonis maii" (Inventar von Saint-Andre von 1596 f. 46).
2) Ed. Archives de la Gironde XXIII p. 3. -- In G. 81 liegt ein Formelbuch
s. XV, wo f. 309' Johann XV. J-L. 3849 kopiert ist.
3) In einem Repertorium s. XVIII (G. 523) steht f. 8' das Regest: „Bulle
d'Eugene III confirmant au chapitre les Privileges accordes taut par les papes
que par les roys" und f. 25 „Confirmation de l'exemption de regale et autres
Privileges par le pape Eugene III."
4) Ed. Archives de la Gironde XXV (1886) p. 103 aus dieser Kopie, die
wieder aus Kopie von 1460 II 19 genommen wurde. Die zitierten Urkunden
Innocenz' II. und Lucius' II. sind verloren.
5) Vgl. Lopes L'eglise mc^tropolitaine de Saint-Andre (1668) p. 122, (1882)
p. 324. Danach war die Urkunde ausgestellt in Venedig, während das Inventar
von 1596 f. 46 gibt: Datum Verul. III nonas iunii.
6) Und Kopie von 1643 VII 24. Eine Kopie von 1561 IX 9 ist verloren
(Inventar von 1569 f. 459).
7) Eine Kopie von 1561 IX 9 ist verloren (Inventar von 1569 f. 459).
8) Das ist der „Petit Sancius", der „Grand Sancius" von 132 Bl. ist verloren.
9) Das Inventar von 1732 (G. 1588) zitiert die Urkunde zu 1175 nach einer
jetzt verlorenen Kopie. Vgl. auch die Notiz von 1609 I 27 (in G. 1321), wonach
die Urkunde auch in dem Petit Sancius gestanden hat, aber diese Blätter fehlen jetzt.
10) Vgl. Brutails p. 135 und p. 179.
Papsturkunden in Frankreich VII. 31
Abbaye de La Sauve. Inventar von 1621. „Chartularius
maior" s. XIII und „minor^^ s. XIV Bibl. Comm. Ms. 769 und 770.
(Stein Nr. 1910 und 1911). Zwei Fragmente eines Chartulars s. XV
(H. 12) und ein Fragment eines Chartulars s. XV (H. 6). —
Calixt II. J-L. 7159 Ms. lat. 12751 Paris Bibl. Nat. — Innocenz
II. (1131) XI 12 Cbartulare (s. Anbang). — Alexander III. (1164)
VI 11 ebenso (s. Anhang). — 1164 VI 11 ebenso (s. Anhang). —
1165 I 3 Kopie von 1553 VI 10 (s. Anhang). — (1165) VII 22
Chartular s. XHI (s. Anhang). - J-L. 11554 0- - 1169 XII 23
Chartulare (s. Anhang). — J-L. 14221 Chartulare (s. Anhang). —
Lucius III. 1184 IV 26 Nachzeichnung s. XII (s. Anhang). —
1185 VII 21 Chartulare s. XV (s. Anhang) 0- — Clemens III. J-L.
16476'). — Celestin III. J-L. 17527 Orig. — Celestin III. J-L.
17535 Chartular s. XIII*).
Abbaye Sainte-Croix de Bordeaux. Inventare
von 1754 und 1784. Chartular s. XVII (Stein Nr. 541). Mss. lat.
12666, 12751 und 12771 Paris Bibl. Nat. % — Benedikt IX. J-L.
4108 Kopie von 1645 XI 15. — Urban II. J-L. 5790 Kopie von
1) Bei G. Saige et H. Lacaille Tresor des cliartes du comte de Eetliel I
(Monaco 1902) steht diese im Annuaire-Bulletin (1867) II p. 12 aus cartul. du
comte de Kethel gedruckte Urkunde nicht.
2) Eine Kopie von 1613 VII 9 ist verloren (Inventar von 1621 f. 101').
3) Das Ms. lat. 12751 hat p. 418 „Clemens papa III confirmat monasterio
Sylvaemaioris domum de Bellofonte cum pertinentiis suis, cellulam de Ortoleya
cum ecclesia de Villanoua, locum de Montelauri etc. II idus martii, pontificatus
anno III (ex cartulario Sylvaemaioris)", p. 577 „Breue Clementis pape III, quo
monasterio Sylvaemaioris confirmat donationem Artoleiae factam ab Elya priore
et canonicis. Dat. II idus martii, pontificatus anno III" und p. 603 „Bulla
Clementis pape III, qua Sylvaemaioris cenobio confirmat donationem cellarum
Bellifontis, Artoleiae et Montislauri. Dat. II id . martii, pontificatus anno III
(extat in tabulario Sylvaemajoris)". Diese Erwerbung von Bellefont erwähnt ^uch
die Histoire de la Seauve-majour Ms. par Dom Etienne du Laura (im Kommunal-
archiv von La Sauve und Kopie davon im Kommunalarchiv zu Bordeaux, vgl.
auch Ms. fr. 19856 Paris Bibl. Nat.) p..211 mit der Bestätigung durch den Papst
1190.
4) Zwei Kopien s. XVI in H. 12, ebenda Kopie von 1698 IX 22 (aus Kopie
von 1507 II 22). Auch die Chartulare s. XV enthalten die Urkunde. — Cirot de
la Ville Histoire de l'abbaye et congregation de N. D. de la Grandesauve (Paris
1844) zitiert II p. 365 verlorene Urkunden von Lucius III., Urban IIL und Ce-
lestin III. nach den Zitaten bei du Laura p. 535.
5) Die anderen Chartulare (Stein Nr. 540 und 543) enthalten keine Papst-
urkunden. Das sogenannte „premier cartulaire" scheint verloren zu sein (vgl.
Arch. Dep. C. 4156). Das Chartular s. XVII ist publiziert 1892 in Archives
historiques de la Gironde XXVII mit einer großen Zahl von Papsturkunden; es
erübrigt sich hier wohl zu jeder Urkunde diese Druckstelle anzugeben.
32 Wilhelm Wiederhold,
1646 I 17. — 1099 VII 28 (s. Anhang). — Paschalis II. J-L. 5952
Chart. — Calixt II. J-L. 7031 = 7034 Kopie s. XVII und Chart. '),
— Honorius U. J-L. 7349 Kopien s. XII und XVII — J-L. 7350
Kopie s. XII. — Alexander III. J-L. 10936 Kopie s. XII. — J-L.
10937 Kopie s. XII. — J-L. 10938 Kopie s. XII. — J-L. 10960
Kopie s. Xn. — (1163-64) XI 22 (s. Anhang). — J-L. 10988
(s. Anhang). — (1163—64) XII 19 (s. Anhang). — (1163—64) XII
23 Chart, i — J-L. 11007 Kopie s. XIL — J-L. 11008 Kopie
s. XIL — J-L. 11034 Kopie s. XII. — J-L. 11153 Kopie s. XVII
und Chart. — J-L. 11154 Kopie s. XIL — J-L. 11282 Orig.^). —
J-L. 11314. — (1166—67) II 12 (s. Anhang). — (1166-67) II 13
(s. Anhang). — (1166—67)11 15 (s. Anhang). — J-L. 11454 Char-
tular. — J-L. 12500^). — J-L. 12501. — J-L. 12677 Chart. —
J-L. 12678 Chart. — (1166—79) VI 1 Orig. (s. Anhang). — J-L.
13267 Chart. — (1171—80) [X 22 Orig. ^). — Lucius IH. J-L.
14861 Chart. — J-L. 14864 Chart. - J-L. 15421 Orig. und Chart.
— Urban III. J-L. 15814 Chart. — Celestin III. J-L. 16758 Chart.
— J-L. 16945 Chart. — J-L. 16976 Chart."). — J-L. 16985 Kopie
s. XVII und Chart. — J-L. 16986 Chart. — J-L. 17426 Chart. ').
Prieure Saint-Pierre de La Reole. Chartular
s. XVII im Kommunalarchiv von La Reole (Stein Nr. 1891)^).
Ms. lat. 12690 Paris Bibl. Nat. — Clemens III. J-L. 16321.
Abbaye de Saint-Eomain de Blaye. Ms. lat.
12773 Paris Bibl. Nat. (Stein Nr. 497). — Innocenz IL J-L. 7678
(s. Anhang). — Hadrian IV. zitiert in Alexander III. J-L. 11612
1) Die volle Datierung steht auch Gallia Christiana II Instr. 279. Ed. auch
Archives hist. de la Gironde XXVI p. 43 aus dem Chartular.
2) Ed Archives hist. de la Gironde XXVI p. 78.
3) Ed. Archives hist. de la Gironde XXVI p. 79 aus dem Chartular.
4) „Alexander papa tertius confirmauit Ruffato clerico capellaniam sancti
Macarii cum pertinentiis suis, sicut eam ad representationem abbatis sancte Crucis
Burdegalensis de concessione uenerabilis fratris sui Willelmi Burdegalensis archi-
episcopi canonice possidebat. Datum Ferentini VIII kal. iulii" (Ms. lat. 126G(>
f. 159. Vgl. auch Inventar von 1754 f. 4').
5) Ed. Archives hist. de la Gironde XXIII p, 4 aus von mir nicht gefundener
Kopie 8. XVII.
6) Ed. auch Arch. hist. de la Gironde X p. 522, aber mit VII kal. aprilis.
7) Im Fonds liegt auch noch ein Auszug von 1751 IX 13 von Urban III.
J-L.* 15716 aus einem Pergamentchartular von Saint-Florent de Saumur.
6) Das Chartular ist besonders wichtig wegen der zahlreichen Abschriften
von Urkunden für Fleury (vgl. Recueil des chartes de l'abbaye Saint-Benoit-sur-
Loire par M. Prou et AI. Vidier Paris-Orle'ans 1900); ich habe die Urkunden
dank der Liebenswürdigkeit des Herrn Maire von La R(?ole in Bordeaux kopieren
können, Sie sind jetzt auch sämtlich von Prou und Vidier publiziert.
Papsturkunden in Frankreich VII. 33
(s. Anhang). — Lucius III. s. d. '). — Clemens III. J-L. 16518
(s. Anhang).
Abbaye de Saint-Pierre de Verteuil. Alex-
ander III. 1179 V 14 Kopie von 1637 IV 20 (s. Anhang).
Die Abtei Saint-Emilion hatte nach Grallia Christi-
ana II p. 882 Protektionsprivilegien von Hadrian IV. 1155 und
Alexander III. 1168. Diese sind verloren, erhalten ist nur Ha-
drian IV. (1156—58) XII 19 (s. Anhang). Die Abtei G u i t r e s
hatte eine Urkunde Alexanders III. J-L. 11892, von der eine
ältere Überlieferung nicht mehr existiert (vgl. A. Grodin Histoire
de la ville de Gruitres (Libourne 1889) p. 118 und R. Guinodie
Hist. de Libourne (1876) III p. 244). Ebenso sind verloren auch
die Gallia Christiana II p. 888 zitierten Urkunden Alexanders III.
1171 und Lucius' III. für die Abtei La Faise. Von Lucius IIL
haben wir ein genaues Regest: „Bulla Lucii pape III ad Ramnul-
phum abbatem Faezie, qua locum ipsum et ecclesiam sancti Petri
de Lucciaco, in cuius parochia cenobium situm est, cum omnibus
pertinentiis suis, sicut uenerabilis Willelmus Burdegalensis archi-
episcopus donauerat, et alia predia eidem cenobio concessa confir-
mat« (Ms. lat. 12751 p. 566 Paris Bibl. Nat.).
1) Zitiert im Ms. lat. 12751 p. 193 Paris Bibl. Nat. — In der Kommunal-
bibliothek zu Bordeaux ist wiclitig neben den schon erwähnten Manuskripten
die Bibel s. XI des Klosters Redon in der Bretagne, wo f. 249 Eugen III. J-L.
9087 von einer Hand s. XII nachgetragen ist und zwar mit dem vollständigen
Verzeichnis der Besitzungen. In Rennes scheint eine Überlieferung der Urkunde
nicht vorhanden zu sein (vgl. Etat general p. 305). Auf f. 259' desselben Manu-
skriptes steht Gregor VII. J-L. 5280, ebenfalls für Redon.
Nachtrag zu S. 19 Anm. 3. Die Kirche S. Petri Ferranicen. gehört
nach Mitteilung von P. Kehr nach Alba in Piemont.
Kgl. Ges. d. Wiss. Nachrichten, Phü.-hist. Klasse. 1Q13. Beiheft.
34 Wilhelm Wiederhold,
1.
Silvester II. nimmt die dem Jieiligen Petrus geschenJcte Kirche
der heiligen Gervasiiis und Protasius in der Grafschaft Gabalum
(Mende) in den apostolischen Schutz. (999 — 1003).
Fragmenta Historiae Aquitanicae tomus V von 1677 f. 61 Paris
Bibl. JSat. Ms. lat. 12767 [AJ. — Kopie s. XIX Mende Arch. Dep.
(ohne Signatur) [Bj.
J-L. 3931. Beide Abschriften enthalten die TJrhunde des Ste-
phanus vicecomes (ed. Histoire de Languedoc V p. 332 aus cartulaire du
prieure de Langogne), tvo die Urkunde Silvesters II. inseriert ist.
Für die Zeit der Ausstellung gibt der Sat^ dieser Urkunde Dato
privilegio ecclesie Cosme et Damiani benedixit nobis et egressi
sumus vielleicht einen Anhalt (vgl. Kehr Italia pontificia> I p. 68 und
p. 130 Nr. 2). Woher die ganz moderne Abschrift in Mende stammt,
tvar nicht festzustellen. Vgl. auch Prouzet Histoire du Gevaudan
(Mende 1846) I p. 397.
$ a) Sylvester episcopus omnibtis Christiane fidei cultoribus.
Noturu esse uolumus Stephanum uicecomitem et Angelmodam ^^ con-
inges ecclesiam sanctorum '^^ Geruasii et Prothasii'^) de suis pro-
priis constructam in comitatu Gabalitano positam nostre sancte
Romane ecclesie per donationis paginam donasse eamque donatio-
nem super sacrosanctum sancti Petri corpus pro remedio animarum
suarum obtulisse, ut'^ omni tercio anno quindecim solidos pro iure
et respectu sancte Romane ecclesie predicti coniuges suique in
perpetuum heredes sancto Petro persoluant. Vnde placuit nobis
eandem^^ predictam ecclesiam cum omnibus uillis^> casalibus mansis
cultis uel incultis atque cum omnibus rebus et possessionibus ad
eandem ecclesiam pertinentibus *) sub nostra protectione defFenden-
dam*"^ accipere et nostre tuitionis clipeo munire. Quocirca aposto-
a) Christi. b) Agelmodam B. c) sanctorum fehlt in A. d) Protasii
et Geruasii B. e) et B. f) eamdem B. g) omnibus cortibus uillis B.
h) possessionibus sub B. i) deflfendam A.
Papsturkunden in Frankreich VII. 35
lica anthoritate edicimus et ineaitabili correctione iubemus, ut
nullus rex marchio dux comes uicecomes aut aliqua maior*) parua-
que persona illam ecclesiam aliquo modo inquietare uel molestare
audeat neque quidquam rerum ad se pertinentium subtrahere usur-
pare uel in predam ducere presumat^^. Qui autem hoc facere
tentauerit, sit"*\ nisi resipuerit, iaculo diuine maledictionis perfossus
et Petri apostolorum principis indissolubili uinculo innodatus atque
nostri anathematis gladio uulneratus in extremo examine cum dia-
bolo irreparabiliter ") pereat. Et iam ex nostra authoritate hoc
contradicimus, ut nullus episcopus locum illum audeat interdicere;
quod si quis fecerit, iaculo maledictionis diuine **) perfossus subia-
ceatP).
Tc) alius maiorum A. 1} presumant A. m) fiat B. n) irrecupera-
biliter B. ö) diuine maledictionis B. p) Dann folgt der Satz Dato privilegio
u. s. lü. lüie oben.
2.
Victor II. schreibt dem Erzbischof Wifred von Narhonne^ dem
Volke dieser Frovinz und dem Abt Bandidf von La Grasse, daß er
dem Kloster La Grasse seine Privilegien bestätige. (1056 — 1057).
Coli Doat 66 f. 145 (von 1668 XI 23) Paris Bibl. Nat. [ÄJ. —
Coli. Ballige 81 f. 55 ebenda [B]. — Ms. tat. 12761 p. 378 ebenda [Ch
Vgl. J-L. 4361.
Victor episcopus seruus seruorum Dei. Wifredo archiepiscopo
Narbonensi et omni populo prouincie illius, maioribus et minoribus
necnon et abbati Randulfo uenerabilis monasterii sancte Dei gene-
tricis") Marie domine nostre, siti in comitatu Carcassensi uel Nar-
bonensi super fluuium Yrbionis, salutem et apostolicam benedic-
tionem. Conuenit apostolico moderamini pia religione pollentibus
beniuola compassione succurrere et digna poscentibus animis alacri
deuotione impertiri assensum. Ex hoc enim lucrum potissimum
atque ^^ premium a conditore omnium Deo procul dubio promere-
mur''), quando uenerabilia loca opportune ordinata ad meliorem
fuerint sine dubio statum perducta. Venerabilium igitur^^ prede-
a) genitricis B. h) et C. c) consequimur C. d) ergo C.
36 Wilhelm Wiederhold,
cessorum nostrorum priuilegia pro monasterii beate semper«) uir-
ginis Marie in perpetunm inniolata-^ per-
manere optantes^), sub districti inpositione^^ anatbematis interdi-
cimus, ne quisquam rex aut princeps aut aliquis comes uel marcbio
ant aliquis iudex neque ulla magna [paruaque persona
quelibet bona iure monasterio prefato concessa uel ad se
pertinentia nee aliquam ei uiolentiam iniuste inferre aut hominibus
sibi pertinentibus ullam lesionem facere sed emunita'^
predecessoribus] nostris pontificibus
Romanis pariterque regibus atque imperatoribus atque principibus
obtinere iuste promeruit*^ semperque integrum optineat^^ Si quis
autem, quod absit, iniuste res prefati monasterii
presumpserit, donec resipiscat, anathema sit"'\ Amen.
e) semperque C. f) in uia lata JB. g) oblantes J.. ä) interpositione J5C.
) emunitas C. Tc) permeniit A. l) obtineat B. m) anathema sit, nisi
resipiscat C.
3.
Alexander II. fordert alle Christen in Septimanien und Spanien
auf, dem Kloster La Grasse ividerrechtlich vorenthaltene Besitzungen
zurückzugeben; wer der diesbezüglichen Aufforderung des Abts Dal-
macius nicht Folge leiste^ gegen den werde der apostolische Stuhl vor-
gehen, (1062—73).
Ceremoniale moyiasterii s. Mariae Crassensis s. XI f, 153' Paris
Bibl Nat. Ms. lat, 933.
A(lexander episcopus) seruus seruorum Dei. Omnibus fidelibus
christianis per Septimanie et Ispänie prouinciam constitutis salutem
et apostolicam benediccionem. Rogamus uos, immo ex apostolica
auetoritate monemus, ut quisquis ex uobis predia sancte Marie Crasse
actenus iniuste possedit, quantocius illa reddere festinetis. Procul
dubio enim sciatis, quia omnis qui ecclesiastica iniuste retinet et
reddere süperbe contemnit, uitam eternam non abebit, quoniam
rapaces regnum Dei non possidebunt. Illut quoque scitote, quia
simoniaci abbates, qui actenus in loco illo fuerunt, iuste uobis") dare
de prediis eiusdem monasterii nicbil penitus potuerunt. Si quis
autem monitis nostris obedierit, sciat se pro hoc benedictionis
apostolice gratiam percepturum. Qui uero, postquam a filio nostro
a) nobis.
Papsturkunden in Frankreich YII. 37
Dalmacio abbate et fratribus iamdicti monasterii conuentas ^^ fuerit,
hanc ammonicionem nostram contempserit, ipse in semedipsum ani-
maduersionis apostolice sentenciam prouocabit.
ALEXANDRI PAPE.
h) für commonitus ?
4.
(Gregor VII.) beauftragt den apostolischen Vikar Ämatus, die vom
Äbt Arnald von Sainte-Groix in Bordeaux beanspruchte Kirche Notre-
Dame de Soidac dem Abte Arnald von Saint-Sever mi übergeben, ivenn
dieser nachweisen Icönne, daß sein Kloster die Kirche dreißig Jahr
im Besitz gehabt habe. Benevent April 25.
Nachtrag s. XII im Ms. laf. 8878 s. XI f. 289' Paris Bihl.
Nat. (Ms. Suppl. lat. 1075).
Die Datierung macht SchivierigJceiten ivegen der Ortsangabe. Liegt
ein Fehler in der Angabe des Ausstellers vor, ivie bei Nr. 9, so Jcönnte
die TJrhunde nur zu ürban IL 1091 IV 25 gesetzt werden; für
Gregor VII. fügen sich Ort und Tag in Jceiner Weise zusammen.
Amatus starb 1102; es Jcann allerdings ja auch dieser Name falsch
aufgelöst sein. Bei der Annahme eiues Doppelfehlers in der Adresse
häme dann als Jahr 1117 in Betracht; ich möchte das aber Jcaum
annehmeil. Vgl. J-L. 4828, 5042, 5106, 5115, 5165, 6066.
G-regorius episcopus seraus seruorum Dei. (Dilecto) fratri
Amato sancte Romane ecclesie uicario salutem et apostolicam bene-
dictionem. De querela filii nostri Arnaldi abbatis sancti Seueri
Gruasconi^ super ecclesia beat^ Marie de Solaco, qu^ tarn diu est
uentilata et nondum difinita, litteris presentibus fraternitati tu^
mandamus, quatenus ex auctoritate beati Petri apostolorum prin-
cipis sanct^que Romane ecclesi^ ac nostra**), quoadunato c^tu*)
tarn episcoporum quam abbatum, sicut mos est legatorum nostrorum,
presente fratre nostro A(rnaldo) abbate sancte Crucis, si filius
noster abbas sancti Seueri probare poterit septima manu sui or-
dinis se obtinuisse tricennalem possessionem in ecclesia beat^ Mari^
de Solac, per taam manum reuestiatur auctoritate beati Petri et
nostra, possessurus eam in perpetuum. Vale. Data VII kal. madii,
Beneaentani.
a) nostri. &) aus c§to.
Qg Wilhelm Wiederhold,
5-
ürban IL beurkundet dem Prior und den Klerikern von Saint-
Caprais in Ägen seine Entscheidung ihres Streites mit den Kanonikern
der Kathedrale von Saint-Etienne und bestätigt der Kirche Saint-Caprais
ihre Besitzungen und Hechte,
Toulouse 1096 Mai 27.
i^ Kopie s. XIII Toulouse Ar eh. Dep. (Saint- Sernin Liasse 80
titre 4).
J-L. 5648 a zitiert nach dieser Kopie (irrtümlich aber aus dem
Fonds von Saint-Etienne).
Vrbanus episcopus seruns seruorum Dei. Dilectis filiis R.
priori ecclesie sancti Caprasii et ceteris ecclesie beati Caprasii
que apud Aginnum sita est canonicis salutem et apostolicam bene-
dictionem. Apostolice sedis auctoritate debitoque compellimur
pro tmiuersarum ecclesiarum statu satagere et earum quieti auxi-
liante Domino prouidere. Quo modo igitur, quo tenore iuditii anti-
qnam inter uos et beati Stephani matris uidelicet ecclesie clericos
simultatem sedauerimus, ad communem quietem nostris precepimus
literis"^ annotari. Illic enim episcopalem sedem, cymiterium et
mercatum haberi sanximus, saluis omnino redditibus, qui ex eodem
mercato uobis et uestre persolui ecclesie consueuerunt, decaniam
quoque cum bonis suis eidem ecclesie confirmauimus. Cetera uero
omnia, que beati Caprasii ecclesia habere consueuerat, uobis uestris-
que successoribus firma semper et integra permanere sanximus et
sancimus. Prepositure igitur et sacristie et eins quod capud scole
dicitur officii dignitatem uobis perpetao possidendam decreti pre-
sentis auctoritate firmamus cum ecclesiis omnibus, que sub uestro
in presentiarum iure consistunt, siue que uestris sunt usibus man-
cipate, seu quas ex uestra uel predecessorum uestrorum permissione
alii possident, quas nimirum statuimus in communes uestre con-
gregationis usus quamtotius redigendas. Quicquid preterea beati
Caprasii ecclesia in uillis, in aquis, in nemoribus, in mancipiis seu
aliis possessionibus legitime possidet seu in futurum iuste atque
canonice poterit adipisci, uobis uestrisque successoribus firmum
semper illibatumque permaneat, salua Agennensis episcopi cano-
nica reuer entia. Decernimus ergo ut nulli omnino bominum liceat
eandem ecclesiam temere perturbare aut eius possessiones aufferre
d) literis fehlt.
Papsturkunden in Frankreich VII. 39
uel ablatas retinere minuere uel temerariis uexationibus fatigare,
sed omnia integra conseruentur, eoriim pro quorum sustentatione
concessa sunt, usibus omnimodis profutura. Si qua^^ sane in cra-
stinum ecclesiastica secularisue persona bnius decreti paginam
sciens contra eam temere uenire temptauerit , secundo tercione
commonita, si non satisfactione congrua emendauerit, diuine indig-
nationis et apostolice districtionis nltione plectatur. Cunctis autem
eidem loco iusta sernantibus sit pax domini nostri lesu Christi,
quatinus et hie fructum bone actionis pereipiant et apud districtum
iudicem premia eterne pacis inneniant. Amen.
Data Tolose per manum lohannis sancte Romane ecclesie dia-
coni, VI kal. iunii, indictione IUI*, anno'') dominice incarnationis
M°XC°VII'''^), anno pontificatus antem dompni Vrbani secundi VIIII^
h) Tiorr. aus quis. c) anno fehlt. d) MOGOXC^YII^
TJrban II. verleiht dem Ersbischof Raimund von Auch das Pallium
und bestätigt ihm die Hechte und Besitzungen seiner Kirche.
Lateran 1097 Oläober 28.
Mongaillard Histoire de la Gascogne s. XVII f. 319 (aus dem
Orig.) Toulouse JBibl. Comm, Ms. 718 [ÄJ. — Daignan de Sendat
Fieces iustificatives des memoires pour servir ä Vhistoire ecclesiastique
du diocese d'Auch s. XVIII p. 227 (aus dem Orig.) Auch Bibl.
Comm. Ms. 73 [B].
Yrbanns episcopus seruus sernornm Dei. Dilectissimo in
Christo fratri Raymundo Auxiensi archiepiscopo salutem et aposto-
licam benedictionem. Potestatem ligandi atque soluendi in celis
et in terra beato Petro eiusque successoribns autore Deo princi-
paliter traditam, illis ecclesia uerbis agnoseit, quibus Petrum est
Dominus allocutus : Quecumque ligaueris super terram, erunt ligata
et in celis, et quecumque solueris super terram, erunt soluta et in
celis. Ipsi quoque et proprio et aliene fidei confirmatio eodem Deo
autore probatur, cum ad eum dicitur: Rogaui pro te, ut non defi-
ciat fides tua, Petre, et tu aliquando conuersus confirma fratres
tuos. Oportet ergo nos, qui licet indigni Petri residere uidemur
in loco, praua corrigere, recta firmare et in omni ecclesia ad in-
terni arbitrium iudicis sie disponenda disponere, ut de uultu eins
40 Wilhelm Wiederhold,
iudicium nostrum prodeat et oculi nostri") uideant equitatem.
Fraternitatis igitur tue iustis petitionibus annuentes, sanctam
Auxiensem ecclesiam, cui autore Deo presides, sollicitudini tue re-
gendam ac disponendam presentis decreti autoritate concedimus
atque firmamus. Palleum autem ad missarum tantum celebranda
ßolemnia ex more tibi concedimus, quo fraternitas tua illis solum-
modo, qui subter designati sunt, procuret uti diebus, in natiuitate
uidelicet Domini, in Epiphania, in purificatione et assumptione
beate^) Marie, in cena Domini, in die resurrectionis et ascensionis
Domini, in Pentecoste, in natiuitate sancti loannis baptiste et in
natiuitate'') apostolorum Petri et Pauli, in consecratione episcopo-
rum et ecclesiarum, in ordinatione clericorum, in festo Omnium
sanctorum, quod calendis nouembris celebratur, Huius itaque
uolumus te per omnia genium uendicare, ipsius siquidem indumenti
honor, humilitas atque iustitia est. Tota ergo mente fraternitas
tua se exhibere festinet in prosperis humilem et in aduersis, si
quando eueniunt, cum iustitia erectam, amicam bonis, peruersis
contrariam, nullius unquam faciem contra ueritatem recipiens,
nullius unquam faciem pro ueritate loquentem premens, misericordie
operibus iuxta uirtutem substantie insistens et tamen insistere
supra uirtutem cupiens, infirmis compatiens, beneuolentibus con-
gaudens, de alienis gaudiis tanquam de propriis exultans, in corri-
gendis uitiis seuiens, in fouendis uirtutibus auditorum animum
demulcens, in ira iudicium sine ira tenens, in tranquillitate autem
seueritatis iuste censuram non deserens. Hec est, frater carissime,
pallii accepti dignitas, quam si sollicite seruaueris, quod foris acce-
pisse ostenderis, intus habebis. Preterea quicquid honoris et reue-
rentie ecclesie tue a'^) subditis debetur episcopatibus seu quacum-
que nunc possidet uel iuste atque canonice deinceps poterit adipisci,
fraternitati tue pagine presentis autoritate firmamus. Si quis igi-
tur contra hec nostre autoritatis *) statuta temere uenire presump-
serit, benedictione Dei et apostolorum prineipis Petri carebit ''^ ; qui
uero pio intuitu decretorum presentium custos et obseruator exti-
terit, apostolice benedictionis abundantia repleatur. Amen.
Eraternitatem tuam omnipotens Dominus per terapora longa ^^ con-
seruare dignetur incolumem. Amen.
R BV.
Scriptum et datum Laterani per manum Lanfranci uicem agentis '•)
cancellarii, V kal. nouembris, anno dominice incarnationis M^XCVIl",
indictione V, pontificatus autem domni Vrbani secundi pape anno X°.
a) mei A. b) sancte A. c) iiatalitiis A. d) et A. e) autoritatis
nostre B. f) carebit fehlt B. g) longa fehlt B. h) viceagentis.
Papsturkunden in Frankreich VII. 41
7.
Vrban IL bestätigt die EntscJieidung der Bischöfe und aposto-
lischen Legaten Atnatiis von Bordeaux tind Hugo von Die, ivonach die
Kirche Notre-Dame de Soidac dem Kloster Sainte-Croix in Bordeaux
gehören solle. Born Sankt Beter 1099 Jidi 28.
Coli. Bupuy vol. 822 s. XVII f. 109 (ex tahidario s. Crucis
Burdegalensis) Baris Bihl. Nat. — Coli. Bupiiy vol. 841 s. XVII
f. 40' (ex ms, s. Crucis Burdegalensis) ebenda.
Bie diesem Auszug zu Grunde liegende Urkunde war jedenfalls
eine ivörtliche Wiede^'holung von J-L. 5790 und ausgestellt am Tage
vor Urbans IL Tod. Bie Entscheidung der Legaten erging 1096
HL 25 und ist gedrucJct Gallia Christiana II Instr. 278.
Vrbanus pontifex quod fuerat in Burdegalensi concilio defini-
tum, in presentia legatorum sedis apostolice Amati episcopi et
Hugonis Diensis episcopi, roborantes quod Willelmus Burdegalensis
comes concessit, cum ipsum monasterium Romani pontificis precep-
tione fundauit, decernimus ut nulli liceat eandem ecclesiam pertur-
bare aut eins possessiones auferre et confirmamus ecclesiam beate
Marie de Solaco, sicut in presentia legatorum sancte apostolice
sedis, Amati uidelicet superius nominati et Hugonis tunc Diensis
episcopi difinitum est. Si quis igitur arcbiepiscopus episcopus aut
imperator aut rex princeps") dux comes uicecomes eandem hanc
nostre*"^ constitutionis paginam sciens contrauenire tentauerit,
potestatis honorisque sui dignitate careat et a sacratissimo corpore
et sanguine Domini alienus fiat.
Scriptum per manum Petri notarii regionarii et scriniarii sacri
palatii.
Data Rome apud sanctum Petrum per manum lohannis sancte
Romane ecclesie diaconi cardinalis, V kal. augusti, indictione VII,
incarnationis dominice anno MLXXXXVIIII, pontificatus domini
Vrbani II pape anno^) XII.
a) rex quin neque dux. 5) nostram. c) anno fehlt.
8.
Bichard Bischof von Älbano, Legat des apostolischen Stuhls, be-
fiehlt dem Bischof Amelius von Toidouse die [Mönche von Lacourt,
nachdem sie den für die Verhandlung ihres Streites mit den Brüdern
42 Wilhelm Wiederhold,
von Moissac festgesetzten Termin ohne Entschuldigung versäumt haben,
mit dem InterdiJä zu telegen. (c. 1106).
Kopie s. XII Montaiihan Ärch, Dep. (Chapitre dbhatidl de Moissac
G. 722).
E(ichardus) peccator Albanensis ecclesi^ qualiscmnque minister,
apostolice sedis licet indignus seruus et legatus, uenerabili fratri
A(melio) Tolosano episcopo salutem. In presentia uestra
datum est iudicium et ex iudicio dedimus inducias Moysiacensibus
fratribus et illis de Gurte tempore et loco designato, ubi uel
qnando utreque partes ante nostram presentiam conuenirent, et
Moysiacenses quidem occurerunt, illi uero de Gurte occurrere con-
tempserunt et'') neque se saltem per nuncios excusauerunt. Propter
quod fratemitati uestre apostolica auctoritate mandamus, ut uisis
litteris istis et monasterio et personis diuinum interdicatur officium,
donee iudicium, quod actenus contempserunt, compleant.
a) verwischt; es kann auch sed dagestanden halen.
9.
Paschalis II. iiherträgt Ramhald, Vilcar des apostolischen Stuhles,
die Entscheidung eines Streites zwischen den Klöstern Saint-Sever und
Sainte-Croix in Bordeaux wegen der Kirche Notre-Dame de Soulac.
Alhano (1106) Juni 20.
Nachtrag s. XII im Ms. lat. 8878 s. XI f. 289' Paris Bihl.
Nat. (Ms. Suppl. lat. 1075).
Die Urkunde wird Alexander IL zugeschriehe^i, gehört aber zu
Paschalis IL J-L. 6089. Vgl. Nr. 4 und Neues Archiv XVI p. 207.
— Der Kodex enthält auf f. 45^'' die berühmte Weltkarte.
Paschalis ") episcopus seruus seruorum Dei. Rambaldo sanct^
Romano ecclesi§ uicario salutem et apostolicam benedictionem.
In discernendis sanct§ secclesi^ causis uolumus te esse iuxta equitatis
rationem soUicitum et ut cenobia sub tuitione et iure sancte Romane
aecclesi^ constituta tua sollerti industria ab infestatoribus et malis
hominibus tueantur, quatenus cum tranquillitate quam debent beato
Petro reuerentiam possint exhibere. Inter h^c discretioni tue
comittimus negotium sancti Seueri de Guasconia, quod ante hu-
militatis nostr^ uestigia G(regorius) abbas eiusdem cenobii exposuit,
a) Alexander.
Papsturkunden in Frankreich VII. 43
uidelicet de eecclesia beat§ Mari^ de Solac, quam gloriatur se per
triginta annos et eo amplius possedisse, sepe tarnen abbas sanct^
Crucis uiolenti manu eum inquietabat. Qua re congregato concilio
si abbas beati Seueri septima manu abbatum tricennalem possessi-
onem legali querimonia inconcussam se tenuisse probauerit, a tua
caritate auctoritate sanct§ Romane aecclesi^ sanctorumque canonum
et nostra confirmatione reuestiatur ei, domnaturus in ea in perpe-
tnum. Yale. Data XII kal. iul. Albani.
10.
Faschal 11. bestätigt dem Äbt Änsquitinus von Moissac die ihm
seiner Zeit von BiscJiof Wilhelm von Clermont zugesprochene Kirche
von Deavolojid, nachdem ein neuer Termin mit den Mönchen von
Conques in Le Fug ergehnisJos verlaufen^ zu dem nach Valence ange-
setzten Termin aber die Mönche von Conques nicht erschienen sind.
Valence 1107 Juli 19.
Kopie s. XII Montauban Arch. Bep. (Chapitre abbatial de
Moissac G. 762).
Die zitierte TJrhunde Urbans II. ist verloren. Vgl. auch Monii-
menta pontificia Ärverniae p. 395 Nr. IV und V und E. Eupin Uabbaye
et les cloitres de 31oissaG (Paris 1897) p. 69.
PASCHALIS EPISCOPVS SERYYS SERVORVM DEI. DILECTO
FILIO ANSQVITINO MOYSIACENSI ABBATI SALVTEM ET APO-
STOLICAM BENEDICTIONEM. Quq ab §cclesiasticis iudicibus
decisa sunt, si preter cerciorem rationem iterum concitentur, lites
potius Qcclesi^ quam commodum preparant. Idcirco super ecclesia
de Yaloiul decisionem, a confratre nostro bonQ memoria Gruillelmo
Aruernensi episcopo factam, arbitramur stabilitatis robur congruum
obtinere. In eins quippe litteris agnouimus a predecessore nostro
sancte memoria Yrbano papa ei fuisse preceptum, ut dissensionem
qu^ inter Moysiacenses et Conclienses monaclios de supradicta ec-
clesia gerebatur, ipse conuocatis utrisque partibus, sicut de parro-
cbi^ su§ membro, dijigenter audiret rationabiliterque decideret.
Porro ipse, sicut eisdem litteris atestatur, tarn te quam ßegonem
monasterii Concbensis abbatem pro eadem causa in concilium euo-
cauit, tuam scribit aiFuisse personam. Ceterum Concbensis abbas
nee uenit nee nuntium quemlibet destinauit. Ait ergo : Quapropter
ego equidem consistens in illa sacra synodo in §cclesia sanct^ Mari^
44 Wilhelm Wiederhold,
Clarimontis concessi et confirmaui apostolica iussione et illius sy-
nodi fauore coram omni multitudine abbatum archidiaconorum et
clericorum illam iam sepedictam ecclesiam sancti Saturnini de
Valoiul Moysiacensi monasterio atque abbati ipsius qui aderat ibi
presens. Mox inferius abbatum et reliquorum qui testes erant")
nomina subnotauit. Igitur pro eadem causa longo post tempore
cum per Aruerniam transiremus, ante presentiam nostram questio
mota est, quia diuerse post eam decisionem inuasiones seu inuesti-
tiones facte fuerant, eandem itaque causam tamquam nobis ignotam
nos tractandam episcopis, qui nobiscum aderant Anicii, commisimus.
Sed cum illic ad plenum ab eis tractari non potuisset, nos Con-
cbenses monachos nostro ore Valentiam ad tempus determinatum
ob peragendum negotium conuenire precepimus, sed Moysiacensis
monasterii monacbis uenientibus, Concbenses adesse penitus con-
tempserunt. Nos ergo decisionem a prenominato Aruemorum epi-
scopo in synodali conuentu effectam, quia nuUa certior ratio repug-
nare conspicitur, nostra assertione firmamus et prefatam ecclesiam
de Valoiul Moysiacensi monasterio possidendam, omni deinceps
Conchensium sopita lite, concedimus.
Dat. Valentin Xllll kal. aug., indictione XV, anno incarna-
tionis dominice M^C^VIP.
d) essent.
11.
Paschalis II. nimmt das Kloster Vdbres unter dem AU Andreas
in den apostolischen Schutz^ bestätigt ihm die Besitzungen^ die Sepidtiir
und das Appellationsrecht und legt ihm die jährliche Zahlung eines
GoldstiicJces an den Bömischen Stuhl auf. Alba 1116 April 12.
Coli. Doat 148 f. 92 (von 1667 V 23) Paris Bibl. Nat.
Die Kopie wurde genommen „du cartulaire du chapitre de Veglise
catJiedralle de Vabres". Vgl. Gallia Christiana 1 (1870) p. 277,
Paschalis episcopus seruus seruorum Dei. Dilecto filio Andree
Vuabrensi abbati eiusque successoribus regulariter substituendis in
perpetuum. Pie postulatio uoluntatis efFectu debet prosequente
compleri, quatinus et deuotionis sinceritas laudabiliter enitescat et
utilitas postulata") uires indubitanter assumat. Quia igitur dilectio
tua ad sedis apostolice portum confugiens eins tuitionem deuotione
debita requisiuit, nos supplicationi tue clementer annuimus et beati
a) postulatio.
Papsturkunden in Frankreich YII. 45
Saluatoris Yuabrense monasterium, cui Deo auctore presides, et
tarn ei adiacentes uillas quam cetera^) omnia ad ipsum pertinentia,
sub tutelam apostolice sedis excipimus. Per presentis igitur priui-
legii paginam apostolica autboritate^^ statuimus, ut quecumque pre-
dia quascumque possessiones idem cenobium in presenti nona^) in-
dictione possidet sine in futurum concessione pontificum, liberali-
tate principum uel oblatione fidelium iuste atque canonice poterit
adipisci, firma uobis uestrisque successoribus et illibata permaneant.
In quibus hec propriis uisa sunt nominibus annotanda: Cella uide-
licet sancti Petri de Nante cum omnibus ecclesiis et pertinentiis
suis, saluo censu decem solidorum, qui secundum fundatoris institu-
tionem per singulos annos Lateranensi palatio a Vuabrensi abbate
persoluendus est, cella sancti Ipoliti de Vernia cum ceteris ecclesiis
et pertinentiis suis, cella sancti Saluatoris de Feireto cum perti-
nentiis suis, cella sancti Seueri cum pertinentiis suis, cella sancti
Martini de Lautiago, cella sancti Menne, cella de Toripi, cella
sancte Marie de Segunciaco, ecclesia sancti Eugeni(i) de Broza,
ecclesia sancti Benedicti, cella sancte Marie de Bedocio cum manso
ecclesiastico et pertinentiis suis, item cella sancti Martini de Cam-
bone, cella sancti Martini de Canac, ecclesia sancti Heredii cum
tota uilla, item cella sancti Petri de Corteso, cella sancti Agetii,
ecclesia de Brascho, cella sancti Cirici de Vendolouas, ecclesia sancti
Priuati de Valle Oliti, cella sancti Petri de Compruniaco cum
capella sua de Eocagel et pertinentiis suis, cella sancti lobannis
de Abullio, ecclesia sancti Priuati in Camareso, ecclesia sancti
Vincentii de Valle Laudono, ecclesia sancti lohannis de Einoso,
ecclesia sancte Marie de Seor cum pertinentiis suis, ecclesia sancti
Martini de Lautiago, ecclesia sancti Petri de Exinis, ecclesia sancti
Thimotei, ecclesia sancti Ammancii de Costri cum pertinentiis suis,
ecclesia sancti Stephani de Eoffinac, ecclesia sancte Marie de Gro-
sone, ecclesia sancte Marie de Marcillanigas, ecclesia sancti Micha-
elis de Landesca, ecclesia sancti Romani de Sernone cum pertinen-
ciis suis, ecclesia sancti Dalmacii, ecclesia sancti Cirici de Arbu-
sello, ecclesia sancti Romani de Berleira, ecclesia sancti Michaelis
de Castort, ecclesia sancti Martini de Botiago, ecclesia sancti
Amancii de Adalbel, ecclesia sancti Amancii de Priuarac, ecclesia
de Alto Corno, ecclesia sancti luliani de Rebulguil, ecclesia de
Redunda Vabre cum pertinentiis suis, ecclesia sancti Martini de
Vbertas, ecclesia sancti Amancii de Dorbia, ecclesia sancti Amancii
(de) Marcianas, ecclesia sancte Marie de Durtz. Decernimus ergo
6) ceteras. c) apostolicam authoritatem. d) sie.
4ß Wilhelm Wiederhold,
nt nuUi omnino hominum liceat idem monasteriam temere pertur-
bare aut eins possessiones auferre uel ablatas retinere uel iniuste
datas suis usibus uendicare minuere (uel) temerariis uexationibus
fatigare, sed omnia ^^ integra conseruentur, eorum pro quorum susten-
tacione et gubernatione concessa sunt, usibus omnimodis profutura,
salua ßutbenensis episcopi canonica reuerencia. Sepulturam quo-
que eiusdem loci omniiio liberam esse decernimus, ut eorum qui
illic sepeliri deliberauerint, deuotioni et extreme uoluntati, nisi
forte excommunicati sint, nullus obsistat. Sane in pregrauaminibus
uestris liceat uobis apostolice sedis presentiam appellare. Singulis
autem annis ex Yabrensi monasterio aureum unum Lateran(ens)i
palatio persoluetis. Si qua igitur in futurum ecclesiastica secu-
larisue persona hanc nostre constitutionis paginam sciens contra
eam temere uenire temptauerit, secundo tertioue commonita, si
non satisfactione congrua emendauerit, potestatis honorisque sui
dignitate careat reamque se diuino iudicio existere de perpetrata
iniquitate cognoscat et a sacratissimo corpore ac sanguine Dei et
domini nostri lesu Christi aliena fiat atque in extremo examine
districte ultioni subiaceat. Cunctis autem eidem'^ loco iusta seruan-
tibus sit pax domini nostri lesu Christi, quatenus et hie fructum
bone actionis percipiant et apud districtum^^ iudicem premia eteme
pacis inueniant. Amen. Amen. Amen.
Scriptum per manum Greruasi scriniarii regionarii et notarii
sacri palatii.
R. Ego Pascalis catolice ecclesie (episcopus) ss. BY.
Dat. Albe per manum lohannis sancte Romane ecclesie dia-
coni*) cardinalis ac bibliotecarii, II idus aprilis, indictione XI, in-
earnationis dominice anno ]\rC°XVI®, pontificatus autem domini
Paschalis II pape anno XVI°.
c) omnium. f) eiusdem. g) districtus. h) diaconus.
13.
Cdlixt II. nimmt das Kloster Conqiies unter dem AU Bontfaz
nach dem Vorgange Urhans II. in den apostolischen Schute und 6e-
stätigt ihm die Besitaungen, die freie Abtswahl und die Sepultur.
Toulouse 1119 Jidi 17.
Regest der „Privilegia et exemptiones devot i monasterii de Conchis"
s. XV f. 2 Bodez Arch. Dep. G. 4J20.
Papsturkunden in Frankreich VII. 4?
Vgl. Bohert Bullaire de Calixte II vol. I p. 57 Nr. 40 nach
den Zitaten in Coli Boat 144 f. 11' und f. 340' Paris Bibl. Nat. —
Auf f. 11' steht Innocenz IV. 1245 IV 28, der bestätigt: „cellam
beati Petri que Clarauallis dicitur per predecessores nostros beate
recordationis Alexandrum, Gregorirm, Vrbanum, Pascal em et Calix-
tum uobis snb annuali censu unius marconis concessam". Von dem
Hegest auf f. 240' hat Bohert hinter pertinentes ausgelassen : „Äppo-
nitur etiam clausida seqiiens Ad hec adiicimus ut nulli episcoporum
etc. ut in hulla ürlani secundi". Bie cella sancti Petri Claravallis
u'ird nur in ürhan IL J-L. 5802 erwähnt, die anderen Vorurhunden
wären also verloren.
„Privilegium Calixti II dicto monasterio concessum, existente albate
illius Bo)tifacio, in cuius principio dicitur sub his verbis: Propter
quod, dilecte in Christo fili Bonifaci«) abbas, Conchense monaste-
rium^), cui Deo auctore presides, tarn pro beate uirginis Fidis
reuerentia, que ibi requiescere dicitur, quam pro tue peticionis
instancia iuxta exemplar domni predecessoris nostri sancte memorie
Yrbani pape apostolice sedis gremio decreuimus confouere etc. Et
inde inseritur ad longiim Privilegium et bulla predicti Vrbani II cum
simili maledictione in illos qui contravenerint, et idtra ipsam bullam
Vrbani exprimit et connumerat omnia beneficia et ecclesias quae de-
pendent a dicto monasterio, quas vult dicto monasterio illibatas servari.
Et similiter loquitur de electione abbatis et consecratione et libera se-
pidtura, et est signatum manu ipsius Calixti et Datum Tolose^^ XYI
kal. augusti, (anno) dominice incarnationis M^C^XX^*^), pontificatus
ipsius P^)".
a) filii Bonifacii. h) monasterii. c) Rome. d) M^XX". e) XV<>.
13.
Calixt II. nimmt das Kloster Saint- Thibery d'Ägde unter dem Abt
Arnold in den apostolischen Schutz und bestätigt ihm die Besitzungen,
die freie Abtstvahl und die Freiheit vom Interdikt, gegen eine jährliche
Abgabe eines GoldstücJces. Lateran 1123 April 3.
Kopie von 1691 IX 20 in Notes et extraits 1151—1200 f. 323
Paris Bibl. Nat. Coli. Languedoc 77.
U. Bobert hat Bullaire de Calixte II vol. II p. 232 Nr, 423
den Versuch gemacht, die ürJmnde nach den Notizen im Ms, lat, 12700
48 Wilhelm Wiederhold,
f. 13 t(nd Ms. lat. 12760 p, 390 der NationaThiblioihek und nach der
VorurJcunde Paschais IL J-L, 6514 zu rekonstruieren. Die Kopie
von 1691 hat er nicht gekannt, so gebe ich jetzt den vollständigen Text.
Vgl. J-L. 7088 und Histoire generale de Languedoc IV (1872) p. 556,
Nach Gallia Christiana VI p. 709 hat Calixt II. 1120 an AU Arndld
geschrieben, ,.ne milites aut alii protiincie proceres castra seu forta-
litia construerent in territorio sancti Tiberii absque licentia et con-
sensu abbatis et monachorum", was einer offenbar verlorenen Urkunde
Calixts II. entstammt.
Calixtus episcopns seruus seruorum Dei. Dilecto filio Amaldo
abbati monasterii sancti Tiberii in Agatliensi territorio in loco
Cezarini siti**^ eiusque successoribus regulariter substituendis in
perpetuum. Sanctorum patrmn sanctionibus informati, que a
nostris per Dei gratiam antecessoribus legitime statuta sunt, firma
et inconcussa largiente Domino tenere optamus. Quapropter, fili^^
in Christo carissime, tuis iustis petitionibus annuentes, beati Ti-
berii monasterium, cui Deo auetore presides, apostolice sedis aucto-
ritate munimus. Statuimus enim ut in adiacenti uilla uel terminis
eins nulla unquam ecclesiastica secularisue persona castrum aliquod
uel fortitudinem facere audeat neque in hominibus eiusdem uille
aliquas exactiones preter abbatem et*^^ ministros eins extorquere
neque uicarie ministerium exercere neque pro eadem uicaria campum
uendicare, qui est ultra fluuium Tonquam subtus Seueracum, uel
abbatis uel persone'^^ cuiuslibet indulgentia. Confirmamus autem
uobis uestrisque successoribus in Agathensi territorio ecclesiam
sancte Marie de Gradu, ecclesiam sancti Martini [de Valleurages],
ecclesiam sancti Sulpitii de Castro nouo, ecclesiam sancti loannis
de Florenciaco, ecclesiam sancti Martini de Granolariis, ecclesiam
sancti Andree de Rominaco cum pertinentiis earum ; item in Biter-
rensi episcopatu ecclesiam sancte Marie de Serignano cum perti-
nentiis suis ; in Tholosano ecclesiam sancti Petri (et) sanctarum Puella-
rum cum pertinentiis suis ; item in Gasconia in comitatu Armeniensi
ecclesiam sancti luliani de Galano cum ecclesiis uillis et ceteris
Omnibus ad eam pertinentibus ; item in parrochia Conuenensi eccle-
siam sancte Marie de Griliaco, sancti Petri de Podio et cetera
omnia que monasterium unquam uel in presenti indictione legitime
possidet*) ueK^ in futurum largiente Deo rationabiliter ac legitime
poterit adipisci. Decemimus ergo ut nulli omnino hominum liceat
idem cenobium temere perturbare aut eins possessiones auferre uel
o) situm. h) fidelibus. c) et fehlt. d) propria. c) possidere.
f) uel fehU.
Papsturkunden in Frankreich VII. 49
ablata retinere uel temerariis uexationibus fatigare, sed omnia
integra conseruentur, eorum pro quorum sustentatione et guberna-
tione concessa sunt, usibus omnimodis profutura. Obeunte te^) nunc
eiusdem loci abbate uel tuorum quolibet^^) successorum , nullus
ibi qualibet surreptionis astutia seu uiolentia preponatur, nisi quem
fratres*) communi consensu uel fratrum pars consilii sanioris de
suo uel, si opportuerit, de alieno collegio secundum Dei timorem
et beati Benedicti regulam prouiderjt eligendum. Interdicentes
ut nulli preter Eomanum pontificem et apostolice sedis legatum
predictum monasterium et eidem presidentem abbatem interdictionis
sententia liceat innodare. Sane locus ipse, sicut a predecessoribus
nostris felicis memorie Romanis pontificibus Sergio et Pascbale
institutum est, sub apostolice sedis iure ac protectione permaneat,
sub aurei unius censu annuatim Lateranensi palatio persoluendo.
Si qua ergo in futurum ecclesiastica secularisue persona banc
nostre') constitutionis paginam sciens contra eam temere uenire
tentauerit, secundo tertioue*) commonita, si non satisfactione con-
grua emendauerit, potestatis bonorisque sui dignitate careat ream-
que se. diuino iudicio existere de perpetrata iniquitate cognoscat et
a sacratissimo corpore ac sanguine Dei et domini redemptoris
nostri lesu Cbristi aliena fiat atque in extremo examine^^ districte
ultioni subiaceat. Cunctis autem eidem monasterio'") iusta seruan-
tibus sit pax domini nostri lesu Cbristi, quatinus et ") bic fructum
bone actionis percipiant et apud districtum iudicem premia eterne
pacis inueniant. Amen.
Ego Calixtus catbolice ecciesie episcopus ss.*^)
'Datum Laterani III nonas aprilis, indictione I^^ incarnationis
dominice anno MCXXIII*?^, pontificatus autem domini Calixti II
pape') anno V.
g) te fehlt. gg) quorumlibet. h) de fratrum. i) iure. 1c) tertioque.
I) examinanda. m) eiusdem monasterii. n) quatinus et fehlt. ö) ss fehlt,
p) C 24. q) M. r] pape fehlt.
14.
Honorius II. bestätigt dem Ershischof Wilhelm von Auch die
namentlich aufgeführten Besitzungen und besonders das Recht der
Sepidtur^ tvie es von Calixt II, der Kirche von Auch zugesprochen
ivar. Anagni 1127 Juni 23.
Kgl. Ges. d. Wiss. Nachrichten. Phil.-hist. Klasse. 1913. Beiheft. 4
50 Wilhelm Wiederhold,
Mongaillard Histoire de la Gasgogne s. XVII f. 330 Toulouse
Bihl. Comm. 3Is. 718 [A]. — Daignan de Sendat Pieces iustificatives
des memoires pour servir ä Vhistoire eccUsiastique du diocese d'Auch
s. XVIII p. 239, Auch Bihl. Comm. Ms. 73 [BJ.
Die Urkunde Calixts II ist verloren. Vgl. Nr. 6.
Honorius episcopus seruus seruorum Dei. Venerabili fratri
Gruillelmo Auscitano archiepiscopo eiusque successoribus canonice
instituendis in perpetuuin "). In eminenti apostolice sedis spe-
cula disponente Domino constituti, ex iniuncto nobis officio fratres
nostros episcopos debemus diligere et ecclesiis sibi a Deo com-
missis suam debemus iustitiam conseruare. Proinde, uenerabilis
in Domino frater Guillerme Ausciensis archiepiscope, tuis ratio-
nabilibus postulationibus annuentes, sanctam Auscitanam ecclesiam,
cui auctore Deo presides, apostolice sedis priuilegio communimus.
Per presentis igitur huius scripti paginam auctoritate apostolica
statuimuSj ut quecumque bona quascumque possessiones ecclesia
uestra in presentiarum iuste et legitime possidet sine in futurum
largiente Domino iustis modis poterit adipisci, firma tibi tuisque
successoribus et illibata permaneant. In quibus hec propriis nomi-
nibus duximus annotanda : Ecclesiam uidelicet de Nugarol cum
tota parochia sua, ecclesiam sancti Saturnini Soriensem^^ cum sibi
subditis parocbiis, ecclesiam sancti Petri de Vic cum suis appen-
diciis, extra muros ciuitatis ecclesiam sancti Martini et ecclesiam
sancti Petri et sancti Laurentii ad portam ciuitatis cum decimis
et terris suis, ecclesiam sancti Christophori de Pardiniaco, itepi in
Pardiniaco ecclesiam sancte Marie de Marcellano, in Astariaco
ecclesiam sancte Venantie cum tota uilla, in Serraria ecclesiam
sancti Fereoli '^^j in Magnoaco ecclesiam sancti Mametis, in Algano*^^
ecclesiam de Frencasens *), in Sauanes ecclesiam sancti Egidii de
Peyrusse cum suis appenditiis, totam uillam sancte Christine cum
terris et uineis et uillanis, ecclesiam sancti loannis de Ispanis,
ecclesiam sancti Martini de Genens, ecclesiam sancti loannis et
sancti Bibiani de Verdale cum appendiciis et decimis et cum terris
suis, ecclesiam sancte Marie de ciuitate Elisona. Decernimus ergo
ut nulli hominum liceat eandem ecclesiam temere perturbare aut
eins possessiones auferre minuere uel temerariis uexationibus fati-
gare, sed omnia integra conseruentur tam uestris quam clericorum
et pauperum usibus omnimodis profutura. Sepulturam preterea
a) honore. h) Solieneis B. c) Ferrooli B. d) Alsano B.
e) Fremoncens B.
Papsturkunden in Frankreich VII. 51
nobis confirmamus'^, quemadmodum est a predecessore nostro felicis
recordationis papa Calixto et a curia Romana constitutum. Si
qua igitur^) in futurum ecclesiastica secularisue persona hanc nostre
constitutionis paginam sciens contra eam temere uenire temptauerit,
secundo tertioue commonita, si non satisfactione congrua emen-
dauerit, potestatis honorisue sui dignitate careat reamque se diui-
no iudicio existere de perpetrata iniquitate cognoscat et a sacra-
tissimo corpore et sanguine domini et redemptoris nostri^^ lesu
Christi aliena fiat atque in extremo examine districte ultioni subia-
ceat. Cunctis autem eidem ecclesie iura seraantibus sit pax do-
mini nostri lesa Christi, quatenus et hie fructum bone actionis
percipiant et apud districtum iudicem premia eterne pacis inueni-
ant. Amen. Amen. Amen.
R. Ego Honorius catholice ecclesie episcopus ss. BV.
Datum Anagnie per manum Aymerici sancte Romane ecclesie
diaconi cardinalis et cancellarii, Villi kal. iulii, indictione V,
incarnationis dominice anno M^C^XXVII, pontificatus autem domni
Honorii secundi pape anno III.
f) firmamus A. g) igitur fehlt B. h) nostri fehlt.
15.
Honorius IL bestätigt auf Verwendung König Ludwigs von
Frankreich der Kirche von Chartres unter Bischof Gavfried das alte
Hecht, daß in den tveltlichen Prozessen der Kirche deren Eigenleute
zum Zeugnis zugelassen werden dürfen.
Lateran (1125—29) März 15,
Privileges de Veglise de Chartres s. XV f. 46' Toulouse Bihl.
Comm. 590.
Honorius episcopus seruus seruorum Dei. Venerabili fratri
Gaufrido Carnotensi episcopo salutem et apostolicam benedictionem.
Quod ecclesiastica deposcit utilitas, ut digne ad effectum perueniat,
salubriter prouidendum est. Nos autem in apostolatus regimine
a Domino constituti, priuilegia, antiquas et racionabiles consuetu-
dines singulis ecclesiis uolumus conseruare. Equum enim et racio-
nabile est, ut ea que a regibus et principibus fauore libertatis
uenerabilibus et piis locis data et concessa sunt, inrefragabiliter
conseruentur. Ideoque karissimi filii nostri Lodoici illustris et
gloriosi regis Francorum precibus inclinati, concedimus ut iuxta
ueterem consuetudinem homines sancte Marie Carnotensis in causis
laicalibus ad testimonium admittantur nee ob hoc, quia de eccle-
4.*
52 Wilhelm Wiederhole!,
sie") familia sunt, ab aliquibus repellantur. Si quis autem huius
nostre concessionis temerator extiterit, nisi digne satisfecerit, in-
dignacionem apostolicam se nouerit incursurum et a liminibus
ecclesie arceatur. Datum Laterani idibus marcii.
a) ecclesia.
16.
Kardinallegat Matthäus von Älhano bestätigt der Kirche von Saint-
Leger in Soissons eine Schenkung, Noyon 1129 Oktober 30,
Chartularium maius Silvaemaioris s. XIII p. 403 und p. 465
Bordeaux Bibl. Comm. Ms. 769 vol. IL — Chartularium minus
s. XIV p. 144 ebenda Ms. 770.
Ego Mattheus Dei gratia Albanensis episcopus et apostolice
sedis legatus notum facio omnibus tarn presentibus quam futuris,
quod talem concordiam fecerunt Gido et luo de Traceio cum fratre
suo Adelelmo monacbo sancti Leodegarii; dederunt Deo et ^cclesie
eiusdem sancti Leodegarii in perpetuam possessionem terram ad
dimidiam carrucam iuxta granchiam et terram de sancto Medardo
cum bosco et piano, sicut eam tenuerat pater eorum in uita sua,
et mansuram de Conis cum hospitibus, liberam de«) omnibus consue-
tudinibus et apud sanctum Paulum medium Suessionensem *) fru-
menti de molendino et apud Traceium uiuarium et molendinum de
ponte Campanie, ea libertate ut nullus ibi prohibeatur meiere et
ut aliud molendinum non fiat in uicinio eins supra uel infra et
uicecomitatum tocius terre ad granchiam pertinentis '^^ et omnia
empta ipsius et uadimonia.
De hoc quoque fidem dederunt in manum nostram et fratrum
nostrorum losleni Suessionis*^) et Symonis Noviomensis episcoporum,
et deinde fideiussores dederunt Hugonem de Perona et Simonem
de Murencurite et lohannem de Eyseio et Odonem de Diua. Factum
est autem hoc Nouiomi anno ab incarnatione Domini M^C^XXVIIII,
tercio kal. nouembris, Honorio Romane sedis pontificatum regente
et Ludouico in Francia regnante.
Testes aderant Gaufredus abbas sancti Medardi, Teodoricus
abbas sancti Eligii, Reinardus abbas sancti Bartholomei, Hugo
cancellarius Nouiomensis; milites isti: Hugo de Betencurt, Gode-
fridus de Diua, Rogerius de Torota. Quicumque hoc infringere'^
a) liberande. V) Suessione. c) pertinentibus. d) Suesionis.
e) infregere.
Papsturkunden in Frankreich YII. 53
uoluerit, anathema'') sit. Vt autem minus cassari possit, sigillo
nostro firmauimus.
f) anathemate.
Innocens II. bestätigt den Mönchen von Saint-Leger eine ihnen
gemachte Schenkung. Chdlons (1131) November 12.
Chartulariiim maius Süvaemajoris s. XIII f. 404 und p. 466
Bordeaux Sibl. Comm. Ms. 769 vol. II. — Ghartularium minus
s. XIV p. 144 ebenda Ms. 770.
Innocentius ^piscopus seruus seruorum Dei. Dilectis filiis
monasterii beati Leodegarii monachis tarn presentibus quam futuris
salutem et apostolicam benedictionem. Ex iniuncto nobis a
Deo apostolatus officio religiosos uiros debemus diligere et eorum
quieti et utilitati salubriter auxiliante Domino prouidere. Quam
ob rem, dilecti in Domino filii, uestris rationabilibus postulationibus
annuentes, concessionem a Thoma de Cociaco uobis factam et a
Milisenda uxore sua et filiis eins Ingelrando et Roberto et coram
militibus terre sue apud castrum Faram firmatam, auctoritate
apostolica roboramus, ut uidelicet uinearum uestrarum uinum absque
uUo censu uel redditu seu exactione ad uestrum monasterium
adducendi, dandi quoque seu uendendi uel alio modo ad uestros
usus necessarios disponendi facultatem liberam babeatis. NuUi
ergo hominum fas sit super eadem donatione uestram«) ^cclesiam
infestare, set quemadmodum a predicto uel uxore et filiis eins
uobis concessa est, integra uobis permaneat et^^^ inconcussa. Si
quis autem nostre constitutioni temerario ausu contraire temp-
tauerit, sententie excommunicationis subiaceat. Dat. Catalau-
nis II idus nouembris.
a) uestra. h) et permaneat inconcussa.
18.
Innocenz II. nimmt die Kirche Saint-Bomain de Blaye unter
dem AU Petrus in den apostolischen Schutz und bestätigt ihr die
Besitzungen und Rechte. Pisa 1135 März 30.
Estiennot Fragmentorum Historiae tomus XI v. 1681 p. 66 Paris
Bibl. Nat. Ms, lat. 12773.
54 Wilhelm Wiederhold,
J'L. 7678 nach dem Fragment hei Loewenfeld Einstolae pontt-
ficum Romanorum p, 89, Zitiert Eecherches hisioriques sur la ville
de Blaye par M. Vabhe Dulon (Blaye 1862) p, 115. Offenbar be-
nutzte Didon aber ebenso ivie E. Bellemer Histoire de Ja ville de Blaye
(Blaye-Bordeaux 1886) nur die Angaben der Gallia Christiana.
Innocentius episcopus seruus seruorum Dei. Dilecto filio Petro
abbati ecclesie sancti Eomani de Blauia eiusque successoribus re-
gulariter substituendis in perpetuum. Quoties illud a nobis
petitur quod rationi et bonestati conuenire cognoscitur, animo nos
decet libenti concedere et petentium desideriis congruum impertiri
suffragium, ut fidelium deuotio celerem consequatur eiFectum.
Quia ergo, dilecte in Domino fili Petre abbas, emergente in eccle-
sia Dei schismate tamquam uir catholicus in beati Petri obedientia
firmiter perstitisti, gratum habemus, et interuentu uenerabilium
fratrum nostrorum Hugonis Turonensis archiepiscopi, Willelmi
Xanctonensis episcopi et magistri Gonfredi de Laureolo honestorum
siquidem et pmdentium uirorum, tuis postulationibus clementer
annuimus et ecclesiam beati Romani, cui Deo authore preesse dig-
nosceris, apostolice sedis robore communimus. Presentis itaque
priuilegii pagina constituimus , ut quecumque bona quascumque
possessiones in presentiarum ecclesia uestra iuste et canonice possi-
det aut in futurum concessione pontificum, largitione regum uel
principum, oblatione fidelium seu aliis iustis modis prestante Domino
poterit adipisci, tibi tuisque successoribus firma et illibata perma-
neant. In quibus utique nominatim bec duximus exprimenda :
Ecclesiam sancti Petri de Calueliano, ecclesiam sancti Pauli, eccle-
siam sancti loannis que est in Castro Blauie et alias ecclesias"^ que
in Burdegalensi episcopatu ad uestram ecclesiam pertinent; in
Xanctonensi episcopatu ecclesiam sancti Andree de Campania,
ecclesiam sancte Marie Magdalene de Cauma, ecclesiam sancti
Laurentii de Roaco cum appenditiis suis, ecclesiam sancti Palladii,
ecclesiam sancti Simphoriani de Castaneto et ecclesiam sancti Petri
de Clauarduno. Vt autem liberius et uitia corrigere et bonos
cooperante Domino melius ualeas sustentare, deferendi baculum
inter fratres tuos, quod utique pastoralis officii sig'num est, ex
benignitate sancte Romane ecclesie tibi licentiam impertimur.
Preterea ius parrochie et cimiterii integrum et illibatum prefate
ecclesie sancti Romani concedimus atque firmamus. Decernimus ergo
ut nuUi omnino hominum liceat prefatam ecclesiam temere pertur-
o) ecclesia.
Papsturkunden in Frankreich VII. 55
bare aut eins possessiones auferre uel ablatas retinere seu minuere
uel quibuslibet molestationibus fatigare, sed omnia integra con-
seruentur, eorum pro quorum sustentatione et gubernatione con-
cessa sunt, usibus omnimodis profutura, salua nimirum canonica
institia et reuerentia Burdegalensis ecclesie. Si qua igitur^^ in
futurum ecclesiastica secularisue persona hanc nostre constitutionis
paginam sciens'^) contra eam temere uenire tentauerit, secundo
tertioue commonita, si non reatum suum congrua satisfactione
correxerit^\ potestatis honorisque sui dignitate careat reamque se
diuino iudicio existere de perpetrata iniquitate cognoscat et a sacra-
tissimo corpore et sanguine domini ac redemptoris nostri lesu
Christi aliena fiat atque in extremo examine districte ultioni subia-
ceat. Cunctis autem eidem ecclesie sua iura seruantibus sit pax
domini nostri lesu Christi, quatenus et hie fructum bone actionis
percipiant et apud districtum iudicem premia eterne pacis inueniant.
Amen. Amen. Amen.
R. Ego Innocentius catholice ecclesie episcopus ss. BV.
t Ego Guillelmus Prenestinus episcopus ss.
f Ego Gruido Tyburtinus episcopus ss.
t Ego Gerardus^) presb. card. tit. sancte Crucis in Jerusalem ss.-^
t Ego Guido indignus sacerdos ss.
t Ego Gregorius diac. card. sanctorum Sergii et Bachi ss.-^^
Data Pisis per manum^^ Aymerici sancte Romane ecclesie dia-
coni cardinalis et cancellarii, III kal. aprilis, indictione XII,
incarnationis dominice anno MCXXXV, pontiiicatus domni Inno-
centii pape II anno VI'\
b) igitur fehlt c) siue. d) correxit. e) Gerandus. f) ss fehlt.
g) maniis.
19.
Innocenz IL bestätigt dem Erzhisclwf Wilhelm von Auch die der
Kirche von Auch von König Alfons von Aragon geschenMe Kirche
von Alagon. Pisa (1132 — 37) Januar 30.
Mongaillard Histolre de la Gascogne s. XVII f. 331' Toulouse
BihL Comm. Ms. 718.
Innocentius episcopus seruus seruorum Dei. Venerabili fratri
G(uillelmo) Ausciensi arcLiepiscopo salutem et apostolicam bene-
dictionem. lusta poscentibus aurem nos oportet prebere bene-
56 Wilhelm Wiederhold,
uolam, quatenus et petentes remedia sperata reperiant et ecclesie
Dei non desit soUicitudo pastoris. Quapropter, uenerabilis frater
G(uillelme) archiepiscope, postulationes tuas benignius admittentes,
ecclesiam de Alagon tibi et per te ecclesie beate Marie semper
uirginis, cui Deo authore presides, ab illustri uiro A(ldefonso) Ara-
gonensium**^ rege collatam, nos tibi tuisque successoribus habendam
et possidendam perpetuo iure firmamus. Nulli ergo homimim fas
sit uos aut ecclesiam uestram super bis ullatenus infestare, sed
tarn predicti regis deuotio quam nostra etiam confirmatio uobis et
Ausciensi ecclesie semper illibata permaneat. Si quis uero uos
super hoc molestare presumpserit, quousque resipuerit, excomuni-
cationi subiaceat, salua Cesaraugustani episcopi reuerentia. Datum
Pisis 111° kal. februarii.
d) Aragonensum.
30.
Innocenz IL nimmt die Kirche Saint-Etienne in Toulouse unter
dem Propst Bernhard nach dem Vor gange Paschalis^ IL in den apo-
stolischen Schutz und bestätigt ihr alle Besitzungen und Bechte.
Pisa 1137 Februar 15.
Kopie s. XIII Toulouse Ärch. Dep. (Chapitre de Saint-jStienne).
Zitiert Gallia Christiana XIII p. 76. Daselbst wird auch die
jetzt verlorene Vorurkunde Paschalis' IL zitiert und zwar zu 1105
November 8 für Propst Arnald. Die Urkunde Innocenz^ IL stand auch
in dem verlorenen Livre rouge f. 3 (Inventar von 1730 vol. I f. 3').
Innocentius episcopus seruus seruorum Dei. Dilecto filio Ber-
nardo Tolosane ecclesie sancti Stephani preposito eiusque fratribus
regulariter uicturis inperpetuum. Sicut iniusta poscentibus
nullus est tribuendus effectus, ita legitima desiderantium non est
differenda petitio. Quam ob rem, dilecti in Domino filii, uestris
iustis postulationibus accomodantes assensum, Tolosanam ecclesiam,
in qua diuino uacatis seruitio, ad exemplum predecessoris nostri
felicis memorie pape Paschalis apostolice sedis priuilegio commu-
nimus. Statuentes ut ordo canonicus et regularis uita in eadem
ecclesia instituta ibidem perpetuis futuris temporibus inuiolabiliter
obseruetur et tam uos quam uestra omnia sub protectione sedis
apostolice libera et quieta consistant. Adicientes etiam ut, donec
apud uos canonicus ordo durauerit, ea omnia in perpetuum habeätis
Papsturkunden in Frankreich Yll. 57
et quiete possideatis, que in presentiarum pro communis uictus"^
sustentatione per donum Isarni Tolosani olim episcopi iuste posi-
dere^^ uidemini. Yniuersum uidelicet honorem decanie sacristanie
et capiscolie, decimationem ecclesie et altaris oblationem, frumentum
quod in eadem ecclesia portari et offerri solet, archidiaconatum
quoque a porta Narbonensi usque ad Carcasense territorium et
alium Vetimorensem et alium ultra Garonnam et alium Agarnensem,
uillam que Brakwi cognominatur, cultam uel incultam, aquas atque
siluas, terram extra muros que Faletrar uocatur, eunetum etiam
honorem prepositure, capellas insuper uniuersas castellorum tocius
Tolosani episcopatus nee non ecclesiam sancti Martini de Itio,
ecclesias de Lumbers, de Pompiag, de Saboneres cum suis perti-
nentiis, ecclesias de Laurag, de Fag(erjau, de Verful, de Putlaurentii,
de Sauanre, de Murel, de Palers, ecclesias quoque sancte Marie
de Galders et sancte Columbe cum suis pertinentiis, ecclesiam
castelli Sarraceni. Sancimus autem ne cui monacho siue canonico
nel alii omnino persone in Tolosano episcopatu capellaniam liceat
ordinäre, nisi tantum episcopo preposito et archidiaconibus ; pre-
positum autem decanum archidiacones, magistrum scole, sacristam
non alium uobis preferri permittimus, nisi quem fratrum regulariter
uiuentium consensus elegerit. Episcoporum quoque in uestra ec-
clesia per Dei gratiam subrogationem uestra potissimum uolumus
electione constitui. Prohibemus etiam ne cui post factam in uestra
ecclesia professionem proprium quid habere neue sine prepositi uel
congregationis licentia de claustro discedere liceat. Preterea que-
cumque in futurum concessione pontificum, liberalitate principum
uel oblatione iidelium iuste atque canonice poteritis adipisci, firma
uobis uestrisque successoribus regulariter uicturis et illibata perma-
neant, salua nimirum Tolosani episcopi debita reuerentia. Decer-
nimus ergo ut nuUi omnino hominum liceat eandem ecclesiam temer e
perturbare aut eins possessiones auferre uel ablatas retinere minu-
ere uel temerariis uexationibus fatigare, sed omnia integra con-
seruentur, eorum pro quorum sustentatione et gubernatione con-
cessa sunt, usibus omnimodis profutura. Si qua sane ecclesiastica
secularisue persona hanc nostre constitutionis paginam sciens contra
eam temere uenire temptauerit, secundo tercioue commonita, nisi
reatum suum congrua satisfactione correxerit, potestatis honorisque
sui dignitate careat reamque se diuino iudicio existere de perpe-
trata iniquitate cognoscat et a sacratissimo corpore et sanguine
Dei ac domini nostri lesu Christi aliena fiat atque in extreme exa-
a) uictis. h) sie.
58 Wilhelm Wiederhold,
mine districte ultioni subiaceat. Cunctis autem eidem loco sua
iura seruantibus sit pax domini nostri lesu Christi, quatenus et
hie fructum bone actionis percipiant et apud districtum iudicem
premia eterne pacis inueniant. Amen. Amen. Amen.
R. Ego Innocentius catholice ecclesie episcopus ss. BV.
f Ego Theodewinus '^^ sancte Rufine episcopus ss.
t Ego Drogo Ostiensis episcopus ss.
f Ego Albertus Albanensis episcopus ss.
f Ego Anseimus presb. card. ss.
f Ego Lucas presb. card. tit. sanctorum lohannis et Pauli ss.
t Ego Martinus presb. card. tit. sancti Stephani ss.
t Ego Gregorius diac. card. sanctorum Sergii et Bachi ss.
t Ego Hubaldus diac. card. sancte Marie in Via lata ss.
f Ego Grrisogonus diac. card. sancte Marie in Porticu ss.
Data Pisis per manum Aimerici sancte Romane ecclesie dia-
coni cardinalis et cancellarii, XV kal. marcii, indictione XV, in-
carnationis dominice anno M"C^XXX*^VII^, pontificatus uero domni
Tnnocencii^) pape II anno VIII".
c) Thewinus. d) Innocenci.
31.
Innocenz 11. bestätigt der Abtei Joncels unter dem Äbt Wilhelm
einen Vertrag mit dem Kloster Fsalmody, die Besitzungen, die Freiheit
vom Interdikt, die Zehnten, die freie Äbtswahl und erklärt das Kloster
für lediglich dem Römischen Stuhl unterworfen gegen eine jährliche
Abgabe von einem Bgzantier. Lateran 1139 April 16,
Coli Baluze 279 s. XV 11 f. 264 Paris BiU. Nat.
J'L. 8001 nach dem Fragment bei Gallia Christiana VI Instr.
136 (ex tabul. luncelL).
Innocentius episcopus seruus seruorum Dei. Dilecto filio Guil-
hermo abbati monasterii beati Petri luncellensis eiusque successo-
ribus regulariter substituendis in perpetuum. lurgantium con-
trouersias diffinitiua sententia «^ uel per concordiam terminare apo-
stolice conuenit dignitati et, ne lites extendantur in infinitum
seu potius conquiescant, attenta uigilantia prouidere. Hoc nimi-
rum intuita, dilecte''^ in Domino iili*^^ uenerabile abbas, concordiam
a) diffinitam sententiam. h) dilecti. c) filii.
Papsturkunden in Frankreich Vll. 59
que inter te et Salmodiensem abbatem ac fratres eius utriasque
partis assensu in nostro Lateranensi palatio facta est, rationabili
studio uenerabilium fratrum nostrorum Gruilhermi Nemausensis,
Gerardi Vseticensis episcoporum necnon Petri sancti Egidii et Petri
Massiliensis abbatum, presentis scripti pagina confirmamus et ratam
atque inconuulsam manere futuris temporibus decernentes, prefato
abbati eiusque fratribus de subiectione uel aliis que^^ sibi in mona-
sterio uendicabant, perpetuum silentium presenti sanctione imponi-
mus. Statuentes ut quascamque possessiones quecumque bona pre-
dictum luncellense monasterium hodie iuste et canonice possidet
aut inantea concessione pontificum, liberalitate regum uel princi-
pum, oblatione fidelium seu aliis iustis modis Domino propitio po-
terit adipisci, firma tibi tuisque successoribus et illibata consistant^^
In quibus bec propriis nominibus duximus exprimenda: In ipsa
uilla luncelli ecclesias sancti Pelicis, sancti Michaelis et sancti
Saturnini; in Biterrensi episcopatu sancti loannis de Silias, eccle-
siam sancti Petri de Eouigniaco, ecclesiam sancti Martini de Auena,
ecclesiam sancte Marie de Altinsaco, ecclesiam sancti Dalmatii de
Tbeuoldaz, ecclesiam sancti Saluatoris de Rocarotunda, ecclesiam
sancti Nicolai, ecclesiam sancti Martini de Clementiano, ecclesiam
sancti Saturnini de Canouaz, ecclesiam sancti Bartbolomei de Ar-
nosia, ecclesiam sancti luliani de Fellinas, ecclesiam sancti Petri
de Drantbilas, ecclesiam sancte Marie de Anisia, ecclesiam sancti
Stephani de Diano, ecclesiam sancti Cirici de Bezetb, ecclesiam
sancte Marie de Frangolis, ecclesiam sancti Petri de Bruculle, ec-
clesiam sancti Saluatoris de Podio, ecclesiam sancte Susanne de
Barsac ; in Huthenensi episcopatu ecclesiam sancti Martini de Canals,
ecclesiam sancti luliani de Molerias, ecclesiam sancti Christofori
de Drugias, ecclesiam sancte Marie de Tbauriaco; in Agatbensi
episcopatu ecclesiam sancte Marie de Nataliano; in episcopatu
Lodouensi ecclesiam sancte Marie de Pruneto. Neque pro communi
parrocbie interdicto uestrum monasterium a diuinis uacet officiis,
sed potius clausis ianuis, exclusis excommunicatis et interdictis,
submissa uoce diuina officia celebrentur. Decimas sane et alia
iura que usque ad hec tempora quiete ac legitime tenuistis, libere
et absque alicuius contradictione habenda et possidenda uobis per-
petuo iure concedimus et confirmamus et, ut neque ab episcopo ne-
que ab alio aliquo super biis quelibet imminutio aut molestia in-
feratur, authoritate apostolica sancimus. Obeunte uero te nunc-''^
eiusdem loci abbate ac tuorum quolibet^- successorum, nullus ibi'*)
d) qui. e) sistant. /") nee et. g) quomodolibet. h) tibi ibi.
60 Wilhelm Wiederhold,
qualibet sabreptionis astatia seu uiolentia preponatur, nisi quem
fratres communi consensu aut fratrum pars consilii sanioris secun-
dum Dei timorem et beati Benedict! regulam de eadem congrega-
tione, si idoneus inuentus fuerit, prouiderit eligendum; quodsi in
eodem cenobio persona ad hoc regimen exequendum conueniens
inueniri non poterit, liceat predictis fratribus de alio monasterio
sibi abbatem eligere, electus autem a diocesano episcopo consecre-
tur, si quidem hoc ipsum absque prauitate et exactione aliqua
uoluerit exhibere ; alioquin catholicum quem malueritis adeatis anti-
stitem, qui nostra fultus authoritate quod postulatur indulgeat.
Adiicimus etiam ut predictum monasterium et abbates uel monachi
ab omni secularis seruitii sint infestatione securi, omnique graua-
mine mundane oppressionis remoti in sancta conuersatione et reli-
gionis obseruantia Domino seruiant, quodsi aliquis episcoporum
seu etiam ecclesiastica secularisue persona monasterium uestrum
in rebus aut personis grauare presumpserit, abbas et fratres eius-
dem loci libere apostolicam sedem apellent, nullique omnino ho-
minum idem locus nisi Romane ecclesie sit subiectus. Ad indicium
autem percepte huius a Romana ecclesia libertatis bizantium unum
nobis nostrisque successoribus annualiter persoluetis '^ ; nulli ergo
omnino ^> hominum liceat idem cenobium temere perturbare aut eius
possessiones auferre uel ablatas retinere minuere uel temerariis
uexationibus fatigare, sed omnia integra conseruentur, uestris usi-
bus omnimodis profutura. Si quis sane in posterum sciens contra
huius decreti nostri paginam temere uenire tentauerit, secundo
tertioue commonitus, nisi congrue satisfecerit, indignationem omni-
potentis Dei et beatorum Petri ac Pauli apostolorum eius incurrat
et excommunicationi subiaceat. Conseruantes autem hec eorundem
apostolorum eius benedictionem et gratiam consequentur. Amen.
R. Ego Innocentius catholice ecclesie episcopus ss. BV.
Dat. Laterani per manum Aymerici sancte Ronjane ecclesie
diaconi cardinalis et cancellarii, XVI kal. maii, indictione II, in-
carnationis dominice anno MCXXXIX, pontificatus uero domni
Innocentii II pape anno X.
i) persoluetur. k) omnino fehlt.
22.
Innocenz II. nimmt das Kloster Notre-Dame de Sorhze unter
dem Abt Arnald in den apostolischen Schute und bestätigt ihm die
Besitzungen und Rechte, namentlich die freie Wahl des Abts.
Lateran 1143 April 16,
Papsturkunden in Frankreich VII. 61
Monasticon Benedictinum vol. XLI s. XVII f. 130 Paris JBibl. NaL
Ms. lat. 12698 [A]. — Auszug in Sinopsis rerum memorabilitim ahla-
tiae Soricinensls von 1696 p. 9 Albi Arch. JDep. Fonds Carrere Nr. 1 [B].
J-L. 8359 nach dem Zitat im Ms. lat. 12697 (Mon. Bened. XL)
f. 271 Paris Bibl. Nat. — Der Abschnitt im Mon. Bened. XLI hat
auch als Titel: „Sinopsis rerum memorabilimn" , gibt aber den vollstän-
digen Text der Urkunde, der Auszug in Albi hat nur die Liste der
Besitzungen und die Datierung.
Innocentius episcopus seruus seruorum Dei. Dilecto (filio)
Arnaldo beate Marie Soricinensis monasterii abbati eiusque suc-
cessoribus regulariter substituendis in perpetuum. Pie postu-
latio uoluntatis debet efFectu prosequente compleri, ut deuotionis
sinceritas laudabiliter enitescat et utilitas postulata uires indubi-
tanter assumat. Eapropter, dilecte in Domino fili Arnalde abbas,
tuis iustis postulationibus gratnm impertientes assensum, beate
Marie Soricinensis monasterinm, cui Deo auctore presides, cum
Omnibus ad ipsum pertinentibus sub apostolice sedis tutelam susci-
pimus et presentis scripti priuilegio communimus. Statuentes ut
quascumque possessiones quecumque bona idem cenobium in presen-
tiarum iuste et legitime possidet aut in futurum concessione pon-
tificum, largitione regum uel principum, oblatione fidelium seu aliis
iustis modis Deo propitio poterit adipisci, firma tibi tuisque suc-
cessoribus et illibata permaneant. In quibus bec propriis duximus
exprimenda ^'^ uocabulis: Ipsam uidelicet uillam Soricinum^) cum
ecclesiis sancti Martini et sancti Michaelis necnon et*^) decimis ob-
lationibus et aliis pertinentiis earum'^), ecclesiam sancti Vincentii
de Gandels^^ cum pertinentiis suis, sancte Marie de Blan, sancti
Martini de Podio Laurentii cum pertinentiis suis^, sancti Petri de
Podicio, sancti Anatolii, sancti Saluii, sancti Saturnini de Caditio,
sancti Martini de Maderio, sancti Pardulphi^), ecclesias de Coco-
ringo cum earum pertinentiis, uillam de Palaiaco cum ecclesiis
sancti Martini et sancti loannis, ecclesiam sancti Martini de Su-
perio, sancte Marie de Cauce, sancti Genesii de Peyrens^^ cum
pertinentiis suis, uillam Pictam cum ecclesia sancti loannis et Om-
nibus ad eam pertinentibus, uillam Mauri in pago Auxiensi, mo-
nasterium sancti Petri quod dicitur Cella Monulpbi cum appendiciis
suis, ecclesiam sancti Petri de Bellaserra*), ecclesiam sancti Sulpitii,
a) exponenda A. h) Soricinium B. c) et fehlt in B. d) earum
pertinentiis B. e) Gaudels B. f) sancte Marie his suis fehlt in B hier und
folgt hinter sancti Perdulphi. g) Perdulphi B. h) Peirenhs B. i) Belaserre B.
62 Wilhelm Wiederhold,
ecclesiam sancti Petri de Duriauel, ecclesiam sancti Auiti, eccle-
siam sancte Andree de Lempelt^^, ecclesiam sancti Martini de
Ialatiouilla^\ ecclesiam sancti Petri de Cauanag, ecclesiam sancti
Saturnini de Drulia, ecclesiam sancte Eulalie de Saleias"'^ cum
ipso alode, ecclesiam sancti Quirini, ecclesiam de Nogaret, ecclesiam
sancti Martini »'^ de Las Maseras^^ et ecclesiam de Vindina, eccle-
siam sancte Segolene cum earum pertinentiis, uillam sancti Pauli
cum alode de CatalensP) et de Caued, uillam de Lugans^) et de
Abouilla, uillam de Villabrici. Preterea apostolica auctoritate
interdicimus, ut nuUus in fundo ipsius monasterii absque communi
fratrum uel sanioris partis assensu castrum uel munitionem firmare
presumat. Obeunte uero te nunc eiusdem loci abbate uel tuorum
quolibet successorum, nullus ibi qualibet subreptionis astutia seu
uiolentia preponatur, nisi quem fratres communi consensu uel fra-
trum pars consilii sanioris secundum Dei timorem et beati ßene-
dicti regulam prouiderint eligendum. Decernimus ergo ut nuUi
omnino hominum liceat idem cenobium temere perturbare aut eins
possessiones auferre uel ablatas retinere minuere seu quibuslibet
temerariis uexationibus fatigare, sed omnia integra conseruentur,
eorum pro quorum sustentatione et gubernatione concessa sunt,
usibus omnimodis profutura, saluo in omnibus Tolosani episcopi
iure et canonica reuerentia. Si qua igitur in futurum ecclesiastica
secularisue persona hanc nostre constitutionis paginam sciens contra
eam temere uenire tentauerit, secundo tertioue commonita, si non
satisfactione congrua emendauerit, potestatis honorisque sui digni-
tate careat reamque se diuino iudicio existere de perpetrata iniqui-
tate cognoscat et a sacratissimo corpore ac sanguine Dei et domini
redemptoris nostri lesu Christi aliena fiat atque in extremo exa-
mine districte ultioni subiaceat. Cunctis autem eidem loco iusta
seruantibus sit pax domini nostri Jesu Christi, quatenus et hie
fructum bone actionis percipiant et apud districtum iudicem pre-
mia eteme pacis inueniant. Amen. Amen.
R. Ego Innocentius catholice ecclesie episcopus ss. BV'^.
t Ego Conradus Sabinensis episcopus ss.
t Ego Stephanus Prenestinus episcopus ss.
f Ego Imarus*^ Tusculanus episcopus ss.
t Ego Martinas presb. card. tit. sancti Stephani (in Celio monte) ss.
f Ego Thomas presb. card. (sancti Vitalis) tit. Vestine ss.
t Ego Hubaldus presb. card. (tit.) sanctorum loannis et Pauli ss.
k) Lempell B. l) Palatio uilla B. m) Saletis B. n) Martini fehlt in A.
0) Maderas B. p) Catalmos B. g) Lugan. r) R wnd BV fehlm, ebenso
überall f und ss. s) Viuarius.
Papsturkunden in Frankreich VII. 63
f Ego Gregorius diac. card. sanctorum Sergii et Bacchi ss.
f Ego Guido diac. card. sanctorum Cosme et Damiani ss.
f Ego Vassallus diac. card. sancti Eustachii ss.
f Ego Hubaldus diac. card. sancte Marie in Via lata ss.
Dat. Lat. per manum Gerardi (sancte) Romane ecclesie pres-
byteri cardinalis et bibliothecarii, XIV ^) kal. maii, indictione VI,
incarnationis dominice anno M^C^XL^l^, pontificatus uero domini
Innocentii pape II anno XIII*'.
t) XIII B.
33.
Celestin II. nimmt das Kloster La Case-Dieu unter dem Abt
Bernhard in den apostolischen Schutz und bestätigt ihm die Besitzungen
und Rechte. 1143-44.
Larcher Glanage ou Freuves von 1747 vol. V p. 96 Tarhes Bibl.
Comm. Ms. 29. — ColL Boat 152 f. 64 Paris Bibl Nat.
J-L. 8472 nach Coli. Boat. Li der Batierung steckt ein Fehler,
da die Urkunde nicht am 28. März 1144 ausgestellt sein kann. Bie
Kopie der Coli. Boat von 1669 X 8 stammt aus einem Notariatsakt
von 1324, m dem eine ganze Beihe Urkunden inseriert sind. Auch
das Inventar von 1749 p. 495 zitiert in einem Äbtskatalog die Urkunde
zu 1143 III 28 (Auch Arch. Bep. H. 5).
Celestinus episcopus seruus seruorum Dei. Dilectis iiliis Ber-
nardo abbati Gase Dei eiusque fratribus tarn presentibus quam
futuris regulärem uitam professis in perpetuum. Desiderium
quod ad religionis propositum et ad animarum salutem pertinere
monstratur, animo nos decet libenti") concedere et petentium desi-
deriis congruum impertiri suifragium. Eapropter, dilecti in Domino
filii, uestris iustis postulationibus clementer annuimus et^^ pre-
fatum locum, in quo diuino mancipati estis obsequio, sub beati
Petri et nostra protectione suscipimus et presentis scripti priuilegio
communimus. Statuentes ut quascumque possessiones quecumque
bona in presenti iuste et canonice possidetis aut in futurum con-
cessione pontificum, largitione regum uel principum, oblatione fide-
lium seu aliis iustis modis Deo propitio poteritis adipisci, firma
uobis uestrisque successoribus et illibata permaneant. In quibus
a) decenti lib enter. h) ut.
64 AVilhelm Wiederhold,
hec propriis exprimenda duximus uocabtdis: Terram d'Espirot,
terram de Passalop, uineam prope Boez cum decimis et pascuis
et pertinentiis suis, terram d'Espange cum molendino decimis pas-
cuis et appenditiis suis, in Bigorra ecclesiam de Ripaalta, alodium
cum molendino decimis pascuis et pertinentiis suis, terram del
Falgar cum decimis pascuis et pertinentiis suis, curiam de Pinu,
de Barx cum decimis pascuis et pertinentiis suis, casale del Artigol
et curiam de la Rocaue, terram de Masselop cum decimis pascuis
et pertinentiis suis, terram de Oliuo cum medietate ecclesie, terram
de Deupoy cum decimis pascuis et pertinentiis suis, molendina de
sancto Johanne Cotye, molendinum de Arriano, in Marciano locum
quem dedit Petrus comes Bigorritanus, castella Graufers Lasat cum
molendinis decimis pascuis et appenditiis suis; in episcopatu Con-
seranensi Vallem longam et totam terram quam dedit episcopus B.
ad Fabaria cum decimis pascuis et pertinentiis suis. Prohibemus
quoque ut nulli*^) fratrum post factam ibidem professionem absque
abbatis totiusque congregationis permissione liceat ab eodem clau-
stro discedere, discedentem uero absque communium'^^ litterarum
cautione '^'^^ nullus audeat retinere. Decernimus ergo ut nuUi om-
nino hominum liceat predictum locum temere perturbare aut eins
possessiones aufferre uel ablatas retinere minuere seu quibuslibet
molestiis fatigare, sed omnia integre conseruentur, eorum pro quo-
rum gubernatione ac sustentatione concessa sunt, usibus omnimodis
profutura, salua diocesani episcopi canonica iustitia et apostolice
sedis auctoritate. Si qua igitur in futurum ecclesiastica secularisue
persona banc nostre constitutionis paginam sciens contra eam uenire
temptauerit, secundo tertioue commonita, si non reatum suum*)
satisfactione congrua emendauerit, potestatis-''^ honorisque sui dig-
nitate careat reamque se diuino iudicio existere de perpetrata ini-
quitate cognoscat et a sacratissimo corpore ac sanguine Dei et
domini redemptoris nostri lesu Christi aliena fiat atque in extremo
examine districte ultioni subiaceat. Cunctis autem eidem loco iura
seruantibus sit pax domini nostri lesu Christi, quatenus et hic^^
fructum bone''^ actionis percipiant et apud districtum iudicem'^ pre-
mia eterne pacis inueniant. Amen.
Datum Laterani per manum Gerardi sancte Romane ecclesie
presbiteri cardinalis ac bibliothecarii, V kal. aprilis, indictione VI,
incarnationis dominice anno M^C^XLIII^, pontificatus uero domini
Celestini pape II anno primo.
c) nullus. d) conuenienti. dd) causatione. c) reatum suum fehlt,
f) potestate. g) et hie fehlt. h) bone fehU. %) post districtum iudicium.
Papsturkunden in Frankreich VII. 65
•34.
Lucius IL nimmt die Kirche von Chartres unter Bischof Gaufried
und BeJian Salomon in den apostolischen Schutz und bestätigt ihr die
Besitzungen und Eechte, Lateran 1144 April 5.
Privileges de Veglise de Chartres s. XV f. 48 Toulouse Bihl.
Comm. Ms. 590,
(L)ucius episcopus seruus seruorum Dei. Venerabili fratri
Gaufrido episcopo et dilectis filiis Salomoni decano ceterisque
canonicis Carnotensis ecclesie tarn presentibus quam fnturis cano-
nice substituendis in perpetuum. Quociens illud a nobis petitur
quod racioni et honestati conuenire dinoscitur, animo nos decet
libenti concedere et petencium desideriis congruum impertiri suffra-
gium. Sicut enim iniusta petentibus nullus est tribuendus eiFectus,
ita legitima postulancium non est differenda peticio. Eapropter,
dilecti in Domino filii, uestris iustis postulacionibus clementer
annuimus et prefatam beate Dei genitricis semperque nirginis Marie
ecclesiam, in qua diuino mancipati estis obsequio, sub beati Petri
et nostra protectione suscipimus et presentis scripti priuilegio
communimus. Statuentes ut qnascumque possessiones''^ quecumque
bona eadem ecclesia in presenciarum iuste et canonice possidet aut
in futurum concessione pontificum, largicione regum uel principum,
oblacione fidelium seu aliis iustis modis Deo propicio poterit adi-
pisci, firma uobis uestrisque successoribus et illibata permaneant.
Illud eciam quod pro seruicio eiusdem genitricis Dei et honestate
Carnotensis ecclesie a uobis racionabili prouidencia statutum est,
per presentis scripti paginam confirmamus et ratum manere cen-
semus, ut uidelicet oblationes altarium de uillis uestris, annone de
molendinis, minute, decimationes et quedam alia iam a uestra dis-
crecione coneessa uel inantea concedenda usibus fratrum, qui ad
matutinas et ad missam assidui fuerint, perpetuo cedant, ita uide-
licet ut qui eisdem seruitiis non interfuerint, nequaquam in eis
partem recipiant. Preterea quoniam iuxta beati Grregorii senten-
ciam singula ecclesiastici iuris officia singulis quibusque personis
sigillatim committi debent, prohibemus ut nuUi de cetero duo ho-
nores in eadem ecclesia concedantur nee prepositure siue perso-
natus ipsius ecclesie personis alibi commorantibus tribuantur.
Decernimus ergo ut nuUi omnino hominum liceat prefatam ecclesiam
temere perturbare aut eins possessiones auferre uel ablatas retinere
a) peticiones.
Kgl. Ges. d. Wiss. Nachrichten. PhiL-hist. Klasse. 1913. Beiheft. 5
ßß Wilhelm Wiederhold,
minuere aut aliquibus uexacionibus fatigare, sed omnia integra
conseruentur , eorum pro quorum gubernacione et sustentacione
concessa sunt, usibus omnimodis profutura, salua apostolice sedis
auctoritate. Si qua igitur in futurum ecclesiastica secularisue per-
sona hanc nostre constitutionis paginam sciens contra eam temere
uenire temptauerit, secundo tercioue commonita, si non satisfactione
congrua emendauerit, potestatis honorisque sui dignitate careat ream-
que se diuino iudicio existere de perpetrata iniquitate cognoscat et
a sacratissimo corpore ac sanguine Dei et domini redemptoris nostri
lesu Christi aliena fiat atque in extremo examine districte ulcioni
subiaceat. Cunctis autem eidem uenerabili ecclesie iusta seruan-
tibus sit pax domini nostri lesu Christi, quatenus et hie fructum
bone actionis percipiant et apud districtum iudicem premia eterne
pacis inueniant. Amen. Amen.
R.^) Ego Lucius catholice ecclesie episcopus ss. BV.
f Ego Conradus Sabinensis episcopus ss.
f Ego Albericus Hostiensis episcopus ss.
f Ego Imarus Tusculanus episcopus ss.
f Ego Petrus Albanensis episcopus ss.
f Ego Grregorius presb. card. tit. Calixti ss.
f Ego Guido presb. card. tit. sancti Grisogoni ss.
f Ego Petrus presb. card. de tit. Pastoris ss.
f Ego Thomas presb. card. tit. Vestine ss.
f Fgo Hubaldus presb. card. tit. sancte Praxedis ss.
t Ego Nicolaus presb. card. tit.*^) sancti Ciriaci ss.
f Ego Rainerius <^) presb. card. tit. sancti Stephan! in Celio monte ss
f Ego Gregorius diac. card. sanctorum Sergii et Bachi ss.
f Ego Otto diac. card. sancti Georgii ad Velum aureum ss.
f Ego Guido diac. card. sanctorum Cosme et Damiani ss.
f Ego Gregorius diac. card. sancti Angeli ss.
f Ego Hugo Romane ecclesie diaconus ss.
f Ego Astaldus diac. card.*) sancti Eustachii ss.
f Ego lohannes diac. card. sancte Marie Noue ss.
Datum Lat. per manum Baronis capellani et scriptoris, non.
aprilis, indictione VII, incarnacionis dominice anno ]\PC^XLIIII®,
pontificatus uero domni Lucii II pape anno primo.
l) R und BV fehlen, ebenso überall f und ss. c) tit. fehlt. d) Renerius.
e) card. fehlt.
Papsturkunden in Frankreich VII. 67
25.
Lucius II. nimmt die Karthaiise Arvieres unter dem Priar Ärtald
in den apostolischen Schutz und bestätigt ihr die Besitzungen und die
Zehnten. Lateran UM April 80.
Cartidaire de la Chartreiise d'' Arvieres s. XVIII f, 1 im Archiv
des Hersogs von LeviS'Mirepoix auf Schloss Leran (Ariege),
Vgl. J-L. 8591, Papsturkunden in Frankreich II p. 19 und In-
ventaire historique et gcnealogique des documents de la hranche Levis-
Leran devemie Levis-Mirepoix II (Toulouse 1906) p. 64.
Lucius episcopus seruus seruorum Dei. Dilectis filiis Artaudo
priori Aruerie eiusque fratribus tarn presentibus quam futuris
regulärem uitam professis in perpetuum. Apostolici modera-
minis clementie conuenit religiöses diligere et eorum loca pia pro-
tectione munire. Dignum namque et honestati conueniens esse
cognoscitur, ut qui ad ecclesiarum regimen assumpti sumus, eas et
a prauorum hominum nequitia tueamur et apostolice sedis patro-
cinio foueamus. Eapropter, dilecti in Domino filii, uenerabilis
fratris nostri Ardutii Gebennensis episcopi precibus inclinati, uestris
iustis postulationibus clementer annuimus et prefatum locum, in
quo diuino mancipati estis obsequio, sub beati Petri et nostra
protectione suscipimus et presentis scripti priuilegio communimus.
Statuentes ut quascumque possessiones quecumque bona") idem
locus in presentiarum iuste et canonice possidet aut in futurum
concessione pontificum, largitione regum et principum, oblatione
fidelium seu aliis iustis modis infra terminos secundum ordinem et
institutionem fratrum Cartusiensium constitutos ^^j Deo propitio
poterit adipisci, firma uobis uestrisque successoribus et^^ illibata
permaneant. Quos uidelicet terminos propriis uocabulis duximus
exprimendos: ab Oriente Antra Luparum, Föns fagi de Moiret, a
meridie Chaudura Leuoret, ab occidente Cumba Grrussilionis et Ora-
torium, ab aquilone prati Annuelis extrema pars, crista de Vncino ;
sunt etiam alii termini uobis ad pastum uestrorum pecorum depu-
tati, uidelicet: albergemen Ruferium, finis parrochie sancti Mau-
ritii, inde diriguntur usque ad fluuium qui dicitur Sana, inde sicut
porrigitur alueus eiusdem fluminis usque ad pontem de Salueriaco,
inde diriguntur iidem termini per uiam que dicitur Alba et per
eamdem uiam albam usque ad oppidum quod uocatur Grandismons,
inde per montana que sunt super uillam de Seseriaco usque ad
ä) loca. h) constitutos fehlt. c) et fehlt.
68 Wilhelm Wiederhold,
finem fluminis supradicti quod dicitur Sana, Lauatorium quoque et
Cucullo termini sunt et in media uia terminus est Nautus inter
uillam et uillinum. Sane laborum uestrorum, quos propriis mani-
bus aut sumptibus Colitis '^^j siue de nutrimentis uestrorum anima-
lium nuUus omnino clericus uel laicus decimas a uobis exigere
presumat. Decernimus ergo ut nuUi omnino hominum liceat uos
uel seruientes uestros siue pecora uel cetera uestra bona pertur-
bare siue aliquibus molestiis fatigare, sed omnia integra uestris
usibus profutura infra dictos terminos omnimodis conseruentur,
salua episcopi diocesani reuerentia et apostolice sedis auctoritate.
Si qua igitur in futurum secularis ecclesiasticaue persona hanc
nostre constitutionis paginam sciens contra eam uenire tentauerit,
secundo tertioue commonita*^ si non satisfactione congrua emen-
dauerit, potestatis honorisque sui dignitate careat reamque se diui-
no iudicio existere de perpetrata iniquitate cognoscat et a sacra-
tissimo corpore et sanguine [Dei et] domini redemptoris nostri
lesu Christi aliena fiat atque in extremo examine districte ultioni
subiaceat. Cunctis autem eidem loco iusta seruantibus sit-^^ pax
domini nostri lesu Christi, quatenus et hie fructum bone actionis
percipiant et apud districtum iudicem premia eterne pacis inue-
niant. Amen.
"^. Ego Lucius catholice ecclesie episcopus ss. BV.^^
t Ego Conradus'') Sabinensis episcopus ss.
f Ego Theodeuinus ') sancte Ruffine episcopus ss.
f Ego Albericus Ostiensis episcopus ss.
f Ego Petrus Albanensis*) episcopus ss.
t Ego Guido presb. card. tit. sancti^) Chrisogoni ss.
t Ego Hubaldus presb. card. tit.'"^ sancte Praxedis ss.
f Ego Manfredus presb. card. tit. sancte Sauine ss.
t Ego Gruido diac. card. sanctorum Cosme et Damiani ss.
f Ego Octauianus diac. card. sancti Nicolai in carcere
Tulliano ss.
t Ego Guido in Romana ecclesia minister indignus"^ ss.
t Ego
Dat. Lat. per manum Baronis capellani et scriptoris, II kal.
maii, indictione VII, incarnationis domini[ce anno] ]VPC°XL"IV^,
pontificatus uero domini Lucii pape II anno primo.
d) tollitis. e) monita. f) fiat. g) BV fehlt, ebenso überall t "wd ss.
h) Corandus. i) Theodorinus. k) Albaniensis. /) card. tit. sancti fehlt,
tn) tit. feJUt n) ecclesia minister ecclesie indignus.
Papsturkunden in Frankreich VII. 69
30.
Eugen 111. nimmt die Kirche von Lodeve unter dem Bischof
Petrus in den apostolischen Schutz und bestätigt ihr die Besitzungen,
Viterho 1145 April 11.
Hegest im Repertorium von 1498 f. 143 (aus dem Liber privile-
giorum exnscoporum Lodovensium f, 1) Montpellier Ärch. Dep. (Eveche
de Lodeve),
Zitiert Plontavit p. 83 und Gallia Christiana VI 537 mit idib.
aprilis.
Eugenius papa ad petitionem domni P(etri) Lu(teuensis) epi-
scopi Luteuensem ecclesiam sub sua protectione suscepit, statuens
ut quecumque bona adepta et adipiscenda concessione pontificam
uel largitione regum aut alias ipsi episcopo firma et illibata per-
maneant. In quibus hec expressit : Abbaciam sancti Saluatoris cum
ipsa ciuitate Luteuensi, in qua sita est et cum Castro, ecclesiam de
Cornilio cum monte, in quo sita est, ecclesiam de Pegayrolis cum
uilla et ualle, ecclesiam de Lauroso cum uilla et ualle, e(cclesiam)
de Rippa cum uilla et parrochia, uillam de Salasco, ecclesiam de
Sellis cum uilla, e(cclesiam) de Nauas cum uilla, e(cclesiam) de
Pleus cum uilla, sancti Fructuosi cum uilla, sancti Stephani de
Gorgacio, sancti Laurentii de Valleta cum uilla, sancte Eulalie,
sancti Mauricii cum uilla, castrum de Leras, castrum de Sobeis,
castrum de Foderia, castrum de Albayga, castrum de Elzeria,
castrum de Bosco, podium de Gibret, in Bitterensi comitatu castrum
de Nisas, theloneum ex Luteuensi comitatu.
Dat. Viterbii III^ ydus apprilis, anno MCXLV, pontificatus
sui anno primo.
21.
Eugen 111. nimmt das Kloster Alet unter dem Abt Raymund in
den apostolischen Schutz und bestätigt ihm Besitzungen und Rechte.
(1145).
Auszug s. XVllI in Coli. Languedoc 40 f. 229 Paris Bibl. Nat.
Ebenda f. 227 und im Inventar des erzbischöflichen Archivs von
Narbonne von 1639 vol. 11 f. 341' tvird die Urkunde zum Jahre 1145
zitiert.
70 Wilhelm Wiederhold,
Eugenius episcopus seruus seruorum Dei. Dilectis filiis Ray-
mundo Electensi abbati eiusque fratribus tarn presentibus quam
futuris regulärem uitam professis in perpetuum. Pie postulatio
uoluntatis eifectu debet prosequente compleri. Eapropter, dilecti
in Domino filii, uestris iustis postulationibus clementer annuimus
et prefatum monasterium . . quod a fundatore ipsius nobilis me-
morie Bera comite sub censu beato Petro oblatum est sub
beati Petri et nostra protectione suscipimus et cetera ut siipra in
bidla Älexandri III (vorher geht Alexander III. J-L. 10714),
38.
Alberich Bischof von Ostias Legat des apostolischen Stuhles, fordert
den Mönch Bertram von Eysse aufj sich schleunigst dem Abt und der
Kirche von Moissac zu unterwerfen; sei dies nicht innerhalb dreißig
Tagen geschehen ^ so sei er der Exkommunikation verfallen.
(1138—1146).
Kopie s. XII 3Iontatiban Arch, Bep. (Chapitre abbatial de
Moissac G. 744),
A(lbericus) Dei gratia Ostiensis episcopus^ apostolice sedis
legatus, fratri Bertranno ut dicitur Exiensi monacho. Grauem
de te per domnum abbatem Moysiacensem querelam nuper acce-
pimus, quod uidelicet, cum monachus eius professus fueris, sine eins
licentia et consensu te pro electo in abbatem geris et tamquam
rebellis contumax et inobediens ecclesiam Exiensem inuaseris et ab
eodem abbate excommunicatus sis. Ex auctoritate namque sedis
apostolice nobis commissa tibi mandamus mandantesque preeipimus,
ut a tanta presumptione citius recedas et scelerius resipiscas et
tarn persone abbatis Moysiacensis quam ecclesie digne pro tantu
excessu satisfacias. Quod si non feceris, per presentium suscep-
tionem litterarum tibi XXX dierum spacio misericorditer indulto,
omnium ecclesiarum introitum probibemus et, si nee sie a peruer-
sitate tua conuersus fueris, manu nostra condigna et tibi debita
anatbematis sententia super te aggrauamus.
39.
Alberich Bischof von Ostia, Legat des apostolischen Stuhles, er-
sucht den Bischof Baimund von Agen gegen den Mönch Bertram von
Papsturkunden in Frankreich VII. 71
Eysse^ wenn er sich nicht hinnen dreißig Tagen dem AU von Moissac
untenverfe, die Exliommunihation zu voUstrecJcen. (1138 — 1146).
Kopie s. XII Montauhan Arch, Dcp, (Chapitre ahhatial de Moissac
G. 744).
A(lbericus) Dei gratia Ostiensis episcopus, apostolice sedis
legatus, dilecto fratri nostro R(aimundo) uenerabili Aginnensium
episcopo salutem et dilectionem. Scripsimus Bertranno"^ Moysia-
censi monacho, ut suam*) uanitatem'^^ et presumptuosam rebellionem
aduersus abbatem et fratres suos desereret et ad monasterium
suum satisfaciendi gratia infra XXX dies post nostrarum suscep-
tionem litterarum citius reddiret ; quod si contempserit, sicut inter-
diximus, ita a uobis ei omnium ecclesiarum introitiim interdici
uolumus. Quod si nee sie corrigi uoluerit sed in errore suo per-
tinaciter perdurare maluerit, exinde eum pro exeommunicato habeatis
et in fautores suos nicbilominus dignam anathematis sententiam
proferatis.
a) ßertrannum. h) sua. c) uomitatem.
30.
Alberich Bischof von Ostia, Legat des apostolischen Stuhles, befiehlt
den Mönchen von Eysse sich jeglicher Gemeinschaft mit dem exJcommu-
nizierten Mönch Bertram zu enthalten. (1188 — 1146).
Kopie s. XII Montauban Arch. Bep. (Chapitre abbafial de Moissac
G. 744).
Biese und die beiden vorhergehenden ürJcunden gehören sachlich zu
Eugen III. J-L. 6877, Sie müssen daher auch vor 1146 III 6 aus-
gestellt sein.
A(lbericus) Dei gratia Ostiensis episcopus, sancte sedis aposto-
lice legatus, monachis Exiensibus et clero et populo salutem.
Superbia et contumacia B(ertranni) monachi rebellis et excommu-
nicati, sicut ad aures multorum peruenit, ita et nobis innotuit, et
quia noluit intelligere ut bene ageret, noluit respicere, ut ad cor
rediret, noluit humiliari ne superbiret, mandamus uobis et ex auc-
toritate sedis apostolice precipimus, ne ei pro sua superbia et
contumacia exeommunicato deinceps communicetis, ne cum eo per-
eunte et uos de uia iusta pereatis. Apostolica igitur auetoritate
72 Wilhelm Wie der hold,
nobis tradita uos ab eius obedientia et subiectione absoluimus et,
ne ei consentiatis, modis omnibus probibemus. Facientes enim et
consentientes pari pena puniendi sunt; omnibus autem ei consen-
tientibus diuina interdicimus et debita anathematis sententia usque
ad dignam satisfactionem a liminibus sancte matris ecclesie seque-
stramus.
31.
Eugen HL nimmt das Kloster Notre-Danie de la Ferte unter
dem Abt Bartholomäus in den apostolischen Schutz und lestätigt ihm
die Besitzungen imd die Zehnten. Lateran 1146 Januar 15.
Coli 3Ioreau 821 (Fontette Bortefeuille XLVL Bourgogne et
Bresse) s, XVIIl f. 113' Paris BiU. Is'at.
J-L. 8843. Vgl. Pa})sturJninden in FranJcreich LI p. 14.
Eugenius episcopus seruus seruorum Dei. Dilectis filiis Bar-
tholomeo abbati monasterii beate Marie de Firmitate eiusque fra-
tribus tarn presentibus quam futuris regulärem uitam professis °^ [in
perpetuum]. Pie postulatio uoluntatis effectu debet prosequente
compleri, quatenus et deuotionis sinceritas laudabiliter enitescat ^^ et
utilitas postulata uires indubitanter assumat. Eapropter, dilecti
in Domino filii, uestris iustis postulationibus clementer annuentes
et uenerabilis fratris nostri Hugonis Autissiodorensis episcopi pre-
cibus inclinati, prefatum beate Dei genitricis semperque uirginis
Marie monasterium, in quo diuino mancipati estis obsequio, sub
beati Petri et nostra protectione suscipimus et presentis scripti
priuilegio communimus. Statuentes ut quascumque possessiones
quecumque bona in presentiarum iuste et canonice possidetis aut
in futurum concessione pontificum, liberalitate regum, largitione
principum, oblatione fidelium seu aliis iustis modis prestante Do-
mino poteritis adipisei, firma uobis uestrisque successoribus et illi-
bata permaneant. In quibus hec propriis duximus exprimenda
uocabulis: Grangiam de Puteo Auenatii cum omnibus terris ad
eam pertinentibus, grangiam de NuUiaco cum terris uineis et siluis
ad eam pertinentibus, grangiam de Chiliaco cum terris et siluis
ad eam pertinentibus, et cum libera usuaria terrarum siluarumque
domini Nauiliacensis, que in circuitu earumdera terrarum posite
sunt, grangiam de Chauallis cum terris aquis molendinis et siluis,
a) profitentilius. l) inuotescat.
Papsturkunden in Frankreich YII. 73
clausuni uinearum de Giueriaco cum usuaria ad eumdem clausom
necessaria, que concessa est uobis a G-auterio Cabilonensi episcopo
et canonicis eiusdem loci, ab Hugone quoque Burgundie duce et a
Falcone de Regiomonte ; decimas uero terrarum quas in parochia
sancti Romani et Moliaci propriis laboribus aut sumptibus excolitis
uel excoletis, a Stephano Eduensi episcopo preesse et assensu Rai-
naldi domini castri sancti Romani et Guidonis patrui sui nee non
etiam Eduensis capituli rationabiliter uobis concessas et scripto
suo firmatas , per presentis scripti paginam confirmamus. Sane
laborum uestrorum quos propriis manibus aut sumptibus Colitis,
siue de nutrimentis uestrorum animalium nullus omnino a uobis
decimas exigat. Decernimus ergo ut nulli omnino hominum liceat
prefatum locum temere perturbare uel eins possessiones aufFerre
uel ablatas ^^ retinere minuere seu quibuslibet uexationibus fatigare,
sed omnia integra seruentur, eorumdem pro quorum gubernatione
et sustentatione concessa sunt, usibus omnimodis profutura, salua
sedis apostolice authoritate et diocesani episcopi canonica reueren-
tia. Si qua^^ igitur in futurum ecclesiastica secularisue persona
huius nostre constitutionis paginam sciens^) contra eam temere
uenire tentauerit, secundo tertioue commonita, nisi reatum suum
congrua satisfactione correxerit, potestatis honorisque sui dignitate
careat reamque se diuino iudicio existere de perpetrata iniquitate
cognoscat et a sacratissimo corpore et sanguine Dei et domini
redemptoris nostri lesu Christi aliena fiat atque in extremo exa-
mine districte ultioni subiaceat. Cunctis autem eidem loco iusta^^
seruantibus sit pax domini nostri lesu Christi, quatinus^') et hie
fructum bone actionis percipiant et apud districtum iudicem^') pre-
mia eterne pacis inueniant. Amen.
R*^ Ego Eugenius catholice ecclesie episcopus ss. BV.
f Ego Conradus Sabinensis ^"^ episcopus ss.
f Ego Imarus Tusculanus episcopus ss.
t Ego Gregorius presb. card. tit. Calixti^^ ss.
t Ego Guido presb. card. tit. sancte Praxedis ss.
t Ego Hubaldus presb. card. tit. sancti Chrisogoni ss.
t Ego lordanus presb. card. tit. sancte Susanne"'^ ss.
f Ego Octauianus diac. card. sancti "^ Nicolai in carcere ss.
f Ego Gregorius diac. card. sancti Angeli ss.
t Ego Hiacinthus diac. card. sancte Marie in Cosmydin ss.
c) oblatas. d) quis. e) scienter. f) iuxta. g) quantum.
h) et in futurum premia. ■ i) Statt R steht da f, ss fehlt überall, ebenso BV
und t bei den Kardinälen. Ti) Sabiniensis. l) Calueti. m) luHane.
n) tit. sancti.
74 Wilhelm Wiederhold,
Datum Laterani per manum Roberti sancte Romane ecclesie
presbiteri cardinalis et cancellarii, XVIII kal. februarii, indictione
Villi, incarnationis dominice anno MCXLV, pontificatus uero do-
mini Eugenii III pape anno primo.
33.
Eugen 111. schreibt dem Erzhischof Gaufried von Bordeaux, daß
die Kapläne der Diözese Bordeaux ein Recht haben auf die Oblationen
bei Messen^ Beichten und anderen Gelegenheiten.
Sutri (1146) Mai 1.
Orig. Bordeaux Ar eh. Bep. (Ärcheveche de Bordeaux G. 1).
Das Original ist sehr zerstört, der Sinn der Urkunde aber ist
gesichert durch das ausführliche Eegest des Inventars von 1596 f. 46
(G. 524) : jjBulle de Eugeniiis 111 pape contenant Constitution dicelluy
par laquelle les chapellains du äiochse de Bourdeaux ez esglises quHls
ont en charge, peuvent prendre les oblations des penitents qui viennent
se confesser et aussy les oblations qui se donnent ez messes des nopces
et puriffications des femmes et des autres 'choses qui appartiennent ä
leur droict Datum Sutri kal. maii^^ Lucius 11. ließ übrigens die
gleiche Bestimmung (1144) 11121 ergehen (Inventar von 1596 f. 46),
EVgenius episcopus seruus seruorum Dei. Venerabili fratri
G(aufredo) Burdegalensi archiepiscopo salutem et apostolicam bene-
dictionem. | Si in rebus secularibus suum cuique ius et pro-
prius ordo seruandus est, multo magis in ^cclesiasticis | dispositio-
nibus nulla debet induci con uenerabilis f rater
G(aufrede) archiepiscope, tuis petitiojnibus clementer annuimus . .
quod] capellani per Burdegalensem [dioce]sim | commo-
rantes in commissis sibi ^cclesiis liab[eant] d[ebita] de oblationibus
penitentium [qui] | ad confessione[m uejniunt, [de] oblationibus etiam
quQ . . in purificationi|bas mulierum fiunt et in
ceteris qu^ [ad i]us eorum [proueniunt ] | con-
seruetur [et pre]sentis scripti pagina constit[uatur]. Nulli ergo
I . . . . prefatis presbyteris qualibet sub-
trahere aut | Si quis [autem huic n]ostr^ con-
stitutioni temere [contrauenire t]empitauerit, do[nec reatum suum] |
digna [satisfactione correxer]it, hon[oris et] ofF[icii sui dignitate
careat et] omn[ipotentis Dei et] | beatorum Petri et Pauli a[posto-
lor]um [eins] in[dignationem et nostram] incurrat. Dat. Sutrii
kal. maü.
B.
Papsturkunden in Frankreich VII. 75
m.
Eugen III. nimmt das Kloster Figeac unter dem Abt Adhemar
in den apostolischen Schutz und bestätigt ihn die Besitzungen^ die
Gericldsbarheit über die Einwohner von Figeac, die freie Abtswahl,
die Zehntenfreiheit und die SepuUur. Martura 1147 Januar 22.
Privileges du comte de Eouergue s. XV f. 140' Montauhan Arch.
Dep. A. 111. — Coli. Doat 126 f. 53 (von 1668 I 17 aus Kopie von
1498) Paris Bibl. Nat.
J-L. 8994 zitiert nach (Ml. Doat. Vgl. auch Gallia Christiana I
p. 174. Offenbare Schreibfehler verbessere ich stillschiveigend.
Eugenius episcopus seruus seruonim Dei. Dilectis filiis Ad-
hemario abbati Fiacensi eiusque fratribus tarn presentibus quam
futuris regulärem uitam professis imperpetuum. ßeligiosis de-
sideriis dignum est facilem prebere consensum, ut fidelis deuocio
celerem sorciatur eifectum. Eapropter, dilecte in Domino iili Ad-
hemare abbas, tuis iustis postulacionibus clementer annuimus et
Fiacense monasterium, cui Deo auctore presides, sub beati Petri
et nostra protectione suscipimus et presentis scripti priuilegio
communimus. Statuentes ut quascumque possessiones quecumque
bona idem monasterium in presentiarum iuste et canonice possidet
aut in futurum concessione pontificum, largitione regum uel prin-
cipum, oblatione iidelium seu aliis iustis modis Deo propicio poterit
adipisci, firma uobis uestrisque successoribus et illibata permane-
ant. In quibus bec propriis duximus exprimenda uocabulis: Prio-
ratum de Fontibus cum pertinentiis suis, ecclesiam sancti Quintini
de Galliaco, ecclesiam de luuante, ecclesiam sancte Marie eiusdem
loci, ecclesiam de Planholis, ecclesiam de Camburaco, ecclesiam de
Formanhaco, ecclesiam et cappellam de Cardalhaco, ecclesiam de
sancto Simphoriano, ecclesiam sancte Marie de la Batida, ecclesiam
de Molerias, ecclesiam de Porcias, ecclesiam de Senalbaco, ecclesiam
de Soceyraco, ecclesiam de Sabadello, ecclesias sancti Sanctini et
sancti Petri, ecclesiam de Lauinaco, ecclesiam de Solarec, ecclesiam
de Eoffiaco, cappellas montis Vmrati, ecclesiam de sancto Felicio,
ecclesiam de Vulliaco, ecclesiam de Tuciaco, ecclesiam de Lintil-
haco, ecclesiam de Vemeto, ecclesiam de Vico, ecclesiam de Agento,
ecclesiam de Lercampo, ecclesiam de Taurinaco, ecclesiam de Altis
arboribus, ecclesiam de Galganho, ecclesiam de Venis, ecclesiam de
Lupiaco, ecclesiam de sancto Lupo, ecclesiam de Roset, ecclesiam
de Cassamicio, ecclesiam de Seremaco, ecclesiam de Paurellis, ec-
76 Wilhelm Wiederhold,
clesiam de Retis, ecclesiam de Mayrincliags. ecclesiam de Rimoda,
ecclesiam de Septem fontibus, ecclesiam de Mauriaco. ecclesiam de
Assemiaco, ecclesiam de Calomiaco, ecclesiam de Marni, ecclesiam
sancte Crucis de Macanas, ecclesiam sancti Georgii, ecclesiam de
Cappella, ecclesiam de Vitaliaco, ecclesiam sancti Laurentii de Branas,
ecclesiam de 01s, ecclesiam de Ambayraco. ecclesiam de sancta
Affra, ecclesiam de Pris, ecclesiam de Riganto, ecclesiam de Toy-
raco, ecclesiam de Fontenaco, ecclesiam de Montigas, ecclesiam
sancti Stephani de Bedorio, ecclesiam sancti Laurentii, ecclesiam
sancti Petri de Altaripa, ecclesiam sancti Martini, ecclesiam sancti
Georgii, ecclesiam de Assaco, ecclesiam sancti Dionisii, ecclesiam
de Vuciaco, ecclesiam de Cauba, ecclesiam sancte Eulalie, ecclesiam
de Exepis, ecclesiam sancti Andree, ecclesiam sancti Projecti, ec-
clesiam de Solnaco, ecclesiam sancti Sigismondi, ecclesiam de Liue-
rono, ecclesiam de Senalhaco, ecclesiam de sancto Remigio, eccle-
siam de sancto Lupo, ecclesiam de Temmas, ecclesiam de Riallaco,
ecclesiam de Cella, ecclesiam de Pairiciaco, ecclesiam de Roeiras,
ecclesiam de Gresas, ecclesiam sancti Mauricii de Anglarisio,
cappellam de Meolmallo, ecclesiam de Anglars, ecclesiam de Mari-
niaco, ecclesiam sancti Pardulphi, ecclesiam de Viasaco, ecclesiam
de Almaco, ecclesiam sancti Martini de Lobeiaco, ecclesiaim de
Grisalono, ecclesiam de Carasiaco cum omnibus pertinentiis earum;
in episcopatu Engolismensi ecclesiam de Charroz cum pertinentiis
suis. Preterea cunctos ipsius loci habitatores a iustitia et seruitute
nisi tantum abbatis et monachorum, sicut hactenus fuisse noscuntur,
liberos esse precipimus et sedis apostolice auctoritate firmamus.
Obeunte uero te nunc eiusdem loci abbate uel tuorum quolibet
successorum, nuUus ibi qualibet surreptionis astucia uel uiolencia
preponatur, nisi quem fratres ipsius loci secundum Dei timorem et
beati Benedicti regulam, seruato antiquorum priuilegiorum suorum
tenore, prouiderint eligendum. Säne laborum uestrorum quos pro-
priis manibus aut sumptibus Colitis, siue de nutrimentis uestrorum
animalium nuUus a uobis decimas exigere presumat. Sepulturam
quoque ipsius loci liberam esse concedimus, ut eorum qui se illic
sepeliri deliberauerint, deuotioni et extreme uoluntati, nisi forte
excommunicati uel interdicti sint, nullus obsistat, salua tamen
iusticia matricis") ecclesie. Decernimus ergo ut nulli omnino homi-
num liceat prefatum monasterium temere perturbare aut eius
possessiones auferre uel ablatas retinere minuere aut aliquibus
uexationibus fatigare, sed omnia integra conseruentur, eorum pro
a) iusticia et matricis.
Papsturkunden in Frankreich VII. 77
quorum gubernacione et sustentacione concessa sunt, usibus omni-
modis profiitura, salua sedis apostolice auctoritate et diocesanorum
episcoporum canonica iusticia. Si qua igitur in futurum ecclesiastica
secularisue persona hanc nostre constitutionis paginam sciens contra
eam temere uenire temptauerit, secundo tercioue commonita, si non
satisfactione congrua emendaueritj potestatis honorisque sui digni-
tate careat reamque se diuino iudicio existere de perpetrata ini-
quitate cognoscat et a sacratissimo corpore ac^^ sanguine Dei et
domini redemptoris nostri lesu Christi aliena fiat atque in extremo
examine districte ultioni subiaceat. Cunctis autem eidem loco iusta
seruantibus sit pax domini nostri lesu Christi, quatinus et hie
fructum bone actionis percipiant et apud districtum iudicem premia
eterne pacis inueniant. Amen. Amen. Amen.
E,. Ego Eugenius catholice ecclesie episcopus ss. BV.''^
f Ego Theodewinus '^^ sancte Rufine '^ episcopus ss.
f Ego Albericus Hostiensis episcopus ss.
f Ego Ymarus Tusculanus episcopus ss.
f Ego Hubaldus''^ presb. card. tit. sanctorum lohannis et Pauli ss.
t Ego Guydo presb. card tit. sancti Laurentii in Damaso^^ ss.
t Ego lulius presb. card. tit. sancti Marcelli ss.
f Ego Odo diac. card. sancti Georgii ad Velum aureum ss.
f Ego Octauianus diac. card. sancti Nycholai in carcere
Tulliano ss.
t Ego Johannes sancti Adriani diac. card. ss.
t Ego Guydo diac. card. sancte Marie in Porticu ss.
t Ego lacinctus diac. card. sancte Marie in Cosmidin ss.
Dat. apud Marturam per manum Guydonis sancte Romane
ecclesie diaconi cardinalis et cancellarii, XI kal. februarii, indictione
X*, incarnationis dominice anno MCXLVI, pontificatus uero do-
mini Eugenii tercii pape anno secundo.
h) aut. c) BV fehlt, ebenso überall f und ss. cT) Theodorinus.
e) Raphine. f) Abalcus. g) sanctorum Laurencii et Damasii.
Eugen III. nimmt das Kapitel von Rodez unter dem Propst
Bertradus in den apostolischen Schutz und bestätigt ihm seine Be-
sitzungen und Rechte, besonders die Schenkungen der Bischöfe von
Rodez, Auxerre 1147 Oktober 12.
Orig. Rodez Ar eh. Bep. (Chapitre de Rodez Liasse 1).
78 Wilhelm Wiederhold,
EVGENIVS EPISCOPVS SERVVS SERVORVM DEI. DILECTIS
FILIIS BERTRADO RVTHENENSI PREPOSITO EIVSQVE FRA-
TRIBVS TAM PRESENTIBVS QVAM FVTVRIS REGVLAREM VIT AM
PROFESSIS IN PERPETVYM. | Desiderium quod ad religionis pro-
positum et animarum salutem pertinere monstratur, auctore Deo
sine aliqua est dilatione complendum. Quocirca, dilecti | in Do-
mino filii, uenerabilis fratris nostri PETRI Rutbenensis episcopi
precibus inclinati, uestris iustis postulationibus clementer annuimus
et prefa|tum locum, in quo diuino mancipati estis obsequio, sab
beati Petri et nostra protectione suscipimus et presentis scripti
priuilegio communimus. In primis siquidem statuentes, | ut ordo
canonicus secundum beati Augustini regulam in uestra ecclesia
perpetuis temporibus inuiolabiliter conseruetur. Preterea quas-
cumque possessiones quecumque bona in presentiarum iuste et cano-
nice I possidetis aut in futurum concessione pontificum, largitione
regum uel principum, oblatione fidelium seu aliis iustis modis Deo
propitio poterit"^ adipisci, firma uobis uestrisque suöcessoribus et
illibata perjmaneant. In quibus hec propriis duximus exprimenda
uocabulis : Ecclesiam sancti Saluatoris de Veirerias, ecclesiam sancti
Petri de Colnac, ecclesiam sancti Geraldi de Lasalas, ecclesiam de
Boazo, ecclesiam de Lajsaotz, ecclesiam sanct^ Eulalie, ecclesiam
sancti Gregorii, ecclesiam de Buinac, ecclesiam de Lalegueira, ec-
clesiam sanct^ lulite, ecclesiam de Lasaluetat, ecclesiam de Salellas,
ecclesiam de Pinet, ecclesiam de Mosetelacapella, ecclesiam | de
Mairan, ecclesiam de Bellanda, ecclesiam de Teilet, ecclesiam sancti
Pauli, ecclesiam sancti Partemii; uniuersas preterea paratas siue
simbolas quas sinodos uocant, tam ex ecclesia de Ameliau quam
ex I ceteris ecclesiis quas Ruthenensis ecclesi^ antistites, Petrus
quondam Berengarii, Pontius Stephani, Raimundus Frotardi, Ade-
marus et Petrus qui in presentiarum eidem Ruthejnensi ecclesi^
presidet, uobis in sumptibus uestium concesserunt. Preposituram
quoque, quartam Ruthenensis parrochie archidiaconiam, oblationes
quoque uestr^ matricis ecclesi^, quas | dono prefati Adeimari") bone
memorie episcopi possidetis, uestre communitatis usibus confirmamus.
Preterea interdicimus ne cui post factam ibidem professionem pro-
prium quid habere ne|ue sine prepositi uel sine congregationis
licentia de claustro discedere liceat. Decernimus ergo ut nulli
omnino hominum liceat prefatam ecclesiam temere perturbare aut
I eins possessiones auferre uel ablatas retinere minuere seu ali-
quibus uexationibus fatigare, set omnia integra conseruentar, eorum
a) 80 im Orig.
Papsturkunden in Frankreich VII. 79
pro quorum gubernatione et sustentatione concessa | sunt; usibus
omnimodis profutura, salua nimirum sedis apostolic^ auctoritate.
Si qua igitur in futurum ecclesiastica secularisue persona hanc
nostre constitutionis | paginam sciens contra eam temere uenire
temptauerit, secundo tertioue commonita, si non satisfactione con-
grua emendauerit, potestatis honorisque sui dignitate careat ream-
que I se diuino iudicio existere de perpetrata iniquitate cognoscat
et a sacratissimo corpore ac sanguine Dei et domini nostri lesu
Christi aliena fiat atque in^) extremo examine districte | ultioni
subiaceat. Cunctis autem eidem loco sua iura seruantibus ^^ sit pax
domini nostri lesu Christi, quatinus et hie fructum bone actionis
percipiant et apud districtum | iudicem premia eterne pacis inue-
niant. AMEN. AMEN. AMEN.
R. Ego Eugenius catholic^ ^cclesi^ episcopus ss. BY.
f Ego Albericus Ostiensis episcopus ss.
f Ego Imarus Tusculanus episcopus ss.
f Ego Grislabertus indignus sacerdos sancti Marci ss.
f Ego Guido presb. card. tit. sanctorum Laurentii et Damasi ss.
f Ego Hugo presb. card. tit. in Lucina ss.
Dat. Altisiodori per manum GYIDONIS sanct^ Romane ecclesie
diaconi cardinalis et cancellarii. IUI id. oct., indictione XI, incar-
nationis dominice anno M^C^XLVII, pontificatus uero domni
EUGENII pape III anno III.
B. dep.
5) in in Orig. c) seruatibus Orig.
35.
Eugen III. ermahnt den Bischof Bernhard von Saragossa die
der Kirche von Auch von König Alfons von Aragon geschenMe und
von Papst Innocenz II. bestätigte^ von seinem Vorgänger aber gewalt-
sam in Besitz genommene Kirche von Alagon dem Erzbischof Wilhelm
von Auch zu restituieren. Betons (1148) April 6.
Mongaillard Histoire de la Gascogne s. XVII f. 832 Toulouse
Bibl. Comm. Ms. 718.
Vgl. Nr. 19.
Eugenius episcopus seruus seruorum Dei. Venerabili fratri
B(ernardo) Cesaraugustano episcopo salutem et apostolicam bene-
dictionem. Venerabilis fratris nostri W(ilelmi) Ausciensis archi-
episcopi querelam accepimus, qood ecclesiam de Alagon, quam illu-
80 Wilhelm Wiederhold,
stris uir lldefonsus Aragonum rex Ausciensi ecclesie pie mentis
deuotione concessit et ei predecessor noster felicis memorie papa
Innocentius scripti sui munimine confirmauit, predecessor tuus uio-
lenter abstulerit et tu eam contra iustitiam detinere presumas.
Qxiia igitur nuUi in sua iustitia deesse possumus nee debemus,
fraternitati tue per presentia scripta mandamus, quatenus predicto
fratri nostro ablata cum integritate restituas^^ et in pace possidere^^
permittas. Postmodum uero, si quid aduersus eum te habere con-
fidis, quod iustitia dictauerit <^), authore Domino poteris obtinere.
Data Remis VIII id. aprilis.
d) restituis. 6) possedere. c) dictauit.
36.
Eugen III. ermahnt den Bischof Bernhard von Saragossa von
J^euem, die dem Erzhischof Wilhelm von Auch gehörige und ihm von
Papst Innocenz IL bestätigte Kirche von Älagon der Kirclie von Auch
zurücJczugehen, tvenn er nicht auch die Verzeihung seines Verhaltens
dem Bischof Lupus von Pampelona gegenüber noch erschweren wolle,
Ferentino (1151) Februar 20.
Mongaillard Histoire de la Gascogne s. XVII f. 382 Toulouse
Bibl. Comm.. Ms. 718.
Vgl. Nr. 19 und 35.
Eugenius episcopus seruus seruorum Dei. Vener abili fratri B.
Cesaraugustano episcopo salutem et apostolicam benedictionem.
Sicut deuoti et humiles filii uere°^ charitatis amplexibus et plenis
pietatis uisceribus dulciter^) sunt fouendi, ita ingrati et rebelies et
in sua contumacia persistentes seueriori iustitie rigore duriter
sunt tractandi. Pro tua siquidem superbia, qua de controuersia, que
inter te et uenerabilem fratrem nostrum Lu(pum) Pampilonensem
episcopum diutius agitata est, apostolicis noluisti obedire mandatis,
suspensionis sententiam iam incurristi, sed propter hec a tua re-
bellione minime cessans, restitutionem ecclesie de Alagon, quemad-
modum tibi per apostolica scripta mandauimus, uenerabili fratri
nostro G(uillelmo) Auscitano archiepiscopo ''^ sedis apostolice legato,
facere noluisti. De ipsa quippe ecclesia idem frater noster per
a) uera. b) dulicter. c) archiepiscopo fehlt
Papsturkunden in Frankreich VII. 81
uiolentiam sine ratione siue iudicio se spoliatum esse conqueritur,
quam diu quiete possedit et eam sibi predecessor noster felicis
memorie papa Innocentius munimine sui priuilegii confirmauit. Per
iterata itaque tibi scripta mandamus atque preeipimus, quatenus
predictam ecclesiam de Alagon eidem fratri nostro et ecclesie sibi
commisse absque refragatione restituas. Postmodum uero, si quam
iustitiam in ea te habere confidis, in nostra presentia uel legati
sedis apostolice quod iustum fuerit poteris obtinere sollicite atten-
dens, quia, si nostris in hoc preceptionibus inobediens fueris, cum
absolutionem a nobis uolueris impetrare, huius secundi excessus
inmemores Domino auxiliante non erimus. Data Ferentini
X kal. martii.
Eugen III. nimmt das Kloster Gimont unter dem Abt Arnold
in den apostolischen Schutz und bestätigt ihm die Besitzungen und die
Zehnten. Rom Sankt Peter 1153 März 5.
Auszug in Antiquitatum in Vasconia Benedictinarum pars 11
von 1680 p. 485 Paris Bibl. Nat. Ms. tat. 12752.
'^
J-L. 9712 nach diesem Ms.
Eugenius episcopus seruus seruorum Dei. Dilectis filiis Ar-
naldo abbati Gremundi eiusque«) fratribus tam presentibus quam
futuris regulärem uitam professis in perpetuum. Licet uniuersis
ecclesiis et personis ecclesiasticis debitores ex iniuncto nobis a Deo
apostolatus officio existamus, uiros tarnen religiöses, qui spretis
Omnibus pro Christo uitam pauperum elegerunt, ampliori nos oportet
caritate diligere et tam eos quam loca eorum contra prauorum in-
cursus sedis apostolice patrocinio communire. Quocirca, dilecti in
Domino filii etc. In quibus hec propriis duximus exprimenda uoca-
bulis : Grangiam que uocatur Artiga, grangiam que dicitur Lauis,
terram sancti Saturnini, grangiam que nominatur Erancauilla,
grangiam que nuncupatur Sansolans et grangiam que appellatur
Aquabella. Sane laborum uestrorum quos propriis manibus aut
samptibus Colitis, siue de nutrimentis animalium uestrorum nullus
a uobis decimas presumat exigere. Decernimus ergo etc.
R. ^'^ Ego Eugenius catholice ecclesie episcopus ss. B V.
a) uestrisque. b) R tmd BV fehlen, ebenso überall f.
Kgl. Ges. d. Wiss. Nachrichten. Phil.-hist. Klasse. 1913. Beiheft. 6
82 Wilhelm Wiederhold,
f Ego Conradus Sabinensis '^■^ episcopus ss.
f Ego Ymarus Tusculanus episcopus ss.
f Ego Hugo Hostiensis episcopus ss.
f Ego Henricus presb. card. tit.^^ sanctorum Nerei^^ et Achillei ss.
f Ego Gregorius'^ presb. card. tit. saneti Calixti ss.
t Ego Otho diac. card. saneti Georgii ad Velum aureum ss.
Datum Rome apud sanctum Petrum per manum Bosonis sancte
Eomane ecclesie scriptoris, V non. mart., indictione I. anno incar-
nationis dominice MCLII, pontificatus domni Eugenii pape III
anno Vnil.
c) Sabinensis ecclesie episcopus. d) tit. fehlt. e) Nereii. /') Gorgonius.
38.
Engen HL nimmt die Kirche von Beziers unter dem BiscJiof
Wilhelm in den apostolischen Schut.z und bestätigt ihr die Besitzungen.
Lateran 1153 April 27.
Livre noir de Beziers von 1771 f. 153 Montpellier Ärch. Dtp.
(Chapitre cathedral de Beziers). — Coli. Doat 61 f. 190 (von 1668
XI 29 aus dem Livre noir) Baris Bihl. Nat. [BJ.
J-L. 9716 nach Coli. Doat. E. Sabatier Histoire de la rille et
des evcques de Beziers (Beziers 1854) zitiert die TJrhmde nach dem
Zitat bei Gallia Chr. VI p. 317.
Eugenius episcopus seruus seruorum Dei. Venerabili fratri
Guillelmo Biterrensi episcopo eiusque successoribus canonice sub-
stituendis salutem et apostolicam benedictionem. Ex comisso
nobis a Deo apostolatus officio fratres nostros episcopos tarn uici-
nos quam longe positos debemus diUgere et ecclesiis, in quibus
Domino militare noscuntur, suam iusticiam conseruare. Dignum
namque et honestati conueniens esse cognoscitur, ut qui ad eccle-
siarmn regimen assumpti sumus, eas et a prauorum hominum ne-
quicia tueamur et apostolice sedis patrocinio foueamus. Eapropter,
dilecte in Christo frater Guillelme episcope, tuis iustis postula-
tionibus gratum impercientes assensum, ecclesiam sanctorum mar-
tiram Nazarii et Celsi, cai Deo auctore preesse dinosceris, sub
beati Petri et nostra protectione suscipimus et presentis scripti
priuilegio communimus. Statuentes ut quascumque possessiones
quecumque bona eadem ecclcsia in presenciarum iuste et canonice
Papsturkunden in Fraukreich VII. 83
possidet aut in futurum concessione pontificum, largitione regum
uel principum, oblatione fidelium seu aliis iustis modis Deo pro-
piciö poterit adipisci, firma tibi tuisque saccessoribus et illibata
permaneant. In quibus hec propriis duximus exprimenda uocabulis:
Abbaciam sancti lacobi, abbatiam sancti AfFrodisii et processiones
et stationes quas clerici earundem abbaciarum statutis diebus con-
sueuerunt in uestra ecclesia exhibere, ecclesiam sancti Saturni,
monasterium sancti Petri de Vincellis'^^ monasterium sancti Martini
de Yillamagna, ecclesiam sancte Marie de Catiano^) et ecclesias
sancti Ciriaci, sancte Marie de Frangolano, de Eurinaco '^\ de Auena,
de Clemenciano, de Diano et sancti Saluatoris de Podio, de Loda-
zino'^', sancte Marie de Belloloco, de Redes, de Capimon^^, de
Feigeriis, de Gradano, de Corano'^, de Alignano^), de Fraiseu, de
Caissano, de Capilis^'\ de Murr'), de Tonga, de Camprinano, de
Valerias, sancti Christof ori de Margung^-), de Torues et de Birada^^
castrum Grabiani et castrum Lignani cum ecclesiis et omnibus eoruin
pertinentiis, uillam de Aspirano cum ecclesia sancti Pomani et
partem quam babetis in uilla que uocatur Erignanus cum decimis
ipsius loci ; quicquid preterea iuris habetis in ciuitate Biterrensi et
in eins suburbiis, tertiam partem leddarum tam de terra quam de
mari, consuetum et annuum ludeorum censum. Decernimus ergo
ut nulli omnino"'^ bominum liceat prefatam ecclesiam fernere per-
turbare aut eins possessiones auferre uel ablatas retinere minuere
seu quibuslibet uexationibus fatigare, sed omnia integra conser-
uentur, uestris et aliorum pro quorum gubernatione et sustentatione
concessa sunt, usibus omnimodis"^ profutura, salua in omnibus apo-
stolice sedis auctoritate. Si qua igitur in futurum ecclesiastica
secularisue'') persona hanc nostre constitutionis paginam sciens
contra eam temere uenire temptauerit, secundo tertioue commonita,
si non satisfactione congrua emendauerit, potestatis bonorisque sui
dignitate careat reamque se diuino iudicio existere de perpetrata
iniquitate cognoscat et a sacratissimo corpore ac sanguine Dei et
domini redemptoris nostri lesu Christi aliena fiat atque in extremo
examine districte ultioni subiaceat. Cunctis autem eidem loco
iusta seruantil)us sit pax domini nostri lesu Christi, quatenus et
hie fructum bone actionis percipiant et apud districtum iudicem
premia eterne pacis inueniant. Amen. Amen.
P. Ego Eugenius cathoiice ecclesie episcopus ss. BV^).
a) luncellis B. b) Cassiano B. c) Rouinaco B. d) Lodozano B.
e) Caprimon B. f) Coiano B. g) Abignano B. h) Caprilis B.
i) Muris B. ]c) Margunc B. l) Burada B. m) omninoque.
n) commodis. o) secularis uel. p) BV fehlt, ebenso überall f und ss.
6*
84 Wilhelm Wiederhold,
f Ego Conradus Sabinensis episcopus ss.
f Ego Imarus Tusculanus episcopus ss.
f Ego Hugo Hostiensis episcopus ss.
f Ego Octauianus presb. card. tit. sancte Cecilie ss.
Datum Laterani per manum Bosonis sancte Romane ecclesie
scriptoris, V kal. maii, indictione I, incarnationis dominice anno
M^C^L^III^, pontificatus uero domini Eugenii III pape anno IX.
39.
Eugen III. nimmt die Kirche von Narhomie unter Erzhisclwf
Petrus in den apostolischen Schutz und bestätigt ihr die Frivilegien
und Eechte. Rom Sankt Peter 1153 Mai 4,
Kopie s. XIV im Ms, lat. 5211 B Nr. 8 Paris Bihl. Nat. —
Coli Baluze 374 s. XVII f. 274 ebenda [B]. — Laporte Selecta
Monumenta s. XVIII f, 98 Toulouse Bihl. Comm. Ms. 625. — Bulla-
rium Narbonense s. XV f. 17 London British Museum Ms. Harl. 3570.
J-L. 9719. Auf der Kopie s. XIV steht die alte Signatur: „Saint-
lust Nr. 10." Auch die Kojnen von Baluze und Laporte stammen „ex
archivio archiepiscopatus Narbonensis". Im Inventar von 1689 vol. II
f. 14 zitiert aus Registre II f. 27.
Eugenius episcopus seruus seruorum Dei. Venerabili fratri
Petro Narbonensi archiepiscopo eiusque successoribus canonice sub-
stituendis in perpetuum. In eminenti apostolice sedis specula
disponente Domino constituti, ex iniuncto nobis a Deo apostolatus
officio fratres nostros episcopos sincera karitate diligere et commissis
sibi ecclesiis suam debemus iustitiam conseruare. Pro ipsarum
namque statu satagere uolumus et earum paci atque tranquillitati
auxiliante Domino salubriter prouidere. Eapropter, dilecte in
Christo frater Petre archiepiscope, tuis iustis postulationibus cle-
menter annuimus et Narbonensem ecclesiam, cui Deo auctore pre-
esse dinosceris, sub beati Petri et nostra protectione suscipimus
et presentis scripti priuilegio communimus. Statuentes ut quas-
cumque possessiones quecumque bona eadem ecclesia in presentiai'um
iuste et canonice possidet aut in futurum concessione pontificum,
largitione regum uel principum, oblatione fidelium seu aliis iustis
modis Deo propitio poterit adipisci, firma tibi tuisque successoribus
et per uos eidem ecclesie illibata permaneant. In quibus hec pro-
priis duxim'us exprimenda uocabulis: Ecclesiam sancti Pauli cum omni-
1
Papsturkunden in Frankreich VII. 85
bus pertinentiis suis, oppidum quod uocatiir Caput stagni, Salas, Cru-
scadas, Canet, Ventenac, Argens, Fontem ioncosam, Auriag, Villam
rubeam, Siianum, Gruyssanum, Gruilhanum, Montilium, Poalerium
cum eorum appenditiis, Fontem erectam cum omnibus pertinenciis
suis, abbatiam de Caunis, abbatiam de locone, ecclesiam de Fo-
nelleto cum omnibus pertinenciis suis et quicquid habetis in comi-
tatu Narbonensi et ßedensi, infra urbem Narbonensem medietatem
ipsius ciuitatis, medietatem telonei, portatici, rafice salinaram et
ceterorum reddituum, que a ciuitatis comite tarn de marinis quam
de terrenis uiatoribus exhiguntur. In monasteriis etiam seu ceteris
per Narbonensem parrochiam ecclesiis, salua sedis apostolice auc-
toritate, canonicum uobis ins obtinere concedimus. Sane ad uestram
metropolim pertinentes episcopales cathedras, uidelicet Biterris,
Carcassone, Tholose, Eine, Agathes, Luteuie, Magalone, Nemausi,
Vzetice tibi tuisque successoribus in perpetuum subiectas et obe-
dientiam debitam seruare censemus, et quicquid ex antiquo iure
Narbonensi ecclesie competit, ratum perpetuo et inconuulsum ma-
uere sancimus. Decernimus ergo ut nulli omnino hominum liceat
eandem ecclesiam temere perturbare aut eins possessiones auferre
uel ablatas retinere minuere uel temerariis uexationibus fatigare,
sed omnia integra conseruentur, eorum pro quorum sustentatione
et gubernatione concessa sunt, usibus omnimodis profutura. Si
qua igitur in futurum ecclesiastica secularisue persona hanc nostre
constitutionis paginam sciens contra eam uenire temptauerit, se-
cundo tertioue commonita, si non satisfactione congrua emendauerit,
potestatis bonorisque sui dignitate careat reamque se diuino iudicio
existere de perpetrata iniquitate cognoscat et a sacratissimo cor-
pore ac sanguine Dei et domini redemptoris nostri lesu Christi
aliena fiat atque in extremo examine districte ultioni subiaceat.
Cunctis autem eidem ecclesie iusta seruantibus sit pax domini
nostri lesu Christi, quatenus et hie fructum bone actionis perci-
piant et apud districtum iudicem premia eterne pacis inueniant.
Amen. Amen. Amen.
R. Ego Eugenius catholice ecclesie episcopus ss. BV.")
f Ego Conradus Sabinensis episcopus ss.
f Ego Ymarus Tusculanus episcopus ss.
t Ego Hugo Hostiensis episcopus ss.
t Ego Gregorius presb. card. tit. Calixti ss.
t Ego Gruido presb. card. tit. sancti Grisogoni ss.
f Ego Octauianus presb. card. tit. sancte Cecilie ss.^^
a) R und BV nur in B. h) Diese Unterschrift nur in B.
86 Wilhelm Wiederhold,
f Ego lohannes presb. caxd. sanctorum lobannis et Pauli tit. Pa-
machii ss.
f Ego Odo diac. card. sancti Georgii ad Velum aureum ss.
f Ego lohannes diac. card. sanctorum Sergii et Bachi ss.^^
Dat. ßome apud sanctum Petrum per manum Rolandi sancte
Romane ecclesie presbyteri cardinalis et cancellarii, IUI non. maii,
indictione I, incarnationis dominice anno M^'C^L^IIP, pontificatus
uero domini Eugenii III pape anno Villi.
40.
Eugen III. nimmt das Kloster Sorde in den apostolischen Schutz
und bestätigt ihm seine Freiheiten und Eechte, besonders die am
i. April 1146 gemachte Stiftung von vier Gottesdiensten.
Rom Sanlt Feter (1153) Juli 7.
Kopie s. XVII (aus einem Notariafsinstrument von 1146 X 20)
Bordeaux Arch. Bep. (Abbayes diverses).
Der Notar Bertrand de Fita hat die am 1. April 1146 gemachte
fundatio eingetragen „in libro qui dicitur Martyrologium monasterii
Sorduensis", hat dazu die päpstliche Bestätigung erbeten^ deren Wort-
laut dann folgt und beurkundet das ganze am 20. Oldober 1146.
Natürlich ist die Urkunde eine Fälschung^ der aber eine Urkunde
Eugens III, vorgelegen hohen muß; so drucke ich sie hier ab, wenn
mir auch die Vermut^mg der Datierung von (1153) Juli 7 nicht ganz
sicher scheint. Im Monasticon Benedictinum XL s. XVII Ms. lat.
12697 f. 249' Paris Bibl. Nat. tvird die Urkunde nur zitiert.
Eugenius episcopus seruus seruorum Dei. Dilectis filiis abbati
et religiosis monasterii de Sordua (ordinis sancti Benedicti dioe-
cesis Acquensis) salutem et apostolicam benedictionem. Cum a
nobis petitur quod iustum est et honestum, tarn uigor equitatis
quam ordo exigit rationis, ut"^ id per solicitudinem ''^ officii nostri
ad debitum perducatur efFectum. Eapropter, dilecti in Domino filii,
uestris "^ iustis postulationibus grato assensu concurrentes, personas
uestras et locum, in quo diuino estis obsequio mancipati, cum Om-
nibus bonis reditibus prouentibus beneficiis ac officiis, que in pre-
sentiarum possidetis et in futuro prestante Domino poteritis adi-
pisci, sub beati Petri ac^^ nostra protectione suscipimus. Omnes
a) et. b) solicitudinis. c) uestri. d) patris a quo.
Papsturkunden in Frankreich VII. 87
qvioqne libertates et immunitates a nostris predecessoribns Romanis
pontificibus monasterio uestro concessas et indultas, (specialiter
autem institutionis et fimdationis quatuor beneficiorum seu offici-
orum uestri monasterii statuta, die prima aprilis anno ]\PC^XL"VI^
a uobis transacta et retenta per notarium publicum in choro uestre
eeclesie, singula denique membra et capita talis institutionis et
fundationis) authoritate apostolica conürmamus, corroboramus et
presentis scripti patrocinio communimus. NuUi ergo omnino*^ do-
minum liceat banc paginam nostre susceptionis confirmationis com-
munitionis infringere uel ei ausu temerario contraire. Si quis
autem hoc attentare presumpserit, indignationem omnipotentis Dei
ac beatorum Petri et Pauli apostolorura eius se nouerit incursurum.
Dat. Rome apud sanctum Petrum (anno Domini M*'C^XL^VI^,)
non. iulii, (pontificatus nostri anno secundo.)
e) animo.
^1-
Hadrian IV. nhnnit die Kirche Saint-Mari de ForcaJquier unter
Tropst Bertrand in den apostolischen Schutz^ bestätigt ihr die Besitz-
ungen und Rechte und regelt besonders das Verhältnis zu der Kirche
von Sisteron. Capua 1155 November 7.
Coli. Dupmj 657 s. XVII f. 52 Paris Bibl. Nat.
Vgl. Fapsturlcunden in Frankreich IV (1907) p. 55. Der nicht
formelhafte Teil des Textes lautet: In Castro Fulcalcharii ecclesiam
sancte Marie de Mercato in stra(ta) publica cum suis oblationibus,
ecclesiam sancti loannis cum suis oblationibus, ecclesiam sancti
Petri cum suis oblationibus, ecclesiam sancti Martini de Castello
in territorio eiusdem castri, ecclesiam sancti Siffredi cum omnibus
suis possessionibus, ecclesiam sancti Victoris, ecclesiam sancte Marie
de Ripis altis cum suis possessionibus. ecclesiam sancte Marie de
Eilgeriis, ecclesiam sancti Erigii, ecclesiam sancti Stephani de
Massellis cum suis decimis et possessionibus, ecclesiam sancti Al-
bani, ecclesiam sancti Petri de Petrarua cum omnibus suis per-
tinentiis, ecclesiam sancti Antonini de superiori castello, ecclesiam
sancti lacobi de Puteolis, ecclesiam sancti Martini de Marzesco in
territorio de Boreia, ecclesiam sancti Genesii cum omnibus suis
pertinentiis, ecclesiam sancti Petri de Cimanz cum omnibus suis
pertinentiis, ecclesiam sancti Georgii de superiori castello, ecclesiam
88 Wilhelm Wiederhold,
sancti Ypoliti cum suis pertinentiis , ecclesiam sancte Marie de
Lauduchel cum omnibus suis pertinentiis, ecclesiam sancti Babili,
ecclesiam sancti Symeonis sitam super Campium, ecclesiam sancti
Martini de Manuascha cum omnibus redditibus et decimis suis,
quas insolidum et absque alicuius participatione possidet, ecclesiam
sancti loannis de inferiori monasterio cum decimis et oblationibus
suis cum baptisterio totius uille, ecclesiam sancti lacobi de Totis
auris cum decimis et possessionibus suis, ecclesiam sancte Marie
sitam iuxta idem castellum, ecclesiam sancti Sepulchri in territorio
de Manuascha, ecclesiam sancti Petri quam tenent hospitalarii,
ecclesiam sancti Maximi, ecclesiam sancti Petri de Podio acuto,
ecclesiam sancti Stephani de Tairone, decimas de labore ecclesie
sancti Probatii, excepto de Podio alto et excepto de Vergerio, et
cartulas matrimonii eiusdem monasterii et cartulas matrimonii de
Manua, decimas de Vbagiis et decimas de Briues. Preterea ut
nostro speciali beneficio uobis et ecclesie uestre dignitas concessa
firma permaneat, statuimus ut semel in anno uester Sistericensis
episcopus in ecclesia uestra sinodum celebret et ordines faciat et
crisma tribuat, ecclesia uestra ^'^ omnibus ecclesiis que sunt citra
montem Lure usque in Durentie fluuium, et partem habeat iuris
episcopalis de sinodo et de testamentis, similiter tertiam partem
mortuorum. Libertatem quoque eidem ecclesie concedimus clericos
idoneos subrogandi et ut canonici Cistericenses sine uobis ponti-
ficis electionem non debeant celebrare. Instituimus etiam ut uester
prepositus nullius extra uestrum capitulum expectato consensu,
ponendi et instituendi clericos tam in ammi(ni)strationibus uestre
principalis domus quam in ecclesiis uobis subditis liberam habeat
facultatem. Decernimus ergo ii. s. iv.
Adrianus episcopus seruus seruorum Dei. Dilectis filiis Ber-
trando preposito et ceteris canonicis ecclesie sancti Marii tam pre-
sentibus quam futuris canonice promouendis in perpetuum. EfFec-
tum iusta postulantibus.
R. Ego Adrianus catholice ecclesie episcopus ss. BV.
f Ego Ymarus Tusculanus episcopus ss.
f *) Ego Guido presb. card. tit. sancti Grisogoni ss.
t Ego Hubaldus presb. card. tit. sancte Praxedis ss.
t Ego Manfridus presb. card. tit. sancte Sabine ss.
f Ego Aribertus presb. card. tit. sancte Anastasie ss.
f Ego Astaldus'^^ presb. card. tit. sancte Prisce ss.
a) Der Text üt hier in Unordnung. h) f fehlt hei den Kardinaljjres-
hytern. c) Nastaldus.
Papsturkunden in Frankreich VII. 89
f Ego Henricus presb. card. tit. sanctorum Xerei et Acliillei ss.
f Ego Oddo diac. card. sancti Greorgii ad Velum aureum ss.
f Ego lacintus diac. card. sancte Marie in Cosmydyn ss.
t Ego Gerardus diac. card. sancte Marie in Via lata ss.
Datum Capue per maniim Eolandi sancte Eomane ecclesie
presbiteri cardinalis et cancellarii, VII idus nouembris, indictione
IUI, incarnationis dominice anno MCLV, pontificatus uero domni
Adriani pape IUI anno primo.
43.
Hadrian IV. nimmt das dem Äbt Petrus von Cluny unterstellte
Kloster Mont-Saint-Jean in den apostolischen Schutz und bestätigt ihm
Besitzungen und Bechte, besonders die Sepiütur.
Benevent 1156 Februar 15.
Documenta prioratus sancti lohannis de Monte prope Gordonium
s. XVI f. 4 Cahors Bibl. Comm.
Der nicht formelhafte Teil des Textes lautet: Nemus quod dicitur
Capelium et quicquid Gaubertus de Casalis eidem ecclesie in hele-
mosinas noscitur concessisse; statuimus ut idem locus cum suis
pertinentiis liber sit et ab omni indebita exactione immunis, nee
aliquis audeat res ipsius loci minuere uel ei grauamen aliquod aut
molestiam irrogare; si uero monacbus eiusdem loci extra regulam
aliquid egerit, ab abbate Cluniacensi iustitia requiratu; porro si
clericus uel laycus liber et absolutus eiusdem loci mansionem ele-
gerit, absque alicuius contradictione suscipiatur et quicquid de suo
attulerit, liberum ab ecclesia habeatur. Ad hoc adiicientes statui-
mus, ut nuUus in eodem loco ad ius et proprietatem uestram'^)
pertinente castellum uel aliquam munitionem edificare presumat.
Sepulturam quoque u. s. iv.
Adrianus episcopus seruus seruorum Dei. Dilecto filio Petro
Cluniacensi abbati eiusque successoribus regulariter substituendis
in perpetuum^). Religio et honestas Cluniacensis ecclesie.
R. Ego Adrianus catholice ecclesie episcopus ss. BV'^^
f Ego Ymarus Tusculanus episcopus ss.
f Ego Guido presb. card. tit. sancti Grisogoni ss.
f Ego Humbaldus presb. card. tit. sancte Praxedis ss.
f Ego Manfredus presb. card. tit. sancte Sauine ss.
a) nostram. h) in Petri et Pauli manu. c) BV fehlt, ebenso überall ss.
90 Wilhelm Wiederhold,
f Ego Octauianus presb. card. tit. sancte Cecilie ss.
f Ego Bernardus presb. card. tit. sancti Clementis ss.
f Ego Astaldus presb. card. tit. sancte Prisce ss.
f Ego Johannes presb. card. tit. sanctorum Siluestri et Martini ss.
t Ego Oddo^> diac. card. sancti Greorgii ad Velum aureum ss.
t Ego Guido diac. card. sancte Marie in Porticu ss.
t Ego lacinctus diac. card. sancte Marie in Cosmydyn ss.
f Ego lohännes diac. card. sanctorum Sergii et Bachi ss.
Dat. Beneuenti per manum Eolandi sancte Romane ecclesie
presbiteri cardinalis et cancellarii, XVI kal. marcii, indictione IV,
incarnationis dominice anno M^C^L^V^, pontificatus uero domini
Adriani pape IV anno II.
d) Ado.
48.
Hadrian IV. nimmt die Kirche Notre-Dame de Beaumont unter
dem Propst Wilhelm in den ajyostolischen Schutz und bestätigt ihm die
Besitzungen^ die freie Abtsivahl und die Sepultur.
Benevent 1156 April 27.
Coli. JDoat 137 s. XVII f. 4 Paris Bihl. Nat. [ÄJ. — Frag-
menta Historica vol. XIV v. 1682 p. 196 (ex Museo Roherti de Gyver)
ebenda Ms. lat. 12776 [B]. — Privileges du comte de Eouergue s. XV
f. 106' Montauban Arch. Bep. A. 114 [CJ.
J-L. 10176. Die Abschrift in Montauban ist sehr schlecht, auch
fehlen ihr alle Kardinalunter Schriften ; die offenbaren Schreibfehler ver-
bessere ich stillschiveigend. — Die Besitzungen sind: In episcopatu
Ruthenensi ecclesiam sancte Marie de Veireiras ^\ ecclesiam sancte
Marie de Comps, ecclesiam sancti Vincentii de Calm*) cum sua
capella de Prouencos '^^j ecclesiam sancti Petri de Molnetz '^^ eccle-
siam sancti Amantii de Anglars, ecclesiam sancti Priuati, ecclesiam
sancti Stephani de Caucas*), ecclesiam sancti Simphoriani de Mer-
cato et in eadem parrochia uillam de Bosquato^) cum omni suo
territorio; in episcopatu Albiensi ecclesiam sancti Stephani de
Capella, ecclesiam sancti Hylarii de Cabanes^) cum decimis et aliis
suis pertinentiis, sicut uobis a uenerabilibus fratribus nostris Petro
a) Vereyriis B, Veyreriis C. h) Calun B. c) Prohencos B, Per-
nencos C. d) Monetz B. c) Caucatz Ä. f) Bosquero A, Boscheto C.
g) Ylarii de Cabannas A, Ylarii de Cabanas C.
Papsturkunclen in Frankreich VII. 91
Ruthenensi et Rigaldo Albiensi episcopis concessa esse noscuntur
et scripti pagina confirmata.
Adrianus episcopus seruus seruorum Dei. Dilectis filiis Gruil-
lelmo preposito ecclesie sancte Marie de Bellomonte eiusque fra-
tribus tarn presentibus quam futuris regulärem uitam professis in
perpetuum. Pie postulatio uoluntatis.
R. Ego Adrianus catholice ecclesie episcopus ss. BV.
f Ego Guido presb. card. tit. sancti Grrisogoni ss.
f Ego Vbaldus presb. card. tit. sancte Praxedis ss.
f Ego Bernardus presb. card. tit. sancti Clementis ss.
f Ego Octauianus presb. card. tit. sancte Cecilie ss.
f Ego Johannes presb. card. sanctorum lobannis et Pauli tit. Pa-
macbii ss.
f Ego Henricus presb. card. tit. sanctorum Nerei et Achillei ss.
f Ego Joannes presb. card. tit. sanctorum Siluestri et Martini ss.
f Ego Odo diac. card. sancti Greorgii ad Velum aureum ss.
t Ego Gruido diac. card. sancte Marie in Porticu ss.
f Ego Odo diac. card. sancti Nicolai in carcere Tulliano ss.
Dat. Beneuenti per manum RoUandi sancte Romane ecclesie
presbiteri cardinalis et cancellarii, V kal. maii, indictione IV, in-
carnationis dominice anno M^C'^L^VJ^', pontificatus uero domni
Adriani pape IV anno 11*^.
44.
Hadrian IV. bestätigt die Wahl Erzhiscliof JBerengars voti Nar-
honne. Benevent (1156) Juni 1.
Coli. Baluse 82 s. XVII f. 34 Faris Bibl. Nat. — Estiennot
Fragmenta Historiae vol. XII v. 1681 p. 294 ebenda Ms. lat. 12774,
— Laxmrte Seleda Monumenia s. XVIII f. 482' Toulouse Bibl. Comm,
Ms. 626.
J-L. 10182 nach dem Fragment bei Gdll. Chr. VI 53 und Instr.
40 und den Pariser Manuskripten . Zitiert im Inventar von 1639
vol. II f. 15 aus Begistre II f. 29.
Adrianus episcopus seruus seruorum Dei. Dilecto filio B(eren-
gario) electo Narbonensis ecclesie salutem et apostolicam benedic-
tionem. Narbonensis ecclesia proprio destituta pastore te in
patrem et archiepiscopum eligere studuit et ad examen apostolice
sedis electionem suam uoluit presentare. Super qua cum a fratri-
bns nostris in nostra presentia esset aliquantulum pertractatum,
92 Wilhelm Wiederhold,
quoniam per te ipsius ecclesie statum posse credimus auctore Do-
mino in melius reformari, electionem ipsam daximus confirmare.
Ideoque per presentia tibi scripta mandamus, quatinus, cum a filiis
nostris clericis Narbonensis ecclesie fueris requisitus, ad ecclesiam
supradictam accedas et onus episcopale de larga omnipotentis pie-
tate confisus suscipias. Dat. Beneuenti kal. iun.
45.
Hadrian IV. nimmt die Kirche von Narhonne unter ErMschof
Berengar in den apostolischen Schutz, bestätigt ihr Privilegien und
Hechte und verleiht dem Erzhischof das Pallium.
Lateran 1156 Dezember 9,
Coli. Boat 55 f. 228 (von 1668 IX 24) Paris Bibl Nat, —
Coli. Baluze 82 s. XVII f. 177 ebenda. — Laporte Selecta Monumentä
s. XVIII f. 102 Toulouse Bibl Comm. Ms. 625. — Bullarium Ifar-
bonense s. XV f. 19 London British Museum Ms. Hart. 3570.
J-L. 10218. Zitiert im Inventar von 1639 vol. II f. 15' aus Registre
II f. 31. Die Kopie der Coli. Boat stammt aus einer Kopie von 1640
114 im Archiv von Saint- Just aus „Eegistre Numero Vn fulhet 47 et
48.^ Vgl. Nr. 39. Bie Besitzungen sind: Ecclesiam sancti Pauli
cum Omnibus pertinehtiis suis, oppidum quod uocatur Caput stagni,
Salas, Cruscadas, Canet, Ventenac, Argens, Fontem ioncosam,
Auriag, Villam rubeam, Scianum, Gruissanum, Quillanum, Monti-
lium, Poalerium cum eorum appendiciis, Fontem erectam cum
Omnibus pertinentiis suis ; abbatiam de Caunis, abbatiam de locone,
abbatiam sancti Policarpi, ecclesiam de Fenolleto cum omnibus
pertinentiis suis et quicquid habetis in comitatu Narbonensi et
Redensi, infra urbem Narbonam medietatem ipsius ciuitatis, medie-
tatem telonei, portatici, rafice salinarum et ceterorum redituum
que a ciuitatis comite tam de marinis quam de terrenis uiatoribus
exiguntur; concordiam siue transactionem que facta est inter te
et nobilem mulierem Ermengardim uicecomitissam super porta
uidelicet episcopali et turre, medietate mensis octobris et medietate
siddarum iuxta continentiam et tenorem cartarum que inter uos
super eadem re fuere composite, auctoritate apostolica confirmamus
et ratam perpetuis temporibus decernimus permanere; in mona-
steriis etiam seu ceteris per Narbonensem parrocliiam ecclesiis,
salaa sedis apostolice auctoritate, canonicum uobis ius obtinere
concedimus. Sane ad uestram metropolim pertinentes episcopales
Papsturkunden in Frankreich VII. 93
cathedras, uidelicet Bitterris, Carcassone, Tolose, Eine, Agates,
Luteue, Magalone, Nemausi, Vzetice tibi tuisque successoribus in
perpetuum subiectas et obedientiam debitam seruare censemns, et
quicquid ex antiquo iure Narbonensi ecclesie competit, ratum per-
petuo et inconuulsum manere saneimus. Preterea pallium, sicut in
ceteris priuilegiis tibi concessum est, et nos concedimus. Decer-
nimus ergo u. s. w.
Adrianus episcopus seruus seruorum Dei. Venerabili fratri
Berengario archiepiscopo eiusque successoribus canonice substituendis
in perpetuum. Quanto Narbonensis ecclesia.
E. Ego Adrianus catholice ecclesie episcopus ss. BV.")
f Ego Imarus Tusculanus episcopus ss.
f Ego Cencius Portuensis et sancte Eufine episcopus ss.
f Ego Gregorius Sabinensis episcopus ss.
f Ego Guido presb. card. tit. sancti Grisogoni ss.
f Ego Hubaldus presb. card. tit. sancte Praxedis ss.
f Ego Manfredus presb. card. tit. sancte Sauine ss.
t Ego lulius presb. card. tit. sancti Marcelli ss.*
t Ego Octauianus presb. card. tit. sancte Cecilie ss.
f Ego Odo diac. card. sancti Georgii ad Velum aureum ss.
t Ego Guido diac. card. sancte Marie in Porticu ss.
f Ego lacintus diac. card. sancte Marie in Cosmidin ss.
Dat. Laterani per manum Eolandi sancte Romane ecclesie
presbiteri cardinalis et cancellarii, V idus decembris, indictione Y,
incarnationis dominice 'anno MCLVI, pontificatus uero domini
Adriani pape IUI anno III.
a) R und BV fehlen.
Hadrian IV. nimmt das Kapitel von Ägde in den apostolischen
Schutz und bestätigt ihm seine Besit^imgen und Hechte.
Lateran 1156 Dezember 9.
Cartulaire du chapitre d'Agde s. XVIII p. 1 Montpellier Bibh
Comm. Ms. 33.
Vgl. Gallia Christiana VI p. 703 als für Archidiahon Arnidf aus-
gestellt. Der nicht formelhafte Teil des Textes lautet: Statuentes ut
quascumque possessiones quecumque bona ex concessione bone
memorie Bernardi, Raymundi, Ermengaudi quondam episcoporum
aut alio iusto titulo nunc in ciuitate Agathensi, suburbiis et terri-
toriis eins aut in quibuslibet locis aliis possidetis uel in futurum
94 Wilhelm Wiederhold,
concessione pontificum n. s. w. bis uocabulis : Ecclesiam sancte Marie
sitam in eadem ciuitate cum omnibus pertinentiis suis, ecclesiam
sancti lohannis de Auiatico cum omnibus pertinentiis suis et quic-
quid habetis in Castro et in uilla ipsius et in territorio eius, ec-
clesiam sancti Martini de Metalliano cum tota uilla et suis terri-
toriis, ecclesiam sancti Martini de Podio cum omnibus suis perti-
nentiis, ecclesiam sancti Petri de Prugnas cum omnibus suis perti-
nentiis, ecclesiam sancti Martini de Cohesanegues cum omnibus
suis pertinentiis, et quicquid habetis in uilla de Mermiano, quic-
quid habetis in terminio sancti Laurentii de ToroUa, quicquid
habetis in castro de Becciano et in eius territorio, quicquid habetis
in uilla de Affriano, ecclesiam sancti Petri de Fabricolis cum om-
nibus suis pertinentiis et quicquid habetis in ipso castro et in
uilla ipsius et in eius territorio, ecclesiam de Molrano cum omnibus
suis pertinentiis et totum quod habetis in ipsa uilla et in eius
territorio, totum quod habetis et possidetis in uilla de Corbiano
et in eius territorio, ecclesiam sancti Symeonis de Pineto cum
omnibus suis pertinentiis et quicquid habetis in ipsa uilla et in
eius territorio, quicquid habetis in castro et in uilla de Marcelli-
ano et in territorio eius, quicquid habetis in uilla de Pizano et in
territorio eius, quicquid habetis in castro et in uilla de Mesaa et
in eius territorio, ecclesiam sancti Pauli de Palnes cum omnibus
suis pertinentiis, quicquid habetis in castro de Florenciaco et in
eius territorio, quicquid habetis in castro et in uilla de Montaniaco
et in territorio eius, quicquid habetis in castro et in uilla de Almis
et in territorio eius. Paci preterea et ualuaci uestre in posterum
prouidentes, circumdandi et muniendi uallo ab incursu hostium
uillam uestram de Pineto liberam uobis auctoritate apostolica tri-
buimus facultatem; quicumque autem hoc ausu temerario inhibere
presumpserit, censura districtionis ecclesiastice feriatur. Decerni-
mus ergo u. s. w.
Adrianus episcopus seruus seruorum Dei. Dilectis filiis Guil-
lelmo archidiacono, Petro Raymundo sacriste, Guillelmo precentori
et uniuersis canonicis Agathensis ecclesie tam presentibus quam
futuris canonice ordinandis in perpetuum. Officii nostri nos
admonet.
R. Ego Adrianus catholice ecclesie episcopus ss. BV*'^
f Ego Ymarus Tusculanus episcopus ss.
t Ego Cencius^^ Portuensis et sancte Rufine episcopus ss.
f Ego Guido presb. card. tit. sancti Grisogoni ss.
a) BV fehl'f ebenso überall f and ss. b) Lericius.
Papsturkimden in Frankreich VII. 95
t Ego Hubaldus presb. card. tit. sancte Praxedis ss.
f Ego Manfredus presb. card. tit. ^^ sancte Sabine ss.^^
f Ego Julias presb. card. tit. sancti Marcelli ss.
t Ego Odo diac. card. sancti Georgii ad Velum aureum ss.
f Ego lacinthus*^ diac. card. sancte Marie in Cosmydyn ss.
f Ego Ildebrandus diac. card. sancti Eustacbii ss.
f Ego Odo diac. card. sancti Nicbolai in carcere Tulliano ss.
Datum Laterani per manum Rolandi sancte Eomane ecclesie
presbiteri cardinalis et cancellarii, V idus decembris, indictione V,
incarnationis dominice anno MCLYI, pontificatus uero domini
Adriani pape IIII''^ anno tertio.
c) tit. felilt. d) Diese Unterschrift fehlt im 3Is. lat. 9999 f. 1, das
überhaupt nur das EschatokoU von J-L. 10219 bietet. Vgl S. 3 Anm. 1.
e) Joachimus. f) nostri.
47.
Hadrian IV. hesiätigt dem Bischof Baimimd von Maguelone eine
von de7i Kanonikern von Maguelone gefällte Sentenz.
Lateran (1156—58) OUoher 29,
Bullair e de Veveclie de Montpellier s. XIV f. 49' und f. 119
Montpellier ÄrcJi. Bep. (Eveclie de Maguelone- Montpellier). — Car-
tulaire F de Veveclie de Montpellier s. XIV f. 119' ebenda. — Bullae
et privilegia episcopatus Magalonensis s. XIV f. 55' Paris "jBihl. Nat.
Ms. lat. 14688.
J-L. 10338 nach Ms. lat. 14688.
ADRIANVS episcopus seruus seruorum Dei. Venerabili fratri
Raymundo Magalonensi episcopo salutem et apostolicam benedic-
tionem. Rationis ordo suadet et uigor exigit equitatis, ut que
rationabiliter diffinita et statuta esse noscuntur, ne processu tem-
poris dilaba(n)tur a memoria posterorum, litterarum fidei committan-
tur et nostro munimine roborentur. Tue itaque petitioni grato
concurrentes assensu, diffinitionem quam inter ecclesiam de Agau-
tico et ecclesiam de Rocca super decimis et prouentiis decimarum
ipsius ecclesie de Rocca canonici Magalonensis ecclesie de mandato
et consilio tuo rationabiliter fecerunt, auctoritate apostolica con-
firmamus et presentis scripti patrocinio communimus. NuUi ergo
omnino hominum liceat hanc paginam nostre confirmacionis in-
fringere uel ei aliquatenus contraire. Si quis autem hoc attemp-
96 Wilhelm Wiederhold,
tare presumpserit, indignationem omnipotentis Dei et beatornm
Petri et Pauli apostolorum eius se nouerit incursurum. Dat.
Lateran. IUI kal. nouembris.
48.
Eadrian IV. befiehlt den KleriJcern der Diözese Beziers, dem
Bischof Wilhelm den schuldigen Gehorsam und Achtung zu erweisen
und seine Einhilnfte nicht zu schmälern und gebietet den Mönclien,
sich priesterlicher Handlungen zu enthalten.
Lateran (1156 — 58) Dezember 16,
Livre noir de Beziers von 1771 f. 828' Montpellier Arch. Dep.
(Chapitre cathedral de Beziers). — Coli. Doat 61 f, 199 (von 1668
XII 29) Baris Bibl. Nat.
J-L. 10355 nach Coli. Doat.
Adrianus episcopus seruus seruorum Dei. Dilectis iiliis abba-
tibus prioribus clero et populo per Biterrensem parrochiam consti-
tutis salutem et apostolicam benedictionem. Venientem ad apo-
stolorum limina et nostram presentiam uenerabilem fratrem nostrum
Gr(uilelmum) episcopum uestrum debita benignitate suscepimus et
aliquamdiu circa nos commorantem inter fratres nostros honesta
tractauimus, quem ad uos redire cupientem cum gratia sedis apo-
stolice et litterarum nostraram prosecutione dimisimus et aniuer-
sitati uestre duximus attencius commendandum. Per presentia ita-
que uobis scripta mandamus, quatinus eum benigne et reuerenter
suscipiatis et ei tanquam patri et animarum uestrarum episcopo
debitum honorem et obedientiam humiliter deferatis. Nichilominus
quoque"^ uobis presencium auctoritate mandamus, ut decimarum et
oblationum porcionem, que secundum statuta canonum et sanctorum
patrum decreta ad ius et dispensationem episcopi spectare dinos-
citur, iure debito et sine aliqua molestia persoluatis. Preterea cum
ad aures nostras perlatum est, quod inter uos quidam monachi
existentes paruulos sollempniter baptizare, laieis penitentias et
eucharistiam contra sue professionis regulam dare presumunt, pre-
sencium auctoritate omnimodis prohibemus, ne de cetero id attemp-
tare presumant, alioquin nos eidem fratri nostro episcopo uestro
potestatem concessimus, ut in huiusmodi presumptores ecclesiastice
seueritatis censuram exerceat. Datum Laterani''^ XVII kal.
ianuarii.
a) quicquid. h) Laterane.
l
Papsturkunden in Frankreich VII. 97
49.
Hadrian IV. gewährt dem Äbt Fetrus und den Brüdern von
Saint-Emüien die Freiheit vom Interdikt.
Lateran (1156 — 58) Dezember 19.
Martyrologium s. Aemiliani Burdegalensis s. XII f. 84' Bordeaux
Ar eh. Dep. (Ärcheveche de Bordeaux G. 902),
Die Gallia Christiatia II p. 882 zitierten ProteJctionsurhinden
Hadrians IV. imd Alexanders III. scheinen verloren zu sein. Das
hei J. Gnadet Saint-Jßmilion (Paris 1841) p. IV zitierte Buch Les
Privileges de Vinsigne eglise de Saint-^milion habe ich nicht gesehen.
ADRIANYS episcopus seruus seruorum Dei. Dilectis filiis Petra
abbati et fratribus ecclesie sancti Emiliani salutem et apostolicam
benedictionem. Consueuit sacrosancta Romana ecclesia personas
religiosas et loca in quibus gratus Deo inpenditur famulatus, spe-
cial! affectii caritatis diligere et intuitu pietatis talia indulgere
qualia passim non omnibus ecclesiis conceduntur. Quapropter, di-
lecti in Domino filii, uestris preeibus annuentes statnimiis, ut, si
quando a diocesano episcopo interdietum processerit, liceat uobis
in nestra ecclesia clausis ianuis, exclusis excommunicatis et inter-
dictis, non pulsatis tintinnabulis, suppressa noce per totum officium
diuina misteria celebrare. Nulli ergo hominum omnino liceat hanc
nostre constitucionis paginam temerario ausu contraire. Si quis
autem hoc attemptare presumserit, indignationem omnipotentis Dei
et beatorum Petri et Pauli apostolorum eins se nouerit incursurum.
Dat. Lat. XIIII kal. ianuarii.
50.
Hadrian IV. bestätigt dem Bischof (Malcarius) von Lodeve ver-
schiedene Besitzungen und Rechte. 1158 Juni 4,
Regest im Repertorium von 1498 f. 143 (aus dem Liber privilegi-
orum episcoporum Lodovensium f. 1) Montpellier Ar eh. Dep. (Eveche
de Lodeve).
Einen Bischof Ilakarius von Lodeve gibt es nicht im zivölften
Jahrhundert, ivohl aber zur Zeit Hadrians HL, um 885. So haben
Plantavit p. 40 und» nach ihm Gallia Chr. VI p. 531 die Urkunde Ha-
drian HL zugeschrieben, aber Hadrian IIL ivar nur ein Jahr lang
Papst 884 — 885. Mir scheint die Urkunde zu Hadrian IV. zu ge-
hören. Vgl. Nr. 26 und 61.
Kgl, Ges. d, Wiss. Nachrichten. Phil,-hist. Klasse. 1913. Beiheft. 7
98 Wilhelm ^Yiederhold,
Adrianus papa donauit domno Macliario Luteuensi episcopo
ecclesiam sancti Genesii cum cella que uocatur sancti Amancii in
pago Luteuensi, cum ualle Laurosa et cellani sancte Marie, sancti
Petri, sancti Martini cum ualle Peguerolas, cellam sancti lohannis,
uillam que uocatur Salascum cum ecclesia sancti Grenesii, uillam
Sabalianicum, Canetum, Villarici et Rochas ; in alio loco in Bitter-
rensi Nizate et uillarem Bardincum, theloneum et mercatum sedis
Lodoue, de xllpibus terciam partem, sicuti in regali precepto con-
cessum est a Karolo magno glorioso rege sibi Adriano ostenso.
Dat. pridie non. iunii, pontificatus sui anno IV^.
51.
Hadrian IV, ermahnt den Bischof Bernhard von Saragossa, wie
schon seine Vorgänger Eugen HL und Änastasius IV. getan, dem Er^-
hischof Wilhelm von Auch die Kirche von Alagon zurüdisugehen und
droht den Gottesdienst in dieser Kirche zu verbieten, ivenn nicht
hinnen vierzig Tagen dies Gebot befolgt sei. (1155 — 59) Mai 26.
Mongaillard Histoire de Ja Gascogne s. XVII f. 333 Toulouse
Bibl. Comm. Ms. 718.
Vgl. iVV. 36. Eine VorurJcunde Eugens III. U72d die Änastasius'
IV. sind verloren.
Adrianus episcopus seruus seruorum Dei. Venerabili fratri
B(ernardo) Cesaraugustano episcopo salutem et apostolicam bene-
dictionem. Venerabilis frater noster (Guilelmus) Auscitanus
arcbiepiscopus directa nuper ad nos relatione monstrauit, quod, cum
predecessores nostri bone memorie Eugenius et Änastasius Romani
pontifices tibi et antecessori tuo litteras destinassent, ut ecclesiam
de Alagon ex integro restitueritis, in eo ^'^ ipso pro nihilo ducentes
ipsorum contraire mandatis, eamdem ecclesiam restituere noluistis.
Quocirca per apostolica tibi scripta mandamus, quatenus prefatam
ecclesiam, quam per uiolentiam sicut accepimus detinere presumis,
memorato fratri nostro sub celeritate restituas, postmodum uero,
si quid^^ iuris in ea te habere confidis, ad presentiam nostram acce-
das, ubi quod iustum fuerit, plenarie poteris obtinere. Quod si
infra quadraginta dies post harum acceptionem litterarum effectui
.mancipare nolueris, in prefata ecclesia diuina proliibemus ex tem-
pore officia celebrari. VII kal. iunii.
a) et. h) que id.
Papstarkunden in Frankreich VII. 99
52.
Alexander III. nimmt das Kloster Gimont unter dem Abt Bern-
hard m den apostolischen Schutz tmd bestätigt ihm die Besitzungen
imcV die Zehnten. IlontpelUer 1162 Mai 6.
Auszug in Antiquitatum in Vasconia Benedictinariim pars II
von 1680 p. 486 Paris Bibl. Nat. Ms. lat. 12752.
J-L. 10716 nach diesem Ms.
Alexander episcopus seruus seruorum Dei. Dilectis filiis Ber-
nardo abbati monasterii G-emundi eiusque"^ fratribus tarn presen-
tibus quam futuris etc. ut supra (d. h. wie Eugen III. Nr. 37).
E.^^ Ego Alexander ecclesie catbolice episcopus ss. BV.
. f Ego Grregorius Sabinensis episcopus ss.
f Ego Hubaldus Hostiensis episcopus ss.
f Ego Bernardus Portuensis et sancte Eufine episcopus ss.
t Ego Gualterius Albanensis episcopus ss.
f Ego Hubaldus presb. card. tit. sancte f in Jerusalem ss.
f Ego Albertus presb. card. tit. sancti Laurentii in Lucina ss.
f Ego Joannes presb. card. tit. sancte Anastasie ss.
f Ego Hyacinthus diac. card. sancte Marie in Cosmidin ss.
t Ego Odo diac. card. sancti Nicolai in carcere Tulliano ss.
t Ego Ardicio diac. card. sancti Theodori ss.
t Ego Cynthius diac. card. sancti Adriani ss.
t Ego Raymundus diac. card. sancte Marie in Via lata ss.
f Ego Johannes diac. card. sancte Marie in Porticu ss.
Dat. apud Montempessulanuni^^ per manum Hermanni sancte
Eomane ecclesie subdiaconi et notarii, JJ non. maii, indictione X,
incarnationis dominice anno MCLXJJ, pontificatus domni^^ Alex-
andri pape JIJ anno JTJ^.
d) et uestris. h) R, BT fehlen, ebenso überall f. c) Montem-
pessulanem. d) domni fehlt.
53.
Alexander III. nimmt das Kloster Saint-Felix unter der Friorin
Baimunda in den apostolischen Schlitz und bestätigt ihm die Besitzungen
und die Zehnten. Montpellier 1162 Mai 16.
Orig. Montpellier Ar eh. Bep. (Abbaye de Gigean). — Kopie von
1318 II 7 ebenda.
Der Text ist ganz formelhaft. Vgl. Gallia Chr. VI p. 856.
7*
100 Wilhelm Wiederhold,
ALEXANDER EPISCOPVS SERVVS SERVORVM DEL DILEC-
TIS IN CHRISTO FILIABVS RAIMVNDE PRIORISSE MONASTERII
SANCTI FELICIS DE MONTE SEVO EIVSQVE SORORIBVS TAM
PRESENTIBVS QVAM FVTVRIS REGVLAREM VITAM PROFESSIS
IN PERPETVVxM. ] Quotiens illud a nobis.
R. Ego Alexander catholicQ ^cclesi§ episcopus ss. BV.
f Ego Gregorius Sabinensis episcopus ss.
t Ego Hubaldus Hostiensis episcopus ss.
f Ego Bemardus Portuensis et sancte Rufine episcopus ss.
f Ego Gualterius Albanensis episcopus ss.
f Ego Hubaldus presb. card. tit. sancte Crucis in Hierusalem ss.
f Ego lobannes presb. card. tit. sancte Anastasie ss.
f Ego Albertus presb. card. tit. sancti Laurentii in Lucina ss.
f Ego lacintus diac. card. sanct§ Mari§ in Cosmydyn ss.
f Ego Odo diac. card. sancti Nicholai in carcere TuUiano ss.
t Ego Cinthyus diac. card. sancti Adriani ss.
f Ego Raimundus diac. card. sancte Marie in Via lata ss.
t Ego lohannes diac. card. sanct^ Mari§ in Porticu ss.
Dat. apud Montempessulan. per manum Hermanni sancte Ro-
mane ecclesie subdiaconi et notarii, XVII kal. iun., indictione X,
incarnationis dominice anno M^C^L^XIP, pontificatus uero domni
ALEXANDRI pape III anno tertio.
B. dep.
5i.
Alexander IIL nimmt das Kloster Notre-Dame de la Garde-Dieit
unter dem Abt Bernliard in den apostolischen Schutz und bestätigt
ihm Besitzungen und Rechte, besonders die Zehntfreiheit.
31ontpellier 1162 Juni 19.
Dominici Histoire du pays de Quercy s. XVIIl vol. III p. 422
Montaiiban Arch. Dep. — Salvat Chroniques du Quercy s. XVIII
Preuves p. 190 Cahors Bibl. Comm, Ms. 63.
Die Kopie von Salvat stammt aus der von Dominici^ ihre Ab-
iveichungen (Laboissonia und Humblandus) sind also ohne Bedeutung.
— Der nicht formelhafte Teil des Textes lautet: Locum de Warda
Dei cum pertinentiis suis, Costam cum pertinentiis suis, Essartens
cum uineis et molendinis, RoaneUum cum pertinentiis suis, Labo-
issiona cum pertinentiis suis et locum sancti Christophori cum
pertinentiis suis; compositionem quoque que inter uos et fratres
Papsturkunden in Frankreich VII. 101
de hospitale sancti Amantii super quibusdam terris, quas excolitis,
rationabiliter facta esse dignoscitur, sicut in autentico scripto
exinde facto continetur, uobis auctoritate apostolica confirmamus.
Sane laborum ii. s. tu.
Alexander episcopus seruus seruorum Dei. Dilectis filiis Ber-
nardo abbati monasterii sancte Marie a Garda Dei eiusque fratri-
bus tarn presentibus quam futuris regulärem uitam professis in
perpetuum. Religiosam uitam eligentibus.
R. Ego Alexander catholice ecclesie episcopus ss. BV.
f Ego Gregorius Sabinensis episcopus ss.
f Ego Hubaldus Hostiensis episcopus ss.
f Ego Bemardus Portuensis et sancte Ruiine episcopus ss.
t Ego Gualterus Albanensis episcopus ss.
f Ego Hubaldus presb. card. tit. sancte Crucis in Hierusalem ss.
f Ego Henricus presb. card. tit. sanctorum Nerei et Achillei ss.
f Ego Joannes presb. card. tit. sancte Anastasie ss.
f Ego Albertus presb. card. tit. sancti Laurentii in Lucina ss.
t Ego Guillelmus tit. sancti Petri ad Vincula presb. card. ss.
f Ego lacintus diac. card. sancte Marie in Cosmedin ss.
f Ego Odo diac. card. sancti Nicolai in carcere Tulliano ss.
f Ego Ardicio diac. card. sancti Tbeodori ss.
f Ego Cinthius diac. card. sancti Adriani ss.
t Ego Ra(i)mundus diac. card. sancte Marie in Via lata ss.
f Ego Joannes diac. card. sancte Marie in Porticu ss.
Datum apud Montempessulanum per manum Hermanni sancte
Romane ecclesie subdiaconi et notarii, XIII kal. iulii, indictione X,
incarnationis dominice anno MCLXII, pontificatus uero domni
Alexandri pape III anno III.
55.
Alexander III. nimmt die Kirche Saint-Aubin unter der Priorin
Adalaidis in den apostolischen Schutz und bestätigt ihr die Besitzungen
und die Freiheit von unrechtmäßigen Leistungen.
Montpellier 1162 Juni 22.
Orig. Montpellier Arch, Bep. (Ahbaye de Gigean).
Nicht formelhaft ist allein der Satz: prefatam ecclesiam cum
Omnibus pertinentiis suis, quam uenerabilis frater noster bone me-
morie Bremundus quondam Biterrensis episcopus ad perpetuam ibi
religionem obseruandam uobis pia deuotione noscitur contulisse ac
/
102 Wilhelm Wiederhold,
proprio scripto confirmasse, sab beati Petri et nostra protectione
U. S. IV.
ALEXANDER EPISCOPVS SEßVYS SERVORVM DEI. DILEC-
TIS IN CHRISTO FILIABVS ADALAIDIS PRIORISSE ECCLESIE
SANCTI ALBINI EIVSQVE SORORIBVS TAM PRESENTIBVS QVAM
FYTVRIS REGVLAREM VITAM PROFESSIS IN PERPETVV^I. ]
Religiosam uitam eligentibus.
R. Ego Alexander catholice ecclesi^ episcopus ss. ßV.
f Ego Grregorius Sabin ensis episcopus ss.
t Ego Hubaldus Hostiensis episcopus ss.
t Ego Eernardus Portuensis et sancte Rufine episcopus ss.
f Ego Gualterius Albanensis episcopus ss.
t Ego Hubaldus presb. card. tit. sancte Crucis in Hierusalem ss.
f Ego Herricus presb. card. tit. sanctorum Nerei et Achillei ss.
f Ego Albertus presb. card. tit. sancti Laurentii in Lucina ss.
t Ego lacintus diac. card. sancte Marie in Cosmydyn ss.
t Ego Ardicio diac. card. sancti Theodori ss.
f Ego Raimundus diac card. sancte Marie in Via lata ss.
Dat. apud Montempess. per manum Hermanni sancte Romane
ecclesie subdiaconi et notarii, X kal. iul., indictione X, incarna-
tionis dominice anno M^C^L^XII^, pontificatus uero domni ALEX-
ANDRI pape III anno III^
B. dep.
56.
Alexander III. nimmt die Abtei Valmagne unter dem Alt Ermen-
gaudus in den apostolischen Schutz und bestätigt ihr die von Bischof
Wilhelm von Albi geschenkte Kirche von Dorsaria,
Montpellier 1162 Juni 26.
Auszug in Antiquitatum in Septimania, Gothia et pago Tectosagum
seu Occitania Benedictinarum pars I s. XVII p. 438 Paris Bibl.
Nat. Ms. lat. 12760.
J-L. 10732. Das Regest Ober den Inhalt lautet: Breue Alex-
andri pape ad Ermengaudum abbatem Vallis magne, quo mona-
sterium suum snb sna et sancti Petri protectione suscipit et con-
firmat ecclesiam de Dorsaria, quam uenerabilis Gruillelmus epi-
scopus Albiensis intuitu pietatis contulit.
Papsturkunden in Frankreich VII. 103
R. Ego Alexander catholice ecclesie episcopus ss. BV«).
f Ego Gregoriiis Sabinensis episcopus ss.
f Ego Hubaldiis Ostiensis episcopus ss.
t Ego Bernardus Portuensis et^^ sancte Ruline episcopus ss.
f Ego Gralterius Albanensis episcopus ss.
f Ego Hubaldus presb. card. tit. sancte Crucis in Iherusalem ss.
f Ego Henricus presb. card. tit. sanctorum Nerei et AcMllei ss.
f Ego Johannes presb. card. tit. sancte Anastasie ss.
f Ego Albertus presb. card. tit. sancti Laurentii in Lucina ss.
f Ego Hyacinthus diac. ^^ card. sancte Marie in Cosmidin ss.
f Ego Odo diac. card. sancti Nicolai in carcere Tulliano ss.
t Ego Ardicio diac. card. sancti Theodori ss.
f Ego Cynthius diac. card. sancti Adriani ss.
f Ego Eaymundus diac. card. sancte Marie in Via lata ss.
f Ego lobannes diac. card. sancte Marie in Porticu ss.
Datum apud Montempessulanum per manum Ermanni sancte
Romane ecclesie subdiaconi et notarii, VI kal. iulii, indictione X,
incarnationis dominice anno MCLXII, pontificatus domni Alexandri
pape III anno III.
a) R, BV fehlen, ebenso überall f. &) et fehlt. c) diac. fehlt.
57.
Alexander III. bestätig f dem Abt Fontlus und den Brüdern von
Grandselve die Besitzungen und Zehnten.
Montpellier 1162 Juni 26.
Originalfragment Toulouse Arcli. Bep. (Abbaye de Grandselve
Nr. 6).
LinJcs fehlt ein großes Stück', nach dem liegest des Inventars von
1665 f. 2' läßt sich aber der Text unschwer ivieder herstellen. Eine
damcds vorhandene FapierTzopie ist verloren. Bie Besitzungen sind:
Grangiam uidelicet de Cobiraco cum pertinentiis suis, grangiam
de sancto lohanne cum pertinentiis [suis, grangiam de Cumbaro-
gerio cum pertinentiis] suis, grangiam de Bollaguello cum perti-
nentiis suis, grangiam de Nonans cum pertinentiis suis, [grangiam
de Villalonga cum pertinentiis suis, grajngiam de Calcasacco cum
pertinentiis suis, grangiam de sancto Greorgio cum pertinentiis suis,
grangiam [de Lasela cum pertinentiis suis, grangiam de Vetula]
aqua et de Bannols cum pertinentiis suis et grangiam de Riuuo-
manent cum pertinentiis suis.
104 Wilhelm Wiederhold,
[ALEXANDER EPISCOPYS SEEVYS SERVORVM DEL DI-
LECTO FILIO PONTIO A]BBATI MONASTERII GRANDISSILVE
EIVSQYE FRATRIBVS TAM PRESENTIBVS QVAM FVTVRIS RE-
GVLAREM VITAM PROFESSIS IN PERPETVVM. |
[R. EJgo Alexander catholice ecclesie episcopus ss. BV.
ff E]go Gregorius Sabinensis episcopus ss.
[f E]go Hubaldus Hostiensis episcopus ss.
[f E]go Bernardus Portuensis et sancte Eufine episcopus ss.
[f EJgo Gualterius Albanensis episcopus ss.")
f Ego lacintus diac. card. sanct^ Mari^ in Cosmydjm ss.
f Ego Odo diac. card. sancti Nicholai in carcere Tulliano ss.
f Ego Ardicio diac. card. sancti Theodor! ss.
f Ego Cinthyus diac. card. sancti Adriani ss.
f Ego Eaimundus diac. card. sancte Marie in Via lata ss.
f Ego lohannes diac. card. sancte Mari^ in Porticu ss.
[Dat. apud Montempessulanuin per manum Hermanni sancte
Romane] ecclesie subdiaconi et notarii, YI kal. iulii, indictione X^.
incarnationis dominice anno BPC^LX^II^, pontificatus uero domni
ALEXANDRI pape III anno tertio.
B. dep.
a) Bann fehlen vier Kardinalpresbyter.
58.
Alexander III. entscheidet einen Streit mvischen dem Bischof
Petrus von Bodez und dem Abt tmd den Brüdern von Saint -Victor
in Marseille ivegen der Kirche von Boisouls zu Gunsten des Bischofs.
Montpellier 1162 Jidi 11.
Kopie s. XIV Rodez Ar dt. Bep. (Chapitre de Rodez, Bozouls
Liasse 1).
Ber Text ist bis auf die durch die andere Adresse bedingten
Änderungen uörtlich gleich dem der Urkunde von 1162 VII 6 J-L.
10737 (ed. Collection de cartulaires de France IX p. 244). L. Ser-
vieres Histoire de Veglise du Bouergue (Rodez 1874) pt* -^^^ zitier
die Urkunde zu 1181,
Alexander episcopus seruus seruorum r)ei. Yenerabili fratri
Petro Ruthenensi episcopo salutem et apostolicam benedictionem.
Quociens controuersie int er personas.
Papsturkunden in Frankreich VII. 105
R. Ego Alexander catholice ecclesie episcopus ss. BV.
f Ego Grregorius Sabinensis episcopus ss.
f Ego Hubaldus Hostiensis episcopus ss.
t Ego Bernardus Hostiensis et sancfce Rufine episcopus ss.
f Ego Gualterius Albanensis episcopus ss.
f Ego Hubaldus presb. card. tit. sancte Crucis in lerusalem ss.
f Ego Henricus presb. card. tit. sanctorum Nerei et Achillei ss.
f Ego lobannes presb. card. tit. sancte Anastasie ss.
f Ego Albertus presb. card. tit. sancti Laurentii in Lucina ss.
f Ego G[uillelmus] presb. card. tit. sancti Petri ad Vincula ss.
f Ego lacinctus diac. card. sancte Marie in Cosmydyn ss.
f Ego Odo diac. card. sancti Nicholai in carcere Tulliano ss.
f Ego Ardicio diac. card. sancti Theodori ss.
f Ego Cinthyus diac. card. sancti Adriani ss.
f Ego Raimundus diac. "^ card. sancte Marie in Via lata ss.
f Ego Johannes diac. card. sancte Marie in Porticu ss.
Dat. aput Montempessulan. per manum Hermanni sancte
Romane, ecclesie subdiaconi et notarii, V id. iuL, indictione X,
incarnationis ^^ dominice anno M^C^LX^IP, pontificatus uero domni
Alexandri pape III anno tercio.
a) diac. fehlt h) incarnatione dominice anno domini.
59.
Alexander III. nimmt das CisterzienserMoster Bonneval unter
dem Äbt Ademar in den apostollscJien Schutz und bestätigt ihn die
Besitzungen und die Zehntfreiheit. Mende 1162 Juli 26.
Coli. Doat 140 f. 16 (von 1667 IV 30) Paris Bihl. Nat. —
Pieces remises au senechal de Bouergue s. XVI f. 5 Montauban Ärch.
Bep. A. 113 [B].
J-L. 10751 nach Coli. Boat. Bie Kopie in Montauban ist sehr
schlecht. — Bie Besitzungen sind: Grangiam Puciacum, Verucam,
Marsil«\ Bellacara^^, Tegulam, Seram^\ alodium^^ Empiaci^) et alo-
dium'^' Abiaci'^ cum omnibus pertinentiis suis.
Alexander episcopus seruus seruorum Dei. Dilectis filiis Ade-
maro^^ abbati monasterii Boneuallis eiusque fratribus tarn presen-
d) Marpi B. h) Belacara B. c) Terram B. d) allodium B.
e) Curpiaci B. f) Abraci B. g) Ademario B.
106 Wilhelm Wiederhold,
tibus quam futuris regulärem uitam professis in perpetuum.
Religiosam uitam eligentibus.
R. Ego Alexander catholice ecclesie episcopus ss. ßV.^^
j Ego Gregorius Sabinensis episcopus ss.
t Ego Bernardus Portuensis et sancte Rufine episcopus ss.
t Ego Gualterius Albanensis episcopus ss.
t Ego Vbaldus Hostiensis episcopus ss.
f Ego Vbaldus presb. card. tit. sancte Crucis (in lerusalem) ss.
t Ego Henricus presb. card. tit. sanctorum Nerei et Achillei ss.
t Ego lobannes presb. card. tit. sancte Anastasie ss.
t Ego lacintus diac. card. sancte Marie in Cosmidyn ss.
t Ego xlrdicio') card. diac. sancti Theodori ss.
t Ego ßaimundus diac. card. sancte Marie in Via lata ss.
Dat. Mimatensi per manum Hermanni sancte Romane ecclesie
subdiaconi et notarii, VII kal. augusti, indictione X, incarnationis
dominice anno M^C^LX^II^, pontificatus uero domni Alexandri
pape III anno tertio.
h) BV, f und ss fehlen. i) Henricus B.
60.
Alexander III. nimmt das Kloster Saint-Guiniem-le-Besert unter
dem AU Bichard nach dem Vorgange Eugens III. und Hadrians IV^
in den apostolischen Schutz und bestätigt ihm die Besitzungen und
Rechte. Tours 1162 Oktober 25.
Kopie s. XIII Montpellier Ar eh. Bep. (Abbage de Saint-Guil-
hem-le-BesertJ. — Kopie von 1591 Toulouse Ar eh. Bep. (Prieure de
Notre-Bame de La Baurade mit VIII id. nov.^ — Ms, lat. 12778
f. 259' Paris Bibl, Nat. — Ms. lat. 11899 f, 160 und f. 175 ebenda.
— Auszug im Ms. lat. 12672 f. 190' ebenda.
J-L. 10769. Vgl. auch Leon Vinas Visite retrospective ä Saint-
Guilhem-dU'Bcsert (Montpellier 1875) p. 121. Bie Vor Urkunde
Eugens III. ist J-L. 8947, die Hadrians IV. ist verloren. Bie Be-
sitzungen sind: In Lutheuensi episcopatu fiscum sancti Genesii Li-
tenis et ecclesiam sancti lohannis cum uilla et munitione sua ce-
terisque pertinentiis suis, ecclesiam sancti Martini cum fisco de
Castrias, ecclesiam sancti Saturnini de Seiraz cum fisco, ecclesiam
sancti Felicis, ecclesiam sancti Martini de Montepetroso cum ca-
pellis suis, scilicet sancti Petri de Montepetroso et sancte Marie
Papsturkunden in Frankreich VII. 107
de Gairigua; in episcopatu Biterrensi fiscum Miliaci cum ecclesia
sancti Guilielmi, ecclesiam sancti Peragorii, ecclesiam sancti Ge-
nesii de Campaniano, ecclesiam sancti lohannis de Murouetulo cum
capella eiusdem castri cum decimis et aliis pertinentiis suis, eccle-
siam sancti Vincentii de Popiano cum pertinentiis suis; in episco-
patu Xemausensi prioratum sancti Petri de Salue cum uniuersis
ecclesiis et pertinentiis suis, scilicet cum ecclesiis sancti Saturnini
de ualle Pompiniani, sancti Martini de Nomoglet cum capella sua,
ecclesiam sancti lacobi de Yoiraz, ecclesiam sancti Sebastiani de
Malenca, ecclesiam sancti Petri de Ledano; in episcopatu Vheti-
censi ecclesiam sancti Theodoriti, ecclesiam sancti Egidii de Porta
cum uilla sua; in episcopatu Mimatensi ecclesiam sancti Germani
de Valle Calberta cum capella sancti Petri, ecclesiam sancti Andree
de Ancisa, ecclesiam sancti Stepbani de Valle Francisca, ecclesiam
sancti Petri de Mairois cum pertinentiis suis, ecclesiam sancti
Guillelmi de Sperone, ecclesiam sancti Martini de Bers cum per-
tinentiis suis; in episcopatu Aguatensi ecclesiam sancti Martini de
Caues cum decimis primiciis et aliis pertinentiis suis, ecclesiam
sancti Petri de Fontemartis cum pertinentiis suis; in episcopatu
Magalonensi ecclesiam sancti Martini de Londris cum capella sancti
Gerardi de Castro Lundrensi et decimis ceterisque pertinentiis suis,
ecclesiam sancti Michaelis de Grimiano cum pertinentiis suis; in
episcopatu Viuariensi ecclesiam sancti Hylarii et sancti Martini
cum pertinentiis suis de Espedonia, in episcopatu Vapicensi eccle-
siam sancti Desiderii de Mota et ecclesiam sancti Petri de Vlmobel
cum appendiciis suis ; in episcopatu Euthenensi ecclesiam sancte
Marie de Cornucio cum capella decimis et aliis pertinentiis suis,
ecclesiam sancti Stephani de Larzaco, ecclesiam sancte Eulalie,
ecclesiam sancte Marie de Cisterna, ecclesiam sancti Martini de
Mauriaco, ecclesiam sancti Amancii de Buxia, ecclesiam sancti Ca-
prasii, ecclesiam sancti Saturnini et sancti luliani de Creissel cum
decimis et omnibus earum pertinentiis; in prouinciis Hyspanie in
episcopatu Legionensi uillam que uocatur Vallis Salicis cum omni-
bus que beato Guillelmo ibidem pertinent, in episcopatu Asteri-
censi ecclesiam sancti Vincentii cum omnibus pertinentiis suis, in
episcopatu Bracarensi ecclesiam sancte Marie de Ariano cum omni-
bus suis pertinentiis et cum omnibus aliis possessionibus, que sunt
iuris beati Guillelmi in prouinciis Hyspanie. Crisma uero, oleum
sanctum u. s. iv. Sepulturam quoque u. s. lu. Obeunte uero te
II. s. w. Quieti etiam et securitati uestre prouidere uolentes, libe-
ram uobis tribuimus facultatem uallandi uillam sancti lohannis et
uallos ibi factos reficiendi et muris eam aliisque ad tuitionem eins
1Q3 Wilhelm Wiederhold,
edificiis circumdandi. salua concordia que inter uos et fratres Ania-
nensis monasterii facta est. Capitulo preterea presenti statuimus,
ut quascumque decimas et ecclesias aliasue possessiones uos uel
illi a quibus rationabiliter acquisite sunt, a XL annis usque nunc
continuata cum possessione illorum possessione uestra sine inter-
ruptione legitima possedistis, quiete in perpetuum habeatis. Sane
fratribus Anianensibus ad sopita litigia suscitanda omnem facul-
tatem obstruere cupientes, auctoritate apostolica inhibemus, ut
nullam omnino subiectionem in monasterio uestro requirant, sed
ita perpetuis temporibus sine ulla refraguatione obseruent, sicut
a felicis memorie papa Vrbano predecessore nostro dinoscitur in-
stitutum. Sancimus itidem, ut iusta constitutiones felicis memorie
pape Calixti predecessoris nostri monasterium ipsum a nullo alio
nisi Romano pontifice uel leguato ipsius interdicto subiciatur, set
in sola sedis apostolice subiectione persistat, uos autem excommu-
nicatos et interdictos iuxta formam ecclesiasticam uitare modis
Omnibus oportebit. Sane noualium uestrorum t/. s. w. bis decimas
exigat. Ad pacem et quietem preterea monasterii uestri statuimus,
ut circa ipsum a uilla sancti lobannis usque ad fossatos et usque
ad eschossam nullus hominem capere uel rapinam audeat aut uio-
lentiam exercere. Si quis autem hoc attemptare presumpserit et
secundo tertioue commonitus emendare contempserit, reus apostolice
indignationis existat et ab episcopo, ad cuius dyocesim pertinuerit,
censura ecclesiastica feriatur. Preterea pro beati Guillelmi reue-
rentia interdicimus, quatinus nee episcopo nee clericis nee aliquibus
personis facultas sit ab itinere v. s. w. tvie Engen HL J-L. 8947.
Alexander episcopus seruus seruorum Dei. Dilectis filiis Ri-
cardo abbati sancti Gruillelmi eiusque fratribus tam presentibus
quam futuris regulärem uitam professis in perpetuum. Quotiens
illud a nobis petitur.
R. Ego Alexander catholice ecclesie episcopus ss. BV.
f Ego Hubaldus Hostiensis episcopus ss.
t Ego Bernardus Portuensis et sancte Rufine episcopus ss.
t Ego Gualterius Albanensis episcopus ss.
t Ego Hubaldus presb. card. tit. sancte Crucis in Iherusalem ss.
f Ego Albertus presb. card. tit. sancti Laurentii in Lucina ss.
t Ego Guilelmus tit. sancti Petri ad Vincula presb. card. ss.
t Ego lacintus diac. card. sancte Marie in Cosmj^dyn ss.
t Ego Oddo diac. card. sancti Nicholai in carcere Tulliano ss.
t Ego Ardicio diac. card. sancti Theodori ss.
t Ego Boso diac. card. sanctorum Cosme et Damiani ss.
Papsturkunden in Frankreich VII. 109
Dat. Turon. per manum HermaDni sancte Romane ecclesie
subdiaconi et notarii, VIIl^ kal. nouembris, indictione XI^, incar-
nationis dominice anno M^C^LX^II^, pontificatus uero domiii Alex-
andri pape tercii anno quarto.
61.
Alexander III. bestätigt dem Bischof Gan^el'm von Lodeve nach
dem Vorgange Eugens III. die Besitzungen.
Tours- 1162 (OUoher—1163 Januar).
Begest im Bepertorium von 1498 f. 143' (aus dem Liier privile-
icrum episcoporum Lodovensiiim f. 3 und 4) Montpellier Ärch. Dep.
(Eveche de Lodeve).
Zitiert Plantavit p. 90. Vgl. Nr. 26 und 50.
Alexander papa donauit domno Graucelino Lodouensi episcopo
quidquid concessione pontificum aut largitione regum uel alias de
presenti uel in futurum possideret, illibata permanerent et expli-
cuit abbatiam sancti Saluatoris cum ipsa ciuitate Lodouensi cum
ecclesia sancti Petri, ecclesiam sancti Andree cum capellis suis et
cum Castro de Montebruno, ecclesiam de Cornilio cum monte in
quo sita est, de Pegayrol cum uilla et ualle, ecclesiam de Lauroso
cum uilla et ualle, ecclesiam de Rippa cum uilla et parrochia,
ecclesiam cum uilla de Salasco, ecclesiam de Sellis cum uilla, de
Nauas cum uiUa, sancti Fructuosi cum uilla, de Salsis, sancti
Cypriani, de Sobers, de Somonte cum capella, de Planis cum uilla
et cum capellis, sancti Agricole cum capella, de Runimacbo cum
capellis, de Othone, de Moreze, de Claromonte, de Rogas cum
capellis, de Fontecassio, de Goxia, de Marifonte cum capella, de
Aurelas, de Abriniaco, de Caneto, de Orsayrolis, de Auoirate cum
capella, de Bosco, sancti Saturnini cum capellis suis, de Anizate
cum capella, de Seyrate, sancti Andree, de Masoniis, de Cloues,
sancti Genesii cum capella, de Gurgite nigro, sancti Stepbani de
Gorgas, sancti Laurentii de Yalleta cum uilla, sancte Eulalie,
sancti Mauricii cum uilla, uillam de Balmis cum monte, castrum
de Leracio, de Sobeis, de Foderia, de Albayga, de Elzeria, podium
de Gibret, in Bitterrensi comitatu castrum de Nizate, archidia-
conatum sancti Petri, theloneum ex Lodouensi comitatu, quemad-
modum largitione Karoli magni et predecessoris sui Eugenii pape
concessione Lutauensis ecclesia bactenus possiderat. Dat. Turon.,
MCLXU, pontificatus Alexandri tertii anno IIII'\
110 Wilhelm Wiederhold,
Alexander HI. nimmt das Kloster Saini-Pierre de Condom vnter
dem AU Garsias in den apostolischen Schutz und bestätigt ihm die
Besitzungen, die freie Wahl des Abts und das Präsentationsrecht gegen
eine Zahlung von fünf solidi der Landesmünze.
Tours 1163 Juni 5.
Larcher Cartulaire de Condom s, XVIII p. 89 Condom Archives
municipales [B]. — Auszug in Antiquitatum in Vasconia Bcnedicti-
narum pars II von 1680 p. 499 Paris Bibl. Nat. Ms. lat. 12752 [CJ.
J-L. 10879 nach dem Auszug im Ms. lat. 12752. Die Liste der
Besitzungen lautet: Ex dono Ugonis quondam Aginnensis«^ episcopi
quidquid*) in pago Leumanie^^ ex iure patrimonii sui uobis contulit,
uidelieet ecclesiam sancti Petri et locum qui dicitur Condomus cum
Omnibus appendiciis suis, ecclesiam quoque de Grolan'^^ cum omnibus
appendiciis suis, ecclesiam sancti Sigismundi et uillam cum omnibus
appendiciis suis, ecclesiam de Coyssed, ecclesiam sancte Marie de
Cassania*^ et uillam cum omnibus appendiciis suis, ecclesiam de
Bomaco cum omnibus appendiciis suis, ecclesiam sancte Rufine de
Gelebad cum appendiciis suis, ecclesiam de Marsano cum appen-
diciis suis, ecclesiam de Marcarin et uillam que appellatnr Serra
cum omnibus appendiciis suis, ecclesiam de Sendeto''^ cum appen-
diciis suis, ecclesiam de Pujol cum appenditiis suis^\ ecclesiam de
Caltdrod^'^ et uillam cum omnibus pertinentiis suis, ecclesiam de
Neraco et uillam cum appendiciis suis, ecclesiam de Laured '^ cum
omnibus appendiciis suis, ecclesiam de Molas cum appendiciis suis,
ecclesiam de Brus cum appendiciis suis, ecclesiam de Franciscano *^
et uillam cum omnibus appendiciis suis, ecclesiam Saluitatis et
uillam cum omnibus appendiciis suis, ecclesiam de Nadesna cum
omnibus appenditiis suis, ecclesiam de Stasuilla'' cum omnibus
appenditiis suis, ecclesiam de Malauat cum appendiciis suis et
uillam que appellatur Tanuilla cum omnibus appendiciis suis,
ecclesiam de Sagardam*"^ in Ferenciaco "^ ef^ ecclesiam Villanoue,
ecclesiam sancti Gorgonii^^, ecclesiam sancte Gelete inxta castrum
Pardelani, terram que uocatur Calauetum et terram Rilote«^ ec-
clesiam de Captissano'^ et uillam cum omnibus appendiciis suis.
a) Agenni B. h) quicquid J5. c) Leomanie B. d) Golard B.
e) Cassanea B. f) Sendet B. g) Diese Besitzung fehlt in C.
h) Calsdrot B. i) Caused B. 1c) Francescano B. l) Stauilla B.
m) Sagardera B. n) Fezenciaco B. o) et fehlt in C. p) Gorgoni B.
q) Vilote B. r) Caplissa B.
Papsturkundeu in Frankreich YII. Hl
Hoc quoque presenti capitulo subiungimus, ut ipsum monasterium
et abbas eius uel monachi ab omni secuJaris seruitii sint infesta-
tione securi omnique grauamine mundane oppressionis remoti in
sancte religionis obseruatione seduli atque quieti et nuUi seculari
potestati nee uilla nee ipsi monacbi aliqua sint ratione subiecti.
Obeunte nero te nunc ii. s. iv.
Alexander episcopus seruus seruorum Dei. Dilectis filiis
Garsie abbati monasterii sancti Petri siti in loco qni dicitur Con-
domiis eiusque fratrfbus tarn presentibus quam futuris regulärem
uitam professis in perpetuum. Quotiens illud a nobis petitur.
Dat. Turonis per manum*^ Hermanni sancte Eomane ecclesie
subdiaconi et notarii^), non. iunii, indictione XI, incarnationis do-
minice anno MCLXIII, pontificatus uero domni Alexandri pape III
anno IV.
s) magistrum B. t) subdiaconum notarinonis B.
63.
Alexander III. beauftragt den Abt Bertram von Sainte-Croix in
Bordeaux ihn m Epiphanias die notwendigen Beförderungsmittel zu
stellen, Bens (1163—64) November 22.
Fragmenta historiae Aquitanicae IX v. 1679 p. 822 (ex ms. codice
S. Cnicis Burdegalensis) Baris Bibl. Nat. Ms. lat. 12771.
Alexander episcopus seruus seruorum Dei. Dilecto filio B(er-
trando) abbati sancte Crucis Burdegalensis salutem et apostolicam
benedictionem. Quoniam de tua sinceritate plenam spem fidu-
ciamque tenemus, idcirco a tua liberalitate super hiis quibus indi-
gemus, indubitanter consilium pariter et auxilium postulamus.
Quapropter dilectionis tue prudentiam rogamus plurimum atque
monemus, quatinus«) decenti equitatura cum apparatibus suis intra
proximam Epiphaniam nobis ita opportune studeas et liberaliter
prouidere, quod non exinde debeamus probitatem tuam in hac ^) parte
non immerito commendare et multiplices gratiarum actiones referre.
Dat. Senonis X kal. decembris.
a) Im Ms. stellt quatinus in uita decenti u. s. w., womit ich nichts anzu-
fangen u-eiß. b) hec.
112 Wilhelm Wiederhold,
u.
Alexander III. bestätigt dem Abt Bertram und den Brüdern
V071 Sainte-Croix in Bordeaux das Kloster Saint- Macair e.
Sens (1163—64) Dezember 17.
Kopie s. XVII Bordeaux Ar eh. Bep. (Abbaye Sainte-Croix de
Bordeaux B, 27). — Fragment im Monasticon Benedictinum voh IX
f. 152 Baris Bibh Nat. Ms. lat. 12666.
J-L, 10988 nach Ms. lat. 12666. Vgl Gallia Chr. II p, 861 und
Coli. Diqniij 822 f. 109 Paris Bibl. Nat.
Alexander episcopus seruus seruorum Dei. Dilectis filiis Ber-
trauno abbati et fratribus monasterii sancte Crucis salutem et
apostolicam benedictionem. Cum inter uos et filios nostros
monaclios saneti Macarii super obedientia et subiectione, quam uobis
et monasterio uestro ab eis et ab eoiam ecclesia debitam dicebatis,
diutissima iam questio agitata fuisset, tandem uobis et illis pariter
nostro conspectui presentatis, plurimas rationes tam in scriptis
quam in sacrorum canonum ac legum allegationibus et etiam pie
recordationis Calixti et Honorii Romanorum pontificum, quorum
primns E,ome in generali concilio eiusdem ecclesie subiectionem
uestro monasterio adiudicauerat, quod'') et Honorius auctoritate
apostolica confirmauerat, etiam ex instrumento quondam Engolis-
mensis episcopi, tunc apostolice sedis legati, predietam ecclesiam
beati Macarii eidem monasterio uestro cognouimus de iure subiec-
tam, licet aduersa pars instanter contenderet, non ecclesiam mona-
sterio sed personas ipsius loci abbati uestro subditas esse debere.
No8 uero ... de communi fratrum nostrorum consilio auctoritate
sedis apostolice iudicauimus, ut tam ecclesia illa quam monachi eius
perpetuo debeant in obedientia et subiectione uestri sepedicti mona-
sterii permanere. Vt hec nostra decisionis sententia futuris semper
temporibus inuiolabiliter obseruetur, eam uobis et per uos eidem
monasterio uestro auctoritate apostolica confirmamus et presentis
scripti patrocinio communimus. Statuentes ut nulJi omnino homi-
num liceat hanc paginam nostre sententie ac diffinitionis infringere
uel ei aliquatenus contraire. Si quis hoc attentare presumpserit,
indignationem omnipotentis Dei et beatorum Petri et Pauli apo-
stolorum eius se nouerit incu^^surum. Dat. Senonis XVI kal.
ianuar.
*
a) quod feMt, dafür freier Raum.
Papsturkunden in Frankreich VII. 113
65.
Alexander III, befiehlt dem Abt Petrus von La Saiive-majeure ein
für die Mönche von Saint-Macaire bestimmtes Schreiben, das der Abt
von Sainte-Croix nicht überbringen liiolle, diesen zuzustellen.
Sens (1163—64) Dezember 19,
Estiennot Fragmenta historiae Aquitanicae t, IX von 1679 jp. 321
(ex ms. codice s. Crucis Burdegalensis) Paris Bibl, Nat. Ms. lat. 12771.
Vgl. Gallia Chr. II p, 870.
Alexander episcopus seruus sernorum Dei. Dilecto filio Petro
abbati Silue maioris salutem et apostolieam benedictionem. Litteras
quasdam super negotio sanete Crucis dilectis filiis nostris monacliis
sancti Macharii destinamus. Verum quia dilectus fiKus noster
abbas sanete Crucis, qui eis deberet easdem litteras presentare,
non ad eos duxerit ita recenter post latam contra ipsos sententiam
accedendum, rogamus dilectionem tuam atque mandamus, quatenus
litteras ipsas ab eodem abbate recipias et eas predictis monachis
continuo reddere non postponas"\ Dat. Senonis XIV kal.
ianuarii.
a) posponas.
Alexander HL nimmt das Kloster Notre-Bame de la Sauve-
majeure unter dem Abt Petrus in den apostolischen SQhutz und be-
stätigt ihn die Besitzungen, die Zehnten, die Freiheit vom Interdikty
die freie Äbtswahl, die Sepultur und das Präsentationsrecht,
Sens 1164 Juni 11,
Chartularium maius Silvae majoris s, XIII p. 312 Bordeaux Bibl.
Comm. Ms. 769 vol. IL — Chartidarium minus s. XIV p, 205 ebenda
Ms. 770.
Die Besitzungen sind: Ecclesiam sancti Dyonisii de Brocbares
cum Omnibus pertinentiis suis, Broellam, Bellamuallem, Chintreium,
Griseium, sanctam Probam, sanctum Paulum, sanctum Leodegarium
cum Omnibus ad eas pertinentibus, Noui, Balbi, Sauxeium, Luge-
rium, ecclesiam de Bonacurte, ecclesiam de Griseio"), ecclesiam de
Seio cum omnibus pertinentiis suis, ecclesiam Braccensem cum
appendentibus *) capellis scilicet de laponino Sarco, de Capella, de
a) vorher getilgt Ceio. b) cum appendentibus cum appendentibus.
Kgl. Ges. d. Wiss. Nachrichten. Phil.-hist. Klasse. 1913. Beiheft. 8
\l4i Wilhelm Wiederhold,
Faidegnetj ecclesiam de Amoseio, capellani de Monte Ermerio,
Corne . . m, Caprariam, ecclesiam sancti lohannis de Breis, eccle-
siam saneti Simphoriani de Combloso, ecclesiam de Neronisuilla
cum pertinenciis earmn, ecclesiam sancte Marie de Sopis cum tota
decima et aliis pertinenciis suis, quartam partem ecclesie de Er-
mauuilla et medietatem decime et terram quam habetis in parro-
chia, ecclesiam Dunonis et Beline et filiorum suorum, terram de
Sez cum molendinis, totum usuarium in nemore de Lanci et man-
suram cum pratis, Chametum ex dono Alberici Clementis et Amau-
rici quicquid uobis oblatum fuerit de feodis eorum, ex dono Adam
de Chale et Gilonis filii eins decem solides apud Seiam et terram
de Fontenas et uiuarium et quicquid intuitu Dei uobis datum
fuerit de feodis eorum, ex dono Guidonis uicecomitis tres modios
annone in molendinis de Banals, ex dono Alberici Forestarii et
uxoris sue molendinum de Noiseto, ex dono Rainardi de Limaiz
totum usuarium in nemoribus suis preter forestam de Grodeio, in
ecclesia Caneuarum duas partes decime et medietatem oblationum
et omnium ad ecclesiam pertinencium, ex dono R-oberti Clementis
et uxoris sue quicquid uobis rationabiliter oblatum fuerit de feodis
eorum, ex dono Hulrici Mothet et filii eins molendinum de Penpeol.
molendina de Lonrei cum adiacenti aqua, ex dono Berengerii '^^ de
Gislereio et matris eins modium annone in molendino de Gislerio,
donum Heruei Torquarth, decimam de Curia Dispoliata, ex dono
domne Lucie modium annone et modium uini apud Castanetum et
Condretum, Darueiam cum adiacenti terra, terram de Damont,
quicquid habetis in decima de Fromunuilla, medietatem decime de
Nemos et ea que habetis in parrochia eadem. Sane noualium ?/. s. ir.
his presumat exigere. Rationabiles etiam libertates et consuetudines
a comitibus Pictauensibus, baronibus Vasconie et ab illustri rege
Anglorum et regina uxore eins uobis concessas*^), sicut in auten-
ticis scriptis eorum continetur, uobis auctoritate apostolica confir-
mamus. Cum autem generale u. s. iv.
Alexander episcopus seruus seruorum Dei. Dilectis filiis Petro
abbati sancte Marie Silue maioris eiusque fratribus tam presentibus
quam futuris regulärem uitam professis in perpetuum. Religiosis
desideriis dignum est.
Dat. Senonis per manum Hermanni'^ sancte Romane ecclesie
subdiaconi et notarii, III id. iunii, indictione XII, incarnationis
dominice anno M*'C^LX°IIII^, pontificatus uero domni Alexandri
pape m anno Y^K
c) Beregerii. d) concessa sunt. e) Hermani. f) II.
Papsturkunden in Frankreich VII. 115
67.
Alexander 111. verleiht dem Prior Petrus und den Brüdern von
Neronville die Sepultur. Bens (1164) Juni 11,
Chartularium malus Silvae maioris s. XIll p. 314 Bordeaux Bibl.
Conim. Ms. 769 vol. 11. — Chartidarium minus s. XIV p. 206 ebenda
Ms. 770.
Nach Mitteilung von Herrn A. Leroiix in Bordeaux zitiert
Annales du Gätinais Xlll (1895) p. 364. Vgl. Stein Nr. 2709.
Alexander episcopus seruus seruorum Dei. Dilectis filiis Petro
priori et fratribus de ^sTeronisuilla salutem et apostolicam bene-
dictionem. lustis petentium"^ desideriis dignum est facilem
prebere consensum et uota que a rationis tramite non discordänt,
effectu sunt proseqnente complenda. Eapropter, dilecti in Do-
mino filii, uestris iustis postulationibus grato coneurrentes assensu,
sepulturam monasterii uestri liberam esse concedimus, ut eorum
deuotioni et extreme uoluntati, qui se illic sepeliri deliberauerint,
nisi forte excommunicati sint uel interdicti, nullus obsistat, salua
tarnen illarum ecclesiarum canonica iusticia, a quibus mortuorum
Corpora assumuntur *). NuUi ergo omnino hominum liceat hanc
paginam nostre concessionis infringere uel ei aliquatenus contraire.
Si quis autem hoc attemptare presumpserit, indignationem omni-
potentis Dei et beatorum Petri et Pauli apostolorum eius se nouerit
incursurum. Dat. Senon. III id. iunii.
a) petancium. 5) assumentur.
68.
Alexander III. nimmt das Kloster Notre- Barne de la Sauve-
majeure unter dem Äbt Petrus in den apostolischen Schutz und be-
stätigt ihm die Besitzungen^ die Schenkungen der Grafen und Barone
von Poitou und Gascogne und des Königs und der Königin von Eng-
land, die Sepidtur, die Freiheit vom Interdikt, das Präsentationsrecht
und die freie Wahl des Abtes. Sens 1165 Januar 3.
Kopie von 1553 VI 10 Bordeaux Ar eh. Bep. (Äbbaye de La Sauve
H. 12).
In der Mitte der Pergamentkopie sind vier Reihen Schrift durch
Chemikalien vollständig zerstört. Auch die ausführlichen Regesten des
8*
116 Wilhelm Wiederhold,
„Inventaire des titres 16J21" (H, 266) f. 101' (nach Kopien von
1559 I 29 und 1613 VII 9) und in Dom Etienne du Laura Histoire
de la Seauve-majour (Bordeaux Ar eh. Comm.J f. 83 und f, 210 reichen
nicht aus zur sicheren Wiederherstellung, Die Liste der Besitzungen
lautet: capellam sancti Petri, que est in ipsa uilla Silue maioris;
in Xanctonensi diocesi ecclesiam sancti Nicolai de Eoiano, eccle-
siam sancte Marie Insule que est in Aruento, pratum Furonelli;
in Burdegalensi pago ecclesiam sancti Andree de Nomine Domini,
saluitatem de Preriaco, podium Dodonis, ecclesias sancti Christo-
fen et sancti Seuerini, ecclesias sancti Martini et sancti Saturnini
de Poboenss, apud sanctum Lupum ecclesiam sancti Petri, acqui-
sitiones Bonafossi apud Barse, ecclesiam de Senon prope Burde-
galam, in uilla que dicitur Estures ecclesiam sancti Laurentii"^,
quicquid habetis apud Broiam et apud lalam; in Burdegalensi
ciuitate domum quam habetis iuxta ecclesiam sancti Andree cum
pertinentiis suis, domus uestras de la Rocella, capellam Fontis
Camillati, Castalactum, Madiracii, sanctum Sidonium cum decima,
Curbiliacum, ecclesiam sancti Christofori de Anarotus, Agazacmo,
grangiam de Carenzaco, grangiam de Mauferat cum terra de Bu-
nassa, grangiam de Monte Fatulo cum terra Fontis Qrauosi, cap-
pellam de Genzac, ecclesias de Haonaus, de Camiaco, de Spineto,
terram de Casasola, ecclesiam de Damaco, de Ardenatio, de Ag-
liaco, de Guibon et sancti Germani de Cumpeth et Belliabbatis et
sancti Leonis Montiniacam, ecclesiam de Banal, ueteres Benaugias,
uillam de Crana, ecclesiam de Porteto, uillam de Cranione, cap-
pellam sancti Romani de Lupiaco cum pertinenciis suis; in Petro-
goricensi diocesi campum Martini Sasinnacum, ecclesiam de Escori-
naco et de Pisone, cappellam sancti Hylrici et sancti Nycolai de
Gorroy, ecclesiam de Lubehac et de Minziaco, ecclesias sancti
Saturnini de Puteo, sancte Marie de Bellopodio et de Lunacio,
Verinam, ecclesias de Croisia et de Sarecto Pastore, de Cadeilogis,
de Causaco, de Atenaco, sancti Pardulphi cum pertinentiis suis ; in
Basathensi diocesi [ecclesiam de Blazimont cum pertinentiis suis,
ecclesiam de Brana et sancti lohannis de Blaniaco et de Lubaco,
de Custeto, de Rufo, Sarraco et de Coraco, de Festabis et sancte
Marie de Laigon, obedientiam de Hilaco, de Lagadella
cum Omnibus pertinenciis suis; in Agennensi diocesi ecclesiam de
Mairialiaco, ecclesiam sancte Marie de Culturis et de ,
sancti Stephani, sancti Auiti, sancti Petri de Gontault, de Monhurt,
de Marimont et de Galen, ecclesiam sancti Caprasii de Lauerdac,
a) Laurenti.
Papsturkunden in Frankreich YII. 117
ecclesiam sancti Anthonii de Aginno, sancti Raphini et de Runault
et de Cambeose, sancti Siluestri de Penna; in Cadurcensi diocesi
monasterium monialium scilicet Pomaretam cum prioratibus eccle-
siis et aliis possessionibus suis et saluitatem de Blancbef orte ; in
Auxitanensi diocesi prioratum de Grauarret cum decima et censu
totius uille, furnis et aliis possessionibus suis, prioratus de Malnesin,
de Lucader, de Percberia, de Gilo, de Boga, de Canenx; in Ara-
gonensi diocesi prioratus de Rosta, de Vnocastello, de Exea et de
Pratella, de Alcalla cum ecclesiis decimis et aliis possessionibus
suis; in Lincolnensi diocesi in Anglia prioratum de Bruella cum
pertinenciis suis ^\ in Cameracensi diocesi abbatiam sancti Dionysii
de Brocares cum pettinentiis suis, in Suessionensi diocesi prioratus
sancti Leodegarii et sancti Pauli et Belleuallis
cum pertinentiis earum et sancte Probe et Gisetii
Lubecimii de Datio et
de Sero cum pertinentiis earum, ecclesiam Braccensem cum appen-
dentibus capellis, scilicet de lapoiinis, Sarto, de Compelis, de Faidi
Suees de anno omerium, Capraziam.
Alexander episcopus seruus seruorum Dei. Dilectis filiis Petro
abbati monasterii sancte Marie Silue maioris eiusque fratribus tam
presentibus quam futuris regulärem uitam professis in perpetuum.
Quotiens illud a nobis petitur.
R. Ego'^) Alexander catholice ecclesie episcopus ss. BV.
f Ego Hubaldus Hostiensis episcopus ss.
f Ego Bemardus Portuensis et sancte Rufine episcopus ss.
f Ego Gualterius '^^ Albanensis episcopus ss.
f Ego Hubaldus presb. card. tit. sancte Crucis in Jerusalem ss.
f Ego [Henricus] presb. card. tit. sanctorum E'erei et Achillei "^ ss.
t Ego [Johannes] presb. card. tit. sancte Anastasie ss.
t Ego [Albertus] presb. card. tit. sancti Laurentii in Lucina ss.
f Ego [Guillelmus] tit. sancti Petri ad Vincula presb. card. ss.
f Ego lacintus diac. card. sancte Marie in Cosmydyn ss.
f Ego Odto diac. card.'^ sancti Nicolai in carcere TuUiano^^ ss.
f Ego Boso''^ diac. card. sanctorum Cosme et Damiani ss.
t Ego Cinthius diac. card. sancti Adriani ss.
t Ego Petrus diac. card. sancti Eu[stachii iuxta templum]
Agrippe ss.
t Ego Manfredus diac. card. sancti [Georgii ad Velum au-
reum ss].
b) Hier werden die Lesungen ganz unsicher. c) Vor Ego noch ein f.
d) Goalterius. e) Neri et Achile. f) card. fehlt. g) Tuliano.
h) Bep.
113 Wilhelm Wiederhold,
Dat. Senon. per manum Hermanni sancte Romane ecclesie
subdiaconi et*) notarii, III non. ian,, indictione XIII, incarnationis
dominice anno M^C^LX^V^, pontificatus uero domni Alexandri
pape m anno sexto.
i) suhdiaconi et fehlt.
69.
Alexander HL bestätigt dem Prior Arnold und den Brüdern
von Novy eine ihm von dem verstorbenen Erzbischof Sanison von Rheims
gesclienhte Kirche. Montpellier (1165) Juli 22.
Chartularium maius Silvae majoris s. XIII p. 442 Bordeaux Bihl.
Comm. Ms, 769 vol. II.
Die ecclesia Braccenensis ivird schon in der Urkunde von 1164
VI 11 (Nr, 66) als Braccensis ecclesia unter den Besitnmgen mit
aufgeführt. Das CJmrtular von Novy in Ärch. Dep. des Ardennes
(vgl. Bevue historique des Ardennes VI (1868) p. 41 und 57) enthält
eine Urkunde Alexanders III, von (1168—69) V 23, aber keine Über-
lieferung unserer Urkunde.
Alexander episcopus seruus seruorum Dei. Dilectis filiis Ar-
naldo priori et fratribus monasterii de Noueii salutem et aposto-
licam benedictionem. lustis petentium desideriis dignum est
nos facilem prebere eonsensum et uota que a rationis tramite non
discordant, effectu sunt prosequente complenda. Eapropter, dilecti
in Domino filii, uestris iustis postulationibas grato concurrentes
assensa, ecclesiam'*^ Braccenensem^^ monasterio uestro iuste colla-
tam, quam bone memorie Samson quondam Remensis^^^ arcbiepi-
scopus'^^ tunc apostolice sedis legatus, uobis legationis qua funge-
batur et sua auctoritate confirmasse dinoscitur, sicut in autentico
scripto eiusdem archiepiscopi continetur, mediantibus dilectis filiis
nostris abbate ac fratribus Silue maioris, ecclesie uestre cum Omni-
bus pertinentiis suis auctoritate apostolica confirmamus et presen-
tis scripti patrocinio communimus. Statuentes ut nuUi omnino
hominum liceat hanc paginam nostre confirmationis infringere uel
ei aliquatenus contraire. Si quis autem hoc attemptare presump-
serit, indignationem omnipotentis Dei et beatorum Petri et Pauli
apostolorum eius se nouerit incursurum. Dat. apud Montem-
pessulanum XI kal. aug.
a) ecclesiam fehlt. b) Braccenensi. c) Remensi. d) archiepiscope.
Papsturkunden in Frankreich VII. 119
70.
Alexander III. bestätigt dem Meister und den Brüdern vom
Tempel die Freiheit von allen Zehnten,
Montpellier (1165) August 11.
Orig. Toidouse Ar eh. Dep. (Ordre de Malte H. 99 Nr. 3).
Alexander episcopus seruus seruorum Dei. Dilectis filiis ma-
gistro et fratribus militie Tempil | salutem et apostolicam bene-
dictionem. Et iniuncti nobis a Deo apostolatus honorificamus
officium et in die | messionis extreme sempiterne felicitatis premia
expectamus, si religiosorum uirorum quieti | attenta cura prospi-
eimus et rationabilibns eorum petitionibus facilem prebemus assen-
sum. J Eapropter, dilecti in Domino filii, paci et quieti uestre in
posterum prouidere uolentes, | apostolica auctoritate statuimus, ut
nnlli omnino hominum liceat decimas noualium | uestrorum, que
propriis manibus uel sumptibus Colitis, seu nutrimentorum animalium
uestrorum a uobis | exigere uel auferre. Si quis autem hoc attemp-
tare presumpserit, indignationem omnipotentis | Dei et beatorum
Petri et Pauli apostolorum eins se nouerit incursurum. | Dat.
apud Montempess. III id. aug. |
B.
71.
Alexander III. ermahnt den Bisehof von Ba^as, sich jeglicher
Gemeinschaft mit den vom Abte von Sainte-Croix und vom Erzbischof
von Bordeaux auf Befehl des Papstes ivegen ihrer UnbotmäßigJceit
exTimnmunizierten Mönchen von Saint-Macaire zu enthalten.
Lateran (1166—67) Februar 12.
Estiennot Fragmenfa historiae Aquitanicae f. IX von 1679 p. 3M
Paris Bibl. Nat. Ms. lat 12771.
Alexander episcopus seruus seruorum Dei. Yenerabili fratri
Vazatensi episcopo salutem et apostolicam benedictionem. Per-
latum est ad audientiam nostram et ualde miramur, quod monachis ^^
sancti Macbarii, qui propter inobedientiam et rebellionem suam
tam ab abbate sancte Crucis quam a uenerabili fratre nostro Bur-
degalensi arcbiepiscopo, apostolice sedis legato, de mandato nostro
excommunicati sunt, irreuerenter comunicas et eos tamquam abso-
tt) monachi.
120 Wilhelm Wiederhold,
luti essent, ad diuina officia recipere non formidas. Vnde quoniam
scriptum est : Quibus non comunicat iste clemens, nee tu comunices,
fraternitati tue per apostolica scripta precipientes mandamus, qua-
tenus, donec ipsi ad mandatum et obedientiam predicti abbatis
humiliter redeant, cum eis nullam participationem habeas, sed illos
tamquam excomunicatos attentius euites et per totam parrochiam
tuam facias propensius euitari. Si enim illis ulterius tali modo
comunicare presumpseris, te participem damnationis eorum consti-
tues neque nos id poterimus dissimulatione aliqua impunitum relin-
quere. Dat. Laterani II idus februarii.
73.
Alexander III. ermalmt den AU und die Mönche des Klosters
Clusa, sich von jeder .Gemeinschaft mit den exkommunizierten Mönchen
von Saint-Macaire in Bordeaux fernzuhalten.
Lateran (1166—67) Februar 13.
Estiennot Fragmenta historiae Aquitanicae t. IX von 1679 p. 325
Paris Bihl. Nat. Ms. lat. 12771.
um welches Kloster Clusa es sich hier handelt, vermag ich noch
nicht festzustellen.
Alexander episcopus seruus seruorum Dei. Dilectis filiis abbati
et fratribus de Clusa salutem et apostolicam benedictionem.
Quanto uos et ecclesiam uestram feruentiori caritate diligimus et
pro deuotione ecclesie ac nostra maiores uos quotidie expensas et
incommoditates sustinere conspicimus, tanto amplius dolemus atque
perturbamur, si que sinistra de uobis nostris auribus referuntur.
Suggestum siquidem nobis est, quod uos monachis sancti Macharii,
cum sint excomunicati, passim communicatis et cum eis in diuinis
officüs et in aliis magis quam expediret, participationem habetis.
Vnde quoniam ''^ honestati uestre et omnino contrarium rationi
existit, ut quos Romanus pontifex pro suis excessibus damnat, eos
tali modo recipiatis, unde dilectioni uestre per apostolica scripta
mandamus et mandando precipimus, quatenus predictos monachos,
donec ad mandatum et obedientiam abbatis sancte Crucis redeant,
sicut excomunicatos uitetis et eis nullo modo comunicetis aut re-
ceptaculum impendatis, ne uos ipsos damnationis eorum participes
constituatis et enim, sicut non debemus, quousque sententia nostra
a) quam.
Papsturkunden in Frankreich YIL 121
executioni mandetur, uobis contra predictum abbatem uel ecclesiam
suam nullo modo audientiam prestabimus, sed postquam executioni
fuerit sententia ipsa mancipata, uos benigno animo audiemus et
uobis tamquam dilectis filiis in iure uestro adesse Domino auxili-
ante curabimus. Dat. Laterani idibus februarii.
73.
Alexander III. ermahnt den Er^Uschof (von Bordeaux) den Abt
von Sainte-Croix in der Äufrechterhalfung seiner Rechte über die Kirclie
von Saint- Macair e m unterstützen.
Lateran (1166—67) Februar 15.
Estiennot Fragmenta Mstoriae Aquitanicae t. IX von 1679 i). 826
Paris Bibl. Nat. Ms, lat. 12771.
Alexander episcopus seruus seruorum Dei. Venerabili fratri
Burdegalensi**' archiepiscopo salutem et apostolicam benedictionem.
Notum sit uobis, quia clamor dilecti filii nostri^) abbatis sancte
Crucis de inobedientia monachorum et de rebellione ecclesie sancti
Macharii ad nostras^) aures sepissime peruenit. Multis enim ex
utraque parte pertractatis rationibus et autboritatibus super mo-
nachos et ecclesiam sancti Macharii, predictum abbatem eam de
iure obtinere nouimus; idcirco benigne uos deprecamur^^ ut iusti-
tiam abbatis et ecclesie sancte Crucis manuteneatis et secundum
nostre*^ sententie tenorem et nostrorum'') antecessorum
deretis. Dat. Laterani XV kal. martii.
a) Dilecto filio Bituricensi. V) filii nostri felilt. c) meas.
d) deprecor. e) mee. f) meorum.
74.
Alexander IIL nimmt die Kirche von Chartres unter dem DeJcan
Gaufried nach dem Vorgange Lucius' IL in den apostolischen Schutz
und bestätigt ihr alle Rechte, Benevent 1168 Oldober 9.
Privileges de Veglise de Chartres s. XV f. 35 To^douse Bibl.
Comm. Ms. 590.
J-L. 14225. Der nicht formelhafte Teil des Textes lautet: Illud
eciam quod pro seruicio eiusdem genitricis Dei et honestate Car-
notensis ecclesie a uobis rationabili prouidencia statutum est, per
122 Wilhelm Wiederhold,
presentis scripti paginam confirmamus et ratum manere censemus,
nidelicet oblaciones altarium de uillis uestris, annone de molendinis
minute, decimaciones, prouentus nemorum et quedam alia iam a
uestra discrecione coneessa u. s. w. wie Lucius II. Nr. 24,.
Alexander episcopus seruus seruorum Dei. Dilectis filiis
Gauffrido decano ceterisque canonicis Carnotensis ecclesie tarn
presentibus quam futuris canonice substituendis in perpetuum.
Quociens illud a nobis petitur.
R.''^ Ego Alexander catbolice ecclesie episcopus ss. BV.
f Ego Hübaldus presb. card. tit. sancte Crucis ss.
t Ego Boso presb. card. sancte Pudenciane tit. Pastoris ss.
f Ego tetrus presb. card. tit. sancti Laurentii in Damaso ss.
f Ego Tbeodinus presb. card. sancti Vitalis tit. Vestine ss.
f Ego Ardicio diac. card. sancti Theodori ss.
f Ego Manfredus diac. card. sancti Georgii ad Velum au-
reum ss.
f Ego Hugo diac. card. sancti Eustachii iuxta^) templum
Agrippe ss.
Dat. Beneuent. per manum Grratiani sancte Romane ecclesie
subdiaconi et notarii, VII id. octobris, indictione II, incarnacionis
dominice anno M^C^LX^VIII^, pontificatus uero domni Alexandri
pape III anno decimo.
a) R, BV felilen, ebenso überall f und ss. b) iusta.
75.
Alexander III. überträgt dem Bischof Johannes von Maguelone
die Leitung der Klöster Saint- Genes und Saint-Felix.
Benevent (1168—69) Juni 2.
Bullaire de Veveche de Maguelone s. XIV f. 56' und /. 120
Montpellier Ar eh. Dep. (Eveche de Maguelone - Montpellier) . — Car-
tulaire E de Veveche de Montpdlier s. XIV f. 53 ebenda. — Bullae
et privilegia episcopattis Magalonensis s. XIV f. 69 Paris Bihl, Nat.
Ms. lat, 14688.
J-L. 11545 nach Ms. lat. 14688.
ALEXANDER episcopus seruus seruorum Dei. Venerabili
fratri Johanni Magalonensi episcopo salutem et apostolicam bene-
dictionem. Officii nostri debitum diligentius attendentes et
fidei et deuotionis puritatem, quam circa nos et ecclesiam Roma-
Papsturkunden in Frankreich VII. 123
nam multipliciter exhibuisse dinosceris, ad animum studiosius reuo-
cantes, petitiones tuas, in quibus cum Deo possumus prompte animo
exaudimus et eas eflicaciter promouere curamus. Inde siquidem
est quod nos petitione tua inducti dispositionem et regimen sancti
Genesii et sancti Felicis monasteriorum, in quibus Dei laudibus
audiuimus insistentes, deuotioni tue auctoritate apostolica confir-
mamus secundum quod eadem monasteria predecessores tui usque
ad hec tempora sub prouisione et tutela sua consueuerunt habere.
Decernimus ergo ut nulli omnino hominum liceat hanc paginam
nostre confirmationis infringere uel ei aliquatenus contraire. Si
quis autem hoc attemptare presumpserit , indignationem omni-
potentis Dei et beatorum Petri et Pauli apostolorum eins se no-
uerit incursurum. Dat. Beneuenti IUI non. iunii.
76.
Alexander III. nimmt die Kirche von Saint -Romain de Blaye
nach dem Vorgange Innocenz^ II. und Hadrlans IV. in den apo-
stolischen Schutz und' bestätigt ihr die Besitzungen und Rechte,
namentlich die Freiheit vom Interdikt und die freie Wahl des Abts,
Benevent 1169 April 9.
Estiennot Fragmentorum Historiae t, XI v, 1681 p, 68 Paris
Bill. Nat. Ms. lat. 12773.
J-L. 11612. Die VorurJcimde Hadrians IV. ist verloren. Die Be-
sitzungen sind: In archiepiscopatu Burdegalensi ecclesiam sancti
Mariani cum appendiciis suis, ecclesiam sancti Symphoriani de
Taurac, ecclesiam sancti Petri de Camiliano, ecclesiam sancti Mar-
tini de Burgo; in Xantonensi episcopatu ecclesiam sancti Andree
de Campania cum appendiciis suis, ecclesiam sancte Marie Magda-
lene de Cauma, ecclesiam sancti Laurentii de Hopha cum per-
tinentiis suis, ecclesiam sancti Palladii, ecclesiam sancti Sym-
phoriani de Castaneto, ecclesiam sancti Petri de Clauardino.
Alexander episcopus seruus seruorum Dei. Dilectis filiis in
Christo abbati ecclesie sancti Romani de Blauia eiusque fratribus
tam presentibus quam futuris regulariter substituendis in perpe-
tuum. Pie postulatio uoluntatis.
R. Ego Alexander catholice ecclesie episcopus ss. BV.
f Ego Ybaldus Ostiensis episcopus ss.
t Ego Bemardus Portuensis et sancte Rufine episcopus ss.
f Ego Ybaldus card. presb. (tit. sancte Crucis) ss.
124 Wilhelm Wiederhold,
f Ego Joannes presb. card. sanctorum Joannis et Pauli tit. Pa-
machii ss.
f Ego Albertus presb. card. tit. sancti Laurentii in Lucina ss.
f Ego Boso presb. card. sancte Pudentiane tit. Pastoris ss.
f Ego Petrus presb. card. tit. sancti Laurentii in Damaso ss.
f Ego Joannes presb. card. tit. sancti Mar ei ss.
f Ego Theodinus presb. card. sancti Vitalis tit. Vestine ss.
f Ego Hyacinthus diac. card. sancte Marie in Cosmedin ss.
f Ego Arditio diac. card. sancti Theodori ss.
f Ego Cynthius diac. card. sancti Adriani ss.
t Ego Hugo diac. card. sancti Eustachii iuxta templum
Agrippe ss.
f Ego Vitellus diac. card. sanctorum Sergii et Bacchi ss.
f Ego Petrus diac. card. sancte Marie in Aquiro ss.
Dat. Beneuenti per manum Gratiani sancte Romane ecclesie
subdiaconi et notarii , V id. aprilis , indictione II, incarnationis
dominice anno MCLXIX, pontificatus uero domni Alexandri pape
in anno X^.
7:.
Alexander III. nimmt die Kirche von Saint-Caprais in Ägen in
den apostolischen Schutz und bestätigt ihr die Besitzungen, die freie
Wahl des Priors, den Kloster frieden, die Sepultur und ihre Hechte
in der Stadt Agen gegen jährlicJie Zahlung eines Byzantiers,
Benevent 1169 Mai 14.
Kopie s. XIII Toulouse Arch. Bep. (Ahbaye de Saint-Sernin
Liasse 80 titre 4).
J-L. 11621 y nach dieser Kopie. — Ber nicht formelhafte Text
lautet: Ecclesiam sancte Marie de
cum uilla et omnibus appenditiis suis, ecclesiam sancti Petri de
Saluitate cum uilla et omnibus appenditiis suis, ecclesiam sancti
Johannis de Belen o, ecclesiam
sancti Petri de Bines et capellam sancti Michaelis de Altaripa,
ecclesiam sancti Caprasii de Corneliano cum uilla
elano cum uilla et omnibus appendiciis suis, eccle-
siam sancti Caprasii de Martirio, ecclesiam sancti Ylarii de Aginno,
ecclesiam sancti , ecclesiam sancte
Crucis de Podio, ecclesiam sancte Marie de Runaldo, ecclesiam
sancti Sulpitii, ecclesiam sancti Caprasii de Caissaco, ec[clesiam
ni de terra Fossa. ecclesiam sancti Martini
de Medico, ecclesiam sancti Saturnini de Artigiis, ecclesiam sancte
Papsturkunden in Frankreich VII. 125
Marie de B ecc]lesiam de Canuas, ecclesiam
sancti Laurentii de Balsarenes, ecclesiam de Rodolos, ecclesiam
sancti Petri de Casa no eccjlesiam sancti
Medardi de Floiriaco, ecclesiam sancti Petri de Floriaco, ecclesiam
sancte Marie de Arpeitto, ecclesiam Quinsac,
ecclesiam sancte Marie de Montaguzor, ecclesiam sancte Columbe,
ecclesiam sancti Aniani, ecclesiam sancti ecclesijam
sancti Petri de Merenes, ecclesiam sancti Caprasii de Heremo,
ecclesiam sancti Damiani, ecclesiam sancte Eulalie, ecclesiam s . . .
iani de Baissaguel, ecclesiam sancte Marie de Ca-
pella, ecclesiam de Marsoles, ecclesiam de Pao, ecclesiam sancti
Aniani ultra Garonnam en Broles, ecclesiam
sancti Petri de Aulinac, ecclesiam sancte Marie de Bonobusco,
ecclesiam sancti Genesii de Broles, ecclesiam de Montanac. Ad
hec diffinitionis sententiam, quam sancte recordationis predecessor
noster Vrbanus papa super controuersia que inter ecclesiam ue-
stram et ecclesiam sancti Stepbani uertebatur, olim protulisse
dinoscitur, sicut in autentico scripto ipsius exinde facto continetur,
uobis et per uos eidem ecclesie uestre auctoritate apostolica con-
firmamus et, quemadmodum idem antecessor noster ecclesie uestre
prepositure, sacristie et eins qui capud scole dicitur offitii digni-
tatem perpetuo possidendam firmauit cum omnibus ecclesiis que
sub eins iure consistunt, ita quoque nos presenti scripto duxi-
mus confirmandam. Obeunte uero te u. s. w. Paci et tranquilli-
tati w. s. IV, Crisma uero oleum sanctum u. s. w. Sepulturam
quoque ii. s. w. Antiquas preterea et rationabiles consuetudines
uidelicet leidarales canas et becariam et alias leidas et consuetu-
dines, quas in ciuitate Aginni et extra a comitibus Pictauensibus
et Vasconie usque ad hec tempora babuistis, saluitatem et immuni-
tatem a comitibus Vasconie infra ambitum ecclesie uestre con-
cessam scripti nostri munimine roboramus et parrocbiam uestram,
sicut bucusqüe in pace babuistis, ita et deinceps habeatis. Decerni-
mus ergo ut u. s. w. Ad inditium autem a sede apostolica per-
cepte protectionis bizantium unum nobis nostrisque successoribus
annis singulis persoluetis. Si qua igitur u. s. w.
Alexander episcopus seruus seruorum Dei. Dilectis filiis B.
priori ecclesie beati Caprasii, que apud Aginnum sita est, eiusque
fratribus tam presentibus quam futuris canonicam uitam professis
in perpetuum. Apostolici moderaminis elementie.
Dat. Beneuent. per manum Gerardi sancte K-omane ecclesie
notarii, II id. madii, indictione II, incarnationis dominice anno
M^C^LXVini, pontificatus uero dompni Alexandri pape III anno X.
126 Wilhelm Wiederhold,
78.
Alexander III. nimmt das Kloster Nofre-Dame de la Sauve-tria-
jeure unter dem Abt Petrus in den apostolischen Schutz und bestätigt
ihm die Besitzungen^ das Aufnahmer echt, die Freiheit vom Interdikt
und die Zehnten. Benevent 1169 Bezemher 23.
Chartularium rnaius Silvae majoris s. XIII p. 276 Bordeaux
Bibl. Comm. Ms. 769 vol. II — Chartularium minus s. XIV p. 191
ebenda Ms. 770.
Ber nicht formelhafte Teil des Textes lautet: Ex dono bone me-
morie Elgoti Suessionensis episcopi altare sancti Pauli, potestatem
sancti Pauli cum silua Magniconfisi, quam dedit monasterio uestro
Eam(undus) filius Teconis libere et quiete, nullum ius, nuUam do-
minationem, nuUam iusticiam, nullam consuetudinem nee ipse nee
Ingerannus domnus eius ibi retinentes. decimam sancti Pauli
magnam et minutam. altare de Lapion cum tota ecclesia et per-
tinenciis et tota decima et medietatem de Tileio in omnibus sci-
licet in siluaticio et pascuis cum tota decima, furnum, inuentionem
apum, medietatem uille, pratum quod est de dominio uille. decimam
de Machaneio magnam et minutam. ällodium apud uillam Montis,
altare de Temi et altare Noueuille cum pertinentiis suis,
, totam potestatem de Valle, uillam cum uiuario, alteram
ripam cuius dedit Guido de Yirziaco et uxor eius Helizabeth et
terras ad faciendum aggerem, sicut Hugo Lisiardus loeslenus et
Manasses episcopi Suessionenses, de quorum feudo pars donationis
erat, concesserunt et confirmauerunt et Almandus episcopus Lau-
dunensis, de cuius feudo altera pars erat, dedit et concessit et In-
gerrannus successor eius dedit et scripto proprio roborauit, et usua-
rium totum in nemore et pascuis de Faui, quod dederunt Girardus
Libory de Ceresi et Gir(ardus) nepos eius, et ad furnum ipsius
uille et uineas suas et torculana et usuarium de Chanei, quod
dedit Eliuz uxor Girardi Liborne, medietatem cepei, quam dedit
Ram(undus) comes Suessionensis et loslenus episcopus contirmauit
et alteram medietatem, quam dedit Albericus Peslet miles ad cen-
sum quindecim solidorum, donum Hog(onis) de Sali, apud Oiri
molendinum et uineam et mumatiis de Berlenual, tres modios uini
quos dedit ipse et 0. de Fontenoi, altare de Selenz quod dedit
loslenus Suessionensis episcopus consentiente Herestredo clerico,
qui eum tenebat iure hereditario, et tertiam partem maioris decime
et totam minutam et inter sepia altare de sancto Albino quod
Papsturkunden in Frankreich VII. 127
dedit I(oslenus) episcopus Suessionensis consentiente Normano milite,
Albanios apud sanctum Paulum, quos dedit Ilgeramus de Cozeio
donum lohannis Gubardi, scilicet quiequid reclamabat apud sanctum
Paulum, medietatem de Trunclieio in nemore et in piano, decimam
de Plaiche, donum Bouonis de Trosli in nemore et piano et apud
sanctum Paulum, ex dono luonis filii eiusdem'') Bouonis quiequid
a mortuo riuo usque ad sanctum Paulum et quiequid habebat super
uiam que ducit a sancto Albino ad Selenz in monte et ualle, et
decem et octo denarios annuos in Droluncurt, ex dono Aloti et
uxoris eins partem suam in decima uinearum et noualium de Bel-
uede, ex dono Drogonis camerarii et uxoris eins hoc quod uobis
donauit apud Trosli et quiequid babebat apud Caloe, ex dono
Drogonis Loluup et patris eins quiequid habent monachi uestri de
sancto Paulo apud Chaon et apud Mormolendum et pontem de
Cbaon et de Giuni et Dumbercurt de tota uilla sancti Pauli, ex
dono Alduini presbyteri quiequid habebat apud Giuni, ex dono
Petri Pilati Patrimonium totum de Guni, ex dono Guidonis de
Guni et uxoris eins mussinas de uineis uestris quatuor et censum
nummorum quem debebant eis monachi et Haiam post mortem
eiusdem Guidonis, ex dono''^ Guidonis castellani et Guidonis filii
sui duos modios frumenti annuatim apud Nancellur, ex dono Gui-
donis castellani et omnium uicecomitum de Trosli et omnium par-
ticipum quiequid habebant in uiuario de Baratel; conpositionem
quoque inter uos et canonicos Calniacenses de Cepeio nemore cum
utriusque partis assensu factam, sicut in autenticis scriptis Calnia-
censis abbatis et Balduini quondam Nouiomensis episcopi noscitur
contineri, uobis et per uos monasterio uestro auctoritate apostolica
confirmamus. Liceat etiam uobis u. s. iv. Preterea cum generale
11. s. w. Sane noualium u. s. w. profutura, salua sedis apostolice
auctoritate et dyocesani '^^ episcopi canonica iusticia. Ex dono Hu-
gonis comitis Registensis et Milesendis uxoris eins nee non et
filiorum suorum M. B. et G. allodium de Noveio quietum et li-
berum ab omni exactione, ex dono eorundem Balbeium liberum et
quietum, sicut ipsum ab archiepiscopo Eemorum habebant et Ma-
n(asses) archiepiscopus utrumque propriis litteris confirmauit, de
cuius beneficio Balbeius erat, decimas quas habetis in Noueio et
Corneio, allodium de Salcia quod Alnardus prior ab Verr. de
Scordal et Hug(one) fratre eins uiginti libras emit in omni pro-
fectu, assentientibus luliana uxore eius et filiis predicti Verr. sci-
licet R. et Nichol(ao), ex dono Alberici de Balluns allodium apud
a) eidem. b) dono fehlt. c) dyocesiani.
128 Wilhelm Wiederhold,
Salciam, molendinum quod uocatur Gezeliii(i), ex dono Raiin(xmdi)
de Macheriis et Roberti fratris eius sextariam de annona uestra,
assensu comitis et Beatricis comitisse et Hug(oiiis) et Man. et
aliorum filiorum suorum, Giseium cum pertinenciis suis, obedien-
ciam sancte Probe cum pertinenciis suis, obediencias sancti Leode-
garii et Belleuallis et Chintherii cum pertinentiis suis et domos
et uineas quas habetis apud Othrecbiam. Si qua igitur u. s. w.
Alexander episcopus seruus seruorum Dei. Dilectis filiis Petro
abbati monasterii beate Marie Silue maioris eiusque fratribus tam
presentibus quam futuris regulärem uitam professis in perpetuum.
Quotiens illud a nobis.
E,.''^ Ego Alexander catholice ecclesie episcopus ss. BV.
f Ego Hubaldus Hostiensis episcopus ss.
f Ego Bernardus Portuensis et sancte Rufine episcopus ss.
f Ego Hubaldus presb. card. tit. sancte Crucis in Jerusalem ss.
t Ego lobannes presb. card. sanctorum lobannis et Pauli tit. Pa-
machii ss.
t Ego Ildebrandus basilice XII apostolorum presb. card. ss.
f Ego lohannes presb. card. tit. sancte Anastasie ss.
f Ego Albertus presb. card. tit. sancti Laurencii in Lucina ss.
f Ego lohannes presb. card. tit. sancti Marci ss.
f Ego lacinctus diac. card. sancte Marie in Cosmidyn ss.
t Ego Ardicio diac. card. sancti Theodor! ss.
f Ego Cinthius diac. card. sancti Adriani ss.
f Ego Manfredus diac. card. sancti Greorgii ad Velum au-
reum ss.
f Ego Hugo diac. card. sancti Eustachü iuxta templum
Agrippe ss.
f Ego Petrus card. diac. sancte Marie in Aquiro ss.
Dat. Beneuent. per manum Gratiani sancte Romane ecclesie
subdiaconi et notarii, X kal. ianuarii, indictione III, incarnationis
dominice anno M^C^LX^IX^ pontificatus uero domni Alexandri
pape III anno undecimo.
d) R, BV fehlen, ebenso überall f und ss.
79.
Alexander III. weist die Nonnen von Saint-Felix an, die vom
Bischof von Maguelone wegen der Reformation ihres Klosters ge-
troffenen Anordnungen genau innezuhalten,
Benevent (1168—70) Januar 3.
Papsturkunden in Frankreich VII. 129
Bullaire de Veveche de Maguelone s. XIV f. 47 und f. 112
Montpellier Arch. Bcp. (Eveche de Maguelone- Montpellier) . — Cartu-
laire C de Veveche de Montpellier s, XIV f. 221 ehenda.
ALEXANDER episcopus seruus seruorum Dei. Dilectis in
Christo filiabus sororibus sancti Felicis salutem et apostolicam
benedictionem. Significatum est nobis quod, cum uenerabilis
frater noster Magalonensis episcopus uitam et"^ habitum uestrum
cum consilio et assensu sanioris partis uestre in melius commutare
disponeret, quedam ex uobis eidem super hoc acquirere minime
noluerint, sed eins potius dispositioni instanter resistere nitebantur.
Vnde quia^) iam dicto episcopo non solum in hoc non contraire,
uerum eciam ipsum ad id deberetis propensius mutare, uniuersitati
uestre per apostolica scripta precipiendo '^^ mandamus, quatinus ea
que prefatus episcopus de dispositione et reformatione monasterii
uestri cum consilio maioris et sanioris partis statuerit, omni con-
tradictione et appellatione cessante, suscipiatis firmiter et reser-
uetis, alioquin sententiam quam in uos propter hoc canonice tulerit,
nos auctore Domino ratam et firmam uolumus permanere, nisi
forte aliquo Romane ecclesie priuilegio uel alio iure uos contra
hoc possetis de ratione tueri. Dat. Beneuenti III non. ianuarii.
a) et fehlt. b) gratia. c) specienando.
80.
Alexander 111. schreibt dem Bischof und Klerus von Saint-
Bertrand, daß er nach dem Vor gange Eugens III. das Weidevieh
der Tempelherren und ihre Hirten unter den apostolischen Schutz
nehme und hefiehlt für die Äufrechterhaltung dieses Schutzes zu sorgen.
Veroli (1170) Mai 10.
Orig. Toidouse Arch. Bep. (Ordre de Malte H. 99 Nr. 1).
Alexander episcopus seruus seruorum Dei. Venerabili fratri
episcopo et uniuerso clero Conuenarum") salutem et apostolicam
benedictionem. Cum nobis ex | regimine suscepte amministra-
tionis immineat pia et religiosa loca apostolice sedis patrocinio
confo|uere, ad defensionem et conseruationem bonorum fratrum
militie Templi tanto uolumus et debemus promjptiores existere,
quanto ipsi pro uniuersorum salute et defensione christiani no-
a) et bis Conuenarum auf Basur.
Kgl. Ges. d. Wiss. Nachrichten. Phil.-hist. Klasse. 1913. Beiheft.
j[30 Wilhelm Wiederhold,
minis extrema pericula fre|quentius experiri et contra barbaras et
extraneas nationes fortius dimicare noscuntur. Inde utique | fuit,
quod nos paci et tranquillitati domus eorum pastorali sollicitudine
prouidentes, ad exemplar sancte | recordationis patris et prede-
cessoris nostri EVGenii pape apostolica auctoritate statuimus, ut
bo[ues, quibus si]|gnum crucis esset impressum, et eorum custodes
bouarii quoque cum rebus eorum uidelicet asinis semente . | . .
stibus et ceteris huiusmodi rebus ineundo ad campum et domum
redeundo sub apostolica protectione | consisterent, ita quidem quod,
si aliquis ex bis aliquid uiolenter acciperet, tam diu ipse et coad-
iutores | et principales fautores eius nee non et hü qui scienter
eidem participarent, sub anatbematis sententia | tenerentur, donec
de predicto excessu foret plenius satisfactum. Hoc autem ideo
statutum esse | dinoscitur, ut de unoquoque iugo boum mensura
quedam messis secundum diuersitatem terrarum predicte do|mui
fratrum militie Templi annis singulis solueretur. Inde est quod
uniuersitati uestre per apostolica scripta precipiendo | mandamus,
quatinus pretexatam institutionem contradictione et appeUatione
remota, firmiter obseruetis et tu eam, frater episcope, | per totum
episcopatum facias inuiolabiliter obseruari. Dat. Verul. VI
id. maii.
B. dep.
b) s et tu bis facias auf Basur.
81.
Alexander III. befiehU dem Abt und den Brüdern von Saint-
Guilhem, die dem Bischof von Rodez vorenthaltenen Kirchen von
Cresel unverzüglich zurückzugehen, Veroli (1170) Mai 18.
Orig. Rodez Ar eh. Dep. (CJmpitre de Rodez Liasse 1).
Alexander episcopus seruus seruoram Dei. Dilectis filiis ab-
bat! et fratribus | sancti Willelmi salutem et apostolicam bene-
dictionem. Ex conquestione fratris nostri Rutenensis | episcopi
nostris est auribus intimatum, quod uos ei ecclesias de Cresel,
quas ad ecclesiam | suam asserit pertinere, per uiolentiam occu-
pastis et eas presumptione illicita detinere | contenditis. Vnde
quia ex commissi nobis officii debito singulis Dei ecclesiis et eccle-
siasticis uiris iura sua tenemur integra conseruare, nos eidem
episcope [iustitiam] | suam exhibere uolentes, discretioni uestre per
Papsturkunden in Frankreich VII. 131
apostolica scripta mandamus, fquatinus] | prescriptas ecclesias me-
morato episcopo sine molestia restituatis uel exinde [sibi sub] | exa-
mine uenerabilis fratris nostri Magalonensis episcopi et dilecti
filii abbatis s[ancti ] plenam et sufficientem iustitiam, cum
exinde requisiti fueritis, exhibeatis, nisi forte [inter] | uos pacifice
et amicabiliter componere poteritis. Dat. Verul. XV kal. iun.
B. dep.
83.
Alexander III. beauftragt die Bischöfe von Mende und Viviers,
für die Rückgabe der dem Kloster Chirac und damit den Mönchen
von Saint 'Victor in Marseille entfremdeten Besitzung Mensozat zu
sorgen. Veroli (1170) Mai 20,
Orig. Bodez Ar eh. Dep. (College des lesuites D. J25J2).
Alexander episcopus seruus seruorum Dei. Venerabilibus fra-
tribus Mimatensi et Viuariensi episcopis salutem et apostolicam |
benedictionem. Relatum est nobis quod Gr. et A. de Cbaldemac
uillam de Menzozac Cbiriacensi monasterio, quod ad | ius Massiliensis
monasterii dicitur pertinere, contra iustitiam abstulerunt. Quia
igitur sollicitudo iniunc|te nobis amministrationis nos compellit,
conseruationi ecclesiarum studiose intendere et, ne bona earum | di-
reptionibus malignantium exponantur, propensiori studio prouidere,
fraternitati uestre per apostolica scrip|ta precipiendo mandamus,
quatinus prefatos uiros moneatis diligentius et districtius com-
pella'tis, ut prescripto monasterio prelibatam uillam postposita
dilatione restituant et libere deinceps | et quiete dimittant uel in
tua presentia, frater Viuariensis, plenam exinde iustitiam appella-
tio|ne remota exhibeant. Si autem causam potius intrare decre-
uerint quam uillam restituere, partibus ante | tuam presentiam
conuocatis et rationibus hincinde plenius auditis et cognitis, eandem
causam uiris | discretis et honestis tibi ascitis, sublato prout dictum
est appellationis remedio, mediante iustitia de|cidas. Si autem
neutrum borum adimplere uoluerint, eos excommunicationis sen-
tentia innodetis | et eandem sententiam usque ad dignam satis-
factionem faciatis firmiter et inuiolabiliter obseruari. | Dat. Verul.
XIII kal. iunii.
B. dep.
132 Wilhelm Wiederhold,
88.
Alexander III. bestätigt dem Abt Gerald und den Brüdern von
Samt-Martin de Canigou ihre Anordnungen wegen der Kirche Saint-
Sernin de Vernet, Tushdum (1171) Januar 6.
Chartularium s. Martini Canigonensis s. XII p. 12 Perpignan
ÄrcJi. Dep. H, 143,
Vgl. Bevue archeologique IIP serie t. XVI (1890) p, 64.
ALEXANDER episcopns seruus seruorum Dei. Dilectis filiis
Geraldo abbati et fratribus Canigonensibus salutem et apostolicam
benedictionem. Ea qne racionabili prouidencia pro utilitate
ecclesiarum statuta noscuntur, apostolica debent auctoritate muniri
et, ne pranorum hominum molestiis agitentur, eins presidio roborari.
Perlatum est siquidem ad audientiam nostram, quod sacriste mona-
sterii uestri et snccessoribus eius capellaniam ecclesie sancti Satnr-
nini de Verneto pro illuminando et bornando altari sancti Martini,
quod est principale in monasterio uestro, de communi consilio con-
cessistis perpetuo libere et integre possidendam, excomunicautes
omnem personam que contra donacionem illam ausu temerario ue-
nire presumeret uel eam aliquatenus uiolare. Vnde quoniam reli-
giosorum uotis debemus annuere et ea que rationabiliter statuta
noscuntur, auctoritatis nostre munimine roborare, prescriptam do-
nacionem eidem sacriste et successoribus eius auctoritate apostolica
confirmamus et presentis scripti patrocinio communimus. Statuentes
ut nulli omnino hominum liceat hanc paginam nostre confirmationis
infringere uel ei aliquatenus contraire. Si quis autem hoc atemp-
tare presumpserit , indignacionem omnipotentis Dei et beatorum
Petri et Pauli apostolorum eius se nouerit incursurum. Dat.
Tusculan. VIII id. ianuarii.
84.
Alexander III. befiehlt dem Erzbischof von Narbonne und seinen
Suffraganen, die Nonnen von Saint-Felix gegen die Übergriffe ihrer
Parrochianen zu schützen. Tushdum (1171 — 72) Januar 22.
Orig. Montpellier Arch. Dep. (Abbaye de Gigean).
Alexander episcopus seruus seruorum Dei. Venerabilibus fra-
tribus Narbonensi archiepiscopo et omnibus suffraga|neis eius sa-
lutem et apostolicam benedictionem. Conquestionem dilectarum
Papsturkunden in Frankreich VII. 133
in Christo filiarum nostrarum priorisse mo|nialium sancti Felicis
ad nos transmissam accepimus, quod quidam parrochiani uestri
monasterium ipsarum | graviter infestare presumunt eisque dainpna
plurima et iniarias non [desinunt irrogare. Quia igitur] | eisdem
monialibus [paterna teneamur] prouisione [confouere, cum ipse pro
imbecillitate sexus suam] | [integritatem] defensare [non possint,
per presentia uobis scripta mandamus, ut parrochianos] | uestros,
de quibus uobis conqueste [fuerint, attentius moneatis, ut ab illarum
infestatione omnimodo desi]|stant et de iniurüs et dampnis illatis
satisfactionem exbibeant competentem, quod si ad comnio|nitionein
uestram facere denegauerint et in hac malitia duxerint persisten-
dum, uos eos | appellatione cessante, excommunicationis sententia
feriatis et usque ad dignam satisfactionem eam facia|tis inuiolabi-
liter obseruare. Dat. Tusculan. XI kal. februar.
B. dep.
85.
Alexander III. hefiehlt den Geistlichen der Diözese Beziers, dem
Bischof den schuldigen Gehorsam und Achtung su bezeigen und die
ihm zustehenden Einkünfte nicht zu schmälern.
TusJculum (1171—72) Januar 26.
Livre noir de Beziers von 1771 f. 826' Montpellier Arch. Dep,
(Chapitre cathedral de Beziers).
Alexander episcopus seruus seruorum Dei. Dilectis filiis uni-
uersis monachis presbiteris ad iurisdictionem Biterrensis ecclesie
pertinentibus salutem et apostolicam benedictionem. Peruenit
ad nos ex communione uenerabilis fratris nostri Biterrensis epi-
scopi, quod quidam uestrum presumptione ei debitam obedientiam
et reuerentiam non impendunt nee de decimis aut etiam de elemo-
siais mortuorum, que ecclesiis in testamento legantur, episcopalem
exhibent portionem. Cum igitur graui sunt subditi animaduersione
plectendi, qui magistris et prelatis suis debita iura subtrahunt et
honorem, per apostolica scripta uobis mandamus et districte pre-
cipimus, quatenus memorato episcopo, omni occasione et excusatione
cessante, debitam obedientiam et reuerentiam impendatis, iterum
quod si qui uestrum prescripto nostro contraire presumpserint,
sententiam quam idem episcopus in eos propter hoc canonice
dederit, nos auctore Deo ratam habebimus eamque non pa-
tiemur sine satisf actione congrua relaxari. Dat. Tusculani VII
kal. februarii.
134 Wilhelm Wiederhold,
86.
Alexander III, bittet den Abt von Saint-Sernin in 'Toulouse um
eine Beihülfe in der durch Kaiser Friedrich der Bömischen Kirche
verursachten Not und ersucht ihn die Gabe den Überbringern dieses
Schreibens einzuhändigen, ihm selbst aber brieflich davon Nachricht zu
gehen. Anagni (1173—74) Mars 13.
Orig. Toulouse Arch. Bep. (Äbbaye de Saint-Sernin Liasse V
titre 1).
Nach dem Ausstellungsorte Jcönnte diese wichtige ürJcunde in die
Jahre von 1160 bis 1176 fallen; nach den Zeitumständen scheint sie mir
in die Jahre 1173 oder 1174 zu gehören ; im März 1160, wenige Tage
vor der Bannung Friedrichs, ist sie wohl nicht ausgestellt.
Littera clausa mit der Adresse von gleicher Hand abbati sancti
Satnrnini.
Alexander episcopus seruus sernorum Dei. Dilecto filio abbati
monasterii sancti Satumini salutem et apostolicam benedictionem.
Qualiter ille tyrannus et uehemens persecator ecclesie Fred(ericus) |
nidelicet, uniuersalem omnium matrem sacrosanctam Romanam ec-
clesiam persequatur eamque sine causa opprimat et infestet, ad
discretionis tue noticiam non ambigimus peruenisse. | Qui utique
tarn quam leo rapiens et rugiens positus in insidiis, aditus uiarum
ita per satellites barbarice feritatis obstruxit, quod illi iam non
ualeant usque ad nos | transire, a quibus Romana ecclesia in ne-
cessitatibus suis oportuna recipere suifragia consueuit. Vnde cum
eadem Romana ecclesia multis oppressionibus angustata sit bis |
temporibus et afflicta et magnis atque innumeris pene debitis ag-
gravata, ad eins onera supportanda et ad necessitates, quas patitur,
releuandas tanto | studiosius exurgere te oportet et efficatius la-
borare, quanto amplius eadem mater ecclesia de tua deuotione et
fidei sinceritate confidit. In tanto itaque necessi|tatis articulo
constituti, caritatem tuam rogamus plurimum, monemus et exhor-
tamur attentius, ut ad meutern reuocans, quot et quanta graua-
mina et angustias | Romana ecclesia pro sua et omnium ecclesiarum
libertate tuenda hoc tempore patiatur, considerans etiam quod
menbra capiti debeant, ad subuencionem ecclesie et ad soluen|da
debita, quibus premitur, manum liberalitatis extendas et nobis tue
consolacionis auxilium in tanto articulo largiaris, beneficia siquidem
et obsequia, | que in necessitate prestanter consueuerunt semper
recipientibus existere graciora. In quocumque autem nobis te con-
Papsturkunden in Frankreich VII. 135
tigerit subuenire, illud dilectis | filiis nostris T. sancte Romane
ecclesie subdiacono et L. capellano dilecti filii nostri Iac(ynt]ii)
sancte Marie in Cosmydjm diaconi cardinalis, presentium porti-
toribus'^), quos ad partes illas 1 propter hoc duximus destinandos,
te uolumus assignare et nobis id ipsmn litteris tuis significes.
Dat. Anagn. III id. mart.
B. dep.
a) so im Orig.
87.
Alexander 111, nimmt das Kloster Saint-Pierre de Carennac unter
dem Prior Eihaudus in den apostolischen Schutz und bestätigt ihm die
Besitzungen und Bechte, die Zehntfreiheit und die Sepidtur.
Ferentino 1175 Mai 15,
Coli. Baluse 38 s. XV 11 f. 255 Paris Bihl. Nat. [A]. — Coli.
Boat 123 p. 1 (von 1667 X 7) ebenda [B].
J'L. 12482. Die Besitzungen sind: Locum ipsum, in quo pre-
fatnm situm est monasterium, cum uilla ipsius loci, terris aqua et
portu et cunctis ad se pertinentibus ; in pago Caturcino capellam
de Maignagues ''^ capellam de Mazeirolis^\ ecclesiam de Borma,
de Mezel^), de sancta Esperia '^^ de Mederio, de Aluingaco*), de
Eignaco^^ de Colnaco, de Lalanda, de Alamancia cum terris deci-
mis et bominibus et ceteris ^^ pertinentiis suis ; in pago Lemouicino
ecclesiam de Argentat cum magna parte uille, terris aquis molen-
dinis et omnibus ad ipsam pertinentibus, capellam de Montecaluo
cum omnibus ad se pertinentibus ; in pago Aruernensi ecclesiam de
sancto Constantio et que ad eam pertinent; in Tolosano ecclesiam
de Monte Cocano (et) que ad eam pertinent. Sane noualium u. s. iv.
Sepulturam quoque u. s. tv.
Alexander episcopus seruus seruorum Dei. Dilectis filiis Ri-
baudo*^ priori ecclesie sancti Petri de Carennac eiusque fratribus
tam presentibus quam futuris regulärem uitam professis in per-
petuum. Suscepti regiminis administratione.
R. Ego Alexander catholice ecclesie episcopus ss. BV.'^
f Ego Gualterius*^ Albanensis episcopus ss.^
a) Mainagas B. h) Mazairolis B. e) Mezet B. d) Speria B.
e) Aluiniaco B. f) Rinaco B. g) ceteris felüt in A. h) Rigaudo B.
i) BV fehlt in Ä. Ic) Galterius B. l) Dann folgt in A: Ego Joannes
presb. Card. tit. sancte lustine, Ego Manfredus presb. card. tit. sancte Cecilie
etc. il ya neuf cardinaux. Dat. Ferentin. u. s. w. wie in B.
136 Wilhelm Wiederhold,
t Ego Johannes sanctorum lohannis et Pauli presb. card. tit. Pa-
machii ss.
f Ego Johannes presb. card. tit. sancte Anastasie ss.
t Ego Manfredus"'^ presb. card. tit. sancte Cecilie ss.
f Ego Petrus presb. card. tit. sancte Susanne ss.
t Ego lacinctus diac. card. sancte Marie in Cosmydin") ss.
f Ego Ardicio diac. card. sancti Theodori ss.
t Ego Cinthius °^ diac. card. sancti Adriani^^ ss.
t (Ego) Vitellus«) diac. card. sanctorum Sergii et Bachi ss.
t Ego Laborans diac. card. sancte Marie in Porticu ss.
Dat. Ferentin. per manum Gratiani sancte Romane ecclesie
subdiaconi et notarii, XVIII kal. iunii, indictione VIII, incarna-
tionis dominice anno M'^C^LXX^V^, pontificatus uero domini Alexan-
dri pape III anno XV P.
in) Mansted B. n) Cosmeydin B. ö) Cinthini B. p) Adriadri B.
q) Ticellus B.
88.
Alexander II L bestätigt dem Dekan und dem Kapitel von Bor-
deaux einen Vertrag mit den Brüdern vom Hospital Saint- Jacques»
Ferentino (1175) Juni 30.
Cartulaire de Saint-Andre de Bordeaux s, XIII f. 86' Bordeaux
Arch, Dep. (Archeveclie de Bordeaux, Supplement).
Zitiert Devienne Histoire de la ville de Bordeaux II p. 38. Die
Senteyiz des Erzhischofs Gerald von Auch und Bischofs Petrus von
Perigueux steht in dem Chartular f. 85.
Alexander episcopus seruus seruorumDei. Dilectis filiis decano et
capitulo ßurdegalensis ecclesie salutem et apostolicam benedictionem.
Cum nostre sollicitudinis sit et offitii litibus et contencionibus
finem imponere, pastorali cura constringimur que sunt compositione
amicabili diffinita, apostolico patrocinio communire, ne possint in
posterum temeritate quorumlibet reuocari. Eapropter, dilecti in
Domino filii, uestris iustis postulationibus annuentes, compositionem
inter uos et fratres hospitalis beati lacobi Burdegalensis super se-
pulturis cimiterii ipsius hospitalis, super decimis et querelis aliis,
mediantibus uenerabilibus fratribus nostris Auxitano archiepiscopo,
apostolice sedis legato, et Petragoricensi episcopo, quibus causam
saper hiis commiseramus, de assensu partium factam, ratam habe-
Papsturkunden in Frankreich YII. 137
mus et firmam eamque apostolica auctoritate^^ confirmantes, pre-
sentis scripti^) patrocinio communimus. Statuentes ut nulli omnino
hominum liceat hanc paginam nostre confirmationis infringere uel
ei aliquatenus contraire. Si quis autem hoc attemptare uoluerit,
indignationem omnipotentis Dei et beatorum apostolorum Petri et
Pauli se nouerit incursurum. Dat. Ferentin. II kal. iulii.
a) apostolica auctoritate apostolica. b) scriptis.
89.
Alexander III. nimmt die Kirche Saint-Antoyiin unter dem Frior
Stephanus nach dem Vorgange ürhans IL und Calixts IL in den
apostolischen Schutz und bestätigt ihr die Besitzungen, die Zehnten
und die Wahl des Priors, die Freiheit vom Interdikt und die Sepidtur
gegen eine jährliche Zahlung von fünf Solidi.
Anagni 1175 November 30,
Coli. Boat 124 f 344' (von 1667 XI 18 aus Kopie von 1521
III 27 in livre en parchemin) Paris Bibl. Nat.
J-L, 12525. Bie Vorurhinde Calixts IL ist verloren. In den
Anmerkungen gebe ich unter L die Lesarten der Urkunde Lucius'' IIL
J-L. 15066 (Nr. 129). Bie Besitzungen sind: Locum ipsum, in quo
prefata ecclesia constructa") est, cum omnibus pertinentiis suis,
ecclesiam sancte Eulalie cum decimis et aliis pertinentiis suis,
ecclesiam sancti Michaelis cum appendentiis ^^ suis, ecclesiam sancti
Sulpicii cum pertinentiis suis, ecclesiam sancti Saturnini de Castris
cum pertinentiis suis, ecclesiam de Montericozo '^^ et de Marcisse^^
cum pertinentiis earum, ecclesiam sancti luliani de Segregalgas
cum pertinentiis suis et saluitatibus *) , ecclesiam sancte Eulalie de
Cande^) cum pertinentiis suis, ecclesiam sancti luliani de Carran-
dier^^, ecclesiam sancte Marie de Cregoala''^ cum appendiciis suis,
ecclesiam sancte Marie de Peyregace*^ cum pertinentiis suis, eccle-
siam sancte Eulalie de Archiac cum pertinentiis suis, ecclesiam
sancti Martini de Rocasargas*^ cum pertinentiis suis, ecclesiam del
Raust de^) Pino cum pertinentiis suis, ecclesiam de Marzac, que in
Agennensi episcopatu est sita, cum pertinentiis suis, ecclesiam sancti
Anthonini "'^ de Valle Secusia cum omnibus pertinentiis suis, eccle-
a) sita L. h) appendiciis L. c) monte Riccolf L. d) Mairess L.
e) cum saluitatibus et omnibus pertinentiis suis L. f) Canda. g) Carran-
der cum pertinentiis suis L. h) Cregoalla L. i) Peiregas L.
Je) Rauzargas L. l) et de X. w) Antonini L.
I^Q Wilhelm Wiederhold,
siam sancti lohannis et ecclesiam sancti Martini de Nayac") cum
pertinentiis earum, ecclesiam sancte Marie de Mordanha"^ et eccle-
siam sancti Martini de Lasinhac^) cum pertinentiis earum et eccle-
siam sancti Michaelis de Caslus^^ et ecclesiam sancte Marie de
Lucro ') cum pertinentiis earum, ecclesiam sancti Martini de Espia-
mont*^ cum pertinentiis suis. Sane noualium u. s. w. Ad hec de-
cimationes uille sancti Anthonini et totius territorii uobis et eidem
ecclesie uestre authoritate apostolica confirmamus. Statuentes ut
nulli layco liceat easdem decimas alii ecclesie conferre uel ab
eadem ecclesia uestra quomodolibet alienare. Crisma uero, oleum
sanctum ii. s. iv. Nulli quoque liceat ecclesiam uestram interdicto
subicere uel in canonicos uestros excommunicationis interdicti uel
suspensionis sententiam promulgare, nisi de mandato Romani ponti-
ficis uel legati ab eius latere destinati. Sepulturam preterea u. s, iv.
Obeunte uero te w. 5. w. Decemimus ergo u. s. w. Ad indicium
autem percepte huius a sede apostolica libertatis quinque solides
Rutbenensis monete annis singulis nobis nostrisque successoribus
persoluetis. Si qua igitur u. s. w.
Alexander episcopus seruus seruorum Dei. Dilectis filiis Ste-
phane priori ecclesie sancti Anthonini, que in Condatensi pago
sita est, eiusque fratribus tam presentibus quam futuris regulärem
uitam professis in perpetuum. Cum nobis sit quamquam.
R. Ego Alexander catholice ecclesie episcopus ss. BV.^^
f Ego ßernardus Portuensis et sancte ßufine episcopus ss.
f Ego Galterus Albanensis episcopus ss.
f Ego Johannes presb. card. sanctorum lohannis et Pauli tit. Pa-
machii ss.
t Ego Johannes presb. card. tit. sancte Anastasie ss.
t Ego Albertus presb. card. tit. sancti Laurencii in Lucina ss.
t Ego Boso presb. card. sancte Pudentiane tit. Pastoris ss.
t Ego Johannes presb. card. tit. sancti Marci ss.
f Ego Manfredus presb. card. tit. sancte Cecilie ss.
t Ego Petras presb. card. tit. sancte Suzanne ss.
f Ego Viuianus presb. card. tit. sancti Stephani in Celio monte ss.
f Ego Jacinthus diac. card. sancte Marie in Cosmidin ss.
t Ego Arditio diac. card. sancti Theodor! ss.
t Ego Cinthius diac. card. sancti Adriani ss.
f Ego Hugo diac. card. sancti Eustachii iuxta templum
Agrippe ss.
t Ego Laborans diac. card. sancte Marie in Porticu ss.
n) Naiac L. o) Mardanna L. p) Lazinnac L. q) Castluz L. r) Liuro L.
8) sancte Mariani de Spiamonte L. t) BV fehlt, ebenso überall f und ss.
Papsturkunden in Frankreich VII. 139
Dat. Anagn. per manum Gratiani sancte Romane ecclesie sub-
diaconi et notarii, II kal. deceinbris, indictione VIII, incarnationis
dominice anno M°C^LXX°V^, pontificatus uero domini Alexandri
pape III anno XVII.
90.
Alexander III. gibt dem Archidiakon Badidph und dem Kapitel
von Ägde das Recht, gegen ihre ungehorsamen Farrochianen mit Bann
und Interdikt vorzugehen, wenn der Bischof sich trotz dreimaliger
Bitte versagt oder abwesend ist, Anagni (1160 — 76) Januar 3.
Gartulaire du chapitre d'Agde s. XVIII p. 3 Montpellier Bibl.
Comm, Ms. 33.
Vgl. Gallia Chr. VI p. 703.
Alexander episcopus sernus seruorum Dei. Dilectis filiis Ra-
dulpho archidiacliono et canonicis Agathensibus salutem et aposto-
licam benedictionem. Hortatur nos et admonet cura suscepti
regiminis commodis et profectibus ecclesiarum feruenti sollicitudine
ac studio intendere et hiis qne ad earum pacem et quietem per-
tineant, promptam et attentam diligentiam adhibere. Peruenit si-
quidem ad audientiam nostram, quod parrochiani uestri ad facul-
tates et bona ecclesie, in qua Domino militatis, sue cupiditatis
frena relaxare presumunt et multiplices sibi molestias et grauamina
non dubitant irrogare, et sepe contingit, ut propter negligentiam
et tepiditatem eorum qui uos ab bis deberent protegere propensius
et tueri, iustitie sustineatis decretum. Nos itaque paci et tran-
quillitati uestre paterna super hoc cupientes sollicitudine pronidere,
uobis auctoritate apostolica indulgemus, ut si episcopus uester, qui
pro tempore fuerit, a uobis tertio per congrua interualla humiliter
requisitus, de malefactoribus uestris, qui parrochiani uestri sunt,
iustitiam exhibere noluerit aut in prouincia uestra presens non
fuerit, uos auctoritate nostra excommunicandi et interdicendi facul-
tatem liberam habeatis. Dat. Anagnie III non. ianuarü.
91.
Alexander III. schreibt dem Abt und den Brüdern von Saint-
Victor in Marseille^ daß er das ihnen gehörige Kloster Chirac in den
apostolischen Schutz nähme. Anagni (1160—76) April 3.
140 Wilhelm Wiederhold,
Orig. Bodez Arch. Bep, (College des lesuites D. J253), — Char-
tularium parvum sancti Victoris s. 1[JV f, 116 Marseille Arch. Bep.
(Ahhnye de Saint -Victor H, 630).
J'L. 1254:8 nach dem Fragment in Collection des cartulaires IX
p. 368.
ALEXANDER episcopus semus seruorum Dei. Dilectis filiis
abbati et fratribus Massili|ensibus salutem et apostolicam benedic-
tionem. Rationabilibus uotis et desideriis prompta dejbemus
benignitate annuere et uiris et locis religiosis, ne a quoquam
possint I indebite molestari, apostolice tuitionis presidium impertiri.
Inde est quod nos | precibus uestris benignius inclinati et officii
nostri debito deuicti, uillam | Chiriacensis monasterii, qnod iuris
uestri esse dinoscitur, cum hominibus | et bonis suis et ceteras
uillas ad idem monasterium pertinentes sub | beati Petri et nostra
protectione suscipimus et presentis scripti patrocinio | communiinus.
Statuentes ut nulli omnino bominum liceat prescriptum | monaste-
rium uel bona eins temere perturbare aut hereditatem ipsius | sine
communi assensu capituli uel maioris et sanioris partis et tunc
non nisi pro"^ manifesta utilitate uel necessitate quolibet titulo
alienare. Si quis autem | boc attemptare presumpserit, indigna-
tionem omnipotentis Dei et beatorum Petri | et Pauli apostolorum
eins se nouerit incursurum. Dat. Anagnie III non/^ april.
B.
a) et tunc non nisi pro auf Basur. h) Der Schreiher verbesserte non.
aus kal. Die ChaHulare s. XVI D 2 f. 148 und D 3 f. 271 schreiben kal.
93.
Alexander III. heauf tragt den Erzhischof Wilhelm von Auch und
den Bischof Garsias von Bazas, den Bekan Gerald und die Kanoniker
von Saint- Andre in Bordeaux gegen die Übergriffe des Amanieu
d' Albret und des P. de Mota zu schützen.
Anagni (1160—76) April 26.
Orig. Bordeaux Arch. Bep. (Chapitre metropolitain Saint-Andre
de Bordeaux G. 270).
Vielleicht ist auch G(uilelmus) von Bazas eu ergänzen.
Alexander episcopus seruus seruorum Dei. Venerabilibus fra-
tribus Gr(uilelmo) Auxitano arcbiepiscopo, apostolice sedis legato, et
Papsturkunden in Frankreich VII. 141
Gr(arsie) Va|satensi episcopo salutem et apostolicam benedictionem.
Dilecti filii nostri G(eraldus) decanus et canonici ecclesie sancti
Andree Burdegajlensis transmissa nobis conquestione monstrarunt,
qnod Amanens de Lebret et P. de Mota cum muÜtitudine arma-
tornm quasdam"^ uillas uidelicet de Legis et de Caudaiac et quas-
dam alias ad ins prel Scripte ecclesie pertinentes uiolenter innadere
et bona earum diripere et qnosdam homines ibidem ausu | temera-
rio capere et ad redemptionem cogere presumpserunt. Quoniam
igitur ex initincto nobis apostolatus | officio tenemur iura ecclesi-
arum diligentius conseruare et, ne quibuslibet uiolentiis uel rapilnis
exponantur, pastorali sollicitndine de[fensare], fratemitati nestre
per apostolica scripta precipiendo | mandamus, quatinus, si ita est,
predictos A. [et P. commjonere studeatis et diligenter inducere,
nt prelilbatis decano et canonicis uniuersa ablata sine diminntione
restituant, dampna data rela'xant et de illatis iniuriis satisfactionem
exbibeant competentem. Quod si forte commonitioni nestre | parere
contempserint, nos terram eomm apostolica freti auctoritate, appella-
tione remota, interdicto supiponatis et si nee sie resipuerint, per-
sonas eomm [et principjales fautores suos uincnlo anatbematis |
innodetis, pronisuri attentias, ne interdicti uel excommunicationis
sententiam sine [con]grua satisfactione resecetis. Dat. Anagnie
[VI] kal. maii^).
B. dep.
d) rum quasdam auf Easur. h) Das Inventar von 1596 f. 46 bietet die
Datierung mit VI kal. maii.
93.
Alexander II L geivährt dem AU und den Brüdern von Premontre
die Freiheit von allen Zehnten. Anagni (1160 — 76) April 30.
Confirmationes statutorum et lihertatum ordinis Praemonstratensis
s. XIII f. 26^ im Besitz der Frau Gräfin de Villele auf Schloß
Merville bei Toulouse.
Alexander etc. Dilectis filiis abbati et fratribus Premonstra-
tensis ecclesie salutem et apostolicam benedictionem. lustis
petentium etc. Eapropter, dilecti in Domino filii, uestris iustis
postulacionibus grato concurrentes assensu, auctoritate uobis pre-
sencium indulgemus, ut minutas decimas olerum fructuum et pra-
torum nulli soluere teneamini, sed libere de cetero babeatis, sicut
142 Wilhelm Wiederhold,
usquemodo habuisse noscimini. Statuentes etc. Dat. Anagnie
II kal. maii.
94.
Alexander III. bestätigt dem Abt Garsias und den Mönchen von
Snint-Pierre de Condom einen durch Bischof Helias von Agen ewisclien
ihnen und den Bürgern von Condom abgeschlossenen Vertrag.
Anagni (1160—76) Juni 24.
Larcher Cartidaire de Condom s. XVIII ^?. 187 Condom Archives
Municipales,
Alexander episcopus seruus seruorum Dei. Dilectis filiis
G(arsie) abbati et monachis Condomensis monasterii salutem et
apostolicam benedictionem. Que iudicio uel compositione ami-
cabili rationabiliter statuta esse noscuntur, firma debent et incon-
cussa seruari et, ne ualeant in reeidiue contentionis scrupulum
deuenire, ea nos conuenit apostolice autoritatis munimine roborare.
Sane ex auctentico scripto uenerabilis fratris nostri Helle Agennen-
sis episcopi euidenter intelleximus, uos cum burgensibus uestris
huiusmodi compositionem fecisse, ut pro can . . . uini tres denarios
Morlanensis monete pacifice et quiete persoluant et, cum uindemia
in uineis uel in garbis annone decimatur in campis, seruiens uester
sit presens, sub cuius custodia prescripte uindemie seu garbe sine
fraude et dolo debeant decimari. Quam utique compositionem pro
bono pacis factam deuotioni uestre autoritate apostolica confir-
mamus et presentis scripti patrocinio communimus. Statuentes ut
nulli omnino hominum liceat hanc paginam nostre confirmationis
infringere uel ei aliquatenus contraire. Si quis autem hoc attemp-
tare presumpserit , indignationem omnipotentis Dei et beatorum
Petri et Pauli apostolorum eins se nouerit incursurum. Dat.
Anagnie VIII kal. iulii'^^
a) es folgt noch pontificatus nostri anno ....
95.
Alexander III. verleiht dem Archidialcon und den Kanonikern
von Rodez das Recht der Sepidtur. Anagni (1160—76) Juni 27.
Orig. Rodez Ar eh. Dep. (Chapitre de Rodez Liasse 2).
Papsturkunden in Frankreich VII. 143
ALEXANDER«) episcopus seruus seruorum Dei. Dilectis filiis
arcHdiacono et canonicis Entenensis | ecclesie salutem et apostoli-
cam benedictionem. lustis petentium desideriis dignum est nos
faci|lem prebere consensum et uota que a rationis tramite non
discordant, | effectu sunt prosequente complenda. Eapropter, dilecti
in Domino filii, uestris iustis postulationibus grato concurrentes
assensu, uobis auctorijtate apostolica indulgemus, ut parroehianos
nestros, qui apud uos sepeli|ri elegerint, nisi^) exeommunicati ueP^
interdicti fuerint, ad sepullturam recipiendi facultatem liberam
habeatis. Decernimus ergo nt | nulli omnino hominum liceat hanc
paginam nostre constitutionis | infringere uel ei aliquatenus con-
traire. Si quis autem hoc attemp|tare presumpserit, indignationem
omnipotentis Dei et beatorum Petri | et Pauli apostolorum eius se
nouerit incursurum. Dat. Anagn. | V kal. iulii.
B. dep.
a) XANDER auf Easur. l) vor nisi Meine Basur. c) uel auf Basur.
96.
Alexander III. nimmt das Kloster Castres unter dem Abt Rigaldus
tri den apostolischen Schutz und bestätigt ihm die Freiheit von allen
Abgaben gegen eine jährliche Zahlung von fünf Solidi.
(1164—76).
Auszug in Coli. Boat 117 f. 57' (von 1669 V 11 aus Viditnus
von 1318 in Archives de Veveche d'Alby) Paris Bibl. Nat,
J-L, 12629 nach Coli. Doat.
Alexander episcopus seruus seruorum Dei. Dilectis filiis Ri-
galdo abbati Castrensis monasterii, quod in Albiensi pago situm
est, eiusque fratribus tam presentibus quam futuris regulärem uitam
professis in perpetuum. Ad hoc nos disponente Domino in
apostolice sedis seruitium promotos agnoscimus, ut eius filiis auxi-
lium implorantibus efficaciter subuenire et ei obedientes tueri ac
protegere, prout Dominus dederit, debeamus etc. Item vidi contineri
in eadem litera seu privilegio aliam clausulam seu capitulum, quod in-
cijpiebat sie: Nee episcopo cuiquam facultas sit exactiones aliquas
eidem monasterio indicere aut quod quieti fratrum noceat graua-
men inferre; statuimus preterea, ut idem monasterium nullatenus
alterius ecclesie iurisdictionibus submittatur, quamdiu eiusdem loci
fratres discipline regularis instituta seruauerint etc. Item vidi in
144 Wilhelm Wiederhold,
eadem litera seu privilegio conüneri aliam clausulam seu capitulum,
quod incipiebat sie: Ad indicium antem huius percepte a Romana
ecclesia libertatis quinque solidos Melgoriensis monete nobis nostris-
qne successoribus annis singulis persoluetis, et sequebatur alia elau-
sula talis: Si qua igitur in futnnim ecclesiastica u. s, w. bis inueniant.
Amen. Amen.
97.
Alexander III. bestätigt dem Bischof Johann von Chartres nach
dem Vorgange Hadrians IV. die Besitzungen und Hechte.
Venedig am Rialto 1177 Juni 9.
Privileges de Veglise de Chartres s. XV f. 101' Toulouse BiW,
Comm. Ms. 590.
J-L. 12866 a, nach einer Notiz von Ä. Clerval aus einem Ms. der
Kommunalbibliotheh zu Chartres (Ms. 1162). — Die Besitzungen sind:
Abbaciam sancti Andree, theloneum census et alias possessiones
ac redditus quos babes in ciuitate Carnotensi cum immunitate sua;
item Fraxinetum, Basoche, Bercberie, Cambleium, Ermenacbi uillam,
Pontem Groeni, Balleolum, Mundum, uillam Tertre Groderani, Spin-
terum, Theelim, Boscum sancti Martini, Mungerdi uillam, Busseium,
uallem Garengis, Galdum sancti Stephani, Toum, Pontem Ebrardi
cum Omnibus istarum uillarum pertinenciis , casamenta eciam et
feoda et omnia que ad ius et mensam Carnotensis episcopi spectant.
Alexander episcopus seruus seruorum Dei. Venerabili fratri
lohanni Carnotensi episcopo eiusque successoribus canonice substi-
tuendis in perpetuum. Et ordo racionis expostulat.
R,.«) Ego Alexander catholice ecclesie episcopus ss. BV.
f Ego Hubaldus Hostiensis episcopus ss.
f Ego Gualterus Albanensis episcopus ss.
f Ego Chunradus Mogontinus archiepiscopus et Sabinensis
episcopus SS.
t Ego Guillelmus Portuensis et sanete Eufine episcopus ss.
t Ego Manfredus Penestrinus episcopus ss.
t Ego Ildebrandus ^) basilice XII apostolorum presb. card. ss.
t Ego Boso presb. card. sanete Pudenciane tit. Pastoris ss.
t Ego Theodinus presb. card. sancti Vitalis tit. Vestine ss.
t Ego Petrus presb. card. tit. sanete Susanne ss.
a) R, BV fehlen, ebenso überall f und ss. h) Debrandus.
Papsturkunden in Frankreich VII. 145
t Ego lacinthus diac. card. sancte Marie in Cosmydyn ss.
f Ego Ardicio diac. card. sancti Theodori ss.
f Ego Cinthyus diac. card. sancti Adriani ss.
t Ego Hugo diac. card. sancti Enstachii iuxta templum
Agrippe ss.
f Ego Hugo diac. card. sancti Angeli ss.
f Ego Laborans diac. card. sancte Marie in Porticu ss.
f Ego Rainerius diac. card. sancti Georgii ad Velum au-
reum ss.
Dat. Venecie in Riuo alto per manum Grratiani sancte Eo-
mane ecclesie subdiaconi et notarii, V idus iunii, indictione X*,
incarnacionis dominice anno M^C^LXX^VII®, pontificatus uero domni
Alexandri pape III anno XYIII".
98.
Alexander III, bestätigt dem Äbt und den Brüdern von Font-
froide eine durch Vermitthing von Erzhiscliof Pontius abgeschlossene
Vereinbarung mit den Klerikern des Bistums Narbonne ivegen der
Zehnten. Venedig am Rialto (1177) Oktober 6,
Kopie von 1266 VIII 14: Ferpignan Arch. Bep, (Abbaye de
Fontfroide).
Bie Urkunde ist ziemlich verstört, der Sinn aber ohne Schioierig-
keit festzustellen. In der ersten Zeile fehlen gegen zivanzig Buchstaben^
so daß deuotionis vielleicht Schreibfehler für (bene)dictionem. Es stand
aber vielleicht auch da : Per litteras uestre deuotionis, tvas allerdings
ungeivöhnlich ist; das A in Ad ist groß geschrieben.
ALEXANDER episcopus seruus seruorum Dei. Dilectis filiis
abbati et fratribus monasterii Fontisfrigidi [salutem et apostolicam
benedictionem. . . . . .] deuotionis. Ad nostram noueritis audien-
tiam peruenisse quod, cum inter uos et clericos Narbonensis epi-
scopatus super decimis c[ . . ... . . monastjerio uestro exigebant,
mediante uenerabili fratre nostro P(ontio) Narbonensi archiepiscopö
et aliis prudentibus et discretis upris . . ... . . .]e terris uestris
decimas prefatis clericis assignastis, ut de laboribus uestris a uobis
decimas non exigerent, no[s ......... .] prouidere uolentes,
transactionem ipsam, sicut est concorditer et sine prauitate facta
et ab utraque parte susc[epta . . . . . . . .] auctoritate apostolica
confirmamus et presentis scripti patrocinio communimus.. Statuentes
Kgl. Ges. d. Wiss. Nachrichten. Phil.-hist. Klasse. 1913. Beiheft. 10
146 Wilhelm Wiederhold,
ut nulli omnino hoinin[um liceat hanc paginam nostre confirmationis]
infringere uel ei aliquatenus contraire. Si quis autem hoc attemp-
tare presumpserit, indignationem omnipotentis Dei et bea[torum
Petri et Pauli apostolorum eius se nouerit injcursurum. Dat.
Venetie in Riuo alto II non. octobris.
99.
Alexander III. nimmt das Kloster Notre-Dame de Bonlieu unter
der Friorin Eermengarda in den apostolischen Schutz und bestätigt
ihm die Besitzungen , die Zehnten und die Sepultur.
Rom Sankt Feter 1178 April 30.
Orig. Montpellier Arch. Bep. (Ahhaye de Vignogoul).
Zitiert I. Renouvier Momimens de quelques anciens dioceses de
Bas-Languedoc (Montpellier 1840) p. 9. — Bie Besitzungen sind:
Possessiones quas habetis in termino de Malirairanegnes et pos-
sessiones quas habetis in termino de Palarz et possessiones quas
habetis in termino de Cumbas, de Profa et possessiones quas ha-
betis in termino Piniani et possessiones quas habetis in termino
de Celsa et possessiones quas habetis in termino de Popiano et
possessiones quas habetis in termino de Ginac et possessiones quas
habetis in termino de sancto Stephano de Larzac.
ALEXANDER EPISCOPVS SERVVS SERVORVM DEI. DILEC-
TIS IN CHRISTO FILIABYS HERMENGARDE PRIORISSE MONA-
STERII SANCTE MARIE MAGDALENE DE BONOLOCO EIVSQVE
SORORIBVS TAM PRESENTIBVS QVAM FVTVRIS REGVLAREM
VITAM PROFESSIS IN PERPETVVM. | Prudentes uirgines et
a Christo uero sponso.
R. Ego Alexander catholice ecclesie episcopus ss. BV.
f Ego Hubaldus Hostiensis episcopus ss.
f Ego lohannes presb. card. sanctorum lohannis et Pauli tit. Pa-
machii ss.
f Ego lohannes presb. card. tit. sancti Marci ss.
t Fgo Petrus presb. card. tit. sancte Susanne ss.
t Ego Viuianus presb. card. tit. sancti Stephani in Celio monte ss.
t Ego lacintus diac. card. sancte Marie in Cosmidyn ss.
f Ego Ardicio diac. card. sancti Theodor! ss.
f Ego Cinthyus diac. card. sancti Adriani ss.
t Ego Hugo diac. card. sancti Angeli ss.
t Ego Laborans diac. card. sanct^ Mari^ in Porticu ss.
Papsturkunden in Frankreich VII. 147
f Ego ßainerius diac. card. sancti Georgii ad Velum au-
reum ss.
Dat. Rom. apud sanctum Petnim per manum Alberti sancte
Romane ecclesie presbiteri cardinalis et cancellarii, II kal. mad.,
indictione XI, incarnationis dominice anno M^C^LXXVIII, pontifi-
catus uero domni ALEXANDRI pape III anno XVIIII.
B. dep.
100.
Alexander III. bestätigt wiederholt dem Dehan und dem Kapitel
von Chartres die Schenkung etlicher Einkünfte der Prohstei durch
Bischof Wilhelm von Chartres. Lateran (1178) Jidi 19.
Privileges de Veglise de Chartres s. XV f. 35' Toulouse Bihl,
Comm. Ms. 590.
J-L. 13085a nach einer Noti^ von A. Clerval aus einem Ms. der
Kommunalbibliothek von Chartres (Ms. 1162) zu Juli 18.
Alexander episcopus seruus seruorum Dei. Dilectis filiis de-
cano et capitulo Carnotensi salutem et apostolicam benedictionem.
Ad nostram noueritis audienciam peruenisse, quod cum uenerabilis
frater nosterRemensis archiepiscopus, apostolice sedis legatus, curam
gereret ecclesie Carnotensis, quedam que ad preposituram eiusdem
ecclesie pertinebant, ad usus capituli et commune reddegit et fac-
tum suum a nobis impetrauit auctoritate apostolica confirmari.
Quoniam igitur ea que racionabiliter statuta fuisse noscuntur et
apostolici muniminis robore conualescunt, firma debent et illibata
seruari, discrecioni uestre per apostolica scripta mandamus atque
precipimus, quatinus") memoratas res ad usum capituli uestri, cui
a prefato archiepiscopo deputate sunt et nostro priuilegio confir-
mate, faciatis contradictione et appellatione cessante, ad commu-
nionem canonicorum sine diminucione reduci, ita tamen quod nichil a
prepositis preter teuerem priuilegii exigatur. Dat. Lat. XIIII
kal. augusti.
d) quantum.
101.
Alexander III. überträgt dem Bischof von Kodes und dem Abt
von Beaulieu die Entscheidung eines Streites zwischen den Kanonikern
10*
148 Wilhelm Wiederhold.
von Saint-Antonin und dem Bischof von CdJiors wegen der Kirchen
von Caylus, Anagni (1159 — 79) November 28.
Kopie von 1668 VI n Montauhan Ärch, Bep. (Chapitre colUgial
de Saint-Antonin G. 945).
Alexander episcopus seruus sernorum Dei. Venerabili fratri
Rhntenensi episcopo et«^ dilecto filio abbati Bellilocensi salutem
et apostolicam benedictionem. Cnm prior canonicorum sancti
Antonii et nuntius Caturcensis episcopi pro causa que inter eos
super ecclesüs de Gay Ins uertitur, in nostra essent presentia con-
stituti, prior canonicorum asseruit, quod episcopus eos super iam
dictis ecclesüs iniuste grauaret et eas sibi conaretur auferre, nun-
tius uero episcopi econtra proposuit, quod quidam de canonicis
contra prohibitionem suam in eisdem ecclesüs diuina celebrauit et
excommunicatos ipsius recepit et Christiane tradere sepulture pre-
sumpsit. Quoniam igitur in eadem causa non potuimus proeedere,
pro eo quod illi non uenerant ad agendum parati, uobis, de quornm
prudentia et honestate confidimus, ad petitionem eorumdem prioris
et nuntii eamdem causam commisimus audiendam et fine debito
terminandam; ideoque discretioni uestre per apostolica scripta
mandamus quatenus, cum exinde fueritis requisiti, in unum pariter
conuenientes utramque partem ante uestram presentiam conuocetis
et rationibus bincinde plenius auditis et cognitis, eandem causam
concordia uel mediante iustitia, remoto apellationis obstaculo, ter-
minetis. Dat. Anagnie IV kal. decembris.
a) et fehlt
103.
Alexander HL schreibt den Äbten von Sanlct Afrodisius und
Sanl't JaJcob in Beziers, daß sie die der KathedrdlJcirche schuldigen
Leistungen nicht verweigern, tvenn sie sich aber nicht zu solchen ver-
pflichtet glauben, dem Urteil der Bischöfe von Montpellier und Lcdeve
folgen sollen. Anagni (1160 — 76) März 13.
Livre noir de Beziers von 1771 f. 3J27 Montpellier Arch, D('p.
(Cliapitre cathedral de Beziers).
Alexander episcopus seruus seruorum Dei. Dilectis filiis sancti
Affrodisii et°) sancti lacobi ßiterrensibus abbatibus salutem et
d) et fehlt.
Papsturkunden in Frankreich VII. 149
apostolicam benedictionem. Significauit nobis uenerabilis frater
noster Biterrensis episcopus, quod cum ecciesie uestre sint quasi
due prebende scilicet cathedralis ecciesie et predecessores uestri,
qui fuerunt pro tempore, eidem ecciesie in constitutis diebus con-
sueuerint stationes impendere, uos eidem ecciesie stationes ipsas
subtrabitis et a prefato episcopo commoniti, commonitioni sue in
bac parte acquiescere recusatis. Attendentes itaque, quomodo non
sit uestre conueniens bonestati, matrici ecciesie uestre in biis uel
in aliis debitum honorem et reuerentiam denegare, per apostolica
uobis scripta precipiendo mandamus, quatiaus prefate ecciesie pre-
scriptas stationes, sicut ab antiquo fuerat consuetum, sine contra-
dictione qualibet persoluatis aut, si contra petitionem prefati epi-
scopi creditis uos esse munitos, ei exinde coram uenerabilibus fra-
tribus nostris Magalonensi et Ludouensi episcopis appellatione
remota faciatis iusticie complementum. Dat. Anagnie III idus
martii.
103.
Alexander III. erlaubt dem Bischof von Bhiers, die Kirchen
SanJct Äfrodisius und SanJcf Jalcoh im Falle einer Ahtsvalianz drei
Jahre lang in seiner persönlichen Vertvaltmig m behalten.
Anagni (1160—76) April 19,
Livre 72oir de Beziers von 1771 f. 827 Montpellier Ar eh. Dep,
(Chapitre cathedral de Beziers).
Alexander episcopus seruus seruorum Dei. Venerabili fratri
Biterrensi episcopo salutem et apostolicam benedictionem. Fratres
et coepiscopos nostros specialiter quadam dilectione "^ debemus diligere
et eos in quibus conuenit, honore pariter et gratia preuenire. Hac
itaque consideratione inducti et tue deuotionis intuitu nicbilominus
prouocati nee non etiam necessitatem et tenuitatem tuam consi-
derantes, tibi auctoritate apostolica^) indulgemus, ut cum aliquam
ecclesiarum sancti lacobi et sancti Affrodisii uacare cognoueris,
liberum tibi sit eam ad manus tuas usque ad triennium tue susten-
tationis subsidio retinere, ita quod sub amministratione tua et'')
regimine augeri pocius debeat quam diminutionem quamlibet susti-
nere. Dat. Anagnie XIII kal. maii.
a) dilectione fehlt. h) aspostolica. c) et fehlt.
150 Wilhelm Wiederhold,
104.
Alexander III. schreibt dem Dekali und dem Kapitel von Chartres,
daß ein apostolischer Legat in der Kirche von Chartres irgend etwas
gegen die Statuten und Geivohnheiten dieser Kirche nur auf ausdrück-
liclies päpstliches Mandat anordnen dürfe.
Lateran (1166—79) Mai 22.
Privileges de Veglise de Chartres s. XV f. 36 Toulouse Bihh
Comm. Ms. 590.
Alexander episcopus seruus seruorum Dei. Dilectis filiis de-
cano et capitulo Carnotensi salutem et apostolicam benedictionem.
Deuocionis") uestre precibus inclinati, ut ne per aliquem legatum
sedis apostolice contra statuta in ecclesia Carnotensi edita salu-
bria et honesta ac consuetudines approbatas et hactenus paeifice
in eadem ecclesia obseruatas aliquid statui ordinari seu immutari
ualeat absque speciali mandato sedis apostolice, faciente plenam et
expressam de hac indulgencia mentionem, auctoritate presentium
districtius inhibemus. Nulli ergo omnino hominum liceat hanc
paginam*^ nostre inbibicionis infringere uel ei ausu temerario con-
traire. Si quis autem boc attemptare presumpserit, indignacionem
omnipotentis Dei et beatorum Petri et Pauli apostolorum eins sc
nouerit incursurum. Dat. Lateran. XI kal. iunii.
I
ä) Deuocioni. h) paginem.
105.
Alexander III. schreibt den Bischöfen von Bazas und AngoulemCy
daß sie den Erzbischof von Bordeaux ermahnen sollen^ das dem Kloster
Sainte-Croix in Bordeaux von dem verstorbenen Erzbisclwf Gaufried
entfremdete Oratorium des heiligen Luperculus und einige andere
Kapellen zurückzugeben, oder die Streitfrage ordnungsgemäß unter-
suchen und entscheiden. Lateran (1166 — 79J Juni 1,
Orig. Bordeaux Ar eh. Dep. (Abbaye Sainte-Croix de Bordeaux
A Layette o).
Alexander episcopus seruus seruorum Dei. Venerabilibus fra-
tribus Engolismensi et Vasatensi episcopis | salutem et apostolicam
benedictionem. Ex conquestione dilectorum filiorum nostrorum
abbatis et fratrum sancte Crucis Burdegalensis accepilmus, quod
cum ipsi Oratorium sancti LupercuH longo tempore paeifice posse-
Papsturkunden in Frankreich YII. 151
dissent, bone memorie G(aufredus) quondam Burde|galensis archi-
episcopus eos prescripto oratorio et sancti Nicholai de Biancafort
et sancti Bartholomei de Lamarca capelllis contra iustitiam spoli-
auit. Volentes itaque iuri predictorum fratrum pastorali soUicitu-
dine prouidere, causam ipsam uestre discretioni committimus, pre-
sentium uobis auctoritate mandantes, quatinus uenerabilem | fratrem
nostrum Burdegalensem archiepiscopum, qui nunc est, monere curetis
et diligenter inducere, ut memoratis fratribus | prescriptum Orato-
rium et capellas sine difficultate restituat et in pace dimittat uel
sub examine uestro | iustitie non differat sollicitudinem exhibere.
Si uero causam intrare maluerit, uos eam diligentius audiaitis et
sine personarum acceptione concordia uel iudicio terminetis. Cete-
rum si qua partium duxerit appellan|dum, uos rationes et allega-
tiones nichilominus audiatis, testes appellatione cessante recipiatis
et eorumdem iuratorum depositiones studiose conscriptas sub
sigillis uestris clausas nobis mittatis, prefigenites utrique parti
terminum competentem, quo cum ipsis attestationibus et allegatio-
nibus apostolico se conspectui | representent. Porro si bis exse-
quendis uterque uestrum interesse non poterit, alter uiris discretis
et honestis | sibi assertis, ea nichilominus exsequatur. Dat.
Lateran, kal. iun.
B.
Alexander III, schreibt dem Abt Petrus und den Brüdern von
Saint'Martin de Canigou , daß für etwaige Streitigkeiten mit dem
Kloster La Grasse nur der Fapst oder sein besonders Beauftragter
zuständig sein sollen. Lateran (1178—79) April 22.
Chartularium s. Martini Canigonensis s. XII p. 12 Perpignan
Arch. Dep. H. 143.
Vgl, Revue archeologique III ^ serie t. XVI (1890) p. 64.
Alexander episcopus seruus seruorum Dei. Dilectis filiis Petro
abbati et fratribus Canigonensis monasterii salutem et apostolicam
benedictionem. Cum in nostra esses, fili abbas, presencia con-
stitutus, monasterium tuum proposuisti ad tutelam et dispositionem
sacrosancte Romane ecclesie nullo mediante spectare et beato
Petro existere censualem. Adiecisti etiam, quod abbas et fratres
Crassensis monasterii grauamina multa et molestias comisso tibi
152 Wilhelm Wiederhold,
monasterio indesinenter inferant et eins deprimant libertatem, et
licet idem abbas nos") apellasset, clam tarnen recessit. Vnde nobis
atencius suplicasti, ut idem monasterium seruemus indempne et
debita faceremus libertate gaudere. Quoniam uero prouidere nos
conuenit, ne ecclesie que specialiter iuris nostri existunt, indebitis
molestiis adgrauentur, auctoritate uobis apostolica duximus indul-
gendum, ne abbas uel fratres prescripti monasterii Crassensis uos
possint, nisi in presentia Romani pontificis uel illius cui ipse man-
dauerit, "oecasione qualibet conuenire. Dat. Lateranis X kal.
madii.
a) uos.
107.
Alexander III. bestätigt dem Bischof, dem DeJcan und dem Kapitel
von Chartres das BecJif, die Unfreien der Kirche freizulassen und
verbietet allen Fremden, die Unfreien der Kirche von Chartres mit
Abgaben zu belegen. Lateran (1179) März 4.
Frivileges de Veglise de Chartres s. XV f. 36 Toulouse Bibl,
Comm. Ms. 590.
Vgl J-L. 18317 a.
Alexander episcopus seruns seruorum Dei. Venerabili fratri
episcopo et dilectis filiis decano et capitulo Carnotensi salutem et
apostolicam benedictionem. Cum ecclesiarum necessitati consu-
lere et de utilitate debeamus efficaciter cogitare, hiis intentis, quan-
tum cum Deo possumus, fauorem uolumus apostolicum impertiri.
flac itaque ratione inducti et uestris precibus inclinati, ut seruos
ecclesie Camotensis, quos ad ipsam pleno iure pertinere constiterit,
possitis pro necessitate uel manifesta utilitate ipsius ecclesie manu-
mittere, secundum consuetudinem in hiis a tempore bone memorie
Yuonis Camotensis episcopi hactenus obseruatam, auctoritate
uobis apostolica concedimus sub interminatione anathematis prohi-
bentes, ne quis seruos ecclesie in eins fundo morantes tailliare
presumat, nisi forte idem serui possessiones habuerint ab aliis, qua-
rum obtentu possint illis exactiones imponi. Indignum est enim
ut qui seruis ecclesie possessionem non dedit, sie ipsos extenuet et
affligat, ut ecclesie ad quam solummodo spectant, nequeant deseruire.
Nulli ergo omnino hominum liceat hanc paginam nostre concessi-
onis et prohibicionis infringere uel ei ausu temerario contraire.
Papsturkunden in Frankreich VIL 153
Si qnis autem hoc attemptare presumpserit, indignacionem omni-
potentis Dei et beatorum Petri et Pauli apostolorum eius se no-
uerit incursurum. Dat. Lateran. IUI non. marcii.
108.
Alexander III. nimmt das CisterzienserMoster Bonnecomhe unter
dem Äbt Hugo in den apostolischen Schutz und bestätigt ihm die Be-
sitzungen, die Zehnten, das Aufnahmerecht und den Klosterfrieden,
Lateran 1179 März 24,
Coli Doat 138 f 41 (von 1667 III 17) Paris Bibl Nat.
J-L. 13340. Die Besitzungen sind: Locum ipsum, in quo pre-
scriptum monasterium constructum est, cum omnibus pertinentiis
suis, grangiam de Valleias cum omnibus pertinentiis suis, grangiam
de Montecaluo cum omnibus pertinentiis suis, grangiam de Magrin
cum pertinentiis suis, grangiam de Is cum pertinentiis suis, gran-
giam de Gase Dei cum pertinentiis suis, uineas quas habetis in
parrocbia sancti Liecii.
Alexander episcopus seruus seruorum Dei. Dilectis filiis Hu-
goni abbati monasterii beate Marie de Bonacumba eiusque fratribus
tarn presentibus quam futuris regulärem uitam professis in perpe-
tuum"\ Religiosam vitam eligentibus.
R. Ego Alexander catholice ecclesie episcopus ss. BV.
t Ego Hubaldus^^ Hostiensis episcopus ss.
f Ego lohannes presb. card. sanctorum lohannis et Pauli tit. Pa-
machii ss.
f Ego Petrus presb. card. (tit. sancti) Grisogoni ss.
f Ego Cinthyus presb. card. tit. sancte Cecilie ss.
•f Ego Arduinus presb. tit. sancte Crucis (in) lerusalem card. ss.
f Ego lacintbus^^ diac. card. sancte Marie in Cosmidyn ss.
f Ego Ardicio diac. card, sancti Theodori ss.
t Ego Laborans diac. card. sancte Marie in Porticu ss.
f Ego Eainerius diac. card. sancti Greorgii ad Velum au-
reum ss.
f Ego Grratianus diac. card. sanctorum Cosme et Da-
miani^ ss.
t Ego Matheus sancte Marie Noue diac. card. ss.
t Ego Bernardus diac. card. sancti Nicolai in carcere Tul-
liano ss.
a) in publicum. h) Arbaldus. c) lacobus. d) Diamiani.
154 Wilhelm Wiederhold,
Dat. Lateran, per manum Alberti sancte Romane ecclesie
presbiteri cardinalis et cancellarii, IX kal. aprili(s), indictione XII,
incarnationis dominice anno ]\PC°LXX^VIII^, pontificatus uero do-
mini Alexandri pape III anno uicesimo*).
e) eius uicesimo.
109.
Alexander III. nimmt das Kloster Saint-Pierre de Verteuil in
den apostolischen Schuf js und bestätigt ihn die Besitzungen und Rechte,
namentlich Auf nahmer echt , Freiheit vom Interdikt, Sepidtur und freie
Wahl des Abts. Lateran 1179 Mai 14.
Kopie von 1637 IV 20 (aus Kopie von 1575 XII 5 aus Kopie
von 1517 XI 27) Bordeaux Arch, Bep. G. 609.
Ber Text ist sehr schlecht, die Namen sicher noch der Emendation
bedürftig. Bie Besitzungen sind : Massum sanctuarii, in quo ecclesia
uestra sita est, cum tota sibi adiacente uilla, laudam que est
luxta**) massem que excolitur ab hominibus ecclesie et a uobis,
duas partes laude de Albina et castellarium de Beneuento, totam
terram de Euga, medietatem agrerie de Perms, terram de Argola,
terram de Beorellot, terram de Bragrauac, terram de Lestoringas,
terram Dusplaustro Normam, terram de Huneglone, terram de
Lartiga, Eiquar, Graua, terram de Bixenera, terram de la Forgere,
terram de Fontmarmori, terram de la Bordaria, Andre de Coux,
terram de Pompilet, terram de Bader, terram de Vsagies, boeriam
de castello Ambasal, inter eandem boeriam et Petrum Fort terram
de Laricu, duo^^ casalia iuxta nemus Cannal, terram de Lartiga
Arral, unum casale ad opus^^ hospitalis, aliud ad necessitatem ec-
clesie iuxta Massam, terram Arnaldi de Palude, terram Garsolini
E/Omani, borderiam et aliam terram de Cabelons, terram quam
Archambaudus uestre dedit ecclesie, pratum de Mapon, borderiam '^^
de Marbus et Montaiamus, terram de las Boffettes, allogium de
Tastas, clausum de Caufre, terram de Autellam, terram apud
Baias et aiacente sibi aqua, terram Sancii Gorret, terram de Ruado
allodio, terram de Sortrans, unum massum terre apud Serueras,
totam terram de Lagranet, Mathey, Fraxenet, medietatem de Caua
Doilmat et amplius unam artigam, hereditatem Arnaldi et filiorum
eius apud Stringar et apud Lemoux, terram de loco Spinoso, uillam
a) iusta. h) deu. c) hopus. d) boriam.
Papsturkunden in Frankreich VII. 155
que dicitur sancti Laurentii, unam domum cum casali apud Burde-
galam et quandam partem uinee iuxta Medulcensis portam et ter-
rain quandam iuxta sanctum Genesium, terram de la Grauellos,
clausium de Brehens, clausium de monte Arene, terram de Vene,
terram de Trosonia, feudum FoUaudi ad Begada et terram de
Graua, medietatem eiusdem saline apud Solanum et pontum iuxta "^
salinam, allodium de Totasis, Anuntia, de Bunagor et iuxta la
Gruella et de Godimano et de Plazan, allodium de Labellota de
la Hayla, quatuor currus lignorum et sex ^) solidos Burdegalensis-^^
monete, censuales uno quoque anno in natiuitate Domini, apud
Meyrinhac, de Castellus, de Nouelles, agreriam molarum apud
Ayran, molendinum de Tudella, duas partes molendini de Manissa
et totam ferinam omnium molinarum de Ayga, molinarum de Font-
barsonis, duas partes molendini de Osco, duo molendinarum iuxta
Exparram, molinarum de monte ^^ Aiaugos, medietatem molendini
de Barlandio, quandam terram de Loberras, totam decimam de
Eux, totam decimam quam uenerabilis Cantor habebat in Krentia,
in Trelinbret, de Artiga Filo, totam decimam dimidii masse Fortis
Andraldi de Bouhane et totam decimam quam habebat in terra
parte masse Constanti Exancii de Artigabraza, totam decimam de
Periis, totam decimam de Cuga, totam decimam de terra de Fori-
lages, totam decimam Dassenlas et duas partes decime de Plassas
et de Casaleis et de Noueriis et de Casada et duas partes decime
feudi de Alam apud Cambel, totam decimam de borderia Andronis
de Coux, totam decimam de borderia Fortis Stephani, totam deci-
mam de uinea Ricardi que est Alugabac, totam decimam de Pu-
gadheam et de bordaria Monachi iuxta nemus Cannal, totam deci-
mam de borderia'*) Capitalis, totam decimam de casale Helie de
Vertolio, duas partes alterius decime totius parrochie, medietatem
de terra Goselin Romanii, totam decimam de Blauiac et de An-
trillam, totam decimam de Tropiatz et de borderia Ramondi de
Plauges et de borderia Andronis de Coux apud Doiac, totam de-
cimam de borderia de Gistui apud Carsam, decimam de molendino
sancti Genesii de Merra et redecimam totius decime et totam de-
cimam eclesiarum parrochie de Begasan, pascherium porcorum ue-
strorum et paduentia Montis et Laude totius honoris') omnibus
animalibus uestris, ecclesiam de Syssaco et capellam de Ardenac
cum pertinentüs earum, ecclesiam de Saussan, ecclesiam de Mar-
gaux, ecclesiam de Cantenac, ecclesiam sancti Germani de Stolio
e) sics, f) Burdegalenses. g) de monte de monte. h) boria.
i) honnoris honoris.
156 Wilhelm Wiederhold,
et capellam sancti loannis de Pedegeniaco, ecclesiam de Begaza,
ecclesiam de Vux et capellam de Lusme cum pertinentiis earum,
laudam de Lauisiara et qaandam terram apud Casam; preterea
possessiones*^ donationes iura libertates et rationabiles consuetu-
dines, quas uenerabiKs comes Pictauiensis, fundator ecclesie uestre,
seu quilibet alii fideles tam in spiritualibus quam temporalibus
ecclesie uestre concesserint, sicut in authentico scripto uenerabilis
fratris nostri Burdegalensis ^^ archiepiscopi continetur; posses-
sionem '"^ quoque quam idem uenerabilis frater noster Burdigalensis
archiepiscopus annuatim") in festo sancti Marchi uobis concessit,
authoritate uobis apostolica nihilominus confirmamus. Sane noua-
lium uestrorum u. s. w.
Alexander episcopus seruus seruorum Dei. Dilectis filiis ab-
bati^) monasterii sancti Petri Vertoliensis eiusque fratribus tam
presentibus quam futuris regulärem uitam professis in perpetuum^).
In eo loco sumus.
R. Ego Alexander catholice ecclesie episcopus ss.?) BV.
f Ego Ybaldus**) Hostiensis episcopus ss.
f Ego Joannes presb. card. sanctorum loannis et Pauli tit. Pa-
machii*^ ss.
t Ego Joannes presb. card. tit. sancte Anastasie ss.
t Ego Petrus presb. card. tit. sancti Grisogoni ss.
f Ego Viuianus^) presb. card. tit. sancti Stephani in Celio monte ss.
t Ego €intbius presb. card. tit. sancte Cecilie") ss.
f Ego Matheus presb. card. tit. sancti Marcelli ss.
t Ego lacinthus «"^ diac. card. sancte Marie in Cosmedin ss.
t Ego Ardicio sancti Theodori") diac. card. ss.
t Ego Laborans diac. card. sancte Marie in Porticu**) ss.
t Ego Rainerius^) diac. card. sancti Greorgii ad Velum
aureum ss.
f Ego Matheus sancte Marie Noue diac. card. ss.
Dat. Lateran, per manum Alberti sancte Romane ecclesie
presbiteri cardinalis et cancellarii, II idus maii, indictione XII,
anno incamationis dominice?^^ M*^C^LXX*^IX^j pontificatus uero do-
mini Alexandri pape III anno-^ XX^
k) pocessiones. l) uenerabilis Burdegalensis. m) pocessionem.
n) animatim. o) uenerabilissimo abbati. jj) in proprio monasterio.
q) 88 und t fehlen überall r) Irbaldus. s) Lamathei. t) Verianus,
u) eclesie. uu) lacobus. v) Theodorii. ic) Portice.
x) Rannerius. y) incamationis dominice fehlt. z) anno eius XX°.
Papsturkunden in Frankreich VII. 157
110.
Alexander II J, befieJiU dem Erzhiscltof von Sens einige Satzungen
des apostolischen Legaten, des BiscJiofs von TusTculum betreffend die
Kirche von Charires zu mildern und etwa schon ergangene ExTcom-
muniJcationen wieder aufzuheben. Lateran (1179) Mai 22.
Privileges de Veglise de Chartres s. XV f. 36' Toulouse Bibl.
Comm. Ms. 590.
Vorher geht die in Adresse und Text tvörtlich gleiche Urkunde
Alexanders IV. Dat. Anagnie II non. üctobr., pontificatus nostri
anno secundo.
Alexander episcopus seruns seruorum Bei. Venerabili fratri
arcMepiscopo Senonensi salutem et apostolicam benedictionem.
Dilecti filii decanus et capitulum Carnotense sua nobis peticione
monstrarunt, quod uenerabilis frater noster episcopus Tusculanus,
tunc in partibus illis apostolice sedis legatus, quasdam constitutiones
edidit in ecclesia Carnotensi, in transgressores earum suspensionis
et priuacionis distribucionum, excommunicationis sentencia promul-
gata, quam aliqui ex ipso capitulo occasione constitutionum ipsa-
rum, quia sunt ualde difficiles, ut asserunt, dubitant incurisse.
Quare iidem decanus et capitulum nobis humiliter supplicarunt, ut
moderari constitutiones easdem per te, qui loci metropolitanus
existis, de benignitate sedis apostolice mandaremus, nos igitur
ipsorum supplicationibusl inclinati, fraternitati tue per apostolica
scripta mandamus, quatinus constitutiones easdem moderans, prout
secundum Deum animarum suarum saluti uideris expedire, ab
huiusmodi excommunicationis sentencia absoluas eosdem, dispensans
cum eis auctoritate nostra super irregularitate, si quam exinde
contraxerunt. Dat. Lateran. XI kal. iunii.
111.
Alexander III. nimmt das Hospital von Cauterets mit seinen
Besitzungen in den apostolischen Schutz.
Tushidum (1171—80) Juli 22.
Orig. Pau Arch. Dep. (Äbbaye de Saint-Savin de Lavedan H. 148).
ALEXANDER episcopus seruus seruorum Dei. Dilectis filiis
procu|ratori hospitalis de Caldares eiusque fratribus salutem et
apostolicam benedictionem. | Ad confouendam religionem et
158 AVilhelm Wiederhold,
in suo statu plenius robore conseruan'dam tota nos decet medi-
tatione intendere et loca que hospijtalitati et refectioni pauperam
aliisque pietatis operibus sunt | dedicata, contra prauorum inso-
lentiam apostolica protectione | nos conuenit communire. Eapropter,
dilecti in Domino filii, | uestris iustis petitionibus benignius annuen-
tes, prescrijptum hospitale cum omnibus que in presentiarum legi-
time I possidet aut in futurum iustis modis prestante Domino pot-
erit adipijsci, sub beati Petri et nostra protectione suscipimus et
pre|sentis scripti patrocinio communimus. Statuentes ut nulli |
omnino hominum liceat predictum hospitale aut iura eins | temere
inuadere seu quibuslibet aliis uexationibus perturbare. | Si quis
autem hoc attemptare presumpserit, indignationem omni;potentis
Dei et beatorum Petri et Pauli apostolorum eius se nouerit | in-
cursurum. Dat. Tusculan. XI kal. aug.
113.
Alexander HL bestätigt dem Kloster Saint - Denis - en - Broqtteroie
unter dem Abt Gervasius die Besitzungen, die Zehnten und die freie I
Wahl des Abtes. (1169—1181).
Chartularium niajus Silvae niajoris s. XIII p. 290 Bordeaux
Bibl. Comm. Ms. 769 vol. II = Chartularium minus Silvae majoris
s. XIV p. 196 ebenda M. 770 = Estiennot Fragmenta historiae Aqui-
tanicae t. IX von 1679 p. 284: Paris Bibl Nat. Ms. lat. 12771.
J'L. 14221 nach Ms. lat. 12771. Das Kloster hatte noch Ur-
kunden von Calixt II. J-L. 6783 und Lucius HL J-L. 14877, die
in den Chartularen im Staatsarchiv von Mons überliefert sind; eine
Überlieferung unserer ürJcunde aber findet sich dort nicht.
Alexander episcopus seruus seruorum Dei. Dilecto filio Ger-
uasio abbati sancti Dyonisii iuxta Montes eiusque successoribus
regulariter substituendis'') in perpetuum. Officii nostri nos
ortatur auctoritas u. s, iv. Quam ob rem Gerardi, Odonis, Bur-
chadi, Lecardi, Nicholai, Rogeri bone memorie Cameracensium
episcoporum nee non et comitum Haionensium Balduini Iheroso-
limitani^) et filii eius Balduini auctoritate apostolica confirmantes,
presenti decreto statuimus, ut uestri cenobii locus ab omni aduo-
catia et laica dominatione über in perpetuum perseueret. Porro
ä) sustinendis. h) corr. aus Iherosolimitanis, es fehlt etwa consti-
tutiones oder statuta.
Papsturkunden in Frankreich YII. 159
quecTimque bona uestro cenobio supradictorum episcoporura et
comitum concessione legitime collata sunt nos*') quoque, dilecte in
Domino iili Geruasi, nicbilominus dilectioni tue concedimus ; altare
quoque sancti Dionisii omnino liberum et sine persona et redditum
et alodium eins uille cum seruis et ancillis, Northmanos etiam et
Albanos, quamdiu ibi manserint, fore decernimus, quemadmodum
prefatus comes Balduinus noscitur statuisse. Coniirmamus insuper
tibi tuisque successoribus infrascriptas possessiones : Ecclesiam
sancti Petri de Montibus cum omni possessione sua, in Montiniaco
unum mansum terre cum duobus decime manipulis, seruis et an-
cillis et in Omnibus terris cultis et incultis ad predictam uillam
pertinentibus, partem alodii de Buengn(o) et de Lestennis, alodium
de Alburg cum duobus decime manipulis, seruis et ancillis, pas-
magiumque de silua et omnes redditus eiusdem uille, alodium
quod est infra Hamacie, riuum usque ad alodium de Gotheniis et
de Tielgiis, alodium de Obertiis cum seruis et ancillis et omnes
redditus uille, dimidium quoque alodium de Tbineis in Halbanio
et dimidium altare liberum sine persona, unum mansum in Tri-
ueria, alodium de Hosden, partem alodii de Artra, totum alodium de
Masnil in siluis, in terris, in pratis, alodium apud sanctum Lam-
bertum, alodium de Baulengien et mansum de Mainui partemque
alodii de Hamberliis, altare de Alburg, altare de Hauerebt cum
duobus decime manipulis, cum omnibus terris cultis et incultis,
altare de Lebecca liberum et sine persona, saluo nimirum censu
duorum solidorum annualiter a uobis Cameracensi episcopo persol-
üendo, altare quoque de Canatha, quod eidem episcopo singulis
annis duodecim denarios reddere debet, item altaria de lotbeniis,
de Natha et de Tbier, de Hosden et de Tielgiis, de Maregio et
altare quod sanctus Saluator uocatur, altare de Houes et de
Eagien cum omnibus ad idem altare iure pertinentibus, altare de
Oydengien et capellam de Folence et totam terram que Huberti
Fossatum uocatur, terciamque partem decime et totum alodium
quod domna Sara apud Gotheniis possidebat, cum seruis et ancillis,
item alodium quod domnus Guilelmus apud Gogeniis possidebat,
haiam quoque que est iuxta uillam sancti Dyonisii sita'^^, liberam
ab omni terrena dominatione uobis confirmamus, libertatemque
uille, ita ut nullus comitum militum principum castellanorum
mortuam manum, talliam uel aliquam exactionem ab eiusdem uille
incolis*) uel possit uel audeat exigere. In curtibusque uestris fra-
tres uestros diuinum officium celebrare concedimus; confirmamus
c) uos. d) sitam. e) icolis.
160 Wilhelm Wiederhold,
etiam nobis totas decimas de noualibus et pratis ac pecudibus
uestris, adicientes etiam, ut nuUi penitus fas sit in ecclesiis uestris
ad uestmin cenobium pertinentibus sine consensu uestro aut pre-
sbiterum aut alicuius officii clericum constituere. Prohibemus in-
super, ne ullatenus liceat episcopo aut alicui omnino hominum gra-
uamen aliquod prefati loci fratribus irrogare. Obeunte te uero
eiusdem u. 5. w, bis eligendum, electus autem a Cameracensi epi-
scopo consecretur. Decernimus ergo u. s. w. bis inueniant. Amen.
Amen. Amen.
118.
Alexander III. geivährt dem Abt und den Kanonikern von Fre~
montre das Hecht der Aufnahme von WeltgeistUclien .
TusJculum (1171—81) Mai 10.
Confirniatio7ies statutorum et libertatum ordinis Praemonstratensis
s. XIII f. 26^ im Besitz der Frau Gräfin de Villele auf Schloß
Merville bei Toulouse.
Alexander etc, Dilectis fiHis abbati et canonicis Premonstra-
[tensibus] salutem et apostolicam benedictionem. Cum sitis
operibus pietatis et diuinis obsequiis mancipati, ordo iuris ex-
postulat et Caritas ordinata requirit, ut uestris iustis postulacioni-
bus facilem prebeamus assensum et intendamus libenter uestris
commodis et augmentis. Eapropter, dilecti in Domino filii, auctori-
tate uobis presentium indulgemus, ut liceat uobis clericos seculares
cum rebus suis ad uestrum monasterium uenientes, nullius contra-
dictione obstante, recipere, salua tamen illarum ecclesiarum cano-
nica iusticia, in quibus primo fuerunt conuerssati. Nulli ergo etc.
Dat. Tusculani VI idus maii.
114.
Alexander III. befiehlt den Bischöfen Nevelon von Soissons, H. (?)
von Laon und Rainald von Noyon, den KanoniJcern von Prcmonfre auf
ihre Bitte gegen alle Übergriffe^ wenn nötig , mit der Exlcommunihation
der Übeltäter beizustehen. TusJculum (1171—81) Mai 14.
Confirmationes statutorum et libertatum ordinis Praemonstratensis
s. XIII /. ^8« im Besitz der Frau Gräfin de Villele auf Schloß
Merville bei Toulouse.
Papsturkunden in Frankreich VII. 161
Alexander etc. Venerabilibus fratribus N. Suessionensi, H.
Laudunensi et R. Nouiomensi episcopis salutem et apostolicam bene-
dictionem. Apostolice sedis auctoritas nos inducit et debitum
postulat caritatis uiros religiosos oculo benigno respicere et eos
contra maKgnorum bominum insolenciam apostolice defensionis
clipeo communire, nt tanto securius snsceptum religionis officium
exequantur, quanto se uiderint fortius apostolica protectione suf-
fultos. Eapropter fraternitati uestre per apostolica scripta pre-
cipiendo mandamus, quatenus, si dilecti filii nostri Premonstratenses
canonici de parochiis uestris malefactoribus suis, qui eis res suas
abstulerint«), in uestra presentia deposuerint questionem, monere
curetis eos et diligenter instruere, ut dampna data resarciant,
ablata restituant et de iniuriis illatis satisfaciant congruenter.
Quod si monitis uestris non acquieuerint, ipsos non obstante
gracia uel timore, donec res ipsas rediderint uel eis satisfecerint,
appellacione remota, excommunicationis uinculo astringatis. Quod
si nee sie resipuerint, in locis in quibus presentes fuerint, diuina
probibeatis officia celebrari, prouidentes, ne excommunicationis uel
interdicti sentencia nisi a uoluntate illorum sine satisfactione con-
grua relaxetur, ut ipsi per uos sentiant sibi iura sua seruari et
uos possitis de zelo iusticie merito commendari. Dat. Tusculani
II idus marcii.
a) abstulerit.
115.
Heinrich Bischof von Älbano, Legat des apostolischen Stuhles, be-
stätigt Petrus, dem Meister des Hospitals von Äubrac, die ihm vom
Bischof von Rode^ geschenkte Kirche von Saint-Laurent de Prades.
Coli JDoat 134 f, 8 (von 1667 VI 30) Paris Bibl. JSat,
Henricus Dei gratia Albanensis episcopus, apostolice sedis
legatus, dilecto in Cbristo filio Petro magistro domus hospitalis
d'Albrac. Cum ea que a uenerabilibus fratribus et coepiscopis
nostris personis et locis religio sis pietatis intuitu conferuntur,
temeraria presumptione non debent euelli seu irrationabiliter reuo-
cari, ecclesiam sancti Laurencii de Prades, sicut rationabiliter et
canonice uenerabilis frater noster Hutbenensis episcopus eam tibi
concessit, autboritate domini pape ac nostra parte bospitali de
Altobraco in perpetuum confirmamus et presentis scripti patrocinio
communimus. Statuentes ut nulli omnino bominum liceat contra
haue nostre confirmationis paginam uenire seu ei aliquatenus con-
Kgl. Ges. d. Wiss. Nachrichten. Phil.-hist. Klasse. 1913. Beiheft. H
162 Wilhelm Wiederhold,
traire. Qnod si quis hoc attemptare presumpserit, indignationem
omnipotentis Dei et beatorum Petri et Pauli apostolorum eins et
nostram se nouerit incursurum.
116.
Heinrich von Älbano beurkundet eine ScJienhung zu Gunsten des
Klosters Fontfroide. Perpignan, Februar.
Coli Doat 59 (von 1668 XI 19) f. 56 Paris Bibl. Nat. (aus
Original aux archives de Vdbbaye de Fontfroide).
Mit der Randnotiz „1168''.
Ego Henricus Dei gratia Albanensis episcopus, apostolice sedis
legatus, notum facio presentibus et futuris, quod Barta miles, filius
Maltildis, in nostra presentia constitutus recognouit, quia omni iuri
seu proprietati, quam se asserebat habere in campo quem Bernardus
Pelapulli dederat Deo et fratribus Fontisfrigidi , coram multis
testibus abrenunciasset et instrumentum, in quo eius abrenuntiatio
continetur, abbati eiusdem loci quiete et libere tradidisset. Quam
autem semel legitimam et solempnem donationem illam factam
intellexi, iudicaui, eodem milite laudante et assentiente, quia nil
deinceps in predicto campo iuste repetere uel reclamare deberet.
Huius autem cognitionis prefati militis testes sunt Brengarius
prior sancti Laurentii et Bernardus Arnaldi capellanus de Cur-
tiano.
Data apud Perpiniacum mense februario, per me dominum
Isemberti cancellarii nostri«\
a) so in der Abschrift, anscheinend sind Wörter ausgefallen.
m.
Lucius III. nimmt das Cisterzienser Kloster Notre-Dame de Bonl-
honne unter dem Abt Odo in den apostolischen Schutz und bestätigt
ihm die Besitzungen, die Zehnten ^ das Aufnahmerecht und den Kloster-
frieden. Velletri 1182 November 33.
Coli Doat 83 f. 147' (von 1669 X 3) Paris Bibl. Nat. — Frag-
ment in Coli. Languedoc 77 f. 194 ebenda.
J-L. 14703 nach Coli. Doat. Die Besitzungen sind: Locum
ipsum, in quo prefatum monasterium situm est, cum omnibus per-
Papsturkunden in Frankreich VII. 163
tinentiis suis, abbatiam Turris Agelarii cum omnibus pertinentiis
suisj abbatiam sancti Laurentii cum omnibus pertinentiis suis,
abbatiam de Murello cum omnibus pertinentiis suis, grangiam de
Abbatia et grangiam de Mazeriis cum molendino et omnibus per-
tinentiis suis, grangiam de Thoro et grangiam de Artenaco cum
omnibus earum appenditiis, grangiam de Bonorepaus et grangiam
de Sauartes cum omnibus earum pertinentiis, domum quam habetis
in Appamia cum pertinentiis suis, pascua que habetis in Montanas
de Queir et pascua que habetis ex dono siue ex uenditione a barone
de Castello Virduno. Sane laborum ti, s. iv.
Lucius episcopus seruus seruorum Dei. Dilectis filiis Odoni
abbati monasterii sancte Marie de Bolbona eiusque fratribus tam
presentibus quam futuris regulärem uitam professis in perpetuum.
Heligiosam uitam eligentibus.
ß. Ego Lucius catholice ecclesie episcopus ss. BV.
f Ego Theodinus Portuensis et sancte Rufine sedis epi-
scopus SS.
f Ego Henricus Albanensis episcopus ss.
t Ego Viuianus tit. sancti Stephani in Celio monte presb. card. ss.
t Ego Arduinus presb. card. tit. sancte Crucis in lerusalem ss.
I Ego Laborans presb. card. sancte Marie trans Tiberim tit. Ca-
lixti SS.
f Ego Raynerius sancti Georgii ad Velum aureum diac.
card. SS.
f Ego Gratianus sanctorum Cosme et Damiani diac. card. ss.
Dat. Velletr. per manum Alberti sancte Bomane ecclesie
presbiteri cardinalis et cancellarii, IX kal. decembris, indictione I,
incarnationis dominice anno M^C^LXXXIP, pontificatus uero domini
Lucii pape III anno IL
118.
Lucius III. ermalmt den BeJctor und Klerus der Kirche von
Roason, von den Johannitern gegen deren Privilegien 'keine Zehnten
zu nehmen und sich jeder Belästigung der Brüder zu enthalten.
Velletri (1182-83) Mai 17.
Kopie s. XIII Toidouse Ar eh. Dep. (Ordre de Malte H. 45).
Lucius episcopus seruus seruorum Dei. Dilectis filiis rectori
et uniuerso clero ecclesie de Boazon salutem et apostolicam bene-
dictionem. Cum dilecti filii nostri fratres Hiersolimitani hospi-
11*
154 Wilhelm Wiederhold,
taüs de benignitate sedis apostolice eo gaudeant priuilegio, ut de
laboribus, quos propriis manibus uel sumptibus excolxmt, aut de
nutrimentis animalium suorum nemini decimas soluere teneantur,
aduersus uos possumus de ratione moueri, quod uos ab eis, sicut
assenmt, de bis decimas non solum exigitis sed etiam uiolentis
manibus extorquetis. Quoniam igitur sustinere non possumus nee
debemus, ut priuilegia Romane ecclesie uiolentur, que teuere debent
inuiolabilem firmitatem, per apostolica uobis scripta mandamus et
in obediencie nomine precipimus, quatenus memoratis fratribus
decimas siquidem ipsis contra tenorem priuilegiorum apostolice
sedis de laboribus suis aut de nutrimentis animalium extorsitas ''^
cum integritate reddatis, nee amodo eadem priuilegia super bis uel
super aliis uiolare temptetis. Verum si inter uos et eosdem
fratres super decimis amicabilis pro bono pacis facta est compo-
sicio, eam uolumus obseruari; si uero precepto nostro presum-
seritis contraire, ita nos auctore Domino compescemus, quod non
sine rubore discetis in posterum, cum quanta diligentia priuilegia
sedis apostolice debetis obseruare. Dat. Velletri XVI kal. iunii.
a) extorsistis.
119,
Lucius III. schreibt dem JBiscJwf Hugo von Rode^, daß der vor-
mals mit dem Schutze der Besitzungen des Bistums Rodez betraute
Graf Raimund von Toulouse oder seine Erben sich in den Burgen
und Besitzungen des Bistums kein Recht oder Macht anmaßen dürften.
Velletri (1182—83) Mai 23.
Orig, Rodez Ar eh. Dep. (EvecM de Rodez G. 33).
LVCIVS episcopus seruus seruorum Dei. Venerabili fratri
Hugoni E-utenensi episcopo salutem et apostolicam | benedictionem.
Ad aures nostras te significante peruenit, quod olim ad Latera-
nense concilium ac|cessurus, timens ecclesie tue pro guerra quam
habebas cum nobili uiro comite Ru|tenensi fratre tuo, ipsam et
castra eins dilecti filii nostri nobilis uiri R(aimundi) comitis Tolo-
sani I custodie tradidisti, qui in reditu tuo sine difficultate resti-
tuit uniuersa. Vnde quoniam | metuis, ne pro detentione huiusmodi
uel alia irrationabili causa ipse uel eins he|redes occasionem acci-
piant in futurum, nos tue et ecclesie paci pro nostri officii debito
con"^jßulentes, sub interminatione anatbematis prohibemus, ne occa-
a) tue "bis con auf Rasur.
Papsturkunden in Frankreich VII. 165
sione prescripte | custodie prefatns comes uel eius heredes qnic-
quam iuris uel potestatis in castris | uel possessionibus ecclesie
supradicte audeant quomodolibet uendicare. Nulli ergo omnino
hominum | liceat hanc paginam nostre prohibitionis infringere uel
ei ausu temerario contraire. Si quis autem hoc attentare presum-
pserit, indignationem omnipotentis Dei et beatolrum Petri et Pauli
apostolorum eius se nouerit incursurum. Dat. Yelletri X kal.
iunii.
B. dep.
130.
Lucius III. beauftragt den AU von Conques und den Propst von
Monisalvy, den Abt von Figeac anBulialten, die dem Bischof von Bodes
widerrechtlich vorenthaltenen Silberzehnten in dessen Bistum ivieder
freizugeben. Velletri (1182—83) Mai 25.
Orig. Bodez Ar eh. Bep. (Eveche de Bodez G. 83). — Kopie
s. XVII ebenda G. 466.
Lucius episcopus seruus seruorum Dei. Dilectis filiis Con-
chensi abbati et preposito Montisjsaluii salutem et apostolicam
benedictionem. In nostra presentia constitutus uenerabilis frater
noster |. Rutbenensis episcopus sua nobis relatione monstrauit,
quod abbas Figiacensis decimas argen'ti fodinar(um) in episcopatu
Rutbenensi ad ipsum de iure spectantes contra iustitiam aufer|re
presumit et contendit illicite detinere. Quoniam igitur predicto
episcopo non possumus nee | debemus in suo iure deesse, discretioni
uestre per apostolica scripta precipiendo man|damus. quatinus, cum
propter hoc fueritis requisiti, partibus ante uestram presentiam |
conuocatis; predictum abbatem ad prescriptas decimas prefato epi-
scopo sine dif ficultate reddendas et in pace de cetero dimittendas
uel plenam iustitiam ] sub uestro iudicio exhibendam, ecclesiasticä
censura cogatis. Dat. Velletri | VIII kal. iunii.
B. dep.
131.
Lucitis III. bestätigt dem Bischof Johann von Maguelone mehrere
dem Bischof besonders reservierte Kirchen.
Velletri (1182—83) Juni 8.
\QQ Wilhelm Wiederhold,
Bullair e de Veveche de Montpellier s. XIV f. 57' und f. 120'
Montpellier Arch. Bep. (Eveche de Maguelone- Montpellier) — Cartu-
laire B de VevecM de Montpellier s. XIV f. 212' ebenda. — Bidlae
et privilegia episcopatus Magalonensis s. XIV f. 70' Paris Bibl. Nat,
Ms, laf. 14688.
J-L, li802 flach Ms. lat. 14688.
LVCIYS episcopus seruus seruorum Dei. Yenerabili fratri lo-
haimi episcopo Magalonensi salutem et apostolicam benedictionem.
lustis petentium desideriis facilem decet nos prebere assensum et
uota que a rationis tramite non discordant, effectu prosequente
complere. Eapropter, uenerabilis in Christo frater, tuis iustis
postulationibus grato concurrentes assensu, ecclesiam sanctorum
Genesii atque Grenesü de Griiano, ecclesiam sancti Andree de Cu-
cuUis, ecclesiam sancti Michaelis de Meiolan(o), ecclesiam sancti
Michaelis de Agusanicis, ecclesiam de Cassiliaco et ecclesiam sancti
Petri de Agautico ad ins episcopale specialiter reseruatas, sicut
eas canonice possides et quiete, tibi tnisque saccessoribus auctori-
tate apostolica confirmamus et presentis scripti patrocinio commu-
nimus. Nulli ergo omnino hominum liceat hanc paginam nostre
confirmationis infringere uel ei ansu temerario contraire. Si quis
autem hoc attemptare presumpserit , indignationem omnipotentis
Dei et beatoram Petri et Pauli apostolorum eins se nouerit incur-
surum. Dat. Velletri«) VI id. iunii.
a) Vületi.
133.
Lucius III. bestätigt dem Dekan Gaufried und dem Kapitel von
Chartres das Recht, gegen etwaige Übergriffe von Angehörigen ihrer
Diözese mit Bann und Interdikt vorzugelien.
Velletri (1183) Januar 16.
Privileges de Veglise de Chartres s. XV f. 1 Toulouse Bibl. Comm.
Ms. 590 (zwei Abschriften). — Cartulaire de Veglise de Chartres s. XIII
f. 29 Paris Bibl. Nat. Ms. lat. 10094.
J-L. 14818 nach Ms. lat. 10094.
Lucius episcopus seruus seruorum Dei. Dilectis filiis G(au-
frido) decano et canonicis Carnotensis ecclesie salutem et aposto-
%
Papsturkunden in Frankreich VII. 167
licam benedictionem. Antiquas et racionabiles consuetudines
ecclesiarum et presertim illarum qua nobis firmiori deuocione ad-
herere uidentur, apostolica nos contienit auctoritate munire et in
suo statu pro nostri officii debito studiosius conseruare, ut eedem
ecclesie in tuendis iusticiis suis contra malignancium incursus for-
tius conualescant, cum fuerint apostolice sedis firmiori patrocinio
premunite. Attendentes itaque sincere deuocionis feruorem, quam
nos et ecclesia uestra erga nos et matrem nostram sacrosanctam
Romanam ecclesiam geritis, uobis et eidem ecclesie auctoritate
apostolica indulgemus, ut liceat uobis secundum antiquam et ratio-
nabilem ipsius ecclesie consuetudinem terras quorumlibet malefac-
torum uestrorum de uestra diocesi rationabiliter interdicere et, si
commoniti non resipuerint, personas eorum usque ad dignam satis-
factionem uinculo anathematis innodare. Dat. Velletri XVII
kal. februarii.
133.
Lucius III. beauftragt Bischof Hugo von Hodez und das Kapitel
daselbst, für schleunige Besetzung der valcant gewordenen Kapitular-
ämter zu sorgen. Velletri (1183) Januar 25,
Orig. Bodez Ar eh. Bep. (Chapitre de Bodez Liasse 2).
Lucius episcopus seruus seruorum Dei. Venerabili fratri Hu-
(goni) episcopo et dilectis filiis eapitulo Rutbunensi salutem | et
apostolicam benedictionem. Eetulit nobis dilectus filius noster
B., arcbidiaconus ecclesie uestre, quod cum ecclesia ipsa | soleat
prepositum sacristam et alias personas habere, nunc per negligen-
tiam uestram prescripta officia uacant. | Nos igitur honestati et
utilitati eiusdem ecclesie pro nostri officii debito intendentes, uni-
uersitati uestre per | apostolica scripta mandamus atque precipimus,
quatinus preposituram sacristiam et alios personatus, quos | in ec-
clesia uacare accepimus, infra triginta dies post harum susceptio-
nem personis idoneis dilatione et | appellationepostposita conferatis.
Si uero episcopus mandatum nostrum in bac parte neglexerit, uos
canonilci infra alios triginta dies nullius appellafione obstante, quod
scribimus impleatis similiter, et si ca|pitulum in negligentia fuerit,
tu, frater episcope, quod mandamus sublato appellationis obstaculo
exequaris, | nullis litteris obstantibus, si que apparuerint a sede
apostolica harum tenore tacita inpetrate. Dat. | Velletri VIII
kal. febr.
B. dep.
168 Wilhelm Wiederhold,
134.
Lucius III. nimmt das Kloster Seillon unter dem Prior Boso in
den apostolisclien Sclmts, bestätigt ihn die Grenzen seines Gebiets^
das Äufnahmerecht und die Zehnten und bedroht alle Angreifer des
Klosters mit der Exhommunihation, Velletri 1183 Mai 16.
De immunitatihiis bonorum ecclesiasticorum s, XV f. 288' Paris
Bihl. Nat. Ms. lat. 12868.
Es folgt die Notiz: Item habet predicta domus aliud priuilegium
sibi concessum a domno papa Alexandro tercio simile in substancia
et uerbis, concessum in Lateran, anno M^CLXXVIII^, pontificatus
uero predicti domni Alexandri pape III anno XX, aber die Urkunde
von 1169 XII 4 (vgl. Papsturhunden in Frankreich II p. 19) wird
nicht erwähnt. — Der nicht formelliafte Teil des Textes lautet : Primus
terminus ab Oriente incipit a uia que a uado subtus Tranqueriam
iuxta Ess(en)tinas tendit ad uadum de lornant, unde per crepidinem
coUis usque Siniciacum et inde per uiam que iuxta Eenouiacum
dirigitur usque ad crucem Montiniaci et a cruce protenduntur us-
que Siliginarias et inde per uiam de Pontuo usque ad uadum de
Brui; secundus a septentrione per stratam iuxta Peroniacum us-
que ad molendinum de la Vemere; tertius ab occidente a molen-
dino predicto protenditur usque ad pontem Otgerien(sem) ; quartus
incipit a meridie a ponte Otgerien(si) et protenditur per uiam que
ducit ad uadum subtus Tranqueriam, pascua uero terminat ab Ori-
ente Agrefuel usque Siliniacum et inde usque ad fluuium lugdi, a
meridie Dorliacus domus Petrus Romans, ab occidente Nouauiila
Cauariacus, uilla sancti Supplicii, a septentrione mons Lafarta et
inde per Marbou usque Agrefuil. Ad hec autem arctius inter-
dicimus et sub interminatione anathematis prohibemus, ne quis
uos uel que uestra sunt aliquatenus perturbare uel inquietare pre-
sumat. Liceat quoque uobis clericos uel laicos e seculo fugientes
liberos et absolutos ad conuersionem recipere et eos absque ullius
contradictione in uestro collegio retinere. Prohibemus insuper ut
nulli etc. Sane laborum uestrorum etc. Quicumque uero in fratres
aliquos uestros, qril ordinem sunt professi, uiolentas manus iniece-
rint, iuxta formam canonum et Lateranense concilium excommuni-
cationis sententia denotentur et sicut excommunicati ab omnibus
euitentur, donec congrue satisfaciant predictis fratribus et cum
literis diocesani episcopi rei ueritatem continentibus apostolico se
conspectui representent. Decernimus ergo etc.
Lucius episcopus seruus seruorum Dei. Dilectis filiis Bosoni
Papsturkunden in Frankreich VII. 169
priori Sellionis eiusque fratribus tarn presentibus quam futuris re-
gulärem uitam professis imperpetuum. Religiosam uitam eli-
gentibus.
Dat. Velletr. per manum Alberti sancte Romane ecclesie
presbiteri cardinalis et cancellarii, XVII kal. iunii, indictione I,
incamationis dominice anno M^C^LXXXIII, pontificatus uero domni
Lucii pape III anno II.
135.
Lucius HL bestätigt dem Abt Beodat von Loncels und seinen
Nachfolgern die schon von hmocenz IL bestätigte Einigung mit dem
AU und den Brüdern von Fsalmody. Anagni 1183 November M.
Coli. Baluze 279 s. XVIL f, 265' (nach Kopie) Baris Bibl Nat,
— Ms. lat, 12772 f. 2M ebenda,
J'L. 14943. Bie ürJcunde iviederholt die Lnnoqens'' LI. J-L. 8001
(Nr, 21), Sie ist voller Schreibfehler,
Lucius episcopus seruus seruorum Dei. Dilecto filio Deodato
abbati monasterii beati Petri lancellensis eiusque successoribus
regulariter substituendis in perpetuum. lurgantium controuersias.
R. Ego Lucius catbolice ecclesie episcopus ss. BV.
f Ego Theodinus Portuensis et sancte Rufine sedis epi-
scopus SS.
f Ego Henricus Albanensis episcopus ss.
f Ego Paulus Prenestinus episcopus ss.
f Ego loannes presb. card. tit. sancti Marci ss.
f Ego Petrus presb. card. tit. sancte Susanne ss.
f Ego Viuianus tit. sancti Stephani in Celio monte presb. card. ss.
f Ego Laborans presb. card. sancte Marie trans Tyberim tit.
Calixti SS.
f Ego Pandulfus presb. card. tit. basilice XII Apostolorum ss.
f Ego Ardicio diac. card. sancti Theodori ss.
f Ego lacinthus sanctorum Cosme et Damiani diac. card. ss.
t Ego Bobo sancti Angeli diac. card. ss.
f Ego Oetauianus sanctorum Sergii et Bachi diac. card. ss.
f Ego lacinctus diac. card. sancte Marie in Cosmidyn ss.
Dat. Anag. per manum Alberti sancte Romane ecclesie pres-
byteri cardinalis et cancellarii, VIII kal. decembris, indictione II,
incamationis dominice anno M^^C^LXXX^IIII^ pontificatus uero
domni Lucii pape III anno III^
170 Wilhelm Wiederhold,
136.
Lucius 111. nimmt die Kirche von Chartres nach dem Vorgange
Hadrians IV. und Alexanders 111. in den apostolischen Schutz und
bestätigt ihr die Besitzungen und Rechte.
Anagni 1183 Dezemhey 11.
Privileges de Veglise de Chartres s, XV f. 2 Toidouse JBihl. Comm.
Ms. 590.
Die Liste der Besitzungen lautet: Abbatiam sancti Andree,
ecclesiam sancti Mauricii cum omnibus pertinenciis suis, in ecclesia
sancti Greorgii Vindocinensi et ecclesia sancti Saluatoris et sancti
Thome Blesensis episcopalem subiectionem, tbeloneum census et
alias possessiones ac redditus quos habes in ciuitate Carnotensi
cum immunitate sua, Fraxinetum, Basoche, Bercherie, Chableium,
Ermenoldi uillam, Pontegeon, Balleolum, Mundum, uillam Tertre-
goder(an)i, Spinterum, Theelim, Boscum sancti Martini, Mungerdi
uillam, Busseium, uallem Garengis, Galdum sancti Stephani, Loum,
Pontem Ebraudi cum omnibus istarum uillarum pertinenciis, casa-
menta eciam et feuda et omnia alia que ad ius et mensam Car-
notensis episcopi pertinent. Statuimus autem ut seruos Camotensis
ecclesie, quos ad ipsam pertinere constiterit, possit pro necessitate
uel manif'esta utilitate sua manumittere, non impediente secularis
uiolencia potestatis. Interdicimus etiam ne, si quando pro iusticia
uestra ante seculares uel ecclesiasticos iudices tracti fueritis, quis-
quam uobis duellum uel iudicium ferri caudentis uel aque feruentis
seu frigide imponat, sed iusticiam uestram liceat duobus uel tribus
testibus legitimis comprobare. Prohibemus quoque, ut infra diocesim
Camotensem nullus sine assensu tuo uel successorum tuorum eccle-
siam uel Oratorium de nouo edificare presumat, salua tamen pri-
uilegiis Romane ecclesie.
Lucius episcopus seruus seruorum Dei. Dilecto filio Raginado
Carnotensi electo eiusque successoribus canonice substituendis in
perpetuum. Eifectum iusta postulantibus.
R,.°) Ego Lucius catholice ecclesie episcopus ss. BV.
f Ego Theodinus Portuensis et sancte Rufine sedis epi-
scopus ss.
f Ego Henricus Albanensis episcopus ss.
f Ego Paulus Prenestinus episcopus ss.
t Ego Johannes presb. card. tit. sancti Marci ss.
t Ego Petrus presb. card. tit. sancte Susanne ss.
ä) R, BV fehlen, ebenso überall f und ss.
Papsturkunden in Frankreich VII. 171
f Ego Viuianus tit. sancti Stephan! in Celio monte presb. card. ss.
f Ego Laborans presb. card. sancte Marie trans Tiberim tit. ^^
Calixti SS.
t Ego Pandulfus presb. card. tit. beatomm XII Apostolorum ss.
f Ego lacintbus^^ diac. ca-rd. sancte Marie in Cosmidin ss.
f Ego Ardicio diac. card. sancti Tbeodori ss.
f Ego Gracianus sanctorum Cosme et Damiani diac. card. ss.
f Ego Bobo sancti AngeK diac. card. ss.
f Ego Grerardus sancti Adriani diac. card. ss.
f Ego Octauianus sanctorum Sergii et Bachi diac. card. ss,
f Ego Soffredus diac. card. sancte Marie in Via lata ss.
Dat. Anagnie per manum Alberti sancte Romane ecclesie
presbiteri cardinalis et cancellarii, III id. decembris, indictione
secunda, incarnationis dominice anno M^C^LXXXIII°, pontificatus
nero domini Lucii pape III anno III^.
b) tit. fehlt. c) lacobus.
127.
Lucius HI. nimmt die Kirche Holy Trinity in Biirwell unter
dem Prior Gieselbert in den apostolischen Schutz und bestätigt ihr die
Besitzungen^ die Zehnten, das Äufnahmerecht, die Freiheit vom Inter-
dikt und die Sepultur. Veroli 1184 April 26.
Nachzeichnung s. XII Bordeaux Ärch. Dep. (Ablage de La Sauve
H. 39),
Die Besitzungen sind: Locum ipsum, in quo prefata ecclesia
sita est, cum omnibus pertinentiis suis, omnes decimas uille de
Burwello, maiores uidelicet et minutas, de dono Ansgoti et omnes
oblationes de dominio eiusdem uille et familia sua, unam carucatam
terre in eadem uilla, de dono ipsius Ansgoti pasturam quingen-
tarum ouium in eadem uilla, omnes decimas de Bosco et de Parco,
communem pasturam cum aueriis domini tam in pasco tam in piano,
unam salinam in Sumelcotes, unam bouatam terre in Carletuna
cum tosto uno, ecclesiam sancte Trinitatis "^ de . Muketuna cum
Omnibus decimis et pertinentiis suis, ecclesiam sancti Petri de
Walmesgara, quam Eobertus cappellanus sub annuo canone quatuor-
decim solidorum de sterlingiis in uita sua tenebat*^ cum omnibus
decimis eiusdem parrochie maioribus et minutis, cappellam sancte
Margarite de Agetorp cum omnibus decimis et pertinentiis suis?
a) Trinitis. &) tenebit.
172 AVilhelm Wiederhold,
duas bouatas terre in Burguello de dono Radulfi de Lahaia. in
uilla de Walmesgara duos solidos annuatim de dono Galfridi de
Lahaia, scilicet duodecim denarios d ... et heredibus suis et duo-
decim denarios de molendino iuxta ecclesiam, quatuor acras terre
in eadem nilla de dono Grameri Britonis, dimidiam acram terre in
eadem uilla de dono ßogerii, duas acras terre in eadem uilla cum
crofto uno de dono magistri W., capellam de Burwello, unam
culturam in campis de Rokelunde de elemosina Simonis filii Osberti
et antecessorum suorum, octo acras prati in Westfen de elemosina
Hugonis de Neubele, quatuor acras prati in Scupobolm de dono
E,oberti filii Gileberti, duas acras prati et arumdineti in fenno de
Eartun de dono W. de Seis, quatuor acras prati in fenno de Grui-
hema de dono Gualteri filii ßaimeri, duas quadrigatas feni in
Bilesbi de dono Eudonis, septem quadrigatas feni de elemosina
Alani et heredum suorum, duos solidos annuatim de elemosina
Radulfi de Mombi scilicet in uilla de Burg. Sane noualium u. s. iv.
LYCIYS EPISCOPVS SERVVS SERVORVM DEL DILECTIS
FILIIS GISLEBERTO PRIORI ECCLESIE SANCTE TRINITATIS DE
BVREVELLO EIVSQVE FRATRIBVS TAM PRESENTIBVS QYAM
FYTVRIS REGYLARITER SYBSTITYENDIS IN PERPETYYM.
Religiosam uitam eligentibus.
R. Ego Lucius catholice ecclesie episcopus ss. BY.
f Ego Theodinus Portuensis et sancte Rufine ^^ sedis epi-
scopus ss.
t Ego Henricus Albanensis episcopus ss.
t Ego Paulus Prenestinus episcopus ss.
f Ego Petrus presb. card. tit. sancte Susanne ss.
t Ego Yiuianus tit. sancti Stephani in Celio monte*'^ presb. card. ss.
t Ego Laborans presb. card. sancte Marie trans Tiber im tit.
Calixti ss.'^^
t Ego Pandulfus presb. card. basilice XII Apostolorum ss.
f Ego lacintbus diac. card. sancte Marie in Cosmidyn ss.
t Ego Ardicio diac. card. sancti '^ Theodori ss.
t Ego Gratianus sanctorum Cosme et Damiani diac. card. ss.
t Ego Bobo diac. card. sancti Angeli ss.
t Ego Octauianus sanctorum Sergii/^ et Bachi diac. card. ss.
t Ego SofFredus sancte Marie in^) Via lata diac. card. ss.
f Ego Albinus diac. card. sancte Marie Noue ss.
Dat. Yerul. per manum Alberti sancte Romane ecclesie pres-
V) Partin. c) monte fehlt. d) Dann sind zwei Zeilen freigelassen,
e) sancte. f) Segii. g) im.
Papsturkunden in Frankreich VII. 173
biteri cardinalis et cancellarii, VI kal. maii, indictione secnnda,
incarnationis dominice anno jyPCLXXXIII, pontificatus uero domni
LVCII pape III anno III.
128.
Lucius HL gibt dein Erzhiscliof von Narhonne das BecJit, die
Äbte seiner Kirchenprovinz zu zivingen, in ihren Kirchen Priester zu
tveihen. Veroli (1184) April 28,
Notes et extraits 1151—1200 s. XVIII f. 199 Faris BibL Nat.
Coli. Languedoc 77,
Zitiert im Liventar von 1639 vol. II f. 15.
Lucius episcopus seruus seruorum Dei. Venerabili fratri Nar-
bonensi arcMepiscopo salutem et apostolicam benedictionem. Ea
que autboritate sacri concilii sunt statuta, nulla conuenit autbori-
tate conueUi, cum ab omnibus ecclesie filiis obedienter suscipi et
deuote semper debeant öbseruari. Hinc est quod liberam tibi damus
auctoritate apostolica facultatem, ut abbates prouincie tue, qui in
ecclesiis sibi concessis, in quibus conuentus uel congruus monacbo-
rum numerus esse non potest, sacerdotes ordinäre neglexerint, eos
ad hoc faciendum nostra fultus auctoritate compellas uel illud tu
ipse post tempus in concilio prefinitum, sine appellationis obstaculo
persequaris. Dat. Verulis IUI kal. maii.
129.
Lucius HL nimmt die Kirche Saint-Antonin unter dem Prior
Raimund nach dem Vor gange ürbans IL, Calixts IL und Alexanders
HL in den apostolischen Schutz und bestätigt ihr die Besitzungen,
die Zehnten, das Aufnahmerecht, die Freiheit vom Interdikt, die Sepultur
und die freie Wahl des Priors gegen eine jährliche Abgabe von fünf
Solidi. Verona 1184 August 3.
Orig. Montauban Arch. Bep. (Chapitre collegial de Saint-Antonin
G. 876). — Coli. Boat 124 f. 349 (von 1667 XI 18 aus Kopie von
1521 III 27 in livre en parchemin) Paris Bibl. Nat.
J-L. 15066 nach Coli, Boat. Wiederholung von Alexander HL
J-L, 12525 (Nr, 89, wo auch die Lesarten unserer Urkunde ange-
geben sind).
174 Wilhelm Wiederhole!,
LVCIVS EPISCOPVS SERWS SERVORVM DEI. DILECTIS
FILIIS EAIMVNDO PRIORI ECCLESIE SANOTI ANTONINI QVE
IN CONDATENSI PAGO SITA EST EIVSQVE FRATRIBVS TAM
PRESENTIBVS QYAM FVTVRIS REGVLAREM VITAM PROFESSIS
IN PERPETVVIVI. 1 Cum nobis sit quamquam.
E,. Ego Lucius catholice ^cclesie episcopus ss. BV.
t Ego Theodinus Portuensis et sancte Rufine episcopus ss.
t Ego Henricus Albanensis episcopus ss.
f Ego Tehobaldus Hostiensis et Velletrensis episcopus ss.
f Ego lohannes tit. sancti Marci presb. card. ss.
f Ego Laborans presb. card. sancte Marie trans Tiberim tit.
Calixti SS.
t Ego Pandolfus presb. card. tit. basilice XII Apostolorum ss.
t Ego Arditio sancti Theodori diac. card. ss.
t Ego Gratianus sanctorum Cosme et Damiani diac. card. ss.
f Ego Soffredus sancte Marie in Via lata diac. card. ss.
f Ego Albinus sancte Marie Noue diac. card. ss.
Dat. Veron. per manum Hugonis sancte Romane ecclesie notarii,
III non. augusti, indictione II, incamationis dominice anno
MCLXXXIIIl, pontificatus uero domni LYCII pape III anno III.
B. dep.
180.
Lucius III. bestätigt den Johannitern einen Vertrag mit dem
Kapitel von Chartres über die Weihe einer Kajyelle in der Stadt
Chartres. Verona (1184—85) August J23.
Privileges de Veglise de Chartres s. XV f. 1 Toulouse Bihl, Conim,
Ms. 590.
Lucius episcopus seruus seruorum Dei, Dilectis filiis fratribus
hospitalis lerosolimitani salutem et apostolicam benedictionem.
Cum uniuersis Christi fidelibus tranquillitatem uelimus et pacem
omnimodam conseruare, uestre tamen quieti eo sollicitius tenemur
intendere, quo pietatis operibus noscimini laudabilius imminere.
Cum igitur inter uos et dilectos filios nostros canonicos Carnotenses
super capella. quam in ciuitate Camotensi consecrationis petebatis
munere insigniri, de assensu et uoluntate dilecti filii nostri magistri
uestri amicabilis compositio intercesserit, ne quid super capella
ipsa pro bono pacis noscitur institutum, temeritate aliqua infrin-
Papsturkunden in Frankreich VII. 175
gatur uel sedatum litigium in recidiue contencionis scrupulum re-
ducatur, composicionem ipsam, sicut de assensu partium sine praui-
tate aliqua facta est et in autentico iamdicti magistri et prioris
Gallie continetur, ratam esse decernimus et presentis scripti patro-
cinio communimus. Statuentes ut nulli omnino hominum liceat
hanc paginam nostre confirmacionis infringere uel ei ausu temera-
rio contraire. Si quis autem hoc attemptare presumpserit, indig-
nationem omnipotentis Dei et beatorum Petri et Pauli apostolorum
eins se nouerit incursurum. Dat. Veron. X kal. septembr.
181.
Lucius HL nimmt das Cister^ienserMoster Bomieval in den apo-
stolischen Schutz und bestätigt ihm mehrere Besitzungen tind die
Zehntfreiheit. Verona (1184 — 85) September 10.
Coli. Doat 140 f. 64 imd f. 66 (von 1667 IV 29) Paris Bill. Nat.
J'L, 15248 nach Coli. Doat.
Lucius episcopus seruus seruorum Dei. Dilectis filiis abbati
et fratribus Boneuallis salutem et apostolicam benedictione(m).
lustis petentium desideriis dignum est nos facilem prebere consen-
sum et uota que a rationis tramite non discordant, efFectu prose-
quente complere. Eapropter, dilecti in Domino filii, aestris iustis
postulationibus grato concurrentes assensu, predictum monasterium
Boneuallis, in quo sub professione Cisterciensis ordinis diuinis estis
obsequiis mancipati, cum omnibus que in presentiarum iuste et
pacifice possidet aut in futurum prestante Domino rationabiliter
poterit adipisci, sub beati Petri et nostra protectione suscipimus
et presentis scripti patrocinio communimus. Specialiter autem
grangiam de Gralineriis et alias quas pacifice possidetis, uobis et
monasterio uestro authoritate apostolica confirmamus, statuentes
ut de laboribus uestris, quos propriis manibus aut sumptibus Colitis,
seu de uestrorum animalium nutrimentis nemini decimas soluere
debeatis. NulK ergo omnino bominum liceat banc paginam nostre
protectionis confirmationis et constitutionis infringere uel ei ausu
temerario contraire. Si quis autem hoc attentare presumpserit,
indignationem omnipotentis Dei et beatorum Petri et Pauli aposto-
lorum eins se nouerit incursurum. Dat. Verone IV idus sep-
tembris.
176 Wilhelm Wiederhold,
133.
Lucius IIL verbietet dem Bischof von Bodes und den Priestern
seiner Diözese- den CisterzienserMöstern der Diözese Rodez neue Ab-
gaben aufzulegen, Verona (1184 — 85) September 10,
Coli Doat 17 f 38 (von 1669 IV 29) Paris Bibl. Nat,
J-L. 15249 nach Coli. Doat.
Lucius episcopus seruus seruorum Dei. Venerabili fratri Ru-
thene episcopo et dilectis filiis presbiteris in Ruthenensi diocesi
constitutis salutem et apostolicam benedictionem. Amica reli-
gionis simplicitas eam fundare debet in uiris ecclesiasticis pietatem,
que nee statuta canonica prauitatis ammistione contaminet nee
pauperum Christi iusticiam aliqua calliditate supplantet. Audiui-
mus autem, quod uos noue adinuentionis astutia simplicitatis huius
tramitem relinquentes, contra Cisterciensis ordinis monacos, qui in
uestra consistunt diocesi, statuistis, ut quasi recompensatione deci-
marum, quarum prestationibus sunt immunes, primitias uobis et
proferentias reddant et per singulas abbatias pro unoquoque manso
quem possident, certam uobis exhibeant in suis messionibus quanti-
tatem. Verum quum non est dubium, consilium hoc non de inspi-
ratione diuina sed de humana calliditate originem habuisse, per
apostolica uobis scripta mandamus et districte precipimus, quatenus
monachos in pace ac libertate quam a Romanis obtinent ponti-
ficibus dimittentes, eos uel abbatias eorum nouis exactionibus non
grauetis nee ab eis ullatenus primitias uel inauditas"^ hactenus pro-
ferentias requiratis, scientes quod, nisi desieritis ad indebita et in-
sueta procedere, nos authore Domino contra nouum morbum noua
remedia curabimus inuenire. Dat. Verone IV idus septembris.
a) inauditi.
133.
Lucius III, bestätigt dem Propst und dem Konvent von Saint-
Etienne in Toulouse einen zur Zeit ueiland Bischof Baimunds von
Toidouse mit dem Prior des Hospitals von Saint -Gilles über den
Kirchhof von Saint-Bemi abgeschlossenen Vertrag.
Verona (1184—85) September 27.
Orig. Toidouse Arch. Dep. (Chapitre metropolitain Saint-Etienne
de Toidouse Nr. XVI, Liasse 4, titre 4).
Vgl, J-L. 15266 a.
Papsturkunden in Frankreich VII. 177
LYCIVS episcopus seruus seruorum Dei. Dilectis filiis preposito
et connentui sancti Stephan! de | Tolosa salutem et apostolicam
benedictionem. Ea que Concor dia uel iudicio ratione preuia
statuuntur, nulla | debent lenitate dissolni, sed ut babeant perpe-
tuam firmitatem, apostolico merentur robore commu|niri. Hac ita-
que ratione inducti et uestris iustis postulationibus inclinati, com-
positionem que ] tempore bone memorie Raimundi quondam epi-
scopi Tolosani inter ecclesiam uestram et Gr. priorem bos|pitalis
sancti Egidii interuenit super cimiterio, quod episcopus iuxta eccle-
siam beati Remigii bospitali conces|sit, sicut absque prauitate facta
bincinde recepta est et seruata et in scripto autentico plenius |
continetur, auctoritate apostolica confirmamus et presentis scripti
patrocinio communimus. Nulli ergo omni|no bominum liceat banc
paginam nostre confirmationis infringere uel [ei au]su temerario
contra ire. Si quis autem boc attentare presumpserit, indignationem
omnipotentis Dei et beatorum Petri et Pauli | apostolorum eins se
nouerit incursurum. Dat. Veron. V kal. octob.
B.
134.
IaicIus III. nimmt das Kloster Valmagne unter dem Äht Amedeus
in den apostolischen Schutz und bestätigt ihm die Besitzungen und die
Zehnten. Verona 1185 Juni 1.
Coli JBaluze 24 s. XVII f. 35 Paris Bibl. Nat.
J-L. 15430. Zitiert Gallia Chr. VI p. 722 zu hdl.vol\\. Die Be-
sitzungen sind: Locum ipsum, in quo prefatum monasterium situm
est, cum Omnibus pertinenciis suis, grangiam uidelicet de Vairaco,
grangiam de Hortis, grangiam sancti Pauli et grangiam Mercuuine,
grangiam Valantre, grangiam Fontisdulcis, grangiam Campi Vertu,
grangiam Buran, molendina de Paolay cum omnibus pertinenciis
predictorum. Sane laborum u. s. iv.
Lucius episcopus seruus seruorum Dei. Dilectis filiis Amedeo
abbati Yallis magne eiusque fratribus tarn presentibus quam futuris
regulärem uitam professis in perpetuum. Vitam religiosam eli-
gentibus.
R.«) Ego Lucius catbolice^) ecclesie episcopus ss. BV.
a) B- v/nd BV fehlen, ebenso überall f und ss. b) apostolice.
Kgl. Ges. d. Wiss. Nachrichten. Phil.-hist. Klasse. 1913. Beiheft. 12
178 Wilhelm Wiederhold,
f Ego Theodinus Portuensis et sancte Rufine <^) sedis epi-
scopus SS.
f Ego Henricus Albanensis episcopus ss.
f Ego Theobaldus Hostiensis et Velletrensis episcopus ss.
f Ego loannes presb. card. tit. sancti Marci ss.
f Ego Laborans presb. card. sancte Marie trans Tiberim tit.
Calixti'^> SS.
f Ego Pandulfus presb. card. tit. XII Apostolorum ss.
f Ego Albinus presb. card. tit. sancte Crucis in lerusalem ss.
f Ego Melior presb. card. sanctorum loannis et Pauli tit. Pa-
macbii ss.*)
t Ego Adelardus tit. sancti Marcelli presb. card. ss.
f Ego Ardicio sancti Theodori diac. card. ss.
f Ego G-ratianus sanctorum Cosme et Damiani diac. card. ss.
f Ego Soffredus sancte Marie in Via lata diac. card. ss.
t Ego Rollandus sancte Marie in Porticu''^ diac. card. ss.
f Ego Radulfus sancti Greorgii ad Velum aureum diac.
card. SS.
Dat. Veron.^) per manum Alberti sancte Romane ecclesie
presbiteri cardinalis et cancellarii, kal. iunii, indictione IV, incar-
nationis dominice anno M^C^LXXX^V", pontificatus uero domini
Lucii^) pape III anno IV.
c) Romane. d) tit. Calixti fehlt. e) tit. Pamachii fehlt. f) Poraco.
g) Veton. h) nostri.
135.
Lucius III. nimmt das Kloster Notre-Dame de La Sauve-majeure
unter dem Abt Baimund in den apostolischen Schutz und bestätigt ihm
die Besitzungen, das Präsentationsrecht, die freie Ähtsn-ahl, die Zehnten,
die von Alexander III, verliehenen Freiheiten und die Sepidtur.
Verona 1185 Juli 21.
Privileges de la Sauve s. XV f. 1' Bordeaux Arch. Dep. (Abbaye
de La Sauve H. 6) [A]. — Privileges de la Sauve s. XV f. 9 ebenda
H. 12 [BJ. - Privileges s. XV f. 7' ebenda.
In B fehlen die letzten Formeln und das ganze Eschatoholl. Die
Urkunde ivurde wiederliolt von Celestin 111. J-L. 17535. Vgl. Gallia
Chr. II p. 870. Die Liste der Besitzungen lautet: Locum ipsum, in
quo prefatum monasterium situm est, cum omnibus pertinenciis
Papsturkunden in Frankreich VII. 179
suis; in eadem uilla ecclesias sancti Petri et sancti Johannis, gran-
gias ad ipsum monasterium pertinentes ^^ scilicet Malforat cum
terra de Bunassa, grangiam^^ de Dainaco et de Carenzac cum ec-
clesia de Nauriano, grangiam de Fongrauosa^^ et sancti Nycliolai
de Genissaco^^ et de MonfaltoP) cum pertinentiis earum, decimas
molendina colonos terras que specialiter ad monasterium uestrum
spectant, prioratus quoque de Senon, de sancto Lupo, de Castelleto,
de Auaron, de Croion et de Foncabalda''^, de Madiraco, de Lupiac,
Belabat et^) de Bauais, de Beualgias ueteri, de Guibone et Agu-
illiaco'*), de Ardenazio, de Dainaco cum omnibus pertinenciis eorun-
dem prioratuum, ecclesias etiam de Spineto, de Camiaco, de sancto
Leone de Montinaco, de Corbilaco*^, de sancto Sidonio^\ de Plazaco,
de sancto Germano, de Camper, prioratus quoque sancti Andree de
Nomine Domini ^^ et de Podio Dodonis cum ecclesiis suis, sancti
Christofori et sancti Seuerini, prioratum sancti Martini et sancti
Saturnini '") de Boens et sancti Vincencii de Porteto et sancti Lau-
rencii de Escuris ") cum omnibus pertinenciis eorum, quicquid habetis
apud Broiam et apud^^ lalam; in Xanctonensi diocesi prioratum
sancti Nycliolai de Eoiano cum ecclesia sua sancte Marie de In-
su! a, que est in Aruerto et possessionibus suis de Olerone et Prat-
fornel; in Vasatensi diocesi ecclesiam de Brana cum aliis possessi-
onibus uestris, prioratus sancti lobannis de Blainaco^) et sancti
Petri de Castac cum ecclesia sua de Siurac, prioratus de Russio«),
de Sorsaco, de Coriaco, de Fiscals, de La Gardera, de Naco'\ de
Lingone cum omnibus pertinentiis eorum ; in Petragoricensi diocesi
prioratus sancte Marie Campi Martini et de Scaurinaco*\ de Pisone
et sancti Vlrici et sancti Nicholai de'^ Gorson, de Lochab*') cum
ecclesia sua de Minzaco, prioratum"^ sancti Saturnini de Puteo cum
ecclesiis suis sancte Marie de Belporet et de Lunacio, prioratum
de Lauernia cum ecclesiis suis, sancti Martini de Combis et de
Crossia, prioratum sancti Pastoris cum ecclesiis sibi pertinentibus
et prioratum de Atenaco") et de Nausis cum omnibus pertinentiis
eorum *\- in Agenensi diocesi prioratum sancti Anthonii et de
a) grangiam que spectant ad ipsum monasterium, scilicet B. h) Der
Satz grangiam bis Nauriano fehlt in B. c) Fontgrauosa B. d) Genizaco B.
e) Monfoitol B. f) Foncambalada B. g) Lupiaco de Berabat de Bauais B.
h) Aguliaco B. i) de Corbilaco fehlt in Ä. Tc) Sydonio B. l) Do-
mini fehlt in A. m) Saturnini fehlt in Ä. n) Escuras B. o) apud
fehlt in A. p) Blaichaco B. q) de Russio fehlt in A. r) Nyaco B.
s) Escaurinaco B. t) Nicholai de fehlt in A. u) Lobchab B. v) prio-
ratus A. lü) Athenaco B. x) Von In Agenensi bis In parrochialibus
fehlt alles in A.
12*
180 Wilhelm Wiederhold,
E-unaut cum ecclesia sancte Ruffine et de Maureliaco et sancte
Marie de Culturis, prioratus saneti Siluestri de Pena, sancti Petri
de Grontoldo, de Escassefort cum ecclesiis et aliis pertinenciis suis,
prioratus eciam de Manurt, de Coleza, sancti Caprasii de Lauersac,
sancte Marie de La Fita, de Caubrosa cum ecclesia 2/) eins sancti
Andree et cum omnibus pertinenciis eorum; in Cadurcensi diocesi
monasterium monialium scilicet Pomeretam cum prioratibus eccle-
siis et aliis possessionibus suis, saluitatem de Blancbef orte ; in
Auxitanensi diocesi prioratum Quauaireti cum decima et censu
tocius uille, furnis et aliis possessionibus suis, prioratus de Bucader,
de Maluesi, de Gilo, de Percherio, de Boga, Delmont, de Canesj
in Arogonensi diocesi prioratus de ßosta, de Pintan(o), de Vno-
castello, de Excia, de Pratella, de Alcala cum ecclesiis decimis et
aliis possessionibus eorum; in Lincolniensi diocesi in Anglia prio-
ratum de Bruella cum pertinenciis suis, in Cameracensi diocesi
abbatiam sancti Dionisii de Broeares cum ecclesiis decimis et aliis
pertinentiis suis; in Suessionensi diocesi prioratus sancti Leodegarii
et sancti Pauli de Nemore et Belleuallis; in Laudunensi diocesi
prioratus Griseu et sancte Probe; in Remensi diocesi prioratum
Noueii; in Cathalanensi diocesi prioratum Tburthery; in Senonensi
diocesi prioratum Neroüisuille ; in Aurelianensi diocesi prioratum
sancti Bai fcholomey de Sede Neri cum ecclesiis suis, sancti lohannis
de Bexis et sancti Sympboriani de Comblois. Sane noualium
uestrorum u. s. iv.
Lucius episcopns seruus seruorum Dei. Dilectis filiis Raymundo
abbati monasterii sancte Marie Silue maioris eiusque fratiibus tarn
presentibus quam futuris regulärem uitam professis in perpetuum.
Quociens a nobis petitur.
R. Ego Lucius catholice ecclesie episcopus ss.^^ BV.
f Ego Tbeodinus Portuensis et sancte Rufine episcopus ss. "^
f Ego Henricus Albanensis episcopus ss.*>
f Ego Tbeobaldus Velletrensis^) et Hostiensis episcopus ss.
f Ego Johannes tit. sancti Marci presb. card. ss.
f Ego Laborans presb. card. sancte Marie trans Tiberim tit.
Calixti ss.
f Ego Pardulphus presb. card. tit. basilice XII Apostolorum ss.
f Ego Albinus presb. card. tit. sancte Crucis in Jerusalem ss.
f Ego Melior presb. card. sanctorum loharnis et Pauli tit. Pa-
machii ss.
y) cum ecclesia cum ecclesia. z) ss fehlt iiberall, ebenso f. a) et
sancte Rufine episcopus ss. fehlt. h) Alhanensis episcopus ss. fehlt. c) Ville-
trensis.
Papsturkunden in Frankreich VII. 181
f Ego Adelardus tit. sancti Marcelli presb. card. ss.
f Ego Ardicio diac. card. sancti Theodori ss.
f Ego Gracianus sanctorum Cosme et Damiani diac. card. ss.
f Ego SoiFredus sancte Marie in Via lata diac. card. ss.
f Ego Rollandus sancte Marie in Portion '^^ diac. card. ss.
f Ego Petms sancti Nycholai in^) carcere TuUiano''^ diac.
card. SS.
f Ego Eadulphus sancti Georgii ad Velum aureum diac.
card. ss.
Dat. Veron. per manum Alberti sancte Romane ecclesie pres-
biteri cardinalis et cancellarii, XII kal. angusti, indictione III,
incarnationis dominice anno M^C^LXXX^V^, pontificatus uero domni
Lucii pape III anno IV.
d) Portico. e) de. /') Tuliano.
136.
Lucius III. nimmt das CisterMenserMoster Notre-Dame de Bonneval
in den apostolischen Schutz und bestätigt ihm die Besitzungen, die
Zehntenfreiheit und das Auf nahmer echt,
Verona 1185 November 11.
Coli. Doat 140 f. 180 (von 1667 IV 29) Paris Bibl. Nat. —
Fieces remises au senechal de Bouergue s. XVI f. 7' Montauban Ärch.
Bep, A. 113 [BJ.
J-L. 15472 nach Coli, Boat. Bie Besitzungen sind: Locmn
ipsum, in quo predictum monasterium situm est, cum omnibus per-
tinentiis suis, grangiam de Serra cum pertinentiis suis^^, gran-
giam de Faulet cum pertinentiis suis, grangiam de Galineiras ^) cum
pertinentiis suis, grangiam de Perols cum pertinentiis suis, gran-
giam de Glasac*^^ cum pertinentiis suis, grangiam de Massa cum
pertinentiis suis, grangiam de Pussac cum pertinentiis suis, gran-
giam de Verruga^' cum pertinentiis suis, grangiam de Pomers*)
cum pertinentiis suis, grangiam de Prenenqueiras-'') cum pertinentiis
suis, grangiam de Monte Acuto cum pertinentiis suis, grangiam
de Roqueta cum pertinentiis suis, grangiam de Albiac^) cum per-
tinentiis suis, grangiam de Fraiseneto^) cum omnibus pertinentiis
a) grangiam bis suis fehJt in B. h) Galluncyras B. c) Glassac B.
d) Yerenga B. e) Pomirs B. f) Prenenqueriis B. g) Abrac B.
1i) Fraysseneto B.
182 Wilhelm Wiederhold,
suis, domos»"^ quas Labetis in Ruthenensi uilla cum pertinentiis
suis. Sane laborum w. s. w.
Lucius episcopus seruus seruorum Dei. Dilectis filiis abbati
monasterii sancte*) Marie Bone uallis eiusque fratribus tarn presen-
tibus quam futuris regulärem uitam professis in perpetuum.
Monet nos apostolice sedis.
KJ^ Ego Lucius catholice ecclesie episcopus ss. ßV.
f Ego Chuonradus Sabinensis episcopus, Maguntinus archi-
episcopus SS.
f Ego Theodinus Portuensis et sancte Rufine sedis epi-
scopus SS.
f Ego Henricus Albanensis episcopus ?s.
t Ego Theobaldus Hostiensis et Yelletrensis episcopus ss.
f Ego lobannes tit. sancti Marci presb. card. ss.
f Ego Laborans presb. card. sancte Marie trans Tiberim tit.
Calixti SS.
f Ego Hubertus sancti Laurentii in Damaso presb. card. ss.
f Ego Pandulfus presb. card. basilice tit. XII Apostolorum ss.
f Ego Albinus tit. sancte Crucis in lerusalem presb. card. ss.
f Ego Adelardus presb. card. tit. sancti Marcelli ss.
f Ego Ardicio diac. card. sancti Theodori ss.
f Ego Gratianus sanctorum Cosme et Damiani diac. card. ss.
t Ego Soifredus sancte Marie in Via lata diac. card. ss.
t Ego Rollandus sancte Marie in Porticu diac. card. ss.
f Ego Petrus diac. card. sancti Nicholai in carcere Tulli-
ano SS.
f Ego Radulfus sancti Georgii ad Velum aureum diac. card. ss.
Dat. Verone per manum Alberti sancte Romane ecclesie pres-
biteri cardinalis et cancellarii, III idus nouembris, indictione IV*,
incarnationis dominice anno M^C^LXXXV^, pontificatus uero domni
Lncii pape III anno V^.
i) domus B. k) beate B. l) Die vielen oifenharen Schreit fehler des
Eschatokolls verbessere ich stillschweigend. Zu hemerlien ist nur: In beiden Ab-
schriften steht: Ego Hubertus tit. sancti Laurentii in Damaso et sacrosancte
ecclesie presb. card. und Ego Albinus diuina permissione tit. sancte Crucis w. s. w.
137.
Vrhan 111. erneuert dem Hospital zu Jerusalem unter dem Meister
Boger nach dem Vorgange Innocenz' IL, Celestins 11. ^ Lucius' IL,
Eugens II L, Anastasius' IV,, Hadrians IV., Alexanders II L und
Lucius' III, die Privilegien, Verona 1186 März 12,
Papsturkunden in Frankreich VII. 183
Orig. Toulouse ÄrcJi. Dep. (Ordre de Malte H. 17).
J-L. 15551. Vgl Delaville Je Boulx I p. 498 Nr. 791 und Nach-
richten der Kgl. Gesellschaft der Wissenschaften 1899 p. 405 Nr. 45.
Das Original in Toulouse bietet mehr Unterschriften als das in Malta,
beide sind aber Ausfertigungen derselben Urkunde.
VRBANVS EPISCOPVS SEEVYS SERVORVM DEI. DTLEOTO
FILIO ROGERIO MAGISTRO XENODOCHII SANCTE CIVITATIS
lERVSALEM EIVSQVE FRATRIBVS TAM PRESENTIBVS QVAM
FVTVRIS REGVLARITER SVBSTITVENDIS IN PERPETVVM. |
Christiane fidei religio.
R. Ego Yrbanus catholice ecclesie episcopus ss. BV.
f Ego Chunradus Sabinensis episcopus et Maguntinus archi-
episcopus SS.
f Ego Theodinus Portuensis et sancte ßufine sedis epi-
scopus SS.
f Ego Henricus Albanensis episcopus ss.
f Ego Thebaldus Hostiensis et Velletrensis episcopus ss.
f Ego lohannes presb. card. tit. sancti Marci ss.
t Ego Laborans presb. card. sancte Marie trans Tiberim tit.
Calixti ss.
t Ego Pandulfus presb. card. tit. XII Apostolorum ss.
f Ego Albinus tit. sancte Crucis in lerusalem presb. card. ss.
f Ego Melior sanctorum lobannis et Pauli tit. Pagmachii presb.
card. ss.
t Ego Adelardus tit. sancti Marcelli presb. card. ss.
t Ego Gratianus sanctorum Cosme et Damiani diac. card. ss.
t Ego Sofredus sancte Marie in Via lata diac. card. ss.
t Ego Rollandus sancte Marie in Porticu diac. card. ss.
t Ego Petrus sancti Nicholai in carcere Tulliano diac. card. ss.
t Ego Radulfus diac. card. sancti Georgii ad Velum au-
reum ss.
Dat. Veron. per manum Transmundi sancte Romane ecclesie
notarii, IUI id. martii, indictione quarta, incarnationis dominice
anno M^C^LXXXV^ pontificatus uero domni VRBANI pape III
anno primo.
B. dep.
138.
Urban III. nimmt das Cistermenserhloster Notre-Bame de JBoul-
bonne unter dem Abt Odo in den apostolischen Schutz und bestätigt
184 Wilhelm Wiederhold,
ihm die Besitzungen^ die Zehnten, das Auf nahmer echt, den Kloster-
frieden und die Vorrechte des Cisterzienserordens.
Verona 1186 Oktober 21.
Coli. Doat 83 f. 185' (von_ 1669 X 8) Paris BiU. Not,
J-L. 15683 nach Coli. Doat. Die Besitzungen sind: Locum
ipsum, in quo prefatum monasterium situm est, cum omnibus per-
tinentiis suis, grangiam que est iuxta abbatiam cum omnibus
appenditiis suis, grangiam de Mazerys cum molendino et omnibus
appenditiis suis, grangiam de Thoro cum omnibus appenditiis suis,
grangiam de Arthenaco cum omnibus appenditiis suis, grangiam
de Bonrepaux cum omnibus appenditiis suis, grangiam de Sauartes
cum omnibus appenditiis suis, pascua que habetis in montanis de
eher et pascua de Quercorp, que habetis a barone de Casteluerdu,
cum aquis et exitibus, donum quam habetis in Appamia cum omni-
bus appenditiis suis, domum quam habetis in Narbona et ortos oli-
uarum de Cortis et de sancta Valeria, abbatiam Turris Agilarii
cum grangiis et omnibus appenditiis suis, abbatiam de Murello cum
grangiis et omnibus appenditiis suis. Inhibemus etiam, ne terras
seu quodlibet beneficium ecclesie uestre") collatum^) liceat alicui^^
personaliter dari siue aliquo modo alienari absque assensu totius
capituli aut maioris et sanioris'^^ partis. Si que uero donationes
uel alienationes aliter quam dictum est, facte fuerint, eas irritas
esse censemus. Ad hec etiam prohibemus, ne aliquis monachus uel
conuersus sub professione domus uestre astrictus sine consensu et
licentia abbatis et maioris partis capituli uestri pro aliquo fide
iubeat uel ab aliquo pecuniam mutuo accipiat ultra pretium capi-
tuli uestri ^^ prouidentia constitutum, nisi propter manifestam domus
uestre utilitatem; quod si facere presumpserit, non teneatur con-
uentus pro his aliquatenus respondere. Licitum preterea uobis sit
in causis propriis, siue ciuilem siue criminalem contineant questi-
onem, fratres uestros idoneos ad testificandum adducere atque ip-
sorum testimonio^, sicut iustum fuerit, et propulsare uiolentiam et
iustitiam uendicare. Sana laborum n. s. tv.
Vrbanus^) episcopus seruus seruorum Dei. Dilectis filiis Odoni
abbati monasterii sancte Marie de Bolbona eiusque fratribus tam
presentibus quam futuris regulärem uitam professis in perpetuum.
Religiosam uitam eligentibus.
ß. Ego Vrbanus catholice ecclesie episcopus ss. BV.
d) nostre. h) collitum. c) aliqui. d) sanoris. e) nostri.
f) tesimonio. g) Clemens.
Papsturkunden in Frankreich VII. 185
f Ego Henricus Albanensis episcopus ss.
f Ego Paulus Prenestinus episcopus ss.
f Ego Petrus de Bono presb. card. tit. sancte Susanne ss*\
f Ego Laborans presb. card. sancte Marie trans Tiberim') tit. Ca-
lixti ss''^
t Ego Pandulfus presb. card. tit. duodecim Apostolorum ss^').
f Ego Melior presb. card. sanctorum loannis et Pauli tit. Pa-
machii*^ ss.
t Ego Adelardus tit. sancti Marcelli presb. card. ss^'^.
f Ego lacinthus diac. card. sancte Marie in Cosmidin ss^'\
f Ego Grratianus sanctorum Cosme et Damiani diac. card. ss.
f Ego Bobo [sancti] Angeli^) diac. card. ss.
f Ego SoiFredus sancte Marie in Via lata diac. card. ss''^.
f Ego E-ollandus sancte Marie in Portic(u) diac. card. ss.
f Ego Petrus sancti'"^ Nicholai in carcere Tulliano diac.
card. SS.
f Ego Radulf US sancti Greorgii") ad Velum [aureumj diac.
card. SS.
Dat. Verone per manum Alberti sancte Romane ecclesie®^
presbiteri cardinalis et cancellarii, XII kal. nouembris, iudictione V,
incarnationis dominice anno MCLXXXVI, pontificatus jiero domini
Yrbani pape III anno primo.
h) SS fehlt. i) Transberto. k) Pamachi. l) Anglie.
m) sancto. n) Le Georoz. o) curie.
189.
Vrban III. bestätigt dem Äbt und Konvent von Courdieu mehrere
Schenkimgen der Bischöfe von Tmdouse. Verona (1186) Oktober 31.
Coli. Doat 83 f. 168 (von 1669 X 3) Faris Bibl. Nat
Die Urkunde ist einem Fapste Bonifaz zugeschrieben] ich ver-
mute — die erste bestätigte Urkunde von Bischof Ftdkrandus (Coli.
Doat 83 f. 167) ist datiert von 1185, — daß sie zu Urban III, gehört.
Vgl. Nr. 138,
Vrbanus") episcopus seruus seruorum Dei. Dilectis filiis abbati
et conuentui de Curia Dei salutem et apostolicam benedictionem.
a) Bonificius.
1S6 Wilhelm Wiederhold,
lustis petentium desideriis iustüm est nostrum prebere consensum
et uota ^^ que a rationis tramite non discordant, efFectu prosequente
complere. Eapropter, dilecti in Domino [filii, uestris iustis petitioni-
bus] grato concurrentes assensu, ecclesiam sancti Petri de Canenes,
ecclesiam sancti lohannis de Faiac cum pertinentiis suis
episcopo uobis datas et molendinum de Toledolio a bona
memorie Gr. quondam Tholosano episcopo uobis collatum et a
successoribus (suis) confirmatum et alia que in presentiarum
iuste et sine controuersia possidetis, auctoritate uobis apostolica
confirmamus et [presentis scripti patrocinio] communimus. Nulli
ergo omnino hominum liceat banc paginam nostre confirmationis
infringere uel ei ausu temerario [contraire]. Si quis autem hoc
attemptare presompserit, indignationem omnipotentis Dei et bea-
torum apostolorum Petri et Pauli eins se nouerif^^ incursurum.
Dat. Veron. II kal. nouembris.
b) tota. c) nouerint.
140.
TJrban III. schreibt dem Meister und den Brüdern vom Templer-
orden, daß sie nicht gehalten seien vor fremdem Gericht entgegen ihren
Frivilegien zu erscheinen, Verona (1186 — 87) April 28.
Orig. Totdouse Ar eh. Dep. (Ordre de Halte H. 101).
VRBx\NVS episcopus seruus seruorum Dei. Dilectis filiis ma-
gistro et fratribus militie Templi salutem et apostolijcam bene-
dictionem. Cum uos tamquam speciales ecclesie filios religionis
intuitu et consideratione obsequii, quod in ultramarinis partibus in
defensione nominis cbristiani Deo feruenter impenditis, semper
apostolica sedes caritate sincera dilexerit et specialia curauerit
priuilegia indulgere, nostro imminet officio prouidendum, ut si per
falsam suggestionem aut tacendi fraudem littere a nobis contra
priuilegia emanauerint, ex eis libertas uestra nullum sustineat
detrimentum. Eapropter auctoritate uobis apostolica indulgemus
ut, si contra priuilegia uestra littere fuerint ad cuiusquam sug-
gestionem optente, tacito ordine uestro, contra priuilegiorum ip-
soram tenorem iudicio alicuius non teneamini disceptare. Nulli
ergo omnino hominum liceat hanc paginam nostre concessionis in-
fringere uel ei ausu temerario contraire. Si quis autem hoc
attemptare presumpserit, indignationem omnipotentis Dei et bea-
Papsturkunden in Frankreich YII. 187
tomm Petri et Pauli apostolorum eins se nouerit incursurum.
Dat. Veron. IUI kal. maii.
B. dep.
141.
Clements HL bestätigt dem Kapitel von Maguelone einen durch
den Bischof von Agde und den Fropst von Sisteron zwischen ihm
und dem Bischof von Maguelone vermittelten Vertrag.
Lateran 1188 Mai 27,
/
Privileges de Maguelone s. XIV f. 7' Montpellier Arch. Bep.
(Chapitre catliedral de Maguelone- Montpellier),
Es scheint nicht sicher^ oh der Bischof von Agde gemeint ist;
im Text steht . . acten., mit ÄbMr^ungsstrich über n.
Clemens episcopus seruus seruorum Dei. Dilectis filiis prepo-
sito et capitulo Magalonensi salutem et apostolicam benedictionem.
Dignum est et racioni conueniens, ut transactiones legitime parcium
aprobacione firmate inconeusse perpetuis temporibus perseuerent,
ne si forte questiones, cum sopite fuerint, iterum suscitentur, nullus
inueniatur terminus iurgiorum. Eapropter conpositionem que inter
uos et episcopum uestrum per manum uenerabilis fratris nostri
Agatensis episcopi et dilecti filii Cistericen(sis) prepositi, sub-
diaconi nostri, super feudo et aliis pluribus capitulis interuenit,
sicut est facta legitime et scripto autentico super ea facto habetur
et ab utraque parte recepta et hactenus noscitur obseruata, litteris
presentibus confirmamus. Statuentes ut nulli omnino hominum
liceat banc paginam nostre confirmacionis infringere uel ei ausn
temerario contraire. Si quis autem hoc attemptare presumpserit,
indignationem omnipotentis Dei et beatorum Petri et Pauli
apostolorum eius se nouerit incursurum. Dat. Lateran. VI
kal. iunii, pontificatus nostri anno primo.
143.
Clemens IIL bestätigt dem Abt und Konvent von Notre-Bame de
Boulbonne die Sepultur, Lateran 1188 Juni 9.
Coli. Boat 83 f 202 (ton 1669 X 8) Paris Bibl. JSlat.
J-L. 16280 nach Coli. Boat.
1QQ Wilhelm Wie der hold,
Clemens episcopus seruus seruorum Dei. Dilectis filiis abbati
et conuentui Bolbone Cisterciensein ordinem professis salutem et
apostolicam benedictionem. lustis petentium desideriis facilem
nos conuenit prebere assensum et uota que a rationis tramite non
discordant, effectu prosequente complere. Eapropter, dilecti in
Domino filii, uestris iustis postulationibus grato concurrentes
assensu, sepulturam loci uestri liberam et absolutam decerniraus,
ut eorum deuotioni et extreme noluntati, qui, siue sani fuerint
siue etiam infirmantes, apud uos sepeliri deliberauerint, nuUus
obsistat, salua tarnen illarum ecclesiarum iusticia, a quibus mor-
tuorum Corpora assumuntur. Nulli ergo omnino hominum liceat
banc paginam nostre institutionis infringere uel ei ausu temerario
contraire. Si quis autem hoc attemptare presumpserit, indigna-
tionem omnipotentis Dei et beatorum Petri et Pauli apostolorum
eins se nouerit incursurum. Dat. Laterani V idus iunii, ponti-
ficatus nostri anno primo.
143.
Clemens III. nimmt nach dem Vor gange Calixts IL, Eugens III.
und Alexanders HL die Juden in seinen Schutz, verbietet sie gegen
ihren Willen zu taufen, sie ohne gerichtliches Urteil zu töten oder zu
schlagen oder in ihrem Besitz zu schädigen oder die Bulie ihrer Grab-
stätten zu stören, Lateran 1188 Mai 10.
Laporte Selecta monumenta s. XVIII f. 104 Toulouse Bibl. Comm.
Ms. 625.
Vgl. J-L, 16577 , tvo Loeivenfelds Bemerkungen jetzt hinfällig
sind. Die Vorurhunden Calixts IL, Eugens HL und Alexanders III.
(J'L. 13973) sind verloren. Laporte nahm nach dem sonstigen Inhalt
der Handschrift seine Abschrift ivohl aus dem erzbiscJwflichen Archiv
von Narbonne, in dem sich ein Exemplar der Urhunde befunden hat
(Inventar von 1639 vol. I f. 522).
Clemens episcopus seruus seruorum Dei. Dilectis in Christo
filiis fidelibus Christianis salutem et apostolicam benedictionem.
Sicut ludeis non debet esse licentia in sinagogis suis ultra quam
permissum est lege presumere, ita in his que eis concessa sunt,
nuUum debent preiudicium sustinere. Nos ergo, licet in sua magis
uelint duricia perdurare, quam prophetarum uerba et suarum
scripturarum archana cognoscere atque ad Christiane fidei et sa-
lutis notitiam peruenire, quia tarnen defensionem nostram et
Papsturkunden in Frankreich VII. 189
anxilium postnlant, ex Christiane pietatis mansuetudine predeces-
sorum nostrorum felicis memorie Calixti, Eugenii et Alexandri
Romanorum pontificum uestigiis inherentes, ipsorum petitiones ad-
mittimus eisqne protectionis nostre clipeum indnlgemus. Statuimus
enim ut niillus christiamis inuitos uel nolentes eos ad baptismum per
niolentiam uenire compellat, sed si eorum quilibet sponte ad christi-
anos fidei causa confugerit, postquam") uoluntas eius ^^ fuerit patefacta,
(christianus) absque aliqua efficiatur calumpnia; ueram quippe chri-
stianitatis fidem habere non creditur, qui ad christianorum baptisma
non spontaneus sed inuitus cognoscitur peruenire. Nullus etiam
christianus eorum personas sine iudicio potestatis terre uulnerare
aut occidere uel suas illis pecunias auferre presumat aut bonas,
quas hactenus in ea in qua habitant regione habuerunt, consuetu-
dines immutare. Preterea in festiuitatum suarum celebratione
quisquam fustibus uel lapidibus eos uUatenus non perturbet neque
aliquis ab eis coacta seruicia exigat, nisi ea que ipsi preteritis
facere temporibus consueuerunt. Ad hec malorum hominum pra-
uitati et auaritie obuiantes decernimus, ut nemo cimiterium lu-
deorum mutilare uel minuere audeat siue optentu pecunie corpora
humata effodere. Si quis autem decreti huius tenore cognito temer e,
quod absit, contraire temptauerit, honoris et officii sui periculum
patiatur aut excommunicationis ultione plectatur, nisi presump-
tionem suam digna satisfactione correxerit.
R. Ego Clemens catholice ecclesie episcopus ss. BV.^^
f Ego Theobaldus Ostiensis et Velletrensis episcopus ss.
f Ego Johannes presb. card. tit. sancti Marci ss.
f Ego Laborans presb. card. sancte Marie trans Tiberim tit. Ca-
lixti SS.
f Ego Pandulfus presb. card. basilice XII Apostolorum ss.
f Ego Melior presb. card. sanctorum lohannis et Pauli tit. Pa-
machii ss.
f Ego Petrus tit. sancte Cecilie presb. card. ss.
f Ego Radulfus tit. sancte Praxedis presb. card. ss.
f Ego Petrus tit. sancti Clementis presb. card. ss.
f Ego Bobo'^) presb. card. tit. sancte Anastasie ss.
f Ego Alexius tit. sancte Susanne presb. card. ss.
f Ego Petrus presb. card. tit. sancti Petri ad Vincula ss.
f Ego lacinctus*) diac. card. sancte Marie in Cosmydyn ss.
f Ego Gratianus sanctorum Cosme etDamiani diac. card. ss.
a) potque. h) ei. c) R und BV fehlen, d) Rob(ert)us.
e) lacinctinus.
190 Wilhelm Wiederhold,
f Ego Octauianus diac. card. sanctorum Sergii et Bachi ss.
f Ego Soffredus'') sancte Marie in Yia lata diac. card. ss.
t Ego Bobo sancti Georgii ad Velum aureum diac. card. ss.
f Ego Gregorius diac. card. sancte Marie in Porticu ss.
t Ego Johannes Felix sancti Eustachii diac. card. iuxta
templum Agrippe^^ ss.
f Ego Johannes diac. card. sancti Theodori ss.
t Ego Bernardus sancte Marie Xoue diac. card. ss.
t Ego Gregorius sancte Marie in Aquiro diac. card. ss.
Dat. Laterani per manum Moysi sancte Bomane ecclesie
subdiaconi, uicem agentis cancellarii. VI idus maii, indictione VI,
incarnationis dominice anno MCLXXXVIII, pontificatus uero do-
mini Giemen tis pape III anno primo.
f) Boffredus. g) Die drei letzten Worte hat Laporte nicht lesen können.
144.
Clemens III. nimmt das Hospital von Torol in den apostolischen
Schutz und bestätigt ihm auf Bitten des Königs von Aragon seine Be-
sitzungen, Hechte und Zehnten gegen eine jährliche Zahlung von zivei
Byzantiern. Lateran 1188 Juli 18.
Orig. Coli Baltize 380 Nr. 22 Paris Bibl. Nat.
Zitiet't im Inventar von Narbonne von 1639 vol. II f. 16.
J'L. 16316 nach dem Orig. Der Glicht formelhafte Teil des Textes
lautet: ad petitionem karissimi in Christo filii nostri illustris
Aragonen(sis) regis prefatum hospitale, quod ipse ob redemp-
tionem captiuorum pia deuotione construxit, cum pertinentiis suis
in beati Petri ius et proprietatem duximus specialiter assumendum,
ut ad Bomanam ecclesiam nullo pertineat mediante. Quicquid
igitur idem hospitale in presentiarum iuste et pacifice possidet
aut in futurum concessione pontificum, largitione regum uel prin-
cipum, oblatione fidelium seu aliis ius tis modis prestante Domino
poterit adipisci, sub beati Petri et nostra protectione suscipimus
et presentis scripti priuilegio communimus. Statuimus etiam
iuxta uotum regium, ut captiuis singulis, quibus beneficium fuerit
impendendum, decem aurei redemptionis nomine tribuantur, et ut
fratres ipsius domus non plures quam tredecim futuris temporibus
habeantur, qui habitu canonicorum regularium et bospitalis lero-
solimitani consuetudinibus ad suam informationem utentur. Sane
Papsturkunden in Frankreich VII. 191
laborum uestrorum u. s. tv. Decemimus ergo u. s. iv. Ad indicium
autem huius percepte a sede apostolica protectionis et libertatis
duos bizancios nobis nostrisc[ue successoribus annis singalis per-
soluetis. Si qua igitur m. s. tv,
CLEMENS EPISCOPVS SERVVS SERYORUM DEI. DILECTIS
FimS MAGISTRO HOSPITALIS SANCTI REDEMPTORIS DE TO-
ROL EIYSQVE FRATRIBVS TAM PRESENTIBVS QVAM FVTVRIS
CANONICE SVBSTITYENDIS IN PERPETVVM. | Cum loca reli-
giosis obseruantiis.
R. Ego Clemens catholice ecclesie episcopus ss. BV.
f Ego Johannes presb. card. tit. saneti Marci ss.
f Ego Pandulfus presb. card. basilice XII Apostolorum ss.
f Ego Melior presb. card. sanctorum lohannis et Pauli tit. Pa-
machii ss.
f Ego Bobo tit. sancte Anastasie presb. card. ss.
t Ego lacintus diac. card. sancte Marie in Cosmidyn ss.
f Ego Octauianus sanctorum Sergii et Bachi diac. card. ss.
t Ego Gregorius sancte Marie in Porticu diac. card. ss.
t Ego Bernardus sancte Marie Noue diac. card. ss.
f Ego Grregorius sancte Marie in Aquiro diac. card. ss.
Dat. Lateran, per manum Moysi sancte Romane ecclesie sub-
diaconi, uicem agentis cancellarii, XV kal. aug., indictione sexta,
incarnationis dominice anno M^CLXXX^VIII^, pontificatus uero
domni CLEMENTIS pape tertii anno primo.
B.
145.
Clemens III, bestätigt dem Dekan Gaufried und den Kanonikern
der Kirche von Chartres nach dem Vorgange Alexanders III. den
Schutz des apostolischen Stuhls, die Besitzungen und Hechte.
Lateran 1190 Juni 4,
Privileges de Veglise de Chartres s. XV f. S2' Toulouse Bihl.
Comm. Ms. 590. — Coli. Moreau 92 f. 21 Paris Bihl. Nat.
J-L. 16503. Die Kopie der Coli. Moreau stammt aus Cartul. de
N.'D. de Chartres p. 157 Bihl. du Roi 51851, also wahrscheinlich
aus Ms. lat. 10094, das ich noch nicht gesehen habe.
Clemens episcopus seruus seruorum Dei. Dilectis filiis Gau-
frido decano et canonicis ecclesie Carnotensis tam presentibus
192 Wilhelm Wiederhold,
quam futnris canonice substituendis in perpetuum. Ideo snmus
quamquam ^*. s. w, ivie Alexander III. J-L. 12237.
E.«^ Ego Clemens catholice ecclesie episcopus ss. BV.
f Ego Albinus Albanensis episcopus ss.
f Ego Octauianus Hostiensis et Velletrensis episcopus ss.
f Ego lohannes tit. sancti Marci presb. card. ss.
f Ego Pandulfus presb. card. basilice XII Apostolorum ss.
f Ego Petrus presb. card. tit. sancte Cecilie ss.
t Ego Petrus tit. sancti Laurentii in Damaso presb. card. ss.
t Ego Petrus presb. card. sancti Petri ad Vincula tit. Eudoxie ss.
f Ego lohannes tit. sancti Clementis presb. card., Tuscanensis epi-
scopus SS.
f Ego lohannes Felix presb. card. tit. sancte Susanne ss.
f Ego lacinthus diac. card. sancte Marie in Cosmidyn ss.
f Ego Grracianus sanctorum Cosme et Damiani diac. card. ss.
f Ego Soifredus sancte Marie in Via lata diac. card. ss.
t Ego Gregorius sancte Marie in Porticu diac. card. ss.
f Ego lohannes sancti Theodori diac. card. ss.
f Ego Gregorius sancte Marie in Aquiro diac. card. ss.
Dat. Lateran, per manum Moysi sancte Eomane ecclesie sub-
diaconi, uicem agentis cancellarii, II non. iunii, indictione VIII,
incarnationis dominice anno M^CXC^, pontificatus uero domini
Clementis pape III anno tercio.
a) R, BV und alle f und ss fehlen in den Privileges.
146.
Clemens III. nimmt die Kirche Saint-Bomain de JBlaye unter
dem Abt Wilhelm in den apostolischen Schutz und bestätigt ihr die
Besitzungen und Hechte natnentUch Aufnahmereeht, Sepultur und freie
Wahl des Abts. Lateran 1190 Juli 23,
Estiennot Fragmentorum Eistoriae t, XI v. 1681 p. 86 Paris
Bibl, Nat. Ms. lat. 12773,
J'L. 16518. Die Besitzungen sind: Locum ipsum, in quo pre-
fata ecclesia sita est, cum burgo suo et decima et aliis pertinentiis
suis, ecclesiam sancti loannis que est in castello Blauiensi cum
omni decima et aliis pertinentiis suis, ecclesiam sancti Martini de
la Caussada cum decima ipsius parrochie et aliis pertinentiis suis,
terram de Pereyrousorith, quam Grimoaldus Iterii et alii de ßlauia
ecclesie uestre contulerunt, homines de Labrosa, homines de Ma-
serois et quidquid in uineis de Prato possidetis, ecclesiam sancte
Marie de Fradiniac cum pertinentiis suis et Gombaldum de Fra-
Papsturkunden in Frankreich VII. 193
diniac cum aliis hominibus, quos ibidem in cimiterio possidetis, in
parrocbia sancti Seuerini homines de Baudo et homines de Castelet,
ecclesiam sancti Genesii cum pertinentiis suis, homines de Se-
gonzac, homines de la Valada, homines de Vlmis, homines de Por-
tion, esterium de Segondac, esterium de la Concha, uernutium
pratum et uineas de campo Docesseim et de Nigeac, in parrochia
sancti Martini de Furnis homines de Sabloneyras et homines de
Fors, ecclesiam sancti Andronici cum pertinentiis suis et decimis
molendini Willelmi Rössel, escherium de Maurus cum arundineto
et piscaria a predicto molendino usque ad mare, homines de Bau-
liac, homines de Podio, de Leynac, in parrochia sancti Martini de
Queysac homines de Anglade et homines de Pinibus, ecclesiam
sancti Petri de Heyrans cum pertinentiis suis et molendinum de
Brolio, ecclesiam sancte Marie de Maseon cum pertinentiis suis et
homines et alia que ibi possidetis, in parrochia de Cartaluga Lo-
symones ecclesiam sancti Pauli cum pertinentiis suis, homines de
Conzeriis, homines de Camparion, homines de Gallacra, homines
de Ponteclaro et quidquid in ipsius ecclesie parrochia possidetis,
in parrochia sancti Geruntii decimam de Caudurac, homines de
Tauzinaris et homines de Porticu, in parrochia de Geneyrac ho-
mines de Genisuno, in parrochia sancti Petri de Blasac homines
de Graulec, homines de Leris et de la Farga, in parrochia sancti
Petri de Cars homines de Garrachan et quidquid in ea possidetis,
ecclesiam sancti Saturnini de Berson cum pertinentiis suis, homines
de ßertanor, homines de Castelar, homines de Ponteclaro, homines
de Tortero, homines de Fontemortuo, homines de Memore") Auriol,
homines de la Caneta, homines de Excusa, homines de la Landa
et duo molendina de Exclusa cum decima ipsorum, in parrochia
sancti Christophori homines de fönte Pipino, homines de Clit et
quidquid in ea possidetis, in palude Blauiensi Flamel et pratum
Delmel et pratum Comitale, ecclesiam sancte Marie de Staux cum
pertinentiis suis, in parrochia sancti Saturnini de Brau homines
et omnia quorum Ostendus Pauper est prepositus, in parrochia de
Massilhac molendinum de Lagiranda, in parrochia de Villa noua
homines de Podio iuxta porticum, ecclesiam sancti Petri de Ca-
mellari cum pertinentiis suis , ecclesiam sancti Sauini cum per-
tinentiis suis et homines de Lasgrauas, ecclesiam sancti Mariani
cum pertinentis suis, ecclesiam sancti Symphoriani de Gauriac cum
pertinentiis suis, in parochia de Lanzac homines de Matallop et
uineas et homines de Visuila, in palude Burdegalensi terram quam
a) nemore?
Kgl. Ges. d. Wiss. Nachrichten. Phil.-hist. Klasse. 1913. Beiheft. 13
194 Wilhelm Wiederliold,
Gruillelmus de Casser et Raymundus filius eius uestre ecclesie con-
tulerunt; apud Burdegalam uineam quam Garsias Arnaldi in ul-
tima uoluntate reliquit ; in episcopatu Xanctonensi ecclesiam sancti
Remigii de Costrazes cum pertinentiis suis, in castellania de Cosna
domos et terras quas magister Guillelmus de Collens et terras
quas Joannes Raimundi miles et Martinus Radulfi et Guillelmus
Gauffre uestre ecclesie contulerunt, ecclesiam de Clauardun cum
pertinentiis suis, ecclesiam de Castanet cum pertinentiis suis, ec-
clesiam de Roac cum pertinentiis suis, ecclesiam sancti Palladii cum
pertinentiis suis, ecclesiam sancte Marie de la Chauma cum furno
et aliis pertinentiis suis, ecclesiam sancti Andree de Campanias
cum salinis et aliis pertinentiis suis; in episcopatu Palentinensi
ecclesiam sancti Isuritus") iuxta Carrionem cum pertinentiis suis.
Clemens episcopus seruus seruorum Dei. Dilectis filiis Wil-
lelmo abbati sancti Romani de Blauia eiusque fratribus tam pre-
sentibus quam futuris regulärem uitam professis in perpetuum.
Quoties postulatur a nobis.
R. Ego Clemens catholice ecclesie episcopus ss. BV.
f ^^ Ego Albinus Albanensis episcopus ss.
f Ego Octauianus Hostiensis et Velletrensis episcopus ss.
f Ego Joannes tit. sancti Marci presb. card. ss.
f Ego Petrus presb. card. tit. sancti Laurentii in Damaso ss.
f Ego Petrus presb. card. sancti Petri ad Yincula tit. Eudoxie '^^ ss.
f Ego Joannes tit. sancti Clementis card., Tuscanensis^) episcopus ss.
f Ego lacinthus*) diac. card. sancte Marie in Cosmidin ss.
f Ego Gregorius sancte Marie in Porticu diac. card. ss.
f Ego Joannes sancti Theodori diac. card. ss.
f Ego Gregorius sancte Marie in Aquiro diac. card. ss.
Dat. Laterani per manum Moysi sancte Romane ecclesie
subdiaconi, uicem agentis cancellarii, X kal. augusti, indictione JJJ,
anno incarnationis dominice MCXC, pontificatus uero domni Cle-
mentis pape IJI anno JIJJ.
a) sie. b) t fehlt überall c) Eudonia. d) Tusculanus. e) lacobus.
147.
Celestin III. bestätigt dein Propst twd den Kanonikern von
Saint'Etienne in Toidouse einen mit den Johannitern abgeschlossenen
Vertrag ivegen der Septdtur. Born Sankt Peter 1191 Mai 1.
Orig. Toulouse Ärch. Dep. Saint-Etienne (Nr. XVI, Liasse 4,
titre 5).
Papsturkunden in Frankreich VII. 195
CELESTINVS episcopus seruus seruorum Dei. Dilectis filiis
preposito et canonicis ecclesie sancti Stephan! | Tolosane salutem
et apostolicam benedictionem. Ea que compositione amicabili
statuuntur, ut firma et illibata permaneant, | ne procesu") temporis
super eisdem ualeat aliqua contentio suboriri, soUicite conuenit i
prouideri. Proinde, dilecti in Domino filii, uestris iustis precibus
inclinati, compositionem factam inter | uos et hospitalarios super
controuersia, que inter uos et ipsos de sepultura et quibusdam
aliis 1 uertebatur, sicut eadem compositio rationabiliter facta est
et ab utraque parte recepta | et in scripto autentico plenius con-
tinetur, auctoritate apostolica confirmamus et presentis | scripti
patrocinio communimus. Nulli ergo omnino hominum liceat banc
paginam | nostre confirmationis infringere uel ei ausu temerario
contraire. Si quis autem boc | attemptare presumpserit, indigna-
tionem omnipotentis Dei et beatorum Petri et Pauli | apostolorum
eins se nouerit incursurum. Dat. Eom. apud sanctum | Petrum
kal. maii, pontificatus nostri anno primo.
B. dep.
a) so im Orig.
148.
Celesün III. bestätigt den KartJiäusern von Seillon einen mit
den Mönclien von Amhronay ivegen verschiedener Zehnten abge-
schlossenen und von Er^bischof Johann von Lyon bestätigten Vertrag,
Born Sanlct Peter 1191 Juni 6.
De immunitatibus bonorum ecclesiasticorum s. XV f. 286' Paris
Bibl. Nat. Ms. tat. 12868.
Vgl Nr. 124.
Celestinus episcopus seruus seruorum Dei. Dilectis filiis fra-
tribus Cartusiensis ordinis in loco qui dicitur Sellio commorantibus
salutem et apostolicam benedictionem. Cum aliqua in litigium
deuenerint et fuerint mediante concordia uel iudicio terminata, ne
in litigiöse dubietatis scrupulum relabantur, iuxta petencium uo-
luntatem consentaneam rationi munimen sedis apostolice nos con-
uenit elargiri. Eapropter, dilecti in Domino filii, uestris iustis
postulationibus annuentes, compositionem factam inter uos et mona-
cbos Ambroniacenses super controuersiis, quas de quibusdam decimis
ad inuicem babebatis, quam uenerabilis frater noster lobannes
13*
196 Wilhelm Wie der hold,
Lugdunensis archiepiscopus suo munimine roborauit, sicut eadem
compositio rationabiliter facta est et ab utraque parte recepta et
Lactenus obseruata et scripti eiusdem archiepiscopi «^ eam
indicat sigillo suo fore munitam, auctoritate apostolica confirmamus
et presentis scripti patrocinio communimus. Preterea firmiter in-
hibemus, ne famuli uestri agriculture operam intendentes uel aliis
uestris negociis insudantes, quamdiu pro eis sufficienter eritis in
iudicio respondere parati, per aliquos infestentur uel a suis operi-
bus aut officiis quomodolibet retrahantur. Nulli ergo omnino ho-
minum liceat hanc paginam nostre confirmationis et constitutionis
infringere uel ei ausu temerario contraire. Si quis autem hoc
attemptare presumpserit, indignationem omnipotentis Dei et bea-
torum Petri et Pauli apostolorum eius se nouerit incursurum.
Dat. ßome apud sanctum Petrum VIII idus iunii, pontificatus
nostri anno primo.
d) statt der Punkte senes, der Text ist in Unordnung.
149.
Celestin III. nimmt das Bistum Saint-Lisier unter dem Bischof
Laurentius nach dem Vorgange Alexanders III. in den apostolischen
Schutz und bestätigt ihm die Besitzungen und Rechte.
Lateran 1195 September 15,
Coli. Baluse 20 s. XVII f. 188 Paris BiU. Nat.
J'L. 17284 nach Coli. Baluze. Die Besitzungen sind: Censns
et redditus ciuitatis excepto quod comes Conuenarum tenet ab epi-
scopo, turrim") ciuitatis Conzeranice et tertiam partem iuris et
iustitiarum clericorum episcopi et familiarum ecclesiarum beati
Licerii cum pertinentiis. iuris medietatem castelli de Cirasol et
ecclesiam eiusdem castri cum omni decima, medietatem castelli
Tortez et ecclesiam, medietatem decimarum, medietatem molendini,
medietatem castelli de Redelha et ecclesiam cum decimis, medie-
tatem castelli de Monteardito et ecclesiam cum decimis suis, eccle-
siam de Contrarioe cum decimis suis, ecclesiam de Taurignano cum
decimis suis, ecclesiam sancte Eulalie cum decimis suis, ecclesiam
de Anyano cum decimis suis, ecclesiam de Mersenaco cum decimis
suis, ecclesiam de Lesur cum decimis suis, ecclesiam de la Maschera
cum decimis suis, ecclesiam de Monteschino et de Miramonte cum
decimis suis, ecclesiam sancti loannis cum decimis de Podio et
a) terrim.
Papsturkuaden in Frankreich YII. 197
ecclesiam de Lobesenac, ecclesiam de Squehim cum pertinentiis
suis, ecclesiam de Lescura cum decimis suis, ecclesiam de Baha-
gerio cum decimis suis, honorem de Surdan, ecclesiam de Massat
cum pertinentiis suis, ecclesiam sancte Marie de Vico cum perti-
nentiis suis, ecclesiam de Isset cum pertinentiis suis, decimarium
de Monte Augerio et medietatem quarte partis terrarum eiusdem
loci, ecclesiam de Vber cum decimis suis, ecclesiam de Montefau-
conis cum pertinentiis suis, ecclesiam de Podio cum decimis suis,
ecclesiam de Yel cum decimis suis, ecclesiam de Grrert cum decimis
suis, ecclesiam sancti Martini de Vdros cum pertinentiis suis,
decimas de Castellione, ecclesiam de Argen cum decimis suis, eccle-
siam de Villanoua cum decimis suis, decimas d'Ocazen et d'Illarten,
decimas de Angistron, decimas d'Autras, decimas de Vssenten,
reliquarum decimarum totius episcopatus quartam partem. Ad
hec per presentis priuilegii paginam prohibemus, ne quis parrochi-
anos ecclesie tue nisi salua iustitia ipsius ecelesie recipere ad
sepulturam presumat salua apostolice sedis auctoritate (et)
Auxitanensi ecclesie debita reuerentia.
Celestinus episcopus seruus seruorum Dei. Venerabili fratri
Laurentio Conzeranensi episcopo eiusque successoribus canonice
substituendis in perpetuum. Ex iniuncto nobis apostolatus.
R. Ego Celestinus catholice ecclesie episcopus ss. BV.^^
f Ego Albinus Albanensis episcopus ss.
f Ego Octauianus Hostiensis et Velletrensis ^) episcopus ss.
f Ego Petrus Portuensis et sancte Rufine episcopus ss.
f Ego Gruido"^) presb. card. tit.^) sancte Marie trans Tyberim ss.
f Ego Hugo''^ presb. card. tit.^) sancti Martini in Monte ss.
f Ego Cinthius^) tit. sancti Laurentii in Lucina presb. card. ss.
f Ego [Fidantius] tit. sancti Marcelli presb. card. ss.
f Ego [lobannes] tit. sancte Prisce presb. card. ss.
f Ego Grerardus sancti Adriani diac. card. ss.
t Ego G-regorius sancte Marie in Porticu diac. card. ss.
f Ego Gregorius sancte Marie in Aquiro'*^ diac. card. ss.
f Ego Gregorius sancti Georgii ad Velum aureum diac.
card. SS.
f Ego Lotarius sanctorum martyrum Sergii et Bacbi
diac. card. ss.
t Ego Gregorius sancti Angeli diac. card. ss.
f Ego Bobo sancti Theodori diac. card. ss.
h) BV fehlt. c) de Yrbe. d) Gerardus. e) tit. fehlt. f) Petrus.
g) Pontius. h) Aquario.
198 Wilhelm Wiederhold,
Dat. Laterani per manum Centii') sancte Lucie^^ in Orthea
diaconi cardinalis, domini pape camerarii, XVII kal. octobris, in-
dictione XIII, incarnationis dominice'^ anno MCXCV, pontificatus
uero domini Celestini pape III anno quinto.
(
i) Gereii. Ic) Lucine. l) domini.
150.
Celestin 111. bestätigt den Templern von Montpellier einen zwischen
ihnen und dem Kapitel von Magnelone abgeschlossenen Vertrag.
Lateran 1196 Juli 23.
Orig. Montpellier Ärch. Bep. (Ordre de Malte),
CELESTINVS episcopus seruus seraorum Dei. Dilectis filiis
conmendatori et fratribus militie Templi site apud Montempessu-
lanum salutem et apostolicam benedictionem. Ea que de man-
dato sedis apostolice concordia uel iudicio statuuntur, firma debent
et illiba|ta consistere et, ne in recidiue contentionis scrupulum rela-
bantur, apostolico conuenit patrocinio communiri. Sane cum con-
trouersiam, que inter uos et dilectos filios nostros G(uidonem) pre-
positum et capitulum Magalonense super diuersis capitulis uerte-
batur, uenerabili | fratri nostro Arelatensi archiepiscopo commi-
serimus fine canonico decidendam, ipse tanquam uir prouidus et
discretus partibus in sua presentia constitutis, communicato mul-
torum consilio, controuersiam ipsam amicabili compositione sopiuit.
Nos itaque compositionem ipsam, si^cut sine prauitate facta est et
ab utraque parte recepta et in instrumento auctentico exinde con-
fecto plenius continetur, ratam habentes et firmam, eam auctoritate
apostolica cenfirmamus et presentis scripti patrocinio communimus,
et, ut maiorem obtineat firmitatem, ipsam de uerbo ad uerbum
huic presenti pagine duximus inserendum. Cuius tenor talis est:
In nomine domini nostri lesu Christi. Anno incarnationis ]\PC^XC°VI°,
mense aprilis. Cum omne profuture rei | stabilimentum, ne trans-
eunte tempore euanescat, litteras oporteat testimonio presignari
presencium et futurbrum memorie, per huius presentis pagine
instrumentum dignum fuit demonstrare, quod causa que inter Gui-
donem prepositum et capitulum Magalonense ex una parte et
Petrum de Cabrespina commendatorem domus militie Templi site
apud Montempessulanum et fratres eiusdem domus ex altera parte
super multis et uariis capitulis, uidelicet super oblationibus uigili-
Papsturkunden in Frankreich VII. 199
arum, perceptionibus cimiterii, | obuentionibus, decimis ecclesiarum
nouarum, constructionibus, possessionibus, dampnis, iniuriis et inua-
sionibus et aliis multis querelis coram domino Ymberto Dei gratia
Arelatensi archiepiscopo a domno Celestino papa III delegato binc-
inde uertebatur, post multas et | uarias contentiones et altercati-
ones ab eodem arcbiepiscopo amicabili compositione et utriusque
partis assensu et auctoritate Deotati de Breisacbo, tunc temporis
magistri domorum militie Tempil in Narbonensi et Arelatensi et
aliis prouinciis, in bunc | modum fuit decisa. Predictus itaque
archiepiscopusj assidentibus ei magistro Micbaele Arelatensi sacrista,
P. Aldeberto causidico Aquensi, magistro Nicbolao Raim(undi) de
Montiliis, Petro Petito, communicato eorum et utriusque partis
consilio diffiniuit, quod de cetero | prior saneti Firmini et canonici
Magalonenses terciam partem omnium oblationum denariorum cande-
larum panis uini et aliarum, cuiuscumque modi sint, siue sint ob-
late ad manum sacerdotis siue ad altare in ecclesia domus predicte,
I integre et sine diminutione percipiant. In precipuis uero sollemp-
nitatibus scilicet natalis Domini, beati Stepbani, beati lobannis
Euangeliste, Epiphanie, Ramis Palmarum, saneti Pasche, Ascen-
sionis, Pentecosten, assumptionis et purificationis beate Marie | et
Omnium sanctorum medietatem percipiant, in candelis autem uigi-
liarum nicbil accipiant, in omnibus uero cimiterii obuentionibus et
mortuorum legatis seu relictis, cum apud eos elegerint sepulturam,
omnium rerum tam mobilium quam inmobilium | uel se mouentium,
cuiuscumque modi uel generis sint, prior et canonici Magalonenses
terciam partem integre percipiant, exceptis armis et armaturis et
equis; si uero decedens pro armis uel equis emendis pecuniam uel
terram uel aliam quamlibet | rem predicte domui legauerit uel reli-
querit, in biis omnibus et etiam in obuentionibus illorum quibus
infirmantibus Templarii signum sue religionis imposuerint, pallium
scilicet cum cruce uel aliud, nicbilominus dicti canonici terciam
partem percipiant, nisi ta|les fuerint qui uoto sollempni et perpe-
tuo cum uoluntate morandi, si euaserint, se domui Tempil pro fra-
tribus tradiderunt et qui ad domum sine alterius persone susten-
taculo pedites uel equites uenire poterunt, in quorum obuentionibus
etiam, si in illis egritudinibus decesse|rint, et in ouentionibus familie
domus Templi ibi morantis dicti canonici nichil accipiant. Decimas
quoque totius bladi et leguminum, cuiuscumque generis sint, et uini
in integrum in pace et sine contradictione canonici Magalonenses
percipiant et hiis contenti nichil aliud | querere possint, in decimis
uero noualium, in ortis et arboribus et pratis et nutrimentis ani-
malium, cuiuscumque generis sint, dicti canonici nichil percipiant.
200 Wilhelm Wiederhold,
Item diffiniuit domnus arcHepiscopus cum assessoribus predictis,
quod templarii apud Lunellum uel in tota diocesi Malgalonensi
ecclesiam uel Oratorium non construant nee cimiterium habeant
sine uoluntate et assensu episcopi et ecclesie Magalonensis, et illud
Oratorium quod apud Lunellum inceptum esse uidebatur, omnino
remoueatur, possessiones uero stagni de Cucullo cum pertinentiis
suis et mansum de | Grranoilet cum pertinentiis suis, que quondam
emerunt a Fulcrando quondam preposito Magalonensi, templarii
sine inquietatione et uexatione aliqua in pace habeant et possideant,
de dampnis datis super abductione pecorum et animalium domus
militie Templi et canonici Magalonenses et aliis dampnis iniuriis
et inuasionibus bincinde illatis bonum finem et mutuam remissionem
inter se tam templarii quam canonici Magalonenses fecerunt.
Preterea excommunicatos uel interdictos Magalonensis ecclesie ad
ecclesiam uel sepulturam templarii nullo modo recipiant, et si epi-
scopus I uel prior parrocbialis ecclesie populum ab aliis ecclesiis
conuocare decreuerit, tunc templarii ad officium ecclesie nullum
recipiant, donec alie ecclesie populum recipiant. Et ego Guido
Magalonensis prepositus et ego Petrus de Acrifolio arcbidiaconus
et ego Michael | et ego W. de Altiniaco uoluntate et assensu
Magalonensis capituli missi, omnia supradicta in perpetuum ualitura
laudamus et confirmamus et in proximo generali capitulo Magalo-
nensi laudari et confirmari faciemus et hoc idem pro posse nostro
I faciemus a summo pontifice confirmari. Et ego frater Deodatus
de Breisacho, magister domorum Templi in Narbonensi et Arelatensi
et aliis prouinciis, et ego frater Petrus de Cabrespina commendator
domus Montispessulane et ego frater W. | de Solario conmendator
domus Arelatensis uoluntate et assensu fratris Pontii de Rigaudo
magistri in citramarinis partibus, omnia supradicta in perpetuum
ualitura laudamus et confirmamus et in proximo generali capitulo
Templi ea laudari | et confirmari faciemus et hoc idem pro posse
nostro faciemus a summo pontifice confirmari. Acta sunt apud
Arelatem in palatio domni archiepiscopi in presentia et testimonio
P, Malaure Cap(ri)scole, Priuati uestiarii, W. Helye infirmarii, Gr.
Eugtu'ranni elemosinarii, B. de Berra, P. Ysnardi, B. de Monis,
E-ost(agni) capellani domni archiepiscopi, Pon(tii) prioris capellani
eiusdem Ysnardi de sancto Amantio, Michaelis clerici domni archi-
episcopi, Bernar(di) de Oliuario, Aldeberti de Nouis, W. Raimundi
de Mo|lis, Petri Bruni, Pon(tii) scutarii, Franceschi, lacobi, Columbi
notarii regis Aragonie, Petri notarii domni archiepiscopi, qui scripsit
hec. NuUi ergo omnino hominum liceat hanc nostre paginam
confirmationis infringere uel ei ausu temejrario contraire. Si quis
Papsturkunden in Frankreich VII. 201
autem hoc attemptare presumpserit , Indignation em omnipotentis
Dei et beatorum Petri et Pauli apostolorum eins se nouerit incur-
surum. Dat. Lateran. | X kal. aug., pontificatus nostri anno
sexto. I
B. dep.
151.
Celesün III. nimmt das CisterzienserMoster Notre-Dame de BouU
bonne in den apostolischen Schutz und bestätigt ihm die Besitzungen^
die Zehnten, das Aufnahmerecht und die Vorrechte des Cisterzienser-
Ordens. (1191—1198).
Coli. Doat 85 f. 227 (von 1669 X 9) Paris Bibl. Nat.
Das ganze Eschatoholl fehlt. Die Besitzungen sind: Locum
ipsnm de Bolbona cum terminis et omnibus appenditiis suis, gran-
giam de Artenabc cum terminis et omnibus appenditiis suis, gran-
giam de Toro cum terminis et omnibus appenditiis suis, grangiam
de Bonorepauso cum terminis et omnibus appenditiis suis, grangiam
de Aiaceriis cum terminis et omnibus appenditiis suis, grangiam
de Genat cum terminis et omnibus appenditiis suis, domum de
Pamias cum localibus et omnibus appenditiis suis, domum de Nar-
bona cum locali et omnibus appenditiis suis. Sane laborum u. s. ii\
Celestinus episcopus seruus seruorum Dei. Dilectis filiis Odoni
abbati monasterii de Bolbona eiusque fratribus tam presentibu&
quam futuris regulärem uitam professis in perpetuum. Reli-
giosam uitam eligentibus.
ÜN^achtrag".
Die beiden Urkunden Nr. 4 und Nr. 9 sind schon gedruckt
in dem Buche von L. Delisle Litterature latine et Histoire du
moyen age (Paris 1890) p. 21 und 22 (Instructions addressees par
le comite des travaux historiques et scientifiques aux correspon-
dants du ministere de l'instruction publique et des beaux arts),
das auch N. Archiv XVI p. 207 zitiert wird; ich habe aber das
Buch erst jetzt einsehen können. Mit den Ausstellungsorten hat
auch Delisle nichts anfangen können.
Die beiden Urkunden Nr. 102 und Nr. 103 sind bei der Ein-
ordnung an die falsche Stelle geraten, sie gehören hinter Nr. 90
und Nr. 91.
Mittelniederdeutsche Handschriften in den Rhein-
landen und in einigen anderen Sammlungen.
Vierter Reisebericht.
Von
C. Borchling.
Vorgelegt von E. Schröder in der Sitzung am 23. November 1912.
Der vorliegende vierte Reisebericht über die mnd. Hand-
schriften ist durch meinen Fortgang von Gröttingen im Herbst 1906
und allerlei andere widrige Umstände über Gebühr lange zurück-
gehalten worden. Inzwischen hat die Inventarisation der deutschen
Handschriften 5 die von der Deutschen Commission der Berliner
Akademie in die Wege geleitet worden ist, rüstige Fortschritte
gemacht, und auch manche wertvolle nd. Handschrift, vor allem aus
Westfalen, ist in den jährlichen Berichten der Commission ans
Licht getreten. Auf der anderen Seite hat ein einzelner Forscher,
Willem de Vreese in Gent, in seiner „Bibliotheca Neerlandica
Manuscripta" die mnld. literarischen Handschriften der Nieder-
lande und der deutschen Sammlungen mit bewunderungswürdiger
Sorgfalt und vorbildlicher Methode beschrieben. Gerade im Rhein-
land und in Westfalen hat ferner die Aufnahme der kleineren
Archive und Sammlungen durch fachmäßige Historiker in dem
letzten Jahrzehnt erhebliche Fortschritte gemacht. Endlich sind
von einzelnen größeren Sammlungen des in diesem Berichte behan-
delten Gebiets inzwischen Handschriftenkataloge herausgekommen,
so z. B. von Cues und vor allem Ad. Beckers Katalog der deutschen
Handschriften der Trierer Stadtbibliothek, den ich noch in letzter
Stunde benutzen konnte. Beckers Arbeit hat trotz ihren Schwächen
meine Beschreibungen der Trierer nd. Handschriften wesentlich ent-
Kgl. Ges. d. Wiss. Nachrichten. Philolog.-hist. Klasse. 1913. Beiheft. 1
2 C. Borchling,
lastet, und auf Cues habe ich wegen Marx' Katalog jetzt ganz ver-
zichten können. Weniger groß ist für meine Zwecke der Nntzen der
Archivinventare gewesen; eine erschöpfende Behandlung der klei-
neren und kleinsten Sammlungen habe ich weder hier noch in den
früheren drei Berichten angestrebt, dazu hätte bei weitem mehr Zeit
gehört als mir zur Verfügung stand. Auf die bisher nur im Manuscript
vorliegenden Beschreibungen der Berliner Commission und de Vreeses
habe ich in dem vorliegenden Berichte nicht so viel Rücksicht
nehmen können vde ich wohl gewünscht hätte. In einzelnen Fällen,
wie z. B. bei der Wiesbadener Landesbibliothek, hab ich auf eine
Beschreibung in Betracht kommender Handschriften verzichtet.
Die Wiesbadener Hss. Nr. 51 und 52 sind im Katalog als nieder-
deutsch bezeichnet, in Wirklichkeit sind sie aber beide mehr oder
weniger moselfränkisch, wenn auch eine cölnische Vorlage zu Grunde
liegen wird. So hatte ich ursprünglich vor, sie doch mit aufzu-
nehmen und Beschreibungen angefertigt. Als mir aber von Dr.
Behrend der Bescheid wurde, daß von beiden Handschriften gute
Beschreibungen eingeliefert worden seien, habe ich die beiden Num-
mern und damit die Wiesbadener Bibliothek überhaupt wieder ge-
strichen. Im Grroßen und Granzen aber schütte ich mein Material,
wie ich es von meinen beiden Heisen mitgebracht habe, hier aus,
auch auf die Gefahr hin, gelegentlich mit der Deutschen Commis-
sion oder mit de Vreese zu collidieren.
Mein 4. Reisebericht hat nicht den geschlossenen Aufbau der
drei ersten Berichte, darauf weist schon die diesmal gewählte alpha-
betische Anordnung der aufgenommenen Sammlungen hin. Freilich
bilden auch so noch die rheinischen Bibliotheken und ihre nächsten
Nachbarn den Hauptbestandteil des Berichts; aber allerlei Varia,
die mir in den letzten Jahren zugegangen sind, haben daneben
Aufnahme gefunden. Von den rheinischen Sammlungen fehlen
allerdings gerade die beiden größten, die Cölner und die Darm-
städter; sie sind so umfangreich und zudem so ausschließlich
niederrheinisch-cölnisch in ihrem sprachlichen Kleide, daß es besser
ist, sie für einen besonderen Bericht zurückzustellen. So bleibt
diesmal das Hauptgewicht auf den beiden Düsseldorfer Samm-
lungen beruhen, der Landes- und Stadtbibliothek mit ihren reichen
Schätzen an nd. mystischer und theologischer Literatur, und dem
Staatsarchiv mit seiner Überfülle der historischen und besonders
rechtshistorischen Prosa. Beide Sammlungen haben auch interes-
sante Fragmentenmappen. An zweiter Stelle steht, trotz Beckers
Katalog, auch in meinem Bericht noch Trier. Die Trierer nd.
Bestände sind literarisch ergiebiger als die Düsseldorfer, die Poesie
Mittelniederdeutsche Handschriften. 3
kommt mehr zu Worte: außer dem Theophilus haben wir die
beiden wertvollen Handschriften der poetischen Apokalypse und
der kleineren ihr angehängten Gedichte. Die lebhafte Schreiber-
und Sammeltätigkeit der Fraterherren in Eberhardsklausen kam
zwar nicht bloß der nd. Literatur zu Grute, giebt uns aber doch
wertvolle Fingerzeige für die Wanderung der literarischen Ein-
flüsse von dem nld.-nd. Gebiet in das südmittelfränkische Land.
Dann ist aber für Trier bedeutsam die merkwürdige Ansammlung
niedersächsischer, ost- und westfälischer Handschriften in der
Trierer Dombibliothek. Während z.B. Mainz, das uralte
kirchliche Centrum des mittleren und östlichen Niedersachsens,
sich auch nicht die geringste Spur nd. literarischer Überlieferung
bewahrt hat — ein unbedeutender Rest nur ist mit den letzten
Mainzer Fürstbischöfen nach Aschaffenburg gewandert — , hat
die Liberalität eines einzigen Mannes, des Domherrn Grafen Kessel-
statt, der Trierer Dombibliothek vor rund 100 Jahren einen statt-
lichen Besitz hildesheimischer, paderbornischer u. a. niedersäch-
sischer Codices geschenkt. Die Mehrzahl davon ist lateinisch,,
immer wieder liest man in Sauerlands Katalog die Herkunftsnotiz
aus St. Michaelis, St. Godehard, dem Lüchtenhofe (Fraterherren)
in Hildesheim, aus Abdinghof, Dalheim oder Brackel im Pader-
bornischen. Aber auch 11 ganz oder teilweise nds. Gebet- und
Andachtsbücher finden sich darunter und einige größere fromme
erzählende Werke. Gegen Düsseldorf und Trier treten alle übrigen
rheinischen Bibliotheken und Archive für unsern Bericht weit
zurück, die Bonner Bibliothek war nicht so ergiebig wie er-
wartet, in Coblenz überwiegt schon das Mitteldeutsche, die Stadt-
bibliothek und das Staatsarchiv fallen ganz aus, nur die im Staats-
archiv deponierten und daher jetzt endlich bequem zugänglichen
Handschriften der Gymnasialbibliothek bieten etwas. Fast
ausschließlich ndl. sind die 10 Hss. des Klosters Gaesdonk
ganz im Nordwesten der Rheinprovinz ; ich habe sie trotzdem kurz
mitverzeichnet, dagegen, wie schon oben erwähnt, die mosel- und
rheinfränkischen Hss. des Hospitals zu Cues und der Wiesba-
dener Sammlungen fortgelassen. Zu diesen rheinischen Beständen
von einiger Bedeutung treten dann die benachbarten Bibliotheken
des Germanischen Nationalmuseums zu Nürnberg und
der Gießener Universitätsbibliothek hinzu. Beides sind
nicht sehr alte Sammlungen, vor allem die Nürnberger ist ganz
aus Zufallserwerbungen zusammengewachsen. Gerade dadurch aber
findet der nd. Forscher ziemlich viel Material vor, während z. B.
die ungleich ehrwürdigere und reichhaltigere Handschriftensamm-
1*
4 C. Borchling,
lung der Nürnberger Stadtbibliothek, eben weil sie auf localer
Grrundlage erwachsen ist, für das Nd. vollständig ausfällt.
Die bisher aufgezählten Bibliotheken und Archive, sowie die
kleineren rheinischen Sammlungen habe ich auf zwei, ziemlich weit
auseinanderliegenden Studienreisen besucht. Gleich in den ersten
Monaten meiner den mnd. Handschriften gewidmeten Reisen hatte
ich einige Wochen (13. — 31. August 1897) am Niederrhein zuge-
bracht und damals Cleve, Groch, Gaesdonk, Xanten, Em-
merich und Düsseldorf aufgenommen. Von Belgien zurück-
kehrend, traf ich dann am 31. Oktober desselben Jahres in Aachen
ein und verweilte in Aachen, Düren, Cöln, Bonn, Coblenz,
Frankfurt, Darmstadt, Mainz, Wiesbaden, Cues, Trier
und Luxemburg. Mit dem Ende des Jahres 1897 brach ich diese
Reise ab. Die damals gesammelten Beschreibungen gedachte ich
zunächst gleich nach dem skandinavischen Reisebericht als dritten
Bericht folgen zu lassen. Aber die dringende Erschließung der
Wolfenbüttler nd. Handschriften beanspruchte den Vorrang. In-
zwischen war ich in der Technik der Handschriftenaufnahmen so
viel weiter fortgeschritten, daß mir die Beschreibungen aus dem
Jahre 1897 längst nicht mehr genügten, zumal da inzwischen die
weitergehenden Instructionen der Deutschen Commission bekannt
gegeben waren. So habe ich den Sommer 1904 noch einmal den
rheinischen Handschriften gewidmet, zuvor aber Gießen, Fulda,
Aschaffenburg und Nürnberg mit aufgearbeitet. Zum zweiten
Male bin ich im Sommer 1904 eingekehrt in Frankfurt, Wies-
baden, Coblenz, Cues, Trier, Bonn und Düsseldorf.
Auf dieser Reise von 1904 baut sich also der vorliegende Bericht
im Wesentlichen auf. Wo ich allein auf Aufzeichnungen meiner
ersten rheinischen Reise zurückgreifen mußte, also bei Aachen,
Cleve, Gaesdonk, Xanten, Wesel, Emmerich, Mainz
und Luxemburg, macht sich leider jetzt der Abstand recht
fühlbar.
Eine von Düsseldorf aus geplante systematische Bereisung der
kleineren niederrheinischen Stadtarchive und Privatsammlungen
hab ich damals leider nicht mehr zur Ausführung bringen können ;
Degering, der diese Reise dann, z. T. noch auf meine Informationen
hin, für Berlin antrat, hat sie zwar auch nicht zu Ende geführt,
aber er hat dabei die neue Reinaert-Handschrift entdeckt! Ich
stelle, was ich aus gedruckten Angaben über literarische mnd.
Handschriften in den kleinen Sammlungen des Nieder-
rheins weiß, am Schlüsse dieses Berichts ganz kurz zusammen. —
In einem nd. rheinischen Handschriftenberichte wird natur-
Mittelniederdeutsche Handschriften. 5
gemäß das Niedersächsische vor dem Nieder rheinischen etwas zu-
rücktreten. Auf der andern Seite erschweren Niederländisch und
Moselfränkisch oft das genaue Bestimmen mancher nd. oder ndrh.
Handschriften dieser westlichen Gegenden. Ich habe da die Grrenzen
dessen, was ich aufgenommen habe, nicht immer ganz scharf ge-
zogen, jedenfalls bei kleineren oder schwer zugänglichen Samm-
lungen auch diejenigen Handschriften berücksichtigt, bei denen der
nid. oder md. Einschlag überwog, sie aber stets kürzer behandelt.
In den Düsseldorfer Beständen, vor allem bei manchen Hand-
schriften der Landesbibliothek, tritt mit der nid. Heimat vieler
dieser mystischen und asketischen Schriften auch die nid. Sprache
stärker zu Tage, in Trier dagegen macht es oft große Schwierig-
keiten, zu entscheiden, ob eine Handschrift noch ripuarisch oder
schon moselfränkisch ist, oder ob sie etwa bereits von der nhd.
Gemeinsprache zersetzt worden ist. Die in Trier während des
15. Jahrhunderts herrschende Literatursprache ist offenbar selbst
nicht immer rein gewesen; das in Trier eigentlich zu erwartende,
und auch oft genug belegte, reine Moselfränkische ist von Cöln
her häufig ripuarisch beeinflußt worden. In der Trierer Hs. der
Vision Buschmanns (Stadtbibl. Nr. 1186 [488]), die Adolf Becker
in der Einleitung seines eben erschienenen Buchs „Die Sprache
Friedrichs v. Spee" (Halle 1912), S. VI ff. als Muster des Trierer
Dialekts um 1440 untersucht, stellt er als regelrechte Vertreter
die Formen tverpen und up auf. Die Hs. mischt aber itp und uff,
gleich der Titel hat 2 vff. Ich hatte die Hs. 1904: nicht mit auf-
genommen, weil ich sie offenbar für moselfränkisch gehalten hatte;
vielleicht hätte ich bei dieser und anderen Handschriften, die up
und tiff mischen, doch wenigstens einen Hinweis geben sollen.
Dem Überwiegen des ndrh. Materials sollte der Einschub einiger
nicht-rheinischer mnd. Handschriften ein Gegengewicht bieten. Aus
diesem Grunde hatte ich zunächst die beiden großen mystisch-
asketischen Sammelhandschriften aus Berklingen und Calbe
mit aufgenommen, die mir von ihren Besitzern zur Untersuchung
anvertraut worden waren. Schließlich habe ich doch aber auch
die beiden ndrh. Handschriften, das interessante Sydracfragment
Dr. Kristellers und die theologische Sammelhandschrift aus
K. Th. Völckers Antiquariatskataloge nicht zurückhalten wollen
und zwei kleinere mnd. Fragmente (Altenbruch und Professor
Schaaffs) zur Abrundung dazugetan. Nd. Drucke hab ich in
diesem Berichte nur gelegentlich mit angeführt, so bei Nürnberg,
Frankfurt, Mainz, Aachen.
Das etwas buntscheckige Corpus dieses Berichtes gliedert sich
6 C. Borcliling,
alphabetisch nach den Aufbewahrungsorten. Ein Register, das
diesem Berichte zum ersten Male beigegeben wird, soll außer den
Titeln der besprochenen Werke auch ein Verzeichnis der Vor-
besitzer und der Schreiber bringen. Diese Register sollen zugleich
Bericht I — III mitumfassen.
Es bleibt mir schließlich die angenehme Pflicht, den Vorständen
der besuchten Bibliotheken und Archive meinen herzlichen Dank
für die Unterstützung meiner Arbeiten auszusprechen; mit beson-
derer Freude gedenke ich der unermüdlichen, klugen Fürsorge, die
ich von Herrn Greheimen Archivrat Dr. Ilgen in Düsseldorf er-
fahren habe, möchte er in dem Düsseldorfer Teil meines Berichts
einen bescheidenen Lohn für seine Mühen finden. Den Herren
Pfarrer Diestelmann in Berklingen, Dr. P. Kristeller in Berlin,
Superintendent Müller in Calbe a. d. unteren Milde und Prof. Dr.
G. Schaaffs in St. Andrews bin ich ebenfalls zu lebhaftem Danke
verpflichtet, daß sie mir die in ihrem Besitze befindlichen Hand-
schriften zur näheren Beschreibung überlassen haben. Ich kami
aber diesen Vorbericht nicht schließen, ohne auch der Göttinger
Gesellschaft der Wissenschaften, die diese mnd. Reiseberichte ver-
anlaßt und durch ihre Mittel ermöglicht hat, dankbar zu bekennen,
daß sie damit meinen nd. Studien Weg und Ziel gewiesen hat.
Aachen, Stadtarchiv.
Nur ^ine Hs. kommt hier in Frage: 253 Bl. Pap. in kl. 8°,
Mitte 15. Jahrhs., aus einem Aachener Franciskanerkloster stammend,
früher im Besitze von Dr. Wings-Aachen.
Sammelband mystischer Tractate in ndrh. (z. T. mnld.)
Sprache. Die Hs. ist von C. Nörrenberg in der Zt. des Aachener
Geschichtsvereins Bd. 5 (1883), S. 287 — 294 beschrieben und eine
Probe aus dem ndrh. Teile gegeben worden. Vgl. auch Nd. Kor-
respondenzbl. Heft 9 (1884) S. 46.
Eine Hs. über die Jülichsche Fehde von 1542 wird in
den Annalen d. bist. Vereins f. d. Niederrhein, Heft 61 (1895),
S. 64 — 76 besprochen; sie war früher in 4er Stadtbibliothek zu
Aachen.
Mittelniederdeutsche Handschriften: Aachen. 7
Aachen, Stadtbibliothek.
Der handschr. Katalog der Stadtbibliothek entliält im Bd. XII
die Hss., und zwar S. 140 die Manuscripte auf Pergament, S. 141
— 154 die Papierhss.
Nr. 44 (Kat. S. 143): Pap. in 12^ 15. Jahrh. Im alten Leder-
bande, dessen Holzdeckel herausgenommen sind.
Ndrh. Grezeitenbuch. Vorausgehen 12 Bll. mit lat. Text;
sie beginnen mit dem Hymnus: Aue man^ dextra xpi ^forata plaga
xpi etc., 5 vierz. Strophen auf die 5 "Wundmale Christi; die fol-
genden Prosagebete haben z. T. ndrh. Überschriften. Zwischen
Bl. 8/9 fehlt etwas. Der ndrh. Teil beg. Bl. 1^': He hegynen de
ge^yde vä dem hilge crütze. GEgroyt fyjiu godertere Jiere iJiü
xpe du bys vol genaden de harmJiertzicJieit is myt dyr etc. Es folgen
Beicht- und Sacramentsgebete, eine Prosaandacht von den 7 Freuden
U. L. Frau, dann zwischen einem lat. Grebet an den hl. Jourus
(G-eorg) und deutschen Grebeten eingeschoben eine mystische
Erklärung der Messe auf 22 Bll. Anf.: Dyt is de hedudynge
der hilger myffe Als der preißer an den elter Jcompf etc. Vgl. Be-
richt III, S. 43 f., wo ähnliche Tractate aufgezählt sind.
Nr. 45 (Kat. S. 146): Pap. in 12«, 15. Jahrh., von einer ein-
zigen zierlichen Hand geschrieben. In altem Lederband mit Holz-
deckeln, Schließe abgerissen.
Ndrh. Grebete, zumeist Marienandachten. Anf.: So we
onfe lieue vrouwe alle dage ynencliclien anroift mit defe gebede. en ß
ermaynt des ellendige hedroifde ßays d^ ß ond^ de hilge cce hy ire lieue
Jcinde ßoynt. de tvilt fi fond'' alle siviuel hyßayn in ßme leße ende etc.
Es folgen dann u. a. einige größere Marien- Andachten:
1) He begtt vnß lieü vromve falder, eine Umdichtxmg des davidi-
schen Psalters auf Maria, mit angehängter Litanei und Gebeten.
Andere Hss. des Werkes hab ich Bericht I, S. 114 und III, S. 66.
108 besprochen.
2) Van fonderlinger werdic¥ des loues Marien, Anf. : SEente
hernart fait: Maria is eye gVofe en ey foeße name y" de hemel en oü
all ertriche etc., 15 Bll.
3) Vä wdich* des loues Marie. Anf. : Maria is gefoicht. hy wilcher
dat de gre vä deser vborgere vJwleh* foilde ivde volmaicM. da is gefoicht
dat fchaiff vä wilchc foilde wde gebore ey lam. dat op buere en drage
foilde de funde d' werelt etc., 6 Bll.
§ C. Borchling,
4) We troißliche wd helmlplich d* maria is de myfche. Anf. : BJe
edele conycyne ßoet zo dyre reM hant mit vgulde cleidere etc., 8 Bll.
5) We troißUch en ive helmlplich dat maria is de myfche, Anf.:
DJe grade en de genade is vfgeßuH en gegoffe in dyne lippe etc.,
die Andacht entwickelt sich zu einem Dialog zwischen Maria und
dem Menschen, 7 Bll.
6) We onfe lieue vrouwe geyne twiß gelide y kan tufche ere foene,
en erharh* irs loues, Anf. : Alle creature fülle grois mache de mod'
des fcheppers hemelrichs ertrichs etc., 13 Bll.
Nr. 64 (Kat. S. 140): Perg. in 12^, von einer Hand des 15.
Jahrhs. schön und deutlich geschrieben. Mit Miniaturen. Einge-
bunden in eine alte Perg.-Urkunde mit dünnem Lederbezug.
Ndrh. Grebetbuch. Auf dem 1. der Papiervorsetzblätter
des Einbandes steht (über Kopf geschrieben) eine kurze Inhalts-
angabe des Bandes aus dem 16. Jahrb., auf dem 1. Pergamentblatt
ein Inhaltsverzeichnis aus dem 17. Jahrh. Vorausgeht ein Kalen-
darium, dann folgen:
1) Bl. 1': De getzyde van deme vperßenteniffe vns heren ihefu
crißi Ind hegeynnent alfus: 0 Heyige dach ind eyrlich bys gegroiß
ewenclich etc.
2) Bl. 25'': De getzyde vä der heiiger ioncfrauwen fent Kather ine,
3) Bl. 28': De hurte geteyde van fent agneten der heiiger tone-
frauwen.
4) Bl. 33'": JDe getzyde van der edeler reyner Jonffrauwen ind
mertelerfche fente Barbaren.
5) Bl. 46"^: Sent benedictus getzijde, von Papst Benedict 1349
gemacht.
6) Bl. 54': Van dem heiigen facramente. In die Betrach-
tung eingelegt ist Bl. 56^—61' ein Abschnitt van den xii wuchten:
Dyt fynt de xii vruchte ind nutze de mynfclien der yd yntfcnget in
gJienaden as ich dich befcheyden ivill etc. Die Bl. 65^ angeschlossenen
kleineren Abschnitte mit theologischen Vorschriften für geistliche
Leute, und die Bl. 72' — 74' den Tractat abschließenden Aussprüche
zahlreicher Kirchenväter über geißelich leuen sind vielleicht selbst-
ständig.
7) Bl. 75': De leße auenterede de vnfe lieue here Jhcfus xpüs
leirde fyne lieue jüngeren do hei van yn uoulde fcheyden. Anf. : «7^
der zyt it gefcJiach doe ihüs alle defe rede vollenbracht haddc etc.
8) Bl. 92': De paffie crißi als die vier ewangelißen concor-
deren. Anf.: DOc ihefus defe wort gefprochen hadde do geyncJc hei
vi/f myt fynen inngeren in eyn dorp dat heifchet getzamanic. Auch
Mittelniederdeutsche Handschriften: Aachen. Altenbruch. 9
Stück 7) ist aus den 4 Evangelien zusammengezogen. Ich verweise
auf Bericht I, S. 100; II, S. 130. 174; III, S. 24. 54.
Die Nrr. 46 (Kalender mit astronomischen Tabellen und Trac-
taten) und 5 9 {Ben Spiegel vande lieffhebbers des Werelts) sind rein
nid. Hss. des 16. Jahrhs.
Unter ihren Incnnabeln (die bis zum J. 1550 gerechnet werden)
besitzt die Stadtbibliothek eine große Anzahl der ndrh. Cölner
Drucke aus den ersten beiden Jahrzehnten des 16. Jahrhs. Der
mir seinerzeit vorgelegte hsl. Katalog Dr. A. Richels ist leider
bis heute nicht gedruckt worden. Ich gebe einige Notizen im
Nachtrage dieses Berichts.
Aachen, Kirchenbibliothek zu St. Peter.
Perg. und Pap. in 8^ Statuten- und Chronik -Buch der im
J. 1504 gestifteten Brüderschaft vom Leiden Christi zu St. Peter
in Aachen. Bl. 1 — 6 Pergament, alles Übrige Papier. Bl. 1 — 4
die ersten Statuten der Brüderschaft, in ndrh. Sprache.
Anf. : DU is ey hroiderfchaff vä dat lyde ans hin ihü xpi Jn ßnt
peter. JN name des almechtige gotz der heiiger dryueldicheit etc. Es
folgen spätere Ergänzungen der Statuten, Verzeichnisse der Greuen
oder Brudermeister bis 1630, endlich ein Verzeichnis der Brüder
von 1504 — 1722. — Nd. Statuten einer St. Sebastianus-Arm-
brustschützengesellschaft zu Herzogenrath (Kr. Aachen-Land), eben-
falls von 1504 Juli 7 führt A. Tille, Übers, über die kleiner. Arch.
d. Rhein. -Prov., Bd. 2 (1904) S. 312 an. Gereimte Statuten
der St. Sebastianus-Schützengesellschaft in Waldfencht (Kr. Heins-
berg) von 1433, in einer Niederschrift von 1597 bei Tille ebend.
S. 200.
Altenbruch (Land Hadeln), Archiv des Landes.
1 Doppelbl. Perg. in Kleinfolio, zweispaltig, 15. Jahrb., dient
als Umschlag eines Anno Dominj 1598 vp mitvaßenn von Matthiaß
hrunfenn angefangenen Fredehoicks von Oldenhrohe.
Nd. Bruchstück des Sachs. Landrechts mit der Grlosse
hinter jedem Artikel; Bl. 1 = Homeyer I 19—20, Bl. 2 = I 25
§ 1 — 4. 25 § 5. 27. Der Text ist dem Homeyerschen nahe ver-
wandt.
10 C. Borchling,
Aschaffenburg, Königl. Hofbibliothek.
Die Kgl. Hof bibliothek zu A. ist von dem letzten Kurfürsten
und Erzbischof von Mainz Grrafen Friedrich Carl Joseph v. Erthal
begründet worden und führt deshalb wohl auch den Namen „Biblio-
theca Fridericiana". Die in ihr vorhandenen nd. Hss. gehören
nicht etwa zu alten Mainzer Beständen, die aus den nds. Teilen
der Erzdioecese frühzeitig nach Mainz gekommen wären. So sind
auch die verschollenen nds. Rechtsbücher der Mainzer Dombibliothek
(Homeyer, Rechtsbücher Nr. 433 — 437) nicht nach Aschaffenburg
überführt. Einzelne kunstgeschichtlich wichtige Handschriften be-
spricht Jos. Merkel, Miniaturen und Manuscripte der Kgl. Bayer.
Hofbibliothek in A., beschrieben und erläutert, A. 1836, 4^.
Ms er. Nr. 24 (Merkel S. 14 Nr. 26): 41 Bl. Pap. in kl. 4«
(20,5 X 14,1 cm). 1480. Ruhr., einfache rote Anfangsb., Bl. 1^ eine
rote Überschrift; 28—30 Z. Bl. 13—18 etwas durch Moder an-
gegriffen, Bl. 21 stark laediert. In starkes Papier geheftet,
außerdem jetzt in e. Carton. — Aus der Bibl. des Rectors Christ.
Frid. Schmidt zu Lüneburg ') (vgl. den Auctionskatalog Bibliotheca
. . . ScJmidiii, Lüneb. 1748, S. 78 Nr. 4499). Bl. l-" Stempel der
Bibl. Fridericiana.
De medelidinye der hilgen JtincJcfruwen Marien^
nd. Prosatractat, vollständig abgedruckt von Gr. Hart, Progr. Gymn.
Aschaffenb. 1898/99, S. Iff.; vgl. die kurze Beschreibung der Hs.
S. IV und über die verwandten Lübecker Drucke S. VI f. u. X.
Der S. X angeführte Druck s. 1. et anno ist aber vielmehr die bei
Johan Grashove in Magdeburg 1486 erschienene erste Ausgabe des
Werkes, vgl. Bericht III, S. 179. — Die Hs. stammt ihrem Dia-
lekt nach aus Westfalen, vgl. Seelmann, Nd. Korrespbl. 21, S. 48.
Nr. 30: 74 beschr. u. etwa doppelt so viel unbeschr. Bl. Pap.
in Fol. (31,5 X 19 cm). 1679 von 2 Händen in Hildesheim ge-
schrieben. 39 Z., ohne Buchschmuck. In einfachem Schweinsleder-
bande des 17. Jhs., rötlicher Schnitt, die beiden Bindebänder abge-
rissen. — Bl. 1^: Sum Ludert Schnarmacheri Ao. 1679.
Johan Oldekops Hildesheimische Chronik in einem
Auszuge. Vgl. Eulings Ausgabe, Stuttg. Litt. V., Bd. 190 (1891).
Unserer Hs. scheint die Bericht III, S. 200 erwähnte Hs. des
1) Von den übrigen nd. Hss. Schmidts habe ich bisher weder in Aschaffen-
burg noch sonstwo eine Spur gefunden.
Mittelniederdeutsche Handschriften: Aschaffenburg. H
Hildesh. Stadtarchivs (Hss. die Altstadt betr. Nr. 9, 17. Jh.) am
nächsten zu stehen. Bl. 2^ hat die Hand des alten Luder Schnar-
macher am Rande bemerkt, diese Hs. sei auß dem unter f. D. Gar (ß)
Jordans mfcriptis befundenen vndt in curia verhandenen Exemplar y
nte^) filium et generum nieü abgefchrieben Ao. 1679. L. S, Schnar-
macher selber hat am Texte nicht mitgeschrieben, aber überall
Randnotizen hinzugefügt und die zugehörigen Textstellen oft rot
unterstrichen. Im Texte beg. Hand 2 Bl. 28^ Z. 1. — Anfang
Bl. 2' : Annales Johannis Oldecoppi ab anno 1471 ad annum 1563. —
1471. Im Jahre nach Chrißi Gebiirtt 1471 deß andern dages 7iach
Marien Magdalenen jiarb Bifchoff Ernß etc. Eulings Ausgabe be-
ginnt erst mit dem J. 1500. — Schluß Bl. 74^: {Anno 1562 . . .)
undt duße Verdracht ivardt dorch de K. M. Ferdinandum appröberet
undt befeßiget (= Euling S. 492 Z. 35). Die Sprache der Hs. ist
fast ganz verhochdeutscht.
Nr. 46 (Merkel S. 13 Nr. 15. Homeyer, Deutsche Rechtsb. des
MA. 1856, Nr. 14. Rockinger, Wiener Sitzungsb., philos.-hist. Gl.
Bd. 118 Abh. X S. 33 f. Nr. 9):
379 Bl. Pap. in Fol. (30,7 x 22 cm). Von einer Hand in fester
Cursive 1421 geschrieben. Zweispaltig, 32 — 38 Z., der 2. Teil der
Hs. enger. Ohne Rubricierung, für Initialen ist überall Platz ge-
lassen, nur Bl. 322'* ein rotes A. Gut erhalten. Alter Holzband
mit rotem Leder überzogen, Messingteile abgerissen, der Vorder-
deckel zur Hälfte abgebrochen. — Bl. 1^ Stempel der Bibl. Frideric.
Schlüssel des Landrechts, nd. Die bei Homeyer, Rechts-
bücher S. 57 f. unter 1) besprochene alphabetische Arbeit über das
Sachs. Landrecht nebst Glosse und das Schwab. Landrecht. Alter
Titel auf dem jetzt an dem Vorder deckel festgeklebten Vorsatz-
blatte: (Dit) boeck lieit de f lotet (de)s lantrechtes ic^). Bl. 1^* Vor-
rede des Bearbeiters : [ ]Ere ihu xpe eyngeboine föne etc. Bl. 3^^^ :
[ ]Jr beghinnet feh dat lantrecht. Merket h're vild knecld etc., 8 ge-
reimte Zeilen , dann : [ '\Ere god vnde hymelfche vader etc. Bl. 4^*
die gereimte Vorrede : []k tymere alzo nie fecJd be deme weghe etc.
Bl. Q'^ : des hilligen geyßes mynne etc. Bl. 6^* : {]0t de dar is be-
ghin vnde ende etc., mit der glofa. Bl. 8^'*: Vvornemet vä der Jiere
boxt van deme lande to faffen. Bl. 8^^ beginnt endlich das alphab.
Werk mit dem Artikel [ ]fffandern. Schluß Bl. 321" mit dem
Artikel []Vnde. Bl. 321'^ Epilog des Bearbeiters: []Ere god du
1) me über d. Zeile ergänzt.
2) Das Eingeklammerte verdeckt.
12 C. Borchling,
hiß cy hegj/ vü ey ende aller gude clingh etc. bis Bl. 321''^ : Jonen vnde
henedighe fclioleu A.M.E.K '
Angehängt ist Bl. 322'"»— 378^» ein ausführliches Alphabet.
Register zu dem vorausgehenden Werke. Anfang (ohne Über-
schrift): ABet dat dy ehdifche vü dy ebhete dy gJie vorßej fynt, den
ande'n lierfclielt vure B^ herfcMlt § i ii etc. Schluß im ^Stichwort
[ ]vnd€: wy eyne vredebreJcer wiidj B( . . . Jmnd § %i. Jcamp § i. ii.
Morde § vi) vii] ix. Nach einer leeren Zeile: Et fic eß finis regiß'
libri huii) Ber man9 Crißianj czüden de Berlin ^P q^ deiis glof^ fit
hfidcüs l fecVa fecVoi a*\ Anno dnj Mille fioquadringetefto vicefimo
pmo ^) Jn iPfeßo fände liicie. Jn lipczh ^).
Berklingen b. Schöppenstedt (Braunschw.), Pfarrer Diestelmann.
212 Bl. Pap. in kl. 8« (16,1 x 10,2 cm), Ende 15. Jahrh. Von
9 versch. Händen ziemlich gleichzeitig geschrieben. 19—22 durch-
lauf. Zeilen. Ruhr., rote Überschriften. Von moderner Hand als
S. 1 — 420 paginiert. In altem gepreßtem Lederholzbande, Einband
etwas beschädigt, das Innere der Hs. gut erhalten.
Mittelniederdeutsche Andachten und Gebete für eine
Klosterfrau.
1. S. 1 — 64: Die 15 Landes, (rot) Hijr hegynen de vyfteyn
laudes de fere nutte fyn ghelefen in groten notfaken. Domine deiis
mens refpice in me^ quare nie dereliquißi longe. MYn god myn god
liemelfche vader see in my etc. Schluß: vp dat he vlofede myne zele
van den de fe vorvolgeden. Glorie fy den vader ic-).
2. S. 65—68: Die 5 Deprofundis. Vyff deprofundis falßu
lefen alfe vnfe here vpgehort is in der myffe eyn iar lancJc ... 0 leue
here ick beuele dy du/fen deprofundis dyne gebenedyeden houede etc.
Schluß : vü troße vü vorvromvc alle gelouygen zelen Amen. In einem
angehängten Seelengebet an Maria (S. 69 — 71) findet sich S. 70
der Satz : 0 leue moder en lat nicht lange yn pyne de zelen dyncs
knechtes Here helmoldiis Nagel.
3. S. 71—89: Die 15 Salve regina. Bern duße Salve Be-
gina mit duffer ordenynge ivo fe hijr na ßan Sal eyn juwelick menfche
de dar hegert de (S. 72) liidpe der harmhertigen moder godes marien
an fynem ende, . . Alfa fcrift de andecldiger vnde troßlicker lerer
1) corrig. aus fexto.
2) Jn l. mit blasserer Tinte vom Schreiber nachgetragen.
Mittelniederdeutsche Handschriften: Aschaffenburg. Berklingen. 13
Johannes Gerfon hätzeler to paris jn denie hokc van den anfechtynge
De vnfe liere den menfclie vorholt an orem leßen ende etc. Jeder der
5 Andachten geht eine längere Einführung voraus; die erste An-
dacht selbst beg. S. 74 : 0 Du gnaden ricke vnde tverdige Jiincfrouive
maria ives yngedechtich der groten leiie vnde oiierulodigen gnade etc.
Schluß : To eynem heflute duffes gebedes fpryckt der troßlicher lerer
Johänes Gerfon an der vormelden ßat vn oJc meyßer hans an eyner
ßat yn den tracta van den goygen dode . . . vnde ivere he ocJc de
groteße funder de ju geleuede edder vp erde yu homen ys,
4. S. 89 — 93: Andacht auf den Namen Mariae. Hijr
hegynt de fote name Maria. (S. 90) 0 Du aller erwerdigheße hillighe
M Du alder trmveße myddelerfche etc. Schluß: dancTibarheit yn
ewiger ewicheit Ä".
5. S. 93 — 100: Kleinere Grebete (dat Sondages geheth, Gebet
zu den 24 Alten, S. 98: zum Propheten David, S. 100: Grün-
donnerstaggebet, in 12 nicht abgesetzten Reimzeilen, Reime
aber z. T. zerstört.
Anf. : 0 moder aller bärherticheit
bedenke de Jamer vn grote herte leyt etc.
bis: vä ju nümermer mote gefcheyde tverden Amen.)
6. S. 101—132 (z. T. von Hand 2): Andachten zu den ver-
schiedenen Marien festen des Jahres. üEyn gebet van marien
alfe fe yn den tempel tvas. 0 maria gloriofe zele vorhichte my etc.,
femer zu Lichtmeß, Annunciationis , Visitationis , Himmelfahrt
Mariae, Geburt Mariae. Schluß: mytte troßer de hilligen geijß van
nu tvent i ewic¥ Amen.
7. S. 133—144: Die Regel des Klausnerlebens. Dtjt
is dat gefette vnde Ordenynge alle den de klufener leuent ghelouet
hebben. DAt erße dorch welcker tvant fe yngefeghent tverden De ivant
folden fe nümer äne bouen ivedder dorch ghan etc. 23 Punkte.
Schluß : De Mus regelen folde ßck eyn juwelich klufener taten lefen
tJio deme mynßen eyns yn den veer iveken tves he nicht gheholden
Jiedde dat he dar fyne fchult vor fpreke. Deo gracias. Eine andere
Hs. des Stückes in Wolfenbüttel-Helmst. 1187 (v. Heinemann III
99 Nr. 1295), Bl. 71'— 87'.
8. S. 145—156 (Hand 3). Das Magnificat, eine Marien-
andacht in 6 Abschnitten. Magnificat pr nr. IK bydde dy leue
jücfrouwe maria dor alle de groten ere vnde groten gnade de dy god
heuet gegheuen etc. Schluß S. 155: Vn twyde my i duffer fake in
duffen achte daghen. Angehängt ist noch eine Empfehlung dieser
Andacht.
J_4 C. Borchling,
9. S. 157—168 (Hand 4): Die 15 Paternoster. Eijr he-
gliynen de vyfteyn pr nr, 0 Jiere ihü xpe des leiiendygen godes föne
danclcharheit loyff vnde glorie fy^ dy vor de ordinerynge alle dyner
Mllige letmate an den cruce etc. Schluß: du de louelick byß in eivicJieit
der ewicJwit Amen. Vgl. Bericht III, S. 46 und II, S. 37. Eine
lat. Fassung in Hildesheim, Josephinum, Schrank I, Nr. 3 (an
letzter Stelle).
10. S. 169—171: Die 15 Freuden uns er s Herrn. Eijr
hegynen de vyfteyn vroude de vnfe leiie liere hadde an deme cruce.
DE erße vroude ivas dat icJc nümermer en fal fcJieyden vt mynes vader
ricJce Älfe ich dar vtgefcJieyden ivas pr nr etc. 15 kurze prosaische
Absätze. Schluß: Ynde tvyl fe laten fcliauwe den fpeigel myner got-
liclcen clarheit amen. S. 172 — 174 ist dann eine lange Empfehlung
dieser Andacht angehängt, darin u. a. S. 172: vn dyt is heßedyget
van deme paiiwefe Johannes den vyfteynden (984—985) etc., S. 174:
Ee fulue mefclie fal och mer Ions entfanghen den ofte he ghynglw to
fände Thomas in yndeen Vnde fal och mer Ions entfanghen dan dat
alle meer Mach ivere Vnde alle berge pergament vnde de fnelleßen
fcryuer tvere de iv hehhen gefcreuen vid fcriuen mochten etc.
11. S. 175— 182: Ein Brief Jesu Christi an St.Michael,
betr. hauptsächlich die Heiligung des Sonntags. Eijr Jwuet fleh an
eyn gebot dat god fiduen heft geboden vnde heft dat gefant vp fände
Mychaelis berch vnde dar hengJiet de breeff vor fände mychaelis beide
vnde neniant en weet ivor ane de breeff hanget . . . Vn he is yn deme
vernen lande to brytlmnien etc. Schluß: Eat bede ich by mynen
engele funte mychaele ihs xps amen.
12. S. 182 — 184: Mariengebet. Eijr hegynt eyn gebet vä
der gloriofen juncfrouwen marien to meylanen, 0 maria eyne fyole
der otmodicheit Eyne rofe der rechten leue etc. Schluß : vor dem altar
geheten facta fcörü amen.
13. S. 185— 197 (Hand 5): Passionsandacht in 30 Punkten.
Eijr hegynen xxx puntte vä den lyden vnfes heren ihü xpi. TEn
erßen male ouerdenhet tvat vnleffchel icher leue dat ych hadde Dat
menfcheliche geflechte to vorfone myt myne hemelfchen vader Do ich
op my nam Adames myfdaet etc. Schluß : vnde quetfen yn myn edel
lierte to myner leuen brud beJwff.
14. S. 197—201: Die 7 Betrübnisse U. L. Frauen, ge-
reimt, Verse nicht abgesetzt. Eijr begynnen de feuen bedrofniße
van vnfer leun fruwen De men gerne fal vp de tyde lefen etc.
TO metten tyd vn to mydder nacht
wart marien de bodefchop ghe- (S. 198) bracht
Mittelniederdeutsche Handschriften: Berklingen. 15
Bat ore hjnt vnfe leue Tiere
manch den ioden gevangen tvere etc.
8 sechszeilige Strophen, Schluß: •
Älftis wes ock hy my % myner leßen drofrüffe
Vp dat ich der ewigen vroiide jo nicht en my/fe Amen.
Das Grediclit, wie es hier vorliegt, gehört zu den kurzen Fassungen
der beliebten Reimandacht. Die Bericht I, S. 105, II, S. 180, III,
S. 36. 49. 132. 174 f. 261 aufgezählten Hss. zerfallen in mindestens
acht verschiedene Rezensionen; die nächsten Verwandten unserer
Hs. sind Rostock (Bericht II, 180) und der alte Magdeburger Druck
(m, 174f.).
15. S. 201—210: Die 10 Ermahnungen U. L. Frau,
Marienandacht. Eijr hegynen de x vormanyge van vnfer leue fruwen.
0 Maria ich vormane dy (S. 202) der oueruloydygen groten [groten]
vnfpreheliche vroude ere vnde werdicJieit de dyn lyff vü dyn sele ent-
fench do god de vader , . . dy vorhos to eyner moder etc. 10 Ab-
schnitte mit gleichem Anfangs- und Schlußsatze. Schluß: Dorch
dyne grondelofen mylden barmherticheit Amen.
16. S. 210— 215: Die 5 Paternoster von den Wunden
Christi. Hijr hegynen de %ir nr vä den vyff ivüden ihü xpi, GHe-
grotet ßßu durebare wüde der vorderen haut iliefu dar vt geidoten ys
de vloet der gotliche leue etc. Schluß: eynen vroliche ynganch % de
hönyclichen ßaphamere dynes otmodigen herten Arne.
17. S. 215-224 (S. 217 ff. Hand 4): Verschiedene kleinere
Gebete, S. 215 f. Mariengebet, S. 217—221 St. Gregorius Gebet
vom Leiden Christi, S. 221 f. Mariengebet, zu dem Papst Sixtus IV ^)
(1471-1484) Ablaß gegeben hat, S. 223 f. Morgen- und Abendgebet.
18. S. 225— 261 (Hand 5): St. Gertruds Betrachtungen
über das Leiden Christi. Hijr hegynen fomyge nutte puntte
vä den erwerdige leuede vn lydende vnfes leue heren ihefu crißi dar
fich vnfe leue falige erwerdige moder gertrud y orem leuende dyche
yne plach to offende vn funderlynge yn der Mllige my/fe. 0 leue here
ich bydde dy otmodelichen dattu dy ivylleß neder negen van deme trone
dyner Jwgen mogent yn dat dael vnfer ellendicheit vnde vornigen dat
offer vnfer ewigen falicheit etc. Schluß: vnde lieft gelede den bitteren
dot de yn ewic¥ ghebenedyget is Amen.
19. S. 262 — 263: Passionsandacht in 5 Abschnitten.
Van der hlufenerfchen pr nr. 0 leue here ihü xpe entfa dyt ghehet
l de ere alle dyner hilligen votßappen de du ghegan heuest vme der
1) Auch S. 323 wird ein Ablaß Sixtus IV erwähnt.
IQ C. Borchling,
menfclien falicheit etc. Schluß : dattu vns der tvilleß deyliaftich (!)
maken Anien,
20. S. 264— 273: Die 4a Gellen, eine Fastenandacht der
hl. Birgitta. Wo wy vnfen leue heren vifiteren f ollen yn der
tvoßenye de vertich dage vme . . . Eyne fchone collacie ynder vaßen
Elches dages eyn piintte to adercamven ofte to denken de vnfe leue
liere hrygitten openbarde. (rot) Dyt ßnt de vertich Cellehen yn der
woßenye in der vaße. Des fondages. JDAt erße Gellehe is myne
enycheit de ich hadde Do ich begaff alle folas vnde myne enige moder
vn alle dinch der mefcken, Merhe myne vtuerhm'ne vrundyne ivo ich
alleyne gliench etc. Schluß: Blyuet vredefam op dat gy wefen nioge
fiißere der liilligen engelen ame.
21. S. 273: Gebet an St. Augustinus.
22. S. 273—274: Reimgebet an Christus, Verse nicht ab-
gesetzt. Eyn fimerlich piittehen.
Ich liebbe begert (S. 274) van anbegyne
dat ich van Jierten leyfglieivyne
Den de my erßen lieft vtuertcelt etc. 16 V.
Schluß: Jch wyl leue vnde ßeruen yn fynen liilligen wüden
Wante ich one aldus mylde liebbe ghevüden amen,
23. S. 274 : Das geistliche Kloster, Allegorie. Hijr
begynt dat glieyßliche Cloßer. Eyn vredefam herte ys ey cloßer vnde
dar is god flauen ey || Nur dieser Anfang ist erhalten, hinter
S. 274 ist ein Blatt herausgeschnitten.
24. S. 275—281 (Hand 4): Die 7 Paternoster und Ave-
maria, Marienandacht. Der Anfang der einleitenden Empfehlung
verloren, S. 275 heg. : de miffen lofen myt vijf pr nr vnde Aue niaria.
Noch bouen al dyt fo werden de broder vn fußereti delaftich al der
myffen vnde al des guden dat dar gedan wert i duffen tiveyyi orden
Als in den orde vnfer leue vruwen broders vt deme berghe carmelien
al der tverlt dor vnde in den orden van der predicher yacobynen etc.
S. 276: DAt erße pr nr vnde ane nmria offere ich dy 0 maria in
de ere der bedrofniffe de du haddeß do dij fytneon propheterte etc.
Schluß : dat ich by dynen leuen hynde eiviclichB reßen mote vnde leuen
emlichen Amen.
25. S. 282—295: Andacht und Gebete zu St. Maria Mag-
dalena. Duffe 7ia gefcreuen bede fal men xxx dage'vme lefen vfi
begynen fe eynes vrygdages vnde endigen dat eynes fonaiiendes etc.
Schluß: vnde dor dyne grüdelofen barhertich^ ives vnfe ewige reße
Amen.
26. S. 295—312 (S. 303 ff. Hand 6): Verschiedene Gebete,
das erste an St. Anna, S. 298 zum Propheten David (identisch
Mittelniederdeutsche Handschriften: Berklingen. 17
mit S. 98—100!), S. 299 Verzeichnis der Stätten, wo täglich Ver-
gebung aller Sünden erteilt wird, S. 301 Gebet zu Maria in der
Osternacht, S. 302 abgekürzte Form der Litanei für Notfälle, S. 303
kurze Ausdeutung der einzelnen Stücke der Gezeiten U. L. Frau,
S. 308 Gebete zu den 3 Paternostern in der Vigilie, S. 311 Marien-
gebet, S. 313—314 leer.
27. S. 315—370 (Hand 1, S. 351 Z. 4 ff. Hand 7): Beschrei-
bung der Stätten des hl. Landes und ihrer Ablässe,
durch den Priester Herrn Bethlehem. Byt is ey deuote
meditacie vp de paffie vnfes heren vnde van ßede to ßeden de mate
gefat dar vnfe leite liere iJiefus vor vns gelede lieft Myt fuuerlicJcB
gehede dar vp deynen Vnde fo vaJcen alfe ment deuotlicken lefet fo
vordeynt me alle de aflate alfo vullencomelicJcen oft men alle de JiiUigen
ßede lynen jhervfalem lychamelicke verföchte. — Dyt hocJcfcJie lieft ey
iverdich preißer genomet Mr befJileJiem befcreuen . . . (S. 316) Dyt is
dat aflat van de Mlligen berge Caluarien etc. Schluß : Item de gebede
en darf men dar nicht vp lefen van fchult iveghen wente de fynt van
deuocien dar vp gefat. Andere Hss. des Werkes habe ich Bericht I,
S. 308, III, S. 22. 74 f. 213 besprochen; auch die Passionsandacht
der Kopenhagener Hs. Thott. 8«. 134, Bl. Pff. (Bericht 11, S. 40)
wird hierher gehören.
28. S. 370—373: Die 7 Marterfälle unsers Herrn.
Dyt fynt de feuen fmartelicJcen marterlicken valle vnfes heren . . .
(S. 371) DE erße marter val alfe de here ghebunden wart gheßoten
van deme ßeghe yn dat tvater cedron etc. Schluß: an my nümer
verloren werden pater noßer aue maria. S. 374 — 380 leer.
29. S. 381—397 (Hand 8): Von der geistlichen Geburt
Christi, eine Allegorie in 7 Officien. Van der gheißliJcen geborte
Jhü xpi. UNs vns (rot durchstrichen, lies is) eyn TcyndeTcen gheboren
dyt heuet de ^pphete ghefproTzen van der gheborten vnfes heren ihefii
crißi vnde is drierhande: Jn den erßen wert he in den hemele ewiliJcen
fander vnderlaet van den hemelfchen vader gheboren recht als dat
l'chynfel van der fünen is etc. Schluß: So war den hynde duffe
officien vnde denßen aldus ghedan werden Dar ivaffedet vp vn bediet
to eneme vulmakeden tnäne vn gaet vort in older vn in wifheit,
30. S. 397 — 400: Geistliche Ermahnung an eine
Frau, ohne Überschrift. Jhs fecht Dochter war dyn herte vaßliJcen
in den heren vn en vruchte nicht dat menfchelike gherichte etc. Schluß
(wie es scheint unvollständig): dy fal oh mer gracien to gheworpen
werden to hant.
31. S. 401—404: 16 Früchte der Betrachtung von Christi
Passion, nach St. Bernhard. Sante bernhardus fecht We dat
Kgl. Ges. d. Wiss. Nachrichten. Philolog.-histor. Klasse. 1913. Beiheft. 2
IQ C. Bor Chi in g,
lyden vnfes Jenen heren vnde fynen äoct myt medelidenäe vnde andachf
ouerdencJcet . . . Dem Tcoinen dar af feßeyn vrucJde etc. Schluß: vn
dar to dat ewiglie leuent ame.
32. S. 404: Sante Amhrofms feclit jücfrouwefchop is eyne vrun-
dyne der godheit etc. Schluß: myt dynem Mllighen durharen Mode.
33. S. 405—412 (Hand 9): Gedicht von einem Geist-
lichen Krautgarten. Verse nicht abgesetzt. Hyr lieuet fik
an Eyn gheißliJc hrutegertelyn dat Sande francifcus feinen gemaket
vn geplantet lieft,
Hyr lieuet fych an eyn fyn hrutgertelyn
van edelen rofen fyn
dar god Jciimpt myt lußen yn
Den folle wy hyr hefynnen
dat he waffe jn den herten fyn.
Wultu hellen eyn volkomen leuent
der to wil Jk dy eyne guden rat geuen etc.
Etwa 116 V., die z. T. aber kaum noch herzustellen sind.
Schluß: ach liere god woldeßu vnfen herten Jn planten
So mochte tvy ewyliken myt dy dar ynne wefen ame.
Das Gedicht ist, nach einer Mitteilung des Besitzers, vor längeren
Jahren von ihm an einer nicht mehr näher nachzuweisenden Stelle
abgedruckt worden. Es ist, nach dem Umfang und Anfange zu
urteilen, verschieden von dem gleichbetitelten Gedichte des Harte-
boks (bei Staphorst, Hamburg. Kirchengesch. I, 4, S. 223 — 225).
34. S. 412 — 420 : Betrachtungen über das Abend-
mahl, ohne Überschrift. We des morgens wartfchop maket de ladit
allerleyge lüde auer to der auent wertfchop ladyt men leue vru(n)de etc.
A. E. unvollständig, Schluß: dat fyck got der zele nicht geuen mach
alfo luttik alfo he fynes feines nicht vorget.
Berlin, Dr. Paul Kristeller.
56 Bl. Pap. in 4^, Mitte 15. Jahrhs. Rubr., rote Überschriften
und Anfangsbuchstaben, Bl. 1' eine größere rote Initiale. Die BU.
sind von Dr. Kristeller aus dem Einband eines Basier Lactanz-
druckes von 1521 (Basel, Cratander) losgelöst und von mir restau-
riert worden. Nur etwa die Hälfte der BU. ist unverletzt erhalten
geblieben, alle übrigen sind durch senkrechte Schnitte eines Drittels
oder gar der Hälfte ihres Umfangs beraubt worden. Die ur-
sprüngliche Hs. muß nach ziemlich sicherer Berechnung 130 BU.
in 11 Lagen zu je 12 BU. (nur Lage 11 zu 10 BU.) gehabt haben.
Mittelniederdeutsche Handschriften: Berklingen. Berlin. Bonn. 19
Davon sind mehr oder minder erhalten Lage I Bl. 1 — 12, II 1»
2. 11. 12, VIII 1—12, IX 1—11, X 3—9. 12, XI 1—9.
Bruchstücke einer ndrh. Bearbeitung von MeisterSydrachs
Buch. Der Text nimmt eine Mittelstellung ein zwischen den
mnd. Hss. des Werkes (vgl. Bericht II, S. 103 und Jellinghaus'
Ausgabe, Bibl. des Stuttg. Lit. Vereins Bd. 235, 1904) und den
zahlreicheren mnld. Hss. (vgl. über diese Jellinghaus S. VIII; de
Vreese, Tijdschrift voor nid. Taal- en Letterk. D. 10 [1891], S. 33 f.;
de Flou en Gailliard, Beschrijving van mnld. en andere hss. die in
Engeland bewaard worden, I [Gent 1895], S. 15 f. Über die von
den Hss. unabhängigen Drucke des Werkes hat besonders de Vreese
a. a. 0. S. 35ff. gehandelt). Erhalten ist 1) Lage I Bl. l'^— 3^ Z. 11 der
gereimte Prolog, der den mnd. und einigen mnld. Hss. des Werkes
fehlt; 2) die prosaische Einleitung (bei JelHnghaus S. 19, Iff.) auf
dem Eest von Lage I und II 1 — 2, bis Jellinghaus S. 37, 8, es fehlt
also nur eine Seite am Schluß ; 3) vom Texte des Werkes a) Jellingh.
Cap. 27—31 = Lage II 11—12 ; b) Cap. 242—355 = Lage VIII— IX;
c) Cap. 360» (= Zusatzcapitel hinter Jellingh. Cap. 360) —378
= Lage X 3 — 9 ; d) Cap. 383 — 388 und der Schlußabsatz (ohne
die Subscriptio bei Jellinghaus) = Lage X 12 — XI 1'; 4) ein Re-
gister über die Capitel des Werkes, von dem nur das Schlußblatt
verloren gegangen ist = Lage XI l"" — 9. Mit Hülfe dieses Re-
gisters, dessen Lücke a. E. wieder durch den erhaltenen Text aus-
zufüllen ist, läßt sich der Umfang des Werkes in dieser ndrh.
Fassung und sein Capitelbestand genau feststellen. Ich werde
darüber an anderer Stelle ausführlicher handeln.
Bonn, Kgl. Universitäts-Bibliothek.
Der Katalog der Hss. der Kgl. Universitätsbibliothek ist stück-
weise in den Universitätsprogrammen der Jahre 1858 — 1876 er-
schienen. Der 2. Band, in dem auch die deutschen Handschriften
enthalten sind, hat nachträglich den Gesamttitel bekommen: „Chiro-
graphorum in Bibl. Acad. Bonn, servatorum Catalogus. Volumen II,
quo libri descripti sunt praeter orientales relicui, conposuerunt
Antonius Klette et Josephus Staender. B. 1858—1876". Auf
diesen Catalogus beziehen sich die Seitenziffem hinter den Nummern
der Hss. in meiner Beschreibung. Die Hss. sind jetzt nach den
neuen Nummern des Catalogus aufgestellt, ich füge aber in Klam-
mern auch die alten Nummern hinzu.
2*
20 C. Borchling,
Nr. 220 (62^) (Cat. S.53): 374 beschr. Bl. Pap. in Fol., 15.
Jahrh., bis Bl. 359^ rnbriciert, rote Überschriften u. Initialen. In
alten Holzdeckeln mit braunem Lederbezng, 2 Schließen abgerissen.
Vorsatzblatt (16. Jh.) : Liber monaßerij h. marie in lacu in quo con-
tinetur 7iominarius et verharius Item Äbcdarius Item liber mordliü
antiquorü philofophorü Item liber moraliü antiquorü poetarum et bar-
barorü quorüdam.
1. Bl. 1""* — 126^*^: Lateinische Grrammatik mitreichhaltigen
lat.-nd. Vocabelverzeichnissen. Das Werk ist wahrschein-
lich als eine Grlosse zu dem Doctrinale des Alexander de Villa Dei
aufzufassen und gehört mit den Bericht III, S. 13 u. 151 bespro-
chenen Wolfenbüttler Hss. näher zusammen. Vgl. auch die Aus-
gabe des Doctrinale von D. ßeichling (Monum. Grerm. paed. Bd. 12,
Berlin 1893) S. LXII f., wo lat.-deutsche Vocabularien dieser Art
kurz berührt werden. Anf. : Jncip* noiari^ et vbai^. EX quo ois
hö naHif fci^e deßderat vt fümus phöZ) pnceps aif p° Iqd me^^ Et''
quorülib^ Jwim ai^ fciä^ appetit Cü aia % piiiciP fue t^acois fit tqj tabVa
rafa etc. Bl. 4^^ beginnen die Vocabelverzeichnisse mit den Fluß-
namen der 1. Declination: () Lbea Wefea lena Edea Podea boda Bura
(vgl. Bericht III a. a. 0.) ; in derselben Spalte weiter unten die
erste deutsche Form papa : pmues, dann Bl. 4^*: Seqüü noia jW^'* ptes
Jwim . ffätafia een bedeynkniße eens dyges dat en to voren ghefie heeft.
Crinea fwarde . Coma Trica vlechte etc. Die Vocabelverzeichnisse
schließen sich an die einzelnen Paragraphen der Grammatik an
(hier der 1. Declination), sind in sich aber wieder in sachliche
Gruppen zerteilt. Bl. 55^» beg. der Verbarius, Bl. 113^»: SEqt^ de
ptlbus ideclinabilibus. Schluß Bl. 126^*: dapifer droße et ois
infiec'^ finiH. Beo gras fftnis Nominarij et vbarij p me Ghijßtü nerJ)
^plet<) Anno MPcccO* Ixvß (1466) jpö die vdletl. laus deo et matri fue.
— Darunter ein versificierter lat. Neujahrsglückwunsch von 1625:
B. P. Thomce v. Juden priorj lacenfj F. Sclioeffer^.
2. Bl. 127'— 143^ (Hand 2, einspaltig): Ein lat. Äbcdarius,
d. h. „Versus in quantitate differentes", von Anus bis vifcus. Mit
zahlreichen lat., seltener nd. Randglossen. Bl. 144 leer.
3. Bl. 145'^— 192*»' (Hand 3): Lat. Florilegium von Aussprüchen
der antiken Philosophen.
4. Bl. 193''— 374* (Hand 4, einspaltig): Lat. Cento aus antiken
und mittelalterlichen lat. Dichtern, sowie aus versificierten Teilen
der Bibel. Hervorzuheben ist
a) Bl. 273^—279' eine Sammlung lat. Sprichwörter in
leoniniscben Hexametern, mit unregelmäßig verstreuten deutschen
Übersetzungen, die Sprache ist bald nd., ndrh., bald hd. Anf.:
Mittelniederdeutsche Handschriften: Bonn. 21
Sät vir conälia cetü 2^9 fcä dolenda, etc^ vgl. z. B. Bl. 274'^ : Alle
täte hiljft Qmuis fit modica cpß( tn oia lue. — Betwüge lieffde ind
gemachte farive die vergeyt bald vfi verf^ Decfcit fcüs color ac amor
ipe coact<) .... Drij ivijff gerucht macht eyn iair marcJct Eß qi ynde
forum vox alta füm mllerum etc. Schluß: Noli difcute" n^ ah hijs
^tende" qre.
b) Bl. 280'"— 294^: Auszüge aus dem lat. Catho.
c) Bl. 294'" — 295'': Auszüge aus dem lat. Frigedanc() (lat.
Reimpaare). — Auf der Innenseite des hinteren Deckels : It^ in die
gertrudis virginis duopelUces erant decollati cppf violenciam qua t^mifferüt
in ciui^^ coiin Ano dnj Mcccc Ixxiiij,
Nr. 336 (218, b) (Cat. S.92): Die sog. Penborgschen Col-
lectaneen, eine für die ostfriesische Kirchen- und Rechtsgeschichte
des 16. Jahrhs. sehr wichtige Sammlung meist nd. Stücke, die von
dem ostfriesischen Geschichtsschreiber Eggerik Beninga (f 1562)
angelegt und von seinen nächsten Nachkommen fortgeführt worden
ist. Eine ausführliche Beschreibung des Bandes habe ich im Jahrb.
der Gresellschaft f. bild. Kunst u. vtl. Altert, zu Emden, Bd. 14
(1902) S. 177 ff. gegeben.
Nr. 346 (222^b) (Cat. S. 95): 130 Bl. Pap. in 4«, 16. Jahrh.
Ruhr., rote Anfangsb. Pappband des 18. Jahrhs.
Deutsche Auszüge aus dem Lib er Usuum des Cistercien-
serordens. Die Sprache der Hs. weist auf ein Grrenzgebiet von
Niederfränkisch und westlichem Westfälisch hin (in der ersten
Hälfte der Hs. vnde, in der 2. überwiegend ind] überall neit st.
nicht). Anf. Bl. 1*^: Hir legyt dat ordens boych vä Cißercien Jn latij
geheiten Vfus altoe fame ivaf hijr nae gefchreuen ßaet yn defen hoyclc
myffen vn vit hoert dat to dem eirße tvo me die aduet halden fal, — BEs
eirßen fönen daeges yn der aduet fal die prophete yfaias angeheue
tverden to der mette etc. Diese liturgischen Stücke gehen bis Bl.
51', dann Bl. 52'*: Hijr hegynnen die ßatuten des Orders Cißercienfis.
ALs dije broder dat teycJce to der metten hoijrrent foele fij op ßaen
Jnd bereijt foele fij in gaen in die hercke etc. Schlaß : Ind dar na
als der pfalm Miferere gefongen is fo fal men fijnge GVia Kyrieleyfon
2c^ Fr nr 26-,, dann rot et ßc. Angehängt sind 2 Bll. in 4P und 3
BU. in 8° mit lat. und nd. Regeln und Bestimmungen von jüngerer
Hand; das erste der 3 Octavbll. ist rubricierfc und mit reich Uchen
roten Überschriften versehen, es ist das Schlußblatt einer selb-
ständigen Hs. gewesen.
22 C. Borchling,
Nr. 374 (237) (Cat. S. llOf.): Der nd. Katechismus des
Greorg Stennebergk, Pfarrers der löblichen Stadt Hardegsen,
vor de eintfoldigen prediger. Datum Hardege/fen anno 1545. Die stark
verhochdeutschte Abschrift ist von Ferd. Cohrs in der Zs. f. nds.
Kirchengesch., Bd. 3 (1898), S. 224—267 u. Bd. 5 (1900), S. 281-348
abgedruckt worden. Vergl. Scheller Nr. 934.
Nr. 390 (244, f) (Cat. S. 114 f.): II + 286 Bl. Pap. in 12^.
E-ubr., rote Überschriften u. Anfangsb. In stark beschädigtem
Holzbande, auf dem Schnitt: ACAD. DTJISB.
Nd. Andachten und Gebete, in einem westlichen Dialekte.
Bl. I leer, Bl. n"" ein unrubriciertes nd. Gebet.
1. Bl. 1»^— 23^: Die 100 Artikel vom Leiden Christi,
auf die Wochentage verteilt und mit der Compassio b. virg, zu-
sammengearbeitet; vgl. Bericht III, S. 95. Anf. : Hir begint de
hondert articulen van den lyden vnfes here. EYa ewighe ivyfh* godes
ghenedyghe here ihefu xpi ich vormane dy hude vä al myne herte des
lydens etc. Schluß: Daer en envoldich tvefen dreuoldich in den per-
fonen regnert en almechtich god vader föne vfi hillige gheß Arne.
2. Bl. 23'" — 26^: Hir hegint de feuen worde de vnfe leue her
Jhüs fpracJc an den cruce. Bl. 27. 28 leer.
Unter den folgenden Gebeten und Andachten hebe ich hervor :
3. Bl. 29^^: Die s. g. Bede Gregorii. 0 here ihefu xpe ick
anhede dy an den cruce hanghende etc., vgl. Bericht III, S. 24. 46 u. ö.
4. Bl. 43' — 52'": de golden letanie vanden liden vnfes leuen
Jieren.
5. Bl. 55' — 66^: de zeuen pfalme van vnfer leuen vrouwen.
6. Bl. 67'— 71': 7 Paternoster auf die Passion.
7. Bl. 71* — 78*: vnfer leuen vrowen hlifchop vp pa/fche dach.
8. Bl. 79'"*: vnfer leuen (vrouwen) worde de fe to eren leuen
kynds fprak vnder den cruce ... 0 Vloiende fonteyne d' ewicheit wo
bißii alduq vordroghet etc., vgl. Bericht II, S. 37. 47; III, S. 27.
9. Bl. 91'— 153': Vnfer leuen vrouwe mantel. ICk böge
myne knee vor de werden Joncferen marie etc. Schluß : to der vroude
des hemels AMEN.
10. Bl. 153' — 163*: De vifteyn pater noßer vande liden vnfes
leue here. Myne feie bcnedie den heren in allen ßeden etc. Schluß :
dor de vnentliken werlt der werlde Arno. Vgl. Bericht III, S. 46.
11. Bl. 164'— 179*: Die 7 Bußpsalmen u. a. Seelengebete.
12. Bl. 181'— 212': Hijr begynnen de Antijffen Vä den hilligen
Vnde erß van funte Andres vnde fo Vort Van den anderen hilUgen,
schließt mit der hl. Cecilia.
Mittelniederdeutsche Handscliriften : Bonn. 23
13. Bl. 215"^: der iverdigen hilUgen moder [ante Annen cren-
felcen.
14. Bl. 227'" — 238^: de dorne crone vnfes leue here Jhefu
crißi.
15. Bl. 251'' — 275^: de ver vn dertich Myferere vor de Zelen;
dann Sacramentsgebete, als letztes Bl. 283' — 286'': Eyn gebet van
den zoten Namen ihüs.
Nr. 408 (98,a) (Cat. S. 120): 185 Bl. Pap. in Fol., Mitte 16.
Jahrhs., auf dem Einbände vorn ein H, D., hinten 1629 aufgepreßt.
Geschenk von Sibylla Mertens-Schaaffhausen 1836.
Abschrift der Cronica der Jiillyg'' Stadt Coelle, die 1499 bei Joh.
Koelhoif in Cöln gedruckt wurde. Die Bonner U.-B. besitzt auch
ein Exemplar des Druckes (Vouillieme S. 53 Nr. 326). Die Ab-
schrift geht nur bis in den 2. Teil des 2. Buchs und schließt Bl.
178"^ mit Constantin IV, dem 63. römischen Kaiser : Älfo na doide
des Tceifers Eraclij (vgl. den alten Druck Bl. Ci und Cardauns' Aus-
gabe, Deutsche Städtechroniken Bd. 13, S. 394 [Constantin III !]).
Nr. 421 (99, c) (Cat. S. 124): Hd. Abschrift von Geert v.
d. Schuerens Clevischer Chronik. Vgl. unten Cleve. An-
gehängt ist Bl. HO"" — 118^: Ahhumpft der alten Herrn zu Kulen-
hurg (800 — ca. 1583). Die Hs. stammt noch aus dem Ende des
16. Jahrhs.
Nr. 447 (113,b) (Cat. S. 131): Hd. Abschrift von Arnoldi
de Harff Itinerarium in terram sanctam, geschrieben durch Pe-
trum Ganß vonn Hattingen 1591, in Folio. Das ndrh. Original ist
herausgegeben von E. von Groote, Cöln 1860.
Nr. 463 (256, a) (Cat. S. 138): 358 Bl. Pap. in Fol., 17. Jahrh.
Sammlung stadtcölnischer historischer und juristischer Aufzeichnun-
gen, in völlig verhochdeutschter Sprache. Eine Inhaltsangabe des
Bandes, die vorn drinsteht, ist in Staenders Catalogus abgedruckt.
Ich erwähne daraus nur Bl. 319"* — 326'' die Reimchronik über
die Unruhen von 1481 (vgl. Cardauns, Deutsche Städte-Chroniken
14, S. 945 ff.), und das historische Lied auf den Aufruhr von
1513 Bl. 353^—354»^ (noch nicht bei Liliencron III, S. 106 ff.).
Die prosaischen Berichte über diese beiden Ereignisse finden sich
Bl. 306^—318^ (nebst 352"^— 353^, resp. Bl. 165^— 197\ Sonstige
gereimte Stücke, die aber wie das Lied von 1513 nicht mehr auf
nd. Vorlagen zurückgehen, noch Bl. 22^ {Die ivairheit iß gefchlagen
todt 4 Z.; Bl. 17^^ 2 Sprüche auf Cöln; Bl. 355^^: Ein vermanunge
zu eindrechtigkeit.
24 C. Borchling,
Xr. 464 (256,b) (Cat. S. 138): Cölnisclie Rechte und
Verordnungen in einer hd. Abschrift des 17. Jahrhs. E libris aca-
demiae Duishirgensis.
. Nr. 466 (99, e) (Cat. S. 139): 472 S. Pap. in 4«, 2. Hälfte 16.
Jahrhs. Nur das von Hand 1 geschriebene ist rubriciert und hat
rote Überschriften u. Anfangsb. In altem gepreßtem Lederbande,
die beiden Schließen abgerissen. — Innenseite des Vorderdeckels:
DHt Boeck horeth my Warneke Winßmän vnde js my gefchennketh
van miner fruwen moder 1580. — Aus der Erbschaft von Joh.
Christian Hasse 1831 erkauft.
1. S. 1 — 32 (Hand 1) : Die Privilegien der Stadt Hamburg mit
kurzer historischer Einleitung, wie sie das 1497 revidierte Ham-
burger Stadtbuch eröffnen. Anf.: Wo Hamhorch in Eynn gekamen
etc. S. 33 — 36 leer.
2. S. 37—332 (Hand 2): Das Hamburger Stadtbuch von
1497. Titel S. 37: Varm ordineringe vnnde gJiefcliyck der hogeßen
oitericheyt duffzer erentrykenn ßadt Hamhorch. S. 283 ff. Register.
S. 239-244 und 333—338 leer.
3. S. 339— 372 (Handl): Eyne körte Cronica duffer Stede
vnd We ndefchen lande Anno viii % angefangenn. Anf. : Is to
wetende vor erfte Bat in deffenn landen do de Heiden noch lierfchop-
peden dut Wickbilde Buchhun an ivendefcher fprake genomet werdt.
Vgl. Lappenberg, Hamburgische Chroniken in nds. Sprache, Hbg.
1861, Nr. VI und Bericht II, S. 50. 68; III, S. 100. Die Hs. schließt
mit 1533: De vorlenene vns fyne gnade. Amenn.
Xr. 467 (257) (Cat. S. 139): Bremer Statuten in einer
stark verhochdeutschten Abschrift des 18. Jahrhs.
Nr. 468 (257 v,a) (Cat. S. 139f.): Hd. Abschriften des 18.
Jahrhs. der Stadtrechte von Hadersleben und Eckern-
förde und des Fehmarschen Landrechts; dazu die dänische
Flensburger Skra.
Nr. 469 (257 v,b) (Cat. S. 140): 229 Bl. Pap. in 4^ Bl. 4—142
von Hand 1 vor 1588, Bl. 143 ff. Hand 2 vom Anf. 17. Jahrhs.
Auf der Vorderseite des alten Einbands eingeschnitten : HIN RICK
V, MERFELT, auf dem 1 Hinter deckel: ANNO 1588.
Nd. Flensburger Rechte. Vorgebunden ist ein Druck:
Friederichen des andern . . . LandtgerichtslOrdnung Hamburg 1573.
1. Bl. 1'— 58'": Das Stadtrecht in der Erneuerung von 1515.
Bl. 1'— 12^ Register über die 133 Abschnitte, Bl. 1—3 von jüngerer
Hand ergänzt. Anf. Bl. 14^: Wat dat Wiff na crem Manne Ervett.
Mittelniederdeutsche Handschriften: Bonn. 25
2. Bl. 58^— 88^• Die Ordinanz, in 30 Capp. Bl. 58^— 60^ Regi-
ster. Bl. 89"^ RatsbescUuß von 1570. Bl. 90' und 90^— 91^^ die
königliclien Confirmationen des Stadtrechts von 1526 u. 1558.
3. Bl. 91^ — 93"^: Der Flenshorger Olde wilJcor vnd heleuinge,
4. Bl. 93'^"'': Eines Erbaren Bades Sentenfie den Boepge feilen
alhir belangende, vom 2. Dec. 1569.
5. Bl. g^«-— 95^: Van derMunte; hinter Bl. 95 sind 6 Bll. her-
ausgerissen mit dem Schlüsse von 5) und dem Anfange von 6).
6. Bl. 96' — 127^: Van waterlop vnd Strome Molendam vnd viß-
dicTce, in 62 Abschnitten. Bl. 96'' — 99'' Register. Abgedruckt bei
Westphalen, Monum. inedita, Bd. 4, S. 1876—1898; es sind die
sog. Artikel Thord Degnes zum Jütischen Lowbock, vgl. den däni-
schen Text bei P. G. Thorsen, De med Jydske Lov besleegtede
Stadsretter (Kopenh. 1855) S. 259—276.
7. Bl. 129^^— 142^• Schiffrecht in 9 Artikeln. Anf.: Welcher
Schippbraken gndt vor tvrack tho reJcenenn.
8. Bl. MS'-— 229^^ (Hand 2): Die neue Ordonanz von 1600, hd.
Eine 1545 beendigte Hs. des Mensburger Stadtrechts hab ich Be-
richt II, S. 157 angeführt. Die Haupths. der älteren nd. Fassung,
eine Pergamenths. von 1492 (Scheller Nr. 451), ist im J. 1904 vom
Kgl. Staatsarchiv zu Schleswig an das Kunstgewerbe-Museum zu
Flensburg zurückgegeben worden (Mitteilung Dr. Grabers in Posen).
Nr. 479 (286) (Cat. S. 143): VH-318 Bl. Pap. in 4», 1602
— 1605 von Johannis Antonij (in Hamburg?) geschrieben. Schweins-
lederband des 17. Jahrhs.
Alchymisch-medicinische Tr actate in einem stark nid.
gefärbten Nd. Bd I'^: Johannis Antonij Liber medici. Anno 1602.
Bb xxviii maij. Bl. II'': Hijer beginndt de Begißer oder taeffel van
deffe boeche naede AlpJiabeta, bis Bl. YI^. Dann:
1. Bl. l'" — 200'' : Hier Begint Datt BoecJc der bereidinge der
quintce effentice oder viftB Wefentheit nader Leer der Jconß AlcM-
miam oder fpargerica. Es ist ein halb alchy mistisch, halb medici-
nisches Werk, das in mehrere Unterabteilungen zerfällt. Anf.:
Alcool vini vel fpiriti vini, — jR^ vini albi vel Buhi electi der gaer
niett geeßget is tveder toe veele noch toe iveinich etc. Schluß : en voertt
geapliciert gelijck fidcks geboertt, — Joannes Antonij Cirurghus mea
manu propria Anno 1604 Menß Aprillis.
1) Das wortschließende -en ist in dieser Hs. sehr häufig durch e, bezeichnet,
ich gebe es im Texte durch e wieder, das selbst fast gar nicht vorkommt.
26 C. Borchling,
2. Bl. 200^— 201'^: Vnclerrichtinge lioe hett fijch geboert toe holde
Jnden Proeue MaecJce tott Hamborck. Anf. : De Erße vraghe. Heer
Olderman vergunt mij datt viiir toe mache etc. Schluß : Heer Older-
man hier ouerantworde ich Juw meyn heenpiduer. Der Geselle muß
mehrere Salben und Pflaster als sein Probestück anfertigen. —
Bl. 202 — 216 sind mit alchymis tischen Nachträgen mehrerer Hände
angefüllt.
3. Bl. 217'' — 231^: Lat.-nd. Verzeichnis der alchymistischen und
medicinischen Fachwörter. Anf. : Jndex Latinarü. Arthemißa hiuoet,
Schluß : Zimbren (?) Cruißivortel.
4. Bl. 232^—318': Wundarznei. Den NuttelicJce Ende ivaer-
achtige Befchriuinge Der Rechte Cirurgie oder Wontzartznei tegö
alle gebreke Des menfchWke Corpers oder lichaems. Das Werk zer-
fällt in 6 Teile zu 164 Capp. Schluß Bl. 317': datt du hem fijn
bekominge niett geue darfß. (ßl. 318"^) Hier mett foe iville wij ditt
boeck beflut^ Eü volbrachtt hebbe in de ere godtt des almechtige de
vns ivider voertae will verlene fin gratie en genade daer toe vns helpe
de vader de foen en hillige geeß. amen, — Joannes Antoni Alias
Felgrimus 1605 noiiembris,
Nr. 752 (249, a) (Cat. S. 196 f.): 363 Bl. Pap. (mit einigen
Pergbll. untermischt) in 8^, von mehreren Händen unter einer
Oberleitung um 1500 geschrieben. Ruhr, rote Überschr. u. Anfangsb.,
größere mehrfarbige Initialen auf mehrfarbig ausgemaltem Grrunde,
z. T. mit Randleiste, Bl. 1'. 97^ 107^ 168'-. 199^ 301^ 341^ 360^
In modernem Pappbande.
Nd. Erbauungsbuch in einem Dialekte des westlichen
Westfalens.
1. Bl. 1"^— 96': Das Lob der hl. Dreifaltigkeit, eine
Andacht in der Form von Lobpsalmen, 26 an Gott Vater, 40 an
Jesus (seinem Leben folgend), Maria und den hl. Greist, ein Ab-
schnitt als Beschluß. Anf.: Hijr begint ey fuuerlick loff van der
gloriosen hilligen dreuoldicheit hir bidde wy gode vnd begeren dat lie
vns verliene vnd geue grade em otmodelike to lauen vnd to verheuen
mit ßediger andacht vü vuricheit des herten. 0 Sche(p)per (al)re
creatuere etc. Schluß : Ick bidde dy Heue he'' teilt doch mi armB fun-
digB menfche (dahinter ein Platz freigelassen) vn alle N, genedich
vn barmhertich fin. Arne. — Einen „Psalter der hl. Dreifaltigkeit**
enthält auch Wolfenbüttel - Heimst. 1180, Bl. 69-^—100^ (v. Heine-
mann III, 95 Nr. 1288); die Bericht III, S. 243 erwähnte Andacht
des gleichen Titels ist dagegen ein Marienpsalter.
Mittelniederdeutsche Handschriften: Bonn. 27
2. Bl. G?"-— 107'^(Hand2): G-ründonnerstagsandacht. Anf.:
Hijr hegynt de honyckuloende norde de vnfe lieue here fpacJc (!) in den
auet. VOer de feßdagen van pafche iväte Jefus wuße datfyn ver quam
dat he gaen folde van deffer iverlt to de vader etc. Schluß: vp dat
de myne dar du my medde myneß in eni fy vnd ich in em,
3. Bl. 107>^— 167^ (Hand 3 u. 4): Osterandacht. Anf.: DYt
fynt feer fuuerlihe Gepynfe van den mynenlike apenharygen des glo-
riofe oßerdages. De ierße wu vnfe lieue here fynre lieue moder apen-
harde myt groter clarheit vn vroude. (Bl. 107^) 0 Salicheit vn enige
troß mynre fielen etc. Schluß: mit dine hillige facramet heueßiget.
Arne.
4. Bl. 168'^— 198^ (Hand 5) : Ancelmus, Stimulus amoris,
übersetzt von F, J, H» (= Frater Johannes Holtmans ?). Anf. :
Hijr JBegynt eyn fpygel d^ euangelifche fermös dar me fchouen (verb.
in fchomven) mach myt dem ynivedyge de here Jefum chriße gebare ge-
ßorue verrefe vn anders genomet de precJcel der Hefte ancelmus auer
gefat van F. J. H. lEfum nafarenum van den ioden vnfchiddelike
verdomet van den heidenen tvredelike gecrucet fyn wy chrißgelouygen
erende myt gotliJcen denße. Schluß des angehängten Gebetes: In
ene vullencomene verlosynge vn lote Amen. — In welchem Verhält-
nisse steht dieses Werk zu dem „Stimulus amoris" des Bonaven-
tura, von dem eine nd. Übersetzung in Wolfenbüttel-Helmst. 863
(v. Heinemann II, 268 Nr. 962) vorliegt?
5. Bl. 199'— 300^: (wie alles Folgende von Hand 1): St. Au-
gustinus Soliloquium, nd. Anf.: Hijr hegynt de enelilce fprake
vnfes hilligen vaders Agußynus de he myt god hadde. 0 Myn here
vn my god vn my hekenre de my vn alle dync in di felue heheneß etc.
39 Capp. sind gezählt. Schluß: to dinre ere vn mijnre falicU Arne,
Gedecket myre in itv gehet a.v.n. — Eine ndrh. Hs. des Werkes in
Münster, Paulina Nr. 20(372), Bl. 20^^— 63\
6. Bl. 301'^— 345^ St. Augustinus Handbuch, nd. Anf.:
HYr hegynt füte Augußynus hanthock dat ierße capytel. WAnt tvij
int myddel der ßricke gefat fyn etc. 37 Capp. sind gezählt. Schluß :
hent ick ingae in de vroude mynnes heren ihhi xpe Amen. Andere
nd. Hss. des Werkes habe ich Bericht I, S. 104 aufgeführt, 9 mnld.
Hss. zählt W. de Vreese, De Hss. von J. van Euusbroecs Werken
II, S. 527 N. 4 auf, wo auch die Bonner Hs. erwähnt wird. Dazu
noch Groningen, Univ.-Bibl., Pro excol. Nr. 8, Bl. 5^—76' (Brug-
mans S. 288).
7. Bl. 345^ — 359"^: Dyt is de enelihe fprake des ahhetes
Egeherte de he myt gode plach to hehhe feer geuochlick to lefen. Der
Anfang ist mit einem Blattverluste zwischen Bl. 345/346 verloren
28 C. Borchling,
gegangen, Bl. 346' beginnt: vroude 0 wu fal ich myn herte vntholden
möge dcUtet dij nicht en myne etc. Schluß: fo laet myn herte dltijt
bernen in dij Anten.
8. Bl. SSQ'^-^ : Kleine Merkworte. Merche dyt ival. Nu les vn
weder les alle de fchrifte etc. bis: ival ein de dij nwghen hefchouwen
in der ewicheit Amen.
9. Bl. SeO«-— 363^: Christi Predigt an die sündige
Menschheit. Anf. : Vnfe liere Jefus chriß^ heßraffet der menfcJie
dwafheit vn vraget de fache ere vnachfemlieit vn blyntJiK NA den male
d<it mij allene fynt alle gudere de in der groiender erde fijnt oft in
den tvijden liemele vntlwlden werden Segget my o gy ßerflihe menfclien
watt divaefheit heßrichet iu etc. Schluß : fo folle gij nu ftind* ende in
ewich* folais liebbe vn vermahet werden Amen.
10. Bl. 363^: hernadus fecht. 0 hemelfclie vaderlant datier hoge
vn vid ivelde is na dy verlanget my tut deffe daele der träne bis :
van eive to ewe follen fe dy lauen Amen.
Nr. 814 (256 d) (Cat. S. 208): 235 Bl. Pap. in Fol., 1. Hälfte
16. Jahrhs. „Emtus ex bibl. Boeckingiana".
Stadtcölnische Verordnungen und Rechte, mit vor-
hergeh. Register. Sprache schon stark verhochdeutscht.
Nr. 815(288)(Cat.ebend.): 12B1. Perg.in4o, als Bl. 7-18 bez.
Eyn ordenonge orfpr unehlichen angehauen van allen gaffelknecJden
in Coellen vnd dat zo loue vnd zo eren der louelicher JBroderfchafft
des lieuen fent Salvator zo den Augußinen hynnen coelne. Geschrieben
1559 von Laurens Koch.
Für die liicnnabeln der Universitäts-Bibl. habe ich nur auf
den ausgezeichneten Katalog von Voulli^me ^) zu verweisen.
Bonn, Kreisbibliothek.
Nr. 768 (vgl. den hsl. Katalog der Bibl. S. 439 unter Acces-
sionsnummer 768): 91 beschr. Bl. Pap. in 4<*, 16. Jahrh. Ruhr.,
Initialen. Im alten Lederband mit Holz deckein, Rücken erneuert.
Aus Kloster Marienforst.
Ndrh. geistliche Ordensregeln und Tractate.
1. Bl. 1'— 10^: Lat. Kalendarium.
1) E. VouUidme, Die Inkunabeln der Kgl. Universitäts-Bibliotliek zu Bonn
(= Centralbl. f. Bibliothekswesen, Beiheft 13), Leipzig 1894.
Mittelniederdeutsche Handschriften: Bonn. Calbe. 29
2. Bl. 11^^-34^: Die Ordensregel vom hl. Salvator. Anf,:
Hie begynt de Eegel des gefuntmechers de he geoffenhairt Mit Sent
hirgitten zo ere fynre Heuer moder Marie. Van Ooitmodicheit Hey-
nicheit ind Armoit, Bat eirße Capit. DAt hegyn dis Ordes ind des
Jieils is tvairaftige OitmodieJieit Jnd Füre reynicheit Jnd ouch wilUcTi
Armoit Bair vm in is nemant georloft eyt eygens zo Jiane etc. 24
Capitel.
3. Bl. 35'-— 60^: Eine Erklärung derselben Eegel. Hie
legynne de tzofetzüge des Eir werdige vaders her Feters prioris vp de
reget Saluatoris tzo de eirße vä de grade ind tzeichen d* gewairre
oitmodicheit. Bat eirße capittel, GE (1. BE) ivair oitmoedicheit is
got zo vntzeyn in alle ßede in tzyde den eygen wille neit lieff zo
haue etc.
4. Bl. 60^— 68^: 9 Offenbarungen der hl. Birgitte über
einzelne Punkte der Eegel. Anf. : Hie legynne de offenharüge vp de
vurfchreue gefetze vä de orgelen neit zo haue de eirße offenharüge,
Chrißus fpricht zo fynre hruyt etc. Als 10. Offenbarung ist ange-
hängt: Her na volget de ynfetzung vp Ave maris ßella dat me all
dage fynge fal na de vefperen.
5. Bl. 69^^—81^: Mystische Auslegung der Eegel. Anf.:
Wie ihüs fyne hilge Regide halt feluer gefproche zo fent Birgitte ind
de fache wair vm ßeit in deffe Ambegynne, Jhefus xpus god ind mynfche
fprach zo fynre vßerTiorenre hruyt dy/fe wort etc. Die Eegel wird
mit einem Weingarten verglichen. A. E. diverse Berichte über
Privilegien.
6. Bl. 81'" — 91'': Augustinerregel. Anf.: Hie hegynt de
Regel vns hilgen vaders fcti Augußini, ALre lieff ße hroeder vur alle
dijngen werde got lieff gehait ind dair na der neyße etc., im ganzen
7 Capitel. Schluß: Jnd fal fich vur dat zoJcomede hoede ind hyden
dat ym fyn myfdait vgeue werde, ind dat ye in geyn helcorunge inge-
leyt in werde. Amen. — Vgl. unten zu Coblenz, Gymnasium Nr.
232, wo ich die Literatur angebe.
Calbe a. d. unteren Milde,
im Besitze des Herrn Superintendenten Müller.
151 Bl. Pap. in kl. 8« (14,2 x 10,5 cm), von zwei Händen in
fester nds. Cursive der Mitte bis 2. Hälfte 15. Jahrhs. gleichzeitig
geschrieben. Der 2. Schreiber hat nur Bl. 37—80 (= Lage 4—7)
geschrieben, er nennt sich Bl. 80': nycola9 emeda fcpfit. 20—25
durchl. Zeilen. Eubriciert, rote Überschriften u. einf. Anfangsb.
30 C- Borchling,
In einen einfach gepreßten überfassenden Lederdeckel des 16. Jahrhs.
geheftet, Messingschließhaken. — Frühere Besitzer (vgl. das Per-
gamentvorsetzbl. vorn in der Hs.) : H. v. d. Hardt 1688. — HeinzeU
mann (19. Jahrh.).
Sammelband asketischer und erbaulicher Stücke,
in einem schwach westlich gefärbten mnd. Dialekte.
1. Bl. !••— 57^: Die Ars moriendi des Dietrich Engel-
h u s e n. Unter den Bericht III, S. 37 aufgezählten Handschriften
des Werkes steht unserer Hs. am nächsten Wolfenb.-Helmst. 1189
(vgl. a. a. 0.). Anf. Bl. 1^: (rot) Hijr begint de hinß to ßeruene.
BAervme dat van vnwetenJwyt weghene der Jcunß wal tho ßeruene
velen duncket nicht allene den leyen meer och den gheißUhen lüde de
ganch des doedes van deßen yamerliken eilende fwaer ver verlieh vnde
gans grefelick tvefen etc. etc. Deße materie lieuet fees deele Dat eirße
deel ys van den loiie vnde pryfe des doedes vnde van der hunß ival
tlw ßeruene Bat ander deyl ys van der hecoringhe der menfchen de
daer (Bl. 1^) ßeruen Dat derde deel fynt vraghen de men den hranchen
vragliet Dat veerde deel fynt vnderwyßnghe vn lere myt ynnighen
gJwbeden der men den hranchen vermanet Dat vijffte deel fynt toher-
dinglie vnde ßerhinghe Dat feße deel fynt ynnighe ghebede to lefene
euer de hranchen de in eren doet ßryde fynt van enone erer früde
myt andacht vn grof ynicheit. — NAe den male dat manch allen
dinghen de daer grefelijch fynt de doet des lychames aller grefelicheit
ys etc. Andere Hss. des Werkes haben nur 5 Teile der Sterbe-
kunst, indem Teil 5 u. 6 zusammenfallen. Bl. SS"" wird ein anderer
Titel des Werkes genannt: Of wes me vor eme leß in fyne doet
ßrijde vte deffen bohe dat dar ys ghelieten dat boeck der leße noet,
— Bl. 49'^ff. ist eine Andacht von den „Drei Paternostern"
eingelegt, die auch selbständig vorkommt, vgl. z. B. A. Eeifferscheid,
Emder Jahrb. 14 (1902) S. 5 f. Anf.: HYR na ys yo to tvetene dat
eyns een pawes yn fyne leßen lach de vraghede fyme cappellane de
gaer ynnych was vnde den he feer leef hadde ivar mcde he eme na
fynen dode helpen wolde etc. Die 3 ausführlichen Paternoster sind
Bl. 51' ff. der empfehlenden Einleitung angehängt, es sind Passions-
andachten für die Todesstunde. Schluß Bl. 55': De du myt den
vad' vnde de hilge gheeße leueß vnde herfcopeß god yn ewycheit Arne.
Darauf folgt unmittelbar die beflutinghe de/fes bokes edder deffer küß
to ßeruene. Schluß des Werkes Bl. 57'': vp dat een ytlich alfo ßerue
dat he bliue des hemels erue Des lielpe vns god de here alleen De daer
leuet vnde lieerfcopet jümermere Amen.
2. Bl. 57^—69': Von drei Worten, ein Anhang der Sterbe-
Mittelniederdeutsche Handschriften: Calbe. 31
kunst; vgl. Wolfenb.-Helmst. 1189. Anf.: SO ive gherne wyl tvete
tvo he int ghemeyne daghelix leue fole dat he van eme de doet humpt
des de fekerer ßeruen moghe De (Bl. öS"") fal nv tvete dat me vynt
hefereue yn der hillighen fcrift alfo och de meyßer iohänes vä gerfano
tef linder fcriuet vä drien tvorde etc. Schluß Bl. 59^ : wante fo mach
he ficJc werliken yn der genade godes tveten vnde mach ewichlike falich
weerde. AMEN. Bl. 60 leer.
3. Bl. 61''— SO"": Eine gemeine Beichte des Mag. Andreas
von Hispanien. Über den Verfasser, der gewöhnlich Andreas
de Escobar genannt wird, vgl. v. Schulte, Gesch. der Quellen u.
d. Lit. des canon. Rechts, Bd. 2 (1877) S. 439 f. Sein Modus con-
fitendi in alten Drucken bei Hain Nr. 997—1017. Anf. Bl. ^V:
AL den ghene de dar hichtene fynt den is noet eyne gliemeyne hicht
Wecker gliemeyne hicht is fo grote macht dat fe vnredelike daghelikes
füde vor delghet vnde de doetlike fiinde dar eyn menfche nicht en
dencket de Imlet fe äff vnde daer vme to der nutticheyt der ghener de
dar hichtene fynt Jch meßer andreas van hyfpanyen des romefche houes
de myneße peniteciarius eyn arm hyfcop ordinis fei henedicti gheefchet
van den ghene de my hychtene weren hehhe ick ghefamelt deffe ghemeyne
hycht vet vele fegghinghe des hillighen vaders myt körten worde ivant
ick hehhe to male duncker ghefat yn myner andere groten hycht etc.
Schluß Bl. 80'': vnde yn myner hedrofniffe en heb ick nyne facht-
modicheit ic. Nycola9 emeda fcpfit. — Bl. 80^ leer.
4. Bl. 81'' — 83'': (rot) Hijr beginnet de feiie tide myt d' paf-
ften^ eine Andacht auf die Zeit von der Vesper des Gründonners-
tags bis zur Complete des Karfreitags. Gelegentlich sind Reime
eingestreut. Anf. : TO mendeldage to vefper tijd aller creature fpyfer
wort eyn fpijfe fyner yungeren etc. Schluß Bl. 83'" : De alre dureße
fchat ivort (Bl. 83"^) bedecket myt ene fware ßene alle geloue myne vnde
gude hleeff in marien allene.
5. Bl. 83^ — 87^^: (rot) Hijr na volget de x gebode godes, ein
Eeimgedicht über die 10 Gebote von 128 V. in ungleich
langen Strophen. Es gehört in die Gruppe der Bericht III, S. 29
aufgezählten Hss. eines Gedichts über die 10 Gebote, das in seinen
einzelnen Niederschriften starken Überarbeitungen ausgesetzt ge-
wesen ist. Mit unserer Hs. stimmt am genausten überein eine
mnld. Fassung in Berlin, Kgl. Bibl., v. Arnswaldt 3109 Fol., vgl.
A. ßeifferscheid, Nd. Jb. 11 (1885) S. 103. Die Verse sind nicht
abgesetzt.
Anfang: 0 Menfche teyn fint der gebode
de dy gegeuen van gode
32 C. Borchling,
dat erße gehudet du faß mynen
dine god vä allen fynen
van herten vn van aller macht
So lieiießu dat vullenhracJit
ouer an deßen feinen gehode
vorhudet men ock de affgode etc.
V. 3 — 6 gehören, wie die verwandten Fassungen zeigen, ursprüng-
lich gamicht zu Grebot I, sondern noch zur Einleitung. Ohne sie
hat Gebot I 12 Zeilen, ebenso Gebot II. V. VIII; Gebot UI hat
16, IV 20, VI. IX je 8, vn 6 und X 5 Z. An Gebot X schließt
sich, durch den Reim mit X, 5 gebunden ein Abschluß von 11 Z.^
vgl. Bl. 86':
Jd en möge rechter wijs vns an Icomen.
dit ßnt hebbe ich recht vernam^n
de teyn gehode de got gehoed
to holdene vor de feie doet etc.
bis: de fal daer myt gode leuen
dat moete got vns allen gheiien. Amen.
6. Bl. 87"^— SS'": Geistliches Lied, in 13 sechsz. Strophen
des Schemas 2a 2a 2b 2c 2c 2b; klingende und stumpfe Reime
gehen bunt durcheinander. Verse nicht abgesetzt.
1. SOe ive is gebunden myt fwaren funden
vnde loes wil wefen
an ihefus wunden in Jcorten ßunden
mach he genefen.
2. Des ropet vyl zere xpüs der here
aldus vä herten
van mynen drancke genefet de Jcrancke
van alle fmerten.
3. van aller pyn gijfft he ock tnedicyn
myns herte hloet
dat vth myner ßjde in myne liden
vloet als en vloet.
4. Ey feie tranck drinck deffen dranck
tot yiiuj falde
(Bl. 87') Botet yiiwe luß vraget nicht wat yd koß
gi bliuet beJmlden.
5. So we nu drincket deffen dranck de fprinckt
vth myner horß
dS fal vergaen al funder waen
de eivighe dorß.
Mittelniederdeutsche Handschriften: Calbe. 33
6. Comet alle drenchen ich wil yu fchenclce
enen drancJc goer (sie!) goet
vth mynen nap myt vtdlen tap
mys herten hloet.
7. willet yu voer fynnen gy vynden Mjr binnS
gaer lußelijch
den dranck der mynnen de yu doit wynen
dat hemelricJc.
8. Comct nu wal boelt komet ane golt
al funder ivaen
ivant nu dat vat der mynen fcliat
IS vp gedaen.
9. Ey 0ele myn drincM deffen ivyn
beyde yunck vn aelt
tvefet nicht vorveert ivat gi vorteert
id ys betalt.
10. vnde alle dage doit yuwe clage
(Bl. 88'^) vp dit ryuer
dan funder duncken fo werde gi dencken (!)
van mynen fcJiijr.
11. wan yu angeit de ivynt ivreet
myt quader dacht
vlytet yu hijr bynnen gi follen vorwynne
all fyne macht.
12. myne wüde deyp daer bloet vth leep
dat hefft vorloß
yuw allen vä lyden to ewigen tijden
des njt getroß,
13. Des falle gy loue den vader hijr bauen
va hemelrijck
myt groter eer yo lenck yo meer
vn eivelijck.
7. Bl. 88^—92'^: Kleinere asketische Stücke, a) Bit fynt de
twelff tekene vn dogede des leuedige geißes (de leiie, gaudium, pax, pa-
ciencia etc.); b) Bl. 89^: Exempel von einem Clerk und seiner Gre-
liebten (YisionserzähluDg). Anf. : MEn leß vä ene clerke vn van
ener maget de mjck (Bl. 89^) malclc anderen leeff hadden in ydeler
wertliker myne etc. Schluß Bl. 90^: vnde do verfclieen fe-, c) Pas-
sionsgebet.
8. Bl. 92'*— 116^: (rot) Wjr begint eyn alfo fote gedechtniffe der
pafßen xpt, eine ausführliclie Passionsbetrachtung, auf die
7 Tageszeiten verteilt. Es ist die Contemplacio bti
Kgl. Ges. d. Wiss. Nachrichten. Philolog.-histor. Klasse. 1913. Beiheft. 3
34 C. Borchling,
Bernardi, vgl. z. B. Gießen, Univ.-Bibl. Nr. 693, Bl. 1 (s. u.)
Anf. : SEpcies in die laudem dixi tibi doonine. Dauid de profete de
de paffie vnde pine vnfes Iwren ihefu xpt to voren in den gheiße heuet
hefchomv^ de danclcede gode der pafßen etc. Bl. 92'': . . . vnde vp
dat de geißlike menfche dicke dencJce vp de pafße vnde in fynen herten
hehbe de ghenen de vrhe fynen willen gepafßet tvert Daer vihe ^neyne
ick em to fcrynene eyne manere van enen befchouwene der pafßen als
ick alre korteße mach wät dit is en anhegin ens guden leuens daer
men alle gheißlike (Bl. 93') dogede fal ynne verkrigen etc. Schluß
Bl. 116^: f linder dat wij nae deffen leuene myt em heßtten moeten de
ewigen glorien Amen. Verschieden von diesem Stück ist der Be-
richt I, S. 112 n. 113 angeführte Psalter St. Bernhards auf das
Leiden Christi.
9. Bl. 116^—130': Hijr nae volget eyn thomael fcJwen exempel
myt hoger lere, ein Gespräch einer Einsiedlerin mit 2
Priestern, denen sie ihre Fragen über alle einzelnen Punkte
eines geistlichen Lebens beantwortet. Anf. : EEyn yimcfromve ivolde
eyn puer lutter vullenkomen affgefcheiden leue hebben etc. Schluß:
De yuncfrouwe bleeff dar gode deyneie myt rechf ynnicheyt vnde foe
moete ivy alle ock doen Amen.
10. Bl. 130' — 132': Zwei gute Lehren, a) über das rechte
Verhältnis eines Christenmenschen zu Gott. Anf.: Eyn fcJioene
lere. (Bl. 130') üvnfe leue he' fecht in dem eivangelio ive ßjck fulue
vernedert de fal verheue tverden etc. Schluß: vnde he is godes eygen
funder yenich myddel Amen, b) Bl. 131': Eines Meisters Lehre,
vgl. Bericht II, S. 168 u. III, S. 52 mit Anm. 1. Anf.: Eyne leere
merke. Eyn yungelinck to fynen meßer fprack meßer du heueß my
geleert manige kunß lere my ock dat ick dogentfam werde etc. Schluß :
So kanßu aller meßer beße kunß vnde du falß wal dogentfam tveerden.
11. Bl. 132' — 135': Ex libro gabriel van edelheit der feie, ein
Gespräch der Seele mit dem Engel Gabriel. Vgl. ein
ähnliches, aber nicht identisches Stück Bericht III, S. 23 u. 76.
Anf. : Jn enen boke geheite Gabriel ßeyt gefcreuen tvo des menfchen
feie deme engele gabriele vragede vnde fprack Aldus Eye getruwe enget
Her gabriel fegge my iveer heuet god den menfclien leuer dan den
enget etc. Schluß : vp dattu myt gode ewelike mogeß verblydet werden
Amen,
12. Bl. 135' — 149': Kleinere asketische und erbauliche Stücke,
darunter a) kurze Aussprüche der Kirchenväter (Prosa) , Anf. :
Gregorius fecM Gebenediet is de menfche de myt ßner oetmodicheit
enes anderen houart fencket etc. b) Bl. 136': achte verfch genomen
vt deme pfaltere de fer nutte fyn degelix to lezenc. c) Bl. 138^ : St.
Mittelniederdeutsche Handschriften: Calbe. 35.
Bernhards Worte wider die 7 Todsünden, d) Bl. 139^: van ver-
lorner tijt bernard9. e) BL 139^ : Twlff puncte hindere ene geißlihen
menfchen in geißliJcen vort gange, f) Bl. 140'* : En fchoen exempel
ivo men gode fynes lidens dancke fal. To ener tijt vp den guden
flillen vriigdach ivas en hillich d'ifciplina vnfes foeten heren ihü xpi
yn ynniger hefchouivige vnde fprack to (Bl. 140^) vnfen heren etc.
Schluß Bl. 142^: vii do verfcheen vort vnfe here. g) Bl. 142^: Eyn
geißUjck fchoen lere. En geißUch menfche hegeerde lange tijd to wetene
vä vnfe heren tvat fyn leueße iville (Bl. 143'') were in al fynen werken
etc. Christus verlangt in seiner Antwort 6 Punkte vom Menschen ;
vgl. Bericht III, S. 111. Schluß Bl. 145"^: vnde fo verfcheen vnfe
here dem loff fy vn ere. h) Bl. 145'' : Eyn alto fmierlike apenharige
volget hijr na hefereuen ic. Eyn giid vrouive hadde al eer andacht
daer to gekdrt ivo fc dicke vnfen heren mochte entfaen etc. Vgl. Be-
richt III, S. 111. Schluß Bl. 148^: des fe ewelike (Bl. 1490 M^<^^^
is geworden, i) Bl. 149'': wele fynt geeffchet meer luttick vterkoren
fecht de he' Hijr vp waget de meyßers der hillige fcryfft offt men icht
hekennen möge hy vtivendigen tekenen de vtuerkorne godes etc. Schluß
Bl. 149^: want he is en gebelde godes,
13. Bl. 149'' — 150"": Eyn lere ivo cleyne toy gode achte,
ein Stück von 30 Reimzeilen ; auf Bl. 150 sind die Verse abgesetzt,
die Anfangsbuchstaben jedes Verses gestrichelt.
Jümer fy dat gode geclaget
Bat alle de ivarlt d' men henne ivaget
Js leyder hy na nii fo ghefchapen
Beyde manck leyen (Bl. 15O0 Vnde manck papen
Dat men cleyne achte doit
Vp got ds here offt vp fyn gehot
Dat dar betekent hy d' fcrifft fyne
Dat tvy gode nicht en mynne
Dat an vns wal ivert apenhaer
Jn vnfen werke al verwaer
Wate hedde wy ienich dinck to döne
Daer vns äff ivorde icht to lone
Offt folde wij hacke off'te hroiiive
Wy ne folS) nyne wijs rouwe
Noch an liue offte an dachten
E'r tvy dat dan vulle hr achte
Mer fole wy icht dön to godes ere
Daer ne wil wij vns nicht nd kere
De dat doch alle geuet fchijr
Wes dat tvy arme gehniket hijr
3*
gß C. Borchling,
Hijr vä merket nie wal ivo recht ivy dön
Wan wy socket tijtlijck gned
Vn wä wy godes fo cleyne achte
Hechte offt ivij vä cyn nicht fy verwachte
Dyt fal eyn itlick gerne anfeyn
vn vor alle dinck fijck to gode teyn
Wante vä em hebhe ivy alleyne
(Bl. 150') Ällct des wij bruket groff äffte cleyne
Want he ock is dat ouerfte gned
Dat men yo vor al dinck fal kefe vt.
14. Bl. 150^ — 151^: Eyn alto fchone [eyn] lere vt den hoke der
eivigen wijfheyt wo men andechtlike leite fal dar vä fpreckt de dencr
to der ewigen wijfheyt aldus. HEre der ouynge is vele vn der leuene
is mänich dat ene aldus dat ander alfo etc. Excerpte aus dem
Horologium eterne sapientie des Heinrich Suso sind
in mnd. Hss. häufig, vgl. z. B. Bericht III, S. 44 u. 214, ferner
Wolfenb.- Heimst. 458, Bl. 159; 1184, Bl. 119 usw. Hier bricht
das Excerpt schon Bl. 151^ mit den Worten ab: vn wan dy de
anehlijck tvert entogen dat dy dem fal fyn rechte wo dy dine eivyge.
Der Rest der Hs. ist verloren.
Cleve, Stadtarchiv.
Cod. 83*: Über diese Hs. existiert eine genaue hsl. Beschrei-
bung in Düsseldorf, Kgl. Staatsarchiv, Kasten mit hsl. Nachrichten
über Privatarchive des Regierungsbezirks Düsseldorf, 1. Heft. Da-
nach berichte ich hier: ca. 200 Bl. Pap. in Fol., 1. Hälfte 15. Jahrhs.
Rubr. In altem braunem Lederband mit Holzdeckeln, Rücken er-
neuert, Schließen abgerissen. Innenseite des Vorderdeckels: Bit
hoyck . hoyrt . toe (die folgende Zeile weggeschabt, dafür von späterer
Hand) der Stat van Cleve.
1. Richtsteig Landrechts, ndrh., in 47 Capp. Anf. :
Hier heghint dat fpiegel van fajfcn off de fcheepen cloet die menigcn
helpet viter noit etc. A. E. ein Register. Im Ganzen 22 BL, dann
3 leere Bl.
2. Clevisches Stadtrecht, vorne ein Register auf 3 BL,
dann nach 8 leeren BL der Text des Stadtrechts auf 71 besonders
foliierten Bl.
3. Anhänge des 15. — 16. Jahrhs., u. a. Privilegien der Stadt
Cleve, das letzte von 1448; Liber Senientiariim promulgatariim per
scabinos Clevenses (45 besonders foliierte BL), deren Register den
Mittelniederdeutsche Handschriften: Calbe. Cleve. 37
Band bescWießt. — Homeyer Rechtsbücher^ Nr. 126; Richtsteig
S. 4 N. 11 Westd. Zs. Bd. 1 (1882), S. 392 fF. unter Nr. 13. Um-
fangreiche Auszüge aus der Hs. von R. Schröder, Zs. f. RG. Bd. 9
(1870) S. 421 fF.; 10 (1872) S. 233 fF.
Für Cod. 83^ (Clevisches Stadtrecht nebst Privilegien,
16. Jahrh.) und Cod. 83« (Stadtrechte von Cleve, Goch,
Gennep und Calcar, Latenrechte von Hanseleer, Cleve
und Xanten, 17. Jahrh.) genügt es, auf R. Schröders Beschrei-
bung a. a. 0. S. 423 f. und 422 zu verweisen. Dagegen fehlt bei
Schröder noch der Westd. Zs. a. a. 0. erwähnte Cod. B B des
Stadtarchivs, 15. Jahrh., aus Sethes Sammlung, der die Stadt-
rechte von Cleve, Rees, Emmerich, Werth und Werther-
bruch und Varia enthält.
Handschriften ndrh. Stadtrechte befinden sich auch auf
der Bibliothek des Landgerichts zu Cleve; sie sind erschöpfend be-
schrieben von R. Schröder a. a. 0., Bd. 9, S. 422 und Bd. 10,
S. 188—233. Ein Clevisches Stadtrecht in einer Hs. der Clever
Gymnasialbibliothek von ca. 1685 wird Westd. Zs. a. a. 0. aufgeführt.
Cleve, Stadtbibliolhek.
Nr. 1: 332 Bl. Pap. in 4^, 15. und 17. Jahrh. Nicht rubri-
ciert, in den jüngeren Teilen rote Randtitel, bis Bl. 41 (a. 62'')
gelegentliche rote Initialen von der jüngeren Hand. BL 27 ( =1)'^
ein D in einfacher Federzeichnung, mit dem clevisch - märkischen
Wappen darin. Ohne Einband, jetzt in einem schwarzen Papp-
kasten mit Klappdeckel. — Bl. 27 (= 1)^ Liher ll¥'^ D. Bucis et
Cancellarice Cliuensjs; später im Besitze des Wirkl. Geh.-Rath und
Präsident des Cassationshofes zu Berlin Sethe, der sie 1857 seiner
Vaterstadt Cleve vermachte. Von Dr. R. Schölten wieder ans
Licht gezogen.
Originalhs. der nd. Clevischen Chronik Geerts v. d.
Schueren. Der Band zerfällt in 2 ganz verschiedene Teile:
A) Bl. 27—160, foliiert als 1—130 (Bl. 88 doppelt; hinter Bl.
51. 75. 92 je ein Bl. später hinzugefügt) ist die ursprüngliche Hs.
des 15. Jahrhs. Sie enthält Schuerens Chronik, von ihm selber
1471 geschrieben und mit zahlreichen Correkturen, Umstellungen
und Zusätzen versehen. Dazu kommen zahlreiche Randnotizen
von 2 — 3 anderen Händen und Nachträge des Fortsetzers. Nach
dieser Hs. ist die Chronik herausg. von Dr. R. Schölten, Cleve 1884.
B) Bl. 3—26 (fol. als *1— *24) u. 161—333 (fol. als 131—299
^ C. Borcbling,
[Bl. 189 doppelt]): Johann Türks 1609 beendigte Fortsetzung
der Chronik Schuerens, in seiner sauber geschriebenen Reinschrift.
Diese Arbeit, welche Schuerens Werk nach vom und nach hinten
erweitert, ist abgedruckt von Ferd. Schroeder, Annalen des Hist.
Vereins f. d. Ndrh., Bd. 58 (1894) S. 1-175. Die Sprache Türks
ist in den letzten Partien fast ganz hd. Beschreibungen der Hs.
bei Schölten S, III- V, Schroeder S. 1 — 3. Vgl. Westd. Zs. 1
(1882) S. 392 ff. Nr. 13. — Eine Abschrift der Schuerenschen
Chronik von 1478 im Rijksarchief im Haag führt Ilgen, Westd.
Zs. 2 (1885) Ergänzungsband, S. 166 ff. Nr. 211, an; jüngere Ab-
schriften kommen häufiger vor.
Nr. 2: Die Stadtbibliothek besitzt, nach Dr. Scholtens frdl.
Mitteilung, außerdem eine Clevische Chronik des 15. Jahrhs.
auf Perg., die (1897) erst kürzlich aus Leiden angekauft worden
war. Sie ist kürzer als die bei Seibertz, Quellen der westf. Gesch.
Bd. 2, S. 112 ff. abgedruckte.
Cleve, Stifisbibliothek.
Handschriften Nr. 3: Pap. 8^, 1468. Das Leben des
hl. Franciscus und seiner Gresellen, erwähnt von Ilgen, Westd.
Zs. 1 (1882) S. 392 ff. Nr. 13 und Dr. R. Schölten, Die Stadt Cleve,
Beiträge zur Geschichte derselben meist aus archivalischen Quellen,
Cleve 1879, S. 449. Nähere Beschreibung steht aus.
Coblenz, Bibliothek des Kgl. Augusta-Gymnasiums.
Die Hss. dieser Bibliothek befinden sich seit 1908 als Depo-
situm im Kgl. Staatsarchive zu Coblenz und sind seitdem bequem
zugänglich. Die Sammlung zerfällt in zwei Bestandteile, die eigent-
lichen Hss. der Gymnasialbibliothek und die Codices aus der Samm-
lung Josephs V. Görres. Über die erste Abteilung hat Dronke im
Programm des Gymnasiums von 1832 („Über die Gymnasial-Biblio-
thek und einige in ihr aufbewahrte Handschriften") gehandelt.
Dieser fleißige Gelehrte hat auch den hsl. Katalog dieser Abteilung
aufgestellt und darin, wie er am Schlüsse sagt, „in Summa 202
Handschriften" beschrieben. In Wirklichkeit werden nur 200
numerierte Hss. aufgezählt, aber ihnen gehen noch 3 nicht nume-
rierte „Prachtbände auf Pergament" vorauf. Hinter Nr. 200 folgen
noch 15 Missalia, Psalteria etc., von denen nur 3 lateinische näher
angeführt werden. Ein besonderer Bogen, der dem Kataloge bei-
Mittelniederdeutsche Handschriften: Cleve. Coblenz. 39
liegt, zählt dagegen als Nr. 201 — 232 (verschrieben für 233!) noch
33 aus der alten Jesuitenbibliothek stammende Handschriften auf.
Vgl. auch Westd. Zs. Bd. 1 (1882) S. 392 ff. unter Nr. 154.
A. Handschriften der Gymnasiai-Bibliothek.
Nr. C (Pergamenths. unter besonderem Verschluß): „Officium
b. Mariae Virg. in nd. Sprache". Die durch große Miniaturen aus-
gezeichnete Prachthandschrift ist aber nach Sprache und Malerei
mnld. Ursprungs.
Nr. 39: 200 Bl. Pap. in Fol., zweispaltig, 2. Hälfte 15. Jahrhs.
Gut erhalten. Saubere Buchschrift, Bl. 149'* Z. 4—178^^ anderer
Ductus. 43 Zeilen. E-ubriciert, rote Überschriften und Anfangs-
buchstaben, Bl. 5'"* und 27"^* größere Initialen in hübscher Feder-
zeichnung, blau-weiß auf rot-grünem Grunde, Blattornamente. Im
alten braunen gepreßten Lederbande, 2 Schließen abgerissen. —
Die Hs. wird kurz angeführt Pertz Arch. IX (1858) S. 741.
1. Ndrh. Übersetzung von De illustribus viris ord. Ci-
sterc. Bl. 1"^* — 4""* Register: Hiehegynt de taiffel der cappittel des
hoichs genant {de nachträglich ergänzt) ülutlrib^ viris. dat eirße cap-
pittel off de vurrede etc. Bl. 1^^: Eie hegynt dat ander hoicJi vä den
duechden ind myracule fente bernartz des eirßen abtz van clarendaile.
Jnd van dem broder de eme erfcheyn. Im weiteren Verfolg kennt
das Register keine Bucheinteilung; auch die Capitel sind nirgends
gezählt, die hinzugefügten roten Ziffern bedeuten die Seiten der
vorliegenden Hs. Schluß des Reg. : Dit is eyne endelicJie weder-
holynge der de in defem boiche gefchrenen ßaynt, Dat alre leße cap-
pittel Clxxxiij. Bl. 4^^ leer. Bl. ö'^* beginnt der Text selbst: Hie
begynt dat boich genant zo latyne de illußribiis viris. JDat is van den
ouerclaren edelen mänen. Des ordens vä cißercie. DEr ewige got
des ewige gots fon vyife liere ihefus xpüs eyn fchepper alre dinge, Jnd
eyn verlofer alre gelouuyger mynfchen. doe liei in den dagen fynre
mynfcheit ivircMe dat heil in dem myddel der erden, da preitgede liey
der werelt den heylfamen wech der volJcomenre penetencien etc. — Mit
Bl. 27'* beginnt der im Register als 2. Buch bezeichnete Abschnitt,
der hier zwar durch eine große Initiale hervorgehoben ist, aber
jede Buchbezeichnung fehlt. Die Capitel des Werks gehen viel-
mehr ohne jede weitere Bezifferung oder Zusammenfassung durch
bis zum Schlußcapitel des Registers, das Bl. 183'^ beginnt. Es
enthält den Epilog des Bearbeiters, mit scharfen Ausfällen gegen
die „schwarzen" Mönche. Schluß Bl. 186''^: dat ivir oiich verdienen
moi/fen zo hmne ouermytz de genade gotz so der glorien der ewiger
40 C. Borchling,
vromlen .... leifft ind regneirt got durch alle de iverelt der werelden
Amen. Hie geit vff dat boich van den ouerclare edslen niäncn des
Ordens rä cißercie. Eine mnld. Hs. des Werkes mit Bucheinteilang
bespreche ich unter Graesdonk.
2. Bl. 187"— 189^*: Von einem Einsiedler Schetzelo.
Anf.: Hie hegynt van eyme eynfedeler genant fchetzelo. der in dem
hufcMome van threir ivas veirtseyn iaere funder decken ind funder
cleidere etc. IN clarendaile ivoynde eyn geißlich moynch genant
acMrdus etc. Diesem Achardus wird die Erzählung in den Mund
gelegt. Schluß: Jnd is begrauen iyi dat graff fynre Iroedere. Bl. 189^*
ist ein kurzes Dankgebet angehängt. Vgl. Vita b. Scbetzelonis
auctore Herberte monacho Clarevall. in Acta Sanct. BoU. 6. Aug.
n, p. 178—180.
3. Bl. 189^»— 199" : Guido von Alets aeisterbeschwö-
rung. Anf.: Alhie hegynnet eyne dyfputacie tuffchen eyme pryor van
der preitger orden ind eyme geiße eyns mans die geßoruen was ind
heifch guwydo. (Bl. 189^^) SEnte Aitgiißyn9 fait in dem hoiche van
deme gelouiie dat hey fante zo eyme der petrus heifchs. Jt is eyn
myrachel fo wat hoge ind vngewoenlich is bouen moigelicJieit des myn-
fcJien etc. Schluß : dat hey de penetencie de eme noch zo doyn ßoynde,
in deme gemeynen vegevuyre vervoidte. Hei reße in vreden Amen.
Bl. 199"^^— 200^^ leer. Über andere Hss. dieses Mirakels vgl. Be-
richt I, S. 261 u. II, S. 20 ; die Coblenzer Hs. ist noch unbekannt.
Nr. 43: 172 Bl. Pap. in 4^, von 4 Händen des 15. Jahrhs.
B/ubr., rote Anf. Im alten braunen Lederbande, Schließe abge-
rissen. — Aus dem Coblenzer Dominicanerkloster.
Der Band vereinigt in sich 2 ursprünglich selbst. Handschriften :
I. Bl. 1 — 99 eine rheinfränk. Mystikerhandschrift, der
auf Bl. 1—13 lat. Ascetica, und auf Bl. 2^ 3 hd. Gebete an St.
Dominicus (Anf. 16. Jhs.) vorausgehen. Besonders bezeichnet wird
Bl. 34^ eine Predigt Meister Eckards (—38^), Bl. 83^ ein Aus-
sprach desselben über ein vollkommenes Leben. Ferner werden
genannt der von ßerngaß'e Bl. 71^^, hrüder alhreht der brediger bifclwf
Bl. 73^, meyßer dietrich ein brediger Bl. 98^. Gereimt sind Bl. 74''
— 75*^: Von geistlicher Armut, ca. 128 V., beg.:
Ich wil fagen mynen /In.
Dar über ich gefraget (bin) etc.
Schluß: Daz wil ich alles an got nv lan^ amen. Dis lieis ich armüt
des geyßes; und Bl. 80^—81': Nachfolge Christi, 42 V., beg.:
Criß Juit den hiniel vff getan
Mit dem dae er hat gclon
Mittelniederdeutsche Handschriften: Coblenz. 41
Brv ding hy vns hie in der zit etc.
ScHuß: Baz dvncket mich das hefte gut.
Bl. 14 — 99 sind von derselben Hand geschrieben (Hand 2: Anf.
15. Jahrhs.).
II. Bl. 100—172 (von Hand 3 u. 4 gleichzeitig geschrieben):
Eine große Sammking asketischer Tractate in einer stark
gemischten Mundart. Ihren Grrundcharakter muß man als mosel-
fränkisch bezeichnen; stellenweise zeigt sie aber, z. T. in sehr
starkem Maße, Einwirkungen des Ripuarischen und sogar des
Niederfränkischen (öfter np^ iverpen^ neit; aber auch holt, verdriet,
toent, the [= nid. te] beim Inf. Charakteristisch ist auch das regel-
mäßige ie für e und i : liefen^ fieden [= fiten], lieben [= leben], lyebe
[= lewe'\). Der ganzen Sammlung, die trotz ihrer Buntscheckig-
keit auf ein einziges größeres asketisches Werk zurückzugehen
scheint, wird eine nfr. (nid.?) Quelle zu Grrunde liegen.
Anf. Bl. 100'^: Bat guede daz wir hoeren äff liefen Oder fchryben.
daz fidlen tvir in vnfen gedancJc vnd Kczen ernßUche vnd andechtec-
liche prente vnd ivendent vnd wieder tvendet vnd hetrachtüde ducJce
eyderhuwe vnfe fieden vnd lieben dar na wecJceriichen vn tvijfUche zu
ßelle eyclich na fynre macht etc. Das Granze ist eine mit zahl-
reichen Exempeln und kleineren asketischen Stückchen durchsetzte
Tugendlehre; jeder Tugend wird ein besonderer Teufel gegen-
übergestellt. In den ersten Capiteln werden Friede, Demut, Rein-
heit, Keuschheit besprochen. Hinter Bl. 129 und 139 ist jedesmal
eine Lücke im Texte. Bl. 130—139 (= Lage XII der Hs.) ent-
halten verschiedene Passionsbetrachtungen, die zwar mit
dem Vorhergehenden in gar keinem Zusammenhange stehen, aber
trotzdem, wie Bl. MO'^iF. ergeben, in der Ökonomie des Ganzen
vorgesehen sein müssen: sie sollen den großen Nutzen einer an-
dächtigen Betrachtung der Marter Christi für den Kampf des
Menschen gegen Teufel und Sünde beweisen. Dieser Abschnitt
geht bis Bl. 144^: vp dat du ivandels derivart werwart hie gewandelt
heifft. Dann werden die einzelnen Teufel weiter behandelt: Etze-
liche duuele fint geheifßen excubi etc., über Fasten und Keuschheit,
Trägheit, Redlichkeit; endlich von 7 bösen Geistern, die den in
Todsünden befangenen Menschen besitzen, von 6 Dingen, die zur
richtigen Beichte gehören, von 3 Gründen, aus denen die Sünde
zu meiden ist, endlich von Verschmähung der Welt. Schluß Bl. 163^:
B' leive fortit daz fuyr alfo fortit d^ bofe geiß daz ynyge fiirighe
gehet. Vgl. noch Bl. 149^: In holläf tvaz eyn baßart fnode vnd
vneedel na der werelt . . . vn wart eyn rentmeißer des landez etc.;
Bl. 149'": wät ich han gehört von myn' moder^ do fy beßadet wart vz
42 C. Borchling,
eyme hone, ilacr ine groite geivoynliche fpyfe in aeß in eyn ander
huß etc.
Bl. 164"^ — 172^ schließt sich endlich noch ein Abschnitt über
das Leben der hl. Katherina von Senis an. Anf.: Doe (V
thorn vä libayn icaz vffgerichtet vmitz de JconyncJc des friedens gegen
Damaßü zu d^ hoide ihervfdle. Doe tzorne fich zu ßüt d' konynck dez
Iwemoetz vä hahilonye fiant des vriedes etc. Schluß Bl. 172^: vnd
mit eyme veynet mit eyn vnfchedelicli ewig eynfige daz ivaz do mc
fchreif nach xpc gehurte, M, CCC. vnd aichtzich iair des nüyn vnd
zwentzichße dages des mayns aprilis i de fondage zu feien zit. —
Bis aelinck legede def ionffhn hefchrijft ey eirJ/ doichzam mä pdichers
ordenß. — D' lewe fortet daz kirre d" karre alf^ f ortet d' duuel ds
lof godis ... d' glych eyme Imde gegeizelt wart. — Die Hs. wird
kurz beschrieben von Dronke im Anz. f. Kunde d. d. Vorzeit,
Bd. 6 (1837) S. 71-75.
Nr. 91: Lat. Tractate und Sermones, enthält in Stück 5c auf
einem besonderen Blatt einige ndrh. Verse.
Anf. : Got groyffe dich myns hertzen konynckynne
Nym defen hreyff ind lefe mit fynne etc.
Schluß: Byt iß myn rait o broederlyn
Volgeßu eme du yntgeis der pyn.
Nr. 132: Pap. in Folio; enthält 2 lat. Tractate, der zweite
Quaestiones . . . , scriptae jjer manus Gerhardt de Erculeü (= Erke-
lenz?), Ord, Carmelitarum a. d. 1430. protunc magistri studentem con-
uentus Treverensis ordinis supradicti, anno sequenti magistrum colo-
niensem (nach Dronke). A. E. 4 ndrh. Verszeilen:
Och her got uat mach ich des
Bat mun fait dat nyet en es
Id is menyclien hertzen f'wair
Bat man loegen fayt wur wair.
Nr. 150: 272 S. Pap. in 4«, 15. Jahrh.
Expositio super canones. Dann ein lat. -nd. Vocabnlarius
Ex quo. Probe aus dem Anfange: abienus dennen dat von dem
holt iß maket. — ahfentare nicht jegenivcrdich fin. — ahuti mifjehruken.
Nr. 232: 86 Bl. Pap. in kl. 4^ von einer Hand der 2. Hälfte
15. Jahrhs. (Bl. 82^ wird 1459 citiert). liubr., rote Überschriften
u. Anfangsb. Alter Lederband. Aus Kl. Gräfrath, später in der
Jesuiten-Bibliothek zu Coblenz.
Ndrh. Augustinerregel für die Schwestern von Gräfrath.
Mittelniederdeutsche Handschriften: Coblenz. 43
Bl. 1 — 4 leer. Bl. 5': He hegj/nent de ßatuten inä yefetz der geiß-
licher fußeren ao Greuerode Sent Äugußynns orde heivert ind cöfirmeirt
onermytz den durchluchtichen ind Eirfamen heren N erUhufchoff zo
Collen etc. 'NA deme dat de fußeren van geboitz ivegen der regiden
folen hauen eyn hertze ind eyne feie etc. Auf das Vorwort folgen
4 Teile, vgl. Bl. 6^: Bat eirße is van der vißteiryngen jnd we man
de prierfche fal Tcefen ind heßedyngen, Dat ander deil is van de ampten
de etzlichen fußeren hefonder beuolen fynt, Bat dirde is van den ge-
meynen gefetzen de nie antreffen de nönen dan de cöuerfynen, Bat
veirde is van de cöuerfynen ind leg fußeren etc. Schluß Bl. 79^: off
ß in eynchem punte myrcJcUchen fich verfumpt hedden herijfpelen ind
hefferen.
Bl. 80'' — 83^^: Einige ISTachträge über die Höchstzahl der
Schwestern und über Simonie (11 Punkte off leryngen), Bl. 83^
leer. Bl. 84^^: Befe nagefchreuen punten fynt geoirloft durch de
vifenteire ind der vifen[ten]tacien jntgeyn etzUche punten da in der
ßatuten vur affgefchreiien ßeit, Bl. 84^ — 86^ leer. — Nd. Hss. der
Augustinerregel oder von ihr abhängiger Tractate habe ich oben
S. 29, sowie Bericht I, S. 264. 284 und III, S. 39 besprochen; vgl.
auch Münster, Paulina, Nr. 143 (661) und Geschichtsbll. f. Stadt
und Land Magdeburg, Bd. 39 (1904), S. 30 ff. Man muß unter-
scheiden zwischen der Augustinerregel selbst (und ihrer Grlosse)
und den auf dem Grunde der Eegel aufgebauten Klosterstatnten,
wie sie diese Coblenzer Hs. u. a. enthalten.
Eine hsl. Eintragung in einen Druck (Gregorii Nazianz. Opera
in 4^, Argentinae, Knoblouch 1508) sind die xii fatuitates, eine
ndrh. Priamel (Anf. : Ecn praelaet fonder gotz onfycn etc.), die
Dronke im Anz. f. Kunde d. d. Vorzeit, Bd. 8 (1839), S. 549 mit-
teilt. Vgl. ibid. Bd. 6 (1837), S. 175 f. eine hd. Fassung aus der
im übrigen lat. Hs. Nr. 146 der Bibl. des August a- Gymnasiums.
B. Die Hss. aus der Görresschen Sammlung.
Die Sammlung enthielt, nach der Angabe des hsl. Katalogs
in Coblenz, im ganzen 192 Codices. Davon sind schon vor längerer
Zeit die Nrr. 1 — 94 nebst 126 u. 130 nach München überführt
worden, wo sie im Jahre 1904 zersplittert worden sind. In C'oblenz
sind nur noch 88 Nummern, der Rest ist verloren. Unter diesen
88 Hss. befindet sich keine einzige nd. Unsicher bleibt die jetzt
verlorene Nr. 159 (Pap. in 4^, 15. Jahrh. a) Ordinarius, b) Liber
cerimonialis, deutsch). Sicher ndrh. war dagegen die nach Mün-
chen überführte Nr. 130: Pap. in 4^, 1453 — 1457 von Antonius
44 C. Borchling,
mtdich de Guba geschrieben. Sie enthielt 1) die Sonntagsevangelien,
2) Hie beginnet dat hoich (im Katalog hoit) dat da genant die vier
ußerßen, 3) Spiegel der mensclilichenBeheltnisse (Anfang
fehlt), 4) Sprüche der 12 Meister, 5) Bußpsalm mit der Glosse,
6) Gottes Offenbarung an Esreg (1. Esra), den Schreiber von Je-
rusalem.
Das Evangelische Rheinische Provinzialkirchenarchiv zu Cobienz
besitzt, laut dem Repertorium der Acten des Ev. Rh. Pr. zu C,
Nachtrag 1893, S. 4 Nr. 360 einen Sammelband des 17. Jahrhs. in
Folio zur Clevischen Geschichte, darin u. a. eine Abschrift der
Clevischen Chronik Geerts v. d. Schueren (1000—1450).
Düsseldorf, Kgl. Staatsarchiv.
A18: Liber Bibliothecae S. Pantaleonis (in Cöln), Ao. 1658
renovatus, 1847 von Pfarrer Mooren erkauft. Lat. Stücke über
St. Panthaleon und den hl. Bruno, den Begründer des Cölnischen
Stiftes. Darin Bl. 148^ eine (2.) Stammtafel der sächsischen Her-
zöge und Kaiser in gemalten Brustbildern, daneben auf Bl. 149'
in zwei Spalten von einer jüngeren Hand (15. Jahrh.) ein Lob-
gedicbt auf die Herren von Sachsen. Die Reime deuten
auf nd. Ursprung, vgl. Z. 39 f. groet: hroct, Z. 17 f. vf herkam : yärn ,
die Sprache ist fast ganz md.
Anf. Bl. 149": Doget warheit vnd recld
Hatten die faxen vfherTcorn
Sie fint geweß gottes knecJit
Daröme en tverden ße nit ilorn etc.
Z. 1 — 12 sind 2 sechsz. Strophen vom Schema ab ab cc, Z. 13 — 50
Reimpaare.
Schluß Z. 44: Bas tvir körnen in de hömel throne, Amen.
45 Jch heiße noch her frigedanck
Der den here vö faxen dit hat gefant
Von fet panthaJeö dem cloß' tsart etc.
50 Mit fant päthaleö die ewige freude.
Das Gedicht ist nach einer Darmstädter Hs. (Hofbibl. Nr. 2709,
Bl. 66) von F. W. E. Roth, Germania Bd. 32 (1887) S. 253 f. ab-
gedruckt worden.
A22: Ein Doppelbl. Perg. in 8^, schöne Buchschrift des 14.
(nicht 13.) Jahrhs., 31 Z., vollst. Tintenlinienschema, die Anfangs-
buchstaben der abgesetzten Verszeilen rot gestrichelt und durch
einen senkrechten Tintenstrich von dem Übrigen abgesondert. Aus
einem Einbände.
Mittelniederdeutsche Handschriften: Coblenz. Düsseldorf. 45
V. 3979 — 4103 der nd. Cölnischen Eeimchronik Meister
G-ott fr ied Hagen s. Zuerst von Birlinger, Zs. 17 (1874) S. 428
angezeigt, dann von Cardauns in seiner Ausgabe (Deutsche Städte-
chroniken, Bd. 12 [Cöln I] 1875, S. 17) benutzt. Eine junge Ab-
schrift des 19. Jahrhs. (mit V. 1—1025 des Werkes, 12 Bl. Pap. in
Fol.) liegt A 22 bei.
A 35: Hd. Abschrift von Schuerens Clevischer Chronik,
Polio, 18. Jahrh. Vgl. oben S. 37.
A 50: Die Collectaneen des reformierten Predigers zu "Wesel
Antonius von Dorth enthalten Bd. XVIII, Bl. 370—389 eine Ab-
schrift der verlorenen Schrift Bernhard Eothmans Van der
wrake, 1534 yn JDecemhre; die Abschrift hat v. Dorth am 12. u.
13. April 1663 selbst angefertigt. Das Werk ist danach wieder
abgedruckt von Bouterwek, Zs. f. berg. aesch. 1 (1863) S. 345-359,
vgl. S. 337 — 344. Cornelius, Geschichts-Qu. des Bistums Münster,
Bd. II (1853) S. XCV. 124 f.
A 69: 79 Bl. Pap. in Fol., Bl. 3—79 vom Schreiber als Ixvüj—cli
foliiert. 15. Jh., moderner Pappband. Aus dem Gräfl. Mander-
scheidschen Archive.
Sammlung cölnischer Privilegien und Verordnungen, lat.
und ndrh.
Bl. 1—2 Inhaltsangabe von moderner Hand. 1) Bl. 3'' — 8"^:
Schiedsspruch des Erzbischofs Cuno von Trier zwischen Erzbischof
und Stadt Cöln 1377, ndrh. 2) Bl. 8^—13^: Die aide puilegien des
lioe gerichs ind Staf vryheide von 1169, lat. und ndrh. 3) Bl. 13^^ — 14^:
Erzbischof Philipp setzt den ersten Erb vogt in Cöln ein 1169, lat.
u. ndrh. 4) Bl. 14^ — 21"^: Änhijff eyns laßers an^ Jiogericht mit me
püte darso deyne vä daiche blich'e dait ic<). 5) Bl. 21'' — 27^: Van
huntfchaff der harfcharen laßer quetfchonge ind hlichende dait (= Er-
kenntnis der Cölner Schöffen) ; dazu gehören auch Bl. 24^ • van
JcampreicJite, Bl. 25"^ die Clage van morde ind doitflach, nebst zwei
Beispielen von 1341 u. 1346. 6) Bl. 28'^— 32^: Kaiserrecht über
Bastarde, Reichsacht, Lehnsfolge, sodann vermischte Eechtssätze
aus der Schöffenpraxis, a. E. der Judeneid lat. u. ndrh. 7) Bl.
32^—34-^: Sent Feters deinßmans Recht, 8) Bl. 34^— 35^^: Forma
vicecomitis alti judicii, und Litera fcabinorum alti judicH von 1448,
ndrh. 9) Bl. 35^— 36^^: Wie man eyn Vrdell fehoiddige fall. 10) Bl.
36"^ — 39"": Erzbischof Dietrichs Bestimmung wegen der Schöffen-
wahl 1448, ndrh. 11) Bl. 39^-45'-: Ausführlicher Bericht über
eine Mordklage von 1458. 12) Bl. 46'— 50^: Getvelde BeicM recht
ind gebur (gegen den übermäßigen Aufwand bei Kindtaufen, Hoch-
46 C. Borchling,
Zeiten etc.) ; Bl. 48' folgen vermischte Strafbestimmungen. 13) BI.
51'— 52^ Acciseordnung. Bl. 53 leer. 14) Bl. 54'— 79^': Polizei-
ordnnng von 1427, in 88 Punkten. Bl. 54'— 55^: Register.
A70: 30 Bl. Perg. in Groß-Folio (bez. als Bl. 1—29, Bl. 18
doppelt), durchlauf. Zeilen, Mitte 15. Jahrh. Ruhr. u. rote Über-
schriften. In neuerem Pappbande.
Cölner Statuten, ndrh.
1. Die Statuten von 1437. Bl. l'(rot): DU fynt Alfulchen ge-
fetze ind ordinantie As vnfe hren väme Baede mit allen Beeden ind den
vierJndvierUigen vort mit Greuen ind Scheffen des hoengerichtz in
Coelne gemacht verdragen ind geordineert Jiaint zo ewigen zijden tm-
nerbruchlich zo holden Jnd der nyet zo wiederdragen Jd en fy dan
mit wiß ind tvillen dis feinen Baedtz die diefe gefetze gefunden ind
gefloffen hait vort aller Beede .... Wilche naegefchrieuen gefetze ind
ordinancie verdragen ind gefloffen tvoirden des vunfczienden dachs in
Junio Anno dni Mille fimo Quadringefefimo Triceßmo feptimo. Absatz
1 beg. : Dit is van Teßamenten ind vermecheniffen wie man die zo
Coelne machen fall dat Sij moege ind macht hauen,
2. Bl. 18^*^' — 19' ist ein Nachtrag von derselben Hand, aber
in etwas kleinerer Schrift: Verdragen Anno xlviij. WJr Gumprecht
Greue van Nmvenaire Erffvait zv Coelne etc. = das erneuerte Erb-
vogtrecht auf dem Eigelstein 1448. Bl. 19^ leer.
3. Bl. 20' — 22': Dit fynt nu die punten die ivir gefat ind ver-
dragen iiain vp die vyffuendige gerichte bynnen vnfer Stat.
4. Bl. 22"^ — 25': Dit fynt die punten die wir gefat ind ordineert
hain As van den fchrynen ind den vrhunden dae van zo neymen. Bl.
25^ leer.
5. Bl. 26' — 27': Dyt fynt nu die aide gefetze vnfer vurfaren
vmb zo verhucden dat die wenf liehe Eruen in die geyßliche hende nyet
en hmnen.
6. Bl. 27^ — 29': Vn/f hren des vaitz Bccht vpme Eygelßeyne (mit
etwas kleinerer Schrift geschrieben). Bl. 29^ leer.
A 71: 29 Bl. Pap. (Bl. 1. 2. 15 Perg.) in Fol. (Bl. 2—28 rot
fol. als j—xxvf), durchlauf. Zeilen, Mitte 15. Jahrhs., rubr. In
neuerem Pappbande.
Cölner Statuten, ndrh., in der gleichen Ordnung wie
A 70, aber ohne die Nachträge von A 70 Bl. 18'»^"-19'u. 27^-29'.
Bl. 1 — 2 geht ein Register voraus.
A 7 2 : 87 Bl. Pap. in Fol., von mehreren Händen des 15. u.
16. Jahrhs. In mod. Pappbande.
Mittelniederdeutsche Handschriften: Düsseldorf. 47
Cölner Statuten und Formulare, ndrli.
Bl. 1': Js ind drynck, ßeyrff ind ßynck,
Kleyder vy/f, Jdeyder an
Wen der doit Jcompt, fchyclce dich,
Du moifl dar van,
1. Bl. l'^: Hie hegynt fich eyn nuwe gefetse der Stede van Colne
Geordeniret ind v erdragen Oedmif^ Burgmeißen Baede ind xliiij ind
vort Grellen ind Scheffen des hoen gericMz der Stede Colne icj. Den
Statuten selbst gelit hier voraus : a) Bl. 2'-^ : Vorrede zu den neuen
Statuten von 1437; b) Bl.2^— 4'': Huldigungsformel der Stadt Cöln
für den römischen Kaiser und den Erzbischof, nebst den Confir-
mationen von Kaiser und Erzbischof; c) Bl. 4'-^: Bit js icie mä
eyn vrdell dat der Scheffen am hoengerichte geivijß hait fchiddigen fall.
Bl. ö'' — 30^ die Statuten : Bit js van teßamente etc. wie in A 70.
Stück 2 fehlt, dafür sind hier Bl. 23^*— 26'" 18 Absätze neu einge-
schoben: Wye man vnfe hur g er verdadingen fall die vyffgeladen iver-
dent etc., letzter Abschnitt: Van den vremden ind valfchen luden vort
Muelßoiffen wegen ind ledichgengern. Bl. 26^ unten beg. Stück 3, Bl.
27^ beg. 4, Bl. 29^ 5. Stück 6 fehlt also auch.
2. Bl. 31'' — 61'": Formulare der verschiedensten Art, ndrh.
(Testamente, Kaufbriefe, Schuldbriefe, Adressen etc.). Bl. 62^^ — 64"^
desgl. von etwas älterer Hand. Bl. ßö*" — 80^ desgl. von 3. Hand.
Bl. 81'" — 87^: Verbundbrief des Capitels, der Ritterschaft und der
Städte des Stifts Cöln von 1463, in einer Abschrift von 1522.
A 73 : 10 Bl. + 284 bez. SS. (S. 177. 233 übersprungen) in Fol.,
2. Hälfte 16. Jahrhs. In neuerem Pappbande.
Cölner Statuten und Ordnungen, ndrh.
1. Die Statuten von 1437. Bl. 1—10 Register. S. 1 beg. die
Statuten mit den einleitenden Stücken von A 72, dessen Text sich
diese Handschrift genau anschließt. Die Statuten brechen S. 147
mit dem Schlüsse von Stück 4 ab. S. 148 — 150 leer.
2. S. 151—172 Verbundbrief der Gaffeln von 1369, nebst einem
Abschnitt über der Stede Baner vnd Wimpell S. 173. S. 174—176
leer.
3. S. 178 — 207 : Vertrag zwischen Bat und den Gaffeln (Neue
Reformation) von 1513. S. 208—211 leer.
4. S. 212—243 : Concordat zwischen Erzbischof und Stadt Cöln
von 1506 (hd.).
5. S. 244—255 : Bit hena gefcheuen iß der Stadtrecht vnnd Bürger^
freiheidt in Colne. S. 256—259 leer.
48 C. Borchling,
6. S. 260—284: Testament des Henrich Haich, Burger jsuColne
1452.
A 74: Die Handschrift bestellt aus zwei ganz verschieden-
artigen Teilen:
A) Bl. 1 — 120, von älterer Hand foliiert, Pap. in Fol., 1. Hälfte
bis Mitte 16. Jhs.
Cölner Statuten, wie in A 73. Sprache stark verhoch-
deutscht. Bl. 42 — 45 von etwas jüngerer Hand ergänzt. Die Sta-
tuten schließen Bl. 85^ wie A 73. Es folgt Bl. 85^—104^: Diefe
nachge fahr leben puncten fal ein JegJclich netver Baith, alßhaldt der zu-
gegangen is zu den liilligen fwere = Artikel über den Eid der Rats-
herrn, die Wahl des Eats, die Funktionen des Rats etc., letzter
Absatz Van dem paimente. Bl. 105'~118^ die Concordata von 1506
(cf. A 73, S. 212). Bl. 119—120 leer.
B) Bl. 121—142, Pap. (Bl. 121 Perg.), etwas kleineres Format,
zerfällt wieder in 3 Bestandteile: 1) Bl. 121 scheint ursprünglich
zum Einbände des Folgenden gehört zu haben, es enthält ein
Bruchstück aus einem lateinischen theologischen Tractate des 13.
Jahrhunderts. 2) Bl. 122 — 123 ist ein Cölner Druck vom Anfang
des 16. Jahrhs.: DU is der Stadt Colne Becht vnd Burger freyheit
(vgl. A 73, S. 244). 3) a) Bl. 124—130: Bruchstück Cölni scher
Statuten, aus dem 15. Jahrh. Anf. : Jtem as yemant fijn Ampt
hekümert tvirt Jdt ßj mit wat gerichte dat idt fij etc., in 44 gezählten
Abschnitten, letzter : Jtcm ivie man it lialden fall mit den genen die
jn heuen ind jn hoeren fitzen van alfulchen eruen dar ir vader ind
moeder off vader alleyne ßeit gefchrijiien etc. Bl. 131 leer, b) Bl.
132''-^ (andere Hand vom Anf. 16. Jahrh.) : Brief des Lohgerberamts
an ihren gnädigen Herrn, mit Klagen über die Weißgerber, c) Bl.
132^—133^: Gereimte Regel gegen die Pestilenz, ndrh.
Verse, nicht abgesetzt (neue Hand):
Ich haue mych des vermcijß'en
Dat ich ivijll myner gefeie nyet vergeffen
Dar vtnb fo höre tvat ich dijr fagen wijl
Wan alfo ßerouS konigt zeyll ^)
Zo dem eijrße halt eyne Bait den ich meijn
Want hie dunckt mych nyet klcyne
Dat man yn de/fer fache eijrnßliche fall
An Bouffe got es helffet wayl
Dat neijm^nt alle meijß^ fcij/fe
De da fynt jn der fchouU zo prijffen etc.
1) Zu bessern etwa: ß,inil kompt fnel?
Mittelniederdeutsche Handschriften: Düsseldorf. 49
Ca. 84 Verse; erwähnt werden Baßys eyn meyß^ grueßy gegen Ende:
IHjs hayt meyß* hans Corna jumea gelere (!)
Der maniche myt fyner Jcunß Jiaijt geneyrt
Jnd meyß* bernhart gordonys genät
Des lere etdiche lauff durch ale laynt
Vnd ouch ander meyß" vynden (lies vil)
Der ich nyet neynne en wyll,
A. E. ist ein prosaisches Recept angehängt, d) Bl. 134 ist ein
ndrh. Brief: Dem tvolgebore JtmcTcere Joha Graue zu mäderfcheit
zu Blanch)1ieym vn heril zu Gerytßeyn myne g. JuncJchern. Absender
Georg) medic^ viv* gnaJ} arm diene*. Nach einer beigefügten Blei-
stiftnotiz aus dem J. 1513 (?). e) Bl. 135^—138^: Cölner Sta-
tuten (Hand vom Ende 15. Jahrhs.), Anfang : Von den gene de der
ßat verwyß fynt = A 72, Bl. 24^, in den Zusätzen dieser Handschrift
vor Stück 3, dann folgt Stück 3 selber Bl. 136^ Mitte, Stück 4
Bl. 138'"; mit dem Schlüsse der ersten Hälfte von 4: Dat man ßch
de las dar na ivyffche zo Richten {== A 72, Bl. 28^ Mitte) bricht die
Hs. ab.
A 75 (Ilgen S. 147) i): 38 Bl. Pap. in EoL, ca. 1600.
Cölnische Statuten und Reime.
1. Concordaten zwischen der Stadt und den Gaffeln von 1513,
vorne defect.
2. Bl. 21^^: Ein Vermanung Zur EindrecMigJceidt, Anf. : 0 Jr
Edell gemein Zu Collenn etc., ein Spruch von 20 Z., Schluß: Nun
vnd Zue aller Zeidt, Es ist eine kürzende Bearbeitung des Schluß-
absatzes der Weverslaicht, vgl. Cardauns Ausgabe (Deutsche
Städtechroniken, Bd. 12 [Cöln I], 1875, S. 256 f.) V. 489—520. —
Bl. 21^ leer.
3. Bl. 22"* — 37^ : Die Reimchronik über die Cölner Unruhen
von 1481/1482, benutzt in Cardauns Ausgabe (Deutsche Städte-
chron. Bd. 14 [Cöln III], 1877, S. 945 ff.
A 76 (Ilgen S. 143): 87 Bl. Perg. (Bl. 1. 2 Papier) in EoHo;
Bl. 4 — 87 von alter und neuer Hand als 1—83 foliiert, zwischen
Bl. 10/11 ein Bl. unbezeichnet. 30 durchlaufende Zeilen, mit breitem
Rande, Hand der Mitte 15. Jahrhs., mit zahlreichen schwarzen,
1) Hier und im Folgenden ist mit'„llgen" gemeint: Th. Ilgen, Rheinisches
Archiv. Wegweiser durch die für die Geschichte des Mittel- und Niederrheins
wichtigen Handschriften. I. Theil: Der Niederrhein (= Westdeutsche Zeitschrift,
Ergänzungsheft H, Trier 1885). Nachzutragen ist Ilgens Erwähnung hei Mscr.
A 18 (S. 97), A 22 (S. 164), A 35 (S. 158), A 50 (S. 162 f.), A 69—74 (S. 146 f.).
Kgl. Ges. d. Wiss. Nachrichten. Philolog.-histor. Klasse. 1913. Beiheft. 4
50 C. Borchling,
sauber mit der Feder gezeichneten Initialen. In gepreßtem Leder-
bande des 16. Jahrbs.
Clevisches Stadtrecht in einer älteren Redaction (vgl.
E. Liesegang, Ndrh. Städtewesen im Mittelalter [Unters, zur d.
Staats- u. Eechtsgesch., herausg. von 0. Grierke, Bd. 52], Breslau
1897, S. 559 ff. ; S. 562 f. gibt L. auch eine Beschreibung dieser Hs.).
Bl. l'~^ : Vermischte Notizen des Schreibers (verschiedene Eide u. a.).
Bl. 2--^: Neue Abschrift des Privilegs von (1248?) 1331. Bl. 3 u.
das unbez. Bl. zwischen Bl. 10/11: Register über das Stadtrecht.
Bl. 4 (= l)"" beg. das Stadtrecht mit dem lat. Privileg Grraf Jo-
hanns von 1348; Bl. 3': Privileg Graf Adolfs von 1368, ndrh., Bl.
T': die Confirmation Grraf Adolfs von 1394. Bl. 7^ Mitte beg. das
eigentliche Stadtrecht mit der Vorrede des Bearbeiters : Want dan
die Stat Jnd die Bürge van Cleue imilegiert ind gevryet fyn, na vyt-
wyfen der puilegien ind hantveßen voirß, vmh dan dat gemeyne guet
der Stat van Cleue to het in golden alden ßaet ind regimente . . . to
hlym, Soe fyn inder eren onff hin gaids . . . ind (lies in) defen
hiiecJcfken to famen vergadert ind gefchretie dat een punte naden anden,
fömige verclaringe van een dele püten vyte puilegien ind hantveße voirß
genome ind ande verkae^n ßat RecJde ind goide aide gewoenie . . . (Bl.
8^) ind want naden ^uilegie ind hantveßen voirß die gefwae^n tertijt der
Stat van Cleue macht hebn die fomige conßitucie to vertoandele to meerre
off to mynre . . . Soe is dit bueclcfken formiert mit hreden fpacien v)nb
vernyenge, verivandelinge ind verclaringe dair haue to f ehr lue ind to
fette, wä7ieer inen yet nutters ind orherlix tot hehueff der Stat ind der
Burger voirß vynden moichte. Es folgt dann sofort der 1. Paragraph
über die Wahl des Bürgermeisters: JNden yrßen is to tveten, dat
die Bürge van Cleue die hynen der Stat van Cleue tvoenachtich fijn
alle Jair opden Sonnendag') . . . Mia dnj kyefen foelen enen Burg-
meyßer etc. Bl. 47'' beginnt ein neuer Abschnitt: (F)^w alden
rechten, goide gewoente jnd hcerkome, van onfe voiralderen an ons ge-
bracht is to wete. Soe wie enen horger off Borgerfche vä Cleue an dat
gericMe hebn ivill etc. Bl. 72^—78'' ein langes Capitel über einen
Streit wegen der Erhöhung der Weinaccise 1423. Bl. 78^ — 80^
Auszüge aus verwandten Stadtrechten: Want inen menige gelijke
faken bij gelijke rechte vijnden cn richten fall, Dair van geen befcreue
koeren off brocken äff en fijn, So fijn hier befcreue en beteikent fömige
koere en brocken die jn goiden andere Steden, hier vmb längs gelege,
jn oren jairmercte en wekemcrcten gewoenlichcn fijn to brocken en to
koeren etc. Es folgen einzelne Statuten von Arnheim, Wesel,
Calcar. Bl. 80^— 81'-: Judeneid. Bl. 81v Nachtrag der 1. Hand:
Privileg Herzog Johanns von 1448. Bl. 82'' Nachtrag einer 2.
Mittelniederdeutsche Handschriften: Düsseldorf. ßj
Hand: Brief Herzog Johanns II an die Stadt Cleve von 1518. Der
Rest des Bandes ist leer.
A 77 (Ilgen S. 143): 202 Bl. Pap. in Fol., Ende 15. Jahrhs.
Bl. 3—202 von alter und neuerer Hand als 1 — 196 foliiert. Nicht
rnbriciert. Im alten braunen Lederbande, Rücken erneuert, die
beiden Schließen abgerissen, in der Pressung das clevisch-märkische
Wappen. ";
1. Bl. l"-— 106"^: Nd. Stadtrecht von Cleve, mit vorher-
geh. Register. Auf. des Textes: ([)N'den naeme des vaiders des
Soens, ende des heiligen geeßs Amen. Des Rechtes leere geyt voir alle
leere etc. Die breiten Ränder der Hs. sind mit zahlreichen gleich-
zeitigen, meist lat. Anmerkungen und Erläuterungen aus dem
römischen Rechte bedeckt. Das Stadtrecht endigt mit einigen
Privilegien der Handwerksämter, deren letztes Van eynre Cedtden
den Schroederen antreffende von 1458. — Bl. lOo^ — 107^ leer.
2. Bl. 108^" — 145^: Kleinere Stücke, u. a. Verbundsbriefe der
clevischen und geldrischen Städte, über Erbrecht geistlicher Leute
von 1463, Bl. 124^—126^ Zusätze zum Stadtrecht über die Eide
verschiedener städt. Beamten, Bl. 127'" — 128^*^'': Ordinancie van
dycJcen en iveterynghe von 1448 und Deichordnung für Düffel 1364,
Bl. ISO''— 141^: Der Stadt Cleve Privilegien 1348—1469, lat. und
nd., Bl. 142'" — 143"^ Nachtrag von 1562 über den Gerichtszug von
Grennep nach Cleve.
3. Bl. 146'^-186^ (andere Hand) : Das kleine Kaiserrecht.
Anf. : Dit Js dat Key f er Recht als id Coenynch Kaerle maicten to
Vrede ende nuUicheyt all der werlt etc., in 4 Büchern, nur die ersten
13 Capp. sind gezählt. Bl. 154"^ Mitte: Dander buecJc ende leert
van allen faicken^ Bl. 176"^ und 182^ Buch III und IV ohne be-
sondere Ankündigung. Schluß im Abschnitte Vanden Jcoere de/f ge-
meynen Raids: Oich ßeyt ander fwaer gefchreue, Die to dem Raide
fidlen hoiren, Die füllen ivyff fyn Jn allen ßiicJcen, — Bl. 187"^ — 196^
folgen noch einige clevische Urkunden.
A 78 (Ilgen S. 150): Pap. in Folio, Pappband.
Die Privilegien der Stadt Wesel in einer Abschrift
von 1718, vorgebunden ist das Originalschreiben des Magistrats,
wonach dies Exemplar damals der Kgl. Regierung in Cleve ein-
gereicht wurde. Die Privilegien reichen von 1241 — 1598. Vorne
eine Liste von 7 manquirenden Privilegien.
A 79 (Ilgen S. 150): 300 beschr. Bl. Pap. in Folio, 1665, in
gleichzeitigem Schweinslederbande.
52 C. Borchling,
Sammelband des Weseler Predigers Anthon von
Dorth, mit Titel auf Bl. l*": Frivüegia vnd Vrißeiden, welche die
Grauen vnd HerÜoglien van CJeue der Stadt Wefell gegeben haben;
' Wie auch noch Vnterfchiedene Ordinancien V7id Befelchen mehr^ den
Wolßand vnfers Cleuifchen Vatterlandts hetreffendt. Der Band ent-
hält:
1. auf einem unbez. Bl. vorn in der Hs. : Die nd. B,atmannen-
reime, a) Die ein Stat füllen regieren 18 Z., b) Segghe weijnich,
vnd fiiaick dat wair 8 Z. (= Eimbökelin V. 1754 — 1761), c) So iiat
ghij hört vnde fiet 10 Z. Alle 3 Sprüche verbunden auch in einer
Weseler Hs., danach abgedruckt von Wolters, Zs. des Bergischen
Geschichtsv. Bd. 4 (1867) S. 44. Spruch a) allein auch in Ms.
A 80. 81, der erwähnten Weseler Hs. , einer Berliner und einer
Hamburger Hs. (vgl. Bericht I, S. 116 und Frensdorff, Dortmunder
Statuten u. Urteüe (1882) S. 255. 256. 258 N. 4).
2. Bl. 2'— 70^: Die Privilegien der Stadt Wesel von 1241
— 1614; bis 1574 sind sie durchgezählt als 1 — 76, es folgen dann
noch 3 Privilegien von 1609 — 1614. Aus der folgenden Sammlung
hebe ich hervor:
3. Bl. 92'' — 100^: Huldigung des Fürßen wie die gefchiedt tho
Wefell^ nebst den Eiden, zuletzt der Judeneid.
4. Bl. 101' — 176'': Folgen allerhand Ordinantien, Flebifciten, Sen-
tentien. Gewöhnten vndt Alt Eerlcommen der Stadt Wefell^ Wie auch
Vnterfchiedene Bechttsbedenclängy in voir gefallenen Stridigheijden ge-
geuen. Eine reiche Sammlung von Weseler Ordnungen und Rechts-
gewohnheiten des 14. — 16. Jahrhs. : erbrechtlichen Inhalts Bl. 139^
-146"; Erbkauf Bl. 149^ ff.; über Clevisches Lehnrecht Bl. 172";
über Zutphensches Lehnrecht 1546 Bl. 174', Bericht von Natur vnd
Eigenfchafften der Koefen-guider in dem Amt van Aßpell Bl. 174^
-175' (16 Punkte).
5. Bl. 273' — 274': Bijch- Ordnung für den gemeynen Erven
deß veldts omlinx der Stadtt Buijderijch 1423,
6. Bl. 275''-^: Hert^og Johanß Ordning vnd Befehl, anlangend
der Cleuifch^ vnderthanen vnd liaußleuten Dienß, 1536. 2. 8br,
7. Bl. 285'*— 290': Consilium juris D"* Joh. ä Basfeldt Secret.
WesaL de fuccefsione ab inteflato fecundum Privilegium Theodorici Co-
mitis Clevenßs.
8. Bl. 29^—295': Defe nabefchreuen Lathen-Bechten fyn
genomen uthenn Bifchops Hoff tho Xancten^ fo die f eine dat hoefft
vnd aldße hoff yß des Furßendumbs van Cleue, dair menn in allen
Latenhauen na voertfaeren plege.
Mittelniederdeutsche Handschriften : Düsseldorf. 53
A 80 (Ilgen S. 150): Pap. in FoHo, 16.— 17. Jahr. Moderner
Pappband.
Privilegien und landesfürstliche Verordnungen
für die Stadt Wesel. Vorausgeht auf 7 resp. 2 unbez. BU.
ein am Ende unvollständiges Sachregister über die "Weseler Privi-
legien, in doppelter Abschrift, die erste A*^ 1560 per dn. Cancellariü
Henricü Beres cognoniBto Ohfliger geschrieben. Dann auf 92 bez.
BU. die Weseler Privilegien von 1241 — 1548. Zwischen die Privi-
legien sind aber auch zahlreiche Urkunden des Rats der Stadt Wesel
in chronologischer Ordnung eingeschoben, so zuerst ßl. 24' ad a.
1350. Bl. 27'*-' die nd. Rat mannenreime, aber nur a). Bl. 33'
— 35'': DycJwrdnüg tho Bißlich (zwischen 1388 u. 1391 eingeschoben).
Hand 1 geht bis Bl. 43'" (1473). Im Folgenden ist die chrono-
logische Ordnung aufgelöst; mehrere Hände des 16. Jahrhs. sind
beteiligt, das Ganze wird aber durch häufige Randbemerkungen
des Kanzlers Beres zusammengehalten.
Das große Mittelstück des Bandes enthält jüngere Akten, be-
sonders zur Frage der Reich sunmittel barkeit der Stadt Wesel.
Dagegen ist der letzte Teil der Hs. wieder älter; er enthält auf
46 bez. Bll. von einer Kanzleiband der 1. Hälfte 16. Jahrhs. die
Privilegien der Herzöge für Wesel von 1241 — 1501, aber ohne die
eingefügten Urkunden der Stadt, nur sub 1350 und 1489 ist je
eine städtische Urkunde aufgenommen. Bl. 43'" — 46' Nachträge,
darin Bl. 44^: Schöffen-, Rats- und Bürgereid, nebst städtischer
Urkunde von 1441.
A 81 (Ilgen S. 150): I-f49 Bl. Pap. in kl. 4«, 15. Jahrb.,
rubr., zahlreiche rote Randbemerkungen, in ein Pergamentblatt
geheftet. Bl. I'": Bit hoicJc hoert toe HenricJc Aufleger Burger toe
Wefel woenende in die Biemerßraet.
Privilegien und Statuten der Stadt Wesel von 1277
— 1481, es werden nur die nd. Fassungen gegeben. Die Sammlung
beginnt mit dem Privileg Grraf Dietrichs von Cleve de 1277.
Bl. 14' — 15'^ ist der Abschnitt über die 3 Freimärkte eingeschoben,
Bl. 16'—' die nd. Ratmannenreime V. 1 — 18, ferner eine An-
zahl städtischer Urkunden ; Bl. 24' — 27"^ : Byt is verfatinge van den
dick to by flieh; Bl. 30'"— 31"^ verschiedene Eide der städtischen Be-
amten. Bl. 41' schließt das Privileg von 1481. Bl. 42''— 43^^: Ver-
ordnung über Testamente, es folgt noch ein Privileg von 1359,
und eine Weseler Satzung von 1464. Die chronologische Ordnung
ist in diesem Bande sehr früh verlassen. — Vgl. Frensdorff, Dort-
munder Statuten und Urteile, S. 255 unter B.
j^ C. Borchling,
A 81» (IJgen S. 150): Diese Hs. der Weseler Statuten ist
sehr eingehend von Frensdorff a. a. 0. S. 255 f. unter 1? beschrieben
worden. Sie enthält von einer Hand des end. 15. Jahrhs. die lat.
und nd. Privilegien der Stadt bis 1493, ferner das von Frensdorif
S. 283—307 abgedruckte Dortmand-Weseler Recht und
einige selbständige "Weseler Statuten. Ich hebe hier nur noch 2
Stücke hervor:
1. Ein rechtsphilosophisches Werk Speculum consul um, das
in unserer Hs. ursprünglich im lat. Original und in einer nd. Über-
setzung vorhanden war. Von dem lat. Text sind jetzt nur noch
die Schlnßzeilen auf Bl. 9' erhalten, a. E. : ExplicH Speculü confulü.
Die nd. Übersetzung ist aber unverkürzt vorhanden, sie beg.
ßl. 9'': (rot) Sint dat dat heyl der ßadt inden rechten is gelegen
Ar}^ P rethorice So fchamen uy ons dat wy fonder recht fprecTcen. l,
Jllä. c, de. colla, WAnt dit een huys is des gemeynen guedz dair
men die gemeyne faichen ind gefcliefften der ßadt verhandelt, uylck
huis een huys des raides genoempt is. foe ivoirt geuraicht wat eyn
rait is Een rait is als Arißotiles faget een vraige van vytwendighen
fchicklicJcen faicken etc. Schluß Bl. 18^: teghen die ghene de fyne
arme icychtere verdruckt Jiehn vnd oeren arheyt in ßch verßonden hehn,
(jrot) Hyr eyndet die fpiegel des raids,
2. Bl. 91^— 93^: Die kleine cle vi sehe Fürstenchronik mit
dem Titel: Die oirfpronch ind ßam van Cleue. Anf. Bl. 92': Die
aller yrße Greue van cleue tvas gehieten helyas körnende vyt dem ert-
fchen paradyfe aümids enen fwaen etc. Schluß : Item dair na her-
toch Adolph fyn Soen die in den con/ilium van Coßans hertouch ge-
maickt wart. Süma xxviij Greuen eyn hertouch. Andere Hss. in
Berlin (Frensdorff a. a. 0. S. 255), Paderborn (ibid. S. 257). Vgl.
auch Frensdorff S. 258 N. 4.
A 82 (Ilgen S.144): XV + 141 beschr. ßl. Pap. in Fol., Ende
16. Jahrh., in Schweinslederband.
Duisburger Statuten und Urteile, ßl. P: Iura Mu-
nicipalia. Bürgerliche Bechten vndt Statuten der Stadt Düßburg
auß alten Signalen, Gerichts: vndt Koerhüchern gezeichnet, bey ein
verfamblet vndt observiret, Co wohl von gerichtlichen procefsen als van
gemeinen fällen dair f elf s. Bl. 11' — IIP Vorrede (hd.): GLeicJier
ivaiß der Allmächtiger Gott vndt Vatter . . . im Alten Teßament
feinem Avßerkohrnen Volck feine H: Gefetee Vorgefchrieben etc.
Bl. IV'— XV^ alphab. Sachregister. Dann 1. Bl. 1': Folgen Ord^
nungen Vonden Gerichten, oeren Anhang, Statuten vndt fällen, fo nmn
von alters alhier to Diußburg biß to dießer tijdt gehalden vndt ge-
Mittelniederdeutsche Handschriften: Düsseldorf. 55
hrüickt heeft, Vß den alten GericJits Signaten vndt Koerhücheren ge-
togen. Der folgende Text ist rein nd. Bl. 6^'; Gerichtsordnung
von 1579, Bl. 8^: Aide Ordnunge von den Gerichtsgefällen , 1579
vom Rat erneuert etc. etc., u. a. BL 2V — 22^ von der Appellation,
Bl. 23^: Van Teflament te maecJcen, Bl. 25^^ Erbrecht etc.
2. Bl. 46v — 50': JBelehrunge eines Erb, JRaidts vp etliche Pimcten,
vp begehren JBurgermeißer vnd Baidt to Möerßy von 1579.
3. Bl. Sl'^ — 68^^ : Anfragen der Duisburger Schöffen in Aachen,
mit den Bescheiden; genannt werden die Jahre 1522 bis 1576.
4. Bl. 69"^ — 140^: Hijr na folgen die Fürnemße Vrdelen vnd
Senfentien, Vith den alten Gerichtsboechern, dairto in Vorgemelter fum-
marifcher Verteiheniß relation gefchichtt, 1511 — 1596, ein reiches
juristisches Material. Bl. 140''— 141' folgt die mit dem Original-
siegel unterfertigte eigenhändige Eintragung des Bürgermeisters
von 1662, daß der Eat fortan die Sammlung des Duisburger Stadt-
rechts, wie sie in dieser Handschrift vorliegt, als Norm anerkennen
werde.
A 82* (Ilgen S. 144): 146 Bl. Pap. in Fol., Ende 16. Jahrhs.,
in Pappband mit Lederrücken. Vorne Schildchen mit eingedrucktem
Titel: Altes Duisburgisches Koerbuch. Nebst alten Wald Ordnungen
von 1518. 1572. Bl. 1 — 88 sind durchschossen, die moderne Foliie-
rung zählt die Durchschußbll. mit.
1. Duisburger Statuten. Anf. fehlt, nach einer älteren
Notiz fehlen vorne 2 Bll. , das erhaltene Bl. 1 hat große Löcher.
Die erste völlig erhaltene Überschrift lautet: Biß Burger meistere
oder einige Bait^perfonen follen fich mit des Bentmeißers ampt nit
vnderwinden.
Bl. 9^ Mitte: Von Vuir Ordenungh. Bl. 19"^ eine größere Po-
lizeiordnung: Jn dem Jair vnfers heeren 1563 . , . di/fe nabe-
fcreuen puncten verJcoirt, Vnnd Anno 1570 den 6 Augußj ividerumb
verneivet vnd publicirt wie alle andere vur und naf olgende lioeren. —
Nachdem biß anher vff der Mnder thauff, vnd hraemenj begrebnuffen
der doden, vnnd funß vil ouerflodige vnhoßen ßch .zudragen etc. Bl.
35^: Von den Landtweeren vnd gemeinen Velden. Bl. 43"^: Von flaen
vnnd derglichen, de anno 1570. Bl. 45^ : Von fetzunge vfffprehen oder
annemung des tvinkouffs, von 1576.
2. Bl. 47*" — 69"^: Heir nach folgen die Waldt-Ordtnungh fo
Jn dem jair vnfers heeren 1518 vff Gudeßagh . . . aufch allen anderen
alden der Stadt Jcoer vnd Waldtboehen gesogen^ vff eß new beivilligt etc.
Bl. 6P Zusätze von 1572 zu dieser 1561 erneuerten Waldordnung.
56 C. Borchling,
3. Bl. 71^— 90^ lateinische, Bl. 90^-95'^ deutsche Privilegien
der Stadt Duisburg, 1155—1577. Bl. 95^— 100^• Copia der priui-
legien fo die Henfe ßeden eo antwerpen Jiebben, von 1560 ; angehängt
DEJ] Antorf fifchen Cantoirs vherfclüagli, bis Bl. lOl''. Bl. 102'— 103':
Privilegien für Duisburg von 1290, 1522, und ein unvollständiges
von Kaiser Karl V. Bl. 104^—110^: Tabelle zur Geschichte von
Duisburg. Bl. 111' — 123': Verzeichnungh von den gereichten vnd
Statuten fo von Alters Jier zu Dmßhergh gehrucht vnd gehalden tvorden,
dasselbe Stück wie A 82, Stück 1. Bl. 123^: Ordenunge van denn
Molleners vnnd Kardryuers. Bl. 124': Vonn der Fleifch Ordenunge,
über Maße, Wein, Accise. Bl. 131': Vonn denn Lanthwerenn vnnd
Gemeynenn Veldenn (vgl. oben Bl. 35^), Bl. 136': Vonn doetflage.
Bl. 142^—144' Urteüe.
A 109 (Ilgen S. 158): Folio, 17./18. Jahrh. Aus dem Geh.
Staatsarchiv überwiesen. Joh. Türks Fortsetzung der Clevischen
Chronik Geerts v. d. Schueren, vgl. oben S. 37 f. ; doch ist das von
Türk der Schuerenschen Chronik vorgesetzte Stück (Bl. 1* — 24*
der Originalhs.) nicht mit abgeschrieben.
A 110 (Ilgen S. 159): Joh. Türks Kladde zu seiner Chronik;
ein reiches lat. und nd. Einzelmaterial, aber nichts Zusammen-
hängendes.
A 111 (Ilgen S. 157 f.): Ein Band in Großfolio, vom Geh.
Staatsarchiv überwiesen. Ursprünglich aus A. v. Dorths Nachlaß,
z. T. von seiner Hand. Bückentitel: Cod. saec. XVI. u. XVII.
MiscclJanea Zur Geschichte von Jülich, Cleve, Berg, Mark, Bavcns-
herg, Linihurg, Bentheim, Steinfurt, TecJclenburg, Lippe. Nd. sind
darin :
a) Ilgen Nr. 5 (im Bande als „Anhang ad IV" bez.; Abschrift
V. Dorths): Die fabelhafte Geschichte der ersten clevischen
Grafen. Anf. : Woe Cleuefche Hereii ijrß ijnt Lant qiiamen, ind
wat ßj geßicht ind getijmmert hehhen io der eren Gades. Nti fult gij
hoeren van den Edelen Heren van Cleue etc., 4^2 Seiten, bis : jnt
Jaer ons heren M.cccc ind Ix. ind ys geheyten Elysaheth.
b) in Ilgen Nr. 7 (= Hs. Nr. V, Abschrift v. Dorths 1688)
sub anno 1518 ein nd. Verschen: Anno dn. 1518 Catervce militum
niaxiniw 9000 c Frißa et Gelria ad Clivice tcrras declinantes, villanorü
circa Calckar, Rees, et Xancten dcgentiü victualia confumunt, Inno-
minatü Dominü fe habere dicentes. Vicinos irrident principes, vellent (?)
totius Gernianiw clinmta hißrare, conßanti fatentnr jyectore, quorum
Proverbium erat:
Mittelniederdeutsche Handschriften: Düsseldorf. 57
Der Hertzog van Geldern is vns vaer,
Hij fuydt vns allegaer,
Der ein Herr iß ein WicJit,
Der ander iß vns tho licht,
c) Ilgen Nr. 9 (= Hs. ;,ad VI^'; 12 Bl. 17. Jahrb.): Abschrift
von Bl. 1 — 20' der Clevischen Chronik Greert v. d. Schue-
rens; schließt: in denn Hoff van Bomenn vnnd tott Montepeselam.
d) Dgen Nr. 10 (= Hs. Nr. VII; 10 beschr. BL, Abschrift
V. Dorths): Ulrich Vernes nd. Übersetzung der Märkischen
Chronik Levolds v. Northoff 1538. Titel: Van anfangh, her-
konipft, oirfprofich vnd Teilung der ivail herumpten Heern vnd Grauen
van der MarcJce, uijt der Latijnfche Chroniclce Leuoldi van NortJio/f
vnd vijt andern hoicken vnd fchrifften auergefatt, gebetet vnd verlengert,
dorch ülricum Vorne, Capellan thom Hamme, Anno Dm M. D,
xxxviiL Subscriptio : Habe vornßehendes auß einem alten gahr vitiofe
gefchriehenem Exemplari abcopijret .... AVDorth.
e) Ilgen Nr. 11 (= Hs. Nr. VIII; 58 Bl. Text, von v. Dorths
Hand): Geert v. d. Schuerens Clevische Chronik, nd. Am
Schluß 1^2 Seiten mit Randbemerkungen der Vorlage v. Dorths,
die nicht das Originalmannscript Schuerens war. Angehängt sind
18 Bl. Text: To fatz der vurß. CronicJcen, van Heren Johan den
tiveden Hertogen to Cleue vnnd fijn nakomelingen. Als hij beiwren
vermeldet ßeit van den twyßen vnd gehrechen fo hertog Johan van
Cleue mit Dederichen van Moirfe den Ertshifchop to Colen gehadt etc*
bis: To demfeliien male ivardt de Stadt Gula vnd veßimge, nadem ße
den Turcken voirhin groiten ividderßandt vnd zum oftermail affgetrieben,
durch Verraderije eroeuert.
A 116 (Ilgen S. 160f.): 11 + 56 Bl. Pap. in 4P; von verschie-
denen Händen des 16. Jahrhs. , ohne alle ßubricierung. Neuerer
Lederband. Bl. I — II leer, bis auf eine Besitz er eintragung Bl. V:
1.5.87. Jolian van Haue manu propria, um eine Hausmarke herum-
geschrieben; dann:
Da gewalt geeth oeben Becht.
Da bin ich lieber Heer ivie hnecht.
Nieth onuerfuicht. die noch thoe fegh.
1. Bl. 1^—14- Nd. Geldrische Chronik. Titel Bl. l':
(Van) Dem Oirfprunch der vaichten Graue en hertogen mit hare Gro-
nijken des landtz van Gehe. Jn dem Jaeren aichthonderth aicht en
Tfeuentich Doen Cairle Die Calue heyfer tvas, is in dat Kreefdum
van Coelen een groete ivije plaitse geweyt Dair nu Gelder ßeet etc.
Schließt Bl. 13'' mit dem 9. Herzog Wilhelm (bis 1543). Dann ein
58 C. Borcbling,
lat. Absatz über die Schlacht bei Sittard (1542/3). Dann Bl. 13^
— 14' als 10. Herzog Kaiser Karl V nachgetragen. Schluß: Bes
heiß die Je. m. dem landen gelaift toe laiten hy alder priuilegien en
poUcijen 2P. Jnt Jair ons Heern Duyfent Vieffhondert Drije en veir-
iich, Bl. 14^—16' leer.
2. Bl. l?'— 23': Privilegien u. ä., meist auf die Stadt aoch
bezüglich. Anf. : Van den vrijheiden der doirplueden aen heyden f\jden
der nyerfen, von 1328. 1346. 1549. 1341. 1361. 1366. Bl. 23^—
24' leer.
3. Bl. 24'-— 31^ (Hand 2): Das Recht der Schöffen von
Goch, nd. Anf. : Datt is te iveten datt die Richter etlichen oprichten
dach auermidts dem Gefivaren Baeden fall doin roipen inder kercJcen;
37 nicht gez. Abschnitte. Schluß : Tho Moldick op vnfer Lieff
Froiveen dach Purificationis füllen die Schepen affgain, Bl. 32 leer.
4. Bl. 33'— 37' (Hand 3): Weitere Grochsche Privilegien und
Eatsbeschlüsse. Bl. 34. 37^—38' leer. Bl. 38^ Nachtrag einer
jüngeren (4.) Hand.
5. Bl. 39'— 40>^ (Hand 3): Venloer Tractat zwischen Kaiser
Karl V und den Ständen des Fürstentums Geldern und der Graf-
schaft Zutphen vom 12. Sept. 1543, nd. Bl. 44 gehört zwischen
Bl. 39/40. Bl. 41'-^ Nachtrag von Hand 4 über einen Passus des
Venloer Vertrags, a. E. : Signatttm 16, Septemh. a. p. 94 per me Jacob
van Straten.
6. Bl. 42'— 43^: Weitere Tractate Karls V betr. Venlo und
Goch 1560 u. 1565. Bl. 45' leer.
7. Bl. 45^—48' (Hand 5 = Johan v. Haue) : Entscheidung des
Kaiserl. Kammergerichts in einem Prozesse Johans v. Haue gegen
die Stadt Goch 1587, hd. Dazu Bl. 48' (Hand 4): Eintragung
von 1591, daß die Appellation, die in dieser Sache 1589 eingereicht
sei, zu verwerfen sei; Johan v. Haue ist inzwischen verstorben.
Bl. 49'~51^ leer.
8. Bl. 52'— 56^ (Hand 6 [= Louwerman ?]) : Weitere Acten-
stücke aus einem Processe J. v. Haues contra Schröder, Speier
1589, mit der Beglaubigung der Clever Canzlei vom 20. Dec. 1589
stylo nouo.
A 135 (Ilgen S. 163): 171 Bl. in kl. Folio (25,2 x 19,5 cm).
Hinter Bl. 171 sind 5 alte Bll. herausgeschnitten. Bl. 4 — 101
sind (wohl im 17. Jahrh.) mit Tinte als 1—98 foliiert, Bl. 102
— 171 in jüngster Zeit mit Blei als 99 — 165, wobei die leeren
Bll. 106. 107. 148 übersprungen sind. Wasserzeichen: gotisches
p mit kurzgestieltem Stern (dasselbe in A 77). Von einer Hand
I
Mittelniederdeutsche Handschriften: Düsseldorf. 59
des endenden 15. Jahrhs. geschrieben. Mit voller Rubricierung,
die Anfangsbuchstaben der Abschnitte sind z. T. rot nachgezogen,
nur im Kaiserrechte finde ich überall ganz rote Initialen; Bl. 149
(143)' eine größere rote Initiale. Überschriften in steifen roten
Missalbuchstaben. Nur Bl. 1—3 u. 108 (103)-131 (126) zweispaltig.
In neuerem Pappbande, beim Neueinbinden ist die alte Hs. stark
beschnitten, außerdem sind vorn und hinten je 12 BU. vorgesetzt.
— Früher im Besitze von Dr. Schölten zu Ward (Homeyer Eechts-
bücher Nr. 603, Katalog der Bücherversteigerung vom 4. Dec.
1848 bei J. M. Heberle zu Cöln, Nr. 5106). Eine Besitzernotiz des
17. Jahrhs. auf dem Reste eines alten, vor Bl. 1 vorgebundenen
Blatts : I^st Fofsefsor Joannes \ (andere Tinte) dono liberaliter d \
Filio fuo dilectifs. Jo. Köpgen 29 8hr 167. \ (andere Hand) Bießer
Johan Huedt (ßuedt?) iß Vnßers Vatters feelig ßiff Vatter geweßen,
1. Bl. 1—105(102): Clevisches-Stadtrecht, nd. Bl. l'-3'^
Register: Hier hegynt die taeffel van defen nabefcreuen buecJc, mit
roten Blattzahlen. Bl. 3'' leer. Bl. 4 (= 1)'' : (rot) JN den naeme
des vaders ind des foens ind des Jiilgen geeßs amen, (schwarz) DEs
Hechtes lere gJieet voir all lere etc. , mit vielen Bleistiftunter-
streichungen und Randnotizen einer modernen Hand. Schluß BL
100 (97)"^ im Abschnitte: Van ivijnJwiren ind wijnafcijfe mit den
Worten : alfoe duclc as dat gefchege vp thien fchillinge jnder ßat be-
hueff. (rot) Hijr eyndt dit boich Bl. 101 (98)"^ leer. Bl. 101 (98)^
—105 (102)^ Lat. und nd. Weseler Privilegien 1277—1347, nicht
rubriciert.
2. Bl. 108 (103)^—147 (142)^^: Das Kleine Kaiserrecht.
Anf. : Hier nabefcreuen begynt een boech gehegten des heyfers rechte,
SJnt dat nu is m ivirt lan tijde to tijde die iverlt boefer etc. Mit
Bl. 132 (127)^ fangen mitten in einem Absätze die durchlaufenden
Zeilen wieder an. Schluß: Jtem die een guet be fetten will myt rechte
die falt tot drien gerichten nae een volgende voir der banch befetten . . . .
dat hij dat tot drien vierthiennachten drieiverff befette. Bl. 147
(142)^ leer.
3. Bl. 149 (143)-'— 171 (165)^: Stadtrecht von Calcar, nd.
Anf. : Wy Scepene van JcalJcer doin Jcondt allen den ghoenen die defen
hrieff fien off hoin lefen dat ivij noch hee toe hebn gebracht ind ge-
halden yn gueder alder geivoente Jnd voir onfe verJcden ßederecht Dat
onfe borgere van Jcallcer . . . plegen te hyefen Richter etc. Bl. 163
(157)'^ Mitte: (rot) Hijr beghynne die priuilegien (Grraf Johann von
Cleve ist schon tot, seine Huldigung von 1449 steht Bl. 166
[160]«-^). Schließt Bl. 169 (163)^—171 (165)^ mit einer Ordinanz
Graf Johanns von 1470. Bl. 171 (165)^ ist noch eine kurze, un-
ßQ C. Borchling,
rubricierte Ordinanz des Grrafen Johann an die Stadt Calcar von
1489 nachgetragen.
A 177 (Ilgen S. 65): 43 Bl. Pap. in 4^, 15. Jahrh., Bl. 1—23
rubr. , rote und grüne Anfangsb. , rote Überschriften, in ein be-
schriebenes Pergamentblatt (Theologisches des 14./ 15. Jahrhs.) ge-
heftet, dies wieder in ein starkes überspringendes Pergamentstück.
1. Nfr. Augustinerregel aus Biiderich bei Wesel. Anf. :
DJt fyn dyngen die wij gehkden to holden v die in cloeßeren gefat
fyn Sunderlifige falme holden den hant der mynen etc. Vorrede bis
Bl. 8': Ende dat hij in geen hecarijnge geleit en werde Amen. Es
folgt das Register der 20 Capitel, dann Bl. 8"^ eine 2. Vorrede:
WAnt geiioerfaemJieit een hegin ende een oerfproncJc is alles geeßeliken
guets etc. bis Bl. 9"^: ende to heet in oen herte heliailde möge fonder
vorgeteniße. (rot) Van der vißtacien dat irjle cap. etc. Cap. 20 Van
den laeten endigt Bl. 23^: dat fij kentelike onßicMighe vroelicJieit
fchuwen füllen Deo gracias. Et fic e finis. Bl. 24 leer. Vgl. oben
S. 43.
2. Bl. 25^^ — 3V: Nfr. Ordnung des capitulum culparum für
Nonnen. Anf.: [M)En fal eyns ter iveJce off the langeße tot xiiij
daghe Capitfel holden vä de gehrelce etc. Bl. 25—26 von Hand 2,
Bl. 26^ Z. 4 V. u.— 31^ von Hand 3, alle gleichzeitig. Schluß: nae
eyflynge der vurgaender aeuer tredlnge ende nageuollicMen teickenen
der penitencien. — Bl. 32 leer.
3. Bl. 33'" — 43"": Verschiedene Visitationsberichte aas Kloster
Büderich, Bl. 33^^— 34'- von 1613 und Bl. 42'-— 43^ von 1620, hd.,
von gleichzeitiger Hand; Bl. 35' — 42'": Berichte aus den Jahren
1488, 1491, 1493—1497, 1499, 1500 und 1505, ndrh., von einer Hand
des anf. 16. Jhrhs. —
In derselben Kapsel A 177 liegt noch ein ähnliches Heft,
4 Bl. Perg. 4^, 15. Jahrb., in Perg. geheftet, mit dem ordo in fuf-
cepcione fcimonialis gn pmü facre religionis habitü eß fufceptura.
A 194 (Dgen S. 88): Memorienbach des Klosters St. Anna zu
Kempen, enthält am Schlüsse die drei, von A. Birlinger, Ger-
mania 29 (1884) S. 409-411 mitgeteilten, nd. geistlichen Lieder
des endenden 15. Jahrhs.
A 199: Eine Lage von 4 Bl. Pap. in kl. 4^ 15. Jahrh.
Rubr., rote Überschriften u. Anfangsbachst. In Pappe geheftet.
Lat. u. ndrh. Recepte gegen die Krankheit des hl. Egidias (Epi-
lepsie?). Bl. V: Forma benedictiols ftip cibü et potü Pro laborantih^
Mittelniederdeutsche Handschriften: Düsseldorf. 61
infirmitate fei Egidij ablatis, lat. Bl. 1^ — S'": Forma Littere con-
cedende Jnfirmis qui laborant morho fancti Egidij ahhatis, lat. Bl. 3';
Alia forma hreuior danda infirmis fei egidij; lat. Bl. 3^ leer. Bl. 4':
Die fint Gillis IcreneMde haue eyn huyjfe = Übersetzung der kürzeren
Forma von Bl. 3^, ndrh. Anf. : Eyn ^nynfehe die fint gillis JcrencJctde
hait fal in den eirße eyns .ix. dage lanch na eyn ander alle dage
vunff pater nofler ind vimff aue maria fpreche . . . ind dat in fint gillis
Jcyrche offere so eren got^ dienß, 25 Z. Bl. 4^ leer.
A 206 (Ilgen S. 143): 129 Bl. Pap. in Folio, 15. Jh. 2. Hälfte,
rnbriciert, rote tlberscliriften, feste dicke Cursive. In neuerem
Pappbde. 1874 aus dem Setheschen Nachlass erworben.
Nd. Stad treckt von Cleve. Anf. Bl. 1': Juden naeme
des vaders . . . Arne. — Des rechtes lere geet voer alle lere etc. Nach
der Vorrede folgen die Artikel über die Wahl des Bürgermeisters
etc., dann die Eide. Schi, mit Absätzen Van wijn fijfe Bl. 129'* :
Soe wie enijch guedt infhiegh off ßapelden . . . ind die ander helffte den
pechteren off fijfener icj Amen.
A 229 (Ilgen S. 142): 6 Bl. und 2 in Bruchstücken erh. Bl.
Pap. in Fol., 15. Jahrb., ohne Einb. Bruchstück des alten
Aachener Stadtrechts, ndrh. Anf.: Van der ßede affife, dann:
VcL deme vait gedynge, Van den anderen dage so dyngen^ ey formet;
die letzten Abschnitte Bl. 6': Van hurgerschaffj Vä tvyffen^ Jtem
bis: Jnd antwert geue nae deme he ir momber teere. Bl. 7^: . . mä
de etj vr&uwe doit warp ] . . . nmundige Icynder quetsonge. Noch nicht
bei H. Loerscb, Aachener Rechtsdenkmäler aus dem 13., 14. und
15. Jahrb., Bonn 1871.
A 234 (Hgen S. 154): 135 Bl. Pap. (Bl. 1. 6. 7. 12. 13. 18. 19.
24. 25. 30. 31. 37. 42. 47. 48. 53 Perg.) in 4«. Bl. 1-53 besteht
aus Sexternen, deren inneres und äußeres Doppelblatt Pergament
ist; die Sexternen sind gezählt mit a — /*, doch ist Lage d (hinter
Bl. 24) völlig verloren gegangen, und von Lage h (hinter Bl. 12) sind
nur 2, an falscher Stelle eingeheftete Papierdoppelblätter (Bl. 38/39
u. 40/41) übrig geblieben. Bl. 54 if. sind regelmäßige Quaternionen,
Bl. 116 iF. Quinternen. Die Hände wechseln Bl. 55. 61. 116; Hand
1 ist von 1454. Die Wasserzeichen wechseln Bl. 54. 61 (Bl. 69 —
76 eine Lage mit anderm Wz.). 116. 126. Die ganze Hs. hat volle.
Eubricierung : Strichelchen, rote Anfangsbuchstaben und Über-
schriften, rot unterstrichene Wörter; Hand 1 hat die stärkste
Rubricierung, Hand 3 die schwächste. Zweispaltig (außer Bl. 55-
ß2 C. Borchling,
— 60); ca. 30 Z. In ein schadhaftes Stück starken (doppelten)
Pergaments gebunden, Rücken erneuert, dabei sind die losen Blätter
neu eingebunden.
Ndl. und nd. Legenden.
1. Bl. 1"— 53^*: Legende von St. Barbara, mnld. Anf.:
(rot) Hier heghint dat prologus vanden leuen en ßeruen der heiliger
ioncfrouwen En mertelerfclien [ante harharen. (schwarz) EEn deuote
eerharen mä gJiehare vä lioghen glwflechte enen 7nan van groeten doech-
den van meerre eerhaerheit etc. Bl. 8^* beg. das 1. Capitel. Bl. 12'
schließt im Cap. 2, nach einer Lücke folgen dann die beiden an-
einanderschließenden Bl. 40 u. 38 mit dem Schlüsse von Cap. 2
und dem Anfange von Cap. 3, sodann Bl. 39. 41 mit dem Schlüsse
von Cap. 5 und dem Anfange von Cap. 6. Wieder nach einer
Lücke schließen sich Bl. 13 — 24 (Lage c) mit dem Schlüsse von
Cap. 6 bis Cap. 9 Anf. an. Dann folgt die durch den Verlust der
Lage d entstandene große Lücke, wodurch Cap. 9 zweite Hälfte
bis Cap. 14 Anf. verloren gegangen sind. Erst von Bl. 25 an ist
dann der Rest der Legende vollständig erhalten. Bl. 29"^* endigt
das 16. und letzte Capitel, es folgen die Mirakel der Heiligen in
nicht gezählten Exempeln. Schi. Bl. 53": bgnen den feluen iaer
doe hi dit myrdkel predicten Deo gracias. (rot) Hier gaet wt die
hißorie des leuens der pafße en myrakelen der gloriofer ioncfrouwen
fante harbara der tnartelaerfche xpi. En it ivart geeyndt int iaer ans
heren Mcccc en liiij op fante ioJiänes auet als hi onthoeft wart, —
Bl. m^^ u. 54 leer.
2. Bl. 55'— 60^: (rot) Van fent Katerine heheringe. Mit
auffälliger Mischung des Dialekts. Anf.: BEnedijt fij got Die wt
fmre ouer vloediger myldiclieit en wt finre gewönliclier harmherticheit
will dat alle menfchen felich werden . . . die auch fine heiigen in man-
cJierlei winderliker wijfe to eme bekert efi mit nyen oppenbaryngen
roept hei fi in fijn tvünderliche lijecht etc. Schi. : dar mede men ge-
proift heft dat ß xpm lief heft geltaet als men vt oere legende oppen-
barlich merken mach, got fi geloft efielich en ömmer AMEN.
3. Bl. ßl'*— 84^*: Legenden und Exempel, östl. mnld. Anf.:
(rot) Hier begynt een [een] fimerlick exempel van een edelre ioncfrouwU
die hiet Sapienfya. Es folgen Exempel von der hl. Eugenia, der
Tochter des Eradyus, dem Wucherer in der Holle, u. ä., von St.
AUexius, St. fynfencyyus, St. Blasius, St. Vitus, St. Christoffel,
St. Christina, St. Justina, dann vermischte Exempla.
4. Bl. 85"— 95'^: Legende von Barlaam undJosaphat,
im selben Dialekt. Anf. : (rot) Hier heghynt een fchoen exempel. Toe
Mittelniederdeutsche Handschriften: Düsseldorf. 63
V
Juäea ivas een conynclc die Tuet Äuenier die veruolgden alle die crißen
lüde etc. Schi.: Aldus heuet die heilighe here funte Jofephat fynen
got lief ghehad houen al dynch Daer om heuet hem got ghegeuen fyn
ewyghe rych Bat ons allen . . . heilige geeß Amen.
5. Bl. 95"^^ (unmittelbar anschließend)— lOS""^: Weitere Legen-
den u. Exempel van fante Joriae, van teodera, von St. Marina,
eine sehr ausführliche Erzählung des Genoveva - Stoffes (Königin
V. Frankreich) mit langer geistlicher Ausdeutung, etc. Bl. 108^ leer.
6. Bl. lOO"**— 114^*: Die Geschichte von Joseph. Anf.:
van iofeph des patriarchen foen. JEat (1. Dat.) tvas (een) heilich pafri-
arche die Met iacoh die had xij foen dae^^ was een mede die iofeph
geheiten was etc. Schi. : dat om got foe feer verhoechden en foe grate
dyngen hy hem hede. Bl. 114'^ u. 115 leer.
7. Bl. lie--*— 134'-^: Leben der b. Christina Mirabilis
(t ca. 1224, vgl. Potthast ^U, S. 1242). Anf.: j?ier heghint dat
prologi^ in crißinen leuen die tvonderlick heit. WAnt ic der tveerder
ioncfrouwe crißinen leuen begheer en heghlnne te f er tue foe ivillic
anden heghinB mtjs iverhes neme dat felue dat die cer.fam hi/fcop en
cardinael Jacohus van defer ioncfrouwe vormaent in der legende die
hi ghemaect heuet vander faligher vrouwe mariö vä oegines^). . . . .
(Sp. b) Siet aldus als ic ghefproJce hebbe fcriuet van haer die eerfam
biffcop Jacob Ende ic omverdich brueder vander precJcer oerden om te
vrome en te ßichtighe Die ghene diet lefen füllen . . . foe (Bl. 116'*)
heb ic mit fimpelen plompen tvoerde haer leue befcreue etc. Schi. Bl.
133'*: die beflutinghe van defen boecJc. NV merche o menfche die dit
leeße hoe (Sp. b) vele wi fchuldich fijn , , . te loue en te iverdicheit
crißi Die mitten vader . . . ewelic ende ommermeer. AmeN, — Rest
der Hs. leer.
A 246 (llgen S. 164): Pap. in Folio, Sammelband des 16.— 17.
Jhs. in altem Pappbande. Innenseite des Vorderdeckels: Standeclc
Kempen, darunter: ex Donatione suprascripti Dni Standeck Spenrath
in Xanten (18. Jh.). Darunter endlich: Als Geschenk erJmlten vom
Herrn Ober Begierungs Bath Bitten in Aachen Friedr. Nettesheim.
1. Bl. l''— 47': Florilegium aus antiken lat. Autoren, nicht
über die erste Anlage hinausgekommen ; Bl. 1 — 7 geht ein aiphabet.
Register voran. Bl. 47' : Tabula nominum fictorum in Argenide (Sa-
tire auf Heinrich III v. Frankreich). Hand des endenden 16. Jhs.
1) Jacobus de Vitriaco, Vita b. Mariae Oigniacensis in Namurcensi Belgii
dioecesi (f 1213). Potthast ^ll, S. 1455.
54 C- Borchling,
2. Bl. 48^—49'': 3 Artikel über Pfändungen nae den Farwyefen
Rechten, 16. Jh. — Bl. 50'— 53' leer. — Bl. 53^—54': Halb ver-
löschte Federzeichnungen (clevischer ?) Familienwappen. — Bl. 55"^
— SG"": Privileg des Grafen Dietrich v. Cleve für die Stadt Cranen-
burg 1334, nd. — Bl. 57'— 59'; Anfang des Clevischen Stadtrechts,
Bl. 59 halb herausgerissen. — Bl. 60 leer. — Bl. 61'— 62' eine
2. Abschrift des Privilegs f. Cranenburg, Bl. 63' ein zweites der-
artiges Privileg Herzog Johanns von 1522. Bl. 63^—64^ leer.
3. Bl. 65—187: Nd. Clevisches Stadtrecht. Bd. 65'-67^
Register, Bl. 68 leer. Bl. 69 beg. das Stadtrecht mit der Vorrede :
Jn den naem des vaders . . . Amen. Des rechts leer geit voir all leer etc.
Mit der Feder gezeichnete rohe Initialen, schwarze Überschriften.
Eine jüngere Hand hat am Rande die Tituli gezählt und im Text
öfter corrigiert und ergänzt. Bl. 71 — 187 als iiij bis Cxx vom
Schreiber beziffert, Bl. 188 — 191 nachträglich als Cxxi — Cxxiiij.
Letzte Überschrift Bl. Cxvij^: Van vprichte daigenn, Schi. Bl. Cxx':
of die dan [echt, heer Rychter ghie helcent myn hedinghde wo irden,
Soe fidt gye [eggen, Jae ich Tzennes. Alles Folgende sind Ordonantien
und Privilegien für clevische und geldrische Empfänger (Klöster,
Ritterschaft etc.), von mehreren Händen des 16. u. 17. Jahrhs.
A 247 (Ilgen S. 164): 327 Bl. Pap. in Fol., Ende 16. Jahrhs.
In ramponiertem Pappbande. Vorsetzblatt: Donum Dni Napoleonis
WeinJmgen Juris considti J, Mooren. — GeschenJc des Herrn Pfarrers
Dr, Mooren F. Nettesheim. Bl. 1': Ex lihris Gerhardt Grondt Con^
sulis Calcariensis.
1. Bl. 1'— 44^: Nd. Weseler Stadtrecht, mit dem lat.
Privileg Graf Dietrichs von Cleve von 1277 beg. Es endigt mit
einer Urkunde Graf Adolfs II von Cleve von 1446. Bl. 45 f.
übersprungen.
2. Bl. 47' — 149': de Rechten der Stat van Cleue, beginnt
mit der Vorrede. Schi, im Artikel Van wyn fyse: Jnd dye ander
helffte den j^ecJiferen off Sifener iCy — Bl. 149^ leer.
3. Bl. 150' — 180': die Rechten Jnd priuilegien der Keif er
vrier ftatt Galle er. Anf. : Wy Scheepen van Calker doen hundt etc.
160 von späterer Hand gezählte Artikel. Bl. 168^—178': Jtem die
vifchrift der Priuilegien van Catcher (1368ff.). Bl. 178^—180': Bitt
fin vtgemefde Ordelen der Stat Catcher. Schi. : Jt{ een hehleege' mach
den anderen heclaeg^ . . . dan hy van alfulcher Caech^ mitt Recht winnen
mach. — Bl. 180^ leer, Bl. 181—182 übersprungen.
4. Bl. 183 bis zum Schluß der Hs. sind von einer 2. Hand
des beg. 17. Jhs. geschrieben, zeigen anderes Papier und haben
I
Mittelniederdeutsche Handschriften: Düsseldorf. ^ 65
offenbar früher eine Hs. für sich gebildet. Sie enthalten Ordi-
nantien, Traetate etc. für die Grafschaften Greldern und Züt-
phen. Bl. 212'^ff. auch Biuerfche Beeiden Vfantien ende ander her-
gebrachte Coußumen für Grafschaft und Stadt Zütphen.
A 248 (Ilgen S. 164): ni + 322 Bl. Pap. in Folio. Der Band
zerfällt in drei, ursprünglich selbständige Teile : A) Bl. 1 — 102 bildet
den jüngsten Teil, mit vermischten ndrh. Rechten des endenden
16. u. des 17. Jahrhs. B) Bl. 103—291 sind von alter Hand foliiert
als 1 — 192; dies Mittelstück des Bandes stammt aus Nymwegen,
sein Inhalt besteht ausschließlich aus Eechten für Nymwegen und
seine Umgebung. 2. Hälfte 15. — 2. Hälfte 16. Jahrhs. Bl. 291^
von einer Hand des anf. 16. Jahrhs : An xxij laten hyn^ g) Joiß vä
iMndwich C) Bl. 292—322: vom Ende des 15. Jahrhs., auf ßees
bezüglich. Stück A und C sind mit zahlreichen Blättern groben
Papiers durchschossen. In altem Schweinslederband. Aus F. Nettes-
heims Nachlaß, früher Oberregierungsrat Eitz in Aachen.
A. 1. Bl. l' — 19^ (von mehreren Händen des 17. u. 16. Jahrhs.):
Zutphenfche L ehe nr echten. Bl. 27 — 30: Overijsselsche Acten
des 17. Jahrhs.
2. Bl. 35'-- 76^: Ndrh. Deichrechte. Bl. 35^—37^: Friui-
legium der dicken Herzog Johanns v. Cleve 1493. — Bl. 37^ — 50':
DicJcordnungh der Xenterfcher vnd andern Schouiven an heulen fyden
Bienßroems von 1575, mit 2 kurzen Anhängen ähnlicher Art de
1560 u. 1580. JEx Cancellaria Clüienß. — Bl. 51^—76^: Betuwsche
u. a. niederländ. Deichrechte 1484. 1549 etc. Alles von einer Hand
des ausgeh. 16. Jhs.
3. 61.78"" — 79'': Tivaeter Bechtj tvoemen einen Werdt wynnen
off heuahren fall. — Bl. 79"^ — 81^: Extract über Wasserrecht, aus
einem alten Register der Kammer zu Arnhem (2 verschiedene
Hände vom Ende 16. Jhs.). — Bl. 85'': Verzeichnus tvie off^t der Rhin
die Vber vnd vnder Buderifche dicken dtirch gelauffen, 1551 — 1573
(von der Hand von Bl. 780-
4. Bl. 98'' — 100^: Acten und Urkunden zur Huldigung der
Grafschaften Geldern und Zütphen für Kaiser Karl V 1543/44
(Ende 16. Jahrh.).
B. 1. Bl. 103'-— 20P: Nymwegische Rechte. Anf. Bl.
HO' (mit einer sehr charakteristischen Haupthand, Canzleischrift
der Mitte bis 2. Hälfte 16. Jahrhs.): Bit is hoenien te Nymegen een
Erffhuys mit Becht opdingen fall. Bl. 127"^: Die eendracht ende ge-
loiffte van Simter Claes gilde. Bl. 178'*: Lantrecht van Nederbetu.
Bl. 184*" — 201^: Großer Nachtrag einer 2. Hand: Erbvertrag zwischen
Kgl, Ges. d. Wiss. Nachrichten. Philolog.-hist. Klasse. 1913. Beiheft. 5
ßß C. Borchling,
Geldern und Cleve 1532. Endlich Bl. 103'^— 109^': Nachtrag einer
Hand vom Ende des 16. Jahrh., ad 1543/44. Bl. 103 ff. gehören,
wie der Wasserzeichenwechsel bei Bl. 103 beweist, zu B.
2. Bl. 202'-— 209^ (Hand des 15. Jhs.): Die Rechten Jiantveßen,
priuilegien, vrijheiden . . . van Onerhetutve (1423. 1445. 1327. 1364.
1383. 1403). Bl. 208^—209'^ leer.
3. Bl. 210''— 232^: Das neue Stadtrecht von Nymwegen
von 1447. Reinschrift einer Canzleihand der 1. Hälfte 16. Jhs.,
mit roter Überschrift u. Anfangsinitiale. Auf das Stadtrecht folgen
Anhänge von 1449 — 1498; dann verschiedene Verträge etc. von
derselben Hand in etwas größerer Schrift Bl. 218^ — 231'.
4. Bl. 233^—255' (stark cursive Hand des ausgeh. 15. Jhs.):
Privilegien und Statuten u. ä. von Tiel u. Zandwijck 1410 ff.
(Niederbetuwe).
5. Bl. 256'^— 273^' (Hand des 15. Jh., ruhigere Hand): Com-
promiß zwischen dem Herzog v. Geldern und der Stadt Nymwegen
1458 (Schriftwechsel).
6. Bl. 274^^—291^ (Hand des 15. Jhs., der Buchschrift sich
nähernd): Gehreice mijns lieuen JoncJm he ten Berge en ten Bylant,
1444. Schriftwechsel zwischen ihm und Herzog Arnold v. Geldern.
C. Bl. 292»^— 307^ (Hand des ausgeh. 15. Jahrhs.; Bl. 292—299
leer): Nd. Stadtrecht von Rees von 1473. Anf. Bl. 300': TO
tvetten So die Stat van Rey/f myt den Ampi vä Afpel ind anden
panden vanden Eiriceirdigen Jn Gaide Ertsbiffcop van Colne ind
fijne Capittell an die cleefffche herB verfat ind verpandt tvorden iß etc.
Schi.: Jtem wantet eyn ald herJcomC is ind nie oicJc nye vername heiß
dat eyn hurg' to Bey/I fyn hurg'fchapp vpgefacht heiß . . . geyna borg*-
rechte off vrijheit voirtmi moige genyete off gehruyclcö, Bl. 308' leer.
Bl. 308^ — 312^ sehr eng geschriebene Nachträge vom Ende des
15. Jahrhs., auf Rees und Aspel bezüglich; Bl. 310' — 311^ von
Hand 1, Bl. 308^ u. 309'-'' von einer zweiten, und Bl. 312'-^^ von
einer dritten Hand.
A 269: 555 Bl. Pap. in Folio, geschrieben von Johannes
Egerweiß Cliuenfis zu Cleve 1614/15. In neuerem Halbleder-
band. Vorbesitzer : Dr. Duiff huiß (18. Jh.), Rechtsanwalt Justizrat
Junik zu Cleve bis 1888.
Sammlung ndrh. Stadtrechte in guter Canzleischrift,
rubriciert, mit roten Überschriften und mit sorgsam ausgemalten
Titelblättern, Wappen und Anfangsinitiale vor jedem Einzelrechte.
Die Stücke sind einzeln foliiert, zwischen den einzelnen Stücken
viele leere Blätter.
Mittelniederdeutsche Handschriften: Düsseldorf. 67
1. Clevisches Stadtrecht, geschrieben 1614, auf 200 Bl.
Voraus geht das große Privileg Graf Adolfs von 1368 (5 Bl.) und
ein alphabetisches Register |(7 Bl.). Dann erst beg. die Vorrede
des Stadtrechts. Mit vielen Zusätzen am Ende. Bl. 176^ folgt
die Deichordnung Herzog Wilhelms von 1575, Bl. 188^ das alte
Deichrecht von 1364, Bl. 19V ein Privileg von 1418. Bl. 195—
200 leer.
2. Weseler Stadtrecht, geschrieben 1615, 27 Bl. Es beg.
mit dem Privileg des Grafen Dietrich v. Cleve de 1277 und schließt
mit der Confirmation Herzog Johanns II von 1522. Bl. 27'-^
Kachtrag einer 2. Hand de 1663.
3. Calcarer Stadtrecht, geschr. 1614, 44 Bl. Anf.: Wei
Scepene toe Kalker Tügen apenbairlich dat die Stadt vnd Buirgere
tho Jcalker geuriet fein etc. Schi. Bl. 38^' mit: Der poirtere Eidt.
Angehängt hat der Schreiber Bl. 38^ — 44"^: die Rechten des taten
hoeffs to Hanfeier.
4. Emmericher Stadtrecht, geschr. 1614, 44 Bl. Anf.:
Van voirmunderfcap, Wei Wyfen voir Recht etc. Bl. 26'' — 30"^ la-
teinisch. Schließt mit dem Absätze: Van dat water vnd Toll. Bl.
41^ — 43^ ist ein Edict Karls V von 1521 van dem Regimet ^u
Nureberg angehängt. Bl. 44 leer.
5. Beeser Stadtrecht, geschr. 1615, 33 Bl. Anf.: Aldus
"iß vns ankörnen van vnfen voirvaderen, dat niemant hynnen Reeß
tvonen enfall etc. Schließt mit einem langen Stücke (Bl. 26"^ — 33^) :
Hier volgen ein deill rechten der Stadt van Nuyß , Xancten vnd
Reeß etc.
6. Vermischte ndrh. Eechte u. Privilegien, geschr. 1615, 76 Bl.,
ohne Titel: a) Laien Rechten des Stifts zu Xanten von 1463,
in 60 Cap.; b) Bl. 13^: Van Thiens Rechten; c) Bl. 18^ Sümige
Funden van den Leen Rechten; d) Bl. 30"^: Zutphensche Lehn-
rechte, die 1546 in Gelderland eingeführt worden sind ; e) Bl. 37^ :
die Water Rechten; f) Bl. 42'^: Ordinanz Herzog Adolfs v. Cleve
1431 : Van Verpachtügh der Warden ; g) Bl. 46^ : Ordinanzen Herzog
Johanns von Cleve 1507 u. 1508; h) Bl. 52: Extrackt vt dem Priui-
legiums hrieffen fo der Ritter fchafft gegeue, 1510; i) Bl. 55'": Verboint
der tweer Lanfheren van Gelre vnd van Cleue, gefcheit Anno 1423;
k) Bl. 63^^: Tractat zwischen Kaiser Karl V u. Herzog Wilhelm
V. Cleve 1543, lat., Bl. 69^ ein 2. Tractat derselben von 1544, nd.,
bis Bl. 76^. Angehängt von der 2. Hand: Kaiserliche Edicte für
Cleve von 1546 u. 1580, bis Bl. 79^. Nach 4 leeren Bl. noch eine
Seite von Hand 2 : Edictum de non arrestando Colonienses des Großen
Kurfürsten de 1652 9. Dec.
5*
68 C. Borchling,
7. Gedruckte Bilderchronik der Grafen und Herzöge
von Cleve, von Helias bis Johann II (f 1521). Druck des 16.
Jhs., einseitig bedruckte Bl. 18 Doppelbl. Fol.
A 270: 811 S. Pap. in Fol., 16. Jh. Im Schweinslederbande
des 17. Jhs. Aus Sethes Nachlaß 1888 ins St.-A. gekommen.
Sammelband ndrh. Stadtrechte, z. T. aus einer
älteren Hs. des Gerardus de Else von 1421 abgeschrieben, vgl.
Bl. 1': Anno 1A.21 Gerardus De Else filius Stephani de Else pro
tempore Scabin^ et Secretari^ Emhricenfis Compilauit prefente lihrum
vti ipfemet atteßatur magna fide et diligentia (Hand aus dem Anf.
d. 16. Jhs.). Auf einem Vorsetzbl. hat eine Hand des 18. Jhs. ein
Inhaltsverzeichnis des Bandes eingetragen, das 29 Stück aufzählt.
Für uns kommen in Betracht:
1. S. 1 — 64: Rechte n. Privilegien der Stadt Emme-
rich. S. 1 — 10: ältere lat. Privilegien. — S. 11 — 13: Clevische
Ordinanz von 1464 über die Beginen- und Schwesternhäuser, nd.
— S. 14 — 64: Städtische Rechte, beg. mit dem Privileg Graf Ottos
V. Zütphen 1233, das Emmerich Stadtrecht verlieb. (S. 22 oben
Randnotiz des Schreibers: Ex Ehehoick collectü per me G. Hop).
Eine durchgehende Ordnung vermag ich aber in diesen Rechten
nicht zu erkennen. Schluß : Ji{ den hijnne biirgher fal die een den
anden voldoen . . ind als dan antwort tho geue.
2. S. 65—66: Der Statt Kalclers rechten, Anf.: Van
deijlinghen in to hrenghen dat ivijt gefocrt ijs . . i'oir die claghe ijs
lijjf vnd guet verbanden.
3. S. 67—86: Weitere Punkte aus dem Rechte der Stadt
Emmerich. Anf.: Dit nabefclireuen is vanden marcktolle tot Emerick
etc., schließt mit einer Constitution Herzog Wilhelms v. Cleve von
1540 (von ders. Hand nachgetragen).
4. S. 87 — 94: Forme ind ordeninghe deß hochgericlds bijnne Nuijß.
5. S. 94— 103: Priuilegia et Jura Ciuitatis Beefß. Anf.:
Jtem wie een burgher ivurdt fall ald<) fwere etc. Hinter S. 96 eine
Lücke, S. 97 — 98 leer. Schi. : Jnd an^ fcheemel frouwe perfone die
des niet gedoin en JcundB falme des guetUcJc vertrag^.
6. S. 105 — 139: Jura et plebifcita oppidi Embricenfis
fecundum morem Zutphanienfium. Dijt fijnt d' Stat rechten
van Zutphe. Wij wijfen voir recht daer een hijnt alfo verßoruen is
etc. Dieser Abschnitt hat rot unterstrichene Überschriften. Schi. :
Van wijne to tappen . . . bij hem feine wijn in te tappe Als hem nut
iveer brengt.
Mittelniederdeutsche Handschriften : Düsseldorf. 69
7. S. 140-154: Weitere Zütphensche Rechte. S. 139 unten:
Sequentia defcrlpta funt ex Hb : U. Smyt quödam Emhr : secretarij, que
cömoclofe mihi dedit Andreas Jferd. cognatus A^ 1554 (eine Hand,
die öfter älinliehe Randnotizen hinzugefügt hat).
8. S. 155—201: Nochmal ein Emmericher Stadtrecht;
Defcripta ex lihro dT^ Beniardi ab Horß quödam ptoris Embric:
(Hand wie S. 139). Es fängt wieder mit dem lat. Privileg Grraf
Ottos V. Geldern de 1233 an, dann dasselbe deutsch, ein Absatz über
die weltlichen Herren der Stadt (Herzog Adolf II [1417—1448] als
jetziger Herrscher bez. !), Juramentü extranei etc. S. 177 Münz-
angaben Ex lib.^ Gerhardi Hop. S. 180 leer, Lücke; ebenso S. 187
— 188 (neu eingeschobenes Bl.) leet, Lücke. S. 193 — 194 Einschub
von 1582. Schi. : Jt{^ Axsiijfen dije deße vurg^ puncto beruerende ßjnne
fall dije Stat dijt Jaer dair nae verpaGht{ off aen fich beJiail^ ind laet{
bediene om reedelijck loe,
9. S. 205 — 244: Punkte aus dem Clevischen Lehnrecht, de
1457 ff.
10. S. 248—256: Münzwerte.
11. S. 259 — 263: Aus dem Zütphenschen Lehnrecht, Bericht
von 1545; mit dem Nachtrag einer 2. Hand de 1598, bis S. 269.
Endlich S. 269-274: Extrad vith Z{ Hern Adolphs Cloffen F. Gle-
uifc\ Hern Secretarien gefchreuenen Titiäaerboiche (Hand 3). — S.
275—286 leer.
Damit endigt der erste Bestandteil unserer Hs., der erst im
17. oder 18. Jh. mit dem folgenden zusammengebunden worden
ist, und sich schon äußerlich dadurch abhebt, daß er unten 5 mm
über den Rand der übrigen Hs. hervorragt. Der 2. Teil des Bandes
ist zum größten Teil von einer charakteristischen Canzleihand der
2. Hälfte des 16. Jhs. geschrieben.
12. S. 287-^44: Nd. Clevisches Stadtrecht. Voran-
gehen 4 leere Bl. (S. 287—294) und S. 295—300 ein Register von
jüngerer Hand, das 302 Artikel zählt. Im Text ist diese Artikel-
zählung erst von dieser Hand nachgetragen. Das Stadtrecht be-
ginnt S. 301 mit dem Privileg Graf Adolfs I von 1363 (das hier
S. 306 fälschlich ins J. 1370 gesetzt wird) = Titel 1-14, den
Confirmationen Herzog Adolfs II von 1394 (hier falsch 1390 !) und
Herzog Johanns von 1522 = Titel 15 — 16. Dann geht es S. 308
gleich mit dem 1. Artikel des Stadtrechts Van den Jcoir dagh weiter,
es fehlt also die Vorrede. Schi, mit dem Artikel: Wat den huyß
to behort (302) . . . fo if hy plichtich de vercoper vann nutticheit deß
dinghs. — S. 445—448 leer. S. 449—438: Ordinanzen Herzog Je-
70 C. Borchling,
hanns von 1507. 1508. 1510, u. Herzog- Wilhelms von 1551, alle
über geistliche Angelegenheiten.
13. S. 469—566: Nd. Calcarer Stadtrecht. Vorangehen
anf S. 469 — 480 Nachträge einer etwas jüngeren Hand, Ordnungen
von 1584. 1562 u. 1595 f., Calcar betre£Pend, S. 491 f.: Civitatis
Calcariensis Descriptio ex Theatro vrbium Georgij Brauni Agrip-
pinatis AnN^ 1576 u. S. 493 — 496 ein Register zum Stadtrecht in
226 Artikeln. Die Hände wie bei 12) verteilt. Der Text beg.
S. 497: Wy Schepenn vann Kalcker äoin Jcondt etc. Schi. S. 565
mit dem 219. Artikel: Van die Verenygingh her Butgers vanden
hoetzelers Bytter vnnd Der Stadt van ha(l)cker, von 1351. S. 566 — 577
Nachträge der 2. Hand (1548-1578). — S. 578—582 leer.
14. S. 583—593: Nd. Stadtrecht von Groch, in 37 Ar-
tikeln. Anf.: Menn fall hynne der Stadt vann Goch helmluenn die
gemeinne gericMss daglw etc. bis: Molldiclc. Jtem tho Moldiclc op
onfer L. frowenn dagh purificationis, — S. 594 — 598 leer.
15. S. 599-607: Rechte und Privilegien der Stadt
und Grafschaft Zütphen. S. 609—677: Dyt fynt die Stadt
rechtten Van Zutphen vnd van Emmericli. Anf.: Wy tviefenn voir
recht, dair eynn ländt alfo verftoruenn iß etc. Von S. 648 ab von
einer 2. Hand geschrieben. S. 679 — 690 Nachträge einer 3. Hand
über Zütphensches Lehnrecht.
16. S. 698—770: Verschiedene Latenrechte:
a) S. 698 — 711: die laethen rechtten des haues to h anf fei er
in 26 Artt. (Hand 1). Vorangehen S. 698—699 2 clevische Schrift-
stücke in Latensachen 1551—52, S. 700 ein Register (Hände wie
oben); S. 701 beg. das Latenrecht.
b) S. 712—716: Ordinanz Graf Adolfs von 1431 (Hand 1).
c) S. 717 — 727: Die Verhandlungen über die Einführung des
Xantener Latenrechts im ganzen Herzogtum Cleve 1551 (Hand 2).
— S. 728—732 leer.
d) S. 733 — 770: Das Latenrecht des Bischofshofes zu Xanten
(Hand 1). Dijt boicJc iß eynn Copie vandenn recJittf^ vnnd gude aide
gewointt(^ deß Biffohops haeueß vnnd iß genome vit der Copienn dnir
dat nye laethenn hoick vit gefcherue^^^ iß, indenn iair onfes herenn
Duyffent vyer hondert dry ind tfeßich, S. 733 — 743 Register von
Hand 1; S. 744 Titel, S. 745 Anf: Jn denn name . . . So alfmc in-
denn aldenn hißorie, die vann tverdenn fynn etc. 60 Capitel, voll-
ständig.
e) S. 775—783: Rechte des Zinsherrn (Hand 1).
17. S. 787—806: (Hand 2) Dyckordmtngh Herzog Wilhelms
V. Cleve von 1575.
Mittelniederdeutsche Handschriften: Düsseldorf. 71
18. S. 807 — 811 : Weer eenen ivaerdt tvynnen vnnd befkairen
ivyll (vgl. oben A 248, A. 3), Hand 2 mit einem Nachtrage der
Hand, die vorn in der Hs. das Inhalts Verzeichnis eingetragen hat ;
sie schließt: Geäaen tot EmmericJv den 10 Juriij 1641.
A 2 71: 180 Bl. Pap. in Fol., 75 davon sind leer. 17. Jahrh.,
im Original - Schweinslederbande mit dem aufgedruckten Titel:
UECHTEN DER STADT CLEVE, Die beiden Messingscbließen
abgerissen. Früher im Besitz von J. Moren (Bl. 1^'), seit 1888 im
St.-A.
Nd. clevisches Stadtrecht, 1691 in einer ganz altertüm-
lichen, druckähnlichen Buchschrift geschrieben, auf 170 bezifferten
SS. Seitenzahlen und die Zählung der Tituli sind mit roter Tinte
hinzugefügt. Vorangeht auf 11 Bl. ein alphabetisches Register
in gewöhnlicher Schrift. Das Stadtrecht beginnt mit der Vorrede:
Jn den naeme . . Deß Rechtes Leere geijt voir alle leere etc. ; in der
Initiale J die Jahreszahl 1691. Schluß mit dem 277. Tit.: Van
den Eedt des Gaßhuyffmeyßers. Anhänge : a) 7 Bl. : Verzeichnis
der Gerichte des Fürstentums Cleve und ihres RechtsgangeS;
b) 2 Bl. : Regulirung Einiger Erbtheihmgs-Puncten, 17. Jh.
A 273: 54 Bl. Pap. in Folio, Anf. 17. Jhs., in Schweinsleder-
band. Aus der Setheschen Sammlung 1888.
Nd. Stadtrecht von Calcar. Bl. 1^—6'^ Register, Bl.
6''ff., foliiert als 1 — 45, der Text des Stadtrechts, anf.: Wy Scliepen
to Calcar tuigen apentlicli etc. Bl. 35^ als 198. Artikel: Der poerter
Eedt, dann: Hierna folget een veranderongh fommigcr puncten vnd
penen der Statt Rechten ende Priuilegien van Ccdcar, von 1470, die
Punkte dieser Revision gezählt als Art. 200 — 218. Es folgen
weitere Anhänge, der letzte: Dat die hirger van Calcar van S.
Stephens daghen bis na Nie Jairstagh füllen nirgentsi reifen dan mith
orloff des Burgermeißers vmb den Eimer tdoen eindrechtlich , von
1521. — Bl. 45' ff. sind auf 5 unbez. Bl. die Rechten deß Laien
haues tho Ha n fei er angehängt.
A 274: ca. 230 Bl. Pap. in Folio, alles von einer Hand des
ausgeh. 16. oder anf. 17. Jahrhs. In ein starkes Pergamentblatt
gebunden. Aus der Setheschen Sammlung 1888.
1. Nd. clevisches Stadtrecht nebst Privilegien. 4 Bl.
Register und 79 gez. Bl. Text, das Format dieses Stückes ist
etwas kleiner als das der übrigen Hs. Dem Texte gehen auf Bl.
1' ff. voran : das Privileg Graf Adolfs I von 1368, die Confirmation
Graf Adolfs II von 1394 und Bl. 4' der Absatz über die Ent-
72 C. Borchling,
stehung des Stadtrechts: Want dan die Stadt ind dye Burgere van
Cleefe fnälegiert vnd gefryet fyn ... Soe fyn . . , , in defen Buexhen
tofamme vergadert vnd gefchreiien dat eyn punct nae dem anden fö-
mighe verTdaringhe van eyn deel punten vth den Priiiilegien end
liandtueißen vurß. genoemen vnd andere verhaeren Stadt rechten^ vnd
guide aelde gewointen vnd vort Ordinätien vnd Conßitutien .... Vnd
ivant nha den Priui (Bl. 4^) legten vnd handtueßen vurß, dye gefwaren
tertijt der Stadt van Cleue macht hehben die fömigen cößitutien tho
verwandelen^ toe mereren off tho myneren tlwt mit vnd oerhar der
Stadt vnd der Burgere vurß. na gelegenlieit der tijt, Soe is dit huxken
formiert myt beeden [lies hreden] Spacien vnib dye vernyenge, verwan-
delinghe vnd verldaringe daer hauen to fchryue vnd tho fetten wonen
man yet nutters ind oerherlix tJiot hehoif der Stadt vnd der Burg\^
vurß, vynden ^nachten. Dann erst folgt die Vorrede des Stadtrechts :
Der rechten leer glieedt voir allen leren etc. Am Ende ist das
Stadtrecht unvollständig; Bl. 79' Mitte hört die Haupthand auf
mit dem Absatz: Js Jmant Borge vur den myeder . . . vur den
Burgermeißern. Die 10 folgenden Absätze auf Bl. 79'~^ sind von
einer 2. Hand nachgetragen: Coipt yemant eynen Acker . . . dair
ain en iver hie nyet fchuldich. Eine spätere Hand hat am Ende
von Bl. 79^ notiert : Nota qiiod hie plus quam medietas librj de fit.
2. Cöln er Stadtrecht von 1437, ndrh., 51 Bl. Anf. : Rechten
der Stat Collen. Jn namen der hilliger vnd vnuerdeilder Briuol-
dicheit Anienn, Wir Burgermeißer vnd Baith der Stadt Collen doin
Jcundt tj20 ewiger gedechtnuffen etc. Die Überschriften hier mit
einer viel dickeren Feder geschrieben als in 1). Schi, in dem Ab-
schnitte : Bit fyn die aide ge fetze Vnfer vurvaderen vmh zo verhueden
dat die tverentliche Eruen Jn die Geißliche hende niet koemen, mit
den Worten: Welch auerdrach gefchach Jm Jaere Vnfers heren
1525 des an^ dages na S, Remeiß dage des hillig(^ Biffchopfs.
3. a) Bl. 1' — lO': Rechten des Biffchops haues tho Xancten;
60 Cap.
b) Bl. 10^—24^ : Rescripte u. Acten betr. die Einführung des
Xantenschen Latenrechtes auf allen Latenhöfen des Herzogtums
Cleve 1565.
c) Bl. 26' — 32': Ordnung der Beuelhehhere auf den herzogl.
Gütern, am Ende unvollständig. — Hinter diesem Stücke liegen
lose 5 Bl. mit Extracten aus dem Urteilsbuche der Stadt
Cleve von 1582. 1584, von anderer Hand.
4. a) BL 1'— 21^: Weseler Stadtrecht nd., mit dem Pri-
vileg Grraf Dietrichs v. Cleve von 1277 beg., mit dem Bericht über
die Confirmation durch Herzog Johann 1522 schließend. Bl. 19' —
Mittelniederdeutsche Handschriften: Düsseldorf. 73
21^ sind dann noch einige ältere Privilegien von 1369. 1386. 1460.
1408. 1358 nachgetragen. Bl. 22—24 leer.
b) ßl. 25'— 32': Befe nafolgende puncten heltmen tho Dort-
munde vur Beeilt, Anf. : Man of Wyff die tofamen Jn echtfchap
fitten etc. Schi.: Eyn Recht is Jn Vnfer Stadt, Hed ein frouiv of
ein Man ßch feiner gehange . . . dat feit vp die rechte eruen.
5. Stadtrecht von Rees: Frivilegia et Jura Ciuitatis
Eeffenßs, 12 ungez. Bl. von etwas kleinerem Format. Anf. : Den
eidt tüie eyn borger ivordt etc. Schi. : Ghein Frouwen perfonenn fidlen
vp die tvaecJc gaen . . . f ahnen des guitlich verdragy.
A 304: 24 Bl. (Bl. 2— 18fol. als 17—33), Bl. 1—18 u. 24 von
Hand 1, Bl. 19—23 von Hand 2. 4P. 1600. Ohne Einband.
Bruchstück des Erkelenz er Stadtrechts in jüngerer
Überarbeitung, ndrh. Bl. 1^*: Jn die fem Biichle findt befindlich et-
liche dencJctvurtige obferuationes vnnd rechten, tvie in der Stadt ErcJc-
letz gehalten, mehrntheils durch Gerardum Goeln Procuratorn dafelbß
aiiß einem andern Buchlein fo fehr incorrect gefchrieben abcopijrt vnd
funß ivas er felbß erfahrn darmi gefetztt 1600. — Jn manihus Do-
mini fortes mew. Gerardiis Goeln fß, mpr. vnd gleich Jchs vor mich
verwahrt vnd gefchrieben alfo begere das meine nakomelingen es auch
vor fleh allein behalten ivollen. Bl. l'~^ u. 24'^""' Nachträge. Bl. 2
(= 17)'^ beg. mit einem Absatz über Chumber: Jtem iver to vnrecht
einen Chumber Iheidt vnd dat ßch jm rechten befindt, dat jß vp vimff
mr. Es folgen die Absätze: Von befattungh, Vann Beßandtt Rechtt,
Rechtt van fremhdenn leuthen vnnd vann Gleide etc. Bl. 1 — 16 mit
dem Anfange des Rechts sind also verloren. Bl. 18 (33)^ schließt
mit dem Absätze: Von heilig shonden vnnd andern geteugenn. Bl.
19"^ (Hand 2) beg. ohne Überschrift in einem Absatz über den
Pötten. (Absatz vom Boten schon Bl. 16 [31]'-^). Schluß Bl.
23^: Jtem ob einigh vnfer bürg gefochten hette, vnd tho fein broecJce
verborgen, hmdt tho beteren, als vnfere Scheffen wißen, das rechtt tvere.
Abteilung B des Kgl. Staatsarchivs.
Aus dieser Abteilung, die die hsL Urkundenbücher und Car-_
tulare enthält, habe ich hier nur zwei Nummern zu nennen:
B 4IV2: Cartular der Jülich-Bergischen Landstände, 829 Bl.
Pap. in Eolio, geschrieben um 1590, aus dem Archiv der Bergischen
Landstände. Darin auf ßl. 753'" — 758'', vom Schreiber des ganzen
Bandes in abgesetzten Zeilen schön geschrieben, ein ndrh. histo-
risches Gredicht über die Gründung der Abtei Altenberg. Nach
dieser Hs. (und einer zweiten Abschrift des Gredichts im 2, Bande
74 C. Borchling,
von B 41 V2 [einem Doplicat von Bd. 1], Bl. eßS"-— 669') abgedruckt
von Harleß, Zeitschr. d. Bergischen Greschichtsv. Bd. 9 (N. F. 1),
1876, S. 73—80. Vgl. Ilgen S. 59.
B 192 (Ilgen S. 30 f.): „Sammarische Auszüge aus den Re-
gisterbüchem (registris causarum) der Herzöge von Cleve bis 1551,
gefertigt von Eath Johan Louwerman und von dessen gleich-
namigem Sohne im Juni 1599 dem Herzoge Johann Wilhelm prae-
sentirt". 48 Bl. Folio in dünnem Pergamentumschlage, nd. Bl. 1'
trägt lat. Titel und Widmung von der Hand des jüngeren L., Bl. l'^
beginnen die Auszüge von der Hand des älteren L. : Anno dnj 1238
Ein verdrach gemacht tufchen Greff Ott van Gelre vnd den proiß
DecJcen vnd Capittel tot Emerick etc. Hinter jeder Notiz ist Nr.
und Folio des Registerbandes vermerkt; läßt man diese Beleg-
stellen weg, so hat man eine knappe annalistische Aufzeichnung
vor sich. Schluß Bl. 46^
Aus den Akten des Kgl. Staatsarchivs sind ebenfalls ein paar
Nummern kurz zu nennen:
Sign. Acten 143, Abtei Altenberg: Ein hd. Auszug aus
Levold V. NorthoiFs Märkischer Chronik, Auß dem Lateinifchen
Exemplar fürnemlich was gedenchwirdigs dj Landt von d-* March
rnnd die Stadt Herne betroffen. Jim guet teittfch bracht Durch IT,
Kurtz, Bechemeißer. 23 Bl. Pap. in 4°, 17. Jahrh. Ohne Zusam-
menhang mit Vemes nd. Übersetzung.
Sign. Cleve Mark. — Landesbezirke u. herrschaftl. Häuser.
Nr. 24: An erster Stelle eine den oben erwähnten „Summarischen
Auszügen" ähnliche Compilation J. C. Louwermans. Es sind
ausführliche Auszüge aus Greert v. d. Schuerens Clevischer Chronik
und aus alten Registerbüchern über Kaiserswerth, de 1293—1464,
nd. 22 gez. und 6 ungez. Bl. Pap. in Folio; die letzten 6 unbez.
Bl. betreffen ausschließlich Verhandlungen zwischen Cleve und
dem Erzbischof von Cöln 1439. Überall hat Louwermann, wie
in B 192, mit peinlicher Genauigkeit die Quellen der Auszüge
angegeben. Mit Randzusätzen einer 2. Hand.
Aus einer Akte des Kgl. Staatsarchivs stammt endlich auch
das kurze nd. Schelmenlied des 15. Jahrhs., das Pater v. Loe
in seinen Beiträgen zur Gesch. des Niederrh. (= Jahrb. des Düssel-
dorfer Gesch.- Vereins Bd. 11) 1897, S. 101 mitgeteilt hat. Vgl.
auch Nd. Korrespondenzbl, Heft 19 (1896/7) S. 3 f. u. 19 f.
Sign. Kurköln Acten Stadt Köln b./Hobes Gericht: Nr. 1:
Mittelniederdeutsche Handschriften: Düsseldorf. 75
Statu ijen von 1437 und Weis tum des hohen Grerichts (Mit-
teilung Ilgens).
Aus der Fragmenfen-Sammlung des Kgt. Staatsarchivs.
A. Mappe in groß-4^, mit „Bruchstücken alter Ma-
nuskripte (15 Piecen)"; sie enthält u. a. :
1. Die von A. Birlinger, Germania 15 (1870) 8. 360 — 364
herausgegebenen mnld. Bruchstücke aus dem „Boec van den
houte". Die vollständige Hs. des Gredichtes umfaßte 16 Bl. in
2 Lagen zu je 8 Bl. ; das 2. Doppelblatt des Fragments a (= Bir-
linger Bl. 3) war nicht das 6., sondern das 7. Blatt der ersten
Lage.
2. Bruchstück eines ndrh. Lehrgedichts des 14. Jahrhs.,
herausg. von Fr. Gerß, Zs. f. d. Phil. 9 (1878) S. 210—213.
3. 3 Bl. Perg. in 4^ 15. Jahrb., 31—32 Z., rubric, rote An-
fangsbuchstaben u. Überschriften. In einen Papierumschlag geh.
Marien Rosenkranz, teils in Prosa, teils in Versen.
Bruchstück in östlichem Mnld. Bl. 1^ leer. Bl. 1^: Hier heghint
die ijrße rofen hranff. väd'' iöcheit ons hin. Ghebet, 0 JJiefu ewige
fueticheit der gJioenre die v lief Jiebn en 07iivtfpreJceUcJce vroude des
herten, heil en begherte der funden. die fich beJcieren. ih hebdi lieff
etc. Auf das Einleitungsgebet folgt die Anthiffen, dann Bl. 2':
GHefant van gaide gabriel. hy fpracli \ Aue
Joncfrou vol genade groet v fchiet gerade / maia.
VerfchricJcet verueert ynnich hebdi gefacht \ Aue
Van den enghel geleert in my v ivoert heh macht/ mä.
= 10 vierz. Strophen. Dann folgt wieder Grebet und Antiphone,
und Bl. 2^ der 2. gereimte Abschnitt:
Gheiamert der Jcelde is v des hijndes groet \
duch begaen nyet felde hi lach op rf' eerde bloet /
wiederum = 10 vierz. Strophen. Bl. 3^^-^ die dritten 10 Strophen :
T lioeft al heilich is den Jcijnt genegen \
Jn fyne dienß willich wail fy dl bedegen /
Bl. 3^ die vierten 10 Strophen:
"Een läjnde to vrage nyemet qnacm naerre \ . ,
bauen fijne maegen hi fprac mit oir claere /
Mit Str. 6 bricht das Bruchstück ab:
ghi pleecht hem te gruete hi tvart vä v beivaert Au\
Das Gedicht ist verschieden von dem nd. Goldenen Rosenkranz,
den B. Hölscher, Zeitschr. f. vat. Gesch. Bd. 45 (Münster 1887),
1. Abt., S. 60 — 67 aus einer Wiener Hs. mitteilt.
76 C. Borchling,
4. Unterer Streifen eines Perg.-Doppelblatts, urspr. in» Klein
folio, zweispaltig. Bl. 1 hat die volle Breite = 16,8 cm erhalten,
Bl. 2 ist 13,2 cm breit. Die Höhe des Streifens = 5,7 cm, mit
11 Z. in jeder Colamne, Zeilenhöhe 5 mm; Bleilinienschema.
Schöne feste Buchschrift vom Anf. 14. Jahrhs. Die Anfangsbuch-
staben der abgesetzten Verszeilen sind rot gestrichelt und durch
eine senkrechte Linie von dem übrigen Text abgetrennt.
Bruchstücke aus dem gereimten Väterbuch, ndrh., abge-
druckt von A. Birlinger, Grermania 17 (1872) S. 441 f. Vgl. zu-
letzt K. Hohmann, Beiträge zum Väterbuch (Hermaea, herausg.
von Ph. Strauch, Bd. 7, Halle 1909) S. 12 u. 17. Nach Hohmann
gehören die Bruchstücke in den Abschnitt V. 11278—11411. In
Birlingers Abdruck ist zu bessern: Bl. 1^^ Z. 9 engil, Bl. 2^'' Z. 1
uail; außerdem hat er die zahlreichen vocalischen v fast überall
als u wiedergeben und die ^-Striche aufgelöst. Die Hs. hat Bl. 1"
Z. 7 rvders, 8 fvnder, Bl. 1"^^ Z. 2 küß [von B. unrichtig in hinst
aufgelöst, vgl. Z. 11], 9 m, 11 vre kvmß, Bl. V Z. 2 vs, .11 ge-
mynet, 12 vch nv, Bl. l^'' Z. 6 ßut, 7 Mt, 9 ßüt, Bl. 2^* Z. 1 vnbe-
fchreiien, 4 egipte, 5 mangB, 6 dugede, 9 fagede, Bl. 2''^ Z. 5 düß^
7 vp qua fv\, 9 füne, Bl. 2^» Z. 2 grüt, 3 hüt, 5 hegUt, 9 fülten,
11 leyue, Bl. 2^^ Z. 3. 5. 6. 7. 10 vns, 10 ivaende heware.
5. 1 Bl. Perg. in gr. 4^, mit der roten Seitenüberschrift ///.
14. Jahrb., zweispaltig, 31 Z. in der Spalte. Rubriciert (Strichel-
chen, §-Zeichen, Zeilenfüllsel, rote Anfangsbuchst.).
Bruchstück eines ndrh. Mandeville; als „Bruchstück einer
Erdbeschreibung" abgedruckt von Crecelius, Altdeutsche Neujahrs-
blätter für 1874, herausg. von A. Birlinger u. W. Crecelius, Wies-
baden 1874, S. 88, vgl. S. VI. Bl. l'* beg.: yn Ican geßen. dae de
mure af \ gemaecht is. Vn de müre ßrect \ yr vä de füde tzo de norde
idt. Vn I yn heet iner eyne ynganc etc. (es ist von der Mauer des
Paradieses die Rede). Schluß : vn vme man . . | ger Jiande vmerlichs
volx teil , . \ de me yn defen eylande. vn yn |j . Vgl. auch Bericht I,
S. 139 u. 285; eine defekte Hs. in Soest, Stadtbibl.
B. Mappe mit der Aufschrift: „Abgelöste Pergamente*.
1. Rest eines zweispaltig bedruckten Folioblatts Papier.
Cölner Einblattdruck der 1. Hälfte des 16. Jahrb., Rückseite leer.
Das Blatt war als Einband benutzt gewesen, auf der Rückseite
von einer Hand des 16. — 17. Jahrhs. : Peter Peters | . . . cari€ . .
come in faldc{rB?) \\ SoeuS tho \ faldere. Die untere Hälfte des Blattes
ist ziemlich gut erhalten, vor allem ist der Text hier vollständig
da; um so ärger ist die obere Hälfte zugerichtet, ihr fehlt Spalte
Mittelniederdeutsche Handschriften: Düsseldorf. 77
b ganz und von Spalte a die obersten Zeilen und alle Zeilen-
schlüsse. Nach einer ungefähren Berechnung sind in Spalte a etwa
13 Zeilen mit Str. 1,1 — 2,4* des jg. Hildebrandsliedes und dem
oberen Teile des Holzschnittes, dazu noch die Überschrift des
ganzen Blattes verloren gegangen. Das Blatt ist jetzt an der
besterhaltenen Stelle noch 32,5 cm hoch, der erhaltene untere Eand
mißt 5 cm, für die erhaltenen 58 Zeilen der Spalte a bleiben also
27,5 cm übrig. Danach läßt sich das fehlende Oberstück auf ca.
6,5 + 1 -f 5 cm berechnen, wir erhielten also für die ursprüngliche
Höhe des Blattes ca. 45 cm. Die Breite des Blattes ist unten
vollständig erhalten, sie beträgt 29 cm ; davon entfallen auf die
beiden Bänder je 3,5 cm, auf Spalte a 11,6 cm, auf Spalte b nur
7,85 cm, und auf den Zwischenraum zwischen beiden 2,75 cm. Das
erste Lied hatte zur Linken der Anfangszeilen einen Holzschnitt,
der 1,2cm über den Band der Spalte hinausragte; erhalten ist
nur der untere Teil des Holzschnitts, er zeigt die Füße eines in
Bewegung befindlichen Pferdes und den rechten Fuß des Reiters
im Steigbügel, wird also mit dem in Koenneckes Bilderatlas,
2. Aufl., S. 108 wiedergegebenen Titelbilde des alten Straßburger
Druckes des Hildebrandsliedes näher verwandt sein. Der schwarze
viereckige Bahmen, der den Holzschnitt umgibt, ist 7,5 cm breit,
von der Höhe sind nur ca. 5 cm erhalten. Nach Ausweis der feh-
lenden Zeilen wird er ca. 11 cm hoch gewesen sein.
Die Lettern des Textes sind eine von den gewöhnlichen Schwa-
bacher Typen der damaligen Cölner Drucke ; nur die Anfangszeile
des 3. Liedes (die von Lied 1 und 2 sind nicht erhalten) zeigt go-
tische Missaltype und hat eine fettgedruckte Initiale (Perllombarde),
die auch die folgende Zeile mit einnimmt. Als Drucker ist Ser-
vals Kruffter anzusetzen, der in der Marcellenstraße wohnte, vgl.
P. Norrenberg, Kölnisches Literaturleben etc. (Viersen 1873) S. 26,
wo u. a. Kruffters Druck des ndrh. Seelentrosts von 1522 citiert
wird ; Kruffter druckte um diese Zeit auch den Eulenspiegel (Nor-
renberg S. 31).
Abgesetzt sind in allen drei Liedern nur die Strophen, die
Verszeilen werden durch Punkte am Ende der Langzeilen und
einen schrägen Querstrich hinter den Kurzzeilen kenntlich gemacht. —
Das Blatt enthält drei weltliche Lieder in ndrh., stark
mit Hd. durchsetzter Sprache; ich gebe einen vollständigen zeilen-
getreuen Abdruck der Bruchstücke.
a) Das jüngere Hildebrandslied. Der Druck ist bisher
noch nicht bekannt geworden, er gehört zu der Gruppe In, q in
Steinmeyers Stemma der Drucke des Liedes (Müllenhoff-Scherer,
78 C. Borchling,
Denkmäler, 3. Ausg., Bd. 2 [Berlin 1892] S. 20-30, spec. S. 23).
Er ist ein älterer Repraesentant dieser Gruppe, hat viele Fehler
von In, q nicht, und stimmt im Übrigen bald näher mit In gegen q
(so z. B. Str. 3,I\ 6,l^ 6,2\ 7,3^ 8,1\ 12,2». 13,3». 18,2»-S 3*),
bald näher zu q, der nds. B-ecension (so Str. 3,3». 4,1». 7,4». 8,2*» [dyn].
10,4». 19,2»-^, cf. 19,1^), doch fehlen dem cölnischen Drucke noch
die Ausweichungen von q nach N, der nid. Überlieferung, hin. —
Ich ergänze die verlorenen Zeilenschlüsse und sonstigen Lücken
mit Hülfe des Steinmeyerschen Grundtextes. Das Bruchstück be-
ginnt mit Str. 2,4'':
(Spalte a) fte / vä jm w{uräeß angerant.)
Ja ren{nt he mich ane / in)
[Holzschnitt.] folchem ouermüd j ic(Ji ^erJiowe)
jm finen grönen fc7iil(t / dat dede)
jm nümmer gut. ich {serhow)
jm ßnen hrunen f{chilt mit ei)
nem fchyrme [lag. ya dat he finer mod^ ein gantz jair so {clagen hait.)
Dat enfaltu ya niet doin j fprach ßch vä Bern her De (trich. ivan der)
jög here Alehrät / is mir vä hertze lieff. du [alt jm frütUch {zofprechen /
wail)
durch den tvillen my, dat he dich lai/fe ryde / als lieff ich jm {mag ßn.)
Do he tsom rofen garte vßreit / wail in des Berners m{arJce. do
kam)
he in groiffe arheit vä eyne hilde ßarck. vä eine hilde /*(. . . w)art he (du)
angerant. nu fag du an vil ald" / wat füchßii in mys vad^s lant?
Du füerß din harnifch luter vn rein /recht wie du ßjß eys hSnyigs)
Jcynt. du tvilt mi^h jöge hilde ßend* oitge mache hlyt. du foltz da hei(me)
hliue vn haue gut gemach, vf einer hei/fe glöde. d' aide lacht vn fpra(ch)
Sold ich da heime hliue vn haue gut gemach, mir is hy al my(n)
dagen zo reyfen vff gefatzt. zo reyfen vn zo fechte his in my hynne (vart)
dat fage ich dir du jonger Mit I darum grijß mir myn hart.
Dynen hart tvil ich dir vßreuffen / fag ich dir vil ald' man. dat
dir (din)
rofenfarues hloit Sucr dy ivägS fal gay. dy harnifch vn dy grdne fc(hilt)
müßu mir hie vf geue. vn darzo my gefägner fy wiltu hehalde dy l(euen.)
My harnifch vn mp grdner fchilt I haTft mich (....) dich ernert.
n (. . .)
traw ich chrißo vä hemel l ich wil mich dy wail er (ivern I ße ließ)en
v(an den)
iüorde I vn {z)ogB fcJiarpe fwert. wes die zwee hild(e hegerten I des
wurden ße)
Ich weis niet wie d^jong de aide gaff eine (flag dat ßch) c?' C ge(w)ert.
Mittelniederdeutsche Handschriften: Düsseldorf. 79
aide Hillehrät vä liertze fer erfchrack. he fp{räcJc) hin{d^) fich so rücke
(tvjail
feile claftere ivijt. nu fag mir vil jöger hilde I de flach liert dich ein wijff.
Sold ich van wyue leren I dat iveer mir vmmer ey fchand, ich hay
vil ritter vn knechte in mines vacVs land. ich hain vil ritter vfl grauen
an mines vad^s hoff, vn wat ich niet geleret han I dat lere ich auer noch
He erivifcht in hy d' midde I da he am fwechte iv^. he fiväg jn hind'
rugge tvail in dj gröne groß, nu fach du mir vil jöger dy bichtvad' wil
ich wefen. hißu ey jonger tvolfinger I vä mir tnachßu tvail genefen.
Wer fich an aide keffel rijfft I d' entfahet gerne raem, alfo gefchüyt
dir vil jonger tvail vä mir aide man. dine geijt faltu vf geue vff defer
Jieyden fo grüen, dat fagen ich dir vil euen/dii jonger hilde küen.
Du fags mir vil vä tvolffen I die lauffen in dem holtz. ich hyn eyn
edeler degen vß Griecken alfo ßolts. myn mocV heiß fraiv Vde eyn ge
tA)eldige hertsogyn. fo is Hillehrät der aide I der liefße vader myn
Heifchet din moder fraw Vde ein getveldige hertzogin. fo hyn ich
Hillehrät d' aide ! der liefße vad' dy. he floig jm vff fyn gülde heim I he
küße vur fine möt. nu möffes got gelouet fin I ivir /in noch heid gefönt
Och vad' liefße vad' my / die wond die ich dir han geflage. die wöld
ich drymail Heuer in myne hertze drage. nu fchtvich du liefßer föne d*
tconde tvirt goit rait, nu dat vns got albeide zo fame gefüget hait.
Bat tverde vä der none bis so der vefper seit / his dat der jöge Ale*
brät so Berne inne reit, wat fürt he vp fyme helme vä gold ein kretse
lin. tvat fürt he an fyner fyde/den liefße vader fyn.
He fürt jn in finer mod* huiß I vil fatst jn ouen an de difch. er haut
jm eßen vn drincken / doicht finer moder vnhilch. ach föne Heue föne d'
eren is so vil. dattu mir eine gefange man I fets ouen an den difch
Nu fivyget Heue moder / ich teil dir neiv mer fage. he hequä mir vf
der heide vn hat mich nae erflage. vn hör du liefße moder / gein gefan
gener fal he fyn. he ys Hillehrant der aide / der liefße vader myn.
Ach moder liefße moder I nu huit jm sucht vn eer. do hüff fy vff vn
fchencket in I vn drüg jm feluer her. tvat hat he in fynem müde / vä gold
ein fingerlin. dat lies he in hecher fynckenJ der liefßer frauive fyn.
b. Bruchstück eines niclit näher zu bestimmenden Liedes.
Das erhaltene Stück von Spalte b beginnt mit einem lose bei-
liegenden Fetzen, der Z. 1—3 und die Schlüsse von Z. 4 — 5 ent-
hält.
et
lt. haißu gen
vnnd teert mit m
vn , . . cha roff I an dir
is nit {s)o ßraiffe. d alle r aß
gO C. Borchling,
mich hart vü faß (gevjange, al . , . vn ßoncl vß
hertsen grond /na dir deit mich vlangen.
c) Ein vollständig erhaltenes Liebeslied, in 5 achtzeiligen
Strophen vom Schema ababddeb. Vgl. Peter Schöffers
Liederbuch (1513) Nr. 32 (Goedeke ^H, S. 26).
YCh clag dai ich niet wen
den mach I der vnfal Jiait mich hedröft
vü lefd ich bis an jünxflen dach I ich het mynn
gliicJc dflaffen, ganz vnuerfchült I die vngedüU
ßercM fich vff mich I ey myn fchöne gyff hoffen.
Gein freud wil mich behufen me I eilend dat
muß ich bouwe. by onmoid ich herberg beßee I
van dir ich han ein grouwe, bis vff den doit / fo
lijd ich noit. ich meyn mir fchier zo leue fy vleue
Eilend vnd eyn nummer gefell I muß ich foe
gar verzagB. zart lieff ich alles tzo dir ßell I deys
du myn hertz er f läge, des haißu macht I yd hyrt
vn kracht I ivan du vä luß mich alfo deis vyage
Het ich gefündt ich büefet gern / wöid fy mir
dat vgeuen. die rein myn fchöner morgen ßern /
tvie quee mir dat fo eue, of ich fy blickt I ich ward
erquickt / in hoger gyr / vn lenge mir dat leuen
Geluck ich roiff dir die langhe nacht I wilt du
mich niet erhören, ich han in arch waen dich ver
dacht I du willeß freud vßüre. behalt dyn recht
mich armen knecht. triUich befold I off fye mich
icold erhoeren.
Dann nach zwei leeren Zeilen : Gedruckt vff fent Marcellenßraiffen.
Darunter noch Platz für zwei (leere) Zeilen, von denen aber die
letzte weggeschnitten ist.
2. Rest eines Perg.-Doppelblatts in Folio, zweispaltig, 15. Jhrh.,
nd. Bleilinienschema mit 41 Z. in jeder Spalte, ßubriciert (Stri-
chelchen), rote Überschriften, rote und blaue Anfangsbuchstaben
und Rubriken, die lat. Citate der Glosse rot unterstrichen. Beide
Blätter sind oben mit einer roten ij (== Buch II) bezeichnet. Kräf-
tige Cursive des 15. Jahrhs. Von Bl. 1 ist nur die innere Spalte
erhalten geblieben, von Bl. 2 wenigstens die eine Hälfte der äußeren
Spalte. Das Bruchstück hat früher als Einband zu einem „Rechen-
bock 1597" gedient; Bl. l"" und 2^ haben die Außenseite gebildet,
sind deshalb jetzt stark verschmutzt und abgegriffen, Bl. 1^ und
2' dagegen gut erhalten.
Mittelniederdeutsche Handschriften: Düsseldorf. 81
Bruchstück des Sächsischen Landrechts, mit der Glosse
hinter jedem Artikel. Bl. 1" heg. in der Glosse zu Homeyer
Artikel II 37 § 2 : dit vernemet itlike alfo offte icl \ enes dorpes ge-
richte Jiedde dat | dar de vnbefetenen enes wtwe\dige gerichtes were,
Men fegge \ ich richte van mynes here wege\ne dar ich myn gerichte
van heh\he etc. Bl. 1" schließt: Nu vraget men oech off men moglie
ivo cleyne me icille fcaden claghen Des fegge ich dy dat eyn man || .
Bl. 1^* Z. 15 begann ein neues Capitel = Art. II 32, Z. 30 beg.
die {glo)fa. Bl. 1^^ beg.: ßjn twierleye eghenltliJce to fprekende fo
hete Jenechte de eghen ßnd vt inßi. de iur\^ pfo. C. Serui etc. bis : JEn
is dit nicht vngelijch dat du claghedeß oh vme dyne Jenecht \\. Bl. 2"^*
beg. in der Glosse zu II 40 § 4: verwaren van allen eden to fwe-
rende vt in Aüt. de iudi. C. Quia vero colV vj, OJc ivert de richtere
Jiyr mede ftduen menedich etc. Z. 28 beg. Art. II 41 als Ca. xxxix,
Bl. 2'-^ Z. 11 beg. die Glof(a)', Bl. 2^^ schließt noch in derselben
Glosse : OJi fo Jieueßu da. ne myt fodane horghen nymand ßjn guet af
wynen macJi dat fy acJeer eder erue guet vt in aut vt n9 c den. ag'co
pparati (?) Ten veerde leret || .
3. 1 Bl. Perg. in Folio, zweispaltig, 14. Jahrh. Bruchstück
des mhd. "Wilhelm von Österreich. Noch nicht bei F. Göhrke^
Die Überlieferung von Johanns v. Würzburg „Wilh. v. Osterr."
(Diss. phil. Berlin 1912).
4. 1 Bl. Perg. in 4^, zweispaltig, 14. Jahrh., Rückseite leer,
Bruchstück (Anfang) der Goldenen Schmiede Konrads von
Würzburg, mhd., aber von einem md. Schreiber; vgl. V. 43 f.
vher gute : vor fute (= ülergiudet : versiudet), V. 6 Jieymel (= himel),
V. 37 mit teiffer rede, V. 49 f. ßoip: loip (= ßoup: loup) etc. Das
Blatt enthält nur 2 x 36 abgesetzte Verszeilen.
Depositum der Stadt Dinslaken.
Handschriften und Akten Nr. 1 (alt 166: Dgen S. 144):
Stadtbuch von Dinslaken, Folio, Ende 15. Jahrhs. Darin auf
Bl. 1^ — 39^ die einzige bekannte Hs. des nfr. Stadtrechts
von Dinslaken. Die ersten 3 Bll. fehlen , die erhaltenen
sind foliiert als iij — xlij. Bl. V beg.: dat da dat neiße lijff in
der maicJi CcJiap höre fall des dode mefche Erue en guet etc. Bl. 39^
endigt das Stadtrecht mit den Eiden der städtischen Beamten, zu-
letzt: Der Poertener eedt. Bl. 40^ ist in protestantischer Zeit der
Gemein^ Leuthen Eidt nachgetragen. Bl. 40^ leer, Bl. 41^^ Nachtrag
der ersten Hand: Off ScJieppen hrieue yn pendingJie vmh jairlix Bente
myt den hoyfftguede to hören foe vole vmogJien als ghericJites hrieue.
Kgl. Ges. d. Wiss. Nachrichten. Philolog.-histor, Klasse. 1913, Beiheft. 6
32 C. Borchling,
Bl. 41^ Nachtrag einer 2. gleichzeitigen Hand. Bl. 42 f. leer. ßl.
44' : Copie einer Dinslaker Urkunde de 1501 und andere Nachträge
zum Stadtrecht bis 1508, von gleichzeitiger Hand.
Dies nd. Stadtrecht wird erwähnt von E. Liesegang, Recht und
Verfassung von Rees (:= Westd. Zeitschr. Ergänzungsh. VI, Trier
1890, S. 2 N. 2) und näher besprochen von dems., Niederrhein.
Städtewesen im MA. (= Untersuchungen zur deutschen Staats- u.
Rechtsgesch., herausg. von 0. Gierke, Heft 52, Breslau 1897) S. 337.
Danach ist es ein Abklatsch des Calcarer Stadtrechts.
Depositum der Stadt Emmerich.
Das hsl. Repertorium des Stadtarchivs Emmerich enthält
S. 205 — 234 das „Verzeichnis der Akten und Literalien". Davon
sind zu erwähnen (vgl. Hgen S. 145) :
Rep. S. 207: A. Handschriften u. Akten Nr. 1 (A 54^): Privi-
legienbuch der Stadt Emmerich 1233—1522. 116 Bl. kl.
Polio, Bl. 2 — 9 Index, Bl. 10 — 11 : Ordnung uf die geistlichen Cioester
1507, Bl. 12"^ eine weistumartige Aufzeichnung Van DycJcen, Bl. 13
Aufzeichnung aus dem Anfange des 16. Jahrhs. über Grewicht und
Preise von Brot und Getreide. Bl. 14' beg. dann die auf die Ver-
fassung und die Grerechtsame der Stadt bez. Urkunden von 1233 —
1522; Überschrift: Woe Emreich eyn ßat gemaicJct ind piiiligyert is
na der Stat van Zutphen. Bl. 57^ am Schluß des ersten großen
Abschnitts: 1503, Bl. 58 ff.: Privilegien der Collegiatkirche S.
Martini, bis Bl. 70^. Bl. 80^ Burg^ to niaicken u. a. Statuten. Bl.
107': Acciseordnung.
Rep. ebend.: Nr. 2: Ein Band in Folio des 17./18. Jahrhs.
(Hss. u. Drucke); vorangehen 16 BU. mit Inhaltsverzeichnis nach
den Folien der Hs., am Schluß unvollständig. Titel : Collectaneen
der Stadt E., enth. Copien von Urkunden, Rechtsgewohnheiten,
resp. Statuten, städtischen Ordinantien usw. 1233—1699.
Rep. S. 209: Nr. 5 (A 32): Bürgerbuch zu Emmerich, enth.
die Bürgerlisten von 1427 — 1663, mit vorausgeschicktem Statut
(ßl. 1'-^) und Eidesformular. Ein aus verschiedenen Lagen zu-
sammengehefteter Band Folio.
Rep. S. 210: Nr. 7 (A 1): Der visschcr btieck, enth. a)
Bl. 3' — 15: eine ausführliche weistamartige Aufzeichnung, betr.
Klage der Fischer von Emmerich und die Fischereigerechtsame zu
E.; sie beg.: DJt hyr na hefereuen is Recht onfer Vißch^e tot Eni-
rich an tveücen die viffcKe van Griethuyfen thegen en haue hrieue
ons genedigen Kren ons verhört hehn dairvmh dat wij ße myt RecU
Mittelniederdeutsclie Handschriften: Düsseldorf. 83
hefat hehn etc., betrifft die Jahre 1444—1449; b) Bl. 18'— 19^•
das Statut der Fischergilde von 1449 ; c) verschiedene Archivalien
der Mitte des 15. Jahrhs., dem die ganze Hs. angehört.
Eep. S. 214: BI l^r. 7 (A 69): Ein Convolut, betitelt: Sta-
tuten des Hans. Comptoirs zu London 1554 zu Lübeck erneuert,
nebst Artt. u. Recessen 1552 — 1579.
Depositum des Canonichen-Stifts zu Xanten.
Ein hsl. Repertorium dieses Archivs, soweit es nach Düssel-
dorf gelangt ist, hat v. Haeften aufgestellt, vgl. Ilgen S. 131 f.
und Westd. Zeitschr. 1 (1882) S. 392 ff. Nr. 18. Darin:
1. S. 100 u. 101: Nr. 8 (alte Nr. 97): Folio, Ende 16. Jahrhs.
Frivilegia cinitatis Wesaliensis, von 1277 — 1524, lat. Dann: de poena
feinere appellantmm von 1520; Vertrag zwischen der Stadt und
dem Herzoge wegen der Gemeindeweide u. a. Punkte, von 1520;
von der Gerade; von Lehengütern; von geistlichen Mandaten;
endlich eine Criminal - Prozeßordnung , mit der Überschrift: De
Penitencie, es ist nach einer beigefügten Notiz dieselbe Vorstufe
der Carolina von 1530, wie sie in den Akten Jülich-Berg, Reichs-
tagssachen Augsburg No. 71 erscheint und danach bei Kohler, Die
Carolina und ihre Vorgängerinnen I (Halle 1900) S. XVII ver-
zeichnet ist.
2. S. 113 Nr. 25: Schöffenweistum über die dem Capitel zu
Xanten zustehenden Rechte und Grefälle in Dülken. 1507. 4P.
Depositum der Stadt Wese!.
Über das Weseler Stadtarchiv existiert ein altes Repertorium
des Schöffen und Stadtsecretärs Conrad Duden von 1791, das aber
sorgfältig weitergeführt und ergänzt ist; vgl. auch Ilgen, S. 149 f.
Eine Durcharbeitung der zahlreichen Rechtshandschriften dieses
Archivs habe ich nicht mehr besorgen können, sondern nur die
noch nicht näher bestimmte nd. Rechtsbücherhandschrift Caps.] 129
Nr. 5 (Repert. S. 148) beschrieben:
70 Bl. Pap. (einzelne Bll. Perg.) in Folio, zweispaltig, 1422
(1426/7?). Ohne Einband. Bl. 1 und Bl. 65 ff. sind sehr beschädigt.
Rubricierung ist vorgesehen, aber nicht ausgeführt.
1. Schwäbisches Landrecht in einer (nicht reinen) ndfr.
Mundart. Bl. 1—3 Register. Bl. 4'^ beg. der Text: {E)Ere got
hemelfclie uader durch dyne milden gute ghefcopeßu den mynfche Jn
drindldiger iverdiclieit De irße dat he na dir gemeldet tvart etc. Bl. 4^^' :
{S)Jt nv got des vredes vorßen Jceyfent fo liet he tzwe [wert up ert-
6*
84: C. Borchling,
riJce etc. Schluß Bl. 53^^ mit Laßberg Cap. 370 : {D)Er eyn gelote
rijngher machet .... dat iß huet vnde haer.
2. Schwäbisches Lehnrecht, Anf. ibid.: (D)Er lehen
recht hünen wol der völgen des boches lere. Der Text bricht a. E.
von Bl. 63 mit Art. 74 ab, Bl. 64 enthält die Artt. 143—153,
alles Übrige ist verloren gegangen.
3. Bl. 65 — 70 sind unzus ammenhängende Bll. aus dem Schlüsse
der ursprünglichen Hs., sie enthalten Bruchstücke aus dem Richt-
steig Landrechts, und zwar aus Cap. 3—11. 26 — 32. 48 — 50
der üblichen Zählung. Bl. 67 gehört vor Bl. 65. Bl. 70, von dem
nur noch die Hälfte vorhanden ist, war das Schlußblatt der ganzen
Hs., Bl. 70^* die Subscriptio : finitü i conpletic Anno {qua)dringen-
teßmo vicefimo f(. . . .) hora fecüda poß feßü palm(arum).
Düsseldorf, Landes- und Stadtbibliothek.
Der Katalog der Handschriften ist 1850 von Lacomblet voll-
endet worden, eine Abschrift befindet sich in Berlin.
Abt. A: Teile des alten und neuen Testaments
enthält nichts Nd.
Abt. B: Theologische Schriften.
Mscr. B 30^: 117 Bl. Perg. in 4^, 1426. Schöne accurate
Buchschrift, ßl Z., Tintenlinienschema. Volle Rubricierung : Stri-
chelchen, Zeilenfüllsel, rot unterstrichene Stellen, rote Capitelüber-
schriften, einfache rote Anfangsbuchstaben, im Register abwechselnd
blaue und rote Anf.; Bl. 3*^ schöne Initiale in Gold auf blau-rotem
G-runde, unten in eine Rankenleiste auslaufend. In altem leder-
bezogenem Holzbande, von dem aber nur noch der Hinterdeckel
übrig ist, alles übrige renoviert; die beiden Schließen verloren.
Auf Bl. l"", das liniiert, aber leer geblieben und, wie es scheint,
früher auf den alten Deckel aufgeklebt gewesen war, von einer
Hand des 17. Jahrhs. die Besitzernotiz : Liber Conventus Virginum |
Jn Marienhrinch.
Richard von St. Victor, Auslegung des Hohenliedes,
nd. Bl. 1^ — 2' Register: (rot) Hijr heghynt de tafele der capittelen
meyßer rijcJuxrdus van funte victoer vp cantica canticorum ro | (schwarz)
Woe god gJiefocJU woert in rußen vnde van hegheerte vm meere gracic
to crigJien (rot) Dat eerße capittel usw., im Ganzen 40 Capp. Bl. 3*"
beg. der Text : (rot) Hijr beghint een Tractaet meyßer rijchardus van
Mittelniederdeutsche Handschriften: Düsseldorf. 85
fünte victoer. vp cantica canticorum, tvo got glie focht ivert in rußen,
vnde van hegheerten merre gracien to verJcrigJiene. dat eerße capittel
rsj Maria r\j JN minen heddehijn hehhe ih ghefoeclit bi nachte den mine
sele mint. De zele de gode foecht vnde de hegheert to Jcomen volkome-
Viker tot ßnre minnen vnde bekennen, de fal em foJcen in den bedde-
läne. dat is in ruße des herten etc. Schluß Bl. 115^: fo comet men
to fijnre fimerlicheit to feene. vn to der ewigher falicheit vn to den
eivighen vrede. To welken vns brengen moete Jhefiis crißus de brudegom
der hilligher kerken. de leuet vn regneret van ewen to ewen ame. (rot)
Eijr endet een Tractaet. meißer rijchardus vä funte victoer vp cätica.
Es folgt noch ein ähnlicher Abschnitt, ohne Zwischenraum
angeschlossen : Cum in mynen hof mijn fußer myne brüet. 0 feie du
byß my hof gheworden in den dattu my in dy beret heueß menigher-
Jmnde giiede roecken der dogheden vn der guder tverken etc. Schluß
Bl. ll?'^: To ivelken iverfcap mijn fußer myne bruet. cum na den ar-
beide der ßryden. Amen, (rot) Hijr endet dit boec. God fijs ghelouet,
Bl. 117^ liniiert, aber leer bis auf die letzten 4 Zeilen mit der
roten Subscriptio : Dyt boec waert gheendighet in den iaer vns here
do men fcreef diifent vierhüdert vn fesvntwintich. De des ghebruken
de bidden ynichlike vor de ghene deet bearbeydet vn ghetughet hebben,
rv iliefus r^ maria rsj ioWs. — Ndrh. Hss. des Werks in Berlin, Kgl.
Bibl., V. Amswaldt Nr. 3112, vgl. A. Eeifferscheid, Nd. Jahrb. 11
(1885) S. 105 u. 10 (1884) S. 34; und in Münster, Paulina, Mscr.
Nr. 20 (372), vgl. Staenders Catalogus S. 5 f. und Bericht I, S. 276.
Mscr. B 42: 163 BL Pap. in Folio. Bl. 5—160 bilden 13
volle, gut erhaltene Sexternen, die am Ende jeder Lage gezählt
sind. Bl. 1 — 4 und 161 — 163 sind Eeste von je einer Lage, hinter
Bl. 161 sind mehrere ßll. herausgerissen, ebenso vor Bl. 1. Lage
1 war vielleicht für ein Register bestimmt, aber Bl. 1 — 4 sind
leer geblieben; daß Lage 1 nachträglich hinzugesetzt worden ist,
beweist das Wasserzeichen, das mit dem von Bl. 77 — 163 überein-
stimmt, während Bl. 5 — 76 ein anderes haben. Beide Wasserzeichen
kehren in der Originalhs. der Clevischen Chronik Greert v. d. Schuerens
(oben S. 37) in Lage 1—4 wieder. Die Hs. ist in sauberer Buchschrift
von Kateryna Konynges in Kloster Kentrop geschrieben und am
24. Juli 1475 beendigt worden ; dieselbe Katerina Regis in Kentrop
hat im J. 1473 zusammen mit zwei andern Schwestern dieses
Klosters die Hs. B 38 geschrieben. Die beiden Columnen der Schrift
sind durch Tintenstriche umrandet, die 38—40 Z. jeder Spalte sind
nicht vorgezogen. Die Anfangsbuchstaben sind rot gestrichelt;
jede Predigt beg. mit einer einfachen roten Initiale, die lat. Stich-
86 C. Borchling,
Wörter am Anfange jeder Predigt und einige andere hervorzu-
hebende Wörter im Texte sind rot unterstrichen; Bl. 163^ rote
öubscriptio. Bl. 5" eine mehrfarbige, ziemlich rohe Initiale, 10 Z.
hoch, in Blau-rot auf rotem u. violettem Teppichgrunde. Bl. 7^*
eine ähnliche kleinere, 4 Z. hoch, rot auf violett. In altem, ein-
fach gepreßtem Lederbande mit zwei Messingschließen. — Auf der
Innenseite des Vorderdeckels ein ausführlicher Bibliotheksvermerk
aus Kl. Kentrop : Zu der hibliotheca in Kentrup 1673, \ S. P. N. Ber-
nard<) in Cantica westphalicb- Germanice, et efse eifern prors^ videtur
ex Jisdem modis exponendi et applicandi pleraqi, ut hinc inde adverti
et quandog) annotavi, de quil^ Sermonibg sumpta sinty non de verho ad
verbum quidem omnia, nam interdum aliqua sunt intermisfa, eodem
tarnen sensu per totum, usql ad 5''*"" caput Canticorü, ubi etiam D.
Bernardi) defiit in exponendo. (Absatz) Quidam autem devot^ non
nominaf^ hcec aut vertit aut dixit ad Fratres per modum Sermonum,
jdigni) plane Über qui tereretur et ederetur, si in Superioris Germanice
idioma translaf^ efset. (Größerer Absatz.) Die predigen unfers S. F.
JBernardi über das hohe liedt Sahmonis, oder Cantica Canticorüj Von
einem andagtigen unbenänten zusammen getragen undt übersetzt in die
.sim,pell-westphalifche alte sprach, undt in dis buch gefchriben von einer
gaistl. Jungfer zu Kentrup Cafharina Konings anno 1475.
St. Bernardus, Sermones in Cantica, nd. (westfälisch).
Anf. Bl. B'^* : NA dem male dat twe bofheit fyt dey to dem eyrße
kyuen weder vnfe zeyle dat ys dey ydel leue duffer werlde vnde ouerido-
dich leue dynes felues. So hefft god falomon walbehegelicken vterJcoren
vnd touerdyget myt fyne hüligen geyfle alle der werlt to troße etc.
Schluß Bl. 161'^ in der Predigt JEN lectulü falomonis (die Bl. 157^»»
Z. 2 V. u. beginnt) : Vn dat is dey fake war vme dat jn dujfeme
elende vp trede vnd alle moycheit tred neder jn dat af grüt dar vns
got allen vor beivarc, Amen, JDeo ßt laus i gVa l fcVa. Darunter
von der Hand des Kentruper Bibliothekars: Canticorum 5K Der
Rest der Hs. leer, bis auf die Subscriptio Bl. 163^'': ffinitus i cö-
plet^ 5 Hb' iße anno dni MPcccc^ Ixxv^. in vigilia gVofi apii mei fei
Jacobi p me katerynä kongg^ orate ,p ea. — Eine „nd. Übersetzung
der Predigten des hl. Bernhard" befindet sich nach A. Bömer,
Zentralbl. f. Bibliotheksw. Bd. 26 (1909) S. 346 im westfälischen
Kloster Vinnenberg; De Sermonen des salighen Bernhardi up den
XC. psalm in Münster, Paulina, Mscr. Nr. 150 (499), Bl. 1—117
(Staender S. 35).
Mscr. B 82: 212 Bl. Pap. in Folio. Bl. 1 ist ein altes, der
Lage 1 vorgebundenes Einzelblatt; Bl. 2 — 212 sind von moderner
Mittelniederdeutsche Handschriften: Düsseldorf. 87
Hand mit Blei als 1 — 210 foliiert worden, wobei hinter Bl. 142
ein Bl. übersprungen ist. Bl. 2 — 212 sind regelmäßige Sexternen,
hinter Bl. 66 ist ein Blatt verworfen und hinter Bl. 212 sind 4
leere Bll. herausgeschnitten. Die erste Hälfte jeder Lage ist be-
ziffert, am Ende jeder Lage Custoden. KJare feste Buchschrift
der 2. Hälfte 15. Jahrhs. Zweispaltig, je 32—36 Z. Mit voUer
Rubricierung, einfache rote Anfangsbuchstaben, rote Überschriften.
Bl. 2" größere Initiale, 7 Z. hoch, in Eot-blau ; ebenso Bl. 3'"*. In
schlichtem braunem Lederbande mit Holzdeckeln, von den zwei
Messingspangen fehlt die eine ; zur Bekleidung der Innendeckel ist
ein Pergamentblatt aus einem Graduale des 14. Jahrhs. verwandt
worden. Besitzemotizen von der Hand des Schreibers a) auf der
Innenseite des Vorderdeckels: Bit hoeck lioert toe de Cruyfbrod'en
yn Marievreed cg^ Süt ggori^ . Omelien ; b) auf Bl. 1"^ : Dyt hoeck lioert
den Crvfhroderen in gen marien vrede (by wefell fügt eine andere
Hand hinzu).
St. Grregors Homilien, nd. ; der Dialekt ist südwestlich-
westfälisch, mit Einmischung Östlich -ndl. Elemente. Bl. 1 (mod.
Zählung) Begister, beg. Bl. 1'* : (rot) Dit is die taeffel vä den eivan-
gelten der fonnendaglie etc., Bl. 1^ leer, bis auf Z. 1 — 3 von Spalte a:
(rot) Hijr volglien ewangelien van fomyglien heUighen myt oeren omelien.
Bl. 2''* : (rot) Bit is die prologus of die voerfprdke yn füte gregorius
omelien yn diiyifclie (= Vorrede des Bearbeiters). MEn fal weten
dat füte gregorius en dye andere leraers yn oeren woerde fpreke vä
der ghedachte dat ys van der fyele, Vnde dye ys yn tween gJiedeylt
dat ys yn dat ouerße deel vn yn dat nederße deel etc. Vgl. noch
Bl. 2^*: Vn hijr vme wyl ych yn duidfche (corr. aus duitjch) maJce
funte gregorius omelien dye he yn menyghe kercke predycte felue den
Volke . . . Vn defe omelie en fal yck nyet fchryue yn ordynäcie als he fe
predycte mer na dye ordynäcie vä der tijt heghynede vä der adiiete vn
alfoe voert, Vn voer elke omelie fal yck fette dat eivägeliü yn dnefche
daer fe af fpreket. Omelie hedudet guet anfpreke vä der falygher
lerynghe. Voer myn arheyt hyd yck elke dye fyn profijt hijr yn doe
fal dat he voer my bidde.
Bl. 2^* beg. dann das Evangelium auf den (1. u.) 2. Sonntag
im Advent nach Lucas, u. Bl. 3''* schließt sich daran: Simte gg
omelie vp dit felue ewägeli die he predicte de volke te rome yn füte
peters kerken,
Bl. 143^* beginnen die Evangelien auf die Heiligentage mit:
Op füte andries dach. Matlieus. Schi, mit der Homilie auf das Evang.
Vä den ioncfroutven. Matheus; sie beg. Bl. 207'** : BAt hemelrijck Heue
brocVe fecht me hijr vm ghelijck tvefen defe eertfche dynghen etc. und
38 C. Borchling,
schließt ßl. 210'"^ : vp dat iväneer gliy defe tijtlike dynglie uwes danckes
vliet dye eiuighe blijtfcapen fonder pyne vercrighen mogliet. Arne. Nach
2 leeren Zeilen die Subscriptio: Hijr eynden funte gregorius onwUen
yn duytfche, God fijs glielaeft vn dye moder ihefu crißi maria. Amen.
Rest des Blattes leer.
Ms er. B 112: 198 Bl. Pap. in 4°. Ursprünglich 216 BL,
aber hinter Bl. 72 sind 1, hinter Bl. 95 3, hinter Bl. 126 4, hinter
Bl. 161 3 und hinter Bl. 164 7 Bll. herausgeschnitten. Am Ende
der Hs. scheint außerdem mindestens eine ganze Lage herausge-
schnitten zu sein, da das letzte der im alten Index registrierten
Stücke der Hs. heute spurlos fehlt. Die Hs. ist aus einer Reihe
von Einzelheften erwachsen; es treffen Lagenanfang, Wechsel der
Hand und des Wasserzeichens zusammen bei Bl. 41. 72. 96. 109.
165, Lagenanfang und Wasserzeichenwechsel außerdem noch Bl.
84. 127. 151. Die Hs. steht in engem Zusammenhange mit Nr.
C 93, mehrere von den Händen kehren dort wieder. Die gesamte
Hs. gehört dem 15. Jahrh. an. Sie ist rubriciert und hat rote
Überschriften und einfache rote Liitialen. Stück 3 und 6 — 8 haben
keine roten Überschriften, Stück 6 — 7 lieben es dafür sehr, Stellen
des Textes rot zu unterstreichen. In altem gepreßtem Lederbande
mit Holzdeckeln, die zugehörige Spange ist abgerissen. Bl. 1*" von
alter Hand des 15./16. Jahrb.: Lib' frm fce crucis Cöu^t<) ^larie-
pacis. Darunter folgendes Register.
Quatuor noui/fm
Tractatf) de vita facdotü
Stella de'icoT}
Teßameta xij q)pWar)
SpecVm fiäu'of} tpm
Tract<) mgri gerardi magni \ conf focarißas l Teutonico
Lihellt) tractäs de pegnacöe \ l frä fcam. l tentmico pmtt)
Jt\^ Aliq fernwes l teutonico \ De nouiffis ^p Jiofpitih^ laycis \
et illrätis legend\
Lat.-nd. asketischer Sammelband. Ich behandle nur
die nd. Stücke: L ßl. 12V— UV: Geert Groote, Contra
focaristas, in einer nfr. Übersetzung. Anfang ohne Überschrift :
JlEcedite, recedite exite Inde pollutü nolite tange\ Exite de medio eoj).
Yfaye xif (lies lif), Dat is to diiyde Gaet dair van Gast dair van eft
gaet vit dair van Witt dat heuleckte nyet riteren. Gaet vit va de
myddel der gJioenre die heulecJct fijn etc. Es ist ein Tractat gegen
die Priester u. Cleriker, die in offenbarer Unkeuschheit leben; ihre
Mittelniederdeutsche Handschriften: Düsseldorf. 89
Messen solle man nicht hören. Dazu bemerkt die Hand, die
Bl. l"" das Inhaltsverz. der Hs. eingetragen hat, oben auf Bl. 127'^ :
Note fh'diii Jte Jn de Cöcilio vä ^ßans is toe ghelathe dat me prijßers
die l onfueüheyt Jene nyet fchuive en draff l oire myffen off gethide
foeläghe als oir ouße dat lids en myt name nyet en verhide. Fast genau
diese Bemerkung von der gleichen Hand wiederholt Bl. ISö"^ am
Rande. Bl. 13 P beg. ein Absatz: TO den yerße So feget Meißer
gerit die groit dat een prießer etc. ; Bl. ISö"^ fährt er dann aber
fort: Mijn a7ider fegge is usw. bis Bl. 159^: MlJn dartiende fegge
is etc. Schi. Bl. 161': Ende dat is dat die Äpoßel füte Patiwel feget
Ad romanos xiiij Non ergo hlaffemef^ honü vrm. Bl. 161^ leer.
2. Bl. 162^" — 164^^: BYt is een fermoyn dat meißer Gerit
die grote den gemeyne volch predickte / en hefereue gaf I om to fchuwen
die Prießeren die dair in apenhairre onJcuyfheit Jenen En hewees dat
myt vijf Pünten etc. Schi.: Nochtant fidle fich die liiyde dair vä
hueden I om ander luyde füde wil die ßch dair an ßoten, Bl. 164^ leer.
3. Bl. 165^^-198'^: Ludolph v. Sudheims Reise ins hl.
Land, nd. (d. h. niedersächsisch, nicht wie die vorhergehenden
Stücke nfr.). Auf Bl. 165' (nach 20 leer gelassenen Zeilen !) : SO
ivelc mynfch ouer meer ivil vare vn dat heiige lant foehen tvil to tvate
die moet varen in eine cogge of in eener galeyden etc. Schluß: Van
der ßat Barutli mach men tho huyfwart varen in ivat lande dat he
wil et ßc eß finis. Deo gras. Dann rot: ar^^ de vorßhelen fcpßt, Bl.
198^ leer. Diese Hs. des Ludolf, die einen Auszug aus dem lat.
Text überträgt, ist benutzt von Deyks, Altere Pilgerfahrten,
Münster 1848, S. 28—34; vgl. Kosegarten in seiner Ausgabe S. 12
—14. Andere nd. Hss. des Werkes Bericht III, S. 119 u. 226.
Die in dem Index auf Bl. 1' an letzter Stelle aufgeführten
Sermones finden sich nicht in der Hs. ; vielleicht sind sie mit den
Brie fchoen fermone vä den vterße des myfche in Hs. C 93 identisch,
da, wie oben gesagt, diese beiden Hss. ihrer Entstehung nach eng
zusammen gehören.
Mscr. B 119: 160 Bl. Pap. in 4^ Die Lagen sind Sexternen;
das Wasserzeichen wechselt Bl. 109 u. 121 , wo zugleich Lagen-
anfänge sind; Bl. 121 beginnt zugleich die 2. Hand. 31 — 32 Z.
auf der Seite, Bl. 121 ff. 32—33 Z. Rubriciert, einfache rote Ini-
tialen, rote Überschriften, die aber, von Hand 2 niemals ausgefüllt
sind; von Bl. 148^ ab hört die Rubricierung überhaupt auf, nur
ein paar rote Anfangsbuchstaben sind eingetragen. Beide Hände
gehören dem 15. Jahrh. an, Hand 2 ist aber die ältere von beiden,
jedoch bezieht sich die Jahreszahl 1352 am Schluß auf die Ab-
90 C. Borchling,
fassungszeit des Werkes, nicht auf unsere Hs. Im alten gepreßten
Lederbande mit Holzdeckeln und einer Schließe; auf dem Schnitt
rote Lederknöpfchen zum Aufsuchen der einzelnen Stücke. Die
zur Beklebung des Innendeckels verwandten beschriebenen Perga-
mentblätter sind abgelöst. Bl. V: Bit boeck hoert toe c/g Cruyf-
broede'n % Marievreed; vgl. Bl. 160'': in den wrede is dit bock ge-
fcreuen.
Sammlung mystischer Tractate und Collationen;
der Dialekt ist in den einzelnen Stücken verschieden gefärbt, Stück
1 — 3 sind westlich westfälisch mit starkem östl.-nld. Einschlag, in
Stück 4/5 bildet das Niederfränkische die Grundlage der Mischung.
Stück 1—3 sind Übertragungen nid. Originale, Stück 4 — 5 gehen
auf hd. Vorlagen zurück.
1. Bl. S"-— eO"-: Joh. Euesbroek, Von 12 Tugenden und
dem Sinn der hl. Schrift. Anf. : (rot) Hijr beghijnt dat boeck
her Johäs Ruefbroekes Van tweelf doechde. van den fyn. der helliglier
fcrift. BJt boec leert vä iwelf grade der doghede vn ivoe die ene
doghet comet ivte der andere. Die ierße doghet is oetmoedicheit etc.
Der erste Abschnitt Van der oitmoedich* fängt auf derselben Seite
an: WÄnt wy vä doghede fcryuB willen fo iß wael recht dat wy an
die doghet beghyne daer crißiis vnfe getrowe vrient an began vn lecgen
fe toe ene fundamente. Vn al hadde crißus alle dogheden volmaketUker
dan fe enyghe creature vmermeer hebbe mach nochtant funderlincge
hadde he vercare oetmoedicheit etc. Schluß: Want nye nyemät oet-
madiger en icas noch gehorecfamer dan he feinen. Die gelauet moet
fijn vnde gebenedijt ewelike Amen» Deo gracias. Angehängt ist
Bl. 60'^ eine kurze Ermahnung: Ben lerer f echt: Lieue broder tvultii
tvael ßerue fo leue wal .... vn vulherdeß daer an hent yn den eende,
Bl. 60'' leer. — Eine rein nds. Hs. des Werks in Halberstadt hab
ich Bericht III, S. 239 beschrieben.
2. Bl. 61"^— 88': Johan Brinckerincks Collacien. Anf.:
(rot) Hijr beghijnt die voerrede op fömighe fneülike Collacien eys paters
ghehiete ll Ja brlck'yglies. (schwarz) Dyt is vergaddert wt den col-
lacien Heer johans brinckerynghes. den vnfe lieue h'e heuet ivtgheleydet
va den arbeydelikc ßride defer werlt vn is gheghaen den wech des ghe-
meynen vleyfches . . . , vp dat he nu vnfen lieuS herB vor vns bidden
wille dat ivy dat holde vn doen moeten. daer he vns vake in fynö col-
lacien vä te feggen plach vn te vermane, dat tvy vns folde j)ynB te
ßerue der werlt vü der wertlicheyt, dat wy niet en ßae na rijcheydS,
mer arme lüde tot vnfer ghefelfchap te begherü. Mer folde ghy noch
na de rijke ßaen vn nyet na de armen, fo iceer my lyeuer dat ghy
alle doet were. vü dat dyepüuene teeer een grüdeloes kolck. (rot) Die
Mittelniederdeutsche Handschriften: Düsseldorf. 91
irße coUacie. (schwarz) Dat Jierte der yungge ijs als een tafele dye
vnhefch'eue is. etc. Es sind im Ganzen 8 Collacien. Schluß: Wante
dat een teyke ys. den cruce of der reden to wederßaen daer Jioedet v
vmers vor. Et fic eß finis. Vgl. die Bericht III, S. 169 beigebrachte
Literatur; die Düsseldorfer Hs. stimmt an Umfang genauer mit
den mnld. Hss. bei Moll.
3. Bl. SS'^ — 117^• Johan Ruesbroek, Van den seuen
Trappen der mynnen. Anf. : (rot) Hijr heglt dat hoeclc her,
Johäs BuefbroeJces vä den feue trappe der mynnen, GRacie vn dye
hellyghe anxt vnfes here fy myt vns alle. AI dat ivt gade ghebare ys
verivynt dye werlt fprecltt funte i^han etc. Schluß Bl. 116^: Byt ys
dat liogheße dat rnen leiten vnde ßerue. myyie (Bl. 11 T"") vnde ghehruken
mach yn ewygher falycheyt. Vnde fo wye v contrarie leert, dat ys
doerheyt. Byddet voer den ghenen dye dyt mytter ghenaden gades heft
ghedychtet vnde ghefcreuen vnde voer alle dy ghene dye et hoeren of
lefen. dat got vns gheue em feinen yn een eivych leuen Amen. Hijr
eendet dat boJceken van den graden der mynnen myt feiien trappen,
Beo gcias. Bl. 117^ — 120^ leer. — Einen Auszug aus diesem Werk
erwähne ich unter Gaesdonk Nr. 6; vgl. ferner W. de Vreese,
Handschriften von J. v. Ruesbroeks "Werken II, S. 662.
4. Bl. 121^^—156^: Rulman Merswin, Buch von den
neun Felsen. Anf.: Alle menfclien mynfchen (sie!) neme defer
Werder leere wair myt ene andechtige gantfen ernß. Want ivie dit
btiecJc myt ernße lefet of hoirt lefen bis to den eynd. die muet fich
betere, hij en ivil dan willens ßerue den ewige doit etc. Die Vorrede
schließt: Bat yerße is, ivoe een mynfcJi gedwüge wart van gade dat
hij dit fchrijue miieß. Bat ander is, woe defen mynfche wonderlicJce
dinge worde geapenbairt. Bat darde is. woe defen myfche worde ge-
apenbairt der mynfchen gebreke. Bat vierde is. tvoe hij fach ene grote
heg? berch myt nege velfen of ßeenrudfen. Jnd op ygelicken ivandele
crißB myfche ind ömer die een boue den andere bis op den berch.
Dann beginnt das eigentliche Buch: JN den name Jhefu crißi amen.
Bat gefchach to eenre tijt in ene aduente voer kerfnacht eenfmorges
vrüe. dat een mynfch tvart vermaynt vä gade dat hij ßch infet ind
inkierden etc. Schluß: Bit biieck wart begont in der vaßen doe nien
fchreef van der gaids geburde diiyfent ind vierdehalfhondert ind twee
yair. Niemant en fal noch en darf vrage doir iven got dit biieck ge-
fcreue heft .... Bair voir onff behuede die vader in der ewicheit Amen,
Eine nd. Hs. des Werks in Hildesheim habe ich Bericht III, S. 211
beschrieben; sie ist inzwischen von Ph. Strauch, Zs. f. d. Philol.
Bd. 41 (1909) S. 18 ff. näher zergliedert. Eine der Düsseldorfer
Hs. näher verwandte, aber am Schluß unvollständige Hs. ist Nr.
92 C. Borchling,
3130 der v. Arnswaldtschen Hss. in Berlin, Bl. 1'— 58'', vgl. A.
Reifferscheid, Nd. Jahrb. 9 (1883) S. 133 mit N. 4.
5. Bl. IB?'— 159^: Erklärung des Paternosters. Anf.:
SO tvie dat pater noßer als hier na gefchreue ßeet lefet myt andacht.
den fal ivonderlicJc nütticlieit dair vä hörne die verborge leget in den
tvonde ons lieue h^en Jhefu xpi .... Aldus gheet dat an PÄter noßer
qui es in celis. Dat heduydt , . . . nv reß, Jnd bedincJä dat hij dijn
vader is etc. Schluß: al doir die heimlfche poirte der verkleerden
iconden onjj lieue Jiere Jhefu crißi. Des ghün onff got die vader die
foen ind die heilige geeß Amen. — Bl. 159'' — 160^ leer, bis auf die
oben erwähnte Besitzernotiz auf Bl. 160^.
Ms er. B 130: 80 + 123 Bl. Pap. in 4«, 1468 u. 1471. Bl. 1^:
Dit hueck hoert toe huys in marienvrede den cruys hruederen.
1. Bl. 1 — 80: Die Spiegel van der Jcerstenre geloeuen
.... gemact eil getagen ivt Compendio sacre theologie en Sum viciorü
etc., gefcreue int iaer ons here Mcccc ende Ixviii. Mnld. , aber in
einem stark Östlichen Dialekte {ende, aber woe, foelden, on, om
[= eum, ei]). Vgl. Bericht I, S. 246; eine ndl. Hs. noch in Brüssel,
Kgl. Bibl. Nr. 2087.
2. Bl. 1 — CXXIII neuer Zählung: Die kruthoff der fielen
[= Areola anime] verfamet en gefcreuen recht als een hefunderen wun-
nelick gardelijn etc., iiit jaer Mcccclxxi. Die Sprache hat hier noch
ein paar nd. Elemente mehr (zuweilen gemacht).
Ms er. B 144: Pap. in 4^, von 1474. „Dit hoeck hoert toe de
Cruyfbrode'n i Marievrede".
Suso, Horologium eterne sapientie, mnld. (geldrisch?),
mit dem Titel: Dat hoeck der ewiger ivyfheit. gefpreeck tuffchen der
ivijfheit ende enen difcipel. Die Hs. enthält Buch I vä der ewiger
wyfh^ mit xvij ca., und Buch II, mit der Ars moriendi beginnend,
in 8 Capp. Vgl. Bericht I, S. 299 u. Reifferscheid, Nd. Jahrb. 9
(1883) S. 132 N. 2.
Von etwas jüngerer Hand (Anf. 16. Jahrhs.) sind der Hs. auf
einer zweispaltig beschriebenen Seite einige kurze geistliche
Prosasprüche in ndrh. Mundart angehängt. Anf.: Dat wort
Götz is de wijfheit ind dat leuö in eme is hemel vd crd gemacht vd
all dat dair is gefchaffB de in dem word allep blijft de blyft in Gode
vnd Got in ym iC) etc., u.a.: Dair fyt xxiij litter e da mit mä fchrijft
al dat mä mit zungB fprü mach vd begrijffen alle tzungB ind wo^ alfo
fpt de gebot vd tvorde Götz ouer al fchrifte ind geißlich leue iCy \ eyn
Mittelniederdeutsche Handschriften: Düsseldorf. 93
a h c mach oiich wal eijne goäe vroicht geivaffe de de rechte ßam noch
lüurtzele niet en helcent alfo mach ouch eyn mynfch geißlich leue funder
f undement der worden Götz etc. Eere hegyt dat fundamBt ah c etc.
Ms er. B 158: Pap. in 4^, von 1477. „Bit hoecTc hoert to de
Cruyfbrode'n in Marievreed l de kerfpel vä dygde by Wefell", Die
Hs. hängt eng mit B 144 zusammen: die Einbände, die Wasser-
zeichen des Papiers und die Mundart sind identisch; die Schrift
zeigt den gleichen Typus, der Rubricator von B 144 hat die Hs.
B 158 geschrieben, der Rubricator von B 158 dagegen ist ein
anderer.
Dialogi Gregorii, mnld. (geldrisch?), mit dem Titel: Bia-
logus dat is twier menfchen callinghe alfe des hellighen paives Gre-
goritis ende ßjns dyaJcen Fetri, Boech I — 1 V. Am Ende : Hyer eyndet
ßcJc Byalogus gregorij jnt jaer ons heren Mcccc en Ixxvij. Eine nd.
Hs. von 1474 in Oldenburg, vgl. Bericht I, S. 86 ; ein ndrh. Bruch-
stück aus der Berliner Sammelmappe deutscher Fragmente (MGF.
923, Nr. 6) hat W. Scheel, Festgabe für Weinhold S. 36 f. und
75—77 publiciert.
Abt. C : Martyrologien, Leben der Heiligen, Legenden, geistliche Ordens-
sachen, Ritualien.
Ms er. C 17: Pap. (mit vielen Pergbll. dazwischen) in 4®,
15. Jahrh. Früher Kreuzbrüder zu Marienvreede.
Leben Jesu in einer östlich-nld., nach dem Nd. hinneigenden
Mundart {ende, niet, te, aber stets vnfe, vmme etc.). Anf. : Hier he-
ghint dat leue vnfes here Jhefu xpi, Ben ander fundament en mach
nemä fette dan dat ghefet is dat is criß^ ihcf^ etc. Vgl. Bericht III,
S. 104.
Mscr. C 20: 247 Bl. Pap. in Folio, zweispaltig. Bl. 25—124
rot foliiert als j— C. Hinter Bl. 143 sind 5 leere BIL, hinter Bl.
183 5 BIL, und hinter Bl. 236 2 BIL herausgeschnitten. Die Schluß-
lage Bl. 237 ff. ist jetzt restauriert, von dem hinter BL 247 feh-
lenden Schlußblatt ist keine Spur mehr vorhanden. Bei den An-
fängen von Stück 1 — 5 der Hs. treffen stets Lagenanfang, Wechsel
des Wasserzeichens und des Schreibers zusammen. Auch Bl. 223"",
wo Stück 6 beginnt, zeigt Wechsel des Schreibers und war ur-
sprünglich Lagenanfang, denn Bl. 221/2 sind nachträglich vorge-
bunden, die entsprechenden Doppelblätter hinter BL 236 sind her-
ausgeschnitten; dagegen wechselt das Wasserzeichen Bl. 223 nicht.
Stück 7 endlich, BL 237ff., zeigt Wechsel des Wasserzeichens und
94 C. Borchling,
Lagenanfang, aber die Hand von Stück 6 bleibt. Daraus und aus
der Verwandtschaft der verschiedenen Wasserzeichen der Hs. unter
sich ergiebt sich, daß die 6 Hefte, aus denen die Hs. besteht, unge-
fähr gleichzeitig am selben Ort entstanden sein werden. Um so
bemerkenswerter ist das Schwanken der dialektischen Form, die bei
jedem einzelnen Stück angegeben wird. Alle Hände schreiben eine
saubere, schöne Buchschrift, Hand 2 macht kleinere Buchstaben,
Hand 4 neigt etwas nach der Cursive hin. 33—35 Z. auf der
Seite. — Die Rubricierung zeigt in allen Stücken rote Strichelchen,
Überschriften und einfache Anfangsbuchstaben (die in Stück 3 stets
blau). Hand 2 hat auch rote Punkte, Rubriken und rot unter-
strichene Stellen im Texte. Größere Initialen Bl. 1" (rot auf
grün-weiß-schwarzem Grunde), Bl. 25'"* (rot auf einfacher Feder-
zeichnung; ebenso Bl. 185^*. 186'-». 191'-\ 196^^), Bl. 125'''^ (blau-rot),
Bl. 144'* (Versuch die Initiale mit der Feder auszufüllen). — In
braunem Lederbande mit Holzdeckeln; die Pressung besteht aus
lauter Quadraten mit dem rechts blickenden Reichsadler. Die
beiden Spangen sind abgerissen. Bl. 1' (von einer Hand des 17./18.
Jahrhs.): ffrum Cappuccinorum Essendiensium. 1464; vgl. Bl. 23^^.
Sammlung nd. Legenden.
1. Bl. 1'* — 23^^: Legende von St. Ursula und ihren
11000 Jungfrauen. Der Dialekt ist südwestl. Westfälisch mit
nid. Anklängen (e^ide, daneben vnde und inde; aber stets nicht). Anf.:
(rot) Hijr hegynt dye legende vä den xi diifent megden Wo fie ver-
gadert ivorden. ende dar na genmrtelt Eirße vä de oirfprunge Sante
vrfulen ende oirrer heiliger dogentliher ivandelingen. (schwarz) IN
den iaren na der hemeluart vnfes heren Jhefu xpi Ende do men fchrieff
CC. en xxxviij Jaere Do ivas in hrytanien lande ey conyncJc genomet
Maurus etc. Schluß: in dat ouerße Jherufalem. daer fey nü vro-
Hellen ßch veriirouwen En regnieren myt goede .... heiligen geiße
Amen. Deo ycias. — Defe legende hoirt int fußeren huis to Jcetivich
hynen Effen ^). — Eil is gefcreue int Jair onß Jie'n Mcccclxiiij. des
andere dages na S* hartholome^. hidt vor de fcriiter. — Bl. 24' leer,
Bl. 24^ eine flüchtige Zeichnung, wohl des 17. Jahrhs. (vgl. Bl.
184' u. 236^), einen schreitenden Krieger darstellend.
2. Bl. 25'»— 124^*^: Stück aus dem Sommerteil des Pas-
sionals aller Heiligen, vom 25. Juli (Jacobus major) bis zum
14. Sept. (Joh. Chrysostomus). Der Dialekt ist viel mehr mnld.
1) Über dies Schwesternhaus vgl. Beitr. z. Gesch. von Stadt u. Stift Essen,
Heft 9 (1886) S. 12 ff.
Mittelniederdeutsche Handschriften: Düsseldorf. 95
als in Stück 1 (er hat auch niet, on[e etc.). Anf. : Dxje hedudinghe
des names(l). BJe apoßel funte iacob ivas ghelieiten zehedeiis ende
iacdb ioJiäs hroder. ende honarges dats een l^ynt des donreflages etc.
Schluß: Bits dl gJietogJien wt hgßoria tripertita Jnt Jaer ons heren
ccc. Ixxx, foe ßerf hy. Dann die Subscriptio : Byt hoec hoert te Icet-
wich int fußer liuys hynen Effen. gheeyndet op. xi ^ Jüfern aitent
Jnt Jar ons Jie^n. M. cccc. lix. deo gracias. — hydt vorde fcli^ü.
3. Bl. 125'* — 143t^: Legende des hl. Antonius, aus der
größeren Legende dieses Heiligen genommen, die Alfoncius 1342
aus dem Lateinischen übersetzt hatte. Mundart wie Stück 2.
Anf.: (rot) Bat is die Jdjßorie [ante Anthonius van den ßrijclce
die om die hoefe geeß gern bereit Jiad, ö dar mede toe hedriegen.
(schwarz) Ble heliglie man Alfoncius een Cappelaen die apenhairt ons
myt groiter hegerten etc. Absatz 2 beg. : Boe (lies Toe) eren ons
lieue here Jhm xpWi foe hegynt he een ivonderlihe legende die hroder
Alfoncius van der predicher orden van den latyn in duytfche gefat
heuet. Jn den Jaere onfes here 3P ccc xlij uigename van fynre groiter
en langer legenden etc. Schluß: Bat he voer ivair mach hapen an
gade dat he vercrijgen fal in tvat noeden he is Bes göne vns die
vader . . . te gader en die heiige vader funte Anthonyus Amen. Got
fij gelaiiet altijt.
4. Bl. 143^^—183^^: Fortsetzung des Passionais aller Hei-
ligen von Stück 2, zeitlich unmittelbar anschließend; sie beg. mit
St. Cornelius Papa (14. Sept.) und geht bis Thais (8. Okt.). Dialekt
wie Stück 2. Anf.: Van de name cornelic). Cornelius hedudet ver-
ßdnde. ivant he verßont ende verßaende fo behielt hy dye hefnidingen
van oueridodycheyden etc. Schluß : fo leyfde fy xv daghe dar na en
Cy ßarf in vreden. Bl. 184^^ große Federzeichnung des 17. Jahrhs. :
Christus mit einem Reichsapfel und dem Kreuze darauf, oben auf
einem Spruchbande: Ego siim via veritas et vita. Bl. 184"^ leer.
5. Bl. 185''*— 222'^ (von einer etwas jüngeren Hand, schlechter
geschrieben): Anfang des Winterteils des Passionais, von
St. Andreas (30. Nov.) bis Mariae Empfängnis (8. Dec). Dialekt
nicht mnld., sondern ndrh. (mehr ind als ende; nett, zuweilen ^o,
das gegen Ende zu häufiger wird). Anf. : (rot) Hyr hegynnet dat
paffenael van den heyligen die daer coment jn der aduente eil in den
ivijtter (!) Jtem die voer rede van defen hoecJce dat eerße Ende daer
na van der Aduent. (schwarz) Lange tijt hyn ich vfucJit geweß en
feer geheden om tvt de latyne in duyts toe machen eyn hoich dat man
latyna heifchet aures (!) Bat hedudet in duitfchen gülden legenda Off
dat pafßonael etc. Schluß : en geleit so iverden tso der eiviger vrouden
96 C. Borchling,
des paradijfes dat ons verleen onfe Jiere ihefus xpüs ir fon. Arne.
Bl. 222^ leer.
6. Bl. 223"— 236^^^: Legende des hl. Mathias (24. Febr.).
Der Dialekt geht sehr ins Ndrh., ja sogar Hd. über. Anf. : Van
[ante Mathias dem heiige apoßele onfes heren ihefu xpi. MAthias de
gloriofe apoßel onfes heren ihü xpi was geboren van dem edelen ge-
flechte JuduQ) etc. Bl. 229' leer. Schluß Bl. 236": (rot) Wie diefe
legende tvt Juedfcher fprachen ouergefat is to lattyne, (schwarz) EJn
abt gelieyten Lodewich to thrier in Sante Euchariiis Wirken die nu
[ante Mathias mimßer heilet fchreyff eyme van fynen moencken der to
ronie ßoynt, dat he fante Mathias leuen foilde breyder jnd meirre
fchryuen wt der Jueden boicJc der verdoymden .... Ende die moetick
gehegten Lambertus eyn dyacke fchryuet dat (Bl. 236^^^) he dat ge-
troiiwelicken gedayn hebbe ivtter juedfcher fpraickcn in lattyne ouer
gefat hebbe myt eyns Joeden hulpe die eme die fpraicke bedude ....
Die Myrackel en heeft he oeck neit wt den Joedfchen boick gefchryuen
Amen. Bl. 236^ wieder eine Federzeichnung des 17. Jahrhs.: ein
gewappneter Reiter in Bewegung.
7. Bl. 237"— 247^»: Vermischte Legenden; der Dialekt
enthält wieder mehr mnld. Bestandteile.
a) Bl. 237"— 241": Van deme heiigen Mäne Säte Joiß (13. Dec;
vgl. Potthast 11, S. 1406 : Vita s. Judoci . . . auctore Florentio ab-
bate Britanno [1015]). Floirencius van der gotlicker barmherticJieit
Eyn onwerdich abt ende dat gantze cöuent fante Joeßes op deme meer
Schryuent allen gelouuygen mynfchen der moder der heiiger kirken en
befunder den myt broedere faulte Joeßes des confefforen die woenachtich
fynt durch alle de conynckricke van vranckricke en van duytfche lande
SelicJieit lyiies en fiielen . . . Sijn tvij to rade worden uwer ynicheit to
fchryue yet werdiges van fante Joiße dem edelen gloriqfen confeffoir
etc. Schluß: en na die fem leuen fal he v behdlden in ewiger glorie
Amen,
b) Bl. 241"— 245'"^: Van fante gregori^ vp de mer (12. März, es
ist die Legende von Grregorius auf dem Steine, aber in reiner
Prosa, auch die paar Verse am Ende haben nichts mit Hartmanns
Gedicht zu tun). ID was eyn edel man en tvas eyn greue to aqui-
tanien etc. Schluß: Ende die heilige kirke regierde hey do en dar
na ßjn moder obfoluierde Ende alfus hemel en erde myt fyme heyligen
leuen tzierde Dat en leiffde wijff noch mä her na dat hie in dat ewige
leuen quam Des lielpe ons allen famen die ewige vader Amen.
c) Bl. 245'^— 247": Van deme feiigen wentzelae (28. Sept.).
DE falige wenteelao was geboren van edelem geflechte etc. Schluß:
en fatte dar pne dat werdige heiltum des faligen wentzelaus dair got
Mittelniederdeutsche Handschriften: Düsseldorf. 97
durch wircJcde vyl myrakel to eiren deme gloriofen merteler xpi Amen,
Bl. 247^^ leer.
Mscr. C 21: Pap. 4«, 1476; am Anf. fehlen einige BU. Leben
des hl. Augustin, mnld. A. E. : Hier eendet dat lern ende le-
gende des hoge leerres en auerheilige hiffchops fcüs Äiigußynus. Ge-
fchreue en geeyndet int Jair ons Tiere M^ cccc^ ende Ixxvi^.
Mscr. C 22: II + 190 Bl. Pap. in 4°. Hinter Bl. 187 ist ein
Bl. herausgerissen, hinter Bl. 122 eins verworfen. Wasserzeichen-
wechsel Bl. 57. 105. (171). Zweispaltig, ca. 25—28 Z. Von ver-
schiedenen, sehr häufig wechselnden Händen des 15. Jahrhs. gleich-
zeitig geschrieben, Buchschrift und Cursive wechseln fortwährend.
Rubricator I (kräftige schöne Hand) hat die roten Überschriften
bis Bl. 48"" geschrieben, dann werden sie von anderer Hand mit
etwas größeren Lettern schwarz ausgefüllt. Erst Bl. 59"^^ tritt
Bubricator II ein; von Bl. lOß"^^ ab hören die roten Überschriften
ganz auf, meistens werden von da ab die Capitel-Überschriften nur
rot unterstrichen, seltener sind sie überhaupt nicht ausgefüllt. Die
einfachen roten Anfangsbuchstaben stammen bis Bl. 72^ von Eubr. L
Bote Strichelchen und rot unterstrichene Stellen gehen durch die
ganze Hs., erst von Bl. 179^ an wird die Bubricierung sehr spär-
lich, ganze Seiten lang fehlt sie völlig. In braunem gepreßtem
Lederband mit Holzdeckeln, der Hinterdeckel ist durchgebrochen;
als Pressung ist ein rechts blickender Adler und ein Elügeldrache
verwandt. Die beiden Schließen sind verloren. — Bl. 1^ oben von
späterer Hand die sehr verwischte Besitzernotiz aus Marienvreed:
fervio Conuentui B, M. Pacis ord. f. Crucis.
Von St. Franciscus' Gesellen, und verwandte Stücke.
Der Dialekt ist sehr schwankend, es scheint eine nid. Vorlage von
nd. Schreibern bearbeitet zu sein.
1. Bl. 1" — 83'*: (rot) Hijr fynt de name vä funte fräcifc^ ge-
feile dy irß vä hem gerope weren to den oirde en vort an tvo fie he-
günen een geyßelick leuen, (schwarz) Die ierße vam em vas fran-
cyfcus felue van gade gheropen etc. Dieser erste Absatz zählt nur
kurz die Namen der 13 Jünger auf. Absatz 2 beg. Bl. 1'^: TO
den irßen fuldy veten dat die hilUghe man funte francyfcus fer ghe-
lich was in vele punten onfen lieuen here ihm xpm etc. Für den
Dialekt vgl. noch Bl. 2": Doe funte franci{f)cus die werlt vader en
moder vrynde en mage vnd van alle dyrige der werlt die om hynderen
mochte to den volcomenen leuen vnde noch gode dynde inden iverltlicJce
hdbitte usw.; später nur noch vnde, ebenso wechselt 7iyt mit nycht,
Kgl, Ges. d. Wiss, Nachrichten. Philolog.-hist. Klasse. 1913. Beiheft. 7
98 C. Borchling,
2. Bl. 83" (Mitte)— 91^^: Aussprüche des Bruders Egi-
dius. Anf. : (rot) Hir hegynnB fomyghe wordelcyn die Broder egy-
dyus plach to feggen to fyne hruderen vn hegynt oldtis (schwarz) DJe
genade gades vn dogede fyn recht als eyn ledder vn eyn weg in den
hemel mede to climnien etc. Schluß: fyn orber pynt to treken.
3. Bl. 91^^— 14^\- Spiegel der Vollkommenheit. Anf.:
(rot) Hir hegynt een fj'^ygel der volcomenheit dar der mynre hruder
ßaet in begüne is . . . (schwarz) DJt tverJce is vgadert to fomigen
alden legenden die fiinte francifcus gefeiten in alre hande ßede fchreuen.
en fchrijuen deden etc.
4. Bl. 141^^—163'»: Htjr begynne (Bl. 141^*) fomige wonderlike
werche die funte francifcus vn fyne ierße gefelle dede etc.
5. Bl. 163"— 175'»: Bruder Egidius' Worte von Ver-
schmähung der Welt. Anf.: Broder Egidius woirde vä ver-
fmanyffe der werlt. DE den mefclie die fyn lierte vn fyn begerte vn
fyne erachte in ertfche dyngen fettet etc. Schluß: tegeji dat licht van
eynre glorificierder zielen. Hijr eyndet fomige nutte ivoerdeJcens die
hrod' Egidius plach to feggene.
6. BL 175"— 182": Verschiedene Exempla und lehrhafte Ab-
sätze, a. E. mit einer Art Subscriptio für Stück 1 — 6, vgl. Bl. 182":
den leuendige ivarachtige got altit te anbeden vn toe fchouwen. Hir
endet iverhe vn ivorde ens dels van fönte francyfcus vn fyne irße bru-
dere. Hir volget nae woe he verheuen wart, in 8 Lexen. Schluß
Bl. 187": ene ßj ere ende glorie die dat wrachte van eue to eue ame.
Rest der Hs. leer.
Die Hs. stimmt am Grenauesten mit der nid. v. Amswaldtschen
Hs. Nr. 3135 in gr. 8^ die A. ReiiFerscheid, Nd. Jahrb. Bd. 10
(1884) S. 6 f. beschrieben hat und die sich jetzt auf der Kgl. Bibl.
zu Berlin befindet; doch scheint der Berliner Hs. Stück 3 der
Düsseldorfer zu fehlen. Dieser Spygel der volcomenheit ist dagegen
sicher vorhanden in der ersten nid. Handschrift der Maatschappij
zu Leiden, die ReifFerscheid S. 6 N. 3 nennt. Von den nd. Hss.
der Franciscuslegende, die ich Bericht I, S. 124 angeführt habe,
sind wohl nur die Hamburger und die unter 3) aufgeführte Ber-
liner Hs. mit der Düsseldorfer näher verwandt ; während die Stutt-
garter und die beiden Wolfenbüttler (Heimst. 761 u. 721) ein
anderes Werk enthalten, eine Übersetzung des „Speculum vitae
S. Francisci et sociorum eins", vgl. Reifferscheid a. a. 0. Dazu
kommt jetzt noch die unten beschriebene Trierer Hs. — Die s. g.
„Goldenen Worte des Egidius" kommen auch allein vor, vgl. Be-
richt III, S. 239 und W. de Vreese, Handschriften van J. van
Ruusbroec's Werken I, S. 438.
Mittelniederdeutsche Handschriften: Düsseldorf. 99
Ms er. C 23: Pap. in Folio, 15. Jh. „Bit hoeck lioert to den
Cruyfbrod^n i Marievrede. En is gefcreue vä broder Goert Bameher,
ey donaet des ^iiet^^ ,
Passional, in östl.-nld. Mundart. Anf . : Rijr legynt dat
fömerjiuck vä den pafßonael der helUghen Ende ten irßen van den
Tiveen heUighe mertelers Johane en paulo. Am Schlüsse defekt.
Ms er. C 24: Pap. in 4^ 1462. A. E.: Jtem dit hoeck lieft ge-
geuen dö Cruyffhriiede'n jn marievrede Die Eerhalr Jonfrou liefmoet
vä fc}io7ienhorne ivedue des eerVn Dericks van hetterfcheyt etc.
Marcus von der Lyndawe, Die hyßorie der kinder vä
yfrahel, woe ß doer die woeßij toegen ivt egipte Daer mede werde in-
getagen die x. gehade en fijn fe' merkelick. Mnld. Vgl. Bericht I,
S. 124; m, S. 205; Nd. Jb. 10 (1884), S. 21 u. 11 (1885), S. 106;
de Vreese, Hss. van J. v. Ruusbroec's Werken II 1, S. 488 N. 2.
Ms er. C 25: Pap. in Folio, 15. Jh. „Z)*Y boeck lioert toe den
Cruyfhroedere in Marievreed" . Dialekt östl.-nld.
1. Die vpüßeteniffe ons heren . . . als Nycodem9 befclirijft, 2. My-
rahden ende exempelen van der gloriofer ende konyncklicker moder
ende maget Marien, van biffcopen, moindren, ridders ende anderen.
3. Die fermonen ftinte Äugußinus des biffcops tot den broederen in
der ivoeßenyen. 4. Die liißorie van Barlaam ende Josapliaf, feir fu-
verlick als Johannes Damafceniis befclirijft. Zwischen diesen im hsl.
Katalog aufgezählten Stücken noch mehrere einzelne Predigten
und ein Leben der hl. Jungfrau Maria.
Mscr. C 66 und C 71: 456 u. 555 Bl. Pap. in 8^ um 1520
von derselben Hand in einer steifen, der Buchschrift zuneigenden
Cursive geschrieben. Die beiden Bände gehören aufs Engste zu-
sammen und bilden nur ein Werk, ein Brevier nebst angehängtem
Lectionar; das zugehörige Psalterium, das in einem besonderen
Bande voraufgegangen war, fehlt jetzt. Ich unterscheide im Fol-
genden die beiden erhaltenen Bände als A und B. B enthält den
Winterteil, A den Sommerteil ; eine ganz andere Anordnung hat
dagegen die alte Foliierung der beiden Hss. und die ebenfalls alte
Lagenbezeichnung im Sinn, sie trennt Winter- und Sommerteil
nicht, sondern richtet sich ausschließlich nach den Teilen des Bre-
viers und des Lectionars. Danach gliedert sich der Inhalt der
beiden Bände folgendermaßen:
B I = Bl. 1 — 97 [alt ccxxix — cccxxxvj] = Lage a — li.
AI = Bl. 17 — 113 [cccxxxvj — ccccxxix] == i~q.
7*
100 ^- Borchling,
B II == Bl. 123 — 158 [ccccxxx — cccclxiiij] = r, w, u.
A III = Bl. 126 — 198 [cccclxv—ccccc; fjj—fjxxxv] = r, f, s, t,Xj y.
B III = Bl. 159—362 [f3xxxvj (h^^)—xxxvj (736)] = a— g, v,
A IV = Bl. 199—260 [f3xxxvj {l^^)—lxxxxvj (796)] = r, /", 5, t, u.
B IV = Bl. 363 - 435 f/j Ixxxxvlj {797)—lxviij (868)] = x, aa—ee,
A V = Bl. 261—336 [fjJxix (SQ^—xlinj (944)] = /f-mm.
B V = Bl. 436—555 [f3xlv {Mb)—f3lxiiij (1064)] = n—q, v, r, /*,
A II = Bl. 114—125 [f3 Ixv (1065)— /j /a;x«;j (1076)] = x. [s, t, u.
A VI = Bl. 337—433 [/j tot-ij (1077)— ?^:ri; (1172) = y, 3, z, |, E,
Iß, 5, U.
Übrig bleiben also nur von A Bl. 1—16, das Kalendarium,
und die leeren, stark durch Moder beschädigten, Bl. 434 — 456,
beide Stücke sind unbezeichnet geblieben. B Bl. 98—122 dagegen
haben zwar eine Lagenzählung = p, q, aber keine Blattzählung;
sie bilden ein Duplum zu A I Bl. 78 ff. und sind deshalb ausge-
schaltet.
Die Blatt- und Lagenbezeichnung, wie ich sie eben tabellarisch
dargestellt habe, erschließt folgende Grliederung des Inhalts:
I. Breviarium (enth. die Capitula, Responsoria, Versus, Ymni
u. Collecten):
1. De tempore -= B I Winterteil, A I Sommerteil.
2. Commune sanctorum = Schlußteil von A I (Bl. 74 ff.).
3. Proprium sanctorum = ß II Winter, A III (Schluß
des Winters und) Sommer.
II. Lectionarium :
1. Lectiones in der 1. und 2. Nocturn = B III Winter,
A IV Sommer.
2. Lectiones dominicales (de tempore) = B IV Winter,
A V Sommer.
3. Lectiones de sanctis:
a) Commune de sanctis = B V (Teil 1).
b) Proprium de sanctis = B V (Teil 2, Bl. 527^ff.)
Winter, A II + A VI Sommer.
Die Ausstattung der beiden Bände ist gleich. Die Rubricierung
besteht aus Strichelchen, einfachen roten Anfangsbuchstaben und
zahlreichen roten Überschriften. Rot sind auch die Bezeichnungen
C'«;', B^m, V, yn(9, Coli' etc. geschrieben. Viele Überschriften
sind auch nur rot unterstrichen, so besonders die längeren An-
weisungen praktischer Art. Ein größerer roter Anfangsbuch-
stabe nur B Bl. 194'', eine größere mehrfarbige Initiale nur B
Bl. l' (blau auf rotem Grunde). Der Einband ist bei beiden Hss.
\
Mittelniederdeutsche Handschriften: Düsseldorf. 101
ein gepreßter brauner Lederband mit Holzdeckeln, von B ist der
Rücken und eine Schließe verloren, von A beide Schließen. Die
Pressung differiert etwas: B hat nur den rechts blickenden Adler
im runden Medaillon, A daneben das Kreuzeslamm mit der Fahne
und den Pelikan. Die Pressung ist bei A sehr roh ausgeführt.
Die Sprache der Hss. ist ein Nd. von stark westlichem Charakter;
sie zeigt außerordentlich viele Dehnungs-e {oe, iie, de) auch vith;
vnde, seltener ende; on^e, selten vnfe ; vp, selten op ; nicht, daneben
neyt und sogar neycht.
A beginnt mit einem Kalender Bl. 2' (Bl. 1 leer)-~ll'; Bl.
11' — 12'^: Anweisungen für das Auffinden des Sonntagsbuchstabens,
der goldenen Zahl etc., für die Jahre Mcccccxx—{\.h)^^. Bl. 12^ —
16^: Nachtrag der Schreiberin für das Osterbrevier. Bl. 17*" heg.:
(rot) to de gethyden. cccxxxvj. Jm viij dag vä pafche. (schwarz)
GhenoemB hehbe fy myne here eü nicht en tveyt jch waer fie one ghe-
lecht hehbe etc.
B Bl. l'' beg. : (rot) Jn der Aduent ons here to d^ erße vs an.
Here dyn rych is eyn ryck alle der werlde etc.
Mscr. C 73: 238 Bl. Perg. (Bl. 228-238 Pap.) in 12^ 15.
Jahrh. Von 3 Händen, Hand 1 Buchschrift, Hand 2 Cursive (Bl.
90'— 143\ 179'— 185^), Hand 3 schlechte Buchschrift (Bl. 228'—
238^). 14 Z. Rubriciert: Strichelchen und rot unterstrichene
Wörter, rote Überschriften und einfache Anfangsbuchstaben. In
sehr beschädigtem Lederband mit Holzdeckeln, die, eine von zwei
Schließen erhalten.
Lat.-ndrh. Gebetbuch.
Bl. 1': Jncipiüt Septem pfali de Säcta ma'ia dnä nrä, lat. Bl.
9' — 28': ndrh. Gebete an Maria, Anf. : (rot) He begynet ey Jti-
nych gebet uä vnfer leu vrue, (schwarz) WJlch mynfch dit nauoh
gede gebet vnß leuer vrauwe fprich tso loetie ind tzo eren de macht
vnß leuer vrauwe ey angeneyme deynß doy etc. Bl. 29' — 33^: Dijt
ijs ey rofen koirfge uä vnfer leü vrauwe ind me ukrycht ey
beide etc., ein größtenteils lat. Gebet. Nd. sind im Folgenden noch
Bl. 33^— 57^ 95^— 106^ .112^— 143\ 157^— 171^ 186'-207'. 211^—
214'; ihr Inhalt ist ohne weiteres Interesse, ich führe nur noch
an: Bl. 103^: Dys na volgBde fynt genome vyf fuß^ hiltegardus buchen
Jnd mä fal fy eine mijfche i fy ore fpreche. iväne lieg t /Vued' noit is
(= Sterbegebet). Bl. 137'— 143^: Dyt ys der afflais der hilg' ßede
vä JhrVm. DE eirße ßat is des rychters huyf etc., am Schluß un-
vollständig, hinter Bl. 143 ist ein Blatt herausgerissen. Bl. 186'ff.:
102 C. Borchling,
Sent Anne Bofehrentzge. Bl. 201'— 202': Reimgebet an
St. Anna, Verse nicht abgesetzt, rote Reimpunkte:
Got grotze dich Anna 'koyckyne d' goidich*
bis mir armer füd^s mit dyre hulpe bereit etc. 22 Z.
Schluß: du bys eyn konycJcyne in de oüßen troyn. Amen.
Bl*. 109"^ das lat. Original eines nd. häufig vorkommenden Gebet-
chens (vgl. Bericht III, S. 35) : 0 mida humanitas etc. , daran an-
schließend : orö bti Gregorij ppe de quiqj vulnerib() JKu xpi heg. :
AVe dexfa man9 xpi pforata plaga trißi etc., in 5 durchgereimten
Strophen.
Ms er. C 75: Perg. in 12^, 15. Jahrh. Nid. Brevier mit
Kalendarium.
Mscr. C 93: I + 220 Bl. Pap. in 4^ 15. Jh. Der Band zer-
fällt in mehrere Einzelhefte, die in näherer Beziehung zu einigen
anderen Hss. der Düsseldorfer Bibliothek stehen. Hand 1, von
der Bl. 1—24 (mit der Subscriptio 1463) u. Bl. 165—187 herrühren,
hat auch die ganze Hs. C 24 (von 1462) geschrieben. Hand 4
(= Bl. 83 — 138) hat 1450 die Reisebeschreibung Ludolfs von Sud-
heim in B 112 (vgl. oben S. 89) geschrieben. Dieser Schreiber
nennt sich auch hier Bl. 137^ in einer ausführlichen Subscriptio
Amt van vorfchelen; derselbe Arnold v. Yorschelen in Borken hat
aber auch die Hs. B 7 (Fasciculus de dictis multorum doctorum
secundum ordinem alphabeti [Katalog]) geschrieben. Hand 5 end-
lich (= Bl. 139—164 u. 188—219) ist die älteste Hand des Bandes,
sie gehört noch dem Anfange des 15. Jahrhs. an, und von ihr
rübrt Bl. 109'— 161' der Hs. B 112 her. Die nur in unserer Hs.
vorkommenden Schreiber sind Hand 2 (= Bl. 25' — 80'*) von 1455
und Hand 3, die nur Bl. 80'** — SO^** beschrieben hat und eine aus-
gesprochene Nachtragshand ist. Die Mundart scheidet besonders
die rein nid. Hand 1 von der westfälischen des Arnt van Vor-
schelen .(Hand 4) ; trotzdem spricht die Identität des Wasserzeichens
dieser beiden Teile der Hs. dafür, daß sie an demselben Orte ent-
standen sind. Hand 2 und Hand 5 haben nfr. Übergangsmund-
arten, deren Mischungsverhältnis aber verschieden ist ; auch in den
"Wasserzeichen gehen Hand 2 und Hand 5 enger Zusammen. Bis
auf Hand 3 ist der ganze Band rubriciert: Strichelchen, rote An-
fangsbuchstaben und rot unterstrichene Wörter. Rote Überschriften
haben nur Hand 2 und 4 häufiger, Hand 5 nur in dem Gredichte.
Am reichsten hat Hand 4 rubriciert, hier auch größere rote Ini-
tialen, auf federgezeichnetem Grunde mit Tierfiguren, Gesichtern
Mittelniederdeutsche Handschriften: Düsseldorf. 103
u. ä., und mit Randleisten, vgl. Bl. SS'" (Esel), 83^^ (Gesicht Christi,
dasselbe 1310, 9V (Blumen), 123^^ (Drache) u. ö. — Bl. 1—80 sind
zweispaltig beschrieben: die Zeilenzahl schwankt bei Hand 1. 2. 4
zwischen 27 — 30 Z., Hand 3 schreibt viel enger (40 Z.), Hand 5 hat
zuerst 33—34 Z., in dem Gedichte 38—44 sehr breite Zeilen. In
gut erhaltenem (renoviertem?) Lederbande mit Holzdeckeln u. mit
einer Schließe. Aus Kloster Marienvreede.
Sammlung asketischer Tractate in ndl. u. nd. Sprache.
Bl. P ein Register von der Hand eines Marienvreeder Bibliothekars
aus dem Anfang des 16. Jahrhs. ; diese Hand, die in vielen Hss.
aus Marienvreede wiederkehrt (vgl. z. B. oben B 112), hat auch
im Innern unserer Hs. öfter die fehlenden Titel nachgetragen und
sonstige Correkturen eingefügt. Ick bezeichne diese Titel, die
z. T. von der Mundart des Textes stark abweichen, durch ein zu-
gefügtes (M).
1. Bl. 1" — 24^*: Passionsbericht nach den Offenbarungen
der hl. Birgitta, nid. Anf. : (rot) Hier hegint die paffie die onfe
Heue h/e feine apenbaerden der heilger vrouive Süte hrigitta. (schwarz)
WAt mach ic fpreJce ivät my ßele is hedrueft totter doit etc. Schluß
Bl. 24'^: Hier öme iverden fij verdoemt (Bl. 24''*) Daer ons god alle
voer behueden mote Arne. — Scriptu äno dni M^ccccHxiij. — Eine
nds. Hs. des Werks (BerHn, Kgl. Bibl., v. Arnswaldt Nr. 3133)
beschreibt A. Reifferscheid, Nd. Jahrb. 9 (1883) S. 134f.; er er-
wähnt N. 9 auch 3 nid. Hss. in Brüssel.
2. Bl. 25'"*— 80''* : Van vierderhande oefenynghen der
zielen. Anf.: Hijr beghijnt die voer rede vä dB boeck geMete, dat beeide
des leeues. thaeldede vä vierd'häde oefenyghe d' ziele (M). Der Text
selbst hat zwar end, ende, niet, aber vnfe, vrn^ vp und fast stets
ich, das orthographische Dehnungs-e wird wenig verwandt ; er beg. :
IHefus xpus vnfe leite beholder fprecht Jch byn gecome eyn vuer to
fenden in d' eerden End ivat teil ik anders dan id berne etc. Das
Stück entwickelt sich zu einem Gespräch zwischen der Seele und
dem Menschen. Schluß Bl. 79^*: comet lollert ofte vrigeeß dar in
to lefen of Jiore lefen fij folle vinden dar fe om mede pine to behelpen
end oer fenyn vter blome foken . . . (Bl. 79"^) End vme vnfen leiue
her fo hidt vor my arme vnfelighe de monycs name vnt fangen hebn
mer leid' noch nye moniclic en leefde Bat ic noch den fchin den ic
drage inwerdiger vermalen moet en (Bl. 80'*) myt v allen hijr de
gracie vnfes hen en na eivige gVe mote verigen Des vns gunne de
vad' . . . een wa'r god Arne. — i ^ e finis d'o laus i gloria trinis. —
(rot) Anno dm m^cccc Iv fela 5^ p^ feßü pafche. Eine nds. Hs. der
Trierer Dombibl. (Nr. 64), der der Prolog fehlt, bespreche ich
104 C. Borchling,
weiter unten; zsihlreiche (meist nid.) Hss. des Werks, darunter
auch die Düsseldorfer u. Trierer, verzeichnet W. de Yreese, Hand-
schriften van Jan v. Ruusbroec's Werken I, S. 269 u. 379.
3. Bl. 80^^—80'^: Anfang einer nid. Predigt an geistliche
Brüder über Deuteronom. 32, 29 : Och of fe fmaecUen en verßöde en
die leeßen dyngen voer fegen. Anf. : [0] Alre ließe broed' wät wy
ßjn yn ivecli defer vallender werlt ende onfe dage voir by liden als
die fcheem der fmmen etc., sie bricht in einer der fortwährenden
Wiederholungen der Tbemaworte ab. Bl. 81 — 82 leer.
4. Bl. 83'-— 138'-: Erklärung des Paternosters, nd. Titel:
Die glofe opt Pafnoß'' (M,). Anf. des Textes: UAder onfer die da
byß in den hemelen . . . (Text des V.U.s), dann: OAdonay geiveldige
here got vader Jck bidde dy mit opgerecten handen mit bewegeden
herten vn mit bedroefden ogen . . . Dattu my van dijnre vorß lectien
dijns Jcindes gedichte ycJitefivat genes to fpreken vn to fcrynen etc.
Die Erklärung faßt die 7 Bitten des V.U.s als 7 Gellen auf; zu
den Bericht III, S. 9 aufgezählten nd. Hss. kommt noch Ebstorf,
Mscr. VI, 9 (Bericht I, S. 180). Schi. Bl. 137^ Als yeto niet ein
crancJc noch ein ßerflich minfche Mer ein onßerflicJc vn ein ßarcJc
mynfchCj vn eyn mynfcJie venicht mit der gotheit an volre gewalt mit
roepender ßemen claget auer arme fundere vn erdefche minfchen. 0
liere Jhefu xpe des leuendige gads föne Wes my armen arnde van
vorfchelen die dit fcreyf vn feer verlaeden is mit fiinden vn allen fün-
digen minfchen nv vn dan gnadich, Amen, (Bl. 137^) Mit corten
woerden fo ich beß conde heb ick arnt van vorfchelen ivt myfenfclier
fprake na onfer duytfcher fprake gefcreuen fo ick na mijnre vßentnyffen
alre beß mochte defe vorß expoßcio des paf noßers Dat drier ivijfe wirt
gefpraken .... Vn dat felue pater noßer hoert dem heiigen geiße to /
Die mit finen feuen gamn defe vorß feuen cellen ßnen fonderlingen
winden beluchten wil vn leiden fy na ßnen lieueßen wyllen Vfq\ ad
fümü bonü/Dat is to den hogeßen giide Gitde vrinde die dit naniaels
lefen fidt volget mynen raede . . . (Bl. 138'') vn ein aepene poerte to
dem ewigen leuene Dar Jielpe ans te comen by ßjnre gnaden Die vader
. . . vnus deus Amen Anno dn) 1450 Decollacöis iohis baptiße ar\
Bl. 138"-^ lat. Anhänge von derselben Hand : Jn mdo ß' Septem
vtilitates . . ., Septem curialitates, ... 5. incurialitates, S. tribuladones^
S. ßgna fatuorum. Bl. 138^: Scquit^ Aurea regula.
5. Bl. 139'— 164': Zwei Sermone, nfr.
a) Bl. 139'— 155^ vgl. Titel auf Bl. V der Hs.: Eff fchoen fmoen
tot de die ep gheißlick leuB beghyne (M.). Der Text selbst beg.:
FJli accedgs ad feruiitäe dei, ßa in iußicia et tymore : et ppara aninuX
tuä ad temptacione. Defe woerde befcrijft iliefus Syrachs foen in ec-
Mittelniederdeutsche Handschriften: Düsseldorf. 10^
clefiaßico Jn de andere Capittel jnd fijn aldus in duytfche . Kynt
wiltu gaen to den dienße gaeds: fo ßaet in rechhierdicheit ind in anxt
jnd hereid dijn siel tot hekaryngen etc. Schluß : Jn die glioen lief to
hebhe die oyif qiiaet diien Jnd dat is die hoeghße graet in der mynen.
b) Bl. 155^— 162y: Predigt Susos. Anf.: LEctidus noßer flo-
ridus Befe woerde ßaen gefcreuB yn der m^ne hueck Jnd fijn ge-
fpraken to laue eenre reyner füüerre confchiencie Jnd fijn aldus to
düyde etc. Schluß: jnd weer fonder enych myddel vä gade in dat
eivige leue ontfangen Daer onff alle brenge müet die mynre der rey-
nycheit. die geuer der feliclieit ind die troeßer in der gelatenheit Jhefus
Grißus Amen, Vgl. Heinrich Seuse, Deutsche Schriften, herausg.
von Dr. K. Bihlmeyer (Stuttg. 1907) S. 495—508; ferner Nd. Jahrb.
10 (1884) S. 36; de Vreese, Hss. van J. v. Ruusbroec's Werken I,
S. 440. — Bl. 163^: DYe alre ßarclcße raäe lege all fünden fijn defe^
7 E-atschläge, Schi. Bl. 164^^: onlijdfamJieit myt lijdfamheit Jnd
der gelijcke voirt an. Bl. 164'' : MEn fal weten dat armüede is drijer-
leide . . . daer onib ßont fij ledicli alre begerten. Bl. 164^^ leer.
6. Bl. 165'-— 176^: Kleinere asketische Tractate, nid,
a) Bl. 165'"— 170^: Van geloffte der geeßelicher lüde,
Ende van beflot, Een Epißel. Anf.: DJe feine griiete my in
üwen brieff voergefreue. Scryue ic v weder toe troeß uives druckes.
Als dat druckelicke leue ons Heue here , , . Süderlinge Heue nijcht, ivant
gij fcrijfft van defen nye aengenome leue tvonderlicke fwairheit te liebn.
Schluß : Niet meer op defe tijt. Dan laet ons flute dit beflot myt ene
Corte gebedke . . . dat ivij ten leße come moege totte eivige vrede Arne,
Gefcreue van ene monick, xl Jair int beflot geweeß, Bidt god voir one.
b) Bl. ITl''— 174^: (rot) Eyn Epißel vande fcapelier der
geißlicker lüde. Anf.: J Refus Criß() die om onfe tville totter
martelien fijn cruys op finö fcholderö droich . . fij. v voir ene vrintlicke
gruet genoich. Jn uwen brieff Heue nijcht my corts gefant ßont ge-
fcreue etc. Schluß: Niet meer op defe tijt. Mer ic Jiaep als defe
epißel die fußere JiorB lefen. die te voren een fwair dobbel lioick op
orB fcolderen tvael plege te drage nv voirtmeer dat lijchte fcapelierkB
niet verftverB en fal Gefcreuen op Sunte Crißoffers auBt. die
den fuetB Jhefus in kintlicker forme op finB fcoldere droich myt ftvaer-
heit mer tB leßB menigerley pine öme finB wil leet myt ivdliger vuericheit,
c) Bl. 175'-— 176^: Zwei Exempla aus dem Buche De illu-
stribus viris ord. Cisterciensis (vgl. oben S. 39). a) Een Exempel
ßaet gefcreuB indB bueke vandB BruederB in Süte Bernards oirde ge-
heilen de Jllußribus viris. — HEt ivas een monick in Clarendale van
groter heilicheit. Die begonße te dencke vander ruße der eiviger felicheit
. . . myt defe ivoirde ßiet he van hem. — ß) Eyn Exe^npel. MEn leeß
106 C. Borchling,
een ander exempel. dat in Süte hernarts cloißer een hrueder was, die
cUfoe gelwirfam was (von Bruder Libenter). . . . der toeJcomeder gloriö
die in ons geapenbaert fal werden Deo gracias,
7. Bl. 177'— 187^: Drei Sermone über die Novissima,
a) Ep Pmoen vä de vterße des mg f che (M). — 0 Gij alre lieffße
brueders. will auerdencke die leße dinge, en nümermeer en fuldi fün-
dige, Alre lieffße hier van [echt plato etc. Schi. Bl. 180^ : Tot welker
vroude ons brengen wille. Die grondelofe barmherticheit des vaäers . . .
geeßes Arne.
b) Q Vis e Jiomo qui viuit et non videbit morte. Defe woirde fprict
danid in fine Ixxxviij pfalm. En fij aldus foe dude etc. Schi. Bl.
182^: Dat ons verlene moet. Die vader . . . geeß Arne,
c) 0 Alre lieffße vrinde wilt doch aenßene die lere en die vma-
ninge des wyfe mans etc. ' Schi. Bl. 187^ : Dat ons vlenB wil Jhef<)
xpc die föne des almechtige vaders Arne,
8. Bl. 188'— 219'': Eine nfr. Übertragung von Bruder Han-
sens Marienliedern; diese Hs. war dem Herausgeber Minzloff
(Hannover 1863) noch nicht bekannt, ist aber 1880 von Fr. Gerss in
der Zeitschrift f. d. Philol. Bd. 11, S. 218 ff. ausführlich besprochen
worden. Eine 3. Handschrift in Paris, vgl. Zs. 5 (1845) S. 419 ff.,
Germania 12 (1867) S. 89. — Bl. 219^—220' leer. Auf Bl. 220^ Wein-
rechnungen von Hand 5, dazwischen von jüngerer Hand: Bocoköie \
lLSvavdiv6 I B011X8Q BeQVttQÖive, Die Weinrechnungen lauten : Mijn
fußer ij mgg{ ^). | Hermä vogel 1 qr 5 fy \ Euert vij qr viij. gH 1 qr
geleent x fy \ Bernt vä barfdück j mpg{ iij pgt{ ix ^. | lugdke j pfft v ^. |
Regner die weuer ij pUen ix, xxix. 1 plt viij ^. | rutgher nende \ Jan
in de gade \ hermä keif\ | her[ wilkis . . . Reynke leenkes . . . Konraet
heyers . . . | maffchap in helling j pyt xvij ^ xvij \ die befyenn v ppte
V pyte I tville va elueHc iij ß. xxj ^, xxj ^. xxi ^ ^). | Jt[ derick ten buyfck
1 qr I Jty yngeWt . . . herick Kiefpenyck , . , Ji[ Ali vä tvöne^ I Jt[^ Ja
alts wijf, I Jt\^ die paßoer j qr, j qr, j qr. ^) | Jt[ to wijncoep xxxviij
qr ij ß. I die colner j qr. j niyg(. vj qr iiij ^.
Ms er. C 96: 116 Bl. Pap. in 4^, von ^iner Hand in Buch-
schrift von etwa 1500 geschrieben. 28 — 33 Z. Rubriciert : Strichel-
chen, rote Anfangsbuchstaben; Überschriften und andere Stellen
rot unterstrichen, rote Überschriften nur Bl. 25'. 86'. 99^ 110'.
In neuerem Pappbande.
1) = myngelen, Mengel, ein kleines Weinmaß.
2) Die Ziffern ausgestrichen.
Mittelniederdeutsche Handschriften: Düsseldorf. 107
Ndrh. mystisch-asketische Tractate.
1. Bl. 1'— 24'": Legende von Tandalus. Anf.: JJ^ godes
namB Arne. Jt fpricht her dauid in de falmB dat gotz forte is ey an
hegeyne alre doichgentUcJier wijf¥ . . . Dat is myn meynonge zo fagB
ive eyn rytter der heyfch Tondalus ind wart vä funtliche leue heheirt
want eme got mencJierley pyne offenbairde . . . JN dem lande zu yhernia
was ey Rytter der heifch Tondalus etc. Schluß: Mer vmh dat wyr
fyme leue neit na in moegen volgen So haynt wyr dit befchreuen zo
der vrherlicheit der gener de dit lefen foelle Vp dat des de ynnicher
vnfem lieue here dyene möge Der da leuet ind regneirt ewenclyche
fond' ende Amen. Bl. 24^ leer. Nds. Fassungen in Berlin, MGrQ.
404, Bl. 41 ff. (vgl. Nd. Jb. 6 [1880J S. 35) und Wolfenbüttel,
Heimst. 1233, Bl. 1—66 (vgl. Nd. Jb. 10 [1884] S. 28 N. 44).
2. Bl. 25'' — 85'": Suso, Das Leben des Dieners der
ewigen Weisheit. Anf.: (rot) He begynt dat leiten van dem
dyener der ewiger tvyfheit. (schwarz) Eyn preitger was in duytzfchä
lande ind tvas geboere vis fwaue des name gefchreue is in dat leuendiche
boich etc. Es ist die große Lebensbeschreibung Susos, nach seinen Er-
zählungen von seiner geistlichen Tochter Elsbeth Stagel verfaßt, es
heißt davon in der Einleitung : De wijffe fyns anuancks vortgancks ind
etzliche oeuynge de hei hat gehat de faicht hey ir in gotlicher heymlicheit
Jnd do fy da an t{r)oyß ind vnderwyfunge vant. do befchreyff fy it alle
zo mail ind dede dat doch verborgencliche viir eme Do hei der geiß-
licher dtiyffde geivair wart do ßraiffde hei fy darvmb. jnd alfo moyße
fy it eme her vis geuB do nam hei dat ind verbracht it als it eme
wart Jnd do eme dat ander deil wart Jnd hei deme gelicherwijs woulde
hayn gedayn Do wart it vnderßande van gode Jnde bleyff dat na
gaynde ßucJc ßayn Doch hayn ich dat beße her vis gelefen in hurten
worden. — DEr eirße anuanck des dyener s gefchach Do hey alt was
eychtzeyn iair etc. Schluß : DO der dyenre vp ey zijt zo colle preit-
gede . . . Jnd vä defem geßchte wart fy l yrme lyde wail getroiß ind
beßediget l eyme goede leue Am. Bl. 85^ leer. Vgl. Bihlmeyers
Ausgabe S. 7—153; es fehlt also der Schluß des Werkes (Cap. 45
—53).
3. Bl. 86'— OQ': Die Geschichte Hiobs. Anf.: (rot) He
begynnet des geduldigen konynck Jobs leue. (schwarz) Dyt fpricht
der hilge konynck Job ind pphet Myn hertze i hait mych ne geßraift
in alle myme leue . . . Her vmb wil ich he dry ßucke van eme fagen
vns zo eyme exempel Zo dem eyrßen wil ich fagB ive grois fyn lyden
was ind fyn bekorunge imvendich Zo de andere tve hey fich in allen
fyne lyde behalff Zo dem dirden we gar vaß hey bleiff in alle fyme
lyde . . . Schluß : Dat nu dat gelayffen leuen des geduldigen Jobs ind
108 C- Borchling,
konyncks ouch in V)is icerde voUenhraicht. des gunne vnf allen der
vader . . . geyß AMEN.
4. Bl. 99^ — 107^: Sermon vom Feigenbaume. Anf.: (rot)
Defen fermoen predigete eyn angußyner zo ßrayfburch in fyme cloyßer
vp eyne vrydach van eyme vygen boiime dat bracJit hey in dat lyden
vns Heuen lieren als her na ßeit gefchreuen, (schwarz) JN dem
ewangelio fent Lucas in dem xiij capittel fprach vnfe. Heue here eyn
gelichenyffe Jt was ey mynfche der hatte eyne wyngarde etc. Schluß :
De vrucht geue vns got eo nutzende in zijt ind in ewicheit Durch dat
verdyenß ihü xpi AmEN. Eine nid. Fassung bei W. de Vreese,
Hss. van J. v. Euusbroec's Werken I, S. 198.
5. Bl. 107'^— 110^: Kleinere Ascetica. a) Dyt fpricht got
der here so dem mynfchen OCh Heue mynfche drach myne doit ind
my bitter lyde in dyme hertsen wyt mariB . . . alle fyn fanden vergeuS
Des güne vns got alle Amen. — b) DAt lyden vns lieue here zo be-
trachten, dat is grois Jnd lanchwerich is geweyß . . . Jnd van deme
fy ouch komen fynt. — c) Eyn mynfche fal ßch dar zo ßelle dat liei
myt groylfen ernß ind andacht gay zo der Jcyrche . . . dat mynße als
dat meyßc. — d) Sent anfelmus fpricht dat alle gerechticheit ind vn-
gerechticheit ßaynt t dem tville . . . we edel ey craft d' wille ys. —
e) vys der regelen fent iheronimi dat xxiiij capittel. (Der ganze Ab-
satz Zeile für Zeile mit roter Tinte ausgestrichen.)
6. Bl. 110'' — 116^: (rot) Dyt de legende van der hilger
JunfferB fet gydruyt. DE hilge Junffer fent geyrdrut na ßade der
tverelt was fy van groiffem ind hoegem ge flechte etc. Schluß: Vit
ander miracule lyß man in der legende da dit vys genome is, Mer
defer fynt genoich zo bekennen van we groyffem vdef/ß fet Geirdrut is
by dem almechtigen gode AMEN. Rest des Blattes bis auf einige
jüngere Federproben leer. Über die hl. Gertrud v. Hackeborn
vgl. W. Preger, Geschichte der deutschen Mystik Bd. 1 (1874)
S. 113 ff.
Abt. D: Ritualien mit vorzüglicher Kunstausstattung
enthält nichts Mnd., wohl aber in Mscr. D 2, Bl. SOI«-— 205^ den
as. Beichtspiegel aus Essen (Wadsteins Ausgabe der kleineren
as. Sprachdenkmäler, Norden u. Leipzig 1899, Nr. III). Die as.
Homilie Bedas (Wadstein Nr. IV), die as. Glossen zu Ho-
milien Gregors des Großen (Wadstein Nr. XII) und das
Essener Heberegister (Wadstein Nr. VII) finden sich in Mscr.
B 80 der Bibliothek; die Werdener Prudentiusglossen (Wad-
stein Nr. XIX u. XX) in Mscr. F 1 und einem unsignierten Frag-
mente.
Mittelniederdeutsche Handschriften: Düsseldorf. 109
Abt. E: Conciiien, Decretalien, Römisches Recht, Medicin.
Mscr. E 27: 141 bez. Bll. Pap. in 4^ von einer Hand der
Mitte 15. Jahrhs. (Bl. 140^ wird in dem Artikel Wbe die vprichtende
daiglie Jnden Soemer vpkomen fyn der hertocli Adolph vä Cleue efi
Greue vander Mar che [1394 — 1448, seit 1417 Herzog] onfe gnedighe
landfheer genannt und Bl. 141^ in einem andern Artikel onfe gne-
dige landfhre vurfc\.) Die Schrift ist Cursive, aber die Überschriften
in schöner Buchschrift. Voran geht auf 9 unbez. Bll. ein K-egister
von der Hand des Boehertt van Beydtt borget- hinnen dye vry Statt
Cleue (2. Hälfte 16. Jhs.), der sicK am Anfang des Stadtrechts als
Besitzer eingetragen und auch die Hs. foliiert hat. Dem Bande
sind vorn und hinten eine große Anzahl leerer Bll. beigeheftet,
mit geringfügigen Nachträgen jüngerer Hände. In altem, sehr
zerschlissenem Lederholzbande, die Schließe abgerissen.
Nd. Stadtrecht von Cleve, dem auf Bl. 1 einzelne Ar-
tikel über Bürgschaften und andere Schuldverhältnisse vorauf-
gehen. Das Stadtrecht selbst beginnt Bl. 2'' nach der Vorrede
mit den Artikeln über die Icoir und schließt Bl. 141^^ mit der Af-
ßellinge der brieue acJiterßedigen tyns to peynden . . . Deo gracias.
Abt. F: Scholastik, Philologie.
Mscr. F 8: 139 Bl. Pap. in Folio, Bl. 5. 6. 11 und das vor
Bl. 1 herausgeschnittene Bl. Perg. Hinter Bl. 112 ist ein leeres
BL herausgeschnitten, zwischen Bl. 130/131 ein Bl. verworfen.
Das Wasserzeichen wechselt mehrfach, u. a. Bl. 12. 30. 113. Hand 1
hat Bl. 1—11 geschrieben (Cursive), Hand 2 Bl. 12—112 (ßuch-
schrift, die aber bald zur Cursive übergeht; Bl. 30"" Wechsel des
Typs, aber nicht der Hand), Hand 3 Bl. 113— 127^ Hand 4 Bl.
127^—139^. Alle Hände gehören dem 15. Jahrh. an. Die Hs. ist
zweispaltig geschrieben, auf der Seite 44—49 Z. Bl. 1 — 112 rubr.:
Strichelchen, kleine rote Anf. im Innern der einzelnen Lettern des
Alphabets, größere in Bot mit ausgesparten weißen Ornamenten
am Anfange jeder Letter. Das Anfangsblatt der Hs. wohl wegen
einer größeren Initiale herausgeschnitten. BL 113 if. ohne jede
Rubricierung. In gepreßtem braunem Lederband mit Holzdeckeln,
die beiden Schließen verloren. In der oberen Querleiste der Pres-
sung: Hb' cruciferor, \ i diifeldorp cga.
1. BL 1'-'^— 112^^: Lat. -nd. Vocabularius. Anfang ver-
loren, Bl. 1'* beg. : fuit pns luctus et amaitudo. — Abfcondo liude
Jnde ahfcondit() .put habet itü in fupiö. i, ab vfu rmot^ etc. Dialekt
und Orthographie der nd. Wörter zeigen mehr westlich-nds. Cha-
210 ^- Borchling,
Takter als nfr. Schluß: Zuccara e fucker, — Zuccarü id e q) hj
virtute coUatiuä i vocis darificatiuam. Das Wörterbuch ist sehr
reichhaltig und für die Wortforschung ergiebig.
2. Bl. HS--»— 139^^ Nd.-lat. Vocabularius. Anf.: []Bbat
ahhas et dicitur ah alba grece. i. pater latine. — Ahecete fibele alpha-
betü abcedarinm. — Äpteke apotheca en is eyne ßede darinen artzedie
pleclit tJw verkopenne etc. Die Erläuterungen meist in deutscher
Sprache ; der nd. Dialekt neigt mehr dem Ndfr. zu. Der Schreiber
gebraucht im Texte die Form alt, setzt aber das Wort unter 0
(olt) , hat also wohl eine nds. -Vorlage benutzt. Vgl. Bl. 129''^ :
Scap fpizekiße . faxonice uel weßphalice ^pmptuariü . r^ . caße, Schluß ;
ivunfchen optare, — Et fic eß finis de quo fit gla t'"'^. Bl. 139'*' leer.
Der Hs. angebunden sind zwei lat. Incunabeln.
Ms er. F 9: 226 Bl. Pap. in 4^ 15. Jahrb., zweispaltig. Ru-
l>riciert: Strichelchen und viele rot unterstrichene Stellen. Rohe
rote Anfangsbuchstaben zu Beginn jedes neuen Buchstabens, seltener
innerhalb der einzelnen Buchstaben. In gepreßtem braunem Leder-
band mit Holzdeckeln, die Pressung zeigt kleine Kreuze; eine
Schließe. Auf dem Perg.-Vorsetzblatte die Besitzernotiz: Jße vo-
cabulai() ptinebt quondä venJ* dnö Cratoni qui fuerat vicai^ eccVle fecu-
lari Geryfheynien i eß micJii pet° Cappellano dat<) a fuis teßamötarijs
^ppf deü vt deü exorare pro ata veW"^ ßipdicti Cratonis Anno Mcccc^
Ixxiiif ipä die Jouis in ^pfeßo diuifionis apVorj CuU) fepedicti dn)
aniuerfariü e'it 2 eß femp fexta fe'ia ante decollaciöts fancti Joh'is
bapdiße qd^ feßü fcj Joli'is eat In dnica die. Das 3. — 5. Wort dieser
Eintragung {pert. quond, ven.) hat eine andere Hand durchstrichen
und darübergeschrieben: e'at <)Ce/f<) dnö crathonj p freni eckh'tü ^ne-
tiiale i ßeyhs et nüq) e'at crathonj. Diese Correktur wird bestätigt
durch die alte Besitzernotiz auf der Innenseite des Rückdeckels:
Jße vobula'ii) ptinj frtb^ i domo lapidea.
Lat. -nd. Vocabularius, es ist das gleiche Werk wie in
Mscr. F 8, aber nachlässiger und viel fehlerhafter geschrieben.
Der Anfang von F 8 findet sich hier Bl. 1^^ Mitte, F 9 hat den
richtigen Anfang erhalten Bl. 1": A Prior eß omibus litteris qm
nafcenti.b9 p9 a^ppatur etc. Die letzte Lage ist völlig herausgerissen,
Bl. 226'^ schließt jetzt : Tutus a um feker, — fe^ de v. Das Ver-
lorene enthielt den Schluß des lat.-nd. Vocabulars auf 13 Bl., das
14. Bl. war leer.
Mscr. F 14: 288 Bl. Pap. in Folio, hinter Bl. 255 (258) drei
leere Bl. herausgeschnitten, hinter Bl. 264 1 Bl. verworfen. Bl. 2
Mittelniederdeutsche Handschriften: Düsseldorf. 111
— 255 von moderner Hand als 1 — 253 foliiert (Bl. 201 doppelt),
Bl. 256-288 als 1—33. Stück 1 von 1506, Stück 2 von 1488.
Zweispaltig, ca. 44 Z. Rubriciert: Strichelchen, kleine rote An-
fangsbuchstaben im Innern, größere am Anfange jedes neuen Buch-
stabens. In braunem gepreßtem Lederbande mit Holzschließen,
Pressung ganz ähnlich wie bei F 8, die beiden Schließen verloren.
Herkunft also wohl Düsseldorf, Kreuzbrüder.
1. Bl. 1^»— 253^^: Geert v. d. Schuerens Teuthonista,
wohl eine Abschrift des Incunabeldruckes von 1477, der in der
Düsseldorfer Bibliothek sub Sign. Ling. 246 ebenfalls vorhanden
ist; es fehlen aber die Absätze, in denen sich der Autor und der
Drucker nennen.
Auf dem ursprünglichen Bl. 1 steht nur der (falsche) Titel
von anderer, aber gleichzeitiger Hand: Vocahula^ edif<) ab eximio
doctore pemilck ppoßto ^ Cliuis ac cancellaio jllußris duc{ Cliuen. Anf.
Bl. 1 (= 2)""*: Jncipit vohidari^ des Teiitonißa, LJcet eruditi viri
gima'^^ rgularis mime fU igri etc., Schuerens Einleitung, am Anfang
gekürzt. Anfang des Textes Bl. l""^: Ä.B.C. Alphabetü. — Abel
Imypfch, moy fchoon. fuülick. weydelich etc. Schluß des nd.-lat. Teils
Bl. 85''*': Wawen bloeken als die Jiunde. Jn b Blaffen. Deo gras,
Bl. 85^—86^ leer.
Bl. 87^^»— 243'^ der lat.-nd. Teil, beginnt mit dem 'P%9 in hoc
fb'feques 0/^9. — POßq) ob cuinfdä venß doctiq) prelati tßanciä. hoc
pcedens opus qd' Theutonißa. ivlgalf d' duyffcelender (!) nücupaP. feiiqi
ttytiäatiir. eo q) inibi cöfcpü ßnguli termini l ivlgari alamanico pmo
locenf^ ordine: opleuerä. mee dehic. vifü fnät ymaginaciöl. nö minoris
fore vtilitatis ißud eciä iä feques cöpon'' opificiü , . . (Sp. b) Et fic
cöcliißue ex fupradcis ,pnücio h^ vtraqj pfencialia opera fui cöceptus
aliqnüdü cöcathenacionis modulü repfentäcia nllaten<) fore diffeparanda.
atq} hoc vnico vocabido. fcilicj theuthonißa alamanica qql interp-^Bl.
^V^)tatione der Buyßlender nüciipäda etc. Anf. des Textes: ALma
ey verborghene ionffer. — Ab. äff, van etc. Schluß: Zozinic) a ü, le-
uenachtich. ivaclcer. f. viuax, ofnijdfch, — Explicit. ße ^p \ (rot) pvf(J),
Hier hat der Druck die große Subscriptio des Druckers.
Bl. 243^^—246^^: Verzeichnis griechischer Wörter mit lat. Er-
klärung. Anf. : AB dornen gce ptguedo carnis Itine . . . bis Zodia grece,
azalia vel ßgna ßgnificat.
Bl. 247'* — 253'"'': Opus de partibus indeclinabilibus. Anf: Abel ab
ahs ex e, die v"" ßgnificare ... bis Viäge . Vidga'if ,%. vbiqi . cöiter, — Ex-
plicit opufculü de ptib^ indeclinabilibj Jn fo fcovj marcellini p ma<) /V\
henriä de werdenborch ad höre . da i ^pfectu frm. Anno d* Mdvj. (rot)
lo Ale (?). Bl. 253^ leer. Bruder Heinrich von Werdenborch, alias
112 ^' Borchling,
V. Brochausen hat 1510 auch einen Teil von Mscr. B 194 ge-
schrieben. — Exemplare des nd. Druckes des Teuthonista (Hain
14513) finden sich außer in Düsseldorf noch in Bonn (VoulHeme
Nr. 728), British Mus. (früher Kloß), Hannover (Bodemann 16),
Darmstadt. Göttingen, Hamburg, Straßburg.
2. Bl. 1*"— 30*^**: Exposicio Eustachii super regulam Augustini
lat., geschrieben Mcccc Ixxxvüi p me frej arnoldü de colonia fub-
dyaconü ad vtüitate ^uet<) ordls fce cruc\^ l duyffeldorp :c( p^ äno ^pfef-
ßöls fue. Angehängt ist Bl. 31*'*"^'* ein kurzes lat. ex"* vnde car-
tliußenßü ßat<) habet originem (vom hl. Hugo u. Bruno). Rest der
Hs. leer.
Mscr. F 23: Diese Nummer enthält Bruchstücke aus zwei
ganz verschiedenen Hss. :
a) ein ganzes unverletztes Blatt Perg. in Folio, zweispaltig,
die Spalte zu 48 Z., nicht rubriciert, 14. Jahrh. Aus Arnsberg
stammend, mit dem Zeichen Kindlingers ^.
Bruchstück eines ndrh. epischen Gredichts auf Wale-
wan, veröffentlicht von F. Deycks, Progr. von Münster 1858.
b) Stück eines Doppelblatts Perg. in Folio, zweispaltig, 14.
Jh. (?), erhalten sind je 13 — 14 Zeilen der Spalte.
Bruchstück eines mnid. epischen Gredichts auf Walle-
w(ain).
Abt. G: Geschichte.
Mscr. Gr 8 enthält von einer Hand des 18. Jhs. 1. eine hd.
Übertragung der märkisch-clevischen Chronik Geerts v. d. Schueren,
auf 290 gez. SS., 2. Historia Herum Jidio Montensitun 2)er nohilem
Belir a Lahr desumpta Ex JEgidii Gelenii Historiographi Coloniensis
Volum: J24 fol. 24 et sequ, 69 Bll. Die Farragines des Gelenius
befinden sich auf dem Hist. Archiv der Stadt Cöln.
Mscr. G 31: 53 Bll. Pap. in kl. 4«. Zwischen Bl. 1/2 u. 8/9
je ein Bl. herausgeschnitten. Ruhr.: Strichelchen, Anf. , Über-
schriften, in den Tabellen größere Partien rot geschr. Kräftige
Cursive vom Ende 15. Jahrhs. In ein starkes Pergbl. geheftet.
Astrologisch-astronomische Tractate.
1. Bl. 2' (Bl. 1 leer)— 28': Ndrh. Prognostik nach den
Tierkreiszeichen und (Bl. 8') den 7 Planeten. Anf.: Der tvyder
halt aen dem myfche dat houjfd dat aengeßcht . den ougheaepJiel ind
wat hynen ind huyßen aen dem houjfd is etc. Schi. Bl. 8': ind dyt
Mittelniederdeutsche Handschriften: Düsseldorf. 113
is ge fehlet van den xij . reichen vff dat aller JcoirM als ich la^arus
h ehern van fult^bach practicus in quadriuio haff vyß getreckt vyß
dem alTcabicio ind centiloquiü ind qiiadripertite, vyß ptholomeo ind haly
ahragelfun ind andermer ic\,, (Absatz.) (rot) By ander vnderfcheyd
yn der natiir der planete ind wat zoe fy eygen ind wat fy heduiden
etc. Anf. : Item fatiirnus is der oueirße plattet etc. ; hinter Bl. 8
ein beschr. Bl. ausgerissen. Schi. Bl. 27'': Item 3 (= Mond) hait
den Maendach yn der ivechen Jnd dyßf fy gefaicht van den .vij. pla-
neten vff dat aller koirzte. Angehängt Bl. 27^ — 28^^ eine ähnliche
Erörterung über Caput u. Cauda Draconis.
2. Bl. 28^ — 53^: Lateinische astronomische, geographische, astro-
logische Tractate, anf. : Sexta pars principdlis de motu ßgnorum Zo-
dyaci '^mi mobilis in aßrolabio phißco, U. a. Bl. 36'' — 37^: De qui-
hufdaj regulis pcticanti phißco nccarijs in horarj electionib<) pro medicinis
dandis etc. Bl. 43'— 53^: Jfo^g opandi p tabulas eqtiöis 12 domovj
celi Jnfra poßtas, darin Bl. 46^ : Finis canonü 1501, — (rot) Sequüt^
tabide equationes 12. domorü celi ad latitudine^ 51. g, extracte et ela-
borate ex tablis mgri Johannis d' Regio möte ff* modü fuü rationale^
que fnuit i fuo ^pbleumate, 14. veriorem Ter Adam paßore in eccia
collegiata Jcerpefi Colonien dioc\ Anno 1494. Es folgen die Ta-
bellen Bl. 47'-— 52^ Bl. 52^—53' ein lat. Nachtrag mit Berech-
nungen. Bl. 53^ endlich eine angefangene Tabelle. Auch Bl. 41^
wird in einem Musterbeispiele 1494 als annus currens bezeichnet
und die ciuitas Carpenßs genannt.
Fragmente der Landes- und Stadtbibliothek.
Nr. 1: 2 Doppelblätter, ein leeres und ein Streifen eines be-
schriebenen Einzelblatts Pap. in 12°, 2. Hälfte 15. Jahrhs., 16 —
17 Z., rote Anfangsbuchstaben. Aus Einbänden gelöst, jetzt in
einem unbez. blauen Hefte.
Bruchstücke eines ndrh. Psalters. Die beiden Doppelbl.
schließen unmittelbar an einander an, sie haben, wie eine Berech-
nung ihres Inhalts ergibt, die Außenblätter zweier Lagen von je
8 Bll. gebildet. Die Innenseiten beider Doppelblätter sind jetzt
nicht lesbar, da sie fest zusammengeklebt sind. Bl. 1"^ beg. : feie
ind myn bucJce Want \ myn leuen gebrach in rou-\wen ind myn iaren
yn fuchtyngen Myn er äfft \ is crancJc geworde in ar-\moeden ind myn
beyne \ fynt bedroeft etc. (= Ps. 31, 10 ff. der Vulgata). Bl. 2^
schließt: Here wäneir faltu yt ßen weder fecz myn fe-\le van oere
quaitheit vä \ dem leüen myn eynyghe \ Ich fal dich belien in der ||
(= Ps. 34, 17/18). Bl. 3^^ beg.: groeter Jcyrchen in deme \ fwaren
Kgl. Ges. d. Wiss. Nachrichten. Phüolog.-histor. Klasse. 1913. Beiheft. 8
114: ^' Borchling,
volcke fal ich dych \ louen Myn vyande e moe-\ten fych nyet verblijden
euer mych de myr weder \ fynt die veJfchlich mych zo \ vergeues ge-
haß hauen \ ind wenken myt oere oii-\gen etc. (= Ps. 34, 18 ff.).
Schluß Bl. 4^: myn ouge is | hedroeft in tzorne myne \\ (= Ps. 37,
11/12).
Nr. 2: Aus dem 1. Hefte eines Convoluts: „Fragmente von
Heiligenleben, Papst- und Bischofsbriefe etc. etc.". Auf einem
Blatt eines Kalenders von einer Hand des 15. Jahrhs. : Dyt falman
lyefen noderen en^ghain dat vergyfnif = Schlußschrift eines latei-
nischen Segens. Der dann folgende nd. Segen wider die varne
(Wurmsegen) (15. Z. lang) ist mit kleineren Lettern geschrieben
und leider zum großen Teil abgeschabt. Das Erhaltene lautet:
[J]w den namen des vaders + in den namen des foens + in den na{men)
{des) h(ei)l(eg)he geißes / wanner wardet my dey heiige Jcerß die boet-
hir V . . den / in crißus Jcney / dar quam to
. . . Sij fprach war woltu aue.
an des mynffchen lede . du
kraft . fchicke dy vte def
negen füßere gaen
kellen ind [wellen / d
Hoten I die . . Icerß die hoetes my / da
die Urne wat oeuels
. . . . die heiige kerß die . . . my / et fy my die witte
. . . . die grijfen . . roden varn / die hlaen varn j die
ßickene . . die vlegenen varn ef er icht m
. . . . lieilge kerß die iveder my fynd moeten my alle fo h
alfe ich
Nr. 3: Ohne Signatur, in einem weißen Papierbogen. Die
Reste zweier Doppelbll. Perg. in kl. Folio.
Lat. Brevier 13. Jahrhs., stellenweise mit deutschen Ru-
briken in ndrh. Mundart. Vgl. Bl. 1': Bit is zv mitte morgene.
— hie fprich die collectä die da ouene ßeit, — Dit is zv mittenie dage
usw., u. a. Bl. 3': Dit iß dinßaich mettenin. — Dit iß over Magn.
— Dit iß gvdenßach . mettenin . pma l\ — Bl. 3^ : Dit iß dvnre ßach
mette. Bl. 4^: Dit is des manindagis mettene.
Nr. 4: Einzelblatt Pap. des 15. Jahrhs., 22 lang durchlaufende
Zeilen.
Nd. Brief des Willem ten hamme an seine beiden Brüder
Herbernt und Johan. Die Adresse steht am Schlüsse hinter der
Mittelniederdeutsche Handschriften: Düsseldorf. Emmerich. 115
Untersclirift : An herbernt te käme vn johan \ ten käme mine leiue
h'uder \ conie defe bref tc, ic. Der Brief selbst lautet :
Jhefum crißum Pro falute wettet leiue broder herbernt vnde johan
vo dat ghy my fcriuet van den gode \ to boderincJc to loffen vä her joJian
valßal dat vm ßet voer hundert gülden vn x fo wettet leine \ broders
dat ic dat guet val loßen Jean vn loffen wil er vmmer lanch went dat
goet daer driuelt \ goet voer is ic en oc als ghy my fcriuet vä niines
broder johans gelde fo Jcene ic dat ic vfumet hebbe | dat myn broder
ßn gelt niet gheJcregen en heft dan oft gott üilt fo vro als ic ueder
euer come fo uil ic \ dat ßellen dat myn broder ßn gelt ual crigen fal
Jt{ wettet leiue broder ivert faJce dat ghy ofte v \ Idoßer mich gelt
vußen ofte hedden dat ghy belegen ivolden vtne rente fo iver ic des to
vreden en ver \ och wrentellike begerrende vä v dat ghy her ualßal
dat gelt ueder vm geuen uolden en vm boderinch \ af loffen uolden tot
vuen beßen en tot den minen bes ter tit to dat ic v ofte vuen Jc(l)oßer
dat gelt ueder | vm gheue Ende ßellen daer en to de v dat guet to
boderinch dan üuarde dat ghy des jaers dat \ wue daer af Jcregen en
ues [ues] daer uoert af queme dat dat to minen beßen queme ivent ic
happ(e) I dat tnin broder daer ghene driuolde vinninghe af begert ofte
mich ghenot da dat min broder to d{e) \ finen mochte komen uent dat
erue is des jars fo guet vor xij ofte xiiij gull ic Jt\ leiue broder is
dat I V uille fo nemt daer by vnfe vrende johan Jcoßers arnt fchulßB
jolian bruens hinrich uä diyiden \ en laet vm den brieft hören ues fe
daer in raden en vm beß düket uefen dat fe dat da fo maJc(e) \ ic Jt{
leiue broder grotet my als vnfe vrende en uefet to vreden ic fin got
danck ual to vreden hebbe ii (. .) | hüdert gull ofte uat üko{f)tet ofte utert
daer en hebbet ghy noch ic gen vyer af dat heb ic met gode mans \
vertert fo uil ic my fo lange drucken vn liden bes ic uer to uoren
kome en uil des gode nümer me \ to betrüuen al dinck fal noch guet
üden ic Jt\^ leiue broder uert en ueinich üere fo uil ic of got uil nocQi) \
vp en ander ßede als ic v dat noch ual fcriuen fal leue broder h'bernt
en leue broder johan biddet \ got uoer my en got fpaer vns lange ghe-
funt 26* ghefcreue feHa fecüda poß ätonij Jt{^ leiue brod{er) | met aller
leige pagemete moget ghy em betalen.
Emmerich, Pfarrarchiv von St. Martini.
Das Archiv besitzt, nach der freundl. Mitteilung des Herrn
Regens Dr. Liesen zu Emmerich, eine Papierhs. in Kleinfolio vom
Ende 15. Jahrhs. mit einer nd. Übersetzung von Caesarius von
Heisterbachs Dialogus miraculorum. Die Übersetzung,
8*
■[^Q C. Borchling,
im nfr. Dialekt von Emmerich, ist um 1480 von dem damaligen
Rector des Fraterherrnliauses zu Emmerich gemacht worden.
Eine Hs. aus dem Besitze des Herrn Ferd. van Rossum zu
Emmerich, die 1503 vollendete nd. Chronik des Schwestern-
hauses zu St. Agniten in Emmerich, hat Herr Dr. Liesen
in der Beilage zum Osterprogramm des Kgl. Gymnasiums zu E.
1891, S. Ulf. näher beschrieben und mehrere Proben daraus mit-
geteüt. Vgl. Westd. Zs. 1 (1882) S. 392 ff. Nr. 8; Giemen, Kunst-
denkm. d. Rheinpr., Bd. 2 (1892), 1, S. 52. — S. 54 druckt Giemen
als Inschrift einer (jetzt verschwundenen) Tafel imRatssaal die
bekannten ßatmannenreime (Die eyn Stadt sullen regieren etc.
18 V.) ab, vgl. oben S. 52.
Das Archiv der Stadt Emmerich befindet sich als Depositum auf
dem Kgl. Staatsarchive zu Düsseldorf, vgl. oben S. 82 f.
Frankfurt a. M., Stadtbibh'othek.
Die Handschriften der Stadtbibliothek sind nur recht unzu-
reichend katalogisiert, und es ist deshalb schwer, eine vollständige
Übersicht über die vorhandenen Bestände zu gewinnen. Die beste
Arbeit an den Katalogen der einzelnen Abteilungen hat der da-
malige 2. Bibliothekar der Stadtbibliothek Lorenz Dieffenbach in
den Jahren 1872 — 1876 geleistet. Für bestimmte Abteilungen muß
man jedoch noch heute die alten Kataloge des 18. Jahrhunderts
benutzen ^).
1) Die Hss. der Stadtbibliothek sind aus folgenden Fundi erwachsen:
I) den alten Beständen der Stadtbibliothek,
II) den 1803 hinzugekommenen Klosterbibliotheken, und zwar a) der Dom-
bibliothek, b) der Praedicatoren-Bibliothek, c) einigen wenigen sonstigen Hss.
An Katalogen sind vorhanden: für 1):
1) der alte, nach dem Alphabet aufzählende hsl. Katalog über die alten
Bestände der Stadtbibl., und zwar ist es der Band, der beginnt mit den „LibH
Hollandici et Anglid". Die Handschriften stehen in diesem Bande auf p. 591 ff.
2) Dieffenbachs hsl. Katalog von 1874/76, er umfaßt aber nur die Abt.
II. u. III , nicht auch Abt. I, für die man also auf den alten Katalog angewiesen
bleibt;
für IIa):
1) der hsl. Katalog von Canonicus Batton 1776;
2) Dieffenbachs hsl. Katalog von 1872/73, der aber Nr. 1—62 nicht
mit katalogisiert hat;
für IIb) gibt es keinen älteren Katolog, sondern nur Dieffenbachs hsL
Katalog von 1873/74.
Alle seit diesen Katalogen nea hinzugekommenen Hss. sind überhaupt noch
Mittelniederdeutsche Handschriften: Emmerich. Frankfurt a. M. 117
Icli beginne mit Abt. IIa, den Hss. der Dombibliothek.
Diese 175 Hss. enthalten nichts Nd., da auch Nr. 171: Bat is dat
CatecMsmus off Kinderleere, 337 Bl. Perg. 8°, 16. Jahrh., nid., nicht
nd. ist.
Ebenso ergebnislos war die Durchforschung der Abt. IIb
(Praedicatorenbibliothek). Ein lat. - deutsches Lied gegen
Hussiten, Juden und Ketzer auf dem Hinterdeckel von Nr. 1190,
mit der Unterschrift : Mgr ]i^män<) greueßey edidit crmen % in gottig[^
ist hd. Ebenso die Practica des Meisters Bartholomeus in Nr. 1795,
die wie das ihr vorausgehende Boch der Gesuntheit des Arnult von
Mampelyr nur ein Auszug aus dem sehr umfänglichen Buch von der
Gesuntheit des Ulrich v. Megenberg in Nr. III 25*> der „Alten Be-
stände" ist.
So bleibt nur noch Abt. I, die alten Bestände der
Stadtbibliothek. Daraus hab ich zu nennen:
Alter Kat. S. 636: 1 + 149 Bl. Pap. in gr. S\ Anf. 15. Jhs.
Bl. 1^—139^ sind als S. 1—277 paginiert. Bl. 140-143 bilden den
Schluß der Lage 12, deren letztes Bl. herausgerissen ist. Bl. 144
— 149 sind alte Nachsetzbll. "Wasserzeichen Lage 1 — 8 Weintraube,
Lage 9 — 12 Krone mit gestieltem Blatt, Lage 13 Ochsenkopf.
Lagen a. E. gezählt, außerdem die Blätter der 1. Hälfte jeder
Lage durch a — f. 25 — 26 Z. Die Hs. schreibt gar keine ^-Punkte,
selten «-Striche. Ruhr., die Anfangsbuchstaben der abgesetzten
Verszeilen rot gestrichelt. Rote Anfangsb. , rote Überschriften
Bl. 1' u. 129'. In altem Lederband mit Holzdeckeln, Rücken er-
neuert, als innere Bedeckung des Einbands ein lat. Testamentum
Henrici de Bachern, Pastor. Parochialis Ecclesiae in Cranenfeld, Co-
lonie d. 1428. — Aus dem Herrenleichnamskloster in Cöln (vgl.
Harzheim, Bibl. Coloniensis, Colon. 1747, S. 103), dann Dr. Kloß,
dann J. F. Böhmer in Frankfurt. Von Böhmers Hand auf Bl. 149
Eintragungen über sonstige Hss. des Werkes u. ä. von 1826;
außerdem auf 2 neueren, vor BL 149 eingeklebten Bll. Notizen
H. Müllers von 29. 6. (18)38, über sprachliche Fragen.
1. S. 1 — 257: Gottfried Hagens Cölnische Reim-
chronik. Anf. :
Byt is dat hoich van der ßede coelne
Bich ewige got van hemelrich
Bynen fün de eweliche
nicht katalogisiert, mit Ausnahme einiger Nachträge im alten Kataloge sub II),
die aber auch nur die 70 er Jahre betreffen. Endlich existiert noch ein Zettel-
katalog über einen Teil der Hss.
118 ^' Borchling,
Mit dyr Is ind dynen hilge geiß etc.
Schluß: Na godes gehurt diifent iair
Zweyhüdert ind feuentzijch dat is wair
Meißer Godefrit hagene maichde mich allein
Nu biddet fyner feien gudes gemeine
Amen Amen Amen. Äonen Amen.
2. S. 258— 277: Die weüer fla^cht
Wolde mirs got gehengen
Dat ich mochte volbrengen
So wolde ich begynnen etc.
Schluß: De is wail geleirt
Die al dioicJc zo deon beßen keirt.
Nach dieser Hs. sind beide Stücke herausgegeben von E. v. Grroote,
Cöln 1834; die Ausgabe von Cardauns in den Deutschen Städte-
chroniken Bd. XII (= Cöln I), Leipzig 1875, S. 1—223, benutzt
außerdem für 1. die oben S. 45 besprochenen Düsseldorfer Bruch-
stücke des 13. Jhs. Für eine Neuausgabe ist vor allem die von
AI. Bömer in der Gräfl. Fürstenbergischen Bibliothek zu Stamm-
heim (jetzt als Depositum im Kgl. Staatsarchiv zu Münster) ent-
deckte vollständige Hs. der beiden Werke mit heranzuziehen; sie
bringt den in der Frankfurter Hs. fehlenden Schlußteil der Wever-
slaicht, den wir bisher nur aus der Überarbeitung in der Koel-
hoff sehen Chronica der hilliger stat van Coelne kannten; vgl. Zen-
tralbl. f. Bibliothekswesen, Bd. 26 (1909) S. 357.
Kat. S. 651 (M.S.S. Saal P. 1): 21 Bl. Pap. in Folio. 1825
angefertigte Abschrift des ndrh. Liederbuchs der Ammelya,
gebornen Herzogin zu Cleve, Jülich und Berg. Original und
Abschrift befanden sich ursprünglich im Besitze des Dr. (j. Kloß
zu Frankfurt a. M. Das Original ist nach England verkauft und
jetzt verschollen. Die Abschrift ist benutzt von Uhland, Volks-
Heder \ S. 768 und von Joh. Bolte, Zeitschr. f. d. Phil. 22 (1890)
S. 397 — 426, wo er 14 Lieder, meist weltlichen Inhalts, daraus
mitteilt.
Fragmente der Stadtbibliothek: A. Carton: „Alte
Hss.«, auf der andern Seite signiert: Stadtbibl. Fft. a. M. L K. 27.
Darin an 2. Stelle die schönen Fragmente ndrh. Gedichte
auf die Schlacht bei Göllheim 1298 und auf die Böhmen-
schlacht 1276, nebst dem Bruchstück eines Minnehofes. Vgl.
Maßmann, Zs. 3 (1843) S. 7—25; Liliencron, Die hist. Volkslieder
der Deutschen, Bd. 1 (1865) Nr. 2 und Nr. 5.
Mittelniederdeutsche Handschriften: Frankfurt a. M. HQ
B. Ein 2. Kasten, in Form eines großes ßuchbandes :
1. Eine Menge Bruchstücke von zwei Exemplaren eines nd.
Druckes von 1511 in gr. 8^ (oder kl. 4^), mit Holzschnitten.
Erhandelt von einem großen Judenprocesse wegen Mißhandlung
des hl. Sacraments zu Knoblock 1510, der Proceß ist zu
Berlin verhandelt. A. E. : Gedrockt to Fr anckfort an der Oder]
durch Joannem Hanow im iar tufent \ viff hundert vnd im elffte j
Sona I bent noch (!) Mathie tivelffhoth. Das Nd. ist sehr schlecht.
2. Ein Doppelblatt Pap. in Folio, einspaltig, 32 Z., 15. Jahrh.
Bruchstücke aus dem nd. Drucke des Spegels der mynfcli-
liJcen behaltniffe (Lübeck, Lucas Brandis, ca. 1476). Von dem
Werke ist bisher nur das einzige (vollständige) Exemplar der Kgl.
Bibliothek zu Kopenhagen (Böllings Kat. Nr. 2268) bekannt. Vgl.
Hain 14941; Scheller 433; Nyerup, Spicileg. bibliograph., S. 147 ff.;
H. 0. Lange, Bidrag til Lybeks ßogtrykkerhist., S. 15 f., und bei
CoUijn, Ettbladstryk I, S. 14 N. 4.
Bl. 1 enthält Teile des 22. u. 23., Bl. 2 des 24. u. 25. Ca-
pitels, die beiden Blätter hängen mit ihrem Texte nicht zusammen.
Cap. 23 beg. Bl. 1' Mitte : Dat xxiij. Capittel | JN de. xxij. capittel
hebbe wi geholt wo crißus dat cruce \ droch. Nu fchole iiy hören wo
he voi de bat de en cruci | . Bl. 2'' beg. : don. Wente fe begerden de
ßat mer to winnen. wen |. Bl. 2^ Mitte beg. Cap. 25. Auf Bl. 1'
ein colorierter Holzschnitt (Josua und Caleb tragen die Weintraube,
also zu Cap. 22); Bl. 2^ ein ebensolcher zu Cap. 24 (Elephant mit
Turm, vgl. 1. Maccab. 6, 46).
3. Ein Doppelblatt Pap. in Kleinfolio, einseitig bedruckt.
Bruchstücke des unvollendeten Druckes der nd. Birgitta
(Lübeck, Lucas Brandis, ca. 1478). Von Bl. 1 ist ein vertikaler
Streifen herausgeschnitten , die Blätter sind aber nachträglich
wieder aneinandergeklebt.
Bl. 1 beg. : my . Nu alfe ycli alfo dachte / een engh nycht \
vnghelich enwas deme den ich er ghe . . . ßunt \
letzte Zeile: dende myt mynen Jianden . ych was h , . . \
Bl. 2 beg. : (Zeile eingerückt) Maria gades moder apenbarde fyh
funte Bir- \
gitten in deme dage des feßes to Uchtmißen vn fpzah \
to eer vn fede. Jn deme .vj. bohe in deine. Ivij Capp. |
letzte Zeile: allent dat to der otmodicheyt hoide dat hadde ih leeff \\.
Dieselben beiden Blätter finden sich unter den Bruchstücken des
Druckes in der Sammlung der Einblattdrucke und Fragmente der
Kgl. Bibl. zu Kopenhagen wieder. Ich kenne von diesem merk-
würdigen Drucke jetzt Blätter in Stockholm, Uppsala (Collijn Nr.
120 C. Borchling,
334, ca. 20 BL), Rostock Universitätsbibl. u. Privatbesitz, Kopen-
hagen (6 BL), Hamburg (2 BL), Ebstorf (1 DoppelbL), Lübeck
(2 DoppelbL), Hannover (früher Culemann). Zur Literatur vgL
G. Klemming, Birgitta -Literatur (Stockh. 1883) S. 39—41 ; G. Koh-
feldt, Beitr. z. Gesch. d. Stadt Rostock IV 1 (1904) S. 39 ff. und
IV 2, S. 99; Collijn, Ettbladstryck I, S. 14/15 u. 20; ders., Lü-
becker Frühdrucke S. 297.
3a. Zwei weitere einseitig bedruckte Blätter desselben
Druckes (?), aber nur 32 Z. erhalten.
BL 1 beg. : voi luchtet / vnde de engele de dat feen de viouive ßck |
letzte Z. : tvanderde in ydelicheyt / vnde och nicht en hegherde || .
BL 2 beg. : euene mynfchen. alfo dat du vmme der faliclieyt wille \
letzte Z.: der voißen en fcliemede ich my nicht de warheyt tho ||.
4. Zwei völlig identische Blätter eines nd. Druckes, 4^^,
23 Z. Es sind einseitig bedruckte Correkturabzüge von BL 16'^
(oben sign, mit vij) des alten nd. Psalters (Lübeck, Lucas Brandis,
ca. 1474).
Z. 1 : here mähe my funt . wete alle myne in \
wendighen crefte find hediouet Myn \
Ti. 23 : twidet myn heth alle hofheyt to voidiU \\
Das eine der beiden BIL trägt auf der Rückseite den hsl. Vermerk:
Jjiber monaßerij fayicti maynulfi in Bodihen paderb^ dioceßs; es stammt
also aus dem Einband eines Buches dieses westfälischen Klosters.
Von ganz demselben Blatte hat Collijn 3 Correkturexemplare in
Lübeck gefunden, vgl. Lübecker Frühdrucke S. 291. Zu den Be-
richt II, S. 135 und III, S. 188 aufgezählten Exemplaren kommt
noch Hamburg (Scrinium 84^, Perg. ; im Einbände stecken noch 2
Einzelblätter desselben Druckes) und was Collijn a. a. 0. an Lü-
becker Fragmenten anführt.
5. 1 BL Perg. in Folio, zweisp., 29 Z., Anf. 14. Jahrhs. Rote
Überschriften, rote u. blaue Anfangsb. Von Hoffmann v. Fallers-
leben auf dem Boden eines Zuckerbäckers in Celle gefunden (Notiz
auf dem Blatte); es hat als Einband zu einem 8^-Bande gedient
und trägt den Rückentitel: Waiden f er \ Kymedontis \ Jesuite . . . |
Bruchstück des Sächsischen Landrechts, nd., aus Ho-
meyer III 4 § 1 bis 7 § 2. Anf. : hopinge oder der ghift, iene de
fe vnder eme heuet . tnüt fe feine dridde ivol hehalden etc. Schluß :
men richtet over ene dorch des honinges vrede den he an , . , ||.
Mittelniederdeutsche Handschriften: Frankfurt a. M. 121
Frankfurt a. M., Karl Theod. Völckers Verlag u. Antiquariat.
Kat. Nr. 259 (1905 Nov.), S. 3 Nr. 29: 384 Bl. Pap. in 8°
(15 X 10,1 cm), Ende 15. Jahrhs. Lagen vom Schreiber gezählt,
von jeder Lage sind Bl. 1 und 3 fortlaufend numeriert. Festes
starkes Papier, nur eine Lage (Bl. 269 — 276) aus minder starkem
Pap., das ziemlich gebräunt ist. Bl. 1"^ etwas fleckig u. gebräunt,
ebenso die letzte leere Seite der Hs. Von einer Hand in kräftiger
regelmäßiger Buchschrift, nur Bl. 384^^ von einer anderen, ähnlichen
Hand mit spitzerer Feder nachgetragen. Sauberes zartes Tinten-
linienschema, 22 durchl. Zeilen. Die sorgfältige u. reichliche Ru-
bricierung stammt vom Schreiber der Hs. Eote Überschriften,
z. T. sehr ausführlich, besonders bei den empfehlenden Einleitungen
der einzelnen Andachten. Die großen Anfangsb. rot gestrichelt,
einzelne Wörter des Textes rot unterstrichen (besonders viel in
Stück 7), ebenso in Stück 1 der ständig wiederkehrende Schluß-
passus der einzelnen Grebete. Farbige Initialen in drei verschie-
denen Ausführungen : 1) an den Anfängen der Hauptabschnitte
6 — 8 Z. hohe, hübsch verzierte, aber sonst doch ziemlich rohe
Initialen in 3 — 4 Farben (blau-rot-grün-rotviolett) mit einfacher
roter Randleiste ; 2) 4 — 5 Z. hoch, blau auf rotem Grrunde, oder
blau -rot auf rot -violettem Grunde; bei sonstigen größeren Ab-
schnitten; 3) 2 Z. hoch, abwechselnd rot oder blau; die übliche
Initiale der kleineren Abschnitte. In Stück 2 und 3 sind alle 3
Arten 2 Z. höher als in der übrigen Hs. ausgeführt. In neuerem
Halblederbande. Herkunft unbekannt. Dialekt ndrh. (ripuarisch),
doch tritt das kölnische inde nur Bl. 384^ auf, sonst nur vnde.
Das häufige w für anlautendes v ist, wie es scheint, kein wirkliches
w sondern ein dem w ähnliches verziertes v.
Ndrh. Andachten.
1. Bl. l'-— 77^: Jesu Freaden Psalter. Anf.: (rot) Her
hegy^it dat JPrologus wp Jhefus tvrouden f elter. (schwarz) üür de
voefe dynre gotlicher mayßaet neygen ich mich 0 vader der grondelofer
harmhert^icheit etc. Prolog und 149 Abschnitte, ursprünglich doch
wohl 150 Abschnitte wie im Psalter. Durch Initialen der Gattung
1) sind Prolog und Ps. 1 u. 51 hervorgehoben, durch die mittleren
Initialen Ps. 11. 21. 31. 40. 61. 70. 79. 88. 99. 109. 119. 129. 139.
Ps. 1 beg. Bl. 1^: (rot) Heir hegynt der froude [elf. GEgrüet fij-
ßu 0 gloriofe onhegrifßiche vnd gebenedlde dryualdicheit Jn d^ on-
fprechlich' vrouden de du haddes van ewicheit in dir feluer befe/fen
122 C. Borchling,
van der edelhj dynre gotlicher werdichj etc. Schluß: Da' fy dich
conyck d' conycken feyn moiffen in voller vroudc rengeneirs fonder
Amen (!).
2. Bl. 77^—188^: Andacht zu den 35 Marterfällen
Christi. Anf. : (rot) Hier Beginnen de xxxv velle de vnfe ITe Jks
xpus ö vnfe tville yn ,fyme lijden genalle is Dar eyns deyls des hetje-
liehe lijdens xpi in helcant ivirt ivnd dit is eyn fchoy offenige dar eyn
mynfch all fyn ivercJcB in ordeneiren mach. Der eirße val ivas doe
hij ßch van fijne Jöger fcheede, (schwarz) GEhedijt Geloefft Geeirt
vnd glöificeirt ßjßu 0 mynlicJie vloeßer der mynfchlicher feien Here.
Jhü xpi ich vnianen dich mit dan*(ß\. 7S^)clcblij vs alle myne crefften
des andachtigen neder valles dattu dedes vp dem berge vä Olijueten etc.
Im G-anzen aber nur 33 Fälle, D' xxxiij wnd leße val (Bl. ITO'ff.)
schließt Bl. 188^: vn pefenteir fy dye hemelfche vad' Als fyn gemyde
docM Dp vfücoren hruit dar hy dich vni gefant hait wnd dar du dyn
düV bloet vur geßoirt haiß Wnd den dilberB doet nur geßdue liaiß
Amen, — Eine nid. Hs. des Werkes in Berlin, v. Arnswaldtsche
Hss. Nr. 3144 (Nd. Jahrb. 9 [1883] S. 135).
3. Bl. 189' — 256^: Johan Bruckman, Übungen und Gre-
bete anf das Leiden Christi, in 44 Abschnitten. Anf.: (rot)
Her begynen ynige oiffenyge wnd gebeder ivan dem lijde wns lietien
lieren De gemacht Mit her Johan bruchmä begynede van den palm
dage. (schwarz) 0 AVre liefßichße vnd begerlichße licht aV gelou-
uiger feien 0 eiriverdige loff der engelen Here Jhü xpi Jch ere wnd
loue dich vs dem dieffen gronde myns hHsen wnd myns geißes wanttu
vp den hilgen palmdach dich gewerdiget haiß zo come Jn JheTm etc.
Schluß im Abschnitte Van d' fendynge des hilgen geiße{s) Oracio mit
den Worten: Vp dat ich dich 0 h geiß mit alle hemelfchen lier mois
Ionen in ewiger vrouden Amen, Es ist nicht das von W. Moll,
Johannes Brugman, Bd. 2 (1854) herausgegebene Leben Jesu Brug-
mans ; auch von den in Molls Anhängen beschriebenen und in Proben
bekannt gemachten Werken ist das vorliegende keins. Dagegen
ist es vielleicht identisch mit dem von Moll S. 284 N. 1 erwähnten,
von ihm erschlossenen, Werke Brugmans: Considerationes de pas-
sione domini; freilich fehlt die dort angeführte Doxologie am
Schluss unserer Grebete.
4. Bl. 256^ — 300^: Der Rosengarten, eine Passionsan-
dacht in 33 Abschnitten. Anf. : (rot) Hir begynt Eyn fiiülich gebet
van dem lijden xpi vnd is geheifche der rofengardc. (schwarz) 0 Here
Jhü xpe mylde fluffel dreger des hemels vü d' onbegreyßich' richj gotz
leue (Bl. 257') d' onbegriflich' vfuleiffender fonteyne d' gotlicK barm-
h'tzichj wie verre byn ich mit dem vlore fo7i van dir getwalt etc.
Mittelniederdeutsche Handschriften: Frankfurt a. M. 123
Schluß: Vp dat ich in dem hemel verhaue moege hy fynB hilge vn
grois machen in dyme loue De leeff vnd rengeneirs mit gode dem vad'
in eynichj des h geißes eyn gewair god fond* ende Amen, — Das
Stück ist niclit identiscli mit dem Bericht I, S. 206 und 256 f., II,
S. 174 und III, S. 58 besprochenen, unter sich wieder ganz ver-
schiedenen Allegorien desselben Titels.
5. Bl. 300^—330^: Die 15 Gebete vom Leiden Christi.
Anf. : (rot) Hir hegyne de xv geheder van dem lijde vns lieuen heren
Jhu xpi Pater noßer Aue Maria. (Bl. 301"^) 0 Here Jhü xpu Jch
dancJcen dir wur de groiße lieffde de du haddes zo dem myfchen doe
du in fchoefs etc. Schluß Bl. 330': Mijt defen wnd mit alle mäneirB
van fueffe gelude hegere ich dich zo loue 0 aV getrouweße vloefer du-
fent werff zo myne wnd zo gebenedie vur mich vnd alle creatu'en Nu
vn in d' ewichj (Bl. 330^) Ameoi. — Die Andacht weicht von den
sonst unter diesem Titel oder als „Die 15 Paternoster" mitgeteilten
Stücken ab.
6. Bl. 330^— 337^ Die 15 Freuden Jesu am Kreuze.
Anf.: (rot) Eyn goet mynfch lach vur dem angeflehte fyns fcheppers
mit groiffem vliffe etc., zwei volle Seiten in roter Schrift mit einer
Empfehlung der folgenden Andacht in Form einer Erzählung,
schließt Bl. 331^": Hij fal ouch mce Ions intfangen dan off hij geych
zo Stete Jacob wnd leys in eyme voeßappe eyn pf nf vn aue Mä,
D' mynfch fal mee Ions ontfange dan off hij zo fände Thofnas geych
in Jndeen. Dijt ßjnt de xv vroude de vnfe lieue here Jh's Xps vnd
vnfe brudigö om vns an dem hilge er ucie gelede hait vmb vns zo vloefen
vn felich zo mache, (Bl. 331^) 0 Lieue here Jhü xpi Jch vmäen dich
d' vroude Die dyn gebenedide feie vnd licham hadden Doe du heynges
an dem cruce etc. Schluß Bl. 337^": wattü mich foe richliche vry vn
los gegolde hais in eyn ewige erffeniffe (Bl. 337^) Mit dyme hilge vnd
dürbere bloede wnd mit dyme onfchuldigen dode Amen. — Eine An-
dacht unter demselben Titel und mit denselben Empfehlungen habe
ich oben S. 14 behandelt, der Text scheint aber abzuweichen.
7. Bl. 337^— 351^ Die Krone von den 5 Sinnen Christi,
eine auf die Wochentage verteilte Passionsandacht. Anf.: (rot)
Hir begynt de croyn van den to fynen vns H'en ivnd die hy leijt in
fyme lyden tvnd fy is gedeilt durch de tveche des födachs. (schwarz)
WEß gegruit here Jhü Xpi eyn edel conynch der hemelen ivnd d' hilgen
wnd eyn blijncJcende crone d' ewig' glo'ien. Schluß: vp dat ich na
defem leue mit dir moege wandele in dat tabernackel des hemelfche
Jh'rvfalem.
8. Bl. 351^—371'-: Die Krone von den 72 Versen des
Leidens Christi. Anf.: (rot) Dit is eyn fuuliche Croen van de
124: ^' Borchling,
Ixxij verfen tvan dem lijden xpi zo eren fyme gecroende houffde,
(scliwarz) 0 hilge dryualdichj Jch buegen de hneen mys lichams Vnd
mit hegerden myns h'tzen vn mit den erachten myn' feien vur de ynt-
gäwordichj myns H'e Jim xpi etc. Schluß Bl. 370^: 0 myn god vnd
myn h'e de eire vn (Bl. S?!"") gloie mois fyn tvnd eyn ewich onuer-
gencJcUch loff in ewicJij der eivichj Amen,
9. Bl. B7V—SS4:': Die Goldene Krone Christi, eine
allegorische Andacht. Anf. : (rot) Dyt is eyn gulde crone vns H'e
Jhu xpi getzeirt wnd gefmedet mit dB gidde fyn' menchueldige' myne
tvircJce vnd' fchey mit xvj tacJce. (schwarz) Wweß Gegruet h'e Jhü
xpi eyn gulde crone d* myne hegerlich cm fchouwen etc. Bl. 374"^:
(rot) Her endet d' omcirJcel der crone wnd her na volget xvj tacken
Eyn eicklich gehet her na volgende zo nemen vur eyn tacke tvnd tufche
eyn eyckliche (Bl. 374^) tacke zo lefen zo tzeirhj defe gruitze viifchreueti
Weß gegr{^ here Jhü xpi eyn gulde crone d' myne, (schwarz) Bene-
dice, glore, loß vnd danckVh^ mois dir fy van alle creatu^en etc.
Schluß: Jn in der leßer oren myns vf ganges vertziert zo iverden myt
der croenen der glorien jn dielachtich zo iverden der erffeniffe dyns
ricJis, Amen,
Fulda, Kgl. Landesbibliothek.
Mscr. Aal32: 179 Bl. Perg. in 12o. Sorgfältige Buchschrift
des anf. 15. Jahrhs. , von einer Hand. 17 Z. auf vorgezogenem
Tintenlinienschema. K-ubriciert, rote Überschriften, rote und blaue
kleinere Anfangsb., größere Initialen (rot auf violettem Grunde,
oder rot-blau auf grünlichem Grunde) am Anfange der größeren
Abschnitte. Einbanddeckel verloren gegangen, vorn und hinten
VII resp. VIII Bl. Pap. vorgebunden, vorn mit nd. Gebeten des
16./ 17. Jahrhs.
Nd. Horarium mit Kalender.
1. Bl. 1""— 12^^: Kalender. Die Monatsnamen zeigen west-
liche Formen, vgl. harde maent, fpurkel, weder maent (= Juni). Alter
Nachtrag zum 26. Juli: S' Anna vnfe pröna; jüngere des 17. Jhs.
zum 26. Nov.: Conradus Luckhardt, Bl. 9"^ zum September: Anno
1648 den j feptemhrij iß mein vetter C. luckJiart von mir gekommen
hey ihr g von koiß\hoechge (?).
2. BL IS»-— 58': U. L. Frauen Getide. Anf.: (rot) Hijr
hegint de vorrede vp vnfer leuer vrowB getide. DEfe ghetide vnfer
vrowwe ßjn in duytfche ghefat wan worde to worden als hey naße
^nde de fe ouer fatte heJwlden JteelJieit verßandelheit vn warheit des
Mittelniederdeutsche Handschriften: Frankfurt a. M. Fulda. 125
fynes etc. Bl. 14': Hijr hegint vnfer vrowe ghetide. HEre du fcdt
vp doen myne lippen . vn my mont fal vort hundigen dy lof etc. Schluß :
Vnde de name der gloriofer iücvroiven marien fyner moder fy gTiebe-
nedyet in etvicheit Amen. Es ist das Geert Groote zugeschriebene
Werk, die nid. Vorlage ist deutlich.
3. Bl. 58': Hijr eendighet vnfer vrowB ghetide hijr na volghen
de ghetijde van der ewigher wijfheif.
4. Bl. 80': de ghetijde vOL de hillighe gheeße.
5. Bl. 90': de lange ghetijde vä de hilge cruce.
6. BL 112^: de coerte cruce getijde,
7. Bl. 116': de feuen pfalmen der penitencien, mit der Li-
tanei.
8. Bl. 141': Hijr hegynnet de vuerrede van der vigilien. (Bl.
141') Hyr beghynet de vigilie in duetfchen de ghefat is to helpene
den ghenen de vä hijr gheuarB fijn etc. Schluß Bl. 179': Eer vroude
fy in di eweliJce vn vmmermer. Amen, JDeo gras.
Bl. 157 ist ein nachgeheftetes Pergbl. mit einem Nachtrage
desselben Schreibers zu Bl. 156'. Auf Bl. 157' Eintragung des
17. Jahrhs:
Wann ivir hettenn all Einnenn Chrißlichenn gelaubenn,
goti vnndt der gemeinne nutz Vor äugen,
Einn Ellen maß Vnndt Einn gewicht
glitten fride vnt Recht gericht
Einne Münfß Vnt guttes geldt
So Standes ivoll Jhn der gätze weldt,
Bernhardt HocJcedt (? ? vgl. im Kalender LucJchardt) \ Anna
coniux I 1624: 13. iannuarius. — Die Priamel erscheint nd. im E-im-
bökelin Y. 28—33, vgl. außerdem Bericht II, S. 57; v. Wicht Vor-
bericht zu seiner Ausgabe des Ostfries. Landrechts (Aurich 1746)
S. 200; Tjaden, Das gelehrte Ostfriesland Bd. 1 (Aurich 1785)
S. 118 f.
Ms er. D 38: 38 Bl. Perg. in kl. 4°, Mitte oder 2. Hälfte
16. Jahrhs. Pappband des 18. Jahrhs. Innenseite des Vorder-
deckels : illustri Bibliothecae Fuldensi suh auspiciis Reverendifsimi ac
Celßffimi Principis ac Eplscopi HENRICI adornatae atque vigenti
d. d. D. Joh. Christoph StocJchausen Sacrorum Hanoviensium A. c,
addictorum prcesul et Serenifsimo Frincipi a Consil. eqd»
Nd. Stader Stadtrecht von 1279.
Bl. 1' — 7^: Register über die 11 Stücke des Werkes und ihre
Artikel. Bl. 8—38 sind vom Schreiber als 1—33 foliiert worden,
126 C- Borchling,
es fehlt jetzt das Doppelbl. 3—4. Zwischen Bl. 15/16 sind 2 Artt.
(V 27. 28) auf einem nachgehefteten Blatte Perg. ergänzt. Die
Statuten beg. Bl. l"": Juße iudicate filij hoim. Jn dem namen des
Sons vnd des hey*^ GelßSj ßn deffe Ordell befchreuen van dem ivittigßen
Rade van Staden^ vme der meinen Stadt willen, vnd fe ne mach ock
neman hefchelden hy ßner wonynge, fonder wedder in dat hohe. —
Jnn dem Jar von vnfes liern Gades bort M, CC. Ixxix. in dem Mey
tvorden de menen Batlimanne vnd de Wittigßen von de/Jer Stadt to
Stade tho Bade etc. Mit Bl. 3/4 sind Art. 19 bis zum Ende des
1. Buchs verloren gegangen; Bl. 15^ ist zu Art. V26 am Rande
bemerkt: Nota illud fubductum nönulla exemplaria n hnt. Bl. 33^
bricht im letzten Absätze des Denkmals ab : fo fcholde de Jenne
eine pande ||, die Schlußworte sind mit dem letzten Blatte der
ursprünglichen Hs. verloren gegangen. — Dies Stadtrecht ist nach
der alten Hs. der Bibliothek des Oberlandesgerichts zu Celle ab-
gedruckt von Fr. Es. v. Pafendorf, Observ. juris univers., Tom. I
(1780) S. 163 — 228 und bei Senckenberg, Selecta iuris et histo-
riarum (Francof. 1742) S. 267 ff.
Kloster Gaesdonk bei Goch (Niederrhein),
Bibliothek des Bischöfl. Münsterschen Gymnasiums.
Von den Handschriften dieser Sammlung kommt eigentlich nur
die erste für unsere Zwecke in Betracht, da alle übrigen rein
mnld. sind. Wegen der Abgelegenheit der Sammlung verzeichne
ich trotzdem ausnahmsweise in aller Kürze auch diese Nummern.
Kr. 1: Pap. in 4<^ (19,5 x 16 cm), 6 cm dick. Ca. 1510—1520.
Ruhr., rote Überschr. Im alten gepreßten Lederband mit Holz-
deckeln, von 2 Spangen eine erhalten. — Auf dem letzten Bl. von
einer Hand des 17. Jahrhs.: Johannis Hahenschoo (oder -5c/iOt;) ;' auf
der Innenseite des Rückdeckels: TauLus BosMan 1692, darunter:
Was fol mir den Großen gut undt Gelt
Jn difer Welt —
ivelchers ich entelich mus Laßen und varen dahin
Die algemeine ßraßen woe Beich ich hin,
Ndrh. Arzneibuch aus dem Anfang des 16. Jahrhs. Bl.
1—2 spätere Zusätze. Anf. Bl. 2^: By tzom eyrsten anfanck dyfes
huechclges haßii eyn reygyßer off taefel jnd nicht den jnhalt dyffes
huecJielges jnd dyfe taefel off reygeyßer staet jn xlvi haepytel off traek-
taet jnd soe melt eyder haepytel feyne Wunderliche jnlmelt jnd waer tzo
Mittelniederdeutsche Handschriften: Fulda. Gaesdonk. 127
das tzo hrnychen is soe dyt naefolgende reygeyßer meldet jnd soe hauen
ich noch ouer dyt reygyßer gemacht dyt Tdeyne taefelgen den jnhalt
dyfes reygy[gy]ßers jnt hoertz jnd dat dar om dat du ey eyder Tzapytel
soe du begers leychtlichen vyde machs jnd staet jn der tzael tzo xlvj.
Es folgt zunächst Bl. 2^—4^ dies Eegister des Registers in 46
Abschnitten, dann Bl. h^ — 26^ das ausführliche Register; vgl. Bl. 5"^:
^K ^yff^ stuck dey hey jn dy/fem hiichelgen begryfe fynt dyt fynt den
meyße deyl all coeßliche bewerde ßucJc dey ich tzo fame bracht haue jn
lancheit der tsyt. Jnd dat etlich om myn gelt jnd ouch etlich durch
vryntfchafft myr gelert jnd gefchenck is worden. Bl. 27' beginnt das
eigentliche Werk: Jn dem namen Jhefu cryßy Jnd tso hoelff jnd
tzo troß tzo mancherley gebrechen jnd lirancliheyt foe dem myffchen an
JcoemB foe vyndes du jn dyffe bucheigen feyl fchoner bewerter ßuck tzo
mancherley hrancTc den foe dar mit tzo helffen tso der gefontheyt mit
der hulffe van goet fonder den alle dyn[gen]gen onmoeglich syt. Bat
eyrße Jcapytel, Dyt lert eyn purgafy off drancJc [dra^icJc] machen tzo
den poeclcen dey tzo heylen wey lang eyner dey ouch heeft gehaet etc.
Die Capitel sind bis cccccl (550) durchrubriciert, dann folgt noch
ein nicht rubriciertes Stück und ein Blatt mit Nachträgen des
17. Jahrhs.
Angebunden ist femer ein alter Druck: VOn den vßgebrenten
waffe\ren. Ein güts nützlichs büchlin. In wölch\er maß man die
zu den glydern nützen vnnd \ bruichen fol, als dan meißer Michel
Schrick do\ctor der artzney die de menfche beschribe hat. Darunter
ein Holzschnitt (gemauerter dampfender Kessel). A. E. : Getruckt
zu Straßburg j durch Martinü \ Flach. Als man zalt M. ccccc. vn.
xxij. Jar. Hinter dem Druck endlich noch 5, z. T. von jüngerer
Hand mit Recepten beschriebene, BU.
Nr. 2: Pap. in 4° (21,5 x 15 cm), 4 cm dick, zweispaltig. Buch-
schrift des anf. 15. Jahrhs. Ruhr., rote Überschriften. In ge-
preßtem braunem Lederband mit Holzdeckeln, von 2 Schließen eine
erhalten. — Bl. 1—4 leer. Bl. 5^^: Bit boeck hoert den fußere toe
van funte Agneten bynnen Arnhem. Bl. 6 oben: Gaesdonck 1701.
1. Buch 4 — 6 des "Werkes Van den claren ende verluchten
mannen des orden van Cißercien. Anf. Bl. 5^: Hier beghynt
dat vierde onderfcheit des boecs vande clare en vluchten mannen der
oerden vä cißercien vä alquirino enen monick van clarendael den onfe
here ihefus crißus vifitierden doe hi ßerf. Bat yerße capitel etc.
Buch 5 heißt: Een vmanynge des abts Gheraldi van clarendael dat
men nyet zivere en fal en tvat pericule daer van comB; Buch 6: Van
onwifen fchomven eens monicks van clarendael En vanden periculen
128 ^- Borchling,
des fclwuwens. In der oben S. 39 f. beschriebenen Coblenzer Hs.,
der die Bucbeinteilung fehlt, finden sich die Anfänge der 3 Bücher
der Gaesdonker Hs. auf ßl. 95". 124^^ 167^^
2. Vanden prelaten, JDJe prelate verßoren eedrachticheit als
ß heni alte hart en ßrengJie heivifen teghen hören onderfaten etc. Weiter-
hin die Titel Vanden onderfaten und Van der achter fpraTce, Zu-
sammen 7 Bll.
3. Dit is een merckelicke leringe van den liden crißi. DJe
rofe onfe here ihefus crißus is geboren vand' rofen fonder doern maria
en is yerß wtghefpraten en hegan hoer vyf fchoen Hader wt te hreyden
aender galgen des crucen etc. 3 Bll.
4. Dit is guede merJcelicJce leringhe. MEn vynt fulke lüde die
oümids cleynen moet dien fi hebben wanen dat ß wanhopen etc.
5. Dit feit hugo de fancto vidore, ein Gebet 1 Bl. A. E. 4
leere Bll.
Nr. 3: Pap. (mit ein paar Bll. Perg.) in 4®, 15. Jahrh. Aus-
stattung und Einband wie Nr. 2, beide Schließen fehlen. Herkunft
wie bei Nr. 2.
Bl. 1—3 leer. Bl. 4^^ die Herkunftsnotiz wie Nr. 2, Bl. 5'.
Dann folgender Index: Wt Effrems des dyaJce vermanyge. — Jte
Een enyge fpraJce eens reguliers. — Jte Dat derde boeck vä der nae-
volgynge xpl. — Jte Guede leer hoe me die becaring wederßaen fal,
Jte wtte boeck der geeßelicker gracien Dat Mechteldis geapenbaert wart,
— Jte tvt fce Äugußin^ leuB Van Monica fyn lieue moed\
Nr. 4: Pap. in 8« (15 x 10,5 cm) , 6 cm dick, 16. Jahrh. In
braunem gepreßtem Lederband mit Holzdeckeln, beide Schließen
abgerissen. — Bl. 1': Gaesdonck 1701.
Mnld. Gebete und Andachten. Anf.: Alte hant als fce
Andrias hoerden die ßemme des heren die daer predicten zoe liet hy
fyn nette achter etc. etc., u. a. die VII fpfalmen voer die fieU,
Nr. 5: Pap. in 8^, saubere Buchschrift des beg. 15. Jahrhs.
Einband wie bei Nr. 4.
Mnld. Augustinerinnen regel. Anf.: Eier beghint dat
prologhus inde boeke der ßatute der nonne väder oerde fce augutüs (!)
onfes glo'iofe weerdigJien vaders. — WAnt den fußere naden gebode
der regulen gebode wort een herte en een fiele te hebbc inden heer etc.
Vgl. oben S. 43; die mnld. Hss. des Werkes stellt zusammen de
Vreese, De Hss. van Jan van ßuusbroecs Werken I (1900) S. 266
und U (1902) S. 682.
Mittelniederdeutsche Handschriften: Gaesdonk. 129
Nr. 6: Pap. in 8°, Anf. 16. Jahrhs. Eubriciert, rote Über-
schriften. Einband wie Nr. 4, beide Schließen erhalten. Bl. 7':
Gaesdonck 1701.
Mnld. Excerpte aus mystischen Tractaten, besonders
aus Ruusbroec, eins aus Tauler u. a. mehr. Gegen Ende ver-
schiedene predigtartige Stücke von M. Eggerf, also wohl Meister
Eckhart. Die Sammlung beginnt nach 6 leeren Bll. mit der Gre-
schichte des Abendmahls und der Passion nach den 4 Evangelien.
Die folgenden Abschnitte beginnen: a) JEgo fum via et veritas et
vita; b) Die heylic¥ en is niet te recht ^ die dB andere een dorde is,
My lieue brueders; c) JJieri^fale ßaet op l die hoecJit en fchoiiwe al
om die glorie die da' comB fal van dinen god; d) Item foe ivie ivil
ivefen een wtücare gods vrynt. Die fet fyne gront in grondeloefe neder-
heit; e) Dit is gename ivtten graden der mynen ^eer fcJioen, Here
Johänes Bufbroeclc. HEilich leue is der myne graet mit foeue trappe
die wy opclymen ten rycJce gods; f) Van drie eygenfcJiappen der
fchomvender sielen; g) Hoe dat dat edelße van alle leuen is haue alle
heJcenen en weten . een grödeloes nyet weten. Wt Rufbroech ; h) Van
drie punten^ daer dat volmaeckte fchouwende leuen in geoeffent tvort in
drien wyfen. Wt Buyfhroech. Nota bene usw. usw.
Auch ein geistliches Lied findet sich darunter, das ich
hier vollständig gebe. Die Verse sind nicht abgesetzt.
Een inwedige fprach der sielen myt Jhefum.
OCJi ich heb fo voel te lyden
het ßaet my aen van allen fyden
0 rycker god ßaet my by.
Die Here. 0 ziele du biße noch veer
du fuekes dy felue te zeer.
Die ziel. 0 he' doet my ßerue
myn fynne wil en begheren
op dat ick altyt gelickmodich fy.
Die he\ 0 ziel ick en byn dy gheen gebreck
want ick inwendich tegen dy fpreck
En ghi weet ivael den ivil my.
Die ziel. 0 fonder vkiefen ivil ick leue
en dy alle dingen op[ge]geuen
Doer (?) dyn wil En dy my nyet
Och ivant nergens vrede dan in rechter ghelaetenU
en te derne den wille myn
Och ick doer brack bitter en zuer
Mer als ick quam totter kerne puer
och wonvael was my gefchiet
Kgl, Ges. d. Wiss, Nachrichten. Philolog.-hist. Klasse. 1913. Beiheft. 9
130 C. Borchling,
Och nergent en vinde ick hlytfchap
dan my te keren in inwendic¥
daer ivoert gehetert al my hyt.
Die Heer, 0 ziel holt dy daer aen
en laet dy nyet verhingen
hent dat ick fegge cmnt tot my.
Die ziel. 0 he' ick wil ddmede do'
almocht my oeck anders gehoeren
die wil gefche.
^Die he\ 0 my ziel uiucaren
ee dinck is dy vä noet
dat dy rede ivacker fy in dy.
En ivaeck in alle tyde
want du (he') biße foe voel hehind's.
h'e lieht guede hetrouwe op my
Die ziel, och tny ghebreckt noch vort
da' ivt is dit gefchreue och vuiät in my.
Im Einbände von Nr. 6 steckt als innere Decke ein Pergament-
blatt mit Resten von Maerlants Rijmbijbel. Vgl. die Ausgabe
von David, Bd. 1 (Brüssel 1858) S. 369. Die Schrift ist vom An-
fange des 14. Jabrhs. Die 1. Spalte der lesbaren Seite lautet:
J n dat laut van ifrael
D at defe fake al duf geuel
D ie myca maecte ah gode
V an feluere iegen gods gehode
E n inaechte eene outaer mede
J n fyn huuf daer hife in dede
S inen föne hi rente gab
S 0 dat hire pape was ah
A Is man dede in dien tiden
D at hi wilde en liet liden
W ant dat lant was onherecht
M yca maecte finen cnect
S inen föne pape van hem
D ien tiden was van hellem
E en iongelinc van leuyf geflachte
D ie ßne Aiionture wachte
W aer hi hem generß mochte
S 0 dat hi mycafe verföchte.
Mittelniederdeutsche Handschriften: Gaesdonk. 131
Nr. 7: Pap. (vorne ein paar Bll. Perg.) in 8^, Anf. 16. Jahrhs.
Einband wie Nr. 4, sehr beschädigt, die einzige Schließe verloren.
Mnld. asketische Tractate und Gebete. 1) Die Pas-
sionsgeschichte, mit vielen Gebeten und erbaulichen Erörte-
rungen umkleidet und auf die einzelnen Wochentage verteilt. Anf. :
Hier hegynt een fchoen oeffemge vande leuen en pafße xpi en vrifeniffe.
Des nianedachs. 0 leuende, die leuede fal di laue etc. — 2) Dyt
fyn feue ivege. Merct aen. NV fidlen tvi merken dat die gene die
ingae doer die doer in die hynenße ons Heuen heren, niet dl gelich
gefat en ontfangen en iverde etc. — 3) Hier begU füte Äugußin^^
öS vad's hantboecJo vol mercF leringhe. En dat irße capittel väd'
hefchouivige ös lieiie he ihü x'^). — 4) Gebete auf die 7 Gezeiten
der Passion Christi. A. E. : Soror iohäna de fchild. Orate «^ eo (!).
Nr. 8: Pap. in 8^ Anf. 16. Jahrhs., Einband wie Nr. 4 ff.
Mnl. Andachten und Gebete. 1) Hier heghint een deuote
materie ivanden iveerde leuen en pafße ons heren ihü xpi en fynre
lieu^ moed\ Maria dat alre fuuerlicße maechdeJcyn openbaer etc. —
2) Hier beghint dat prehel der mynen een fonderlinghe tracternde
vanä' paffie ons here. Bernard<). Alre fuetße heer ihü xpe doer
flaghen dat ryiorch myre fiele mitter alre fuetßer en falichßer tvonden
dynre mynnen etc. — 3) Hier beghint een deuote materie vanden
leuen ende vanden liden ons heren ihü. 0 myn ghemynde broeder ic
hid V etc. — 4) 62 Gebete van der pafßen vns Heuen Wen, und
zahlreiche andere Gebete.
Nr. 9: Ein Pergamentblatt des 15. Jahrhs. in 4°, das als Ein-
banddeckel einer Hs. des 17. Jahrhs. (Discursus super instituto et
habitu Magni Praesidis Augustini ecclesiae Doctoris praeclarissimii)
dient, enthält Bruchstücke aus E-uusbroecs Geistlichem Taber-
nakel. Der Anfang der äußeren Seite lautet: in caritate en
in godliJcer myne. En elJce tafele fal hebbe in midde tive ringe van
golde en int oäße eynde alfo geliJce. En hier doer fülle ivy doen al
onfe dwer/fe grindele. Die ringe vä golde die leeren ons dat wy in
ellce vrye beg'pe mit onfer wefeliker myne önievaen füllen etc. Vgl.
Werken van Jan v. Ruusbroec 1. Deel (= Maetschappy der Ylaem-
sche Bibliophilen, 3. Serie Nr. 1) S. 118 Z. 2 ff.
1) Diese Hs. wird citiert von \V. de Vreese, De Hss. van J. v. Ruusbroec's
Werken H, S. 527 N. 4, wo auch weitere mnld. Hss, des Werkes nachgewiesen
werden. Ich füge noch hinzu Groningen, Univ.-Bibl., Pro excol. Nr. 8 (Brugmans,
Catalogus S. 288. Vgl. endlich oben S. 27,
132 ^- Borchling,
Giessen, Grossherzogl. Universitäts-Bibliothek.
Adrians altbewährter Catalogus codicum manuscr. Bibliothecae
Acad. Giss. (Francof. ad M. 1840) nebst den Additamenta von
1862 ist überall mitheranzuziehen. Bei folgenden Hss. genügt es,
einfach auf Adrians Beschreibungen hinzuweisen:
Nr. 465/466 (Adrian S. 146 f.): Renners Bremische Chronik.
» Nr. 579 (Adr. S. 177 f.): Groninger Chroniken des Lemmege
u. Sicke Benninge, von 1703.
Nr. 1009» (Additam. S. 15): Dortmunder Statuten.
Nr. 1032 (Adr. S. 316): Das ältere Braunschweigische Stadt-
recht.
Nr. 1035 (Adr. S. 317): Braunschw. Stadtrecht von 1532 mit
den Anhängen.
Nr. 1039 (Adr. S. 318 f.): Clevische u. a. ndrh. Stadtrechte.
Nr. 1040 (Adr. S. 319): Cölner Statuten.
Nr. 1043 (Adr. S. 320 f.): Lübisches Recht.
Nr. 1052 (Adr. S. 324): Hamburgisches Stadtrecht.
Nr. 1060 (Adr. S. 328): Stadtrechte von Oldenburg u. Bremen.
Nr. 1064» (Addit. S. 17): Schleswigsches Stadtrecht.
Nr. 1067 (Adr. S. 331): Stadtrecht von Verden.
Dazu kommen die in Homeyers Rechtsbüchern verzeichneten
Hss., Homeyer Nr. 214 (Adr. Nr. 954, niederfränk.), Nr. 227 (970),
Nr. 228 (971). Nr. 246 (1040, ndrh.). Nr. 213 (953) ist nicht ndrh.,
sondern moselfränkisch ; und das unter Nr. 247 aufgeführte Bruch-
stück des Sachs. Landrechts war schon zu Adrians Zeit verschollen.
Nr. 45 (Adrian S. 12. — Bibl. Senck. Ms. 146» fol. min. [älter
F. 91]): 28 Bl. Perg. u. 4 + 32 neuere BIL Pap. in Kleinfolio,
14. Jahrh. Die Pergbll. sind in 3 Columnen zu je 44 Z. eingeteilt,
vollständiges Tintenlinienschema. Spuren von Rubricierung nur
bis Bl. 3^. In neuerem Lederbande des 18. Jahrhs., auf dem Rücken
GLOSS. ERFOBD. LÄT. GEEM. MSC, — Bl. 28^: CariJwß ,ppe
Erffor^ (15. Jahrh.); 1742 von H. l. B. de Senckenberg ex Biblio-
theca Krafftiana Vlmenß für 10 Gulden erkauft (Bl. P).
1. Bl. P»— 25'<^: Lat.-nd. alphabetisches Glossar. Anf.:
Ahhacia, abdye, Ahbatü. koren vat etc. Schluß: Zomäü dekene, zu-
cara fucker. Bl. 3^^ beginnt eine 2. Hand. Zahlreiche Nachträge
von mehreren Händen des 14. Jahrhs. im Text und auf den Rändern
der Hs.
Mittelniederdeutsche Handschriften: Gießen. 133
2. Bl. 25'^*' — 26^^^ : Lat. - nd. alphabetisches Pflanzenver-
zeichnis. Anf. : Ärthemißa hy votli Apiü merc etc., bricht mit
Galla eh appel, Gith raden cruf ab, Bl. 26"^^ von anderer Hand die
5 lat.-nd. Hexameter : Eß feod^ legot cef^ Uns rddit^ tghelt etc., und
eine lat. Bemerkung über die 7 Teile der Nacht: F\na ps noctis
d^ epc)cVm etc. nachgetragen.
3. Bl. 26'"<^ — 26''* (von 2 Händen geschrieben): Anfang eines
lat.-lat. Grlossars : Ahactt). ta. tii % fugat<) fepat<), Äbaica foror aui etc.
bis Agagula fornicator, Agellari^ rußic<). Der Rest von Bl. 26 und
Bl. 27 — 28 sind leer. Auch die neueren Papierbll. sind sämtlicb
leer bis auf Bl. I"", wo von jüngerer Hand ein Titel und die Notiz
über den Ankauf der Hs. eingetragen ist.
Nr. 163 (Adrian S. 57. — Bibl. Senckenb. Ms. 28fol.): 243
Bl. Pap., 16. Jahrb., 2. Hälfte, in ein dickes Pergamentblatt ge-
heftet.
1. Bl. 2"^— 151^• Arnolds von Harff Pilgerreise ins hl.
Land, hd. Der Schreiber nennt sich Bl. l'^: Rolandus ä Waiden-
hurgh cognoniento ScJienchernn. Das Stück schließt bereits Bl. 151^:
vnd ahn forge nitt möge vollnhrlgy. Bydtt Gott vur den Fylgrü, wege-
iveyfer, vnd dichtter Amen.
2. BL 151^: 1582 den 15 marfij. Bl. 151^ Mitte— 152^: Nd.
Prognostik für den Schreiber der ganzen Hs., der am 10. Dec.
1542 geboren war. Die Sprache ist ein Mischmasch von Nid., Nfr.
und Hd. Anf. : De pJaefe des leuP.s is den neun^ienße graedt vom
Bock etc. Schluß: Arithneticä Aßrologiam vnd poetriam etc.
3. Bl. 153'— 226: Kurzgefaßte Reisenotizen de 1561 ff., wahr-
scheinlich betreffen sie Reisen des Schreibers selber.
Nr. 464 (Adr. S. 146. — Bibl. Senck. Ms. 69fol.): 425 gez.
Seiten, 16. Jahrh. In neuerem Pappbande mit Lederrücken. —
Vgl. Weiland, Neues Arch. VI (1879) S. 59 ff.
1. S. 1 — 370: Nd. Bremische Chronik des Rynesberch-
Schene mit der Fortsetzung bis 1547. Vorne fehlt wohl nur das
1. Blatt des Textes ; S. 1 beg. : vnde fynen preßeren van allen ehren
fruchten vnd hießeren etc. Schluß mit dem Bericht von der Schlacht
bei Drakenburg 1547: De7z 29 Maij vp 2^i'^gۧdach ivorden de hern
vnd Grauen vp den Schütting to gaße gebeden vnd herlicJc getracteret.
Daneben am Rande: Ad finB pduxi 13 oct. A^ 70. — S. 371—378
Nachtrag zu S. 209, über den Aufruhr von 1464, nd. S. 379—382
Nachträge zu 1569. S. 377—382 sind zwischen S. 113/114 einge-
bunden. Alles Folgende von Hand 2 und lateinisch.
134 C. Borchling,
Nr. 642» (Additamenta S. 11): 36 Bl. Pap. in kl. 4^. 15.
Jahrh. Ruhr., einfache rote Initialen, etwas größere nur hinter
den roten Überschriften Bl. l^ 11' u. 28'. Regelmäßige, schmuck-
lose Buchschrift. In modernem blauem Papierband.
Das Leben des hl. Antonius, nebst angehängten Mirakeln
und Exempeln. 1. Bl. 1' — 28': Vita fancti Änthonij. ANtJwnius
tvas gehören vt egypten van geyßliJcen olderen de heyde reckelich weren
etc. Bl. 6'': Dar wart anthöius dach vü nacht tu alle vre ync he-
koert vfi angeuochte vä de duuele yn maniger manere als hijr na eyn
deyls hefcrenQ) ßeyt Yn vte dem jßoffionale genome ys Mer alle de
heJcoringe to fettene vü to fcryue hehouede lange ßunde vfi groten ar-
heyt Dar vme tvil ich er eyn deyl hijr fetten vme der kortheyt willen
etc. Im Folgenden ist dann besonders hervorgehoben Bl. 11'— 25'' : i
Tranflacio fancti Änthonij. IN den eyrßen do Conßätiu^ in der tijt
heyfer tvas leß men dat he nyn Tcynt en Imdde etc. bis vn he fal ver-
l'rige des güne vns god Am, Dann folgen wieder Mirakel des hl.
Antonius, das letzte schließt: vn to hant fo vorgench vn vorfwant
de nap zc^ Arne,
2. Bl. 28^—33'-: Zwei Exempel vom hl. Paulus Simplex.
Anf. : Van eyne hillige Jieremiten genomet de fimpel paulus ey{n) dif-
cipel funte anthoij. Eyn hillich hemite genomet paul^ de fimpel vn
was ey difcipul fancti Änthonij vnde deffe hadde fyner heJceringe al-
fufdane heghyn etc. Bl. 31': DEffe felue paulus fimplex vortellede
den vaders to eyner tiji alfusdanB mirahel etc. Schluß: mer leuer ivil
ich dat he behart iverde vn leite ic\^.
3. Bl. 33'— 36': 8 vermischte Exempla, die ersten 3 aus den
Leben der Altväter, 4 — 6 Marienlegenden, 7 von St. Edeltrudis,
8 von einer hilligen waget de hette yahelina, Anf.: Twe oltuaders
heyde vnfB heren god dat he en oppenharen uolde to wat vullehomehcit
vn mate van eren leuene fe gehomen weren etc. Schluß: dat fich
nicht en rechet vn ßrechet gode to deynene ic{ Amen.
Nr. 6 93 (Adr. S. 211 f. — Bibl. Senck. Ms. 4): 82 Bl. Perg.
in 12°, 14. Jahrh. 16—22 Z., meist auf vorgezogenen, aber wieder
getilgten Linien. Von öiner Hand, aber in verschiedenen Absätzen
geschrieben; größtenteils kunstlose Buchschrift, einiges in Cursive.
Eubriciert, einfache rote Anfangsb., Überschriften rot unterstrichen.
In neuerem Lederband. Aus der Carthause in Cöln, vgl. Bl. 1'
unterer Rand: Carthufieü dom^ Colonie u. Bl. 82^: Jße liB e Car-
ihvfien dom^ fce larha'c i Colonia. Bl. 80'': plcm 78. Eric Benzelius
(gemeint ist der ältere f 1709), dann Schilter, dann Heinr. Christ.
de Senckenberg.
Mittelniederdeutsche Handschriften: Gießen. 135
Lat.-ndrh. geistlicher Sammelband. Auf dem Papier-
vorsetzblatt ein ungenaues Inhaltsverzeichnis von Senckenbergs
Hand, das bei Adrian benutzt ist. Der Band enthält viel mehr
kleinere Stücke. Er beg. mit Bl. l'^ — 15^: Jncipit ^teplacio hti hl.
de paffiöe do* i feptem liorif] vgl. oben S. 33 f. Die deutschen Teile
des Bandes sind:
4. Bl. 18^ — 20^ (ohne Überschrift): Ein kurzer mystischer
Tractat über Geduld, Reue und Buße. Anf. : De got mmet de i
fal nit fiiki [ins feluif nutz {z aus Correktur) mer got. Men %
fdl neymä vrüfchaf zone diirg enigre gane wille etc. Durch iVo wird
auf besondere Anfänge hingewiesen, z. B. Bl. 18^: De geduldig is
de tvirt he fchirmit mit vele ivijfheide; Bl. 19^: Jn der Jcraf der got-
lige riiwe; Bl. 19^: De alre heße penitecie if (Bl. 20'') dat der mefche
haue ei groz in ein volhuml aue Jcere (vgl. Deutsche Mystiker , ed.
F. Pfeiffer, Bd. 2, S. 560, 7). Bl. 20^: Got l gegaf fich ney, noch %
gegeit fich nümer in en geine vremede wille (vgl. ebend. S. 570, 30).
Schluß: Dat heit he geda allif vor gode (vgl. ebend. S. 571, 34).
19. Bl. 45^—46'^: Mystisches Stückchen, über minne,
lutergeit u. verßetni/fe, rheinfr. Anf.: Jich ivil ruive in tvil i mir
goit laze wirJce etc. Schluß : er fal fich alle zit an nuwer heJcetmiße vbe.
21. Bl. 52'^— 54'^: 24 Zeichen eines vernünftigen Grun-
des, rheinfr. Vgl. Deutsche Mystiker, Bd. 2, S. 476, 33—478, 15.
Anf. : xxiiij finf seichen. Daz erße zeichen . daz fetzet d' dlV hoiße
mißer alV Tzüße . ... da her fprach. Da hi fidt ir beJcene dat ir mine
iüg' fit etc. Schluß: Dit fint zieche eines vnüftige grüdes da daz
hilde air warheide i leuet vn fw ir nit enhat cV enfal noch enda{r)f
vö fin' vnüft nictes nit haldB . er noch and' lude.
22. Bl. 54'"-'^: Kleines mystisches Stückchen „Wer in
der Wahrheit ist", ndrh. Anf. : I^o Jn der ivarheit ivat der mefche
leizit tde fich getroißit durch got . ... he fal id i ime vide etc. Schluß :
tvät he is l gode alze male . in got is vbe yn.
23. Bl. 55^—60': Auszüge aus Meister Eckharts ßeden
der Unter scheidunge, ndrh. Anf. : Dit fit de rede, vicaric) vö
durrige. der yor vö erfort . broder erJcart. — Der mefche der einis fiiiive
leues . of iv¥is teil heßan . de fcd gan i zu fime gode etc. Vgl.
Deutsche Mystiker, Bd. 2, S. 571, 36 ff. Am Rande durch ein M
hervorgehoben Bl. 55^: Mefche her i difeme dieffeme grüde der de-
mtidicheit, Bl. 56"^: Mefche du fall lide vmbe die gerechtiheit, Bl. 56^:
Ei7i vil Ideine ivc ule ive fnode id fi is vil nutzer gedä i tvarer gehor-
famhede (vgl. ebend. S. 543, 24), Bl. 58"^ : Da Jch mir neit l wille
da will mir got (ebend. S. 544, 4 f.), Bl. 58^ : IS dat hener dir lide
an deit ane dine fchult etc. Schluß: no Vint got alfo vele ganzis
136 C. Borchling,
gelbue ä dir dat is gode wder tde dir nutzer da maria godis müä' mit
alle lieligB vür dich hede dat t tvere enie fo tvert noch dir fo niUzelig,
(S)0 wäne du trege bis fo Salt du dir Schier grofe gewalt doyn. So
ivat du güdef deis fo fall du dich vfmeiin.
29. ßl. 66^ — 70: Auszüge aus mystischen Schriften, ndrh.
Anf. : Du falt min troißeloys cruce dicke vür dine ouge ßellen etc.
Bl. 67^: iVu Die eiviche wifheit fp*cht. Halt dich afgefcheidelichen vä
alle mefche. Bl. 68"": Der mefhe des iville in ßnB erße vrfprüc is ge-
vloffen vn fich da Ine hait vlore etc. Schluß: vü tveme wale geuellet
allet dat ich ge dun . eu d' priß' mach es dün wäne he teilt vä finef
äbatef wege.
31. Bl. Tö'— 76': Sterbeandacht, ndrh. Anf.: Dit fal mä
lefen war eyme menfche de da ßerue fal Menfche vrouwes du
du dich dat du inn (Bl. 75^) Jcirßeme glouue ßerue falt etc. Schluß:
tvät du hais mich erloiß.
32. Bl. 76«^— 77': Ausspruch Bischof Albrechts, ndrh.
Anf. : Broder albret der preitgere biffchof fprach. Jt fint veiretzBzic
ßüde tufche dag jn naigt etc. Schluß: nog ouch geduldich infint i
irre pinS. Vgl. Zs. 8 (1851) S. 217.
33. Bl. 77'-^: Exempel von 4 Tugenden, ndrh. Anf.:
It was eine güde oloiß' vrouiue .dofi an yrme ende lag .jn folde ßerue .
do bade fi de ädere vrouivB dat fi in getzwat fechte vä yrme leue etc.
Schluß: De veirde dogit was dat ich eyne eheliche mefche alfo leyf
Jiadde alfe mich feluer.
34. Bl. 78': De va rechte h'zen an vnfes hWen martilie gedelnt
.... eine tepperüge aller befchedeheit,
35. Bl. 78'" — 79': Jd fprach ein lefemeißer vä feys dlge de
gar gut fint. Dat irß is fo ive gedeJcit an fine vfumede zijt etc.
Schluß : alf fce paulus de in den dritte hemel geziwJcit ivart.
Nr. 790^ (Additamenta S. 14): 21 Bl. Pap. in kl. 4^. 15.
Jahrh. Von der gleichen Hand und in derselben Ausstattung wie
Nr. 642*, nur sind die roten Überschriften vor jedem Absätze ge-
setzt. Vgl. auch Nr. 816*.
Die evangelischen Lectionen für die einzelnen Tage der
Fastenzeit. Anf. Bl. 1': (rot) Hyr beghynnet de ewägelia de ficJc
gebort to lezene yn den Ampte der hillighen miffe vä des eyrße gu-
denfdages an yn der vaßen ivente to paffchen vn ynt eyrße dat euä-
geliü des eyrße gudenfdag\^ in der vaßen 2C(. Maiheus. WÄn gy
vaßet fo en tverdet nicht bedrouet alfo de ypochriten etc. Schluß Bl.
21' : (rot) Des ßillen vrygdages leß me de paffie fancti Jokis euägeliße.
— Vppe paßclie auU dat euägeliü, Mathcus. Unde des fabbatcs des
Mittelniederdeutsche Handschriften: Gießen. 137
auendes fpaäe etc. bis : Su ich hebbet iiv vor gefeget ic\^ Beo gros. Bl.
21^ leer.
Nr. 816* (Additamenta S. 14): 12 Bl. Pap. in kl. 4^ 15. Jahrh.
Von derselben Hand und in der gleichen Ausstattung wie Nr. 642*
und 790^; rote Überschriften nur Bl. 1^ 1\ 6^ Da auch die
Wasserzeichen dieser 3 Handschriften identisch sind, gehören die
Nrr. 642*. 790^ und 816* ihrer Entstehung nach ganz eng zusammen,
es liegt aber kein äußerer Beweis vor, daß sie jemals einem und
demselben Bande angehört hätten.
1. Bl. l"" — 8^: Die Kunst zu sterben, aus Buch II von
Susos Horologium eterne sapientie. Anf. : (rot) Hijr begynnet hunne
fteruen Welcher de beße kunß ys vnde ys eyn Capittel genomen vte
deme liorologio der eivygJien tvyfheyt. De difcipel fprach WAnte alle
menfchen van naturen begheren to ivettene Vnde yn dy ouerße vnde
ewige tvyfheit de e^ vorße biß vnde eyn malcer der nature alle f chatte
der wyfheit vnde der hunße verborgen fyn etc. Schluß: alfo dat en
duncTcet dat en wal gefcheyn ivere mocJite fe ßeriie als vnredeliJce beyße
Am. Der Text gehört nicht zu der Fassung dieses Capitels in
Susos ;j Exemplar" , wie sie ßihlmeyers Ausgabe der Deutschen
Schriften Heinrich Seuses (Stuttg. 1907) S. 278 ff. (vgl. S. 278
Note zu Z. 20) bietet; sondern stimmt näher mit der lat. Fassung
des Horologiums überein, vgl. z. B. die alte Ausgabe Cöln, Joh.
V. Landen 1501, in 12» (Stadtbibl. Hamburg, PB IV 199* in 8«)
Bl. W&.
2. Bl. 9^ — 12^: 4 Abendmahlsgebete. Anf.: (rot) Van den
hilligen facramente vnde du machß dat lefen vor gebede tvan du tvuJt
dat hillige facramente entfaen. 0 Eyngeboren ihü xpe des leuendige
godes föne . we mach iverdeViken louen de manichuoldicheit dyner guet-
heyt etc. Schluß: leuet vnde regneret eyn god ewelihen Amen zc{^
2 cetera.
Nr. 863 (Adrian S. 256. — B. S. Ms. 130. 4): 244 Bl. Pap.
in 4°, 1464 — 1465 von Gerhard Nassauwe in Lemgo geschrieben.
Einfache Bubricierung mit kunstlosen roten Anfangsbuchstaben
bis Bl. 89', weiterhin fast nur noch auf den ersten Blättern jeder
Lage und auf Bl. 229"^— 240^ Bl. 244 durch Wurmstiche beschädigt,
aber restauriert. In altem braunem, einfach gepreßtem Lederband,
Bücken neu beledert, Messingschließen verloren. Auf der Bückseite
des Vorderdeckels Pergamentbruchstücke eingeklebt mit lat. litur-
gischen Stücken (z. T. mit Neumen) des 13. Jahrhs. , und einer
deutschen Urkunde des Otte ottonis von ivic^inhiifen Eyn prißir AI-
138 C- Borchling,
tariße fante Jcatherine Capein zu frideh'g (13. Jahrb.). — Altere
Signaturen F. 66 und Liber Bihliothecae Academicae publicae Senken-
bergianae F, 7.
1. Bl. 1' — 228'^: Expositiones in Evangelia, lai, geschrieben
als Textus und Glossa, der Text der Evangelienlectionen mit
größerer Schrift. Vom 1. Adventssonntag bis zum 23. Sonntage
nach Trinit. (Evang. vom Zinsgroschen). Schluß Bl. 228^: Et eo
relicto abierüt fp f)fuß nö audetes eü amplius quidquä infrogare, Siip
quib^ collecty^ deo ßt laus nro füP catori qui vn<) eß in e/fencia i fnitas
in pfonis. fy 2a an 7iatiuitat{ male (3. Sept.) coUecta p ine vilifßmü
ghardü na/fautve Sub äno Ixv. — . Bl. 228'""'^ ist später der Evan-
gelientext von dem blutflüssigen Weibe (24. Sonntag n. Tr.) nach-
getragen, Bl. 228^ außerdem lat. Verse über den Zahlenwert der
Buchstaben.
2. Bl. 229'-— 244^: Nd. Übersetzung des Boethius, De con-
solatione philosophie. Buch I — IV, mit erläuterndem Com-
mentar. Anf. : KOnyng dauid de fprehet in deme jaltere alfus Here
dyne troßinghe liebbet gefrowet myne feie. Buffe ivort machmen to
voglien deme wifen dogentrike mäne boecio, de dith jegeiverdige boeck
makede in groter bedroffni/Je, vn wart getroß van der tvifheit. Nu
merke dat de troeß yfi twiuolt etc. Z. 29: De dith boeck makede de
hetet boecius, vn icas eyn edele romer eynß fenaten föne vn waß ein
wiß meiß' an grekfcher tungen vn latynfclier^ alfo dat he vele boeke
makede vä der gotheit van der Redeliken kunß vn vä naturliker ivif-
lieit etc. Die Vorrede schließt Bl. 229"^: dat ßck ein wijß man tor-
nede van eyner cleynen fake. Es folgen dann die einzelnen Ab-
schnitte des Werks mit lat. Stich v^örtern eingeleitet und jedesmal
von einer Expoßtio (bedudinge) gefolgt. Vgl.: Carmina qui quondä
ßudio. Jndeme anbeghinne fynes boekes fpreket de meißer boecius
aldus Wanner daghes by mynen geluckigen tijden vn jn m\jner joget^
do makede ick koßlike boeke vn gedickte etc. Bis zur Mitte von Bl.
233^ hat eine gleichzeitige Hand mit schwärzerer Tinte ziemlich
rücksichtslos hd. Sprachformen hineincorrigiert. Der Text des
Werkes läuft bis Bl. 243^ glatt fort, Bl. 243^ bricht in der Ex-
positio zum metrü feptimum libri primi (also dem Schlußabschnitte
des 1. Buchs, vgl. Peipers Ausgabe, Lipsiae 1871, S. 22) ab mit
den Worten: Ouck fo heuet de feie veer bekümernilfe vn begeringe an
ßck de des menfchc dancken hindert dat he nicht mach gebruken vulU
konie redelicheit vn vorßentniffe dat iß vrode droff \\ Alles Übrige ist
verloren gegangen bis auf Bl. 244, das Schlußblatt des ganzes
Werkes, und einen schmalen Streifen von 6 Zeilen, der jetzt auf
Bl. 244' aufgeklebt ist. Dieser Streifen enthält den Anfang der
Mittelniederdeutsche Handschriften: Gießen. 139
^Tfa quarta li fecü: {T)Vm ego vera (= Peiper S. 31) und die um-
gebenden Zeilen; Bl. 244'-^ das Ende des 4. Buchs: {B)Jt iß de
heßiitmge des Verden boeclcs hoecij dar de wijfheit aldus fpreJcet Bat
gelucTie ivercJcet veerleye wijs ed lonet ed richtet ed ouet vn pyniget etc.
(vgl. Peiper S. 117 Z. 5 f.) bis Bl. 244^: wente alle dingk vn wercke
de wy don hijr vp ertrick de do wy vor godes jegemvordigen ougen de
Mjr alle dingk richtet vn vnderfcheidet vn fuet IC\^. — Hijr endet ßck
dat verde boeck hoecij van troßinge der philofophien effte wijfheit Men
dat viffte vn dat leße boeck iß nicht in dudefch gefat wente ed iß van
de* wetenheit godes vn dar äff vele to fprekende mochte groten twinel
maken in den dümen luden. — Script{ a naffauive gliardo ano Ixiiij
in lemego Jn ieiuTö an Judica ij^ fy (= 13. März). — Der Text
dieser Hs. stimmt nicht mit den späteren Drucken des deutschen
Boethius überein.
Nr. 962 (Adr. S. 287. — B. S. Ms. 103 foL): 276 Bl. Pap. in
Fol., 16. Jahrh. Ohne Rubricierung, Kanzleihand. In altem Leder-
bande mit Holzdeckeln, die beiden Schließen abgerissen. Auf der
Innenseite des Vorderdeckels die Jahreszahl 1581^ die darunter
stehende Besitzemotiz ist unlesbar gemacht. Homeyer Eechtsbb.
Nr. 221. Weiland, Neues Archiv VI (1879) S. 59 ff .
1. Bl. 1—5 leer. Bl. 6"^ Titel: Bichtßich Jn Dem Landtrechte
Vnde Lenhenrechte So Kaifer Frederick von Stouffe genandt Etwan
tho Meiolan in dem Palatze Na Gades gebort. 1178. Gefettet vnnd
gegeuenn Hefftt. Es folgen Bl. 7"^ (bez. als Aj) — Tö"" der Richt-
steig Landrechts (Bl. 75^ — 77"^ der Judeneid angehängt ; Bl. 77^
—78^ leer), und Bl. 79^^ (bez. ^)-133^ der Eicht steig Lehn-
rechts, beide aus dem nd. Drucke Augsburg 1516 abgeschrieben.
Bl. 133^ leer. Vgl. Homeyer Richtst. S. 9 Nr. 28, Sachsensp. II
1 S. 373 Nr. 9 n. S. 378 f. Den Richtsteig Lehnrechts hatte
Senckenberg nach dieser Hs. abgedruckt, vgl. sein Corp. Jur. Ger-
man. I. 1 praef. § 110.
2. Bl. 134"^— 139': Kleinere chronikalische Stücke zur Ge-
schichte Heinrichs des Löwen.
a) Bl. 134^^—135^: Über die Gründung von Lübeck. Anf . :
Anno Frederici der 3. do men fchreff na gades gebordt 1157 Do her-
tich hinrick de Laive fach dat ßck de Stadt Lübeck fehr beterde etc.
Schluß: vnd na der tidt wordt de Stadt Bike,
b) Bl. 136' — 137': Von vorßoringe Bardewigk. Jn dem vpge-
melten Jare 1190 do vorfammelde de here van Brimfchivig . . . ein her
von Stade etc. Schluß : dat Luneborger foldt mochte deßo bettern vort-
gang hebben thor See wardt.
140 C- Borchling,
c) Bl. 137^: Hd. Verse auf Heinrich den Löwen, 20 Z., wolil
zu einem Holzschnitt. Anf. : Hertzog Heinrich der Lauve. Sighaff-
tichj glückfelich großer mach etc. Schluß : Lühech Hannouer hefeßiget
hob. Bl. 138^ leer.
d) Bl. 138^—139': Großes bunt ausgemaltes Bild : in der Mitte
das gekrönte weiße Sachsenroß, umgeben von den Wappen nebst
"Wappentieren der benachbarten Länder und Städte. Aus den bei-
gefügten Spruchversen geht hervor, daß es ein satirisches Bild auf
die Teilung der Länder Heinrichs des Löwen sein soll. Bl. 139^
leer.
3. Bl. 140' — 243"": Lünenburger Cronica, es ist die jüngere
Fassung der s. g. Bromes-Chronik, mit den üblichen Anhängen.
Zu den Bericht I, S. 138 u. II, S. 67 aufgezählten Hss. dieser
Chronik kommen die beiden Bericht III, S. 194 u. 114 angeführten
Wolfenbüttler Hss. Bl. 140' nur der Titel, Bl. 141'- Anf. : Keyfer
Frederich de Ander mahede Erß de herfchop Luneborch tho einem
hertochdome etc. Die Chronik geht von 785 — 1421 und enthält das
Lied Keppensens zu 1371, Schluß Bl. 208'': vnnd woßedenn de lande
ahn beiden ßdenn. Es folgen dieselben Anhänge wie in der Be-
richt II, S. 68 beschriebenen Kopenhagener Hs. in der gleichen
Reihenfolge. Bl. 243^—249^ leer.
4. Bl. 250'-— 269': JDOCTORIS AMbroßj Magirj Prognoßicon
für 1551—1580, hd. Bl. 269' -270^^: Frophetia de Anno 1554 Ahn
die Kög. Maitt. Bl. 270'~^ : Die Rechte bedeuttung vnd aufleggung
Jn die Große prognoßication de Annis 60. Bl. 271 — 276 leer.
Nr. 1055 (Adr. S. 325. — B. S. Ms. 92 in kl. Fol.): 43 Bl.
Perg. in kl. Folio, 14.— 15. Jahrh. Bl. l'-25^ sind im J. 1598
als S. 1—50 paginiert, Bl. 26^—43^ als 1—35. Zweispaltig, mit
vollst. Tintenlinienschema. Bl. 1"* eine 14^2 Z. lange rote Über-
schrift mit 7 Z. hoher roter Initiale, sonst keine Spur von Rubri-
cierung. In neuerem Halblederland, auf dem Rücken: STATUTA
MINDENSIA.
Nd. Stadtbuch von Minden, mit mannigfachen Eintra-
gungen stadtrechtlichen Inhalts. Der Band ist im Jahre 1318
angelegt, die Haupthände gehören dem 14. Jahrh. an, die Nach-
träge gehen bis 1598.
1. S. 1* — 10*: Verzeichnis der vor dem Rate der Stadt Minden
aufgelassenen Käufe und Verkäufe 1318—1362. Anf.: (rot) JN
dit boch fcalmen fcriuB alle de er gvd lathet vor dem rade vnde eth
ant phat, vppe dat de dinch nich vor gethen tverden fo ef def noth
dat me eth be^criue / Van godef bort dufet . vnde dre hüdert . vnde ach-
Mittelniederdeutsche Handschriften: Gießen. 141
teyn yar tvere indeme rade etc. S. 7^ sind sub a. 1327 drei §§ recht-
lichen Inhalts eingelegt: Äldus fint de Tcoplüde vil de crem'e vn de
geße to 7nyden vnderfceyden; ebenso S. 10*~^ zwei §§ (= Frensdorff,
Dortmunder Statuten und Urtheile IV 59—60).
2. S. 11»— 13^: Minder Bischofsrecht. Anf.: Wanne tho
Minden en nyglie hy/fcop Mmpt etc. S. 13^ zwei einzelne §§ des 14.
und endenden 15. Jahrhs.
3. S. 14*-^: 3 R e chts mit t eilungen von Dortmund an
Minden, 15. Jahrb., nd. (= Frensdorff a. a. 0. IV 89. 91—93. 97).
S. 15 leer.
4. S. 16*: Verzeichnis der 1320— 1344 aufgenommenen Bürger.
S. !&": Einzelner § des 14. Jahrhs., und bist. Notiz (lat.) de 1325.
5. S. 17* — 21*: Dortmunder E,echtsmitteilung an
Minden de 1360. Anf.: DU Sint de recht de de van Bortmimde
hehhet ghefcreuen Jn deme Jare Dufent Jar drütteyhündert Jar Jn
deme Seßigeße Jare van pahnen an na godes hord. De de Eraftighen
hefchedene lüde Jcerßen Sijmer etc. tho Samende hehbet ghefcrhien
lathen an dit hock, — En recht is. Storiie we in vnfer Stad / vn lethe
achter en Und van ener Süßer etc. Die erste Hand hat 25 Absätze
geschrieben; S. 21* — 26* Nachträge von verschiedenen Händen des
14. und 15. Jahrhs. S. 25*. 25^. 26* haben diese Nachträge die
Columnenüberschrift Dorpniüde. S. 26^ — 27: Rechtsmitteilung von
Dortmund an Minden von 1466 in ihrer vollen urkundlichen Form.
S. 27 — 31 (einspaltig): Jüngere Ratsbeschlüsse von 1535 — 1555.
S. 32 — 50 leer. — Von den zahlreichen Dortmunder Rechtssätzen
dieses Teils der Hs. kehren höchstens 4 — 5 bei Frensdorff wieder.
6. S. 51 (unbez.) : Seciinda pars statutorum Mindensium sequitiir.
Habet paginas 35. M, J. Anerhergh sst. Äö 1598. Von derselben
Hand S. 2*: Formula Juramenti Senatorum, hd., sonst sind S. 1* — 13*
leer. — Im Folgenden gehört zu den älteren Beständen des 14.
Jahrhs.: a) S. 15*=^— 16*^- Gewohnheitsrechtliche Stücke des 14.
Jahrhs., nd. b) S. 23**: Ein § über aericht. c) S. 24**- 26*^:
Absätze über herewede, gerade etc. 1336 ff., Nachträge dazu S. 23**~^
d) S. 27**: Auseinandersetzung zwischen Bischof Grert und der
Stadt 1363. e) S. 29**: inninghe der höhere, f) S. 31**: Sathe,
betr. den Eid der Ratsherrn und Gastrecht, g) S. 32*: Ratsbe-
schlüsse von 1385 f. h) S. 34**-^: Einzelne Rechtssätze.
7. Von den Nachträgen hebe ich nur folgende Eintragungen
des 15. Jahrhs. hervor: a) S. 20* — 21* (einsp.): Privileg der Wand-
schneider, nd. b) S. 23*^: Absage des Rats an Corde GhetieJcoten,
vgl. S. 33**^: Bericht über die Verhandlungen mit demselben,
c) S. 27*^: 3 Rechtsbelehrungen, wohl von Dortmund (die erste
142 ^- Borchling,
bei Frensdorff IV 70). d) S. 29*^—30*»: ßatsbescliluß für Jcopman
Ampte Meynheyt vnd vorßede zu Minden von 1451, erneuert 1453.
e) Einzelne Ratsbeschlüsse ferner S. 14*». 12*. 28*». 32*.
Schloss Haag bei Geldern, Gräfl. Hoensbroechsches Archiv.
Durch die Freundlichkeit des Herrn Gymnasialdirectors Dr.
Joseph Pohl, damals zu Kempen, jetzt zu Bonn, bin ich in den
Stand gesetzt, über die einzige nd. Handschrift dieser Sammlung
hier zu berichten. Die Mundart der Hs. ist allerdings ausge-
sprochen ndl.
Cod. pap. in 8^ (21x14 cm), etwa 2. Hälfte 15. Jahrhs.,
vorn defect.
1. Bl. 1 — 116: Der Seelentrost. Anfang verloren. Als
Probe der Anfang des 4. Gebots: Hier hegint dat vierde gebot ons
hin Um xpi, VAder Heue Je hidde v öme onfe lieiie he got leer my
tvellic is dat vierde gebot. ^ Kint lieue dat wil ic gherne len dy op
dattu gode biddes voer my. Dat vierde gebot fpricet Menfche du falt
eren vader en moeder Dit falßu ten ierße mael aldus verßaen Du falt
hon gehör fam tvefe en diene hon met vlijt etc. Schluß: Bat ivij daer
alle nioete corne de göne vns der vad' en der foen en der heylighe geyß
Amen. Aldus endet der seien troeß Got maeck ons alle van füden
los Amen. Eine gute Zusammenstellung nd. und hd. Hss. des Seelen-
trostes hat A. Eeifferscheid, Nd. Jahrb. 11 (1885) S. 101 N. 5
gegeben. An nd. Hss. kenne ich noch die Bericht II, S. 24 be-
schriebene Kopenhagener Hs., ferner Soest, Stadtbibliothek Nr. 27,
Wolfenbüttel-Helmst. 134 (v. Heinemann I, S. 133 Nr. 156) u. 389
(v. Heinemann I, S. 311 f. Nr. 424) und das Bruchstück Wolfenb.-
Novi 404. 10, Stück 18 (Bericht III, S. 144). Von nid. Hss. des
Werkes kenne ich außer der von Reifferscheid a. a. 0. beschriebenen
V. Arnswaldtschen Hs. in Berlin noch Deventer, Stadtbibl. Nr. 58
(Kat. S. 28). Dazu endlich die zahlreichen Drucke des Werks,
vgl. Bahlmann, Deutschlands kathol. Katechismen (Münster 1894),
S. 13—14.
2. Bl. 117—148: Abhandlung über die Beichte. Anf.:
ANnücia pplö meo fcelera eorj yfa" 58^ ca^, Onfe lle feghet in ^ppheet
yfaie datme fynS luden hoS fonden fall cont mdken etc. Schluß : Dat
tvy na dit cort leuB moete van den hoeghe canccllier ihü xpo orloff
hebben te lefen mit den zalighen in den boecJc des ewichs leuens nv
en ewelic Amen. Explicit Über cöfeffionis vtilis valde. Bl. 149 —
151 leer.
Mittelniederdeutsche Handschriften: Gießen. Haag. Luxemburg. 143
3. Bl. 152—186: Dietrichs von Apolda Leben der hl.
Elisabeth. Anf. : Van Sent Elyfahetten Leuen. Boe ich heglian
te onderfoeTien van den Leite ende vanden zeden van der doet en vanden
miraciden fente Elifaheth etc. Die letzten 25 Bll. der Hss. sind
stark durch Mäusefraß beschädigt. Vgl. Bericht II, S. 122 f.
Luxemburg, Stadtbibliothek.
Die Handschriften sind beschrieben in N. van Werveke's „Cata-
logue descriptif des Manuscrits de la Bibliotheque de Luxembourg"
(L. 1894). Ich habe hier lediglich auf einzelne Nummern dieses
Katalogs hinzuweisen.
Nr. 4 (alte Nummer 127) enth. Bl. 38—40 Notizen über eine
Bruderschaft des 16. Jahs. aus Menningen; die Aufzeichnungen
haben nur archivalischen Wert.
Nr. 40 (92), aus Echternach, hat Bl. 232 die 4 Yerszeilen
Walthers Lachm. 87, 1 — 4 in md. Mundart, mit roter Tinte ge-
schrieben. Die ndrh. Medicina ind lachte . . weder die fuchte der
peflüencien ist nur 9 Zeilen lang.
Nr. 99 (46): Das „petit glossaire latin - allemand* Bl. 152^^
ist nid.
Nr. 121 (50): Miscellancodex, geschrieben von dem Münster-
eifeler Canonicus Thilmann Pluynsch 1448, enthält an 12. Stelle
Bl. 175'' — 178^^ eine kleine ndrh. Münstereifler Chronik von
1270 — 1451. Sie ist abgedruckt von Floß in den Annalen d. hist.
Vereins f. d. Niederrhein Bd. 15 (1864) S. 188—205, und wird an-
geführt von Ilgen, Westd. Zs. Ergänzungsb. II (1885), S. 115 und
von Giemen, Kunstdenkmäler der Rheinprov. Bd. IV (1898) S. 294.
Nr. 132 (48), aus Echternach: Bl. 188 ndrh. Fassung des
Lügenliedes, im Katalog abgedruckt.
Fragmente Nr. 3: Ndrh. Gredicht von der Recht-
fertigkeit vom Ende des 15. Jahrhs., abgedruckt im Katalog
S. 493—500. Mit V. 270 hört das Gedicht von der Rechtfertig-
keit auf; V. 271—298 Nachträge, noch 12 Tugenden und Laster
zu je 2 Zeilen.
144 ^- Borchling,
Mainz, Stadtbibliothek.
Die Hss. der Stadtbibliothek sind in einem hsl. Kataloge kurz
beschrieben. Der Untergang der alten Mainzer Dombibliothek im
J. 1793 wird Schuld daran sein, daß die älteren Bestände der
Hss. der Stadtbibliothek wenig beträchtlich sind. Am meisten hat
zu dem heutigen Besitze die Bibliothek der Carthäuser zu Mainz
beigesteuert, ihre Hss. bilden die 2. Abteilung des Katalogs und
sind besonders gezählt. Die fortlaufende Zählung des Katalogs
läßt aber noch eine größere Anzahl von Hss. unberücksichtigt, die
also nur nach ihren älteren Signaturen citiert werden können.
Unter den Hss. der Carthäuserbibliothek befinden sich
etwa ein Dutzend lat. -deutscher Glossare des 15. Jahrhun-
derts. Sie sind sämtlich von L. Diefenbach in seinem Griossarium
Latino-Grermanicum mediae et infimae aetatis (Francof. ad M. 1857)
benutzt und in der Einleitung kurz beschrieben worden. Der
Mainzer Katalog wiederholt für diese Nummern einfach Diefen-
bachs Beschreibungen. Niederdeutsch sind davon Dief. Nr. 8**
(= Carth. 261,2); Nr. 11 (= Carth. 248; der Dialekt erscheint
mir als westfälisch, nicht nid.); Nr. 13 (= Carth. 280); Nr. 14
(= Carth. 280 Stück 4; halb nd.); Nr. 19 (= Carth. 32; hd., aber
aus dem Nd. übertragen); Nr. 22 (= Carth. 318, 1. Stück); Nr. 22^
(= Carth. 318, 2. Stück); Nr. 23 (= Carth. 130). Dief. Nr. 21
(= Carth. 329) hat nichts Nd. in sich.
Codex CCCCXVIII (= Incert. 8^ 2): 210 Bl. Pap. in 8^
1. Hälfte 16. Jahrhs. Rubriciert. In braunem Lederbande mit
Holzdeckeln, die beiden Schließen verloren.
Ndrh. Erbauungsbuch.
1. Bl. 1' — 28^: DU is de afffcheidöge vns leuen heren
van fyre leuen moder. DOe vnfe lieue here Jefus xxxiü iair
alt was geynclc hei van galilea zo ihrVm, Schluß : 0 hemel ind erde
Mit mitlyden mit mir Amen. — Bl. 29 — 30 leer. Denselben Anfang
hat die Bericht III, S. 190 beschriebene ndrh. Passionserzählung
als fy de leyrre hefchrijuent] danach sieht es so aus, als ob die
Passion des folgenden Stückes mit diesem ersten enger zusammen-
gehört.
2. Bl. ^V: Bit is de paffte vns leuen heren we men die
mit andacht fal betrachten. Up den grocnen donner/fdach als vnfe
lieue here Jefus äff dat oifter lamp mit fynen yungeren etc. Vgl.
zu 1).
Mittelniederdeutsche Handschriften: Mainz. Nürnberg. 145
3. Bl. 156^: Byt is der bereit vä Cahcarien, Es wird
die unten unter Nürnberg Nr. 60269, Stück 13 näher beschriebene
Passionsandacht sein.
4. Bl. lOS"": DU fynt die xv vreuden die vnfe Heue Tiere
Jefiis an dem criitz liadde. Vgl. oben S. 14 u. 123.
5. Bl. 203'": Eyne oetmoedige heJcenteniffe vur gode vä
der verlor ere zijt, Schluß: alre meiß in der oren myns doiU,
Amen. Vgl. oben S. 35.
Codex DXY(= Jur. 82): Pap. 4^ 15. Jahrb., defect. „Me-
dicinische Tractate etc. in plattdeutschem Dialekte". Die
Hs. ist aber nid., nur der letzte Teil mehr nfr. {inde^ ouch),
Nr. VI 68: Pap. in 4P, Anf. 16. Jhs. Aus einem Augustiner-
Nonnenkloster. Stück 1 zweispaltig, rubriciert.
Das Ndrh. Lectionar auf die Fest- und Heiligentage des
Kirchenjahrs (Bl. 2^^ — 128^*) hat bereits vff und vnd, ist also mosel-
fränkisch. Der zweite Teil des Bandes, Bl. 130 ff., der zum größten
Teil aus Ordensregeln für Augustinerinnen besteht, ist ganz hd.
Bl. 134^^ wird auf ein wichtiges Greneralcapitel des Augustiner-
ordens vom 10. Juni 1443 hingewiesen. Da iß gehoden tvorden vnfen
fiveßern Wie das ße ßrencJdichen halten folte Die regel die da anhebet
alfo. Jr folt [yrl got liep han vn dar nach iiivern neheßen 2C{.
Auch die Reste einer lat. -deutschen Grrammatik des
15. Jahrhs. (Fragmente der StadtbibL, eine Lage von 12 Bl.
Pap. in 4^) sind rheinfränkisch, nicht ndrh. Vgl. Bl. l'^ — 6^ aus
den Verba composita , Anf. : Cita^e ex^ l ivecTcen , jn^ l anheirten,
re^ l. tvedlieifchen, sb^ i. fufcita'e l offivecken etc. Bl. 6^ — 8^^^ (zwei-
spaltig) die Verba deponentialia, Bl. 8^ leer. Bl. 9^—12^: {Q)Eam'
matica eß fciä ideo finalif adinveta ut ßiam^ gv ß expme^ ment[ cöceptü
etc., ganz lat.
Von alten nd. Drucken habe ich in der Stadtbibliothek nur
die 1492 in Mainz gedruckte Cronecken der Sassen (Hain
4990, Scheller 454) = Nr. 13172 (269 BL, 15 BU. fehlen), und
Band 1 der Halberstädter nd. Bibel von 1522 (= Inc. Nr.
2381) vorgefunden.
Nürnberg, Germanisches Nationalmuseum.
Über die Handschriftenbestände existiert nur ein ziemlich sum-
marischer alphabetischer Zettelkatalog. Ich folge in meinen Be-
Kgl. Ges. d. Wiss. Nachrichten. Philolog.-histor. Klasse. 1913, Beiheft. 10
246 ^' Borchling,
Schreibungen den Katalognunimern der Hss. und füge das Stich-
wort des alphabetischen Katalogs jedesmal hinzu.
Nr. 4:984a. 8^ Psalterium: 291 Bl. Perg. Lat. Psalter
des 13. Jahrhs. mit nds. Randbemerkungen zu Anfang jedes Psalms
von einer Hand des 14. Jahrhs. Sie beziehen sich auf die An-
wendung der Psalmen bei verschiedenen Grelegenheiten, wo sie ge-
lesen werden sollen. Die Zusätze sind mit roter Tinte stets auf
dem unteren oder unten auf dem seitlichen Hand eingetragen.
Nr. 5848. kl. 8°. Secretbüchlein: 8 Bl. Pap. in kl. 8^
15. Jahrb., in mod. Pappb.
Allerlei Heilmittel und Recepte, sowie von den Kräften
der Pflanzen. Anf. Bl. l"": JSv des midwekens lat lefen ene miffen
van den twelff ApoßolB myt xij lecJite vnde myt tweleif almi/fe vn
tweleff iverue de falme Ad dum cü fbidarer clamaui etc., Belehrungen,
an welchen Tagen man bestimmte Messen lesen und Psalmen oder
Gebete singen muß, von Mittwoch bis Sonnabend ; die erste Hälfte
fehlt also. Bl. 1^ : Nv ÄUq ho nöbilia de arhijs (!) fructuoßjs. Miif-
catü e liuidü i calidü, Et h^ häc vtiitB etc., lat. Bl. 4^^ lat. Recepte.
Bl. 7^ unten — 8^: Nd. und lat. Recepte, meist von einer zweiten
gleichzeitigen Hand nacbgetragen ; vgl. z. B. Bl. 7^: Jt\^ Blade vä
dem ivalbome fchal me vp neme in dem Auede funte Johes in dem
Samer etc. Schluß: Et debes diuide' % por. Das Lat. ist mit nd.
Pflanzennamen durchsetzt.
Nr. 7204. 12^ Jesus: 1 Bl. Perg., zweispaltig, trotz dem
kleinen Formate, 15. Jabrh. Ruhr., rote Anfangsb. In mod.
braunem Lederband.
Bruchstück aus einem ndrh. Leben Jesu; es scheint eine
Art Capitelverzeichnis zu einem solchen Werke zu sein und läßt
drei Teile erkennen (Leben, Passion und Auferstehung), innerhalb
deren die chronologische Ordnung nicht innegehalten wird. Anf.
Bl. 1": Jh's ivart gebore \ JJis ojfenbair\de fich de hirtge Jnd ih's\
wart befnede \ Jh's warp vis \ in de tepel de Icouffer ind vkoufferß etc.
Schluß Bl. V^: JJis offenbairde ßcJi \ fynB jäge'n mit beflo/fenre durS.
Der Rest der Spalte ist mit lat. Gebeten an Maria angefüllt.
Nr. 8826. 4«. Legenden: 288 Bl. Pap., zweispaltig, 15.
Jahrb. Bl. 13 — 288 von späterer Hand als S. 1—560 paginiert,
eine ältere Foliierung beg. bei Bl. 29'' (= S. 33) mit Bl. ij und
geht bis cclix = Bl. 287 (S. 557). Durchschnittlich 30 Z. in der
Spalte, rote Überschriften, die größeren Initialen abwechselnd blau
t
Mittelniederdeutsche Handschriften: Nürnberg. 147
und rot. In altem gepreßtem Lederbande mit Holzdeckel, die
beiden Schließen verloren. — 26. XI. 1885 von Ackermann in München
erkauft.
Ndrh. Heiligenlegenden.
1. Bl. l*" — 8': Kalendarium der Heiligen, deren Leben in
diesem Werk erzählt wird; es wird jedesmal die Blattzahl ihrer
Legende angegeben, mehrfach aber auch auf andere Legendenbücher
verwiesen, so : m dem graen boiche, in dem dlden boiche, in dem roden
hoiche, in der feien troiß (achtmal), dat ßeyt hi fei iherony^ reigel.
Van fent Eufraxien jonffer in dem leiten vns heren (zweimal). Mehrere
Nachträge von nur wenig späterer Hand, ein paar Zusätze einer
Hand des 17. Jahrhs. Sonst ist das Kalendarium von der Haupt-
hand 1 geschrieben, rubric. , mit roten Monatsüberschriften. —
Bl. 8^— 12^ leer. Bl. 13^^ = S. 1.
2. S. 1—32 (= 2 Lagen) sind von Hand 2 beschrieben und bilden
oiFenbar einen Nachtrag. S. 1* — 10^: Legende der hl. Maria
Magdalena, nach Isidor, vgl. Bericht I, S. 207. Anf . : Dit is
die heJceirynge fent marien magdalena als yfideriis hefchryfft. MAria
was gehören van eyme edelen ßam ind van eyrlichen geflecM der ßat
van jherufalem etc. Schluß: Ich in fal fy tnyr nümerme vergeuen.
Es folgt aus dem Leben^St. Josephs, dann S. 19^ unten: Bit
is van der elrwirdich* fent Jofephs ind van fynre preuelegen. S. 29*
Mitte: van der infetzynghe der feße des heiige fent Jofephs als it
maria feine geoffenbairt hait. Schluß S. 30^: ind de die hißorie neit
in haue de (S. 31^) halden de hißorie van eyne confeffor de geyn hu-
fchoff in is ind auch alfo die deynß der heiiger myffen Deo gracias,
ßest des Blattes leer.
3. S. 33 (bez. ij) — Mb(ccliij'Y: Das eigentliche Legendarium,
von Hand 1 geschrieben, mit der alten Blattzählung. Anf. : Van
fent quiryne (= 4. Juni). Allexander der heiige pais befas die vunfte
ßat des ßoils der roemfcher hirchen na fe^it peter etc. Die nächste
Legende beg. S. 49 (ix^): Van fent nerus i achyleus etc. etc. (Pan-
cratius, Urbanus, Petronella, Marcellin, Prymus, Barnabas, Gre-
uasiiis{\) etc. etc., S. 106 eine andere Fassung der Maria Magda-
lenenlegende j also alles aus dem Sommerteile des Passionais).
S. 408 {clxxxv'') war ursprünglich frei geblieben und ist dann
von Hand 2 mit der (sächsischen) Legende von den beiden Ewalden
beschrieben worden. Es folgt noch der Anfang des Winterteils
bis S. 536 {ccxlviij") St. Cecilia (22. Nov.), mit dem Schluß: M man
lyfet ander fwa dat fy gepafßet tvart in marc aurelys tzijden de reg-
neirde Jn dem iair vns heren GCxx. jair, DEO GBACJAS. S. 545^
leer.
10*
148 C. Borchling,
4. S. 546 (ccUij^)—m7(cclix'Y: Legende von St. Ida, Nach-
trag von Hand 3. Anf. : De hißoria van der alre hillichßer tvedmve
f> Jda. {'V)p eyne tzijt als der fere ßrijtbar Iceyfer harolus vijl volcJcs
van den Saßen ind tvalen JconyncMich regerende ivas etc. Schluß:
Befe dynge fynt gefcheit in de iair na chrißus gehurt ix'^ ind Ixxxvj
vp de veirden dach des Becemhris als der feir ßrijtbar keyfer Otto
regnerende was Beo gras. S. 557^ leer, S. 558—560 Register der
Legenden von einer Hand des 18. Jahrhs. Dieselbe Hand hat die
Heiligenleben des Textes numeriert. Am Eande der Hs. ist zu-
weilen bemerkt, an welchen Tagen das Leben bestimmter Heiligen
gelesen werden solle. Eine jüngere Hand hat im Texte mancherlei
gebessert und hinzugesetzt.
Nr. 15735. Fol. Bonnus: 20 Bl. Pap. 16. Jahrh.
Mag. Herm. Bonnus' Lübeckische Chronik, nd. (vgl.
Bericht II, S. 77); zusammengebunden mit Ad. Tratzigers Ham-
burgischer Chronik.
Nr. 19985. Fol. Verne: 28 Bl. Pap. 17. Jhs , zusammen-
gebunden mit Nr. 19982—84 u. 19986.^
Hd. Abschrift von Ulr. Verne's Übertragung der märkischen
Chronik des Levold v. Northoff. Vgl. oben S. 57.
Nr. 22403. 12^. aebetbuch: 297 Bl. Perg. Bl. 1 leer, Bl.
2—297 mit Blei als 1—294 (Bl. 36 u. 247 doppelt) foliiert. Von 5
Händen der 2. Hälfte 15. Jahrhs. geschrieben: Hand 1 = Bl. 1 — 31;
Hand 2 = Bl. 32 (neue Lage)-34; Hand 3 = Bl. 35 (n. L.)— 178;
Hand 4 = Bl. 179 (n. L.)— 192; Hand 5 = Bl. 193—294. Hand 1 hat
E-ubricierung, rote und blaue Anfangsb., rote Überschriften, Bl. 16"^
größere Initiale in Grold. Hand 3, die Haupthand, hat auch die
reichste Ausstattung. Die Hubriken sind mit hellerem Rot aus-
geführt, Initialen in Blau, Rot oder Gold, oft mit reichem Ranken-
werk: vgl. Bl. 35^ große Initiale (//), leider sehr zerstört, das
Blumenstück in der Mitte der Initiale nicht mehr zu erkennen,
das Rankenwerk am Rande hat Früchte u. Blumen. Ranken werk
auch Bl. 35\ 36'-\ 36^'. 37^ SS'^ 39''^ 40'--^ (40^ auch ein Fabel-
tier = Chimaera). 41'. 42^ 43'. 44'. 45'. 46'. 47'. 48'. 49'. 50'. 51'.
52'. 54' (erst halb fertig). Bl. 55'. 56^ 57'. 58^ haben nur erst
die Federzeichnung, die Ausmalung fehlt noch, so auch Bl. 64'. 65'.
79'. Dann noch einmal reich ausgeführt Bl. 83', ähnlich, aber
kleiner Bl. 103'. Noch kleiner Bl. 107'. HO'. 113'. 115^ 121^ 122'.
127' (größer). 129'. 152'. 153'-\ 154'•^ 155\ 156'. 157^ 158" \ 159^
160'- ^ 161'. 162'. 164\ 165'-^ 166\ 167^ 169^ 170'- \ 171' (Affe!).
Mittelniederdeutsche Handschriften: Nürnberg. 149
172'. 173^ 174' und 175' (Löwe, ohne Farben). Miniatur Bl. 176^
(Annunciatio), in viereckigem, unten offenem Goldrahmen ; nur solch
ein Groldrahmen Bl. 139', die Miniatur ist nicht mehr hineinge-
zeichnet. — Hand 4 und 5 einfachere Rubricierung ; Bl. 193' und
255' eine größere Initiale in Blau-rot, in der Manier der nd. und
nid. Horarien einfacherer Art, mit schlichter roter Randleiste. —
In altem gepreßtem Lederband, Schließe abgerissen. Eine Besitzer-
notiz auf dem 2. Vorsetzblatte mit fast ganz erloschener Schrift
des 15. Jahrhs. : J\ dyt hoycJig hoyrt \ hilgen vä den hyn . , . \ vp
der hruglhenQ) zo ivyllemßeyn. Auf der Rückseite desselben Blattes
von einer Hand des 16. Jahrhs.: leißbettgen hunt de ditt beuch zv \
der itt find der geif itt ir vmb.
1. Bl. 1' — 15': Kalender der Cölner Dioecese. Anf.: Har-
demaU hau d' xxxj. Die Monatsnamen sind alle deutsch, December
heißt Andreismaint. Bl. 13' — 15': Berechnung der goldenen Zahl
und des Sonntagsbuchstabens. Tierkreistafel. Bl. 13' oben die
Jahreszahl M. cccc. Ixxij darübergeschrieben. Bl. 15^ leer.
2. Bl. 16'— 31^ Ndrh. Gebete, von Hand 1. Anf.: (rot)
So iver dit na befchreue gebeth alle dage vertzich dage vmb na eyn
ander volgende fpricM etc. (schwarz) Scä maria Junffraive ouen alle
Jüffrauwen etc., ein langes Passionsgebet an Maria, bis Bl. 22\
Dann: Dit na befchreuen gebeth der vunff pr nr Flach fent fran-
cifcus alle dage zo lefen .... 0 lyeue here Jhüs xpüs hye byn ich vur
vch as eyn fimderffe vnd as eyn myfdedich myfche etc. Verschieden
von den 5 Paternostern oben S. 15. — Bl. 25^: Bit na volgende
gebeth zo der Junfframve mäia wart zo Collen yn eyme cloiß' van
den xj.^ Junffe'n eyme geoffenbart Jn de Jare . M. cccc, lij. etc.
3. BL 32'— 34': Gebete an St. Anna, ndrh., von Hand 2.
4. Bl. 35'— 43': Cursus der Passion Christi. Anf.:
HEre do up mijne lippen Jnd mijn munt fal kundige dijn loff etc.
5. BL 43' — 47^: Ber confiteor in duytzfchen, eine Beichte;
am Schi, unvollständig, hinter Bl. 47 ist ein Bl. herausgerissen.
6. BL 48'— 62': Die 7 Bußpsalmen mit der Litanei, An-
fang fehlt.
7. Bl. 63'— 82': Cursus der ewigen Weisheit, ohne
Überschrift, am Schluß unvollständig, Bl. 82' bricht mitten im
Satz ab : Jnd eyn bitterliche fchrijen geue my bitter trene des || . BL
82^ leer.
8. Bl. 83'— 126^: Cursus b. Virginis, ohne Überschrift.
Mehrere Rubriken sind von anderer Hand und mit anderer Tinte
nachgetragen.
9. Bl. 127'— 137^ Sacramentsandachten. Anf.: 0 AI-
150 C. Borchling,
mechtiger ewiger got miß groifjen vorten mTjs hertsen gain ich zo ent-
fangen dijnen werden heiligen licham etc. Schluß: ivant ich er gern
mych dir dat ich ewencMichen hlijue in dir Amen.
10. Bl. 137^ — 145' ein größeres Mariengebet; andere Gebete,
besonders an Maria, folgen. Daraus nenne ich
11. Bl. 162^ — 164^: die v ledroifniffe vnfer leuer fronen
(Prosa).
12. Bl. 1 65''— 167^: Der feige heda der preßer die machde dijt
gehet van den vij ivorden die vnfe here fprach an deme cruce
(Prosa). Vgl. oben S. 22.
13. Bl. 167^—169': Eeimgebet an St. Katharina, Verse
nicht abgesetzt, ca. 36 Z.
Anf. : 0 werde iunffromve fent Jcatherine
Jch manen dich alle der pijnen
die du durch got geleden hais (: intfais) etc.
Schluß: Nu hilp myr hidden got vä hemelrich
dat her hehoide ind gefpare mich
. . . ind fijne hulde ertverue . des hilp mijr der uader der
fon ind der hilge geiß amen.
14. Bl. 169^—173'-: U. L. Frauen Gezeiten, gereimt,
Verse nicht abgesetzt. Soweit zu erkennen, zählt das Gedicht 7
ungleich lange (z. T. 10z.) Strophen; davon sind Str. 1 u. 2 hier
ganz aufgelöst, Str. 3 ff. besser erhalten.
Anf.: Dijt is van vnfer fromven getzijde Tzo metten zijde
Godes moder ind maget
dijr zo metten zijt wart gefaget
dat dij leint vnfer erlofer vanden yoden wart geuangen etc.
Schluß: dat hei fich wille erharmen
zo den zijden oeuer mijch
fo lijff ind feyle fcheidet fich amen.
Nach einer ndrh. Hs. in Göttweih sind Str. 1 — 2 dieses Gedichts
herausg. von Rieh.* Heinzel, Zs. 17 (1874) S. 56 f. Das Gedicht be-
handelt den Stoff der 7 Betrübnisse Mariae.
15. Bl. 175^: Eeimgebet an Christus, nur die ersten 5
Zeilen sind erhalten, der Eest ist mit dem hinter Bl. 175 heraus-
gerissenen Blatte verloren.
Anf. : Got durch dyne geßreckde armen
fo moißu dich oeu' mich erharmen
got durch dijne deiffe wunden (: funden) etc.
16. Bl. 176': Schluß der s. g. 7 Worte Mariae am Kreuz.
Vgl. oben S. 22.
17. Bl. 176'— 178' : Erzählung der Verkündigung Mariae nach
Mittelniederdeutsche Handschriften: Nürnberg. 151
dem Evang. Lucae I, 26—38, mit Miniaturen (s. o.). Anf. : Jn
der eijt wart gefant der engel van gode in eyn ßat des landes galilee
der name tvas nazareth etc. bis: na dijnen worden gefchei mijr am^
18. Bl. 178'^-'': Acht Verse St. Bernhards aus demPsalter.
Anf. : Dijt fijnt die echt uerfen van fent bernhart vijß^ dem fetter ge-
nomen. Here erluchte myne ougen etc., bricht im 7. Vers ab : ^ dem
lande der leuendigen \\ . Vgl. oben S. 34 ; Bericht II, S. 36 ; III,
S. 64. Hinter Bl. 178 ist Mehr eres verloren gegangen.
19. Bl. 179^" — 185'': Mariae Rosenkranz, Prosa, ohne Über-
schrift. Anf.: Here doe myt myr etj tjeichen l goede etc. Schluß:
0 edel Izoningynne des hemels ind der erde fo7id' ende amB.
20. Bl. 185^—192^: Die 7 Freuden Mariae, gereimt,
Verse nicht abgesetzt, 7 24z. Str., gut erhalten. Ohne Über-
schrift.
Anf.: Gaiide maria godes mod^ vroude rijch
dyner vreude ivart nye vreude gelich etc.
Hinter Str. 2 unten auf Bl. 187^ ist die Überschrift rot nachge-
tragen: Dit fint die feue vreude vnfer vrouive. Die Reime beweisen
nds. Ursprung, es sind die s. g. 7 langen Freuden Mariae, vgl. die
Bericht II, S. 128 f. und III, S. 25 aufgezählten Hss.
Schluß: dat he my na defen eilende breiige so fyme throne
ind mois mich cronen mit der ewiger cronen Arne,
21. Bl. 193'-— 294^: Vermischte Gebete der 5. Hand. Sie be-
ginnt mit Sacramentsgebeten, aus dem Folgenden heb ich heraus:
22. Bl. 199^— 200^^: Kleines gereimtes Abendmahlsgebet,
14 Z., Verse nicht abgesetzt, Reime z. T. zerstört.
Anf. : Bys willekome tverde licJiä ind duere bloit
dat maria in yrme metliche lichame droich etc.
Schluß: ^0 deme myneclichen angeflehte
dat wir dynre gebruiche eiveliclien Amen.
23. Bl. 207'-^: Reimgebet, 18 Z. Vgl. Bericht III, S. 34.
Anf.: 0 Schepper alre creaturen •
Du bys milde van nature etc.
Schluß : dat ich mynes leiten vaders rieh
befitsen moeffe eivelich Amen.
24. Bl. 217^-218^ Reimgebet zu Christus, ca. 18 Z.,
Reime z. T. zerstört.
Anf.: Soeße here ihefu xpriße
wanttu dat geware leuen byß
giff mir alfo zo leuen nae dyme gebode etc.
Schluß : ind intfanck mynen geyß in dyn rieh
nv ind ewelich. Amen.
152 C- Borchling,
25. Bl. 219^^—224': 15 Paternoster auf das Leiden
Christi, von den sonst mitgeteilten verschieden. Anf.: de xv pr
noßer. HEre ihefu xpiße ich manB dich der vreiflicher denongen do
mä dich dende an deme cruce etc. Bl. 221' absichtlich leer ge-
lassen. Schluß: dat fy ivair in gotz namen Amen.
26. Bl. 224'" — 226'': Passionsandacht für de vj dage vur
xprißus idode ist dahinter ausgekratzt). Anf.: Jch nmne dich here
dattu an deme feeßen dage vur dyme doide zo iherufale voers etc.
Schluß: die du vns erworuP. haiß mit dyme doide.
27. Bl. 236^—238'^: Eeimgebet an Maria in 4z. Strophen
mit Kreuzreim; die Strophen sind aber nur am Anfang noch zu
erkennen, nachher z. T. Reimpaare.
Anf.: 0 Maria du foeffe wort
du rofe in hemelrich
du hrechtz vns des hemelz ort
wer mach dyr glichen etc.
Schluß : Jnd do vns moider dyne hidpe fchyn
up dattu vmmer me geloift moeße fyn Arne.
Das Grebet erinnert in seiner Art an den gereimten Rosenkranz
Mariae, vgl. z. B. Bericht III, S. 72, Zeitschr. d. V. f. westf.
Gesch. Bd. 45, S. 60 ff. und oben S. 75.
28. Bl. 238^ das Reimgebet 0 Martel groiß 0 tvimde dieff
etc., vgl. oben S. 102.
29. Bl. 240'-— 245»^: 24 Avemaria, die die Mutter Gottes einem
Priester offenbarte.
30. Bl. 245'— 247': Tractat über Christi Leiden, ihm
selbst in den Mund gelegt. Anf.: Och hoge wijfheit ind mynfcheit
Jn fulchem lyden ivart ich gehören ind dreiff alle my lyden vp eyn
lyden etc. Schluß: die groilfen bitter bürde de vnfe lieue hre ihefus
vur vns droich % rechter myne.
81. Bl. 247'— 247^^: Gespräch des Crucifixus mit einem
hl. Bruder über 6 Punkte, womit die Menschen Christi Wunden
wieder aufbrechen. Anf.: Jd was eyn heylich broider der lach vur
eynie cruce ind bede, doe fach hee dat dat cruce by yeme ßoynt mit
fyne bloedigen wundeyi etc. Schluß : damit befließent fy ouch die
ryuere mynre gnaden.
32. Bl. 248'— 249': TJnfe here fpricht mynfche af duclce du an
mich gedenckeß, fo bin ich in dyr ind du in mir etc. Schluß: Als
alle den fancJc der engele. Afnen,
33. Bl. 253'— 254^ Die 7 Worte Christi am Kreuz.
34. Bl. 255'— 288': Die vigilie in duytfchen.
35. Bl. 289'— 290' : Anfang des Johannisevang.
Mittelniederdeutsche Handschriften: Nürnberg. 153
3ß. Bl. 290^—292': Katechetisclie Stücke, kurze Aufzählungen
der 10 Grebote, der 7 Hauptsünden, der 7 Sacramente, der 7 Werke
der Barmherzigkeit, der 5 Sinne und der 70 goldenen Messen.
37. Bl. 293''— 294': Der geistliche Maie, ein geistliches
Lied in 12 vierz. Strophen mit Kreuzreim.
Anf.: Mynfclie diefen iney wil ich dyr geuen
woiiltu aJfo meyen gain
Jnd darnae faiffen fere dyn leiten
Als du hie vyntz gefchreue ßal etc.
Str. 12: JJiefus xpüs vnfe here
hain ich den mey genant
Der vns deyt weder leeren
Jn vns eiüigen vaders lant. Amen. Aue pro fcriptore.
Bl. 294^ leer.
Nr. 22404. Fol. Vff Rour: 15 Bl. Pap., 16. Jahrh. 2.
Hälfte.
Hd. Bericht über den Aufruhr zu Cöln 1481/82, mit
der Überschrift : Vff Bour Jnn Collenn Vonn Anno 1.4.8,1. Bl. 14^^
— 15^ ist der Schlußteil der ndrh. E/Cimchronik auf dieselben
Ereignisse, ebenfalls ganz verhochdeutscht. Dieser Schlußteil kommt
öfter selbständig vor, vgl. Cardauns, Deutsche Städtechroniken
Bd. 14 (Cöln III), Leipzig 1877, S. 945 ff. unter Nr. 4, und die
unten angeführte Trierer Hs. (Stadtbibl. Nr. 2026). Eine vollstän-
dige Hs. oben S. 49.
Nr. 22458. 4°. Oesette: 8 Bl., 1544—1613 geschrieben.
Nd. Satzungen der Bäcker zu Essen von 1457 und 1480,
reformiert 1544, mit späteren Zusätzen.
Nr.22936. kl. 8^ Henricus de Vrimaria: 160 Bl. Perg.
in gr. 8°, 15. Jahrh. 16 Lagen zu 10 BIL, die Lagen sind auf
der Rückseite des Schlußblattes jeder Lage von älterer Hand mit
;, ij etc. beziffert. Vor Bl. 1 fehlt jetzt das 1. Blatt der 1. Lage,
dem entsprechend ist Bl. 160 ein Einzelblatt. Schöne gleichmäßige
weitläuftige Schrift, Tintenlinienschema , 19 Z. Rubriciert, rote
Anfangsb. u. Überschriften. In neuem Lederbande. Bl. 1"^ u. 160'
unten hat sich im 17. (?) Jahrh. R. M. als Besitzer eingetragen.
Nd. asketische Sammelhandschrift.
1. Bl. 1' — 26"* : Beichtspiegel. Anf. mit dem ursprüng-
lichen Bl. 1 verloren; Bl. 1"^ beg. jetzt: in ener horch, tvan man
154 ^' Borchling,
de nicht to fliit fo ßighen dor fe de vigende in de horch Älfus ivan
de mynfche nicht en flut vnde nicht he wäret deffe vif venßere. fo
ßighen dor fe in des mynfchen lierte de duuele vormiddelß helzoringen
vnde funden. Hijr Urne fcrift de t.pphete iheremias De dot ghing in
dor de venßere. Ok find foff UfliJce werh der harmlierticheit etc. Es
werden in den nächsten Absätzen abgehandelt die 7 "Werke der
geistlichen Barmherzigkeit, die 6 Sünden wider den hl. Geist, die
7 Sacramente, die 7 Gaben des hl. Geistes, die 7 Hauptsünden
(sehr ausführlich = Bl. 4' — 13^^), dann die 8 Seligkeiten, die fremden
Sünden, die stummen und die rufenden Sünden, die 10 Gebote (Bl.
13^ — 16^), die 12 Artikel des Christenglaubens, die 13 Sünden der
Zunge (Bl. 17^—23^), endlich beschließt Bl. 23^—26^- eine Zusammen-
fassung das Werk ; Ach ivo wenich achte wij leyder de/fe funde der
tungen vnde oh de anderen funde de vor ghe fcreuen ßan etc. bis :
vnde fo van gode fchede Bij deme ivij doch vormiddelß finer milden
harmherticJieit .... bliuen tvillen vnde vnuorfcheden ßn Dat vns dat
allen gefchen Des help vns de vader vnde de föne vnde de hilge gheiß
Amen.
2. Bl. 26''— 112^: Henricus de Vrimaria, Auslegung
der 10 Gebote. Nach den Worten der Vorrede des nd. Bear-
beiters ist es ein Stück aus einem größeren Werke des Henr. de
Vrimaria über die Beichte. Anf. : (rot) Eyn glofe to diide hinricl
de vrimaria ouer de teijn hode godes. (Bl. 26"^) TO deme loue des
benediden godes vn to mUticheit des myfchen . de gherne tvijl weten
vnde hewaren de gotViken hode. So dencke ik hijr to fcriuende welk
de hode ßn alße ik dat hehhe vunden hefereuen in deme hoke der hicht
dat gemaket meßer hinrik van vrimaria alße my god dat heft gegeuen
to hehennende Q Nu fcoltu merken ivclk de hode godes find, es folgen
Bl. 26^—27' zunächst die Gebote im Wortlaut, Bl. 27' Z. 2 v. u.
beginnt die Auslegung : DAt erße hod godes hiid Du en fcholt nicht
an heden (Bl. 27') vromede gode Dat fprikt xpüs fuluB in dem ewan-
gelio Dinen heren vnd dinen god fcholtu allene anheden Dat leret
funte augußinus etc. Bl. 104^ beg. das 10. Gebot; Schluß des
Ganzen Bl. 112«^: Ditt is de win dar in dem f altere vä gefcreue (Bl.
112^) ßeit. vnde de win vromvet des mynfche herte. De ivin mote vns
xpüs van gnaden vnde van tverdicJteit finer henedid^ moder glieuen
vnde heholden dat wij des nicht vorlefen. Des helpe vns de dar leuet
vnde regneret god ewichliken funder ende Amen.
3. Eine große Sammlung kleiner und kleinster mystisch-
asketischer Stücke:
a) Bl. 112^ DE meßer der hilgcn fcrift fpreken alle dat fouen
dotlikc füde find in dem tolle — Bl. 118^ : Aldus fo deit me in deffen
Mittelniederdeutsche Handschriften: Nürnberg. 155
funäen der vnJcufcheit doiliJce funde teynleye wijs zc vnde ok wol mer
wijs dlfe du hijr vore fcreuen vinß Amen.
b) Bl. IIB'^: HOU dinen lijcham in ordenüge etendes vnde drin-
Jcendes — Bl. 114'': Do äff dat god nicht en is fo (Bl. 114"^) hlift
dar tvarWcen god.
c) ibid.: Et/n gud myfclie vraghede vnfen heren, tvorüme he ßne
vrüd alfo gruiveliJcen lete liden — Bl. 115^: vnde fin jnghant vullen-
Jcomener wart.
d)— q): Auszüge aus Meister Eckharts Eeden der TJnter-
scheidunge, vgl. Deutsche Mystiker, ed. F. Pfeiffer, Bd. II,
S. 543 ff.
d) Bl. 115^: VAr hör f am is ey doghet. hüten der neen doghet
efte (116'^) iverlv fo grot mach fin — 117"^: vnde nicht er fcoldeme vp
hören ermen fijclc vüde eyn mit dem eynen. Vgl. a. a. 0. S. 543,
22—545, 3.
e) Bl. 117^ : DE lüde ne droßen nümer vele denJcen wat fe deden .
fe fcolden ouer denhen tvelk fe weren — 11 S'^: men wat de grüd der
Werl fij. Ebend. S. 546, 19—31.
f) Bl. 118^: DAt tvare hehbent godes dat me ene warliJcen hehhe
dat licht an deme ghemode — 120^: wente he is eyn in dem enen
dar dl mänichuoldicheit ghe enighet is. Ebend. S. 548, 25 ff. u. 547,
36 f.
g) Bl. 120^: (rot) van der hekoringe. Du fcolt weten dat de
an ßot der vndoghet nümer is ane groten vromen in deme rechten
myfchen — 121^ : jo he ßk der ßarke des ßrijdes vnde des feghes (122')
warnen fchal. Ebend. S. 551 , 18 — 552, 8.
b) Bl. 122"": (rot) van dem willen. DE doghet vnde de vn-
doghet de ligghet an den willen — 123^^ : dat hefßu allent in der ivar-
heit eft de tville gans iff. Ebend. S. 552, 8 — 553, 6.
i) Bl. 123': TJele lude fpreken fe hebben gude willen — 124':
wen ouer mer ghe g an bitten deme. Ebend. S. 555, 1 — 31.
k) Bl. 124': DAt eyn mynfche alfo in ene (124^) tucke were alfe
füte paivel was — 125': fijk to troßende vnde uth to gande. Ebend.
S. 553, 38—554, 16.
1) Bl. 125': DEnie guden komet alle dingh to gude — 126': men
welk du nu jutto biß.
m) Bl. 126': DAt wetent des ewighen leuendes vnde der frUtfeop
godes in (126^) de /fem leitende is twierleye — 127': he hebbe vele edder
nicht miffe dan. Ebend. S. 559, 5—560, 1.
n) Bl. 127': (rot) van der ruive. DE alder wareße vnd beße
penitencia — 127 : jo enie mer affuallet de funde. Ebend. S. 560,
7—24.
156 C. Borchling,
o) Bl. 127^ : GOd futt nicht an de iverJc me allene loelh de menlge
ßj — 128' : de alle dingh fud dar lat dij ane glie noghen, Ebend.
S. 560, 34—561, 3.
p) Bl. 128"": DE mynfche fcal fijk nümer nene wijs verne achten
van gode — 128"^ : fo humpt he doch nicht vorder . wen vor de dore.
Ebend. S. 561, 22-31.
q) Bl. 128^: VOrüme ßadet des de truice god dat diclce ßne vrüt
Valien in Icrancheit — 129'": tvefe de myfche fcal allenen vppe god
huwen, Ebend. S. 564, 22-565, 4.
r) Bl. 129^• Sunte Augußinus lerede dre nutte lere — 129^:
deme gheit id woll an deßer tijd vnde na an eivicheit.
s) Bl. 129^: üiff meißere weren to fammede vnde fpreJcen viff
nutte lere. De erße fprah Eyn jnwendich fuchtet vme de fimde —
130^: Darüme fpriJct de meßer Here denlce myner füde. Vgl. Be-
richt I, S. 110; II, S. 31 u. ö.
t) Bl. 130^^: Alßeme mit vuleme meffe den acher vruchthar mdket
— 131^ : dat heft he allet ghe dan vor gode.
u) Bl. 131^: Eyn meßer fecht tvor jnne ßjk eyn gotlik myfche
ouen fcal — 132"^ : dat find to male ydele doghede fimder vrucht.
v) Bl. 132^: Enen godes früde ivüderde des . wo gheißliJce lüde
de an crem orden find vnde fijk dicke hekümeren mit icerken van hör-
famicheit eres orden etc. (über Gehorsam, gegen die Grottesfreunde !)
— 133'": de ne mach wedder god nicht don noch van gode volle,
w) Bl. 133'': Sunte Anguß int) de vragede dre wijfe papen uat
ey falich mynfclie fij — dat is de ouerße god.
x) ibid.: Twelff meßere ivorden irhauen to paritz in der fch)le,
eyn jflik meißer fprak finen fin etc. (der 10. Meister dat is hiffchop
albert, der 11. = füte tJiomas, der 12. = meßer echart, die übrigen
unbenannt) — 137^: de dar vorled grote ere vrüt vfid maglie vnd
van willen eyn arm myfche is. Dar to (138') helpe vns god alle
Amen. Vgl. oben S. 44 und Wackernagel, Zs. 4 (1844) S. 496 ff.
y) Bl. 138': (rot) van der gnade. Alle mynfchen mochten
nicht vor denen de m^ßen gnade de god je dem mynfcJien gaff . . .
Wultu nu tveten eftu god leff hefß . dat fcaltu prouen an foff ßucken
— 139': vnde in allen ßucken fchal he god henedyen alfie füte Job
dede,
z) Bl. 139' : Gnade fettet de feie in fo lio vullen komenheit —
140^ : wete bildichliken fcal de gnade de vleen de[r] erer vnachfam find.
aa) Bl. 140': Dre dingh find de mdket de gnade waffen in der
feie — 142': wente vnmoghelik is id dat jümU gnade hehbe vnde vor-
dornet iverde.
bb) Bl. 142': (rot) wan du godes lijcham entfangeß.
Mittelniederdeutsche Handschriften: Nürnberg. 157
GOdes lijcham tvan du dene entfangen ividt . fo nym wäre ivo dine
ouerßen hrefte in dine god ghericlitet fin — 146^: Ok hißu de hicht
tneer fchuldich to ßraf(14:7^)fende hartliJcen vor gode wen vor den luden.
cc) Bl. 147'^ : Vidtii gerne eyn gud mynfcJie ßn . fo fchoUii diJc
oue an foff ßucken — 148^: vnde niake nicht eyne lierberghe vrö^
meden gheißen dine teert to vordriuede.
dd) Bl. 148': Soff dingh fcal ey myfche an fynem hede hebten
fo tividet ene god — 148^: alles giides dat he eme dan heft an liue
vnd an feie.
ee) Bl. 148^: BE myfche fcal hellen alle dage fouenleye
dechtniffe — 149^^: De fouede is dat he dicke fcal dencken an ßnen
ende vnde an ßnen dot,
ff) Bl. 149"^: SVnte Äugußinus fecht welk mynfche gherne
miffen höret mit guder andacht deme ghift god deffe gaiie — 150"^ :
vnde dij wert afflat vnde gnade,
gg) Bl. 150"^: JBErnardus. Vele fprekent vorder ß de warheit
etc., eine Sammlung kurzer Aussprüclie der Kirchenväter (Prosa:
Bernardus, Augustinus, Seneca, Grregorius, Cristostomus). Schluß
Bl. 151^: Gregorius Älßo klene alße eyn vunke viires is teghen dat
mere . noch kiener ßnd vfe funde teghen godes larmherticheit ic.
4. Ohne größeren Zwischenraum folgen Nachträge einer 2. Hand:
a) Bl. 151^: Sute bernardus fprikt De here droch vns alle eyn
bilde ivo dat tvy f Collen vorgheue vfe viende — 152'^: vn kuffede en
lefliken vor fynen müt.
b) Bl. 152"^: Text der 10 Grebote. Dat erße lot is myfche du
fcholt nene afgode an beden (Prosa) — 153': Deffe bode moten ge-
holden fyn hir edder i den pine.
c) Bl. 153': 2 Sprüche, Verse nicht abgesetzt; aus der Be-
richt II, S. 167 f. und S. 43, III, S. 118 f. besprochenen Eeihe ge-
reimter Auctoritates.
1. Aller wifheyt füdamct
is dat me got loue vn beket
vn anbede en an alfe enen got.
vn holde dar to ßn gebot. —
2. We de w'lt kefet .
dar mede he got vor lefet
vn wes hopene na rikedome ßeyt
dat nimpt gerne enen ydelen ende .
fo tvert dat graf fl vme cleyt
dar to de helfche pine füder ede,
d) Bl. 153^ : Pater nr . dar mede werdet de daghelken füde vor-
158 C. Borchling,
gheue. Men to der vorghemge der dotUke lioret oJc ruive des liertB —
de is tverdich des dodes.
e) ibid.: (rot) Dit is vä dB drö ßucJce der ruwe. Euive is
dat me de uorgliäghenen füde hetere — 155'^: almi/fen geuen dat beflut
l fik alle werke der harmehertiglieyt.
f) Bl. ISO': (rot) Eyn hetrachtent van berichtende, {F)aulus
ive du facrament vmvurdigen entfanghet — IBB"^: Deffe hetrachtinghe
düket enem hoghen entfämen mäne de eyn hoch meßer tvas dat beße
tcefen . . . den befclwwerB mogB lik werden»
g) Bl. 155^: (rot) Va7t demeberichtede vfes leue herB. Wol
dat de mzfche Glicht en wet ofte he fy ane dotlike füde etc. (4 Zeichen,
ob der Mensch zum Grenuß des Abendmahls würdig ist, und 8 An-
dachten dafür). Schluß Bl. loO*" : dar vmme is dat blot xpi ghe ghotB
dat he falich icerde Amen. Angehängt ist eine E-ecapitulation des
letzten Stückes : (rot) Älfo is mit körte de erße andacht de leue godes
JDe ander — de bedrouet fit.
5. BL Ih^^ — 160'': Nachtrag einer 3. Hand: Eyn jeivelk mifche
fcal rede gheuB vä alle fine füde — Du en tveß nich tvo vele Du en
tveß nicht wo vake. Rest der Seite und Bl. 160^ leer.
Nr. 24120. 4«. Richte Boeck. 378 Bl. Pap. Eichte Boeck
der Stadt Hildesheim 1542 — 1544, nd., meist Urteile in Schulden-
sachen.
Nr. 34388. kl. 4°. Medicin: 27 Bl. Perg. u. Pap., 14. u.
15. Jahrh. In mod. Einbände.
Bruchstücke zweier Arzneibücher:
I. Das ältere = Bl. 11 — 27, eine Lage, nur Perg., 14. Jahrb.,
ganz lat., mit vielen Abkürzungen eng geschrieben ; Platz für Ini-
tialen freigelassen. Anf . : ( )enih^ fepe . fu:gne fi (?) ()ßipacö i iföpn^ .
cura . Jn im 5 ^ßipacöej etc. Schluß : fale remoto <)pißa i sppöe,
II. Das jüngere = BL 1—10, eine Lage, Doppelblatt 1. 3. 5
Perg., 2. 4 Pap. ; 15. Jahrb., lat. und nd., von einer Hand. Anf. :
Cöf gutta etc., lat. Recepte. BL ß' Z. 2—8^: Cisiojanus, jeder
Monat mit kurzen lat. Anweisungen, erst Prosa, dann Verse. Anf.l:
Cifio ianus epy Frifca fab etc. BL 9^ — 10^ der Anfang eines nd.
Arzneibuchs, der s. g. Barth olo mens köpf. Anf.: Dit boek
dichtede eyn magißer de het JBartholome<) dat nam he to den krekB vtJie
enB bokB dat etc. bis : So de tvyff feek t mBßruo fo is dat tvater \\ . Vgl.
Bericht II, S. 50 u. 104 und den Abdruck des Bartholomeus von
F. V. Oefele, Neuenahr 1894, wo der Schluß unsers Bruchstücks
auf Bl. 103*^ wiederzukehren scheint.
Mittelniederdeutsche Handschriften: Nürnberg. 159
Nr. 34399. 4». Heilmittel: 12 Bl. Pap., eine Lage, 15.
Jahrh. Eubr., rote Überschriften, ohne Einband.
Lat. und nd. Recepte. Bl. V: Ad öej dolore capit{, ver-
mischte lat. Recepte. Bl. 5"^: Arzneipflanzen. Bl. 9^: de minucione
fangicinis. Bl. 12"^ ein Eecept in nd. Sprache: Ad pficiendü vngetü
ad ma wlne'a. Accipe z fac ßc Nim Glas ßotet clene ficht^ dor eyne
doiJc etc. 7 Z. Bl. 12^ nd. und lat. Recepte von der Haupthand
und einer 2. Hand, Bl. 12^ nicht rubriciert.
Nr. 60269. 8^ Gebetbüchlein: 647 S. Pap., Ende 15.
Jahrhs. Rubriciert, lange rote Überschriften, rote Anfangsbuch-
staben. S. 49 schön ausgeführte Initiale in Rot- blau -gold, auf
Pergament. Solche Pergbll. mit Initialen sind noch S. 151. 189.
259. 353. 391 u. 549. Weitere größere Initialen noch S. 113. 120.
132. 137. 143. 184. 203. 221. 223. 226. 230. 264. 271. 279. 290.
294. 305. 321. 328. 348. 402. 418. 419. 429. 450. 456. 471. 475.
479. 485. 488. 492. 496. 506. 511. 514. 516. 529. 537. 543. 557.
567. 574. 588. 595. 606. In braunem gepreßtem Pergamentbande,
2 Schließen abgebrochen. Mit vergoldetem Schnitt, in den blumen-
artige Ornamente eingepreßt sind. Wohl aus einem ndrh. Clarissen-
kloster. S. 26 unterer Rand : Elifahett Menßngh gehortt deiße hochg
m etc. (17. Jahrb.).
Ndrh. Grebete und Andachten.
1. S. 1 — 48: Kalendarium mit Gresundheitsr egeln
hinter jedem Monat. Anf. : Ber hart maynt hat xxxj dage etc., am
Schlüsse des Januars: liartmaynt Arißotilis der meyßer leirt Jn dem
hart maynt is it neit goet laiße, it is zo lidlt etc. 13 Z. Gesundheits-
regeln usw. S. 31 ff. Anhänge, u. a. S. 34 ff. : Aderlaßregeln, S. 44 f. :
Defe xij fridage fal me vaße zo ivaffer vn hrode. S. 45 f.: Anf. des
Johannes-Evang.
2. S. 49 beginnt das Gebetbuch: Hie begynne dry Fr tir vä
der hilliger driueldicheit. Ich hebe nur die wichtigeren Gebete und
Andachten heraus :
3. S. 51—60: Beichte.
4. S. 61 — 70: de feuen pr noßer van den feuen hloitz ßoir-
tzonge. Daran anschließend ein Passionsgebet, dann nochmals 7
Paternoster, Sacramentsgebete u. a.
5. S. 132: Die s. g. Bede Gregorii, s. o. S. 22.
6. S. 150 — 180: Die Dornenkrone Jesu Christi, s. oben
S. 23.
7. S. 189 — 198: die xv Paternoßer vann dem liedenn vnfers
leuenn herenn Jhefu Chrißi. 0 Here Jhefu Chriße Jch danckenn
160 C. Borchling,
dyr der grojfer elendigheit dae du innen ivares etc. S. 198 — 201 rote
Nachschrift mit Ablaßverkündigung, danach sind diese 15 Pater-
noster der hl. Birgitte geoffenbart. Vgl. Bericht III, S. 64 u.
Klemming, Birgitta-Literatur (Stockholm 1883) S. 61.
8. S. 239 Mitte — 245: Van den feuen doit funden vnd yrren
doechteren die van yn Jcomen, HOuerdicheit gyricheit . . . Jtem die
wortzelen vnd der oirfprunck aller funden is houerdie etc. Schluß:
curioßcheit vff fchivaricheiden, vülieit van tvordB,
9. S. 245 unten — 255: Eyn lere van dem roiiwen vnd wie
men die funden heßere fal. SEnt Amhrofyus fpricht it en is geyn
ficherer tzeicJien dat got dem mynfchen fyn funden vergyff etc. Schluß :
vnd dienen myt alre ynicJieit.
10. S. 305—317: Gredicht von den Sechs Klagen un-
sers Herrn, Verse nicht abgesetzt. Anf . : Dil ys van der pafften
vns Jwren JJiüs xpUs feir fuuerlich
HOert lieue hyndere all gemeyn
Seit an mych groiffe vnd cleyne etc.
Schluß: liertze lieue mynfche heir dycJi noch zo myr
Myne groiffe harmhertzicheit fal ich leeren zo dyr.
Diese Hs. ist ebenso wie die beiden Bericht III, S. 164 u. 245
beschriebenen Hss. in meiner Ausgabe des Gredichts (Festschrift
dem Hans. Greschichtsv. u. d. Verein f. nd. Sprachf. dargebracht,
Göttingen 1900, S. 133 ff.) noch nicht berücksichtigt.
11. S. 317: Reimgebet, unmittelbar an 10. anschließend:
Anf.: 0 here durch dyns houfdes kröne
fo haue vnfer arnier fchone etc., 6 + 8 Z.
Schluß: dat gefchie vns alle fameri
yn gotz namen Amen, Vgl. Bericht III, S. 25 f.
12. S. 328 Mitte — 348: Passionsbericht nach dem Evang.
Johannis. Anf.: hie begynt die paffie vns lieuen heren ihefus xpüs
als der hilge ewangeliß fcB iohänes hefchrift. Ihefus geynge myt fynen
iongeren ouer dat reueirgen cedrö Daer eyn Iwff was etc. Schluß:
vnd yn dem houe ey nouwe graff da noch nemant yn gelacht en 2vas
vmb der ioeden paifchen uant dat graff da hy was lachten fy Jims
dair yn. Deo gracias. Die für den Karfreitag bestimmte Passions-
geschichte des Evang. Johannis (Cap. 18 — 19) kommt öfter einzeln
vor, vgl. Bericht III, S. 198; I, S. 182 u. Germania 20 (1875) S. 341
(Hs. Martens-Bremen). Häufiger noch bildet der Bericht des Jo-
hannis den Anfang der aus allen 4 Evangelien zusammengezogenen
Passionserzählung, vgl. Bericht I, S. 100 u. ö.
13. S. 348 — 390: Der herch van calvarien, eine Passions-
andacht, die in näherer Verbindung mit der Beschreibung des hl.
i
Mittelniederdeutsche Handschriften: Nürnberg. 161
Landes des Priesters Bethlehem steht. Vgl. oben S. 17 und Be-
richt III, S. 75 und II, S. 40. Das Werk ist dagegen verschieden
von der ebenfalls Mons Calvarie genannten Allegorie Bericht II,
S. 174 u. III, S. '61. — Anf. : Hie hegynt der berch van cahiarien wie
man in vyfenteirren fal mit Andacht. Als du den berch van caluarien
vifenteiren ividt falt du dich lai/fe duncJcen off du vnfen lieuen heren
vur dyr fieges gaen dragende fyn hilge cruce etc. S. 353 der durch
eine große Initiale ausgezeichnete Beginn der eigentlichen Andacht:
0 Here Jhü xpi Jch dancken dir dat du zo Sexten sijt vur daf ge-
richt gebracht ivoirdes etc. Schluß: alle myne Heue vrunde vn maege
leuendige vnd dode Ante.
14. S. 391 — 400: Marien Bofenhrantz , Prosaandacht.
15. S. 407—408: Magnificat.
16. S. 419ff.: Die 7 Freuden Mariae, Prosa.
1-7. S. 468—496: Gebete zu den Marienfesten.
18. S. 496—520: Gebete zu anderen Festen.
19. S. 549 fF.: Gebete zu St. Anna u. a. Heiligen. S. 560 wird
Papst Alexander VI und das Jahr 1494 citiert.
20. S. 611—618: Sterbekunst. Anf.: Bit fynt etslicJie goede
lere van dem do-iß. 612)c?e die eyn mynfclie fal bedecJcen vp dat hei
nu lere ßeruen dat hei de beffer ßeruen Jcunne jteruen als die vre des
doitz kompt. 0 Mynfclie vnderfoich alle dage dyne conßencie etc.
Das Stück ist auf die Wochentage verteilt. Es bricht mit S. 618
ab : DEr mynfche yn foidde neit nemen dat groiffe ertrich off it gidden
iveir . dat hei eyne \\ .
21. S. 619 — 647: Nachträge mehrerer Hände des späteren 16.
Jahrhs., hd. Gebete.
Nr. 93654. Fol. Renner: Zwei Bände in Schweinsleder.
Pap., 17. Jahrh.
Benners Nd. Bremische Chronik.
Endlich befindet sich im Archive des German. Museums die Ur-
kunde Bischof Volrads v. Halberstadt vom 28. Aug. 1274, auf
deren Rückseite eine Hand vom Anf. des 14. Jahrhs. die drei von
G. Bode, Zs. d. Harzvereins Bd. 8 (1875) S. 284 f. mitgeteilten nd.
Segen aufgezeichnet hat. Zu dem Reisesegen vgl. auch Stein-
meyer, MüllenhofF-Scherers Denkmäler, 3. Ausg., Bd. II, S. 290.
Aus dem Auctionskataloge der Bibliothek Ebner zu Nürnberg
(N. 1812, Bd. I) führe ich endlich noch folgende jetzt verschollene
Hss. an:
Kgl. Ges. d. Wiss. Nachrichten. Philolog.-hist. Klasse. 1913. Beiheft. 11
162 C. Borchling,
S. 40: Nr. 323 in 8^ Liber precationum dialecto Saxo-
niae inf. scriptus, literisque init. eleganter pictis ornatus. Cod.
membr. S. XIV.
S. 42: Nr. 350 in 12^ Breviarium in dialecto Germ,
inf. conscriptum, figg. pictis ac deauratis. Saec. XV. Membr. Exempl.
elegantissimum.
Nicht angegeben ist der Dialekt bei Nr. 23 6 in 4°: Doc-
trinal der Layen, drey Bücher. 1443. Cod. chart. Saec. XV.
Vgl. Bericht III, S. 119 und eine ndrh. Hs. in Darmstadt, Landes-
bibl. Nr. 2278 von 1436.
Die Incunabelu des Germanischen Museums waren 1904 in
einem sehr kurzgefaßten Gesamtverzeichnisse aller, nicht nur der
in Nürnberg befindlichen, Drucke der Zeit von 1450 — 1550 mitver-
zeichnet. Aus diesem nach Druckorten angeordneten Kataloge
konnte ich folgende nd. Incunabeln und Frühdrucke des 16. Jahrhs.
notieren :
1. Barth. Nr. 13418 in 4°: Balth. Rvssovv, Chronica
Der Prouintz Lyfflandt. Barth, Andreas Seitner. Nach Scheller
Nr. 1100 von 1584. Vgl. Jellinghaus S. 407 N. 6. Weitere Exem-
plare in Wolfenbüttel, Rostock, Greifswald, Stralsund.
2. Basel. Nr. 84316 in Fol. (El. 3905^'^): Passionael.
Basel, Adam Petri 1506. Noch nicht bei Scheller, auch sonst
nirgends bekannt. Es liegt vielleicht eine Verwechslung vor mit
der Ausgabe von 1511 (Scheller Nr. 553), von der ich Bericht II,
S. 141 ein Exemplar beschrieben habe.
Nr. 84315 in Fol. (Rl. 2909™): Passionael, ebendort,
1517. Dies Exemplar ist gemeint bei Goedeke I^, S. 473. Diese
Ausgabe kommt häufiger vor, ich kenne Exemplare in Hamburg,
Rostock (Wiechmann Bd. III, S. 103), Göttingen, Wolfenbüttel
(Scheller Nr. 572), Lübeck (Suhl-Geßner Bd. II, S. 68).
3. Halberstadt. Nr. 34137 in Fol.: Die Halber-
städter nd. Bibel von 152 2. Scheller Nr. 610. Diese jüngste
von den drei nd. Bibelübersetzungen vor Luther ist jetzt die
seltenste der drei geworden; ich kenne Exemplare in Hamburg,
Wolfenbüttel (4), Stuttgart, Hildesheim Josephinum (Bericht III,
S. 217 2 Exx.), Wernigerode (Bericht III, S. 238 2 Exx.), Lübeck,
Osnabrück Carolinum, Stuttgart, Kloster Huysburg (jetzt wahr-
scheinlich Halle, üniv.-BibL), Schloß Hünnefeld (Bericht I, S. 315),
Kat. Hiersemann 388 (1911) S. 38 f. Nr. 165».
4. Cöln. Nr. 913 in Fol.: Die Cronica van der hil-
liger Stat van Co eilen. Cöln, Joh. Koelhofi". (1499.) Hain
Mittelniederdeutsche Handschriften: Nürnberg. 163
4989, Voullieme, Buchdruck Kölns Nr. 324. Vgl. Bericht III,
S. 183 f.
Nr. 33486™ in Fol.: Die Cölner nd. Bibel in der nds.
Ausgabe. Cöln (H. Quentell, ca. 1478). In einem Bande. Hain
3142, Voullieme 256. Vgl. Bericht ni, S. 184 f. u. ö.
Nr. 3 6850 in Fol.: Passional. Cöln, Ludwig van ßen-
chen, 1485. Copinger 3527, Voullieme 626. Zu den Bericht III,
S. 179 aufgezählten Exemplaren kommt noch Berlin, Kunstgewerbe-
museum (nur T. I), vgl. Voullieme, Inkunabeln Berlins Nr. 1064.
5. Lübeck. Nr. 28263. 4^: Als „Passional" bezeichnet ein
Exemplar der höchst seltenen ersten Ausgabe der nd. Nyen Ee
und des Passionais von Jesus und Marien Leben, Lübeck
(Lucas Brandis), 20. Aug. 1478. Noch Is. Collijn, Lübecker Früh-
dcucke in der Stadtbibl. zu Lübeck (Zs. d. Vereins f. Lüb. Gesch.
u. Alt. Bd. IX Heft 2 [Lübeck 1908]) S. 292 kennt nur ein Kopen-
hagener und ein Londoner Exemplar, sowie einige Fragmente in
Lübeck.
Nr. 91343 in 4^: Speygel der dogede, Lübeck, Barthol.
Ghotan 1485. Hain 14952, Scheller 415. Vgl. Bericht II, S. 121
u. III, S. 217; weitere Exemplare in Lübeck (sehr defect), Berlin
Antiq. M. Breslauer 1908; nach einer hsl. Notiz Schellers in dem
Handexemplar seiner Bücherkunde besaß seinerzeit Pfarrer Owstien
in Bortzow (Meckl.) ein Exemplar. Vgl. auch Collijn, Lübecker
Frühdrucke S. 315.
Nr. 28260. 8^: Des dodes dant^, Lübeck, Mohnkopf-
drucker, 1489. Das Exemplar hat lange als Unicum gegolten, erst
mein Bericht II, S. 140 f. hat als 2. Exemplar das der Gymnasial-
bibliothek zu Linköping ans Licht gezogen. Vgl. jetzt Is. Collijn's
Katalog der Inkunabeln der Stifts- und Gymnasial -Bibliothek zu
Linköping (Uppsala 1909) S. 22 Nr. 48.
Nr. 1972*= in Fol.: Gaerde der suntheyt. Lübeck, Steffan
Arndes, 1492. Hain 8957. Zu den beiden Bericht II, S. 133 f.
genannten Exemplaren in Kopenhagen und Uppsala (jetzt Collijn
Nr. 812) kommen weitere in Hamburg (AC IV 117), Berlin (Voull.
Nr. 1483) und Göttingen (2 Exemplare, eins davon aus Lüne).
Nr. 38815-2« in Fol.: Lübecker nd. Bibel. Hain 3143.
Vgl. zuletzt Bericht III, S. 238.
Nr. 32927 in Fol.: Nd. Plenarium, Lübeck, Steffan
Arndes 1509. Scheller Nr. 546. Vgl. Goetze, Aeltere Geschichte
der Buchdruckerkunst in Magdeburg (1872) S. 40; Falck, Druck-
kunst im Dienste der Kirche (1879) S. 83.
11*
104 C. Borchling,
Nr. 34018 in Fol.: Die erste nd. Übertragung derLuther-
schen Bibel, Lübeck, Ludwig Dietz 1533/34. Scheller Nr. 827.
6. Magdeburg. Nr. 78548 in Fol.: Nd. Plenarium
{Boeh der profecien etc.), Magd., Ravenstein u. Westfal, 1484.
Hain 6749. Vgl. Bericht II, S. 135 u. III, S. 178; das Uppsalaer
Exemplar jetzt bei Is. ColLLjn, Inkunabeln v. Uppsala (1907) als
Nr. 530 näher beschrieben. Ein weiteres Exemplar in Berlin
(Youllieme Nr. 1492), das wohl mit dem Bericht 11, S. 135 ange-
führten Exemplare Kinderlings identisch ist.
Professor Dr. Georg Schaaffs in St. Andrews (Schottland).
Sign. Ms. Germ. I: 2 Bl. Perg. in kl. 8^ (15,3 x 10,8 cm),
2. Hälfte 14. Jahrhs. Regelmäßige feste Cursive mit kräftigen
Grundstrichen. Beschriebener Raum 12,1 x 7,2 cm, vollst. Tinten-
linienschema, 28 Z., die am äußeren Rande der Bll. abgestochen
sind. Reichliche Rubricierung , rote Überschriften, rote Initiale
(4 Z. hoch) nur Bl. 2^. Die Bll. sind zum Bekleben von leder-
überzogenen Holzdeckeln eines Codex benutzt worden, Bl. l'^ und
und 2' waren aufgeklebt und sind deshalb etwas beschädigt ; Bl. 1^
hat durch Flecke und Abreiben besonders oben sehr gelitten. Die
Bll. sind vom jetzigen Besitzer durch Papierfalze verbunden und
in einen steifen Papierumschlag geklebt.
Bruchstücke einer mnd. Beichte nach den Abschnitten
des Katechismus, der Dialekt ist ein westliches Westfälisch.
Bl. 1 behandelt die 10 Gebote, Bl. 2 die 7 Todsünden und die
Sünden der 5 Sinne; die beiden Blätter hängen in ihrem Texte
nicht zusammen. Bl. 1"^ beg. : gefündeget in dat ander gebod gods,
dat ic den heyigen namen gods ende myns fcheppers heb dicke vnnüt-
licke genomen % myn herte in mynen münth . 7nit lofte dey ic geb^'oken
hebbe etc. Bl. 1^ schließt im 4. Gebot : oft an vthivendegen güde ,
wollüß . wolvare . ende an \\. Bl. 2' beginnt: alfo dat ic des lieb en
orfalce gewefen . wetens oft vnwetens . in e/f'cap oft büthen effcap. etc»
Bl. 2^ schließt : de{r) ydelcheit di/fer werlth ende (. . . .)gefeyn dey ic
nicht en mod beghern van{?){. . . .)e\\. Ich besitze eine vollständige
Abschrift der Bruchstücke.
Trier, Stadtbibliothek.
Einen vollständigen hsl. Katalog der Handschriften der Stadt-
bibliothek hatte zu Anfang des 19. Jahrhs. Daniel Wyttenbach
Mittelniederdeutsche Handschriften: Nürnberg. St. Andrews. Trier. 165
angelegt. Seine Kategorien und Nummern der einzelnen Hss.
gelten noch heute, ihnen wird gewöhnlich in Klammern die Stand-
ortsnummer, die stets von der Wyttenbachischen verschieden ist,
beigesetzt. Ein moderner Katalog der Hss. der Stadtbibliothek
und des jetzt mit ihr verbundenen Stadtarchivs wird in kürzerer
Zeit vollendet sein, es ist das „Beschreibende Verzeichnis der Hand-
schriften der Stadtbibliothek zu Trier. Begründet von Max Keuffer",
dessen erster Band 1891 erschien. Bei meinem ersten Besuch in
Trier lagen Band 1 — 4 des Keufferschen Katalogs fertig vor, bei
meinem zweiten Besuch auch Bd. 5. Sie alle ergaben aber wenig
Ausbeute für meine Nachforschungen und ich mußte mich im We-
sentlichen an den alten Katalog Wyttenbachs halten. Hier ist
nun ganz kürzlich Adolf Beckers Katalog der Deutschen Hand-
schriften der Stadtbibliothek zu Trier (= Heft 7 des Keufferschen
Verzeichnisses, Trier 1911) ergänzend eingetreten. Er hat vieles
von meinen damaligen Aufzeichnungen entbehrlich gemacht, und
ich habe jetzt bei der endgiltigen Redaction meines Materials so
verfahren können, wie ich es in meinem 3. Bericht für Wolfen-
büttel getan habe, soweit dort v. Heinemanns Kataloge vorlagen.
Beckers Katalog ist also im Folgenden stets als Grundlage vor-
ausgesetzt. Die 5 ersten Hefte des Keufferschen Verzeichnisses
schließen mit dem wichtigen 6. Hefte Gr. Kentenichs, das inzwischen
noch hinzugekommen ist, die theologischen lat. Handschriften der
Stadtbibliothek ab. Die juristischen Hss. stehen also noch aus;
die historischen, zu denen auch die lat. Heiligenleben hinzugetan
sind , bilden jetzt mit dem alten Materiale des Stadtarchivs zu-
sammen das Historische Archiv der Stadt Trier, das aber in der
Verwaltung eng mit der Stadtbibliothek vereinigt ist. Das „Ver-
zeichnis der Handschriften des Historischen Archivs der Stadt
Trier" erscheint seit 1899 in einzelnen Bogen, die dem „Trierischen
Archiv" beigegeben werden. Auch dies Verzeichnis ist noch von
Keuffer begründet und wird jetzt von Kentenich fortgeführt; ich
habe das Exemplar der Hamburgischen Stadtbibliothek, das bis
S. 256 reicht, benutzt.
Die Incunabeln von Trier hat E. Voullieme beschrieben, vgl.
Die Inkunabeln der öffentl. Bibliothek und der kleineren Bücher-
sammlungen der Stadt Trier. Zusammengestellt von E. Voullieme.
Mit einer Einleitung: „Zur Greschichte der Stadtbibliothek" von
Stadtbibliothekar Dr. G. Kentenich [= Beihefte zum Zentralbl. f.
Bibliothekswesen XXXVIII], Leipzig 1910.
Ich beginne mit den in Beckers Kataloge der deutschen Hand-
schriften beschriebenen niederdeutschen Handschriften der Stadt-
166 C. Borchling,
bibliothek und stelle diejenigen Nummern voran, zu denen ich gar
keine oder nur geringe Zusätze zu Beckers Beschreibung zu geben
habe. In der Bezeichnung der Mundart hat Becker nicht immer
das Richtige getroffen, gerade bei den Trierer Hss. hat das auch
besondere Schwierigkeiten. Ich verstehe im Folgenden, wie ich es
in diesen Berichten stets getan habe, unter Niederrheinisch (ndrh.)
das Ripuarische, den nördlichen Teil des Mittelfränkischen, unter
Niederfränkisch (nfr.) nur die nfr. Mundarten auf deutschem Boden.
Der südliche Teil des Mittelfränkischen ist dann das Moselfrän-
kische; der Ausdruck Mittelfränkisch selbst wird dadurch überflüssig.
Nr. 807 (1337) [Becker S. 2]: Cassianus, Collationen
der Väter und Liber de exercitio sancto rituali, ndrh.
Bl. 115'' ist wohl fuh dyaken zu lesen; Bl. 219' /cj (= scilicet)
indigni 3^ /e" (= tertia feria).
Nr. 808* (1346) [Becker S. 3] ist moselfränkisch.
Nr. 809 (1341) [Becker S. 3—5]: Auch die erste Hälfte des
Bandes ist moselfränkisch, Stück 19 dagegen rheinfränkisch. Stück
3 ist in Stück 1/2 hineingeschoben, die Schlußschrift von Stück 1
und die Schreibernotiz stehn auf Bl. 187' (nicht 107'). Man sieht
auch den Grund des Einschubs : das auf Bl. 118' beginnende Ca-
pitel der Vita Ludolfs hat die Überschrift: Van dem auent mail
vns Heue heren ihü xpT] ein Besitzer der Hs. ist dadurch veranlaßt,
die von einer anderen, ein wenig jüngeren, Hand geschriebenen
Bl. 108 — 117 mit einem Stück aus Augustinus über das gleiche
Thema hier einzuschieben.
Nr. 820—822 [Becker S. 20]: 3 schon seit längerer Zeit ver-
lorene nd. Grebetbücher.
Nr. 823 (1696) [Becker S. 20—30]: Das Gebetbuch ist
moselfränkisch, es hat stets vff,
Nr. 8 25 (1697) [Becker S. 36-38]: Mariengebete 1526,
ndrh.
Nr. 826 (1699) [Becker S. 38—39]: Gebetbuch des 15. Jh.,
moselfränkisch, aber mit starkem ripuarischem Einschlag.
Nr. 10 50 (1261) [Becker S. 131]: An 2. Stelle ein ndrh.
Segen, den Becker abdruckt.
Nr. 1120 (128) [Becker S. 96] : Die Hs. des nd. Theophilus-
Dramas. Die bei meinem Besuch in jammervollem Zustand befind-
lichen Blätter sind 1907 restauriert worden. Beckers Beschreibung
folgt der dabei vorgenommenen falschen Einordnung des Schluß-
blatts als Bl. 1, die schon R. Petsch in seiner Beschreibung der
Hs. (Theophilus, herausg. von R. Petsch [Germanische Bibl. II 2]
Heidelberg 1908, S. IX) gerügt hatte.
I
Mittelniederdeutsche Handschriften: Trier. 1(57
Nr. 1128 (2053) [Becker S. 151 f.]: An 6. Stelle ein lat.-
ndrh. Grlossar.
Nr. 1130 (2055) [Becker S. 153 f.]: Die von mir übersehene
Hs. enthält an S.Stelle Engelhnsens Vocabularius latino-
germanicus. Aus Beckers Beschreibung geht nicht hervor,
welcher Mundart der deutsche Teil angehört; auf das Nd. weist
Hildesheim als Entstehungsort der Abschrift, aber der Schreiber
{Nicolaus Clütz de saraponte) mag auch seine heimische Mundart
angewandt haben. Nd. Hss. dieses Vocabulars hab ich Bericht III,
S. 209 f. aufgeführt.
Nr. 1183 (845) [Becker S. 67]: Der hl. drei Könige Buch,
nfr. Ich habe die Hs. nicht näher eingesehen.
Nr. 1223 (616) [Becker S. 144]: Cölner Chronik des 14.
Jahrhs., ndrh. Eine Beschreibung im Verz. der Hss. des Hist.
Archivs der Stadt Trier, S. 246 Nr. 482.
Nr. 1236 (604) [Becker S. 144]: Van den ouerclaren
edelen mannen des ordens van C ist er den, ndrh. Eine 2.
Beschreibung im Verz. der Hss. des Hist. Archivs S. 253 Nr. 495 ;
aus ihr geht hervor, daß die Trierer Hs., ebenso wie die oben
S. 39 f. beschriebene Coblenzer Hs., am Ende noch die Geschichte
von dem Einsiedler Schetzelo und Gruido v. Alets Greister-
beschwörung hat.
Nr. 1254 (589) [Becker S. 144f.]: Stück 5 sind die nd. Laien-
statuten des westfälischen Klosters Bödeken, die von dort den
Brüdern in Eberhardsklausen mitgeteilt werden (vgl. Stück 6).
Stück 7. 10. 11 haben schwankenden Dialekt, Ndrh., Nds. und
Nfr. mischen sich. Die Hs. ist sehr interessant für den lebhaften
literarischen Verkehr der ßegularkanoniker von Eberhardskiaasen
mit dem nd. Norden.
Nr. 1290 (560) [Becker S. 146J: Levold v. Northolfs
Märkische Chronik, in Ulr. Vernes nd. Übertragung. Vgl.
Bericht I, S. 215 und oben S. 57.
Nr. 1938 (1469) [Becker S. 147]: Wandelbuch Arnolds
V. Harff, in einer hd. Abschrift.
Nr. 1961 (1443) [Becker S. 46f.]: Episteln und Evan-
gelien nebst ihren Sermonen, für Trier bestimmt, aber der
Dialekt ist stark ndrh. gefärbt.
Nr. 1990 (491) [Becker S. 56f.]: St. Franciscus Leben
u. ä. Stücke, Sammelband, von Bruder Johann dem Snyder in
Eberhardsklausen 1514 geschrieben. Die Mundart ist aber nicht
„mittelniederf ränkisch", sondern eine stark verhochdeutsche Form
des Moselfränkischen, die nd. Elemente treten ganz zurück. Die
168 ^- Borchling,
Subscriptio des Schreibers ßl. 450'' ist reines Moselfränkiscb. Vgl.
auch unten Nr. 1935.
Nr. 2022 (662) [Becker S. 59f.J: St. Augustins Hand-
buch; die Mundart ist wohl eher ndrh. als nfr. Vgl. oben S. 27.
Nr. 20 24 (664) [Becker S. 60J : Auszüge aus einer nid. Bibel-
übersetzung. Die Mundart ist nicht ripuarisch, sondern süd-
östl.-nld.
Fragmente Mappe IV Nr. 9 [Becker S. 116]: Ndrh. Gre-
bete. Den Besitzernamen hatte ich Mica'el Machleidt gelesen.
So bleiben noch folgende Nummern von Beckers Katalog übrig,
bei denen ich etwas ausführlicher verweile.
Nr. 833 (1368) [Becker S. 44/45]: Die Mundart der Hs. ist
ein westl. Westfälisch. Stück 1 — 5 könnte man zu einem Beicht-
spiegel zusammenfassen, doch weiß ich den Ursprung desselben
nicht zu belegen.
Stück 1. Im Titel lies lockere. Der Anfang lautet: In
de naniB d' hillige vü vnvorfcJiede Dreuoldich* godes Arne. Säte Marcus
fpreJcet in fyne erße gefeite vä der liilge dope godes alfo Johänes de
pdihede de dope d' penitecie in ene vorgeuige der füde etc. Die auf
die erste folgenden Capitelüberschriften, die aber nicht gezählt
sind, handeln zuerst von den Sünden im Allgemeinen, dann von
den einzelnen Sünden.
Stück 2 beg. schon Bl. 66^ mit einem Abschnitt über die
5 Sinne.
Stück 3, der eigentliche Beichtspiegel, schließt mit dem
Capitel wen de faJce to hören. TO de leßen wille wy JcortUJce rore to
en anwißnge d' enuoldige welke füde ed' fdke hifüd' d' gewalt des
pawes to hört, ed' enes hiffchopes ed' enes enuoldige bichters etc. bis:
van plate vn erö vnd'fate en wil wy hijr nicht fcriuen wente ich hope
fe weten ere ee wal.
Stück 4 beg. Bl. 122': Van de feue doiliJce fanden myt eren
dochtere de dar af Icom^. HOiidichK Girich*. Vnhufch*. TornichK GnU
fich*. Nidich*, Track*. Item dit fmt de ivortelö vä alle fände etc.
Stück 5 schließt Bl. 129>': Salich fynt fe de vorduldich fynt.
Bl. 130—134 leer. —
Stück 6 sind die ersten 10 Capitel aus Dietrich Coeldes
Spegel des er iß ene mynfchen. Es beginnt Bl. 135'' mit der
Überschrift des 1. Cap. : Hyr heg^net ene gudc vmV wy finge van den
geloue int ghenieyne. 1. capittel ; dann folgt der bei Becker gegebene
Anfang (für hat 1. dai). Das 9. Capitel vä de x gehode vp dat hör-
teße enthält nur eine kurze Paraphrase der 10 Gebote, ihr ist
Mittelniederdeutsche Handschriften: Trier. 169
ßl. 143^ die gereimte Fassung derselben angefügt (Verse nicht
abgesetzt) :
BOiie dl hehbet lef ene god
ydelike en fivert nicht noch in fpot
Ert vad' vn mod^ myt wille of myt wehe
flaet nemade doet
En ßelet nicht dl jß jw noet
(Bl. 144') Bitte echtfchop en doet nyne vnhifc¥
Noch en fegget vä neymäde vcäfchK
Begert nemädes bedde genoten
noch begert nemädes guet
We nicht en holt defe tey gebode
de en mach nümer mer homen {to gode fehlt).
Darauf folgt Dat x capi. en fchoe leringe vä ij gebode dar ihc of
Bat alle de gebode en ^pphecien in beflaten fynt, D V falß lef hebbe
dine here god vt alle dyne h'te etc., bis Bl. 145^: Bar vme fprecJcet
ihc der vt'corne is tvenich. Damit leitet das Werk über zu der
ausführlichen Erklärung der 10 Gebote, die Geffcken, Der Bilder-
katechismus des 15. Jahrhs. I (Leipzig 1855) Sp. 150 — 156 nach
einem Drucke des Werkes vollständig mitgeteilt hat. Anf. : Hijr
na wden vor k(l)ayet de x gebode godes in dat langeße. Ghi enfolt
gyn di{n)ch lef hebbe boiie god of mer da got etc. Schluß Bl. 158^:
Ende de ghene de na tijtliqlxen gute hii{n)yerich fynt als hügerighe
lüulue dat fe god vorgeten ende erer feie falicheit Arne. Bl. 158^ ein
kleiner Anhang: It\^ vp ene tijt bat de hilge jücfer mechildis vor ene
bedrouede maget Vn de here fede er dit io etc. bis: vn en fal nümer
mer van god vfcheiden ivde Arne. — Zu Coeldes Werk vgl. die Be-
richt I, S. 284 angegebene Literatur. Eine nd. Straßburger Hs.
aus Frenswegen führt Fl. Landmann, Das Predigtwesen in West-
falen (Münster 1900) S. 12 N. 5 an.
Nr. 1026 (1960) [Becker S. 157] : Die Receptensammlung
zerfällt in zwei Teile: 1) Bl. 1 — 46 von einer Hand geschrieben:
Nd. Recepte, Anf. Bl. 1^: Eynen dranch vor die peß , .pbatum eß.
Jt\ man fal nemen iiij loit olfs (?) off ivermoit etc. Bl. 2' : Ein an-
ders dat och gantz goit is voer die peß etc. 2) Nach 14 leeren Bll.
eine nid. Receptsammlung, wiederum von einer Hand, mit ausge-
sprochen nid. Ductus des ausgehenden 16. Jahrhs. Am Schluß
Nachträge von andern Händen, darunter von Hand 1.
Nr. 1028 (1959) [Becker S. 158]: Lat.-nfr. ßeceptensamm-
lung des 15./16. Jahrhs. Anf. Bl. 1"": Afßfa fic fit B^ Baas ptes
170 C. Borchling,
de creta et vnä de ocro etc. Das Deutsche beg. Bl. 3' unter: Um
waf te mähe daf off deit litterB vä hrienen etc. Bl. V: Um beyne
off holt te verue. Bl. 7^ weitere Farbenrecepte: TJm fdwen roet
Nym hreßlien holt cleyn gebroJcen en fiedet l löge etc. etc.
Nr. 1935 (1432) [Becker S. 105—107]: Der große Eberhards-
klausener Sammelband hd. und nd. Gredicbte und Prosawerke. Die
erste Beschreibung der wertvollen Hs. gab Hoffmann von Fallers-
ieben, Altd. Blätter Bd. 1 (1835/6) S. 325 f., ihren Inhalt kurz charak-
terisiert hab ich Nd. Jahrb. 23 (1897) S. 113. Die einzelnen Stücke
dieser Hs. sind in ganz verschiedener mundartlicher Form über-
liefert, rein hd. stehen neben niederrheinischen und fast nieder-
ländischen, wie das ja für die deutschen Codices aus Eberhards-
klausen charakteristisch ist (vgl. oben S. 167).
Stück 1 ist ndrh. Es ist in durchlaufenden Zeilen ge-
schrieben, alle übrigen Teile der Hs. in zwei Spalten.
Stück 2 ist ein Ausschnitt aus Augustinus, De quantitate
animae (Migne, PP. lat. Bd..37, S. 1037 Z. 6-1038 Z. 10). Die Hand
ist verschieden sowohl von der in Stück 1, wie von der Haupthand
des Codex in Stück 3 ff., der Hand des Bruders Johann de fnyder
in Eberhardsklausen. Nicht rubriciert, nur eine rote Initiale Z. 7.
Anf . Bl. 4^^* : Äde^datus ^) dat feine is dat ich ivolde dat ir mir bedmU
fuldt in vat nianeiren de feie gode gelich is . ind wir doch gelouen got
ewich zo fyn ind van neymä \ Dominus noßer ih's xpc factus \ ge-
wacht, ind de feie van gode gemacht is als ir mir gefacht hait. Jugc)
Wat meynßu dat it gode fwair were dat he eme get gelich machde etc.
Schluß Bl. 4^^ : Augc) Da deis reicht mer ich teil dat du mich vragende
antuertz Jch moichfe dich lichte \\ . Von der Hand des Johann de
Snyder ist mit schwärzerer Tinte nachgetragen: get vlyffeliQher zu
leren datu wal tveyß Jch mene datu nyt yn zivyiieleß.
Stück 3 ff. sind rubriciert und haben rote Überschriften
und Initialen. Stück 3 zeigt nfr. Dialekt, es beg. Bl. 5": (rot)
Van geißliker iväderlghe. (schwarz) ALlet dat gefcreue is.is
tot onfer leir gefcreue fpricM die hilghe apoßel füte pauel. Uijr om
van geißliker wäderlghe itfwat te rede heb ich ghedacht een exempel
te fcriuen tot onfer leir etc. Es ist eine Beschreibung des Auszugs
der Kinder Israel aus Egypten in das gelobte Land mit geist-
licher Auslegung. Auch die 10 Gebote sind eingearbeitet, jedoch
ist das Ganze nicht in Form eines Dialogs zwischen Meister
und Jünger gehalten wie das ganz ähnliche Werk des Marcus
1) Im Original Evodius; Adeodatus stammt aus Augustinus, De magistro
(Migne S. 1193).
Mittelniederdeutsche Handschriften: Trier. 171
V. d. Linda we. Hinter den Schlußworten Bl. 16'* noch: (rot) Hijr
endet een geiftlkli hoecke vä geißliW iväde ||.
Stück 5 hat die Überschrift: Jnt leße iväneir die mynfch
leicht en fal ßeruen en fo falmen olien myt dufdaniger wifen als hijr
na volgj. Dialekt von Stück 5 u. 6 nfr.
Stück 7 beg. : DJt bouch heiß lucidaryus dat is genant
dar vmh ivant et erliichtet alle dynclc die in der tverelt hefloffen fynt
etc. Der Dialekt ist ein schauderhafter Mischmasch, in dem das
Hd. immer mehr überwiegt. In den Falzen stecken hier Eeste
eines alten ndrh. Cölner Drucks (Epistolar ?). Die Hs. wird von
K. Schorbach, Studien über das deutsche Volksbuch Lucidarius
(Quellen und Forschungen Heft 74, Straßburg 1894) S. 49 unter
Nr. 31 aufgeführt.
Stück 8 — 11 gehören enger zusammen, sie haben Bl. 101'*
eine gemeinsame Schlußschrift: Hie endet ßch die cronyck vnd hi-
ßury myt fyner geißelichen vß legunge vnd glofen die man nempt
der fiele Meißer buch getrogen vß Alden gefchichten der romer
Myt gar vil niddichen heifpüen vnd exempelen etc. Dieser Teil der
Hs. ist ganz hd.
Stück 12: Die nd. gereimte Apokalypse mit ihren An-
hängen, in einer md., aber mit nd. Elementen durchsetzten Um-
schrift. Verse nicht abgesetzt. Diese Hs. ist benutzt und be-
schrieben von Hj. Psilander in seiner Ausgabe der Nd. Apokalypse
(Upsala 1901) S. VI— VIII. Die Apokalypse selbst schließt bereits
Bl. 116'* (die Blattziffern Psilanders sind sämtlich um Eins zurück-
zurechnen): Hir an ertryche dat ivir er wer ff en dat vrone hemelryche
Amen. Es folgen 9 Anhänge, die Ps. unter 2 — 10 zum ersten Mal
abgeteilt hat. Ich rücke hier eine etwas ausführlichere Beschrei-
bung ein und verweise dabei zugleich auf die Abdrücke dieser
Anhänge nach der älteren Berliner Hs. durch Massmann (v. d.
Hagens Germania Bd. 10 [1853]) und Psilander (Hochdeutsche u.
niederd. Fragmente Apokalypse Antichrist Leben der Apostel,
herausg. von Hj. Psilander I. Texte, Uppsala 1905); Psilander führt
in den Fußnoten die abweichenden Lesarten der jüngeren nd. Ee-
cension des 15. Jahrhs. nach dieser Trierer Hs. an.
a) Bl. 116'*^ (ohne Absatz anschließend)— 116'^: Gedicht
von der Schöpfung, vgl. v. d. Hagens Germania X, S. 142
Z. 4 V. u.— 143 Ende; Psilander S. 22 f. Nr. VII. Anf.: GOt ys
an hegyn aller giider dynch he machede eyn forme herliche die eme
feinen was gelich etc. Schluß: van deme vader dryiien ivir füllen
hauen fyn ryche vmermer eivilichen,
b) Bl. 116'^ (ohne Absatz)— 117^*: Gedicht vom Anti-
172\. C. Borchling,
Christ, vgl. V. d. Hagen a. a. 0. S. 138 Z. 1—142 Z. 5 v. u.; Psil.
S. 14 — 21 Nr. VI. Anf. : Ende Kryß der vrifeliche Man die tvert
geboren van deme gefleckte dan etc. Schluß: woe lange die wereld
fülle ßan.
c) Bl. IIT'^^-IIQ^^: Vom jüngsten Gericht, Prosa. Anf.:
Als vnfe liere iJiefus xpus godes föne Jcomen wil tso ordelende alle
manes hune fo fendet he den engel miß den Jioren etc. Schluß: t^o
dem ricJie geleyde vns dyee vader vnde der föne vnd der heiliche geyß
Amen,
d) Bl. 119^^ (ohne Absatz)— 120'*: Gedicht von der Auf-
erstehung, vgl. V. d. Hagen S. 144 Z. 1—145 Z. 11; Psil. S. 23
— 25 Nr. Vni. Anf. : Nu wundert et heyde wiff vnde man wo vnfe
licham na der vfferßendeynghe fie ghedan etc. Schluß: Js die komet
na deffeme eilende.
e) Bl. 120'-» (ohne Absatz)— 120'-^: Gedicht vom himm-
lischen Jerusalem, vgl. v. d. Hagen S. 145 Z. 12 — 146 Mitte;
Psil. S. 26 f. Nr. IX. Anf.: Dat dar vor nychtet (lies: vornychet
Ps.) fal werde heyde an hemele vnd an erde etc. Schluß: vnd zu
gode ßercJcet.
f) Bl. 120''^: Gedicht vom Baum des Lebens, vgl. v.
d. Hagen S. 146 Mitte; Psil. S. 28 Nr. X. Anf.: In der ßat ßeyt
eyn bäum etc. Schluß: betselient vnfes heren blut.
g) Bl. 120'^^— 120^^: Gedicht vom jüngsten Gericht,
vgl. V. d. Hagen S. 146 Z. 5 v. U.-148 Z. 5; Psil. S. 28-30 Nr. XL
Anf.: Als dat Ordel ys tzo ghan fo fcheidet fich die fcharen etc.
Schluß : got latze vns vor deynen fyn ryche genedelichen.
h) Bl. 120^^—121^^: Auslegung des Paternosters,
Prosa. Anf. : Myne vil Heuen yr fullent vr gebet dach vnd nacht vro
vnd fpade . . . fenden etc. Schluß : das he vch den vyant nycht zu
ile latz vorwynne.
i) Bl. 121^^—122'-*: Von den 15 Zeichen des jüngsten
Gerichts, Prosa. Anf. bei Psilander S. VIII, Schluß: de vnußen{l)
ages füllen alle lüde vff ßayn van dem dode. Dann die bei Ps. ab-
gedruckte Subscriptio der Apokalypse. — Weitere Literatur zur
Apokalypse in Psilanders Ausgaben, vgl. Bericht I, S. 169, III, S. 10.
Den ;, Schlußabschnitt der mnd. poetischen Apokalypse^ hat Dr»
P. Hagen in der Stadtbibliothek zu Lübeck aufgefunden (Bericht
der Deutschen Commission 1912, S. 7).
Stück 13, der Mandeville, ist ganz hd.
Stück 14 ist von Becker nicht erkannt; es ist eine fast
vollständige Hs. des mhd. Gedichts von der Erlösung. Die
Mittelniederdeutsche Handschriften: Trier. 173
Trierer Hs. beginnt mit V. 59 der Ausgabe von Bartscb (Quedlin-
burg u. Leipzig 1858, S. 4); was Becker als den eigentlichen An-
fang des Gedichts bezeichnet, ist bei Bartsch V. 105. Am Schluß
ist die Hs. vollständig. Sie wird als „Trierer Bruchst." schon bei
Goedeke- I S. 240 angeführt.
Nr. 2017 (660) [Becker S. 57— 59] : Von 4 Händen gleichzeitig
geschrieben: 1) Bl. 1—77. 208—218. 255—268; 2) Bl. 79—168.
182—207. 219—231. 269-292; 3) Bl. 169—181; 4) Bl. 240—254.
Ndrh. asketische Sammelhandschrift.
1. Der Cisiojanus dieser Hs. ist, nach einer Abschrift des
Dr. Chr. Sternberg, abgedruckt von A. Eeifferscheid in Wagners
Archiv f. d. Geschichte deutscher Sprache und Dichtung Bd. 1
(1874) S. 507—511.
2. ist eine Vorschrift für das Lesen der 50 Paternoster.
3. Bl. b"": Hie hegint eyn dlfo mircJclich nutze hoichelge dj ge-
heiffche is eyn gefez cV monicJie . ^plogtj. Wie wael dat eyn eycJc-
lich Orden ind geißlich ßaet of religio liait fyn regel ind ßatute etc.
Bl. 6"^ wird als genauer Name des Büchleins Jnßitutoriü monachale
angegeben. Schluß Bl. 16'': Jnd fal eme vheiien in der glorien des
eivigen leuens Onfe liere ihhis de gebenedijt is in d' ewicheit Amen.
3 a. Bl. 16^^: Dit is wie ßch eyn monich Off eyn none off eyn
hegynne zo eynen geißliche leiten geuen fal. (Bl. 16^) 0 myn gemynde
in xpö iJiU tvylt ivyffe ivie ir eyn geivarych geißlich leiten fult hegynnen
etc. Schluß Bl. 36"^: vns vloir in den doit des cruces Deo gracias.
3 b. Bl. 36^: JEyn leirre vä lyden. Der wil tvedhvordicheit
halt in fyme Tiden etc. Schluß Bl. 38': ind beJcenne dich vitr got.
Deo gracias.
4. Bl. 38^: Bit fint die x gehoed\ Mathe^ in fyne eivangelio
in d^ xix^ fpricht Onfe h'e tvoltu in gain in dat ewige leite fo halt
die gehode gotz. Schluß Bl. 51^ : ind van gode ewelich vmalendijt No.
5. geht weiter: die den mynfche mi hemelrich hrengen fonder
middel ind fonder vegefuir etc. Schluß Bl. 68^ : fal d' menfche niet
onaichtfam fyn cleinre gehreche Nota Älhie enden die xij reede ihü
xpüs Deo gras,
6. Anf. : Als der mynfche hy geuaille of hy euenturen des nachtes
wacJcerich ivirt So fal he lefen etc. Schluß mit der Collecte Bl. 75^:
Quer mit z onfen here ihü xpü Amen Deo gracias.
7. Das 1. Wort habe ich als By gelesen. Schluß: % cZj ivir-
dige facrament gewircJd hait i myfchB Arne. Bl. 77 leer.
8. Anf.: Eyn eycklich mynfch deme got fyn herce heroirt hait ind
de ßymme des heren tvail verßanden hait etc. Schluß Bl. 125"^: Mer
174 C. Borchling,
fivirliclien moigen ivir cZj doyn iß äat ivir fi laißen yre liouft in onfen
hercen ßechen. Bit fpricht Äncelmus.
9. zerfällt in 12 Capitel. Schluß Bl. 157^: T^o wilchen ons
hrengen foieffe (!) der gebenedijt is eivelicli ind vmmerme Jhefus maria
Anna Johannes. AMEN Deo Gracias b v m, Bl. 157^ leer.
10. geht weiter : got^ Tzo eynre etviger gedechteni/Jen der dyngen
Op dat in den wyngart ons heren Jhs xpi geyne dorne ind quaide
bremen in waiffen noch zo ßerchliche groynB etc. Schluß Bl. 160'':
Jnt eirße iaer ons paifdoms Deo Gracias.
11. Schluß Bl. 167"^: die mynliche moegenheit ivifheit guetheit
Des vaders (Bl. 167^) . . . geißes AMEN De gracias. Dann kurze
Nachträge, u. a. (Verse nicht abgesetzt):
Och tzit oiich zyt ouch edel zyt wie bißu mich ontronnen
wie grois is myn verloren zyt, ivie quaelich ivas in verfonnen.
Mocht in befchrien mynen edelen zyt fo hed ich tvael gewonnen.
Nu hoffen ich noch eyne feiige zyt. Dat ivil ons doch got gunnen.
Na defer zyt in is geyn tzyt dat ivir verdienen können. Deo gracias.
13. Schluß Bl. 180'": dj da in eeghey bach in mois vleiffe . fy in
come vis de leuendige bor dae got in vloiß. A3INE(l). Angehängt
sind noch 5 Zeilen: Sinte Augußynus fpricht etc. Bl. 180^ leer.
14. geht weiter: eynen van mynen myßen broederen dat hait ir
mych gedayn MircJct defer worde befcheidenheit ind verborgentheiden
etc. Schluß Bl. 185'' : de voir ons allen hait geleden den bitteren doit
des cruces Amen.
15. Schluß Bl. 187"^: Mer dat vrre heilicheit betzeinet Nota Bens.
16. Schluß Bl. 191^: da der' fon gotz fyn durber bloit om geßort
hait Deo Gracias. Angehängt einige Verse, ohne Absätze geschrieben :
Die yren zyt verfumeti
verliefen groiffen fchatz
wir moiffen ommer rumen
hir in is geyn blyuende ßat
Nyemant in derf eme dar vp verlai/fen
vp dat neit gefcheyn mach
Wir moiffen alle onfer ßraiffen
inde bezalen vns gelach tc[,
17. Bl. 192^ Dit is ge'{Bl. ldS')nome vs de boich vä de bye.
DEr wyfe feneca fait vä der vruntfcJiaf fuuerlich alfus Jn verges dins
vrundes niet etc. Schluß Bl. 193^ : fo in tvas die vrunt fchaf nye
wairaftich amen. Deo gracias. Vgl. Liber apum, Buch II Cap. 20.
18. geht weiter : offenbairden in irre bloy ender locht der dußerre
werelt als die ßerren boiien den hemel Jnd die roefen bouen den
dornen etc. Schluß Bl. 231^: wie verduldinclicM dat het verdroich
Mittelniederdeutsche Handschriften: Trier. 175
fonder murmureren ind iveder fprechen Deo gracias amen, Bl. 232
leer.
20. lies leirynge. Schluß Bl. 254^: ind it deit op die ports des
hemels Deo gracias. Angehängt ein kurzer Absatz: Meißer ailbert
fpricht dlfo diiclc Als der fnynfch fynre luß daruet vm got^ ivil wie
cleyn it is Älfo diicJc ivirt got geißUche gebore in fynre feien Deo
gracias Arne.
21. geht weiter: tabernaJcel nu ßcJi ay dynen ehren ihefü etc.
Schluß Bl. 262^: itid in mögen 7iiet vuolt werde of behalde hemelfcJie
genade.
22. geht weiter: dat durcJiflagen licha anden cruce etc. Schluß
Bl. 268': als i dat vur poertael Ell vur fael ind (Bl. 268^) Jnd her
namals zu famen in ewige leiten AMEN,
23. geht weiter: ewige conynges Brut ihs xps fetze dich ßait-
liehen myt ynygen herce cen voiffe des heiUige cruces etc. Schluß
Bl. 273'': Alfo dat du em alleyn begerße zu behagen AMEN,
24. geht weiter: dat ivir ons zu den Tiden ons heren Jcieren
fidlen Jnd dat tvir dar vier vruchten af fidlen ontfangen etc. Schluß
Bl. 276^^: off he alleyn oni fyne wil geßuruen iver AMEN,
25. geht weiter : zu wiffen vä gade ivat fyn alre leiffße wil tver
etc. Schluß Bl. 279"*: tvie mych begert die vfmae em feiner Eijn aiie
maria voer de fchriuerfche AMEN,
26. lies pafßen. Der Anfang geht weiter: do ich mych vp den
berche ergaff in dat liden des grymmygen doitz etc. (= Horolog.
Buch I Cap. 2). Schluß Bl. 290"': td i die ewige felich* beßediget
werden amen, Deo gracias.
27. Schluß: ind fynre ewiger leiffden zu alle ynynfche amen, Deo
gracias. In dem Schlußverschen lese ich: dat eirße \ Den moit dat-
tich etc., ivannye, ouer,
Fragmente Mappe IV Nr. 1—2: Die Trierer Fragmente
der nd. gereimten Apokalypse und ihrer Anhänge. Für
die Anordnung der Fragmente ist die oben S. 171 f. beschriebene
vollständige Hs. der Gredichte in dem Eberhardsklausener Sammel-
band Nr. 1935 heranzuziehen. Die Blätter sind seinerzeit von
Psilander genauer bestimmt worden; er hatte sie bereits für seine
erste Ausgabe der Apokalypse (Upsala 1901) benutzt, vgl. S. VI
die kurze Beschreibung der Fragmente. Vollständig abgedruckt
sind sie dann in Psilanders zweiter Ausgabe der Apokalypse (Upp-
sala 1905) S. 138 ff.; nach Psilanders Text sind Beckers Lesungen
an vielen Stellen zu bessern.
Bl. 1 — 7 (= Fragm. Nr. 1) gehören zur Apokalypse; Bl. 4/5
176 C. Borchling,
haben fortlaufenden Text, ebenso Bl. 6/7. Bl. 1 —7 sind abgedruckt
bei Psilander S. 138—152.
Bl. 8—13 (= Fragm. Nr. 2) sind Bruchstücke aus den An-
hängen der Apokalypse.
a) Bl. 8»^ Z. 1—17: Schluß des Gedichts von der Auf-
erstehung (= Cod. 1935 Stück d). Schluß: der vroüde ne werd
nummer ende de Jcümed na diffeme eilende. Psil. S. 152 f. Nr. VIII.
b) Bl. 8' Z. 18—9^ Z. 3 v. u.: Gredicht vom himmlischen
Jerusalem (= 1935, e). Schluß: de dat \ volk van eren zünde
werhj vn to gode ßerJc^, Psil. S. 153 — 155 Nr. IX.
c) Bl. 9' Z. 2 V. u. — 9^: Gedicht vom Baume des Lebens
(= 1935, f.). Psil. S. 155 Nr. X.
d) Bl. 9^: Gedicht vom jüngsten Gericht (= 1935, g;
von Becker übersehen). Anf. : (Ahe dat ord)el is to ghan etc.,
bricht mit dem Ende der Seite ab. Psil. S. 156 Nr. XI.
e) Bl. 10"^- 10^ Z. 7: Auslegung des Paternosters, Prosa
(= 1935, h). Anfang verloren, Bl. W beg. : alle dagJie myd vrode
vme fere . aued dat gy vor liungher nn rilce nicht vor hefen etc.
Schluß: dat iu \ den vighent nicht zo vile lat ver {wenen von andrer
Hand nachgetragen).
f) Bl. 10^ Z. 8—11'': Von den 15 Zeichen des jüngsten
Gerichts, Prosa (= 1935, i). Anf.: JN den heylighen holten vint
men ghefcreiien . dat vifteyn teJcene er domes daghe ghefchen zülen etc.
Von Bl. 11"^ ist die oberste Zeile abgeschnitten, Bl. 10^ schließt:
van des dat de zunne up gheyt, Bl. 11"^ beg. jetzt: le7i alle hoyme .
vn Jcriide blöden etc. Schluß Bl. 11"" Z. 18: Des vifteynden daghes
zolen . . . lüde . . . , unleserlich. Bl. 11^ leer.
Die beiden folgenden Blätter erscheinen in Nr. 1935 nicht
wieder. Sie hängen unter sich zusammen und stammen aus einem
predigtartigen Tractate. BL 12'" ist sehr beschädigt, Z. 1
ist ganz abgerissen, ich entziffere nur ein iv{p?) . . . e/? |, von Z. 2:
. . . zorg . . den vnde . dat vnfelighen zende en | (Z. 3) ... in dcU . . .
henghe lathe dar ghe fcreuen \ (Z. 4) is . . . vid . . . quem tranffixerfd
dat fpreJcet ze \ (Z. 5) zolen zen den zey mid fpere dorßeken etc.
Bl. 12'" schließt: aJfe vns zaghet zunte io \ hänes eivangelißa. Vidi
ciuitatem fanctam \\ (Bl. 12^) ihrVm notiä alle .... cain ficut \ fpon-
fam ornaiam viro fuo . hey fpreket . ich za \ dey lieylighen (tat Tho
ihrVm nighe nider Icmnen \ de vandeine hemele van gode hered alfe en
hrut is eren mäne etc. Bl. 12^ schließt: dey weldighe \ konighe
de wanne erdes ivaren vil mechtich \\ (Bl. 13') alfe grote allexandcr
de al dey werld ir vacht \ vn dey Jwninch aniyocus vn dey mechtighe
Key f er oqtaiiianus dey al dey werld van oßene to weßene van norden
Mittelniederdeutsche Handschriften: Trier. 177
tho zudene an siner hanä haääe etc. Bl. 13^ Z. 1 ist wieder ganz
unleserlich, Bl. 13^ schließt: noch de hroder deme hroder \ noch nyn
menfcJw deme ande'n N . . . ghe \ beide van den heren . dey hern {?)
atnden iver |[.
Fragment Nr. 4 [Becker S. 115]: 2 BU. aus einem ndrh.
Beichtspiegel der 1. Hälfte 14. Jahrhs. 22 Z., Tintenlinien-
schema. Bl. l'' beg. : der gewinne. Bar na du hegeit . of du dig \
irechen uerfumet has . tvider din den geboit. \ unßs heren godis. Der
sien gebode' horent dru \ zo godis mtne . in fiiiene zu unßs neßen mine \
Bat erße geboth is . du falf eine got hauen . in \ infalt inJceinen afgot
hauen . of ane beden etc. Bl. 1^ schließt : So wat du dis of einiger-
hande fachen liuer hais \ of nie vortes dan got . dat is din got . tvant
du ir I biides ime du ere . die die gode irbiden falt . icant ||. Bl. 2'
beg. : leven , in aller meiß du ßrange reginunge da ein | hört uergeuen
nit imvirt man in müze rechin\in wie id gewnin , virdan . in behaldin
ß etc., etwas weiter: Barna fage die funde der tracheide, Tracheit\
heizit einerhande ftvarheit des herzen die \ unf machit uirdrüzeniffe
aller guder werke, \ Bar umbe fage of du ei trage tveres zu godes de-
neiße etc. Schluß von Bl. 2^: nog dan dat du bit den iverJcen niet
imvoldes volbr engen Sa \\.
In den lateinischen Handschriften der Trierer Stadtbibliothek,
die M. Keuffer und G. Kentenich in Heft 1 — 6 des gedruckten
Hand Schriftenkatalogs beschreiben, sind noch folgende nd. Stücke
enthalten, die ich zum größten Teile nur kurz zu erwähnen habe :
Heft 1 (1888): Bibel Texte u. Commentare: Nichts.
Heft 2 (1891): Kirchenväter.
Nr. 148 (Kat. S. 49—54): Stück 4. Das Deutsche in dem
kleinen Abschnitt ist kein reiner Dialekt, er ist halb rheinfränkisch^
halb ndrh. Schluß: Jnden ßeyn löchern daz fynt foranüa Jhü xpi
vbi debes httare eßote fymplices fic^ columbe. Der eigentliche Schluß
ist aber mit den beiden hinter Bl. 113 herausgeschnittenen Blättern
verloren gegangen.
Den gleichen schillernden Sprachcharakter zeigen Stück 8 und
11. Dagegen sind Stück 10 und 12—22 ganz ndrh.
Stück 10 schließt: vnd ßant alwege jn beJcentlicheit dyre fundB
vnd gebrech fo vindtz du genade by gode.
Stück 12 schließt: Ba Jntfangen wyr eyne neuiven name der
vns ewicklich blijfft, Stück 12 — 20 bilden nur einen einzigen großen
Tractat, dem der Titel von Stück 12: Bat boich von dem
Blynlcenftain, we dat man eyn goit menfche ivyrt in got zukommt.
Kgl. Ges. d. Wiss. Nachrichten. Philolog.-histor. Klasse. 1913. Beiheft. 12
j!78 C. Borchling,
Es ist ein Werk des Johann E/Uusbroec Bat hoec van den
blinkenden ßeen, auch Dat hantvingherlijn genannt, vgl.de
Vreese, Hss. van J. v. Rs. werken, Bd. 1, S. 27. 51. 56 u. ö. ; Eeiffer-
scheid, Nd. Jahrb. Bd. 10 (1884) S. 14 mit N. 17.
Stück 22 ist ein weiteres Werk Euusbroecs Van der
tzierheit der geißlicher hroulofft; so lautet der Titel in der
bisher allein bekannten ndrh. Hs. des Werkes Berlin, Kgl. Bibl.,
V. Arnswaldt Nr. 3112, Bl. 160»— 213« (ReifFerscheid, Nd. Jb. 11
[1885] S. 107 mit N. 16). Die zahlreichen nid. Hss. des Werkes
bei de Yreese passim. Das Thema des Tractats ist nicht so
sehr die göttliche Liebe als die verschiedenen Zukünfte Christi;
mit dem Hohenlied hat er nicht das Greringste zu tun, die lat.
Anfangsworte sind vielmehr dem Gleichnisse von den törichten
Jungfrauen entnommen. Der Anfang lautet etwas vollständiger:
Ecce fporifus venit, exite ohiiiä ei. Seit der hruedgom. Imnipt gait
viz Jm entgain Di/fe ivort hefchrifft vns fente matJieus der eivägelißa
Jnd xps fpracli ßj so fynen jüngere lud so allen minfche etc.
Am Schluß einige Reime: Jnd dit is nu dat wifelofe ivefen dat
alle ynyge geiße honen al dincJc haue vkoren Dit is ey dunche' ßille
dar alle mynende yne fyn vloren Mar mochte wir vns alfus yn dugdn
gereyden wir foulden vns fchere van de liüe intMeyden Jnd fouldn
vleifjn (Bl. 292^) vnde nümerme en mochte vns catur gehruchlich he-
foecken moeffen De ivefeliche eynycheit ind eynheit Befchauiven yn drij-
heit Dat geue vns de gotliche myne de geyme bedeler intfait. AMEN.
Heft 3 (1894): Predigten.
Nr. 244 (Kat. S. 36-38): Bl. 131'-^: Ndrh. Reimgebet
an den hl. Greist, aus der 1. Hälfte bis Mitte 14. Jahrhs. Ich
stelle bei dem Abdruck die Verszeilen her, füge aber die Zeilen-
abschnitte der Hs. bei:
Veni fancte fps Küm zv mijr heijlyger geyß. I
Dyner genaden darf ich aller meyß
Müde mych \ un? allen bofen gedenken,
Alley iveriltliche viovde müzes du myr verleyden .
byt den \ dugeden müzes du mych cleyden .
berihthe \ h're minen fyn .
tvant ich düp inde vmheridet | hyn.
Gyf myner funden auelays,
want an \ dyr ys al min zbuerlays.
Du bys herre alle \ niyn troyß alleyne .
mache mych van fundB \ reyne
van bofen bekoringyn erlofe mych |
Mittelniederdeutsche Handschriften: Trier. 179
Bat ich vrolicJie möge loven dych.
Mache \ mych van hofe küh'e vri .
dat ich zu dyme \ dinße vUzich fy
Schone hlüme edele hWe |
Jhü xpe füse minn'e.
Gyf myr dat ich dych \ hunne mynnen
van allen mynen h^cen van \ allen fynnen.
Heyne Wce fenften müt
Gyf myr vader tvant du hys gut.
Bü hys II (Bl. ISl"^) dat oiifuze gut.
Jndeme dat myne feie g^rüt \
Sunder den ich nyt gerün in mach.
An dyr \ yf myn raße inde myn gemach.
AI myn troyß \ ligeyt an dyr,
Suze vader kiim zu myr.
Bü I myche dyfe werilt alfo geliche vfmein.
dat ich dine \ genade nmge wyrdinclych intfeyn .
Bat I ich hit dyner fuzecheyde gelauet wde
alfe lange \ ays ich hiten dys erde.
Gif myr ßarlcen \ gelouen inde vaße hoffingin
Geivare ivyfheit \. Jude gey fliehe geringe
Gif myr gerechet inde \ füze mezecheyt.
geyßeliche ßerkede inde \ ßedecheyt.
Gif mir kvfheit inde reinicheit \
Aller dinge vnderfcheit.
Gif mir volküme \ othmüdecheit
Getividicheyf^) inde geduldicheit \ *) tiv aus Corr.
Jhü mach mine feie vro.
dat ich dyr müge \ dinB alfo.
Wane ich rüme diet"^) eilende. *) dict?
dat I ich hit dyr fy fund' ende.
Bat ich raße \ eweliche
inde dich befchoive vroliche \ Amen,
Nr. 2 63 (Kat. S. 58): Lat. Gebetbucli aus Hildeslieiin , mit
nd. Kalendarium (Bl. 3'— 12^ 14^ und zwei nd. Grebeten
(Bl. 2'). Bl. 8' lies: uindende.
Heft 4 (1897): Liturgische Handschriften.
Nr. 459 (Kat. S. 72): Auf Vor- u. Nachsetzbl. Stück eines
nd. Grebetbuchs, aus K.s Probe geht der Dialekt nicht mit
Sicherheit hervor; ich habe die Hs. nicht eingesehen.
12*
180 C. Borchling,
Nr. 502 (Kat. S. 97 f.): Liber precum. Bl. 81^ ein ndrh. Ein-
trag über das Weihwasser.
Nr. 504 (Kat. S. 981): Liber precum. Bl. lolv der Anfang
eines ndrh. Gebets.
Nr. 516 (Kat. S. 105 f.): Lat. Gebetbuch. Stück 10: Hymnen
mit liniierten Noten. Die ndrh. Hymnen sind:
a) Bl. 136^—137^: JN dulci iubilo
fynget incl wefet vro etc.,
mit zweistimmigem Notensatz zu Str. 1, die Noten schon ganz
wie bei uns, viereckige Köpfe (<()) ohne Striche, auf 4 Linien.
Str. 2 (Bl. 137^^): 0 Um puide na dir iß mir fo tve.
Str. 3 (Bl. 137^): Vhi ß' gaiidia nyrgen me dan dar,
Str. 4 : Maria nra fpes noe liilff vns hitt wir des.
Schluß: dat vnff so deile iverde efna requies. Änien,
Die Melodie von a) ist nach dieser Hs. publiciert von Bohn, Eitners
Monatshefte f. Mus. Bd. 9 (1877) S. 26 f. Vgl. Bäumker, Das
kathol. deutsche Volkslied in seinen Singweisen, Bd. 1 (1886)
S. 310. Andere nd. Texte des Liedes Bericht III, S. 218 u. 134;
Hölscher, Nd. geistl. Lieder, S. VI N. 1 ; Bolte, Zs. f. d. Phü.
Bd. 21 (1889) S. 141 f.; Jellinghaus, Nd. Jahrb. Bd. 7 (1881) S. If.
b) Bl. 138^—140'-: de paßöe dm,
NV ßerck vns got in vnfer noit
Ich beuelen mich htiden in dyn gebot,
laif vnß' den dach genedelichen fchynen.
Soweit mit Noten. Es ist die Große Tagweise Peters
von Arberg, vgl. Bericht II, S. 198 und III, S. 38. Die Noten
sind also nur zur ersten Hälfte des ersten Stollens beigegeben,
dieses Stück der Melodie soll offenbar viermal hintereinander
wiederholt werden. Erst der Abgesang Bl. 139' hat wieder Noten,
weshalb Keuffer ihn als selbständiges Lied {Maria wüfchel gerte
des ßämes vä ycß'e) verzeichnete. Die Trierer Hs. hat nur die 3
Strophen der ursprünglichen Fassung, Str. 2 beg. Bl. 139^: Dat
criice was breit dar got an leid, Str. 3: 0 hcilger criß la mich der
liß; Schluß Bl. 140^": miti dyne heiigen ivunde dat Jck beiiallen dir.
Amen. Diese Hs. des Liedes ist unter der älteren Signatur
Nr. 724 von Bäumker S. 452 f. benutzt.
c) Bl. 140'— 141^: 31ijn hertz is ervullct mit vroUcheit van
vreuden moiß' ich fyngen etc., Str. 1 mit Noten.
Str. 2 (Bl. 140^): Vß' daiddes ßäme is vpgegagen.
Str. 3: Maria du biß dat vill lußliche preill.
Str. 4: 0 edel iüß'ramve ice wal tvas dir zo mode.
Str. 5 (Bl. 141'): Du biß des vill ivijfen falomöls throin.
Mittelniederdeutsche Handschriften: Trier. 181
Str. 6: Jn diefe vill fchoenen throen halt gefe/fen.
Str. 7: Maria du vil iverdige honycgyn.
Str. 8: 0 oeüße honyck va hymelrich.
Schluß Bl. 141^: hreng vns in die ewige feliclieit Amen.
d) Bl. 141^ — 142^: Anni noui eäticü.
Mit diefen nuwen Jaire
fo tvirt vns offenbaire etc.
Str. 1 mit zweistimmigem Notensatze; der Abgesang ist als
Refrain behandelt, er beginnt jedesmal: Gelouet moiff ßjn dat hyn-
delijn etc. (3 Z.).
Str. 2 (Bl. 142^): We ival ivas yr so moide,
Str. 3: De engele fongen fchoene,
Str. 4 (Bl. 142^): Sie beirde yn al funder pyne.
Str. 5: Als echt dage waren verleden,
Str. 6: Dre Iwnyge vnheJcande.
Schluß: got ßj gehenedijf B(. Gelouet moi/f ßjn etc. Bohn a. a. 0.
S. 28f., Bäumker I 356.
Nr. 522 (Kat S. 108): Die „westniederdeutschen" aebete Bl.
42—44, 45—53^ u. 143—165 sind alle bereits hd.
Heft 5 (1900): Ascetische Schriften. 1. Abt.
Nr. 653 (885) [Kat. S. 112]: Auf der Innenseite des Vorder-
deckels eine ndrh. Priamel, Zeilen nicht abgesetzt:
Wer neit engeivynt,
ind oucJi neit entfyndt
Vnd ouch neit enhofft
ind an vrauwe hulden lebt.
Jnd altzit yn dem wynJioiß fweibt.
ind so allen tzyden den ivyrt betsalt
Myßl(i)ch yß . vp wat enden er dat holth.
Bl. lOO«": Ndrh. Verse über das Leiden als Füllsel:
De pacia, Lyden yß dat aller beße goet
Bat got fyne vrüde doet
Lyde yß der rechte tvech zo dem rych vnfers heren
Seiich fynt fy de yt wail hantteren etc., noch 22 Z.
Schluß: Da der viß leeffden des lydes begert.
Dann ein ähnlicher Spruch:
Leer lyde vnd verdrage fonder clagen wer dyr fytt
Wan dyr verdraget . als nien vch jaget yr gewynet de ßryt
Der yn lidB Jean verbilde Der iß blide zo allen tzyden.
Küne ivyr des neit gehere So laiß vs vmers vdrage lere etc.,
noch ein paar Zeilen mehr.
182 C- Borchling,
Heft 6 (1910): Ascetische Schriften. 2. Abt.
Nr. 709 (Kat. S. 51 f.): Bl. 317—318 das bekannte lat. Schul-
glossar mit übergesetzten deutschen Übersetzungen, das beginnt:
Curia palatium, das Deutsche ist nfr.
Aus den nd. Hss. des mit der Stadtbibliothek verbundenen
Historischen Archivs der Stadt Trier führe ich hier nach
Kentenichs Verzeichnis (s. o. S. 165) noch an:
Verz. S. 64]Srr. 111 (= Bibliotheksnummer 2016): Co In er
Statuten, noch vom Anfange des 16. Jahrhs. und noch ndrh.
„Am Schlüsse steht ein geistliches Lehrgedicht". Ich habe
die Hs. nicht eingesehen. — Cölnische Stücke enthalten auch
noch Nr. 110 (2026) [Verz. S. 63] mit einem Teil der Reim-
chronik auf den Aufruhr von 1482 (vgl. oben S. 49), während
sich der Band sonst meist auf die Ereignisse von 1513 bezieht;
Nr. 109 (1397) [Verz. S. 62]; Nr. 117 (1996) [Verz. S. 65] und
Nr. 485 (1226) [Verz. S. 247 ff.], alle diese Hss. sind sehr jung
und ganz verhochdeutscht. — Aufmerksam machen möchte ich end-
lich noch auf Nr. 358 (1684) [Verz. S. 168] die Historia domestica
Everhardiclusce ; sie ist zwar lat. abgefaßt, enthält aber wichtige
Nachrichten über dies literarisch so interessierte Kloster. Einige
nfr. Sprüche aus diesem Codex hat M. Keuffer in der Vorrede zu
Heft 2 des Hss.-Katalogs der Stadtbibliothek, S. VI mitgeteilt,
dort handelt er ausführlich über die ganze Hs. — Nr. 482 (1223)
und Nr. 495 (1236) sind schon bei Becker beschrieben, vgl. oben
S. 167.
Trier, Dombibliothek.
Über die Hss. dieser Bibliothek giebt es einen vortrefflichen
hsl. Katalog, den 1890 — 1891 von Dr. Sauerland aufgestellten
„Catalogus descriptivus codicum manuscriptorum ecclesiae Cathe-
dralis Treverensis''. Aus ihm habe ich für die folgenden Be-
schreibungen ziemlich viel einfach herübergenommen, zumal da
meine Zeit für die Dombibliothek nur beschränkt war. Die Trierer
Dombibliothek besitzt eine auffällig hohe Zahl niedersächsischer
Handschriften und lat. Hss. aus dem nds. Gebiete. Sie verdankt
diesen Besitz der Schenkung des früheren Trierer Domherrn
Grafen Christoph v. Kesselstatt, der zu Anfang des 19. Jahr-
hunderts, als die noch vorhandenen Klöster Norddeutschlands auf-
gelöst wurden, in Hildesheim und Paderborn Domherr war und
Mittelniederdeutsche Handschriften: Trier. 183
an beiden Stellen sehr viele Handschriften aus Klostergut gekauft
hatte. Vgl. ^d. Jb. 23 (1897) S. 111 und das Vorwort dieses
Berichts.
Nr. 2: 238 Bl. Perg. in kl. 8«, 2. Hälfte 14. Jahrhs. Tinten-
linienschema, 19 Z. Ganz von einer Hand, Buchschrift. Rubriciert:
Strichelchen, rote Überschriften, ganz rot geschriebene Zeilen,
kleinere rote und blaue Anfangsbuchstaben, größere schön gemalte
Initialen, 4 Z. hoch, Gold auf Blau-rot. Bl. 106^ die untergehende
Sonne gemalt, das Bild nimmt die obersten 5 Zeilen der Seite ein.
In braunem gepreßtem Lederbande mit 2 Messingschließen. —
Bl. 1"^: M E E F ptinet] Bl. 1^: Ex Uhr. Christoph Comiüs de
Kesselsiatt A\ 1812.
Nd. Osterbrevier, mit Fortführung bis zum Fronleichnams-
feste. Die Hs. gehört zu den in einer schwungvollen Sprache ab-
gefaßten Osterbrevieren , die ursprünglich Lateinisch und Nd.
mischen und gerne gereimte Stellen und Liedanfänge einstreuen.
In dieser Hs. tritt das Lat. ganz zurück, wie z. B. in der Be-
richt I, S. 117 angezeigten Hamburger Hs., die auch den gleichen
Anfang hat, und in der Bericht II, S. 38 besprochenen Kopen-
hagener Hs. Der Dialekt der Trierer Hs. ist westfälisch. Bl. 1^
beg. : Jn dem alder vrolikeßen pafche auende de dar is en Mangh der
hemelfchen vroude vn eyn vrolik fote vorfpel des hochgheloiiedö pafche
daghes etc. Die größeren Initialen finden sich Bl. 7^ (mit Rand-
leiste); 11^. 12^ (Randleiste mit musizierenden Engeln); 47^. 65^.
84^. Eine gereimte Stelle z. B. Bl. 7'' unten: Help vs dat heylighe
graf etc. Schluß Bl. 237"": dat ik hijr to alle tyde fo mote leue dat
ik na deffe leuede nvmer vä dg ghefchede iverde. Arne. Darunter
noch 2 ausradierte rote Zeilen, die wahrscheinlich eine alte Be-
sitzernotiz enthielten. Bl. 278 leer.
Nr. 3: 277 Bl. Pap. in kl. 8^ 15. Jahrh. 23 Z., Zeilen nicht
vorgezeichnet. Rubriciert, rote Überschriften, rote und blaue ein-
fache Anfangsbuchstaben, größere sehr rohe blau -rote Initialen.
In gepreßtem braunem Lederbande. Die Haupthand hat Bl. 1 —
246^ Mitte geschrieben, Buchschrift des 15. Jahrhs. Hand 2 =
Bl. 246^ Mitte— 255^ Mitte, Ende 15. Jahrhs. Hand 3 = Bl. 255^
JIitte-258^ 1. Hälfte 16. Jahrhs. Hand 4 = Bl. 258^— 259^ sta-
kige Hand des beg. 16. Jahrhs. Hand 5 = Bl. 259' Z. 8— 260^^,
Buchschrift mit dicken Zügen und dunklerer Tinte, Ende 15. oder
Anf. 16. Jahrhs. Bl. 260^ leer. Bl. 261^—270' Nachträge mehrerer
Hände des ausgehenden 16. und 17. Jahrhs. Bl. 270^—276 leer. —
Auf der Innenseite des Vorderdeckels unten das Exlibris Kessel-
134 ^' Borchling,
statts Ä*". 1799] oben die Notiz: Biese Art Gebetbuch haben die
Nonnen bey Brachel im Hochstift Paderborn gebraucht,
Nd. G-ebete und Andachten.
1. Bl. l*"— 128'": Hir begynnet fyh eyn boh, dat ghe heten wart
eyn feß boh vn js van den feßen unfes leuen here ihü xpi
vn marien fyner bndiede moder. LEue mynfche nu fchaltu bedenchen
ton de hilghe dreuoldicheit vth fäde den ßarJce engele gabrieleni etc.
Schluß: vnde regnereß tho ewyghen tyden Amen,
2. Bl. 128''— ISl'^: Die 15 Paternoster der hl. Birgitta.
Anf. : 0 mylde here ihu xpe dut pr nr oppere iJc diJc in de ere dyner
bynenwendighe be drofni/fe etc. Schluß : vä allen pynB vn angheßen.
Ame. Zu dieser Passionsandacht vgl. die Bericht 111, S. 46
aufgezählten Stücke mit derselben Überschrift; die Trierer Hs.
gehört enger mit Wolfenb.- Heimst. 1231, Novi 1132, Hildesheim
Beverina Nr. 732, Upsala C 496, Bl. 111^ und der unten be-
schriebenen Nr. 48 der Dombibliothek zusammen.
3. Bl. ISl'-— 193^ : Vermischte Grebete, darunter Bl. 136^—142«^
die 100 Ave Maria, Bl. 173''— 186'" die Dornenkrone Jesu
Christi (vgl. oben S. 23), Bl. 189^—190'' das kurze Gebet, das
beg. : 0 du vthuletende grüdelofe borne der ewyghen wifheit etc. (vgl.
oben S. 22).
4. Bl. 193^— 213^: Passionserzählung. Anf.: Hir be ten-
ghet fik de pafßo de me holt in deme palmen daghe na der feinen
tvyfe as me de in der hilghen kerJcen finghet (Bl. 194') to der homyffen
vnde de iverdeghe ewangelißa funte Matheus be fchrift fe na dem du-
deßchen fynne. In der tid fpraJc iWs to fynen jungheren wettet dat
na twen daghen teert paffchen etc. Schluß : wu he be grauen wart
de licham ihü, Hir endet ßk de pafßen vnfes leuen heren etc. Diese
Passion stimmt am nächsten zu Wolfenb.-Helmst. 1184 (Bericht III,
S. 36).
5. Bl. 213^—229^: 15 Paternoster zur hl. Katharina.
6. Bl. 230*^ — 246^: Gebete an dieselbe und an andere Heilige.
Bl. 242*' unten : 3Iyt dußen beden grote de name . . . fei Laurecij
vnfes patroen. Schluß: dat du mp truwe vorfpreher ßß in mynem
richte vnde vor tverß mek denne dat ek moite myt dek beßtten de
ewigJien falicheit. Amen.
7. Bl. 246^-251': Das fünfmalige Weinen Christi.
Anf.: Crißus iefus vnfe falichmaker ys nu gefcen efft gefunden dat
he gelachet hebbe. Schluß: dath mote gefcheen yn dem foten namen
yefus amen. Es folgen andere Gebete bis Bl. 255'.
8. Bl. 255^ ff.: Nd. und lat. Gebete von Hand 3—5 etc. Schluß:
fondern du ßundeß mit ein.
Mittelniederdeutsche Handschriften: Trier. 185
Nr. 11: 200 Bl. Pap. kl. 8», 15. Jahrli. Eubriciert, rote Über-
scbriften und einfache Initialen. Bl. 149"^: Jße Über ptinet ar i
niendorp (?), später Kesselstatt.
Lat. G-ebetbuch mit kleinen nd. Stücken, vgl. Bl. 2''"^ er-
zählende nd. Einleitung zu einem lat. Grebet; Bl. 54' — 55^ kurze
nd. Osterandacbt; Bl. 197^—199'- nd. Gebete an Christus.
Nr. 14: 395 Bl. Pap. in 8°, 15. Jahrh. Dünne zitterige häß-
liche Buchschrift. Eubriciert, einzelne rote Anfangsbuchstaben
und Überschriften. Bl. 69 ff. durch Moder angegriffen. In braunem
gepreßtem Lederbande mit Holzdeckeln, die beiden Schließen ab-
gerissen. Die Pressung des Vorderdeckels zeigt in der Mitte das
Bild des Evangelisten Johannes, der Hinterdeckel den Lucas, beide
umrahmt mit den symbolischen Gestalten der Fides, Spes, Justitia
etc. Aus einem Benedictinerinnenkloster (vgl. Bl. 29^^ und 283^),
vermutlich Brakel; viele G-ebete sind an den hl. Vitus gerichtet.
Ex libris Chr. C. de Kesselstatt Decani Paderh. J.". 1810.
Nd. Gebetbuch.
Anf. auf der Innenseite des Vorderdeckels: Cmn pulfatä ad
miffa^ die cft deuociöie (!) magna. 0 Here Jhü xpe Jck anbede dynB
alderhylgeße lycliä de hiide tho dage wt ofecret dorcli alle de wlt etc.
Lat. sind im Folgenden Bl. 3'^— 15^ 18^-19^. 20^ 25^— 32^ 45"^ usw.,
erst von Bl. 68'" ab wird das Gebetbuch ganz nd.
Bl. 64"^: dre artikele de fal ey geyßlych mefclie gern alle dage
ouer dencJcen.
Bl. öS"" — 79^: Wo gy jw vnder myffe ouene f ollen.
Bl. 140'' — 145^^: St. Bernhard, Jesus dulcis memoria in
einer ungereimten nd. Übertragung. Anf. : Hyr begynt de jubileryge
fimte Berhardi vä Jhü cJirißo. 0 JKu fote gedecJdnyffe etc. Schluß :
Jn der eivygen glorien vn fellycM eivycJdicJcen Amen. Vgl. Nd. Jb.
5 (1879) S. 56 ff.
Bl. 164'': Rofariü ad btäj vgine, nd.
Bl. 248': Die 24 Freuden Mariae, Prosa.
Bl. 283^: Eosenkranz von St. Benedictus.
Bl. 293^: Gebete zu demselben an den 7 Tagzeiten.
Bl. 387^ Mitte— 392^: de bedudinge der Myffe. To de
eße geyt de pßer in de ger IcamerS etc. Schluß: To de xxvij male
fo nemet de pßer vn holt dat facrament eyn. Vgl. oben S. 7. Bl.
393—395 leer.
Nr. 15: 219 Bl. Perg. in 8^ Ende 14. Jahrh. Die äußere
Ausstattung des Bandes ist der von Nr. 2 sehr ähnlich ; die Schrift
186 C. Borchling,
hat ganz denselben Charakter; 21 Z. Bl. 112^ ist dasselbe Bild
der untergehenden Sonne eingezeichnet wie in Nr. 2 Bl. 106^;
Bl. 163^ ein entsprechendes Bild (die untere Hälfte). Die größere
Initiale auf Bl. 115^ ist von demselben Künstler wie in Nr. 2
Bl. 47\ Sonstige größere Initialen Bl. 1^ (mit Randleiste); 21^
25\ 28\ 31\ 43\ 49\ 77'. 1S\ 82^ 84^ 85'. 106'. 113'. 116'. 129\
187^ 203^; besonders schön ausgeführt sind die auf Bl. 43^. 84^.
115\ — In gepreßtem braunem Lederbande mit Holzdeckeln, die
beiden Schließen abgerissen. Die Hs. stammt aus Lüneburg und
ist für eine verheiratete Frau der dortigen St. Johannispfarrei
geschrieben, vgl. Bl. 55' u. 109^: fjmk oh en pr nf dine houet Jwre
füte iohänes baptißoi , . . vn heuale eme de ßat vn dat ghafe lant to
lunehorcli. Diese Stelle fehlt in Nr. 2, wohl aber findet sie sich
ebenso in der angeführten Hamburger Hs. dieses Breviers, vgl.
F. Burg in Philologica Hambui^gensia (1905) S. 19 Nr. 87. Die
Trierer Hs. ist dann nach Brakel gekommen, auf der Innenseite
des Vorderdeckels steht von einer Hand des 18. Jahrhs. : Altes
TeutfcJies Gebetbuch der Nonnen bei BracJcel im Hochstifte Paderborn;
1785 hat sie Kesselstatt erworben.
Nd. Brevier für die Zeit von Weihnachten bis Trini-
tatis, in der Art von Nr. 2; das Lat. tritt auch hier vollkommen
zurück. Anf. Bl. 1"": (rot) Jn deme hilghe werdighe auede to wi-
nachte fo dench de ivort de ine fight an deme äbeghine d" mi/fen.
(schwarz) Hodie fcietis q^a veniet düs. Hute fcolle gy wete dat god
Jcome wil etc. Am Schluß unvollständig, Bl. 219^ bricht ab: dar
du füder äbeghme ane wefen hefß \\ .
Nr. 45: 139 BL, Bl. 1-68 Perg., Bl. 69—139 Pap. in 16«.
Von 4 versch. Händen des 15. Jahrhs. geschrieben. Rubriciert:
Strichelchen, einfache kleine rote Anfangsbuchstaben, rote Über-
schriften; der Kalender ist besonders reich rubriciert. In braunem
gepreßtem Lederbande; der Vorderdeckel und Rücken ist abge-
rissen, ebenso die Schließe. Hinten im Einbände steckt ein Frag-
ment einer nd. Urkunde {Cord van ErmerJchufen). Die Hs. stammt
höchstwahrscheinlich aus einem Nonnenkloster der alten Dioecese
Paderborn; Kesselstatt erwarb sie 1808.
Nd. geistlicher Sammelband.
1. Bl. 1'— 10' (Perg.): Nd. Kalender aus dem Grebiete der
alten Dioecese Paderborn, im entsprechenden Dialekte. Anf.: Ja-
nuari^ heft xxx dage. Zum 24. December ist notiert : etc. (?) Ixxxiiij
Obiit äna \ väde \ broke \ monialis. Bl. 11' leer; Bl. 11^—11^': Tier-
kreisberechnungen; Bl. 11^^ — 12': Tafel der düfclwlynge dage.
Mittelniederdeutsche Handschriften: Trier. 187
2. Bl. 13^— es»- (Hand 2: große kräftige Schrift) : Greistliclie
Tagesordnung für Nonnen, geschrieben für fußer Elfeice, in
nd. Paderborner Mundart. Der Anfang (2 Bl.) ist verloren, Bl.
IS"" beg. : vorJcrege vn etfangd dat ewige gut. Schluß Bl. 67*" : vp
dat gi eme ey vnbeJcümert lierte hereide dar he yyie iverlien mach Des
Jielpe vn (Bl. 68') güne vns altofamen de dlmechtige got AMEN, \
JBegere ich leite Sifß' Elf ehe vn hidde iu vm godes tville vn eynen it-
liJce de vt duflem hohe bäte vn ^pfijt erhrigen . dat gi myner yn iiiwer
ynicJieit gedecJitich fyn etc. Bl. 60'^ unterer Rand: Maria hramer.
Bl. 68^ leer.
3. Bl. 69 — 100'" (wieder Hand 1): Vermischte Aussprüche
heiliger Männer. In diesem Stücke schimmert deutlich eine
md. Vorlage durch.
a) Bl. öQ'' — 74^: Von gedechtniffe des- dodes. SÄncte
bernard^ fpcht Sage my 0 mefche war fyn de lieffhaue' duffer werlde
de myt horten tijden myt vns wäre etc. Schluß: dotlih to wefen vn
in oitmodicheit to bliuede.
b) Bl. 74^—78': Vö dem ßrenge ordel goddes. Scs Atha-
naß() fpcht To der tohöfft xpi folle alle mefche vp ßan etc. Schluß:
funder des rechtes vn der gerechtiheit 2t;(.
c) Bl. 78^ — 82*": Von der pyne der helle. UOn der mä-
nichialdiM der pyne der helle fpr{ Scs gregoius etc. , mit zwei
Exempeln. Schluß: dat he nit ouerwünB en iverde i\.
d) Bl. 82'-— 87^ Von der hemelfche vroude. TO dem
irße male ivirt dat rihe godd^ (!) gelouet von der meyßen hlarheit vn
fchonheit etc. Schluß : to gande in dat rihe der hemele ic{. — Stück
a) — d) behandeln je eins der sog. Quatuor novissima; vielleicht
hängen sie also alle vier mit dem Bericht I, S. 260 f. besprochenen
Werke über dies Thema näher zusammen?
e) Bl. 87^--88^- ohne Überschrift: DE heiige mä f actus Der-
nard() fpcht alf<) Eh en iveyt nicht in wat tvyfen ymät to godde hörnen
mach dan myt der oitmodicheit etc. Schluß : vormyts fyner grote Heue
de he to vns hat.
f) Bl. 88^ — 89^: ITem et is to tvette dat velle lüde vordomet
tverden vme ere vwetteden füde etc., 5 Punkte. Schluß: to höre dat
wort goddes vn flitlihe behalde.
g) Bl. 89^ — 90^: Gereimte Sprüche über Tod und ewiges
Leben, Verse nicht abgesetzt. Im Ganzen 26 V.
Anf. : EJn hört nochlih in duffer tijt AI vterhoren
Et is fecherlih vor dat hemelrih To vel vo'lore,
Se fyn dot de den dot nicht enachtede
Se liegge in der not de dat ende nicht en'{B\. ^Qi')bedachte,
188 ^- Borchling,
De dot en teil noch borge noch pat
wir motte in dat ander lät etc.
Z. 17 — 18: Stade dl de werlt in vnfer hat
doch moße ivy in ey frömet lät etc.
Diese letzten Zeilen sind aus dem Liede vom „anderen
Lande" genommen, vgl. darüber Bericht I, S. 270 und J. Franck,
Zs. 43 (1899) S. 123. Z. 5—6 der Trierer Hs. sind = Oesterleys
Abdruck Str. 19, 3—4; Z. 17—18 sind vielleicht Variante zu Str.
11, 3—4.
h) Bl. 91'' — 98'': Von dem lyden xpi. DE heiige fote lerer
See hernardc) fjpckt oiier dat höh der loiiefenge dat hey mitte' odir Tcreff-
tiger dyncJc en fy to heilen de ivüde der fade dan de hetrachtüge der
ivüden xpi etc. Schluß: dat he en fyne gnade dar to wille geicen
Amen.
i) Bl. 98^ — lOO"": EJn hroder fragede fente Machariiis wu he
leue folde dat he godde hehagede etc., 5 Punkte. Schluß: vyider fyne
hroder vn fußer in frede vn in Heue tvädern Jean. Bl. 100^ leer.
4. Bl. 101''— 129^ (Hand 3): Augustinerregel, nd. (west-
fälisch). Anf. : Sanie Augußiniis riegel. Byt fynt de wy gebeiden
to halden de yn dem cloßer fynt gefat etc. Der Schluß ist mit dem
hinter Bl. 129 herausgerissenen- Blatte verloren; Bl. 129'' schließt:
mer dar yuwer yenich eme ivat fut gebrecJcen de fal fich bedrouen van
den ge^ || . Bl. 130'— 131^ enthalten noch ein Grebet, dessen Anfang
verloren ist, es schließt : ives genedich my funder vn myt dyner hulpe
hrenge myne to der eivige freude des ewigB leuens Ame. Zur Augustiner-
regel vgl. oben S. 43.
5. Bl. 132»^— 138'- (Hand 4): Nd. Ablaßgebet, darin Bl. 133^—
134' ein gereimtes Stück, der Kern des ganzen Gebets:
Et is huden ey vel ghiid vridach
dat god to zijr hilgen bitteren martel trat etc.
20 Z., Verse z. T. abgesetzt.
Schluß: He ivolde zelue bl em ßaen
wä zin zele van zime liue zolde ghdn
.... god ame.
Es folgen noch einige Prosagebete, zuletzt Bl. 138^ : 0 martel graut \
0 wüden deep etc. 8 Z., vgl. oben S. 152. Bl. 139 leer.
Nr. 47: 155 Bl. Perg. in l2o, 14. Jahrh. Rubriciert, rote
Anfangsbuchstaben und Überschriften. Von Kesselstatt 1802 er-
worben.
Lat. Gebete und Andachten. Darin Bl. 125—128 ein
nd. Gebet, z. T. mit eingestreuten Reimen. Anf.: Salue fote
Mittelniederdeutsche Handschriften: Trier. 189
fugende holeJchi dich grotet de mineße derne dm gunne mich dat ich
dhe mote huffen tho dufent ßunde vor dinen rofenvarigen mundelin etc.
Schluß: dat tu an melc hliueß vn ich an de dat vfer neu vandeme
anderen iverde f cedit amen,
Nr. 48: 179 Bl. Perg. in 12«, 15. Jahrh. Nach Sauerland
von verschiedenen Händen, nach meiner Meinung von einer und
derselben Hand in verschiedenem Ductus, groß und deutlich ge-
schrieben. Überschriften rot unterstrichen, einfache blaue und
rote Anfangsbuchstaben ; sehr viel Eot ist im Kalender verwandt.
In glattem gepreßtem weißem Lederbande. 1808 von Kesselstatt
erworben.
Nd. Gebete und Andachten.
1. Bl. 2' (Bl. 1 leer)— 19^^: Kalendarium. Anf. : Januarius.
Vnfes he'n hefnidüge, Bl. 14'— 16"^: Tabellen und Berechnungen,
a) To vlnde in tvat teJce de mane fy alle dage vnde Wan guet late
is; b) To vynde vp tvat dach is alleluya lecgye. Bl. l?'* — 19"^: Nach-
träge einer Hand des 17. Jahrhs. (nd. Gebete). Bl. 19^ leer.
2. Bl. 20^^-67^: Die 100 Artikel vom Leiden Christi
(= Buch III des Horologiums eterne sapientie Susos). Anf.: So
ive beghert oiier to dencM dat leeflike Tiden vnfes leue here ihefu crißi
vn fyner manichvoldigher pyne dancbaer to ivefen de fcd deffe hundert
artiJcelen de hijr na volghe daghelikes ouer lefen etc. Hinter Bl. 21
ist ein Blatt herausgerissen; es enthielt den Schluß der Vorrede
und den Anfang der Artikel. Bl. 22^^ beg. : van olyueten dar du in
diner hedincge ivater vn hloet fwetedeß etc. Schluß Bl. 67'': Dar eyn
eynvoldich ivefen (Bl. 67'') dreuoldich T de perfonen regneert eyn al-
mechtich god Vader föne vn de hillighe gheeß Arne. — Hijr enden de
hundert artilcele vade bittere lide vnfes leue here ihefu crißi Vn der
vmmetelike bedroefniffe der edler tverdigheßen iücfrouive marien finer
leue moder. Vgl. oben S. 22.
3. Bl. 67^—108^: St. Ambrosius' Gebet. Anf.: Hijr be-
ghynt funte ambroß^ ghebet dat me lefe fal vor d' vntfanchniffe des
werde hillighe facmetes, (Bl. 68') 0 ouerße preßer vn tvaer biffchop
here ihefu criße etc. bis Bl. 74\ Es folgen weitere nd. Gebete,
darunter Bl. 84' — 85' die Bede Gregorii: 0 here ihefu xpe ik
anbede di an den qruce hancgende etc., vgl. oben S. 22. Bl. 86^ — 88^:
Süte bernardin^ ghebet va de fote name ihefus. 0 giide
ihefu. 0 fote ihefu etc., schließt: vn ghenoechte hebbe i ewicheit d'
eivicheit Arne. Bl. 89' — 91': Hijr beghyne de feuen vroude vnfer
leue vromve, Prosa. Bl. 97—98 leer.
190 C. Borchling,
4. Bl. 108^—122^: Die 15 Paternoster vom Leiden
Christi, vgl. oben Nr. 3. Anf. : Hijr heghynen de vijfteen FT
noßer. Bat erße pater nr hebbe ik ghe fproke (ßl. lOQ') leue Jiere
alle dyner lidinge etc. Schluß: vp dat dijn bitter doet nümer yn my
en tveerde verloren Amen,
5. Bl. 123"^— 143^: Süte Jheronim<) g heb et (ein langes, bre-
vierartiges Stück). JN den namen des heren boglie fih alle knee etc.
Schluß : God fecge wi danck. Alle gJielouighe feie mote rußen % vrede
Arne.
6. Bl. 143^ — 148^: Süte ambrofius g heb et van de helen lide
vnfes leue h'en ihefu crißi. Here ihefu criße des leuendighe godes
föne fchepper vn ghefiit meker des mefchelike gheflechtes etc. Schluß:
Vü ghelike godlike gheivalt ewelike vn vmermeer. Arne,
7. Bl. 148^— 154'^: Süte augußin<) ghebet, 0 here god he-
melfche vader fu hijr neder van de hoghe trone diner mogJientheit etc.
Schluß : Alfo dat ik my nicht en vntfchuldyghe yn mynen fundB Amen.
Bl. 155 leer.
' 8. Bl. 156'-— 179^: Vermischte nd. Gebete, beg. mit den Gre-
beten Gregors von den hl. 5 Wunden (= oben Bl. 84'), dann u. a.
die Fünf Gebete des hl. Franciscus, Bl. 163'* Evang. Joh. I 1—14,
Gebete des hl. Augustinus und Thomas von Aquinen. Schluß: de
du van gode dynen föne ihefu crißo in hemelrike vnde in eertrike
vntfancgen heueß. Amen.
Nr. 55: 212 Bl. Perg. in 12«. Schöne feste Buchschrift des
14. Jahrhs. Rubriciert, rote Überschriften, Initialen, Stück 6 mit
Miniaturen. In gepreßtem rotem Lederbande, die beiden Schließen
abgerissen. Von Kesselstatt Ao. 1785 erworben.
Lat.-nd. Gebetbuch; das Nd. ist ostfälisch. Bl. 1': Be-
gißrü fup prefes librü^ ein Verzeichnis der einzelnen Gebete ; dies
Register beweist, glaub ich, daß die Hs. zu den Bericht III, S. 62
u. ö. besprochenen Wöltingeroder Codices gehört. Nd. sind Bl. 18*
—27'. 48*— 52^ 57*— 60'. 67'-68'. 92*— 105*. 153'— 156*.
1. Bl. 18'— 27': Nd. Andacht auf die 7 Worte am
Kreuze. Anf.: De fepte vbis dni (Bl. 18*) Jh'u xpi in cruce. Eya
Jh*u grüdelofe borne aller foyticheyt etc. Schluß: dat ek in dek vor-
gelte alle mine' hHen fivere amen.
2. Bl. 48'— 52^: Dankgebet. Anf.: Cottidie lega^ .p te i ,p
ecclefia. Here hpmelefche vader ek danke dek dat du mek ghefclmpe heß
to enem xpenen min f che etc. Schluß Bl. B2': iümer ne ibde ^e-(52*)
fchede amö.
3. Bl. 57*— 60': Nd. Andacht. Anf.: Eya i eya d's vite mee
Mittelniederdeutsche Handschriften : Trier, 191
2 refugifi meü t die malorj Eya lat deJc divlgen de mine de deJc diväg
do du mit dine harliHige ouge pven gten iam fegeß an etc. Schluß :
to deh nümer ivden gefchedB ante.
4. Bl. 67'' — 68'^: DU na befcreue het las eyn heydefch hönyg hy
de hilge yae hy ierufale do ivart lie loitich vn let fek dope etc.
5. Bl. 92^ — 105^: Abendmahlsandaclit. Anf . : An t^mu-
nionB cü fiducia accedas . . . DefecH aia mea in te o meü dVcifßmü fa-
lutare JJihi ml leuediglie heylant . . . Älfo ßk de vogJiele vromvet to
/'ende den lecJiten dach, aJfo vromvet fik to diJc min feie etc. , 3 Ab-
sätze mit roten tlberscliriften. Schluß : t der du mek dat eivige
leuet ir ivorne haß mit dinem bittere dode amen.
6. BL 153^^—156^: Nd. Passionsandachten für die 6
Wochentage, mit Bildern. Hinter Bl. 154 sind 2 Bl. mit Mitt-
woch und Donnerstag herausgerissen. Jedes Blatt hat auf der
Rectoseite ein bunt ausgemaltes Vollbild; es stellt jedesmal eine
Frau im dunkeln Gewände mit weißem Kopftuch und rotem Kreuze
vorn über der Stirn dar, die vor einem Altar mit dem Crucifixus
betet. Ein Engel reicht der Betenden jedesmal ein anderes der
Marterwerkzeuge Christi dar: Bl. 153^ die Dornenkrone, Bl. 154'^
das Schweißtuch der Veronica, Bl. 155^ das Kreuz mit den drei
Nägeln darin, Bl. IhQ'^ eine langgestielte Blume. Der Text beg.
Bl. 153^^: An dem mandaghe ghe loue leue vnde vruntfciip ieghen dine
vient . drach in dynem herten dat [per dat ror den oghe dok etc.
Schluß Bl. 156"^ zum Sonnabend {fonnauende) : dat dij ihefus vor-
gheue alle dyne vnkufcheyt myt worden edder myt danken.
Nr. 56: 235 Bl. Perg. (und einzelne Pap.) in 12«, Ende 14.
Jahrhs. Eubriciert, rote und blaue Anfangsb. ; die Ausstattung
ähnelt im 1. Stück der der Osterbreviere, mit vielen ganz rot ge-
schriebenen Zeilen. In braunem gepreßtem Lederbande, die Leder-
pressung zeigt das Cölnische Wappen, die Hs. selbst stammt aber
aus einem Kloster des hl. Bartholomaeus in der Dioecese Hildes-
heim, also wohl aus dem Sültekloster in Hildesheim selbst. Die
Hs. muß aber schon 1735 am Rheine gewesen sein, denn damals
hat eine grobe Hand alle Ränder und jeden sonst freigebliebenen
Raum der Hs. mit lat. und deutschen Notizen, z. T. historischen
Inhalts, Cöln, Gladbach etc. betr., angefüllt.
Lat.-nd. Gebete. Bl. 1 if . ein lat. Abendmahlsbrevier, ge-
schrieben für eine Nonne KE; vgl. Bl. 28'': De iclito pfono nfo fco
Bartholomeo, Nd. sind Bl. 57'^-^ 69''— 79\ 84'-. 98^— 101^ 152'-— 153^
183^ 189'-— 194^.
1. Bl. 57'^"^ ein nd. Passionsgebet, beg.: 0 leite milde
192 C. Borchling,
harmeh'tigJie othmodiglie eddele ßarke god gnediglie fute here Um xpe .
nu hyt de grotlieyt vn fwarheyt min iämerJce füde i de hitterglieyt dynes
werdiglie hilghe lydendes etc.
2. Bl. 69''— 79^ eine Reihe nd. Grebete zu Jesus.
3. Bl. 152'— 153' nd. Adventsgebete.
4. Bl. 183' enthält nur folgenden Erguß: Och were mi alle
gras vn lof vä alle creature in hemelle vn l erde vn fo mannich drape
tvaters is l der tcide des meres alto male were tügen vn fo mänich
fant körn i der grüt des meres alto male h'te vn oJc tügen were . dat
ik dar mochte mede finghe,
Nr. 64: 183 Bl. Pap. in kl. 4«, 1469 und 1473. Von einer
Hand deutlich geschrieben. Rote Überschriften u. Anfangsb. In
gepreßtem braunem Lederband mit Holzdeckeln; Rücken rissig,
Schließe abgerissen. Die obere Ecke der ersten Blätter ist durch
Nässe beschädigt. Aus Kl. Dalheim bei Paderborn; von Kessel-
statt Ao. 1806 erworben.
Stück 1—5 bilden zusammen das nd. Leben von St. Fran-
ciskus ersten Gresellen. Die Anordnung dieser Hs. ist der
oben S. 97 f. beschriebenen Düsseldorfer nahe verwandt.
1. Bl. 2' — 63^: Hijr fint de namen van fijnte francifcus
ghef eilen de erßen van [van] em gheropen weren to dem or den etc.
DE erße van em was Francifcus Seinen van gode gheropen etc., die
kurze Aufzählung der Namen, dann: TO den erßen folle ivij iveten
dat de hilge man fcüs Francifcus feer gelijck ivas in vele ßucken vnfen
leuen heren ihefii xpe etc. Schluß: de fine creaturen aldus verfeen
kan in yegenivordiglier tijt, vn in eivicheit Amen.
2. Bl. 63^—69^ (ohne Absatz anschließend): Bruder Egidius'
Aussprüche. Anf. : Hijr heghynnen fomyge nutte ivordeken de
broder egidius plaech to fegge to fine brode'n. DE genade godes vnde
de dogeden fin rechte alfo ein leddere in dem hemel to clyrnmen etc.
Schluß : van alle dingen de he fuet vn höret fyn orher pijnet to trecken.
3. Bl. 69'^— 98': Der Spiegel der Vollkommenheit.
Anf.: Hijr heghinnet eyn fpegel der vullenkomeheit daer de myner
hroder ßaet in heghunnen is. Dyt werck is vergaddert ute fomygen
oelden legenden de fijnte Francifcus gefeiten in alrehäde ßeden fcriuen
deden vn fcreuen. Sijnte Francifcus makede drij regelen etc. Schluß:
Wclkofne mote my fußer de doot tvefen.
4. Bl. 98'— 123^: Wunderwerke des hl. Franciskus u.
seiner Gresellen. Anf.: Hijr heghynnc fomyghe tvondcrlike ivercke
de fijnte francifcus vn fyne erßen ghef eile deden. (Bl. 98^) IN dem
erßen is to weten dat fijnte francifcus vnfen leuen heren ihefum crißum
Mittelniederdeutsche Handschriften: Trier. 193
feer gheliß vnde mede formich was etc. Schluß: got alleüjt to an-
heden vnde to hefchouwen, Hijr eyndet ivercke vnde ivorde eyn deils
van fijnte francifctis vn fyne erßen brodere Anno dm M^cccc^ Ixxiij^
in ipfeßo heati Calixti ppe et martiris Deo gracias.
5. Bl. 123^(124'-?)— 147^: Hyr leghynnen de leren vä fijnte
francifcus leuene. BE ghenade godes de heuet er in deffen leßen
dagJien gheopenharet in fyne Tznechte ßjnte fräcifcus etc. Schluß : Em
fy ere vnde gloHe de dat wracJite van ewicheit to ewicheyden. Amen.
Gode fegge wi danck. JcJc tJieoderict) ein leyehroder to daelhem de dit
hoecJc gJiefcreue heuet to troeße den brode'n alle de et lefen of hören
lefen . . . (bittet um Fürbitte) Vn dit boeck is van my theoderic^ van
ruremüde ghefcreue vn gheyndet Jn dat iaer unfes he'n Mcccc hadert
Ixix des füdages vor ßjnte Martin^ na myddaghe to dren vren.
6. Bl. 14S>^ — ITO'': Bonaventura, de vier oeffeninge der
zielen, Anf. : Hir beghlnen de vier oeffeninge der zielen . de ge-
maJcet heuet de edele lerer bonauentura. DE apoßel füte pauwel fcrift
to de vcL ephefien aldus. Schluß: Och feie en vertnete di nichtes to
Cere Jck dat du dyne crancJcheit anfeeß vn der oetmodicheyt ghedenckeß,
Bl. 179^—183^ leer. — Vgl. oben S. 103 f.
Nr. 75: 227 Bl. Pap. (Bl. 1—8 Perg.) in Folio. Stück 1 ist
1513 von drei verschiedenen Schreibern (vgl. Bl. 1') geschrieben,
sodaß Hand 1 (Johan Vincke) Bl. 1—17'^ und 127"^— 209^, Hand 2
Bl. 18^—86^ und Hand 3 Bl. 87''— 126^ zufällt. Stück 2-5 sind
1512 von einer anderen, kleineren aber regelmäßigen u. deutlichen
Hand geschrieben. Die ganze Hs. ist rubriciert und hat rote Über-
schriften. Bl. 5^^ eine große mehrfarbige Initiale. In braunem ge-
preßtem Lederbande mit Holzdeckeln, von den zwei Schließen fehlt
die eine. Der Vorderdeckel trägt oben und unten den Besitzer-
vermerk: Sanct<) Petrus \\ Jn dalheym eingepreßt. Die Hs. stammt
aus dem Augustinerkloster Dalheim im Hochstift Paderborn; sie
ist von Kesselstatt Ao. 1806 erworben.
1. Bl. l"" — 207"^: Joh. Grerson, Monotessaron, in einer
nd. Übertragung. Bl. 1"^ geht von Hand 1 folgende interessante
Notiz über die drei Schreiber dieses Stückes voraus : Jn den Jaren
vnfes leue he'n JWu xpi . do me fcreff dufent vijfhüdert vn drutteyn ,
dorch driüen vn follicitere foinig' olden broder is dijt boek vtgefcreüe
oüermits dren fratres bi name. Frater albert^ niggeßat, Frater ioWes
vike vn frater Jafper<) vä altena . vn hebbet dat in gotliker vn broder-
liker leefte gedan vn geoffert der gemeyne broderlike vorgaddenge
du/fes hufes in dat gemeine vp ere reueter na betemeliken to lefen . vp
dat de vrucht vt duffB boke kömBde enne profijtlik werde in dat ewige
Kgl. Ges. d. Wiss. Nachrichten. Philolog.-histor, Klasse. 1913. Beiheft. 13
194 C. Borchling,
leue to körne Amen, Darunter eine Anweisung zum Gebrauche des
Registers, ßl. 1^ leer. — Bl. 2'" — 4^: Vorrede und Register über
das Werk, d. h. ein Verzeichnis der Evangelien für die einzelnen
Son?itage, Mittwoche und Freitage des ganzen Kirchenjahrs. Anf.
der Vorrede Bl. 2^ : (rot) Ene Voer rede in dyt nabefcreuen boek dat
dar is genomet in der grekefche tüge monote/feron in latine vnü ex
quatuor . in dude/fche . ey vt veren . off veer in eyn. DE grote doer-
Tüchtige werdyge doctor iohänes gerfon ey cäcellerer vnde Jiouet der
hogen fcole vä parys to nutticlieit vn lere der Jiillige criße kerke myt
grotem arhede fynes engelfche vor ßädes heuet vor nigget vn weder
vp gemaket den füre arheyd der hilUge aülden dodoren etc., eine halbe
Seite, dann die Tafel dreispaltig geschrieben, ßl. 4^ unten rot:
Hyr hegyt vnü ex qtiior . to dude eyn ut veren des hogen doctoers Jo-
hänes gerfon cäcellerer vä 2)ary^. Bl. h^: JN prlcipio erat vbü 1. Jn
deme anhegine ivas dat wort, DU diidet de lerer aldus etc. Schluß:
Es was not dat fe nyghe tekene vn wercke deden de nyghe dinck pre-
deken folden Et fic eß finis Deo laus et gloria trinis. Et oretis pro
fcripto'e. Dann ganz in Rot : Jtih DU boeck is gefcreue in deme iare
da men fcreiff dufent viff hundert vn xiij vn in deme feinen iare des
heren ge endighet des maendaghes na der gebort vnfer leuen vrouwen
tho daelliem in deme cloßere dorch den vnnutten knecht des herB her
iohänej Vincken van soiß geboren, Jn vn nutticheU (ßl. 208"^) feliclieit
der geißlicken broder des felue cloeßers gheleglien in deme ßichte van
baderborne bi deme zentvelde . . . Anno dTT] M°ccccc^xlij. — Bl. 208^
und Bl. 209^ sind leer, Bl. 209' ist eine bloße Wiederholung von
208', eins von beiden Bll. sollte verworfen werden. Auf beiden
steht der Schluß der Subscriptio und ein paar kleine Reimsprüche
des Augustinus von 2x4 Zeilen, aber nicht ganz identisch. Weitere
nd. Hss. des Werkes in Bielefeld (Altstädter Kirche Mscr. A 1
u. Gymnasialbibl. Mscr. 0 7) hat H. Tümpel, Nd. Korrespondenzbl.
32 (1911) S. 62 f. angezeigt.
2. Bl. 210' — 215^: Text des Ostersonntagse vangeliums
mit Erklärung, nd. Anf.: Textus Marc^ xvj. IN der tyt .
Maria magdalena vnde maria iacobi vnde falome hebbet gekoft duerbar
faluen etc. Bl. 214' wird her bernd vä breydebach ep dödecken vü
kemerlink des domes to tnenfe als Beschreiber des hl. Grabes in
Jerusalem genannt. Schluß: vortmyts dyner gracien cwelike mogS
Ceen am.
3. BL 215^ — 218^: Text des Ostermontagsevangeliums
mit Erklärung, nd. Anf.: Des Mandnges to paefclien Euangeliu
Lucas in deme xxiiij CapUell etc. Bl. 216 Pergament. Der Schluß
Mittelniederdeutsche Handschriften: Trier. 195
fehlt, hinter Bl. 218 sind einige Bll. ausgerissen. Bl. 218^ schließt :
vp dat ivy in der tokömed vpßädige dyne ||.
4. Bl. 219^^—225' (andere Hand?): Sermon St. Jeronimi
zu Mariae Himmelfahrt. Anf. : Hyr hegynt funte Jeronim<)
fermoen van der hemeluort vnfer leuen vrowen . den men dar lefet in
den lectien van dem feße. Gy twynget mecJc o paula vnde eußocJiiü
vnde oeck dryuet meck de hefte xpi etc. Schluß : dar fe leuet vn mede
regnert in eivycheit füder ende Amen. Eine ndrh. Hs. in Berlin,
Kgl. BibL, Mscr. v. Arnswaldt Nr. 3112, vgl. ReifFerscheid, Nd.
Jahrb. 11 (1885) S. 107.
5. Bl. 225^— 227"^: Proceß der Brüderschaft von Mariae
Rosenkranz zu Cöln 1476, mit langer roter Überschrift: Hyr
hegynt de proceß vnde hefUitinge van der warJieit der broderfchopp
des Rofenkranfes der hochgehorn Junfere marien der moder godes.
Des cöuentus van prediker orden to Collen . velker dar is gefcheen in
der hogen fchole to Collen in der tijd der difputacien ouermyts dßme
frater Michael pdiker ordes . de dar tvas ey togelate vnderfocht doctor
der Inigen fcryfft Jn den Jaren des heren da men fchreff Mcccc Ixxvij.
(schwarz) MAnck allen hroderfchoppen in der hilgen kerke etc. Schluß:
in enicheit des hilgen geißes Amen. Gefcr. Mv'^xij.
Auf Nr. 95, ein wichtiges Chartularium des Bistums
Verden vom Anfange des 16. Jahrhs. , möcht ich wenigstens
kurz hinweisen.
Nr. 116: 236 Bl. Perg. in S^, schöne Hand des ausgehenden
14. oder anf. 15. Jahrhs. Rubriciert, rote Überschriften; die Verse
abgesetzt, ihre Anfänge rot gestrichelt. In neuerem Lederbande
mit 2 Schließen. Auf einigen Papiervorsetzblättern ein neueres
Inhaltsverzeichnis. Vermutlich aus Hildesheim, Carthause; von
Kesselstatt Ao. 1801 erworben.
Lat. Grebetbuch. Ein großer Teil der Gebete ist gereimt,
darunter auch zwei nd. Stücke:
1. Bl. 223^^ — 226^^: (rot) Ave praeclara maris Stella, ge-
reimt, nd. Anf.: Seqiiencia de dna nrä. AVe preclara maris ßella
in liicem genciü maria diuinit<) orta,
(schwarz) Gegrotet fißu maria fchinende meres ßerne
(Bl. 223^) Eyn vt erkor ne godes derne
Du biß eyn lecht van gode gekomen
Allen funderen to vromen etc.
17 ungleich lange Strophen von zusammen 116 Z., das Lateinische
ist vor jeder Strophe rot davorgesetzt.
13*
196 C. Borchling,
Schluß: Giff dat wy myt gnaden werken
Den crißen louen mögen ßerken . . .
. . . Des helpen vns oh aller meß
De vader föne vn de hilge geiß Am.
Dieselbe nd. Übertragung der bekannten Sequenz hab ich Bericht
m, S. 28 u. 39 aus zwei Wolfenbüttler Hss. angezeigt, ihr gehört
auch die nur im Anfang gereimte Fassung von Wolfenb. -Heimst.
1307, Bl. 123^ (v. Heinemann III, S. 153 Nr. 1419) an.
2. Bl. 227'— 233^• Gedicht von den 70 Namen Mariae.
Anf. : Septuaginta noia Marie uirgis gVofe.
0 Maria giff my ramen
Louen dine feuentich namen
Vp dat ih gnade hy di vinde
Vnde hy dinem leiten kinde etc.
Es sind 75 vierz. Strophen.
Schluß: Dti/fe feuentich namen vore gefeclit
Vnfer vroiven werdigen to gelecht
Von dem hilgen geiße vor war
Dat fach eyn hillich hiffchop dar etc., nach
10 Zeilen: Deme gifft he afflates feiien lar
Vnde eyne karinen dat is war. Amen,
Dasselbe Gredicht in Wolfenbüttel - Heimst. 1142 (v. Heinem. HI,
S. 79 Nr. 1249) Bl. 30'— 38^ und wohl auch in der Bericht II,
S. 127 beschriebenen Hs. in Uppsala.
Trier, Bibliothek des erzbischöfl. Priesterseminars.
In dem guten hsl. Kataloge von Prof. Marx sind nur zwei
rheinfränk. Handschriften des 15. Jahrhs. bemerkenswert, Nr. 95:
Leben der hl. Katharina von Siena 1415, und Nr. 111:
Deutsches Gebetbuch.
Wesel, Bibliothek des Gymnasiums.
Da die wertvolle Sammlung des Weseler Stadtarchivs sich als
Depositum auf dem Kgl. Staatsarchive zu Düsseldorf befindet (vgl.
oben S. 83), bleiben für Wesel selbst nur die beiden an Hand-
schriften nicht reichen Sammlungen der Gymnasialbibliothek und
des Archivs der Evangelischen Gemeinde übrig.
Die Hss. der Gymnasialbibliothek verzeichnet das Programm
des Gymnasiums von 1876. Die hier unter Nr. 2 aufgeführte
Mittelniederdeutsche Handschriften: Trier. Wesel. 197
Dortmunder Chronik, bis 1658 reichend (448 S. Pap. in Fol.)
ist ganz hd. — Bei der damaligen Katalogisierung fehlte die seit-
dem von Frensdorff ausführlich beschriebene wichtige Hs. der
Weseler Statuten und Plebisciten. Vgl. F. Frensdorff,
Dortmunder Statuten u. Urteile (Hans. Geschichtsqu. III), Halle
1882, S. 256 f. Aus ihr hatte früher schon A. Wolters in der
Zs. des Bergischen Greschichts Vereins Bd. 4 (1867) S. 45 — 83 die
Dortmunder Urteile an Wesel, die in 2 Recensionen wieder-
kehrenden nd. Ratmannenverse (vgl. oben S. 52) und einen
Teil der Weseler Stücke abdrucken lassen (vgl. Frensdorff a. a. 0.
S. 281). — Endlich ist noch eine junge Abschrift von Schürens
Clevischer Chronik vorhanden.
Wesel, Archiv der Evangelischen Gemeinde.
Fach 63 Nr. 2: Heft Pap. in kl. 8^ (15x10,5 cm), 16. Jahrb.
In Reste einer lat. Papierhs. geheftet und in ein Pergamentblatt
eingeschlagen.
Bl. 1' Titel: Van dat priesterdom en off er cristy Doctor
andries Carlßadt (der Name C.s war ursprünglich herausge-
schnitten und ist von späterer Hand nachgetragen). Anf. Bl. 2^:
(rot) Behenyffe des hermhertygen wylle gods, welken god vader doer
fynen foen ihefü crißü vorclaert heeft, ivefche ic alle heilige gods En
hy fonder v luyde vä orlemöde die daer godt vrefede fyt. (schwarz)
Groet en veel is gelege aen die Iceny/fe crißy, dat eene iveit of crip^
noch huyden ce offer fy etc. Schluß: Daeröme het fehler tyt wäre,
dat fy hB felue behenden en als honden (die die waerheit teghens ßaen)
vloede, Daer toe ivylfe godt helpen. AMEN.
Fach 63 Nr. 7: Diese Hs. war z. Zt. nicht aufzufinden. Sie
enthält nach Angabe des Katalogs: Van der heiigen eering, eine
Abhandlung von Bruder Berdrem (Berdrean?) Xanten aus dem
Predigerkloster in Wesel, Frau Billia v. d. Loe gewidmet 1. Ja-
nuar 1531.
Fach 65 Nr. 1: Sammelband des Beruh. Brantius, enthält
p. 511 eine Prophetia cuiusdarn Monachi ante anos 500 facta.
Als V met II Stylen iveert onderset
Vyf hoornchens met negen doorstreecJcsJcens net
Sal d^erfgenaem vanden drye padden met spoet
Dat Pausdom tverpen onder den voet.
198 ^' Borchling,
Xanten, Kathol. Pfarrarchiv.
Das Pfarrarchiv beherbergt die ßeste des früheren Stifts-
archivs von St. Victor. Die in dem hsl. Katalog verzeichneten
B2 Hss. schließen auch größere archivalische Manuscripte mit ein.
Ein Eepertorium der übrigen Archivalien, das v. Haften besorgt
hat, befindet sich mit diesen Archivalien als Depositum im Kgl.
Staatsarchive zu Düsseldorf, vgl. oben S. 83.
Nr. 9: Pap. in Folio, 15. Jahrh. In gepreßtem Lederbande
mit Holzdeckeln, die beiden Schließen verloren. Auf der Innen-
seite des Yorderdeckels : Liber mgri et dm Fhilippi fcJioen dodoris
jn medicinis et Canonici eccleße fancti Victoris Xandeü. Darunter:
Contenta in hoc volumine : Vocäbula — Synonima — Ditierfe orationes
rethorice — De nequicia et tfidelitate mulierü — Cd alijs ditierßs
fparßm per totü volumen änotatis.
1. ßl. 1—24 (dreispaltig): Lat.-nd. Vocabularius. Anf.:
Ablas abbat . Abbacia abdie. Abbatü Goren vat etc. Vor Bl. 1 ist
noch ein Blatt herausgerissen; falls es zum Vocabularius gehört
hat, wird es vielleicht eine Vorrede enthalten haben. Der Laut-
stand ist nfr., vgl. z. B. verdrieten, verwerpen^ eten, roepen, ivreet
{acerbus), ouerfpoelen (adulterari), golt, gülden. Schluß: Zi^aina on-
cruyt . Zona gordel . j^omdü dekene . zuckara zucker. Explicit didionari^.
2. Bl. 25 — 35: Lat.-nd. Synonyma. Anf.: Äbba Albas,
atis Pater, tris ^Fpagator, oris Genitor ^Pgenitor Parens, ntis .Ptho-
plaßi), ti a pm^ pens : vader etc. Angehängt ist ein zweites lat.-lat.
Synonymenverzeichnis, dem die nd. Wörter erst nachträglich hin-
zugesetzt worden sind. Schluß: Expliciüt Sinoia cicerols. Bl. 36
folgt ein Verzeichnis der lat. Wörter von Stück 2, Bl. 37 — 38
von etwas späterer Hand eins der deutschen Wörter.
3. BL 39—48: Italienisch-lat.-nd. Phrasen. Anf.: Dia
sia in noßro artorio. Got sy in vns Jmlpe. Bens nos adiuuet etc.
Der Anfang erinnert an die Sententiarum variationes des Stephanus
Fliscus, die sowohl lat.-ital. wie lat.-nd., aber nicht in allen drei
Sprachen zugleich häufiger gedruckt worden sind.
Der Rest der Hs. interessiert hier nicht weiter.
Herr Pfarrer Hacks in Xanten besitzt eine durch schöne Ini-
tialen mit Randleisten ausgezeichnete Pergamenths. in 4°, in altem
gepreßtem Lederbande. Sie enthält: 1) die mnld. Regel ons
heiligen gefontmakers vander oetmoedicheit . reynich* ende ar-
Mittelniederdeutsche Handschriften: Xanten. 199
moede; 2) die mnld. Sunte Äugußin<) regel. Der Salvatorregel
sind wie oben S. 29 in der Bonner Hs. die Zusätze des Priors
Peter angehängt.
Summarisches Verzeichnis
einiger nd. Hss. in niederrheinischen Ideineren Sammlungen.
Asperden b. Groch (Kr. Cleve), Kathol. Pfarre: Stadtrechte
von Cleve und Calcar, 15. Jh. 2. Hälfte. Annalen f. d.
Niederrh. Heft 8 (1860) S. 17—28, Giemen, Kunstdenkmäler der
Rheinprovinz I, lY, S. 11.
Calcar, Stadtarchiv: 1) Ohne Sign.: Sachs. Landrecht und
Richtsteig Landrechts. 64 Bl. Fol. Pap., um 1400.
2) 16. Jh. Stadtrecht (69p) Nr. 3. S. 1—45: Nd. Stadt-
recht von Calcar, in 159 Absätzen. Privilegien, S. 71 — 75:
Nd. Urteile der Stadt C. Annalen Heft 64 (1897) S. 146,
Clemen I, IV, S. 48.
Camp (Kr. Moers), Pfarrarchiv. Liher monast. Campensis. Pap.
in 40, von H. Keussen, Annalen Heft 20 (1869) S. 360 ff. be-
schrieben, S. 362 f. druckt er ein kurzes lat. -nd. Grlossar
daraus ab.
Dinslaken (Kr. Ruhrort), Kathol. Pfarramt: Liber conventus re-
gularissarum yn Dynslaycken etc., 15. Jh., am Anf. eine nd.
Chronik des Klosters. Clemen II, 2, S. 53.
Düren, Stadtarchiv: Das Rote Buch, nd. Spruch auf S. 19,
abgedr. Annalen Heft 64 (1897) S. 76.
Eppinghoven (Kr. Ruhr ort), Haus Wohnung, Freih. von Nagel-
Dornick: Perg., Ende 14. Jahrhs., Kleinfolio. Sachsenspiegel
in 344 Capiteln. Am Schluß : Hier beghint alle leenrecJit. Bilder
in Deckmalerei auf Goldgrund. Clemen II 2, S. 57.
Erkelenz, Rathaus: Hsl. geldrische Chronik und Stadt-
chronik von Erkelenz. Vgl. Gr. Eckertz, Fontes adhuc
inediti Rerum Rhenanarum, Bd. 1 (Köln 1864) S. 65 ff.; Li-
liencron Hist. Volkslieder, Bd. 2 (1866) Nr. 194.
ebend., Sanitätsrat Dr. Lukas: Liber juris patriae hoc est
continens jura civilia oppidi nostri de ErMens. 157 Bl. Pap. in
40, 16. Jahrb., nd. ? Tille, Die kleineren Archive II, S. 109.
Gereons weiler (Kr. Jülich), Pastor Küppers: Verschiedene
Gebet- u. Erbauungsbücher, Druck u. Hsl. Tille II 10.
Schloß Harff (Kr. Bergheim), Graf Mirbach: Sachsenspiegel
von 1295, älteste datierte Hs. des Werkes. Lorsch, Zs. f.
Rechtsgesch. Bd. 11 (1873) S. 267 ff.
200 C- Borchling,
Lüftelberg (Kr. Eheinbach), Archiv der Familie v. Jordan: Die
von Job. Franck Westd. Zs. Bd. 21 (1902) S. 284 ff. edierten
Fragmente der ndrh. Lüthilt.
Maastricht, Stadtbibl. : Pap. 4P, Anf. 15. Jahrb. Planeten-
sprache, Bauernregel, nd.-lat. Sprüchwörter. Vgl.
Mone, Quellen und Forschungen 1 (1830) S. 124 ff.; Jelling-
haus, Nd. Korrespondenzbl. 11 (1886) S. 67 f.
Rees, Stadtarchiv: Nr. 3 Bürgerbuch, Bl. 4"^— 7^: Stadtrecht
von Rees, noch nicht bei Liesegang, Westd. Zs. Ergänzungsb.
VI (Trier 1890) S. 88 ff. Annalen Heft 64 (1897) S. 203.
Nr. 6: 34 Bl. Perg. in 4^ 15. Jahrb.: Stadtrecht, bei
Liesegang a. a. 0. ausführlich beschrieben. Annalen a. a. 0.
Umschlag zu einer Acte von 1578: Bruchstück einer
nfr. Übersetzung des Tractatus de Regimine Principum
von Egidius Romanus, herausg. von A. Tille, Zs. f. d.
gesamte Staatswiss., 57. Jahrg. (1901) S. 484—496.
Früher Wachtendonk, Dr. Job. Mooren (jetzt wo?): Eine
mfr. Hs. von Arnt Buschmanns Mirakel, vgl. (xermania
Bd. 11 (1866) S. 412; Wagners Archiv Bd. 1 (1874) S. 652.
Waldfeucht (Kr. Heinsberg), Pastor W. Lückerath.
1. Eine dicke Handschrift nd. Heiligenleben, Fol., ca.
1500.
2. Geistliche Betrachtungen über das Leben
Mariae und Jesu, nd. 16^, ca. 1500, mit Initialen, in
Leder gebunden. Tille II 203.
Haus Wissen bei Weetze, Graf v. Loe: Sachsenspiegel.
(Mitteilung des Herrn Dr. Schölten, Cleve 1897.) — Ebendort
eine Hs. mit Maerlants Historie van Troyen in einer
ndrh. Umschrift, herausg. von J. Verdam, Groningen 1874;
vgl. Verdam, Tijdschrift Bd. 23 (1904) S. 157.
Nachtrag.
Cölner ndrh. Drucke in der Stadtbibliothek zu
Aachen (vgl. oben S. 9).
Nr. 41: Die Cronica van der hilliger Stat van Coellen.
Cöln, Johan Koelhoff [1499]. Vgl. Bericht HI, S. 184.
Nr. 163: Anseimus ho ich. Cöln, Servais Kruffter vp Mar-
cellenßraißen [ca. 1520], 4°. Bl. 1' Titel: SEnt Änfelmus j vrage eo
Marien,
Mittelniederdeutsche Handschriften: Nachtrag. 201
Nr. 19 3: Sent barharen paffie. [Cöln, Heinr. von Neuß
1513.] 10 Bl. 4^ Bl. 1 u. 10 fehlen, sonst aber identisch mit dem
bei Schade, Geistl. Gredichte des XIV. u. XV. Jahrhunderts vom
Niederrhein (Hannover 1854) S. 33 beschriebenen Druck Ä. Vgl.
Norrenberg, Kölnisches Literatnrleben (Viersen 1873) S. 10.
Nr. 200: üari dem begyn/gyn van pariß. CÖln [Hein-
rich von Neuß, ca. 1510]. 10 Bl. in 4<>, Bl. lO^ Gedruckt tso Coellen
vp dem Ey geißein ; Bl. 10^ : Buchdruckerzeichen des Heinr. v. Neuß.
Schade S. 335 ff. Norrenberg S. 24.
Nr. 403: Historie der 11000 Jungfrauen. Cöln [Jo-
hann V. Landen] 1517. 22 Bl. in 4^ Prosa. Bl. 1^ Titel: Dyt
iß die tuairhafftige ind ganUe hyßorie der hilligen / XI dufent Jon-
ffrauwen ind mertelerfche Als man die / hie tzo Coellen befchreue vyndt
Sonder veranderüge / Jte die andere fynt zo rymen gefetzt ind haynt
niet I die gantze ivairhafftige hyßorie als dyt hoich ic. Weiterhin :
gedrucJct so Coellen vp fent Gereoins ßraiß / in der Boeder portze im
jair vns here. M. ccccc. xvij. Vgl. Ennen XVIIl.
Nr. 430: St. Katharinen Passie. [Cöln, Heinrich von
Neuß, ca. 1513.] 12 Bl. in 4°, Bl. 1 (Titel u. V. 1—32) und Bl. 6
(V. 286—349) fehlen. Wohl mit einem der beiden von Schade
S. 103 ff. und 109 ff. (Norrenberg S. 12) beschriebenen Drucke
identisch.
Nr. 468: Set mar grate paffi. Cöln, Heinrich von Neuß
1513. 8 Bl. in 4^. Abweichend von Schades Exemplar 'S. 73. Zu-
sammengebunden mit Nr. 513.
Nr. 476: VAn Amt biifchman vn Henrich fym alden vader
dem Geyß etc. GedrucJct vp fent Marcellus ßraiffen. [Cöln, Servals
Kruffter, ca. 1520.] 4^; von Bl. 18 ab handschriftlich ergänzt.
Vgl. W. Seelmann, Nd. Jahrb. 6 (1880) S. 37 sub Q) und S. 38
Anm.*, wo vier andere Exemplare aufgezählt werden.
Nr. 513: Passio Christi. Cöln, Joh. Helmann, 1505. 4P,
Prosa. Bl. 1/2 fehlen. Weller, Repert. typograph. (Nördlingen
1864) Nr. 4072. Norrenberg S. 4. Angebunden an Nr. 468.
Nr. 632: Greschichte des Tundalus. Cöln, Heinrich v.
Neuß 1514. Anf. : Dyt boichelge faget vä eynre vertzucJcder feien eyns
Bytters Tundalus genant etc. Prosa. GedrucJct tzo Coellen vp dem
Eygelßein by myr HenricJi van Nuyß. Jn dem jair vns heren M. ccccc.
vnd xiiii. Nicht bei Goedeke I^, S. 373.
202 C- Borchling;
Verzeichnis der häufiger gebrauchten Abl(ürzungen
in den Literaturangaben.
Nd. Jahrb. = Jahrbuch des Vereins für Diederdeutsche Sprachforschung. Bremen,
später Norden u. Leipzig 1876 ff.
Korrespondenzbl. = Korrespondenzblatt desselben Vereins, Hamburg, später Norden
und Leipzig 1877 ff.
Goedeke = K. Goedeke, Grundriß der deutschen Dichtung, 2. Aufl., Bd. I u. IL
Dresden 1884 u. 1886.
Jellinghaus = Geschichte der mnd. Literatur, bearb. von J. , in Pauls Grundriß
der German. Philologie, 2. Aufl., Bd. II (Straßburg 1901).
Scheller = K. Scheller, Biicherkunde der Sassisch-Niederdeutschen Sprache. Braun-
schweig 1826.
Bericht I = C. Borchling, Mittelniederdeutsche Handschriften in Norddeutschland
und den Niederlanden. Erster Reisebericht. (Nachrichten der Kgl. Gesell-
schaft der Wiss. zu Göttingen. Geschäftliche Mitteilungen. 1898. Heft 2,
S. 79—316.)
Bericht II = C. Borchling, Mittelniederdeutsche Handschriften in Skandinavien,
Schleswig -Holstein, Mecklenburg und Vorpommern. Zweiter Reisebericht.
(Nachrichten von der Köuigl. Gesellschaft der Wiss. zu Göttingen. Philolog.-
historische Klasse. 1900. Beiheft.) Göttingen 1900.
Bericht III = C. Borchling, Mittelniederdeutsche Handschriften in Wolfenbüttel
und einigen benachbarten Bibliotheken. Dritter Reisebericht. (Nachrichten
von der Königl. Gesellschaft der Wiss. zu Göttingen. Philolog.-hist. Kl. 1902.
Beiheft.) Göttingen 1902.
Tille = Arm. Tille, Übersicht über die kleineren Archive der Rhein - Provinz,
Bd. 2 (Annalen des bist. Vereins f. d. Niederrhein, Beiheft V— VII. Köln 1901/4).
Potthast = A. Potthast, Bibliotheca historica medii aevi. Wegweiser durch die
Geschichtswerke des Europäischen Mittelalters. 2. Aufl. Berlin 1896.
Homeyer = Des Sachsenspiegels erster Theil, oder Das Sächsische Landrecht,
herausg. von C. G. Homeyer, 3. Ausg. Berlin 1861.
Homeyer Rechtsb. = C. G. Homeyer, Die deutschen Rechtsbücher des Mittelalters
und ihre Handschriften. Berlin 1856.
Homeyer Richtst. = Der Richtsteig Landrechts nebst Cautela und Premis, herausg.
von C. G. Homeyer. Berlin 1857.
Zs. = Zeitschrift für deutsches Altertum. Leipzig, später Berlin 1841 ff.
V. d. Hagens Germania = Neues Jahrbuch der Berlinischen Gesellschaft für deutsche
Sprache und Alterthumskunde, herausg. durch F. H. v. d. Hagen, Bd. 1—10.
Leipzig 1836—1853.
Mittelüiederdeutsche Handschriften: Verzeichnis der Abkürzungen. 203
Germania = Germania, Vierteljahrsschrift für deutsche Alterthumskuade, herausg.
von Fr. Pfeiffer. Stuttgart, später Wien 1856 ff.
Tijdschrift = Tijdschrift voor Nederlandsche Taal- en Letterkunde uitgegeven
vanwege de Maatschappij van Nederlandsche Letterkunde te Leiden. Leiden
1881 ff.
Pertz Archiv = Archiv der Gesellschaft für ältere deutsche Geschichtskunde.
Frankfurt 1820 ff.
Neues Archiv = Neues Archiv der Ges. f. alt. d. Gesch. Hanno \rer 1876 ff.
Westd. Zs. = Westdeutsche Zeitschrift für Geschichte und Kunst. Trier 1882 ff.
Emder Jb. = Jahrbuch der Gesellschaft f. bild. Kunst u. vaterländ. Altertümer
zu Emden. Emden 1872 ff.
Adrian = J. V. Adrian, Catalogus codicum manuscr. Bibliothecae Acad. Gissensis.
Francofurti ad M. 1840 ; Additamenta = die dazugehörigen Additamenta
von 1862,
Becker = Ad. Becker, Die deutschen Handschriften der Stadtbibliothek zu Trier
(Beschreibendes Verzeichnis der Hss. der Stadtbibl. zu Trier. Begründet von
Max Keuffer. Heft 7.) Trier 1911.
Brugmans = H. Brugmans, Catalogus codicum manu scriptorum universitatis Gro-
ninganae bibliotheca, Groningae 1898.
V. Heinemann = 0. v. Heinemano, Die Handschriften der Herzogl. Bibliothek zu
Wolfenbüttel. Erste Abt. : Die Helmstedter Hss., Bd. I— IIL Wolfenbüttel
1884—1888. — Zweite Abt. : Die Augusteischen Hss. , Bd. I— IV. Wolfenb.
1890—1900.
Ilgen = Th. llgen, Rheinisches Archiv. Wegweiser durch die für die Geschichte
des Mittel- und Niederrheins wichtigen Handschriften. L Teil: Der Nieder-
rhein (Westd. Zs. Ergänzungsheft II). Trier 1885.
Marx = J. Marx, Verzeichnis der Handschriften-Sammlung des Hospitals zu Cues.
Trier 1905.
Kat. Deventer = [J. C. van Slee,] Catalogus der Handschriften berustende op
de Athenaeum-Bibliothek te Deventer. Deventer 1892.
Staender = Jos. Staender, Chirographorum in regia bibl. Paulina Monasteriensi
Catalogus. Vratislaviae 1889.
Bodemann = Ed. Bodemann, Xylographische u. typographische Incunabeln der
Königl. öffentlichen Bibliothek zu Hannover. Hannover 1866.
CoUijn Ettbladstryk == Ettbladstryk frän femtonde ärhundradet, utgifna och be-
skrifna af Isak Collijn, T. 1 (Stockholm 1905), T. 2 (St. 1912). Mit Tafeln.
Collijn Frühdrucke = Is. Collijn, Lübecker Frühdrucke in der Stadtbibliothek zu
. Lübeck {= Sonderabdr. aus der Zeitschr. des Vereins f. Lübeckische Ge-
schichte u. Altert. Bd. IX Heft 2). Lübeck 1908. Mit Tafeln.
Collijn Uppsala = Is. Collijn, Katalog der Inkunabeln der Kgl. Universitäts-Biblio-
thek zu Uppsala. Upps. u. Leipzig 1907.
Copinger = W. A. Copinger, Supplement to Hain's Repertorium bibliographicum.
P. 1—2. London 1895—1902.
Ennen = L. Ennen, Katalog der Inkunabeln in der Stadtbibliothek zu Köln.
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Hain = L. Hain, Repertorium bibliographicum, Bd. 1—2. Tubingae 1826—1838.
204 C. Borchling,
Lange = H, 0. Lange, Bidrag til Lübecks Bogtrykkerhistorie i det femtende
Aarh. L II. Köbenhavn 1893—1895.
Suhl-Gesner = J. G. Gesner, Verzeichnis der vor 1500 gedrukten auf der öffent-
lichen Bibliothek zu Lübeck befindlichen Schriften . . . zum Drucke befördert
von Ludwig Suhl. Lübeck 1782. 4°. — J. G. Gesner, Verzeichniß der von
1500 — 1520 gedruckten auf der öffentlichen Bibliothek zu Lübeck befindlichen
Schriften . . . herausgegeben von Lud. Suhl. Lübeck 1783. 4°.
Voulliäme, Köln = E. Voulli^me, Der Buchdruck Kölns bis zum Ende des 15,
Jahrhs. (Publikationen der Gesellsch. f. Rheinische Geschichtskunde, Heft 24.)
Bonn 1903.
Voullieme, Berlin = E. VouUi^me, Die Inkunabeln der Kgl. Bibliothek und der
anderen Berliner Sammlungen. Ein Inventar. (Zentralblatt f. Bibliotheks-
wesen, Beiheft 30.) Leipzig 1906.
Voullieme, Bonn — E. Voullieme, Die Inkunabeln der Kgl. Univ. - Bibliothek zu
Bonn. (Centralbl. f. Bibliothekswesen, Beiheft 13.) Leipzig 1894.
Wiechmann = C. M. Wiechmann, Mecklenburgs altniedersächsische Literatur.
Bd. 1—3. Schwerin 1864—1885.
MüUenhoff-Scherer, Denkmäler = Denkmäler deutscher Poesie und Prosa aus dem
VIII.— XII. Jahrb. 3. Ausg. von E. Steinmeyer, Bd. 1. 2, Berlin 1892.
Liliencron = Die historischen Volkslieder der Deutschen vom 13. bis 16. Jahrb.,
gesammelt u. erläutert von Roch. v. Liliencron, Bd. 1 — 4. Leipzig 1865 — 1869.
Hölscher = Niederdeutsche geistliche Lieder und Sprüche aus dem Münsterlande,
herausg. von B. Hölscher. Berlin 1854.
Rimbökelin = Das niederdeutsche Reimbüchlein. Eine Spruchsammlung des 16.
Jahrb., herausg. von W. Seelmann. (= Drucke des Vereins f. nd. Sprach-
forschung II.) Norden u. Leipzig 1885.
Deutsche Mystiker = Deutsche Mystiker des 14. Jahrhunderts, herausg. von Fr.
Pfeiffer, Bd. 1-2. Leipzig 1845—1857.
Frensdorff = Ferd. Frensdorff, Dortmunder Statuten und ürtheile. (= Hansische
Geschichtsquellen, Bd. III.) Halle 1882.
Register I.
205
REGISTER ZU BERICHT I— IV.
Register i.
Verzeichnis der Orte, deren Hss. beschrieben ^) oder citiert werden.
Aachen IV 4. 5. — Stadtarchiv IV 6. —
Stadtbibl. IV 7—9. «^Oö/*. — Kirchen-
bibl. zu St. Peter IV 9.
Aalborg II 4.
Achim b. Bremen, Pfarrarchiv I 96j7.
Alkmaar I 239.
Alsleben, Dorf A. a. d. Saale, Kirchen-
bibl. III 3.
Altenbruch, Archiv des Landes Hadeln
Altmark I 190. III 2. [IV 5. 9.
Altona (Elbe), Bibl. des Kgl. Christia-
neums I 146/7.
Alvensleben, Graf, auf Erxleben III 3. 148.
Amerika I 314.
Amersfoort, Stadtarchiv I 239.
Amsterdam, K. Geselsch. van Weten-
schappen I 216. 345. — Univ. -Bibl.
I 122. 180. 241—245, 316.
St. Andrews, Prof. Dr. G. Schaaffs IV
5. 164.
Anhalt III 1. 3 f. 251 ff. — Fürstl. Pri-
vatbibliotheken III 3.
Anholt, Fürst Salm-Salm I 275.
Antwerpen, Stadtbibl. / 265. 270.
Arnhem, Staatsarchiv I 239.
Arnsberg, Reg.-Bez. III 1.
Aschaffenburg, Kgl. Hofbibl. IV 3. 4.
10-12.
Aschersleben, Kirchenbibl. St. Stephan!
III 2. — Ratsarchiv III 2.
Asperden b. Goch, Kath. Pfarre IV 199.
Assen (Prov. Drenthe), Staatsarchiv 1 239,
Aurich, Kgl. Staatsarchiv I 82. II 81.
— Bibl. der ostfr. Landstände I 82/3.
93. 216. 245. II 57. 82.
Ballenstedt, Schloß III 3.
Belgien I 80. 238 f. 265—274.
Bentheim, Fürstl. Archiv I 275.
Bergen II 3 mit N. 1. — Museum ebend.
Berklingen bei Schöppenstedt, Pfarrer
Diestelmann IV 5. 12—18.
Berlin, Kgl. Bibl. I 124. 127. 139. 169.
202. 284. 287. 297. 310. II 135. 138.
III 1. 178. 180. 189. 235. IV 52. 54.
93. 107; darin v. Arnswaldtsche Hss. I
106. 122. 124. 126. 180. 284. II 30.
III 45. IV 31. 85. 92. 98. 103. 122.
142. 178. 195. — Dr. Paul Kristeller
IV 5. 18 f.
Bielefeld IV 194.
Bolsward (Friesl.), Stadtarchiv I 239.
Bonn IV 4. — Kgl. Universitätsbibl. III
177. 189. IV 3. 19—28. — Kreisbibl.
IV 28 f. 199.
Brahe, Gräfl. B.sche Bibl. auf Skokloster
II 2. 122 f.
Brandenburg, Provinz III 1.
Braunschweig, Herzogtum III 1. — Stadt
III 4. 5. — Stadtbibl. u. Stadtarchiv
III 24. 35. 50. 54. 145. 180. 186. 195
^198.
Bremen I 90. — Staatsarchiv 1 95/6. 228.
— Stadtbibl. I 93—95. II 129. III
48. 65. 76. 78. 183. — Härtens I 196.
Bremen- Verden II 3.
Breslau III 1.- Stadtbibl. I 310. III 65.
Brügge, Stadtbibl. u. Archiv, Staatsarchiv
I 239.
Brüssel' I 80. — Kgl. (Burgund.) Bibl.
I 105. 118. 175. 202. 212. 239. 265—
274. IV 92. 103. — Herzog v. Aren-
berg II 136.
Burgsteinfurt, Fürstl. Bentheimsches Ar-
chiv I 275.
V. d. Buschesche Familienbibl. auf Hünne-
feld b. Osnabrück I 315.
Calbe a. d. Milde (Kr. Salzwedel), Kir-
chenbibl. I 191. — Superint. Müller
IV 5. 29 36.
Calcar/ Stadtarchiv IV 199.
Cambridge III 178. 187.
Camp (Kr. Moers), Pfarrarchiv IV 199.
1) Die in diesen Berichten näher beschriebenen Handschriftensammlungen
sind durch Cursiv-Ziffern hervorgehoben.
206
C. Borchling,
Carstorf (Unstrut) , Pastor A. Schmidt
Cassel III 1. [III 242.
Celle I 88.-Ministerialbibl. 1 I91.-B\h\.
des Kgl. Oberlandesgerichts I 118.
191—194. II 138. III 118. 236. IV
126.
Christiania, Univ.-Bibl. II 3. 142.
Cleve IV 4.-Gymn.-Bibl. JF57.-Land-
gerichtsbibl. IV 37. — Stadtarchiv IV
36 f. — Stadtbibl. IV 38 f. — Stiftsbibl.
IV 39.
Coesfeld I 275.
Coblenz IV 3. 4. — Evang. Rhein. Pro-
vinzialkirchenarchiv IV 44. — Staats-
archiv IV 3 ; darin Depositum des Kgl.
Augusta- Gymnasiums I 212. IV 3.
29. 38-44. 128. — Stadtbibl. IV 3.
Cüln, Histor. Archiv I 80. 246. IV 2.
4. 112. — Stadtbibl. III 179. 189.
Cöthen, Schloßbibl. III 3.
Courtrai I 239.
Cramer, Canzleidirektor in Wolfenbüttel
III 191.
Cues, Hospital IV 1. 2. 3. 4.
Dänemark I 80. 137. II 3 f. 7—107.
Danzig I 270.
Darfeld, Schloß, Graf Droste-Vischering
I 275.
Darmstadt, Bibl. I 80. IV 2. 4. 44. 162.
Dessau III 3.-Behördenbibl. III 3. 178.
184. 189. 261—263. — Herzogl. Privat-
bibl. III 3. 252—261; darin Fürst
Georgs-Bibl. III 3. 19. 23. 25. 26. 27.
29. 36. 43. 47. 73 213. 252-261.
Deutsch - Nienhof (Kr. Rendsburg), von
Hedemann II 5 f. 163-171. HI 12 f.
119.
Deventer, Stadtbibl. I 239. 243. IV 142.
— Stadtarchiv I 239.
Diestelmann, Pfarrer in Berklingen IV
5. 12-18.
Dinslaken, Stadtarchiv IV 81 f.— Ksiihol.
Pfarramt IV 199.
Dithmarschen II 5.
Dresden, Kgl. Bibl. III 180. 187. 215.
Droste-Vischering, Graf Klemens, auf
Darfeld I 275.
Dülmen I 275.
Düren IV 4. — Stadtarchiv IV 199.
Düsseldorf IV 2. 4. 5. — Landes- und
Stadtbibl. 1 287. III 169. IV 2. 5.
84—115. — Kgl. Staatsarchiv IV 2.
36. 44—84. 116. 118. 196; darin De-
positum der Stadt Dinslaken 81 f.,
der Stadt Emmerich 82 f., des Cano-
nichen-Stifts zu Xanten 85, der Stadt
Wesel 83 f. 196.
Ebstorf, Klosterbibl. I 98. 100. 127. 177
—183. II 26. 82. 179. III 34. 44.
85. 100. 182. 189. 212. 214. 224. 227.
IV 104.
Eibmarschen, Holst. II 5.
Emden, Bibl. der Gesellsch. f. bild. Kunst
und vaterl. Altert I 83. 108. II 82.
III 18. 37. 44. 49. 56. 57. — Bibl. der
Großen Kirche / 83/4. 118. — Ratsar-
chiv I 82. 84. 315.
Emmerich IV 4. — Pfarrarchiv von St.
Martini IV 115. — Ratssaal IV 116.
Sammlung Ferd. van Rossum IV 116.
— Stadtarchiv IV 82 f. 116.
England IV 118.
Eppiugboven (Kr. Ruhrort), Haus Woh-
nung, Freih. v. Nagel-Dornick IV 199.
Erfurt I 212.
Erkelenz, Ratsarchiv IV 199. -Sanitäts-
rat Dr. Lukas IV 199.
Erxleben, Graf v. Alvensleben III 3. 148.
Esterhäzy, Graf, in Nordkirchen I 301.
Eutin II 5.
Flensburg, Gymnasialbibl. II 5. 152 —
162. III 50. 95.-Kirchenbibl. St. Ni-
colai II 5. - Kunstgewerbe-Museum IV
25.
Frankfurt a. M. IV 4. 5. — Stadtbibl. IV
116—120. — Völker IV 5. 121—124.
Fridericiana, Bibliotheca IV 10.
Fulda IV 4. — Kgl. Landesbibl. IV 124
—126.
Fürstenwalde I 202. III 47.
Gaesdonk (Kloster) b. Goch, Bibl. des
Bischöfl. Münsterschen Gymnasiums
IV 3. 4. 40. 91. 126-131.
St. Gallen I 173.
Gent, Staats- u. Stadtarchiv I 239. -Uni-
versitätsbibl. I 239.
Gereons weiler (Kr. Jülich), Pastor Küp-
pers IV 199.
Gießen, Großherz. Universitätsbibl. IV 3.
4. 34. 132—142.
Goch IV 4.
Görlitz I 212.
Goslar III 2. —Stadtarchiv III 187. 219
—222. — Marktkirche III 189. 219
N. 1. 222.
Gotha, Herzogl. Bibl. I 89. 105. 143.
II 51 f. 110. 119.
Gotenburg II 2.
Göttingen, Universitätsbibl. I 84. 123.
124. 138. 147. 148. 171. 175. 190. 198.
202. 208. 214. 215. 221. 223. 228 235.
261. 268. 308 H 31. 59. 83. 121. 123.
135. 138. 150. 154. 158. 166. 167. HI
13. 178. 180-182. 185—189. 191. 209.
215. 236. — Stadtarchiv I 118. —
Prof. Pannenborg H 82.
Göttweih H 37. IV 150.
Gouda I 239.
Greifswald II 5. — Nicolaikirche II 5.
195-iö8. — Univ.-Bibl. 1 306. II 80.
193—195 — Prof. Dr. A. Reifferscheid
II 138. 198.
Register I.
207
Groningen, Staatsarchiv I 239. Univer-
sitätsbibl. I 239. 316. II 57. G5. 82.
IV 27. 131.
Groß-Salze, Kirchenbibl. III 3.
Grote, Reichsfreiherr auf Schauen III 2.
V. Grubensche Bibl. (in Osnabrück?) I
308.
Haag, Kgl. Bibl. I 80. 94. 98. 105. 109.
118. 122. 180. 206. 239. 248—364.
284. 311. 316. II 20. 21. 121. 175.
III 237. 248. — Reichsarchiv I 264.
IV 38. — Stadtarchiv, Museum Meer-
manno-Westreenianum I 264.
Haag, Schloß bei Geldern, Gräfl. Hoens-
. broechsches Archiv IV 142 f.
Haarlem, Staatsarchiv, Stadtarchiv, Stadt-
bibl. I 239.
Halberstadt, Kreis III 2. — Stadt III 2.
— Domgymnasium III 106. 238 f. —
Stadtbibl. III 31. 239 f. — Heinesche
Familienbibl. III 2. 240 f. — Oberhof-
prediger D. Augustin III 251. — Wilh.
Schatz III 251. — Gvmnasialdirektor
G. Schmidt HI 241.
Hamburg, Stadtbibliothek I 80. 84. 90.
94. 97—145. 167. 168. 196. 205. 258.
270. 281. 315 f. II 31. 38. 84. 96.
110. 120. 121. 138. 148. III 34. 37.
49. 52. 55. 56. 98. 178—180. 182. 187.
227.237. IV 52. 183. 186; darin Hss.
des Convents I 9L 97-111. 167. 205.
258, 315 f.; Pastor Dr. Kunhardt I
104. 111—115; St. Petri-Kirchenbibl.
/ 133/4. 168. — St. Catharinenkir-
cheubibl. I 145. — Commerzbibl. /
145 f. II 73. 74. — Staatsarchiv / 146.
II 73. III 235. — Theobaldstiftung
III 205.
Hannover, Provinz I 80. 82 ff. — Stadt
I 229 232. — Hist. Verein f. Nieder-
sachsen I 138. 195. 22-'). 225—227. II
83. — Kestner-Museum I 209. 224/5.
— Kgl. u. Landes-Bibl. I 82. 92—94.
99. 100. 102. 108. 117. 122. 134. 137.
138. 139. 148. 149. 151. 157. 168. 169.
173. 176. 190. 195—223. 225. 229. 230.
233. 234. 245. 257. 296. 297. II 45.
67. 82. 83. 84. 96. III 15. 37. 100.
101. 146. 168. 178f. 187. 189. 202.236.
— Privatbesitz I 196. 111 76. — Kgl.
Staatsarchiv I 90. 92. 95. 138. 139.
194 f. 226. 227—235. 303. II 87. 151.
III 123. 128. 200. — Stadtarchiv I
151. 195. 221. 235 6. — Stadtbibl. I
159. 223/4. III 180.
Harrassowitz, 0. in Leipzig I 122.
Harif, Schloß (Kr. Bergheim), Graf von
Mirbach IV 199
van Hasselt, Archivar in Zwolle I 240 f.
V. Hedemannsches öff. Archiv auf Deutsch-
Nienhof II 5 f. 163—171. HI 12 f. 119.
Heidelberg, Univ.-Bibl. III 118.
Heinesche Familienbibl. in Halberstadt
III 2. 240 f.
Helmstedt III 4 (vgl. Wolfenbüttel, Her-
zogl. Bibl.). — Juleum III 5. 178. 215.
236. — Stadtarchiv III 5.
Herzogenrath (Kr. Aachen-Land) IV 9.
Hildesheim, Reg -Bez. III 1. — Stadt III
5. — Beverina (Dombibl.) I 310. III
5. 11. 26. 29. 44. 46. 57. 65. 77. 106.
178. 187. 209—215. IV 91. 184. —
Josephinum I 109. 196. II 144. III
5. 43. 76. 179—183. 186. 187. 189.
209. 215—218. IV 14. — Museums-
verein III 6. 62. 179. 182. 198. 200
—209. — Priesterseminar III 177.
189. 218 f. — Ratsarchiv I 212. III
5. 124. 198—209. IV 11. — Stadt-
bibl. III 198 f. — Bischof Wedekind (f)
I 309.
Hoensbroech, Graf, auf Schi. Haag IV
142 f.
Holland s. Niederlande.
Hünnefeld, v. d. Busche I 315.
Jever I 88. 90. — Bibl. des Mariengymn.
I 91/2. — Bibl. des Jeverländ. Vereins
für Altertumskunde I 9213. — Stadt-
archiv I 93.
V. Jordan auf Lüftelberg IV 200.
Jostes, Prof. Dr. F., in Münster I 293.
Jütland II 4.
Kiel II 5. — Stadtarchiv II 89. 148. —
Univ.-Bibl. I 139. 171. 234. II 37. 62.
86—89. 91. 93—96. 143—148. 149.
202; darin die Bordesholmer Manu-
scripte II 143—146.
Knyphausen, Fürst, auf Lütetsburg 182.
Königsberg I 118.
Kopenhagen II 3 f. 6. 7—107. — Große
Kgl. Bibliothek I 134. 136—139 143.
196. 228 [vgl. dazu II 71]. 255. 262.
306. II 3 f. 7—100 [dazu Register S.
203/4]. 120. 121. 133. 134. 136. 145—
146. 148. 164. 169. 174. 179. 189. 201.
III 56. 100. 120. 178. 180. 185—187.
193. 215. 235—237. IV 17. 140. 142.
183. — Univ.-Bibl. I 159 N. 2. II 4.
67. 100—107. III 120; darin Arna-
magn. Hss. I 106. II 4. 64. 74. 96.
97. 100-106. — Reichsarchiv II 4.
Kristeller, Dr. P. in Berlin IV 5. 18 f.
Küppers, P. in Gereonsweiler IV 199.
Langenhorst, Kloster III 153 N. 1.
Ledreborg Schi. (Seeland), Graf Holstein
II 89. 201 f.
Leeuwarden, Friesch Genootschap I 239.
— Provinzialbibl. 1 239. — Provinzial-
archiv I 242.
Leiden, Maatschappij der Ned. Letterk,
1 118. 123. 243. 245—247. IV 98. —
Univ.-Bibl. / 247 f. — Bibl Thysiana,
208
C. Borchling,
Remonstranten-Seminar, Stadtarchiv I
248.
Leipzig III 1. — Paulina I 208 f.
Linköping, Gymnasii- u. Stiftsbibl. II 2.
120. 137—142. III 179. 215.
Loccum, Klosterbibl. I 183—190.
V. Loe, Graf, auf Wissen IV 200.
London, British Museum I 120. II 121.
III 178—181. 186—188. 235. 236.
Löwen, Stadtarchiv, Univ.-Bibl. I 239.
Lübeck II 5. — Stadtbibl. I 270. II 79.
120. 121. 135. III 78. 178. 179. 181.
184. 191. 215. IV 172. — Verein f.
lüb. Geschichte I 155. 234.
Lückerath, Pastor in Waldfeucht IV 200.
Lüftelberg (Kr. Rheinbach), Familie von
Jordan IV 200.
Lukas, Dr. in Erkelenz IV 199.
Lund, Univ.-Bibl. II 1. 2. 137.
Lüneburg, Museums - Verein I 177. —
Stadtbibl. I 80. 108. 134. 137. 138.
140. 147—176. 221. 236. 298. II 33.
67. 84. 101. III 82. 100. — Stadt-
archiv 1 17617, 220 f. 231.
Lütetsburg, Schloß b. Norden (Ostfriesl.),
Archiv des Fürsten Knyphausen I 82.
Lüttich, Staatsarchiv, Univ.-Bibl. I 239.
Luxemburg, Stadtbibl. IV 4. 143.
Luzern I 118.
Maastricht, Stadtbibl. IV 200.
Magdeburg, Reg. -Bez. III 1. 2. 3. —
Stadt III 2. — Domgymnasium III
2. 25. 249. — Geschichtsverein III 3.
— Gymnasium z. Kloster III 3. —
Staatsarchiv III 3. 250 f. — Stadtbibl.
I 118. 139. III 2 f. 249 f.
Mainz IV 3. 4. 5. 10. — Dombibl. IV
10. 144. — Stadtbibl. IV 144 f.
Marburg, Univ.-Bibl. II 13. 173. lU 227.
Martens in Bremen I 196.
Mecheln I 239.
Mecklenburg II 1. 5. 170if.
Meiuingen III 180.
Meldorf, Museumsverein II 5. 96. 151.
Middelburg I 239.
Milchsack, Professor Dr. G. , Wolfen-
büttel III 5. 24. 35. 46. 85. 190 f.
Minden, Reg.-Bez. III 1.
Mirbach, Graf, auf Harflf IV 199.
Mitteldeutschland III 1.
Mittel rhein I 80.
Mooren, Dr. Joh. in Wachtendonk IV
200.
von zur Mühlen, Freih., auf Offer I 180.
198—201.
Müller, Superint. in Calbe IV 5. 29—36.
Müller-Brauel, H. in Zeven I 236—238.
München I 89. IV 43 f.
Münster, Stadt I 94. 275. — Paulin. Bibl.
I 140. 275—283. 287. 308. 316. II 101.
138. 154. 176. III 46. 85. IV 27. 43.
85. 86. — Priesterseminar I 105. 264.
283—285. — Westfäl. Provinzialverein
für Wiss. u. Kunst I 293. — Staats-
archiv I 216. 293—297. IV 118. —
Stadtarchiv I 175. 297 f. — Verein f.
Gesch. und Altert. Westf. I 196. 231.
284. 285—293. — Jostes I 293.
Münsterland I 80. 274—301.
V. Nagel-Dornick, Freih., in Eppinghoven
IV 199.
Niederlande I 80. 238-274.
Niederrhein I 80. — Kleinere Samm-
lungen am N. IV 4. 199 f.
Nordharz III 1.
Nordkirchen (Kr. Lüdinghausen), Gräfl,
Esterhäzysche Bibl. I 301.
Norwegen I 80. 137. II 3. 4.
Nürnberg, Germ. Nationalmuseum II 140.
IV 3—5. 145—164. — Stadtbibl. IV 4.
— Bibl. Ebner IV 161 f.
Nymwegen, Stadtarchiv I 239.
Odense II 4.
Offer, Haus 0. sive Ruhr (Kr. Münster),
von zur Mühlen I 180. 298—301.
Oldenburg, Großherzogtum I 80. — Groß-
herz, öfl'. Bibl. / 84—88. 89. 92. 94.
100. 102. 116. 180. 315. II. 27. 37.
47. 65. 129. 168. III 38. 119. 222.
— Großherz. Privatbibliothek / 88. —
Großherz. Haus- und Centralarchiv /
88—91. 92. 202. II 37. 169. III 47.
Oschersleben, Ratsarchiv III 3.
Osnabrück I 274 f. — Bischöfl. General-
vikariat / 314. — Gymn. Carolinum
I 293. 307—309. — Privatbesitz I
314 f. III 101. — Privatbibliothek des
Bischofs I 127. 304. — Ratsarchiv I
313 f. — Ratsgymn. I 99. 251. 280.
309—312. II 129. III 65. — Staats-
archiv I 118. 231. 301—307. lU 130.
212. — Verein f. Gesch. u. Landesk.
I 94. 312 f.
Ostdeutschland III 1.
Ostfriesland I 82—84.
Oxford III 187.
Paderborn IV 54.
Paris IV 106.
St. Petersburg, Samml. Romanzoff I 92.
Pommern III 1.
Prag I 122.
Preetz, Kloster II 5.
Quedlinburg, Kgl. Gymnasium IH 2. 26.
27. 36. 44. 57. 62. 106. 242—249, —
Ratsbibl. m 242.
Rees, Stadtarchiv IV 200.
Reifterscheid, Prof. Dr. A., Greifswald
II 138. 198.
Reval I 228.
Rheinische Bibliotheken u. Archive I 80.
275. m 1. IV Iff.
Ribnitz, Kloster II 80.
Register I.
209
Ribe U 4. 5.
Riga, Ratsarchiv III 123.
Roeskilde II 4,
Rostock, Gymnasialbibl. JI 191. — Rats-
archiv II 190 f. — Univ.-Bibl. I 271.
II 5. 28. 37. 133. 138. 170—190. 199.
III 9. 69. IV 15.
Rotterdam, Stadtarchiv I 239.
Ruhr s. Offer.
Salm-Salm, Fürst, auf Anholt I 275.
Salzwedel, Gymnasialbibl. / 190/1. —
Bibl. der Katharinenkirche / 191. II
129. III 48.
Schaaffs, Prof. Dr. G., in St. Andrews
IV 5 164.
Schauen (Kr. Halberstadt), Reichsfreiherr
Grote III 2.
Schleswig, Staatsarch. I 235. II 5. 96.
148—151. IV 25.
Schleswig - Holstein U 1. 4—6. 143 ff.
— Adlige Archive II 5 f. — Klöster
H 5.
Schmidt, A., Pastor zuCarsdorf III 242.
Schmidt, G., Gymnasialdirektorin Halber-
stadt in 241.
Schweden l SO. ü 1—3. 6. 108—142.
— Südschweden II 1. 4.
Schwerin, Reg.-Bibl. II 80. 186. 198—
200. III 152. — Geh. u. Hauptarchiv
II 187. 189. 200f.
Skandinavien I 80. // Iff.
Skara II 2.
Skokloster, Gräfl. Brahesche Bibl. H 2.
122 f.
Soest, Stadtbibl. I 268. IV 76. 142.
Stade I 228. — Magistratsarchiv / 147.
— Knochenhaueramts-Lade I 147.
Stammheim, Gräfl. Fürstenberg. Bibl. IV
118.
Stargard, Gymn.-Bibl. III 29.
Stockholm II 1. 2. — Reichsarchiv II 2.
121—123. — Kgl. Bibl. I 137. II 1.
2. 85. 108—121. 127. 141. III 179.
181.
Stralsund, Ratsbibl. I 315. II 5. 57.
191—193.
Strängnäs II 2.
Straßburg IV 169.
Stuttgart, Kgl. Bibl. I 124. 281. II 136.
IV 98.
Süddeutsche Hauptstädte III 1.
Tournai I 239.
Trier IV 2 f. 4. 5. 98. — Dombibl. U
128. IV 3. 103. 182— 196. — Vriester-
seminar IV 196. — Hist. Archiv der
Stadt IV 165. 182. — Stadtbibl. I
169. IV 1. 153. 164—182.
Upsala, Univ.-Bibl. II 1. 37. 42. 119. 121.
123-137. HI 50. 65. 123. 161. 178.
IV 184. 196.
Utrecht I 239. — Histor. Genootschap I
241. — Staatsarchiv I 241. — Univ.-
Bibl. I 102. 241. n 155.
Verden / 96.
Viborg II 4.
Vinnenberg, Kloster (Westf.) IV 86.
Völcker, K. I^h., in Frankfurt a. M. IV
5. 121—124.
Vorpommern H 1. 3. 5. 191 ff\
Wachtendonk, Dr. Job. Mooren IV 200.
Waldfeucht (Kr. Heinsberg) IV 9. —
Pastor W. Lückerath IV 200.
Warendorf I 275.
Weimar I 118.
Werden, Kathol. Pfarre II 13. 30. III
38. 227.
Wernigerode, Fürstl. Bibl. I 105. H 138.
172. III 2. 29. 46 119. 180. 181. 186.
215. 222—238. — Fürstl. Gymn. III
238.
Wesel, Archiv der Evang. Gemeinde IV
197. — Gymnasialbibl. I 116. IV 52.
196 f. — Stadtarchiv IV 83 f.
Westeräs II 2.
Westfalen I 80. 274 ff. III 1. IV 1.
Wexiö II 1,
Wien III 1. — Hofbibl. I 169. H 168.
IV 75. — Gilhofer und Ranschburg
H 12.
Wiesbaden IV 4. — Landesbibl. IV 2. 3.
Wisby II 2.
Wismar II 3. 5.
Wissen, Haus W. b. Weetze, Graf v. Loe
IV 200.
Wittenberg, Kgl. Prediger-Seminar III 3.
Wohnung, Haus, s. Eppinghoven.
Wolfenbüttel, Herzogl. Bibl. I 86. 89.
98. 102. 104. 108. 109. 114. 122. 124.
127. 138. 164. 167. 169. 171. 173. 201.
202. 207. 209. 216. 221. 225. 231. 232.
234. 261. 271. 291. 304. H 13. 27.
28. 37. 67. 105. 115. 120. 121. 128.
129. 135. 136. 168. 174. 176. 177. 179.
199. III 1. 4-7. 8—190. 196. 197.
201. 208. 209. 212. 213. 241. 245. IV
13. 20. 26. 27. 36. 98. 107. 140. 142.
184. 196. Ilelmstedter Hss. III 4. 6.
8. 9—94. Augusteische Hss. III 4. 6.
8 f. 94—112. Weißenburger Hss. III
8. 112. Gudiani III 8. 112—114.
Blankenburger Hss. HI 8 f. 114—121.
Extravaganten III 8 f. 121—135. Novi
III 8 f. 135—171. Mischbände III 5.
171—177. Incunabeln III 5. 9. 177—
190. — Herzogl. Ijandes-Haupt-Archiv
1 153. III 5. 100. 191—195. —Herzogl.
Predigerseminar III 186. — Canzlei-
direktor Gramer III 191. — Prof. Dr.
Milchsack III 5. 24. 35. 46. 85. 190 f.
Xanten, Pfarrarchiv (Canonichen-Stift St.
Victor) IV 4. 83. 198. — Pfarrer Hacks
198 f.
Kgl. Ges. d. Wiss. Nachrichten. Philolog.-histor Klasse. 1913. Beiheft. 14
210
C. Bor|chling\
Ypern, Stadtarchiv u. Bibl. I 239.
Zerbst, Anhalt. Haus- und Staatsarchiv
III 3. 251 f. — Stadtarchiv III 251.
Zeven, Sammlung Hans Müller-Brauel I
236—238.
Zürich, Wasserkirchenbibl. I 132.
Zutphen, Librije I 239.
Zwolle, Emanuels-huizen I 122. 239 f. —
Stadtarchiv / 240. — Dr. van Hasselt
I 240 f.
Register II.
Vorbesitzer (Einzelpersonen und Sammlungen).
A. 0. III 213.
Aachen, Franciskanerkloster IV G. —
Stadtbibl. IV 6. — Ritz IV 63. 65. —
Dr. Wings IV 6.
Kl. Abbenrode b. Vienenburg III 111.
Kl. Abdinghof IV 3.
Adolf, Herzog zu Schleswig - Holstein
(Gottorp) I 134.
Aghate van Bulaw III 174.
Agneischen van Oldendorp in Kl. Camp
I 268.
van Aken I 301.
Albert v. Fechghelde III 150. — v. d.
Möhlen I 155.
Albertus de Loppenstede I 192.
Alf, Samuel H 137.
Alisleger, Henrick, Burger toe Wesel IV
53.
Altkloster II 8.
Kl. Alvastra H 122.
Ammelya, Herzogin zu Cleve IV 118.
Amsterdam, Augustiuerinnen in Sunte
Marienfelde in die Nesse II 49. — St.
Cecilienkloster III 104. — St. Maria
Magdalenen III 238. — Stadtbibl. I
241 f. ; s. Moll. Muller.
Anderson, Dr. D. III 231.
Andreas Iserdes in Emmerich IV 69. —
Stackmann II 136.
V. Anevelde, Detleff III 114.
Angelmodde, M. Klüter in A. I 289.
V. Angermont, Mechtelt u. Gertruydt III
237.
Angnete Rygemeygers I 99.
Anna van Berdelo II 34. — Garloph II
186. — Kramers II 40. — Steynß III
56.
Anton Günther, Graf v. Oldenburg I 91.
Antonij, Job. (Hamburg) IV 25.
Apfel, Propst III 148.
Ar. in Niendorp IV 185.
Arend Bengtsson II 109.
Arnhem, St. Agnietenkloster 1 299. IV
127. 128. — Susteren tot her Otteu
huus I 299.
Arnoldus Doneldey in Bremen I 235.
Arnsberg IV 112.
V. Arnswaldt s. Register I: Berlin, Kgl.
Bibl.
Amt Brun I 100.
Aslovius, Nicolaus Andreae und Thomas
Nicolai II 42.
Asslep, Katherina Ilauemesters I 198.
Atenstedt, Georgius Balthasar II 141.
Augustin II 94.
Augustin, D., Oberdomprediger in Halber-
stadt III 251.
Augustinus v. Getelen I 159 ff.
Aurich, Ottho de Wendt III 233.
Autor V. Seesen III 172.
Bachmann, Prof. L. H 191.
Bahlmann, Domvicar A. I 287.
Bardowiek I 203.
Baudisiana, Bibl. III 125.
V. Bei. (?) , Mathil. I 267.
Bengtsson, Arend 11 109.
Beninga, Eggerik IV 21.
Kl. Bentlaghe I 85. 277 f.
Benzelius, Eric d. Ä. U 137. 139. 141.
IV 134. — der Jung. U 138.
V. Berdelo, Anna II 34.
Berentz, Heiur. III 233.
V. Berkentin, Christ. Aug. II 34.
Berlage I 303.
Berlin, Geh. Staatsarchiv IV 90.
Bernhard Brantius IV 197.
Bernardus ab Horst IV 69.
Bernburg, Bibl. des Appellationsgerichts
III 252. — Fürstl. Landesbibl. IH
261. 262. — Bibl. der Deutschen Ge-
sellschaft III 261.
Kl. Bersenbrück I 304.
V. Berthensleue, Katberine III 175.
Bielke, C. G., in Stockholm II 122.
van den byn . . ., Hilgen IV 149.
Bleßen, Hille U 81.
Blohm in Neversdorp II 94.
Kl. Blomenthael I 300.
Boecking IV 28.
Boeckseun, Hanneke III 120.
Boeckeman, Palme III 126.
Kl. Boedeken I 278. IV 120.
Böhmer, J. F., in Frankfurt IV 117.
Boenacker, suster Elff 111 104.
Bonn, Prof. K rafft II 198.
KI. Bordesholm II 62. 143—146.
KI. Borgluni H 109 f.
Bosman, Paulus IV 126.
Register U.
211
Bouchholtz, E. F., Hofrat II 200.
Brackel TV 3. 184-186.
ten Brayle, Elzebe III 35.
Brandes, C. L. III 201.
Brant Tzerstede III 227 N. 1.
Brantius, Hernh. IV 197.
Brauer, Michael, in Riga II 131.
Brauns, M. Henning I 198.
Braunsberg, Coli. Soc. Jesu H 135.
Braunschweig, Herzogl. Haus III 114.
116. 117. 121. 126. 127. 135. 187 f. —
Stadt I 184. — St.Blasien HI 167.—
St. Egidieukloster I 224. — Land-
schaftl. Bibl. III 135. 145. 146. 149.
197. — Geistl. Ministerium III 195. —
Nonnenkloster III 163. — Partz III
196. — Rat der Stadt III 121 . — Rem-
borch Crige III 161. — Wilmerding I
225. HI 190. 197.
Bredeloe(n), Arnold, in Bremen III 115.
Breyde, Joachim II 22.
Breyger, Didericus I 193.
Bremen III 126. — Arn. Bredeloe(n) III
115. — Arnoldus Honeldey I 235.
Brentano, Clemens I 123.
Bromse, Margarete II 170.
Brun, Arnt 1 100.
Brunsenn, Matthiaß IV 9.
Bydelsbach, Hobla Albrektsdotter H 109.
Büderich, Kloster b. Wesel IV 60.
V. Bulaw, Aghate III 174.
de Bulow, Hartwicus III 231.
Büntheim, Job. I 315.
Kl. Bursfelde II 173.
Busch, P., in Hildesheim I 226.
CR ex Medinck III 205.
Calcar III 95. IV 64."
Kl. Camp (Kr. Moers) IV 199. — Ag-
neischen v. Oldendorp I 268.
vam Campe, Otte I 107.
Cappius, Joannes III 205.
Carl Wilhelm Ferdinand, Herzog von
Braunschweig III 187 f.
Carolus, J. I 271.
Casper, Mester Cs. frouwe I 117.
De Castro, Jo. Ant. I 267.
Celle IV 120. -- Altes Archiv I 227.
228—230. 232 — 234. — Plesken H
39.
Christian Ernst, Graf zu Stolberg III
223. 227. 234. 237.
Cyllie van Stijten II 171.
Kl. Cismar H 11.
Clawes Kran(e)bergk in Hamburg H 50.
— Stoteroggen HI 193.
Cleve, Herzogl. Haus III 207 f. IV 118.
— Herzogl. Kanzlei IV 37. — Kgl.
Regierung IV 51. — Stadt IV 36. —
Junik IV 66.
Closse, Adolph, Cleuisch. Secretär IV 69.
Coblenz, Carthäuser I 129. — Domini-
canerkloster IV 40. — Jesuitenbibl.
IV 42.
V. Collen, Daniel, in Lüneburg II 69.
Cöln III 103. — Carthause El 138. —
IV 134. — Fedder III 233. — Herren-
leichnamskloster IV 117. — St. Pan-
taleon IV 44. — Familie Rynck III
232.
Cornelis, Duif H 137.
Coerneles dochter, Grefgen I 299.
Cramer II 146. — Canzleidirektor in
Wolfenbüttel HI 191. 212.
Crato, Vicarius eccl. Gerysheymensis IV
110.
Crige, Remborch III 161.
Cropp, Jürgen Schrader III 114.
Culemann, Senator F. G. H. (Hannover)
I 224. 225. III 179.
Dahlenburg b. Lüneburg, Pastorat III
154.
Kl. Dalheim bei Paderborn IV 3. 192.
193.
Dänemark, Kgl. Haus II 44.
Daniel Schonk II 39.
Danneskjold-Samsöe, Graf Christian II 17,
V. Dassel, Familie I 225. [106.
Dassels, Ghesken H 39.
Dauensberch, Joh. I 293.
Dedeleben, Pastor Niemeyer III 251.
Delitz, Zahn III 180.
Delstedt, Haltorf H 151.
Demker, Hinnerich 1 171.
Derick uanden Sande I 247.
Kl. Derneburg III 206. 223. — suster
Fiken HI 223.
Detleif van Anevelde in Gottorp III 114.
Didericus Breyger I 193.
Diest, Kl. Marienthal II 194 N. 1.
Dietrich v. Hetterscheyt IV 99.
Dillenburg, Bibl. der Oranier 1 248. 249.
253. 254. 264.
Dincklage I 303.
Dinslaken, Regularissenkloster IV 199.
Dingel d'Elbing, Johannes II 123.
Ditmar Kenkel I 95.
Dominicus Dreuot III 116.
Doneldey, Arnoldus I 235.
Dordrecht, J. Scheuten I 242.
V. Dorth, Ant., zu Wesel IV 45. 52. 56.
Dortygen Tzerstede III 227 N. 1.
Dreuot, Dominicus III 116.
Drewes Steynn III 210.
Dreyer, H. H. H 107. — Steffen, von Off-
leben III 127.
Dubbing, Berndt HI 233.
Duif Cornelis in Leiden H 137.
Dr. Duiffhuiß IV 66.
Duisburg, Academie IV 22. 24.
Dülmen, St. Agnetenkloster I 119.
Düsseldorf, Kreuzherren IV 109. 111. —
Bergische Landstände IV 73.
212
C. Borchling
Düsterhop, Ilieronymus II 87.
Dversen, Elke II 169.
E. B. I 283.
E. BOR. 111 165.
Eberhardsklausen, Fraterherren IV 167.
170.
KI. Ebstorf I 237.
Echternach IV 143.
Egerhard Frille II 64.
Eggemann, Karl I 315.
Eggert Meyger I 111.
Ehlers, W., Rat, Archivsekretär in Wol-
fenbüttel 111 145. 165. 170.
Ehrentraut, H. G., Ilofrat I 91. II 181.
br. Eylard Niesen to Bentlaghe I 278.
Eilenstedt, Kalandslade 111 251.
Eysius, Joannes, in Hamburg II 73.
Elbing, Joh. Dingel II 123.
s. Elff Simens d. Boenacker in Amster-
dam 111 104.
Elisabeth Sophie Marie, Herzogin von
Braunschw.-Lüneburg 111 121. 135.
Ellinges, Johann II 81.
Elmhoff, Eberhard, in Wismar II 189;
E. E. jr. II 190.
Elseke, suster IV 187.
de Elze, Gerardus IV 68.
Elzebe ten Brayle in Kl. Marienberg III
35.
Emden, Penborg IV 21.
Emmerich, de Elze IV 68 f. — Groet
convent IIJ 237. — Bern, ab Horst
IV 69. — Andr. Iserdes IV 69. — U.
Smyt IV 69.
Erfurt, Carthause IV 128.
Erik Ottiss(en) II 83.
Erskine, Alex., schwed. Kriegsrat I 303.
V. Erthal, Frhr. Friedr. CarlJoseph, Kur-
fürst u. Erzbischof von Mainz IV 10.
Eschenburg, J. J. III 222.
Essen, Capuziner IV 94, — suster huys
te Ketwich IV 95. — Stift I 241. IV
108.
Esthland II 117. 120.
V. Estorff, Ernst August l 149. — Ludolf
Otto I 149.
Eua Mannen 111 233.
Euert Glandorp 1 279.
Ff. lur. 111 223.
Fabricius, Petrus II 98.
van P^echghelde, Albert, Hans, Hermen,
Johannes 111 150.
Fedder, Sebastianus in Cöln III 233.
Ferdinand Albrecht, Herzog von liraun-
schweig-Bevern III 120.
Feuerlin III 187.
Fiken, suster tho Derneboerch III 223.
Fleg, Rewert I 254.
Flensburg, Ol. MoUerus II 35. — Naa-
man ü 5. 152—162. III 50. 95. —
Nikolaikirchenbibl. H 152.
fr. Florentinus, Carthäuser in Mainz I 129.
Frankfurt, J. F. Böhmer IV 1 17. — Dom-
bibl. IV 116 f. — Praedicatorenbibl. IV
116 f.
Frans in dat Wymervoer I 267.
Franssens, Anna Maria 111 225.
Freckenhorst, Stift I 294.
Kl. Frenswegen 111 101. IV 169.
Eres, Peter 11 50.
Friedrich H, König v. Dänemark II 44.
Fridericiana, Bibliotheca IV 10. 11.
Friis(?), Jep H 110.
Frille, Egerhard II 64.
Fühnen, Bauernstube H 9,
Garlopp, Anna 11 186. — Hynryck II
185. — Ludecke III 227 N. 1 — Ur-
sula II 186.
GefFcken, Dr. Job., in Hamburg I 119.
121—123. 125. 127. 130.
Gent, Serrure I 272. 273. II 136-
Gerardus de Elze in Emmerich IV 68.
— (Molanus) Abbas Luccensis I 198.
Gerhard Hop IV 68. 69.
Gernrode, Stiftsbibl. 111 261. 262.
Gert Rijken fruwe 111 72.
Gertrudenberg, Kloster b, Osnabrück I
302. 305.
Gertruydt van Angermont III 237.
Ghesken Dassels II 39.
V. Getelen, Augustinus I 159 ff.
Gylten, Georgius, in Lübeck II 141.
Glandorp, Euert 1 279.
Gliemann 111 152.
V. Gneißen, Lussie I 107.
V. Görres, Jos. IV 38. 43 f.
Goslar, Trumphius 111 223.
Gössel in Schleswig II 92. 93.
Gotkens, Margrethe I 98.
Gottorp, Detleff v. Aneuelde 111 114.
Gottorper Bibl. II 7. 13. 19. 20. 49. 64.
66. 68. 70. 71. 74. 89. 91. 92. 143.
Gottorper Hofgerichtsarchiv II 150.
Goeze, J. Mich. I 117.
Kl. Gräfrath IV 42.
Gram in Kopenhagen II 9. 58.
Grapestorp, Luckes II 97.
Grappen, Jeronimus, de Lübeck II 133.
Grastrip, Marg. v. Schönfeld 111 153 f.
Grawerock, her Johan il 67.
Greteke Teige III 24. — • Wegeners I
98. 100.
Gretgen Coerneles dochter 1 299.
Grondt, Gerb., consul Calcariensis IV 64.
Groningen I 216.
Groningen, J. Fr. Reimmann I 232. 234.
II 27. 39.
V. Groote, E. I 246.
Kl. Groß-Ammensleben III 187.
Grothe, Johannes II 115.
Grote, Pawel 111 250.
Grupen, Cbrist. Ulrich I 191.
Register II.
213
de Gustynsche III 181.
H. D. IV 23.
II. P. III 214.
Kl. Hadmersleben III 208.
llagelberg, Carl 11 133.
Hagheii, fr. Job. 1 175.
Hakenschoo, Job. IV 126.
Halberstadt, Hecht III 180. 182. 240 f.
— Kalandslade III 251. — W. Schatz
III 251. — H. Versen I 234.
Haltorf in Delstedt II 151.
Hamburg, Joh. Antonij IV 25. — Aver-
hoff-Stiftung I 118. — Convent I 97
—111. 315f. — Job. Eysins H 73.—
Dr. J. Geffcken I 119. 121 — 123. 125.
127. 130. — St. Jacobikirche I 115.
II 98. — Jobanneum I 134. 135. 137.
138. 142. 143; = prisca bibl. publica
I 139. — Joh. Kastens II 146. — v.
Kielmannsegk 11 86. — Clawes Krane-
bergk II 50. — Dr. Kunhardt I 111 —
115. — Lappenberg III 180. — Job.
Moller I 146. III 235. — Mönckeberg
III 187. — St. Petri-Kircbenbibl. I
133 f. — Rambacb 11 117. — Petrus
ä Schwoll 11 31. — Warneke Winst-
mann IV 24. — Wolf I 138.
Hammacbersches Lagerbuch (Osnabrück)
I 313.
Hanneke Boecksenn III 120.
Ilannies, Job., in Verden HI 225.
Hans V. Fechghelde HI 150.
Hans Knudsen II 41.
Hansen, Pastor HI 205.
Happart, Phil. Guil. I 267.
V. d. Hardt, Propst H. I 190 f. 208. III
116. 233. IV 30.
Ilarrassowitz, 0., in Leipzig I 284.
Harrings, Hanß Peter H 94.
Harsius, Joh. II 89.
Hartwicus de Bulow III 231.
Harzgerode HI 251 f.
Hasak, V. I 122. 125.
Hase, Esaias II 55.
Hasse, Joh. Christian IV 24.
Hauber, E. D., in Kopenhagen II 42. III
185.
van Haue, Joh an IV 57.
Hauemesters, Kath. I 198.
Haxtbausen, Carl I 130.
Hebelingk, Wynneke III 83.
Hecht in Halberstadt III 180. 182. 240 f.
Heiliger I 227. 228. 230 231.
Heinrich Bereutz III 233.
Heinzelmann IV 30.
Held H 91.
Helmold Rodewold I 157.
Helmstedt, Univ.-Bibl. 1 190. III 9—94
[s.Registerl: Wolfenbüttel]. 139.171.
172. 176. 178—189.
Hennenbarges, Vrsel III 82.
Henrick Alisleger IV 53.
Henricus Johannis 11 123.
Hermen v. Fechghelde III 150.
Hertel, Hans Jürgen II 56.
Liefmoet van Schonenborne, wedue des
eerberen Dericks van Hetterscheyt IV
Hertogenbosch, Hulsman I 246. [*»0.
Hertzhorn, Pastorat 11 148.
Kl. Herzebroek I 295.
V. Hetterscheyt, Liefmoet IV 99.
Heubelias, Jo. Henr. II 8.
Heuser III 152.
Hielmstierne in Kopenhagen H 44.
Hieronimus Witzendorf II 186.
Hildesheim I 193. 249 f. IV 3. 167. 179.
— P. Busch I 226. — Carthause HI
217. IV 195. — St. Godehardi IV 3.
— Jesuitencollegium Hl 215 ff. — D.
Car. Jordan IV 11. — Lüchtenhof
(== Brüder d. gemeins. Lebens) Hl
211. IV 3. — St. Marien Magdalenen
l 193. 249. — St. Michaelis H 198.
III 211. IV 3. — Rat HI 230. —
Schnarmacher IV 10. — Sültekloster
IV 191. — Wippermann HI 201. —
Stift, Frauenkloster III 87. 212.
Hilgen van den byn . . . zo Wyllemsteyn
IV 149.
Hinnerich Demker I 171.
Hynryck Garlopp II 185.
Hinrick v. Merfeldt IV 24.
Hinryk van Twelken HI 154.
Hinricus Witzendorf II 186.
Hobla Albrektsdotter Bydelsbach H 109.
Hockedt (?), Bernhardt IV 125.
Hoffmann v. Fallersleben I 246.
Hoffmann I 229.
Iloge (Hallig), Volqu. Petraeus II 88.
Hover, Caspar II 114.
Höjer H 87. 92.
Hoker, Jan HI 104.
Hölscher, B. I 127. 268. 288. 293.
Hop, Gerhardus IV 68. 69.
Hornburg, Kirchenbibl. III 251.
ab Horst, Bernardus. in Emmerich IV 69.
Huedt (Suedt?), Johan IV 59.
Hultman in Hertogenbosch I 246.
Hunt, Leißbettgen IV 149.
Kl. Huysburg HI 178.
J. M. HI 121.
Jan Hoker III 104.
Janßen, L. J. F., in Leiden I 247.
Jegber, Wernerus III 245.
Jep Friis (?) in Borglum II 110.
Ylsabe Reyters II 43.
Jlse III 169.
Ylsebe, Eggert Meygers husfrouuc I 111.
Joachim Breyde miles 11 22.
Johan, Graf v. Nassau u. Vianen I 246.
Johann Adolf, Herzog v. Schlesw.-Holst.-
Gottorp H 70.
214
C. Borchling,
Johan Albrecht, Herzog zu Mecklenburg
II 179.
Joban Grawerock II 67. — van Haue IV
57. — Munderlo I 85. — Zotemyn in
Salzdetfurt III 230.
Johannes (Joannes) Antonij IV 25. —
Cappius III 205. — v. Fcchghclde III
150. — Grothe in regencia vnicornis
II 115. — fr. J. Haghen I 175. —
Hakenschoo IV 126. — Kerkener III
172. — Kiemente II 131. — Mose-
borch III 98. — Ras (of Koester) in
Emmerich III 237. — Scoenc (?) II
29. — Stodis III 86. "
Johannis, Henricus II 123.
Johansen, Peter II 88.
Jordan, D. Car., zu Hildesheim IV 11.
Irmina Leßhem I 267.
Iserdes, Andreas, in Emmerich IV^ 69.
Junik, Justizrat in Cleve IV 66.
Jürgen Schrader to Croppe III 114.
Justyne Vyncken, Aebtissin auf d. Ger-
trudenberge I 302.
K. E. IV 191.
K. V. m. (?) II 34.
Kaikar s. Calcar.
Kall II 7 ff. 204, s. Kopenhagen, K. Bibl.
Carles, Maria 11 129.
Kastens, Johan, in Hamburg II 146.
Katherina (Katherine, Katerina, Katha-
ryne, Cathryne) van Berthensleve III
175. — Haueraesters ex parte Asslep
I 198. — Krummelingh I 107. —
Rynckeu in Vö\n III 232. — Spreu-
gers III 135. — Vann (?) I 107.
Kelp, J. I 227. 228. 230. 231. 233. 235.
Kempen (Ndrh.), St. Annenkloster II 171.
IV 97. — Standeck IV 63.
Kenkel, Ditmar I 95.
Kl. Kentrop I 287. IV 85 f.
Kerkener, Jo. III 172.
Kerker, J. A. III 120.
Kerckringk, Hinrich 11 79.
V. Kesselstatt, Graf Christoph IV 3. 182
—195.
V. Kielmannsegk in Hamburg II 86.
Kinderling III 181. 187. 226.
Kindlinger I 293. IV 112.
Kirchhoff in Kopenhagen II 91. 92.
Kiemente, Johannes II 131.
Klevenfeldt 11 28. 46.
Dr. Kloß IV 117. 118.
Klus b. Gandersheim III 10.
Klüter, M., in Angelmodde I 289.
Knudsen, Hans II 41.
Kochiana, Bibl. III 124.
Kock (Goch), Job., in Oldenburg II 142.
Kofod-Anchcr II 88.
Koken, M. Jo. Carolus I 117.
Koler, Mag. Job., in Lüneburg I 169—
165.
Kopenhagen, Kgl. Geheim-Archiv (Deut-
sche Kanzlei) II 148. — Gram II 9.
58. — E. D. Hauber II 42. 111 185. —
Hielmstierne II 44. — Kirchhoff II 91.
92. — lleitzerus II 61. — Resenische
Bibl. I 159 N. 2. H 100. 135. — Suhm
II 7. 69. 71—73. 77. 79. 84. 92. —
C. F. Teraler II 38 f. 46.
Köpgen, Jo. IV 59.
Koppe, Johannes H 190.
Koester, Johannes Ras of K. III 237.
Krabbe, Anne, thill Stiennaltt II 85.
Krafft, Prof. Dr., Consistorialrat in Bonn
II 198.
Kraift in Ulm IV 132.
Kramer, Maria IV 187.
Kramers, Anna II 40.
Kran(e)bergk, Clawes II 50.
Kratz, Dr. J. M. III 214. 216.
Kratzenberg, Maria Magd. I 117.
Krügerus, Antonius 111 127.
Krumbeke, M. Hans II 55.
Krummelingh, Catharina I 107.
Kühl, Heinrich 11 184.
Kunhardt, Pastor Dr. I 111—115.
Kuppitsch II 121.
Lambertus Swarte II 62. 145.
Lambart Wytynckhoff 11 171.
Langenberg I 290.
Langer in Wolfenbüttel III 187.
Langlein II 107.
Lappenberg in Hamburg III 180.
Lauenburger Regierungsarchiv II 150.
151.
Leiden, Duif Cornelis II 137. — L. J. F.
Janßen I 247.
Leißbettgen Hunt IV 149.
Leßhem, Irmina I 267.
Lezner III 122.
Lindblom, Olavus il 141.
Lindenbruch I 134. 137—139. — Hein-
rich I 134 [nicht Friedrich!]. — Erpold
I 135. — Joachim I 139.
Linköping, Bibl. II 136.
Lysaebet Muntincks I 270.
Loccum, Gerardus abb. I 198.
de Loppenstede, Albertus I 192.
Loescher, Val. Ernst II 135. 179.
Schi. Löwenburg l 244.
de Lübeck, Jer. Grappen II 133.
Lübeck, Georg Gylten II 141. — Hier.
Lüneborg II 141.
Lucken Weldehusen, Junf. III 224.
Luckhardt, Conradus IV 124 f. — Bern-
hardt (?) IV 125.
liudecke Garlop, Bürgorm. v. Lüneburg
HI 227 N. 1.
Ludeleff Tzersteden frouwe III 227
N. 1.
S. Ludgeri vor Helmstedt 1209. HI 162.
180—182. 187. 189.
I
Register 11.
215
Ludolph V. Münchhausen I 192. HI 250.
Ludwig Rudolf, Herzog v. Blankenburg
III 114. 116. 117.
Kl. Lüne I 204.
Lüneburg IV 186. — v. Collen II 69. —
Franciscanerkloster I 159. 175. — Gar-
lop II 185 f. III 227 N. 1. — Aug.
V. Getelen I 159 ff. — Archiv von St.
Johannis I 163. — Koler I 159—165.
— St. Michaeliskloster I 147. 166. 167.
195. 220. II 1 15. — V. d. Molen I 155.
II 186.199. III 152. — Conr. Rhüden
III 122. — Sankenstede II 67. — Schne-
verding III 116 f. — Wilckeus I 235.
— V. Witzendorff I 149. II 186 III
116.
Lüneborg, Hieronimus, in Lübeck II
141.
Lüntzel III 200. 201.
Lussie van Gneißen I 107.
Luxemburg, Coli. Soc. Jesu I 267.
M. E. E. F. IV 183.
M. SWJ. III 165.
M. W. III 214.
Maastricht I 243. 251.
Machleidt, Micael IV 168.
Mader, Joachim Job. III 127,
Maeseyck, Regularissenkloster I 251.
Maeß, Otto II 50.
Magdeburg, Franciscaner III 250. —
Ratsschule III 249.
Mainz, Carthäuser I 129 f. IV 144.
Mallincrotiana, Bibl. III 116.
Manderscheid, Gräfl. Archiv IV 45, vgl.
49.
Mannen, Eua III 233.
Marchall I 268.
Marg(a)rete Bromse II 170. — Gotkens
I 98. — Omans III 82. — v. Schön-
feld III 153. — Stoteroggen I 158. -
V^^ytynckhafes II 170.
Margretgin I 125.
Maria Carles II 129. — Kramer IV
187.
KI. Marialaach IV 20.
Kl. Marienberg bei Helmstedt I 218 f.
III 35(?). 155. 181. 192(?).
Kl. Marienbrinck IV 84
Kl. Marienfoist IV 28.
KI. Marienrode I 200.
Kl. Marienstuhl b. Egeln I 168 f. 176.
200—204.
Kl. Marienvreed (b. Wesel) IV 87. 88.
90. 92. 93. 97. 99. 103.
Matfeld H 84.
Mathil. vaen Bei. I 267.
Matthiaß Brunsenn IV 9.
Mechtelt van Angermont III 237.
Meckiana, Bibl. II 137.
Mecklenburg, Herzogl. Haus 11 179.
ex Medinck, CR. III 205.
Meyger, Eggert I 111.
Meyneke Sankenstede her Clawes sone in
Lüneburg 11 67.
Meineke, Franciscus u. Diriek HI 114.
Meyres, Tibbeke I 103.
Mensingh, Elisab. IV 159.
V. Merfelt, Hinrick IV 24.
Mertens-Schaaff hausen, Sibylla IV 23.
Minden, Monast. SS. Mauricii et Simeonis
HI 106.
V. d. Molen, F'amilie in Lüneburg II 186.
199. III 152. — Albert I 155.
Moll, Prof. W., in Amsterdam I 242-244.
Moller II 86. — Johannes, Domherr in
Hamburg I 146. III 235.
MoUerus, Olaus Henricus, in Flensburg
n 35.
Möllmann II 60. 62. 92.
Mönckeberg in Hamburg III 187.
Mooren, Pfarrer Dr. IV 44. 64.
Moren, J. IV 71.
Moseborch, Joannes III 98.
Muller, Fred., in Amsterdam I 243.
V. Münchhausen, Hieronymus III 102. —
Ludolph I 192. III 250.
Muuderlo, Johan I 85.
Münster I 280. — Curien auf d. Domhofe
I 295. - Fraterherren I 283. - Frauen-
kloster I 288. — Kl. Niesink I 278.
284. 285. — V. Olfers I 277. — Worm-
stall I 274.
Munter in Lübeck II 107.
Muntinck, Katryen. H. I 270.
Muntincks, Lysaebet I 270.
Mutzeltins, Barbara I 152.
Naaman, Ludolf Janssen, in Flensburg II
5. 152—162. III 50. 95.
Nassau, Gräfl. Haus I 246.
Nettesheim, Friedr. IV 63—65.
Neukloster b. Buxtehude tl 39 N. 1.
Neversdorp, Blohm II 94.
Nicolaus Tzerstede I 152. III 227 N. 1.
Niemeyer, Pastor in Dedeleben III 251.
Niendorp, Ar. in N. IV 185.
Niesen, Eylard I 278.
Niesert, Pastor in Vehlen I 286. 289.
Kl. Niesink in Münster I 278. 284. 285.
Nördlingen, Beck III 232 N. 1.
Nünning, Jac. Herrn. I 298. 300.
Offleben, St. Dreyer III 127.
Oldenburg, Joh. Kock II 142.
Oldenburgisches Haus I 91. II 82.
V. Oldendorp, A gneischen I 268.
V. Olfers, Appellationsgerichtspraes. in
Münster I 277. 286. 290.
Omans, Margareta III 82.
Oranische Bibl. in Dillenburg I 248 ff.
Osnabrück, Bibl. des Diöcesan-Kunst- u.
Altert.-Vereins I 314. —Dom I 304. —
Gertrudenberg I 302. 305. — Privat-
besitz I 314. — Stüve I 301. 306.'
216
C. Borchling,
Osterwieck, Kaland III 251.
Kl. Oestringfelde I 91.
Otte vam Campe 1 107.
üttiss(en), Erik II 83.
^ Ottho de Wendt in Aurich III 233.
Paderborn IV 3. 186, s. Brackel.
Palms Bibelsammlung III 181.
Palme Boeckeman III 126.
V. Parchentin, H. II 49.
Partz in Braunschweig III 196.
Pawel Grote III 250.
Penborg, H. B., Bürgermeister von Emden
IV 21.
Penßhard, Diederich II 179.
Perkow, Jacob, in Rostock II 80 f.
Peter Fres 11 50. — Johansen II 88. —
van Zire III 146.
Peters, Peter IV 76.
Petraeus, Volquardus, auf Hoge II 88.
Petrus cappellanus IV 110. — Fabricius
II 98. — ä Schwoll in Hamburg U 31.
Philippus, dux 11 61.
Pleiß, HiUe U 81.
Plesken in Celle II 39.
Quedlinburg, Hauptkirche S. Benedicti
III 242. - Servatiusstift III 242. 249
N. 1.
R. M. IV 153.
Rambach in Hamburg II 117.
Ras, Johannes III 237.
Kl. Rastede I 88.
Ratzeburg, v. Wackerbarth I 223.
Rehfuß, Anna Catharina III 214.
Reimmann, Jac. Frid., in Groningen I 232.
234. II 27. 39.
Reyters, Ylsabe II 43.
Reitzerus, Christianus, in Kopenhagen II
61.
Resen, Jacob II 135.
Resenische Bibliothek in Kopenhagen I
159 N. 2. II 100.
Remborch Crige to Brunswy(c) III 161.
Rewert Fleg I 254.
Ribe, Minoriten II 5.
Richey, Mich. II 92. III 234.
Ryckel Twedorpes I 193.
Kl. Riddagshausen H 135. III 80. 152.
178. 185.
Riehl, C. III 201.
Riga, Mich. Brauer II 131. — Coli. Soc.
Jesu II 130. 134. 135. 137.
Rygemeygers, Angnete I 99.
Ryken, Gert III 72.
Rynck, Familie, in Cöln III 232.
de Rythusche I 193.
Ritter, Direktor a. D. Dr. I 199.
Ritz, Oberreg.-Rat, Aachen IV 63. 65.
Rodewold, Ilelmold I 157. III 121.
Romswinkel I 263.
Rostgaard, Frederik II 17. 61. 106.
Rostock, Jacob Perkow II 80 f.
Rhüden, Conradus, medic. Lüneburg. III
122.
Rudolph August, Herzog v. Braunschweig
m 127.
Kl. Rulle I 304.
Russe, Johan II 83. 87. 95.
Sack, C. V^. III 152. 198.
Salzdetfurt, Job. Zotemyn III 230.
V. d. Sande, Derick I 247.
Sankenstede, Meyneke II 67.
V. Schapen, Pastor Heribert, in Altkloster
U 8.
Schatz, Wilh., in Halberstadt III 251.
Scheller, K. F. A. III 147. 171.
Scheliers, Joannes III 227.
Schilter IV 134.
Schlegel (in Hamburg?) I 142.
Schleswig, Gössel II 92. 93.
Schleswig-Holstein, Herzogl. Haus I 134.
II 70.
Schlüter, Prof. Chr. B. I 293.
Schmidts Sammlung II 200.
Schmidt, Christ. Frid., Rektor zu Lüne-
burg IV 10 mit N. 1.
Schnarmacher, Luder, in Hildesheim IV
10.
Schneverding in Lüneburg III 116 f.
Schölten, Dr. zu Ward IV 59.
Schoen, Phil., Domherr in Xanten IV
198.
V. Schonenborne, Liefraoet IV 99.
V. Schöufeld, Marg. III 153.
Schonk, Daniel II 39.
Schonten, J., in Dordrecht I 242.
Schrader, Jürgen III 114.
Schramm, Pastor in Iber I 226.
Schröder H 189.
Schürer v. Waldheim II 114.
Schüttorf, Augustinerinnen I 300. 301.
— St. Mariengarten III 225.
Schvan, Peder II 70.
V. Schwartz, Albrecht Georg II 194.
Schwartzkopf III 121.
Schwerin, Verein f. meckl. Gesch II 199.
— C. M. Wiechmann II 199.
ä Schwoll, Petrus II 31.
Scoenc (?), Johannes II 29.
Scracz, Jacobus S. de Indagine III 214.
V. Seesen, Autor III 172.
Senckenberg, H. 1. B. de IV 132—134.
137-140.
Serrure in Gent I 272. 273. II 136.
Sethe, Wirkl. Geh.-Rat in Berlin IV 37.
61. 68. 71.
Sevel II 97.
br. Severyn van Stockem in Kl. Bödeken
I 278.
Smyt, U. (Emmerich) IV 69.
Soest, Birgittenkloster II 9.
Spenrath in Xanten IV 63.
V. Spilcker, G. A. I 226.
Register II.
217
Sprengers, Katerina III 135.
Stackmann, Andreas II 136.
Stade, Regierungsarchiv I 22G. 228. 233.
Stader Reichsarcliiv I 303.
V, Stade, Dietrich II 8. III 225 N. 1,
Standeck in Kempen IV 63.
Stegholm, Graf Sture II 122.
Steynn, Drewes III 210.
Steinacker III 148.
Steinburger Amtsstube II 149,
Kl. Steinheim IV 110.
Steynß, s. Anna III 56.
Kl. Steterburg III 13. 63. 83. 90. 189.
— mater M. Sal. III 90.
Stiennaltt, Anne Krabbe II 85.
V. Stijten, Cyllie II 171.
V. Stockem, Severyn I 278.
Stockhausen, Joh. Christ. IV 125.
Stockholm, Antiqvitets-CoUeg II 109. —
C. G. Bielke II 122. — Kammarkol-
legium II 117. 120.
Stodis, Joh. III 86.
Stolberg III 223. — Gräfl. Haus III 223 ff.
Stoteroggen, Clawes III 193. — Marga-
rete l 158.
Stralsund, Nicolaikirchenbibl. II 191. 193.
V. Strombeck in Wolfenbüttel III 138.
Sture, Graf Rauwitz St, zu Stegholm und
Hresterweich II 122.
Stubenrauch, H. (?) II 34.
Stüve, C. J. B., in Osnabrück I 301. 306.
Suhra in Kopenhagen II 7. 69. 71—73.
77. 79. 84. 92.
Surland, Ober-Syndikus in Hamburg 1 192.
Swarte, Lambertus II 62. 145.
Taleke, Klosterschwester II 188.
Teige, Greteke III 24.
Temler, C. F., Etatsrat in Kopenhagen
II 38. 46.
Thott, Graf II 7 ff. 204, s. Kopenhagen,
K. Bibl.
Tybbeke Meyres I 103.
Tyleke van Twelken III 154.
Töbing, Christobal I 236. — Eerhard I
174.
Tönning, Z. v. Wolff II 93.
Troil, Uko v., Erzbischof II 136.
Trurapbius, Joh. Conr., in Goslar III 223.
Twedorpes, Ryckel I 193.
V. Twelken, Hinryk u. Tyleke III 154.
V. Tzerstede, Nicolaus I 152. — her Lu-
deleff Tz. frouwe, Brant, Dortygen Tz.
III 227 N. 1.
Uffenbach I 116. 117. 120. 124. 127—
129. 131. 137 139. 141.
ITdall II 7 ff. 204, s. Kopenhagen, K.Bibl.
Vrsel Hennenbarges III 82.
Ursula Garloph II 186.
Utrecht, Diöcese III 225.
van Vttze, Klosterfrau III 29.
Vann (?), Catharina I 107.
Vehlen, Niesert I 286. 289.
Verden, Hannies III 225.
Versen, Herrn., Domcapit. in Halberstadt
I 234.
Vyncken, Justine I 302.
Visser I 252.
Volquardus Petraeus auf Hoge II 88.
y. Wackerbarth, Ulrich Andreas Hans,
Reg.-Rat zu Ratzeburg I 223.
Kl. Wadstena II 123. 130. 135.
Ward, Dr. Schölten IV 59.
Warlich, A. R. I 226.
Warmholtz, Hofrat C. G. II 131.
Warsing, Referendar I 245.
Wegeners, Greteke I 98. 100.
Weinhagen, Nap., J. Ct. IV 64.
Weissig, Obergerichtsrat in Wolfenbüttel
III 146. 149.
Weldehusen, Junf. Lucken III 224.
de Wendt, Ottho III 233.
Werden IV 108.
Werdum, ehem. Archiv I 92 f.
Wernerus Jegher III 245.
Wernigerode, Zeisberg III 230.
Wesel, Henr. Alisleger IV 53. — A. v.
Dorth IV 45. 52. 56.
Weuer, Hanns II 141.
Wiarda, Th. D. I 215. 245.
Widlund, Andreas II 129.
Wiechmann, C. M. II 199. HI 152.
Wigert, Johannes I 302.
Wiggert, Friedr. I 230. III 250.
Wilckens, Joh. Jacob, in Lüneburg I 235.
Wildefür, Christoph der Jüngere III 200.
Willems I 245. 270.
Wyllemsteyn, Hilgen van den Byn ... IV
149.
Wilmerding, Stadtdirektor in Brauuschw.
I 225.
Wymervoer, Frans in dat W. I 267.
van Wijn I 251.
Kl. Windesheim I 240.
Wings, Dr., in Aachen IV 6.
Wynneke Hebelingk in Steterburg III 83.
Winstman, Warneke, in Hamburg IV 24.
Wippermann, Conrad, HildesheimerKanz-
1er III 201.
Wismar, Eb. Elmhoff II 189 f.
Wytyck, Beata, Elizabeth Witikes, filia
Dorothiae Witikes I 117.
Wytynckhafes, Margrete II 170. — Lam-
bart Wytynckhoff II 171.
V. Witzendorff in Lüneburg I 149. III
116. — Hinricus II 186. — Hieronimus
H 186.
Wolf in Hamburg I 138.
Wolfenbüttel, Craraer III 191. 212. —
Rat Ehlers IH 145. 165. 170. — Her-
zogl. Landeshauptarchiv III 167. —
Langer III 187. — v. Strombeck III
138. ~ Weissig III 146. 149.
KgU Oes. d. Wiss. Nachrichten. Philolog.-histor Klasse. 1913. Beiheft. 15
218
C. Borchling,
T. Wolff, Zacharias, in Tönning II 93.
201.
Kl. Wöltingerode III 56. 62. 89. 93. 94.
164. 166. 206. IV 190.
Wormstall in Münster I 274.
Xanten, Spenrath IV 63.
Zahn, Prediger in Delitz III 180.
Zeisberg in Wernigerode III 230.
Zeppenfeld, Archivar III 214.
van Zire, Peter III 146.
Zoerbecke, (N.), Bertolt Voesses hues-
frouwe I 310.
Zotemyn, Joh. III 230.
Zwolle, Clerckehuus I 286.
Register III.
Schreiber (nebst ihren Orten).
A. D., soror in Kl. Steterburg.
a. V. n. IV 27.
A. W. III 127.
Accumensis, Hermannus I 92.
Albert Tzerstede I 152—156.
fr. Albertus Niggestat IV 193.
Albertus de olde, prior in den üester«
berch I 278.
Aldegunt Clyngyn I 125.
Alheit van Bortfelde III 73.
V. Altena, Jasperus IV 193.
Andrea, Carl Theodor, in Berlin III 148.
Anna Wypperman I 127.
Antiqua Haldesleue III 152.
Joh. Antonij, alias Pelgrimmus, Cirur-
ghus (in Hamburg) IV 25.
Antonius Mulich de Cuba IV 44.
Apellen, Joh. v. Loen II 116.
V. d. Appelle I 82.
Arnoldus de Colonia IV 112.
Arnt van Vorschelen (Vorsthelen) in
Borken IV 89. 102. 104.
Auerbergh, M. J. IV 141.
Augustinus v. Getelen I 159 ff. 164. 165.
Autor V. Seesen III 172.
Baertgen Sandelin III 225 N. 1.
Beninga, Eggerik IV 21.
Kl. Bentlaghe I 85. 277 f.
p. Berent Pack I 302.
Beres, dn. Cancellarius Henricus B. co-
gnomento Ohsliger IV 53, vgl. Alisleger
Reg. II.
V. d. Berge, Elsbe I 88.
de Berlin, Crist. Czüden IV 12; s. An-
dreae.
fr. Bernardus S warte in Lucca (Loccum)
I 185.
V. Berthensleue, Katherine III 175.
Bese, Hinricus I 93.
Bierdemann, Jo. Jul., aus Clausthal I 208.
Biörsen, Ketcl II 88.
Blidingehusen, Joh. III 74.
Bomhawcrs, Metken III 148. 173.
Bonnichsen II 186.
Borken, Arnt v. Vorschelen IV 89. 102.
104.
V. Bortfelde, Alheit III 73.
Bote, Herman III 125. 241.
Brant Tzerstede I 152—156. — (ein äl-
terer) III 227 N. 1.
Bück, Gerh., von Buederick I 283.
Busche, Hermann I 184 f.
Campis, Michael I 114.
Cassel, Conradus III 246.
Charisius, Joh. Ehrenfried U 57. 192.
Kl. Cismar U 11.
Claus Tzerstede jr. I 152—156.
Clausthal, Bierdemann I 208. i
Clyngyn, Aldegunt I 125.
Clütz, Nicolaus IV 167.
Cleve, Joh. Egerweiß II 66. — Roebertt
V. Reydtt IV 109.
de Colbergh, Johannes III 209.
Cöln, Johan v. Kochern I 124. — Kath.
Ryncken III 232.
Colonia, Arnoldus de IV 112.
Conradus Cassel III 246,
Cristianus Czüden de Berlin IV 12.
Christianus in Lub. (= Lüneburg?) [I
101.
Cristina Hymmendorp in Lüneburg II 115.
— Luttyckhus I 127.
de Cuba, Antonius Mulich IV 44.
Culenborch, Nie. III 226.
Czeruist (Zerbst) III 152.
Czüden, Cristianus IV 12.
Kl. Dalheim, Theodoricus v. Ruremunde
IV 193.
V. Debholtz, Rodolphus I 95.
Dierkßen, Peter I 170.
Dyest, fr. Petrus II 11.
Dincklage, Joh. Klinckhamer I 304.
V. Dorth, Anton. IV 46. 52. 56 f.
V. Dumstorf, Klosterfrau 1 314.
Duuinck, Ghert I 85.
E. Ew., M(ater) III 86.
Eberhardsklausen, Johann de Snyder IV
167. 170.
Eccard I 190. 208. 225. III 162.
Egerweiß, Johannes IV 66.
Eggerik Beninga IV 21.
br. Eylart Schomaker to Bentlaghe I 278.
Kegister II. III.
219
Elsbe van den Berge I 88.
de Elze, Gerardus IV 68.
Emeda, Nycolaus IV 29. 31.
de Erculen (= Erkelenz?), Gerhardus
IV 42.
Eschenburg, J. J. I 86. III 146.
Ew., M(ater) E. III 86.
Freitag, Joachim II 185.
Eres, Peter II 52.
Ganß, Petrus G. vonn Rattingen IV 23.
Garlop, Ludecke III 227.
Geert v. d. Schueren IV 59.
Geismer, Hans III 149.
Georg, medicus IV 49.
Gerardus de Elze (Emmerich) IV 68. —
Goeln IV 73. — Stralen II 65.
Gerdyk, Mete III 160.
Gerhard Bück von Buederick I 283. —
Nassauwe in Lemgo IV 137. 139.
Gerhardus de Erculen (= Erkelenz?)
IV 42.
Gherherdus Gogreue 1 107.
Ghert duuinck van stat loen I 85.
V. Getelen, Augustinus I 159 ff. 164. 165.
Ghijsbertus Nerden IV 20.
Goeln, Gerardus (Erkelenz) IV 73.
Goert Rameker IV 99.
Gogreue, Gherherdus I 107.
Gölten (Golter?), Johannes III 253.
Goltingen, Ludolfus 1 123.
Greifswald II 196.
Gutstadt. Petrus II 123.
H. R. Ili 233.
Haghen, fr. Johannes I 175.
de Hamborch, Johannes Meyndorf II 22.
Hamburg, Job. Antonij IV 25. — Otto
Maeß II 50. — Jac. Schultenn I 115.
H 98.
Hampaum, Andreas H. vonn Siegelfeldt
II 69.
Hannover I 213.
Hans Reckeman I 138.
Hase, Esaias II 55.
van Haue, Johan IV 57.
Heinrich v. d. Trupe I 96. — de Wer-
denborch IV 111. — Witzendorff I
150.
Heißiger Teich, Peter Dierkßen I 170.
Henninghus Neringh I 193.
Henricus Beres IV 53.
Hermannus Accumensis I. 92.
Herman Bote III 125. 241.
Hermann Busche I 184 f.
Hildesheim IV 167. — Job. Blidinge-
husen III 74. — Ludw. Schnarmacher
IV 11.
Hymmendorp, Cristina (Cristianus ?) II
115. — Johannes II 115.
Hinricus Bese vän Rozstock I 93.
Hoffmann von Fallersleben I 246.
Hop, G. IV 68.
Horkoten, castrum III 38.
Hoyer, Andr. H 96. — Caspar U 114.
— F. H. H 114.
J. G. B. lic. I 226.
L P. I 178.
Jacob van Stralen IV 58.
Jacobus Jacobi I 240. — Schultenn in
Hamburg I 115. H 98.
Jasperus van Altena IV 193.
Iber, P. Schramm III 171.
Ilze, Mutter einer fürstl. Dame III 243 f.
Johan V. Haue IV 57. — Henrics soen
di Wächter I 286. — broder J. van
Kochern zo den Olyuen bynnen Collen
I 124. — fr. J. van Loen to Apellen
II 116. — J. V. d. Molen in Lüneburg
II 199. — van Segen H 119. — de
Snyder in Eberhardsklausen IV 167.
170. — Statwech aus d. Poppendiek
III 202. — Türk IV 56. 59.
Johannes Antonij in Hamburg IV 25. —
Blidingehusen in Hildesheim III 74. —
de Colbergh III 209. — Egerweiß Cli-
uensis IV 66. — Gölten III 253. — fr.
J. Haghen I 175. — Himmendorpp in
Lüneburg II 115. — Meyndorp deHam-
borch in Lutkentunderen II 22. —
Noeteman III 254. — Petersen, Pastor
tho Oldenbol II 89. — Tomppelinck
III 162. — Tzellis HI 170. — fr. J. Vinke
IV 193 f. — Wildruden in Castro Wul-
ueßborgh.
Johanna de Schild IV 131.
Johansen, Peter II 88.
Jon Tyes II 87 f.
K. Moringhes, soror in Steterburg III 90.
Kamperbeke, Michel II 77.
Kastens, Johan II 146.
Katherine van Berthensleue III 175. —
Kateryna Konynges (= Regis) in Ken-
trop IV 85. — Katherina Ryncken in
Cöln III 232.
K*elp, J. I 229—231. 233.
Kl. Kentrop, Kat, Konynges IV 85.
Kerckringk, Hin rieh II 79.
Ketel Biörsen H 88.
Kiesen, Tibbeke I 103.
Klinckhamer, Job., Schulm. zu Dincklage
I 304. — Custos z. Voerden III 129.
Koch, Laurens IV 28.
Kochem, Johan v. I 124.
Konynges, Kateryna IV 85.
Kopenhagen II 103.
Köster, ord. min. I 294.
Kristina, in Kl. Wöltingerode III 62.
Krohn I 121.
Krumbeke, M. Hans II 55 f.
Lambertus Swarten II 62. 145.
Laurens Koch IV 28.
Lemgo, Gerhard Nassauwe IV 137—139.
Leipzig IV 12.
220
C. Borchling,
Leo de Ratingen I 110.
Loccum, Bernardus Swarte I 185.
V. Loen, Job. II 116.
Louwermann, Job. IV 53. 74.
Lübeck II 172.
Ludecke Garlop, Bürgermeister in Lüne-
burg III 227 N. 1. [11.
Luderus Schnarmacher in Hildesheim IV
Ludolfus Gottingen I 123. — Naaman
II 152—162. — Ludolphus de Scbulen-
borcb I 167.
Lüneburg, Garlop III 227 N. 1. — Cri-
stina u. Job. Hymmendorp II 115. —
St. Micbaelis II 115. — Job. v.d. Mo-
len II 199.
Lutkentunderen, Job. Meyndorp II 22.
Luttyckbus, Cristina I 127.
M. A. III 203.
M. Sal. III 62 f.
Mader, Joacb. Job. III 128.
Marienvelde I 276.
Maeß, Otto, in Hamburg II 50.
Meder, Andreas, typograpbus II 192.
Meier, Johannes I 96.
Meyndorp, Jobannes II 22.
Meineke, Franciscus III 114.
Mete Gerdyk III 160.
Metken Bomhawers III 148. 173.
fr. Michael Campis, professus in Sege-
berghe I 114.
van Myl, Walter Ciaessen II 44.
V. d. Molen, Johan II 199.
V. d. Moelen, Petrus I 217.
Moringhes, soror K, III 90.
Mulich, Antonius M. de Cuba IV 44.
Münstereifel IV 143.
Naaman, Lud. II 152—162.
Nassauwe, Gerhard IV 137—139.
Nerden, Ghysbertus IV 20.
Neringh, Henniugus I 193.
Nicolaus Clütz de Saraponte IV 167. —
Culenborch HI 226. — Emeda IV 29.
31. — Tzerstede I 152—156. III 102.
227 N. 1.
Niggestat, fr. Albertus IV 193.
Noeteraan, Johannes HI 254.
Noodt, J. F., in Schleswig II 93.
Odenbol, J. Petersen II 89.
Olsliger s. Beres.
Oesterberch, Albertus prior in d. I 278.
Pack. p. Bereut I 302.
Pelgrimmus s. Antonij.
Perkow, Jacob, in Rostock II 80 f.
Peter Dierkßen am Ilelßiger Teich I 170.
— Fres II 52. — Johansen II 88. —
Tan Zire III 146.
Petersen, Job. II 89.
fr. Petrus Dyest in Cisraar II 11. — Pe-
trus Ganß de Ratingen IV 23. — Gut-
stadt de terra Prusie II 123 — yan
der Moelen 217.
Pluynsch, Thilmann IV 143.
Polanus, Johan Petter, Cbynirgus II 151.
Prawest, Wilh. II 33.
Pruzenlant I 192; de terra Prusie II 123.
Rameker, Goert IV 99.
de Ratingen, Leo I 110. — Petrus Ganß
IV 23.
Reckeman, Hans I 138.
Regis, Kateryna IV 85.
V. Reydtt, Roebertt IV 109.
R^immann, Jac. PMd, I 232.
Reinboth, Fridr. Ad. II 62 f. 92. 96. 151.
Renghers, Zeyno I 277 f.
Richey, Michael II 73.
Ryncken, Katherina III 232.
Roebertt van Reydtt, borger binnen Cleve
IV 109.
Rodewold, Helmold III 121.
Rodolphus a Debholtz I 95.
Rolandus a Waldenburgh cognomento
Schenckernn IV 133.
Rostock, Hinricus Bese I 93. — Jac.
Perkow II 80 f.
V. Ruremunde, Tbeodericus IV 193»
Russe, Johan II 95 f.
Sal., M. ni 62 f.
Sandelin, Baertgen III 225.
de Saraponte, Nie. Clutz IV 167.
Saxe, Peter II 85 f.
Scheffer, Adam I 296.
Scheller, Karl F. A. III 171. 197. 222
Schenckernn s. Rolandus.
de Schild, Johanna IV 131.
Schleswig, Noodt II 93.
Schnarmacher, Luderus (per nie, filium
et generum meum) IV 11.
Schnobel, Cantor II 79.
Schomaker, br. Eylard (= Niesen?) I
278.
Schoenemann, Otto III 197.
Schramm, Pastor in Iber III 171.
de Schulenborcb, Ludolphus I 167.
Scbultenn, Jacobus I 115. II 98.
V. d. Schueren, Geert III 207 f. IV 59.
Schwartzkopf III 121.
Scracz, Jac, de Indagine III 214.
scribere, der arme s. von Pruzenlant I
192.
V. Seesen, Autor III 172.
Segebergh, Michael Campis I 114.
V. Segen, Johan II 119.
de Siegelfeldt, Andr. Hampaum II 69.
de Snyder, Johann IV 167. 170.
Springer, Eilert 1 87. 88. 92.
Statins Tzerstede I 152—156.
Statloen, Ghert Duuink I 85.
Statwech, Johan III 202.
Steyn(e), Broyder III 29.
Kl. Steterburg, A. I). III 90. — K. Mor
ringhes III 90. — M. Sal. HI 62 f. —
T. H. III 90.
Register III. tV.
221
Stralen. Gerardus II 65.
van Stralen, Jacob IV 58.
S warte, Bernarclus, in Loccum I 185.
Swarten, Lambertus II 62. 145.
T. H. in Kl. Steterburg Hl 90.
Tesinge Cloester II 39.
Theodericus van Ruremunde^ Laienbru«
der in Dalheim IV 193.
Tibbeke Kiesen \ 103.
Tyes, Jon II 87 f.
Thilmann Pluynsch in Münstereifel IV
143.
Tymon(is) III 244.
Torappelinck, Johannes III 162.
V. d. Trupe, Heinrich I 96.
Türk, Johann IV 56. 59.
Tzellis, Johannes III 170.
V. Tzerstede, Nicolaus, Statius, Brand,
Claus, Albert I 152—156. — Claus III
102. — Brant (Nicolaus) III 227 N. 1.
Vinke, fr. Johannes IV 193 f.
Voerden, Job. Klinckhamer III 129.
V. Vorschelen (Vorsthelen), Arnt IV 89.
102. 104.
Vrigdach I 169.
die Wächter, Johan Henrics I 286.
a Waldenburgh, Rolandus IV 133.
Walter Ciaessen van Myl II 44.
Wassenberch, Joh. I 299.
de Werdenborch, Heinrich IV 111.
Wiechmann, C. M. II 186 f. 189. 199.
m 152.
Wildruden, Joh. II 115.
Wypperman, Anna I 127.
Witzendorff, Heinrich I 150.
Kl. Wöltlugerode III 62. 89. 93. 164.
166. — Kristina III 62.
Wordenhoff, Nicolaus II 185.
Schi. Wulueßborgh II 115.
fr. Zeyno Renghers to Bentlaghe I 277 f.
Zerbst III 152.
van Zire, Peter III 146.,
Register IV.
Sachregister.
Aachen, Brüderschaft IV 9. -- Schöffen-
sprüche IV 55. — Stadtrecht IV 61.
ABC-Lieder s. Lieder, geistl.
Abcdarium s. Rechtsbücher, alphab.
Abcdarius, lat.-nd. IV 20.
Abel, Caspar, nd. Gedichte II 187.
Abendmahl, Beeret über d. I 223 f,
Abendraahlsandachten I 113. 121. H
27 (e). 32. 132. 174. HI 23. 43. 51.
55. 93. 128. 129. 170. 206. 253. IV 8.
149. 156 f 158. 191. — lat.-nd. HI 109.
129. — Von 12 Früchten IV 8. HI 18.
Abendmahlsbetrachtungen (lehrhafte) I
260 (19). H 19. 155. 158. III 17.
112. IV 18.
Abendmahlsbüchlein III 197.
Abendmahlsgebete I 98. 99. 100. 102.
103. 128. 178. 269. 284. II 39. 41.
126. 137. III 32. 83. 112. 128. 131.
137. 160. 161. 253. 257. 260. IV 7.
23. 137. 151. 159. 185; s. Reimgebete.
Abendmahlsordnung II 94.
Ablaß I 223 f. 278 f. H 11. HI 33. —
der heiligen Fußstapfen Jesu Christi
III 75. — der hl. Stätten in Jerusalem
IV 101. -r in Rom I 277. III 210.
220. — -briefe I 250. gebete IV
188; gereimt I 308. zettel I 238.
Acht vnde wyse s. Tugendlehren.
Acht Sachen, weswegen dem Menschen
die Gnade des hl. Geistes entzogen w.
HI 49.
Achtersprache,, Van I 133.
Achtzehn Punkte f. e. geistl. Leben I 132'
Adam, Pastor in Kerpen IV 113.
Aderlaßregeln III 107. IV 159. 189.
Adolph Ciarenbach II 94. 146.
Adolphs, Joh. s. Neocorus,
Adventsandachten III 160. gebete IV
192. — -predigten I 182. 237.
Aegidius, de urina u. de pulsibus II 117.
Aesop, Gerhards v. Minden III 153. —
Magdeburger III 250. — Steinhöwels
(Druck) III 184. 188.
Affscheidonge s. Passio Christi.
St. Agate, Reimgebet III 59.
Agena, Imel, von Upgant 1 83.
St. Agnes, Hören IV 8. - Reimgel)ete HI
70. 156.
Agnus dei Germanicum I 203. -— Reim-
gebet über das A d. II 11.
Agrippa (Arzt) II 56. — von Nettesheim,
de occulta philosophia I 143. — Briefe
Ägyptische Tage II 57. [I 144.
Akkers I 172.
d'Alba, Duc H 187.
Albanus, Liber Ai. in proverbiis II 114
N. 1.
Alberus, Erasmus, Oft men den papisten
. . . ock in Middeldingen wyken schal I
164.
Albrecht v. Eyb, Van den echten staete
(Druck) III 186.
Albrecht, bruder A. der brediger bischof
I 132. 133. H 31. III 82. IV 40.
136. 175.
222
C. Borchling
Alchymistisch-med. Tractate I 143. II
150 f. IV 25 f.; s. Johann v. Padua.
St. Aldegunt, Leben I 124.
Alet, Guido v. I 246. 251. 261. II 20.
IV 40. 167.
Alexander de Villa Dei, Doctrinale III
13. 150—152. IV 20; s. Vocabulare.
St. Alexius, Leben III 260. IV 62. —
Reimgebete III 60.
Alfoncius, Leben des hl. Antonius IV 95.
Allarcius, ad s. Paulum Lipcensem, Pre-
digtdispositionen III 150.
Allegorien : Baum der geistl. Innigkeit I
106. III 55. — Tractat v. d. Berei-
tung d. Herzens z. Christo III 31. 35.
158. II 175, cf. I 258. — Bett des
hl. Geistes I 133. — 5 geistl. Blumen
I 133. — 8 geistl. Brode III 51. -
gestl. Brutlacht I 106. — 7 Gaben des
hl. Geistes III 18 f. 39. — Garten
Christi I 166. II 174. III 58; vgl.
Passionsandachten. — Geistl. Harfe I
98. 258. III 86. — Geistl. Jagd I 132.
— 12 geistl. Jungfrauen I 102. III
30. 53. 157. — 15 Kammern I 206.
— Geistl. Kloster I 305. II 194 N. 1.
IV 16, gereimt I 101. III 56. —
Geistl. Koste III 128. — Goldene Krone
Christi IV 124. — Lectulus noster flo-
ridus I 133. — Geistl. Palmbaum I
101 f. 205. 241. II 164. III 54. 196;
Predigt darüber III 44. — 5 geistl.
Schlösser I 241. — Selbharts regel I
132. — Geistl. Spinnstube III 34 (ge-
reimt). — Geistl. Wanderung III 69.
128. 135. 148. — 7 geistl. Zithern,
lat.-nd. III 91. 109; cf. 165.
Alleluya-lecgynge IV 189.
Almanach vnd Practica des Petrus Capi-
teyn II 61. — Mainz III 237 (Druck).
Alphabet eines raunchs yn der schulen
christv (aus der Imitatio) I 288.
Alten 24, Gebete z. d. III 164. IV 13.
— des Otto V. Passau III 238.
Altenberg, Abtei IV 73.
Altenbruch IV 9.
Altfriesisches I 83. 88. 92. 194.
Altsächsisches IV 108.
Altväter s. Cassianus.
Altväterleben s. Vitas patrum.
St. Ambrosius: Abendmahlsgebet IV 189.
— Passionsgebet IV 190. — Rede v. d.
hoghelauedenjuncfrouwenraarien 1 112.
— Reimgebet III 60. — Einzelne Aus-
sprüche IV 18.
Amicus u. Amelius I 20G.
Ammelya, Herzogin zu Cleve IV 118.
De amore diuino et humano I 277.
Amsdorf, Nie. v., christlike vorbetrach-
tinge f. d. Vaterunser II 42.
Anacletus, Sendbrief 11 158.
Ancelmus: Acht Stücke die Gott aller-
begerlichst sind II 176. — Ars mori-
endi III 53. — Kleinere Aussprüche
III 28. IV 108. 174. — Fragen vom
Leiden Christi (Gedicht) I 85. H 28.
III 222. 254—256 (mit dramat. Pro-
log). 258; Anseimus boich IV 200;
hd. III 249 ; Prosa H 200. III 23. -
Geistlike kosynghe myt Jhesu 1 112.
— Een gülden euangelijs Speigel van
der gotliken leiften I 284. — Stimulus
amoris, übersetzt von F. J. H. (= frater
Joh. Holtmans?) IV 27.
Andachten (ohne nähere Bez.) I 268.
III 20. 245. IV 190 u. ö.; lat.-nd.
III 29. 56. 87. 89. 93. 207. 245. Vgl.
Marienandachten, Passionsandachten,
Reimandachten. — Andacht a. d. Ant-
litz Christi III 48. — a. d. Leben
Christi in fortlaufendem Dankgebet
III 81. — Leben u. Leiden Christi 1
279. lU 34. — Zukunft Christi III 49.
— z. hl. Dreifaltigkeit III 32. — über
d. Avemaria III 31. 158. — auf ver-
schiedene Festtage des Jahres (lat.-nd.)
III 167. — in vigilia u. in die dedi-
cacionis, lat.-nd. III 87. — lat. u. lat.-
nd. a. d. Fest d. Deposition III 165.
166. — auf Stillen Freitag III 22. —
f. d. Zeit V. Himmelfahrt b. z. Passion
III 83. — f. d. canonischen Gebets-
stunden d. Tagen III 94. — für die
Wochentage I 205. HI 29. — a. St.
Anna I 112. HI 27. 65. 72. 89. —
St. Franciscus HI 48. — St. Johannes
III 170 (lat.-nd.) — Maria Magdalena
IV 16. — Simon u. Judas III 82. —
Andacht heg. : Blif leue here by my
m 43. 64. 82. 253. — beg. : Des
sunnauendes in der schemeringhe III
Andachtsbücher s. Gebetbücher. [42. 160.
Andere Land I 270. IV 188.
St. Andreas, Leben III 130. — Reimge-
bete III 61. 72. 78. — A. von Hispanien,
Gemeine Beichte IV 31.
Angelsächsisches U 63.
St. Anna, Exempla III 243. — Mirakel
III 65. — Reimandachten III 37. 50.
— Rosenkranz H 36. III 161. IV 23.
102; s. Gebete. Reimgebete.
Anna vanden broke monialis IV 186. —
Ovena Hoyers, Lieder u. Gedichte II
114. — V. Ascheberg, Aebtissin v. Herze-
broek, Briefe I 295.
Annalen s. Chroniken. Petreus.
Annales Ryenscs I 135.
Anseimus s. Ancelmus.
Ansprachen s. Predigten. [129. II 21.
Anstände- u. Sittenregeln für Nonnen I
Antichrist, Geschichte d. III 210; ge-
reimt IV 171 f.
Register IV.
223
Antidotarius anime (Druck) III 173.
Antigameratus (anthere gameratus) III
151.
Antiphonen II 173. 184. — des Advents
I 128. — der Heiligentage IV 22. —
St. Benedictus III 168. — St. Egidius
III 168.
St. Antonius, Leben III 136. IV 95. 134.
— Reimgebete I 251. 311. III 59. 67.
81. 90.
Antwerpen, Drucke I 276. II 136. —
Hansische Privilegien IV 56.
Anweisung zum Kirchengebete II 59.
Apokalypse, Erklärung I 119. — gereimt
I 169. III 10. IV 3. 171. 175 f.
Y. Apolda, Dietrich ü 122 f. IV 143.
St. Apollonia, Leben I 124. — Reimge-
bete III 59. 68.
Apostolicum I 236.
Apotheker-Gesellenprobe IV 26.
y. d. Appelle I 82.
Appingedam, Buerbreef I 83.
Arat III 171.
V. Arberg, Peter H 198. III 38 N. 1.
IV 180.
Argenis IV 63.
Aristoteles, Brief an Alexander 11 51.
Auszug daraus III 112.
Armut, Von geistl. A. (Gedicht) IV 40.
Arnheim, Stadtrecht IV 50.
Arnold v. Bevergerne, Münstersche Chro-
nik I 83. 290. 298. 299. 300. — Do-
neldey I 194. 235.
Arnoldus de Catalano, Liber de regimine
sanitatis II 117. — de Harff, Itinera-
rium in terram sanctam IV 23. 133.
167.
Arnout vander Niethaghen Q 132.
Arnt Buschmanns Mirakel I 84. II 20.
198. IV 5. 200. 201. — v. Tongeren
I 266.
Arnult V. Mumpelyr IV 117.
Ars moriendi I 108. 279. III 14. 39. 49.
58. 82. 92. 97. 98. 241. IV 161. 171;
gereimt I 161. III 103 N. 1. 107.
— Ancelmus III 53. — 5 Bekoringe
III 58. — Suso IV 137. — Vorsmak
III 21. 97. — s. Engelhusen. Testa-
ment.
Arstedie wedder de sunde der tungheu
I 169.
De arte memorativa II 114 N. 1.
Artikel des christl. Glaubens 11 198. —
Drei, zum tägl. [Jeb erdenken IV 185.
— Die 100 A. s. Passionsandachten.
Arzneibücher I 141--143. 194. 239. 241.
294. 314. n 50. 52—54. 56. 58. 60.
103. 104. 117—119. 132. 150. 187. 195.
III 13. 44. 109. 145. 176. 179. 196.
221. IV 126. 158. — Hannoversches
I 194. 235. — Rostocker II 187. —
Utrechter I 241. — Wolfenbüttler III
98, _ Veltbok 11 53. — Kinderbok 11
53. — Drucke H 120. 141. III 176.
179.
Arzneipflanzen s. Pflanzenverzeichnisse.
Arzt, Vier Gestalten des Arztes (gereimt)
III 176.
Aerzte II 56.
V. Ascheberg, Anna I 295.
Asketik s. auch Mystik.
Asketische Tractate, größere Sammlungen
I 128f. 314. H 102. 163ff. IV 41.—
kleinere Stücke I 125. 126. 206. 270.
307. 314. H 26. 63. 139. 191. III 244.
Aßpell IV 66. — Koesen-guider im Amt
A. IV 52.
Astrologisches I 143—145. II 14. 57.
IV 112 f. 200.
Astronomisches I 142. 145. III 146. IV
113.
Auferstehung, gereimt IV 172. 176. —
Van der vpstandinge I 257.
Auctoritates I 125. 129. 168. 205. 270.
II 22. III 82. 168. IV 34. 157. 187.
— gereimt H 43. 167 f. HI 28. 118f.
Augsburg, Drucke I 123. [IV 157.
Augustiner, Generalkapitel 1443 IV 145.
Augustinerregel I 264. 284. 288. III 39.
IV 29. 42 f. 60. 128. 145. 188. 199.
— Erläuterung I 264. — Exposicio
Eustachii IV 112.
St. Augustinus, Schriften, lat. II 173. —
Corpus kleinerer mystisch-asketischer
Tractate, zumeist aus Augustin I 254.
II 21. III 248. — Über das Abend-
mahl IV 166. — Antiphonen u. Ver-
sikel I 127. — Einzelne Aussprüche
I 101. 125. 207. 262. H 26 f. [= 168.
IV 28]. 31. 32. 43. 139. 169. III 28.
42. IV 156. 157. 174; gereimt IV
194. — Betrachtungen I 128. III
175. — Bok der ynnegen danken I 255.
II 21. III 248. — Bok der samytticheit
I 255. n 21. III 248. — Der engele
beth I 114 f. — Epistola ad Cirillum
I 86. vgl. Johann v. Olmütz. — Ge-
bete IV 190. — Gebete an St. Aug.
IV 16. — Handbuch (Manuale) 1 104,
114. 128. IV 27. 131. 168. — He-
melike ghebet III 46. — Leben IV
97. 128. — Dre nutte lere II 31. —
Loffsprokevandemhemmelryke III 175.
— Psalter I 113. 182. III 57. 70. 213.
245. — De quantitate animae IV 170.
— Reimgebete an A. III 61. — Ser-
mone III 35. IV 99. — Soliloquium
IV 27. — 5 Worte I 103.
Augustinus Dacius Sienensis II 115.
Auserkorenen Gottes, Wie man die A. G.
erkennen kann IV 35.
St. Autor, Gebete III 164. 168. — Reim-
224
C. Borchlin^,
gebet I 209. 218. 224. III 68. 168.
— Leben I 217. 224. III 195.
Avemaria II 139. — Andachten über d.
A. III 31. 158. — Erklärung I 279.
III 83.
Aventetent, Aventzrede s. Passio Christi.
Bandtschow, Joh. II 189.
St. Barbara, Hören IV 8. — Leben III
24. IV 62; gereimt III 183. 217. IV
201. — Reimgebete I 251. III 26. 156.
Bardowiek IV 139. — Protest. Missalia
I 203. — Etwes van B. s. Chroniken
Lüneburg Jüngere Bromeschronik.
Barlaam, Leben IV 62. 99.
St. Barnabas, Reimgebet 111 60.
Barth, Drucke IV 162.
Bartoldus Hammenstedde de Ganderßem,
Predigtdispositionen III 150.
St. Bartholomeus, Reimgebete III 61. 72.
80. — Mag.B., Practica I 142. 143. II
50. 104. IV 117. 158. — de Bene-
uento, Kraft vnde doghede der branden
watere II 141.
Bartolus, Van Heertekenn vnd wapenen
I 154. - lat. II 101.
Basel, Drucke II 141. III 219. IV 162.
Bauer, Notar I 128.
Bauernregeln III 174. IV 200.
Baum s. Allegorien. — des Lebens, ge-
reimt IV 172. 176.
Baumann, P., Catalogus Praefectorum . . .
des östl. Dithmarschen II 94.
Becker, P., Zerbster Chronik III 251. —
Bericht über die Fehde d. Stadt Magde-
burg m 251.
Beda, Homilie as. IV 108. — 7 Worte
Bedeboek s. Gebetbücher. [IV 150.
Beedebock (Druck) II 42.
Bedenken vnd Confession der Prediger
in Jeverlandt wider das Interim I 92.
Bedudinge, geistl, der hilgen 5 feste v.
1. heren III 15, vgl. Festbok. Weder-
gang. — s. Meßerklärung.
Beginchen von Paris (gereimt) I 100.
IV 201.
Behem, Lazarus B. van Sultzbach, Pro-
gnostik IV 113.
Behr a Lahr, Historia rerum Julio-Mon-
tensium IV 112.
Beichte 1 126. II 186. III 99. 192. IV 159.
— gemenebicht 11 58. III 88. 213. —
nach d. Katechismus III 99. IV 164.
— Protestant. I 145. — Der Confiteor
in duytzschen IV 149. — Beichtbe-
kenntnis U 197. 111 210. — Beicht-
formular 1 111. II 25. — Beichtbe-
trachtungen II 32. 1 75. — Beichtgebete
U 35. 39. 40. IV 7. — Abhandlung
über die B. I 126. 255 f. III 16. IV
142. — Beichtspiegel III 22. 33 (11).
97. 98. IV 153 f. 168. 177. - aus
dem Kl. Seelentrost II 166. III 11.
— as. IV 108. — des Andreas von
Hispanien IV 31.
Beispiele s. Grammatisches.
Bekoringe, Van der I 262 (26). IV 155.
— 5 bekoringe des Sterbenden III 58.
Belagerungswesen, Lehrgedicht über U
Belial (Druck) III 263. [101 f.
Benedicite, das II 138.
Benedictiones s. Segen.
Benedictinerregel , Erklärungen I 180.
III 100; St. Bernhards II 130. —
Sermon über d. III 56.
St. Benedictus, Gebete IV 185. — Ge-
zeiten IV 8. — Leben d. hl. B. von
Nursia u. d. hl. Männer und Frauen
seines Ordens I 305. II 195. III 55.
'- Van den loue s. Benedicti vnd syner
kyndere I 305. — Van den hilligen
yunferen des ordens S. Benedicti I
305 f. — Rosenkranz IV 185.
Beninga, Eggerik, Ostfriesische Chronik
I 82. 135. 315. IV 21. — Sicke, Chro-
nik der vreescher landen I 87, 315.
n 64 f. IV 132.
Benninge s. Beninga.
Bentheim IV 56.
Berckmann, Stralsund. Chronik II 192.
Berdrem Xanten, Van der heiigen eering
IV 197.
Bereitung des Herzens s. Allegorien.
Berg, Herzogt. IV 56.
V. d. Berghe, Jan, 't kaetsspell ghemo-
raliseert II 60.
ten Berge en Bylant, Joncher IV 66.
Bergen, Hansisches Kontor II 3. — Hof-
nagel II 97. — s. Lauritsson. Nor-
dische Sau.
Bergpredigt (lat.) II 130.
Berichte, Hist. : Braunschweig, Von Hol-
landes Regimente III 148. — Cöln 1481
IV 23. 153. — 1513 IV 23. 182. —
Erdbeben zuConstantinopel 1509 1 208.
— Dänemark: Bericht über den 7 jähr.
Krieg zw. D. u. Schweden II 85. — Er-
oberg. Dithmarschens 1559 II 85. 96.
— Hamburg: Einzug des Königs von
Dänemark II 147. — Langenbeke 1 146;
s. Kempe. — Hildesheimer Stiftsfehde
I 229. 231. 309. III 201. — Eroberung
von Iburg I 280 f. — Einführ. d. Re-
formation in Lübeck II 78. — Magde-
burg, P. Becker Hl 251. — Münster
I 297. — Hans. Gesandtschaft n. Ruß-
land II 189. — Sterneberg II 12. 189.
— Nighe gheschichte van den Thurken
vnde cristen (Druck) III 198. — Wer-
I dum I 92.
! St. Bemardinus, Gebet vom süßen Namen
j Jesu IV 189.
I St. Bernhard, auentbedeken I 112.
Ro.i(ister lY.
225
St. Bernhard, Einzelne Aussprüche I
101. 125. 133. 205. III G3. 70. 88.
IV 28. 35. 157. 187. — Tractat v. d.
Barmherzigkeit III 33. — Beklaghinge
über Christi Leiden I 182. II 38 ; lat.
gereimt III 111. — Auslegung der Bene-
dictinerregel II 130. — Betrachtinghe
I 113. — VanSanteB.consciencie I 276.
316. — Contemplacio IV 33 f. 135. —
Dulclloquium de infancia J. Christi
(lat.) III 111. — 16 Früchte der Be-
trachtung von Christi Passion IV 17.
— Gebet EI 144. — Gebet vom Leiden
Christi II 175. — Jesus dulcis memo-
ria I 309; lat. III 111. — U. L.
Frauen Krone II 36. — Lehre wo eyn
jewelick man syn huß regeren schal
(Druck) III 184. 263. — Lehre an e.
Jungfrau III 30. 53. 158. — Mantel
(= Mariengebete) III 75. 108. —
Von 16 Nutzen der üebung in der
Marter Christi III 82. — De planctu
mundi (lat.) I 192. — Predigten II 10
N. 1. IV 86. Sermones in Cantica
IV 86. Sermonen auf d. 90. Psalm
IV 86. — Prekel der myunen IV 131.
— Psalter auf d. Leiden Christi I 112.
113. IV 34. — Psalter ULFr. III 108,
s. Marienandachten. — 8 Verse aus d.
Psalter II 36. 184. III 64. IV 34. 151.
— Schole der hemmelschen ouinge I
254f. 11 21. III 51. 57. 248. — Eyn
sproke Bernherdi III 70. — Testament
I 125. III 52. 57. 82. — Dat innighe
wenent (Passionsandacht) III 84. —
Von verlorener Zeit IV 35. 145.
St. Bernward, Leben III 122. — Reimge-
Bertold, broder 1 133. [bete III 28. 61. 81.
Beschreibung der Fürsten, Grafen etc.,
die zur Königswahl Maximilians er-
schienen w. (Druck) III 186. — der
7 Hauptkirchen Roms II 178. III 226.
Beschwörungsformeln II 57. 59.
Bethlehem, Her, Beschreibung des hl.
Landes (auch als Passionsandacht) 1
308. III 22. 74. 214. IV 17.
Betrachtungen s. Andachten. — u. Ge-
bete f. d. Sonn- u. Feiertage des Kir-
chenjahrs s. Kirchengebete. — über
Selbst- u. Weltverleugnung I 100.
Betrübnisse s. Marienandachten. Marien-
gedichte. Klagen U. H.
Bett des hl. Geistes I 133.
Betuwe, Landrechte IV 65 f.
de Bevergerne, Arnold, Münstersche Chro-
nik I 83. 290. 298—300.
Bewahrung der inneren Reinheit III 16.
— der Zunge III 31. 159.
Bewys wt dem hilgen Euangelio dat Got
wil belonen fasten, beden vnd almissen
geuen (Lehrgedicht) II 161.
Bibeldrucke, Cölner 11 121. 134. III 184.
199. 214. 237. 249. IV 163. — Halber-
städter I 315. III 217, 238. IV 145.
162. — Lübecker I 247. II 121. 134. III
181. 217. 238. IV 163. — nid. I 294
(Altes Test.). — Lutherische nd. 1.
Ausg. 1247. IV 164; spätere III 219.
Bibelübersetzungen (hsl) I 286. IV 168;
s. Biblische Geschichten. — H. Emser
(Abschrift d. Vorrede) I 162. II 33.
Biblia Pauperum, Fragment II 9.
Biblische Gedichte, Altes Testament III
137. — Bruchstücke aus Esdras und
Jesaias (md.) III 199.
Biblische Geschichten des Alten Testa-
ments I 184 (Loccumer Erzählungen),
ü 9 f. 101. 166 f. — a. d. 5 Büchern
Moses u. d. Buche d. Richter I 201.
n 171. — Bücher der Könige I 85.
— Nye Ee HI 12.
Bichtboeck, Der Mönsterschen Ketzers
Bielefeld, Urkunde III 83. [I 296.
Bienenbuch des Thomas Cantirapratensis
I 249. n 49. IV 174.
Bild eines mystischen Spiegels I 243.
Bilder mit Spruchversen III 107.
Bilderhandschriften, Leben Jesu I 199.
II 45. _- Passion III 170. 246 f. IV
191. — sonstige I 232 f. H 13—17.
18 f. III 117. 201 f.
Bilderverehrung II 19.
Billia V. d. Loe IV 197.
St. Birgitta, Die 40 Cellen (Fastenandacht)
IV 16. — Gebete an B. III 163. —
Leben I 105. III 65. 93. — Marien-
brevier f. d. Schwestern des Salvator-
ordens II 105. — Oifenbarungen zu
der Regel des Salvatorordens IV 29.
— Passio Christi II 117. IV 103. —
Die 15 Gebete (^Paternoster) zur Passion
III 64. 1G3(?). IV 160. 184. 190. —
Revelaciones II 9. 117. Auszüge 1 102.
106. Passionserzählung daraus III 48.
82. 176. Drucke III 181. 236. IV
119. 120. — Reimgebete zu B. HI 27.
70. 93.
Byspel, wu vnstede sy der werlde leuen
(gereimt) I 213 f.
Bißlick (= Bislich, b. Wesel), Deichord-
nung IV 53.
Blarenborg, Goslarsche Reimchronik III
221.
St. Blasiuß, Leben IV 62. — Gebete II
170.
Bleckenstedt HI 172.
Blomen, Van den, geistl. Tractat I 115;
allegorisch I 133.
Blutsegen I 142. III 44.
Blutstürzungen s. Passionsandachten.
Boccatius, Hystoria Sigismunde III 185.
Bock (boek, bok) s. Buch.
Kgl. Ges. d. Wiss. Nachrichten. Philolog.-histor. Klasse. 1013. Beiheft. 16
226
C. Borchling,
Boeksdorf, Dietrich v., Remissorium III
125.
Kl. Bödeken IV 167.
Boderinck IV 115. [197.
Boendale, Jan, Laiendoctriual III 119.
Boethius, De consolatione philosophie,
mit Commentar IV 138 f.
Boger, M. Hinricus I 271. II 201.
Bomgarde ULVr. III 241.
Bonaventura, Leben des hl. Franciscus
IV 167. — Van vierderhande oefenyn-
ghen der zielen I 244. IV 103. 193.
— Profectus religiosorum I 287. —
Sermones de beata virgine II 196. —
B. - Ludolfianische Leben Jesu I 122.
204. 239. 243. 254. III 103; Aus-
züge III 32.
Bonnus, Mag. Herrn., Lübeckische Chro-
nik I 87. 138. n 77. 185. 189. 200.
III 145. IV 148. — Osnabrück. Kir-
chenordnung 1543 I 314 cf. 298.
Bort, Van der b. Christi III 147 f. —
Andachten III 15.
Bote, Hermen, Weltchronik III 241.
Bouriguon, Antoinette, Brief U 33.
Boye, Mag. Nie, Dat Dytmarschen nene
ingedrungen . . . ouericheit hefft I 136.
V. Brack, Johan III 231.
Brant, Sebast., Dat narren schyp (Druck)
H 121.
Brantius, Beruh. IV 197.
Braunschweig, Stadt, Agende des luther.
Gottesdienstes III 197. ~ Bist. Be-
richte III 148. — Brunsvicensien III
104. — Incunabeln III 198. — Kirchen
und Kapellen I 233. — Lobgedicht I
218. 224 f. — Stadtbuch III 134. —
s. Chroniken. Drucke. Histor. Lieder.
Stadtrechte.
Braunschweig-Lüneburg, Herzöge s. Frie-
drich. Heinrich.
V. Breydenbach, Bernd IV 194.
Bremen, Ansicht d. Stadt II 71. — Bre-
mensien I 87. 94. — Histor. Lieder I
96. — Renners Reimchronik III 235.
— Schöffensprüche III 126. — Series
cons. et senatorum H 71. 72, — Spruch-
reihe im Ratsstuhl II 72. — s. Chro-
niken. Stadtrechte.
Bremer, Asmus, Chrouicon tragicum-cu-
riosum Kiloniense U 89. 107. 147. 148.
Breslau, Hostienmirakel II 13. — Bressel,
Breslow 0 56.
Brevier, nd. II 38. 46. 129. 171. 175.
III 29. 30. 44. 55. 56. 106. 134. 135.
137—139. 160. 171. 186. 221. IV 99
—102. 114. 162. — Druck III 186.—
lat.-nd. III 45. 62. 89. 90. 93. 127.
206. 262. — 8. Oster-, Pfingst-, Weih-
nachtsbrevier.
Briefe I 82. 111. 144. 160. 227. 295.
II 33. 86 N. 1. m 28. 31. 123. IV
49. 50. 114 f. — Aristoteles an Ale-
xander II 51. III 112. — J. Christus
an seine Braut die innige Seele III
213; an St. Michael IV 14. — des
Sultans an Papst Leo X II 59. 59 f.
Brief formein II 115. III 146.
Briefsammlung aus Kl. Langenhorst III
153 N. 1.
Briefwechsel zw. Herzog Heinr. d.* Altern
u. Joachim Moltzhaur I 231.
Brinckerinck, Joh., Collacien III 169. IV
Brode, 8 geistl. III 51. [90 f.
tom Brok, Genealogie des Geschlechts I
v. d. Broke, Anna IV 186. [91.
Bromes-Chronik s. Chroniken Lüneburg.
Bruchstücke, Md. poetische III 239.
Bruderschaft, Geistl. J. Christi III 243.
— von Mariae Rosenkranz zu Coln
IV 195. — Menningen IV 143. — Cöln
IV 195. — Statuten Aachen IV 9. Cöln
IV 28.
Brügge, Drucke II 60.
Brugman, Joh., Leben Jesu IV 122. —
Passionsandachten IV 122.
Brunfelth, Otto, Practica II 183.
St. Bruno IV 44.
Brunswigk, Hans, Lüneburger Chronik I
221.
Brutlacht, ghestlike I 106.
Buch (bock, boek, bok), das puch von
Akkers I 172. — d. arstedien s. Arz-
neibücher (Drucke). — der bedroöenisse
. . . Marien s. Marienandachten, Betrüb-
nisse. — der consciencien (Druck?) I
111. — vandeu houte I 276. IV 75,
nd. I 99. — von der Jungfrauschaft
III 225. — V. d. warafftighen Leue
gades (Druck) III 182. 241. — des
kerstliken leuens II 30 f. — der lesten
noit III 38. IV 30; s. Engelhusen. —
der medelydinge Marien s. Marienan-
dachten, Betrübnisse. — der Prophe-
cien s. Plenarien. — van den Scaeck-
spele II 60. — der ewigen wysheyt s.
Suso.
Buchelyn vth den Euangelien vnnd Epi-
stelen etc. II 49.
Bücher der Könige I 85.
Büchlein über der Planeten Macht und
Schein III 99.
Buchwald, Anna v. II ä.
Bück, Gerhard, v. Buederick, Spieghel
der leyen I 283.
Büderich, Deichordnung IV 52. — Kloster
B., Augustinerregel IV 60. Visita-
tionsberichte IV 60. — Gerhard Bück
van B. I 283.
Buerbreef van Appinge Damme I 83.
Buetman, Diderick, Disputation wider
seine Artikel (gereimt) I 292 f.
Register IV.
227
Bugenhagen, Wedder de Kelkdeue (Druck)
II 131. III 222.
Bulla aurea 111 HB.
Bulß, M. Falentin (Arzt) II 56.
Büren, Daniel v., Denkelbuch I 96,
Burenspill (19. Jahrh.) III 2.
Bursfelder Congregation II 11.
Buschius, Herrn. III 232.
Buschmann, Arnt Bs. Mirakel I 84. II
20. 198. IV 5. 200. 201.
Buße, Tractat über d. II 25.
Bußpsalmen, Sieben I 128. 251. 264.
266. 268. 286. 311. 312. U 36. 49.
173. 194 N. 1. III 21. 29. 32. 46.
56. 90. 131. 157. 208. 223. 224. 253.
IV 22. 125. 128. 149. — gereimt II
183. 184. III 242. 252. — einzelne
IV 44.
Cadovius-Müller, Memoriale ling. Fris. I
88. 92. 194.
Caesarius v. Heisterbach, Dialogus mira-
culorum IV 115.
Calcar IV 70. — Privilegien IV 59. 199.
— Schöffensprüche IV 199. — s. Stadt-
rechte.
Calvarienberg s. Passionsandachten.
Cantica der Kirche s. Psalter. — Prote-
stant. II 98.
Canticum Bustardini II 123.
de Capestrano, fr. Johannes, Gebet II ,
176. I
Capiteyn, Petrus, Almanach vnd Practica I
Capitulum culparum IV 60. [H 61.
Carlstadt, Andr., Van dat priesterdom
ende oöer cristy IV 197.
Carmina sacra et alia, nds. III 249.
Carolina IV 83.
Carthäuser, Tractate u. Briefe aus den
Kreisen der C. I 129 f. IV 112.
Cassianus, Collationen der Väter I 119.
H 10 N. 1. IV 166.
Catena I 126. 180 f.
Cato I 86. n 185. III 146. — lat. II
114 N. 1. IV 21.
St. Cecilia, Reimgebete III 61. 76.
Cellen, Die 40 Gellen, Andacht der Bir-
gitta IV 16.
Cesariensis abbet, Beschouwinge des li-
dendes v. 1. heren J. Chr. I 104. 257.
316.
Cessolis, Jac. de, Buch vom Schachspiel
n 60.
Charisius, Job. Ehrenfrid II 192.
Chemie, Recepta chymica III 110.
Choralmelodien II 98.
Christenregel III 21.
Christenspiegel s. Coelde.
Christianus v. Norwegen II 97.
St. Christina, Leben IV 62. — Reimge-
bete III 60. 71. — Christina Mirabilis,
Leben IV 63.
St. Christoffel, Leben III 260. IV 62. —
Reimgebet III 60.
Chronica, Chronicon, Chronyckje etc.
s. Chroniken.
Chroniken III 5. — Jordanus, Cronica
de translatione imperii (lat.) III 113.
— Cronica van den Pawesen vnde v.
d. Keyseren II 64. 100. — Bergen,
Hofnagel II 97 ; s. Lauritssön. Nor-
dische Sau. — B r a u n s c h w e i g I
171. 218. 232. III 5. 125. 195. 244.
~ Schichtbuch I 232. III 116. 126.
197. — Pouchenius I 225. — s. Ge-
spräch. Schoppius. — Braunschweig-
Lüneburg, Auszüge aus br.-l. Chroni-
ken III 121. — Van der ghebort der
Forsten van Brunswik I 218. 224 f.
— Bremen, Büren I 96. — Kenkel
I 95. 228. III 115. — Louwe I 95.
— s. Renner. Rynesberch. Rode. —
De kleine Br. Chronika I 95. III 115.
— Kort verhaal van den Staat der
stad B. I 87. — Cleve IV 38. —
Bilderchronik IV 68. — Kl. Fürsten-
chronik IV 54. 56. — s. Schueren.
Türk. — Cöln IV 167. 182. — Jahr-
bücher des 14. u. 15. Jahrhs. II 83.
— Koelhoff HI 183. 237. IV 23. 162.
200. — s. Reimchroniken. — e. Dah-
lenburger Geistlichen III 154. —
Dänemark: Annales Ryenses 1135.
— Geschichte der Könige aus d. Hause
Oldenburg II 84. — Historia gentis Da-
norum I 135. — Auszug aus Saxo II
83 f. 1 1 9 f. (= Denscke kroneke [Druck]
II 121). — s. Hagen. — Delmen-
horst s. Oldenburg. -— D i n s 1 a k e n ,
Regularissenkloster IV 199. — Dith-
marschen I 136. II 5.93—96. 147.
— Chronik 1138—1500 II 96. — Bau-
mann II 94. — Boye I 136. — Luden
U 93. — K. Schröder H 151. — Vie-
then II 95. — Wernher I 136. — Wig-
berts II 93. — s. Detleffs. Neocorus.
Russe. - Dortmund IV 197. —
Westhoff I 297. — Duisburg,
Wassenberch I 299. — Eiderstedt
I 135. 139. 234 f. II 85—88. 93. 147.
151. III 113. 234. — Chronicon Ei-
derstadense vulgare II 86—88. 202. --
Iver Peters II 202. — Peter Saxe II
85 f. — s. Iven Knudsen. M. u. J.
Ovens. — Emmerich, Schwestern-
haus IV 116. — Erkelenz IV 199.
— Frankenberg II 76. — Fries-
land II 170. — Olde Chronica der
Friesen 1 82. — Fabelhafter Ursprung
der Fr. I 136. — Benninghe 187. 315.
II 64 f. IV 132. — Lemmege II 64 f.
IV 132. — Worp v. Thabor I 242. 316.
Vgl. Ostfriesland. — Geldern IV
228
C. Borchling,
57. 199. — Goslar I 195 N. 1. -
Cr. der Romscken Forsten d. gewontt
heffen tho Goßler III 148. — Plans
Geismer III 149. — Groningen s.
Lemmege. Sicke ßenninge. — H a d e 1 n
III 234. — Halberstadt I 286. —
Hamburg I 145 f. HI 234. — Chron.
von 801—1403 II 50. — Hamburgische
Jahrbücher f. 1388 ff. I 146. — Gyseke
I 140. II 73. — Reder I 233. II 73.
— s. Hagen. Rover. Tratziger. Wen-
desche Cronica. — Helmst-edt, Ha-
gen III 5. 235. — Kl. Herzebroek
1 295. — Hildes heim I 308, s. 01-
decop. — Holstein III 145. — Chro-
nicon Holtzatiae des Presbyter Bre-
mensis I 87. II 90—92. — Petersen
I 134. — Hagen I 223. 226. III 147.
— Genealogia Comitum Holsatiae 1 134.
— Jever I 83. 88. 90. 92. 93. 215.
234. II 169 f. — Mormann I 93. —
Remmer v. Seedyk I 88. 90 f. — In-
terim 192. — Jülich-Berg IV 112.
— Jütische II 83. 119f. — Kiel
s. Bremer. — Kniphausen I 91. —
Kulenburg IV 23. — Livland, Herr-
meisterchronik II 131. III 123. —
Schonne Hysthorj^e II 131. — Livlän-
dische u. moskowit. Händel III 123. —
Sanderus. II 131. — Russow IV 162.
— Lübeck, Nd. Chr. bis 1430: I 137.
II 75. 77. 150. — Detmarchronik I
135. — Korner 1 195 N. 1. HI 147.
— Reben II 77. — Rufuschronik I
316. II 75. 77. — s. Bonnus. Hagen.
Kock. Reckemann. — Lüneburg I
150f. 177. 215. 236. Hl 145. 197; Aus-
züge III 114. — Namen u. ordeninge
der Radespersonen HI 147. — Ano-
nymi Praelatenkrieg I 148. 151. 152.
156. 158. 220 f. 223. 236. II 100. —
ältere Bromes - Chronik I 157. 219 f.
II 66 f. 106. HI 99 f. 114. 119 f. 193.
— jüngere Bromes-Chronik I 138. 141.
149. 151. 226. 230. II 67-69. HI
121. 147. 194. IV 140. — Brunswigk
I 221. — Hammenstedt I 150. 195 N. 1.
236. — Lange I 231. — Meineke III
171. — Ricomanuus I 151. — s. Cordt
vam Hagen. Dorinck. Schomaker. —
Lünen, ^pormeker I 300. — Mag-
deburg, Schöppenchronik 1 234. III
209. 235. 250. — Mark s. NorthotT.
Verne. — Minden I 297. — Biscliofs-
chron. i 297. — Münster I 280. 290.
297. — Münstersche Oelde Chr. I 84.
298. HI 116. 124. — Bischofschr. I
280. 295. 290. 298. 300. 313. II 09.
— Dorsius III 124. — Droste I 296.
— Lambert v. 0er I 90. — Schwestern-
haus Niesink I 290. — s. Arnold de
Bevergerne. — Münstereifel IV
143. — der nordelbischen Sach-
sen I 195 N. 1. II 83. — Nord-
strand, Lorentzen II 93. — Petreus
II 88. 89. 202. — Oldenburg I 83.
87. 88. -- Lambert v. 0er 1 90. —
s. Schiphower. — Osnabrück (1183
— 1544) I 306. — s. Ertmann. — Ost-
friesland I 82. 83. 216. 245. 296.
II 82. — (1265—1464) I 82. 210. 245.
296. — (701—1550) I 82. 93. 216. 245.
296. — Egg. Beninga I 82, 135. 315.
IV 21. — Funck I 82. — Auszug aus
d. Chronik des Hauses Grymersum 1
91. — Klagegedicht I 82. 216. — Lo-
ringa I 296. II 82. — Oldeborch 1
195, — s. Friesland. Jever. — v; s t r i n-
gen I 90 N. 1. II 170; vgl. Jever. —
Kl. Ribbenitz, Lamb. Slaggert II
79 f. 195. 200. — Riga, Lebensbe-
schreibung der Bischöfe u. Erzbischöfe
III 123. — Rostock II 80f. 190,
200. — Rostocker Veide II 190. —
Perkow II 80. — Crouecken der Sas-
sen (Druck) II 100. 133, 137. III
121. 180. 208. 237, 263, IV 145; Aus-
züge I 232. III 149, — Schaum bürg,
Hermann v, Lerbeke 1 216. HI 171.
— SchAveden II 122. — Stift Ste-
terburg III 194. — Stralsund I
172. II 191 f. 194. — Berckmann II
192. — Gentzkow II 192. — Wessel
I 172. II 194, — Sylt, Kielholt II
149. 202. — Annales Morsumenses II
202. — Wen des che kr. (^Druck) HI
187. — Wendesche Stede u. Lande I
139. 227. 233. II 50. 65. 70. 73. 74,
184. 190. 199. III 100. 187. IV 24.
— Wismar II 195. — Werkmann II
189. — Z erbst, P. Becker III 251.
— Vgl, auch Reimchroniken.
Chrysostomus, Kleine Aussprüche IV 157.
Chytraeus, Nomenciator II 62.
Cisiojanus I 274, 285. II 14. IV 158.
173. — des Konrad Gesselen II 188.
Kl. Cismar II 11.
Cistercienser, Liber usuum, nd. IV 21.
— Statuten IV 21. — De illustr. viris
ord, eist. IV 39. 105. 127 f. 167. —
Schetzelo IV 40. 107.
ClaiJße, Broder, in Swytzen I 133.
Ciarenbach, Märtyrertod des Adolf Cl.
H 94. 146.
Claus Frey, Wiedertäufer H 132 N. 1.
Clemens, Papst, Gedicht über die 7 Be-
trübnisse der Maria II 180, — Send-
brief II 158.
Cleve, Herzogtum IV 52. 56. 04. 06. 67.
69—72. 74. 83. 118. — Latenrechto
IV 37. 70. 72. — Lehnrechte IV 52.
69. — Privilegien IV 64. — Uacsfeldt
Register IV.
229
IV 52. — - Verbundbriefe der clev. u.
geldr. Städte IV 51. — s. Chroniken.
Deichrechte. Stadt II 56. — Ju-
deneid IV 50. — Schöflfenurteile IV 36.
72. — Urteilsbuch IV 72. — Wylhelm
Hus II 56. — s. Privilegien Stadt-
rechte.
Codros, Mester C. van klenen Paris,
(Spott-)Praktika II 186 f.
Coelde, Dietrich, Spegel der cristene
mynschen I 284. III 180. IV 168 f.
— Drucke I 289. III 175. 182. 183.
189. 208.
Collationes s. Predigten.
Collectenbuch I 115.
Cüln I 80. — Bibel s. Bibeldrucke Cöln.
— Brüderschaft Mariae Rosenkranz
IV 195. — Carthäuser 1 266. — Dienst-
mannenrecht von St. Peter IV 45. —
Gaffelordnungen IV 28. 47. ~ Haich,
Bürger zu C. IV 43. — Hist. u. Jurist.
Aufzeichnungen betr. C. IV 23. 28.
45. 191. — Hist. Lied IV 23. — Juden-
eid IV 45. — St. Panthaleon IV 44.
— Polizeiordnungen IV 45 f. — Privi-
legien IV 45. 47. — Reimsprüche IV
23. 49. ~ Schöffenurteile IV 45. —
Ursulakloster IV 149. — Weverslaicht
IV 49. 118. — s. Berichte. Chroniken.
Drucke. Hagen. Reim Chroniken. Stadt-
rechte.
Complexien, Über die I 206.
Composita verborum, lat.-nd. I 185.
Confiteor in duytzschen II 139. IV 49.
Constantinopel I 208.
Conzil zu Constanz III 46(8).
Cord van Ermerkhusen IV 186. — Ghe-
uekote IV 141.
Cordiale quatuor novissimorum (lat.Druck)
III 218.
Cordt vam Hagen, Chronik der Städte
Lübeck, Hamburg, Lüneburg, des Rei-
ches zu Dänemark u. des Landes zu
Holsten I 223. 226. HI 147.
St. Cosmas u. Damianus, Reimgebete III
Cranenburg, Privilegien IV 64. [26.
Credo H 139. III 71. 170. — mit Noten
I 121.
Cruse, Marschalk, Worumme he geweken
ut sinem kloster (Druck) HI 222.
Crux fidelis to dude 1 101. 316 (Druck).
Curia palatium IV 182.
Cursus s. Hören.
St. Cyriacus, Reimgebete III 59. 76. 81.
Cyrillus, Epistola ad Augustinum I 86.
II 27; vgl. Johann v. Olmütz.
Dahlenburg, Chronikal. Aufzeichnungen
des Pastors Wenmaring. — Brief au
dens. — luventarium der Kirche — Sa-
larium pastoris — Visitationsartikel
III 154.
Damascenus, Job. IV 99.
Dame Rosa II 13.
Dänemark, dänische Ereignisse II 113.
— s. Chroniken. Reimchroniken.
Daniel v. Büren, Denkelbuch I 96.
Dankgebete HI 87. 228. IV 190.
David, Prophet, Gebete an D. IV 13. 16.
— Jorisz, Werke I 131. 265 270. II
34.
Decreta de inclusione eucharistiae etc.,
lat. u. nd. I 223 f.
Deichrechte u. Ordnungen: niederrhein.
u. nid. IV 65. — Ostfriesland III 120.
233. — rheinische : Bißlick IV 53. —
Büderich iV 52. 65. — Cleve IV 51.
65. 67. 70. — Düffel IV 51. — Em-
merich IV 82. — Xanten IV 65.
Delft, Drucke III 175.
Delmenhorst H 82. — Histor. Lied I 95
Deprofundis s. Seelengebete. [N. 1.
Descriptio Romae HI 149.
Detleö', Hans, Dithmarsische Historische
Relation I 170 f. II 94 f. III 123.
Detmar, Lübische Chronik I 135.
Deutschordensstatuten II 140.
Deventer, Drucke III 217. 237.
Dialog zw. d. Keuschheit u. d. Jüngling,
über Christi Leiden u. Kindheit I 104.
Dialogus geuunden tho Roma vor Pas-
quillus II 99. — Zweyer Gefattern, s.
Gespräch zw. Autor u. llinrich. — Gre-
gorii I 86. IV 93. — rationis et anime,
lat. U 173.
Dicta seu castigationes philosophorum
moralium III 209.
Dienstmannenrecht, Cöln, St. Peter IV 45.
Dietenberger, Job., Catechismus (Druck)
HI 218.
Dietrich, meyster D. ein brediger IV 40.
— V. Apolda, Leben der hl. Elisabeth
H 122 f. IV 143. — V. Bern, episches
Lied [gemeint ist der Sigenot !] I 191.
— Engelhusen s. Engelhusen. — von
Münster s. Coelde.
Dillenburger Jesus Sirach I 249.
Dinslaken, Klosterchronik IV 199. —
Stadtrecht IV 81 f.
Diuus (v. Mugillo), Van vorhorynge I 154.
St. Dyonisius, Ausspruch II 32. — Reim-
gebet III 26.
Ditraar Kenkel, Bremische Chronik I 95.
228. HI 115. — Hauschronik I 95
N. 2.
Dithmarschen, Bericht über d. Eroberung
II 85. 96. ■— Landrechte II 151. —•
Örtlichkeiten I 136. — Vorbünteniße
der Geschlechtc H 94. — s. Chroniken.
Histor. Lieder. Reimchroniken.
Doctrinal der Layeu IV 162.
Doctrinale s, Alexander de Villa Dei.
Dodendantz (Druck) HI 181.
230
C. Borchling
Dodes dantz (Drucke) 11 140 f. IV 163.
Dogheden, Van den xii d. s. Ruusbroec.
Domann, Syndicus, Lied von der Teut-
schen Hanse I 174.
Dominicaner, Dietrich IV 40. — s. Al-
brecht.
St. Dominicus, Gebete an IV 40.
Donatus II 125. III 151. 221.
Doneldey, Arnold I 194. 235.
Dopbockelyn II 48 f. III 197.
Dorinck, Dirick, Historia von Her Johan
Springintguth I 148. 157. 221. HI 145.
147. 193. [ten.
Dornenkrone J. Chr. s. Passiousandach-
St, Dorothea. Gebete III 51. — Leben ge-
reimt I 202. 266. 273. III 183. 217.
— Reimgebete III 59. 156.
Dorsius, Henr. Monast., Historia HI 124.
Dortmund, Stadtrechte iV 132. — -We-
seler Recht IV 54. 73. 197. — s. Chro-
niken.
Dotsunde, De seueu (Druck) III 180. 217.
— Allegorie I 101.
Drei Regeln der menschl. Seele III 58.
Dreierhand Gedächtnisse II 27.
Dreierlei Art des Sündigens Hl 33. —
Stufen des Verdienstes H 176.
Dreifaltigkeit, Gebete I 284. III 131.
190. 214. — Lob der hl. Dr. IV 26.
— 3 Paternoster IV 159. — 9 Pater-
noster I 266. — Psalter IV 26.
Dreizehn Grade einer geistl. Wanderung
III 148. — Dreizehn Meister III 148.
Drenker, Van d. II 113.
Drofnisse s. Marienandachten u. -gedichte.
Droege, Geerdt, Leben Franz Wessels I
172.
Droste, Heidenreich, Chronik v. Münster
I 296.
Drucke, nd. I 81. 84. 98. 119. 145. 191.
238. 247. 293. 315. II 6. 61. 74. 84.
99 f. 105 f. 120 f. 131. 133—138. 140
—142. 154. 182 f. 192 f. III 2. 5. 6.
16. 20 f. 22. 36 N. 1. 85. 98. 121. 122.
174—191. 198. 199. 208f. 212. 214—
219. 221. 222. 235—239. 241. 249.
262 f. IV 5. 119 f. 145. 162—164. 199.
— nid. I 123. 266. 294. 299. LI 60. 132.
III 175. 176. 190. 216. 222. — alt-
friesische I 83. — Antwerpen I 276.
II 136. — Augsburg I 123. — Barth
IV 162. — Basel H 14L III 219.
IV 162. — Braunschweig III 183. 217.
219. — Brügge II 60. — Cöhi I 101.
266. III 11. 143. 145. 177. 179. 183f.
184. 188. 211. 218. 219. 235. 237. 258.
260. 263. IV 9. 23. 76—80. 162. 171.
200 f. — 8. Bibeldrucke. — Delft III
175. — Deventer III 217. 237. — Frank-
furt a. d. Oder IV 119. — Halberstadt
m 212. — s. Bibeldruckc. — Ham-
burg H 42. 133. HI 185. 219. —
Leiden III 176. — Leipzig III 174.
236. — Lübeck I 120. 238. 247. II
84. 99. 120 f. 133 f. 135. 136. 140—
142. 188. HI 16. 20 f. 36 N. 1. 98.
176. 178—184. 188. 189. 191. 209.
215—217. 236. 241. IV 119 f. 163 f.
— s. Bibeldruckc. — Magdeburg I
138. 315. II 77. 131. 135. 183. 185.
HI 2. 36 N. 1. 85. 174. 178—181. 183.
187—189. 215. 216f. 235. 236. 249 N. 1.
IV 164. — Mainz HI 237, s. Crone-
ken der Sassen. — Nürnberg III 219.
— Paris III 190. — Rostock I 98.
101. 120. 172. H 183. — Stendal III
180. 236. — Straßburg II 132 K. 1.
III 146. 173. 263. — Wittenberg HI
219; hd. H 132 N. 1. III 154. — Nd.
(ndl.) Drucke in Abschriften I 119 f.
121. 138. 172. 224. 266. 270. 276. II
12. 33. 42. 48 f. 60. 77. 185. 186 1.
188. 189. HI 20. 98. 104. 121. 235;
s. Bonnus.
I Dudesche Misse tho Straßborch II 48.
! — Vigilie (satir. Gedicht) II 99.
I Düffel, Deichordnung 1364 IV 51.
I Duisburg, Chronik I 299. — Polizeiord-
! nung IV 55. — Privilegien IV 56. —
Schöffensprüche IV 55. — Stadtrechte
IV 54—56. — Waldordnung IV 55.
Dülken IV 83.
Duschelynge dage IV 186.
Eberhard, Reimchronik von Gandersheim
III 197. — Auszüge I 209.
Eberhardus Bethuniensis, Grecismus (lat.)
HI 231.
Eberhardsklausen IV 3. 167. 170. 182.
Ebstorfer Homilien I 179. — Lieder-
handschrift I 182. — Märtyrer I 178.
II 179.
Echten staete, Van den (Druck), des Al-
brecht v. Eyb III 186 ; vgl. Freder. —
Dryerleye dyngc de hören to eynen
guden echtlyken State III 176.
Eckernförde, Stadtrecht IV 24.
Eckhart, Des getruwen Eckhardes For-
maninge an alle Minscheukindere (ge-
reimt) III 171. — Meister, Predigten
IV 40. 129. — Reden der Unterschei-
dunge IV 135. 155 f. — Aussprüche I
133. IV 40.
Edelen Steinen, Gedicht von II 104 f.
St. Edeltrudis, Leben IV 134.
Edo Wiemken I 91.
Effrem des dyaken vcrmanynge IV 128.
Egebert, De euelikc sprake des abbetes
E. IV 27.
Eggerik Beninga, Ostfries. Chronik I 82.
135. 315. IV 21.
Egidius, Bruder, Aussprüche IV 98. 192.
— Worte von Versch mähung der Welt
Register IV.
231
IV 98. — Goldene Worte III 239. IV j
98. — St. E., Legende ii. Mirakel I
218. — Krankheit des hl. E. IV 60, —
E. Romaniis, de regimine priucipum
III 230. IV 200.
Ehespiegel (aus dem kl. Seelentroste) II
167. III 11.
Eiderstädt, Karte von E. III 113. — hd.
Abhandlung über E. III 113. — s. Chro-
niken.
Einbeck, Hist. Lieder I 229. III 199 f.
Einsiedlerin (Exempel) IV 34.
Elftausend Jungfrauen, Reiragebet III 61.
— s. Ursula.
St. Elisabeth, Leben I 201. 213. III
19. — von Dietrich v. Apolda 11 122 f.
IV 143. — Reimgebet III 61.
Elsbeth Stagel IV 107.
Elzeboick IV 68.
Emden, Acten betr. II 170.
Emmerich IV 82. — Deichrechte IV 82.
— Elzeboick IV 68. — Fischereige-
rechtsame IV 82 f. — Fraterherren-
haus IV 116. — Privilegien IV 68. 82.
— Schwesternhaus St. Agnieten IV
116. — s. Stadtrechte.
Emser, Hieronymus, Anwysinge vth wath
lyckmalen eyn . . Euangelisch Prediger
to kennende I 160. 163. — Vorrede
zum Neuen Testament I 162. II 33.
Eneas Silvius, Übersetzung des LJO. Brie-
fes II 32 f. — Saphicon endecasillabon
ad Christi passionem contemplandam,
lat. u. nd. (gereimt) III 150.
Enenkel, Jaus, Reimbibel III 171.
Engel, Chor der E. I 288. — Von 9
Chören der E. III 15. — Reimgebet
von den Engeln III 26.
Engelhusen, Dietrich III 101. — Epita-
phium III 210. — Ars moriendi 1 107.
201. II 107. III 14. 22. 37. 56. 83.
101. IV 30. — Dat boeck der lesten
noet (Teil der Sterbekunst) III 38. IV
30. — Laienregel I 201. III 101. —
Vocabularius III 209. IV 167. -- Welt-
chronik III 101. 171.
Engels Unterweisung (Lehrgedicht) III
245.
Enyge sprake eens reguliers IV 128.
Enno Graf v. Ostfriesland II 61.
Entschuldunge eynes olthlouigen christ-
liken predicanten 1 165.
Epiker, mhd. III 137.
Epische Lieder, nd. I 191. II 186. IV
77—79.
Episches Gedicht a. d. Kreise des Königs
Artus I 186—189.
Epistola Luciferi (lat.) II 114 N. 1.
Epistel S. Pauli tho Titon II 42. — van
den leuen eyner iunferen I 86. — van
gelofften der geestelicher lüde IV 105.
— vanden scapelier der geistlicker lüde
IV 105.
Episteln s. Plenarien.
Epitome Grammat. German. II 63.
Erasmus von Rotterdam, Enchiridion
(Druck) III 219. — Gebet I 161. —
Auszug aus d. Boke van des fryen
willens vorbiddinghe I 162. — St. E.,
Gebete II 47. III 153. 224.
Erkelenz, Chronik IV 199. ~ Stadtrechte
IV 73. 199.
Erlösung, gereimt IV 172 f.
Ermahnungen des Crucifixus (Reimprosa)
I 278. — U. L. Frau IV 15. — an
Klosterjungfrauen I 101, vgl. 315. III
192. IV 17.
v. Ermerkhusen, Cord IV 186.
de Erphordia, Jacobus III 150.
Ertmann, Ertwin, Osnabrückische Chro-
nik I 121. 138. 231. 280. 291. 303.
306. 308. 309. 313. 314. II 69. 291.
III 209. — lat. III 113.
Erzählungen, Kl. III 111. — Loccumer
I 184. 201.
Esdras III 199.
Essen, Heberegister IV 108. — Satzungen
der Bäcker IV 153.
St. Eufemia, Reimgebete III 60. 68,
St. Eugenia, Leben IV 62.
Eusebius, Epistola ad Damasium I 85;
vgl. Johann v. Olmütz,
Eustachius, Expositio super regulam Au-
gustini IV 112.
St. Euthicia, Reimgebet III 61.
Evangeliar s. Plenarium.
Evangelien, buch s. Plenarien. —
-harmonie I 121. — -texte II 8. III
102 (nid.). — f. d. Fastenzeit III 152.
Euaugelio, Van dem Hilgen E. (gereimte
Tugendlehre) II 160.
Euangelion Martin j Luthers II 156, s,
Wicel.
Ewangelium Nicoderai I 168. IV 99.
Eucharius Rößlin, Geburtshilfslehre II 59.
St. Ewald, Leben IV 147; gereimt III 95.
Exempla I 133. 158. 201. 205—207. 305.
II 32. 36. 165. III 93. 111. 148. 205.
240. IV 33 (b). 35 (f). (h). 62. 105.
136. — Register von E. aus Väterb.
u. Passional III 10. — St. Anna III
243. — sunte Bernt III 52. — von e.
Einsiedlerin IV 341. — von e. frommen
Frau I 106. III 111.
Exercitium puerorum grammaticale
(Druck) III 217.
Eyb s. Albrecht.
M. F. L. (Arzt) II 56.
Fabeln (gereimt) U 113. III 258—260.
— lat., mit nd. gereimter Moralisatio
n 63. — s. Aesop. Gerhard v. Minden.
St. Fabianus, Leben III 136.
232
C. Borchling,
Fabri, Johannes, Sermo de morte I 124.
Fabricius, Liederbuch des Petrus F. II 98.
Facetus, lat.-nd. III 195. 2i9. 250. — lat.-
hd. III 232 N. 1. — lat. II 114.
M. Falentin Bulß (Arzt) II 56.
Familienwappen s. Wappen.
Farbenlehre (gereimt) II 110. — recepte
I 142. IV 170.
Fastenandachten, lat. III IG6. — f. Non-
nen I 197. — der hl. Birgitta IV IG.
— Fastelabcndskränzchen III 52.
Fastnachtsspiele, De Schevekloth I 227.
III 122.
Fatuitates, Duodecim (gereimt) IV 43.
Fegefeuer, Über d. II 117.
Fehmarn, Landrecht IV 24.
Festbok (Andachten zu den Festen Christi
u. Mariae) IV 184. Vgl. Bedudinge.
Ilauptfeste. Marienandachten. Weder-
pang.
Ficinus, Marsilius I 144.
Fijker, Nie, 7 Fragen an den sterb.
Menschen (nach Gerson) II 156.
Fischereigerechtsame IV 82 f.
Flensburg, Stadtrechte II 157. IV 24 f.
— Skra (dänisch) IV 24. — Schiif-
recht IV 25. — Disputation zu F. II
132 N. 1.
Fliegende Blätter II 74.
Fliscus, Steph. IV 198.
Florentius, Leben des hl. Jost IV 96.
Forma ordinandi ministros I 115.
Forme, Van eyner nutten körten forme
eyns geystliken leuendes 1 179. III
214 [== Teil von Suso, Horologium].
Formula desponsationis I 115.
Formulare II 101. III 146. IV 47. — For-
mulare vnd duytsch rhetorica (Druck)
III 236.
Franciscaner - Brevier (lat.) II 171. —
Statuten II 171.
St. Franciscus, Bonaventuras Leben des
hl. F. IV 167. — Speculum vitae S.
Francisci et sociorum eius IV 93. —
Lelien des hl. F. und seiner Gesellen
I 124. IV 38. 97 f. 192 f. — Erhebung
IV 98. 193. — Lehren von St. F. Leben
IV 98. 193. — Namen von St. F. Ge-
sellen IV 97. 192. — Reimgebet III
61. — 5 Wunden des hl. F. III 63. —
Wunderwerke IV 98. 192. -- 5 Gebete
IV 190. — 5 Paternoster I 128.
Frankfurt a. 0., Drucke IV 119.
Frau, Von e. frommen I 106. III 111.
Frauenkrankheiten, Recepte u. Anwei-
sungen II 59. 60.
Frauenlob, Todesklage II 58.
Fredeboick von Altenbruch IV 9.
Freder, Joh., Streitschrift gegen Job.
Knipstrow II 45. — über Echten staet
Freherus, Marquardus II 63. [III 176.
Freidank I 271 f. 285. III 137. 250. —
lat.-nd. III 195. — lat. IV 21.
Freiheit, Von d. F. geistl. Leute I 166.
Freitage, Goldene I 134.
Freuden Jesu s. Passionsandachten. —
ULFr. s. Marienandachten. — Zehn I
105.
Freuden-Psalter Jesu IV 121.
Frey, Claus II 132 N. 1.
Friedberg IV 138.
Friedrich d. Fromme, Herzog z. Braun-
schweig-Lüneburg, Brief an s. Sohn
Otto I 227. III 123.
Frigedancus s. Freidank.
Früchten, Von 12 Fr. (Abendmahlsan-
dacht) III 18. IV 8.
Funck, Chr., Samml. ostfries. Dokumente
u. Nachrichten I 82.
Fundament der salicheit (gereimt) II 161.
Fundamentum aeternae felicitatis (lat.
Druck) III 219.
Fundgrube, Himml., des Johannes de Valcz
(Druck) III 187. 215. 216.
Fünferlei Nutzen II 22. 164.
Fünfzehn Zeichen des jüngsten Gerichts
I 210 f. IV 172. 176. — gereimt III
48.
Gaben 7, des hl. Geistes III 18. 39.
Gabriel, Gespräch der Seele mit d. Engel
G. (ex libro G.) III 23. 76. IV 34.
Gadesdenste, Van twyerleye I 161.
St. Gallus, Roimgebet 111*60.
Gandersheim, Bartoldus Hammenstedde
de G. 111 150. — p]berhai'd v. G. I 209.
III 197.
Gaerde der suntheyt (Druck) II 133. IV
1 /?q
Garten Christi I 166. II 174. III 58.
Gebetbücher I 85. 86. 88. 93. 94. 98—
109. 111—115. 127 f. 131. 146. 166.
167. 178—182. 193. 196. 204. 250.
264. 266—268. 279. 284. 286. 289.
294. 300. 301. 307—312. II 34—37.
39—41. 43. 44. 46. 47 f. 105. 107.
126—129. 146. 170. 180-184. 186.
200. III 20. 23 f. 25-94. 98. 108-
112. 127. 130—135. 137 f. 155—168.
170 f. 173. 190. 192. 196. 206. 207.
212. 214. 216. 221. 223. 225 N. 1.
232. 241. 243. 249. 262. IV 101. 128.
131. 148. 159. 162. 166. 179. 185. 190.
191. 196. 199. — nd. in Drucken: I
315. II 42. 120. 133. III 20 f. 174.
179. 186. 189. 190. 198. 209. — s.
Brevier. Horarien.
Gebet, J. Schröder, Vnderrichtinge vam
warb. u. valschen (t. II 179 f.
Gebete (ohne nähere Bez.) I 135. 167. 180.
270. 289. 285. 288. 289. 301. 308. 809.
II 8. 34. 36. 88. 40. 43. 44. 47. 174. 176.
180. 184. III 21. 22. 24. 29. .30. 56.
Register IV.
233
65. 66. 84. 87. 90. 92. 94. 110. 135.
138. 155. 157. 160. 161. 163. 167. 170.
174. 177. 191. 196. 214. 232. 242—
244. 246. 253. IV 149. 168. 179—181.
184. 189. 191. — lat.-nd. II 35. III
110. 173. — lat., mit AVort f. Wort
eingeschobener nd. Übersetzung I 83.
— dänische 11 46 f. — s. Ambrosius.
Augustinus. Bernhard. Birgitte. Fran-
ciscus. Hugo von St. Victor. Jheroni-
mus. Thomas v. Aquino. Aufer-
stehung I 112. — md., f. e. Benedic-
tinerin III 223. — Dankgebete III 87.
IV 190. — großes Dankgebet III 228.
— f. d. Feste des Kirchenjahres 11 40.
rV 161 ; s. Kirchengebete. — für
deinen Freund II 126 f. — um Frieden
n 155. — Morgen- u. Abendg. IV 15.
— über die Bitten des Vaterunsers III
83. — 150 Gebete zum Psalter I 249.
— zum Marienpsalter III 67. — Sonn-
tagsg. IV 13. — zur Stilmisse II 181.
— in Todesnot I 279. III 30. 49. 92.
158; s. Sterbegebete. — für die Wo-
chentage III 208. 223. — s. Abend-
mahlsg. Ablaßg. Adventsg. Marieng.
Keimg. an Christus I 107. 269. II
37. 48. 123. 126. 137. 175. III 84.
108. 111. 112. 155. 156. 168. 253. IV
185. 192. — an den hl. Geist I 100.
II 127. — an die hl. Dreifaltigkeit I
284. III 131. 190. 214. — an alle
Heiligen II 126. III 166. — an ein-
zelne Heilige I 98. 102. 103. 107.
II 41. III 254. IV 161. 184. —
24 Alten III 164. IV 13. — St. Anna
I 107. 310. II 41. HI 65. 112. 161.
262. IV 16. 149. 161. — St. Antonius
III 112. — Apostel III 66. — St. Au-
gustinus IV 16. — St. Autor III 164.
168. — St. Birgitta III 163. — St.
Blasius II 170. — zum Proph. David
IV 13. 16. — StDominicus IV 40. —
St. Dorothea HI 51. — zu deinem Engel
II 126. — St. Erasmus II 47. III 153.
224. — St. Jeronimus III 87. — St.
Johannes Evang. I 108. II 126. — St.
Jost II 47. HI 173. — St. Jürgen II
43. — St. Katharina III 173. IV 184.
— St. Margaretha III 51. — St. Maria
Magdalena II 179. III 30. 51. 109.
157. 253. IV 16. — St. Matthias III
160. — St. Nicolaus III 51. — St. Pau-
lus III 87. — St. Peter u. Paul, lat.-
nd. HI 87. — Philippus u. Jacobus
minor I 166. — St. Sylvester II 43.
— St. Vitus IV 185. — Vigilie IV 17.
Gebote, Zehn, Text IV 157. — dänisch
II 83. — gereimt U 183. III 29. 34 f.
37. 58. 63. 99. 118. 176. 216. 253.
260 f. IV 31. 169. — Erklärungen I
119. 236. H 24 f. HI 33. IV 169.
170. 173. — Drucke III 216. — lat.
II 228. — s. Henricus de Vrimaria.
Marcus v. d. Lindawe. — Ein bede-
bdck der t. g. (Druck) II 42.
Geburt Christi, Von der geistl. IV 17.
— s. bordt.
Gedanken, 9 sonderl. G. Christi III 17,
86.
Ghedechtnisse, Dreierlei II 27.
Gedenkverse f. d. Tage der wichtigsten
Heiligen III 146.
Gedichte, Geistl. III 249. 251. — mhd.
III 137. — von den 4 Gestalten des
Arztes III 176. — gegen die kathol.
Geistlichkeit II 99. — v. d. toten u.
lebendigen Königen I 281. — über die
Novissima (wu vnstede sy der werlde
leuen) I 214. — v. d. Würde d. Priesters
III 257. — In wat quadt de mynschen
nu gekamen syntt II 161. — von der
Rechtfertigkeit IV 143. — von Edelen
Steinen II 104. — vanden volke van
ertrike I 278. — van der Werlt lope
II 106. — lat, beg. : Etiopum terras
HI 150.
Gedichtchen u. Sprüche I 116.
Geert Groote, Contra focaristas IV 88.
— ÜL. Frauen Getide IV 125. — Ser-
mon IV 89.
Gehorsam, Von wahrem IV 155. 156.
Geismer, Hans, Goslarsche Chronik III
149. — Reimchronik der röm. Kaiser
III 149. — Thomas, Jütische Chronik
II 84.
Geistliche Gedichte III 249. 251.
Geistliches Leben, Anleitung dazu I 101.
256. III 63. IV 173. — Aussprüche
über g. L, IV 8. 34. — Von geistlichen
Leuten II 22. 173. — Warum man g.
L. ihre Nahrung entziehen darf II 173.
III 43. — Sunderlike genade der g. L.
III 46. 109. 148.
Geldern, Herzogtum IV 58. 64—67. —
Chroniken IV 57. 199. — Privilegien
IV 64. — Spottvers IV 56 f. — Ven-
loer Tractat IV 58.
Gelenius, Farragines IV 112.
Gemmula vocabulorum (Druck) III 217.
Genealogia Rantzowiana (Druck) 11 84.
— Christi (gereimt) HI 53. — Loringas
I 296. II 82.
Gennep, Stadtrechte IV 37. 51.
Genoveva-Stoff IV 63.
Gentzkow, Tagebuch (Stralsund) II 192.
St. Georg, Leben IV 63.
Gerbert-Sylvester II 165. III 105.
Gerhard v. Minden III 153.
fr. Gherlacus, Brief III 28. 31.
Germanische Urgeschichte III 149.
Gerson, Johannes II 23. 176. — Geystlyke
Kgl. Ges. d. Wiss. Nachrichten. Phil.-hist. Klasse. 1913. Beiheft.
17
234
C. Borchling,
k}nttucht Jh. Christi (Druck) III 183.
— Gude lere eyner enghen samwitti-
cheit II 15G. — Monotessaron IV 193.
— Opusculum tripartitum II 114 N. 1.
156. — Regiment eynes guden leuendes
II 155. — s. Thomas a Kempis.
Oerstenberger, Weyg., Frankenbergische
Chronik II 76.
St. Gertrud, Betrachtungen über d. Lei-
den Christi IV 15. — Leben I 305.
— Reimgebete III 60. 78. 156. — G. v.
Hackeborn, Leben IV 108.
Gesangbücher des 16. Jahrhs. : Abschrif-
ten u. Notizen aus Ph. Wackernagels
Nachlaß III 235. — Protestant. I 181.
(beschichte der dänischen Könige aus dem
Hause Oldenburg II 84.
(xesellenprobe eines Apothekers zu Ham-
burg IV 26.
Gesez der raonichen IV 173.
Gespräch zw. Autor von Braunschweig u.
Heinr. v. Wolffenbüttel I 171. 173. 217.
218. — des Crucifixus IV 152. — d. Er-
lösers m. d. erlösten Seelen III 44. —
einer frommen Frau mit Christus I 106.
— Gottes m. d. auferstehenden Christus
III 91. — d. Lebens m. d. Tode (ge-
reimt) III 28. — der innigen Seele mit
Gott I 102. 103. 107. 115. 126. H 41.
197(?). III 67. 87. 127. 134. 196. 224;
gereimt III 224. IV 129. — der Seele
mit d. Engel Gabriel III 23. 76. IV
34. _ zwischen Mates u. Peter (luxem-
burgisch) I 247. — zw. Varus u. Me-
rula I 162.
Gesselen, Konrad, Nd. Cisiojanus II 188.
Gesta Romanorum II 130 (lat.). IV 171.
Gesundheitsregeln U ] 59. — gereimt III
174.
V. Getelen, Augustinus I 159 ff. — Brief
an G. I 160. — De gratia dei u. De
Baptismo etc., beide mit nd. gereimter
Vorrede I 165. — Fryggerichte vp den
sendebreff Vrbani Regii I 165. — Van
dren houetartikelen vnsers Christliken
gelouens I 164. —Van guden werckenn
1 165. — Vam Rechtschapen worde gots
vnde synen fruchten I 165.
Getyde, Gezeiten s. Hören. Marienge-
dichte. Reimandachten.
Gheuekote, Cord IV 141.
Gewichten, Von IIl 176.
St. Gillis s. Egidius.
(jirard de Roussillon, nd. Prosaübertr.
m 223.
Gyseke, Bernd, Nd. Hamburgische Chro-
nik I 146. II 73.
Gladbach IV 191.
Glaubensbekenntnis I 210. II 58. 198.
— Athanasianisches s. Psalterien (An-
hänge).
I Glossare s. Vocabularius. — alchym.-
I medic. IV 26.
j Glosse s. Reditsbücher, Landrecht.
i Glossen, nd. I 183. 307 f. II 105. 19()
i N. 1. HI 19. 99. 150. 151. 221. 232.
' Gnade, Von d. I 259. IV 156.
I Goch, Privilegien IV 58. — Schöffenrecht
; IV 58. — Stadtrechte IV 37. 70.
! St. Godehart, Reiragebet III 60.
I Goldene Bulle, lat. III 113.
i Goldene Schmiede I 93. IV 81.
I Gönner, Liste verstorbener G. eines
! Klosters III 192 f.
j Goslar III 137. — lucunabeln III 222.
j — Reimchronik III 221. — Stadtrecht
i Gottesfreunde IV 156. [III 125.
1 Gottfried Hagen, ( olnische Reimchronik
I IV 45. 117 f.
! Gottingen, Ludolf, Eyn speyghel des
j cristen ghelouen i 123 (doch wohl nur
1 der Schreiber).
Güttingen, Hist. Lied IV 117.
1 (xrade, Vier Gr, der othmodicheyt (ge-
i reimt) I 214.
j Kl. Gräfrath (Greuerode) IV 42 f.
Grammatik, Lat. II 196. — lat.-deutsch
I IV 145.
j Grammatisches : Lat. - nd. Sammelhand-
i Schriften Hl 150. 151. 231. — Com-
i posita verborum, lat.-nd. I 185 — Octo
i partes orationis (Druck) III 217. —
Beispiele z. d. lat. Praepositionen m.
nd. (nds.) Überstzg. (Druck) III 217.
— Verba deponencialia II 145. — s.
Exercitium.
St. Gregorius, Bede Gregorii II 184. III
24. 46. 48. 66. 67. 70. 71. 84—86. 170.
191. 224. IV 22. 159. 189. 190. —
lat. gereimt HI 111. 257. IV 7. 102.
— Gebet vom Leiden Christi IV 15.
— Dialogi I 86. IV 93. — Homilien
II 129. IV 87. 108. — Hymnus I 112.
IV 7. 102. — Leben III 55. — Reim-
gebete III 27. 59. 77. — Kleine Aus-
sprüche HI 21. IV 157.
St. Gregorius auf d. Steine, Leben IV 96.
Grestius, Reimchronik v. Harlingerland
I 230. [IV 117.
Grevensteyn, Hermannus, in Göttingen
Gry mersum, Chronik des Hauses G. I 91.
Griseldis I 247.
Groote, (ieert IV 88 f. 125.
Gropper, Joh., Spottlied auf ihn I 294.
Große Kurfürst IV 67.
Gründonnerstagsandacht IV 27. — s.Pas-
sio Christi, Avenleten.
Gründungsgeschichte d. Klosters Heinin-
gen I 229.
Guido v. Alet I 246. 251. 261. II 20.
IV 40. 167. — de Monte Rotheri, Ma-
nipulus Curatorum II 123.
Register IV.
235
Haager Liederhandschrift I 248. 263.
V. Hackeborii, Gertrud lY 108.
Hadelu, Chroniken III 234. — Sittmann
I 230.
Hadersleben, Stadtrecht IV 24.
Hagen, Cordt vam, Chronik von Lübeck
etc. I 223. 226. III 147. — Gottfried,
Cölnische Reimchronik IV 45. 117 f.
— fr. Henning, Staed croneke to Helm-
stede III 5. 235.
Haich, Henrich, burger zu Colne 1452
IV 48.
Halberstädter Bibel I 315. HI 217. 238.
IV 145. 162. — sonstige Drucke III
212. — Weltchronik III 240.
Halle, Schöppenbuch HI 231.
Halmstad, Hist. Lied II 99.
Hamburg, Apothekergesellenstück IV 20.
— Berichte I 146. H 147. - Briefe
aus H. I 111. — Convent l 97—111.
— Domkirche, Liber Cantus II 117 N.
1. — Hartebok I 99. 117. III 197.
IV 18. — Kirchenordnung III 234. —
Märtyrer I 178. H 179. — Privilegien
III 234. IV 24. — Reimchronik I 146.
— Verz. der. Vicarien u. Commenden
III 234. — s. Chroniken. Drucke. Hist.
Lieder. Kempe. Stadtbücher.
Hamelmann, Herrn. H 82.
ten Hamme, Herbernt, Johan, Willem
Gebrüder IV 114 f.
Hammachersches Lagerbuch I 313.
Haramenstedt, Lüneburgische Chronik I
150. 195 N. 1. 236.
Hammenstedde, Bartoldus III 150.
Hannover, Reformationsgeschichte I 235.
— Stadtbuch I 235.
Bruder Hans, Marienlieder IV 106.
Hans Muntzinger, Dat pater noster myt
der glose (Druck) III 188.
Hanse, Lied v. d. Teutschen H. I 174.
— Hanserecesse U 201. —Hansestädte,
Privilegien der H. zu Antwerpen IV
. 56. — • Statuten des Comptoirs zu Lon-
don IV 83. — Verzeichnis der Städte
von 1553 III 121. — Hansische Ereig-
nisse II 113. — Gesandtschaft n. Ruß-
land II 189. — s. Bergen.
Hanseleer, Latenrechte IV 37. 67. 70. 71.
Harburg, Hist. Lied I 151.
Hardegsen IV 22.
V. Haren, Job. s. Schiphower.
Harfe, Geistliche I 98. 258. III 86.
de Harff, Arnoldus, Itinerarium in terram
sanctam IV 23. 133. 167.
Harlingerland, Reimchronik des Grestius
Harsius, Johannes II 89. [I 230.
Hartebok I 99. 117. HI 197. IV 18.
Hauptfeste des Jahres, Erbauungsbuch
f. d. I 197. — Van den hovethochtiden
III 14. — s. Festbok.
Hauptkirchen, Sieben H. Roms II 178.
HI 226.
Hausregiment, Gedicht vom U 162.
van Haue, Johan (Goch) IV 58.
Heberegister, Essen IV 108.
Heidenreich Droste, Chronik v. Münster
I 296.
Heilige Land, Ablaß der hl. Stätten III
75. IV 101. — S.Bethlehem, de Harff.
Ludolf V. Sudheim.
Heiligen, Von der H. Ehrung des Ber-
drem Xanten IV 197.
Heiligenleben IV 200; s. Jacobus de Vo-
ragine. — Einzelne Heilige: Aldegunt
I 124. — Alexius III 260. IV 62. —
Andreas III 136. — Anna I 210. Mi-
rakel III 65. — Antonius III 136. IV
95. 134. — xlpollonia I 124. — Augusti-
nus IV 97. 128. — Autor I 217. 224.
III 195. - Barbara III 24. IV 62;
gereimt (Drucke): III 183. 217. IV
201. — Barlaam u. Josaphat IV 62. 99.
— Benedict I 305. II 195. III 55. —
Bernhards Testament I 125. III 52.
57. 82. — Bernward III 122. — Bir-
gitta I 105. III 65. 93. — Blasius IV
62. — Christina IV 62. — Christina
Mirabilis IV G3. — Christophorus III
260. IV 62. — Dorothea, gereimt I
202. 266. 273; Drucke III 183. 217.
— Edeltrudis IV 134. — Egidius I
218. — Elftausend Jungfrauen s. Ur-
sula. — Landgräfin Elisabeth I 201.
213. III 19; von Dietrich v. Apolda,
H 122 f. IV 143. — Eugenia IV 62.
— die beiden Ewalde III 95 (gereimt),
IV 147 (Prosa). — Fabianus III 136.
— Georg IV 63. — Gertrud l 305. —
Gertrud v. Hackeborn IV 108. —
Gregorius III 55. — Gregorius auf d.
Steine IV 96. — Hieronimus s. Johann
V. Olmütz. — Hiob IV 107. — Hu-
brecht I 244. - Apostel Jacobus I
175. — Märtyrer die um S. Jacob
willen gestorben sind I 294. — Jake-
lina IV 134. — Ida IV 148. — Joist
IV 96. — Joseph IV 147. — Judas
Ischarioth I 167. — Justina IV 62. —
Katharina III 47. 70. IV 62 ; gereimt
I 202. 266. 273. HI 24. IV 201. —
K. V. Schweden l 106. — K. v. Senis
IV 42. 196 ; gereimt 111 70. — Hl. Drei
Könige IV 167; Drucke III 185. 187.
— Liudger I 288. — Livinus I 244. —
Lucia III 136. — Lüthilt IV 200 (ge-
reimt). — Margareta 1 207. III 168;
aus dem Kl. Seelentrost II 167. III 11 ;
gereimt I 89. 202. III 46. 253. IV 201.
Drucke III 183. 217. — Maria Magda-
lena I 207. IV 147. — Marina IV 63.
— Martin I 244. — Märtyrer von Ham-
236
C. Borchling,
bürg u. Ebstorf 11 179. — Matthias
IV 96. — Mechtildis I 208. — Ni-
colaus III 136. — Patricii purgatori-
um I 251. — Paulus III 136. —
Paulus Simplex IV 134. — Pilatus-
legende I 167. II 64. — Bruder Reiner
I 304. — Reynolt I 246. — Rochus I
244. — Sebastianus III 136. — Le-
gende des Kindes Syraeon II 192. —
Theodora IV 63. — Thomas III 136.
221. — Tundalus I 84. 251. IV 107.
201. — Ursula IV 94. 201; gereimt
I 118. — Vincentius III 96. 136.
IV 62. — Vitus IV 62. — Wentzelaus
IV 96. — Zeno, gereimt I 202. 209.
III 162.
Kl. Heiningen 1 229.
Heinrich d. Ältere v. Braunschweig I 231.
— d. Jüngere s. Histor. Lieder. — v.
Krolewitz, Vaterunser II 185. — d.
Löwe IV 139 f. — V. Zutphen II 94.
169.
Heisterbach, Mönch v. H. I 205, — s.
Caesarius.
Helmke (Helmikh), Dichter des Liedes
vom Lübschen Krieg 1511 I 156.
Helmoldus Nagel IV 12.
Helmstedt, Chronik III 5. — Incunabeln
m 5.
Henning Hagen, Chronik v. Helmstedt
III 5. 235.
Henrich Haich, burger zu Colne IV 48.
Henrico-Nicolaiten I 247.
Henricus de Vrimaria, Auslegung der 10
Gebote IV 154; lat. III 210. — De
quattuor instinctibus III 45.
Heraldisches, Collectanea v. Appelles I
82.
Herbarius (Druck) III 178. 215. — lat.-
nd. III 107.
Herborn, broder Nicolaus I 163.
Hermen Bote, Weltchronik III 241.
Hermann v.Lerbekc, Schaumburg. Chronik
I 216. III 171.
Hermannus Buschius, Saphicon ad diuam
virginem III 232.
Hermes, Spegel des meisters Hermetis I
145.
Herpp, Dr., Praeceptorium II 114 N. 1.
Herrmeisterchronik II 131.
Kl. Herzebroek I 295.
Herzogenrath, Schützengesellschaften IV
Hieronymus s. Jheronymus. [9.
Hildebrandslied, Jüngeres, nd. II 186. —
ndrh. IV 77—79. — [I 191 ist statt
„Hildebrand" vielmehr „Hörnen Sifrid"
zu setzen!]
Hildesheim, bistum, Sammelband III 121 f.
— Stadt I 250. — Chroniken I 308.
— Rechtl. Abhandlung I 227. — Richte-
boeck IV 158. — Scracz III 214. —
Stadtbuch III 199. - Stadtrecht III
200. — Tafelrunde I 227. — s. Be-
richte. Historische Lieder. Oldekop.
Reimchroniken.
V. Hildesheim, Johannes III 185.
Hiltegardis, Schwester H. Bücher IV 101.
Hinderung geistl. Fortgangs (12 Punkte)
I 101. H 31. III 58. 70. IV 35.
Hinricus de Hassia, Homilia vel tractatus
de lancea domini III 113. — H., Abt
von Kl. Marienrode, Epistola pro re-
formacione, lat. II 173.
Hiob, Geschichte des IV 107.
Hippocrates, De signis mortiferis III 209.
V. Hispanien, Andreas, Beichte IV 31.
Historia s. Chroniken. Volksbücher. —
gentis Danorum, nd. I 135. — Sco-
lastica III 105. 138.
Historienbibeln s. Biblische Geschichten.
Historische Lieder in verhoch deutschten
Fassungen I 195 N. 1. — des 17. Jabr-
hdts. I 173. — Duc de Alba etc. H 187.
— Braunschweig I 151. 153. 171. 173.
194. 217. 218. 224. 232. III 104. 148.
172. 194. 197. 200. 244. — Bremen I
96. — Breslau H 13. — Carl V I
229. 232. — Christianus v. Norwegen
II 97. — Cöln iV 23. — Delmenhorst *
I 95 N. 1. — Dithmarschen II 93. 95.
96. 148. 190. — Einbeck I 229. 111
199 f. — Schlacht bei GöUheim und
Böhmenschlacht IV 118. — Van den
Gösen und Vössen kryge II 187. —
Göttingen IV 117. — Spottlied auf
Job. Gropper I 294. — Halmstad II
99. — Hamburg I 140. 146. 151. 153.
III 234 f. — V. d. Teutschen Hanse
I 174. — Harburg I 151. — Herzog
Heinrich v. Braunschweig I 227. 229.
231. 232. — Hildesheim I 177 N. 1.
Reformation I 153. III 124. 194 f.
199. 200. Stiftsfehde I 153. 171. 194.
214. 226. 227. 229. 231. 232. 309.
III 104. 122. 124. 197. 201. — Jan r.
Leiden I 280. — Kurfürst Johann
Friedrich v. Sachsen I 233. — Jülich-
Geldern-Cleve I 299 f. — Klaus Knip-
hoff III 234 f. — Lübeck I 140. 155.
n 121 N. 1. 189. 199. — Ludwig v.
Ungarn II 102. III 104. — Lüneburg
I 141. 151. 153. 158. 215. 221. 222.
225. H 199. III 114. 145f. 147. 152.
194. Praelatenkrieg I 153. 158. 222.
II 199. III 145. 147; s. Keppensen.
— gegen Luther H 56 f. 159. 161. 199.
— Magdeburg I 151. 171. — Mecklen-
burg II 189. — Münster I 297. — Ol-
denburg l 96. — Osnabrück I 292. III
129. — gegen d. Reformation III 194.
— Rostock II 190. 191. — Schöppen-
stedt III 104. — Sievershauseu III 201.
Register IV,
237
— Lippold V. Spiegelberg III 122. —
Sterneberg, lat.-nd. II 12. — Stralsund
I 172. U 192. — Warberg II 85. —
Wolfenbüttel I 171. 194. III 104.
Historische Werke I 81.
Hochzeitsgedichte, Imel Agena I 83. —
18. Jahrh. 1 214.
Hoffmann v. Fallersleben IV 120.
Hofnagel, Diarium (Bergen) II 97.
Hofrecht s. Latenrecht.
Hohelied, Text III 213 (Cap. 1—7 nd.).
II 130 (lat.). — Auslegungen H 28.
178. III 13. 24. 74; lat. H 114 N. 1.
— Richard v. St. Victor IV 84. —
Predigten des hl. Bernh. IV 86.
Holstein s. Reimchroniken.
Holte, Boec van dem h. I 99 ; nid. I 276,
IV 75.
Holtmans, Joh., Van waren geistliken
leuen I 293. — s. Ancelmus.
Homilien s. Predigten.
Honsprake, Über III 33.
Hoppe, Lyborius, Geistl. Spiel a. d. In-
terim I 164.
Höppener, Petrus, Erklärung der Apo-
kalypse I 119.
Horarien I 127 f. 200. 224. U 46. 139.
194 N. 1. III 34. 224. IV 7. 8. 124.
— Druck III 190. — lat. U 126. —
Einzelne Hören: St. Agnes IV 8. —
Allerheiligen I 200. — St. Anna III
37. 50. — Auferstehung IV 8. — St.
Barbara IV 8. — St. Benedictus IV 8
cf. 185. — Hl. Geist I 128. 200. 311.
II 194 N. 1. III 130. IV 125. — St.
Katharina IV 8. - Hl. Kreuz I 127.
289. 309. H 194 N. 1. IV 7. 125. —
Passion I 266. III 164. IV 31. 149.
— Hl. Sacrament 1 128. — Ewige Weis-
heit I 103. 127 f. 11 194 N. 1. HI 32.
159. IV 125. 149. — Unbestimmt H
48. 139. III 32. — s. Marienandachten.
Mariengedichte.
Horaz, Carmen endecasyllabum Saphicum
ad Lacinium, lat. u. nd. III 150.
V. Horneck, Ottokar I 172.
Horologium devocionis (lat.) III 173. —
s. Suso.
Hortulus s. Ortulus.
Hoveschen reden. Van III 102.
Hovethochtiden s. Hauptfeste.
Hoyer, Caspar, Liederbuch II 114.
Hoyers, Anna Ovena, Gedichte II 114.
St. Hubrecht, Leben I 244.
Hugo V. Trimberg, Renner III 171. — v.
St. Victor, Gebet IV 128.
Hundert Artikel s. Passionsandachten.
Hus, Wylhem, ten Kleue (Arzt) II 56.
Husgesinne der Lieften I 247.
Hussiten IV 117.
Hymnen s. Lieder, Geistl. — Lat.-nd.
Erklärung und Umschreibung von H.
I 183.
St. Jacobus, Apostel, Leben I 175. 294. —
Reimgebete 1 166. III 60. 72. 75. 78,
— J. minor, Gebete zu 1 166. — Reim-
gebete I 166. III 60. 72. — de Cesso-
lis, Buch V. Schachspiel II 60. — de
Erphordia, De arte bene moriendi (lat.)
III 150. — Scracz de Indagine, Gedichte
III 214. — de Voragine, Legenda au-
rea I 174. 204. II 116. HI 95. 136 f.
IV 94 f. 99. 147. — Drucke I 238. II
121. 136. 141. III 179. 187.215.217.
221. IV 162. 163. — Auszüge III 10.
Jagd, Geistl. I 132.
Jahreszeiten, Merkverse III 174. IV 200,
St. Jakelina, Leben IV 134.
Jan van den ßerghe, 't kaetsspell ghe-
raoraliseert II 60. — v. Leiden I 280.
Jans Enenkel, Reimbibel III 171.
Jarfke ter Münte s. Prophezeiung auf
Ostfriesland.
Iburg, Eroberung von I 280 f.
St. Ida, Leben IV 148.
Ideal des Mannes I 211.
St. Jheronimus, Gebet IV 190. — Gebet
an Rusticus I 112. III 75. — Gebete an
J. III 87. — Leben s. Johann v. 01-
mütz. — Psalter U 181. — Regel IV
108. — Reimgebet zu J. III 05. —
Sendbrief H 158. — Sermon von Ma-
riae Himmelfahrt IV 195.
Jerusalem, Himmlisches, gereimt IV 172.
176.
Jesaias, poet. Bearbeitung III 199.
Jhesu Christi bokelin = Sünden Wider-
streit III 18.
Jesus, De forma et moribus Jesu I 277,
— Gebet vom süßen Namen Jesu lY
189. — s. Leben Jesu. — J. Siracb I
239. 248. 249.
Jeverland, Interim. I 92. — s. Chroniken.
Imagine, De i. vite (Predigten, lat.) II
196.
Imitatio s. Thomas a Kempis.
In wat quadt de mynschen nu gekamen
synt (gereimt) II 161.
Incunabeln s. Drucke.
de Indagine, Jacobus Scracz III 214.
V. luden, Thom., Prior lacensis IV 20.
Inschriften, gereimt I 82.
Institutorium monachale IV 173.
Instruction über Verwaltung eines Kloster-
gutes I 294.
Interimsstreit, Schriften zum I 92. 16 L
163 f. H 46.
Interlinearversion lat. Hymnen I 183. —
der Psalmen III 250.
Interpretaciones nominum hebraicorum
a 193.
Johan(n) van Brack, lesemester to Ösen-
238
C. Borchlin
brugbe III 231. — Friedrich, Kurfürst
V. Sachsen I 2oo. — Gropper, Spott-
lied auf I 294. — V. Haren s. Scbipho-
wer. — van Lemege s. Chroniken Fries-
land. -- Graf z. Manderscheit IV 49. —
Graf V. Oldenburg, Leben III 127. — v.
Olmütz, Epistola Eusebii etc. (= Leben
des hl. Jheronimus) I 86. II 27;
Drucke II 135. III 178. — v. Padua,
Benedictus Thesaurus Mundi II 151.
— Vischers, Lehren für Nonnen I 288.
— V. Würzburg, Wilhelm v. Oesterreich
IV 81.
St. Johannes Baptista, Reimgebet III 26.
-- Evaug., Gebete an I 108. 11 126;
Reimgebete III 72. 84. — fr. J. de Cape-
strano, Gebet II 176. — Damascenus,
Barlaam u. Josaphat IV 99. — Har-
sius II 89. — V. Hildesheim, Geschichte
der hl. drei Könige (Druck) III 185.
187. — Klausner J., Paradies I 85. —
de Regio Monte, Astronom IV 113. —
de Rupescissa, Van dem vefften wesende
aller eleraenteirden dinge III 177. —
de Valcz, Hemmeische Funtgroue
(Druck) m 187. 215. 216.
Johaunisevangelium, Anf. des I 108. 178.
270. 311. II 36. m 35. 70. 79. 89.
IV 152. 159. 190.
St. Johannis-Minue II 123.
Joist van Landwick, Buchbinder IV 65.
Jon Ovens, Eiderstedter Chronik II 147.
Jordanus v. Osnabrück, Cronica de trans-
latione imperii (lat.) III 113. — von
Quedlinburg, Ghedechtnisse van dem
leuende Jhesu Christi 11 180; Aus-
züge I 197. — Sermones I 284.
Jorisz s. David.
Josep, Von den Todsünden I 83.
St. Joseph, Leben IV 147.
Josephgeschichte IV 63. [IV 96.
St. Jost, Gebete II 47 III 173. — Leben
Isidorus, Lere wo sik de mynsche schal
schicken to enen guden leuende I 263.
Judas Ischarioth, Leben I 167.
Juden IV 117. — Glaube der J. I 210.
— Judeneid IV 45. 50. 52. — Prozesse
IV 119. — Sternberg H 201. — Kind
Symeon 11 192.
Jülich IV 56. — Behr a Lahr IV 112.
— Jülichsche Fehde 1542 IV 6. —
Histor. Lied I 299 f.
Jungfrauen, Von 12 geistl. 1 102. III 30.
53. 157.
Jungfrauen- u. Wittwenspiegel (aus dem
Kl. Seelentrostc) II 167. III 11.
Jungfrauschaft, Buch von d. III 225.
Jüngste Gericht, gereimt IV 172. 176. —
Prosa IV 172. — - s. Zeichen.
St. Jürgen, Gebete zu II 43. — Reim-
gebete III 60. 72.
Jürgen Peters von der Wysmar (Arzt)
II 56.
Jurien van Lünen (Arzt) II 56.
, Jus canonicum, nd. III 220.
St. Justina, Leben IV 62.
Jütisch Low II 148. III 114. IV 25.—
hd. Glosse II 149.
Jütische Sammlung II 109. 119.
Jütland, Chroniken 11 83. 119 f.
I Iven Knudsen, Brief II 86. — Eiderstädt.
i Chronik I 234. — Körte Vortekinge II
i 87. 88. 151. 163. III 113. 234.
! Iver Peters, Eiderstädt. Chronik II 202.
Kabbalistisches II 56.
't kaetsspell ghemoraliseert (mnld.) II 60.
Kaiserrecht, Das kleine K. IV 51. 59.
; ^aiserswerth IV 74.
: Kaiandgedicht III 3. 241. 250 f.
Kaiendarien in Gebetbüchern I 86. 88.
98. 111. 113. 114. 127. 146. 182.204.
250. 264. 268. 300. 301. 310. 311. II
! 35. 43. 46. 120. 146. 170. 181. 183.
186. 194 N. 1. IH 108. HO. 174. 212.
232. IV 8. 9. 28. 101. 124. 147. 149.
159. 179. 186. 189. — in anderen geistl.
i Hss. U 13 f. III 260.
I Kalender -Incunabeln III 198. 237. —
! -Practica I 119. II 55. — Brunfelth
i H 183. — Capiteyn II 61. verse
H 55.
j Kameren, Van xv I 206.
I St. Kanutus, Reiragebet II 46.
i Karfreitagsgebet s. Reimgebete.
■ Karl d. Große, Prosaroman, dänisch II
i 113.
t Karl V I 208. 229. 232. IV 58. 65. 67.
i Karsten Smeding (Smedeken), Segellatio
i . Indica l 235. II 151. — Druck II 99.
Karte von Eiderstedt III 113.
ten Kate, Lambert 11 63.
' Katechetische Stücke III 33 (10). 154.
! 176.
Katechismus IV 117. 153. — Dietenberger
III 218. — Stennebergk IV 22.
St. Katharina, Gebete zu III 173. IV
184. — Hören IV 8. — Passionsbe-
trachtungen 1 104. — 15 Paternoster
IV 184. — Reimgebete I 251. III
26. 78. IV 150. — s. Heiligenleben.
— V. Schweden, Leben I 106. — v.
Senis, Gebete 1 112. — Leben IV 42.
196. — gereimt III 70.
Kempe, Steph., Bericht über die Ein-
führung der Reformation in Hamburg
I 140. 146. 233. II 131. 184. III 125.
234. — Lied a. d. Seeräuber Klaus
Kniphoff 1525 III 234.
Kempen, St. Annakloster IV 60.
Kenkel, Detmar, Bremische Chronik I
95. 228. III 115. — Hauschronik 1 95
N. 2.
Register lY
239
Keppensen. Hist. Lied Lüneburg I 153.
158. 221. II 67. 68. III 114. 147.
194. IV 140.
V. Kerssenbrock, Herrn., Gedicht off Hi-
storie van den Mönsterscben Weder-
doepers 1 296 f.
Kerstenenspegel s. Coelde.
Kette, Goldene I 126. 180 f.
Ketzer IV 117.
Kiel. Chronik des Asmus Bremer II 89.
107. 147. 148. — Stadtbücher II 148.
Kielholt, Hans. Sylter Chronik II 149.
Kinder bock s. Arzneibücher. [202.
Kindertaufe s. Proles.
Kynttucht. Ghevstlyke vnses salichmakers
Jhesu cristi'lll 183.
Kirchberg, Mecklenb. Reimchronik II 200.
Kirchengebete f. d. ganze Jahr I 98. 99.
102. 106. 107. 114. 166. 167. 312. II
40. 41. 59. 115. III 30. 157. 162. 163.
IV 161.
Kirchenordnungen, Hamburg III 234. —
Herzogtum Lüneburg (Druck) III 154.
— Osnabrück I 314.
Kirchenväter s. Auctoritates.
Klage des Crucifixus s. Sechs Klagen.
— Eyn kl. iegen den Egenwillischen
(gereimt) II 160 f. — ü. L. Frauen s.
Marienandachten. Mariengedichte. —
über d. toten Sangesfreund (lyrisches
Gedicht) II 58. — d. verdammten Seele
(gereimt) II 43. 168. Druck III 186.
217. 236. — über die Unbeständigkeit
des Weltlebens (gereimt) I 213 f.
Klagegedicht, Nd., über d. Einziehg. d.
ostfr. Klöster d. Enno II I 82. 216.
Klagen, Sechs Kl. U. H. (Gedicht) I 89
(= 7 Betrübnisse!). II 47. III 35
N. 1. 48. 164. 245. IT 160.
Klange, Van dem I 162.
Klaus Kniphoff', Lied III 234 f.
Klausnerleben, Lobpreisung des II 163 f.
Kleingläubigen, Von den III 91.
Klinckhamer, J., Reimchronik d. Bischöfe
V.Osnabrück I 231. 291. 304. III 129.
Kloster, Geistl. I 305. 11 194 N. 1. IV
16; gereimt I 101. III 56.
Klosterleben, Bewährung des I 160. 163.
— Ursprung des II 158. — s. Ermah-
nung an Klosterjungfrauen.
Klosterreform des 15. Jahrhs. I 305. II
173.
Klosterregeln I 313. — Pynufius I 204.
Klosterspiegel (aus dem Kl. Seelentrost)
II 166. III 11.
Klusenerschen, Van der (Passionsandacht)
IV 15.
Kniphoff', Klaus, Lied III 234 f.
Kniphausen, Chroniken I 91.
Knipstrow, Job. II 45 f.
Knoblock (Mark), Judenprozeß IV 119.
: 1
Knudsen s. Iven.
Kochbuch, Nd. I 83. III 44.
Kock, R., Lübeckische Chronik I 137.
233. II 75—77. 163. 185. 195. HI
Koker HI 197. [123.
Koler, Mag. Job., in Lüneburg I 159. —
Grund vnd bowys vth der Schryfft vara
vegefur I 100. — Übersetzung eines
Gebets des Erasmus I 161.
Konemann, Pfaffe, Kaiandgedicht III 3.
241. 250 f. — Viridarium b. virginis
(S. Marien wortegarde) I 190 f. 208.
Könige, Hl. drei, Leben IV 167. Drucke
III 185. 187. — Reimgebet III 77.
Königen, Von den toten und lebendigen
(Gedicht) I 281.
Konrad v. Würzburg, Goldene Schmiede
1 93. IV 81.
Korner III 147. — Der deutsche K. I
195 N. 1. — Chronica novella, nd.
Auszüge I 170; s. Lüneburg, Bromes-
chronik (jüngere Recension).
Koesen-guider zu Aßpel IV 52.
Koste, Geistl. III 128.
Krabbe, Erich, Übersetzung des Jütisch
Low H 148.
Kranichhals (gereimt) II 110.
Kräuterbuch I 143. — Druck II 141.
Krautgarten, Geistl. (Gedicht) IV 18.
Kreuz s. Passionsandachten. — Titulus
triumphalis des hl. Kr. I 276.
Kreuzesholz, Legende III 204; gereimt
I 99. 276. IV 75. — Reimgebete zum
Kr. III 60. 90.
V. Krolewitz, Heinrich, Vaterunser II 185.
Krone Christi, alleg. IV 124 : s. Marien-
andachten. Mariengedichte. Passions-
andachten.
Kruthoft' der sielen (Areola anime) IV 92.
Kulenburg, Abkumpst der alten Herrn
zu K. IV 23.
Kunst aller kunste I 132.
Kurtz, H. IV 74.
Kyrie t^ermanicum I 203.
Laborintus, lat. Rhetorik III 231.
Laiendoctrinal des Jau Boendale III 119.
197.
Laienregel des D. Engelhusen I 201. III
101.
Laienstatuten des Kl. Bödeken IV 167.
St. Lambertus, Reimgebet III 61.
Lambert v. 0er, Gesch. d. Oldenb. Krieges
gegen Münster 1538 I 90.
Lampus, Christianus I 162.
Landgerichtsordnung, Schleswig IV 24.
Landrecht s. Rechtsbücher.
Landrechte, Betuwe IV 65 f. — Dith-
marschen II 151. — Fehmarn IV 24.
— Jütisch Low II 148 f. III 114. IV
25. — Ostfriesland I 82. 135. 136. III
120. 233.
240
C. Borchliug,
Landwick, Joist v. IV 65.
Lange, Heinr., Bürgermeister v. Lüne-
burg, Tagebuch 1 231.
Langenbeke, Bürgerm. Herrn., Bericht
über den Aufstand zu Hamburg 1483
I 146.
Kl. Langenhorst, Briefsammlung HI 153
N. 1.
Langius, Rodolphus HI 232.
Latenrechte, Cleve IV 37. 70. 72. —
Hanseleer IV 37. 67. 70. 71. — Xanten
IV 37. 52. 67. 70. 72. — Thiens Rechte
IV 67. 70.
Laudes, Die 15 L. (Andacht) IV 12.
Lauremberg, Job., Skimpgedichten H 64.
St. Laurencius, Reimgebet III 60.
Lauritssön, Bergens Fundats I 137. 11
97. 202.
Leben, Van eyneme boetsame leuende
(Beichtbuch) III 97. — Van eynem
salighen leuende III 101.
Leben Jesu IV 146. 200. Auszüge II
186. III 32. 172. — De ghebord vnde
dath leuent u. 1. h. Jhesu cristi III
147 f. — in Form von Meditationen
u.Oefeningen I 279 (nid.). IV 131.—
in fortlaufender Andachtsreihe III 57.
81. — mit Miniaturen 1 199 (gereimt).
II 45 (Prosa). — s. Bonaventura. Jor-
danus von Quedlinburg. Ludolf von
Sachsen.
Lebenssprüche (gereimt), lat. u. nd. II
124 f.
Lectionare s. Plenarien.
Lectulus noster floridus, Allegorie I 133.
Leddere des hemmeis I 237.
de Leghenytze, Mathias II 193.
Legemo s. Lemmege.
Legenda aurea s. Jacobus de Voragine.
Legendarische Stücke I 249. III 204.
Legenden s. Heiligenleben.
Lehnrecht s. Rechtsbücher.
Lehnrechte IV 67. — Cleve IV 52. 69.
— Zutphen IV 52. 65. 67. 69. 70.
Lehren, Geistl. I 108 f. 132. 256. HI 82.
IV 128. — Gute Lehren IV 34; ge-
reimt II 168. — Suberke lere III 58.
— Geistl. Lehren heg.: Nu les vnde
weder les alle de Schriften der hilgen
H 168. IV 28. [II 26 dem Augustinus
zugeschrieben.] — der 5 Einsiedel I
133. — f. Geistliche (12 Stücke) I 101
= 256. — Eyne gude lere van einer
junchvrowen (gereimt) II 113. — vom
Leiden 1206. III 82. 148. IV 155(c).
173. 181. — Viff 1. unses heren III
164 (= Gedicht v. d. Sechs Klagen U.H.).
— für Regierende I 114.
Lere wo cleyne wy gode achten (Gedicht)
IV 35.
Lehrgedichte III 146. 244 f. IV 75. 182.
— antireformatorische II 159—162.
— über Belagerungswesen II 101 f.
Leichenpredigten I 294. — des M. Job.
Spangenberch II 45.
Leiden, Drucke HI 176.
Leiden s. Lehren.
Leipzig, Drucke III 174. 236.
Lemmege, Chronik von Groningen II 64 f.
IV 132. — s. Benninghe.
Lenethuns Aufruhr III 129.
Lerbeke, Herm. v., Schaumburgische Chro-
nik I 216. III 171.
Lesemeister, Aussprüche der 5 L. III 82 ;
s. Meister.
Letanie s. Litanei. Passionsandachten.
Levold V. Northoff, Märkische Chronik
I 215. 299. IV 57. 74. 148. 167. —
8. Verne. — Hd. Übersetzung von H.
Kurtz IV 74.
Lexika s. Vocabularii.
Liber de apibus des Thomas Cantimpr.
I 249. II 49. IV 174. — cerimonialis
IV 43. — de exercitio sancto rituali
IV 166. — memorie mortis II 22. —
moralis De consilio patris pro iuueni-
bus (lat.-hd. Verse) HI 172. — de regia
potestate II 23. — vagatorum H 99.
— vite II 22.
Lycht der seien (Beichtbuch, Druck) II
135. HI 178.
Van Lyckmalen vnd Teken, dar by de
warhatftyge Christlike kercke . . to vn-
derschedende I 162.
Liebe, Zweierlei III 33.
Liebesbriefe, gereimt 1 244. IV 42.
Liebesgespräch (gereimt) II 111.
Liebeslied II 80. — lat.-nd. Hl 218.
Lieder, Geistl., Sammlungen I 181. 182.
267. II 44. — Einzelne Lieder I 97.
98. 127. 167. 181. 240. 270. 309. H
11. 29 f. 44. 159. 186. HI 14. 32. 39.
42. 67. 85. 93. 158. 164. 172. 227. IV
32. 60. 129 f. 153. 180 f. —lat.-nd. IV
180.— mit Noten I 240 f. U 98. 115.
HI 14. 134 f. 205. IV 180f. — Liedan-
fänge s. Oster-(V^'^eihnacht8-)breviere. —
an Maria s. Mariengedichte.— Neujahrs-
lied IV 181. — (Verfasser) St. Bern-
hard I 309. III 111. — Peter v. Ar-
berg II 198. III 38 N. 1. IV 180. —
Veghe I 285. — ABC-Lieder III 226
N. 1. 226; zu Maria III 34. 133.
— Andere Land I 270. IV 188. —
Ave Jesu conditor (lat.) III 257. —
Aue manus dextra Christi (= lat. Fas-
sung der 8. g. bede Gregorii) III 111.
IV 7. 102. — Boghe dyne stren-
ghen telgen HI 224. — Christ is up-
gestanden I 203. 240. II 143 f. HI
205. — Christus is opghestaen data
plaen I 240 f. — Christe qui lux es
Register IV.
239
III 38. 131. 198 (Druck). — Christum
wy schollen lauen schon I 203. — Crux
fidelis I 101. 316. — Dat waß ein
eddel kouniges soen II 44. — De werlt
hefft my in orer ghewalt III 41 f. —
Der alle syn leit wilt wrecken (nd.-lat.)
I 267 f. — Dilecte mi revertere III
39 f. — Droch werlt I 98. 167. — Eck
clage dat eck vorloren han III 67. —
Erholt vns heer bi dinem wort II 186.
— Gelauet sistu Jesu Christ I 203.
III 135. — Hec est dies III 35. —
Hef op dyn crutze I 127. 181. 314.
II 29. III 32. 158. — Ho luyde so
sanck der leerer van der synnen I 274.
II 29. — Jhesu gudertyrenheit I 309.
Jhesus is clarer dan de sunue I 310.
— Ik wil en steruen leren III 40 f. —
In allen steden waer yck sy I 310. —
In dulci jubilo III 134. 218. — Lauda
Syon I 286. III 14. — Love zederbom
love I 180. — Louet sist du ihesu crist,
ra. Noten III 135. — Geistl. Mai III
85. IV 153. — Media vita II 180;
Luthers Fassung I 267. II 180. —
Myne sehl erhebet den heren I 203. —
Myne sehl o Here moth lauen dy I 203.
— Nu kom der beiden heilandt I 203.
— 0 figura patris substancia (lat.) I
196. — 0 Gott wy dancken dyner gude
II 186. — 0 Jesu amantissime myner
sele der langet so sere na dy (lat.-nd.)
III 93. — 0 Jesu Christ, sint du nu
bist II 159. — Puer natus (lat.-nd.)
I 203. — Twe discipulen quamen gaende
I 240. — Vader vnse im hemmelrick
II 186. — Veni redemptor I 94. 102.
108. II 36. III 14. 65. — Verblyt v
ghy Christen int gemeyne I 240. —
Verbum supernum III 14. — Wir wilt
alle singen I 250. — in Prosaüber-
tragungen I 112. 113. 250. 286. 289.
11 36. 37. 171. 175. 181. III 46. 55.
106. 130. 131. 160. 229. 242. IV 185.
Lieder, Weltliche I 222. II 186. III 218.
IV 79. 80. — Anfänge II 116. — Epi-
sche Lieder nd. I 191. II 186. IV 77—
79. — Historische Lieder s. das. — Lu-
cretia H 186. — Lieder auf Lüneburg
I 222. III 146. — Minnelieder I 222.
II 145. — Rummeldeus II 151. — Tan-
häuser II 186. — Trinklied III 104.
Liederbücher, Herzogin Ammelya IV 118.
— • Fabricius II 98. — Casp. Hoyer II
114. — Ndrh.-nld. Liederbücher I 266.
273.
Liederhandschrift, Ebstorfer I 182. —
Haager (mnld. u. ndrh.) I 248. 263.
Limburg IV 56.
Lindawe s. Marcus.
Lippe IV 56.
Lippold V. Spiegelberg III 122.
Litanei I 114. 128. U 36. 139. 173. 184.
III 29. 46. 56. 90. 131. 157. 213. 223.
224. IV 17. 125. — gereimt HI 242.
252. — s. Psalter (Anhänge). Passions-
andachten.
St. Liudger, Leben I 288.
St. Livinus, Leben I 244. — Reimgebet
HI 61.
Livland s. Chroniken.
Livländische Sammlung III 197.
Lob der hl. Dreifaltigkeit (Lobpsalmen)
IV 26.
Lobgedicht a. d. Stadt Braunschweig I
218. 224 f. — auf d. Herren von
Sachsen IV 44.
Loccumer Erzählungen I 184. 201.
V. d. Loe, Frau Billia IV 197.
London, Hansisches Kontor IV 83.
Lorentzen, Knudt, Denkwürdige Ge-
schichte (Nordstrand) U 93.
Loringa, Ostfries. Genealogien I 296. II
82.
Louwe, Jac, Chronica Bremensis I 95.
Low, Jütisches II 148 f. III 114. IV 25.
Lübeck, Gründungsgeschichte IV 139. —
Linea der Borgermeister vnnd Rat-
manne II 76. — Reformationsbericht
H 78. — s. Chroniken. Drucke. Histor.
Lieder. Schiffrechte. Stadtrechte.
Lübecker Bibel I 247. H 121. 134. III
181. 217. 238. IV 163.
St. Lucas, Reimgebet III 61.
St. Lucia, Leben III 136. — Reimgebet
m 61.
Lucidarius II 193. IV 171.
Luciferi Epistola II 114 N. 1.
Lucretia, Lied von d. II 186.
Luden, Melchior (Dithmarscher) II 93.
Ludolf V. Sachsen, Leben Jesu IV 93.
166; s. Bonaventura. — v. Sudheim,
Reise ins hl. Land II 178. III 119.
215. 218. 226. IV 89. 102.
Ludwig V. Ungarn II 102. III 104.
Lügenlied IV 143.
Lüneburg, Herzogtum, Kirchenordnung
III 154. — Stadt I 150. 229. 230. III
193 f. — Gemälde i. d. St. Johannis-
kirche I 150. — Lobgedichte auf L. I
222. III 146. — Ratsliste III 147. —
Stadtrechte I 141. 153. — Streitschrif-
ten der katholischen Partei in L. I
159 — 165. — Sülzbuch der Familie v.
d. Molen II 186. 199. III 152. — s.
Chroniken. Cordt vam Hagen. Dorinck.
Histor. Lieder. Keppensen. Schomaker.
Lünen, Spormekers Chronik I 300. —
Jurien von L. (Arzt) II 56.
Luther, Brief an II 33. — Euangelion
M. Luthers s. Wicel. — Gebetbüchlein
II 182. — Lieder Ls. II 44. — Media
Kgl. Ges. d. Wiss. Nachrichten. Phil.-hist. Klasse. 1913. Beiheft.
18
2^
C. Borchling,
vita I 267. — Lieder gegen L. II 56 f.
159. 161. 199. — Predigt nd. (Druck)
III 222. — Streitschriften gegen L. I
162. — Taufbüchlein II 48 f. III 197.
— Vnderrichtinghe an de vadderen II
49. _ Vgl. Spalatinus II 49. 183.
Lutherbibeln I 247. 315. UI 219. IV
164.
St. Lüthilt, Leben IV 200 (gereimt).
Luxemburgische Mundart I 247.
Lyrisches 1 222. II 57 f. 145. III 239.
St. Macharius IV 188. [261.
Maerlant, Historie van Troyen IV 200.
— Rijmbijbel IV 130.
Magdeburg i 224. — Berichte III 251.
— Hist. Lieder I 151. 171. — Matz
zu M. (Arzt) II 56. — Stadtrecht I
116. — s. Drucke.
Magia, De kunst M. Na der mening der
olden I 144.
Magirus, Ambrosius, Prognosticon IV 140.
Magnificat s. Marienandachten.
St. Magnus, Reimgebet III 61.
Maie, Geistl., Lied IV 153. — Mai der
frolicheit lU 85.
Mainz, Drucke III 237. — s. Croneke der
Sassen.
Manderscheit, Johan Graue zu M. IV 49.
Mann, Ideal des M. I 211.
Mandeville I 139. 170. 174. III 250. IV
76. 172. — hd. Druck III 188.
Mantel ULFr. s. Marienandachten.
St. Marcus, Keimgebet III 60.
Marcus v. d. Lindaue IV 170. — Historie
V. Auszug d. Kinder Israels I 126. IV
99. — Tractat über d. 10 Gebote I
124. 126. III 205. IV 99.
St. Margaretha, Gebete IH 51. — Reim-
gebet III 78. — s. Heiligenleben.
St. Maria Magdalena, Andachten IV 16.
— Liturgie f. ihr Fest U 172. — Leben
I 207. IV 147. — Reimgebete III 79.
93. — Tractat über M.M. III 51. — s.
Gebete.
Marienandachten [alle gereimten s. unter
„Mariengedichte"), ohne nähere Bez.
HI 127.206. IV 7 f.; lat.-nd. III 167.
— Aurea Quinquagena (lat.) III 166.
— 3 Avemaria III 110. — 24 Av. IV
152. — 100 Av. HI 108. IV 184. —
üeber das Av. III 83. — Ave preclara
maris Stella (Prosa) 1 102. — Betrüb-
nisse ULFr. I 99. III 208. — Die 5
Betr. ULFr. I 102. U 126. IV 150.
— Bock der bedroffenisse . . . Marien
(Druck) HI 179. 182. 189. 209. 215.
216. 241. Auszüge HI 83 f. — Bli-
schop, ULFr. bl. vp passche dach IV
22. — ULBV. Blumenkranz III 108.
— Van der bodeschop ULFr. I 262.
— Brevier 111 75: der hl. Birgitta
II 105. — Compassio b. v. IV 22. —
Crinale b. virg. (lat.) III 111. — Die
10 Ermahnungen ULFr. IV 15. — Ma-
rienfeste III 160. IV 13; s. Festbok.
— Annunciationis III 55. — Mariae
Himmelfahrt (lat.-nd.) III 166. 167.
(Reimprosa) HI 56. — 7 Freuden
ULFr. II 36. 126. 146. HI 32. 159.
173. IV 7. 161. 189. — 10 Freuden
I 102. — 24 Freuden IV 185. — Ge-
zeiten ULFr. I 200. 268. 300. 311. 312.
11 35. 46. 139. 146. 184. 194 N. 1.
IH 29. 32. 46. 130. 157. 224. IV 17.
124. 149. 150. Drucke III 190. —
Klage ULFrauen I 93. HI 165. —
Verba b. M. virg. ad filium in cruce
pendentem, lat.-nd. III. 165 f. — ULFr.
Krone I 133. III 75. 109. 241.
Druck III 191 ; s. St. Bernhard. —
Litanei ULFr. III 32. 66. 108. 159.
IV 7. — Van werdicheit des loues Ma-
rien IV 7. — Lobgesang von ULFr.
III 208. — Magnificat IV 13. 161. —
7 Magn. III 160. — ULFr. Mantel I
130. III 108. IV 22, vgl. St. Bern-
hard. — Medelidinge der h. Junck-
fruwen M. IV 10; s. Bock der be-
droffenisse M. — Messe I 99. III 262.
— Namen M. H 138. IV 13. — Offi-
cium b. M. virg. IV 39. — Pallium I
130; s. Mantel. — Die 7 Pater-
noster u. Avemaria IV 16. — Geistl.
Pügerfahrt zu ULFr. III 108. — Psalter
ULFr. I 105. 114. 128. H 11. IH 66.
108. 243. IV 7. 26 ; lat. gereimt III
111. Gebete dazu IH 67. 108. 135.
IV 7. Mirakel dazu II 45. 115. —
Tractate über den Marienps. (lat.) II
114 N. 1. — Die 7 Psalmen ULFr.
IV 22. 101. — Rosenkörbchen ULFr.
IV 101. — Rosenkranz H 40. III 32.
45. 87. 108. 109. 159. 160. IV 151.
161. — De grote r. III 131. — Ro-
sarium IV 185. — Mirakel zum R. II
115. — Die 15 Salve regina IV 12. —
Sequencie van ULFr. I 112. — Marien-
spiegel III 13. — We troistlichen ind
behulplich dat M. is dem mynschen
IV 8. — We OLVr. geynen twist ge-
liden ynkan tuschen eren soene ende
erbarheit irs loues IV 8. — Verkün-
digung M., mit Miniaturen IV 151. —
De Vesper van ULFr. HI 131. — Ve-
stimenta b. M. (lat.-nd.) IH 167. —
ULFr. Worte unter d. Kreuze U 37.
47. HI 27. 28. 63. 70. 75. 85. 89. 173.
246. 257. IV 22. 150. 184.
Kl. Marienberg b. Helmstedt, Reimchro-
nik I 218 f.
Mariengebete (Prosa) 1 100. 111. 112. 113.
128. 132. 279. H 41. 126. 173. 175. HI
Register IV.
241
22. 46. 58. 67. 94. 108. 109. 111. 155.
156. 160. 161. 164. 168. 171. 173. 241.
IV 15. 17. 101. 149. 150. 161. 166.
— Reimprosa I 270. II 48. 171. —
150 Gebete an M. u. Jesus, in 3
Kränzchen III 108. — v. d. Gliedmaßen
Mariae III 94. — to meylanen IV 14.
Mariengedichte I 93. — Ave Maria II
146. — Goldene Avemaria FI 128. III
50. 72. 73. 132; nid. Druck III 216.
— Ave preclara I 286. III 28. 39.
50. 70. 79. 83. IV 195. Vgl. III 64.
133. — Orationes de quinque doloribus
b. M. V. III 127 [als Passionsreimgebet
III 25. 257]. — 7 Betrübnisse ULFr.
I 105. 250. 269 f. 282. II 180. III 36.
49. 50. 79. 83 f. 132. 174. 189. 261.
IV 14. 150 ; des Papstes Clemens
II 180. — ULVr. bomgharde (Druck)
III 241. — 7 Freuden III 212. — Die
7 himmlischen Freuden ULFr. I 310.
III 133 (=7 kurzen Freuden!) — Die
7 irdischen Freuden III 64. 132. —
Die 7 kurzen Freuden I 94. 310. 312.
III 65. 71. 80. 84. 133. 135. 161. 173.
— Die 7 langen Freuden I 310. II
128 f. III 25. 66. 73. 89. 249. IV 151;
abweichend III 87. — Garten ULFr.
III 71. — Gezeiten ULFr. I 105. III
36. 47. 242. 252. IV 150. Drucke
III 190. — Tide ULVr. van erer me-
delidinge III 132 (= 7 Betrübnisse).
— Marienklage (Spiegel) III 229. —
Vnsir vrowen clage I 200. — Bordes-
holmer Marienkl. II 144. — Maria am
Kreuze 1 109. III 163. — ULFr. Krone
III 36. — Marienleben des Bruder Phi-
lipp 1 117. 236. -Vnser Vrowen lechkC?)
III 239. — Die 7 Leiden M. I 269. —
Marienlieder des Bruder Hans IV 106.
— Wernhers v. Niederrhein I 200. —
Einzelne Lieder auf M. : Lied zu Ehren
Marias u. a. hl. Jungfrauen III 34.
58. 88. - ABC-Lied III 34. 133. —
Lat.-nd. Lied III 113. — Ach got
durch deyner gute (hd.) III 153. —
Ave mundi spes Maria (lat.) III 138.
— Maria tzart III 227 (Druck). — 0
iuncfrowe Maria grot in eren III 130.
Lob Mariae III 36. 242. 252. —
Magnificat III 71. — Marien Mantel
I 130. — ULFr. medelidinge III 132.
— Marienmesse I 94. 191. II 129. III
34. 47 f. 67. 68. 75. — 70 Namen IV
196. — 77 Namen II 127. — Reiman-
dacht über die Passion Christi an M.
III 69. 74. 77. — Recordare III 71. —
Reimgebete I 109. 114. 311. II 47.
48. 105. 128. 129. 171. III 22. 26.
30. 34. 47. 50. 61. 63. 69. 73. 80. 81.
88. 93. 112. 130. 131. 133. 134. 156.
163. 213. 246. 257. 258. IV 152. —
0 florens rosa to dude III 72. — Ma-
rien Rosenkranz (Prosa u. Verse) III
72. IV 75. 152; lat. II 48. — Marien
gülden Rosenkrantz III 174 (Druck).
— Salve regina to dude I 279. III
71. — Gedichte auf die Worte des S.
r. III 69. 164. 216. Reimprosa III
131. — Die 4 Worte der M. III 49.
— ULFr. 7 Worte unter dem Kreuz
(Reimprosa) s. Marienandachten.
Marienklage, Bordesholmer II 144.
Marienleben IV 99. 200.
Marienlegenden IV 134.
Marienmirakel IV 99.
Marienspiegel III 13.
Kl. Marienstuhl I 200.
St. Marina, Leben IV 63.
Mark, Grafschaft IV 56. — s. Northoff.
Verne.
Marquardus Freherus II 63.
Marsilius Ficinus Bock van dem hem-
melschen leuende to erlangende I 144.
— Episteln I 144.
M. Martenn von Breslow (Arzt) II 56.
Martere, Van der m. U. H. (Druck) III
Marterfälle s. Passionsandachten. [187 f.
Marter tide s. Reimandachten.
St. Martin, Reimgebete III 61.
Martineschen, Jegen der M. lere II 155.
Märtyrer von Hamburg u. Ebstorf I 178.
H 179.
St. Matthaeus Ap., Reimgebet III 72.
Mathaeus Pragensis, De puritate consci-
entie 11 23.
St. Matthias Apostel, Gebete III 160. —
Leben IV 96. — Messe III 160. —
Reimgebete III 72.
Mathias de Leghenytze, Quotlibetum (lat.)
H 193.
Matz zu Medebo (Magdeburg) (Arzt) II 56.
St. Mauricius, Reimgebet HI 61.
Maximilian I III 186.
St. Mechteldis, Leben I 208. — Offen-
barungen I 133. IV 128.
Mecklenburg, Histor. Lied II 189. —
Kirchberg II 200. — Satire auf M. II
Medebo s. Magdeburg. [195.
Medelidinge s. Marienandachten.
Medicin, Aqua vite III 177. — Arnult
V. Mumpelyr IV 117. — Aerzte H 56.
— Fachwörter-Verz. II 53 f. III 176.
IV 26. — Frauenkrankheiten II 59 f.
— Gaerde der suntheyt II 133. IV
163. — Klistiere III 177. — Laxier-
mittel III 176 f. — Schrick IV 127. —
Secretbüchlein IV 146. — Tractate IV
145. — Ulrich v. Megenberg IV 117.
— Urinoskopien III 109. — s. Arznei-
bücher. Arzneipflanzen. Bartholomaeus.
Pferdearznei. Recepte.
242
C. Borchling,
V. Megenberg, Ulrich IV 117.
Meier, Johannes, Predigten I 96 f.
Meineke, Dirik, Fortsetzung von Scho-
makers Lüneb. Chronik III 171, vgl.
114.
Meisters Lehre I 125. II 168 (mit Kei-
men). III 52 mit N. 1. 54. 57. 50.
101. 111. — Aussprüche von Meistern
n 32. — Lehre der 5 Meister I 110.
n 31. III 82. IV 156. — Sieben
weisen M. Buch IV 171. — 12 M. u.
12 Knechte I 126. — Sprüche der
12 M. zu Paris I 102. 110. II 31. 164.
III 101. IV 44. 156. — 13 Meister
III 148.
Melanchthon, Ph., Spruch II 82. — Van
der Visitacion yn saxen lande I 238.
Melodien zu Chorälen II 98.
Memoriale linguae Frisicae I 92.
Menningen IV 143.
Merswin, Kulman, Buch von den 9 Felsen
III 211. IV 91.
Messe s. auch Marienandachten. Ma-
riengedichte. Passionsandachten. —
Meßandachten IV 185. — Meßanwei-
sungen III 30. 160. — Meßerklärungen
III 52. 210. 216; gereimt III 57. 118.
Druck III 198. — De bedudinge der
m. I 182. III 48. 49. 216. IV 7. 185;
gereimt III 57; aus dem Kl. Seelen-
trost I 85. III 10. 43 f. — Meßfor-
mulare n 11. — Meßgebete II 39.
Messias s. Rabbi Samuel.
Metamorphosen Ovids III 191.
Meueß Ouenß, Chronik I 235. II 87.
III 234.
Mewerersch, Dr., Regimen pestilencie I
202.
Mychael, Doctor, Veebokelyn, Auszug I
161.
Millius, Abraham, Archaeologus Teuto I
293 f.
Minden, Bischofsrecht IV 141. — Chro-
niken I 297. — Gerhard v. M. III 153.
— Schöffensprüche von Dortmund an
M. IV 141. — Stadtbuch IV 140 f. —
Stadtrecht IV 141.
Miniaturen größeren Stils I 199. 290. II
14 f. 146. III 103. 127. 138. 207. 224.
— s. Bilderhandschriften. Wappenabb.
Minnegespräche (gereimt) 1 252 f. (mhd.).
II 111.
Minnehof IV 118.
Minnelieder I 222. II 145.
Mischsprache, lat.-nd. in Brevieren des
13. u. 14. Jahrhs. III 62. 90. 93. 212,
vgl. Wöltingerode.
Mischverse, lat.-nd. I 107. 166. 222 f.
307. U 12. 115. III 113.
Missale I 86. — Evangelische Missalia
aas Bardowick I 203.
Miserere s. Seelengebete.
V. d. Molen, Familie II 186. 199. — Pe-
trus V. d. Molen I 216.
Moller, Dr. Joh., Domherr in Hamburg,
Sammelband I 146.
Moltzhaur, Joachim 1 231.
Monatsbilder n 13.
Monotessaron von Gerson IV 193.
Mons Calvarie s. Passionsandachten.
Morgenandacht (gereimt) III 78.
Morgensegen (gereimt) III 246.
Mormann, Joh., Jeverische Stadt-Chronik
1553—64 I 93.
Moerman, Merten, Fundament der Christen
leer (Druck) III 219.
Mors, Schöffensprüche IV 55.
Morsum 11 202.
Muhlius, Henricus II 62.
Müllerin, Gute I 102. III 102.
V. Mumpelyr, Arnult IV 117.
V. Münster, Dietrich s. Coelde.
Münster I 280. — Berichte I 297. —
Bichtboeck I 296. — Kerssenbrock I
296 f. — Histor. Lied I 297. — s. Chro-
niken.
Münstereifel, Chronik IV 143.
ter Münte s. Jarfke.
Muntzinger, Hans, Paternoster III 188.
Münz werte IV 69 (clevisch).
Musaenius, Otho, Pastor zu Lüne, Brief
III 154.
Mystik: Mystisch - asket. Sammelhss. I
131. 204. 241. 248. 254 ff. 266. 268 f.
n 31. 191. m 211. IV 6. 40. 90. 107.
129. 135. 154—157. — Kürzere Trac-
tate I 166. II 197. III 103 N. 1. 221.
225 N. 1. — Einzelne kleinere Aus-
sprüche I 158. 240. III 82. IV 152
(32).
Naaman, Ludolf II 5. 152 ff'. — Bear-
beitung der Imitatio II 153 f. — Ge-
dicht über den Lohn des Fastens etc.
II 161. — Antireformatorische geistl.
Lehrgedichte II 159 fl'.
Nachfolge Christi I 180. 262 (27. 29). —
Gedicht IV 40. — s. Naaman. Thomas
a Kcmpis. — Van dem cruce Christi
to dregende etc. III 21.
Nagel, Here Helmoldus N. IV 12.
Namen, nd. I 93. II 63. 137 f. III 146.
151. 192 f.
Narratio rhythmica s. Reimchroniken,
Hildesheim.
Narrenschyp II 121.
Naturwissenschaftliche Tractate I 142.
HI 109.
Neocorus, Chronik d. Landes Dithmar-
schen I 87. II 03. 94. 146. 201.
Neues Testament II 8. III 225 N. 1.
Nenjahrs-Ghickwünsche (gereimt) II 118.
126. — Neujahrslieder IV 181.
Register IV.
243
Neun Chören der Engel, Von 111 15.
Neun Stücke I 158.
Neuniederdeutsches I 214. 247. II 195.
III 2. 171.
Neuß, Stadtrecht IV 67. 68.
Nicodemus-Evangelium I 168. IV 09.
St. Nicolaus, Gebete III 51. — Leben III
136. — Reimgebet III 76.
Nicolaus V. Herborn I 163.
Nye Ee (Druck) III 185. 188. IV 163.
Niederländische Provinzen, Spottspruch
I 274.
Niederrheinische Literatur I 80.
Kl. Niesinck, Chronik I 290.
Nigels von Sore, Dänische Reimchronik
1 137. 173. II 83. 84. III 262.
Nominarius s. Vocabularien.
Nordische Sau I 137. II 3 N. 1. 97. 130.
202.
Nordstrand, Chroniken, Lorentzen 11 93.
Petreus. II 88. 89. 202.
V. Northoff s. Levold.
V. Norwegen, Christianus II 97.
Novissima, Quatuor I 260 f. IV 44. 88.
106. 187. — Drucke III 216. — Ge-
dicht über die N. I 214.
Novizen I 198. III 56. IV 60.
Nowgorod, Stadtrechte 111 144.
Nürnberg, Drucke III 219.
Nymwegen IV 66. — Stadtrechte IV 65.
66. — St. Claes gilde IV 65.
Nyßemann'sches Testament III 172.
Obstbäume oculieren II 113.
V. 0er, Lambert I 90.
Oefenynghe s. Bonaventura.
Offenbarung, Gottes 0. an Esreg, den
Schreiber von Jerusalem IV 44.
Offenbarungen s. Birgitta. Guido v.
Alet.
Officio sacerdotis. De III 210.
Officium de dedicatione ecclesie, lat. III
166. — b. Marie virg. IV 39. — mor-
tuorum III 92. — pro defunctis III
160.
Oldeborch, Gerard, Kleine Ostfries. Chro-
nicke I 195 N. 1.
Oldekop, Job., Hildesh. Chronik I 194
N. 1. III 200. 209. 216. IV 10.
Olden unde nyen Gade, Vam II 33.
Oldenbroke (Altenbruch) IV 9.
Oldenburg, Grafen, Lebensbeschreibung
des Grafen Johann III 127. — Dan.
Könige aus dem Hause 0. II 84. —
Herzöge von Schlesw. -Holst. II 184. —
Chroniken s. Schiphower. — Histor.
Lied I 96. — Stadtrecht IV 132. —
Oldenburgica I 87. 313. H 82.
V. Olmütz s. Johann.
St. Olrik, Reimgebet III 60.
Opusculum de custodia aniraae patriae
et corporis I 124.
Ordensregeln, Augustiner s. das. -- Be-
nedictiner I 180. II 130. III 56. 100.
— Deutschorden II 140. •— des hl.
Jheronimus IV 108. — Salvatororden
IV 29. 198.
Ordinarius IV 43.
Origenes, Homilie III 63.
Orleans I 150.
Ortolf, Meister, v. Beierland II 141.
Ortulus anime (Druck) 111 174. 219.
Osnabrück, Stadt, Hammachersches La-
gerbuch I 313. — Hist. Lieder I 292.
III 129. — Jordanus von 0. III 113.
— Kirchenordnung I 314. — Refor-
mationsbericht I 298. — Reimchroni-
ken s. Ertmann. Klinckhamer. — Stift,
Ortsbeschreibung I 291. — s. Chro-
niken.
Osterandachten I 279. III 22. 77. 170.
IV 27. 185. -~ gereimt III 23. 37. 76.
— lat.-nd. III 94. 165. — s. Oster-
breviere. — 0. nach den Abschnitten der
Messe gegliedert, Anf. : Na der dupe
des bitteren lidendes III 24. 84. 91.
92. 196.
Osterbreviere mit gereimten Stellen und
Liedanfängen, lat.-nd. I 117. 196. 290.
n 34 f. III 76. 91. 205. 206 f. 216.;
rein nd. 1 117. II 38. IV 183. 186.
— 0. in lat.-nd. Mischsprache ferner
III 167. 206; s. Wöltingerode.
Osterevangelien IV 194.
Ostergebete I 128. III 161.
Osterspiel I 236.
Ostfriesland, Analecta ostfris. I 82. —
Deichrechte III 120. 233. — Hof II
170. — Penborgsche CoUectaneen IV
21. — Prophezeiung I 82. 93. 216. —
Syhlrecht III 120. 233. — Grätin
Theda I 82. — s. Chroniken. Land-
rechte.
St. Oswald, Reimgebet III 60.
Otmodicheit, Van der II 177. — 4 Grade
gereimt I 214.
Otte ottonis von Wiczinhusen IV 137.
Otto v. Passau, Die 24 Alten III 238.
Ottokar v. Horneck, Steirische Reim-
chronik I 172.
Ovens, Mewes, tho Mitzwordt Chronik I
235. II 87. III 234. — Jon, Eider-
städter Chronik II 147.
Overtrachtinge, Eyn salich o. aller dinge
I 178.
Overijssel IV 65.
Ovids Metamorphosen, in nd. Versen
(Druck) III 191.
Paderborn, Kalender IV 186.
v. Padua, Johann II 151.
Palmbaum, Geistl. s. Allegorien.
St. Panthaleon IV 44. — Reimgebet III
60.
244
C. Borchling
Paphnutij über (gereimt) 1 208. — s.
Pynufius 1 204.
Paradies des Klausners Johannes (ge-
reimt) I 85. — Paradys der liefheb-
H, bender sielen I 266. — Van des p.es
rosen (gereimt) III 162.
Paris, Drucke III 190. — s. Beginchen.
12 Meister.
Paris u. Vienna II 136.
Partes orationis, Octo III 217.
Y. Passau, Otto III 238.
Passional aller Heiligen s. Jacobus de
Voragine. — von Jesus u. Marien Le-
ben s. Nye Ee.
Passionen s. Heiligenleben.
Passionsandachten und Betrachtungen :
s. auch Hören. Reimandachten. Reim-
gebete: A) ohne nähere Bez. I 110.
127. 308. H 40. 130. III 22. 46. 48.
58. 61. 62. 70. 73. 75. 84. 129. 159 f.
167. 206. 241. 243. IV 41. — lat.-nd.
III 109. 129. 191. — Suuerlicke offenige
vanden leuen ende lyden ons heren I
279. II 174. — De körte betrach-
tinge des lidendes III 70. — Mystische
P. I 180. — Sieben Grade der Be-
trachtung des Leidens Christi III 48. —
P. in Dankgebeten I 103. III 21. — auf
die 7 Tageszeiten verteilt IV 33. —
f. die sechs Wochentage III 170. 191;
mit Bildern IV 191. — f. d. Zeit von
Palmsonntag bis Karfr. IV 152. — von
Karfreitag bis zum Ostermorgen III
22. 61. — B) P. bestimmter Autoren :
Joh. Brugman IV 122. — Cesariensis
I 104. 257. 316. — St. Gertrud IV 15.
— Jordanus II 180. — St. Katharina
I 104. — Van der klusenerschen IV
15. — Schoonhoven I 243. — s. St.
Bernhard. — (Christus spricht) III
166. IV 152. - C) Einzelne P. :
Die 100 Artikel vom Leiden Christi
(aus Susos Horologium) I 128. 182.
244. 259. 279. 289. 309. II 35. 38.
40. 175. III 85. 146. 191. IV 22.
189; lat. III 232. — Berg von Cal-
varien 11 40. III 75. 213 f. IV 145.
160 f.; verschieden von II 174. III
31. 53. 128. 159. — Her Bethlehem I
308. III 22. 74. 214. IV 17. — 7 Blut-
stürzungen 1 128. 289. 11 174 (urspr.
gereimt). III 86. IV 159. — 8 Blut-
stürzungen I 270. ~ 15 Blutst. III
133 f. — Sieben dechtuisse III 21. —
Dialog zw. Keuschheit u. Jüngling I
104. — Dornenkrone J. Chr. 1 286.
289. ü 40. III 46. 55. 67. 86. IV
23. 159. 184. — Die 15 Freuden Jesu
am Kreuze IV 14. 123. 145. — Die 15
Gebete vom Leiden Christi IV 123, —
Geistl. Kreuz III 79. — Krone von den
5 Sinnen Christi IV 123. — Krone von
den 72 Versen des Leidens Christi IV
123 f. — Von dem Leiden Christi I
105. IV 188. — Dat inwendighe lident
vnses heren I 103. III 62. 84. 192.
243. — Dat uthwendige lident v. li.
III 84. 243. — De golden Letanie van-
den liden v. 1. heren I 128. 289. IV
22. — Van der vruchten des lidens ende
der passien (Druck) III 175 f. — Die 7
Marterfälle U. Herrn IV 17. — Die 35
Marterfälle IV 122. — Van 37 vellen
U.H. I 131. — Geistl. Messe, ndrh. HI
190. — Nonestunde I 108. — Pater-
noster u. Avemaria U 35. — Die 3
Paternoster (f. d. Todesstunde) I 128.
196. H 34. III 56. 58. 101. IV 30.
— Die 5 Paternoster von d. Wunden
Christi IV 15; verschieden davon IV^
149. — Die 7 Paternoster IV 22. —
Die 15 Paternoster [unter diesem Titel
verbergen sich mehrere verschiedene
Andachten, s. auch Birgitta] I 307. II
37. 126. 127. 129. 146. 171. 181. 184.
III 46. 64. 67. 74. 79. 84. 86. 88. 133 f.
160. 190. 213. 223. IV 14. 22. 152.
184. — Psalter Christi I 113. 128. 289.
— in 30 Punkten IV 14. — Rosen-
garten IV 122 f.; verschieden von I
206. 256 f. IV 128. — Vns leuen he-
ren gotz roscnkrantz III 191. — Vor-
smack unde vorkost des hemmelschen
paradises III 21. 97. — Wapen Christi
III 82. — Das fünfmalige Weinen Christi
IV 184. — Die 7 Worte Christi am
Kreuze I 108. U 174. III 46. 71. 90.
223. IV 22. 150. 152. 190; nach Beda
IV 150. — Septem verba de passione
domini, lat.-nd. III 165.
Passions-Evangelium I 168.
Passionsgebete (Prosa) 1 103. 279. 284. 310.
U 38. III 30." 63. 156. 164. 190. IV 33.
131. 149. 159. 188. 191 f. — St. Am-
brosius IV 190. — Zu den 5 Wunden
Christi III 64. 164. 170.
Passionsgeschichte (unbestimmt) I 168.
III 35. 216. IV 131. - nach den 4
Evangelisten I 100. 111. 113. 182. 206.
268. 279. H 130. 174. 174 f. III 24.
27. 28. 36. 3H 47. 136. 190. 207. IV
8 f. 129. 144. 160. — nach d. Ev. Joh.
I 182. IV 160. Druck HI 198. — mit
Anf.nach Matthaeus) I 279. III 36
= IV 184. — Letztes Abendessen al-
leine I 268. III 54. IV 8. — De äff-
scheidongc u. I. heren van synre 1.
moder IV 144. — heg.: E.xtenditma-
num I 109. 250. III 29. 32. 99. 161.
211. 227. — auf die Wochentage ver-
teilt III 228. IV 131. — in fortlaufen-
der Anrede an ( hristus 11 175. —
Register IV.
245
Drucke I 238. 111 198. 218. IV 201.
— Van der martere U. H. III 187. —
nach Birgitta III 48. 82. 176. — Pas-
sion Christi mit Bildern III 170. 246 f.
IV 191.
Passionsspiel I 251. — Bruchstück I 306.
Paternoster, Text II 139. III 71. 170;
mit Noten I 121. — Auslegungen I
108. 278. II 44. 133. III 25. 83. 86.
241. IV 92. 172. 176. Drucke il 133.
III 188. — Sammlung von Auslegungen
I 261. II 20. 25. III 247. — Anf. :
0 Adonay I 180. II 176. III 9. 13.
74. IV 104. — N. V. Amsdorf II 42.
— Heinr. v. Krolewitz II 185. — Mun-
tzinger III 188. — Neun P. von d. hl.
Dreifaltigkeit I 266. — Drei IV 159.
— 15 P. zur hl. Katharina IV 184.
— s. Marienandachten. Passionsan-
dachten.
Patricii purgatorium I 251.
St. Paulus, Epistel an Titus II 42. —
Gebete an P. III 87. — Leben III 136.
— Beimgebete III 72. 78.
Paulus Simplex, Leben IV 134.
Penborgische Collectaneen IV 21.
Penitencionarius 11 114 N. 1.
De Penitencie = Vorstufe der Carolina
IV 83.
Penninck, Dr., Praepos. in Cleve IV 111.
Perikopen s. Plenarien.
Perkow, Jacob, Rostock. Chronik II 80.
Pestilenz, Erbauungsbuch f. d. Zeit der
P. I 113. — Gebete I 266. II 142.
III 161. — Regel gegen die P. (ge-
reimt) IV 48. — Recepte u. ä. I 312.
II 13. III 95. 125. IV 143. — Me-
werersch I 202. — Valastus II 142.
St. Peter u. Paul, Gebete zu III 87. —
Reimgebet III 78.
Peter v. Arberg, Große Tagweise II 198.
III 38 N. 1. IV 180.
Peters, Jürgen (Arzt) II 56. — Iver,
Eiderstädt. Chronik II 202.
Petersen, Joh., Holstenchronicon I 134.
— s. Petreus.
Petrarca, Septeni psalmi II 23.
Petreus, Job., Beschreibung d. Insel Nord-
strand II 88. — Annales von Nordstr.
II 89. 202.
St. Petrus, Reimgebete III 72. — Peter
V. Meyla, Reimgebet 111 25.
Petrus Capiteyn, Almanach u. Practica
II 61. — Lombardus, Sententie (lat.)
III 150.
Pferdearznei I 83. 208. 213. II 61. 58.
III 107.
Pfingstbreviere mit gereimten Stellen u.
Liedanfängen, nd. III 135. IV 183.
186.
Pflanzenverzeichnisse, lat.-nd. I 141. II
59. 60. 117. III 13. 106. IV 133. 159.
— Ricardi Synonima III 107.
Pflaster II 56.
Pharmaceutische Glossare II 195.
Philiberti, Visio III 228.
Philipps Marienleben I 117. 236. III
171.
St. Philippus, Gebete I 166. — Reimge-
bete III 60. 72.
Phrasen, ital.-lat.-nd. IV 198.
Physiognomisches I 113.
br. Pieter die Wolf, Sermon III 225 N. 1.
Pilatuslegeiide I 167. II 64.
Pynufius (wohl = Paplmutius) jnsettynge
(Klosterregeln?) I 204.
Planetenlehre II 14. III 99. IV 200.
Plenarien (handschriftl., incl. Evangelien-
und Epistellektioneu) I 85. 109. 110.
115. 118. 121. 158. 176. 240. 277. II
20. 25. 125. 144. 186. 200. III 13. 17.
19. 138. 139. 153. 220. 238. IV 44.
167. — Drucke I 299. II 134. III
178. 180. 182. 186. 217. 219. IV 163.
164.
Podagra, Recept gegen II 145.
Poeta salutaris II 114.
St. Policarp, Reimgebet III 59.
Polizeiordnungen, Cöln IV 45 f. — Duis-
burg IV 55.
Postille s. Plenarien.
Pouchenius, M. Andr., Bericht von d.
Braunschweig. Fehde 1492 if. I 225.
Practica s. Bartholomeus. — Kurze medic.
P. f. d. 4 Jahreszeiten II 52. — s. Ka-
lender.
Praelatenkrieg, Lüneburger s. Chroniken
u. Hist. Lieder, Lüneburg.
Prawest, Wilh., Brief an Luther II 33.
Predigt-Sammlungen I 88. 96. 179. 182.
193. 201. 240. 277. 285. 289. 301—303.
II 26. 126. 196. 197. III 5. 9. 20. 23.
139—143. 192. 210 f. — lat. II 23.
114 N. 1. III 99. — Luther. I 88. 96.
III 9. 222. — Ebstorfer Homilien I
179. 182 f. — Limburgische I 251. —
Verfasser: Augustin III 35. IV 99.
— Beda IV 108. — St. Bernhard II
10 N. 1. IV 86. — Bonaventura II
196. — Brinckerink III 169. IV 90 f.
— Fabri I 124. — Geert Groot IV
89. — St. Gregor II 129. IV 87. 108.
— St. Jeronimus IV 195. — Johannes
Meier I 96 f. — Jordanus I 284. —
Luther III 222. — Origines III 63. —
Pieter die Wolf III 225 N. 1. — Suso
I 269. IV 105. — Tauler I 303. III
211. — Veghe I 285. — Einzelne I
169. 205. 237. 259 f. 269. 278. II 58.
78. 191. III 20. 23. 32. 44. 52. 54.
110. 225 N. 1. IV 99. 104. — lat. I
286. 11 59. — Sermon vom Ablaß I
246
C. Borohlin
260. — Advents -Pr. I 182. 237. —
über die Benedictinerregel III 56. —
Christi gegen der menschen dwasheit
IV 28. — über die unbefleckte Em-
pfängnis Mariae I 302. III 44. — Ser-
mon vom Feigenbaum IV 108. — Christi
Geburt I 302. — Sermon von der Gnade
I 259. — Sermon v. Christi Himmel-
fahrt I 260. — Mariae Himmelfahrt
III 32. — de humilitate I 278. —
über Hymnen I 286. — St. Jacobus
III 54. — de Imagine vite II 196. —
Johannes Evang. I 302. III 54. -
über Maria II 197. — über Missus est
Gabriel III 23. — über Non sum I 269
[s. Suso]. — Sermone über die Novis-
sima IV 89. 106. — über den Geistl.
Palmbaum III 44. 195 f. -- Peterund
Paul I 302. — über die jungfräul. Rein-
heit III 148. — Sequere me I 303. —
Sermon von 3 Wahrheiten III 52.
Predigtartige Ansprachen I 159. 180. 198.
269. 279. III 56. 192.
Predigtartiger Tractat III 244. IV 176 f.
Predigtauszüge I 202. III 150 [sind viel-
mehr Pr. -Dispositionen]. — lat, III
150.
Predigt-Dispositionen 1202. III 150(5).
Predigtentwürfe, lat.-nd. I 97.
Prelaten, Van den IV 128.
Presbyter Bremensis I 87. II 90—92.
Preußische Ereignisse II 113.
Priameln I 130. 211. 273. II 19. 52. 55.
57 (= IV 125). 112. III 17. IV 43.
181.
Priester, Gedicht über die Würde des Pr.
III 257. — Johans Land I 285.
Privilegien, Calcar IV 59. 199. — Cleve,
Herzogt. IV 64; Stadt IV 36. 37. 50.
51. 67. — Cöln IV 45. 47. — Cranen-
burg IV 64. — Duisburg IV 56. —
Emmerich IV 68. 82. — Geldern, Her-
zogt. IV 64. — Goch IV 58. — Ham-
burg III 234. IV 24. — Tiel IV 66.
— Wesel IV 50—54. 59. 64. 67. 72.
83. 197. — Zandwijck IV 66.
Processus Thesauros effodendi II 57.
Prognostiken U 118. IV 112. 113. 133.
140.
Proles, Andreas, Informationes III 33. —
Sermon: Eyne ynnyge lere van der
dope der kyndere (Druck) III 187. 217.
Prophecien s. Plenarien.
Propheten, Van valschen Pr. vnßer tydt
I 163.
Prophezeiung auf Carl V I 208.
Prophezeiungen (gereimt) IV 197. — Ost-
friesland I 82. 93. 216. 316. — Körn.
Reich II 66.
Proprietarii III 43.
Prosasprüclie I 288. III 168. IV 92.
Prudentiusglossen IV 108.
Prüfung, ob ein Mensch in Irrtümer ver-
fallen sei I 276. — eines geistl. Men-
schen II 31.
Psalmen, Einzelne II 174—176. — Ps.
90 der Vulgata III 164. — Die 10 Ps.
Christi am Kreuze I 113. 128. 289. —
s. Bußpsalmen. Marienandachten.
Psalter I 84. 117. 193. 194. 246. 249.
274. 304. 315. H 137—139. 172. 181.
198. III 105. 110. 213. 225 N. 1. 229.
238. 244. IV 113. — in Drucken II
121. 135 f. III 180 f. 188. 235. IV
120. 146. Cölner III 235. — Inter-
linearversion III 250. — nach den Ge-
betsstunden eingeteilt II 139. — Acht
Verse aus dem Psalter II 36. 184. III
64. IV 34. 151. — S.Augustinus. Ber-
nardus. Jheronimus. — Ps. der hl. Drei-
faltigkeit IV 26. — ULFr. s. Marien-
andachten. — Jesu Freuden Psalter
IV 121.
Ptolomeus, Liber imaginum, nd. I 145.
Putteken, Reimgebet an Christus IV 16.
Quedlinburg, Jordanus v. I 197. 284. II
180.
Quinta essentia, Boeck der bereidinge der
Qu. ess. IV 25.
St. Quiteria, Reimgebet III 27.
Rantzau, Genealogia Rantzowiana II 84.
Rapiarium III 169.
ä Rasfeldt, Joh. IV 52.
V. Ratingen, Jak., Lied a. d. Breslauer
Hostienmirakel II 13.
Ratmannenreime IV 52. 53. 116. 197.
Ratschläge, 7 R. IV 105. — 12 R. Christi
III 176. IV 173. — des Evangeliums
I 204.
Rätselfragen, hd. I 274.
Ravensberg IV 56.
Rebens Lübische Chronik II 77.
Recepte I 141. 167. 176. 184. 202. 213.
274. 306. 312. II 56. 57. 59. 100. 118.
145. 162. HI 95. 107. 164. 171. 177.
214. 218. 221. IV 60. 146. 159. 169.
— dänisch II 48. 60.
Receptsammlung von M. Hans Krumbeke
II 55.
Rechenbuch III 146.
Recht, Canonisches III 220.
Rechtfertigkeit, Gedicht v. d. R. IV 143.
Rechtsauf Zeichnungen I 81. II 83. — ost-
fries. I 82.
Rechtsbücher IV 10. 132. -Alphabetische
Arbeiten : nicht näher bestimmte Bruch-
stücke II 200. III 138. 220. — (Greifs-
walder) Abcdarium des Sachsenspieg.
(Acker- Wunden) I 84. 192. II 49 [nicht
= Repertorium !] 200(?). — Dietrich
V. Bocksdorf, Remissorium über Land-
u. Lehenrecht u. Weichbild III 125
Register IV.
247
(nicht = Schlüssel des Landrechts I).
— Repertorium über d. Sachs. Land-
recht (Achte - Wunden) 1 192 [II 49
ist tielmehr — Abcdarium]. — Schlüssel
des Landrechts III 138 (?). 204. lY
11; alphab. Register dazu IV 12. —
Kl. Kaiserrecht 1 116. — Landrecht,
Sachs, (vgl. Sachsenspiegel) IV 120.
132. 199. — glossiert IV 9. 81. —
Glosse allein III 252. — Bruchst. e. Re-
gisters III 138. — Landrecht, Schwab.
IV 83; s. Schwabenspiegel. — Lehn-
recht, Sachs. III 121. 230. IV 199
— Schwab. III 230. IV 84. - Richt-
steig Landrechts I 241. 242. IV 36.
84. 139. 199. Drucke III 188. 218.
236. 263. — Richtsteig Lehnrechts IV
139. — Sachsenspiegel I 88. 93. 116.
183. 191. 242. 246(?). 248. 306. II
98. 120. 142. 184. 186. 200. III 5.
196. 220. 250. IV 199. 200. Drucke
in 177. 180. 218. 236. 263. — glos-
siert I 88. 247. III 121. 204. 220.
230. — Glosse allein III 230 [Zb 36]. —
lat. III 125. — Systematischer Sachs.
III 230. — Schwabenspiegel 11 184.
m 23Ö. — Weichbild III 262.
Rechtshandschriften, Nd. ITI 6. 249.
Reckemann, Hans, Lübeckische Chronik
(Original) I 138. — hd. Druck II 75
—77'.
Recordare s. Marieügedichte.
Reder, M., Hambg. Chronik I 233. II 73.
Rees, Stadtrechte IV 37. 66—68. 73. 200.
Reformationsberichte, Hamburg s. Kempe.
— Hannover I 235. — Lübeck II 78.
7.9. 185. — Lüneburg I 215. 226; vgl.
Rekenschop. — Osnabrück I 298.
Reformationsgeschichte, Basel III 173. —
Bremen II 169. — Flensburg s. Naa-
man. — Hannover I 235. — Hildies-
heim III 124. 200. — Lüneburg I 159
— 165. II 33. — Nordwestdeutschland
I 83. — Stralsund II 192. — Antirefor-
matorische Schriften aus Braunschweig
III 194; aus Lüneburg I 159—165.
II 33. III 194.
Reformationsliteratur, Luther. II 99.
Regele van bome to patende II 113. —
Regel des Klausnerlebens IV 14. — s.
Ordensregeln.
Regimen sanitatis Salernitanum (gereimt)
III 149. — scholarium II 114 N. 1.
Regiment, Wat vor eyn R. schal syiin
in eynem jeweliken huse (Lehrgedicht)
II 162. — eines geistl. Lebens I 256.
— der 5 Sinne I 133. — der 12 Zeichen
I 114.
de Regio Monte, Job. IV 113.
Rfegister-ßockelyn alles des in der hilli-
gen scrifft in ile tho finden II 49.
Kgl. Ges. d. Wiss. Nachrichten. Philolog.-histor. Klasse
Reichskammergericht IV 58.
Reimandachten, Morgenändacht III 78.
246. — Passion III 73. 79. 88. 92. Risim-
prosa I 278. III 92 ; mit gelegentl.
Reimen IV 31. — Sieben Blutstürzungen
II 174. — Gliedmaßen Christi III 77,
81. — De maiter tide III 56. — Sieben
Tageszeiten (Tagzeitenlied) II 36 f. 181.
183. HI 19. 38. 39. 66. 68. 73. 88.
90. 174. 253. — Ein 2. Tagzeitenlied
III 85. 174. — Ein 3. II 182. Ilt 68 f.
— Wapene Christi III 88 f. — Passion
Christi an Maria III 69. 74. 77. — Tide
St. Annen III 37. 50.
Reimar Kock, Lübeck. Chronik s. Kock.
Reimchrohiken, Abtei Altenburg IV 73.
— Bremen, Renner III 235. — Cöln
(auf 1481) IV 23. 49. 153. 182; s.
Gottfried Hagen. — Dänische I 137.
173. II 83. 84. III 262. — Ditmar-
schen I 214. II 148. Excerpte I
207. Boger I 271. II 201. — Gan-
dersheim I 209. III 197. — Goslar III
221. — Hamburg, Pasquill von 1455
I 146. — Harlingerland I 230, s.
Grestius. — Hildesheimer Stiftsfehde
a) Narratio rhythmica I 214. 226.
III 122. 124. 200. — b) I 234. III
128. — Holsteinische 11 83. Kleine
Holst. R. I 140. II 73. 149. — Kloster
Marienberg b. Helmstedt I 218 f. —
Mecklenburg, Kirchberg II 200. —
Münster , Wiedertäufer I 296 f. —
Osnabrück I 291 f. 313. II 69. III 129;
s. Klinckhamer. — Rostocker Dom-
händel II 201. — Sächsische, Auszüge
I 209. — Soester Fehde (Auszug der
Weiler Recension) III 194. — Steier
I 172. — Mishandelinghe des Sacra-
mentes tom Sterneb(erge) II 201 (Über-
setzung des lat. Originals von Henr.
Bogör).
Reimgebete (ohne nähere Angaben) III
89, lat. II 11. — an Christus (meist
Passionsgebete) I 276. 312. II 37. 47.
182. in 11. 25—27. 36. 42. 59. 62.
67. 73. 77. 79. 86. 88. 89. 91. 127.
1.80 f. 133. 135. 157. 213. 246. 257.
IV 16. 150. 151. — Christuskind IV
188 f. — Antlitz Christi III 69. — z.
d. Gliedmaßen Christi III 77. 81. —
an Christus (Eyn suuerlick putteken)
IV 16. — beg. : 0 here durch dyns
houfdes kröne 1147. III 25 f. 257. IV
160. — 0 rosen leif myn blodighe here
I 99. — 0 Schepper alre creaturen
I 307. 311. III 34. 72. IV 151. —
0 Cruce ho Ö mynscheyt blot I 269.
II 35. 47. III 35. 62. 63. 67. 112. 131.
190. 19(). 214. IV 102. 152. 188. —
— an den hl. Geist III 163. IV 178 f. •
1913. Beiheft. 19
248
C. Borchling,
— Dreieinigkeit II 186. — Abendmahl
II 37. 39 f. III 11. 27. 29. 32. 60. 68.
71. 73. 79. 80. 84. 128. 131 f. 138.
257. IV 151. — Ablaß I 308. — über
d. Agnus Dei Uli. — Gründonnerstag
I 94. IV 13. — beim Händewaschen
m 27. — Karfreitagsgebet IV 188. —
Kreuzesholz III 60. 90. — z. d. Ab-
teilungen der Messe III 27. — To dem
Stilnisse III 77. — Alle Heiligen II
180. — Cyklus von Rn. auf die Hei-
ligen des ganzen Kalenders HI 59—61.
— an einzelne Heilige : Adrian III 80.
— Agate HI 59. — Agnes III 70.
156. — Allexius III 60. — Ambrosius
m 60. — Andreas III 61. 72. 78. —
Anna I 112. 213. 251. II 105. III
24. 26. 27. 53. 65. 67. 69. 72. 89. 103.
132. 243. IV 102. — Antonius I 251.
311. III 59. 67. 81. 90. — 12 Apostel
HI 72. — Apostel delinge III 60. —
Appolonia III 59. 68. — Augustin III
61. — Autor I 209. 218. 224. III 68.
168. — Barnabas III 60. — Bartolo-
meus IH 61. 72. 80. — Bernward III
28. 61. 81. — Birgitta III 27. 70. 93.
— Cecilia III 61. 76. — Cosraas u.
Damianus III 26. — Cristina HI 60.
71. — Christophorus HI 60. — Cy-
riacus III 59. 76. 81. — Dyonisius
III 26. — Dorothea III 59. 156. —
Elftausend Mägde HI 61. — Elisabeth
III 61. — van dinem engele HI 26.
43. 77. — von den Engeln Ilt 26. —
Eufemia HI 60. 68. — Euthicia III 61.
— Franciscus III 61. — Gallus HI 61.
— Jeronimus III 65. — Gertrud III
60. 78. 156. — Godehart III 60. —
Gregorius III 27. 59. 77. — Jacobus
major I 166. III 60. 72. 75. 78. —
Jacobus minor I 166. III 60. 72. —
Johannes Bapt. III 26. — Job. Evang.
III 72. 84. — Jürgen III 60 72. —
Kanutus (lat.) II 46 f. — Katharina
I 251. HI 26. 78. IV 150. — HI. 3
Könige III 77. — Lambertus III 61. —
Laurencius III 60. — Liuinus HI 61.
— Lucas III 61. — Lucia III 61. —
Magnus III 61. — Marcus HI 60. —
Margarete III 78. — Maria Magdalena
Hl 79. 93. — Martin III 61. — Mär-
tyrer von Ebstorf I 178 f. — Mattheus
HI 72. — Matthias III 72. — Mau-
ricius III 61. — Nicolaus III 76. — 01-
rik III 60. — Oswald HI 60. — Panta-
leon III 60. — Paulus IH 72. — Petrus
III 72. — Peter u. Paul III 78. — Peter
vonMeyla Hl 25. — Phüippus IH 60.
72. — Policarp III 59. — Quiteria
III 27. — Scholastica III 59. — Se-
bastianus III 27. 65. — Silvester HI
59. — Sixtus III 60. — Steffan III
26. — Theodardus III 61. — Thomas
van Kantelberg III 59. 68. 72. — Thy-
motheus III 59. — ürbanus III 60. —
Ursula III 61. — Valentin HI 59. —
Veronika HI 61. — Vincent III 59.
— Vitus III 60.
Reimklage, Stader I 147.
Reimlexikon, lat.-nd. III 231.
Reimmann, Jac. Frid., Auszüge aus der
Croneke der Sassen I 232.
Reimsprüche s. Sprüche.
Reinboth, Fr. A. II 62. 92. 94.
Reiner, Bruder, Leben I 304.
Reynicheit, Van I 132.
Revnke de vos (Druck) IH 183.
St. Reynolt, Leben I 246.
Reisebericht, Hansische Gesandtschaft n.
Rußland im Jahre 1603 II 189.
Reisebeschreibungen, Asien H 115. —
von Lüneburg n. Orleans I 150. —
Orient I 174. — s. Ludolf v. Sudheim.
Mandeville.
Reisenotizen IV 133.
Reisesegen IV 161.
Rekenschop der predicanten to Lune-
borch V. d. rechten oldenn christlyken
lere I 165.
Reliquien U 11.
Remmer v. Seedyk, Annalen I 88. 90. —
Compendiosa instructio 191. — Genea-
logie der tom Brok u. des Edo Wiemken
Rendsburg II 88. [I 91.
Renner des Hugo v. Trimberg III 171.
Renner, Reimchronik der Stadt Bremen
III 235. — Bremische Chronik I 86. 91.
94. 146. 194. 228. 263. 296. 313. U 70.
71—73. 169. 195. Hl 115. 126. 235.
IV 132. 161.
Repertorium d. Sachsenspiegels s. Rechts-
bücher, Alphabet.
Reue, Von (wahrer) I 255. IV 155. 158.
160.
Revelationen, Excerpte aus nicht näher
bestimmten I 133.
Rhetorisch-Stilistisches, Brieiformeln II
115. — Rhetoric vnd brieflf formulary
(Druck) III 146. — Sendbrief I 295.
— Titelboek III 217. IV 69. — s.
Formulare.
Rhüeden, Härmen, aus Hildesheim, Brief
aus Riga III 123.
Kl. Ribbenitz II 79 f. 195. 200.
Ricardi Synonima = Lexicon botanicum
Latino-Germanicum III 107.
Richard v. St. Victor, Auslegung des
Hohenliedes IV 84. — Anhang dazu
beg. Cum in mynen hof IV 85.
Richtsteig s. Rechtsbücher.
Ricomannus, Jacobus, Bearbeiter der Lü-
neburgischen Bromes - Chronik 1 151.
Register IV.
249
Riesum, Niss Mangensen 11 149.
Riga, Brief aus R. III 123. — Lebens-
beschreibungen der Bischöfe u. Erzb.
III 123.
Rynesberch-Schene , Bremische Chronik
I 94. 135. 228. 229. II 70—72. 169.
III 9. 95. 115. IV 133. — mit Fort-
setzung bis 1547: I 95. 228. 229. II
71. III 115.
St. Rochus, Leben I 244.
Rode, Mag. Joannes I 161. — Job., Bre-
mische Chronik I 226. 227. II 184. 195.
III 195.
Rodolphi, Timon, Trifolium anreum I 82.
Rodolphus Langius, Carmina adversus
Septem capitalia crimina (lat.) III 232.
Rollenhagen, Poggenmüsler III 171.
Rom, Descriptio Romae III 149. — Haupt-
kirchen II 178. III 226. - hl. Stätten
I 277. III 210. 220.
Rosenblüth, Kaiserin zu Rom III 183. 217.
Rosengardh des Eucharius Röszlin II 59.
Rosengarten s. Passionsandachten. —
Kleiner R., episches Lied I 191.
Rosenkrans d. soten gotliken leve (Druck)
III 216.
Rosenkranz St. Anna II 36. III 161. IV
23. 102. — s. Marienandachten und
Mariengedichte. Passionsandachten.
Roßarzneibuch III 107.
Röszlin, Eucharius, Rosengardh (Geburts-
hilfslehre) II 59.
Rostock, Predigten in II 23. — Chro-
niken II 80 f. 190. 200. — Reimchro-
niken II 201. — Amtsrollen der Stadt
R. III 124. — Drucke I 98. 101. 120.
172. II 183. — Histor. Lieder U 190.
191.
Rothman, Bernhard, Van erdesscher vnnde
tytliker gewalt 1 295. — Van der wrake
IV 45. — Predigtauszüge I 295.
de Roussillon, Girard III 223.
Rover, Successionen II 131. 163. III 231.
234.
Rufus-Chronik II 75. 77.
Kl. Rulle I 304.
Rulman Merswin III 211. IV 91.
Rummeldeus (Trinklied) n 151.
de Rupescissa, Job., De consideratione
quintae essentiae III 177.
Russe, Job., Collectaneen z. Geschichte
Dithmarschens I 136. II 95. 148. 151 ;
z. Geschichte Schleswig-Holsteins H 83.
Rußland II 189.
Russow, Balthas., Chronica der Prouintz
Lyfflandt IV 162.
Rustardini Canticum II 123.
Rutze, Mag. Nicol., Schriften II 133.
Ruusbroec, Job., Boec vanden blinkenden
steen (Hantvingherlijn) IV 177 f. —
Tractat von 7 Schlössern 1 244. II 177;
cf. I 241. — Geistliches Tabernakel
IV 131. — Van den 7 Trappen der
mynnen IV 91. 129. — Van der tzier-
heit der geistlicher broulofft IV 178.
— Von 12 Tugenden u. dem Sinn der
hl. Schrift III 239. IV 90. Excerpte
daraus I 123. IV 129.
Sachsen, Lobgedicht auf die Heri'en von
S. IV 44. — s. Croneken der Sassen.
Ludolf.
Sachsen-Lauenburg, Herzöge II 151. •
Sachsenspiegel s. Rechtsbücher.
Sacramentsgebete u. ä. s. Abendmahl.
Sacramentsschändung einer Jüdin Dame
Rosa n 13. — zu Knoblock IV 119.
— Sterneberg II 12. 189. 201.
Salbenrecepte U 53. 56.
Salerno, Regimen Salernitanum III 149.
Salicetus, Nie, Antidotarius anime III
110.
Saligen, Van den s. vnde vordomeden na
dessem leuende (Lehrgedicht) n 161.
Salmen, salter s. Psalmen etc.
Salomon, Aussprüche über Christi Leiden
m 88.
St. Salvatororden, Regel IV 29. 198. —
Zusätze des Priors Peter IV 29. 199.
— Myst. Auslegung IV 29. — Sequen-
zen der Schwestern I 105. — s. Bir-
gitta. Brüderschaftsstatuten.
Salve regina s. Marienandachten. Marien-
gedichte.
Salzwedel, Soltquellensia I 191.
Samuel, Rabbi, Brief v. d. Ankunft d.
Messias II 177.
Sanderus, Job., Mantissa ad Chronicon
Magistrorum Ordinis Teutonici in Li-
uonia II 131.
Santijfijca nos to dude II 36.
Sasger, Doctor Caspar, Vam vegefur etc.
I 160. — Ecclesiastorum sacramentum
(lat. Druck) III 219.
Satire auf Mecklenburg (neund.) II 195.
Satirischer Sermon (gereimt) 1 274.
Satirisches Gedicht HI 114. — auf die
kathol. Geistlichkeit II 99.
Sau, Nordische I 137. II 3 N. 1. 97. 130.
202.
Saxe, Peter, Eiderstedtischer Geschichts-
schreiber, Werke II 85 f.
Saxo, Auszug aus II 84. 120. 121.
Schachbuch, Meister Stephan (Druck)
II 188. — Jac. de Cessolis II 60.
Schauspiele, Osterspiel I 236. — Pas-
sionsspiel I 251. 306. ; vgl. III 254. —
Hoppe, Spiel auf d. Interim I 164. —
Theophilus IV 3. 166.
Schedencloit s. Rechtsbücher Richtsteig.
Scheller, K. F. A., Abschriften IH 171.
197. — Handexemplar s. Bücherkunde
III 171.
250
C. Borchling
Schelmenlied IV 74. [167.
Schetzelo, Von e. Einsiedler Seh. IV 40.
Schevekloth, Fastnachtsspiel I 227. III
122.
Scheuenklot I 242; s. Rechtsbücher
ßichtsteig.
Schichtbuch s. Chroniken Braunschweig.
Schiffrechte, Flensburg IV 25. — Ham-
burg s. Stadtbücher Hamburg. — Lü-
beck III 126.
Schiphower, Oldenburgische Chronik i. d.
nd. üebersetzg. v. Job. v. Haren I 87.
89. 95. 138. 230. II 81. 82. 142. HI
120.
Schleswig-Holstein, Ereignisse II 113. —
Herzöge II 184. — s. Russe.
Schleswig, Landgerichtsordnung IV 24.
— ShoteUbok II 87. — Stadtrecht IV
132.
Schlössern, Von 5 geistl. I 241.
Schlüssel des Landrechts s. Rechtsbücher,
Alphab. Arbeiten.
Schmählied auf den Lübecker Kaufmann
Herm. Israhel II 121 N. 1.
Schmiede, Goldene I 93. IV 81.
Schöffenbuch der Stadt Halle lU 231.
Schöffenrecht, Goch IV 58.
Schöffensprüche, Aachen an Duisburg IV
55. — Bremen III 126. — Calcar IV
199. — Cleve IV 36. 72. — Cöln IV
45. — Dortmund f. Wesel IV 54. 73.
197; f. Minden IV 141. — Duisburg
IV 55 ; an Mors IV 55. — Dülken IV
83. — Mors IV 55. — Wesel IV 52.
Schoefferus, F. IV 20.'
Schole der hemmelschen ouinge s. St.
Bernhard.
Schölten, Dr. R. (Cleve) IV 37.
St. Scholastica, Reimgebet III 59.
Schomaker, Chronik der Stadt Lüneburg
I 148. 149. 177 N. 1. 194 N. 1. 195
N. 1. 218. 230. II 67. HI 95. 102.
121. 126. 145. 171. 197.
Schoenemann, Otto III 197.
V. Schoonhoven, Job., De passione do-
mini I 243. — Epistula in Eemsteyn,
Jat. II 173.
Schöpfung, gereimt IV 171.
Schöpfungsbericht der Genesis II 15.
Schöppenchronik , Magdeburger I 234.
III 209. 235. 250.
Schöppenstedt III 104.
Schoppius, Braunschw. Chronik I 171.
194. III 148. 197.
Schramm, P. in Iber, Nachträge zu Scbel-
lers Bücherkunde III 171.
Schreiberverse I 107. 192. II 132. III
122. 152. 153. 226.
Schreibvorschriften III 146.
Schrick, Michel, Von den vßgebrenten
wasseren IV 127.
Schröder IV 58. — Joach., Vnderrich-
tinge Vam warhafftigen vnd yalschen
Gebede IJ 179 f. — Karsten, Dithmar-
sische Chronik II 151.
Schule, Öffentl. III 146.
Schulglossar, lat.-nfr. IV 182.
Schueren, Gerb. v. d., Clevische Chronik
III 207. IV 23. 37. 45. 56. 57. 112.
197. Auszüge IV 74. — Teuthonista
H 62. 145. III 207. IV Ulf.
Schutzeil, Pauell, vonn Leiptzig, Histor.
Lied auf die Einnahme von Warberg
1565 II 85.
Schutzengel, Gebete zum II 126. — Reim-
gebete III 26. 43. 77.
Schützengesellschaften, Statuten IV 9;
gereimt IV 9.
Schwabenspiegel s. Rechtsbücher.
von Schwartz, Albrecht Georg, Stadt-
Stralsundische Privilegia u. Monimenta
II 194.
Schwerdt-Brüder s. Chroniken Liefland.
St. Sebastian, Leben III 136. — Reim-
gebete III 27. 65.
Scracz, Jacobus, de Indagine, Gedichte
HI 214.
Sechs Klagen Unsers Herrn (gereimt) I
89. II 47. III 35 N. 1. 48. 164. 245.
IV 160. — Dinge die gut sind IV 136.
— Stücke der Liebe Gottes II 31. —
eines christl. Lebens II 32. — des gu-
ten Menschen IV 157. — des Gel)ets
IV 157. — Stufen zur vollen IJeilig-
keit II 191.
Secretbüchlein (medic.) IV 146.
Secretis, De s. et morbis mulierum (mnld.)
II 60.
Seebuch I 145. III 238.
Seedyk s. Remmer.
Seele, Tractat über die III 55. — min-
nende S. s. Gespräch.
Seelengebete I 103. 197. III 161. 24ß.
IV 22. — Die 5 Deprofundis I 289.
IV 12. — Gulden gebet I 128. — Die
34 Miserere f. d. Seelen IV 23. — Dje
5Mis. I 289. — 10 Paternoster I 315.
— Gulden zeletrost I 99. 197. 312. —
Vesper III 223.
Seelenmessen 1 105. II 11 f. 175.
Seelentrost, Großer I 85. 201. 11 24. III
143. 144. 211. 252. 258. IV 142. Ex-
cerpte daraus I 180. Exempla III 258.
— Kleiner III 10. 43. Teile daraus
II 166 f. III 11. Meßerklärung daraus
I 85. III 10. 43 f. Excerpte III 13.
— Goldener s. Seelengebete.
Segen 1 200. 213. U 36. 45. 59. 118.
12Q N. 1. 127. 170. 171. 186. 19^ JIJ
ß8. 44. 77. 160. IV 114. 161. Ißß. —
lat. 11 lß9. III 164. — gereimt X 274.
n 118. 127. III 38. 57. 77. 246. —
Register IV.
251
Blutsegen I 142. III 44. — Morgen-
segen 11 118. III 246. — Reisesegen
II 127. III 77. — Tobiassegen II 171.
— Waffensegen II 118. 127. —Wurm-
segen II 118. III 149. IV 114.
Selbhart, Heren Ss. regel (allegorisch) I
132
Seligpreisungen I 262 f. (30).
Sendbrief, Erklärung und Beschreibung
eines S. I 295.
Seneca, Kleine Aussprüche I 125. IV
157. — Van Seneken armode III 45.
Sequentien III 28. — des Kirchenjahrs
I 106. — der sistere in d. orden des
hl. salichmakers I 105.
Sermone s. Predigten.
Sesolis s. Cessolis.
Sibillen prophesien (gereimt) I 168. 202.
— Die 15 S. I 210. — Von Sibilla u.
König Salomo III 146.
Sydrac II 74. 108. IV 5. 19.
Sieben Dinge I 129. — Gedechtnisse I
101. II 31. III 25. 57. IV 157; der
Passion III 21. — Wege IV 131.
Siebenjähriger Krieg (dän.-schwed.)il 85.
Siebenzahl IV 104.
Sievershausen, Schlacht b. III 201.
Sigismunda des Boccatius III 185.
Syhlrecht, Ostfriesisches III 120. 233.
Silvius, Eneas II 32 f. III 150.
Symeon, Legende des Kindes S. II 192.
St. Simon u. Judas, Andachten III 82.
Sittmann, Hartwich, Hadelographia I 230.
St. Sixtus, Reimgebet III 60.
Skra von Nowgorod III 144.
Slaggert, Lambert, Chronicon d. Klosters
zu Ribbenitz II 79 f. 195. 200.
Smeding (Smedeken), Karsten, Segellatio
Indica I 235. II 151. — Druck II 99.
Soester Fehde III 194.
Soltau I 153. III 201.
Soltquellensia 1 191.
Sonntagsevangelien s. Plenarien.
Sore (Sorö) s. Nigels.
Spalatinus, M. Georgius, Etliche Christ-
licke gebede . . . vth D. Martinus Luther
Bockeren II 49. 183.
Sparenberch, Arendt, Vorrede zur Bremi-
schen Chronik von Rynesberch-Schene
II 169.
Spangenberch , M. Joh. , Adelsspiegel I
135 f. (hd.). — Leichenpredigten II 45.
Speculum amatorum mundi 11 29. —
consulum, lat. u. nd. IV 54. — hu-
manae salvationis (gereimt) I 176. 208.
282 f. II 13. 18. III 117. 197. — lat.
Fortsetzung I 283. II 16 f.
Spegel, speygel s. Spiegel.
Sperling, 0. II 50.
Spiegel der menschlichen Beheltnisse
(Prosa) IV 44. Druck IV 119. —
des (hilligen) cristen ghelouen I 123.
246. IV 92. Druck III 216. — der
cristene mynschen s. Coelde, — der
dogedc (Druck) I 255. II 102. 121.
135. III 217. 248. IV 163; ältere Hs.
von Buch I: II 102. — des meisters
Hermetis I 145. — dines herten (alle-
gor.) I 258. — der waren ynkere to
gode (Druck) III 219. — der Jung-
frauen I 205. — aller lefhebbere der
sundigen werlde IV 9. Druck III 181.
186. 217. 235. — derleyen, des Gerh.
Bück I 283. — der leyen (Druck)
III 181. — Mystischer Sp. I 243. —
der mynsliken salicheyt s. Speculum.
— der sammitticheyt (Druck) I 111.
III 191. — der ßunder (gereimt) II 156.
III 94; s. Rutze. — des sunders I 122.
— der zonden (Lehrgedicht) I 280. —
der Vollkommenheit IV 98. 192. — s.
Marienklage.
V. Spiegelberg, Lippold III 122.
Spiele, Geistl. s. Schauspiele.
Spinnstube, Geistl. (gereimt) III 34.
Spormeker, G., Chronik v. Lünen I 300.
Spottlied auf Joh. Gropper I 294.
Spottlieder der kathol. Partei in Stral-
sund 11 192.
Spottpraktika des Codros II 186 f.
Spottspruch auf alle ndl. Provinzen I
274.
Spottvers der geldrischen Landsknechte
IV 56 f.
Springer, Eilert I 87. 88. 92. 93.
Springintguth, Joh. s. Dorinck.
Sprüche (gereimt, s. auch Prosasprüche)
I 82. 83. 87. 94. 116 f. 125. 141.
167. 175. 182. 207. 208. 211 f. 217.
274. 276. 307. II 19. 55. 81 f. 102.
Ulf. 114. 116. III 50. 66. 122. 149.
167 f. 203. 239. IV 182. 199. — lat.-
nd. I 116. 184. 307. II 124. — Geistl.
I 125. 182. II 28. 81 f. 162. 177. III
51. 66. 122. IV 174; s. Auctoritates.
— Vierzeiler II 55. 56. 81 f. 103. 112.
114. 125. 157. 159. 189. IV 42. 47.
57. 126. — Sprüche der klugen u.
törichten Jungfrauen I 303, — Ju-
sticia is geslaghen dot I 175. 273. 298.
II 125. 196. — van leren sterven II
156. — über Leiden IV 181. — 4 Mauern
eines Reiches I 146. — 7x7 Rostocker
Kennewarden I 150. — Stadtregiment
I 116. 140. — Tod u. ewiges Leben
IV 187. — Salomonis, nd. III 162.
Spruchgedicht I 147.
Spruchreihe: Agricola ad Octauianum I
274 (nid.). — im Ratsstuhl zu Bremen
II 72. — Lat.-nd. Spruchr. III 99. —
s. Auctoritates. Vogelsprachen.
Spruchsammlung, Nd. poetische I 179.
252
C. Borchling,
Sprüchwörter III 122. — lat.-nd. IV 20.
200.
Stader Reimklage I 147. — Stadtbuch I
, 147. — Stadtrechte III 124. IV 125 f.
Stadtbücher, Braunschweig III 134. —
Hamburg I 140. II 50. 69. 146. III
126. 231. 233. 250. IV 24. 132. —
Hannover I 235. — Hildesheim III
199. — Kiel II 148. — Minden IV
140 f. — Stade I 147.
Stadtrechte,! Aachen IV 61. — Arnheim
IV 50. — Braunschweig III 197; das
ältere St. IV 132 ; St. von 1532 III
134. 232. 233. IV 132. — Bremen I
96. 140. III 126. 135 f. IV 24. 132.
— Calcar IV 37. 50. 59. 64. 67. 68.
70. 71. 82. 199. — Cleve IV 36. 37.
50. 51. 59. 61. 64. 67. 69. 71. 109.
132. 199. — Cöln III 233. IV 24. 28.
46—49. 75. 132. 182. Stadtr. von
1437 IV 46—48. 72. 75. Neue Re-
form. 1513 IV 47. 49. Erbvogtrecht
auf d. Eigelstein IV 46. Der Stadt
Cöln Recht u. Burger freyheit (Druck)
IV 47. 48. — Dinslaken IV 81 f. —
Dortmund IV 132. — Duisburg IV 54
—56. — Eckernförde IV 24. — Em-
merich IV 37. 67—70. 82. Marktzoll
zu E. IV 68. — Erkelenz IV 73. 199.
— Flensburg II 157. IV 24 f. — Gennep
IV 37. 51. —Goch IV 37. 70. — Gos-
lar III 125. — Hadersleben IV 24. —
Hamburg s. Stadtbücher. — Hildesheim
III 200. — Lübeck III 227. IV 132.
St. von 1253 III 126; von 1270 U 75.
— Lüneburg I 141. 153. — Magdeburg
I 116. — Minden IV 141. — Neuß IV
67. 68. — Nowgorod III 144. — Nym-
wegen IV 65. 66. — Oldenburg iV
132. — Rees IV 37. 66—68. 73. 200.
— Schleswig IV 132. — Stade III 124.
IV 125 f. — Tiel IV 66. — Verden IV
132. — Werth u. Wertherbruch IV 37.
— Wesel s. Privilegien. — Wisby III
144 [vgl. W. Schlüter, Mitt. d. Ges. f.
Gesch. u. Alt. der Ostseeprovinzen Ruß-
lands, Bd. 18 (1907) S. 487 ff.]. — Xan-
ten IV 67. — Zandwijck IV 66. —
Zutphen IV 68. 70. — Unbestimmt III
220.
Stagel, Elsbeth IV 107.
Stammbücher I 83.
Staphorst, Nachlaß I 146.
Statuten d. Bäcker zu Essen IV 153. —
Brüderschaftsstat. IV 9. 28. — Cister-
cienser IV 121. — Franciscaner H 171.
— Schützengesellschaften IV 9. — s.
Stadtrechte.
Statwech, Joh., Weltchronik III 200—204.
— gereimt I 212.
Steier I 172.
Steinfurt IV 56.
Steingedicht II 104 f.
Steinhöwel, Aesop (Druck) III 184. 188.
Stendal, Drucke III 180. 236.
Stenneberg, Georg, Katechismus 1545 IV
St. Stephan, Reimgebet III 26. [22.
Stephan, Meister, Schachbuch II 188.
Sterbegebete III 30. 49. 83. 158. IV 101.
Sterbekunst s. Ars. [136.
Sterben, Das große St. 1463 III 210.
Sterneberg, Sacramentsschändung II 12.
189. 201. — Lied II 12.
Sterngasse, Der von St. I 268 f. IV 40.
Steterburg, Klosterinsassinnen III 90.
Stiftsfehde s. Berichte Hildesheim ; Hist.
Lieder Hildesheim.
Stockholmer Drucke II 85. — Sammlung
II 108 f.
Strafpredigt gegen die falschen Predi-
kanten (gereimt) II 160.
Stralsund II 194. — Chroniken I 172.
II 191 f. 194. — Hist. Lieder I 172.
III 192. — V. Schwartz II 194. — Sun-
densia III 192. — Wessel I 172. III
194.
Straßburg, Dudesche Misse in II 48. —
Verordnung des Rats III 173, — s.
Drucke. [III 118.
Streit der vier Töchter Gottes (Gedicht)
Streitgedicht gegen die kathol. Geistlich-
keit (Druck) II 99.
Streitschriften der katholischen Partei in
Lüneburg I 159—165. — Jegen der
Martineschen lere II 155.
Stricker, Vom König im Bade I 253.
Suchen, Sudheim s. Ludolf v. Sudheim.
Sülzbuch der Familie v. d. Molen zu Lüne-
burg U 186. 199. III 152.
Summa Christelicker leer I 301. — Jo-
hannis (Drucke) III 180. 215. 235. 236.
249 N. 1. — de vitiis III 210.
Sünde u. Beichte, Tractat über III 10.
— Van ßünde in kledinghe II 155.
Sündenbekenntnis III 210.
Sünden Verzeichnisse I 127.
Sünden Widerstreit (Gedicht) III 18.
Sundensia, Collectaneen des Joh. Ehren-
fried Charisius II 192.
Sunderlike gnade der geistl. Personen
III 46. 109. 148.
Suso, Heinr., Horologium eterne sapientie
I 85. 179. 243 f. 259. 299. 315. II 26.
194 N. 1. IV 92. — Auszüge daraus I
178. II 127. 158. III 44. 214. IV
36. 175. — Sterbekunst aus Buch II:
IV 137. — Leben des Dieners der Ew.
Weisheit IV 107. — Predigten I 269.
IV 105.
Süßigkeit, V. d. S. Gottes I 132.
Swarten, Lambertus, Lat.-nd. Vocabula-
rius II 62.
Register IV.
253
Swetenden süke, Regiment der (Druck)
III 219.
Sylt II 149. 202.
St. Sylvester, Gebete zu II 43. — Reim-
gebet III 59.
Synonyma, lat.-nd. IV 198. — Ricardi
III 107. — Simplidum II 195.
Tafeln mit Reimsprüchen IV 116.
Tafelrunde, Aufschriften der T. zu Hildes-
heim I 227.
Tageslauf, Geistl. (gereimt) 11 159. III
50.
Tagesordnung, Geistl. f. Nonnen IV 187.
Tageszeit, Geistl. II 175. III 31. 35. 159.
223.
Tageszeiten, Sieben s. Reimandachten.
Tagweise, Große s. Peter v. Arberg.
Tagzeitenlied s. Reimandachten.
Taleke Kinderlehre II 188.
Tanhäuserlied II 186.
Tanz, Wat de lerers volen van den
dantsen vnde sprynghen III 176.
Tauler, Job., Predigten 1 303. III 211 f.
Druck III 212. — Excerpte aus T.
IV 56.
Tecklenburg IV 56.
Tedema s. Lemmege.
Te Deum laudamus dudesch I 203. —
s. Psalterien (Anhänge).
Terentius, Vulgaria Therentii (Drucke)
III 217. 237. — Terenzglossen 11 190
N. 1.
Testament, Neues I 286. — eines wahren
Christenmenschen I 169. III 82. —
Druck III 180. 241.
Testamente IV 48. 117.
Teuthonista des G. v. d. Schueren II 62.
145. III 207. IV Ulf.
Theda, Gräfin von Ostfriesland I 82.
St. Theodardus, Reimgebet III 61.
St. Theodora, Leben IV 63.
Theologische Prosa III 167.
Theophilus IV 3. 166.
Thiens Rechte s. Latenrechte.
St. Thomas, Leben III 136. 221.
Thomas v. Aquino, Gebete I 112. IV
190. — Van godes bekantenysse II 10.
— Van den gotlicken seden II 10. —
Einzelne Aussprüche II 127. — v. Can-
telenberghe, Die 7 himml. Freuden
ULFr. I 310. n 146. — Reimgebete
zu Th. V. C. III 59. 68. 72. — Cantim-
pratensis, Bienenbuch IV 174; nid. I
249. II 49. — a Kempis, Nachfolge
Christi III 31. 54. 159. 240. IV 128.
Dr ucke II 154. III 189. 236. — lat.
II 23. — s. Alphabet I 288.
Thord Degn IV 25.
Tide s. Hören. Reimandachten.
Tiel, Privilegien IV 66. — Stadtrechte
IV 66.
Tierkreistafel IV 149. berechnungen
IV 186.
Timon Rodolphi, Trifolium aureum I 82.
St. Timotheus, Reimgebet III 59.
Tyes, Jon, Histor. Collectaneen (Eider-
stedt) II 87 f.
Tytelboek (Druck) III 217. — Titular-
buch IV 69.
Tobiassegen II 171.
Töchter, Vier T. Gottes (Gedicht) III 118.
Todesklage Frauenlobs II 58.
Todsünden, Sieben IV 154. 160. — Trac-
tat über die T. III 33; allegorisch I
101. -- Joseps Gedicht v. d. T. I 83.
Tondalus s. Tundalus.
V. Tongern, Arnt I 266.
Totentänze I 210. — Drucke H 140. III
181. IV 163.
Tractat, beg. : Anima hominis imago III
55. — He scal vndertreden dat golt
allen dat bor II 197. — Hir vmme
starre ik die an mit minen gotliken
gheblicken II 197. — Myn deile heb
ich aen dich verkoren I 251. — Su
an dat du byst slym III 51. — Dogma-
tischer I 269. — Geistl. (md.) III 155.
— Lehrhafter geistlicher in 3 Büchern
III 17. — gegen Irrtümer in der Lehre
vom Abendmahl, von Wunderblut- u.
Bilderverehrung II 19. — über das
üppige Leben der Mönche II 194 N. 1.
— über Versuchung zur Sünde u. ihre
Bekämpfung, lat.-nd. H 172 f.
Tratziger, Ad., Hamburg. Chronik I 140.
H 73. 74. 184. 195. HI 234. IV 148.
— Series der Hamburger Bürgermeister
etc. II 163.
Trier, Literatursprache des 15. Jahrhs.
IV 5.
v. Trimberg, Hugo, Renner III 171.
Trinklieder III 104. — Rummel deus II
151.
Troja, Historie van Tr. I 172. III 198.
Trunkenen Leute, 28 Arten der (gereimt)
III 114.
Truwe Boeck III 197.
Tugendlehren I 126. 129. IV 41. — nach
den Evangelien (gereimt) II 160. —
Acht vnde wyse eynes jewelken gheyst-
liken mynschen I 256. — Anstands- u.
Sittenregeln f. Nonnen I 129. II 21.
— Van wetinge der doget to begerende
II 22. — Wie man ein guter Mensch
werden soll III 58.
Tundalus I 84. 251. 264. IV 107. 201.
Türk, Johann, Clevische Chronik IV 38.
Türken, Von den, Bericht III 198. [56.
Uebung, Geistl., beim Schlafengehen III
30.
Ulrich V. Megenberg, Buch v. d. Gesunt-
heit IV 117.
äB4
C. Borchling,
Ünäörricht vam Gelouen vnde werke dfer
christenn II 157, s. Wicel.
Vnderrichtunge, Christliche, wa van all
b8ß vnd gut disser werllt meist vrsache,
begin vud vortganck hauen (Druck)
III 219.
Underscheit, Van ü. der genaden vnd der
naturen I 128 f. — U. der sunden v.
doghede 1 168.
Vnderwysinge, Christlik V. vam louen,
h6pen etc. (Lehrgedicht) II 159.
Ungarn, Ludw. v. II 102. III 104.
Vpstandinge, Vän der I 257.
St. Urbanus, Reimgebet III 60.
ürbanus Rhegius 1 165.
Urinoskopien III 109.
Urkunden II 124. IV 186. — Bielefeld
111 83. — Dithmarscheri I 136. — betr.
Hatnburg u. Holstein II 149. — Hildes-
heim III 110(?). 199. 200. 210. —
Ilsenburg III 111. — Lüneburg I 157.
167. — Kl. Marienberg III 155. —
-abschriften (bremische) II 71.
Ürsinus, Jo. Henr., Spirensis II 63.
Ursprung des klösterlichen Lebens II 158.
— Fabelhafter U. der Westfriesen und
ihres Rechts I 186.
St. Ursula, Leben IV 94. 201. — gereimt
I 118. — Reimgebet III 61.
Urteile s. Schöffensprüche.
Ußersteii, Utersten s. Xovissima.
Vtiilegginge des gelouens (Druck) III 189.
217. 222.
Utrechter Arzneibuch I 239. 241.
Valastus v. Tareuta, Bok van d. pesti-
lencien II 142.
St.. Valentin, Reimgebet III 59.
de Valcz, Johannes III 187. 215. 216.
Väterbuch, gereimt IV 76.
Vaterunser s. Paternoster.
Veghe, Johannes, geistl. Lieder I 285.
— Predigten I 285. — Wyngarden der
Venloer Tractat IV 58. [Zeelen I 286.
Verbarius s. Vocabularien.
Verden, Chartular des Bistums V. IV 195.
— Stadtrechte IV 132.
Verein f. nd. Sprachforschung I 79.
Verhe, Ulrich, Märkische Chronik I 215.
299. IV 57. 148. 167.
Veronica III 215. — Reimgebet zu V.
III 61.
Versus memoriäles, lät.-nd. III 99. — lat.
II 114 N.l. lÜ 147. 151. — Estfeodus
lengot etc. IV 133. — f. die Bestimmung
der Jahreszeiten 111 174.
Verzeichnis der alchym. u. medic. Fäch-
wörter IV 26.
Vespasius, Herrn. I 181.
v. St. Victor. Hugo, Gebet IV 128. —
Richard, Auslegung des Hohenliedes
Vieharznei, Mychael I 161. [IV 84.
Vier Artikel f. Klosterleute I 205. — Ge-
stalten des Arztes (gereimt) III 176.
Viethen, Anton, Dithmars. Geschichten II
95.
Vigilie I 128. 268 III 46. 47. IV 125.
152. — lange V. II 194 N. 1. ~ Vesper
der V. III 131. — V. gereimt II 105.
III 253. — Gebete zur V. IV 17. —
Düdesche (sat. Gedicht, Druck) II 99.
St. Vincentius, Leben III 96. 136. IV
62. — Reimgebet III 59.
Vincentius v. Beauvais, Auszüge aus s.
Werken III 105.
Viridarium beate virginis des Pfaffen
Konemann I 190 f. 208.
Vischculen, Van den, s. Chroniken Lüne-
burg, Jüngere Bromeschronik.
Vischers, Johan, Lehren f. Nonnen I 288.
Visio Philiherti III 228.
Visionserzählungen I 205. II 11. III 148.
Visitationsberichte, Kl. Büderich IV 60.
— Dahlenburg III 154.
Vitaspatrum II 164—166. IV 134. —
Auszüge II 116. — Einzelne Exempel
daraus III 10. IV 188. — Drucke III
187. — md. Gedicht III 201.
St. Vitus, Gebete IV 185. — Leben IV
62. — Reimgebet III 60.
Vocabularien, A) alphabetische: 1) lat.-nd.
I 87. 118. 119. 134. 188. 184. 193. 214.
223. 248. 280. II 23. 62. 107. 115.
122. 145. 196. HI 5. 151. 172. 192.
238. 249. IV 20. 109. 110. 132. 143.
144. 167. 199. Drucke III 189. —
Vocabularius Kngelhusen III 209. IV
167. — Ex quo I 175. 184. 192. II
29. HI 10. 152. IV 20. 42. Drucke III
189. — Gemmula vocabulorum (Druck)
III 217. — 'J'euthonista s. Schueren.
— Vocäbularius optimus (Druck) III
237. — Vocabula theutonizata I 280.
— Vocabelverzeichnis zum Doctrinale
des Alex, de Villa Doi Hl 13. 151.
IV 20. — Nominarius II 196. III 152.
192. IV 2(». — Verbarius II 145. 196.
III 151. 152. 192. IV 20. — Indedi-
nabilia II 196. III 192. Drucke III
189. — 2) nd.-Iat. I 192. II 193. IV
110. — Drucke III 189. — s. Schueren.
— 3) griech.-lat.-nd. I 196. — B) sach-
lich geordnete l:it.-nd. I 183. II 23.
III 232. — botanische Wörterverz. s.
Pflanzenverzeichnissc. — medicinische
II 54. 11 »5. IV 26. — pharmaceutische
II 195. — von Ptianzen, Mfetallen, Mi-
neralien u. ä. II 117. 195. — Curia
palatium IV 182.
Vogelsprachen I 223. 241. II 113. —
Bruchstück I 175.
Volk, Dits vanden volke van ertrike (ge-
reimt) I 278.
Register IV.
255
Volksbücher, Historie van Alexander dem
greuen van Metze (Druck) III 183. —
Griseldis I 247. — Karl d. Gr. (dänisch)
n 113. — Hystorie v. e. Keyser to
Rome u. s. erliken Keyserin (Druck)
III 183. 217. — Lucidarius II 193. IV
171. — Paris und Vienna II 136. —
Hystoria Sigismunde des Boccatius III
184. 185. — Historie von Troja I 172.
HI 198.
Vollkommenheit, Von der I 129. 256. —
Von vollkommenem Leben II 164.
de Voragine s. Jacob us.
Vorbereitungsbuch f. d. Novizen^e. Jung-
frauenklosters I 198.
Vormetenheit, Jegen de V. (gereimt) II 161.
Vorschriften f. geistl. Jungfrauen III 81.
— f. geistl. Leute IV 8. -- f. d. Tage
der Woche III 94.
Vorsmack unde vorkost des hemmelschen
paradises III 97. — Druck III 21.
de Vrimaria, Henricus III 45. 210. IV
154.
Vroude, De vr. des sele trostes des hilgen
ghestes (Prosagebete) I 100.
Vulgaria Therentii (Drucke) III 217. 237.
Wacholderbaum, Natur des Ws. I 142.
Wahrheiten, Von drei II 176. III 52. 53.
Waldfeucbt, Schützengesellschaft IV 9.
Waldordnungen, Duisburg IV 55.
Walewan, episch IV 112. — Wallew(ain),
episch IV 112.
Wallen, Von geistl. III 45.
Wanderung, Von geistl. W. I 308. IV
170. — zu St. Jacob von Compostella
III 86. — s. Allegorien.
Wapen Christi (Passionsand.) III 82.
Wappen- Abbildungen I 233. II 15 f. 75.
III 116. 126. 207. IV 64.
Warberg, Hist. Lied II 85.
Wassenberch, Job., Duisburger Chronik
I 299.
Wasserrecht, Rheinisches IV 65. 67. 71.
— Wisbyisches II 75 f.
Wedergang, Propst zu Lunden, Van den
festen dat jar over III 96.
Weghe, Van dem koninglikeme w. des
crutzes cristi (Druck) III 241. — Sieben
Wege IV 131.
Weichbildrecht, Magdeburger III 262.
Weihnachtsandachten III 15. 61. 161.
166. 167. 170. — gereimt III 90.
Weihnachtsbreviere mit gereimten Stellen
u. Liedanfängen, lat.-nd. II 48. HI 62.
90. 94. 206. — nd. III 93. 134. IV
Weihnachtsgebete III 161. [186.
Weihnachtslied, In dulci iubilo III 134.
Weihwasser, Ueber d. IV 180. [218.
Weinrechnungen IV 106.
Weissagungen, Die W. der Propheten auf
Christus u. s. Kirche III 12. 13.
Kgl. Ges. d. Wiss. Nachrichten. Phil.-hist.
Weltchroniken I 209. III 104. 240. —
Sachs. II 63. 64. 100. — Bote III 241.
— Engelhusen III 101. 171. — Stat-
wech I 212. III 200. 204. — s. Körner.
Wendesche kroneke (Druck) III 187. —
stede s. Chroniken.
Wendunmuth III 149.
Wenmaring, M. Theod., Pastor zu Dahlen-
burg III 154.
St. Wentzelaus, Leben IV 96.
Werdum, Berichte I 92. — Ulrich v. W.,
Res Frisiae I 92.
Werke, Ueber gute II 159.
Werkmann, M. Job., Historia von Joh.
Bandtschowen etc. (Wismar) II 189.
Wernher v. Niederrhein und d. Wilde
Mann, Gedichte I 200.
Wernher, Mester Günther, Eyne fryheit
so dat lant tho Dytmarschen is bega-
uet etc. I 136.
Werth, Wertherbruch, Stadtrechte IV 37.
Wesel, Predigerkloster IV 197. — Privi-
legien IV 50—54. 59. 64. 67. 72. 83.
197. — Rechte u. Ordnungen IV 52.
53. — Schöffensprüche IV 52. — Dort-
mund-Weseler Recht IV 54. 73.
Wessel, Frantz, Historia d. Stadt Stral-
sund I 172. II 194. — Lebensbeschrei-
bung I 172.
Westhoff, Dietrich, Dortmunder Chronik
Wetterregeln I 306. [I 297.
Weverslaicht IV 49. 118.
Wicel, Georg, Evangelion M. Luthers II
156. — Vnderricht vam Gelouen vnde
werke der christenn II 157.
Wiczinhusen, Otte v. IV 137.
Widmungs- u. Bittgedicht I 216.
Wiedertäufer I 121. 296. II 132 N. 1.
Wiganth, M., zu Bressel (Arzt) II 56.
Wigberts, P. Chr., Calendarium domesti-
cum II 93.
Wilde Mann, Gedichte des W. M. I 200.
Wylhem Hus ten Kleue (Arzt) II 56.
Wilhelm v. Oesterreich IV 81.
Wille, Der liebste W. Gottes II 32. III
111. IV 35 (g). — Von d. Willen IV
155.
Willem ten Hamme IV 114 f.
Windesheim, Dem Capitel z.W. verliehener
Ablaß III 210.
Wisby, Stadtrecht IH 244. — Wasser-
recht II 75.
Wysheit, Bok der ew. W. s. Horologium.
Wismar, Chroniken H 189. 195. — Jürgen
Peters von der W. (Arzt) H 56.
Wittenberg, Drucke H 132 N. 1. III 154.
219.
Wittwenspiegel (aus dem Kl. Seelentroste)
H 167. IH 11.
Witzendorff, Heinrich, Reisebeschreibun-
gen I 150.
Klasse. 1913. Beiheft. 20
256
C. Borchling, Register IV.
Wolfenbüttel, Arzneibuch III98.— Histor.
Lieder I 171. 194. III 104.
Wolfsburg, Schi. U 115.
Wöltingeroder lat.-nd. Breviere III 62.
87. 89. 93. 94. 146 f. 166. 206.
Worp von Thabor, Chronik von Fries-
'•' land r242. 316.
Worte, Von 3 Worten (Anhang der Sterbe-
kunst) IV 30. — Sieben W. s. Ma-
rienandachten. Mariengedichte. Pas-
sionsandachten.
Wuchjer, Van dem laster des wokers II
Wucfierer in d. Hölle IV 62. [34.
Wundarznei, Lehrbuch 4er W. IV 26.
Wunderblutverehrung II 19.
V. Würzburg, Johann IV 81. — Konrad
> I 93. IV 81.
Xanten IV 83. — Berdrem X. IV 197.—
Deichordnungen IV 65. — Stadtrecht
IV 67. — s. Latenrechte.
Zahl, Goldene s. Kaiendarien.
Zandwijck, Privilegien u. Stadtrechte IV
Zaubermittel H 191. [66.
Zauberspruch I 249.
Zehn Freuden I 105;
Zeichen, 12 Z. des lebend. Geistes IV 33.
— der Gnade II 31. — 24 Z. eines
vernünftigen Grundes IV -135. — 15
Zeichen des jüngsten Gerichts I 210 f.
IV 172. 176; gereimt III 48.
Zeno (Gedicht) I 202. 209. III 162.
Ziffern III 150. arten II 55.
Zither, Geistl. III 91. 109; cf. 165.
Zutphen, Grafschaft IV 65. 69 ; s. Lehn-
rechte. — Stadt IV 65. Stadtrechte
IV 68. 79. — Heinrich v. Z. II 94. 169.
Zwölf Früchte des hl. Abendmahls HI
18. IV 8. — Grade eines seligen Lebens
III 101. — Hindernisse des geistl. Le-
bens I 101. II 31. III 58. 70. IV 35.
— Lehren I 101. 256. 264. II 176.—
Ratschläge Christi III 176. IV 173;
des Evangeliums I 204. — Stücke heils.
Lehre I 101. 256. — Tugenden der hl.
Messe III 57. — Zeichen d. Gnade II
31. m 49. IV 33.
AS
182
G8122
1913
Akademie der Wissenschaften,
Göttingen, Philologisch-
Historische Klasse
Nachrichten
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